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Beiträge mit Schlagwort “Psychothriller 2015

Kritik: „The Ones Below – Das Böse unter uns“ (2015)

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THE ONES BELOW – DAS BÖSE UNTER UNS

Story

 
 
 
Die Geburt des neuen Sohnes wird für Kate und Jack (CLÉMENCE POÉSY und STEPHEN CAMPBELL MOORE) zum Albtraum, als in der Wohnung im Erdgeschoss neue Nachbarn (LAURA BIRN und DAVID MORRISSEY) einziehen, die sich äußerst merkwürdig verhalten.

 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Kritik

 
 
 
Von werdenden Eltern und bösen Nachbarn. In THE ONES BELOW erwarten Kate und Jack ihr erstes Kind. Umso erfreulicher für das junge Paar, dass in der Wohnung unter ihnen ebenso glückliche Leute einziehen, die ebenfalls auf Nachwuchs warten. Schnell sind die Gesprächthemen gefunden und man freundet sich an. Doch die frisch geschlossene Freundschaft steht unter keinem guten Stern. Die neuen Nachbarn haben nämlich einige Marotten, die nicht sonderlich gut ankommen. Erst ist es der penetrante Zwang nach Ordnung, der bei Kate und Jack für Verwirrung sorgt. Später verursacht die überfreundliche Art der neuen Hausbewohner Gänsehaut, wirkt die doch trotz aller Bemühungen nicht sonderlich vertrauenserweckend. Doch das alles ist nichts im Gegensatz zu dem, was noch kommen wird. Während eines gemeinsamen Abendessens kommt es zu einem folgenschweren Vorfall, der die wahren Intentionen der neuen Nachbarn ans Tageslicht bringt. ALFRED HITCHCOCK und ROMAN POLANSKI lassen grüßen.
 
 
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MIT THE ONES BELOW gibt’s Nachschub für all jene, die eine Abreibung fürs Nervenkostüm brauchen. Morbider Psycho-Horror wird geboten, der sich einmal mehr einer Thematik widmet, die sich im Genre neuerdings wieder großer Beliebtheit erfreut. Albtraum Schwangerschaft – das ist Stoff, der bereits in den 1960ern durch ROMAN POLANSKI furchteinflößend für die Leinwand aufbereitet wurde. Viele Jahrzehnte später lässt sich aus bekannter Formel immer noch makabrer Horrorstoff drehen, der vor allem werdenden Mütter an die Substanz gehen dürfte. Hinter dem kleinen Indie-Thriller steckt kein Mann vom Fach. Trotzdem weiß Nachwuchsregisseur DAVID FARR ziemlich genau, wie er Spannungsschrauben fester drehen muss, damit es dem Zuschauer unbequem wird. Der britische Newcomer bewegt sich in seinem Filmdebüt weg vom Holzhammer-Horror und geht über zum Daumenschrauben-Kino, in dem sich die Spannung bis zum makabren Finale steigert, damit am Ende die Katze aus dem Sack gelassen werden kann. Das gelingt ganz ohne Blut- und Schockmomente – verursacht aber gerade deswegen ein unangenehmes Bauchgefühl, weil Macher DAVID FARR das Grauen auf subtile Weise heraufbeschwört und den Horror im Kopf des Zuschauers entstehen lässt. So etwas nennt man Horror mit Hirn, der mittlerweile im Genre ziemlich selten geworden ist, weil Horror vor allem beim jungen Publikum in erster Linie mit Mord und Totschlag in Verbindung gebracht wird. Brachiale Kills und ausufernde Gewalt sucht man hier aber vergebens. THE ONES BELOW setzt auf Charakteraufbau und Dialoge – klappt scheinbar auch heute immer noch so gut wie vor 30 Jahren.
 
 
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In THE ONES BELOW bahnt sich das Grauen langsam seinen Weg durch den Film. Immer wieder geraten die Sympathieträger in verzwickte Situationen, die den Zuschauer mit flauem Magengefühl vor der Flimmerkiste zurücklassen. Man ahnt schnell, dass mit den neuen Nachbarn nicht gut Kirschen essen ist. So lauert hinter der Fassade gesitteter Bürger mal wieder das Böse. Eine Erkenntnis mit welcher der Film in die Fußstapfen vieler Genrefilme der 1980er und 1990er tritt, die unter so berüchtigten Titeln wie THE STEPFATHER, DAS KINDERMÄDCHEN oder FEAR – WENN LIEBE ANGST MACHT bei Fans des Genres ein Begriff sein dürften. THE ONE BELOW ist nach dem gleichen Muster gestrickt und strapaziert mit knisternder Spannung die Nerven des Publikums. Demzufolge sollte man diesen kleinen Psychothriller eine Chance geben – insofern man was mit langsam erzählten Psycho-Kicks anfangen kann, die sich viel Zeit für das Wesentliche im sogenannten Angstkino lassen.
 
 
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THE ONES BELOW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hätte ALFRED HITCHCOCK den Okkult-Schocker ROSEMARIES BABY verfilmt, wäre vermutlich so etwas wie THE ONES BELOW dabei herausgekommen. Der auf dem Fantasy Filmfest ausgestrahlte und vielgelobte Psychothriller ist nichts für Fans hektisch geschnittener Gewaltepen. Das minimalistische Psychodrama hat was von einem Kammerspiel und konzentriert sich auf Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Statt die Augen des Horrorfans mit Blut und Gewalt zu blenden, kümmert sich Regieneuling DAVID FARR um die Hirne seines Publikums und vernebelt die mit astreinem Psycho-Terror. Dafür musste mal wieder das Thema Schwangerschaft herhalten mit dem (Found-Footage) Filmemacher in letzter Zeit reichlich Schabernack getrieben haben. Mit THE ONES BELOW wird aber wieder alles besser, denn DAVID FARR lässt das Böse nicht im Bauch der Mutter heranwachsen, sondern funktioniert freundliche Nachbarn zu ultimativen Psychopathen um. Für knisternde Spannung und unangenehmes Bauchgefühl ist somit gesorgt, denn der britische Regisseur scheint viele Altmeister des Thrillerfachs genau studiert zu haben. Er beherrscht die subtile Angstmacherei erstaunlich gut, was THE ONES BELOW zu einem echten Indie-Psycho-Geheimtipp macht.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Zensur

 
 
 
Wer Gewalt sucht, ist hier falsch. Davon gibt es im Film nichts zu sehen. Eigentlich könnte man THE ONES BELOW bereits ab 12 Jahren freigeben. Wegen dem kompromisslosen Ende, einiger Schimpfwörter und bedrohlicher Stimmung hat es THE ONES BELOW aber mit einer FSK16 in die Händlerregale geschafft.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) METEOR FILM (Blu-ray KeepCase-Version)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Ones Below; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.11.2016

 

The Ones Below – Das Böse unter uns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Roommate (2011)
 
The Harvest (2013)
 
One Hour Photo (2002)


Filmkritik: „Tank 432“ (2015)

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TANK 432

(BELLY OF THE BULLDOG)

Story

 
 
 

In einem verlassenden Panzer treffen flüchtende Soldaten auf unsichtbare Feinde. Die nennen sich Stress und Paranoia und machen aus Verbündeten Feinde.

 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Kritik

 
 
 
Krieg hinterlässt Spuren – nicht nur bei Zivilisten. Auch Soldaten und Friedenskämpfer bleiben vom hässlichen Gesicht des Krieges nicht unverschont und sind während ihrer Einsätze psychischem Stress ausgesetzt, der erst nach dem Krieg zum eigentlichen Problem wird. Studien belegen, dass immer mehr Soldaten schwer traumatisiert von der Front heimkehren und sich später in psychologische Behandlung begeben müssen, damit sie Erlebtes verarbeiten können. Leider gelingt vielen die Rückkehr ins normale Leben nicht, denn mittlerweile sterben immer mehr Veteranen durch Selbstmord, als bei Einsätzen in Kriegsgebieten. Was Krieg mit Soldaten macht, versucht auch Regisseur NICK GILLESPIE auf die Leinwand zu bringen. Der britische Filmemacher hat sich bisher eher als Fachmann hinter der Kamera einen Namen gemacht und versuchte sich als Regisseur von Kurzfilmen. TANK 432 gehört nun zu einem der ersten Langfilme bei denen der ambitionierte Brite die Regie übernommen hat. Als Produzent stand Kumpel BEN WHEATLEY (SIGHTSEERS und KILL LIST) zur Seite für den NICK GILLESPIE bisher immer mal wieder als Kameramann zur Verfügung stand. Was der Regie-Newcomer aber hier unter dem Banner Spielfilm fabriziert hat, wird in Filmkreisen oft als Rohrkrepierer bezeichnet. Der günstig produzierte BELLY OF THE BULLDOG (so der Alternativtitel) ist nämlich trotz brisanter Thematik reichlich konfus und zäh. Etwas, mit dem man bei Horrorfans gewöhnlicherweise keinen Eindruck hinterlässt.
 
 
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Das selbst geschriebene Drehbuch erzählt die Geschichte von einer Gruppe britischer Soldaten, die sich auf eine geheime Mission begeben. Mit zwei Gefangenen im Schlepptau sollen Kriegsgebiete erkundet werden, damit die Umgebung wieder sicher gemacht werden kann. So entdeckt man bei Streifzügen durch das Land auf einem verlassenen Bauernhof einen Container. Darin haust eine verwirrte Frau, die erst einmal mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend mitgenommen wird. Leider kommt die Gruppe nicht weit. Auf der Flucht vor vermeintlichen Feinden verschanzt man sich in einem Bulldog-Panzer und wähnt sich in Sicherheit. Doch die Unterschlupf entpuppt sich als fiese Falle, denn die Tür nach draußen lässt sich nicht mehr öffnen. So verharrt man bangend im Panzer und hofft auf Rettung. Was die Soldaten aber unterschätzen ist der psychische Stress. Mit steigendem Druck und auf engstem Raum wächst die Paranoia jedes Teammitglieds. Was folgt ist kein Kindergarten, denn aus vermeintlich Verbündeten werden plötzlich unerbittliche Feinde. Fragt sich nur wer in einer solchen verzwickten Situation einen kühlen Kopf bewahren kann.
 
 
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DOG SOLDIERS trifft auf JACOB’S LADDER. Das Konzept hinter TANK 432 ist eigentlich gar nicht mal so dumm. So haben schon viele Regisseure menschliches Verhalten in Extremsituationen studiert und damit für unangenehme Filmminuten gesorgt. Leider ist die von Regisseur NICK GILLESPIE auf Zelluloid gebannte psychologische Studie von Menschen unter Druck keine nennenswerte Angelegenheit, denn zwischen Paranoia und Klaustrophobie entsteht hier leider nur eines: Grenzenlose Langeweile. Dass NICK GILLESPIE durchaus Geschick im Umgang mit der Kamera besitzt will man dem ambitionierten Filmemacher sicher nicht streitig machen. Talent für Spannungsbogen und Erzählaufbau besitzt er leider nicht, denn TANK 432 ist so wirr, langatmig und nervig inszeniert, des dem Zuschauer spätestens bei den Szenen im Panzer die Lust am Weiterverfolgen der Handlung vergeht. Die Figuren sind unnahbar und unsympathisch. Ihre Streitereien rauben den letzten Nerv. Zudem wirkt ein Überraschungstwist aufgesetzt und erzwungen. Gut, dass der Horrorfan die Macht über die Fernbedienung besitzt. Die ermöglicht das Abschalten – wann immer man es will. Wir raten so früh wie möglich abzuschalten, denn man verpasst nichts, wenn man TANK 432 nicht gesehen hat. Das vermeidet nicht nur Enttäuschungen, sondern spart auch Zeit, Geld und Nerven.
 
 
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TANK 432 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer TANK 432 gesehen hat, wird im wahrsten Sinne des Wortes paranoid vor Wut, denn dieser Film gehört zur jener Gattung Kinoschund, für den man am liebsten sein Geld zurück haben möchte. Die psychologische Studie über Stress und seine Folgen ist nicht nur langweilig; sie schafft es nicht einmal in den Bann zu ziehen und irgendwie emotional zu bewegen. Schuld sind die unsympathischen Figuren, deren Leid nicht einmal die Bohne interessiert. Angesichts der kontroversen Thematik über Folgen von Kriegseinsätzen ist die Anteilslosigkeit des Zuschauers schon irgendwie als grotesk zu betiteln. Vielleicht wäre es demnach in Zukunft für Regisseur NICK GILLESPIE besser, wenn er sich wieder auf das konzentriert, was er auch wirklich kann. Drehbücher schreiben und Regie führen scheint nicht sein Ding zu sein – hinter der Kamera stehen schon eher.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Zensur

 
 
 
TANK 432 ist eher psychologischer Natur und hält sich mit Schauwerten zurück. Einige kurze Gewaltmomente gibt es dennoch zu sehen. So wird ein Protagonist von einem Panzer überrollt, andere erschossen oder mit spitzen Gegenständen verwundet. Hierzulande dürfe der Paranoia-Horror eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Belstone Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beneath (2013)
 
POD (2015)
 
Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits (1990)
 
The Noonday Witch (2016)
 


Filmkritik: „13 Cameras“ (2015)

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13 CAMERAS

(SLUMLORD)

Story

 
 
 
Dabei sein ist alles: Ein junges Paar bezieht ein ansprechend umgebautes Haus, ohne zu wissen, dass der voyeuristisch veranlagte Vermieter darin ganz besondere Technik eingebaut hat.

 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Kritik

 
 
 
Mehr als 30 Millionen Überwachungskameras wurden in den letzten zehn Jahren verkauft. Doch die finden nicht immer nur zum Schutze von Leben und Eigentum Verwendung. So wurden über 8000 Menschen im letzten Jahr heimlich von Überwachungskameras daheim beobachtet. Eine beunruhigende Zahl, die natürlich genug Stoff hergibt, um daraus einen ungemütlichen Thriller zu drehen. Regieneuling VICTOR ZARCOFF hat das Potenzial dahinter erkannt. Er führt im ersten Spielfilm dem Zuschauer auf erschreckende Weise vor Augen, dass nicht jeder Wohnungseigentümer am Wohle seines Mieters interessiert ist. 13 CAMERAS (der auf Festivals auch unter SLUMLORD lief) nennt sich dessen Leinwanddebüt, das geschickt beklemmend beschreibt, wie einfach die Sucht am Beobachten in grenzenlose Besessenheit umschlagen kann. Dabei lässt Zarcoff das Grauen immer nur Häppchenweise auf den Besucher los, bis es am Ende in voller Gnadenlosigkeit zuschlägt.
 
 
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Wenn dich der Vermieter heimlich beim Stuhlgang beobachtet. Claire (BRIANNE MONCRIEF) und Ryan (PJ MCCABE aus THE DEN) sind eigentlich ein glückliches Paar. Der Nachwuchs soll in den nächsten Wochen zur Welt gebracht werden, weshalb sie die jungen Eheleute nach einer neuen Wohnung umschauen. Die ist schnell gefunden. Ein seltsamer und nicht sonderlich kommunikativer Vermieter zeigt den beiden ein ansprechend umgebautes Heim mit Pool. Darin riecht es zwar nicht gerade einladend, wird aber wenig später von den werdenden Eltern bezogen. Doch die anfängliche Freude über das kleine Haus am Stadtrand und die gemeinsame Zukunft währt nicht lange. Ryan treibt nämlich hinter dem Rücken seiner Frau ein makabres Spiel. Der hat mit der Arbeitskollegin eine geheime Affäre, von der niemand wissen darf. Leider will die bald mehr von ihrem Liebhaber und mischt sich in dessen Ehe ein. Doch die zerrüttete Beziehung des verheirateten Paares hat bald andere Probleme. Hauseigentümer Gerald (NEVILLE ARCHAMBAULT) ist nämlich einer der ganz perversen Sorte. Der hat im Haus Überwachungskameras versteckt und beobachtet das Leben der jungen Leute. Als er eine Obsession für die schwangere Claire entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und die neue Bleibe wird bald zum blanken Horror für die neuen Mieter.
 
 
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Es ist schon eine schauderhafte Vorstellung, wenn man sich vorstellt, wie Fremde in das Intimleben anderer Leute eindringen, ohne dass die Opfer überhaupt davon merken. Macher VICTOR ZARCOFF spielt gekonnt mit dieser Angst und macht den Zuchauer quasi zum heimlichen Mitwisser, der – wie der Fiesling im Film – das Privatleben eines Paares durch versteckte Kameras beobachtet. NEVILLE ARCHAMBAULT verkörpert in 13 CAMERAS einen besonders eigensinnigen Zeitgenossen. Der besitzt voyeuristischen Neigungen und steuert das Leben fremder Menschen auf subtile weise, die natürlich vollkommen ahnungslos darüber sind, dass da jemand Teil ihres Privatlebens ist. Sind die jungen Leute aus dem Haus, macht es sich der Eigenbrödler in deren Wohnung gemütlich, füttert den Hund, durchwühlt Unterwäsche oder leckt an fremden Zahnbürsten. Kommen die Mieter zurück nach Hause, wundern die sich aus nachvollziehbaren Gründen darüber, warum das Haustier ständig erbricht oder Zahnbürsten nach Fäkalien riechen. Filmfigur und Hauseigentümer Gerald ist niemand, den man gern auf eine Tasse Kaffee einladen möchte. Der scheint zwar minderbemittelt zu sein und verhält sich weitestgehend distanziert und unauffällig; gerät er aber in Rage kommt der Psychopath zum Vorschein. Dank guten Make-up-Künsten gehört die von ihm gespielte Figur zu den ekelerregendsten aber auch bemittleidenswertesten Kreaturen, die man in der letzten Zeit auf der Mattscheibe zu sehen bekommen hat. Allein deren mangelnde und im Film oftmals kritisierte Körperhygiene verursacht Brechreiz, weil man als Zuschauer meint, den unangenehmen Körperduft des Filmbösewichts sogar durch den Fernsehapparat riechen zu können.
 
 
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Eigentlich ist 13 CAMERAS mehr ein Beziehungsdrama, in dem ein Seitensprung dafür sorgt, dass die Beziehung zwischen zwei Liebenden aus dem Gleichgewicht gerät. Regisseur VICTOR ZARCOFF nutzt aber die Gelegenheit zwischen Herzschmerz, Skepsis und Vertrauensbruch den Horror regieren zu lassen. Von den Streitenden unbemerkt, wird der schmierige Vermieter von Nebenan nicht nur zufällig Mitwisser, sondern verwandelt sich im Verlauf des Film zum unberechenbaren Killer, der sogar über Leichen geht, sobald seine perversen Machenschaften aufzufliegen drohen. So wird die Atmosphäre von 13 CAMERAS gegen Filmmitte immer ungemütlicher, wenn sich Eigentümer Gerald immer häufiger Zutritt zum Haus seiner Mieter verschafft. Die Angst entdeckt zu werden ist allgegenwärtig und verursacht reichlich Herzklopfen beim Zuschauer, der innig hofft, dass das perverse Versteckspiel endlich aufgedeckt wird – aber niemand zu Schaden kommt. Für einen Debütfilm ist 13 CAMERAS bemerkenswerte Arbeit. Neuling VICTOR ZARCOFF versteht es eindrucksvoll Spannungsschrauben fester zu drehen und besitzt sogar ein Faible für schwarzen Humor. Für den Filmtwist am Ende macht er nämlich von Galgenhumor Gebrauch. Sensible Gemüter dürften Gezeigtes aber nicht sonderlich lustig finden.
 
 
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13 CAMERAS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Reichlich unbequemer Suspense-Thriller mit brisanter Thematik, die gar nicht mal so weit hergeholt ist. So haben die Medien bereits schon öfters über Wohnungseigentümer und Hotelbesitzer berichtet, die Mieter und Gäste heimlich mit Überwachungskameras gefilmt und die Aufzeichnungen ins Netz gestellt haben, damit perfide Neigungen befriedigt werden können. Wenn jemand in unser aller Intimstes eindringt, hört der Spaß auf. Das will auch Regisseur VICTOR ZARCOFF klarstellen, der mit seinem ersten Spielfilm 13 CAMERAS einen spannenden Thriller gedreht hat, der von Filmminute zu Filmminute immer unangenehmer wird. Die Spannungsschrauben werden dabei bis zum Finale immer fester gedreht – ganz so, wie man es von gut durchdachter Suspense-Ware eben erwartet. Für den Einstieg ins Filmgeschäft ist der Psychothriller 13 CAMERAS nicht übel. Demzufolge sollte man Zarcoffs weiteren Werdegang definitiv im Auge behalten.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Zensur

 
 
 
Für die FSK gibt es nichts zu bemängeln. Grausamkeiten spielen hier kaum eine Rolle. Am Ende wird eine Filmfigur ertränkt, eine andere erschlagen. Demzufolge ist eine FSK16 sicher.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Sliver (1993)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 


Filmkritik: „The Invitation – Die Einladung“ (2015)

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THE INVITATION – DIE EINLADUNG

Story

 
 
 

Will besucht mit seiner neuen Freundin die Ex-Frau. Die war knapp zwei Jahre verschollen, ist ebenfalls neu verbandelt und veranstaltet eine Wiedersehensfeier zu der weitere Freunde eingeladen sind. Doch die Party entwickelt sich zum Albtraum, denn aus der fröhlichen Wiedersehensfeier wird ein Kampf auf Leben und Tod

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Kritik

 
 
 
Regisseurin Karyn Kusama zeichnet für Werke wie „Aeon Flux“ und „Jennifer’s Body“ verantwortlich, Beides bekanntermaßen keine wirklich gelungenen Filme. Ansonsten hat sie ein paar Episoden für diverse Fernsehserien („Chicago Fire“, „The L Word“) gedreht und ein paar Kurzfilme. Die Drehbuchautoren haben ihr an den bereits genannten Filmen zur Seite gestanden, was die Hoffnung auf einen guten Film – ehrlich gesagt – nicht unbedingt erhöht. Zwar wurde „The Invitation“ ohne den Einfluss eines der bekannten Hollywood-Studios gedreht, so dass Regisseurin und Produzenten völlig freie Hand hatten, aber dass deswegen ein besserer Film daraus entstanden ist, lässt sich leider nicht bestätigen. Das krude und vor allem in den ersten zwei Dritteln furchtbar enervierende Werk ist keinesfalls ein Horrorfilm, eher ein zähes Drama mit zugegeben recht blutigen Finale, aber bedauerlicherweise ohne Spannung. Entbehrlich, überfrachtet und an vielen Stellen so unlogisch und dilettantisch, dass man nicht guten Gewissens zuraten kann, diese „Einladung“ anzunehmen.
 
 
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So, also: Will (Logan Marshall-Green) und Eden (Tammy Blanchard) haben sich aufgrund des plötzlichen Unfalltodes ihres Sohnes und Edens Affäre mit David (Michiel Huisman) vor zwei Jahren getrennt. Eden war daraufhin verschollen. Nun ist sie wieder da und lädt Will samt seiner neuen Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) und weiteren alten Freunde in das Haus ein, in dem sie mit Will zusammen gelebt hat und nun mit David wohnt. Doch der Abend wird nicht zur fröhlichen Wiedersehensfeier. Die Freunde sind latent vergrätzt, dass Eden einfach sang- und klanglos verschwunden ist und Will bereitet es einige Probleme, sowohl auf sein altes Heim (im Übrigen auch der Schauplatz des Unfalltodes seines Sohnes) als auch auf Edens neuen Freund zu treffen. Darüber hinaus wirken sowohl Eden als auch David irgendwie seltsam. Als sie ihnen dann auch noch ein Video zeigen, in dem ein alter Mann komische Thesen kundtut, kippt die Stimmung endgültig.
 
 
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Dem Zuschauer geht es da ganz ähnlich. Anfangs hofft man noch (aufgrund der durchaus prekären Ausgangssituation) auf einen spannenden (Film)Abend, an dem sich alte Freunde aus unterschiedlichen Gründen beharken oder es zur Konfrontation zwischen Ex-Mann und -Frau kommt. Vielleicht wären auch ein paar unheimliche Momente drin, wenn Will vom toten Sohn halluziniert. Aber nix da. Frau Kusama fand es offensichtlich wesentlich spannender, einen Haufen Unsympathen dabei abzufilmen, wie sie Belanglosigkeiten austauschen oder absoluten Stuss reden. Eden wandelt dabei barfuß im weißen Gewand umher und guckt verklärt, Freund David schließt schon mal die Haustür ab und kübelt den Gästen Rothschild in die Gläser. Auch die weiteren Gäste können kaum Sympathien generieren. Wenigstens sind alle Minderheiten abgedeckt: Asiaten, Schwarze, Schwule, Dicke und Bekloppte. Neben den alten Freunden gesellen sich auch zwei Unbekannte zur Runde. Die durchgeknallte Sadie (Lindsay Burdge) und die ominöse Halbglatze Pruitt (John Carroll Lynch). Uh, unheimlich.
 
 
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Fortan wird drauflosgefaselt, was das Zeug hält, während Will es vorzieht, in seinem ehemaligen Zuhause rumzuwandeln und seiner Ex hinterherzuschnüffeln. Dabei wird er von Flashbacks geplagt, die vorrangig den toten Sohn zeigen oder aber seine Ex beim versuchten Freitod-Vollzug. Doch dann wird es spannend…ach nein, doch nicht. Denn nun zeigt David allen ein Video. Darauf zu sehen ein glatzköpfiger alter Mann, der wirres Zeug redet und meint, nur der Tod könne einem inneren Frieden bringen und wäre somit der einzige Weg traumatisierter oder trauriger Menschen, um Erlösung zu finden oder so. Da guckt die Gästeschar erstmal relativ blöd aus der Wäsche, findet das dann in der Summe aber nur semi-beunruhigend (wahrscheinlich wollten sie schlicht noch mehr von dem teuren Fusel abgrasen). Dann gibt es tolle „Sag, was du dir wirklich wünscht, ganz offen und ehrlich“-Spiele, anschließend wird lecker Abendbrot gereicht, während Will zunehmend beunruhigt durch die Flure schlurft. Und dann endlich (wir sind nun bei 80 von 100 Filmminuten angelangt) passiert mal was. Da einem die Protagonisten aber samt und sonders sowas von egal sind, kommt immer noch keine Spannung auf.
 
 
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Im Finale wird es dann durchaus ein bisschen blutig (es kommen Pistolen, Schürhaken und Messer zum Einsatz), leider interessiert einen dies nur noch insoweit, als dass man nun berechtigterweise darauf hoffen kann, bald des Abspanns ansichtig zu werden. Bis dahin kann man sich die Zeit damit vertreiben, die Unsinnigkeiten des Films aufzuzählen (u.a. das übliche „Handy funktioniert, dann wieder nicht, dann doch usw.“-Spiel oder auch die Frage, wie zwei der Protagonisten am Ende aus dem Haus herauskommen, das Sekunden vorher noch fest verschlossen und ausweglos verrammelt war). Es gibt noch wesentlich mehr unlogische Sequenzen, die man ohne zu spoilern aber nicht erwähnen kann.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„The Invitation“ verschenkt das Meiste seines Potenzials. Die Ausgangssituation bietet ausreichend Stoff für Konflikte, Drama und Unheimliches. Unter der Ägide von Regisseurin Kusama wird daraus aber leider ein einschläferndes Laber-Martyrium für den Zuschauer, aus dem Kusama so gut wie keine Spannung zu generieren weiß. Darüber hinaus ist der Film an vielen Stellen schlicht unglaubwürdig oder unlogisch und gespickt mit Charakteren, die einem herzlich egal sind. Über zwei Drittel des Films werden verschwendet mit blödsinnigen Dialogen und unsinnigen Aktionen. Als der Film im Finale dann endlich mal etwas an Tempo gewinnt, häufen sich die Ungereimtheiten und gipfeln in einem derart dämlichen Schlussakkord, dass man die Regisseurin am liebsten selbst mal mit so einem Haufen kruder Typen in ein Haus einsperren möchte. Die halbwegs soliden Darstellerleistungen von Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe Hollywoods retten diesen Unsinn wenigstens vor dem Totalausfall. Dennoch haben Zachary Quinto, Luke Wilson und Topher Grace, die ursprünglich für einige der Rollen vorgesehen waren, gut daran getan, abzulehnen. Ach ja, einen Pluspunkt gibt es noch für die zumindest nicht billig aussehende Location, in der dieser Unsinn spielt. Ergo: Mit diesem Independent-Schnarchfilm kann man keinen hinterm Ofen vorlocken. Deshalb maue vier von zehn Einladungen, die man unbedingt ausschlagen sollte.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Zensur

 
 
 
„The Invitation“ wurde von der FSK mit einer FSK16 durchgewunken. Das ist auch kein Wunder, denn zu derbe Schauwerte bleiben aus. Filmfans, die ausschließlich ungeschnittenes Material ihr Eigen nennen wollen, können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Invitation; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailer

Veröffentlichung: 15.04.2016

 
 
 

The Invitation [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Trailer

 
 

 
 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Pandastorm Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Green Room (2015)
 
Coherence (2013)
 
The Overnight (2015)
 
Party Invaders (2013)


Filmkritik: „Darling“ (2015)

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DARLING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Lauren Ashley Carter) bezieht ein Apartment irgendwo mitten in New York City und soll als Hausmeisterin für ein paar Tage auf die bezogene Wohnung achtgeben. Leider erlebt sie darin unvorstellbares Grauen.

 
 
 


 
 
 

DARLING – Kritik

 
 
 
Immer wieder interessant zu beobachten, welchen Weg Horror-Regisseure gehen. Da gibt es die, die der eingeschlagenen Richtung treu bleiben und stets ähnlich gestrickte Schocker drehen, mit denen sie im Horrorfilmgeschäft Fuß gefasst haben. Andere probieren sich wiederum aus und experimentieren mit Stilen und Genres. Zu Gruppe 2 gehört MICKEY KEATING. Dessen Streifen entwickeln sich so langsam zu Geheimtipps, denn seit dem Okkultismus-Thriller RITUAL ist das, was der Regisseur hervorbringt, immer überraschend durchdacht und sorgfältig inszeniert. Nach POD, einem spannenden Ausflug ins Mystery-Fach, verblüfft der ambitionierte Filmemacher mit seiner Neugier für klassisches Grauen, das er in DARLING virtuos – nahezu kunstvoll – auf die Kinoleinwand transferiert. Hierzu knipst er die Farben aus und schaltet den Schwarz-Weiß-Filter an. So fühlt sich das Publikum in eine Zeit versetzt, als noch die Macht der Imagination für schlaflose Nächte gesorgt hat. Keating macht die Furcht vor dem Nichtgreifbaren in DARLING zum Thema und verbeugt sich damit ehrfürchtig vor den Werken des französisch-polnischen Meisterregisseurs ROMAN POLANSKI. Der konnte sich bereits in den 1960ern mit drei Kultfilmen, die man heute manchmal als „Mieter-Trilogie“ zusammenfasst (EKEL, ROSEMARIES BABY, DER MIETER) einen Namen machen und lies brillant nagendstes Grauen in den Köpfen seiner Zuschauer entstehen. Die gleiche Richtung schlägt auch Regisseur MICKEY KEATING ein. Er tritt in die Fußstapfen des Altmeisters und kreiert mit DARLING psychologischen Horror, der sich langsam, dafür aber umso intensiver seinen Weg durch die Köpfe des Publikums frisst.
 
 
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Wie in genannten Werken von ROMAN POLANSKI wird auch in DARLING eine Wohnung zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Hier bezieht eine Mittzwanzigerin (LAUREN ASHLEY CARTER aus JUG FACE und THE WOMAN) das älteste Apartment New Yorks auf Zeit. Dort soll sich Tragisches ereignet haben. Eine junge Frau hat sich darin einst das Leben genommen. Doch das schreckt die neue Mieterin nicht ab, die als Hausmeisterin auf die riesige Wohnung achtgeben soll. Weitaus mehr Magenschmerzen bereitet ihr eine verschlossene Tür im oberen Stockwerk. Die soll auf Anraten der Wohnungseigentümerin bitte auch verschlossen bleiben, was Neugier aber auch Unwohlsein auf den Plan ruft. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür und warum darf das mysteriöse Zimmer nicht betreten werden? Viel Zeit für die Suche nach Antworten bleibt nicht, denn die junge Frau wird bald von schrecklichen Visionen heimgesucht und hört seltsame Stimmen. Erfahrene Horrorfans ahnen, dass das nur Vorboten sind, die ein schreckliches Ende einläuten werden. So ist es auch, denn offenbar scheint die Hauptprotagonistin im Film ihren Verstand zu verlieren und wird zu grausamen Taten angestiftet. Interessanterweise wird die Auflösung nicht auf dem Silbertablett serviert. Regisseur MICKEY KEATING hat das Drehbuch zu DARLING so clever konzipiert, dass mehrere Erklärungen Sinn machen. Hat sich hier ein Geist dem Körper einer jungen Frau bemächtigt, der Rache für unmenschliche Schandtaten fordert? Entpuppt sich das Haus als Pforte zur Hölle, in dem okkulte Rituale gehalten werden, um der Menschheit zu schaden? Oder ist in DARLING eine labile Mieterin nicht mehr Herr der eigenen Sinne, weil sie sich einsam fühlt und Hass gegenüber Männern hegt? Die Interpretationsfähigkeit des Publikums ist gefragt.
 
 
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Es müssen nicht immer laute Gruselschocker sein, die sich durch möglichst realistische Ekel- und Spezialeffekte versuchen gegenseitig den Rang abzulaufen. Manchmal können auch dezent und zurückhaltend eingesetzte Schauer ziemlich viel Unbehagen auslösen, was in DARLING gut funktioniert – gerade auch deshalb, weil sich der Film auf das Wesentliche konzentriert und versucht mit simpler Methodik Grauen heraufzubeschwören. Statt sich mit einfältiger Effekthascherei über Wasser zu halten, entsteht in DARLING Horror auf subtile Weise. Regisseur MICKEY KEATING spielt mit den Möglichkeiten von Kamera, Ausleuchtung, Akustik und Schnitten. Die dabei verursachte, gespenstige Atmosphäre ist beachtlich, was DARLING zu einem ganz speziellen Gruselerlebnis für anspruchsvolle Kinogänger macht, die sich nicht mit trivialer Angstmacherei abspeisen lassen möchten, sondern auch im Genrefilm das Besondere suchen. DARLING ist ein ungewöhnliches Gruselerlebnis, das Konventionen strotzt und fast schon die Grenzen zum Arthaus-Kino streift. Die Kulisse ist puristisch gehalten und reduziert sich auf weiße Gänge und spartanisch eingerichtete Räume. Mittendrin LAREN ASHLEY CARTER, die den Zuschauer mit großen Augen durch ein morbides Szenario führt und den gesamten Film fast ganz allein auf den schmalen Schultern tragen muss. Gesprochen wird kaum. Stattdessen beobachtet die Kamera akribisch den psychischen Verfall einer Frau, die von unheimlichen Stimmen geleitet zu einer unfassbaren Tat angestiftet wird. Dabei durchlebt die Leidgeplagte eine sonderbare Verwandlung. Macher MICKEY KEATING bewirkt, dass anfängliche Sympathien für die verängstige Frau in blankes Entsetzen und Abscheu umschlägt. Hinzukommt, dass durch ausgeklügeltes Spiel von Licht und Schatten sowie abrupt ablaufender Szenenabfolgen eine Stimmung ständiger Angst und Unbehagens bewirkt wird. Die beunruhigenden Filmelemente drängen DARLING vom Horror ins Psychofach und lassen den Film virtuos auf den Spuren des Polanski-Klassikers EKEL wandeln, der ziemliche viele Parallelen im Inszenierungsstil und den Erzählmechanismen vorzuweisen hat.
 
 
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DARLING ist kein Genrefilm fürs breite Publikum. Den meisten Zuschauern dürfte die Geschichte wegen der langen Kameraeinstellungen doch etwas zu gemächlich über die Mattscheibe flimmern. Zudem fühlt sich der behäbige und eigenwillige Inszenierungsstil an, als wäre man im Horrorkino der späten 1960ern gefangen. Was sich für die meisten Horrorfreunde befremdlich und nicht gerade zeitgemäß anfühlt, ist aber die eigentliche Quintessenz dieses außergewöhnlichen Filmexperiments. Das orientiert sich bewusst an längst vergangene Zeiten und lässt eine Epoche aufleben, in der mit NIGHT OF THE LIVING DEAD, PSYCHO oder BIS DAS BLUT GEFRIERT wichtige Wegbereiter moderner Horrorware entstanden sind. Wer Filme fernab gängiger Horror-Formate bevorzugt, sollte sich daher dieses klaustrophobische, beängstigende und ungemütliche Stück Psycho-Horror nicht entgehen lassen. Auch wenn DARLING versucht so jedem Horrorklischee aus dem Weg zu gehen ist er vielleicht auch gerade deswegen einen Blick wert. Von FILMCHECKER gibt es daher einen Empfehlung.
 
 
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DARLING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigend inszenierter Psycho-Horror in mehreren Akten, der auf den Pfaden von Polanskis Mieter-Trilogie wandelt und sich an Zuschauer richtet, die eine Vorliebe für Horror-Kopfkino besitzen. Dort spielt sich nämlich das meiste Grauen in DARLING ab, denn wie in den guten alten Zeiten entsteht der Horror hier vornehmlich im Kopf des Publikums. Regisseur MICKEY KEATING macht von klassischer Angstmacherei Gebrauch. Der Film sieht aus, als wäre er in den 1960ern entstanden und nutzt zudem klassische Stilmittel wie schnelle Bildabfolgen, permanentes Flüstern und abrupte Geräusche um Unbehagen zu bewirken. Laut Keating wurde der Film in nur zwölf Tagen fertiggestellt und in einem Haus von Freunden der Hauptdarstellerin LAREN ASHLEY CARTER im Zentrum von New York City gedreht. Entstanden ist ein außergewöhnliches und doppeldeutiges Filmexperiment, das sich konsequent gegen die vordiktierten Konventionen aktueller Horrorware lehnt. Ein mutiger Schritt den Filmemacher MICKEY KEATING da wagt, der in Interviews immer wieder zu verstehen gibt, dass er sich nicht festlegen lassen will, sondern als ernstzunehmender Regisseur ausprobieren möchte. Vergleicht man DARLING mit Keatings bisherigen Arbeiten bestätigt sich dessen Aussage. Alle Filme des Machers sind so unterschiedlich, dass man gespannt sein darf, was als nächstes folgen wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass nach RITUAL, POD und DARLING ein weiterer Geheimtipp auf uns zukommen wird, denn genannte Horrorstreifen zeigen eindrucksvoll, worauf es im Horrorgenre ankommt.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Zensur

 
 
 
DARLING ist mehr Psychothriller als Horrorfilm. Das Grauen wird dabei in erster Linie durch Stilelemente wie Licht- und Schattenspiel oder konfuse Schnitte bewirkt. Gegen Ende wird dann ein klein wenig gesplattert und das sogar in schwarz/weiß. Die Kamera hält zwar drauf, aber durch schnelle Schnitte lässt sich letztendlich nur erahnen, was da vor der Linse passiert. Das ist Kopfkino. Man darf von einer FSK16 ausgehen – insofern sich ein deutsches Label traut, diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag hierzulande überhaupt zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House on Pine Street (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Der Mieter (1976)
 
Ekel (1965)
 


Filmkritik: „Emelie“ (2015)

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EMELIE

Story

 
 
 

Die Thomsons wollen ihren Hochzeitstag feiern. Weil der sonst immer gebuchte Babysitter keine Zeit hat, übergeben die Eltern ihre drei Sprösslinge in die Obhut der freundlichen Anna (die eigentliche Emelie heißt). Ein fataler Fehler …

 
 
 


 
 
 

EMELIE – Kritik

 
 
 
Nimm dich in Acht vor dem Babysitter, denn der ist heute schlecht gelaunt und nicht zu Späßen aufgelegt. Wer oft Horrorfilme schaut, dürfte vermutlich bereits erkannt haben, dass sich hinter lieb dreinschauenden Engelsgesichtern nicht immer zwangsläufig auch gute Menschen verstecken müssen. Ob schelmischer Lausbub (MIKEY), treusorgender Familienvater (STEPFATHER) oder sympathischer Hausmeister (SLEEP TIGHT) – im Genre ist oft mehr Schein als Sein, was nicht selten für böse Geschichten sorgt die mit Mord und Totschlag enden. Gleiches trifft auch für den folgenden Streifen zu, in dem sich das vermeintlich Vertraute als boshafter Menschenfeind entpuppt. EMELIE nennt sich der unabhängige Thriller von MICHAEL THELIN, der mit dem Psychothriller sein Kinodebüt feiert und zuvor in erster Linie TV-Ware, Kurzfilme, Musikvideos, Werbespots und Dokumentationen gedreht hat. Der wirft in EMELIE Home-Invasion und Thriller-Zutaten in einen Topf und sorgt damit für kurzweiliges Psycho-Grauen, das besorgte Eltern mit mulmigen Gefühl im Kinosessel zurücklassen dürfte.
 
 
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Die Thomsons sind eine glückliche Familie. Die drei Kinder sind aufgeweckt und sorgen für Trubel im ganzen Haus. Doch die ratslose Meute braucht Bändigung, schließlich steht der Hochzeitstag bevor, den die Eltern bei einem romantischen Essen im Restaurant feiern wollen. Ein Babysitter muss her. Leider ist das übliche Kindermädchen verhindert. Kein Problem für deren Freundin Anna (SARAK BOLGER aus CRUSH und THE LAZARUS EFFECT), die kurzerhand als Ersatz einspringt. Das erste Kennenlernen schafft Vertrauen und hinterlässt Eindruck bei den Kindern. Doch Anna kann auch anders. Kaum sind die Eltern aus dem Haus verschwindet das freundliche Lächeln und die neue Sitterin offenbart ihre eigentlichen Intensionen.
 
 
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Von festem Geschwisterzusammenhalt, fragwürdigen Erziehungsmethoden und manipulierenden Eindringlingen, die über Leichen gehen. Macher MICHAEL THELIN spielt mit den Ängsten besorgter Eltern, welche ihre Kinder in die Hände von Menschen geben, die sie letztendlich nicht kennen. Entstanden ist eine solide Leistung, die auf Filmfesten gefeiert wurde, aber letztendlich nicht das geworden ist, was man nach den vielen Lobpreisungen erwartet hätte. Unbequem und adrenalinfördernd ist EMELIE keineswegs, was vor allem daran liegt, das ein unberechenbarer Bösewicht fehlt, dem man einen möglichst grausamen Filmtod wünscht. Filmfigur Emelie (die sich im Film anfangs als Anna tarnt) ist weit davon entfernt. Die handelt zwar keinesfalls ehrenhaft und hat Menschen auf dem Gewissen; hinter der Fassade kühler Distanz versteckt sich jedoch eine verletzliche und fehlgeleitete Kreatur, die in der Vergangenheit Schlimmes erleben musste, das ihr Handeln und Intensionen weitestgehend menschlich macht. Regisseur MICHAEL THELIN erklärt der Fachpresse, dass er sich von Filmemachern wie DAVID FINCHER, ALFRED HITCHCOCK und dem österreichischen MICHAEL HANEKE inspirieren lies. Letzterer sorgte mit der Mediensatire FUNNY GAMES Ende der 90er für Kontroverse, indem er den Zuschauer zum stillen Mittäter am Mord einer unschuldigen Familie machte. Der bleibt in EMELIE zwar aus; trotzdem sind Referenzen zum Home-Invasion-Thriller unverkennbar und zahlreich – auch wenn der Film niemals die unberechenbare Kaltschnäuzigkeit erreicht, die Haneke in seinem Kammerspiel vor knapp 20 Jahren auf den Zuschauer losgelassen hat.
 
 
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Letztendlich ist EMELIE kein Film für jene, die den Nervenkitzel suchen. Was in EMELIE über die Kinoleinwand flimmert ist in erster Linie ein solider Thriller, der aber kaum Überraschungen zu bieten hat. Was passieren wird, lässt sich schnell erahnen. Der Film begleitet eine verzweifelte Frau bei ihrem Versuch fremde Kinder zu manipulieren, um sich deren Vertrauen erschleichen zu können. Dabei verläuft die lineare Handlung ohne Schnörkel bis zum erlösenden Finale, in dem der Übeltäterin das Handwerk gelegt wird. Leider ist die Filmauflösung weit hergeholt und lässt den Zuschauer mit Fragen zurück. Dank guter Schauspieler (allen voran die glaubhaft und natürlich agierenden Kinderdarsteller) hebt sich der Film aber deutlich von anderen schnell gedrehten Thrillern ab, die in letzter Zeit ziemlich oft fürs Fernsehen oder den Videomarkt produziert werden. Für den kleinen Suspense-Mitternachtssnack reicht’s. Große Horror und Thriller-Kunst sieht anders aus.
 
 


 
 
 

EMELIE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Kleiner, fieser Thriller den besorgte Eltern besser meiden sollten. Eigentlich war EMELIE anfangs nur eine fünfseitige Kurzgeschichte. Die hat Regisseur MICHAEL THELIN jedoch so gefesselt, dass daraus schnell ein Drehbuch wurde. Der Macher fand die Idee mehr als beunruhigend und faszinierend zugleich, wie eine scheinbar vertrauenerweckende Person eine ahnungslose Familie manipuliert und für eigene Zwecke missbraucht. Entstanden ist ein solider Thriller, der von Hanekes Skandalfilm FUNNY GAMES inspiriert wurde, aber anders als genannter Home-Invasion-Thriller ganz ohne Überraschungen auskommen muss. Eine als Kindermädchen getarnte Frau schleicht sich in eine Familie ein und verfolgt eigene Interessen. Am Ende wird sie zur Strecke gebracht – das war’s. Immerhin ist EMELIE technisch auf ansprechendem Niveau und authentisch agierenden Kinderdarsteller bleiben im Gedächtnis. Im Vergleich zu den mutigen Heimverteidigern bleibt der Filmbösewicht da leider blass. Trotz Kritiker- und Presselob ist EMELIE kein Geheimtipp. Dazu ist der Film dann doch sehr konventionell gestrickt und verläuft nach bekannter Genre-Rezeptur.
 
 


 
 
 

EMELIE – Zensur

 
 
 
Viel Schlimmes passiert im Film nicht. Ein unangemeldeter Besucher bekommt von Kindermädchen EMELIE eine gehörige Tracht Prügel und wird im Off zur Strecke gebracht. Ein Hamster wird von einer Schlange gefressen. Zudem nimmt sich ein Komplize der vermeintlichen Babysitterin das Leben. Am Ende wird der Filmbösewicht auch noch von Kindern mit dem Auto überfahren. Das war es dann aber auch schon mit den „bösen“ Szenen. Man darf von einer ungeschnittenen FSK16 ausgehen.
 
 
 


 
 
 

EMELIE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Ultramedia)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)

Teufelskind Joshua (2007)

Das Kindermädchen (1990)

Das zweite Gesicht (1993)

Mikey (1992)


Filmkritik: „Goddess of Love“ (2015)

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GODDESS OF LOVE – IHRE LEIDENSCHAFT IST DEIN TOD

Story

 
 
 

Stripperin Venus (Alexis Kendra, möglicherweise bekannt aus BIG ASS SPIDER und HATCHET 2) arbeitet in einem Nachtclub und lernt dort die Liebe ihres Lebens kennen. Leider verläuft die Beziehung anders als erwartet und endet im Chaos.

 
 
 


 
 
 

GODDESS OF LOVE – Kritik

 
 
 
Verstörender als jeder Horrorfilm ist manchmal das Leben selbst. Das schreibt nicht selten die schaurigsten Geschichten. Von denen hat sich schon mancher Filmemacher inspirieren lassen. Neu im Club: JON KNAUTZ. Der Regisseur dürfte aufmerksamen Horrorfans kein Unbekannter mehr sein. Im Gegenteil; der kanadische Director hat sich schon einige Male im Genre ausgetobt. Auf seine Kappe gehen Filme wie JACK BROOKS: MONSTER SLAYER, THE SHRINE und GIRLHOUSE, die beim Publikum mindestens mal gut ankamen. Knautz bot kurzweilige Unterhaltung durch massentauglichen Horror. Ganz anders mutet da der nächste Streich des Filmemachers an. Schimpft sich GODDESS OF LOVE und schlägt eine ganz andere Richtung ein. Statt Geister, Serienkiller oder Monster auf den Zuschauer loszulassen, wird es psychologisch. Die GODDESS OF LOVE beschäftigt sich mit einem heiklen Thema, das wohl niemandem fremd ist: die Liebe. Da wir von FILMCHECKER in erster Linie „böse“ Film besprechen, ist natürlich klar, dass dieser Streifen keine Liebes-Schmonzette ist. Vielmehr protokolliert JON KNAUTZ in beunruhigenden Bildern das oft unerfüllte Streben nach Geborgenheit, Nähe und Zugehörigkeit in einer immer anonymeren und schnelllebigeren Zeit wie unserer Gegenwart.
 
 
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Wenn Liebe wahnsinnig macht. GODDESS OF LOVE rückt die attraktive Venus (ALEXIS KENDRA) in den Mittelpunkt, die trotz hinreißender Optik kein Glück mit den Männern hat. Bei ihrer Arbeit als Tänzerin in einem Nachtclub lernt sie Traummann Brian (WOODY NAISMITH) kennen und verliebt sich in den unnahbaren Fremden. Der hat auch kein einfaches Los gezogen. Seine vorherige Partnerin hat sich in der Badewanne das Leben genommen. Trotz Kummer lässt er sich auf die neue Beziehung mit der schönen Tänzerin ein – doch das Liebesglück nimmt bald sonderbare Ausmaße an. Venus wird misstrauisch, weil sich der Liebste nur noch sporadisch meldet und weder Anrufe noch Mails beantwortet. Auf der Suche nach Antworten beginnt sie den neuen Freund zu beschatten und findet heraus, dass der sich lieber mit anderen Frauen verabredet, als mit ihr Zeit zu verbringen. Was folgt ist nicht normal. Die Filmheldin entwickelt eine Obsession für ihren Partner und kann bald nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Der psychische Abstieg ist vorprogrammiert, denn im Zuge von Verzweiflung, Verlustängsten und Wut wird die smarte Tänzerin zum unkontrollierbaren Racheengel.
 
 
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Kein Liebesfilm mit Schmalz oder gar Happy End. Regisseur JON KNAUTZ greift mit GODDESS OF LOVE ein ernstes Thema auf, das sich seit eh und je wie ein Virus durch die Gesellschaft frisst. Es ist die oft ergebnislose Suche der Menschen nach Liebe, die in diesem Machwerk zum Mittelpunkt deklariert wird und für unschöne Bilder sorgt. GODDESS OF LOVE zeigt auf, zu welchen Taten Liebende fähig sind, die von einer ständigen Angst vor Verlust und Enttäuschung getrieben werden und dabei scheinbar nicht mehr nach Verstand handeln, sondern in erster Linie angstgesteuert. Somit ist die Filmheldin keine Psychopathin oder Stalkerin im herkömmlichen Sinne, sondern eher bemitleidenswertes Opfer einer unzweifelhaft selbstsüchtigen und emotional kalten Gesellschaft, in der es immer schwieriger wird aufrichtige Liebe zu finden, die ein Leben lang hält.
 
 
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In Interviews erklärte Macher JON KNAUTZ, dass er schon immer einen Film drehen wollte, mit dessen Handlung sich jeder identifizieren kann. Die Auswirkungen von Liebeskummer zu studieren, fand er dabei besonders interessant, schließlich dürfte ein jeder mit Herzschmerz bereits Erfahrungen gesammelt haben. Nach einer Sichtung des klassischen Achtziger-Thrillers EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE stellte er sich die Frage, wie der Film wohl verlaufen würde, wenn der Zuschauer die Handlung aus der Sicht von GLENN GLOSE zu sehen bekäme. Prompt kam so die Idee zu einer Geschichte über eine Frau in den Sinn, die wegen unerwiderter Liebe aus der Bahn geworfen wird. Dabei entstanden ist kein typischer Horrorfilm. Vielmehr verbirgt sich hinter GODDESS OF LOVE ein verstörendes Psychodrama, das den psychischen Abstieg einer Frau bebildert, die einfach nur geliebt werden möchte. Die wird hier von ALEXIS KENDRA verkörpert, die eine beachtliche Leistung abliefert und dem Zuschauer hauptsächlich durch Mimik und Gestik zu verstehen gibt, was sich da in Filmfigur Venus zusammenbraut. So ist GODDESS OF LOVE dank unbequemer Bilderflut und nur schwer verdaulicher Problematik ein spezieller Film, der sich auch an ein spezielles Publikum richtet. Wer es demzufolge grob und deftig braucht, geht diesmal leider leer aus – auch wenn JON KNAUTZ im kompromisslosen und unerfreulichen Finale zeigt, wo seine Wurzeln liegen.
 
 
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GODDESS OF LOVE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Verstörend, kontrovers und genial. GODDESS OF LOVE ist kein leicht verdaulicher Film, den man so nebenbei sieht. Nach dem harten Slasher GIRLHOUSE macht Regisseur JON KNAUTZ was mit Anspruch und hat mit GODDESS OF LOVE den wohl besten Film seiner bisherigen Karriere gedreht, der alltäglichen Horror zum Thema eines Psychodramas macht. Im vierten Spielfilm des kanadischen Filmemachers wird gezeigt, was passieren kann, wenn die Sehnsucht nach Liebe in grenzenlosen Hass umschlägt. Der Zuschauer wird hierbei in die Welt einer gezeichneten Filmheldin entführt, die schleichend wahnsinnig wird, weil sie einfach nur geliebt werden möchte. Das Leben schreibt manchmal beunruhigendere Geschichten, als jeder eingeschränkt kreative Drehbuchautor. Auch wenn das Finale von GODDESS OF LOVE etwas zu sehr in Genre-Gewohnheiten abdriftet, ist die vermittelte Botschaft aktueller denn je. Setzt man sich nach dem Anspann mit dem Film auseinander, wird schnell deutlich, dass viele Menschen in unserer heutigen anonymen Zeit sonderbare Wege gehen, um Liebe zu finden und an sich zu binden.
 
 


 
 
 

GODDESS OF LOVE – Zensur

 
 
 
GODDESS OF LOVE ist eher ein Psychodrama, das Horror im Kopf des Zuschauers entstehen lässt. Es gibt eine tote Katze zu sehen und eine Protagonistin wird mit einem Messer erstochen. Das Ende ist fraglich. Hier wird mit unzähligen Messerhieben auf einen Körper eingestochen. Trotz dieses sehr reißerisch zelebrierten Mord, hat es keine Erwachsenenfreigabe geben. Die FSK hat GODDESS OF LOVE bereits für Sechsehnjährige freigegeben. Wegen dem Bonusmaterial, was sich auf der erhältlichen Heimkinofassung befindet, besitzt die Blu-ray / DVD jedoch einen roten Freigabe-Sticker.
 
 
 


 
 
 

GODDESS OF LOVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Maritim Pictures (Special Edition mit BD & DVD im Digipack)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Goddess of Love; Kanada 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinoveröffentlichung wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Digipack mit Schuber

Extras: Trailershow, Originaltrailer, Postkarten

Release-Termin: 28.10.2016

 

Goddess of Love [Standard Blu-ray im KeepCase]

Goddess of Love [Special Edition mit Blu-ray & DVD im Digipack]

 
 
 


 
 
 

GODDESS OF LOVE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Abbildungen liegen bei MARITIM PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Come Back to Me (2014)

Crush – Gefährliches Verlangen (2013)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)


Filmkritik: „Dementia“ (2015)

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DEMENTIA

Story

 
 
 

Ein dementer Kriegsveteran erlebt nach einem Schlaganfall das pure Grauen in den eigenen vier Wänden.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Kritik

 
 
 
Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass kein Mord ungesühnt bleibt. So bekommen die meisten Bösewichte am Ende das, was sie verdient haben und müssen nicht selten mit blutiger Rache rechnen – dem Zuschauer zuliebe. Der wird in vielen Fällen mit Schauerwerten verwöhnt, die nicht ohne sind, verkaufen sich Horrorfilme schließlich besonders gut, wenn sie deftige Bestrafungsmethoden zeigen. Rein gar nichts für Gorebauern ist der folgende DEMENTIA. Der schlägt – trotz Vergeltungsakt – in erster Linie leise Töne an und versucht Nervenkitzel durch Psychospiele zu verursachen. In diesem Indie-Thriller wird einmal mehr aufgezeigt, dass auch gutbürgerliche Nachbarn manch schreckliches Geheimnis hüten, das Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert hat und irgendwann ans Tageslicht kommt.
 
 
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THE SACRAMENT-Prediger GENE JONES hat an „bösen“ Rolle Gefallen gefunden und verkörpert erneut einen Schurken, der diesmal etwas zu verbergen hat. Als wenig sympathischer Eigenbrödler George Lockhart kommt er nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus und leidet fortan an einer speziellen Form der Demenz, weil das Gehirn kurzzeitig nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnte. Der entfremdete Sohn Jerry (PETER CILELLA aus CONTRACTED: PHASE 2) und Enkelin Shelby (HASSIE HARRISON) nehmen es gelassen, bringen den Vietnamveteran nach Hause und staunen nicht schlecht, als am nächsten Tage eine Krankenschwester unangemeldet nach dem Patienten sehen möchte. Die kommt gelegen, denn der Sohnemann hat Arbeit im Kopf. Pflegerin Michelle (KRISTINA KLEBE aus BELA KISS: PROLOGUE) soll sich um den gebrochenen Kriegsveteran kümmern, der trotz harter Schale von Kriegserlebnissen gezeichnet ist. Leider passieren bald seltsame Dinge, was die Angehörigen auf des geistigen Zerfall des Familienmitglieds zurückführen. Doch die Ursache ist eine andere. Schwester Michelle ist zwar mitfühlend und zuvorkommend, versteckt aber hinter der Fassade des hilfsbereiten Engels ein furchtbares Geheimnis.
 
 
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Vom Kameramann zum Regisseur. Für DEMENTIA zeichnet MIKE TESTIN verantwortlich. Der stand in der Vergangenheit für Horrorstreifen, wie CONTRACTED oder CHILLING VISIONS als erfahrener Profi hinter der Kamera und nahm nach diversen Kurzfilmen für den ersten Langfilm auf dem Regiestuhl platz. Solide Leistung liefert er mit dem ersten, eigenen Spielfilm ab, der Dank der herausragenden Leistung von GENE JONES weit besser geworden ist, als man es vom etwas sehr überraschungsarmen Drehbuch erwartet hätte. Jones spielt hier einen unnahbaren Rentner, der für niemanden und nichts Mitgefühl entwickeln möchte. Trotzdem schafft der erfahrene Schauspieler das Kunststück, dass Mitleid für einen Mann entsteht, der in der Vergangenheit Grausames getan hat, aber nie bestraft wurde. Der Antiheld fühlt sich bald selbst als Opfer und muss sich für ein Verbrechen verantworten, das viele Jahre zurückliegt. So wird KRISTINA KLEBE im Film zu ISABELLE FUHRMAN (das Kind aus ORPHAN), die anfangs noch freundlich bald wahre Intensionen zeigt. Sie hat jahrelang Rache geplant und nutzt nun das Handicap ihres Gegenübers aus, um Kontrolle und Macht zu demonstrieren. Leider verblasst die Schauspielerin hinter der Leistung ihres Kollegen, denn trotz bitterbösem Katz-und-Maus-Spiel will man ihr die Rolle des psychopathischen Racheengels nicht so recht abnehmen. Aber auch die Handlung lässt Glaubwürdigkeit vermissen. Spätestens ab Filmmitte führt das Drehbuch ins Absurde. Hinzukommt, dass Ereignisse vorhersehbar sind und nach Schema F abgehandelt werden, so dass DEMENTIA dann doch etwas zu sehr ins klischeebehaftete Genrekino abdriftet. Förderlich für die Spannung ist das nicht gerade.
 
 
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Wenn der Pfleger zum Killer wird. Regisseur MIKE TESTIN spielt verkehrte Welt, denn in DEMENTIA werden Rollen vertauscht. Aus Tätern werden Opfer und umgedreht. So wird ein gewissenloser Kriegsveteran zum Gefangenen im eigenen Haus und muss mit körperlichen Gebrechen ums Überleben kämpfen. Ähnlich gestricktes Psychokino gab es übrigens schon vor 30 Jahren. Der spanische IM GLASKÄFIG fasst ähnliches Thema auf und erzählt von einem gelähmten, pädophilen Nazi, der von einem ehemaligen Opfer gefoltert wird. Was aber seinerzeit Kontroverse verursacht hat, weil Tabus gebrochen wurden, flimmert in DEMENTIA weitaus unspektakulärer und nicht gerade einfallsreich über die Leinwand. Gezeigtes ist simpel gestrickt, einfacher zu verdauen und orientiert sich in der Machart am Psycho-Mainstream, wie er bereits mit STEPHFATHER (das Remake!), CRUSH oder THE ROOMMATE dem Zuschauer vorgesetzt wurde. Dennoch ist DEMTIA deswegen nicht unbedingt schlecht. Das Grauen wird hier langsam aufgebaut, so dass sich der Horror schleichend seinen Weg durch eine Handlung bahnen kann, die mit halsbrecherischem Finale abgerundet werden muss. Über Letzteres lässt sich streiten. Schraubt man Erwartungen herunter, sorgt DEMETIA gerade wegen seiner eher zurückhaltenden Inszenierung und den guten Schauspielern zumindest ab und an für etwas Suspense. Für einen verregneten Nachmittag reicht’s.
 
 
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DEMENTIA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Als Familiendrama getarnter Psychothriller. DEMENTIA ist nicht gerade das, was man sich unter packend umgesetztem Psycho-Horror vorstellt. Der Film handelt von vermeintlich vertrauenswürdigen Menschen, die sich in das Leben gutbürgerlicher Familien einschleichen, um dort für Chaos zu stiften. Was in DEMENTIA passieren wird, ist schnell ergründet und nicht gerade neu. Geübte Horrorzuschauer werden schnell die Fährte wittern, denn die im Titel erwähnte Demenz fungiert nur als Alibifunktion, damit ein perfides Katz-und-Maus-Spiel gespielt werden kann. Was den einfach gestrickten Plot jedoch halbwegs interessant macht, sind die guten Darsteller, die vergessen lassen, dass DEMENTIA eigentlich ein Thriller von der Stange ist. Der hat vor allem mit einigen Logikproblemen und Unglaubwürdigkeiten zu kämpfen. Dennoch: Solide Unterhaltung für Zwischendurch. Mehr aber auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es kaum zu sehen. Neben einer toten Katze wird ein älterer Mann erschossen. Zudem kommt im Finale noch einmal die Flinte ins Spiel. Außerdem wird der Hauptdarsteller von verstörenden Kriegserinnerungen gequält in denen der Kamerad blutig durchs Bild taumelt. Sollte DEMENTIA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Film problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)

Orphan – Das Waisenkind (2009)

Misery (1990)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

The Roommate (2011)

Captivity (2007)

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)


Filmkritik: „The House on Pine Street“ (2015)

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THE HOUSE ON PINE STREET

Story

 
 
 

Jennifer Branagan ist im siebten Monat schwanger und erlebt den Horror ihres Lebens. Im neuen Haus passieren unheimliche Dinge, die die werdende Mutter in den Wahnsinn treiben.

 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Kritik

 
 
 
Es wird wieder ruhiger im Horrorkino, denn nach dem Comeback brutaler Folterstreifen, grausamer Rachefilme und blutiger Schlachtwerke geht der Trend zum minimalistischen Horror über, der mit einfachen Mitteln möglichst viel Unbehagen bescheren soll. Das ist zuletzt mit dem außergewöhnlichen IT FOLLOWS und dem psychologischen THE BABADOOK gelungen. Letzterer wurde in Deutschland unglücklich vermarktet und lies enttäuschte Kinogänger zurück. Die hatten sich vom australischen Indie-Export schauriges Filmvergnügen versprochen, bekamen aber Psychoware vorgesetzt, die mit Horror nur wenig am Hut hatte. Trotz (berechtigter) Kritik avancierte der Psychothriller zum Geheimtipp – wohl auch deswegen, weil er bereits im Vorfeld viel Lob auf Festivals erhielt, zahlreiche Preise abräumte und so Horrorfans neugierig machen konnte. Positives Feedback und reichlich Gold gab es auch für den folgenden Film. Der schimpft sich THE HOUSE ON PINE STREET, kommt aus Amerika und wurde von zwei Brüdern gedreht, die bereits 2009 Horror in Eigenregie geschrieben, gedreht und produziert haben. Mit ihrem zweiten Spielfilm wurde subtiler Horror der zurückhaltenden Art fabriziert, der ähnlich wie genannter THE BABADOOK eher psychologisches Grauen zum Thema macht.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET handelt vom psychischen Abstieg der Jennifer Branagan (vielschichtig verkörpert von EMILY GOSS), die im Verlauf des Films an ihrem Verstand zweifelt, weil seltsame Dinge passieren. Sie zieht mit ihrem Mann (TAYLOR BOTTLES) weg von Chicago in ein Haus zurück in den Ort ihrer Kindheit, wo die Geburt des Nachwuchses freudig herbeigesehnt wird. Doch die Freude am neuen Leben währt nicht lang, denn im neuen Heim geht’s nicht mit rechten Dingen zu. Die Kammer im Schlafzimmer steht immer offen und Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand. Ohne Frage, hier spukt’s – doch leider will der jungen Frau niemand Glauben schenken. Als die Leidgeplagte von einer unsichtbaren Kraft attackiert wird und ihr niemand helfen möchte, reicht’s. Die werdende Mutter will zurück nach Chicago. Doch da passiert das Unfassbare.
 
 
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Von strengen Müttern, beschäftigten Ehemännern und psychisch labilen Hausfrauen. THE HOUSE ON PINE STREET ist metaphernreiches und intelligentes Indie-Kino, das einmal mehr beweist, dass man für guten Horror nicht viel benötigt. So sind es oftmals kleine Geschichten fernab vom Mainstream, die den Zuschauer gebannt vor der Glotze verharren lassen. Statt plakativ zu Erschrecken und möglichst viel Schauer auf Zelluloid zu bannen, gehen es die Macher AARON und AUSTIN KEETING unkonventionell an. Sie nutzen Spuk nur als Vorwand, um eine tragische Geschichte über Isolation, Einsamkeit und ihre Folgen zu erzählen. Hauptfigur Jennifer wird im Film von einer unheimlichen Präsenz verfolgt. Deren Attacken scheinen mit fortlaufendem Schwangerschaftstress immer aggressiver zu werden. Leider zweifelt bald die Familie, ob die junge Frau noch klar bei Verstand ist. Das ist auch kein Wunder, denn weder Freunde noch Besucher können Geistererscheinungen wahrnehmen. Bald führt Verzweiflung zu Wutausbrüchen und Unzufriedenheit. Zorn wird freigesetzt. Der hat lang im Unterbewusstsein einer Frau geschlummert, die sich immer versucht hat unterzuordnen.
 
 
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AARON und AUSTIN KEETING überzeugen mit cleverem Verwirrspiel. Sie locken in THE HOUSE ON PINE STREET auf falsche Fährten und manipulieren souverän. Lang bleibt nämlich unklar, ob die Brüder hier einen Geisterfilm oder Psychothriller gedreht haben. So ahnungslos wie die Filmheldin bleibt auch der Zuschauer, der quasi auf Augenhöhe mit der Hauptfigur ein erschütterndes Martyrium durchlebt, bei dem lang undurchsichtig bleibt, ob die leidgeplagte Jennifer wirklich Geister sieht oder der Spuk nur Folge traumatisierender Erlebnisse ist. Letztendlich ist auch im Falle von THE HOUSE ON PINE STREET die Bezeichnung „Geheimtipp“ gerechtfertigt. Was hier mit wenig Budget und hervorragenden Schauspielern auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich. THE HOUSE ON PINE STREET bleibt gerade wegen der zurückhaltenden und minimalistischen Machart bis zum Ende spannend und pendelt mit nahezu unbeschwerter Leichtigkeit zwischen Genres. Wer gern im Horrorfilm miträtselt, sollte gut aufpassen, denn so einfach ist THE HOUSE ON PINE STREET nicht zu knacken.
 
 
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THE HOUSE ON PINE STREET – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Grandioser Geheimtipp für Liebhaber subtiler Schauer. THE HOUSE ON PINE STREET schwimmt auf gleicher Welle, wie THE BABADOOK und verwirrt den Zuschauer durch falsche Fährten. Spukt es im Film wirklich oder haben sich Geistererscheinungen nur im Kopf einer verzweifelten Frau manifestiert? Die Brüder AARON und AUSTIN KEETING gruseln unkonventionell und machen alles richtig. So richtet sich THE HOUSE ON PINE STREET an jenes Publikum, das auch im Horrorfilm nach Anspruch sucht. Das bekommt hier ein cleveres Drehbuch vorgesetzt, das sich viel Zeit für die Entwicklung der Filmheldin nimmt. Hinzukommt, dass alle Rollen mit unverbrauchten Gesichtern besetzt wurden, die zur Abwechslung auch mal was können. Wer viele Indie-Horrorfilme neueren Datum gesehen hat, dürfte wissen, dass talentierte Schauspielern oft Mangelware sind. Wir meinen: Zu Recht auf Filmfestivals gehypter Gruselstreifen – Unbedingt sehenswert.
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Zensur

 
 
 
THE HOUSE ON PINE STREET ist subtiler Psycho-Horror, der keine Gewalt zeigt. Die reduziert sich auf einen Fenstersturz. Ansonsten gibt es einige verstörende Spukmomente zu sehen, die dem Streifen einen FSK16 einbringen dürften.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE ON PINE STREET – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 

Dark Circles (2013)

The Babadook (2014)

Rosemaries Baby (1968)

Delivery: The Beast Within (2013)


Filmkritik: „Martyrs“ (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Dennoch musste das MARTYRS-Remake geschnitten werden, um eine FSK-Freigabe erhalten zu können. Diese zensierte Fassung besitzt den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (Mediabook mit dem Original von 2008 und Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Martyrs; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Inside the Creature – Featurette | zusätzlich im Mediabook: Booklet, der Originalfilm Martyrs von 2008

Release-Termin: 03.11.2016 (BD KeepCase und Mediabook)

 

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MARTYRS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)