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Beiträge mit Schlagwort “Psycho-Horrorfilme

Filmkritik: „Lavender“ (2016)

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LAVENDER

Story

 
 
 
Eine junge Frau glaubt als Kind die eigene Familie ermordet zu haben. Auf der Suche nach Antworten kommt sie einem schaurigen Geheimnis auf die Schliche.

 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Kritik

 
 
 
Und weiter geht’s mit Mystery und zwar einer jener Sorte, wie wir ihn von FILMCHECKER auch gern mal als Publikumsblender bezeichnen. Das sind für uns jene Filme, die den Zuschauer an der Nase herumführen und am Ende mit überraschender Auflösung vor den Kopf stoßen, welche man so nie kommen gesehen hat. Ein wahrer Meister dieses Faches ist Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN. Der wurde über Nacht durch das Geisterdrama THE SIXTH SENSE berühmt und dreht seither Hollywoodware am Fließband, die sich vor allem durch überraschungsreiche Filmwendungen auszeichnet. Was Shyamalan fast schon fanatisch auf die Spitze treibt, versucht jetzt Filmemacher ED GASS-GONNELLY zu kopieren. Der gebürtige Kanadier lies vor einigen Jahren in DER LETZTE EXORZISMUS 2 Kruzifixe tanzen und treibt im nächsten Streich mit dem Titel LAVENDER nicht Teufel aus, sondern jagt eine vom Leben gezeichnete Frau durch die Psycho-Hölle. Was für ein Sauhund.
 
 
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LAVENDER erzählt die tragischen Erlebnisse eine jungen Mutter (ABBIE CORNISH). Die hat als Kind Furchtbares erlebt. Im Landhaus der Eltern wurde ein grausames Verbrechen verübt bei dem die gesamte Familie der damals zehnjährigen Jane ihr Leben lassen musste. Weil man keine Beweise sichern könnte, fiel der Verdacht auf die einzige Überlebende, die auch Jahrzehnte nach der Tat immer mal wieder von der Vergangenheit eingeholt wird. Doch immer dann, wenn man meint, dass es die Welt nicht gut mit einem meint, kommt es oft noch schlimmer. Bei einem Autounfall verliert Jane das Gedächtnis und muss Erinnerungslücken schließen. Doch fehlende Erinnerungen sind bald das kleinere Übel. Seit dem Vorfall passieren plötzlich seltsame Dinge. Die junge Frau beginnt Dinge zu sehen, die sich offenbar nur vor ihrem Auge abspielen. Zudem führen mysteriöse Geschenke auf eine geheimnisvolle Spur, die Jane zu dem Ort lotsen, an dem vor vielen Jahren das Martyrium der attraktiven Mittdreißigerin begonnen hat. Doch was liegt hier im Argen? Wetten, dass man das simple Rätsel so schnell nicht durchschauen wird?
 
 
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Was für die grauen Zellen: LAVENDER ist ein ruhig und gemächlich erzählter Gruselthriller, der sich weniger der Effekthascherei widmet. Dieser Film beschäftigt sich in erster Linie mit Vergangenheitsbewältigung und lässt seine Heldin einer Spur voller Geheimnisse folgen an deren Ende die Katze aus dem Sack gelassen wird. Protagonistin Jane begibt sich hier auf Zeitreise, durchforstet dabei die eigene Vergangenheit und entschlüsselt ein schreckliches Familiengeheimnis, das sie auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Bis jedoch mysteriöse Ereignisse Sinn ergeben wollen, vergeht viel Zeit. Treiben tief im Unterbewusstsein schlummernde Schuldgefühle die attraktive Jane in den Wahnsinn oder haben sich garstige Familiengeister an die Fersen der jungen Frau geheftet? Bis des Pudels Kern aufgelöst wird, lässt sich Filmemacher ED GASS-GONNELLY einige Optionen offen und spielt gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Teils gelingt ihm das ganz gut, denn bald will selbst dem Publikum nicht mehr plausibel erscheinen, was da auf der Mattscheibe nur Einbildung ist und was tatsächlich passiert. Leider ist nicht alles Gold was glänzt. So durchdacht die Auflösung auch sein mag – LAVENDER macht es dem Zuschauer mit dem langsamen Erzählstil nicht gerade leicht. Szenenverläufe wiederholen sich, oft dümpelt die Handlung auf der Stelle und unheilverkündende Gruselatmosphäre bildet die Ausnahme. Irgendwie hat man da in letzter Zeit Runderes zu sehen bekommen. THE HOUSE ON PINE STREET wäre an dieser Stelle zu nennen. Dort fand man grandiosen Spagat zwischen Zuschauermanipulation, Psycho-Horror und Gruselstimmung. Nichtsdestotrotz können Fans seichter Mysterystreifen einen Blick wagen. LAVENDER hat ansprechende Bilder zu bieten und besitzt für Indie-Horror auch noch talentierte Schauspieler – insofern man das nervige Gör im Film mal außer Acht lässt. Vergleicht man den schnell gedrehten und meist wenig kreativen Horror-Schund der letzten Jahre, gehört LAVENDER zweifelsohne zu den besseren Filmen innerhalb des Genres. Einmal gesehen – aber dann auch schon wieder abgehakt.
 
 
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LAVENDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama statt Horror. Wenn längst begrabene Ängste plötzlich wieder da sind. LAVENDER ist nichts für hyperaktive Zuschauer und macht es mit seinem langsamen Erzählstil Filmen wie BABADOOK, THE HOUSE ON PINE STREET oder UNDER THE SHADOWS gleich. Wer eine Vorliebe für hektisch geschnittene und blutige umgesetzt Horrorschocker besitzt, hat im Falle von LAVENDER das Nachsehen. Bei diesem Indie-Streifen handelt es sich um einen gemächlich inszenierten und psychologisch angehauchten Gruselfilm, der eine Frau bei der Suche nach der eigenen, vergessenen Vergangenheit begleitet. Sonderlich viel passiert nicht, wobei Höhepunkt mal wieder ein Überraschungstwist ist, der die Filme von Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN Revue passieren lässt. Übrigens zeigen sich Parallelen zum Vorgängerfilm von ED GASS-GONNELLY. Der hat in LAVENDER Regie geführt und bereits 2013 Regie im Film DER LETZTE EXORZISMUS 2 geführt. Auch dort musste sich eine Frau mit Erinnerungslücken herumschlagen und wurde anschließend auf schmerzliche Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt. Leider sind beides Filme ohne Nachdruck. Dazu fehlt genannten Streifen einfach das Salz in der Suppe, um wirklich Eindruck hinterlassen zu können.
 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Zensur

 
 
 
LAVENDER hat – bis auf den Schluss – kaum Grausamkeiten zu bieten. Der Film ist eher psychologischer Natur und dürfte demzufolge hier ohne Probleme mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pacific Northwest Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Under the Shadows (2016)
 
The Disappointments Room (2016)
 


Filmkritik: „Pet“ (2016)

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PET

Story

 
 
 
Holly (KSENIA SOLO) ist jung, attraktiv und begehrt. Nicht nur der Ex, kann scheinbar nicht von ihr loskommen. Auch Tierheimmitarbeiter Seth (DOMINIC MONOGHAN aus den HERR DER RINGE-Filmen) kann den Reizen der schönen Blonden nicht widerstehen, mit der er zu Schulzeiten die gleiche High School besucht hat. Nachdem er der blonden Schönheit im Bus begegnet ist, entwickelt er eine Obsession attraktive Mittdreißigerin und stellt der jungen Frau nach. Da werden in sozialen Netzwerken Recherchen über Vorlieben angestellt, um die Angebetete auf der Arbeit mit Präsenten zu überraschen. Doch Holly ist über die aufdringliche Art ihres Verehrers alles andere als erfreut. In einer Bar kommt es zur Eskalation und die ungewünschten Annäherungsversuche führen zu einer Schlägerei. Da reicht es dem verschmähten Liebhaber. Der schmiedet einen teuflischen Plan und entführt die unnahbare Schönheit. Als die wieder zu sich kommt, traut sie ihren Augen nicht. Der Entführer hat Holly in einen Käfig gesperrt und redet wirres Zeug. Leider sind die Wände dick und aus Stein, weshalb niemand die Hilfeschreie hören kann. Ob am Ende doch noch alles gut ausgehen wird?
 
 
 


 
 
 

PET – Kritik

 
 
 
Was sich in der Inhaltsangabe liest, wie ein Film der während der französischen Terror-Welle in den 2000ern entstanden sein könnte, ist alles andere als das. Liebhaber deftiger Hausmannskost und unerträglicher Menschenquälerei werden so ziemlich enttäuscht aus der Wäsche schauen. Hinter PET verbirgt sich nämlicher kein weiterer Horror-Sicky mit deftigen Schauwerten. PET ist ein Psychothriller, der vor allem wegen seiner perfiden Wendung überrascht. Was Drehbuchautor JEREMY SLATER hier zu Papier gebracht hat, ist gut überlegt und distanziert sich weit von den üblichen Genre-Klischees, mit denen sich die meisten Horrorfilme versuchen über Wasser halten. So werden für PET mal wieder beliebte Taschenspielertricks aus der Ideenkiste gekramt, die aber immerhin klug angewandt werden. Eigenbrödler Seth ist nämlich gar nicht so krank, wie er noch zu Beginn des Films dargestellt wird. Der ist nur schwer verliebt und will erleuchten, nachdem er herausgefunden hat, wer die Angebetete wirklich ist. Die besitzt eine dunkle Vergangenheit und hält grausame Geheimnisse im Verborgenden, die im Verlauf des Streifens gelüftet werden.
 
 
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Nach dem Found-Footage-Spuk APARTMENT 143 meldet sich CARLES TORRENS mit einem makabren Schlagabtausch zurück, der von den Abgründen seiner hervorragend besetzten Protagonisten lebt. Da wird in der verletzten Seele einer hilflosen Frau geforscht, die aber gar nicht so wehrlos ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. PET verteilt schon bald die Rollen neu. Hier werden Opfer zu Tätern und Täter zu Opfer. Dabei entpuppt sich die entführte Holly als gerissene Psychopathin, die nicht vor Manipulation zurückschreckt, um in die Freiheit zu kommen. Identifikationsfigur Seth hat da den Nachteil. Der wird des Herzens wegen in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Was folgt ist für den Einzelgänger eine Lektion in Sachen Liebe, die für Fans makabrer Horrorgeschichten zum Fest werden dürfte. Die Mechanismen, die wegen einer Entführung in Gang gesetzt werden, sind schon reichlich zynisch, heben sich aber gerade wegen ihrer Boshaftigkeit vom üblichen Horrorbrei der letzten Monate ab. Von uns gibt es für diese bitterböse Stalker-Romanze eine Empfehlung, weil Regisseur CARLES TORRENS das Sprichtwort „Blind vor Liebe“ mit fiesen Einfällen auf die Spitze treibt.
 
 
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PET – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterbös hoch zehn – PET ist der etwas andere Liebesfilm, fernab von Kitsch und Romantik. Hier schlägt eine Entführung sonderbare Wendungen ein und das ist auch die eigentliche Quintessenz dieses gemeinen Psychothrillers. Wenn Menschen in Käfigen wie Haustieren gehalten werden. Das klingt zwar nach kontroversem Zündstoff mit mehrdeutiger Botschaft; PET ist aber alles andere – nur nicht das. Der Film will nicht schockieren oder polarisieren. Stattdessen wird 90-minütiges Psychokino mit Überraschungsmomenten geboten, das vom hinterlistigen Schlagabtausch seiner Protagonisten lebt. Hier ist nichts wie es zu Beginn scheint und endet so, wie man es wohl nicht vermutet hätte. Das macht PET zum interessanten Sonderfall innerhalb des Horror-Genres. Wer mal wieder einen cleverer geschriebenen Horrorfilm sehen mag, der nicht immer nur die gleiche Leier von schlürfenden Zombies, kaltblütigen Schlitzern und übel inszenierten Horror-Trash sehen mag, ist mit diesem Psychothriller gut bedient. Da sieht man doch gern darüber weg, dass sich der Film – trotz Erwachsenenunterhaltung – hinsichtlich zelebrierter Gewalt enttäuschend zurückhält. Aber: Für die Hardcore-Fraktion gibt es trotzdem einige Gemeinheiten zu sehen und die haben es in sich. Wir meinen: PET ist in makabrer Geheimtipp für Fans morbider Horrorfilme. Definitiv sehenswert!
 
 


 
 
 

PET – Zensur

 
 
 
Auch wenn es sich bei PET eher um einen Psychothriller handelt, werden einige Schauwerte geboten. Ein Kopf wird eingeschlagen und zermatscht. Eine Leiche wird zerstückelt und eine Kehle wird mit einem kleinen Messer durchgeschnitten. Zudem wird im Off ein Finger abgetrennt. Man darf auf eine FSK16 hoffen.
 
 
 


 
 
 

PET – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hard Candy (2005)
 
Chained (2012)
 
Sleep Tight (2011)
 
The Resident (2011)
 
Territories (2010)
 


Filmkritik: „Girl in Woods“ (2016)

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GIRL IN WOODS

Story

 
 
 

Die attraktive Grace (JULIET REEVES LONDON – huschte übrigens mal kurz in TEXAS CHAINSAW 3D als Statist durch die Kamera) verirrt sich beim Wandern in den Wäldern und verliert ihren Verstand.

 
 
 


 
 
 

GIRL IN WOODS – Kritik

 
 
 
Seit der Horrorfilmmarkt boomt und man sogar mit miesen Ideen kleines Geld verdienen kann, finden immer häufiger Filme in die Wohnzimmer, die man am liebsten in Grund und Boden verteufeln möchte. Zu einem dieser fiesen Übeltäter gehört GIRL IN WOODS, der auf den ersten Blick eigentlich keinen üblen Eindruck hinterlässt. Der Trailer überzeugt und auch auf technischer Ebene ist GIRL IN WOODS vielen günstig gedrehten Low-Budget-Produktionen um Längen voraus. Leider trügt der Schein, denn dieser Streifen versucht den Zuschauer heimtückisch zu blenden. Inhaltlich wird nämlich haarsträubendes Zeug geboten das gerade deshalb wütend macht, weil der Film auf Zwang versucht zu verschleiern, was bereits nach wenigen Minuten offensichtlich ist. Regisseur JEREMY BENSON geht es psychologisch an. Er rückt keine Monster oder Bösewichte in den Fokus, sondern erforscht den kranken Geist seiner psychisch gestörten Hauptprotagonistin. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man aus so einem kontroversen Stoff durchaus beunruhigende Filme machen kann. Leider trifft das nicht auf GIRL IN WOODS zu, denn der Survival-Thriller wird zur Tortur für den Zuschauer, weil hier eine Figur in den Mittelpunkt gerückt wird, der man wegen dummen Verhaltens einen schnellen Tod wünscht. Leider lässt der vergebens auf sich warten. Zum Leidwesen des Publikums, das nach 90 Minuten feststellen muss, für einen nicht sonderlich klugen Genreausflug Lebenszeit verschwendet zu haben.
 
 
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Eigentlich hätte viel verhindert werden können, wenn die Filmheldin etwas aufmerksamer gewesen wäre. Die will mit Freund Jim (JEREMY LONDON aus B-Movies wie BUDDY HUTCHINS und THE DEVIL’S DOZEN) in den Wäldern ein schönes Wochenende verbringen und die Natur erkunden. Doch nach einem traumhaften Heiratsantrag mausert sich ein idyllischer Wandertrip zum Albtraum. Weil der Verlobte das Gewehr nicht ordnungsgemäß gesichert hat, jagt er sich versehentlich eine Kugel durch den Kopf und stirbt noch an der Unfallstelle. Tragisch für Freundin Grace (JULIET REEVES LONDON), die auf den Liebsten vertraut und sich nicht die bisherige Wanderroute gemerkt hat. Nach dem ersten Schock folgt der Zweite. Die junge Frau irrt orientierungslos durch Dickicht und bekommt es mit der Angst zu tun. Unheimliche Schatten kreuzen ihren Weg und schreckliche Visionen machen zu schaffen. Schnell ist klar: man hat sich verlaufen. Das Handy hat keinen Empfang und auch das GPS für die Navigations-App funktioniert nicht richtig. Nun ist guter Rat teuer, denn bald plagen Hunger und Durst. Ein reißender Bach sorgt für erste Linderung. Doch die Verirrte folgt nicht dem Gewässer bis zur nächsten Siedlung, sondern geht stattdessen tiefer in den Wald hinein. Keine guten Voraussetzungen zu überleben, denn bald macht auch die Psyche zu schaffen. Die Leidgeplagte hat nämlich ihre Pillen nicht dabei, die regelmäßig eingenommen werden müssen, um den Ausbruch von Schizophrenie zu verhindern. Doch alles halb so tragisch, denn Grace ist bald nicht mehr allein. Zwei Alter-Egos geben wertvolle Tipps, um in menschenleerer Wildnis bestehen zu können. Leider verschwimmen bald Fiktion und Wirklichkeit, was nicht nur die Filmheldin vor unüberwindbare Herausforderungen stellt. Auch der Zuschauer stößt bald an seine Grenzen, denn der permanente Wechsel zwischen Psyche und Wirklichkeit strapaziert Geduld und Nerven.
 
 
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Warum nur hat man den Filmfiguren nicht Pillen und Wegbeschreibung in den Rucksack gepackt? Dann wäre wohl viel Elend und Dummheit erspart geblieben? GIRL IN WOODS ist psychologischer Überlebens-Horror, der ein großes Geheimnis um Ereignisse macht, die der Hauptprotagonistin Grace in jungen Jahren passiert sind. Auf ihrer Suche nach einem Weg raus aus den Wäldern wird sie mit inneren Dämonen konfrontiert, die zu bizarren Taten anstiften. Lang im Unterbewusstsein verborgene Erlebnisse stiften Verwirrung und versuchen den Zuschauer zu manipulieren. Weil dem aber schon recht früh einleuchtet, dass die Protagonistin neben der Spur steht, entwickeln sich die falschen Fährten zur Farce. GIRL IN WOODS ist ein gutes Beispiel dafür, wie man einen Film versemmeln kann, wobei die Idee hinter dem Psychothriller eigentlich nicht uninteressant ist. Leider fällt Regisseur JEREMY BENSON mit der Tür ins Haus und verrät so ziemlich früh, welche Richtung der Streifen einschlagen wird. Das ist – wie der Film selbst – nicht sonderlich clever, denn sobald der Überlebenstrip eigentliche Intentionen verrät, geht’s mit der Spannung abwärts. Vergessene Pillen sind Schuld, dass hier eine Handlung ins Absurdum geführt wird. So verliert eine Frau wegen nicht eingenommener Medikamente das psychische Gleichgewicht und verwandelt sich vom Mensch zum Tier, um überleben zu können. Das ist haarsträubend – in erster Linie auch deshalb, weil das Gezeigte nicht sonderlich glaubwürdig ist. Filmfigur Grace verhält sich nämlich nicht gerade helle und bringt den Zuschauer mit planlosem Verhalten schnell auf die Palme. Schauspielerin JULIET REEVES LONDON ist am Desaster nicht ganz unschuldig. Die verkörpert zwar mit voller Inbrunst eine psychisch kranke Frau; für ein eher psychologisches Psychodrama sind die Leistungen aber nicht ausreichend – dazu wirken viele Emotionsausbrüche zu hölzern und unfreiwillig komisch. Wir empfehlen keine Zeit zu verschwenden und weitaus bessere Horrorthriller zu schauen, in denen Hauptfiguren unter einer kranken Psyche zu leiden haben. Gute Alternativen gibt es zahlreich. Darunter: LAST GIRL STANDING, THE BABADOOK oder WHERE THE DEVIL DWELLS – um nur einige zu nennen.
 
 
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GIRL IN WOODS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Deprimierendes Psychodrama trifft auf ausweglosen Survival-Schocker. In GIRL IN WOODS wird eine Frau in den Wahnsinn getrieben. Die hat nicht nur mit schrecklichen Kindheitserinnerungen zu kämpfen, sondern halluziniert zudem zusätzlich wegen Hunger und Durst, weil sie sich im Wald verlaufen hat. Was hier interessant klingt, ist chaotisch zusammengeschusterter Psycho-Horror, für den man selbst gute Nerven benötigt. Das liegt aber nicht in erster Linie an unbequemer Bilderflut. Vielmehr nerven Filmheldin Grace und die teils konfusen Rückblenden, Halluzinationen und Visionen, die das seelische Ungleichgewicht der orientierungslosen Frau versinnbildlichen sollen. Wenn die Hauptdarstellerin auf den Zünder geht, hat ein Film keine Chance. Das trifft ebenso auf GIRL IN WOODS zu, denn JULIET REEVES LONDON verkörpert reichlich hölzern eine schizophrene Figur, die nicht von der hellsten Sorte ist. Die handelt teils nicht sonderlich klug und mutiert vom desorientierten Opfer zur kaltblütigen Mörderin. Bei solch haarsträubender Verwandlung dürfte Kopfschütteln nicht ausbleiben – gerade auch deshalb, weil eine psychische Krankheit dafür missbraucht wird, um am Ende reißerische Kannibalismus-Thematik anreißen zu können. Was für ein Blödsinn! Immerhin gibt’s ein Wiedersehen mit verschollen geglaubter Schauspielerin. CHARISMA LEE CARPENTER ist in einer Nebenrolle zu sehen. Die war in den 1990ern bei Teenagern beliebt und wurde durch die Rolle der Cordelia in Serien-Hits wie BUFFY oder dem Spin-off ANGEL bekannt.
 
 
 


 
 
 

GIRL IN WOODS – Zensur

 
 
 
GIRL IN WOODS schaut zwar anfangs aus wie knüppelharter Survival-Horror, schlägt aber eine andere, weitaus psychologische Richtung ein. Es werden mehrere Köpfe grafisch mit einer Waffe weggeschossen. Zudem wird eine Hand „verarztet“ nach dem sich ein Gegenstand hindurchgebohrt hat. Weiterhin wird an Leichen geknabbert und am Ende etwas gemordet. Das klingt alles sehr hart – ist es aber nicht. Hierzulande gibt es vermutlich für GIRL IN WOODS eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

GIRL IN WOODS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Where the Devil Dwells (2014)

Decay (2015)

Darling (2015)

Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)

Magic Magic (2013)

The Babadook (2014)

Psych:9 (2010)


Filmkritik: „The Invitation – Die Einladung“ (2015)

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THE INVITATION – DIE EINLADUNG

Story

 
 
 

Will besucht mit seiner neuen Freundin die Ex-Frau. Die war knapp zwei Jahre verschollen, ist ebenfalls neu verbandelt und veranstaltet eine Wiedersehensfeier zu der weitere Freunde eingeladen sind. Doch die Party entwickelt sich zum Albtraum, denn aus der fröhlichen Wiedersehensfeier wird ein Kampf auf Leben und Tod

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Kritik

 
 
 
Regisseurin Karyn Kusama zeichnet für Werke wie „Aeon Flux“ und „Jennifer’s Body“ verantwortlich, Beides bekanntermaßen keine wirklich gelungenen Filme. Ansonsten hat sie ein paar Episoden für diverse Fernsehserien („Chicago Fire“, „The L Word“) gedreht und ein paar Kurzfilme. Die Drehbuchautoren haben ihr an den bereits genannten Filmen zur Seite gestanden, was die Hoffnung auf einen guten Film – ehrlich gesagt – nicht unbedingt erhöht. Zwar wurde „The Invitation“ ohne den Einfluss eines der bekannten Hollywood-Studios gedreht, so dass Regisseurin und Produzenten völlig freie Hand hatten, aber dass deswegen ein besserer Film daraus entstanden ist, lässt sich leider nicht bestätigen. Das krude und vor allem in den ersten zwei Dritteln furchtbar enervierende Werk ist keinesfalls ein Horrorfilm, eher ein zähes Drama mit zugegeben recht blutigen Finale, aber bedauerlicherweise ohne Spannung. Entbehrlich, überfrachtet und an vielen Stellen so unlogisch und dilettantisch, dass man nicht guten Gewissens zuraten kann, diese „Einladung“ anzunehmen.
 
 
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So, also: Will (Logan Marshall-Green) und Eden (Tammy Blanchard) haben sich aufgrund des plötzlichen Unfalltodes ihres Sohnes und Edens Affäre mit David (Michiel Huisman) vor zwei Jahren getrennt. Eden war daraufhin verschollen. Nun ist sie wieder da und lädt Will samt seiner neuen Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) und weiteren alten Freunde in das Haus ein, in dem sie mit Will zusammen gelebt hat und nun mit David wohnt. Doch der Abend wird nicht zur fröhlichen Wiedersehensfeier. Die Freunde sind latent vergrätzt, dass Eden einfach sang- und klanglos verschwunden ist und Will bereitet es einige Probleme, sowohl auf sein altes Heim (im Übrigen auch der Schauplatz des Unfalltodes seines Sohnes) als auch auf Edens neuen Freund zu treffen. Darüber hinaus wirken sowohl Eden als auch David irgendwie seltsam. Als sie ihnen dann auch noch ein Video zeigen, in dem ein alter Mann komische Thesen kundtut, kippt die Stimmung endgültig.
 
 
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Dem Zuschauer geht es da ganz ähnlich. Anfangs hofft man noch (aufgrund der durchaus prekären Ausgangssituation) auf einen spannenden (Film)Abend, an dem sich alte Freunde aus unterschiedlichen Gründen beharken oder es zur Konfrontation zwischen Ex-Mann und -Frau kommt. Vielleicht wären auch ein paar unheimliche Momente drin, wenn Will vom toten Sohn halluziniert. Aber nix da. Frau Kusama fand es offensichtlich wesentlich spannender, einen Haufen Unsympathen dabei abzufilmen, wie sie Belanglosigkeiten austauschen oder absoluten Stuss reden. Eden wandelt dabei barfuß im weißen Gewand umher und guckt verklärt, Freund David schließt schon mal die Haustür ab und kübelt den Gästen Rothschild in die Gläser. Auch die weiteren Gäste können kaum Sympathien generieren. Wenigstens sind alle Minderheiten abgedeckt: Asiaten, Schwarze, Schwule, Dicke und Bekloppte. Neben den alten Freunden gesellen sich auch zwei Unbekannte zur Runde. Die durchgeknallte Sadie (Lindsay Burdge) und die ominöse Halbglatze Pruitt (John Carroll Lynch). Uh, unheimlich.
 
 
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Fortan wird drauflosgefaselt, was das Zeug hält, während Will es vorzieht, in seinem ehemaligen Zuhause rumzuwandeln und seiner Ex hinterherzuschnüffeln. Dabei wird er von Flashbacks geplagt, die vorrangig den toten Sohn zeigen oder aber seine Ex beim versuchten Freitod-Vollzug. Doch dann wird es spannend…ach nein, doch nicht. Denn nun zeigt David allen ein Video. Darauf zu sehen ein glatzköpfiger alter Mann, der wirres Zeug redet und meint, nur der Tod könne einem inneren Frieden bringen und wäre somit der einzige Weg traumatisierter oder trauriger Menschen, um Erlösung zu finden oder so. Da guckt die Gästeschar erstmal relativ blöd aus der Wäsche, findet das dann in der Summe aber nur semi-beunruhigend (wahrscheinlich wollten sie schlicht noch mehr von dem teuren Fusel abgrasen). Dann gibt es tolle „Sag, was du dir wirklich wünscht, ganz offen und ehrlich“-Spiele, anschließend wird lecker Abendbrot gereicht, während Will zunehmend beunruhigt durch die Flure schlurft. Und dann endlich (wir sind nun bei 80 von 100 Filmminuten angelangt) passiert mal was. Da einem die Protagonisten aber samt und sonders sowas von egal sind, kommt immer noch keine Spannung auf.
 
 
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Im Finale wird es dann durchaus ein bisschen blutig (es kommen Pistolen, Schürhaken und Messer zum Einsatz), leider interessiert einen dies nur noch insoweit, als dass man nun berechtigterweise darauf hoffen kann, bald des Abspanns ansichtig zu werden. Bis dahin kann man sich die Zeit damit vertreiben, die Unsinnigkeiten des Films aufzuzählen (u.a. das übliche „Handy funktioniert, dann wieder nicht, dann doch usw.“-Spiel oder auch die Frage, wie zwei der Protagonisten am Ende aus dem Haus herauskommen, das Sekunden vorher noch fest verschlossen und ausweglos verrammelt war). Es gibt noch wesentlich mehr unlogische Sequenzen, die man ohne zu spoilern aber nicht erwähnen kann.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„The Invitation“ verschenkt das Meiste seines Potenzials. Die Ausgangssituation bietet ausreichend Stoff für Konflikte, Drama und Unheimliches. Unter der Ägide von Regisseurin Kusama wird daraus aber leider ein einschläferndes Laber-Martyrium für den Zuschauer, aus dem Kusama so gut wie keine Spannung zu generieren weiß. Darüber hinaus ist der Film an vielen Stellen schlicht unglaubwürdig oder unlogisch und gespickt mit Charakteren, die einem herzlich egal sind. Über zwei Drittel des Films werden verschwendet mit blödsinnigen Dialogen und unsinnigen Aktionen. Als der Film im Finale dann endlich mal etwas an Tempo gewinnt, häufen sich die Ungereimtheiten und gipfeln in einem derart dämlichen Schlussakkord, dass man die Regisseurin am liebsten selbst mal mit so einem Haufen kruder Typen in ein Haus einsperren möchte. Die halbwegs soliden Darstellerleistungen von Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe Hollywoods retten diesen Unsinn wenigstens vor dem Totalausfall. Dennoch haben Zachary Quinto, Luke Wilson und Topher Grace, die ursprünglich für einige der Rollen vorgesehen waren, gut daran getan, abzulehnen. Ach ja, einen Pluspunkt gibt es noch für die zumindest nicht billig aussehende Location, in der dieser Unsinn spielt. Ergo: Mit diesem Independent-Schnarchfilm kann man keinen hinterm Ofen vorlocken. Deshalb maue vier von zehn Einladungen, die man unbedingt ausschlagen sollte.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Zensur

 
 
 
„The Invitation“ wurde von der FSK mit einer FSK16 durchgewunken. Das ist auch kein Wunder, denn zu derbe Schauwerte bleiben aus. Filmfans, die ausschließlich ungeschnittenes Material ihr Eigen nennen wollen, können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Invitation; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailer

Veröffentlichung: 15.04.2016

 
 
 

The Invitation [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Trailer

 
 

 
 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Pandastorm Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Green Room (2015)
 
Coherence (2013)
 
The Overnight (2015)
 
Party Invaders (2013)


Filmkritik: „Darling“ (2015)

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DARLING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Lauren Ashley Carter) bezieht ein Apartment irgendwo mitten in New York City und soll als Hausmeisterin für ein paar Tage auf die bezogene Wohnung achtgeben. Leider erlebt sie darin unvorstellbares Grauen.

 
 
 


 
 
 

DARLING – Kritik

 
 
 
Immer wieder interessant zu beobachten, welchen Weg Horror-Regisseure gehen. Da gibt es die, die der eingeschlagenen Richtung treu bleiben und stets ähnlich gestrickte Schocker drehen, mit denen sie im Horrorfilmgeschäft Fuß gefasst haben. Andere probieren sich wiederum aus und experimentieren mit Stilen und Genres. Zu Gruppe 2 gehört MICKEY KEATING. Dessen Streifen entwickeln sich so langsam zu Geheimtipps, denn seit dem Okkultismus-Thriller RITUAL ist das, was der Regisseur hervorbringt, immer überraschend durchdacht und sorgfältig inszeniert. Nach POD, einem spannenden Ausflug ins Mystery-Fach, verblüfft der ambitionierte Filmemacher mit seiner Neugier für klassisches Grauen, das er in DARLING virtuos – nahezu kunstvoll – auf die Kinoleinwand transferiert. Hierzu knipst er die Farben aus und schaltet den Schwarz-Weiß-Filter an. So fühlt sich das Publikum in eine Zeit versetzt, als noch die Macht der Imagination für schlaflose Nächte gesorgt hat. Keating macht die Furcht vor dem Nichtgreifbaren in DARLING zum Thema und verbeugt sich damit ehrfürchtig vor den Werken des französisch-polnischen Meisterregisseurs ROMAN POLANSKI. Der konnte sich bereits in den 1960ern mit drei Kultfilmen, die man heute manchmal als „Mieter-Trilogie“ zusammenfasst (EKEL, ROSEMARIES BABY, DER MIETER) einen Namen machen und lies brillant nagendstes Grauen in den Köpfen seiner Zuschauer entstehen. Die gleiche Richtung schlägt auch Regisseur MICKEY KEATING ein. Er tritt in die Fußstapfen des Altmeisters und kreiert mit DARLING psychologischen Horror, der sich langsam, dafür aber umso intensiver seinen Weg durch die Köpfe des Publikums frisst.
 
 
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Wie in genannten Werken von ROMAN POLANSKI wird auch in DARLING eine Wohnung zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Hier bezieht eine Mittzwanzigerin (LAUREN ASHLEY CARTER aus JUG FACE und THE WOMAN) das älteste Apartment New Yorks auf Zeit. Dort soll sich Tragisches ereignet haben. Eine junge Frau hat sich darin einst das Leben genommen. Doch das schreckt die neue Mieterin nicht ab, die als Hausmeisterin auf die riesige Wohnung achtgeben soll. Weitaus mehr Magenschmerzen bereitet ihr eine verschlossene Tür im oberen Stockwerk. Die soll auf Anraten der Wohnungseigentümerin bitte auch verschlossen bleiben, was Neugier aber auch Unwohlsein auf den Plan ruft. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür und warum darf das mysteriöse Zimmer nicht betreten werden? Viel Zeit für die Suche nach Antworten bleibt nicht, denn die junge Frau wird bald von schrecklichen Visionen heimgesucht und hört seltsame Stimmen. Erfahrene Horrorfans ahnen, dass das nur Vorboten sind, die ein schreckliches Ende einläuten werden. So ist es auch, denn offenbar scheint die Hauptprotagonistin im Film ihren Verstand zu verlieren und wird zu grausamen Taten angestiftet. Interessanterweise wird die Auflösung nicht auf dem Silbertablett serviert. Regisseur MICKEY KEATING hat das Drehbuch zu DARLING so clever konzipiert, dass mehrere Erklärungen Sinn machen. Hat sich hier ein Geist dem Körper einer jungen Frau bemächtigt, der Rache für unmenschliche Schandtaten fordert? Entpuppt sich das Haus als Pforte zur Hölle, in dem okkulte Rituale gehalten werden, um der Menschheit zu schaden? Oder ist in DARLING eine labile Mieterin nicht mehr Herr der eigenen Sinne, weil sie sich einsam fühlt und Hass gegenüber Männern hegt? Die Interpretationsfähigkeit des Publikums ist gefragt.
 
 
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Es müssen nicht immer laute Gruselschocker sein, die sich durch möglichst realistische Ekel- und Spezialeffekte versuchen gegenseitig den Rang abzulaufen. Manchmal können auch dezent und zurückhaltend eingesetzte Schauer ziemlich viel Unbehagen auslösen, was in DARLING gut funktioniert – gerade auch deshalb, weil sich der Film auf das Wesentliche konzentriert und versucht mit simpler Methodik Grauen heraufzubeschwören. Statt sich mit einfältiger Effekthascherei über Wasser zu halten, entsteht in DARLING Horror auf subtile Weise. Regisseur MICKEY KEATING spielt mit den Möglichkeiten von Kamera, Ausleuchtung, Akustik und Schnitten. Die dabei verursachte, gespenstige Atmosphäre ist beachtlich, was DARLING zu einem ganz speziellen Gruselerlebnis für anspruchsvolle Kinogänger macht, die sich nicht mit trivialer Angstmacherei abspeisen lassen möchten, sondern auch im Genrefilm das Besondere suchen. DARLING ist ein ungewöhnliches Gruselerlebnis, das Konventionen strotzt und fast schon die Grenzen zum Arthaus-Kino streift. Die Kulisse ist puristisch gehalten und reduziert sich auf weiße Gänge und spartanisch eingerichtete Räume. Mittendrin LAREN ASHLEY CARTER, die den Zuschauer mit großen Augen durch ein morbides Szenario führt und den gesamten Film fast ganz allein auf den schmalen Schultern tragen muss. Gesprochen wird kaum. Stattdessen beobachtet die Kamera akribisch den psychischen Verfall einer Frau, die von unheimlichen Stimmen geleitet zu einer unfassbaren Tat angestiftet wird. Dabei durchlebt die Leidgeplagte eine sonderbare Verwandlung. Macher MICKEY KEATING bewirkt, dass anfängliche Sympathien für die verängstige Frau in blankes Entsetzen und Abscheu umschlägt. Hinzukommt, dass durch ausgeklügeltes Spiel von Licht und Schatten sowie abrupt ablaufender Szenenabfolgen eine Stimmung ständiger Angst und Unbehagens bewirkt wird. Die beunruhigenden Filmelemente drängen DARLING vom Horror ins Psychofach und lassen den Film virtuos auf den Spuren des Polanski-Klassikers EKEL wandeln, der ziemliche viele Parallelen im Inszenierungsstil und den Erzählmechanismen vorzuweisen hat.
 
 
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DARLING ist kein Genrefilm fürs breite Publikum. Den meisten Zuschauern dürfte die Geschichte wegen der langen Kameraeinstellungen doch etwas zu gemächlich über die Mattscheibe flimmern. Zudem fühlt sich der behäbige und eigenwillige Inszenierungsstil an, als wäre man im Horrorkino der späten 1960ern gefangen. Was sich für die meisten Horrorfreunde befremdlich und nicht gerade zeitgemäß anfühlt, ist aber die eigentliche Quintessenz dieses außergewöhnlichen Filmexperiments. Das orientiert sich bewusst an längst vergangene Zeiten und lässt eine Epoche aufleben, in der mit NIGHT OF THE LIVING DEAD, PSYCHO oder BIS DAS BLUT GEFRIERT wichtige Wegbereiter moderner Horrorware entstanden sind. Wer Filme fernab gängiger Horror-Formate bevorzugt, sollte sich daher dieses klaustrophobische, beängstigende und ungemütliche Stück Psycho-Horror nicht entgehen lassen. Auch wenn DARLING versucht so jedem Horrorklischee aus dem Weg zu gehen ist er vielleicht auch gerade deswegen einen Blick wert. Von FILMCHECKER gibt es daher einen Empfehlung.
 
 
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DARLING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigend inszenierter Psycho-Horror in mehreren Akten, der auf den Pfaden von Polanskis Mieter-Trilogie wandelt und sich an Zuschauer richtet, die eine Vorliebe für Horror-Kopfkino besitzen. Dort spielt sich nämlich das meiste Grauen in DARLING ab, denn wie in den guten alten Zeiten entsteht der Horror hier vornehmlich im Kopf des Publikums. Regisseur MICKEY KEATING macht von klassischer Angstmacherei Gebrauch. Der Film sieht aus, als wäre er in den 1960ern entstanden und nutzt zudem klassische Stilmittel wie schnelle Bildabfolgen, permanentes Flüstern und abrupte Geräusche um Unbehagen zu bewirken. Laut Keating wurde der Film in nur zwölf Tagen fertiggestellt und in einem Haus von Freunden der Hauptdarstellerin LAREN ASHLEY CARTER im Zentrum von New York City gedreht. Entstanden ist ein außergewöhnliches und doppeldeutiges Filmexperiment, das sich konsequent gegen die vordiktierten Konventionen aktueller Horrorware lehnt. Ein mutiger Schritt den Filmemacher MICKEY KEATING da wagt, der in Interviews immer wieder zu verstehen gibt, dass er sich nicht festlegen lassen will, sondern als ernstzunehmender Regisseur ausprobieren möchte. Vergleicht man DARLING mit Keatings bisherigen Arbeiten bestätigt sich dessen Aussage. Alle Filme des Machers sind so unterschiedlich, dass man gespannt sein darf, was als nächstes folgen wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass nach RITUAL, POD und DARLING ein weiterer Geheimtipp auf uns zukommen wird, denn genannte Horrorstreifen zeigen eindrucksvoll, worauf es im Horrorgenre ankommt.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Zensur

 
 
 
DARLING ist mehr Psychothriller als Horrorfilm. Das Grauen wird dabei in erster Linie durch Stilelemente wie Licht- und Schattenspiel oder konfuse Schnitte bewirkt. Gegen Ende wird dann ein klein wenig gesplattert und das sogar in schwarz/weiß. Die Kamera hält zwar drauf, aber durch schnelle Schnitte lässt sich letztendlich nur erahnen, was da vor der Linse passiert. Das ist Kopfkino. Man darf von einer FSK16 ausgehen – insofern sich ein deutsches Label traut, diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag hierzulande überhaupt zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House on Pine Street (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Der Mieter (1976)
 
Ekel (1965)
 


Filmkritik: „Dementia“ (2015)

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DEMENTIA

Story

 
 
 

Ein dementer Kriegsveteran erlebt nach einem Schlaganfall das pure Grauen in den eigenen vier Wänden.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Kritik

 
 
 
Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass kein Mord ungesühnt bleibt. So bekommen die meisten Bösewichte am Ende das, was sie verdient haben und müssen nicht selten mit blutiger Rache rechnen – dem Zuschauer zuliebe. Der wird in vielen Fällen mit Schauerwerten verwöhnt, die nicht ohne sind, verkaufen sich Horrorfilme schließlich besonders gut, wenn sie deftige Bestrafungsmethoden zeigen. Rein gar nichts für Gorebauern ist der folgende DEMENTIA. Der schlägt – trotz Vergeltungsakt – in erster Linie leise Töne an und versucht Nervenkitzel durch Psychospiele zu verursachen. In diesem Indie-Thriller wird einmal mehr aufgezeigt, dass auch gutbürgerliche Nachbarn manch schreckliches Geheimnis hüten, das Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert hat und irgendwann ans Tageslicht kommt.
 
 
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THE SACRAMENT-Prediger GENE JONES hat an „bösen“ Rolle Gefallen gefunden und verkörpert erneut einen Schurken, der diesmal etwas zu verbergen hat. Als wenig sympathischer Eigenbrödler George Lockhart kommt er nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus und leidet fortan an einer speziellen Form der Demenz, weil das Gehirn kurzzeitig nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnte. Der entfremdete Sohn Jerry (PETER CILELLA aus CONTRACTED: PHASE 2) und Enkelin Shelby (HASSIE HARRISON) nehmen es gelassen, bringen den Vietnamveteran nach Hause und staunen nicht schlecht, als am nächsten Tage eine Krankenschwester unangemeldet nach dem Patienten sehen möchte. Die kommt gelegen, denn der Sohnemann hat Arbeit im Kopf. Pflegerin Michelle (KRISTINA KLEBE aus BELA KISS: PROLOGUE) soll sich um den gebrochenen Kriegsveteran kümmern, der trotz harter Schale von Kriegserlebnissen gezeichnet ist. Leider passieren bald seltsame Dinge, was die Angehörigen auf des geistigen Zerfall des Familienmitglieds zurückführen. Doch die Ursache ist eine andere. Schwester Michelle ist zwar mitfühlend und zuvorkommend, versteckt aber hinter der Fassade des hilfsbereiten Engels ein furchtbares Geheimnis.
 
 
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Vom Kameramann zum Regisseur. Für DEMENTIA zeichnet MIKE TESTIN verantwortlich. Der stand in der Vergangenheit für Horrorstreifen, wie CONTRACTED oder CHILLING VISIONS als erfahrener Profi hinter der Kamera und nahm nach diversen Kurzfilmen für den ersten Langfilm auf dem Regiestuhl platz. Solide Leistung liefert er mit dem ersten, eigenen Spielfilm ab, der Dank der herausragenden Leistung von GENE JONES weit besser geworden ist, als man es vom etwas sehr überraschungsarmen Drehbuch erwartet hätte. Jones spielt hier einen unnahbaren Rentner, der für niemanden und nichts Mitgefühl entwickeln möchte. Trotzdem schafft der erfahrene Schauspieler das Kunststück, dass Mitleid für einen Mann entsteht, der in der Vergangenheit Grausames getan hat, aber nie bestraft wurde. Der Antiheld fühlt sich bald selbst als Opfer und muss sich für ein Verbrechen verantworten, das viele Jahre zurückliegt. So wird KRISTINA KLEBE im Film zu ISABELLE FUHRMAN (das Kind aus ORPHAN), die anfangs noch freundlich bald wahre Intensionen zeigt. Sie hat jahrelang Rache geplant und nutzt nun das Handicap ihres Gegenübers aus, um Kontrolle und Macht zu demonstrieren. Leider verblasst die Schauspielerin hinter der Leistung ihres Kollegen, denn trotz bitterbösem Katz-und-Maus-Spiel will man ihr die Rolle des psychopathischen Racheengels nicht so recht abnehmen. Aber auch die Handlung lässt Glaubwürdigkeit vermissen. Spätestens ab Filmmitte führt das Drehbuch ins Absurde. Hinzukommt, dass Ereignisse vorhersehbar sind und nach Schema F abgehandelt werden, so dass DEMENTIA dann doch etwas zu sehr ins klischeebehaftete Genrekino abdriftet. Förderlich für die Spannung ist das nicht gerade.
 
 
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Wenn der Pfleger zum Killer wird. Regisseur MIKE TESTIN spielt verkehrte Welt, denn in DEMENTIA werden Rollen vertauscht. Aus Tätern werden Opfer und umgedreht. So wird ein gewissenloser Kriegsveteran zum Gefangenen im eigenen Haus und muss mit körperlichen Gebrechen ums Überleben kämpfen. Ähnlich gestricktes Psychokino gab es übrigens schon vor 30 Jahren. Der spanische IM GLASKÄFIG fasst ähnliches Thema auf und erzählt von einem gelähmten, pädophilen Nazi, der von einem ehemaligen Opfer gefoltert wird. Was aber seinerzeit Kontroverse verursacht hat, weil Tabus gebrochen wurden, flimmert in DEMENTIA weitaus unspektakulärer und nicht gerade einfallsreich über die Leinwand. Gezeigtes ist simpel gestrickt, einfacher zu verdauen und orientiert sich in der Machart am Psycho-Mainstream, wie er bereits mit STEPHFATHER (das Remake!), CRUSH oder THE ROOMMATE dem Zuschauer vorgesetzt wurde. Dennoch ist DEMTIA deswegen nicht unbedingt schlecht. Das Grauen wird hier langsam aufgebaut, so dass sich der Horror schleichend seinen Weg durch eine Handlung bahnen kann, die mit halsbrecherischem Finale abgerundet werden muss. Über Letzteres lässt sich streiten. Schraubt man Erwartungen herunter, sorgt DEMETIA gerade wegen seiner eher zurückhaltenden Inszenierung und den guten Schauspielern zumindest ab und an für etwas Suspense. Für einen verregneten Nachmittag reicht’s.
 
 
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DEMENTIA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Als Familiendrama getarnter Psychothriller. DEMENTIA ist nicht gerade das, was man sich unter packend umgesetztem Psycho-Horror vorstellt. Der Film handelt von vermeintlich vertrauenswürdigen Menschen, die sich in das Leben gutbürgerlicher Familien einschleichen, um dort für Chaos zu stiften. Was in DEMENTIA passieren wird, ist schnell ergründet und nicht gerade neu. Geübte Horrorzuschauer werden schnell die Fährte wittern, denn die im Titel erwähnte Demenz fungiert nur als Alibifunktion, damit ein perfides Katz-und-Maus-Spiel gespielt werden kann. Was den einfach gestrickten Plot jedoch halbwegs interessant macht, sind die guten Darsteller, die vergessen lassen, dass DEMENTIA eigentlich ein Thriller von der Stange ist. Der hat vor allem mit einigen Logikproblemen und Unglaubwürdigkeiten zu kämpfen. Dennoch: Solide Unterhaltung für Zwischendurch. Mehr aber auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es kaum zu sehen. Neben einer toten Katze wird ein älterer Mann erschossen. Zudem kommt im Finale noch einmal die Flinte ins Spiel. Außerdem wird der Hauptdarsteller von verstörenden Kriegserinnerungen gequält in denen der Kamerad blutig durchs Bild taumelt. Sollte DEMENTIA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Film problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)

Orphan – Das Waisenkind (2009)

Misery (1990)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

The Roommate (2011)

Captivity (2007)

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)


Filmkritik: „The House on Pine Street“ (2015)

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THE HOUSE ON PINE STREET

Story

 
 
 

Jennifer Branagan ist im siebten Monat schwanger und erlebt den Horror ihres Lebens. Im neuen Haus passieren unheimliche Dinge, die die werdende Mutter in den Wahnsinn treiben.

 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Kritik

 
 
 
Es wird wieder ruhiger im Horrorkino, denn nach dem Comeback brutaler Folterstreifen, grausamer Rachefilme und blutiger Schlachtwerke geht der Trend zum minimalistischen Horror über, der mit einfachen Mitteln möglichst viel Unbehagen bescheren soll. Das ist zuletzt mit dem außergewöhnlichen IT FOLLOWS und dem psychologischen THE BABADOOK gelungen. Letzterer wurde in Deutschland unglücklich vermarktet und lies enttäuschte Kinogänger zurück. Die hatten sich vom australischen Indie-Export schauriges Filmvergnügen versprochen, bekamen aber Psychoware vorgesetzt, die mit Horror nur wenig am Hut hatte. Trotz (berechtigter) Kritik avancierte der Psychothriller zum Geheimtipp – wohl auch deswegen, weil er bereits im Vorfeld viel Lob auf Festivals erhielt, zahlreiche Preise abräumte und so Horrorfans neugierig machen konnte. Positives Feedback und reichlich Gold gab es auch für den folgenden Film. Der schimpft sich THE HOUSE ON PINE STREET, kommt aus Amerika und wurde von zwei Brüdern gedreht, die bereits 2009 Horror in Eigenregie geschrieben, gedreht und produziert haben. Mit ihrem zweiten Spielfilm wurde subtiler Horror der zurückhaltenden Art fabriziert, der ähnlich wie genannter THE BABADOOK eher psychologisches Grauen zum Thema macht.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET handelt vom psychischen Abstieg der Jennifer Branagan (vielschichtig verkörpert von EMILY GOSS), die im Verlauf des Films an ihrem Verstand zweifelt, weil seltsame Dinge passieren. Sie zieht mit ihrem Mann (TAYLOR BOTTLES) weg von Chicago in ein Haus zurück in den Ort ihrer Kindheit, wo die Geburt des Nachwuchses freudig herbeigesehnt wird. Doch die Freude am neuen Leben währt nicht lang, denn im neuen Heim geht’s nicht mit rechten Dingen zu. Die Kammer im Schlafzimmer steht immer offen und Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand. Ohne Frage, hier spukt’s – doch leider will der jungen Frau niemand Glauben schenken. Als die Leidgeplagte von einer unsichtbaren Kraft attackiert wird und ihr niemand helfen möchte, reicht’s. Die werdende Mutter will zurück nach Chicago. Doch da passiert das Unfassbare.
 
 
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Von strengen Müttern, beschäftigten Ehemännern und psychisch labilen Hausfrauen. THE HOUSE ON PINE STREET ist metaphernreiches und intelligentes Indie-Kino, das einmal mehr beweist, dass man für guten Horror nicht viel benötigt. So sind es oftmals kleine Geschichten fernab vom Mainstream, die den Zuschauer gebannt vor der Glotze verharren lassen. Statt plakativ zu Erschrecken und möglichst viel Schauer auf Zelluloid zu bannen, gehen es die Macher AARON und AUSTIN KEETING unkonventionell an. Sie nutzen Spuk nur als Vorwand, um eine tragische Geschichte über Isolation, Einsamkeit und ihre Folgen zu erzählen. Hauptfigur Jennifer wird im Film von einer unheimlichen Präsenz verfolgt. Deren Attacken scheinen mit fortlaufendem Schwangerschaftstress immer aggressiver zu werden. Leider zweifelt bald die Familie, ob die junge Frau noch klar bei Verstand ist. Das ist auch kein Wunder, denn weder Freunde noch Besucher können Geistererscheinungen wahrnehmen. Bald führt Verzweiflung zu Wutausbrüchen und Unzufriedenheit. Zorn wird freigesetzt. Der hat lang im Unterbewusstsein einer Frau geschlummert, die sich immer versucht hat unterzuordnen.
 
 
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AARON und AUSTIN KEETING überzeugen mit cleverem Verwirrspiel. Sie locken in THE HOUSE ON PINE STREET auf falsche Fährten und manipulieren souverän. Lang bleibt nämlich unklar, ob die Brüder hier einen Geisterfilm oder Psychothriller gedreht haben. So ahnungslos wie die Filmheldin bleibt auch der Zuschauer, der quasi auf Augenhöhe mit der Hauptfigur ein erschütterndes Martyrium durchlebt, bei dem lang undurchsichtig bleibt, ob die leidgeplagte Jennifer wirklich Geister sieht oder der Spuk nur Folge traumatisierender Erlebnisse ist. Letztendlich ist auch im Falle von THE HOUSE ON PINE STREET die Bezeichnung „Geheimtipp“ gerechtfertigt. Was hier mit wenig Budget und hervorragenden Schauspielern auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich. THE HOUSE ON PINE STREET bleibt gerade wegen der zurückhaltenden und minimalistischen Machart bis zum Ende spannend und pendelt mit nahezu unbeschwerter Leichtigkeit zwischen Genres. Wer gern im Horrorfilm miträtselt, sollte gut aufpassen, denn so einfach ist THE HOUSE ON PINE STREET nicht zu knacken.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandioser Geheimtipp für Liebhaber subtiler Schauer. THE HOUSE ON PINE STREET schwimmt auf gleicher Welle, wie THE BABADOOK und verwirrt den Zuschauer durch falsche Fährten. Spukt es im Film wirklich oder haben sich Geistererscheinungen nur im Kopf einer verzweifelten Frau manifestiert? Die Brüder AARON und AUSTIN KEETING gruseln unkonventionell und machen alles richtig. So richtet sich THE HOUSE ON PINE STREET an jenes Publikum, das auch im Horrorfilm nach Anspruch sucht. Das bekommt hier ein cleveres Drehbuch vorgesetzt, das sich viel Zeit für die Entwicklung der Filmheldin nimmt. Hinzukommt, dass alle Rollen mit unverbrauchten Gesichtern besetzt wurden, die zur Abwechslung auch mal was können. Wer viele Indie-Horrorfilme neueren Datum gesehen hat, dürfte wissen, dass talentierte Schauspielern oft Mangelware sind. Wir meinen: Zu Recht auf Filmfestivals gehypter Gruselstreifen – Unbedingt sehenswert.
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Zensur

 
 
 
THE HOUSE ON PINE STREET ist subtiler Psycho-Horror, der keine Gewalt zeigt. Die reduziert sich auf einen Fenstersturz. Ansonsten gibt es einige verstörende Spukmomente zu sehen, die dem Streifen einen FSK16 einbringen dürften.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 

Dark Circles (2013)

The Babadook (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Delivery: The Beast Within (2013)


Filmkritik: „Knock Knock“ (2015)

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KNOCK KNOCK

Story

 
 
 
Unangemeldete Besucher, sollten lieber draußen bleiben: Familienvater wird im gemütlichen Eigenheim von zwei durchgeknallten Schönheiten bedroht, die eine Leidenschaft für perverse Machtspielchen besitzen.
 
 
 


 
 
 

KNOCK KNOCK – Kritik

 
 
 
Willkommen zum neuesten Streich eines gewissen ELI ROTH, indem nicht drinsteckt, was man eigentlich von Filmen aus der Mache des polarisierenden Regisseurs erwarten würde. Nach HOSTEL (Regie), CABIN FEVER (Regie) und AFTERSHOCK (hier angeblich nur als Produzent) ist man vom Experten für heftigen Torture Porn deftige Hausmannskost gewohnt, in der nicht immer zimperlich mit den Protagonisten umgegangen wird. ROTH wechselt diesmal die Fronten und versucht sich zur Abwechslung in subtiler Angstmacherei. Entstanden ist glattgebügeltes Home-Invasion-Grauen dessen Geschichte lose auf den Thriller DEATH GAME – TÖDLICHE SPIELE basiert, der bereits Ende der 1970er in die Kinos gebracht wurde. KNOCK KNOCK heißt die Neuauflage des einst brisanten Stoffes, der von den damaligen Hauptdarstellerinnen gleich mitproduziert wurde. Die dürften vermutlich auch der Grund gewesen sein, weshalb KNOCK KNOCK eine gänzlich andere Richtung einschlägt und eingeschworene Roth-Anhänger verzweifeln lässt, schließlich ist das neue Werk des Filmemachers ungewöhnlich blutleer und ausgesprochen lahm dazu.
 
 
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Kaum ist die Familie aus dem Haus gehen KEANU REEVES die Hormone durch. Der für Action-Filme bekannte Schauspieler muss diesmal ohne laute Explosionen und umfangreichen Waffenfundus auskommen. Stattdessen gehen ihm zwei Psychopathinnen auf die Nerven, die ihn an die Grenzen des psychisch Belastbaren treiben. Reeves spielt im Film den glücklichen Architekten Evan Webber, der Kinder und Ehegattin an den See fahren lässt, damit er zu Hause in Ruhe arbeiten kann. Leider ist er nicht lang allein, denn die angeblichen Flugbegleiterinnen Genesis (LORENZA IZZO aus THE STRANGER) und Bel (ANA DE ARMAS) klingeln an der Tür und benötigen Hilfe. Weil es in Strömen regnet, bittet Reeves herein, merkt aber erst spät, dass er sich damit zwei lästige Terrorbräute ins Haus geholt hat. Die versuchen nach einem gemeinsamen Schäferstündchen das Leben des Familienvaters auf den Kopf zu stellen und machen selbst vor Erpressung und Demütigungen nicht Halt. Was folgt ist für Familienoberhaupt Evan Webber ein nicht endender Albtraum, der aber auch vom Zuschauer einiges abverlangt. Dieser bekommt hier wohl die verhaltensauffälligsten Filmbösewichte der letzten Jahre zu sehen, die offensichtlich vergessen haben ihre tägliche Dosis Ritalin zu schlucken.
 
 
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Wenig schockierender Zu-Hause-Horror, der den Kampf der Geschlechter immerhin aus einer anderen Sicht betrachtet. KNOCK KNOCK dreht den Spieß nämlich um. So werden die Opferrollen neu verteilt und das starke Geschlecht muss sich diesmal perversen Machtspielchen zweier ausgefuchster Feministinnen unterwerfen. Leider sind die guten Ansätze rasch verbraucht, denn die vielen Psychospielchen werden in KNOCK KNOCK relativ schnell ins Absurdum getrieben, was den Film nicht nur unglaubhaft, sondern auch zu einer äußerst anstrengenden Angelegenheit macht. Reeves handelt als machtloses Opfer unentschlossen und versäumt konsequentes Handeln. Für den Zuschauer ein Geduldsspiel, weil der nicht nachvollziehen kann, warum sich die Filmheld nicht zu wehren weiß. Der ist selbst in größter Rage noch Gentleman und lässt sich von skrupellosen Frauen auf der Nase herumtanzen, die mit hyperaktiven Geschnattere so ziemlich schnell zu nerven beginnen.
 
 
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Was vermeintlich als ernster Psychothriller geplant war, gleicht ab Filmmitte dank weiblichem Overacting einer bitterbösen Satire, die die Machtkämpfe zwischen Mann und Frau auf die Schippe zu nehmen scheint. Ob das so bewusste geplant war, darf bezweifelt werden, denn sonderlich klug durchdachte Doppelbödigkeit ist nicht gerade das Spezialgebiet des ELI ROTH. Der selbsternannte Horrorfan hat mit KNOCK KNOCK ein löchriges Drehbuch verfilmt, das aufgrund absurder Handlungsverläufe und Logikfehlern dann doch mehr Unterhaltungsfilm ist, als gesellschaftskritisches Emanzipationskino. Wer kein Fan des Filmemachers ist, wird sich natürlich auch hier wieder die Hände reiben und gehässig über den Genre-Regisseur schmunzeln können, weil es Roth trotz neuer Herangehensweise wieder mal verbockt hat einen guten Film zu inszenieren.
 
 
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KNOCK KNOCK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFAIRE trifft auf FUNNY GAMES. Fieser Psychothriller mit den heimtückischsten Psychopathinnen der Filmgeschichte. ELI ROTH probiert was Neues aus und scheitert wie eh und je. Die löchrige Neuinterpretation eines Thrillers aus dem Jahre 1977 hat viel nackte Haut und zwei schöne Hauptdarstellerinnen zu bieten. Deren Auftreten wirkt jedoch so schrill und naiv, dass der Überlebenstrip namens KNOCK KNOCK ganz schön schnell auf den Zeiger geht. KEANUE REEVES als hilfloses Terroropfer verblasst im lauten Geschnatter seiner Gegenspielerinnen. Die sorgen des Öfteren dafür, dass man daran zweifelt, ob der Home-Invasion-Ausflug überhaupt ernst gemeint sein soll. Leider mangelt es KNOCK KNOCK an Glaubwürdigkeit. Zudem bleibt bis kurz vor dem Abspann ungeklärt, warum hier gedemütigt und schikaniert wird. Die letztendlich Auflösung ist ein schlechter Scherz. Allen Fans des kontroversen Regisseurs sei demnach geraten: Erwartungen herunterschrauben, denn KNOCK KNOCK ist nicht das, was man eigentlich von ELI ROTH erwartet hätte.
 
 


 
 
 

KNOCK KNOCK – Zensur

 
 
 
Enttäuschte Gesichter bei allen Fans von ELI ROTH. Dessen neuer Film hat keine Gewalt zu bieten. Es fällt nur ein Mann nach einem Asthmaanfall mit dem Kopf auf einen Stein – das war’s. Hierzulande hat der Film daher eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

KNOCK KNOCK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Knock Knock; Chile | USA 2015

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Eli Roth, Nicolás López, Lorenza Izzo und Colleen Camp, Entfallene Szene: Zerstörung (3:13 Min.), Alternatives Ende (1:33 Min.), Making-of: Die Kunst der Zerstörung (14:41 Min.), Deutscher Trailer (2:00 Min.), Trailershow

Release-Termin: 29.04.2016

 

Knock Knock [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

KNOCK KNOCK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken liegen bei UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Death Dame – Tödliche Spiele (1977)
 
Funny Games (1997)
 
Beautiful People (2014)
 
White Settlers (2014)
 
Gefesselt – Liebe. Ehre. Gehorsam. (2014)
 
Torment (2013)
 
Countdown (2012)
 


Filmkritik: „Little Devil“ (2014)

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LITTLE DEVIL

(DEMON BABY | WANDERING ROSE)

Story

 
 
 
Rose (Carina Birrell) und Theo (David Wayman) wollen die kränkelnde Beziehung in den Bergen Schottlands auffrischen. Bis Rose ällmählich dem Wahnsinn verfällt und sich der friedliche Campingausflug zum Albtraum entwickelt.
 
 
 


 
 
 

LITTLE DEVIL – Kritik

 
 
 
Achtung Mogelpackung im Anmarsch, denn im Falle von LITTLE DEVIL (Originaltitel: DEMON BABY) wird der Zuschauer mal wieder äußerst geschickt hinters Licht geführt. Der Originalfilmtitel suggeriert nämlich das, was der Streifen gar nicht ist: teuflischer Okkult-Horror in dem der Leibhaftige wiedergeboren wird. Warum der anfänglich betitelte WANDERING ROSE im Original eine reißerische Umbenennung erhalten musste, wirft Fragen auf. Man darf aber davon ausgehen, dass die Marketingabteilung des Produktionsstudios eine wesentliche Rolle bei der Neukreation des Titels gespielt haben dürfte, um den Film international besser vermarkten zu können.
 
 
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Statt einem teuflischen Kinovergnügen steht psychologischer Horror auf der Tagesordnung. Für den zeichnet einmal mehr jemand Unbekanntes verantwortlich, der erste Erfahrungen auf dem Gebiet des Filmemachens beginnt zu sammeln. Das ist bei Indie-Horrorfilmen mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr und hat bisher manch unentdecktes Talent zum Vorschein gebracht, das nun für große Studios in Hollywood Kinoerfolge am Fließband fabriziert. Doch kann CORRIE GREENOP legendären Regiegrößen wie SAM RAIMI oder PETER JACKSON das Wasser reichen, denen ebenso kleine Indie-Produktionen die Tür zur Traumwerkstatt geöffnet haben?
 
 
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In seinem ersten Film sind Rose (CARINA BIRRELL) und Theo (DAVID WAYMAN aus NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND) ein unverheiratetes Paar, das im Nordosten Schottland versucht zueinander zu finden. Die Beziehung liegt im Argen und Rose ist im dritten Monat schwanger, so dass die angeschlagene Bindung bei einem gemeinsamen Campingausflug etwas aufgefrischt werden soll. Leider wird das Liebesglück vor unerwartete Herausforderungen gestellt, denn inmitten der Wildnis fühlt sich Rose furchterregenden Bedrohungen ausgesetzt. Ein geisterhaftes Wesen scheint der verunsicherten Frau auf Schritt und Tritt zu folgen und die Begegnung mit einem Polizisten schürt Misstrauen. Als die werdende Mutter beginnt eine seltsame Paranoia gegenüber der eigenen Schwangerschaft zu entwickeln, kommt es zur Katastrophe.
 
 
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LITTLE DEVIL ist erschütterndes Kopfkino, bei dem sich das Grauen im Kopf des Zuschauers manifestiert. Die mitleiderregende Figur der Rose erlebt im Film eine tragische Verwandlung, die Schuldgefühlen und Ängsten den Weg weist. Regisseur CORRIE GREENOP arbeitet mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten – schlüssige Erklärungen werden nicht geliefert und die Vergangenheit der traumatisierten Filmheldin nur spartanisch beleuchtet. Wie sich im Verlauf des Streifens herausstellen wird, hat sich Rose für eine Abtreibung des Kindes entschieden und ist umso überraschter als der nichtsahnende Liebste beim Kuscheln von kleinen Schlägen unter der Bauchdecke seiner Freundin berichtet. Das lässt die Kindsmutter zweifeln, die plötzlich nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann und dem Wahnsinn verfällt.
 
 
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Mit Horror im herkömmlichen Sinne hat LITTLE DEVIL nichts am Hut. Vielmehr verfolgt der Filmfreund den mentalen Abstieg einer jungen Frau, die in der Vergangenheit Schlimmes erlebt haben muss und alles dafür tut, dass der Partner nichts davon erfährt. Rose scheint ein unnatürliches Misstrauen gegenüber dem männlichen Geschlecht aufgebaut zu haben. Hier ist wohl auch der Grund des plötzlichen Schwangerschaftsabbruchs zu suchen. Hat Rose die Treue in ihrer Beziehung nicht ernst genommen oder wurde sie Opfer eines sexuellen Missbrauchs? Eine plausible Erklärung gibt CORRIE GREENOP nicht. Stattdessen spielt er mit Rückblenden und räumt dennoch genug Interpretationsspielraum ein, damit sich der Zuschauer am Ende – trotz überraschendem Twist – ein eigenes Urteil bilden kann.
 
 
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Dass LITTLE DEVIL dann doch tiefgründiger ist, als der reißerische Titel vermuten lässt kommt nicht von Ungefähr. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er ein großer Fan südkoreanischer und japanischen Horrorfilmen ist, die nicht durch Splatter auffallen sondern durch psychologisches Grauen bewegen wollen. Ungewöhnlicherweise zählt er neben asiatischen Genre-Perlen wie THE EYE oder TALE OF TWO SISTERS auch den australischen THE BABADOOK zu seinen Favoriten. Letzterer ist dem Aufbau von LITTLE DEVIL nicht unähnlich, erreicht aber nicht einmal ansatzweise dessen zermürbende Intensität. Wer sich trotzdem mit diesem psychologischen Horrordrama auseinandersetzen möchte, sollte sich nicht von dem auf Horror getrimmten Trailer und dem irreführenden Filmplakat verwirren lassen. Wie schon bei genanntem THE BABADOOK aus dem Jahre 2014 wurde auch das Marketing für LITTLE DEVIL unglücklich geplant, das unheimlichen Geisterhorror verspricht. Leider sucht man Spuk und Gänsehaut im Film vergebens!
 
 


 
 
 

LITTLE DEVIL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Genrefilm, der sprichwörtlich unter die Haut geht. LITTLE DEVIL (im Original: DEMON BABY – Produktionstitel: WANDERING ROSE) ist verstörendes Kopfkino mit tragischem Ausgang vor traumhafter Naturkulisse. Anders als der Titel und das Filmplakat vermuten lassen ist LITTLE DEVIL jedoch kein Film in der Machart des Polanski-Klassikers ROSEMARIES BABY. Vielmehr protokolliert dieses Debütwerk den mentalen Abstieg einer von Schuldgefühlen zerfressenen Frau, die von den Dämonen ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Dabei verwendet Regisseur CORRIE GREENOP immer wieder Elemente aus asiatischen Geisterfilmen und legt so falsche Fährten. Die versuchen nicht nur den Zuschauer zu verwirren, sondern auch die scheinschwangere Protagonistin, die bald nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann. Demzufolge sollte man LITTLE DEVIL (der mit WANDERING ROSE anfänglich einen anderen und weitaus plausibleren Titel besaß) mit dem Wissen sehen, dass es sich hier um keinen waschechten Horrorfilm handelt. Nur mit dieser Erwartungshaltung wird man nicht enttäuscht werden.
 
 


 
 
 

LITTLE DEVIL – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es in LITTLE DEVIL nicht zu sehen. Kein Wunder, handelt es sich hier eher um psychologischen Horror der nicht viel Blut zum Verstören benötigt. Die Protagonistin verletzt sich in der Dusche selbst und am Ende gibt es einen unerwarteten Mord zu sehen. Der wird aber nicht explizit gezeigt, denn die Kamera blendet weg. LITTLE DEVIL hat hierzulande eine FSK16 erhalten. Wegen Bonusmaterial ist die erhältliche Scheibe aber FSK18.
 
 
 


 
 
 

LITTLE DEVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Daredo | White Pearl Movies | Soulfood Entertainment (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demon Baby; Großbritannien 2014

Genre: Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 74 Min.

FSK: Film: FSK16 | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.11.2016 (BD KeepCase)

 

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LITTLE DEVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte liegen bei Daredo | White Pearl Movies | Soulfood Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The Devil Incarnate (2013)