Filmkritik: „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ (2020)

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ASYLUM – IRRE-PHANTASTISCHE HORROR-GESCHICHTEN

(ASYLUM: TWISTED HORROR AND FANTASY TALES)

Story

 
 
 
Ein alternder, von seiner Frau verlassener Stand-Up-Comedian assoziiert sich durch Genre-Kurzfilme mit Bruchstücken seiner düsteren Vergangenheit.

 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Kritik

 
 
Die Liste internationaler Indie-Horroranthologien ist endlos und nur für abenteuerlustige Genrefans in Gänze zu empfehlen, um einen argentinisch-neuseeländischen, so glaube ich, Titel erweitert wird sie durch den vorliegenden Streifen. Produzent und Creative Director Nicolás Onetti, den man schon durch den ideenlosen, aber recht harten Backwood-Slasher „What the Waters Left Behind“ oder den scheinbaren Neogiallo „Abrakadabra“ kennen dürfte, hat hierfür ganze zehn Regisseure zusammengetrommelt, die allesamt entweder einen bereits existenten Kurzfilm beigesteuert, oder einen neuen Beitrag gedreht haben. Was genau der Fall ist, war mir aufgrund fehlender Blu-ray-Extras oder imdb-Einträge leider nicht ersichtlich.
 
 
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Wie dem auch sei: Zu verzerrten, dröhnenden E-Gitarren präsentiert Nicolas Ornetti Opening Credits und hochaufgelöste Nahaufnahmen eines rauchenden, sich auf seinen Auftritt vorbereitenden Clowns. Er betritt die Bühne und erzählt sardonisch von seiner traurigen Geschichte, seiner Ex-Frau und seinen Depressionen.
 
Nach diesen ordentlich gespielten und geschriebenen, wenn auch tonal verwirrenden ersten fünf Minuten startet der erste Kurzfilm, „The Cleansing Hour“. Dieser sehr gelungene Exorzistenhorror mit Twist ist zwar bereits einige Jahre alt und zahlreichen Usern durch das Internet bekannt – doch weniger effektiv macht das die Episode keinesfalls. Mir waren der bissige Dialog, der wunderbar gespielte Fake-Pastor, das erfrischend locker und knackig präsentierte Konzept noch neu. Auch wenn der Zusammenhang zum Anthologie-Intro mit dem Clown nicht klar wird, die Effekte am Ende des Shorts ziemlich peinlich aussehen und der letzte Twist vorhersehbar ist, so gehören diese knapp 20 Minuten definitiv mit zu den besten dieser Anthologie: Noch 8(-)/10.
 
Übrigens ist „The Cleansing Hour“ ein Kurzfilm aus dem später ein Langfilm wurde. Der Streifen lief lange vor Auswertung in dieser Kurzgeschichtensammlung auf Genre-Festivals und kam dort ziemlich gut an. Für Regisseur Damien LeVeck Grund genug, das Exorzismus-Spektakel ein weiteres Mal als Langfilm mit mehr Budget zu adaptieren. Das Ergebnis: „Exorzismus 2.0“, der vor einiger Zeit auch in Deutschland veröffentlicht wurde.
 
 
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Ein bestenfalls mittelmäßiges Bühnenintro mit einer halbnackten, an einen Stuhl gefesselten Frau und vagen Andeutungen später spielt „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ dann seine Wildcard aus, denn der folgende Zehnminüter, „Drudge“, ist je nach Gusto genial oder absolut dämlich.
 
Ein Mann flext sich zuhause eine metallene Maske und befestigt eine Klinge an seinem Handgelenk, mit epischer Musik und lauten Trommeln im Hintergrund. Eine junge Frau wird von einer Gestalt am Fenster verängstigt und ruft ihre Freundin an. Das Colourgrading ist hässlich und lieblos, die Einstellungen selber aber durchaus ansprechend. Pseudo-Jumpscare, der unfassbar unsympathische Jerk-Boyfriend erscheint und darf miesen Dialog sprechen. ABER DANN kommt der Maskenmann vom Beginn zurück und was folgt, ohne Erklärung, ohne Pointe, mit schwachem CGI, ist so rabiat, kurz, sinnlos und brachial, dass ich es absolut gefeiert habe. 7.5/10
 
 
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Zurück beim, inzwischen hat man es erfasst, in verschiedene Kostüme und grob an die Kurzfilme angepasste Rollen schlüpfenden Moderator für weitere Erinnerungen über die Ex-Freundin, dann geht es weiter mit dem absoluten Tiefpunkt der Sammlung, dem Zombiefilm.
 
Zombies hat vermutlich jeder Horrorfan irgendwann lieben und dann wieder hassen gelernt: Atmosphärische, alte, handgemachte Produktionen lege ich dann und wann immer noch gerne ein, doch die endlose Reihe billiger Non-Produktionen der letzten 25 Jahre hat einer ehemaligen Schreckensgestalt längst jeden Terror genommen und egal ob als Comedy, Drama, Romanze, Schwulenporno, Actionfilm, Thriller, Musical oder Kunstfilm, jedes Genre wurde bereits mehrfach in jeder Länge beackert und mit Zombies durchexzerziert bis zur absoluten Übermüdung. „A Father’s Day“ versucht sich scheinbar an einer leicht dramatischen Rom-Com im postapokalyptischen Zombieszenario, kann aber trotz deftiger Goreeffekte seinen billigen Look nicht verstecken, trotz dauerhaft pseudosentimentaler Streicher im Soundtrack auch seine Ideenlosigkeit nicht. Schlechte Computereffekte, klischeehafte Geigen, eine zu niedrig aufgelöste, letzte Sequenz – immerhin ist dieser belanglose, französische Unfall von einem Beitrag nur 8 Minuten kurz. 3(-)/10
 
 
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Das nächste Zwischenspiel spielt zu Beginn in einer Scheune mit Scheinwerfern und blauem Licht und begnügt sich scheinbar damit, einfach nur eine Zombie- Fressanspielung zu machen – doch dann folgt ein recht abgefuckter Monolog mit beunruhigender Stimmung die wirkt wie die verrückten Reden eines verbitterten Typen mitten im Nichts und siehe da, nach 43 Minuten, also etwa dem ersten Drittel des gesamten Werks, hat „Asylum“ sogar in den bisher nur halb geglückten Interludes meine Aufmerksamkeit.
 
Weiter geht es mit dem argentinischen Beitrag „RIP“, der mit warmen Farben und gemütlicher Wohnzimmer-Stimmung einlullt, bevor sich durch den neugierig machenden Dialog langsam aber sicher Surrealismus und wachsende Verlaufsspannung einstellt. Diese äußerst makabere und schwarzhumorige, wirklich witzige Episode wird zwar leider vom Menü gespoilt, verwandelt sich aber trotztdem auf höchst amüsante und stellenweise immer noch überraschende Weise in eine echte Schlammschlacht, die zwar nie sonderlich explizit ausfällt, aber doch als originell, böse und blutig im Gedächtnis bleibt. Eine witzige, wenn auch in letzter Konsequenz etwas unpointierte Viertelstunde. 7/10
 
 
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Die nächste Überleitung hat man sich quasi ganz gespart, hier ist lediglich ein minimalistisches Set ohne Dialog zu sehen, dann wird man auch schon in die Perspektive eines Patienten geworfen, der in einem spanischen Krankenhaus spanisch in die Notaufnahme gerollt wird. Nach wenigen wirren Sekunden ändert sich das Setting schlagartig zu einer leeren, weiten Landschaft und mit, für das vermutlich überschaubare Budget, sehr überzeugenden Effekten fallen zahlreiche Objekte und Menschen, Krankenhausutensilien sowie ganze Familien, scheinbar aus offenem Himmel in den Shot. Einige Details sorgen für Lacher durch visuelle Comedy, danach offenbart sich schnell der eigentliche Punkt des Shorts: Wir befinden uns vor Trumps Mauer zwischen Mexiko und den USA, die protestierenden Menschen wurden gerade wortwörtlich herausgeworfen. Doch es kommt noch schlimmer, etwas kommt aus Amerika auf die hilflosen Leute zu… Eine kurze und amüsante Polit-Satire mit dem Holzhammer, die weiß ab wann es anstrengend oder zu beliebig werden würde und ein paar nette Ideen hat – 7/10.
 
 
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Eine langsame Mariachi-Einlage in hübschen Bildern leitet eine Ansprache des wandlungsfähigen Moderators ein. Darüber, dass er nur so unglücklich geworden ist, weil er es seinem Vater beweisen bzw. heimzahlen wollte und darüber, dass die Halbzeit erlangt ist. Mein Highlight dieser knappen zwei Stunden lässt sich nun folgend im Animationsbereich finden, da „The Death, Dad and Son“ eine herzerwärmende und stilistisch deutlich von Tim Burton beeinflusste Stop-Motion- Animation ist, die das Nutzen von Film Noir-Vibes ebenso meistert wie visuelle Comedy, nonverbales Charakterisieren oder allgemein ästhetische Einstellungen. Die Animationen begeistern, die Schlusspointe passt perfekt zum verfolgten Stil, der schwarze Humor sitzt. 8.5/10 für diese ideal gepaceten 11 Minuten und „schon“ fehlen nur noch drei Geschichten.
 
 
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Die Zwischenstücke, die bereits düster geworden und ins Manische abgedriftet sind, steuern natürlich auch auf ihren Höhepunkt zu: Zwar kann man schwerlich von einer eigenen Story oder funktionierend aufgebauten Dramaturgie sprechen, für sich allerdings funktionieren mit der Zeit mehr und mehr der Einspieler – so geht es nun vier Minuten lang in einem Bauchredner-Skit in die Vollen, in dem mit männlicher Zerbrechlichkeit und Paranoia gearbeitet wird, mit Alarmsirenen und somit einem perfekten Übergang zur nächsten Episode.
 
Denn in „Entity“ wird, bis auf den Kopf der Hauptdarstellerin wohl komplett mit CGI animiert, die seit Gravity fast schon übliche Geschichte einer Astronautin in misslicher Lage erzählt, die nach einem Unfall alleine im Weltall verloren ist. Die Effekte sind dabei leider allenfalls durchschnittlich und deutlich als solche zu erkennen, doch da die Episode fortan nicht auf Länge und Realismus setzt, sondern auf kurzes Eye-Candy mit bunten Lichtern, einer prägenden letzten Einstellung und pompösen Sounddesign, geht das in Ordnung. Kein Meisterwerk, aber zehn Minuten sehr hübsche Videospiel-Cutscene, die auf Leinwand definitiv zu wirken weiß. 7.5(+)/10
 
 
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Die erste der letzten vier Sequenzen des Films ist nun die wohl gelungenste Zwischensequenz der ganzen Chose, da in bester Aphex-Twin-Manier und mit bunten Lichtern sowie Störgeräuschen endgültig geistiger Zerfall inszeniert wird, bevor die letzte meiner Lieblingsepisoden folgt: „Bloodbath“ ist garstig, böse, konsequent, mit fünf Minuten perfekt lang für das Script und sieht profesionell aus – eine humorlose und nüchtern-realistisch erzählte Situation, mehr braucht es manchmal nicht, 8/10.
 
 
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Ein letztes Mal zurück zu unserem gematerten Präsentator und abseits seiner lächerlichen Mimik wird ein „nettes“, wenn auch unspektakuläres Finale seiner Rahmengeschichte geliefert, die letzte, neunte Episode des Films heißt dann „The Last Show“ und übt sich leider Gottes in reiner Nerverei: Überblende nach Überblende, Wackelkamera und zu schnelle Schnitte, anstrengend unpassende Alternative Rock/Metal-Musik. Hier wollte jemand unbedingt einen auf Rob Zombie machen und dachte „Mehr ist mehr“, aber noch so viele Bildverschmutzungen und aufgesetzte Retro-Looks können nicht über fehlendes Talent hinwegtäuschen, nicht darüber dass einfach nur brutal und eklig und sadistisch sein, ohne gute Effekte oder auch nur annährend ansprechende Bildsprache, nicht annährend genug ist. Weil es nur vier Minuten waren, das Ende nett und ein einzelner Kill spaßig konzipiert wurde noch knappe 4/10, aber hiermit hat sich niemand einen Gefallen getan.
 
 
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Und das war es dann also, nach gerade einmal 103 statt 117 Minuten „schon“, denn der Rest ist Abspann. Was bleibt zu sagen? „Asylum“ hat eine der unüblichsten und unnachvollziehbarsten Entscheidungen für eine Rahmenhandlung bzw. -moderation, die ich bisher gesehen habe und auch wenn die Performance größtenteils zu gefallen weiß, so hätte man sich einige der Passagen ganz sparen, andere verlängern oder gehaltvoller schreiben können. Der Rest ist relativ wild und unzusammenhängend international zusammengeklaut und kann schwerlich in Verbindung zum jeweils letzten Segment gebracht werden, weiß dafür aber auch fast durchgängig zu unterhalten, oder zumindest überraschen. Der altbekannte Horrorkurzfilm „The Cleansing Hour“ konnte punkten, bei der liebevollen Stop-Motion-Animation „The Death, Dad and Son“ ist mir das Herz aufgegangen, „Entity“ war ein bildgewaltiger Weltraum-Trip und „Bloodbath“ zeigt, wie man mit einem Set und einer netten Idee einen auf den Punkt gegarten, garstigen Fünfminüter erstellt – doch der Rest der Filme reicht entweder nur für ein vergnügtes Schmunzeln beim einmaligen Sehen, – „Drudge“, „RIP“ und „Mamon“ sind alle keine Meisterwerke, aber machen noch Spaß – oder aber es handelt sich um einen der beiden echten Rohrkrepierer, auch wenn diese zusammen keine Viertelstunde ausmachen.
 
 
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ASYLUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Etwas über 100 Minuten für neun Episoden und eine Rahmenhandlung sind weise gewählt. Durch die Reihenfolge der Stories ist das Pacing trotzdem teils etwas zu behäbig, zum Ende hin dann merkwürdig rasant. Ein echter Hit, gruseliger Horror, durchgängig überzeugender Film oder auch nur mit ein mit einem Geniestreich versehender Streifen ist „Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten“ also schlußendlich nicht geworden. Doch genug Originalität, Kurzweil, Abwechslung und Blut für aufgeschlossene Genrefans und Fans internationaler Anthologien ist trotzdem zu finden. Rein mathematisch wären es in etwa 6,7, runden wir also doch auf knappe 7/10 auf.
 
 


 
 
 

ASYLUM – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Asylum – Irre-Phantastische Horror-Geschichten“ ist ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen. Horrorfans und Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ASYLUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover A)

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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover B)

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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray Mediabook Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Asylum: Twisted Horror and Fantasy Tales; Argentinien | Neuseeland 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1., Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Poster, Booklet + Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook 27.11.2020

 

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ASYLUM – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
A Night of Horror: Nightmare Radio (2019)
 
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Southbound (2015)
 
The Theatre Bizarre (2011)
 

Filmkritik: „Pyewacket – Tödlicher Fluch“ (2017)

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PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH

(PYEWACKET)

Story

 
 
 
In PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH wünscht sich eine Teenagerin den Tod der eigenen Mutter. Dabei holt sie sich bei dunklen Mächten Unterstützung.

 
 
 


 
 
 

PYEWACKET – Kritik

 
 
 
Sei vorsichtig vor dem, was Du Dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen. Genau jene weisen Worte gab bereits ein boshafter Dschinn in WISHMASTER (1997) dem Zuschauer mit auf dem Weg. Der machte sich die Habgier wunschgeiler Menschen zu eigen und beförderte sie damit gleich mal in den Tod. Drei Fortsetzungen folgten und machten unbedachtes Wünschen für das Publikum zu blutroter Unterhaltung mit sarkastischer Note. Offenbar lieferte die Reihe für einige Filmemacher genug Inspiration. Ähnliches Prinzip wurde nämlich auch in WISH UPON von 2017 angewandt, wo man nicht minder zynisch zur Sache ging, um Kurzweil zu bieten. Auch hier konnte eine alte Spieluhr zwar ebenso Wünsche erfüllen, fordert aber als Gegenleistung für das Erfüllen einen Blutzoll, der die Protagonisten des Films vor unüberwindbare Herausforderungen stellte. Mit denen hat nun auch die Heldin des hier vorgestellten Okkult-Horrors zu kämpfen. PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH rückt nämlich ebenso das unüberlegte Wünschen in den Mittelpunkt und schlägt mit gemeinem Ende vor den Kopf. Gruselstimmung, Drama und grimmige Pointe: Indie-Horror at his best.
 
 
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In PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH hat Leah (NICOLE MUÑOZ aus SCARECROW – DAS GRAUEN STIRBT NIE) unter dem plötzlichen Tod des Vaters zu leiden. Der Schicksalsschlag hat dafür gesorgt, dass sich Mutter (LAURIE HOLDEN) und Tochter immer weiter voneinander entfernen haben und sich Trauer regelmäßig in Frust entlädt. Einer der Gründe, weshalb die Jugendliche immer öfter mit Okkultismus experimentiert, um sich so dem Kummer zu entledigen. Doch schwarze Magie wird der Teenagerin bald zum Verhängnis. Als mal wieder ein Streit mit der Mutter entfacht, flüchtet das Mädchen in die Wälder und beschwört einen Dämon, der das Familienoberhaupt töten soll. Alles nur Hokuspokus? Schön wär’s, denn plötzlich passieren Dinge, die sich Leah nicht erklären kann. Da poltert es im Dachgeschoss und unheimliche Ereignisse lassen nichts Gutes erahnen. So wird aus Spaß plötzlich Ernst und die rebellische Teenagerin muss feststellen, dass man besser erst die Folgen mysteriöser Rituale bedenkt, bevor man sie unachtsam durchführt.
 
 
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Teenager und Okkultismus – das sind zwei Dinge, die sich eigentlich nur selten vertragen. Schaut man sich nämlich ähnlich gestrickte Filme über Jugendliche an, die sich dunklen Mächten anschließen, kann man davon ausgehen, dass auch in PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH geheime Rituale für Chaos sorgen werden. Drehbuchautor und Regisseur ADAM MACDONALD hat hier saubere Arbeit geleistet und solide Gruselunterhaltung abgeliefert, die sich vor allem durch exzellentes Schauspiel auszeichnet. Hier wird Wert auf Figuren und Spannungsaufbau gelegt. Die Effektkeule wird in der Klischee-Mottenkiste gelassen. Das bedeutet, dass sich Macher ADAM MACDONALD im Aufbau seines Filmes an alten Gruselmeistern orientiert und das Grauen gemächlich auf subtilen und psychologischen Wege heraufbeschwört. Demzufolge dauert es auch sehr lang, bis PYEWACKET überhaupt zum Punkt kommt, was aber keineswegs als etwas Schlechtes gewertet werden sollte. Ganz im Gegenteil. Durch langsamen Aufbau kann sich der Zuschauer besser auf die Figuren und ihre Schicksale einlassen, wobei an dieser Stelle vor allem Schauspielerin NICOLE MUÑOZ hervorsticht, die als rebellische wie auch verängstigte Teenagerin Leah eine überzeugende Arbeit abliefert. Die merkt in ihrem jugendlichen Leichtsinn schnell, dass in Wut getätigte Rituale so ziemlicher Blödsinn sind und wird die Geister nicht mehr los, die sie gerufen hat. Eine bittere Erleuchtung, die im Finale schmerzhaft in der Magengrube trifft. Gott sei Dank kann man im Heimkino vorspulen. Nicht jedes Filmende lässt sich nämlich leicht verdauen.
 
 
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PYEWACKET – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mehr subtiles Drama statt schauriger Horrorfilm. PYEWACKET ist durchdachter Okkult-Grusel von Jemanden, der sich mit Horror auskennt. Regisseur ADAM MACDONALD ist kein unbeschriebenes Blatt im Horror-Genre. Der hatte zuletzt mit BACKCOUNTRY einen deftigen Natur-Survival-Thriller abgeliefert und war bereits selbst in Horrorfilmen als Schauspieler unterwegs. So sah man ihn im Werwolf-Grusel WOLVES und dem Home-Invasion-Horror HOME SWEET HOME. Die Liebe zum düsteren Fach kommt auch dem neusten Werk des Filmemachers gelegen. PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH ist ein Gruselfilm alter Schule, der sich in erster Linie auf Figuren und Stimmung konzentriert, statt das Publikum mit schnellen Schnitten und ausgelutschten Schockmomenten zu belästigen. So beleuchtet der Film mehr das problematische Seelenleben seiner desorientierten Jungdarstellerin und hat erst am Ende etwas Gruselei zu bieten. Das hat zur Folge, dass nicht direkt klar wird, was hier eigentlich passiert. Zeichnen sich die mysteriösen Ereignisse nur im Kopf der traumatisierten Heldin ab oder ist hier wirklich ein Dämon am Werk? Die Antwort darauf überlässt Regisseur ADAM MACDONALD dem Zuschauer. Ein geschickter Schachzug und zugleich gelungenes Verwirrspiel. Für Fans schockintensiver und lauter Mainstream-Ware wie COUNJURING ist PYEWACKET aber nicht unbedingt geeignet. Die dürften sich der gemächlichen und eher stillen Inszenierung wegen schnell langweilen. Skandal!
 
 
 


 
 
 

PYEWACKET – Zensur

 
 
 
PYEWACKET – TÖDLICHER FLUCH ist eher ein subtiles Gruseldrama. Es gibt eine Armwunde zu sehen und eine Person, die bei lebendigem Leibe verbrennt. Hierzulande gab es für die überschaubaren Schauwerte eine FSK16 in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

PYEWACKET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pyewacket; Kanada 2017

Genre: Drama, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Behind the Scenes inklusive Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern,
Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet, Plakat

Release-Termin: 13.07.2018

 

Pyewacket [Limitiertes Mediabook mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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PYWACKET – Mediabook

 
 
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PYEWACKET – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Eindringlinge (2015)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Midnight Game (2013)
 
Veronica – Spiel mit dem Teufel (2017)
 

Filmkritik: „German Angst“ (2015)

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GERMAN ANGST

Story

 
 
 
Vor einem Jahrhundert, als die damals neue Kunstform Film langsam aber sicher Form annahm, gehörten deutsche Filmemacher zu den weltweiten Pionieren der bewegten Bilder. Die unbehaglich dystopischen Bilder eines „Metropolis“, Dr. Mabuse als erster großer Leinwandschurke, Murnaus „Nosferatu“ als Urvater der Filmvampire. Um die alten Vorbilder und das ehemalige Image von Deutschland als Genre-Spezialist zu ehren, wurde mit „German Angst“ ein Horror-Dreigestirn produziert, das an die verblichene Größe erinnern soll. Mit der reißerischen Tagline „Three german tales of love, sex and death in Berlin“ präsentieren Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall ihre drei Kapitel und widmen sich verschiedenen brutalen Visionen, vom alltäglichen Wahnsinn hinter den Türen Berliner Wohnungen bis hin zur Verlockung des sexuellen Deliriums.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Kritik

 
 
 
Für Jörg Buttgereit sind es nicht die Dämonen aus alten Volksmärchen oder Krisen der Weltpolitik, in denen er sein Grauen versteckt. Der Kult-Regisseur von kontroversen Klassikern wie „Nekromantik“ oder „Schramm“ zeigt uns einen viel moderneren Blick auf Ängste, Traumata und Gewalt. Das namenlose Mädchen, dessen Tagesroutine uns gezeigt wird, wirkt auf den ersten Blick wie eine typische, etwas zurückgezogene junge Frau. Nach und nach entblättert Buttgereit die Illusion des Friedens und legt frei, was unter der Oberfläche krabbelt. In dem besten Kapitel des Trios spielt Jörg Buttgereit geschickt mit dem Kontrast seiner harmlos wirkenden Protagonistin und den nötigen Gewaltspitzen und zeigt auf, was sich hinter einer bürgerlichen Fassade alles verstecken kann. Michal Kosakowski widmet sich dem Thema, das in einer Reihe deutscher Horror-Visionen so sicher ist, wie das Amen in der Kirche. Der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und den Konsequenzen des Zweiten Weltkrieges. Hier in der zugegeben originellen Form eines halbfantastischen und blutigen Rachemärchens. Ein gehörloses Pärchen befindet sich auf einer augenscheinlichen Entdeckungsreise durch eine Berliner Ruine, als sie auf eine Gruppe von Neonazis treffen. Weniger vorhersehbar als der folgende Gewaltausbruch ist ein besonderer Trick, den die Angegriffenen aus dem Ärmel holen. Kosakowski versteckt seine Gedankenansätze über Täter, Opfer, Vergangenheit und Gegenwart unter einer großen Menge unnötig brutaler Nazi-Exploitation und der grenzenlosen, fast fahrlässigen Überzeichnung der Neonazi-Gruppe.
 
 
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Das zweite Kapitel des blutigen Sammelbandes verschenkt durch einen Mangel an Subtilität leider Punkte, rettet sich aber durch seine interessante wie schräge Prämisse. Das Schlusslicht bildet Andreas Marschalls Geschichte über den Fotografen Eden, der an eine Mitgliedschaft in einem ebenso geheimen wie heiklen Sexclubs gerät. Der neu entdeckte Rausch stößt an seine Grenzen, als Eden die unerwarteten Nebenwirkungen des lokalen Aphrodisiakums entdeckt. Marschall erzählt uns eine längst verjährte Geschichte über sexuelle Tabus und die Konsequenzen der ungezügelten Lust. Leider tut er dies ohne einen nennenswerten Bezug zum deutschen Themenrahmen von „German Angst“, was seinen Beitrag mitunter unpässlich wirken lässt. Weiter entfremdend ist außerdem die Tatsache, dass ein Großteil des Dialoges sich in der englischen Sprache abspielt. Ein Trend, der bereits im zweiten Kapitel von „German Angst“ unangenehm auffiel und zum Schluss zunehmend nervt. Es ist löblich, dass Michal Kosakowski und Andreas Marschall augenscheinlich die internationale Vermarktung im Auge behalten haben. Trotzdem wirkt es arg befremdlich, einen typisch deutschen Horrorfilm vorgesetzt zu bekommen und ohne guten Grund fast ausschließlich englischen Ton zu vernehmen.
 
 
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GERMAN ANGST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Wie so viele andere Wundertüten des Horror-Genres („VHS“, „ABCs of Death“) ist auch „German Angst“ ein gemischter Teller. Die drei Regisseure liefern ein Trio aus grundverschiedenen Episoden, die sich in Stil, visuellem Niveau und leider auch Qualität stark unterscheiden. Obwohl einzelne Elemente an der Relevanz des „German Angst“-Themas vorbeischrammen, fügt sich die Gesamtheit der Episoden zu einem kurzweiligen, unterhaltsamen Horror-Triptychon zusammen, das zwar meilenweit hinter den deutschen Genreklassikern hinterherhinkt, aber den zeitgenössischen Produktionen durchaus das Wasser reichen kann.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Zensur

 
 
 
Im zweiten Anlauf hat die FSK „German Angst“ eine KJ gewährt, die den Film ungeschnitten auf deutschen Regalen erscheinen lässt. Die Freigabe ab 18 ist der Härte des Films angemessen.
 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Pierrot le Fou (ungeschnittene Fassung im KeepCase)

 
 
 
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(c) Pierrot le Fou (ungeschnittene Fassung im limitierten Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: German Angst; Deutschland 2015

Genre: Action, Fantasy, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: 118 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, Mediabook (limitiert auf 4000 Stück)

Extras: Behind the Scenes – Zusätzlich fürs Mediabook wurde ein Booklet mit 24-seitigem Buchteil (Text: Marcus Stiglegger und Deadline) erstellt. Zudem enthält die Sammlerauflage ein Filmposter, einen Audiokommentar mit den drei Regisseuren, diverse Trailer und ein Making of

Release-Termin: 15.05.2015

 
 
 


 
 
 

GERMAN ANGST – Mediabook

 
 
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Seit geraumer Zeit hat es sich das Label PIERROT LE FOU zur Aufgabe gemacht, Fans der etwas härteren Filmart mit herausragenden Horrorstreifen zu beglücken. Das Label hat ein goldenes Händchen für Geheimtipps. So sicherte man sich die Rechte an internationalen Horrorstreifen (u.a. HERE COMES THE DEVIL), um sie auch in Deutschland einem interessierten Publikum zugänglich machen zu können. Bei PIERROT LE FOU entscheiden die Käufer mit – zumindest wenn es um die Gestaltung der Heimkinomedien geht. So dürfen die nämlich bei der Coverauswahl für die hauseigene Mediabook-Reihe mitentscheiden, um die Sammlerobjekte nach ihren Wünschen vom Label gestalten zu lassen.
 
GERMAN ANGST ziert die Nummer 5 der begehrten „Uncut“-Mediabooks und setzt jene Serie fort, die bereits mit den Filmen DADDY’S LITTLE GIRL, RAZE, SILENT NIGHT und LET US PREY begonnen wurde. Die Aufmachung bleibt wie gehabt. Erneut liegt der Sammlerauflage eine DVD und Blu-ray bei, auf denen der Streifen selbstverständlich in ungeschnittener Fassung enthalten ist. Um sich nach dem Filmgenuss informieren zu können, wurde ein umfangreiches Extrapaket geschnürt, das in vollem Umfang nur in der Sonderverpackung zu finden ist. Dazu gehören Audiokommentare der drei Regisseure, ein Making of, kurzes Hinter-den-Kulissen-Material und diverse Trailer. Zudem enthält das Mediabook einen informativen Buchteil geschrieben von Marcus Stiglegger und der Zeitschrift Deadline. Mit einem ansprechenden Filmposter wird die schöne Veröffentlichung abgerundet, die übrigens zu einem deutlich günstigeren Kurs angeboten wird, als die obligatorischen 30 Euro, die im deutschsprachigen Ausland für Buchverpackungen aus dem Hause XT oder NSM bezahlt werden müssen. Bleibt zu erwähnen, dass das GERMAN ANGST-Mediabook auf 4000 Stück limitiert ist und sich hervorragend in die bisherige Sammelserie einreiht. Wir raten: zugreifen, so lange das noch möglich ist!
 
Übrigens: Mediabook Nummer 6 aus der Sammelreihe ist der sehenswerte Überlebens-Horror PRESERVATION.

 
 

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GERMAN ANGST – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU

 
 
 
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