Filmkritik: „Rupture“ (2016)

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RUPTURE – ÜBERWINDE DEINE ÄNGSTE

Story

 
 
 
Eine alleinerziehende Mutter (NOOMI RAPACE, die Heldin aus PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN und die echte Lisbeth Salander) muss sich in einem abgelegenen Lagerhaus ihrer Angst vor Spinnen stellen. Doch da ist sie nicht allein. Auch andere Menschen werden hier gefangen gehalten und mit ihren persönlichen Ängsten konfrontiert. Doch wozu das alles. Ein Mysterium, das es zu entschlüsseln gilt.
 
 
 


 
 
 

RUPTURE – Kritik

 
 
 
Eine Frau wird heimlich von einer geheimnisvollen Organisation in den eigenen vier Wänden überwacht, anschließend entführt und in einen modrigen Gebäudekomplex verschleppt, wo an ihr fragwürdige Untersuchungen vorgenommen werden. Nein, RUPTURE ist kein weiterer Beitrag zur perverserweise erfolgreichen Torture-Porn-Welle, deren wohl wichtigster Vertreter von Exploitation-Hobbyfachmann ELI ROTH vor über zehn Jahren gedreht wurde. Mit HOSTEL hat dieser Film nicht im Geringsten zu tun, auch wenn die Ausgangssituation geradezu prädestiniert dafür wäre, die Folterwerkzeuge zurück vor die Kamera zu holen. RUPTURE ist einem ganz anderen Filmgenre beheimatet und lässt auch keine seiner Protagonisten reißerisch über die Klinge springen. Der Film geht sogar noch weiter. Weder Tiere noch Menschen müssen in diesem Thriller ihr Leben lassen. Regisseur STEVEN SHAINBERG konfrontiert mit Ungewissheit und geht lieber dem Warum auf den Grund, statt zu quälen oder fürs gequält werden rächen zu lassen. So kann sich die Filmheldin von ihren Fesseln befreien, schlüpft in die Luftschächte ihres ungemütlichen Gefängnisses und versucht einen Weg nach Draußen zu finden. Für den Zuschauer bedeutet das adrenalinreiche Fluchtversuche durch nicht enden wollende Gänge – immer die Angst im Nacken, dass die filmische Identifikationsfigur von den Bösewichten entdeckt wird.
 
 
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RUPTURE ist äußerst spannend, weil das Geheimnis der Entführung gut bewahrt wird. STEVEN SHAINBERG versorgt den Zuschauer immer nur mit dem Nötigsten, verrät nie zuviel und liefert nur häppchenweise Gründe für die mysteriöse Entführung. Dazwischen wird die Flüchtende mit allerhand seltsamen Vorkommnissen konfrontiert, die sie bald an ihrem Verstand verzweifeln lassen. Vorangetrieben wird die Spannung nicht zuletzt durch ein permanent beklemmende Gefühl der Ausweglosigkeit. Flucht scheint unmöglich, Ausgänge sind gut abgesichert und Mitglieder der Organisation ständig präsent. Das macht das Entkommen nicht gerade leicht in einer Szenerie, die vor allem der raffinierten Ausleuchtung wegen für Unbehagen sorgt. RUPTURE glänzt nämlich mit besonderer Ästhetik, die Dank befremdlich wirkender Licht- und Farbexperimente hin und wieder an die Werke des italienischen Altmeisters DARIO ARGENTO oder gar dessen Vorbild MARIO BAVA erinnert. Das sorgt für Atmosphäre, wenngleich die in erster Linie dafür sorgt, dass dem Zuschauer der Herz in die Hose rutscht. Stellenweise ist das STEVEN SHAINBERG ganz gut gelungen.
 
 
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RUPTURE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Zeit, sich seinen Ängsten zu stellen. Ungemütliches Filmszenario, das aufgrund der bewusst lang hinausgezögerten Auflösung und der spärlich verstreuten Anhaltspunkte spannend bleibt. Nach der rabenschwarzen Liebeskomödie SECRETARY und dem Drama FELL – EINE LIEBESGESCHICHTE geht der US-amerikanische Regisseur STEVEN SHAINBERG ganz andere Wege. RUTPTURE hat weder mit Drama noch mit Komödie etwas am Hut. Der Film ist eher im düsteren Genre beheimatet und deswegen so interessant, weil er sich nicht zwingend an Konventionen orientiert. Keine Morde, kein Spuk und dennoch irgendwo im Horrorfilm beheimatet. Da sieht man sogar darüber hinweg, dass das Ende dann doch mit unbefriedigender Wendung auf Zwang weg will vom Happy End üblicher Genrefilme. Das wirkt etwas sehr aufgesetzt, macht RUPTURE aber nicht zwangsläufig schlecht. Wer jedenfalls erfrischende Genreware nötig hat, ist mit diesem Horrorthriller gut bedient.
 
 


 
 
 

RUPTURE – Zensur

 
 
 
Es gibt eine Leiche auf einer Barre mit fehlenden Augen zu sehen. Was mit ihr genau passiert ist, wird nicht gezeigt und lässt sich nur erahnen. Sieht man einmal von einigen fragwürdigen Experimenten an Menschen ab, gibt es bis auf den kurzen Einsatz mit einem Elektroschocker im Film keine Gewalt zu sehen. Hierzulande hat RUPTURE – ÜBERWINDE DEINE ÄNGSTE von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Ungeschnitten versteht sich. Der Film wird Ende Januar 2017 von SPLENDID FILM ins Heimkino gebracht.
 
 
 


 
 
 

RUPTURE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (limitiertes BD-Steelbook)

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(c) Splendid Film (limitiertes BD-Steelbook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rupture; USA 2016

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | limitiertes Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Featurette, Interviews

Release-Termin: 20.01.2017

 

Rupture – Überwinde deine Ängste [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

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RUPTURE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen, Szenenbilder liegen bei Ambi Pictures | Tango Pictures | Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)
 
Grotesque (2009)
 
Hunger (2009)
 
Martyrs – Remake (2015)
 

Filmkritik: „Clown“ (2014)

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CLOWN

Story

 
 
 
Familienvater Kent schlüpft in ein altes Clownskostüm, das von ihm Besitz ergreift und schreckliche Dinge von seinem Träger fordert.

 
 
 


 
 
 

CLOWN – Kritik

 
 
Egal was ELI ROTH anpackt, es wird aus unerklärlichen Gründen zu Gold. Seit der Filmemacher mit dem unabhängig verwirklichten Horrorfilm CABIN FEVER einen Überraschungshit landete und mit HOSTEL das selbstzweckhafte Foltern im Kino salonfähig machte, sorgt er stets für Aufregung unter Fans „böser“ Filme, wenn er an neuem Horrormaterial arbeitet. Diesmal hat ROTH aber nicht selbst Regie geführt. Für den grimmigen Splatter-Horror CLOWN übergab er das Regiezepter an JON WATTS, der bisher für TV-Zeug verantwortlich zeichnete und fungierte – wie schon bei THE LAST EXORCISM – als Produzent, um im Hintergrund die Strippen zu ziehen. Auch wenn ROTH den Film nicht selbst gedreht hat; die unverkennbare Handschrift des Filmemachers zieht sich durch den gesamten Streifen, schließlich lässt sich mit Ekligkeiten, makabrem Humor und reichlich Gewalt am Besten polarisieren und Geld verdienen.
 
 
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Schluss mit lustig: seit jeher wissen Horrorfans, dass Clowns im Genre oft andere Intentionen hegen, als uns zum Lachen zu bringen. Hier steht meist blutiger Ernst statt harmloser Spaß auf der Tagesordnung, was nicht selten dazu führt, dass Psychopathen bunte Kostüme überstreifen, um mit spitzem Mordwerkzeug unschuldige Menschen zu ermorden. CLOWN macht da einiges anders, wenn auch nicht unbedingt besser. Um sich im Subgenre der mordgeilen Serienkiller ein wenig Kontur zu verpassen, bedient man sich beim Okkulten und lässt einen lustig verkleideten Familienvater zur dämonische Kreatur werden, die nur eines im Sinn hat: Kinder fressen.
 
 
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Ein teuflisches Narrenkostüm sorgt für eine schmerzhafte Metamorphose. Immobilienmakler Kent wollte dem Sohnemann zum 10. Geburtstag nur eine Überraschung bereiten und schlüpft in eine alte Clowns-Verkleidung, die er in einer Kiste im Keller einer zum Verkauf stehenden Immobilie entdeckt. Doch die modrige Kleidung führt ein seltsames Eigenleben und saugt sich am Körper ihres Trägers fest, der fortan von unbändigem Hunger nach Kinderfleisch getrieben wird. Doch es kommt noch schlimmer. Familienvater Kent beginnt sich zu verändern. Mit fortschreitendem Appetit nimmt er die Gestalt eines furchtbaren Dämons an, der fünf unschuldige Kinder fordert, um sich an ihnen laben zu können.
 
 
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Wenn aus Fake-Trailern richtige Horrorfilme werden. Seit sich ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO mit ihrem GRINDHOUSE (2007) vor den schmuddeligen B-Movies der 60er und 70er verbeugten, scheint in der Filmwelt zum Sport geworden zu sein, erst Kinotrailer zu zeigen und wenig später die zugehörigen Filme zu drehen. Im Fall des genannten GRINDHOUSE, das aus dem trashigen Double-Feature DEATH PROOF und PLANET TERROR bestand, waren es fiktive Kinoclips zu HOBO WITH A SHOTGUN und MACHETE, die zwischen den beiden Machwerken gezeigt und erst einige Jahre später umgesetzt wurden. Ähnlich verhielt es sich auch bei CLOWN. Regisseur JON WATTS brachte weit vor der eigentlichen Verfilmung im Jahr 2010 einen zweiminütigen Werbefilm zu einem fiktiven Horrorstreifen in Umlauf, der bei ROTH auf Interesse stieß. Weil dem bekannten Angstmacher die Idee dahinter so gut gefiel, beschloss er aus dem Fake-Trailer einen abendfüllenden Spielfilm zu machen und stand als Geldgeber zur Seite. Viel vom eigentlichen Spot, der durchaus beängstigend in Szene gesetzt wurde, ist letztendlich nicht mehr übrig geblieben. Statt Angst und Schrecken auf subtilem Wege in die Wohnzimmer zu bringen, wird Horror mit dem Holzhammer geboten, der sich dann doch eher an ein sehr magenstarkes Publikum richtet. Da werden Kinder vor den Augen des Zuschauers zermatscht, durchbohrt und angeknabbert – für ROTH-Fans nicht uninteressant, fühlen die sich von der stattlichen Anzahl bebilderten Grausamkeiten vermutlich bestens unterhalten.
 
 
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Auch wenn CLOWN mit eigenartigem, fast schon geschmacklosem Humor an die Werke von ELI ROTH anknüpft und sich beim Angst einjagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, findet der Film bei den Spezialeffekten zu eigentlicher Stärke. Die Figur des Besessenen durchlebt im Verlauf des Films eine nicht immer schmerzfreie Verwandlung vom besorgten Familienvater hin zur Marionette des Teufels. Dank hervorragender Arbeit kreativer Make-up-Künstler bekommt der Zuschauer am Ende eine deformierte Gestalt zu sehen, die endlich auch richtigen Horror auf die Mattscheibe bringt. Bis dahin verzettelt sich CLOWN im plumpen Aneinanderreihen fragwürdiger Tötungsarten von Kindern und gerät während des Mittelteils etwas ins Stolpern, weil die nicht uninteressante Thematik dann doch etwas zu wenig Material hergibt, um daraus einen 90-minütigen Horrorfilm drehen zu können. Immerhin wird im Finale geklotzt und nicht gekleckert. Da werden schon mal Erinnerungen an die abscheulichsten Metamorphosen der Kinogeschichte wach, in denen Wissenschaftler zu Fliegen mutierten (Cronenbergs DIE FLIEGE) und sich amerikanische Studenten (AMERICAN WEREWOLF) in Werwölfe verwandelten. Dennoch; so schön die Spezialeffekte in CLOWN auch sein mögen und so atmosphärisch die Dämonenhatz am Ende auch in Szene gesetzt sein mag – der aufdringliche Blutzoll ist irgendwie allgegenwärtig und erstickt jeden wohligen Schauer sofort wieder im Keim, weil ROTH als Werbemittel auf dem Cover nun mal triviales Metzelfutter und hirnloser Blutreigen bedeuten muss.
 
 


 
 
 

CLOWN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wem bereits Stephen Kings ES schlaflose Nächte bereitet hat, wird nach der Sichtung von CLOWN nur bei Licht einschlafen können. Dieser Horror-Trip ist kein Film für jene, die unter Coulrophobie leiden. Hier werden bei vielen Zuschauern Kindheitstraumata wach, denn CLOWN bringt Filme wie POLTERGEIST oder genannte King-Adaption in Erinnerung, die mit der Clown-Thematik Albträume bescherten. Leider setzt die von ELI ROTH produzierte Filmumsetzung eines Fake-Trailers weniger auf subtile Gänsehaut-Taktik. Vielmehr war man darum bestrebt eine interessante Eigeninterpretation um den Jahrhunderte alten Clown-Mythos zu weben, die letztendlich mal wieder im Splatter-Fegefeuer enden muss. Nach einem starken Einstieg, hat CLOWN im Mittelteil so seine Probleme das vorgelegte Tempo halten zu können. Erst am Ende findet der Film Dank sehenswerter Maskeneffekte zu eigentlicher Stärke. Da ist es aber dann auch schon zu spät, denn so schön grimmig das Finale auch in Szene gesetzt wurde, so zügig flimmert auch schon der Abspann über den Bildschirm. Letztendlich will man das Gefühl nicht loswerden, einen Film mit unverbrauchter Thematik gesehen zu haben, bei dem mehr möglich gewesen wäre. Die interessante Geschichte hinter der Entstehung des menschenfressenden Kostüms bleibt weitestgehend unangetastet. Zudem stößt bitter auf, dass im Film Kinder grafisch getötet werden müssen, um die Sensationsgierig des blutgeilen Publikums befriedigen zu können? Splatter-Fans und Gore-Bauern dürfte das jedoch kaum stören. Für die gilt ELI ROTH ohnehin als der Meuchelkönig des Horrorfilms.
 
 


 
 
 

CLOWN – Zensur

 
 
 
Mittlerweile geht auch die FSK lockerer mit der Bewertung von Horrorfilmen um. Was vor zehn Jahren undenkbar ungeschnitten auf die deutschen Filmzuschauer losgelassen werden konnte, schafft es heutzutage ohne Probleme mit dem roten KJ-Flatschen in die Händlerregale. Ähnlich ist das auch bei CLOWN geschehen. Hier werden zwar Kinder vor der Kamera ermordet; trotzdem wurde der Film ungeschnitten in Deutschland veröffentlicht: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

CLOWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit BD & DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Clown; USA | Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Steelbook

Extras: Originaltrailer, Trailershow | Zusätzlich im Steelbook: Poster A3, Postkarten-Set (3xA6)

Veröffentlichung: 01.03.2016

 
 
 

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CLOWN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mockingbird (2014)
 
Stitches – Böser Clown! (2012)
 
100 Tears (2007)
 
Gacy (2003)
 
Stephen Kings Es (1990)
 
Clownhouse (1989)
 

Filmkritik: „Dark Summer“ (2015)

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DARK SUMMER

Story

 
 
 
Ein finsterer Sommer für Daniel (Keir Gilchrist). Er hat nämlich Hausarrest bekommen und darf sich in den eigenen vier Wänden mit den lästigen Annäherungsversuchen eines Geistes auseinandersetzen.

 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Kritik

 
 
 
Fünf Jahre hat es gedauert bis sich Regisseur PAUL SOLET dazu durchringen konnte, an einem weiteren Streifen zu tüfteln. Nach dem durchaus passablen Horror-Drama GRACE (2009), das auf internationalen Filmfestivals diverse Nominierungen und Preise abstauben konnte, kehrt SOLET erneut ins Horrorfach zurück und widmet sich jener Gattung Film, die seit THE RING, CONJURING und PARANORMAL ACTIVITY im Kino immer wieder gern gesehen wird: Geister-Horror. Leider scheint sich das Spuk- und Gespenster-Genre in letzter Zeit einem atmosphärischen Wandel unterzogen zu haben, denn gruselig sind nur noch die wenigsten dieser Filme. Stattdessen sind die ewig gleichen Geschichten zu sehen, in denen die ständig gleichen Dinge passieren. SOLET handhabt das nicht anders. Sein DARK SUMMER orientiert sich am Einmaleins für Geisterfilme und klappert verhältnismäßig lustlos all jene Klischees und Schreckmomente ab, die man in nahezu jedem Gruselfilm zu sehen bekommt. Ob plötzlich hinter dem Rücken auftauchendes Geisterwesen oder Seancen, die zu nichts Gutem führen; viele der hier implementierten Schauerzutaten sind vorhersehbar und strotzen nicht sonderlich vor Einfallsreichtum.
 
 
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KEIR GILCHRIST spielt im Horrorfilm DARK SUMMER einen Schüler, der ähnlich wie im Psycho-Thriller DISTURBIA unter Hausarrest gesetzt wird. Er hat unerlaubt die Social-Media-Daten seiner Mitschülerin Mona Wilson gehackt und wurde – was für ein Zufall – beim Ausspionieren und Cyber-Stalking erwischt. Um aus Fehlern eine Lehre zu ziehen, bekommt Daniel einen Alarmsender ums Fußgelenk gebunden und darf sich fortan nur noch im Haus der Mutter aufhalten – freilich ohne Skype, Twitter und Internet. Für den computerinteressierten Teenager eine harte Strafe. Doch die besten Freunde Abby (STELLA MAEVE) and Kevin (MAESTRO HARRELL) finden eine Lösung. Sie legen eine geheime Internetleitung zum Rechner des 17-jährigen, damit der sich auch weiterhin bedenkenlos durchs Netz bewegen und der heimlichen Flamme Mona nachspionieren kann. Doch leider ist die anfänglich Freunde über Kontakt mit der „Außenwelt“ nicht von langer Dauer. Er erhält von Mona eine geheimnisvolle E-Mail in deren Anhang sich das Video ihres Selbstmords befindet. Doch mit dem schockierenden Filmdokument fangen die Probleme erst an. Bald schon fühlt Daniel die Anwesenheit einer mysteriösen Präsenz. Die verfolgt ihn bis in die Träume und führt nichts Gutes im Schilde.
 
 
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Kennst du den Trailer, kennst du den Film. Nicht das erste Mal warnen wir von FILMCHECKER davor, sich den Kinospot zum Grusel-Indie anzuschauen, denn die dort zusammengeschnippelten Szenen zeigen den ohnehin schon knappen Mystery-Thriller als Kurzfilmvariante. Regisseur PAUL SOLET lässt das Geschehen seines Zweitwerks nur schleppend vorankommen. Vermutlich wäre der Film bei regulärem Erzähltempo bereits nach 30 Minuten zu Ende gewesen wäre, so dass die Geschwindigkeit künstlich gedrosselt werden musste. In DARK SUMMER flimmert alles etwas langsamer über den Bildschirm als in Filmen ähnlichen Kalibers. Im Unterschied zu anderen Geister-Gruslern passiert jedoch über weite Strecken nichts, was nicht nur Sitzfleisch sondern auch Geduld voraussetzt. Hier ein paar Schatten, da unheimliche Stimmen – SOLET macht es subtil und zögert hinaus, obwohl ohnehin offensichtlich sein dürfte, wohin die Reise führen wird.
 
 
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Wenn Geister zu Stalker werden und verwirrende Liebeskonstellationen das Hirn vernebeln. DARK SUMMER wirft die Frage auf, wer hier eigentlich von wem besessen ist, denn natürlich passieren die mysteriösen Vorfälle im Film nicht ohne Grund. Leider kommt SOLET mit seinen Spukerei reichlich spät auf den Punkt, denn DARK SUMMER vergeudet zu viel Zeit mit dem Abhandeln vorhersehbarer Gruselszenen, dass die Dynamik der Geschichte aus den Augen verloren wird. Die Geschehnisse kriechen förmlich von Höhepunkt zu Höhepunkt und es wird auf Zwang versucht das zu vertuschen, was jeder längst ahnt: Geist Mona liebt Daniel und Teenager Daniel liebt Mona. Dass beide die Annäherungsversuche des jeweils Anderen falsch interpretieren, gehört zu den wenigen makaberen Gedankenblitzen, die den zähen DARK SUMMER am Ende dann doch vor dem Untergang retten können – auch wenn unschlüssig bleibt, was uns der Macher mit seinem Horrorwerk eigentlich mitteilen möchte. Will DARK SUMMER vor den Gefahren und Möglichkeiten des Internets warnen oder handelt es sich hier schlichtweg um eine Liebesgeschichte voller Missverständnisse, die dem Zuschauer mit abgedroschenen Schreckmomenten Lebenszeit rauben möchte. Wer DARK SUMMER gesehen hat, wird verstehen, was gemeint ist.
 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
DISTURBIA meets THE RING. Subtiler Gruselstreifen mit makaberem Schlussgag und für Indie-Verhältnisse versierter Machart. DARK SUMMER schaut in Anbetracht des Budget ganz vernünftig aus und hat glaubhafte Schauspieler am Start. Leider hat GRACE-Regisseur PAUL SOLET einen derart langsamen Film gebastelt, dass man vor der Sichtung ausgeschlafen sein sollte, um der nicht sonderlich spektakulären Geistergeschichte folgen zu können. Zu sehen gibt es mittlerweile gängiges Spukeinmaleins, das zudem um Okkultismus ergänzt wurde. Innovativ ist das nicht und gute Gedankenblitze sucht man vergebens. Wer nur ab und an Geisterfilme schaut, dürfte sich gut unterhalten fühlen. Alte Horrorhasen dagegen drücken nach 10 Minuten bereits die Vorspultaste, schließlich hat man das hier Gezeigte schon unzählige Male gesehen. Bei solch ereignislosem und behäbigem Spuk stellt sich die Frage: Schaust Du noch oder schläfst Du schon?
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Zensur

 
 
 
DARK SUMMER ist subtiler Geister-Horror ohne großes Blutvergießen. Ein Gegenstand wird in eine Hand getrieben und ein paar selsame Male verzieren die Haut des Protagonisten. Zudem gibt es ein abgesägtes Bein zu sehen. Für FSK16 genügt das.
 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sadako 3D – Ring Originals (2012)
 
The Caller – Anrufe aus der Vergangenheit (2011)
 

Filmreview: „Autumn Blood – Zeit der Rache“ (2013)

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AUTUMN BLOOD – ZEIT DER RACHE

Story

 
 
 
Ein 16-jähriges Mädchen (SOPHIA LOWE) lebt mit der Mutter und dem kleinen Bruder zurückgezogen auf einem kleinen Hof in den Tiroler Bergen. Als die Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, durchleben die Kinder die Hölle. Erst wird die Tochter mehrfach vom Sohn des Bürgermeisters vergewaltigt; als eine Sozialarbeiterin nach dem Rechten sehen will und die Misshandlungen aufzufliegen drohen, sollen die verstörten Kids sterben damit sie nichts ausplaudern können. Es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Geschwister, die keinen anderen Ausweg wissen und in die gefährliche Bergwelt der Tiroler Alpen flüchten …
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Kritik

 
 
 
Nachbarland Österreich mischt nun ganz souverän mit auf dem internationalen Filmmarkt und scheint erkannt zu haben, dass deutschsprachige Horrorfilme auch gern im Ausland gesehen werden. Zuletzt hat MARVIN KREN mit seinem kritischen Öko-Schocker BLUTGLETSCHER (2013) von der internationalen Presse viel Lob erhalten und MICHAEL HANEKE schaffte es mit der kontroversen Terror-Satire FUNNY GAMES (1997) sogar bis nach Hollywood, wo er zehn Jahre später seinen eigenen Spielfilm neu drehen und auf Hochglanz poliert in die Kinos bringen durfte. Beim nächsten Glücksgriff handelt es sich um den Tiroler Werbefilmer MARKUS BLUNDER. Der gebürtige Kufsteiner hat sich sein filmisches Handwerk in München und Los Angeles angeeignet und bisher zahlreiche Musikvideos und Werbefilme gedreht. Nun hat er seinen ersten Langfilm inszeniert und damit schon auf einschlägigen Filmfestivals Zuspruch erhalten. Dass der Regisseur mit seinem Debüt aber ganz unfreiwillig ins Horror-Genre geschlittert ist, dürfte der Österreicher vermutlich gar nicht so geplant haben. Der Filmneuling bezeichnet seinen Streifen nämlich selbst als „alpinen Western“. Die für dieses Genre typischen Cowboys, Saloons und taffen Sprüche sucht man hier jedoch vergebens, denn eigentlich ist sein AUTUMN BLOOD eine Mischung aus Heimatfilm, Überlebenstrip und Rape-and-Revenge-Thriller, bei der aber der Racheplot aus dem Drehbuch gestrichen wurde. Gedreht wurde im Ötztal und im Lechtal sowie in der Zugspitzregion, was dem Thriller eine ganz individuelle Note verleiht, weil man derart Filmstoff bisher noch nie vor solch beeindruckender Kulisse erleben durfte. Die Protagonisten hetzen durch bildgewaltige Landschaften, bewegen sich über schwindelerregende Schluchten und durchqueren märchenhaft anmutende Wälder. Die wunderbare Kameraarbeit tut da ihr Übriges und lässt des Öfteren die wenigen Protagonisten vergessen, die äußerst wortkarg durch die dünne Handlung stolpern. Gesprochen wird in AUTUMN BLOOD übrigens kaum, stattdessen glänzen die erfahrenen Schauspieler mit ausdrucksstarkem Schauspiel. Die Prämisse ist zwar anfänglich recht gewöhnungsbedürftig; hat man sich erst einmal an die ungewöhnliche Dialogarmut gewöhnt, fesselt AUTUMN BLOOD trotz hanebüchener Handlung durch anständigem Thrill und schweißtreibende Atmosphäre.
 
Regisseur MARKUS BLUNDER bringt die überwältigende Macht der Bilder zurück in die Kinos. In AUTUMN BLOOD fungiert nicht das magere Drehbuch als Geschichtenerzähler, sondern der stimmige Soundtrack in Kombination mit den geheimnisvollen Landschaften der Tiroler Bergwelt. Demzufolge sei dem Leser geraten, sich diesen Geheimtipp möglichst auf der großen Leinwand anzuschauen, denn nur hier dürfte der Streifen seine ganze Wirkung entfalten können. BLUNDER hat mit seinem Erstling einen einzigartigen Thriller gedreht, der Lust auf mehr von dem macht, was der talentierte Filmneuling in Zukunft auf Zelluloid bannen wird. Auch wenn sein HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE so seine Logikpatzer besitzt (seit wann kommuniziert man im ländlichen Tirol ausschließlich in Englisch) gehört der beklemmende Survivaltrip zweifelsohne zum Besten, was das europäisches Genrekino hervorgebracht hat. Auf Filme wie AUTUMN BLOOD können die Österreicher zu Recht stolz sein und es würde nicht wundern, wenn BLUNDER als nächster Österreicher demnächst in Hollywood außergewöhnliche Filme drehen darf. Für so wunderschön gefilmtes Grauen bekommt BLUNDERS Debüt vom FILMCHECKER-Team verständlicherweise eine seltene Bewertung von acht Filmklappen und das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE – Grausamer Überlebenstrip vor der traumhaften Bergkulisse Tirols. AUTUMN BLOOD entpuppt sich als schwindelerregende Hetzjagd durch malerische Landschaft, die statt Dialoge zu nutzen lieber Bilder sprechen lässt. Zwar ist die Geschichte vom Mädchen, das vergewaltigt wird und vor ihren Peinigern in die Wälder flüchtet nicht neu; die etwas gewöhnungsbedürftige Symbiose aus Heimatfilm, Terror- und Rape’n Revenge-Thiller funktioniert jedoch erstaunlich gut und dürfte sogar das Interesse von Expoitationfans auf den Plan rufen, die hier jedoch kein ultra-derbes Gewaltmachwerk erwarten sollten. AUTUMN BLOOD ist österreichische Thriller-Unterhaltung auf hohem Niveau, was vor allem an der bildgewaltigen Machart liegt, wie Regisseur MARKUS BLUNDER hier das Grauen auf Film bannt, denn bei so ansprechend gefilmter Bergkletterei wird dem Zuschauer allein schon beim Zusehen schwindelig. Wer die Chance hat diesen österreichischen I SPIT ON YOU GRAVE-Ableger (freilich ohne Rachepart) auf der großen Leinwand zu sehen, sollte sie nutzen. Denn nur hier dürfte die packende Bilderflut und der spannende Überlebenskampf erst richtig wirken.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Zensur

 
 
 
Für einen Rape’n Revenge-Thriller ist das Gezeigte ziemlich harmlos. Es gibt eine Vergewaltigung zu sehen, die aber im Off stattfindet. Ein paar Einschüsse haben die FSK dennoch dazu veranlasst, den Film hierzulande erst für Volljährige freizugeben. Dafür aber ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Autumn Blood; Österreich, USA 2013

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 | @24 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deleted Scenes

Release-Termin: 19.06.2015

 

Autumn Blood – Zeit der Rache [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Mooring (2012)
 
Eden Lake (2008)
 
I SPIT ON YOU GRAVE 2 (2013)