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Beiträge mit Schlagwort “Persönlichkeitsstörung

Filmkritik: „Split“ (2016)

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SPLIT

Story

 
 
 

Drei Mädchen geraten in die Hände eines schizophrenen Entführers, der mit den Opfern eigene Pläne hat.

 
 
 


 
 
 

SPLIT – Kritik

 
 
 
Vor vielen Jahren stand Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN mal hoch im Kurs und wurde nach den Erfolgen des Indie-Horrors THE SIXTH SENSE als große Entdeckung gefeiert. Der Film wurde mit sechs Oscars nominiert und gehört mittlerweile zu den kommerziell erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Obwohl dem indischstämmigen Newcomer eine große Karriere vorausgesagt wurde, folgte anschließend eine filmische Talfahrt. Ob DAS MÄDCHEN AUS DEM WASSER, DIE LEGENDE VON AANG oder AFTER EARTH – die wenigsten der weiteren Werke konnte Kritiker überzeugen und stießen auch beim Großteil des Publikums auf Ablehnung. Trotz finanzieller Tiefschläge und missratenem Familienkino folgte 2014 die Wende – offenbar auch, weil M. NIGHT SHYAMALAN mit THE VISIT versuchte an alte Horror-Wurzeln anzuknüpfen. Ausgerechnet mit dem für gerade einmal fünf Millionen Dollar produzierten Mystery-Grusler fand der einst gefeierte Regisseur zu alter Größe zurück. Der Streifen schaffte es – trotz ausgelutschter Found-Footage-Rezeptur – Scharen Kinogänger in die Multiplexe zu locken und spielte weltweit mehr als das zwanzigfache seiner Produktionskosten ein. Ähnliches Phänomen schafften zuvor bereits Low-Budget-Schocker wie PARANORMAL ACTIVITY oder THE BLAIR WITCH PROJECT, die mit kaum Budget umgesetzt wurden und dennoch Produzenten Traumumsätze bescherten. Angezapft vom neuen Erfolg und den vielen Lobeshymnen, die der Gruselblödsinn trotz günstiger Machart erhielt, tat sich der Filmemacher nach THE VISIT erneut mit dem für Horrorfilme berüchtigten BLUMHOUSE-Studios zusammen. Entstanden ist dabei SPLIT – ein weiterer, typischer Shyamalan-Film, der Zuschauer in zwei Lager spalten wird. Entweder man mag die Filme des gruselerprobten Filmemachers oder eben nicht.
 
 
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Kein guter Tag für Außenseiterin Casey (ANYA TAYLOR-JOY aus THE WITCH). Nach einer Geburtstagsparty passiert das Unfassbare. Sie wird zusammen mit zwei Mitschülerinnen von einem mysteriösen Fremden (JAMES MCAVOY) betäubt, entführt und in einen unterirdischen Gebäudekomplex verschleppt. Als sie wieder zu sich kommen, finden sich die verängstigten Schülerinnen in einem Kellerraum wieder und bangen um ihr Leben. Doch der Entführer ist nicht am kaltschnäuzigen Missbrauch oder blutigen Folterungen interessiert. Im Gegenteil – Kevin hat gute Manieren und sorgt sich um das Wohl seiner Opfer. Leider hat der Kidnapper nur ein kleines Problem: In ihm schlummern 23 Persönlichkeiten, die von der Ankunft des ultimativ Bösen berichten. Während zwei der Mädchen nach Fluchtmöglichkeiten suchen, versucht die vom Onkel mißbraucht Casey den Anweisungen der verschiedenen Persönlichkeiten folge zu leisten. Natürlich nicht ohne Hintergrund, will auch sie dem Albtraum unbeschadet entkommen. Währenddessen erhält Therapeutin Dr. Karen Fletcher (BETTY BUCKLEY) mysteriöse E-Mails von ihrem Patienten, dessen multiple Persönlichkeitsstörung beängstigende Züge annimmt. Sie macht sich auf, um sich nach Kevins Gesundheitsstand zu erkundigen. Was sie aber in den vier Wänden ihres Patienten vorfindet, jagt der Medizinerin einen kalten Schauer über den Rücken.
 
 
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Eigentlich hätte aus SPLIT was richtig Böses werden können. Die Grundlage bietet Stoff, den wohl manch anderer Regisseur in Blut ersoffen hätte. Weil aber mit M. NIGHT SHYAMALAN ein Filmemacher zu Werke war, der sich seit THE SIXTH SENSE eher im subtilen und psychologischen Angstbereiten erprobt, bleiben Holzhammer, Schlachtmesser und Kettensäge im Schrank. Angesichts der vielversprechenden Marketing-Kampagnen wohl eine enttäuschende Prämisse. SPLIT wurde nämlich in Presse und Fernsehen als schweißtreibender Psychothriller beworben, der den Zuschauer wegen Hochspannung in den Kinosessel pressen wird. Viel von Spannung ist aber nicht zu verzeichnen, denn der Film weiß mancherorts nichts mit seiner Situation anzufangen und tut sich schwer damit, endlich mal auf den Punkt zu kommen. Stattdessen wird dick aufgetragen und die dünne Handlung künstlich aufgeblasen, so dass SPLIT am Ende mit zwei Stunden Laufzeit unnötig lang geraten ist. Filmemacher M. NIGHT SHYAMALAN lässt sich viel Zeit die Egos des schizophrenen Bosewichts zu ergründen und bereitet Figuren immer wieder im Film auf die Ankunft einer nicht näher erläuterten Bedrohung vor. Ist dann endlich des Pudels Kern gelüftet und das lang angekündigte Böse zu sehen, dürfte sich mach Zuschauer verschaukelt fühlen und sich darüber ärgern, auf das ausuferndes Werbegequassel hereingefallen zu sein. Hier wird viel Lärm um nichts gemacht, denn was dann letztendlich im Finale über die Leinwand krabbelt, wirkt in seiner übertriebenen Darstellung beinahe unfreiwillig komisch. Dabei beginnt SPLIT eigentlich alles andere als dämlich und hat mit ANYA TAYLOR-JOY und JAMES MCAVOY gute Schauspieler in petto. Letzterer mimt die verschiedenen Persönlichkeiten glaubhaft und steigert sich mit teils beängstigender Intensität in die unterschiedlichen Rollen hinein. So kämpft sein Protagonist Kevin im Film immer wieder gegen die vielen Alter-Egos an, verliert aber am Ende den Kampf über die Bestie, die im Unterbewusstsein schlummert. SPLIT ist erstaunlich züchtig und weniger überraschend, als die bisherigen Machwerke des gebürtigen Inders. Wie immer hat Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN auch diesmal das Drehbuch verfasst. Neu ist jedoch, dass er in SPLIT auf den obligatorischen Schlusstwist verzichtet hat, auf den seine bisherigen Filme ausgelegt waren. Offenbar sind ihm Ideen für haarsträubende Überraschungsenden ausgegangen, weshalb man die Auflösung in SPLIT schon früh kommen sieht. Nichtsdestotrotz ist das Gebotene nicht minder übertrieben. Deshalb dürften sich Gegner und Skeptiker des Filmemachers zu Recht fragen, warum die krampfhaft auf originell getrimmten Filme des M. NIGHT SHYAMALAN immer noch irgendwie Geld einspielen. Großes Kino ist SPLIT nämlich nicht, denn wegen der dann doch eher konventionellen Machart ist auch dieser Psycho-Unfug nur ein weiterer Mainstream-Gähner eines immerhin bekannten Regisseurs.
 
 
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SPLIT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Übertriebenes Psycho-Kaspertheater aus dem Hause BLUMHOUSE. Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN hat mal wieder zugeschlagen und macht es wie eh und je. Geboten wird abermals eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, die irgendwie originell sein will, aber in ihrer überzogenen Inszenierung beinahe unfreiwillig komisch wirkt. SPLIT hat mit vielen Holperern, Unglaubwürdigkeiten aber auch Längen zu kämpfen. Zudem sind Opfer nicht die hellsten und sträuben sich davor klug zu handeln. SPLIT ist in seiner Machart weit weg vom intelligenten Erstling des Filmemachers: THE SIXTH SENSE. Spannung hält sich in Grenzen und kommt nur dann auf, wenn Entführungsopfer versuchen zu fliehen. Selbst darin gehen sie aber nur selten geschickt vor, was die Ungeduld des Publikums auf den Plan rufen dürfte. Vielleicht sollte sich der gebürtige Indier demnächst nur auf das Regieführen konzentrieren und die Geschichten seiner Filme von Leuten schreiben lassen, die es besser können. Spätestens dann könnte er viele Skeptiker überzeugen, die in Shyamalans Geschichten meist nur spirituellen und mystischen Unfug sehen. Immerhin steht Altstar BRUCE WILLIS zu Seite. Der war schon in mehreren Werken des von HITCHCOCK und SPIELBERG beeinflussten Regisseurs zu sehen und nahm sich die Freiheit für einen Überraschungsauftritt am Ende von SPLIT. Weil damit eine Brücke zum Shyamalan-Film UNBREAKABLE geschlagen wird, gehört der Cameo immerhin zu den Höhepunkten des sonst eher bescheidenen Psychothrillers.
 
 
 


 
 
 

SPLIT – Zensur

 
 
 
SPLIT hat kaum Schauwerte zu bieten. Das Grauen wird eher subtil heraufbeschworen. Eine Protagonistin wird zerquetscht. Andere werden angeknabbert und getötet. Was dabei wirklich passiert wird nur angedeutet und lässt sich nur erahnen. Im Kino lief der Streifen ungeschnitten ab 16 Jahren. Das dürfte auch bei der anstehenden Heimkinofassung der Fall sein.
 
 
 


 
 
 

SPLIT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Germany 2017)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Where the Devil Dwells (2014)
 
Decay (2015)
 
Hemorrhage (2012)
 
Identität (2003)
 
Shelter (2009)
 
Mein Bruder Kain (1992)
 


Filmkritik: „Decay“ (2015)

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DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
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Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
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Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
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DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 


Filmkritik: „The Boy“ (2015)

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THE BOY

Story

 
 
 
Ein kleiner Junge findet einen ungewöhnlichen Draht zum Sensenmann und beginnt Menschen aus Lust am Töten zu ermorden.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Kritik

 
 
 
Wer fleißig auf FILMCHECKER liest, dürfte wohl schon mitbekommen haben, dass sich der amerikanische TV-Sender CHILLER zu einem Garanten für brauchbaren Horror mausert. Dank des hauseigenen Produktionsstudio CHILLER FILMS gab es in letzter Zeit abwechslungsreiches Genrekino zu sehen, das sich qualitativ schon längst von üblicher TV-Gruselei abgehoben hat. Nach DEEP IN THE DARKNESS und 5 SENSES OF FEAR haben sich die Jungs von CHILLER FILM mit dem Studio SPECTREVISION zusammengetan und an einem weiteren Film gewerkelt, der bereits auf Festivals viel Lob ernten konnte. Das ist im Grunde nichts Ungewöhnliches; würde da nicht im Zusammenhang der Name ELIJAH WOOD fallen. Dem gehört nämlich die Filmwerkstatt SPECTREVISION, die bereits mit Filmen wie A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT oder COOTIES sehenswerte Genrefilme hervorgebracht hat.
 
 
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Statt schonungslos Trash am Fließband zu fabrizieren, legt CHILLER FILMS Wert auf Klasse. Das gelingt dem Studio mit THE BOY ganz wunderbar – einem Psychothriller, der auf unbequeme Weise erläutert, wie gewissenlose Psychopathen geboren werden. Dabei scheint man auf den ersten Blick gar nicht zu vermuten, dass sich hinter dem unschuldigen Lächeln des neunjährigen Ted (hervorragend: JARED BREEZE) ein neuer NORMAN BATES verbirgt. Der lebt allein mit Vater (DAVID MORSE) und Kaninchen weit draußen in der Einöde, wo man zusammen ein marodes Motel an einem kaum befahrenen Highway betreibt. Kundschaft lässt auf sich warten, so dass sich der wortkarge Ted, völlig auf sich allein gestellt, die Zeit mit dem Aufsammeln überfahrener Tiere vertreiben muss. Doch die ewige Monotonie und die quälende Einsamkeit haben bald ein Ende. Nach einem Autounfall muss sich William Colby (RAINN WILSON) im Motel Noteinquartieren und findet schnell Draht zum minderjährigen Eigenbrötler. Zwischen den beiden entwickelt sich eine sonderbare Freundschaft, die dem Vater zum Dorn im Auge wird. Als der im Zimmer seines Sohnes Ersparnisse vorfindet und erkennt, dass der Junge schon seit längerer Zeit plant, seinen Vormund zu verlassen, nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung.
 
 
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Psychologisches Grauen mit Anspruch – THE BOY ist keine grobe Schnetzelorgie. Der Film taucht tief ein in die Psyche eines schwerst fehlgeleiteten Jungen, der aus Einsamkeit Gefallen am (stillen) Töten entwickelt und in Momenten grenzenloser Wut Tiere quält und sogar Menschen auf dem Gewissen hat. Statt das grausame Vorgehen seines Antihelden grafisch zu unterstreichen, protokolliert CRAIG WILLIAM MACNEILL die Etappen der Verwandlung mit ruhiger Hand, nüchterner Bildsprache und langsamen Kamerafahrten. Das schwerfällige Tempo ist gewöhnungsbedürftig, zumal sich die knapp zwei Stunden lange Geschichte viel Zeit für Situation und Figuren nimmt, aber letztendlich nicht die eigentlichen Gründe der Psychopathenwerdung erforschen möchte. Denen dürfte wohl in zwei weiteren Filmen auf den Grund gegangen werden. Glaubt man den Plänen der Macher bildet THE BOY den Auftakt einer Trilogie. Die soll weitere Stadien der Kindheit eines angehenden Serienmörders beleuchten und ihren unberechenbaren Protagonisten im Alter von 9, 14 und 18 Jahren begleiten.
 
 
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Bleibt zu erwähnen, dass die Grundlage zum Film aus dem Roman MISS CORPUS des Schriftstellers CLAY MCLEOD CHAPMAN entwendet wurde. Das darin beinhaltete Kapitel THE HENLEY ROAD MOTEL wurde von Regisseur CRAIG WILLIAM MACNEILL im Jahr 2012 schon einmal in Form eines Kurzfilms adaptiert. Weil der auf dem SUNDANCE FILMFESTIVAL gut angenommen wurde, war eine Langversion die logische Konsequenz. Dennoch; Filmfans, die gerade aufgrund der reißerischen Thematik viel Mord und Totschlag erwarten, werden enttäuscht. Die Kamera blendet stets weg, wenn es unerträglich wird und blutige Schlachterei bleibt ohnehin aus. THE BOY ist ein deprimierendes Horrordrama mit gutem Hauptdarsteller und konsequentem Ende, das aufgrund der umfangreichen Laufzeit viel Geduld und Sitzfleisch voraussetzt.
 
 


 
 
 

THE BOY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Schockierend, deprimierend und faszinierend zugleich. Klug inszenierter Psychotrip im Stile eines MANIAC, der dunkle Abgründe erforscht und den Zuschauer in den Kopf eines angehenden Killers entführt. THE BOY ist ein unbequemes und erschütterndes Horrordrama, das die Geschichte eines fehlgeleiteten Jungen erzählt, der aufgrund quälender Einsamkeit, fehlender sozialer Kontakte und der Monotonie des Alltags eine Vorliebe fürs Töten entwickelt. Der kontroverse Auftakt einer geplanten Trilogie zehrt von der Faszination des Unberechenbaren, das im Geiste eines vermeintlich gut erzogenen Jungen schlummert. Der lässt den Zuschauer wissen, dass in seiner eigenen, kleinen Welt alles etwas anders läuft, als in Köpfen gleichaltriger Buben. Viel Lob gebührt Jungdarsteller JARED BREEZE für seine herausragenden Leistungen. Viel zu erzählen hat er in seiner Rolle nicht und dennoch umgibt ihn eine allgegenwärtige Aura des Bösen. Wer eine Leidenschaft für das Reisen in Köpfe unberechenbarer Psychopathen besitzt, sollte sich THE BOY nicht entgehen lassen – auch wenn für dieses intensive, zweistündige Psychogramm viel Sitzfleisch vorausgesetzt wird.
 
 


 
 
 

THE BOY – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass es in THE BOY heftig zur Sache geht – der irrt. Die Gewalt passiert im Off oder wird nur angedeutet. Wenige Szenen zeigen das Ergebnis der Gewaltausbrüche des kleinen Ted. Hierzulande darf man mit einer FSK16 rechnen.
 
 


 
 
 

THE BOY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Headless (2015)
 
Discopath (2013)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Harvest (2013)
 
Almost Mercy (2015)
 


Filmreview: „Simon Killer“ (2012)

Simon Killer poster
 
 
 

SIMON KILLER

Story

 
 
 
Simon (Brady Corbet) ist ein attraktiver, junger Mann, der schnell mit Frauen in Kontakt kommt und sie rasch in seinen Bann zieht. Als er nach Paris reist, um Abstand von seiner alten Beziehung zu gewinnen, lernt er die Prostituierte Veronika (Mati Diop) kennen, der er bald sein wahres Gesicht offenbart …
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Kritik

 
 
 
Nach wie vor sind Killer im Kino ein garantierter Kassenmagnet, der die Filmfans nahezu fasziniert vom Bösen unermüdlich in die Lichtspielhäuser lockt. Dabei muss das Böse nicht immer nur in Gestalt maskierter Irrer über die Leinwand huschen. Oftmals sind es es genau jene Entsetzen auslösende Psycho- und Soziopathen, denen man es auf den ersten nicht Blick ansieht, dass deren Psyche eindeutige etwas zu arg gelitten hat. Zuletzt hat das Regisseur FRANCK KHALFON eindrucksvoll bewiesen, der im Remake zum Klassiker MANIAC statt eines schleimigen Widerlings, einen unscheinbaren und fast schon mitleiderregenden ELIJAH WOOD für die Filmrolle des mordenden Frank Zito wählte, um genau damit zu symbolisieren, dass selbst im netten Jungen von nebenan ein eiskalter Killer schlummern könnte. Nicht ganz so drastisch aber ebenso verabscheuungswürdig (wenn auch auf eine ganz andere Weise) geht Antagonist Simon (gespielt von einem wirklich hervorragender BRADY CORBET) im Zweitwerk von Regieneuling ANTONIO CAMPOS zugange. Der lässt nicht selten die innere Hässlichkeit des Menschen hervorblitzen und entpuppt sich im Verlauf der kleinen Geschichte als Teufel mit dem Gesicht eines Engels.
 
Der titelgebende Held hatte Stress mit seiner Freundin Michelle. Die Beziehung ging in die Brüche, so dass Simon nach Paris reist, um Anstand zu gewinnen. Lang allein bleibt er dort nicht, denn der smarte Amerikaner findet direkt Anschluss bei der Prostituierten Veronika (MATI DIOP). Die rassige Schönheit lebt seit der Trennung von ihrem aggressiven Freund in einem kleinen Apartment und verdient sich ihr Geld in einem Stripclub. Simon schreibt zwar der Ex täglich Emails und hofft auf eine baldige Versöhnung, findet aber bei Veronika vorerst Trost, die sich bald in den geheimnisvollen New Yorker verliebt. Doch dem Touristen gehen allmählich die Geldreserven aus, so dass eine Lösung gefunden werden muss, um die Kasse aufzufüllen. Blind vor Liebe willigt Veronika ein, sich ihre Freier nach Hause zu holen. Dort soll das meist außereheliche Schäferstündchen auf Video festhalten werden, um die Kunden später erpressen zu können. Das hinterhältige Spiel mit dem großen Geld läuft zwar anfänglich gut, doch eines der Opfer macht den Geschäftstüchtigen einen Strich durch die Rechnung.
 
SIMON KILLER weckt falsche Erwartungen, was vor allem am Wort „Killer“ im Titel liegen mag. ANTONIO CAMPOS hat hier keine bluttriefende Schlitzer-Orgie auf Zelluloid gebannt, sondern ein beunruhigendes psychologisches Porträt eines jungen Mannes, das dessen kränkliche Beziehungen zu Frauen und seine inneren Dämonen erforscht. Das weibliche Geschlecht scheint für den smarten Simon nämlich nur Mittel zum Zweck zu sein. Das bekommt auch Hure Veronika zu spüren, die dem ihr eigentlich Fremden Obdach und Liebesleistungen bietet, ohne überhaupt etwas dafür zu fordern. Als Simon am Ende mit der liebesblinden Frau nichts mehr anzufangen weiß, macht er kurzen Prozess und erschleicht sich das Vertrauen anderer Frauen. In kurzen Filmszenen erleben wir das Verhältnis zur Mutter. Das ist wie so oft bei Persönlichkeitsgestörten ungewöhnlich innig (man erinnere sich an Norman Bates in PSYCHO), so dass sich Simon auch gut und gerne mal wie ein unselbstständiges, jährzorniges Muttersöhnchen zwanghaft flennend vor die Webcam setzt, um der Mutter seinen Kummer zu beichten, wenn er nicht mehr weiter weiß. Was sich jedoch in der Vergangenheit des Hauptcharakters abgespielt hat bleibt größtenteils unergründet, so dass unschlüssig bleibt, ob sein frauenverachtendes Verhalten einen wirklich tiefverwurzelten Indikator besitzt oder es sich bei Simon doch nur um einen desorientierten und innerlich verwirrten Mann handelt, der in seiner letzten Beziehung einfach nur sehr verletzt wurde. Simons plötzliche Gewaltausbrüche bleiben psychologisch unbeleuchtet, was es für den Zuschauer erschwert SIMON KILLER zu kategorisieren, da sich der Protagonist in keine Schublade zwängen lässt.
 
SIMON KILLER ist kein Film für Zwischendurch. Der Streifen fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers, dem natürlich bewusst sein sollte, dass er es hier mit keinem weiteren Psychoschocker zu tun hat in dem dutzende Frauen gemeingefährlich abgeschlachtet werden. Regisseur FRANCK KHALFON lässt viel improvisieren und hält die Kamera nahezu minutenlang auf die Akteure ohne zu schneiden oder wegzublenden. Das mag zwar künstlerisch durchweg gelungen umgesetzt sein, strapaziert aber die Geduld des Zuschauers, der aufgrund der recht gemächlichen und sehr dialogreichen Inszenierung schnell das Interesse an SIMON KILLER verlieren dürfte. Nach dem kontroversen Drama AFTERSCHOOL (2008) ist SIMON KILLER der zweite Spielfilm von ANTONIO CAMPOS, der sich nach eigenen Angaben von Romanen der Krimiautoren GEORGES SIMENON und JIM THOMPSON inspirieren lassen hat. Auf dem 2012er Sundance Film Festival avancierte der Streifen zum Geheimtipp, was angesichts der etwas eigenwilligen Umsetzung und ziemlich ruhigen Erzählweise etwas sehr weit hergeholt scheint. Nichtsdestotrotz lohnt SIMON KILLER gesehen zu werden, zumindest für jene, denen durchdachte Geschichten in Filmen wichtig sind. Denn für blutgeile Horrorfans gilt nämlich hier vorerst Sendepause.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein AMERICAN PSYCHO in Paris. Unangenehmes Psycho-Thriller-Drama mit charismatischem Hauptdarsteller, viel Sex und nettem Soundtrack, der vermutlich öfter im Player rotieren dürfte, als der Film selbst. Wer langsam erzählte Geschichten bevorzugt, in dem sich das Grauen schleichend seinen Weg durch den Film bahnt, darf gern einen Blick riskieren.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Zensur

 
 
 
SIMON KILLER ist kein blutrünstiger Psychothriller. Simons Handlungen werden nur angedeutet. Somit dürfte der Streifen hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben werden.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
American Psycho (2000)
 
One Hour Photo (2002)
 
House at the End of the Street (2012)