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Beiträge mit Schlagwort “postapokalyptische Horrorfilme

Filmkritik: „The Domestics“ (2018)

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THE DOMESTICS

Story

 
 
 

Ein Paar muss sich in einer dystopischen Zukunftsvision mit brutalen Banden auseinandersetzen, die Spaß daran haben, ahnungslose Menschen zu quälen.

 
 
 


 
 
 

THE DOMESTICS – Kritik

 
 
 
Postapokalyptische Szenarien sind seit Jahren schwer im Kommen. Was sich vor allem im Zombiefilm zu einem beliebten Thema entwickelt hat, ist mittlerweile auch genreübergreifend ein Garant für gute Zuschauerzahlen. So vergeht kein Monat in dem nicht mindestens ein Untergangsszenario in Lichtspielhaus oder Heimkino gebracht wird, um dem den Filmfan in eine finstere Zukunft zu entführen, wo vor allem Angst und Gewalt den Alltag beherrscht. Der Endzeit-Thriller THE DOMESTICS stellt hierbei keine Ausnahme dar. Auch dieser krude Horror-Schocker ist eine dystopische Filmvision, die es nicht gut mit der Menschheit meint und deren Untergang prophezeit. In aufgewühlten, instabilen Zeiten wie der unseren keine so abwegige Utopie mit der sich der Filmemacher MIKE P. NELSON auseinandersetzt. Der stellt sich in seiner zweiten Regiearbeit die Frage, was wäre, wenn die Menschheit ausgelöscht werden würde und nur noch wenige Menschen den Planeten bevölkern. Zusammenhalt oder Chaos? Erfahrene Filmkenner wissen, dass in diesem Falle vermutlich letzteres eintreffen wird. Und in der Tat: THE DOMESTICS rückt einmal mehr das Tier Mensch in den Mittelpunkt, das dem Überlebenswillen wegen über Leichen geht. Dennoch ist Gebotenes nicht sonderlich kritisch. Vielmehr wird mal wieder versucht mit Exploitation schnell Kasse zu machen. Wer es brutal mag, kommt daher auf seine Kosten. Feingeister werden hingegen das Weite suchen.
 
 
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Politische Konflikte, Rassenspannungen, Krankheiten, Armut, Verschuldung, Gewalt, Überbevölkerung und schwindende Ressourcen: Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen vor dem Untergang. Für die Regierung Grund genug die Notbremse zu ziehen. Sie lässt mithilfe von Flugzeugen ein tödliches Gift verteilen, das die Mehrheit der Bevölkerung dahinrafft. Doch statt Besserung folgt Chaos. Einige Menschen konnten überleben. Doch die leben in ständiger Angst, weil nun mehrere Banden das Land beherrschen, die vor nichts und niemanden Gnade kennen. Kein gutes Omen für Mark (TYLER HOECHLIN) und Nina (KATE BOSWORTH). Die haben plötzlich keinen Kontakt mehr zu Verwandten, was das Paar dazu veranlasst nach dem Rechten zu sehen. Man setzt sich ins Auto und bahnt sich den Weg durch eine brutale, postapokalyptische Welt, die von grausamen Gangs und Stämmen regiert wird. Ob man heil am Ziel ankommen wird? Zimperlich geht es in THE DOMESTICS keinesfalls zu.
 
 
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Wenn Anarchie zum Alltag wird. THE DOMESTICS ist unabhängiges Überlebenskino, das sich vor allem durch eines auszeichnet: Gewalt. Der Thriller macht es so ungemütlichen Mainstream-Filmen wie THE PURGE oder THE STRANGERS gleich, die aus einer simplen Idee den maximalen Terror herauskitzeln. In diesen Schockern geraten gute Leute ganz unfreiwillig in den Fokus böser Menschen, die Spaß daran haben ihre ahnungslosen Opfer zu terrorisieren. THE DOMESTICS nutzt genau diese Erfolgszutat für 90 Minuten Schrecken aus, um seine Helden durch die Filmhölle gehen zu lassen. Überraschenderweise funktioniert das rudimentäre Prinzip des Menschenquälens tadellos und das, obwohl genau jener Handlungsablauf nach den vor einigen Jahren sehr lukrativen Rape-and-Revenge und Home-Invasion-Wellen so langsam mit Abnutzungserscheinungen zu kämpfen hat. Die alte Leier wird im Falle von THE DOMESTICS aber zum Glücksgriff. Der Grund: Regisseur MIKE P. NELSON beweist ein talentiertes Händchen im Heraufbeschwören von kompromissloser Terrorstimmung und meint es dabei nicht immer gut mit seinen Filmhelden. Die geraten auf ihrer gefährlichen Reise durchs ausgerottete Amerika an perverse Banden, die ähnlich wie in einem Videospiel erfinderisch ausradiert werden müssen. Kaum sind die einen Bösewichte hingerichtet, folgen die nächsten Unholde. Dabei wird eine nicht enden wollende Spirale der Gewalt entfacht, die erst im Schlussfight gegen den Endboss einen krönenden Abschluss findet. Da bekommt man direkt Lust auf eine Runde Prügel- und Balleraction auf der Spielkonsole.
 
 
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Dennoch, THE DOMESTIC ist keine Sternstunde des Überlebens-Horrors. Der krude Mix aus MAD MAX und THE PURGE wurde zwar temporeich inszeniert, hat aber ein ziemliches Problem mit der Glaubwürdigkeit. Vertraute werden – um mal wieder Horrorklischees zu bedienen – plötzlich zu Feinden und die bewaffnete Banden sind aus nicht erklärbaren Gründen unseren beiden Filmhelden immer unterlegen. Letztere müssen erstmal den Gebrauch von Schusswaffen erlernen, schießen aber im entscheidenden Moment genau ins Schwarze. Das mutet teils unfreiwillig komisch an, hat aber im Grunde genommen nur einen Sinn: die Blutgeilheit des Publikums zu befriedigen. Letzteres bekommt hier den ultimativen Baller-Overkill geboten. Es wird gemordet und geschossen, als gäbe es kein Morgen mehr. Der Bodycount ist ordentlich und Blut spritzt reichlich. Dass da die nicht uninteressante Handlung gern mal ins Abseits gerät, ist ärgerlich aber für den Fan härterer Filme nicht sonderlich tragisch. THE DOMESTICS ist ein kurzweiliger Blick in menschliche Abgründe. Eine ernstzunehmende Dystopie ist dieser Film aber keineswegs. Das ist irgendwie bedauerlich, denn Mord und Totschlag sieht man oft. Wirklich gesellschaftskritische Weltuntergangsszenarien hingegen leider zu selten.
 
 
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THE DOMESTICS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grausame Zukunftsvision: Wenn die Welt nach dem Supergau in einen Gewaltrausch verfällt. THE DOMESTICS ist ein dystopischer Horrorthriller, der aber nicht sonderlich kritisch mit seiner zugrundeliegenden Handlung ins Gericht geht. Vielmehr will der Film die niederen Instinkte des Publikums stimulieren. Das bedeutet weniger Weltuntergangsstimmung, dafür mehr Mord und Totschlag. Das ist zwar ab und an ganz okay, aber im Falle von THE DOMESTICS dann doch oftmals zu viel des Guten. Hier hetzen Horden böser Menschen hinter einem nicht kampferprobten Paar hinterher. Seltsamerweise ist letzteres immer ein Stück voraus und hat das Glück für sich gepachtet. Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern manchmal auch unfreiwillig komisch. Gewaltfans wird das kaum stören. THE DOMESTICS ist ein dreckiger Mix aus MAD MAX und THE PURGE fernab jeglicher Logik, dafür aber mit viel Kurzweil und böser Action. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 
 


 
 
 

THE DOMESTICS – Zensur

 
 
 
THE DOMESTICS ist ein klarer FSK18-Kandidat. Vorwiegend wird von Schusswaffen Gebrauch gemacht. Es gibt diverse Einschüsse zu sehen, ein Messer wird in ein Auge gerammt und einer Filmfigur wird der Kopf weggeschossen. Weiterhin kommt ein Bohrer zum Einsatz und viele weitere Gemeinheiten versüssen das Splatter-Fanherz. THE DOMESTICS flimmert im August 2018 über deutsche Kinoleinwände.
 
 
 


 
 
 

THE DOMESTICS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei KINOSTAR FILMVERLEIH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Immigration Game (2017)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 
The Strangers (2008)
 
The Strangers 2 – Opfernacht (2018)
 
The Tournament (2009)
 
Mad Max: Fury Road (2015)
 
Wolves at the Door (2016)
 
The Road (2009)
 

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Filmkritik: „What We Become“ (2015)

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WHAT WE BECOME

(SORGENFRI)

Story

 
 
 
In einer dänischen Vorstadt-Siedlung herrscht das Chaos. Eine unbekannte Seuche zieht von Haus zu Haus und macht aus den Bewohnern infizierte Furien. Mittendrin: Teenager Gustav (BENJAMIN ENGELL) und dessen Familie, die während einer Zombie-Invasion versuchen zu überleben.

 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Kritik

 
 
 
Virusepidemie mit nachfolgender Zombie-Plage, die ungefähr 8299te. Diesmal passiert die Katastrophe bei unseren dänischen Nachbarn und erlebt die Heimkinopremiere bei einem deutschen Indie-Label, das eigentlich für Qualitätskino bekannt ist und dafür in Filmliebhaber-Kreisen geschätzt wird. Dass sich CAPELIGHT PICTURES ausgerechnet die Rechte an einem Zombiefilm gesichert hat, könnte den einen oder anderen Cineasten ein wenig ärgerlich stimmen. Das wäre natürlich nicht unbegründet, haben die meisten Horrorfans von Zombies doch so allmählich die Nase voll. Einfach zu viele dieser (schlechten) Filme wurden in der jüngeren Vergangenheit gedreht. Dennoch dürfte der ungewöhnliche Einkauf gleichzeitig Hoffnung auf Qualität wecken, hat das Berliner Label bei der Filmauswahl doch meistens ein goldenes Händchen bewiesen und mit Neuerungen im Genre überrascht. Das ist auch bei WHAT WE BECOME nicht anders, der gar nicht mal so übel ist, wie die meisten der eher unterdurchschnittlichen Videoproduktionen der letzten Jahre. Gut, der dänische Horrorbeitrag berichtet von einem ähnlichen postapokalyptischen Weltuntergangs-Szenario, wie die meisten der vielen Zombiefilme aus Amerika. Im Unterschied zu den dort oft in Eigenregie produzierten Zeiträubern wird der Überlebenskampf in diesem dänischen Zombie-Streifen aber spannend in Szene gesetzt – obwohl die Untoten nur selten beim Fressen ihrer bedauernswerten Opfer zu sehen sind. Hui, wie kann das sein?
 
 
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In der dänischen Vorstadt-Siedlung SORGENFRI (was übrigens – Ihr werdet es ahnen – „sorgenfrei“ bedeutet und gleichzeitig der Originaltitel des Films ist) ist die Welt noch in Ordnung. Hier kümmert man sich um das Wohl des Nachbarn und sorgt sich liebevoll um Neuhinzugezogene, wenn die desorientiert durch die Straßen irren. Doch mit der friedlichen Idylle ist es bald vorbei. Der Ort wird aus vorerst nicht erklärten Gründen unter Quarantäne gestellt. Das will dem rebellischen Teenager Gustav so gar nicht schmecken! Er will wissen, was in den Straßen vor sich geht und der neuen Nachbarin zu Hilfe eilen, auf die er ein Auge geworfen hat. Diese gibt vom Fenster gegenüber zu verstehen, dass sie sich in einer verzwickten Situation befindet. Freilich bewegt das den Heranwachsenden, mal nach dem Rechten zu sehen. Doch die Rettungsaktion führt zur Katastrophe. Gustav öffnet bei seinen Erkundungstouren versehentlich einen Container des Militärs und lässt rasend aggressive Stadtbewohner frei, die sich mit einem ominösen Virus angesteckt haben. Die rennen nun fauchend durch die Gassen und fallen über die Gesunden her, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Leider sind das keine guten Aussichten für das malerische Örtchen im Norden von Kopenhagen, wo sich nun eine Seuche rasend verbreitet und weder vor Freunden, noch Nachbarn halt macht. Was folgt ist ein Kampf um Leben und Tod, bei dem Familien nur noch ein Ziel kennen: Überleben.
 
 
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Zombie-Invasion auf Dänisch. WHAT WE BECOME beginnt eigentlich da, wo jeder andere Film dieser Art auch beginnt. Eine nicht näher beschriebene Seuche verbreitet sich in einem kleinen Ort und macht aus Bewohnern aggressive Killermaschinen. Interessanterweise distanziert sich Regisseur BO MIKKELSEN weitestgehend vom üblichen Zombie-Einerlei und versucht in erster Linie die verzweifelte Situation seiner Protagonisten zu beschreiben. Die wollen überleben, wissen aber nicht von der Bedrohung, die draußen auf den Straßen lauert. Erst nach und nach offenbart sich das ganze Grauen. Nachbarn werden zur Gefahr und die sicheren vier Wände zum todbringenden Gefängnis. Technisch und dramaturgisch ist das Gebotene ganz ordentlich. Der Film quält selten durch Längen und fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. So deutet BO MIKKELSEN anfangs nur an und entwickelt dadurch ein beklemmendes Gefühl der Angst und Unsicherheit, das sich durch den gesamten Film zieht. Das macht WHAT WE BECOME spannend, vor allem auch deshalb, weil sich im Film um Realismus bemüht wird und der Zuschauer nie mehr weiß als die Protagonisten dieses dänischen Genrestreifens selbst. Statt Zombies fokussiert sich das Virus-Szenario auf die missliche Lage einer vierköpfigen Familie. Die droht aufgrund des Vorfalls psychisch zu zerbrechen, was zusätzlich für (An)Spannung sorgt. Bei so viel psychologischem Horror wirken die Auftritte der eigentlichen Menschenfresser beinahe störend. WHAT WE BECOME ist nämlich einer dieser Filme, bei dem man das mit den Zombies auch gut und gerne hätte weglassen können. Der Film lebt hauptsächlich von dem Gefühl der Machtlosigkeit und der resultierenden Verzweiflung. Demzufolge ist die immerhin bildgewaltig in Szene gesetzte Zombie-Invasion am Ende überflüssig. WHAT WE BECOME hätte auch ohne die gut funktioniert.
 
 
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WHAT WE BECOME – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Zombiefilm mit nur wenigen Zombie-Szenen. WHAT WE BECOME zeigt erst in den letzten Minuten einige Menschenfresser in Aktion. Bis dahin werden sie durch Schatten und lautes Stöhnen angedeutet. Das steht dem Streifen erstaunlich gut, denn mit dem bloßen Andeuten wird das Kopfkino angekurbelt. WHAT WE BECOME bemüht sich um möglichst viel Realität und versucht abzuspulen, wie sich so eine Virusepidemie in einem europäischen Vorort abspielen könnte, in dem ganz normale Menschen leben. Bis die Zombies in voller Pracht zu sehen sind, funktioniert das wirklich gut. Erst in den letzten Minuten driftet WHAT WE BECOME zu sehr ins amerikanische Untoten-Genre ab und wird albern. Das ist dahingehend fatal, weil dieser dänische Katastrophenfilm die wandelnden Toten gar nicht gebraucht hätte. Die Situation der Machtlosigkeit – so wie sie in WHAT WE BECOME beschrieben wird – ist allein schon erschreckend genug, um Unbehagen bewirken zu können. Weil sich dieser Streifen weitestgehend vom Splatter-Quatsch üblicher Zombiefilme distanziert, ist WHAT WE BECOME für THE WALKING DEAD-Fans leider so gar nicht geeignet. Alle anderen können gern einen Blick wagen.
 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Zensur

 
 
 
WHAT WE BECOME (im Original: SORGENFRI) ist kein Zombiefilm, wie man ihn sonst immer zu sehen bekommt. Fressattacken und Gewaltmomente sind die Seltenheit. Das hatte zur Folge, dass der Film hierzulande eine Jugendfreigabe erhalten hat. Die FSK gab den Film bereits für Minderjährige frei. Die deutsche Fassung von WHAT WE BECOME ist ungeschnitten und steht mit FSK16-Flatschen im Händlerregal.
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sorgenfri; Dänemark 2015

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Dänisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 18.11.2016

 

What We Become (Blu-Ray) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Viral (2016)
 
Summer Camp (2015)
 
Don’t Grow Up (2015)
 
Anger of the Dead (2015)
 


Filmkritik: „Puls“ (2016)

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PULS

(CELL)

Story

 
 
 

„… Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich …“ tönte es vor ein paar Jährchen aus den Volksempfängern. Leider gilt das nicht für alle Protagonisten in PULS. All jene, die nicht vom Handy lassen können, verwandeln sich hier durch ein seltsames Funksignal in aggressive Furien und machen den übrigen Menschen das Leben zur Hölle. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.

 
 
 


 
 
 

PULS – Kritik

 
 
 
STEPHEN KING und seine Bestseller sind immer so eine Sache. Nicht jeder Horrorfan wird mit seinen Kurzgeschichten und Romanen warm, weil der Autor dafür bekannt ist, sich oft (zu viel) Zeit für den Aufbau von Grauen zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass heute die Konkurrenz für ein Publikum mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Springbohne zu massiv ist, gewinnt man mit derart altmodischen Erzählform offensichtlich keinen Blumentopf mehr. Gleiches gilt übrigens auch für die Verfilmungen seiner Bücher. Auch die spalten Zuschauer und Leser gern mal in zwei Lager und können nicht immer den hohen Erwartungen gerecht werden. Einer der Gründe: viele King-Filme leiden unter einem schwerfälligen und meist zähen Handlungsaufbau, der lang benötigt, bis er eine Temposteigerung zulässt. Das ist nicht jedermanns Sache, denn in Zeiten in denen hektische Schnitte und rasante Verfolgungsjagden für Schwindelgefühle sorgen, kann so traditionelles Heraufbeschwören von Unbehagen zur ermüdenden Angelegenheit werden. Auch wenn King in erster Linie bekannt für subtile Schauer und detailliertes Erforschen von Albträumen ist, lässt sich mit dessen Werken auch Jahre nach dem Adaptions-Wahn während der 80er und 90er viel Geld verdienen. So musste nach Werken wie ZIMMER 1408 und DER NEBEL nun auch der Handy-Horror PULS dran glauben, dessen Leinwandumsetzung nach langer Entstehungszeit Anfang 2016 unter dem Titel CELL in Amerika veröffentlicht wurde.
 
 
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Wenn Technologie zum Horror wird. In PULS (so der deutsche Filmtitel) stürzen Handys und Funksignale die Menschheit ins Verderben. Sie machen aus Menschen willenlose Zombie-Marionetten. Was sich skurril anhört, macht aber Sinn. So verriet der Bestsellerautor im Interview, dass er Mobilfunkgeräte für die Geißel des 20. bzw. 21. Jahrhunderts hält und deshalb kein Handy sein Eigen nennt. Ganz so Unrecht hat er da nicht, denn offensichtlich geht ohne Smartphone und Tablet in heutiger Zeit leider gar nichts mehr. Da denkt nicht nur der Mann aus Maine, dass es eigentlich gar keine mysteriösen Signale mehr braucht. Zombifiziert sind die Jünger von Steve Jobs und ähnlichen finsteren Gottheiten sowieso schon. Das sah King als Anlass, um sich genauer mit modernen Technologien auseinander zu setzen und deren unaufhaltsamen Fortschritt zu kritisieren, der die Menschen immer abhängiger macht. Was bereits im Buch PULS aktuelles Thema war, kommt nun auch auf die Leinwand. Zwar wurden einige Handlungsstränge verändert; die Grundaussage bleibt aber die Gleiche. King-Kenner dürften sich da wohl an RHEA-M zurückerinnert fühlen.
 
 
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Im Film erlebt Comiczeichner Clay Riddell (JOHN CUSACK – nach ZIMMER 1408 wieder am Start) am Flughafen Sonderbares. Als während eines Telefonats mit dem Sohn der Akku versagt, verwandeln sich plötzlich die Menschen in seiner Umgebung in tobende Furien. Sie beginnen einander zu zerfleischen und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. In letzter Sekunde kann sich der Familienvater retten und verschanzt sich zusammen mit anderen Flüchtenden (u.a. SAMUEL L. JACKSON) in seinem Apartment. Schnell wird klar, dass hier Höheres im Spiel ist. Und in der Tat, das Funksignal der Handys scheint die Hirne ihrer Besitzer zu vernebeln. Die werden in fremdgesteuerte Zombies umfunktioniert, welche sich willenlos einem nichtgreifbare Macht unterwerfen und sich zu Schwärmen zusammenrotten. Gott, schon wieder wollen wir schreiben, dass sich das liest, wie eine ganz normale Szene aus dem deutschen Alltag. Nach anfänglichen Schrecken kommt die Familie in den Sinn. Riddell will retten was zu retten ist und macht sich auf, um Frau und Kind zu suchen. Leider ist der Weg bis dahin steinig, denn die zornigen Kreaturen sind überall. Ihre Geister schließen sich auf einer telepathischen Ebene zu einer neuen Existenz zusammen, die nur eines im Sinn hat: die wenigen Normalmenschen ebenfalls zu unterjochen. Wird Riddell die Familie finden und die Welt vorm sicheren Untergang bewahren können?
 
 
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Dass diese Verfilmung aus der Feder des legendären STEPHEN KING überhaupt noch das Licht der Welt erblickt hat, grenzt fast schon an ein Wunder. Die Leinwandadaption des Roman PULS sollte eigentlich bereits 2006 in den Dreh gehen. Kein geringerer als der für moderne Schnapsideen von Exploitation-Filmen berüchtigte ELI ROTH hatte sich die Filmrechte gesichert und wollte den kritischen Schauerstoff ins Kino bringen. Weil der aber seinerzeit an der misslungenen HOSTEL-Fortsetzung tüftelte und nach den Dreharbeiten feststellen musste, dass er mit Kings Werken doch nicht so kann, musste die Idee zum Film auf Eis gelegt werden. Erst 2009 kamen neue Pläne auf den Tisch. So sollte der Romanstoff als vierstündige TV-Serie ins Fernsehen gebracht werden. Leider wurde auch dieses Vorhaben schnell wieder revidiert, obwohl bereits ein fertig geschriebenes Drehbuch von King selbst vorlag. Immerhin konnte man sich fünf Jahre später einigen. Nach ersten Konzeptplakaten im Internet wurden Januar 2014 endlich Dreharbeiten aufgenommen und das Projekt nahm Gestalt an. Das schien auch King gefreut zu haben, der im Internet die Werbetrommel für den Kinostart rührte und Fans versicherte, dass das veränderte, düstere Ende neue Maßstäbe setzen würde. So Unrecht hat er da nicht. Das von ADAM ALLECA überarbeitete Drehbuch weicht nämlich großzügig von jenem Skript ab, das der Bestsellerautor extra für den Film beigesteuert hat. Statt Erlösung und Happy End gibt’s kurz vor dem Abspann den sprichwörtlichen Schlag ins Gesicht. Ein geschickter Schachzug, denn ohne Zweifel bleibt PULS mit seinem unerfreulichen Ausgang länger im Gedächtnis hängen, als es das postapokalyptische Weltuntergangsszenario anfangs vermuten lassen würde.
 
 


 
 
 

PULS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Keine schlechte King-Verfilmung, aber auch nicht die Beste. Wie schon bei vielen anderen Leinwandadaptionen der Bücher von STEPHEN KING, hat auch PULS (Originalfilmtitel: CELL) hin und wieder Probleme mit dem Tempo. Ab und an dümpeln die Geschehnisse nämlich auf der Stelle. Zudem wird Nebencharakteren mancherorts zu viel Zeit für Entwicklung eingeräumt. Das lässt Längen entstehen. Dennoch zieht PULS seinen Reiz daraus, dass die Zombie-Problematik aus einer anderen Perspektive betrachtet wird. Bei den Kreaturen in diesem Überlebensthriller handelt es sich nämlich nicht um traditionelle Untote, wie man sie in den Werken des legendären GEORGE A. ROMERO (alter Alki-Freund Kings, von dem er sich immer wieder hat inspirieren lassen – Prost!) zu sehen bekommt. Vielmehr geht es hier um Menschen, die von einer fremden Macht manipuliert und gesteuert werden – Kritik am Fortschrittsgedanken inklusive. Wer die Bücher des erfolgreichen Romanautors mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren, auch wenn die Verfilmung hin und wieder von der King’schen Romanvorlage abweicht. So bildet der krönende Abschluss ein Finale, das mit unerfreulichem Ausgang so manchen Zuschauer verstören wird. Spätestens hier haben Drehbuchautor und Regisseur alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

PULS – Zensur

 
 
 
PULS (der in Amerika als CELL vermarktet wird) ist keine Gewaltgranate. Zu Beginn geht drunter und drüber. Auf einem Flughafen verwandeln sich Menschen zu Furien und fallen über sich selbst her. Da gibt es kurz einige Gewaltspitzen und Knochenbrüche zu sehen. Danach ist damit größtenteils Schluss. Hierzulande hat es für PULS problemlos den blauen FSK-Flatschen gegeben. FSK16.
 
 
 


 
 
 

PULS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cell; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Behind the Scenes, Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 17.01.2017

 

Puls [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PULS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Poster liegen bei CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Grow Up (2015)
 
Plague (2014)
 
Dead Within (2014)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
World War Z (2013)
 
28 Weeks Later (2007)
 
28 Days Later (2002)
 


Filmkritik: „Re-Kill“ (2015)

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RE-KILL

Story

 
 
 
RE-KILL schaut einem SWAT-TEAM bei der täglichen Arbeit über die Schultern. Die Aufgabe der Spezialeinheit ist es, möglichst viele Zombies zu vernichten, damit sich amerikanische Einwohner sicher fühlen können. Dabei werden die Kämpfer von den Kameramännern des TV-Formats „R-Division, Frontline“ begleitet, die die Zuschauer der Sendung über teils beunruhigende Einsätze in den zombieverseuchten Randgebieten bewohnter Städte informieren wollen.
 
 
 


 
 
 

RE-KILL – Kritik

 
 
 
Fast zehn Jahren ist es nun bereits her, seit die Spanier JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA mit dem sehenswerten Horrortrip [REC] ein Glanzstück in puncto Grauen ins Kino brachten, in dem Zombie- und Found-Footage-Genre auf bis dato noch nie dagewesene Weise vermischt wurde. Mittlerweile sind mehrer Ableger und genug ähnliche gestrickte Streifen erschienen, von denen aber nur die wenigsten überzeugen konnten. Die Festivalbetreiber von AFTER DARK wissen, was Horrorfans wollen und produzieren nach dem erfolgreichen AFTER DARK HORRORFEST unter dem Banner AFTER DARK ORIGINALS seit einigen Jahren selbst Schocker am Fließband (u.a. DARK CIRCLES, RITUAL und CHILDREN OF SORROW). RE-KILL schimpft sich ein weiterer Streifen aus dem reichhaltigen Fundus kurzweiliger Gruselware der AFTER DARK-Horrorexperten. Der sollte bereits 2010 veröffentlicht werden, kam aber erst fünf Jahre später in die Gunst einer Kinoauswertung. Die lange Entstehungszeit tut der Tatsache aber keinen Abbruch, dass RE-KILL gar nicht so übel ist, wie die meisten Zombiefilme neueren Datums. Für diesen Actioner wurde kurzerhand das [REC]-Prinzip noch einmal aufgriffen, um daraus eine fiktive Reality-TV-Show zu machen – blutige Kills und Patronengewitter inklusive.
 
 
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Fünf Jahre ist es nun bereits her, seit eine Katastrophe knapp 85% der Menschheit in geifernde Kreaturen namens Re-Ans verwandelt hat, die unentwegt durch Dörfer und Städte hetzen, um sich am Fleisch Nichtinfizierter zu laben. Die meisten Großstädte sind immer noch unbewohnbar. Dennoch existieren Überlebende, die sich in kleinen Städten zusammengerafft haben, um weiterhin einem geregelten Leben nachgehen zu können. Um deren Sicherheit zu gewährleisten wurde die sogenannte R-Division gegründet. Dabei handelt es sich um ein speziell geschultes SWAT-Team (darunter Kampfkünstler SCOTT ADKINS), das Zombies in menschenleere Zonen drängen soll, um sie dort von ihren Qualen erlösen zu können. Leider ist der Einsatz für die Mitglieder der Spezialeinheit nicht frei von Gefahren. Etwas, das viele der mutigen Kämpfer unterschätzen und deshalb mit ihrem Leben bezahlen müssen.
 
 
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Der komplett in Bulgarien gedrehte Film gleicht reißerisch inszenierten Reality-Dokus aus Amerika (wie COPS) in denen Polizisten bei der Verbrecherjagd von einem Kamerateam begleitet werden. In RE-KILL werden jedoch keinen Bösewichte hinter schwedische Gardinen gebracht; hier nimmt man den Kampf gegen eine ernstzunehmende Plage auf: Zombies. Die werden mit schwerem Geschütz in den Filmhimmel befördert und knabbern hin und wieder an den Mitgliedern eines SWAT-Teams, die bei gefährlichen Einsätzen etwas zu unachtsam durch das Schlachtfeld stolpern. Das dürfte vermutlich ganz im Sinne des Zuschauers sein. Der wird nicht nur Zeuge schießwütiger Kampfeinsätze, sondern darf sich auch an so manch explodierendem Zombieschädel und genug blutigen Einschusswunden erfreuen.
 
 
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Hektik und grausames Auslöschen soll in RE-KILL Unterhaltungswert beschweren. In diesem Streifen läuft alles in rasender Geschwindigkeit ab. Die Kamera kommt dabei nie zur Ruhe, weil sie nahezu überall sein möchte, damit der Zuschauer das Gefühl bekommt, Teil einer unaufhaltsamen Hetzjagd auf infizierte Bürger zu sein. Das bewirkt zwar anfangs ein hohes Maß an Realität und Tempo, verursacht aber so ziemlich schnell Schwindelgefühl, weil das Geschehen ausschließlich mit Hilfe von verwackelten Bildern vorangetrieben wird. Für kurze Verschnaufpausen sorgen fiktive und zynische Werbefilmchen, wie man sie auch schon in der SciFi-Actionern ROBOCOP oder STARSHIP TROOPERS zu sehen bekommen hat. Die sollen der Bevölkerung im Ausnahmezustand die schönen Dinge des Lebens vor Augen führen. Ein gefundenes Fressen für habgierige Unternehmer, die selbst noch während der Katastrophe möglichst viel Geld mit dem Ängste der Menschen verdienen wollen.
 
 
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Hinter dem etwas anderen Zombiefilm steckt der Bulgare VALERI MILEY. Dessen Arbeiten lesen sich bisher noch sehr übersichtlich. So konnte er immerhin Regie in einem Sequel der bekannten (und nicht gerade sehenswerten) Hinterwäldler-Reihe führen: WRONG TURN 6. Von den inhaltlichen Schwächen des fünften Ablegers jener Kannibalen-Hatz ist RE-KILL weit entfernt. Der Film richtet sich an all jene, denen es im Kino nicht rasant genug zugehen kann. Hier werden nicht nur minütlich hunderte von Patronen zur Vernichtung von Zombies abgefeuert; RE-KILL scheut sogar nicht mit satirischen Seitenhieben gegen das entfesselte kapitalistische System sowie unterschwelliger Kritik an die immer sensationshungrigeren Medien. In diesem Falle hat sich die lange Wartezeit gelohnt, denn der hektische Action-Mix ist wirklich nicht übel!
 
 


 
 
 

RE-KILL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schnell, schneller, RE-KILL. Rasantes Action-Zombie-Werk, das so hektisch und temporeich inszeniert wurde, dass man nach dem Abspann erstmal nach Luft ringen muss. Der Bulgare VALERI MILEY hat hier eine Art Reality-Show des spanischen [REC] zusammengeschnippelt, die durchaus Unterhaltungswert besitzt. So mixt er Found-Footage-Elemente mit im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregenden Zombie-Vernichtungseinsätzen, während denen man sich fragt, wie viel Munition so ein Maschinengewehr eigentlich abfeuern kann. Damit das pausenlose Auslöschen von infizierten Menschenfressern nicht zu eintönig wird, bringt RE-KILL unterschwellige Gesellschaftskritik an den Zuschauer. Die wird bissig und satirisch verpackt – ROBOCOP und STARSHIP TROOPERS lassen grüßen.
 
 


 
 
 

RE-KILL – Zensur

 
 
 
Wie es sich für Zombie-Action gehört, werden vor allem die Untoten hingerichtet und Kämpfer angefressen. Die meisten Gewaltmomente reduzieren sich auf Kopfschüsse und Einschusswunden. Weil RE-KILL derart hektisch zusammengeschnitten wurde, bekommt man viele der Spezialeffekte nur kurz zu sehen. Hierzulande reicht das für eine ungeschnittene Freigabe mit rotem FSK-Sticker: Keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

RE-KILL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
[REC] (2007)
 
RoboCop (1987)
 
Starship Troopers (1997)
 


Filmkritik: „The Hive“ (2015)

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THE HIVE

Story

 
 
 
Von einem Jungen, der versucht sein Gedächtnis zurückzugewinnen. In einem Sommercamp ist der Supergau ausgebrochen. Campaufseher Adam hat Probleme zu rekonstruieren, was vorgefallen ist, denn er kann sich an nichts erinnern. Auf der Suche nach der eigenen Identität kommt er einem geheimnisvollen Virus auf die Schliche, der sich den Hirnen seiner Wirte bemächtigt hat.
 
 
 


 
 
 

THE HIVE – Kritik

 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was der Zuschauer vom neusten der mittlerweile unzähligen Viren-Schocker zu erwarten hat. Der ist mal wieder auf dem Mist eines ambitionierten Newcomers gewachsen ist, der den Sprung ins Horrorfach wittert. DAVID YAROVESKY nennt sich der Filmemacher, der dem Horrorgenre mit THE HIVE zwar Abwechslung bescheren möchte, aber nicht die Finger von postapokalyptischen Weltuntergangsszenarien lassen kann. Die sind vor allem im Zombiefilmen Programm, weil es aggressiven Killerviren immer wieder gelingt, die furchtlose Menschheit in die Knie zu zwingen. Ganz ähnlich macht’s auch THE HIVE. Hier wird ein Virus auf Menschen losgelassen, der sich in rasender Geschwindigkeit über den Erdball verbreitet und die Hirne seiner ahnungslosen Wirte manipuliert und miteinander verbindet. Das klingt vermutlich absolut schräg, verhilft dem Film über den Durchschnitt. Demzufolge geht Lob an den noch unbekannten Regisseur, der trotz kleinem Budget und bekannter Virusthematik doch mehr zu erzählen hat, als manch andere Viren- und Zombieheuler der letzten Jahre.
 
 
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Wenn ein künstlich kreierter Virus EVIL DEAD-Fans aufhorchen lässt: Macher DAVID YAROVESKY kopiert viel Grauen, was auch schon im Remake zum Splatter-Klassiker aus der Mache von SAM RAIMI funktioniert hat. So wird der Zuschauer in eine keimige Hütte entführt, in der sich infizierte Protagonisten eklig geschminkt vor den Angriffen ihrer Freunde in Acht nehmen müssen. Die verwandeln sich nach und nach in aggressive und dämonisch geifernde Furien, denen schwarzer Speichel aus den Mündern tropft. Keine Angst – zum ultrabrutalen Showdown kommt es hier jedoch nicht. Yarovesky will nicht splattern und unnötig Gewalt zelebrieren. Stattdessen entwickelt er eine Vorliebe für morbide Stimmung und intelligente Detektivarbeit, schließlich liegt der eigentlich Reiz von THE HIVE in der Art, wie der Film mit geschicktem Erzählstil den Virusausbruch in einem Sommercamp rekonstruieren möchte. So wird Spannung durch ungewohnte Erzählmechanismen aufgebaut, denn THE HIVE ist kein chronologisch erzählter Horrorfilm. Der Film wechselt permanent zwischen Zeitebenen und macht das ziemlich gut. So sieht sich Held Adam (GABRIEL BASSO) zu Beginn mit vielen Problemen konfrontiert, die anfänglich keinen Sinn ergeben wollen. Dessen Erinnerungen sind verschwommen und Leichen liegen zu seinen Füßen. Seine Aufgabe ist es zu analysieren, was geschehen ist. Mittels Visionen, Flashback und Rückblenden werden Fragen geklärt, so dass Stück für Stück entschlüsselt wird, welch Drama sich in der Hütte abgespielt hat.
 
 
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DAVID YAROVESKY legt ein bemerkenswertes Gespür für Körper-Horror an den Tag. Neben der unkonventionellen Art des Erzählens überzeugt der Neuling mit beachtlichen Make-up-Effekten, die in ihrer soliden Umsetzung reichlich verstörend wirken. So bekommt der Zuschauer diverse Stadien einer ominösen Krankheit zu sehen, die Menschen in willenlose Sklaven des Bösen umfunktionieren. Leider bleibt es bei schrecklich geschminkten Gesichtern und Körperteilen, denn blutiges Gemetzel bleibt aus. Das hat der Film auch gar nicht nötig, denn dank neuer Impulse, gelingt es Yarovesky dem mittlerweile totgefilmten Zombie- und Virusgenre so etwas wie frischen Wind einzuverleiben. Seine eigensinnige Interpretation dieser Art von Filmen lässt viele der semiprofessionellen B-Movies der letzten Jahre vergessen, schließlich schafft THE HIVE das Kunststück, dass er nahezu bis zum Ende undurchsichtig und deshalb richtig spannend bleibt. Da verzeiht man dem Streifen gern, dass er auf der Zielgerade dann doch etwas den Durchblick verliert und unter wirrer Inszenierung zu leiden hat. Aufmerksame Horrorliebhaber dürfte das jedoch kaum stören, schließlich dürften die darüber erfreut sein, endlich mal wieder im Genre geistig gefordert zu werden. Der etwas andere Erzählstil macht’s möglich.
 
 
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THE HIVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. Einmal mehr werden in einem Horrorfilm die Gefahren wissenschaftlicher Forschung und der gesellschaftlicher Zusammenbruch durch eine Virusplage in den Mittelpunkt gerückt. Viele alteingesessene Horrorfans dürften da schon zu gähnen beginnen. THE HIVE macht jedoch einiges anders, denn der Film geht andere Wege, als die meisten postapokalyptischen Zombie-Machwerke der letzten Jahre. Wie THE HIVE den Ausbruch einer seltsamen Krankheit an den Zuschauer bringen will, überzeugt. Hierfür nutzt Macher einen unkonventionellen Erzählstil, der in seiner Art ein wenig an den Mystery-Thriller MOMEMTO erinnert. Dort sorgte eine verdrehte und dennoch erfischende Erzählweise für reichlich Verwirrung und machte den Ausnahmethriller gerade deshalb zum Geheimtipp für Cineasten. THE HIVE ist ähnlich gestrickt, dürfte jedoch aufgrund Ekel-Make-ups dann doch mehr unter Horrorfilmjüngern Zuspruch ernten. Trotz wenig Geld: Kein übler Indie-Schocker
 
 


 
 
 

THE HIVE – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass aufgrund des finsteren Trailers EVIL DEAD-artige Gewaltexzesse zelebriert werden, dürfte schnell enttäuscht werden. Auch wenn die Protagonisten von einer mysteriösen Krankheit infiziert werden – im Film selbst fließt kaum Blut. Der Film lebt von seiner undurchsichtigen Handlung und der zermürbenden Atmosphäre, die dank ekliger Make-up-Effekte zusätzlich verstärkt wird. Hierzulande dürfte THE HIVE problemlos eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 


 
 
 

THE HIVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Dead Within (2014)
 


Filmkritik: „Anger of the Dead“ (2015)

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ANGER OF THE DEAD

(AGE OF THE DEAD | APOCALISSE ZERO)

Story

 
 
 
Nach dem Ausbruch eines Virus ist die Menschheit auf der Flucht vor fressgeilen Zombies. Eine kleine Gruppe Überlebender versucht den Weg zu einer Insel zu finden, auf der sich der Virus noch nicht verbreiten konnte. Doch der Weg aufs Eiland ist voller Gefahren.
 
 
 


 
 
 

ANGER OF THE DEAD – Kritik

 
 
 
Der wohl polarisierendste Regisseur aus deutschen Landen ist zurück: DR. UWE BOLL. Er sorgt mit seinen teils durchwachsenen Werken in Fankreisen nicht immer für Begeisterung, hat aber mit den sozialkritischen Werken DARFUR und RAMPAGE bewiesen, dass nicht alles schlecht sein muss, was der Boll’schen Filmmaschinerie entspringt. Trotz konstantem Trommelfeuer an Negativ-Kritiken, die der Regisseur regelmäßig mit seinen Streifen erntet, muss man Boll dennoch zugute halten, dass der gebürtige Wermelskirchener vehement an seiner Leidenschaft zum Film festhält. Er dreht und produziert am Fließband Filme, damit sich Kritiker und Publikum auch weiterhin das Maul über den selbstbewussten Filmemacher zerreißen können.
 
 
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Im Falle des Horrordramas ANGER OF THE DEAD (Alternativtitel: AGE OF THE DEAD) wird zwar mit Boll geworben; der Regisseur hat aber nur als Geldgeber fungiert und dem italienischen Newcomer FRANCESCO PIONE das Regieszepter überlassen. Der hat die Möglichkeit ergriffen und seinen gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahre 2013 in Spielfilmlänge neu verfilmt – freilich mit mehr Budget und richtigen Schauspielern. Hinter dem ambitionierten Erstling verbirgt sich eine zitatenreiche Hommage an die Kultwerke eines GEORGE A. ROMERO, der mit seiner „..OF THE DEAD“-Reihe dem Zombiefilm quasi über Nacht zum Erfolg verholfen hat. Zwar lockt auch Neuling FRANCESCO PIONE mit „..OF THE DEAD“ im Titel und suggeriert dem Zuschauer so einen Zusammenhang mit der bekannten Zombie-Saga von Romero; Horror-Kenner wissen natürlich gleich, dass das Quatsch ist – schließlich ist nur dort Romero drin, wo er auch draufsteht.
 
 
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Gute Zombieunterhaltung sieht anders aus. Viel Geschichte besitzt ANGER OF THE DEAD nicht. Der Film folgt einer kleinen Gruppe Überlebender auf ihrer ziellosen Flucht vor Horden Infizierter, irgendwie hoffend auf Hilfe und Sicherheit. Da hören sie von einer zombiefreien Insel und schöpfen neue Hoffnung. Währenddessen mehrere Meilen entfernt, nutzen skrupellose Schurken die Katastrophe aus, um Frauen zu missbrauchen und Kinder an Zombies zu verfüttern. Menschliche Befindlichkeiten spielen im Ausnahmezustand keine Rolle. Die gesetzlosen Kämpfer lassen lieber Waffen sprechen statt Überlebenden zu helfen. Kein gutes Omen für jene, die sich auf der Suche nach dem rettenden Eiland in das Jagdgebiet der Bösewichte verirren. Statt aggressiver Zombies sehen die sich in einem verlassenen Krankenhaus bald einer weitaus schlimmeren Bedrohung konfrontiert, deren Bekämpfung List und Mut voraussetzt.
 
 
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Willkommen zu einer neuen Episode von „Gute Überlebende gegen böse Überlebende“. Die Zombies spielen in ANGER OF THE DEAD nur eine untergeordnete Rolle, denn in diesem postapokalyptischen Albtraum wird einmal mehr gezeigt, dass der schlimmste Feind des Menschen immer noch der Mensch selbst ist. Somit orientiert sich Piones Horrordebüt dann doch eher an thematisch ähnliche Vertretern wie 28 DAYS LATER oder dem erst kürzlich besprochenen PLAGUE – Parabeln auf eine zunehmend barbarische, egoistische und ausbeuterische Gesellschaft, in denen die Bestie Mensch weitaus grausamer mit ihren Opfern umgeht, als der immer hungrige Zombie. Trotz sozialkritischer Tendenzen gelingt es FRANCESCO PIONE nicht zu fesseln oder gar mitzuleiden, denn ANGER OF THE DEAD verfängt sich zu oft in den längst totgefilmten Klischees des Subgenres und ermüdet dabei auch noch mit sehr gemächlichem Erzähltempo. So stolpern mal wieder Figuren unvorsichtig durch die Handlung, damit sie von Zombies gebissen werden und sich später selbst in Menschenfresser verwandeln.
 
 
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Immerhin schwimmt ANGER OF THE DEAD – vermutlich auch dank des erfahrenen UWE BOLL – technisch auf Höhe der Zeit. Das modrige Zombie-Make-up glänzt durch Liebe zum Detail und auch die überschaubaren Gewaltmomente kommen fast ohne den Computer aus. Zudem lässt Regisseur FRANCESCO PIONE immer mal wieder durchblitzen, dass er ein gutes Gespür für atmosphärisches Unbehagen besitzt. Leider müht sich ANGER OF THE DEAD damit, originell oder spannend zu sein. Gerade weil der Streifen nach bekanntem Schema konstruiert wurde, bleiben nahezu alle Szenenverläufe vorhersehbar. Spannung kommt da nur selten auf, weshalb mal wohl auch schnell das Finale herbeisehnen dürfte. Unterm Strich ist ANGER OF THE DEAD ein solides Regiedebüt – mehr aber auch nicht. Aufgrund der großen Namen im Hintergrund dennoch enttäuschend vor allem deshalb, weil mit UWE BOLL sowie MARCO RISTORI und LUCA BONI (Horrorfilmregisseure und Gründer des italienischen Filmstudios für Genrefilme EXTREME VIDEO SNC) eigentlich erfahrene Geldgeber zu Seite standen, die vor den gröbsten Fehlern im Horrorfilmemachen hätten warnen können.
 
 


 
 
 

ANGER OF THE DEAD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
28 DAYS LATER auf italienisch. Auch im Land der Pasta und Pizza gilt: alles gehabt und wie eh und je. Abermals kämpfen Menschen gegen Zombies und Zombies fressen Menschen. ANGER OF THE DEAD ist die Spielfilmversion eines mehrfach ausgezeichneten (besseren) Kurzfilms, mit dem Neuling FRANCESCO PIONE im Business Fuß fassen möchte. Technisch zwar ganz ordentlich, kränkelt sein Debüt jedoch an vorhersehbaren Handlungsverläufen und zu langsamer Erzählweise. Da Serienproduktionen wie THE WALKING DEAD oder Kinoblockbuster wie WORLD WAR Z die Messlatte in Sachen Zombieterror weit nach oben gesetzt haben, ist das, was ANGER OF THE DEAD zu bieten hat, Kinderfasching. Zwar wird Zombiepapst GEORGE A. ROMERO zitiert – Horrorfans jüngeren Semesters dürfte das jedoch Schnuppe sein, denn die erwarten von Zombiefilmen blutige Gewalt, hektische Schnitte, muskelbepackte Einzelkämpfer und leicht bekleidete Kampfamazonen. ANGER OF THE DEAD hat trotz gesellschaftskritischer Ansätze nichts dergleichen zu bieten.
 
 


 
 
 

ANGER OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
Auch wenn die Gewalt in ANGER OF THE DEAD weitaus dezenter zum Einsatz kommt, als in diversen Zombiefilmen gleicher Machart, gibt es trotzdem böse Momente zu sehen. Neben Köpfschüssen und einem Kehlenschnitt wird ein Bein mit einer Machete abgetrennt sowie die Hand vom Arm eines Protagonisten geschlagen. Vielen Gewaltmomente geschehen im Off oder werden nur angedeutet. Das dürfte wohl auch der Grund sein, weshalb ANGER OF THE DEAD in Deutschland problemlos die rote FSK-Plakette erhalten hat – keine Jugendfreigabe und ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

ANGER OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) MIG FILM (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Anger of the Dead; Italien | Kanada 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 08.12.2016 (BD KeepCase)

 

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ANGER OF THE DEAD – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken, Packshot liegen bei MIG FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Plague (2014)
 
Wyrmwood: Road of the Dead (2014)
 
The Dead 2: India (2013)
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)