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Filmkritik: „My Friend Dahmer“ (2017)

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MY FRIEND DAHMER

Story

 
 
 

Außenseiterdasein, Pubertät und Probleme im Elternhaus. Auch Serienmörder – wie Jeffrey Dahmer – mussten sie einmal durchleben: die Jugend.

 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Kritik

 
 
 
Ein neuer Trend im Horror-Genre ist die Erforschung von Jugendjahren bekannter Horror-Ikonen. So sind schon lange nicht mehr nur Fortsetzungen beliebter Horror-Reihen eine sichere Bank. Auch sogenannte Prequels – also Vorgeschichten – haben sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldeinnahmequelle entwickelt, sobald man mit Fortsetzungen nicht mehr weiterkommt. Hierbei immer wieder gern verfilmt: die Kindheit gerissener Filmkiller. So musste nicht nur der Mythos LEATHERFACE für den schnellen Dollar genauer unter die Lupe genommen werden. Auch die Jugendjahre von Killer-Kollegen MICHAEL MEYERS oder NORMAN BATES füllten die Bankkonten profitorientierter Studiobosse und nahmen so den legendären Filmbösewichten einen Teil ihres Schreckens. Doch nicht immer muss nur Fiktives genauer ergründet werden. Mit MY FRIEND DAHMER geht es einem an den Kragen, der tatsächlich gelebt hat. Wie es der Titel des Films bereits vermuten lässt, dreht sich in diesem Streifen alles um einen der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts: Jeffrey Dahmer. Der wurde von der Presse auch als „Monster von Milwaukee“ betitelt, weil er zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer ermordete, vergewaltigte und teilweise sogar aufgegessen hatte. Doch Dahmer wurde nicht als Killer geboren. Der folgende Film behandelt einen unbekannten Teil von Dahmers Leben. Rückten alle bisher erschienen Filme in erster Linie die Taten des Mörders in den Fokus, geht es dieser Film etwas anders an. MY FRIEND DAHMER erzählt von der Highschool-Zeit des späteren Serienkillers. Ein interessanter Blickwinkel, um vielleicht einige Ursachen seiner Taten verstehen zu können.
 
 
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Amerika in den 1970ern: Der Teenager Jeffrey Dahmer ist schon ein komischer Kauz. Der beschäftigt sich lieber mit überfahrenen Tieren, die er sammelt und in Säure einlegt, statt sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. In der Schule nimmt kaum jemand Notiz von ihm, bis er unter viel Gelächter seltsame Ticks inszeniert und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Plötzlich verwandelt sich Dahmer vom Niemand zum Pausenclown. Dessen komödiantische Gabe erkennt auch Mitschüler John Backderf, der kurzum den Dahmer-Fanclub gründet und den Sonderling zu komischen Taten anstiftet. Doch Dahmer hat Sorgen – große Sorgen. Die Eltern liegen im ständigen Streit und auch die Sexualität des einsamen Teenagers bereitet Probleme. Da kommt der neue Freund „Alkohol“ gerade recht. Leider führt der den desorientierten Jugendlichen genau in den Abgrund.
 
 
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Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: MY FRIEND DAHMER ist kein reißerischer Schocker über die Taten des berüchtigten Serienkillers. Wer Blut und Gewalt sucht, ist hier an der falschen Adresse. Der Film rückt nicht die Bestie „Dahmer“ in den Mittelpunkt, sondern untersucht den Mensch dahinter. Dafür stand die Graphic Novel „My Friend Dahmer“ Pate, die von einem Schulfreund Dahmers gezeichnet wurde, der zu Schulzeiten mit dem Eigenbrötler gemeinsam die Bank drückte. Nachdem die Taten des Serienkillers durch die Medien gingen und Dahmer 1994 von einem Mithäftling getötet wurde, begann Schulfreund JOHN BACKDERF Material zu sammeln und seine Begegnungen mit dem Sonderling zu Papier zu bringen. Dabei entstanden Kurzgeschichten, die nicht die Taten des Mörders in den Fokus rücken sollten. Stattdessen analysierte der talentierte Comicautor die Probleme und Sorgen mit denen Dahmer in der Schule und Elternhaus zu kämpfen hatte. Das Resultat entpuppte sich als traurige und erschreckende Charakterstudie eines einsamen Heranwachsenden, die mehrfach Auszeichnungen erhielt. Auf genau jenen Bildergeschichten basiert nun der hier vorliegende Film, der weit tiefgründiger ausgefallen ist, als erwartet.
 
 
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So hat man für die Rolle des jungen Jeffrey Dahmer jemanden gefunden, der wohl sein Image als Kinderstar loswerden wollte. ROSS LYNCH machte sich vor allem mit Auftritten in bekannten Disney-Produktionen einen Namen. Offenbar war ihm leichte Unterhaltung auf Dauer zu wenig, weshalb er mit der Hauptrolle in MY FRIEND DAHMER einen mutigen Richtungswechsel antritt, der ihm außerordentlich gut steht. Der haucht der Rolle des Jeffrey Dahmer eine gewisse Menschlichkeit ein und verdeutlicht dem Zuschauer eindrücklich, was für ein bemitleidenswerter Mensch der spätere Serienkiller tatsächlich war. Seine Verkörperung des wortkargen Sonderlings mutet unheimlich an, faszinierend aber zugleich. Das macht MY FRIEND DAHMER vor allem bei denen interessant, die sich weniger mit Taten sondern eher mit der Psyche fehlgeleiteter Menschen auseinandersetzen wollen. Regisseur MARC MEYERS dämonisiert seinen Filmhelden nicht. Stattdessen kümmert er sich behutsam um seine Filmfigur und studiert sie ausführlich, ohne zwangsläufig ihre Taten zu beurteilen. Das macht die filmische Umsetzung der Graphic Novel besonders, weil man mit dem Namen „Jeffrey Dahmer“ wohl etwas ganz anderes erwartet hat, als es der Film zu vermitteln versucht. Sehenswert!
 
 
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MY FRIEND DAHMER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama, statt Horror. Beunruhigende und deprimierende Charakterstudie, die niemanden kalt lässt. MY FRIEND DAHMER geht das Thema „Jeffrey Dahmer“ vollkommen anders an. Normalerweise erwartet man hier eine detaillierte und reißerische Ausschlachtung der Taten des berüchtigten Serienmörders. Aber Regisseur MARC MEYERS macht alles anders. Der betrachtet die Jugendjahre des Einzelgängers und versucht damit dem Zuschauer nahezubringen, was für ein desorientierter und verunsicherter Mensch Jeffrey Dahmer wirklich war. Statt die „Bestie“ Dahmer zu analysieren, betrachtet der Filmemacher den „Mensch“ Dahmer mit all seinen Ängsten, Sorgen und Problemen. Damit nimmt dieser Streifen eine Sonderstellung in der Reihe an Verfilmungen über den Serientäter ein. MY FRIEND DAHMER ist ein interessantes und vor allem unkonventionelles Filmprojekt, das neugierigen Cineasten ans Herz gelegt sei. Ein Geheimtipp, der auch bei Filmfestivals wegen des anderen Umgangs mit dem kontroversen Thema „Dahmer“ gelobt wurde.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Zensur

 
 
 
MY FRIEND DAHMER hat keine Gewaltmomente zu bieten. Es gibt einige tote Tiere zu sehen, die der Antiheld von der Straße kratzt und in Säure einlegt. Eigentlich wäre der Film daher ein sicherer FSKL12-Kandidat. Wegen des kontroversen Zusammenhangs mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer dürfte der Film aber eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FilmRise)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)

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Filmkritik: „The Disappointments Room“ (2016)

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THE DISAPPOINTMENTS ROOM

Story

 
 
 
Ein Film, der angeblich auf wahren Begebenheiten beruht: Eine kleine Familie zieht nach einem Schicksalsschlag in ein altes Landhaus, ohne zu ahnen, was die vorherigen Bewohner für grausame Dinge darin veranstaltet haben.
 
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Kritik

 
 
 
Es gibt Horrorfilme, da braucht man sich nur Inhaltsangabe oder Trailer anschauen und schon spart man sich den mühsamen Weg bis zum Abspann. Gruselfilme haben seit Jahren im (Heim)Kino Hochkonjunktur, was eigentlich nichts Schlechtes bedeutet. Das Problem ist hierbei jedoch, dass die unheimlichen Streifen in dem meisten Fällen nach gleichem Muster gestrickt werden. Eine gut gemeinte Geste der Drehbuchautoren, um (amerikanische) Zuschauer nicht zu überfordern. Weil aber seit Jahren immer wieder die gleichen Handlungen im Geister- und Spukgenre abgespult werden, sind diese Filme zu richtigen Spannungskillern verkommen. So folgen Handlungen stets gleichem Ablauf, was Gruselfilme so vorhersehbar gestaltet, dass bereits nach wenigen Minuten klar sein dürfte, wohin die Reise gehen soll. Auch der glattgebügelte THE DISAPPOINTMENTS ROOM macht da keine Ausnahme. KATE BECKINSALE bleibt dem Horrorgenre treu, verändert aber ihren Stil. Statt dunkler Latexuniform (wie in den UNDERWOLRD-Filmen) trägt die Schauspielerin nun vornehmlich helle Baumwollgewänder und verwandelt sich von der erbarmungslosen Vampirjägerin in eine treusorgende Hausfrau und Mutter. Die Rolle nimmt man ihr zwar zu keinem Zeitpunkt ab, dafür bekommt der männliche Filmfan was fürs Auge geboten. Das Motto „Sex sells“ gilt eben auch im Horrorfilm. Leider kam der Film – trotz der Beckinsale als Blickfang – beim amerikanischen Publikum nicht sonderlich gut. Von knapp 14 Millionen US-Dollar Budget konnten gerade mal vier wieder eingespielt werden. Ein Kinoerfolg sieht anders aus.
 
 
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Dana (KATE BECKINSALE – übrigens diesmal blond) und David (MEL RAIDO) haben es nicht leicht. Nach dem plötzlichen Tod des neugeborenen Kindes soll die kleine Familie wieder zur Ruhe kommen. Der tragische Schicksalsschlag hat das Leben der noch jungen Eheleute ins Wanken gebracht. Doch ein Neuanfang soll’s wieder richten. Dafür bezieht das Paar zusammen mit Sohnemann Lucas ein altes Landhaus, das aber erst einmal auf Vordermann gebracht werden muss. Doch aus kleinen Reparaturen werden schnell große Probleme. Auf dem Dachboden entdeckt Dana einen verschlossenen Raum, der sich auf keinem Bauplan finden lässt. Das weckt die Neugier der leidenschaftlichen Architektin. Sie versucht einen Weg zu finden, um die Tür des geheimnisvollen Zimmers zu öffnen. Selbstverständlich ergibt sich bald eine Möglichkeit, doch der Raum ist leer. Kratzspuren an Wand und Tür hinterlassen ein ungutes Bauchgefühl. Das ist bald auch berechtigt, denn offenbar hat Dana etwas befreit, das eigentlich eingeschlossen bleiben sollte. Was folgt wird zum neuen Schreckgespenst. Furchtbare Albträume und Visionen machen der attraktiven Frau ein weiteres Mal das Leben schwer. Die sieht sich bald mit einer bösartigen Präsenz konfrontiert, die so rein gar nicht zu Scherzen aufgelegt ist. Was will der Geist von der ohnehin gebeutelten Mutter und was hat es mit dem mysteriösen Zimmer auf sich? Die Suche nach Antworten führt fast zur Katastrophe.
 
 
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Spielt sich das alles nur im Kopf der Hauptdarstellerin ab oder sind hier wirklich Geister am Werk? Regisseur D.J.CARUSO macht es Filmen wie DER BABADOOK oder THE HOUSE ON PINE STREET gleich. Das bedeutet, dass er gekonnt zwischen Psychothriller und Geisterfilm springt und damit mehrere Interpretationsansätze zulässt. THE DISAPPOINTMENTS ROOM funktioniert daher als lupenreiner Spukfilm ebenso, wie als Psychogramm einer von Schuldgefühlen geplagten Mutter, die wegen des tragischen Todes ihres Babys den Verstand verliert und plötzlich mysteriöse Dinge sieht. Auch wenn es derartige Taschenspielertricks in letzter Zeit so ziemlich oft auf die Mattscheibe geschafft haben, funktioniert das Verwirrspiel in diesem Film tadellos. THE DISAPPOINTMENTS ROOM ist aufgrund seiner anfänglich undurchsichtigen Machart nämlich ganz spannend geraten, weil lang ungeklärt bleibt, was es mit dem geheimnisvollen Raum im Dachgeschoss auf sich hat. Macher D.J.CARUSO lässt früh erahnen, dass mit diesem kargen Zimmer etwas nicht stimmt und webt darum ein Geheimnis, das von der Filmheldin erkundet werden soll. Die fängt an zu recherchieren und ebnet so ihren Weg in den Wahnsinn. Ein paar Geistererscheinungen sollen den Zuschauer auf falsche Fährten locken und von der psychische Instabilität der Filmheldin ablenken. Gemeine Manipulation, die aber immerhin für Gänsehaut sorgt und Liebhaber unheimlicher Mysterystreifen kurzweilige Schauer beschert. Wer demzufolge eine Vorliebe für alte Gemäuer mit grausamer Vergangenheit besitzt, kann gern dieser gruseligen Schnitzeljagd durch schlecht ausgeleuchtete Räume folgen. Konventionelle Schocks sind garantiert und die makellose Optik dürfte vor allem Mainstream-Zuschauern zusagen. Hollywood bleibt eben Hollywood.
 
 
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THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
THE DISAPPOINTMENTS ROOM ist spannend inszeniertes Gruselkino, das sich aber beim Ablauf am Altbewährten orientiert. Wer schon einmal Filme über alte Gemäuer gesehen hat in denen es spukt, weiß was gemeint ist. Die meisten Streifen dieser Art laufen nämlich nach gleichem Muster ab. So ist es nicht selten so, dass neue Bewohner alter Anwesen von Spukerscheinungen geplagt werden und die Ursachen dafür ergründen müssen. In der Regel ist das unfreiwillige Ableben ahnungsloser Menschen daran schuld, dass genau jene nach dem Tod nicht zu Ruhe kommen. Ganz ähnlich läuft das auch in THE DISAPPOINTMENTS ROOM ab. Hier muss eine attraktive Mutter den tragischen Tod ihres Neugeborenen verarbeiten und wird im neuen Heim auch noch mit Geistern konfrontiert. Hinter dem Spuk steckt Regisseur D.J.CARUSO, der bereits Kommerzielles für Hollywood gedreht hat. Mit DISTURBIA oder ICH BIN NUMMER VIER wurden schon einige Kassenschlager von ihm inszeniert, die für namhafte Studios viel Geld eingespielt haben. Zieht man THE DISAPPOINTMENTS ROOM zum Vergleich heran, ist das Gebotene zwar immer noch kurzweilig, aber weit weg vom potenziellen Kinohit. Der Mix aus Mystery, Psychothriller und Geisterfilm bietet nichts Neues oder gar Originelles, was ihn aus der Masse an Gruselstreifen hervorstechen lässt. Zudem wirkt die bekannte Schauspielerin KATE BECKINSALE (aus den UNDERWOLRD-Filmen) im Film unnahbar und lustlos. Für eine Identifikationsfigur fatal, soll die doch den Zuschauer an die Hand nehmen und durch den Film führen. Immerhin hat die attraktive Darstellerin in jeder Szene die Haare schön und steigt selbst nach einem Nickerchen aus dem Bett, als käme sie gerade aus dem Beautysalon. Da gibt’s von uns glatt mal ein Lob an das Haar- und Make-up-Team. THE DISAPPOINTMENTS ROOM erfindet das Rad nicht neu, bereitet jedoch altbewährte Gruselrezeptur so auf, dass es nicht langweilig wird. Wer Gruselnachschub benötigt, wird demnach nicht enttäuscht werden – auch wenn das Finale dann doch etwas sehr unglaubwürdig erscheint.
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Zensur

 
 
 
Es gibt eine zerfleischt Katze zu sehen, die von einem Hund attackiert wurde. Weiterhin schlägt KATE BECKINSALE mehrmals mit einem Gegenstand auf einen Kopf ein, so dass vom Schädel nur noch Brei übrig ist. Auch wenn diese Szene sehr hart anzuschauen ist, hat es doch für eine FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wild Bunch | Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Disappointments Room; USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Behind the Scenes

Release-Termin: 09.06.2017

 

The Disappointments Room [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Wild Bunch | Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Noonday Witch (2016)
 
The Babadook (2014)
 
Darling (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Little Devil (2014)
 
Shining (1980)
 
The Suffering (2016)


Filmkritik: „The Noonday Witch“ (2016)

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THE NOONDAY WITCH

(POLEDNICE)

Story

 
 
 

Eine junge Mutter wagt mit der kleinen Tochter in der ländlichen Idylle Tschechiens einen Neuanfang. Doch schaurige Legenden machen das neue Leben zu Hölle.

 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Kritik

 
 
 
Horror ist eine Sprache, die man überall auf der Welt versteht. Ob Europa, Asien, Südamerika oder Australien – auf jedem Kontinent unserer Erde beherrscht man die Gabe des Angstmachens und Zuschauer wagen sich freiwillig in Kinos, damit dort Nerven gekitzelt werden können. Auch wenn die meisten Horrorfilme immer noch in den USA verbrochen werden, entstehen dennoch viele Überraschungen fernab der Traumwelt. So erblicken immer mal wieder Horrorstreifen das Licht der Kinowelt aus Ländern, von denen man derart Filmware überhaupt nicht erwarten würde. Für Horrorfilme unbekannt, aber nicht unbegabt mischt nun auch Tschechien mit auf dem internationalen Gruselmarkt. Mit THE NOONDAY WITCH (im Original: POLEDNICE) wurde dort überzeugendes Filmhandwerk produziert, das schon auf einigen Festivals gezeigt wurde und viel Zustimmung erhielt. Da kann man nur hoffen, dass im Publikum keine amerikanischen Filmproduzenten saßen. Anderenfalls dürfte ein Remake nicht lang auf sich warten lassen. Ein solches Vergehen hätte THE NOONDAY WITCH nun wirklich nicht verdient.
 
 
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Das Gruseldrama THE NOONDAY WITCH basiert auf einem Gedicht des tschechischen Dichters KAREL JAROMIR ERBEN. Der veröffentlichte die Ballade von der POLEDNICE (übersetzt: Mittagshexe) bereits 1853 in seiner Balladensammlung KYTICE und lies sich hierfür von der slawischen Sagenwelt inspirieren. Darin taucht immer wieder die Figur der Mittagshexe auf, die vor allem an heißen Sommertagen erscheint, um den Menschen den Verstand zu rauben oder deren Kinder zu stehlen, die sie hinterlistig durch Wechselbälger vertauscht. Historiker vermuten, dass die Legenden deshalb entstanden, weil während der Erntezeit viele Knechte und Mägde auch in der Mittagshitze aufs Feld geschickt wurden und dort einen Hitzeschaden erlitten. Bis heute halten sich die Erzählungen über die Mittagshexe vor allem im ländlichen Tschechien hartnäckig – wohl ach deshalb, weil Kunst und Kultur immer mal wieder Sagen des Landes aufgreifen, um sie künstlerisch zu verarbeiten. So geschehen durch den Komponisten ANTONÍN DVORÁK. Der nahm sich 1894 im Orchesterwerk POLEDNICE die Thematik von der Mittagshexe erneut vor. Dabei entstand eine sinfonische Dichtung, die bis heute – zu Recht – zu einem der wichtigen Nationalgüter Tschechiens gehört.
 
 
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Wer jetzt aber glaubt, dass das Genre-Drama des jungen, tschechischen Regisseurs JIRI SADEK geifernde Kreaturen durch Kornfelder metzeln lässt, wird enttäuscht. THE NOONDAY WITCH nutzt die die Sage von der Mittagshexe nur als reißerischen Aufzieher, um den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken. Im Film wird eine junge Mutter mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert, die darauf schließen lassen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein tragisches Schicksal vereint Mutter Eliska (ANNA GEISLEROVÁ) und die kleine Tochter Anetka (KAROLINA LIPOWSKÁ). Ein Umzug aufs Land steht bevor, der nicht ohne Grund erfolgt. Der Vater ist gestorben und ein Neuanfang steht bevor. Doch davon ahnt die aufgeweckte Anetka nichts. Die erkundigt sich beinahe täglich bei der Mutter, wenn denn der Vater nachkommt. Leider weicht die Mutter bei jeder Frage aus und suggeriert dem Mädchen Hoffnung, das auf eine baldige Rückkehr des Familienoberhauptes hofft. Doch die ländliche Einöde entpuppt sich schnell als trügerisches Idyll. Die Neuhinzugezogenen werden zwar von den Einheimischen mit offenen Armen empfangen; zur Ruhe kommt die kleine Familie jedoch nicht. Der Grund: Eine verwirrte alte Frau verbreitet im Dorf Angst. Die hat vor vielen Jahren unter tragischen Umständen den Sohn verloren und ist fest davon überzeugt, dass die sogenannte Mittagshexe für die Ereignisse verantwortlich ist. Was bei Mutter Eliska anfangs Sorgen bereitet, wird bald zur Paranoia. Will hier wirklich eine bösartige Kreatur der Tochter was Böses?
 
 
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Wenn der Verlust eine geliebten Menschen aus der Bahn wirft und das Leben verändert. Viel mit Horror hat THE NOONDAY WITCH nicht am Hut. Hinter dem plakativen Titel verbirgt sich bei genauerer Betrachtung das Psychogramm einer überforderten Alleinerziehenden, die zwar ihr Kind schützen möchte, aber genau das Gegenteil bewirkt. Macher JIRI SADEK hat hier Psycho-Horror unter der schwülen Mittagssonne Tschechiens inszeniert, der Themen wie Verlust und Verlustangst fokussiert. Dabei fungiert die titelgebende THE NOONDAY WITCH nur als Metapher, um das seelische Ungleichgewicht einer orientierungslosen Frau zu unterstreichen, die allmählich den Bezug zur Realität verliert. Damit tritt JIRI SADEK in die Fußstapfen, des australischen THE BABADOOK, der im Grunde genommen von der Machart nicht unähnlich ist. Auch hier sieht sich eine alleinerziehende Frau missverstanden und verliert im Alltagswahnsinn ihren Verstand. Was folgt wird für Mutter als auch den Zuschauer zur psychischen Tortur. International gab’s für diesen intelligenten Angstmacher viel Lob.
 
 
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Gleiches bekommt THE NOONDAY WITCH auch von uns, denn der tschechische Regisseur JIRI SADEK macht seine Sache ganz gut. Hinter strahlendem Sonnenschein und goldenen Kornfelder bahnt sich Psycho-Horror schleichend seinen Weg durch den Film, um am Ende ganz unvorbereitet zuzuschlagen. Das gelingt ohne Computereffekte, effekthascherische Bilder und theatralische Musik, denn Sadek vertraut allein auf gute Schauspieler und authentische Inszenierung. Letztere scheint die Quintessenz dieses gut durchdachten Psychostücks zu sein, denn von Stereotypen ist diesmal weit und breit keine Spur. Stattdessen gibt’s Psychograuen hinterm Hoftor mit glaubhaft agierenden Protagonisten vor authentischer Kulisse. Allein deshalb wirkt THE NOONDAY WITCH schon irgendwie besorgniserregend, weil sich ein solches Drama mit Sicherheit auch genau so auch auf deutschen Dörfern zutragen könnte. Sieben blutige Filmklappen haben sich unsere Nachbarn darum redlich verdient. Wir hätten gern mehr von solchen kleinen unscheinbaren Geschichten im Abo!
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die tschechische Antwort auf THE BABADOOK. Bemerkenswert authentisches Verwirr- und Psychospiel vor der sommerlichen Dorfidylle Tschechiens. Horror ist vermutlich der falsche Ausdruck für THE NOONDAY WITCH, der im Original eigentlich POLEDNICE heißt. Regisseur JIRI SADEK vermischt hier den psychischen Abstieg einer alleinerziehenden Mutter mit tschechischer Folklore und hat ein kleines aber feines Psychodrama inszeniert, das sich vor internationaler Konkurrenz nicht verstecken braucht. Nein, strahlender Sonnenschein und goldene Kornfelder sind nicht gerade Erfolgsgaranten für unbequeme Genrefilme. Dennoch gelingt dem tschechischen Regisseur genau dieses Kunststück in eben dieser Kulisse maximales Unbehagen entstehen zu lassen. Zu verdanken hat er das den hervorragend ausgewählten Schauspielern und einigen falsch gelegten Fährten. THE NOONDAY WITCH befindet sich weit weg von Glanz und Gloria. Das ist aber auch gut so, denn gerade deswegen wirkt der Streifen authentisch und realitätsnah. Ziemlich bemerkenswert, was da bei den Nachbarn entstanden ist. Wer demnach Anspruch im Genre sucht, sollte sich diesen Streifen unbedingt vormerken. Der ist im Übrigen nichts für jene ist, denen es im Kino hektisch, schnell und blutig zugehen muss. All das ist THE NOONDAY WITCH nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Zensur

 
 
 
THE NOONDAY WITCH bzw. POLEDNICE hat weder Gewalt noch bildliches Grauen zu bieten. Der Horror ist subtiler Natur und entsteht im Kopf des Zuschauers. Demnach könnte der Film sogar eine FSK12 erhalten. Wer sich von der niedrigen Freigabe abgeschreckt fühlt, dürfte aber ein gutes Psychodrama verpassen.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Julie Vrabelová / Barletta Production)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)

Darling (2015)

Dark Circles (2013)

Rosemaries Baby (1968)

The House on Pine Street (2015)

Demon Baby (2014)

Shining (1980)


Filmkritik: „Where the Devil Dwells“ (2014)

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WHERE THE DEVIL DWELLS

Story

 
 
 
Der psychisch kranke Sohn (WALTER PEÑA) eines getöteten Serienmörders wird aus der Anstalt entlassen und darf einem geregelten Leben in den eigenen vier Wänden nachgehen – unter strenger Aufsicht und hohen Sicherheitsauflagen versteht sich. Leider passieren dort bald seltsame Dinge.

 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Kritik

 
 
 
Was hätte das bloß für psychische Auswirkungen auf den Nachwuchs, wenn sich herausstellen würde, dass die Eltern unberechenbare Serienmörder wären und ahnungslose Menschen im Namen Satans abgeschlachtet hätten? Wenn es nach Regisseur MARC-ANDRE SAMSON geht, dann nähmen die finsteren Machenschaften der Eltern maßgeblichen Einfluss auf die psychologische Entwicklung und das Leben der Kinder, die im Erwachsenenalter erhebliche Schwierigkeiten bekommen, sich ohne Weiteres in die Gesellschaft einzugliedern. Just diese These bildetet das Fundament des Psychothrillers WHERE THE DEVIL DWELLS. Der wurde mit einem schmalen Budget von 50.000 US-Dollar gedreht und zeigt mal wieder, dass sich Horror nicht nur durch Mordszenen und Publikums-Erschrecken definiert. MARC-ANDRE SAMSON ist eigentlich bekannt für visuelle Effekte teurer Hollywoodproduktionen wie CABIN IN THE WOODS oder I AM LEGEND. Neuerdings dreht er aber auch selbst Filme – mit bedeutend weniger Budget. Dass das nicht zwangsläufig Schlechtes bedeuten muss, haben schon viele Indie-Produktionen gezeigt. Was zählt sind Ideen und Improvisationstalent. Über beides verfügt WHERE THE DEVIL DWELLS reichlich.
 
 
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In WHERE THE DEVIL DWELLS muss sich Protagonist Lenard Vasquez der Vergangenheit stellen. Er ist der Sohn des verstorbenen Serienkillers Oren „The Butcher“ Vasquez (DAVID O’HARA) und leidet an paranoider Schizophrenie. Nachdem er einen Mann fälschlicherweise als Satanisten bezichtigt und ihn körperlich angreift, wandert er in die Psychiatrie. Nach einiger Zeit wird er entlassen und soll die Reststrafe als Hausarrest in der eigenen Wohnung absitzen. Hierfür wird ihm vom diabolischen Sheriff Don Miller (SCOTT ANTHONY LEET) ein Sensor ans Bein geheftet, der es ihm verbietet, das Grundstück zu verlassen. Doch die Freude über die milde Haftstrafe währt nicht von langer Dauer. Satanistische Symbole pflastern bald den Eingangsbereich des Hauses und geopferte Tiere liegen vor der Tier. Zudem passieren allerhand schaurige Dinge, die sich Lenard nicht erklären kann. Spukt es im Haus oder ist hier jemand zu makabren Scherzen aufgelegt? Die seltsamen Ereignisse verunsichern den psychisch gebeutelten Helden zutiefst. Zunehmend fragt er sich, ob die Streiche nur seinem kranken Geist erscheinen oder tatsächlich passieren. Der Zuschauer wird’s erfahren.
 
 
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Was harmlos beginnt, wird immer verwirrender. Das ist Kern dieses psychologischen Horrorstücks, das sich dank gelegter Fährten und geschickt platzierter Anhaltspunkte ziemlich gekonnt in Manipulation übt. So verschwimmen schon bald die Grenzen von Fiktion und Realität. Üble Scherze, ist der Vater von den Toten auferstanden oder sind die Geschehnisse Manifestation eines kranken Kopfes? Die Antwort wird von Regisseur MARC-ANDRE SAMSON gut gehütet, der erst nach und nach lüftet, was er sich da im Drehbuch clever zusammengekritzelt hat. Das hält den Spannungsbogen konstant und fesselt einen vorm Bildschirm, zumal sein Macher das Verwirrspiel mit allerhand Wendungen und Twists gespickt hat, die sich gegen Ende sogar den Rang ablaufen. Bleibt zu erwähnen, dass man sich vom eher gemächlichen Einstieg nicht abschrecken lassen sollte. Gewinnt WHERE THE DEVIL DWELLS an Fahrt, ist er nicht mehr zu bremsen. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit kleinem Geld, interessante Horrorfilme drehen kann. Mehr davon!
 
 
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WHERE THE DEVIL DWELLS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kleines Budget, aber oho. Raffiniertes Psychospiel mit fiesen Wendungen und tatsächlich überraschender Auflösung. Man sollte sich nicht von den gemächlich erzählten ersten dreißig Minuten dieser gemeinen Charakterstudie abschrecken lassen. WHERE THE DEVIL DWELLS hat einige Asse im Ärmel. Im Film ist Figur Lenard Vasquez in einer Art eigenem Fegefeuer gefangen und wird jeden Tag aufs Neue daran erinnert, was für ein Monster der Vater doch war. Der war einer der bösartigsten Serienkiller des Landes und mit dem Satan im Bunde. Psychisch hat das Spuren beim Sohnemann hinterlassen, der nun mit Medikamenten versucht, das missratene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Leider neigen die sich die Pillen bald dem Ende, was für allerhand Verwirrung bei Zuschauer und Filmheld sorgen wird. WHERE THE DEVIL DWELLS ist ein taktisch gut durchdachtes Verwirrspiel, das seine Trümpfe in den letzten zwanzig Minuten ausspielt. Dort überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum blutigen Showdown. Regisseur MARC-ANDRE SAMSON spielt hier ein makabres Psychospiel und überzeugt auf ganzer Linie. Da will man sich nicht vorstellen, was aus WHERE THE DEVIL DWELLS geworden wäre, wenn millionenschweres Budget zur Verfügung gestanden hätte und die Hauptrolle von Hollywoods A-Prominenz besetzt gewesen wäre. Vielleicht krallt sich die Traumfabrik die Remakerechte. Macher MARC-ANDRE SAMSON könnte da sicherlich vermitteln. Der war nämlich in der Abteilung „Visuelle Effekte“ an manchem Hollywood-Blockbuster beteiligt.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Zensur

 
 
 
WHERE THE DEVIL DWELLS beginnt eigentlich recht harmlos. Erst im Finale geht es kräftig zur Sache. Da werden Hälse aufgeschnitten und von Schusswaffen Gebrauch gemacht. Mit viel Glück gibt es eine FSK16. Eine Erwachsenenfreigabe wäre aber realistischer.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Darling (2015)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Babadook (2014)
 


Filmkritik: „Decay“ (2015)

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DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
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Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
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Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
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DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 


Filmkritik: „Antisocial Behavior“ (2014)

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ANTISOCIAL BEHAVIOR

Story

 
 
 
Joe (Jackson Kuehn) ist ein Einzelgänger und lebt in seiner eigenen Welt. Als ihn sein Kumpel Scott auf eine Party mitnimmt, lernt er dort die reizende Wendy (Mary Elizabeth Boylan) kennen, die sich in den introvertierten Eigenbrötler verliebt. Leider hat der Abend eine unerwartete Wendung zur Folge. Bei einem Trinkspiel wird Joe mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich längst in seinem Unterbewusstsein vergraben hatte …
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Kritik

 
 
 
Schlafende Hunde soll man bekanntlich nicht wecken – zumindest wäre Joe einiges an Qual erspart geblieben, hätte er auf einer Party nicht dieses äußerst dumme Trinkspiel gespielt, bei dem er von seinen Mitspielern gefragt wurde, was denn wohl das Schrecklichste gewesen sei, was er bis dato getan habe. Prompt geschieht das, womit wohl niemand gerechnet hat: Der introvertierte Einzelgänger wird von quälenden Visionen heimgesucht, erleidet einen Blackout und rastet vollkommen aus. ANTISOCIAL BEHAVIOR nennt sich das Psychogramm eines verwirrten, jungen Mannes, der ganz unvorbereitet mit unterdrückten Kindheitserinnerungen konfrontiert wird, die jahrelang im Unterbewusstsein schlummerten. Der bis dato noch unauffällige KENNETH GUERTIN hat hier einen schwer verdaulichen Streifen gemacht, den man nicht mal so nebenbei sieht. Anders als der günstig gewerkelte Filmtrailer vermuten lässt, handelt es sich bei ANTISOCIAL BEHAVIOR nicht um banal gestrickte Horrorware von der Stange. Regisseur KENNETH GUERTIN will sich von üblichen Serienkiller-Streifen abheben und beschäftigt sich nicht mit dem dümmlichen Abmetzeln stereotyper Holzköpfe. Stattdessen ergründet er Indikatoren, die dazu führen, dass der Filmheld letztendlich Rot sehen wird. Wieder mal ist es ein Trauma, dass den Filmheld zu Kindstagen hat fürchterliche Qualen erleben lassen. Der wird dazu genötigt die Vergewaltigung an der Mutter und den Mord an der Familie beizuwohnen. Im Schockzustand richtet er eine Waffe auf den Täter und feuert ab. In den meisten Horrorfilmen muss ein solches Ereignis als Alibifunktion ausreichen, damit das traumatisierte Opfer später zur kaltschnäuzigen Killermaschine mutieren darf. GUERTIN ist das nicht wichtig. Er geht einen anderen, gründlicheren Weg und folgt seiner Filmfigur bei ihrer sich selbst zerstörenden Entwicklung, die von surrealen Visionen zermürbt bald nicht mehr unterscheiden kann, was allein der kranken Psyche entspringt oder tatsächlich passiert. Ebenso ergeht es dem Zuschauer. Der begleitet eine bemitleidenswerte Kreatur auf der Suche nach ihrer selbst. Getrieben von grotesken Halluzinationen verschwimmen am Ende die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, so dass es unausweichlich ist, dass sich das hasserfüllte Opfer zum Täter verwandelt, um dem angestauten Zorn freien Lauf lassen zu können. Dass die jahrelang im Unterbewusstsein manifestierte Wut ausgerechnet jene Person zu spüren bekommt, die dem Helden trotz Eigenheiten stets zur Seite stand, wirkt aufgrund der verdrängten Vorgeschichte der zerrütteten Filmfigur, wie ein Schlag ins Gesicht.
 
GUERTIN ist raffiniert. Just in jenem Moment, bei dem die gründlich analysierte Geschichte ihren Höhepunkt erreicht und Joe eine Metamorphose zum unfreiwilligen Killer durchlebt, flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das offene Ende liefert zwar nur vage Antworten, hinterlässt aber genügend Raum für mögliche Interpretationen. ANTISOCIAL BEHAVIOR wurde auf 35mm gedreht und besitzt mit all den verschiedenen Farbfiltern, Schnitttechniken und Kameraspielereien ohne Zweifel Experimentalfilm-Charakter. Zwar war wie bei Indie-Werken üblich, mal wieder kaum Geld in der Kasse; aufgrund der beschränkt finanziellen Möglichkeiten ist das, was GUERTIN daraus gemacht hat über jeden Zweifel erhaben. Einen großen Teil des Lobs ist jedoch Schauspieler JACKSON KUEHN zu verdanken, der den Antihelden derart glaubhaft und ambitioniert verkörpert, dass man ihn für seine hervorragende Leistung nur beglückwünschen kann. Schnell fühlt sich der Zuschauer mit Joe und seiner einsamen Welt verbunden, aus der er offensichtlich keinen Ausweg mehr findet. Für Indie-Verhältnisse leidet man erstaunlich oft mit – den talentierten Darstellern und dem gut durchdachten Drehbuch sei Dank.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandios finsterer Thriller und ein Paradebeispiel in Sachen psychologischer Horror. ANTISOCIAL BEHAVIOR zeigt erneut eindrucksvoll, dass unabhängige Filmkonzepte weit weg vom konventionellen Hollywood die besseren sind. Regisseur KENNETH GUERTIN lässt für sein neustes Schaffen ein Sammelsurium surrealer Bilder auf den Zuschauer los und vermischt Traumabewältigungs-Thematik mit reichlich skurril-phantastischen Filmelementen. Hierbei bedient er sich sogar dem Körper-Horror (Antiheld Joe erbricht im Film lebende Tumore) für den vermutlich selbst Altmeister und Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE) nur lobende Worte finden dürfte. Dennoch sollte man eine beflügelte Interpretationsgabe besitzen, denn GUERTIN verzichtet auf Antworten, die er dem Zuschauer auf dem Silbertablett serviert. Trotz magerer Antworten ist ANTISOCIAL BEHAVOIR ein interessanter und durchaus sehenswerter Thriller, der sich mit der Serienkiller-Problematik auf gänzlich unkonventionelle Weise beschäftigt. Statt dünnwandiges Slasher-Gemetzel zu zelebrieren betrachtet GUERTIN stattdessen psychologische Mechanismen, welche aus Menschen Mörder machen. Dank gutem Drehbuch und einem hervorragenden Hauptdarsteller bleibt die kontroverse Thematik bis zum bitteren Ende interessant. Daher: Ein empfehlenswerter Film, den man trotz gewöhnungsbedürftigem Indie-Look gesehen haben sollte.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Zensur

 
 
 
ANTISOCIAL BEHAVIOR ist eher psychologischer Horror, der ruhig und eindringlich geschildert wird. Bis auf einen herben Kopfschuss gibt es kaum Gewalt zu sehen. Wir rechnen mit FSK16 in Deutschland.
 
 
 


 
 
 

ANTISOCIAL BEHAVIOR – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)