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Beiträge mit Schlagwort “Psychopath

Filmkritik: „Dismissed“ (2017)

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DISMISSED

Story

 
 
 

Eine beunruhigende Unterrichtsstunde in Sachen Psychoterror: Ein Englischlehrer gerät an einen Schüler des Grauens. Der entpuppt sich als heimtückischer Psychopath und macht den Unterricht zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Kritik

 
 
 
Wenn uns das Horrorgenre ein was gelehrt hat, dann ist das die Vorsicht vor ungewöhnlich gut erzogenen Kindern und Jugendlichen. In der Regel stimmt da irgendwas nicht. Vieler derer sind nämlich gar nicht so wohlerzogen, wie man es von ihnen erwartet, denn oft schlummert hinter der Fassade vermeintlich höflicher Kids gern mal das abgrundtief Böse. Bereits Regisseur RICHARD DONNER hat das in den 1976ern erkannt. Der brachte mit DAS OMEN einen wegweisenden Kassenschlager in die Kinos und machte darin einen kleinen Jungen zum Handlanger des Teufels bei dem wegen des unschuldig dreinschauenden Gesichts niemand wahrhaben wollte, dass in ihm das Böse haust. Ähnliches Thema ist auch im folgenden DISMISSED Programm. Der mag zwar nicht im Okkult-Fach beheimatet sein, ist aber mindestens genauso beunruhigend. Auch hier will man nicht glauben, dass in einem vorbildlichen Schüler das Böse in Menschengestalt lebt. Für den unberechenbaren Psychotrip zeichnet ein Newcomer verantwortlich. Regisseur BENJAMIN ARFMANN feiert mit dem Thriller DISMISSED sein Langfilmdebüt. Zuvor arbeitete er ausschließlich an Kurzfilmen und einigen Folgen weniger bekannter Vorabendserien. Nun probiert er sich an etwas Größerem aus, das sich zweifelsohne sehen lassen kann. DISMISSED ist ein schnörkelloser Psychothriller mit starken Schauspielern und straffer Inszenierung. Wer demnach seine Nerven strapazieren lassen möchte, darf gern einen Blick wagen.
 
 
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Englischlehrer David Butler (KENT OSBORNE) zweifelt an seinem Lehrer-Dasein. Die Schüler arbeiten im Unterricht nicht mit und auch sonst will sich niemand in seinen Lehrstunden einbringen. Ist er etwa kein guter Lehrer? Da kommt plötzlich ein neuer Schüler an die Schule und belehrt eines Besseren. Lucas (eher bekannt aus Disney-Produktionen: DYLAN SPROUSE) heißt der Vorzeigeschüler, der sich zu benehmen weiß, hervorragend Schach spielt und Interesse am Unterricht zeigt. Das lässt nicht nur Mitschüler erstaunen. Auch Mr. Butler ist über den Unterrichtseinsatz und den Fähigkeiten des Neulings verblüfft. Er freundet sich mit seinem neuen Schüler an und verbringt auch sonst ungewöhnlich viel Zeit mit dem Teenager. Doch der ist nicht so fehlerfrei wie anfangs vermutet. Perfektionist Lucas hat nämlich auch noch ein zweites Gesicht und das ist alles andere als freundlich. Als der für eine Hausarbeit nicht die erhoffte gute Note erhält, ist Schluss mit nett. Er beginnt seinen Lehrer zu terrorisieren und macht ihm das Leben alles andere als einfach. Schüler sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Früh übt sich, wer ein Psychopath werden will. DISMISSED ist einer dieser Psychothriller, die das Grauen langsam heraufbeschwören und den Zuschauer schnell dort packen, wo es ihm am meisten wehtut. Lehrer David Butler wird hier in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Musterschüler Lucas besitzt nämlich die Gabe der Manipulation und will für eine schlechte Note dem Lehrer eine Lektion erteilen. Der hat schnell die halbe Schule auf seiner Seite. Die glaubt dem Jugendlichen bald mehr, als dessen Lehrkörper. Das wirkt zwar teilweise etwas sehr konstruiert und unglaubwürdig, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Spannungsschrauben werden in DISMISSED minütlich fester gezogen, weil sich Psychopath Lucas immer perfidere Methoden einfallen lässt, um das Leben seines Englischlehrers zu ruinieren. Der versucht einen Ausweg aus der Misere zu finden und recherchiert. Natürlich will ihm niemand Glauben schenken. Doch er findet Anhaltspunkte darüber, dass der neue Schüler bereits an der alten High School ähnliches Spiel mit einem anderen Lehrer gespielt hat.
 
 
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Die Geschichte von DISMISSED ist nicht neu und auch der Verlauf der Geschichte ist nach gleichem Muster gestrickt, wie die der vielen anderen Filme in denen sich scheinbar friedliebende Menschen als Psychopathen entpuppen. Dennoch ist DISMISSED deshalb nicht zwangsläufig schlecht. Regisseur BENJAMIN ARFMANN hat für seinen Film zwei hervorragende Schauspieler gefunden, die sich ein bitteres Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Hierbei glänzt vor allem Jungdarsteller DYLAN SPROUSE, der eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem jungen LEONARDO DICAPRIO besitzt und mit Engelsgesicht fasziniert, aber auch böse kann. Da werden Erinnerungen an Filme wie EMELIE, MIKEY, ORPHAN oder DAS ZWEITE GESICHT wach. Auch dort versteckte sich das Böse hinter Engelsaugen, das man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Gott sei Dank gab es in diesen Filmen für die unartigen Kinder am Ende eine Lektion. Ob eine Bestrafung auch auf den geistig verwirrten Bengel in DISMISSED wartet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist, dass der hier vorgestellte Psychothriller – trotz kleinem Budget – millionenschweren und starbesetzten Thrillern souverän die Stirn bietet. DISMISSED ist sehenswert. Da kann man nicht meckern. Hoch lebe das Indie-Horrorkino.
 
 


 
 
 

DISMISSED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Böse Taten für gute Noten: Spannender Psychothriller mit unberechenbarem Bösewicht, der eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Erpressen besitzt. DISMISSED ist ein kleiner Film mit wenig Budget. Das sieht man dem Psychothriller aber zu keiner Minute an. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Der Film wird von seinen hervorragenden Darstellern getragen, die mit gutem Schauspiel überzeugen können. Das macht schon was her, denn was nützen die klügsten Geschichten, wenn die Darsteller schlecht sind. Dank gutem Schauspiel vergisst man schnell die überschaubare Handlung, die nach gleicher Rezeptur für Psychothriller gemixt wurde, wie unzählige Streifen zuvor. Wieder mal wird ein vermeintlich liebenswerter Teenager als skrupelloser Psychopath entlarvt. Das erinnert an so Filme wie FEAR oder HOUSE AT THE END OF THE STREET. Überraschung gibt es wenige. Trotzdem funktioniert der Film hervorragend, weil Regisseur BENJAMIN ARFMANN kaum Längen zulässt. Wer demzufolge eine Schwäche für solche Filme besitzt, wird gut unterhalten werden. Trotz bekanntem Verlauf ist DISMISSED erstaunlich kurzweilig geraten. Unterhaltsame Filme sind eben alles. Kann man sich bedenkenlos auf seine Filmliste setzen.
 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Zensur

 
 
 
DISMISSED ist ein Psychothriller. Dementsprechend liegt der Fokus in erster Linie auf psychologischen Horror. Ein Mädchen stürzt vom Dach der Schule und im Schulunterricht wird ein Schüler durch eine Explosion im Chemieunterricht verletzt. Am Ende gibt es noch einen Mord zu sehen, der aber im Off zelebriert wird. Der Zuschauer bekommt dort nur das Ergebnis zu Gesicht. DISMISSED ist ein klarer FSK16-Kandidat.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei BoulderLight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
The Stepfather (1987)
 

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Filmkritik: „Like.Share.Follow.“ (2017)

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LIKE.SHARE.FOLLOW.

Story

 
 
 

Eine Stalkerin macht einem YouTube-Star das Leben zur Hölle, weil der ihre Liebe nicht erwidern will. Dank dem Internet beschafft sie sich alle Informationen über das Objekt ihrer Begierde und richtet damit Chaos an.

 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Kritik

 
 
 
Jeder kennt es, jeder nutzt es – aber niemand scheint einsehen zu wollen, dass das Internet auch Schattenseiten besitzt. Im Zuge der Anonymität können nämlich hier Menschen Schindluder treiben, für das sie oft nicht mal belangt werden können. Dabei sind es vor allem die sozialen Netzwerke, die in den letzten Jahren zum Tummelplatz zwielichter Gestalten geworden sind. Hier wird beleidigt, gemobbt oder manipuliert, was sich oft für Opfer zu einem nichtendenden Albtraum entwickelt. Die können zwar die Leitung kappen, aber so dem Horror nicht immer entkommen. Nicht selten geht der Albtraum in der Offline-Welt weiter, weil das Internet mittlerweile so forangeschritten ist, dass es alle Bereiche des „richtigen“ Lebens beeinflusst. Demzufolge sollte man Vorsicht walten lassen, welche intimen Details man über sich im Internet verbreitet. Es gibt immer Menschen, die derart sensible Informationen missbrauchen, um sie für eigene Zwecke zu verwenden. Leider kommen die Warnungen für den Protagonisten des folgenden Spielfilms zu spät. Cybermobbing und seine Folgen sind in diesem Thriller Programm. Der nennt sich LIKE.SHARE.FOLLOW und zeigt erschreckend, was passieren kann, wenn die Möglichkeiten des Internets in die Hände psychisch labiler Menschen geraten.
 
 
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Dass Gefahren im Internet lauern, müssen auch erfolgreiche Youtuber einsehen. Garrett (KEIYNAN LONSDALE) macht sein Leben zum viralen Erlebnis und hat damit schon zwei Millionen Menschen erreicht, die ihm tagtäglich auf seinem YouTube-Kanal folgen. Der Erfolg spült zwar Geld in die Kasse, hat aber auch negative Seiten. Ein hartnäckiger Fan (EMA HORVATH) empfindet nämlich mehr für den Internetstar. Michelle heißt die Gute und hat offenbar nicht alle Latten am Zaun. Sie findet einen Weg ins Leben des YouTube-Junkies und macht ihm dort das Leben zu Hölle. Erst landet sie mit dem begehrten Junggesellen im Bett. Als der von ihren Stalker-Qualitäten Wind bekommt und logischerweise nichts mehr mit der jungen Dame zu tun haben möchte, zeigt Michelle jedoch ihr wahres Gesicht. Sie betreibt Cybermobbing, stellt dem Objekt ihrer Begierde nach und schreckt auch nicht davor zurück, Angehörige der YouTube-Berühmtheit in Gefahr zu bringen. Da stellt sich schnell die Frage, ob es nicht besser wäre, den Stecker zu ziehen und Offline zu gehen. Doch Internetabstinenz macht den gestörten Fan nur wütender. Der hat pikante Videos und Bilder seines Opfers und stellt diese ins Internet, um dessen Ruf zu zerstören. Was folgt ist eine Lektion in Sachen bewusster Umgang mit dem Internet, denn was man dort leichtfertig veröffentlicht, kann erschreckende Konsequenzen haben.
 
 
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Die Leute hinter BLUMHOUSE PRODUCTION wissen, wonach es dem Kommerzpublikum dürstet. Die Produktionschmiede ist dafür bekannt, simpel gestrickten und auf Hochglanz polierten Mainstream-Horror für die breite Masse in Arbeit zu geben, der nicht überfordert – aber unterhält. Auch bei LIKE.SHARE.FOLLOW hatte das Produktionsstudio seine Finger mit im Spiel, was zumindest auf kurzweilige Unterhaltung hoffen lässt. Die wird definitiv geboten, denn der hier vorgestellte Psychothriller reiht sich souverän in die Schlange ähnlich gestrickter Stalker-Streifen wie SWIMFAN, MISERY oder EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE ein und hebt dabei sogar noch mahnend den Zeigefinger. Regisseur und Drehbuchschreiber GLENN GERS versucht eindringlich vor der unüberlegten Nutzung des Internets zu warnen, wo nicht immer Gefahren eingeschätzt werden, die durch leichtsinnigen Gebrauch auf Social-Media-Plattformen entstehen. So macht Protagonist Garrett sein Leben transparent. Der gibt im Netz zu viel von sich preis und macht sich dadurch angreifbar. Das Resultat ist Cybermobbing in seiner ganzen Form gegen das selbst Gesetzeshüter im Film nichts unternehmen können, weil Grenzen zwischen Recht und Unrecht nicht eindeutig erkennbar sind. Demzufolge sind die Geschehnisse in LIKE.SHARE.FOLLOW nicht weit hergeholt – wenngleich der Film im Finale dann doch etwas zwanghaft in die Horrorschublade gepresst wird. Dort wird nach blutigen Lösungen gesucht, um den Stalker-Spuk ein Ende bereiten zu können. Etwas zu einfach, weil im Grunde genommen so die meisten Filme mit Stalker-Problematik beendet werden. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, wenn man den Film weniger konsequent abgeschlossen und nach unkonventionellen Lösungen gesucht hätte. Der nicht unspannend inszenierte LIKE.SHARE.FOLLOW wäre so vermutlich aus der Masse an Stalker-Thrillern hervorgestochen. Dennoch ist der Psychothriller weit weg von schlecht. Kann man sich durchaus mal ansehen.
 
 
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LIKE.SHARE.FOLLOW. – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sehenswerter Psychothriller, der sich einem bedachteren Umgang mit dem Internet wünscht. Schöne neue, aber auch gefährliche Welt. Wie bedrohlich das Internet tatsächlich ist, zeigt LIKE.SHARE.FOLLOW mehr als deutlich. Social-Media-Plattformen und egozentrische Nutzer werden hier an den Pranger gestellt. Von Letzteren gibt es immer mehr. Die verkaufen sprichwörtlich das eigene Leben, um mit Selbstinszenierung und Selbstbeweihräucherung möglichst viele Likes und ausreichend Anerkennung im Netz abstauben zu können. Virale Leichtfertigkeit ist jedoch nicht folgenfrei. So führt LIKE.SHARE.FOLLOW vor Augen, welche unerwartete Folgen grenzenlose Naivität, Unachtsamkeit und Geltungssucht haben können. Der Streifen beginnt harmlos. Doch der Ton ändert sich schon bald, denn schnell verwandelt sich das erheiternde Treiben in schonungslosen Psychoterror für den man gute Darsteller ausgewählt hat. Hier fällt vor allem Schauspielerin EMA HORVATH auf. Die macht zwar in ihrer Rolle den Anschein, als könne sie keiner Fliege etwas zu Leide tun, ist sie jedoch einmal in Fahrt, möchte man der von ihr gespielten Stalkerin Michelle besser nicht im Dunkeln begegnen. Da zeigt sich mal wieder, wie wichtig Schauspieler sind, die auch was können. Die beiden hervorragend gewählten Protagonisten tragen den Psychothriller beinahe allein und lassen die übrigen Darsteller verblassen. Wegen des guten Schauspiels schaut man doch gern über das klischeehafte Ende und einer unpassenden Pointe vorm Abspann hinweg. Letztere ist – trotz zynischem Unterton – vollkommen überflüssig.
 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Zensur

 
 
 
LIKE.SHARE.FOLLOW. hat kaum Gewalt zu bieten. Der Film ist eher im Psychofach beheimatet und schwört Horror auf psychologischem Wege herauf. Erst am Ende fließt etwas Blut. Ein Messer wird in einen Körper gestochen und ein Kaminhaken wird zweckentfremdet. Hierzulande dürfte der Film problemlos eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Filmclip

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Blumhouse Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Boy Next Door (2015)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Come Back to Me (2014)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
The Roommate (2011)
 
Misery (1990)
 
One Hour Foto (2002)
 


Filmkritik: „Dead Body“ (2017)

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DEAD BODY

Story

 
 
 

Neun Teenager feiern im Wald, wobei es für die meisten derer die wohl letzte Party werden wird, weil ein Killer ihnen nach dem Leben trachtet.

 
 
 


 
 
 

DEAD BODY – Kritik

 
 
 
Neues Horrorfutter für Slasher-Fans. Das Schlitzer-Genre hat sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert und ließ eher durch möglichst harte Tötungsmomente (LAID TO REST oder WOLF CREEK) von sich hören. Neuerungen? Fehlanzeige! Stattdessen fuhr man sich fest und zeigte Horror-Regisseur WES CRAVEN den Stinkefinger, der in den 1990ern mit dem Meta-Horror SCREAM – SCHREI! dem allmählich in die Jahre gekommenen Slasher-Genre neues Leben einhauchte und genanntem Filmgattung so ein Comeback ermöglichte. Leider sind seither auch schon wieder einige Jährchen ins Land verstrichen, ohne dass es aus der Slasher-Ecke nennenswerte Filme ins Kino geschafft haben, die sich in die Hirne der Zuschauer einbrennen konnten. Der folgende DEAD BODY macht da freilich keine Ausnahme, entpuppt sich aber als solide Regiearbeit, mit der Horrorfilm-Nerds durchaus zufrieden sein können. Regisseurin BOBBIN RAMSEY erfindet das Rad nicht neu. Dennoch hält die Newcomerin den Zuschauer mit verwirrenden Wendungen in Schach, damit möglichst lang die Identität des Filmkillers verborgen werden kann, der in solchen Filmen meist maskiert ahnungslose Menschen abschlachtet. Alles wie immer eben – aber immerhin besser als die üblichen Verdächtigen.
 
 
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In DEAD BODY geht es neun High-School-Absolventen an die Gedärme. Die treffen sich alle in einer idyllischen Waldhütte, um den Schulabschluss zu feiern. Für einige derer ist es nicht mehr lang, bis das Uni-Leben startet. Deswegen soll noch einmal die Sau herausgelassen werden, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Damit die Party so richtig in Gang kommen kann, will man ein Spiel spielen. Das lautet DEAD BODY und stellt die Weichen für ein tödliches Katz-und-Mausspiel, das am Ende nur wenige überleben werden. Der Grund ist ganz einfach. Unter den Freunden befindet sich auch jemand, der es so gar nicht gut mit dem Rest der Bande meint. Er maskiert sein Gesicht und lebt Mordgelüste aus. Die bekommen auch bald die übrigen Teenager zu spüren, die bald ums Überleben bangen müssen. Einer nach dem anderen verliert auf grausame Weise sein Leben. Doch, wer unter den Freunden ist der Killer? Die Antwort darauf gibt es erst am Ende. Ansonsten hält sich DEAD BODY mit dem Erzählen seiner Geschichte am gängigen Aufbau von Slasher-Filmen.
 
 
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Blutige Morde: Check. Falsche Fährten und voreilige Verdächtigungen: Check. Ein Final-Girl, das den Killer am Ende in die Schranken weist: Check. Nein, DEAD BODY ist keinesfalls originell und will es offensichtlich auch gar nicht sein. Dennoch besitzt der Streifen Unterhaltungswert, weil es Regisseurin BOBBIN RAMSEY in der zweiten Filmhälfte gelingt so etwas wie Spannung aufzubauen. Dabei ganz förderlich: die lichtarme Kulisse in der erstaunlich professionell geschlachtet und geschrien wird. DEAD BODY schaut für Indie-Verhältnisse ganz ordentlich aus und macht Lust auf mehr, wobei zur Abwechslung auch die Schauspieler was können. Die verkörpern zwar auch hier austauschbare Stereotypen, haben aber offensichtlich schon einmal eine Schauspielschule von Innen gesehen. Das soll viel heißen, sieht man doch in solcher Art von Filmen nicht selten Statisten von der Straße, die sich für geringe Gagen mehr schlecht als recht um Kopf und Kragen kreischen. Dass für DEAD BODY ausgebildete Darsteller vor der Kamera standen, scheint übrigens kein Zufall zu sein. Filmemacherin BOBBIN RAMSEY ist nämlich Theater-Regisseurin und hat die Rollen ihres ersten Spielfilms mit Theaterschauspielern besetzt. Eine lobenswerte Geste, die mal wieder eindrucksvoll zeigt, dass selbst austauschbare Horrorfilme mit professionellen Darstellern manch sinnfreies Drehbuch vergessen lassen. Letzteres hat übrigens reichlich bei SCREAM kopiert. Das umfangreiche und nicht ungeschickte Verwirrspiel um die Identität des Killers gleicht in seiner Machart dem besagten Kult-Slasher aus der Feder des in den 1990ern viel gelobten KEVIN WILLIAMS. Demzufolge ein gefundenes Fressen für Slasher-Fans. Kann man mal gucken.
 
 


 
 
 

DEAD BODY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Keine Slasher-Granate, dafür aber solide Horrorunterhaltung für Leute, deren Herz für diese Art von Filmen schlägt. Man macht nichts falsch, wenn man sich DEAD BODY anschaut. Der Film kann nämlich deutlich mehr, als die üblichen Low-Budget-Gurken ähnlicher Machart. Was hier passiert und wie es ausgehen wird, ist im Grunde genommen bekannt. Wie Filmemacherin BOBBIN RAMSEY aber den bekannten Ablauf inszeniert hat, kann sich sehen lassen. Die verwirrt nämlich den Zuschauer mit immer neuen Verdächtigungen und lässt immer dann Protagonisten über die Klinge springen, wenn man sich doch sicher war, dass es sich bei jenen um den Killer handeln muss. Die Suche nach dem Bösewicht wird so zum nicht uninteressanten Horror-Krimi, der im Übrigen ein paar ziemlich zeigefreudige Morde besitzt. Genau das Passende für hungrige Slasher-Fans, die nicht genug von 1990er Teen-Horror bekommen können, der in jenem Jahrzehnt ein kleines Revival erlebt hat.
 
 
 


 
 
 

DEAD BODY – Zensur

 
 
 
Wie für einen Slasher üblich, gibt es auch in DEAD BODY einige Gewaltmomente zu sehen. Köpfe werden abgetrennt, mehrmals auf Körper eingeschlagen und ein Protagonist wird erdrosselt. Nicht immer hält die Kamera drauf. Dennoch werden viele Morde ziemlich lang im Off zelebriert, weshalb sie dann doch sehr hart anzuschauen sind. Hierzulande könnte DEAD BODY einen FSK16 erhalten. Dennoch sind die Entscheidungen der Zensurbehörde nicht immer leicht zu durchschauen. Es könnte mit etwas Pech auch eine Erwachsenenfreigabe mit rotem FSK-Flatschen werden.

 
 
 


 
 
 

DEAD BODY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Terror Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
And Then There Were None (2015)
 
Chill: The Killing Games (2013)
 
Alle Mörder sind schon da (1985)
 
Ab in die Ewigkeit (1981)
 
Die Horror-Party (1986)
 


Filmkritik: „Compulsión“ (2017)

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COMPULSIÓN

Story

 
 
 

Eine Ehefrau findet heraus, dass der eigene Gatte ein brutales Doppelleben führt.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Kritik

 
 
 
ÁLEX DE LA IGLESIA, JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA – alles namhafte Größen im spanischen Horror-Genre, die wegen herausragendem Gruselfutter auch außerhalb der Landesgrenzen Fans gefunden haben und auch gern mal Filme drehen, die sich nicht zwingend an Konventionen modernen Horrorkinos orientieren. Zu jener Gruppe einflussreicher Filmemacher gesellt sich nun ein weiterer ambitionierter Regisseur dessen Karriere man unbedingt im Auge behalten sollte. Der Grund hierfür: COMPULSIÓN. Mit seinem nicht zimperlichen Spielfilmdebüt hat ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ gleich mal ins Schwarze getroffen und einen Geheimtipp gedreht, der auf den wenigen Festivals gut ankam, auf denen er bisher gezeigt wurde. So lobten Publikum wie Kritiker den wortkargen Inszenierungsstil und die dadurch resultierende Hochspannung mit der es der spanischen Indie-Produktion gelingt den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Das können wir von FILMCHECKER bestätigen. Viel gesprochen wird in COMPULSIÓN freilich nicht. Der Thriller lebt von seinen ungemütlichen Bildern und von der Ungewissheit seiner Hauptdarstellerin. Die bleibt – übrigens wie der Zuschauer – lang im Ungewissen darüber, was in COMPULSIÓN wirklich im Argen liegt. ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ dreht an der Spannungsschraube und steuert auf ein ungemütliches Finale zu, in dem mal wieder der Geschlechterkampf zum Thema gemacht wird. Der kürzlich hier besprochene HOUNDS OF LOVE lässt grüßen.
 
 
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Die Filmheldin (MARINA ESTEVE) von COMPULSIÓN hat schon seit längerer Zeit Albträume. Die sind nicht unbegründet, quält schon seit Tagen ein Verdacht, der die Beziehung der Eheleute ins Wanken bringt. Gatte Robert (PACO MANZANEDO) ist nämlich verdächtig viel unterwegs, kommt meist spät von der Arbeit und führt des Öfteren geheimnisvolle Telefonate, die Misstrauen schüren. Ist hier etwa ein Ehebrecher am Werk? Um das herauszufinden wird die Liebste zur Privatdetektivin und stellt dem Mann nach. Recherchen führen zu einem abgelegenen Haus, in dem schlimme Dinge passieren. Offenbar frönt Robert perversen Neigungen von denen niemand wissen darf. Kein guter Tag für die besorgte Ehefrau. Die erlebt einen der schlimmsten Tage ihres Lebens und zweifelt bald daran ihren Gatten je gekannt zu haben.
 
 
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Das hier soll Low-Budget sein? Der gerade einmal in zehn Tagen gedrehte COMPULSIÓN schaut für Indie-Verhältnisse bemerkenswert professionell aus und wurde von der Produktionsfirma SCHOCK FILMS produziert, die Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ zusammen mit JOSÉ PASTOR gegründet hat. Der erste Spielfilm aus genannter Produktionsschmiede hält sich nicht lang mit Nebensächlichkeiten oder gar Hintergründe auf. Stattdessen wird der Zuschauer gleich ins Geschehen geworfen und direkt mit dem Holzhammer konfrontiert. Lang gefackelt wird nicht. Ungemütliche Stimmung und Schockwirkung wird über ungeschönte Bilder transportiert, die wegen Dialogarmut gern mal an alte Stummfilme erinnern und den Zuschauer schnell da treffen, wo es besonders wehtut. Doch der raue visuelle Einschlag kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Informationen im Internet Glauben, zählen koreanische Thriller und klassische Terrorfilme zu den Haupteinflüssen der Arbeit des spanischen Regie-Newcomers. Letztere haben definitiv Spuren hinterlassen, erinnert COMPULSIÓN doch gern mal an das harte Exploitation-Kino der 1970er, in dem es weder Tabus noch Grenzen gab. Filmemacher ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ hat scheinbar viele Vertreter genannten Subgenres studiert. Mit einfachen Mitteln bewirkt er schnell eine Atmosphäre schonungslosen Unbehagens und zeigt mit fiesen Gewaltakten, dass er die raue Sprache genannter Filmgattung tadellos beherrscht. COMPULSIÓN fordert nicht nur Figuren im Film psychisch. Auch dem Zuschauer gehen bald die Geschehnisse durch Mark und Bein. Das ist aufgrund des überschaubaren Budgets eine Glanzleistung vor der man seinen Hut ziehen sollte. Deshalb darf man gespannt darauf sein, was der Spanier in Zukunft fabrizieren wird. Im Horrorgenre zumindest fühlt sich ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ offensichtlich wohl. Weitere Horrorstreifen sind nämlich schon in Planung. Ob die dann auch das Nervenkostüm des Zuschauers überstrapazieren werden? Man kann es nur hoffen.
 
 
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COMPULSIÓN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn der Gatte ein blutiges Doppelleben führt, wird es ultraspannend, kompromisslos und hart. COMPULSIÓN ist ein kleines Horror-Juwel aus Spanien, der aus wenig viel macht. Mit überschaubaren Mitteln hat hier Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ eine ungemütliche Geschichte verfilmt, die an schonungslose Exploitation-Kracher der 1970er erinnert. Trotz Spielfilmdebüt beweist der spanische Newcomer ein talentiertes Händchen für Spannungsbau und Schockwirkung. Grundvoraussetzung für Horror, der im Gedächtnis bleibt. COMPULSIÓN ist ein Survival-Thriller, der vermutlich auch wegen seiner kurzen Laufzeit kaum Längen besitzt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der spanische Genre-Beitrag ist packend, hart und gut gespielt. Ob da jemand in die gleichen Fußstapfen treten wird, wie mach bekannter Filmemacher aus Frankreich? Einige derer haben in den 2000ern harte Terrorfilme gemacht und drehen seither erfolgreich Schocker für den amerikanischen Filmmarkt. Auch ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ besitzt gute Voraussetzungen, um bald mit mehr Geld krude Horrorfilme drehen zu können. Der nicht minder kontroverse COMPULSIÓN ist zumindest schon mal ein überzeugender Anfang.
 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Zensur

 
 
 
Die Gewaltmomente in COMPULSIÓN sind verstörend. Dennoch wird häufig weggeblendet und man bekommt in späteren Einstellungen das Resultat der Gewaltausbrüche zu sehen. Höhepunkt ist zweifelsohne eine Szene in der ein Schwangerschaftstest in ein Auge gestochen wird. Hierzulande reicht der gebotene Gewaltrausch für eine FSK16 – insofern man COMPULSIÓN hierzulande veröffentlichen wird.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Schock Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hounds of Love (2016)
 
A Good Marriage (2014)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 


Filmkritik: „Better Watch Out“ (2016)

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BETTER WATCH OUT

(SAFE NEIGHBORHOOD)

Story

 
 
 

Eine Babysitterin (OLIVIA DEJONGE aus SCARE CAMPAIGN) erlebt ausgerechnet vor Weihnachten den Horror auf Erden.

 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Kritik

 
 
 
Auch im Horrorfilm passieren manchmal Dinge, die selbst eingefleischte Fans nicht kommen sehen. Da gibt es immer noch Filmemacher, die kreativ sein wollen und es anders machen wollen, als die anderen. Eine lobenswerte Geste, haben vor allem Horrorfans immer wieder das Nachsehen, weil ihnen die ständig gleichen Geschichten von gelangweilten Filmmenschen aufgetischt werden. Denen ist eigentlich nur wichtig, was sich damit verdienen lässt und wie sie mit geringem Aufwand den maximalen Reibach machen können. Überraschenderweise scheint das nicht unbedingt für die Horrorkomödie BETTER WATCH OUT zuzutreffen. Die kommt mal wieder aus Australien, wo neuerdings Grusel-Geheimtipps am Fließband produziert werden. Offenbar kennt man dort die Formel für innovativen Horror den Fans dieses Genre sehen wollen. Der kommt von dort seit Jahren abwechslungsreich, gruselig und vor allem kreativ ins Heimkino. Gott segne Australien.
 
 
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Dass BETTER WATCH OUT eigentlich nur gut werden konnte, war gewissermaßen abzusehen. Hinter der rabenschwarz-bissigen Horrorkomödie steckt nämlich jemand, der vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt hat. CHRIS PECKOVER startete seine Filmkarriere mit dem unerträglich harten und zu Recht kontroversen Thriller UNDOCUMENTED, der leider bis heute keinen Rechteinhaber in Deutschland gefunden hat. Angesichts der dort gezeigten Grausamkeiten verwundert das schon, entstand doch der Film zu einer Zeit in der es Mode war möglichst harten Gewaltnonsens auf Zelluloid zu bannen. In BETTER WATCH OUT wird aber ein Gang zurückgefahren. Gewalt gibt es hier zwar auch zu sehen. Diese wurde aber mit zynischer Note versehen, so dass auch ungeübte Zuschauer am etwas anderen Weihnachtsfest teilnehmen dürfen, ohne gleich vergrault zu werden. Dennoch offensichtlich: Hier muss ein Fanboy am Werk gewesen sein. BETTER WATCH OUT erinnert unschwer an die Filmstreiche von Satansbraten Kevin, der in den KEVIN ALLEIN ZU HAUS-Filmen bösen Menschen mit kindlicher Unbeschwertheit die Leviten liest. Scheinbar haben die Lausbubengeschichten so Eindruck hinterlassen, dass Regisseur CHRIS PECKOVER nacheifert. Das ist aber nichts, was man ankreiden müsste.
 
 
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Gleiches Konzept wie oben genannter Kultfilm aus den 1990ern verfolgt auch der zweite Spielfilm von Regisseur CHRIS PECKOVER, wenngleich das Treiben hier definitiv nicht für Kinder geeignet ist. In BETTER WATCH OUT – der sich im Original übrigens SAFE NEIGHBORHOOD schimpft – soll sich Babysitterin Ashley um den zwölfjährigen Schüler Luke kümmern. Es ist Weihnachtszeit und die Eltern des Jungen wollen sich einen schönen Abend machen. Eine gute Gelegenheit für die attraktive Ashley, um schnelles Geld zu verdienen. Doch die Gute ahnt nichts von den Plänen ihres Schützlings. Der will dem Kindermädchen seine Liebe gestehen, ist er doch schon seit Monaten in die junge Frau verliebt. Leider hat die Babysitterin keine Zeit für Kinderkram. Die hat Stress mit ihrem Freund und versucht die Wogen zu glätten. Das gefällt dem pubertierenden Verehrer gar nicht. Gemeinsam mit Kumpel Garrett versucht er das Herz der Angebeteten zu gewinnen. Doch da klopft es an der Tür und schemenhafte Schatten geistern ums Heim. Will da etwa jemand Spiele spielen? Den jungen Leuten im Haus zumindest wird angst und bange. Ob man sich zu wehren weiß? Filmfans müssen sich auf etwas gefasst machen, denn dieser Abend endet anders als erwartet.
 
 
Jene, die sich den Filmspaß nicht verderben lassen wollen, sollten zum Fazit springen. Was folgt sind nämlich Spoiler, die einen Teil der wendungsreichen Handlung verraten.
 
 
Der australische BETTER WATCH OUT lockt mit irreführendem Trailer. Was dort beinahe im Stile eines KEVIN ALLEIN ZU HAUS übertrieben schwarzhumorig zum Kauf animieren will, ist im fertigen Film dann doch mehr Ernst als Spaß. Regisseur CHRIS PECKOVER will sich abheben. Der Zuschauer bekommt hier nicht das zu sehen, was er erwartet. So ändert der Film nach knapp zwanzig Minuten seine Richtung. Statt dem Fan austauschbares Slasher-Futter aufzutischen in dem ein Babysitter von maskierten Irren terrorisiert wird, versteckt sich der Psychopath diesmal hinter engelsgleichen Augen. Das hat man nicht kommen sehen, denn Dank falscher Fährten bleibt lang verborgen, wohin die Reise wirklich gehen wird. Glanzstück dieses unvorhersehbaren Weihnachts-Horrors ist zweifelsohne Jungdarsteller LEVI MILLER. Der macht es dem ehemaligen Kinderstar MACAULY CULKIN gleich. Was nur die wenigsten wissen: Der damals noch umworbene Jungschauspieler versuchte in den 1990ern auch mal eine andere Seite zu zeigen. Im Psychothriller DAS ZWEITE GESICHT wagte er einen Versuch, das ihm auferlegte Kinderstar-Image abzulegen. Das Resultat war ein solider Horrorthriller bei dem Culkin bewies, dass er zur Abwechslung auch „böse“ kann.
 
 
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In dessen Fußstapfen tritt nun auch der erwähnte LEVI MILLER. Der zeigt in BETTER WATCH OUT locker-flockig, dass er eigentlich gar nicht nett ist, wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Die von ihm verkörperte Filmfigur Luke entpuppt sich im Verlauf dieses Horrorstreifens als das Böse in Menschengestalt. Der unschuldig dreinschauende Antiheld handelt manipulativ und skrupellos, wobei nachvollziehbare Beweggründe anfangs fern bleiben. Das ist auch schon eines der wenigen Mankos, des ansonsten tadellos inszenierten Psychothrillers. Sonderlich schlau wird man aus der Verwandlung vom Engel zum Teufel bis kurz vor Ende nicht. Luke radiert aus Liebe zu Babysitterin Ashley Konkurrenten aus und verschleiert am Ende Spuren, in dem er seine grauenvollen Taten anderen in die Schuhe schieben will. Doch er hat auch noch etwas anderes im Sinn. Er vermisst die Umarmungen der Mutter. Seit die ausbleiben, kann er nicht mehr in Ruhe schlafen. Demzufolge plant er ein Verbrechen, um die Herzlichkeiten der Mutter zurückerobern zu können. Wie er seinen Plan verfolgt ist dabei nicht immer logisch. Aber sind wir doch ehrlich: BETTER WATCH OUT ist eben auch nur ein Horrorfilm mit Hang zum Polarisieren und Schockieren.
 
 
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Letzteres gelingt ganz gut. Je näher man sich der Zielgerade nähert, umso öfters bleibt das Lachen im Halse stecken. Der anfangs eingeschlagene Humor verliert nämlich schnell seine Wirkung, je kompromissloser der Film voranschreitet. Der Minipsychopath schreckt bald nicht mehr vor Mord zurück und lässt sich perfide Tötungsarten einfallen. Die werden zwar schwarzhumorig zelebriert. Wirklich lustig wirkt das grausame Treiben aber irgendwann nicht mehr – vermutlich auch, weil es befremdlich ist zu sehen, dass es Kindern Spaß bereitet zu morden. Immerhin bekommt der Nachwuchskiller am Ende sein Fett weg. Eine Genugtuung für den Zuschauer, der dem Bengel für sein unverfrorenes Verhalten dann doch gern mal die Ohren langziehen möchte. Spätestens hier sieht man mal wieder, wie wichtig gutes Schauspiel für einen Film ist. Hauptdarsteller LEVI MILLER (im wahren Leben Model) schafft es trotz kontroverser Rolle Eindruck zu hinterlassen. Etwas, das selbst alteingesessenen Erwachsenendarstellern nicht immer gelingt. Vor so einer Glanzleistung kann man schon mal den Hut ziehen. Chapeau!
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Bitterböse Weihnachts-Horror bei dem das Lachen im Halse stecken bleibt je näher der Streifen seinem Ende entgegenfiebert. BETTER WATCH OUT hat zwei Asse im Ärmel. Das eine ist sein unschuldig dreinschauender Antiheld. Das andere ist die Geschichte selbst, die sogar erfahrene Allesseher mit unvorhersehbarer Wendung vor den Kopf stößt. Um sich den Überraschungsmoment nicht verderben zu lassen, wäre es angebracht so wenig über den Film zu lesen, wie möglich. Der geht nämlich vollkommen andere Wege, wie es der Trailer zum Film dem Zuschauer vorgaukeln will. Leider verdirbt jeder Spoiler den Spaß. Demzufolge halten wir uns diesmal mit Details im Fazit bedeckt und empfehlen die ausführliche Kritik erst nach dem Filmgenuss zu lesen. Fakt ist, dass BETTER WATCH OUT endlich mal wieder frischen Wind in das eingerostete Horrorgenre bringt. Der Film macht technisch alles richtig und schaut nach Kinoproduktion aus. Weil auch die Schauspieler ihre Sache gut machen, kann man sich nach den vielen schnell und günstig gedrehten Low-Budget-Gurken der letzten Monate endlich mal wieder zurücklehnen und genießen. Aber: Wer über derbe Späße nicht lachen kann, ist bei BETTER WATCH OUT an der falschen Adresse. Die Horrorkomödie besitzt einen sonderbaren Humor, der vermutlich nicht jedem Filmfan zusagen dürfte. Denn auch wenn der Trailer leichten Comic-Humor im Schlage eines KEVIN ALLEIN ZU HAUS vermuten lässt, hat es dieser Horrortipp faustdick hinter den Ohren. BETTER WATCH OUT ist zwar ein Weihnachtsfilm, aber definitiv nichts für Kinder.
 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Zensur

 
 
 
Es gibt einige Gewaltmomente zu sehen, bei den meisten wird aber nur angedeutet oder sie passieren im Off. Daher dürfte der Streifen hierzulande ohne Probleme eine FSK16 erhalten. BETTER WATCH OUT wird im Januar 2018 über Constantin Film veröffentlicht.

 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale (2012)
 
Mikey (1992)
 
Kevin – Allein zu Haus (1990)
 
Kevin – Allein in New York (1992)
 
Tötet Mrs. Tingle! (1998)
 


Filmkritik: „Leatherface“ (2017)

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LEATHERFACE

Story

 
 
 

LEATHERFACE erweitert die Vorgeschichte des kultigen Horrorfilms TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Darin wird dem Zuschauer erklärt, wie sich der kleine Jed Sawyer in das bestialische Monster Leatherface verwandelt.

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Kritik

 
 
 
Und wieder wird eine Ikone des modernen Horrorfilms entmystifiziert. Was bereits mit dem unaufhaltsamen Monstrum MICHAEL MEYERS aus HALLOWEEN und der heimtückischen Kreatur aus ALIEN wenig eindrucksvoll fürs Kino aufbereitet wurde, muss nun auch Filmkiller LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE über sich ergehen lassen. Dessen Jugendjahre werden nun ausführlich von den französischen Regisseuren JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO unter die Lupe genommen, die sich seit dem kontroversen Terrorhit INSIDE mit deftigem Gewalthorror gut auskennen. Leider zeigt sich im Falle von LEATHERFACE mal wieder, dass die Qualität von Horrorfilmen durch möglichst lang und häufig zelebrierte Gewalt nicht unbedingt gesteigert wird. LEATHERFACE hat davon zwar reichlich; blickt man aber tiefer bekommt man das kalte Grausen. Da fragt man sich doch glatt, was die beiden Filmemacher für ein Drehbuch gelesen haben. Schenkt man nämlich Interviews Glauben, war das französische Regie-Duo so angetan von der Vorgeschichte, dass sie es kaum erwarten konnten den Film zu drehen. Offenbar hat man da wohl ein anderes Drehbuch in den Händen gehabt. Was man nämlich mit LEATHERFACE auf Zelluloid gebannt hat, ist weit weg von gut. Ob da wohl das Produktionsstudio Einfluss gehabt und die Visionen der Filmemacher zunichte gemacht hat? Angesichts der verspäteten Veröffentlichung und einem gestrichenen Kino-Release kann man davon ausgehen, dass man vom fertigen Produkt nicht sonderlich überzeugt gewesen ist.
 
 
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LEATHERFACE entführt den Zuschauer nach Texas. Im Jahr 1955 feiert dort der kleine Jed Sawyer seinen Geburtstag und wird von der Familie zum ersten Mord mit einer Kettensäge angestiftet. Weil der Junge noch unbeholfen agiert, muss Opa nachhelfen. Doch es kommt noch schlimmer. Wochen später kommt es in einer Scheune zu einem folgenschweren Vorfall. Die Tochter von Texas Ranger Hal Hartman (STEPHEN DORFF) wird dort vom gewissenlosen Nachwuchs der Kannibalenfamilie bestialisch ermordet, so dass der Vater des Opfers Rache schwört. Was folgt, ist für die heranwachsenden Jed Sawyer kein Zuckerschlecken. Weil Mutter Verna in ihrer Erziehung versagt hat, wird ihr der Sohn weggenommen und in ein Sanatorium für Problemkinder gesteckt. Zehn Jahre später ist Jed Sawyer zu einem attraktiven Mann herangewachsen. Nun fordert Mutter Verna mit Hilfe eines Anwalts Besuchsrecht ein. Dies wird ihr verständlicherweise verwehrt, was das Familienoberhaupt aber nicht davon abhält den Sohn auf eigene Faust in der Anlage zu suchen. Kein guter Tag für die Angestellten der Einrichtung. Weil die Mutter des berüchtigten Sawyer-Clans bei Ihrer Suche nach dem Sohnemann gegen jegliche Sicherheitsauflagen verstößt, bricht in der Klinik das Chaos aus. Es kommt zu einer Revolte der inhaftierten Jugendlichen, die letztendlich fliehen können. Darunter auch: Jed Sawyer.
 
 
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Wer LEATHERFACE folgen möchte, muss zwingend den Verstand ausschalten. Was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD nämlich hier zu Papier gebracht hat, ist jenseits von Gut und Böse. Entweder hat der gute Mann nicht legale Substanzen geraucht oder sich den Verstand mit Alkohol benebelt. Anders lässt sich der intelligenzhemmende Blödsinn nicht erklären, der dem Zuschauer nun mit LEATHERFACE zugemutet wird. Hier wird auf Biegen und Brechen nach Erklärungen gesucht, die erläutern sollen wie es dazu kam, dass der mit Menschenhaut maskierte Killer aus dem von TOBE HOOPER geschaffenen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Universum zur unberechenbaren Bestie wurde. Das Resultat ist haarsträubend. Wohl auch deshalb, weil es reichlich konstruiert und unglaubwürdig ist – Logiklöcher und Plotungereimtheiten gibt es inklusive. Statt das Hauptaugenmerk auf den Filmhelden und dessen Verwandlung zu richten, stehen Nebenfiguren im Mittelpunkt. Die sind dafür da, um die Geschehnisse im Blut zu ersäufen. Generell ist Gewalt hier – wer hätte auch etwas anderes erwartet – der eigentliche Star des Films. Bereits in der Neuverfilmung zum Terrorklassiker von 2003 wurden dazu erste Weichen gestellt. So bekam das Kettensägen-Franchise durch Regisseur MARCUS NISPEL nicht nur einen neuen, düsteren Anstrich, auch hinsichtlich Gewalt wurde groß aufgefahren, was Zensurwächter schlaflose Nächte bereitete. Die hatten auch mit dem neusten Ableger der Reihe so gar keinen Spaß. In Deutschland musste daher zur Schere gegriffen werden und das nicht ohne Grund, denn LEATHERFACE strotzt nur vor zwanghaft eingestreuter Gewaltausbrüche, die generell den Anschein machen, als müsste man der nach Blut lechzenden Fangemeinde irgendwie gerecht werden. So bietet jede noch so banale Situation kontroversen Zündstoff. Da fliehen gewaltbereite Jugendliche aus einer psychiatrischen Anstalt und verstecken sich in einem leerstehenden Wohnwagen. Dort finden sie die verweste Überreste des Besitzers jener Unterkunft. Weil das allein nicht ausreicht, um zu schockieren, musste nachgeholfen werden. Deshalb müssen zwei der Teenager die modernden Knochen der Leiche in ihre Sexspiele mit einbeziehen. Ein Sinn dahinter bleibt verborgen. Freunde fragwürdiger Exploitation und Gewaltfans wird’s dennoch freuen.
 
 
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Unterm Strich ist LEATHERFACE nichts, das Nachdruck verleiht. Der Film ist grob und hart. Darüber hinaus bleibt aber nichts im Gedächtnis hängen, das sich von ähnlichen Streifen dieser Art abheben könnte. Weil der eigentliche Antiheld des Films im Zuge dummer Gewaltausbrüche verblasst ist dieser Brutalo-Blödsinn eine herbe Enttäuschung für jene, die mit den mehr oder weniger gelungenen Fortsetzungen des TEXAS CHAINSAW MASSACRE aufgewachsen sind. Dennoch wird das vermutlich kein Grund sein, weitere Ableger folgen zu lassen. Die werden mit Sicherheit kommen – ob man es will oder nicht.
 
 
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LEATHERFACE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Haarsträubendes Blut-Chaos wirr erzählt. Mit LEATHERACE bekleckern sich die Franzosen JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO nicht gerade mit Ruhm. Der Film beginnt als Psychiatriethriller, verwandelt sich anschließend zum blutigen Roadmovie und findet erst in den letzten Minuten zu eigentlicher Stärke zurück, durch die das TEXAS CHAINSAW MASSACRE bekannt geworden ist. Die Verwandlung von LEATHERFACE zum unberechenbaren Monster ist unglaubhaft und auch nicht gerade ausführlich. Der Grund: hier stehen andere Figuren im Mittelpunkt und der eigentliche Filmheld kommt zu kurz. Statt sich von bekannten Pfaden zu distanzieren und wirklich mal die Jugendjahre des Serienkillers und dessen moralischen Abstieg zu beleuchten, setzt der Film erst mit der Volljährigkeit des Kettensägenmörders ein und überschlägt sich mit sinnloser Gewalt. Was bleibt ist ein unnötiges Sequel, das eigentlich niemand braucht und Fans der Reihe vor den Kopf stößt. Letztere werden gerade wegen unglaubhafter Erklärungsversuche so ziemlich enttäuscht über das sein, was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD mit der geliebten „Lederfresse“ angestellt hat. Manchmal ist es eben besser, wenn man das Analysieren von Filmmonster unterlässt damit ihnen nicht der Schrecken geraubt wird.
 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Zensur

 
 
 
Die Bildsprache in LEATHERFACE ist hart. Das sahen auch die Prüfer der FSK so. LEATHERFACE musste vom Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN geschnitten werden. Die bald erhältliche deutsche Kaufhausfassung ist demnach geschnitten. Aber Liebhaber filmischer Grausamkeiten dürfen sich freuen. TURBINE MEDIEN wird die ungeschnittene Fassung vertreiben.

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)
 
Texas Chainsaw 3D (2013)
 
Drifter (2016)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 


Filmkritik: „Clowntergeist“ (2017)

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CLOWNTERGEIST

Story

 
 
 

Eine Studentin wird von einem heimtückischen Killer-Clown namens Ribcage terrorisiert. Doch die weiß sich zu wehren – was anderes hätte man von dieser Gattung Film auch nicht erwartet.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Kritik

 
 
 
Solche Heuler wie CLOWNTERGEIST werden nicht einfach zufällig gedreht. Dahinter steckt Kalkül – vor allem dann, wenn Filme mit ähnlichem Thema Kinokassen klingeln lassen. Die Neuverfilmung des Stephen King-Klassikers ES dürfte ausschlaggebender Punkt gewesen sein, warum dieser Streifen überhaupt das Licht der Welt erblicken durfte. In Fachkreisen bezeichnet man daher solche Filme wie CLOWNTERGEIST als Mockbuster, die nur deshalb entstehen, um im Fahrwasser anderer erfolgreicher Machwerke schnelles Geld verdienen zu können. Keine unkluge Entscheidung von Regisseur AARON MIRTES. Der will mit der Angst vor gemein grinsenden Spaßmachern Kasse machen und springt auf dem Clown-Horror-Trend auf, der seit dem Herbst 2017 wieder in aller Munde ist. Trotz Marketingmasche ist interessant, wie es überhaupt zum Film kam. Die Idee wurde bereits 2012 geboren. Da war der Filmemacher noch in der High School und sollte für die Theaterklasse eine Geschichte vor Publikum erzählen, die ihn bereits das ganze Leben beunruhigt. So berichtete der phantasiebegabte Schüler von einer schaurigen Legende über eine mysteriöse Clown-Statue, die ihn seit Kindertagen keine Ruhe ließ. Die Geschichte kam gut an und man sprach Mirtes Mut zu, doch den Stoff als Film auf die Leinwand zu bringen. Gesagt getan. Im selben Jahr entstand unter dem Titel THE CLOWN STATUE ein Kurzfilm des Regisseurs. Weil der Fünfminüter Lob erhielt, griff der Filmemacher die Idee mehrere Jahre später erneut auf und machte daraus einen abendfüllenden Spielfilm, denn er pünktlich zum Kinostart des Stephen King-Horror ES unter dem Titel CLOWNTERGEIST in die Händlerregale brachte. Wenn das mal kein Zufall ist.
 
 
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Von Ballons, die den Tod voraussagen und Killer-Clowns, die ganz schön nerven können. In CLOWNTERGEIST wird die taffe Emma (BRITTANY BELLAND) mit Ängsten konfrontiert. Die leidet an Coulrophobie und hat eine panische Angst vor Clowns. Nicht unbegründet, wie der Film beweist, in dem sie die erste Geige spielt. Die Studentin wird nämlich in Träumen von einem bösartigen Killer verfolgt, der auch bald im richtigen Leben alle Regeln des Terrorisierens beherrscht. So entdeckt die Heldin Ballons auf denen ihr Todesdatum vermerkt ist. Zwei Tage hat sich nun Zeit ihrem tödlichen Schicksal zu entkommen, denn die fiese Kreatur aus ihren Träumen macht nun auch im richtigen Leben jagt auf die Studierende. Gut, dass sie einige Freunde hat, die sich um das Wohl der Verfolgten sorgen machen. Die lernen auch bald den bösartigen Verfolger kennen und müssen um ihr Leben bangen. Wie sich herausstellt ist der Killer von dämonischen Kräften besessen und hat große Ziele. Von denen erfährt der Zuschauer erst am Ende von CLOWNTERGEIST. Sonderlich erbaulich sind die aber nicht, denn die Geschichte dieses seltsamen Streifens macht nicht viel Sinn.  
 
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Übel, was mittlerweile alles unter dem Begriff Horror verkauft wird. Hier stimmt einfach gar nichts. CLOWNTERGEIST ist ein Schnarcher vor dem Herrn und hat weder roten Faden noch Spannung zu bieten. In diesem Fall haben einschlägige Filmportale recht. Liest man nämlich Bewertungen auf der internationalen Filmdatenbank IMDB zum Streifen, dürfte sich manch flaues Gefühl im Bauch bewahrheiten. Das Poster zu CLOWNTERGEIST wurde nämlich verdächtig reißerisch in Szene gesetzt. Erfahrene Horror-Gucker wissen, dass das in der Regel nichts Gutes verheißt, denn sehenswerte Horrorfilm müssen nicht mit plakativen Werbebildchen um die Gunst der Horrorgemeinde buhlen. CLOWNTERGEIST ist Horror im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht, weil der Film so unvorstellbar gruselig oder brutal ist. Vielmehr ist CLOWNTERGEIST Horror pur, weil er den Zuschauer vor Langeweile lähmt und sich damit auch noch unverschämt viel Zeit lässt. Der Streifen entpuppt sich als unstimmige Abfolge von Szenen, die so gar keine Spannung aufkommen lassen wollen. Immer wieder werden hier Menschen von einem dämonisch besessenen Clown terrorisiert, der im späteren Verlauf allmählich zu nerven beginnt. Die Kreatur taucht plötzlich in allen erdenklichen Situationen verschiedener Protagonisten auf und erschreckt mit roten Luftballons und komischen Visionen. Das mag sich beim Lesen vermutlich schaurig anhören, ist aber weder gruselig noch furchteinflößend. Stattdessen pendelt CLOWNTERGEIST unentschlossen zwischen Geister-Horror und Serienkiller-Genre und lässt den Zuschauer fordernd vor der Glotze zurück. Letzter verlangt nach Erklärungen, muss sich dazu aber bis zum Finale quälen in dem dann eine haarsträubende Auflösung über die Mattscheibe flimmert. Oh man, als Horrorfan muss man schon eine dicke Haut haben, um das ertragen zu können, was unerfahrene Filmemacher einem regelmäßig zumuten.
 
 
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CLOWNTERGEIST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final

 
 
 
CLOWNTERGEIST ist undurchdachtes Horrorkino, das man am liebsten wieder aus dem Gedächtnis streichen möchte. Dabei ist das Hauptproblem dieses Clown-Horrors die Geschichte selbst, der es zu keiner Minute gelingt das Interesse des Zuschauers für sich zu beanspruchen. Der Film plätschert behäbig vor sich hin und versucht Schrecken mit plakativen Schreckmomenten zu erzeugen. Leider scheitert das Vorhaben, weil der Film einfach nicht spannend werden will und das obwohl Regisseur AARON MIRTES vehement versucht Gruselstimmung mit Neonlichtern, Synthesizer-Klängen und gelegentlichem Nebeleinsatz zu bewirken. Unterm Strich werden ausgelutschte Horrorklischees und bald nicht mehr ertragbare Wiederholungen geboten. Trotz kurzer Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten war man schon nach eine halben Stunde ratlos, wie man die Geschichte fortführen soll. Daher werden immer gleiche Szeneverläufe nacheinander abgespult, um auf Spielfilmlänge zu kommen. So gewinnt man den Zuschauer leider nicht für sich. Die haarsträubende Auflösung tut da ihr Übriges. Finger weg von diesem Unsinn.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Zensur

 
 
 
Nicht nur der Film ist ein Schnarcher – CLOWNTERGEIST ist auch hinsichtlich gezeigter Gewalt ein Gähner. Viel gibt es davon nicht zu sehen. Die härteste Szene reduziert sich auf einen Luftballon in dem die pürierten Überreste eines Hundes gefüllt wurden. Diese soll die Filmheldin unter Zwang essen. Parallelen zu einer Szene aus NIGHTMARE ON ELM STREET 5 sind da vermutlich nur rein zufällig. Hierzulande dürfte CLOWNTERGEIST ohne Probleme eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTERGEIST – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stitches – Böser Clown! ( 2012)
 
Killer Holiday (2013)
 
A Nightmare in Elm Street (1984)
 
ClownTown (2016)
 
Play: Tödliches Spiel (2014)
 
Traumdämon – Dream Demon (1988)
 
The Drownsman (2014)
 


Filmkritik: „Ryde“ (2016)

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RYDE

Story

 
 
 

Wenn der Tod am Steuer sitzt. Ein Serienkiller ist als Taxifahrer in Los Angeles unterwegs und ermordet Menschen.

 
 
 


 
 
 

RYDE – Kritik

 
 
 
Spätestens seit HITCHER – DER HIGHWAY KLLER wissen Horrorfans, dass man besser dreimal überlegt zu Fremden ins Auto zu steigen. Hier kann schon gern mal jemand sitzen, der es mit seinen Fahrgästen nicht sonderlich gut meint. Leider ist diese mahnende Botschaft immer noch nicht bei Protagonisten in Horrorfilmen vorgedrungen. Die krabbeln nicht selten leichtfertig auf Rückbänke und wundern sich dann, wenn sie von Polizisten in Teilen zerhackt aus Straßengräben gefischt werden. Natürlich wird im folgenden RYDE keine Ausnahme gemacht. Auch hier vertrauen ahnungslose Menschen vermeintlich hilfsbereiten Taxifahrern und werden dafür mit dem Tod bestraft. Das kommt vermutlich bei Fans fürs Grobe gut an. Der Hauptdarsteller geht nämlich nicht zimperlich vor und macht auch gern mal von Schlagringen Gebrauch, um seinen Opfern den Kopf zu zermatschen. Regisseur BRIAN FRANK VISCIGLIA hat sich die Geschichte vom Gewaltrausch eines Serienkillers ausgedacht und mit RYDE seinen ersten Langfilm fabriziert. Bei dem hat der Newcomer Regie geführt und gleichzeitig mit am Drehbuch geschrieben. Visuell wurde ganze Arbeit geleistet, denn das Resultat schaut ganz ordentlich aus. Dennoch bekommt man das kalte Grausen, wenn man sieht, was hier verbrochen wurde. Die Geschichte ist rudimentär und zielt auf niedere Instinkte ab. Wer mehr erwartet als plakative Gewalt und dumme Figuren, ist bei RYDE an der falschen Adresse.
 
 
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Handlanger des Sensenmanns. Im Film RYDE nutzt ein Serienkiller eine neumodische Taxi-App aus, um so leichter Opfer zu finden, die er um die Ecke bringen kann. Interessierte können mit ihrem Smartphone eine Fahrt buchen und werden zum Wunschziel chauffiert. Das nutzt Paul (DAVID MACHS) aus, der im Film offenbar einen Hass gegenüber Menschen hegt und möglichst viele von ihnen meucheln will. Er tötet den Fahrer einer der Taxis und nimmt dessen Position ein. Was folgt, kann sich der Zuschauer ausmalen. Killer Paul düst durch die Nacht und befördert Gäste direkt ins Jenseits. Aber auch Serienmörder geraten irgendwann mal an ihren Meister. Den findet Paul in der schwangeren Jasmine (JESSICA SERFATY aus V/H/S – VIRAL). Die ist schön und schlau dazu, denn schnell wittert die attraktive Kundin, die wahren Ambitionen ihres nicht minder attraktiven Chauffeurs. Der scheint von seinem neuen Fahrgast fasziniert zu sein. Leider vergisst Paul bei Annäherungsversuchen sein wahres Gesicht zu verbergen und stößt bei Baggerarbeiten auf Granit. Die Liebe ist halt kein einfaches Spiel.
 
 
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RYDE ist Schmarn, denn irgendwie will nicht so recht einleuchten, was uns Regisseur BRIAN FRANK VISCIGLIA mit seinem ersten Langfilm sagen will. Hier bleibt weitestgehend unklar, warum ein Killer Menschen tötet. Handelt es sich um die Lust am Töten, ist es Rache an der Menschheit oder hat der Mörder in RYDE einfach nur einen an der Klatsche. Sonderlich viel erfährt der Zuschauer nicht über den Antagonist, obwohl er vom Publikum auf Schritt und Tritt bei seiner Arbeit begleitet wird. Macher VISCIGLIA verzichtet gänzlich darauf seine Hauptfigur zu studieren. Das macht das Treiben austauschbar und den Horrorthriller nicht sonderlich spannend. Protagonist Paul schlachtet unsympathische Fahrgäste ab und lässt das Publikum an seinen Gewaltausbrüchen teilhaben. Eine interessante Geschichte mit Charakterstudie gibt es nicht. Offenbar war man ausschließlich darum bestrebt Schauwerte zu bieten. Die gibt es hier zuhauf und werden auch noch lang zelebriert. Angesichts ähnlich gestrickten Filme wie ALEXANDRE AJAS MANIAC, SIMON KILLER oder THE BOY irgendwie enttäuschend. Genannte Thriller nahmen sich Zeit um die Psyche kranker Serienmörder ausführlich zu erforschen. Tiefgang lässt RYDE hingegen missen und ist daher verschwendete Zeit!
 
 

 
 


 
 
 

RYDE – Fazit

 
 
 

4 Punkte Final

 
 
 
Handwerklich Top – inhaltlich ein Flop. Beliebiger Serienkiller-Streifen, der irgendwie kaum Sinn ergibt. Hier steigen wahllos Menschen in ein Taxi, die dann wenig später vom Fahrer reißerisch um die Ecke gebracht werden. Eine Geschichte mit Tiefgang, Charakterentwicklung oder gar Spannung gibt es nicht. Stattdessen werden Zuschauer von Mord zu Mord getrieben und bekommen dabei zu sehen, was Drehbuchschreiber auf Papier kritzeln, wenn sie keine Ideen besitzen. Herzstück von RYDE sind nämlich dessen Morde. Mit mehr kann der Thriller leider nicht glänzen. Überflüssiger Blödsinn, der Zeit für das Schauen von besseren Filmen raubt.
 
 
 


 
 
 

RYDE – Zensur

 
 
 
RYDE ist sehr zeigefreudig und kaltschnäuzig. Die Morde werden zudem lang zelebriert. Ein Gesicht wird mit einem Schlagring so lang „bearbeitet“, bis der Kopf sich vom Körper löst. Es wird mit einem Draht ein Mann erwürgt. Weiterhin werden Köpfe zertreten und mit Messern so lange in Körper gerammt, bis das Opfer an seinen Qualen verendet. RYDE dürfte hierzulande nur für ein Erwachsenenpublikum freigegeben werden: keine Jungendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

RYDE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Vega Entertainment | Ryde Film LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Simon Killer (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
I Saw the Devil (2010)
 
The Hitcher (2007)
 
The Hitcher (1986)
 


Filmkritik: „Jackals“ (2017)

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JACKALS

Story

 
 
 

Ein Film, dessen Handlung angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll – aber natürlich! Der spielt im Amerika der 1980er, wo eine Familie von einer Sekte terrorisiert wird.

 
 
 


 
 
 

JACKALS – Kritik

 
 
 
Killer, die mit Tiermasken verhüllt Menschen in einem abgelegenen Haus terrorisieren. Das muss freilich eine Fortsetzung zum Horrorthriller YOU’RE NEXT sein, der 2011 auf Filmfestivals gefeiert wurde und sich durch blutige Splatter-Einlagen einen Namen machen konnte. Was aber auf den ersten Blick den Anschein eines weiteren Ablegers besagtem Gewalt-Trips macht, ist bei genauerer Betrachtung ein ganz anderer Film – wenngleich nicht unbedingt besser. KEVIN GREUTERT tobt sich hier aus. Der konnte sich bereits als Regisseur mit Filmen wie JESSABELLE, SAW 6 und dem dreidimensionalen SAW 7 im Horror-Genre einen Namen machen. Mit JACKALS führt er die Liste an stimmungsvollen Horrorstreifen fort und macht es dabei THE STRANGERS gleich – einem Home-Invasion-Schocker von 2008 bei dem er damals noch am Schnittpult gesessen hatte. Darin wurde ein Pärchen von Fremden terrorisiert, die am Ende ihr Leben lassen musste. Ähnlich läuft auch die Handlung von JACKALS ab, der das Home-Invasion-Genre nicht revolutioniert. Statt frischer Ideen wird Standardkost abgeliefert, die kaum Überraschungen zu bieten hat. Angesichts vieler namhafter Horrorstreifen an denen Filmemacher KEVIN GREUTERT beteiligt gewesen ist, enttäuscht der abgelieferte Kinoalbtraum. Bevor GREUTERT nämlich als Regisseur für Angst und Schrecken sorgte, war er als Cutter für viele bekannte Horrorfilme im Einsatz. Darunter: SAW 1-5, THE COLLECTION und dem Mystery-Grusler VISIONS. Bei so umfangreichem Portfolio hat man große Erwartungen.
 
 
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Die Handlung von JACKALS ist übersichtlich und nicht sonderlich neu. Eine Familie macht sich Sorgen. Sohn Justin (BEN SULLIVAN) ist in die Fänge einer mysteriösen Sekte geraten, von der man im Film leider kaum etwas erfährt. Darum hat man jemand kontaktiert, der sich mit so etwas auskennt. Jimmy Levine (STEPHEN DORFF) ist Sekten-Kenner und soll die Gehirnwäsche des manipulierten Sohnemanns rückgängig machen. Er entführt den Mittzwanziger und bringt ihn ins Haus seiner Familie. Dort beteuert das Entführungsopfer niemand der Anwesenden zu kennen und gibt sich als jemand anderes zu erkennen. Das hat auch seinen Grund, denn bald schleichen unheimliche Gestalten übers Grundstück, die sich Tiermasken ums Gesicht gebunden haben und den Entführten zurückholen wollen. Doch so schnell gibt man nicht auf. Man fordert das Böse zum Kampf heraus und gibt sich siegessicher. Leider versammeln sich immer mehr Fremde vorm Haus, die langsam keine Lust mehr haben Spiele zu spielen.
 
 
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HALLOWEEN lässt grüßen. JACKALS kopiert nämlich die Eingangssequenz des legendären Kultklassikers aus der Mache von JOHN CARPENTER und lässt einen Killer durch ein Haus schleichen, während das Szenario aus der Sicht des Mörders protokolliert wird. Der bringt hinterlistig seine Familie um die Ecke und streift sich am Ende eine Tiermaske über das Gesicht. Doch der Prolog in dem ein Sektenmitglied die Lieben ermordet ist nur Irreführung. JACKALS ist nicht im Slasher-Genre beheimatet. Hier gibt es Home-Invasion-Schauer von der Stange zu sehen, der zwar durchaus atmosphärisch groß auffährt, aber im Grunde genommen wie jeder Film genanntem Subgenres abläuft. Killer wollen Unschuldige töten – Opfer dagegen überleben. Leider endet die Flucht aus dem umzingelten Heim im Desaster, denn die maskierten Mörder sind überall und lassen kaum Zeit für Spielchen zu. Weil Opfer in Panik seltsam handeln, ist der Ausgang klar. JACKALS wird zum „Du-bist-der-Nächste“-Reigen bei dem nach und nach alle Filmhelden ihr Leben lassen müssen. Ein weitaus fairer Überlebenskampf mit unerwarteten Wendungen hätte diesen Zu-Hause-Horror weitaus spannender gestaltet. So ist JACKALS nur Dutzendware, die man sich an einem verregneten Herbstsonntag in den Player schiebt. Aufgrund beliebiger Inszenierung dürfte sich aber Tage nach Sichtung wohl kaum noch ein Zuschauer an diesen Horrorstreifen erinnern können. Manchmal ist es eben besser, wenn man den Grips anstrengt und sich Geschichten ausdenkt, die so auf der Mattscheibe noch nicht zu sehen waren.
 
 
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JACKALS – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
THE STRANGERS meets YOU’RE NEXT. Solider Horrorthriller – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wäre JACKALS in jener Zeit entstanden, zu der der Film spielt, wäre der Home-Invasion-Schocker vermutlich ein Kassenschlager geworden. Leider kommt JACKALS knapp 30 Jahre zu spät und kann mit seiner Terror-Thematik bei Horrorfans nur ein müdes Lächeln entlocken. Der Grund: Mittlerweile sind einfach zu viele Filme über Mattscheiben geflimmert in denen Psychopathen Familien in den eigenen vier Wänden terrorisiert haben. Weil JACKALS auch noch haargenau so abläuft wie die meisten Streifen dieser Art, bleibt Schock-Potenzial aus. Schnellen Herzschlag kann dieser Psychothriller kaum bewirken – dazu ist er zu vorhersehbar. Demzufolge besser noch einmal jenen Streifen in den Player legen vor dem sich JACKALS offensichtlich verbeugt: THE STRANGERS. Der ist trotz überschaubarer Handlung wirklich sehr unangenehm – auch heute noch.
 
 
 


 
 
 

JACKALS – Zensur

 
 
 
JACKALS hält sich mit Gewalt erstaunlich zurück. In Anbetracht dessen, dass Regisseur KEVIN GREUTERT mit SAW 6 und 7 recht harte Horror-Vertreter ins Kino gebracht hat, ist das was JACKALS zeigt Kinderfasching. Hände werden angezündet, Bauch und Hälse aufgeschlitzt. Zudem wird mit spitzen Stichwaffen in Körper eingestochen. Man darf von einer FSK16 ausgehen.
 
 
 


 
 
 

JACKALS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei TAP Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
You’re Next (2011)
 
Wolves at the Door (2016)
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 
Home Sweet Home (2013)
 
Funny Games (1997)
 


Filmkritik: „The Ice Cream Truck“ (2017)

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THE ICE CREAM TRUCK

Story

 
 
 

Like Ice in the Sunshine – oder – Der süße Tod. Ein Mörder lockt mit erfrischenden Köstlichkeiten und tötet dann rücksichtslos. Manchmal ist es eben besser, wenn man von Fremden nichts Süßes annimmt.

 
 
 


 
 
 

THE ICE CREAM TRUCK – Kritik

 
 
 
Horrorfilme sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. In den vielen Jahren, in denen wir bereits diese Webseite betreuen, sind uns schon so einige Gurken vor die Linse gekommen, wobei immer häufiger auffällt, dass man gute Horrorstreifen allmählich mit der Lupe suchen muss. Offenbar ist das Horror-Genre zum Tummelplatz für Neulinge verkommen, die mit möglichst wenig finanziellem Einsatz maximalen Gewinn und größtmögliche Aufmerksamkeit gewinnen wollen. Anders lässt sich wohl nicht erklären, weshalb so Filme wie THE ICE CREAM TRUCK das Licht der Zelluloidwelt erblicken und Horrorfans darüber grübeln lassen, was Leute geritten hat, die solchen Quatsch in Arbeit geben. Im Amerika wird erwähnter Streifen vom Anbieter UNCORK’D ENTERTAINMENT vertrieben. Erfahrene Horror-Kenner wissen, was zugemutet wird. Genanntes Label hat sich nämlich auf Low-Budget-Horror spezialisiert, der möglichst ohne viel Tamtam auf Heimkinomedium gepresst und ins Händlerregal gestellt werden soll. Das bedeutet nicht selten: schlechte Effekte, hanebüchene Geschichten und schlechte Darsteller. Ob da THE ICE CREAM TRUCK eine Ausnahme macht?
 
 
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Aus der Großstadt zurück in ruhigere Gefilden. Mary (DEANNA RUSSO) startet mit der Familie einen Neuanfang. Die zieht mit den Lieben zurück in jenen Vorort, in dem die Autorin aufgewachsen ist. Doch der Umzug stellt die glückliche Mutter vor ungeahnte Schwierigkeiten. Trotz ruhiger Lage, scheint man in dieser Kleinstadt nicht sicher zu sein. Ein mysteriöser Eismann treibt hier sein Unwesen und bringt Kunden um die Ecke, die sich gern mal eine leckere Schlemmerei aus seinem Angebot gönnen. Leider muss Mary den Horror allein überstehen. Gatte und Kinder sind nämlich noch auf dem Weg, weshalb die Neuhinzugezogene sich selbst helfen muss. Zusammen mit Nachbarsjungen Max (JOHN REDLINGER auf THIRST) nimmt sie den Kampf gegen einen Mörder auf, der ziemlich unverfroren zur Tat schreitet. Nur, warum tötet ein Eismann Menschen und niemand bekommt davon Wind? Am Ende wird die gesamte Wahrheit offenbart. Sonderlich erbaulich ist die aber nicht. Da hat man schon bessere Filme auf der Mattscheibe gehabt.  
 
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Wenn der Eismann dreimal klingelt. THE ICE CREAM TRUCK ist schon ein eigensinniger Film. Sonderlich viel passiert nämlich nicht, denn der Horror-Anteil wurde zugunsten Nachbarschaftsgerede vernachlässigt. Statt den Killer und seine Taten in den Mittelpunkt zu rücken, konzentriert sich Regisseurin MEGAN FREELS JOHNSTON fast ausschließlich auf Filmheldin Mary, die sich in friedlicher Kleinstadtidylle mit den Nachbarn anfreundet und dabei den Reizen eines taffen Teenagers verfällt. Gebotenes passt demnach gar nicht zu dem, was auf dem reißerischen Filmplakat versprochen wird. Geschicktes Marketing, das leider gang und gäbe ist. Offenbar soll das Filmcover von THE ICE CREAM TRUCK die Neugierde wecken und Käufe ankurbeln. Eine gängige Praxis damit Horrorstreifen in Überfluss-Zeiten überhaupt noch gekauft werden. Leider ist der Käufer in der Regel der Leidtragende, denn der bekommt meist zu spät davon Wind, dass ihm eine Mogelpackung untergejubelt wurde. In Fällen wie diesen ist Recherche das A und O. Gott sei Dank gibt es im Internet viele Seiten, die Filme testen und Aufklärungsarbeit betreiben. Wer sich daher Enttäuschungen ersparen möchte, sollte um THE ICE CREAM TRUCK einen Bogen machen. Hier ist Ärger vorprogrammiert, auch wenn der Film zumindest schauspielerisch überzeugen kann. Im Vergleich zu den üblichen Konsorten können die Darsteller genannter Low-Budget-Produktion was.
 
 
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THE ICE CREAM TRUCK – Fazit

 
 
 

5 Punkte Final

 
 
 
Wenn sich Horror in amerikanischen Vororten abspielt, ist in der Regel STEPHEN KING nicht weit. Der ist dafür prädestiniert Kleinstadt-Horror zu zelebrieren und damit Lesern Angst zu bereiten. Leider ist THE ICE CREAM TRUCK nicht auf Kings Mist gewachsen. Das Drehbuch zum wenig gruseligen Horrorflick hat sich Regisseurin MEGAN FREELS JOHNSTON selbst ausgedacht und dürfte damit bei horrorbegeisterten Zuschauern nicht mal ein müdes Lächeln entlocken können. Die Bezeichnung „Horror“ hat dieser seltsame Streifen nämlich gar nicht verdient. Hier wird von einem mordenden Eismann berichtet, der eine Kleinstadt unsicher macht aber nur am Rande Erwähnung findet. Offenbar waren der Filmemacherin die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer wenigen Helden wichtiger, so dass kaum Zeit für den Killer und seine Taten geblieben ist. Der erhält (mal abgesehen vom Finale) kaum Screentime und dürfte enttäuschte Gesichter zurücklassen. THE ICE CREAM TRUCK erinnert an TV-Ware und wäre wohl als Kurzgeschichte in einer Horror-Anthology besser aufgehoben gewesen. Nicht nur einmal will man das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe man um eine kleine Idee krampfhaft eine Handlung gekritzelt, die auf Spielfilmlänge geblasen werden musste. Manchmal ist es daher besser, wenn es bei einer Idee bleibt. Man muss nicht jeden noch so kleinen Gedankenblitz auf Leinwand oder Mattscheibe bringen.
 
 
 


 
 
 

THE ICE CREAM TRUCK – Zensur

 
 
 
Die Gewalteinlagen in THE ICE CREAM TRUCK sind überschaubar. Ein Messer kommt zum Einsatz und eine Filmfigur wird mit einem Eisportionierer erschlagen. Das meiste Blut fließt im Schlusskampf. Viel ist es aber nicht. Die Schauwerte sind für alteingesessene Horrorkenner eine Lachnummer. Deshalb dürfte THE ICE CREAM TRUCK wohl auch eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE ICE CREAM TRUCK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kruel (2015)
 
Masters of Horror – We All Scream for Ice Cream (2007)
 
Ice Cream Man (1995)