Filmkritik: „Incredible Violence“ (2018)

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INCREDIBLE VIOLENCE

(G. PATRICK CONDON’S INCREDIBLE VIOLENCE)

Story

 
 
 

Die Dreharbeiten zu einem Horrorfilm geraten aus dem Ruder. Da wird aus Improvisation plötzlich Ernst, sodass sich die Schauspieler auf einmal in ihrem ganz eigenen, echten Horrorfilm befinden.

 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Kritik

 
 
 
Was hat man eigentlich von einem Film zu erwarten, der mit einem Titel wie INCREDIBLE VIOLENCE um die Gunst des zahlungskräftigen Publikums buhlt? Horrorfilmfans assoziieren da vermutlich ausreichend Gewalt, die nahezu minütlich über die Mattscheibe flimmert. Umso verwunderlicher, wenn da ein Streifen mit genau dieser Titelkreation wirbt und doch eher sparsam mit selbstzweckhaften Content umgeht, der die niederen Instinkte des Zuschauers ansprechen soll. Ist das gut oder als hinterlistige Täuschung zu bezeichnen? Im Fall des nun hier vorgestellten INCREDIBLE VIOLENCE irgendwie beides. Dieser Film weckt falsche Erwartungen, hinterlässt aber trotzdem ein befriedigendes Gefühl. Warum? Das sagen wir Euch in unserer Filmvorstellung.
 
 
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Was macht man eigentlich, wenn man kein Budget zur Verfügung hat, aber trotzdem einen Horrorfilm drehen will. Richtig: man heuert ahnungslose Schauspieler an, die man für lau arbeiten lässt, indem man sie am Ende einfach nicht bezahlt. Genau diesen Einfall hat auch Nachwuchsregisseur G. Patrick Condon (übrigens der gleiche Name, wie der des tatsächlichen Regisseurs dieses Films). Der träumt von der großen Karriere und will Horror auf Zelluloid bannen. Leider hat der aber so gar keine Kohle. Doch der Filmemacher findet einen Weg. Er borgt sich finanzielle Mittel bei einer ominösen Organisation, das er aber für andere Dinge verschwendet. Da ist guter Rat teuer, denn die Geldgeber wollen natürlich nicht umsonst investiert haben und Resultate sehen. Auf der verzweifelten Suche nach einer Möglichkeit, seinen Film doch noch schnell und billig abdrehen zu können, kommt der Hobby-Filmemacher auf eine Idee. Er lockt einige Schauspieler in ein Haus, das er mit Überwachungskameras versehen hat. Condon selbst versteckt sich im Dachgeschoss der leerstehenden Hütte und gibt den nichtsahnenden Darstellern vor jeder Szene Anweisungen per Fax. Die spielen das Spiel brav mit, während der Regisseur selbst einen Schauspieler nach dem nächsten vor laufender Kamera ermordet, um die Kosten für Gage und Spezialeffekte so gering wie möglich halten zu können. Ein raffinierter Schlawiner. Bis die Dreharbeiten eine ungeahnte Wendung erfahren und alles aus dem Ruder läuft.
 
 
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Unkonventionell, experimentell, interessant. INCREDIBLE VIOLENCE ist Indie-Horror wie er im Buche stehen. Der traut sich nämlich was und zeigt, was man eigentlich nur im Indie-Sektor zeigen kann. Anders als in den Horrorfilmen größerer Studios wird hier Mut bewiesen und sich auch mal fernab bekannter Pfade bewegt. Herausgekommen ist im Falle von INCREDIBLE VIOLENCE ein etwas anderer Slasher, der Spaß am Richtungswechsel beweist. Da ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Regisseur G. PATRICK CONDON startet mit Kritik. Sein Protest auf die vielen kaum noch ertragbaren No-Budget-Horrorfilme ist unüberhörbar. Mittlerweile sind im Horrorkino jene Machwerke die Regel geworden, in denen Möchtegern-Filmemacher mit nicht vorhandenen Investitionen Filmerfolge feiern möchten und dafür den Zuschauer foltern. Da wird – genauso wie in der Handlung des hier vorliegenden Films – ohne Erfahrung und Geld irgendwas auf Zelluloid gebannt. Was sich da mittlerweile alles Film schimpft, ist eine Zumutung. Talent und Unterhaltung? Fehlanzeige! Ganz Unrecht hat Condon daher nicht.
 
 
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Doch der lautstarke Protest ist nur Beiwerk. INCREDIBLE VIOLENCE entpuppt sich nämlich als Achterbahn des Horrors und streift diverse Subgenres des Horrorfilms. Was als zynischer Seitenhieb auf die Low-Budget-Filmindustrie beginnt, entwickelt sich bald zum etwas anderen Slasher-Film, der in der letzten halben Stunde vollkommen aus der Bahn gerät. Da wird Angst zu Wahn und Wahn zu Terror. Aus dem unkonventionellen Slasher-Flick wird plötzlich ein Psychothriller, der seine Protagonisten an die Grenzen gehen lässt. Da werden Elemente von Survival-Horrorfilmen ebenso in die Handlung gestreut, wie Terrorszenen, die das Nervenkostüm des Zuschauers strapazieren sollen. Es wird viel geschrien und gemordet. Spätestens jetzt wird der Film seinem Titel gerecht. Das hat man so nicht kommen sehen.
 
 
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INCREDIBLE VIOLENCE zeigt, dass Low-Budget-Kino auch anders kann und nicht immer seinem schlechten Ruf gerecht werden muss. Die Schauspieler liefern facettenreiche Arbeit ab und auch der dreckige Indie-Look verfehlt seine Wirkung zu keiner Minute. Der passt hervorragend zum Film und unterstreicht den ernsten Richtungswechsel in der zweiten Filmhälfte souverän. Da gibt es plötzlich garantiert nichts mehr zu lachen und man fiebert mit dem anfangs noch unsicheren Final Girl mit, das im Finale genretypisch ums Überleben kämpfen muss und über sich hinauswächst. INCREDIBLE VIOLENCE ist überraschend anders – aber auch nicht für jeden Zuschauer geeignet. Der Streifen ist nicht perfekt und hat natürlich mit einigen dramaturgischen Hängern zu kämpfen. So braucht der Indie-Horror etwas bis er an Fahrt gewinnt. Hat er aber das richtige Tempo endlich erreicht, lässt er sich nicht mehr bremsen. Das dürfte so manchem Zuschauer gefallen, der ein Herz für makelbehaftete und nicht unbedingt fehlerfreie Horrorfilme besitzt. Genau diese Makel machen INCREDIBLE VIOLENCE charmant, denn der Streifen hat andere Qualitäten. Dank unkonventioneller Story und cleveren Wendungen gelingt es nämlich diesem Debütfilm im Kopf zu bleiben. Daher kann man gespannt auf das sein, was Regisseur G. PATRICK CONDON als Nächstes auf den Zuschauer loslassen wird. Hoffentlich wird das mindestens genauso kreativ, wie der einfallsreiche Erstling.
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unkonventionell, experimentell und bizarr – Horror made in Canada. INCREDIBLE VIOLENCE ist weit weg von dem, was man sonst so auf NETFLIX zu sehen bekommt. Der Streifen ist Indie-Horror in Reinform und punktet mit einer cleveren Geschichte, die einige Wendungen in petto hat. Hier ändert sich ganz gerne mal der Ton und aus zynischen Seitenhieben auf die Low-Budget-Filmindustrie wird plötzlich eine Horrorfahrt durch die Subgenre des Schreckens. Regisseur G. PATRICK CONDON hat zuvor einige Kurzfilme gedreht und wagt sich nun mit INCREDIBLE VIOLENCE an was Großes. Das Langfilmdebüt – das übrigens bereits im Sommer 2017 gedreht wurde – lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Film ist mal Slasher, mal Terrorfilm, mal Psychothriller, mal Survival-Horror. Genau diese Prämisse macht den Film so besonders, für den die Schauspieler übrigens zustimmen mussten, die gesamten Dreharbeiten lang in jenem Haus zu leben, in dem der Horrorthriller gedreht wurde. Erst als nach zehn Tagen alle Szenen im Kasten waren, durften die Darsteller das Set verlassen. Eine anstrengende Erfahrung für Besetzung und Crew, die aber dem Film zugute kam. Genau jenes Vorgehen brachte die Akteure nämlich an Grenzen. Das wird vor allem in der zweiten Filmhälfte deutlich. Die Panik und die Angst der Filmfiguren wirken echt. Irgendwie pervers – aber auch beachtlich.
 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Zensur

 
 
 
INCREDIBLE VIOLENCE hat einige Morde zu bieten. Da werden Messer in Körper gerammt und Menschen stranguliert. Teilweise sind die Morde sehr lang. Hierzulande dürfte es dafür eine Erwachsenenfreigabe geben.
 
 
 


 
 
 

INCREDIBLE VIOLENCE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Hunting Party | Telefilm)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
The Last Horror Movie (2003)
 
Mann beißt Hund (1992)
 

Filmkritik: „The Intruder“ (2019)

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THE INTRUDER

Story

 
 
 

Ein junges Ehepaar träumt von einem neuen Leben in den eigenen vier Wänden. Doch das Traumhaus entpuppt sich als Albtraum, weil der ehemalige Eigentümer ein Psychopath ist.

 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Kritik

 
 
 
Nanu, hat man wieder die Remake-Presse angestellt? Zumindest könnte man das meinen, wenn man einen Titel wie THE INTRUDER liest. Schaut man sich nämlich ein wenig in den bekannten Filmdatenbanken OFDB und IMDB um, wird man schnell entdecken können, dass so einige Horrorklassiker gleiche Titelkreation tragen. Wir können aber beruhigen. THE INTRUDER aus dem Jahr 2019 ist keine Neuverfilmung eines bereits vorhandenen Films. Stattdessen wird Ideenraub betrieben. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Hollywood-Schnellschuss nichts anderes, als eine weitere Kopie ähnlich thematisierter Filme wie FEAR – WENN LIEBE ANGST MACHT oder THE STEPFATHER von 1987. In beiden Filmen versteckte sich das personifizierte Böse hinter der Fassade vermeintlich netter Bürger. Genannte Klassiker boten immerhin effektiven Thrill für nervenstarke Zuschauer. Ob das auch für THE INTRUDER gilt?
 
 
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Annie (MEAGAN GOOD) und Scott (MICHAEL EALY aus dem Remake von JACOB’S LADDER) sind ein junges Ehepaar mit Problemen. Gatte Scott nimmt es nämlich nicht immer genau mit der Treue, weshalb die beiden schon einiges versucht haben, um die Beziehung retten zu können. So soll der nächste Schritt die Gründung einer Familie sein. Dafür hat man sich ein schönes Anwesen in idyllischer Lage ausgesucht, das sich Scott einiges kosten lassen hat. Doch das Traumhaus entpuppt sich bald als Albtraum. Der ehemalige Besitzer kann offenbar nicht loslassen. Charlie Peck (DENNIS QUAID aus FREQUENCY und DIE REISE INS ICH) hat mehrere Jahre in dem Waldhaus gelebt und darin sogar seine Frau an den Krebs verloren. Demzufolge fällt der Abschied schwer. Doch das Verhalten des ehemaligen Besitzers nimmt bald seltsame Züge an. Tagein, tagaus verbringt er Zeit auf dem Grundstück und ignoriert dabei die Wünsche seiner Käufer. Die wollen hier endlich in Ruhe leben und bekommen es langsam mit der Angst zu tun, weil der alte Eigentümer auf die Privatsphäre der neuen Mieter pfeift. Was für ein schöner Start ins neue Leben.
 
 
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Nicht alles, was von einem großen Studio in Arbeit gegeben wird, muss zwangsläufig auch im Kino landen. THE INTRUDER hat mehr als das dreifache seines mageren Budgets an den amerikanischen Kinokassen wieder einspielen können, ist aber bei genauerer Betrachtung ein Psychothriller auf TV-Niveau. Zwar hat der Streifen mit DENNIS QUAID ein bekanntes Gesicht Hollywoods in petto; unterm Strich ist THE INTRUDER aber glattpolierte Horrorunterhaltung von der Stange. Dabei gestaltet sich die vehemente Vorhersehbarkeit der Geschehnisse als eines der größten Probleme. Der Film macht kein großes Geheimnis um das Mysterium seines Plots. So ist bereits nach 15 Minuten klar, dass DENNIS QUAID als ehemaliger Hauseigentümer nicht der ist, der er zu sein scheint. Der mimt zwar einen netten Mann mittleren Alters, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Er stellt den neuen Eigentümern nach, manipuliert seine Opfer und entpuppt sich bald als gerissener Psychopath, der so einige Leichen im Keller hat.
 
 
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Alles gut und schön, wären da nicht knapp zwei Stunden Laufzeit, die gefüllt werden müssen. Weil das Geheimnis um den Bösewicht bereits zu früh gelüftet wird, macht es sich THE INTRUDER schwer mit dem Spannungsaufbau, denn was passieren wird, ist offensichtlich. Da wird künstlich Laufzeit generiert und die Handlung mit immer wieder gleichen Abläufen gefüllt. DENNIS QUAID kommt als ehemaliger Besitzer zu Besuch und nistet sich bei den neuen Eigentümern ein. Am nächsten Tag kommt er erneut und mäht den Rasen. Tag drei wieder mit DENNIS QUAID, der durch das Anwesen stromert, um nach dem Rechten zu sehen. Trotz mulmigen Gefühls, können sich die neuen Hausbesitzer nicht dazu durchringen die Polizei zu rufen. Auch dann nicht, als man es mit der Angst zu tun bekommt. Ziemlich doof und fern der Realität.
 
 
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Nein, nein – THE INTRUDER ist keine Referenz in Sachen Psychopathen- und Stalker-Horror. Der Film kommt nie richtig in Fahrt und auch auf die fürs Genre obligatorischen Blutszenen muss man lang warten. Bei einem so halbherzigen Drehbuch voller Leerlauf und Logiklücken fragt man sich nicht zu Unrecht, was Schauspieler DENNIS QUAID bewegt haben muss, hier mitzuwirken. Wir schätzen mal, er hatte grade Zeit und die Gage hat gepasst. Der bekannte Darsteller wäre nicht der erste Hollywoodstar, der die Zeit zwischen Großproduktion nutzt, um sich sein Bankkonto mit wenig Aufwand aufzufüllen.
 
 
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THE INTRUDER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Durchschnittlicher Stalker-Psychothriller auf TV-Niveau. Kaum zu glauben, dass THE INTRUDER im Kino lief. Die Handlung dieses Horrorthrillers ist so dünn, das selbst jeder POLIZEIRUF 110 dagegen oscarverdächtig erscheint. Schauspieler DENNIS QUAID will mal richtig böse sein und versucht sich als Psychopath. Leider hat er sich da aber wohl eines der schwächsten Drehbücher ausgesucht, die in Hollywood zuletzt gehandelt wurden. Die Handlung ist vorhersehbar, die Abläufe generisch und auch in Sachen Gewalt ist THE INTRUDER alles andere, als erbaulich. Voll der Zeiträuber. Gras beim Wachsen zuschauen ist spannender.
 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Zensur

 
 
 
THE INTRUDER ist kein Angstmacher. In Amerika erhielt der Streifen ein jugendfreundlichen PG-13. Das ist auch kein Wunder. Gewalt oder vulgäre Sprache wird nämlich kaum im Film eingesetzt. Erst im Finale bekommt man etwas davon zu sehen. Dann geht es – wenn wundert es – dem Bösewicht an den Kragen. Hierzulande dürfte THE INTRUDER eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE INTRUDER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Sony Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 
Stepfather 3 – Vatertag (1992)
 
The Roommate (2011)
 

Filmkritik: „Feedback: Sende oder stirb!“ (2019)

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FEEDBACK: SENDE ODER STIRB!

(FEEDBACK)

Story

 
 
 

Radioshow des Grauens: Einige maskierte Einbrecher legen eine Radiostation lahm und übernehmen das Zepter. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die einen kalt und unvorbereitet treffen. Da schiebt man ahnungslos einen Film in den Player und erwartet eigentlich nicht viel. Umso erfreulicher, wenn es einen dann doch packt und nicht mehr loslassen will. Der spanische FEEDBACK ist eine dieser beschriebenen Produktionen. Der wurde ausschließlich in englischer Sprache gedreht und international besetzt. So lässt sich ein europäischer Film besser international verkaufen. Das Ergebnis ist Qualitätsarbeit aus Spanien bei der nicht wundern würde, wenn einen Herrn Jason Blumhouse der Teufel packt und FEEDBACK noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt neu interpretieren würde. FEEDBACK erinnert in seiner Machart an FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder den erst kürzlich hier besprochenen DAS GEHEIMNIS DER ROSE. In letzterem wurde eine Familie von einem Fremden terrorisiert, der noch ein Hühnchen mit der Bande zu rupfen hatte. Während dort der Horror in erster Linie psychischer Natur war, hält Regisseur PEDRO C. ALONSO von Kopfkino allein nicht sonderlich viel. Der lässt in seinem Regiedebüt FEEDBACK gleich mal den Hammer schwingen und sorgt für ein Blutbad. Hier wird Schockwirkung mit dem Riesenhammer erzielt. Zartbesaitete halten besser Abstand, denn FEEDBACK wirkt wegen der schonungslosen Skrupellosig- und Unberechenbarkeit von Bestie Mensch nach.
 
 
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Der Moderator einer erfolgreichen Radiosendung erlebt die Hölle auf Erden. Der wird eines Abends während einer Live-Übertragung von Einbrechern in seinem Moderationsraum festhalten. Jarvis Dolan soll die Sendung wie üblich weiter führen aber den Anweisungen der maskierten Fremden Folge leisten. Die haben keine besonderen Musikwünsche, sondern wollen den Moderator vor Live-Publikum zur Rede stellen. Eine Angelegenheit, die die Karriere des bekannten Rundfunksprechers beenden könnte. Das weiß Jarvis Dolan natürlich, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das perfide Spiel mitzuspielen. Die Kriminellen haben nämlich Geiseln in der Hand und sind zu allem bereit. Ist der Moderator nicht kooperativ, sterben nahestehende Menschen. Eine Tatsache, die diese Live-Sendung zur längsten im bisherigen Leben des Jarvis Dolan macht.
 
 
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Überschaubare Kulisse und Hochspannung pur. Die ganze Handlung von FEEDBACK spielt sich – ähnlich wie in so Filmen wie PANIC ROOM oder ELEVATOR – auf begrenztem Raum ab. Das bedeutet, dass sich die Geschehnisse in nur einem einzigen Zimmer zutragen, was zusätzlich für Anspannung sorgt. Panik, Klaustrophobie, Angst – extreme Herausforderungen, die den Film tragen und zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Regisseur PEDRO C. ALONSO lässt kaum Verschnaufpausen zu. Er beweist einen bewundernswerten Umgang mit Spannung, fordert seine Opfer und ebenso den Zuschauer. Was wollen die Einbrecher, wer versteckt sich hinter den Masken und zu was sind die Fremden fähig? Antworten auf Fragen, die natürlich so lang wie möglich verschleiert werden. Dazwischen: explizite Gewalt, psychologischer Terror und unerwartete Wendungen. Ja, FEEDBACK ist kein einfach zu verdauendes Filmchen – vor allem auch deshalb, weil der Film Kompromisse scheut und den Zuschauer wie auch seine Opfer durch die Filmhölle gehen lässt. Dabei bleibt grundsätzlich unklar, wer denn nun hier eigentlich gut und wer böse ist. Da verschwimmen Grenzen. Filmemacher PEDRO C. ALONSO macht aus Menschen Monster, die selbst in Extremsituationen über Leichen gehen und sich kontinuierlich in der moralischen Zweideutigkeit bewegen. Eine Tatsache, die verstört, zumal der Newcomer auch noch mit einem hinterlistigen Ende dort trifft, wo es am meisten wehtut. Das ist zwar nichts für Zuschauer mit schwachem Kreislauf. Trotzdem bleibt man aber mit so brachial schonungslosen Filmen im Gedächtnis. Eine Tatsache, die schon so manchem Filmschaffenden den Weg nach Hollywood geebnet hat. Kollegen wie ALEXANDRE AJA können ein Lied davon singen.
 
 
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FEEDBACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine kontroverse Geiselnahme, die schon bald aus dem Ruder läuft. FEEDBACK ist kein Kinderfasching. Der Film entpuppt sich als klaustrophobisches Kammerspiel, das vor allem durch eines im Gedächtnis bleibt: Schockwirkung. Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Das betrifft Figuren, wie auch Handlungsverläufe. Dazwischen: brachiale Gewaltausbrüche, die so unvorbereitet und heftig kommen, dass der Puls rast. Regisseur PEDRO C. ALONSO entpuppt sich als wahrhaftiger Spannungsmeister. Kaum Action, viele Dialoge. Dennoch vergehen die knapp 90 Minuten wie im Flug. Danach erhebt man sich schweißgebadet aus dem Filmsessel und braucht erstmal eine kalte Dusche. Krasses Debütwerk.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Zensur

 
 
 
FEEDBACK hat einige doch sehr harte Szenen zu bieten. Da wird mit einem riesigen Hammer eine Hand zertrümmert, auf einen Schädel mehrmals eingeschlagen und einen Kehlenschnitt gibt es auch zu sehen. Man darf von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen: FSK18. FEEDBACK – SENDE ODER STIRB (so der deutsche Titel) wird am 29. November 2019 als DVD, Blu-ray und im Mediabook veröffentlicht. Anbieter PANDASTORM PICTURES hat sich die deutschen Rechte gesichert.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Films Spain | Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Das Geheimnis der Rose (2017)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „The Haunting Of Sharon Tate“ (2019)

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THE HAUNTING OF SHARON TATE

Story

 
 
 

Die hochschwanger SHARON TATE wird von schrecklichen Träumen geplagt, in denen Sie den eigenen Tod kommen sieht. Alles nur Einbildung oder doch drohendes Unheil?

 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Kritik

 
 
 
Der Sommer 1969 schockierte ein ganzes Land. Am 9. August genannten Jahres zogen Mitglieder einer rassistischen Sekte los, um in den Hollywood Hills ein grausames Verbrechen auszuüben, das selbst heute noch Schauer verursacht. Im Fokus: Die damals hochschwangere Frau von Kult-Regisseur ROMAN POLANSKI. Sie galt zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen der Welt und als Stilikone der Swinging Sixties. Leider wurde ihr der Erfolg zum Verhängnis. Zusammen mit einigen Freunden wurde sie von Anhängern der Hippie-Kommune MANSON FAMILY ermordet, die von Psychopath CHARLES MANSON gegründet und geleitet wurde. Kontroverser Stoff, der offenbar auch heute noch für so einige Regisseure von Interesse ist, um ihn kommerziell ausschlachten zu können. Zu einem dieser Filmemacher gehört DANIEL FARRANDS. Der war schon an so einigen Horrorfilm-Produktionen beteiligt und scheint ein großes Herz für Genre-Ware zu besitzen. So schrieb er nicht nur das Drehbuch zu HALLOWEEN 6 und HAVENHURST. Auch als Produzent bewies er den richtigen Riecher und finanzierte so Horrorfilme wie HAUS DER DÄMONEN oder AMITYVILLE – THE AWAKENING mit. Dass bei so viel Liebe zum Horror auch THE HAUNTING OF SHARON TATE jene Schiene bedient, verwundert wenig. Statt einen informativen Tatsachenbericht über die Manson Morde abzuliefern, werden eher niedere Instinkte befriedigt. Damit tritt man in die gleichen Fußstapfen, wie der ähnlich gelagerte WOLVES AT THE DOOR. Auch dort wurde der Kriminalfall für einen Horrorthriller missbraucht, um möglichst detailreich das Ableben der Opfer zeigen zu können. Das ist irgendwie den Opfern und Angehörigen pietätlos gegenüber.
 
 
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Die Frau von Regisseur ROMAN POLANSKI ist im neunten Monat schwanger. Leider befindet sich der Gatte bei Dreharbeiten in London, weshalb sich SHARON TATE (gespielt von HILARY DUFF) in das gemeinsam angemietete Haus über den Hügeln Hollywoods zurückgezogen hat und sich dort mit Freunden die Zeit vertreibt. Leider erlebt die attraktive Sharon bald den Horror auf Erden. Sie wird von schrecklichen Albträumen und Visionen geplagt, in denen sie den eigenen Tod und den der Freunde voraussieht. Als wäre das nicht schon schaurig genug, fühlt sich die junge Frau auch noch verfolgt. Ein Fremder dringt in das Anwesen ein und hinterlässt Tonaufnahmen mit satanistischen Versen. es Sharon da mit der Angst bekommt ist verständlich. Leider will niemand der Freunde Glauben schenken. Die führen die plötzlichen Panikattacken auf die Schwangerschaft zurück. Eine Fehlinterpretation – wie sich bald herausstellen wird. Da klopft es plötzlich an der Tür und einige Fremde meinen es nicht gut mit der aufgebrachten Feiergesellschaft.
 
 
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Mittlerweile muss man mit einer gesunden Skepsis an Filme herangehen, die Themen aufgreifen, welche sich tatsächlich ereignet haben. So auch bei THE HAUNTING OF SHARON TATE. Der Film suggeriert dem Publikum nämlich, dass Kult-Schauspielerin SHARON TATE vor ihrem Tod schreckliche Visionen vom eigenen Ableben durchlebt hat. Das ist dreiste Blendung am Zuschauer, denn die Schwester der Ermordeten beteuerte in Interviews, dass es derartige Vorhersehungen in keinster Weise gegeben haben soll. Doch bei dieser Falschaussage soll es nicht bleiben. Neben wüsten Verschwörungstheorien, die hier beinahe ungeniert ins Drehbuch geschrieben wurden, ist es vor allem auch Filmemacher ROMAN POLANSKI, der eine Menge einstecken muss. Der wird zwar von keinem Schauspieler im Film verkörpert, ist aber dennoch ziemlich oft Thema. So wird er als ignoranter Ehepartner im Film beschrieben, der sich einen Deut um seine Gattin schert und sich stattdessen mit anderen Frauen vergnügt. Das ist irgendwie unverschämt.
 
 
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Doch THE HAUNTING OF SHARON TATE vermittelt nicht nur ein falsches Bild von Vorfällen und Opfern. Der Streifen kann sich auch nicht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent DANIEL FARRANDS vermischt hier Tatsachenberichte mit Mystery und Horrorelementen. Das Resultat ist verwirrend. Da träumt Filmfigur SHARON TATE vom eigenen Tod und ist plötzlich ihren Peinigern einen Schritt voraus. Sie überwältigt die Täter und bringt sie mit ihren Freunden um die Ecke, nur um in der folgenden Szene plötzlich doch von der Polizei tot aus dem Vorgarten herausgetragen zu werden. Abschließende Wort über Schicksal und Vorhersehung geben keinen Aufschluss und lassen das Publikum ratlos vor der Glotze zurück. Da stellt sich zu Recht die Frage, was uns Initiator DANIEL FARRANDS mit seinem doch ziemlich einfältigen THE HAUNTING OF SHARON TATE sagen wollte. Weil ein Regie-Audiokommentar auf der Blu-ray und DVD-Veröffentlichung fehlt, dürfte man als Zuschauer wohl nur spekulieren können.
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Zum 50. Jahrestag der Manson-Morde folgt ein weiterer Film über die Ereignisse, den man aber nicht ernst nehmen kann. Was dem Zuschauer hier vermittelt wird, ist haarsträubend. Unter dem Deckmantel eines schockierenden Kriminalfalls, der sich in den 1960er Jahren tatsächlich in Amerika abgespielt hat, wird hier Wahrheit mit Fiktion vermischt. Das Resultat ist ein Horrorthriller, der zum Ende hin äußerst wirr anmutet und auch noch ins Esoterische abdriftet. Einzig der bedrohliche Score von FANTOM in Kombination mit der soliden Kameraarbeit von CARLO RINALDI retten THE HAUNTING OF SHARON TATE vor dem völligen Untergang. Im Strudel aus totgefilmten Jump-Scares und komischen Handlungsverläufen tut dann auch Sängerin und Ex-Disney-Vorzeigesternchen HILARY DUFF leid. Nach kleiner Schauspielabstinenz meldet die sich mit einem kontroversen Horrorthriller zurück, der gerade wegen seiner reißerischen Zurschaustellung tatsächlich geschehener Ereignisse und unnötiger Falschaussagen von Kritikern und Publikum verrissen wurde. Duff verkörpert im Film die schwangere SHARON TATE und spielt die von Albträumen geplagte und paranoid werdende Frau Polanskis glaubhaft. Dennoch ein Kampf gegen Windmühlen. THE HAUNTING OF SHARON TATE ist unnötig und auch nicht sonderlich spannend. Ein paar Gewaltszenen gehen dann aber doch etwas zu weit – zumindest für die von der FSK attestierte Freigabe ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Zensur

 
 
 
Wenn die Sektenmitglieder unzählige Male auf ihre Opfer einstecken, ist das doch schon sehr hart anzusehen. Da wundert es schon etwas, dass THE HAUNTING OF SHARON TATE hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben wurde. Offenbar hatte die FSK einen guten Tag und ließ den Film passieren.
 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Haunting of Sharon Tate; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailershow, Trailer, Interviews

Release-Termin: 10.05.2019

 

The Haunting of Sharon Tate [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE HAUNTING OF SHARON TATE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei UNIVERSUM FILM )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolves at the Door (2016)
 
The Manson Family (2003)
 
Once Upon a Time… in Hollywood (2019)
 
Helter Skelter – Die Nacht der langen Messer (1976)
 

Filmkritik: „The Wind“ (2018)

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THE WIND

Story

 
 
 

Ein Siedler-Paar erlebt im Westen Amerikas den blanken Horror, als man in der verlassenen Prärie versucht ein neues Leben zu beginnen.

 
 
 


 
 
 

THE WIND – Kritik

 
 
 
Frauen, die Horrorfilme drehen sind immer noch eine Randerscheinung. Aber es gibt sie. Die sind nicht weniger kreativ im Angstverursachen, wie die männlichen Filmkollegen und machen auch in Sachen Filmgewalt keine Gefangenen. So gehen Kultfilme wie FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE oder SLUMBER PARTY MASSACRE auf das Konto genau jener Regisseurinnen. Aber auch in Schockern jüngeren Datum sitzen immer häufiger Frauen auf dem Regiestuhl. Mit Erfolg. So erhielt Horror-Ware wie RAW, BRAID oder DER BABADOOK international viel Lob von Fans und Kritikern. Letztere waren mindestens genauso vom psychologischen Grauen in THE WIND angetan. Auch für diesen Film übernahm eine Frau das Ruder. Newcomerin EMMA TAMMI drehte zuvor Dokumentationen und hat nun zum ersten Mal für einen Spielfilm Regie geführt. In Anbetracht dessen, was einem sonst an Debüt-Werken im Horrorfilm-Sektor zugemutet wird, ist THE WIND eine regelrechte Offenbarung. Der Streifen schaut hochwertig aus und ist alles andere – nur kein Einheitsbrei. Wem es daher im Horror-Genre nach Anspruch dürstet, ist hier goldrichtig.
 
 
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Das ländliche Amerika irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lizzy Macklin (CAITLIN GERARD) und Gatte Isaac (ASHLEY ZUKERMAN) lassen sich auf einem unbesiedelten Stück Land nieder, um dort den amerikanischen Traum zu leben. Doch so weit weg von der Zivilisation passieren bald seltsame Dinge. Die treusorgende Ehefrau beginnt plötzlich eine unheimliche Präsenz zu spüren, die offenbar vom Wind getragen wird. Doch der Liebste tut die Bedenken als Aberglauben ab und schenkt den Sorgen seiner Frau noch wenig Beachtung. Da bekommt das Paar Besuch. Zwei neue Nachbarn stellen sich vor und wollen in der Nähe auch ein neues Leben beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wären da nicht Lizzys Ängste, die die Leidgeplagte an ihre Grenzen gehen lässt. Letztere ist fest davon überzeugt, dass etwas Böses sie heimgesucht hat. Da entwickelt sich Furcht mit einem Male zu Wahn und bringt alle Beteiligten in große Gefahr.
 
 
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Ein Grusel-Western, den man mehrdeutig interpretieren kann. Sind hier wirklich dämonische Kräfte am Werk, die der Hauptdarstellerin zu schaffen machen oder macht THE WIND Einsamkeit zum Thema, welche die Filmheldin an ihre psychischen Grenzen bringt? Regisseurin EMMA TAMMI macht es so Filmen wie THE NOONDAY WITCH oder THE HOUSE ON PINE STREET gleich. Auch dort vermischte man menschliche Ängste mit übernatürlichem Hokuspokus, hielt sich aber mit Antworten zurück, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Ein cleverer Schachzug, der den metaphernreichen THE WIND aus dem Strudel an immer trivialer werdenden Spuk-, Dämonen- und Geisterfilmen hervorstechen lässt. So bleibt lang unklar, worauf Filmemacherin EMMA TAMMI hinauswill. Die hat sich bei ihrem Debüt-Stück für eine nicht-lineare Erzählweise entschieden, um den Zuschauer zu fordern. Was anfängt wie eine bloße Ansammlung von Momenten, entwickelt sich schnell zu einem beunruhigenden Filmalbtraum, der in den letzten 20 Minuten auf Hochtouren läuft. Dann laufen die Geschehnisse aus dem Ruder und steuern auf ein Desaster hin, das nicht unberührt lässt.
 
 
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THE WIND ist ein gutes Beispiel dafür, mit welch einfachen Mitteln sich ein unheilvolles Gefühl der Unruhe und Bedrohung auf Zelluloid bannen lässt. Der Film besitzt weder Spezialeffekte, noch reißerische Gewaltszenen. Stattdessen folgt Regisseurin EMMA TAMMI den Gruselregeln der alten Schule, lässt lieber Bilder sprechen und übergibt hervorragenden Darstellern das Zepter. Die Protagonisten haben kaum etwas zu sagen und Dialoge sind aufs Wesentliche reduziert. So kann sich der Zuschauer ganz auf die Geschehnisse konzentrieren und der hervorragenden Hauptdarstellerin folgen, die den Film fast ganz allein auf ihren Schultern tragen muss. Die verfällt in einen von Trauer getriebenen Wahnsinn und kann bald nicht mehr zwischen Gut und Böse entscheiden. Hierbei erweist sich Schauspielerin CAITLIN GERARD als perfekte Wahl. Die geht in ihrer Rolle als gequälte Lizzy derart auf, dass man sich schnell mit ihr verbunden fühlt und Verständnis für ihre Ängste entwickelt. Apropos Angst: mit Genrefilmen kennt sich die attraktive Amerikanerin aus. CAITLIN GERARD schrie sich bereits durch die Horrorstreifen THE AWAKENING, SMILEY und INSIDIOUS 4. Die Filme sind keine Glanzleistungen. THE WIND kommt dieser Bezeichnung schon ein Stück näher, weil er den Zuschauer mit Köpfchen das Fürchten lehren möchte und nicht durch den Dauereinsatz von Schockmomenten und Horrorfilm-Klischees.
 
 
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THE WIND – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Intelligenter Grusel-Western mit Arthaus-Flair und hervorragender Hauptdarstellerin. Der wortkarge THE WIND erinnert ein wenig an den gleichnamigen Stummfilm mit LILLIAN GISH aus dem Jahre 1928. Regisseurin EMMA TAMMI beteuerte in Interviews aber, dass ihr Langfilm-Regiedebüt rein gar nichts mit genanntem Klassiker zu tun hat. Ihr THE WIND ist eine nicht-lineare Erzählung über Verlust, Paranoia, Angst und Zorn, die schnell eine ganz eigene Dynamik entwickelt, sodass ein Desaster unvermeidbar bleibt. Was langsam brodelt, entwickelt sich schnell zum Psycho-Trip. Dabei werden mit Absicht Grenzen zwischen Realität und Aberglauben verwischt, um den Zuschauer – wie die Filmheldin – zu verunsichern. Was passiert in THE WIND wirklich? Folgt der Film eine psychisch labilen Frau, die im Wahn ihr eigenes Grab schaufelt? Oder sind hier wirklich paranormale Kräfte am Werk, die es mit der Hauptfigur gar nicht gut meinen. Die Antwort darauf ist mehrdeutig auslegbar.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Zensur

 
 
 
THE WIND hat nur wenige Gewaltmomente zu bieten. Diese werden zudem nicht selbstzweckhaft eingesetzt. Ein Säugling wird tot zur Welt gebracht, eine Protagonistin wird erschossen, ein anderer Protagonist wird erstochen. Hierzulande wird THE WIND vermutlich eine FSK16 erhalten. Diese Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

THE WIND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Noonday Witch (2016)
 
Der Babadook (2014)
 
The Disappointments Room (2016)
 
The Hole in the Ground (2019)
 
Dark Circles (2013)
 

Filmkritik: „Matriarch – Sie will dein Baby“ (2018)

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MATRIARCH – SIE WILL DEIN BABY

(MATRIARCH)

Story

 
 
 

Werdende Eltern geraten im englischen Hinterland an eine ominöse Familie, die nicht sehr ehrenwert mit Durchreisenden umgeht.

 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Kritik

 
 
 
Willkommen im ländlichen England. Da wo sich kleine Ortschaften inmitten wiesenbedeckter Hügellandschaften verstecken und sich malerische Wanderwege verschlafen ihren Weg durch die Natur bahnen, kann die Idylle oft trügerisch sein. Wenn uns Horrorfilme etwas beigebracht haben, dann ist es die Lehre vom falschen Frieden. So passiert es vor allem im Backwood-Horrorfilm nicht selten, dass sich das Böse ausgerechnet dort versteckt hält, wo es einem nach Erholung und Rückzug dürstet. Da verwandeln sich pittoreske Dörfer plötzlich zum Vorhof der Hölle oder traumhafte Waldabschnitte werden in Jagdarenen umfunktioniert, wo ahnungsloses Menschen-Freiwild ums Überleben kämpfen muss. Der britische MATRIARCH reiht sich in jene Reihe fieser Filme ein, die mit genau jenen Filmzutaten Unwohlsein hervorrufen wollen. Da geraten ungläubige Stadtmenschen im Hinterland an bibeltreue Christen, die nach ganz eignen Regeln leben. Dass da schnell Reibungspunkte entstehen, liegt auf der Hand. Filme wie BLUTGERICHT IN TEXAS oder EDEN LAKE lassen grüßen.
 
 
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Die werdenden Eltern Rachel (CHARLIE BLACKWOOD) und Matt Hopkins (SCOTT WICKERS) befinden sich auf der Durchreise. Doch die Reise wird jeher unterbrochen, als ein umgefallener Baum die Fahrbahn kreuzt und man mit dem Fahrzeug genau hineinrast. Das Auto ist zwar Schrott, doch allen geht es gut. Aber was nun? Man sucht nach Hilfe und verirrt sich in einem Gehöft, deren Eigentümer auf den unangemeldeten Besuch nicht gut zu sprechen sind. Das ändert sich aber schnell, als man von der bevorstehenden Schwangerschaft des nach Hilfe suchenden Paares erfährt. Man bietet Rast an und lädt zum Essen ein. Doch die Stimmung kippt, als Rachel plötzlich die Tochter der Wohltäter wiedererkennt. Schnell stellt sich nämlich raus, dass es sich hier um ein Mädchen handelt, das seit Jahren als verschollen gilt. Keine guten Voraussetzungen um Freundschaften zu schließen. Das wollen die Gastgeber auch gar nicht. Die überfallen die werdenden Eltern und halten sie in den eigenen vier Wänden gefangen. Na bravo. Was für eine doofe Situation.
 
 
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Okay, okay – vielleicht mutet es dann doch etwas sehr übertrieben an, wenn man MATRIARCH mit den oben genannten Nervenbrechern vergleicht. Zwischen diesen Filmen und dem doch sehr zurückhaltenden MATRIARCH liegen nämlich Welten. Der Film hat zwar von der MPAA ein Rated R für Gewalt und verstörendes Verhalten erhalten, dennoch sollte man hier keine ultra-brutale Schlachtplatte erwarten. MATRIARCH erinnert eher an so unscheinbare Genre-Perlen wie DARK PARADISE. In diesem zu Unrecht vergessenen Horrorthriller aus dem Jahr 1988 verzichtete man ebenfalls auf reißerische Schauwerte und Gewaltausbrüche. Stattdessen fokussierte man das Erzählen einer grotesken Handlung und bahnte so dem Grauen langsam den Weg durch die Geschichte. Gleicher Verlauf ist auch in MATRIARCH Programm. Mit wenigen finanziellen Mitteln erzählt man hier zurückhaltenden Hinterwäldler-Horror ohne Schnörkel und kaum Filmblut. In Anbetracht des reißerischen Filmplakats irreführend. Das suggeriert nämlich einen Folterfilm aller erste Güte. Perverse Folterspiele bleiben aber aus. Dafür bekommt der Zuschauer einen gradlinigen Überlebenskampf zweier Städter zu sehen, die irgendwie versuchen müssen sich aus den Fängen einer skurrilen Familiensippe zu befreien. Letztere wirkt nicht immer bedrohlich und böse. Das Böse verhält sich teils unbeholfen und tollpatschig. Das nagt an der Glaubwürdigkeit der Geschehnisse, zumal sich auch die Opfer nicht immer klug verhalten und nur selten mit kompromissloser Härte gegen ihre Peiniger vorgehen. Im echten Leben dürfte man da als Überlebender wohl weniger Gnade kennen. Da schlägt man besser noch einmal mit der Schaufel auf den Kopf des Fieslings, wenn der am Boden liegt. Sicher ist sicher.
 
 
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MATRIARCH ist ein waschechter Indie-Horrorfilm, der aus eigenen Mitteln gestemmt wurde. So gehört die Produktion zum ersten Langspielfilm der Produktionsfirma NEW LIGHT FILMS, die Regisseur SCOTT VICKERS zusammen mit STEVEN LITTLE gegründet hatte, um günstige Independent-Film drehen zu können. Beide lernten sich bei Dreharbeiten zur BBC Serie RIVER CITY kennen und wollten eigene Spielfilme drehen. Leider mangelte es bereits beim ersten Streifen an Produzenten, die das Vorhaben unterstützen wollten. Frustriert wollte man den Traum von der eigenen Filmproduktion aufgeben. Da passiert da Unfassbare. Bei einem von Scott geleiteten Film- und Fernsehkurs in Glasgow zeigte ein Teilnehmer Interesse. Der besaß eine Farm und stellte diese für den ersten Spielfilm zur Verfügung. Doch dabei sollte es nicht bleiben. ALAN CUTHBERT sorgte nicht nur für den stimmigen Schauplatz in MATRIARCH. Der ambitionierte Brite gab sogar die Landwirtschaft auf, verkaufte sein Haus und stieg mit ins Filmbusiness ein. In Anbetracht dessen, dass MATRIARCH mit einem Mikrobudget von gerade einmal 60.000 $ gedreht wurde und somit genauso teuer gewesen ist, wie das 1999 inszenierte BLAIR WITCH PROJECT, eine Glanzleistung. MATRIARCH ist keineswegs perfekt. Dennoch ist diese britische Horror-Indie ein Beweis dafür, dass man kein millionenschweres Budget benötigt, um halbwegs gescheite Film zu drehen. Da kann sich das geldgierige Hollywood schon mal eine Scheibe von abschneiden.
 
 
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MATRIARCH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
In drei Wochen geschrieben und mit gerade einmal 60.000 $ in knapp zwei Wochen auf Film gebannt. Newcomer SCOTT VICKERS ist ein richtiges Arbeitstier. Der hatte den Traum vom eigenen Spielfilm und tat alles daran, diesen zu erfüllen. Keine Hürde war ihm zu hoch, kein Weg war ihm zu weit. Das Ergebnis: MATRIARCH – der erste Langfilm des selbsternannten Filmfans. Dafür schrieb der ambitionierte Filmemacher selbst das Drehbuch, nahm auf dem Regiestuhl Platz und ließ es sich auch nicht nehmen, eine der Hauptrollen im Film zu übernehmen. MATRIARCH (der übrigens anfangs noch MOTHER hieß) ist natürlich kein Vergleich zu so thematisch ähnlichen Schockern wie ESCAPE FROM CANNIBAL FARM oder INBRED. Dafür hat man versucht, den Film nach mehr aussehen zu lassen, als er gekostet hat. Die Schauspieler sind brauchbar und auch die Kulisse des britischen Hinterlands verursacht Unbehagen. Wer demnach eine Vorliebe für Backwood-Horror-Thriller besitzt, kann sich MATRIARCH schon mal geben.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Zensur

 
 
 
MATRIARCH hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Mann wird lebendig begraben, ein Körper wird von Schrotgewehrkugeln durchbohrt und mit einem Knüppel werden Köpfe eingeschlagen. Weiterhin kommt ein Dolch zum Einsatz und Pistolenmunition tut ihr Übriges. MATRIARCH hat eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Matriarch; Großbritannien 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 04.07.2019

 

Matriarch – Sie will dein Baby [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei New Light Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inside (2016)
 
Inside (2007)
 
Inbred (2011)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 

Filmkritik: „St. Agatha“ (2018)

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ST. AGATHA

Story

 
 
 

Eine schwangere Frau erlebt in einem abgelegenen Kloster die Hölle auf Erden. Mit der hier lebenden Schwesternschaft ist nicht zu spaßen, denn wer hier Zuflucht sucht, hat nach ganz eigenen, grausamen Regeln zu leben.

 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Kritik

 
 
 
Nonnen im Genre-Kino. Da schwant alteingesessenen Horrorfilmkennern Schlimmes. Dass nicht ohne Grund, sind doch christliche Ordensgemeinschaften im Horrorfilm eng mit so Themen wie Exorzismus, Besessenheit und Dämonologie verwachsen, die in der Vergangenheit beinahe schon inflationär im Genre verwendet wurden. Da erfreut es zu sehen, dass ausgerechnet DARREN LYNN BOUSMAN was anderes ausprobiert. Der ist eigentlich für härtere Filmkost bekannt und hat sich mit den Regiearbeiten zu SAW 2-4 ein Denkmal gesetzt. Wer die gesehen hat, weiß dass hier vor allem der Fokus auf möglichst perfide Gewalt lag. Von der distanziert sich der Regisseur nun mit ST. AGATHA. Eine Wende, die bereits in der Vorgängerarbeit ABATTOIR eingeschlagen wurde. Interessanterweise beweist Bousman auch darin Talent und versucht sich im Nonnen-Horror ST. AGATHA vermehrt in Sachen psychologischer Gewalt. Statt grafisch vor der Linse Gliedmaßen abzutrennen oder Körper zerschneiden zu lassen, versucht er im hier vorgestellten Genrefilm seine Opfer psychisch zu brechen. Damit tritt ST. AGATHA in ähnliche Fußstapfen, wie der kürzlich besprochene GHOSTLAND. Gar nicht mal so übel!
 
 
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Die Wege Gottes sind oft unergründlich. Das muss auch die attraktive Mary erfahren, die das Glück nicht gepachtet hat. Die hat unter tragischen Umständen den jüngeren Bruder verloren und trägt nun auch noch ein Kind im Leib, das so nicht geplant war. Eigentlich keine große Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass der Kindesvater ein hinterlistiger Betrüger ist, der der werdenden Mutter rein gar nichts bieten kann. Für die Mittellose ein Grund sich in die Hände Gottes zu begeben. Sie erhält die Adresse eines abgelegenen Klosters, das alleinstehenden schwangeren Frauen Zuflucht bietet. Doch das Frauenhaus entpuppt sich bald als Vorhof zur Hölle. Hier führt Mutter Oberin (CAROLYN HENNESY) ein hartes Regime, das die gestrandeten Frauen vor Angst erzittern lässt. Wer den Regeln nicht folgt, wird bestraft – bitter und grausam. Ein großes Problem für die unwissende Mary. Die ahnt schnell, dass diese Schwesternschaft nicht ehrenhaft handelt. Deshalb gerät sie schnell in den Fokus der Obernonne, die ein talentiertes Händchen dafür hat, rebellische Neuankömmlinge zu brechen.
 
 
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Der Meister blutiger Bilder ist zurück und kann auch überraschend anders. DARREN LYNN BOUSMAN bezeichnet ST. AGATHA selbst als Nunsploitation, was dahingehend aber nur bedingt richtig ist, weil der Film – bis auf eine kurze Einstellung – keinerlei Sex zeigt. Sein neuer Streich ist eine Mischung aus diversen Subgenres des Horrorkinos. So bedient sich der Regisseur von Elementen aus Sektenfilmen, Psychothrillern, Folterfilmen und reißerischen Frauengefängnis-Streifen. Letztere feierten vor allem in den 1970ern Dank so Exploitationkrachern wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge. Natürlich ist ST. AGATHA nicht annähernd aus deren Holz geschnitzt. CAROLYN HENNESY geht zwar als Mutter Oberin im Film mit aller Härte gegen ihre Schützlinge vor und kennt beim Bestrafen weder Gnade noch Erbarmen; Bousman verzichtet aber weitestgehend auf reißerisch zelebriertes Erniedrigen seiner hilflosen Oper und aktiviert stattdessen das Kopfkino des Zuschauers, in dem er nur kurz andeutet oder die grausamen Bestrafungsmethoden im Off abhandelt. Das funktioniert dahingehend ganz gut, weil so mehr Raum für subtile Angstmacherei bleibt. So wird gern mal in der Horror-Klischee-Kiste gekramt, um unheilvolle Stimmung zu erzeugen. Da poltert es ungewöhnlich laut im Obergeschoss, Türen und Treppen knarren und mysteriöses Flüstern erzeugt zusammen mit dem düsteren Set gern mal wohlige Schauer. Schnell entsteht so eine ungemütliche und angespannte Atmosphäre, die zusätzlich durch die Anwesenheit des Filmbösewichts verstärkt wird. Das bereichert den Horrorthriller ungemein.
 
 
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Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Nonnen-Grusler hat auch mit vielen Ungereimtheiten zu kämpfen. So bleiben am Ende viele Fragen offen. Woher kommen die geheimnisvollen Stimmen im Keller? Wer ist die Dame im Dachboden, die ständig für lautes Poltern sorgt? Und welche Rolle spielt ein zwielichtiger Priester, der von den Nonnen regelmäßig Geld erhält? Offenbar sind sich da zu viele Drehbuchschreiber in die Quere gekommen und haben den Überblick verloren. Vier Autoren sollen am Skript gearbeitet haben, was dahingehend grotesk anmutet, weil ST. AGATHA dann doch reichlich konventionell und nicht sonderlich tiefgründig abgehandelt wird. Vermutlich brauchte die Filmheldin einen Feinschliff. In Form von zwanghaft eingebundenen Rückblenden erhält die mehr Tiefgang. Darin wird erklärt, was Mary dazu getrieben hat sich in die Hände eines ominösen Klosters zu begeben und wie es zu der ungewollten Schwangerschaft gekommen ist. Weil die wahllos eingefügten Rückblenden gern mal den Spannungsbogen ausbremsen und nicht unbedingt wichtig für das Verständnis der Handlung sind, entpuppen sie sich schnell als Störfaktor in einem sonst gar nicht mal so üblen Horrorfilm. ST. AGATHA gehört daher neben den SAW-Filmen zu den besten Arbeiten, die Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN bisher hervorgebracht hat. Mal schauen, wie es in Zukunft mit dem Filmemacher weitergehen wird.
 
 
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ST. AGATHA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn Nonnen hinter düsteren Klosterwänden gequält, eingeschüchtert und gebrochen werden. Der neue Film von Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN ist ein gemeines Stück Horrorkino, das vor allem von seiner beunruhigenden Atmosphäre lebt, die durch ein schauriges Set und einen skrupellosen Oberbösewicht bewirkt wird. ST. AGATHA erinnert stark an die Frauengefängnis-Streifen der 1970er, wo so polarisierende Filme wie ILSA – SHE WOLF OF THE SS oder DAS HAUS DER PEITSCHEN zweifelhafte Erfolge feierten. Darin wurden (meist weibliche) Gefangene von einem Oberschurken aus Freude misshandelt und erniedrigt. Das ist auch in ST. AGATHA Programm, nur mit dem Unterschied, dass Bousman dann doch etwas zurückhaltender die Bestie Mensch thematisiert. Der eher sonst für deftiges Gewaltkino bekannte Filmemacher geht es diesmal etwas subtiler an und setzt vermehrt auf düstere Kulissen und ungemütliche Stimmung. Die fürs Genre-Kino beliebten Schauwerte spielen hier eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird auf psychologische Gewalt gesetzt. Funktioniert ganz gut. ST. AGATHA ist ein stimmungstechnisch und handwerklich souverän inszenierter Thriller, der aber mit Drehbuchschwächen zu kämpfen hat. Wer daher nicht zu viel erwartet, dürfte unterm Strich kurzweilig unterhalten werden.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Zensur

 
 
 
ST. AGATHA mach eher von psychischer Gewalt Gebrauch. Einige Gewaltszenen gibt es aber. So fällt eine der Filmfiguren in eine Bärenfalle, einer anderen wird die Zunge abgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin mit einer abgetrennten Nabelschnur (!) erdrosselt und andere sterben durch einen Rattengift-Cocktail. Hierzulande hat es für den Film eine FSK16 geben. Wegen höher eingestuftem Bonusmaterial befindet sich aber auf der deutschen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung ein roter FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: St. Agatha; USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonus ist die Blu-ray: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 31.05.2019

 

St. Agatha [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ST. AGATHA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot + Grafiken liegen bei I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die unbarmherzigen Schwestern (2002)
 
The Nun (2018)
 
The Bad Man (2018)
 
Ghostland (2018)
 

Filmkritik: „Braid“ (2018)

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BRAID

Story

 
 
 

Drei Freundinnen aus Kindertagen finden plötzlich wieder zusammen. Leider haben zwei von ihnen nur ein Ziel: sie wollen an das Vermögen der Dritten.

 
 
 


 
 
 

BRAID – Kritik

 
 
 
Kreative Geister haben es nicht leicht in Hollywood. Was sich nämlich fernab des Mainstreams bewegt, wird einfach nicht von großen Studios produziert, weil sich damit schlecht Geld verdienen lässt. Doch mittlerweile gibt es auch Möglichkeiten unkonventionelle Geschichten auf Zelluloid zu bannen. Eine derer nennt sich Crowdfunding und hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Boom entwickelt – vor allem im Genrefilm. Da machen spendable Horrorfilmfans einfach etwas Geld locker, damit die Schocker gedreht werden können, die die privaten Geldgeber sehen wollen. Mittlerweile sind so schon einige Filme entstanden, die in Genre-Kreisen Kultstatus genießen. Ob das auch BRAID gelingen kann?
 
 
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Der amerikanische Psychothriller von Regisseurin MITZI PEIRONE ist nämlich etwas ganz besonderes. Nicht, weil er das Genre revolutioniert. Bei diesem Film handelt es sich um das erste Crowdfunding-Projekt, das allein mittels Kryptowährung finanziert wurde. Alles begann im Jahr 2017. Noch vor dem großen Bitcoin-Durchbruch verkaufte die Filmemacherin Blockchain-Tokens. Deren Käufer beteiligten sich zu 30 Prozent an künftigen Profiten des Streifens. Ein lukratives Angebot, das dafür sorgte, dass binnen weniger Monate knapp 1,7 Millionen Dollar zusammenkamen. Von so einem stattlichen Budget kann manch anderer Indie-Film nur träumen.
 
 
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BRAID handelt von zwei Drogendealerinnen, die vor der Polizei fliehen müssen. Problem: einen Teil der Dealer-Ware müssen die beiden zurücklassen. Das sehen die Drogenbosse gar nicht gern. Die wollen verständlicherweise ihr Geld zurück, was die Freundinnen vor große Probleme stellt. Doch Tilda (SARAH HAY) und Petula (IMOGEN WATERHOUSE) haben eine Idee. Die besuchen Freundin Daphne (MADELINE BREWER) mit der sie die Kindheit verbracht haben. Letztere hat es in den letzten Jahren zu einem beachtlichen Vermögen gebracht, das nun zum Begleichen der Schulden dienen soll. Doch wie an das Geld kommen? Ganz einfach: man erschleicht sich das Vertrauen der ehemaligen Seelenverwandten und bestiehlt das Opfer in einem günstigen Moment. Leider hat die Sache nur einen Haken. Daphne hat einen an der Klatsche und scheint nicht von Sinnen. Die hat sich in eine Fantasiewelt zurückgezogen in der die drei Freundinnen als Kinder viel Zeit verbrachten. Während Tilda und Petula schon lange den Absprung geschafft und den Weg zurück in die Realität gefunden haben, verharrt die psychotische Daphne immer noch in der seltsamen Traumwelt. Das macht die Suche nach der Kohle nicht gerade einfach.
 
 
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BRAID ist ein eigensinniger und schwer zugänglicher Streifen, auf den man sich einlassen muss. Regisseurin MITZI PEIRONE nutzt die Möglichkeiten des Indie-Kinos aus, um eine Geschichte zu erzählen, die sich große Studios nicht trauen zu verfilmen. Was gezeigt wird, ist ziemlich unkonventionell und deshalb auch nicht jedermanns Sache. So gestaltet sich das Wiedersehen zwischen den Freundinnen als reichlich grotesk. Kaum angekommen verfallen nämlich alle drei Frauen in die gleichen Rollen, in die sie bereits als Mädchen geschlüpft waren. Während die eine einen Arzt verkörpert, sind die beiden anderen fortan Mutter und Tochter. Das wirkt auf den Zuschauer bizarr und befremdlich, hat aber seinen Sinn. Das Spiel der beiden Kleinkriminellen Tilda und Petula ist nur Schein. Die erhoffen sich so Zeit, um den Safe mit dem Vermögen ihrer psychisch labilen Gastgeberin zu finden. Weil BRAID immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, dürfte den meisten Zuschauern schwanen, dass der Plan scheitern wird. In der Tat passieren sonderbare Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Da tun sich Abgründe auf und die fürs Horror-Genre mittlerweile obligatorisch gewordenen Plotwendungen fehlen natürlich ebenso nicht.
 
 
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Bei letzteren wird deutlich, dass Regisseurin MITZI PEIRONE das Spiel mit der Manipulation des Zuschauers ziemlich gut beherrscht. Die hat nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für ästhetische Bilder, sondern scheint auch richtig viel Spaß daran zu haben das Publikum an der Nase herumzuführen. In BRAID ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint und der Streifen endet demnach so, wie man es definitiv nicht vorhergesehen hat. Gute Attribute, die diesen kuriosen Psychotrip weit über den Durchschnitt heben. In Interviews gab die in Italien geborene, aber in New York lebende Filmemacherin MITZI PEIRONE interessante Hintergrundinformationen preis. So wurde das Drehbuch bereits im Jahr 2015 geschrieben. Bis aber die Finanzierung sichergestellt und Schauspieler gefunden waren, vergingen drei Jahre. Im Film verarbeitet die Newcomerin eigene Schicksalsschläge. Als die damals 22-jährige von Italien nach Amerika zog, um dort Karriere machen zu können, wurde sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die von Erfolg süchtige Italienerin verlor unerwartet ihren Job, stand nun als arbeitsloser Immigrant ohne Geld da und machte sich Gedanken über den Sinn des Lebens, selbstgebaute Fantasiewelten und Träume, die den Blick auf die Realität vernebeln. Komplizierte Gedankengänge, die ins Drehbuch eingeflossen sind und in BRAID Gewichtung erhalten – aber nicht immer plausibel erläutert werden. Je näher der Streifen nämlich seiner Zielgrade entgegensteuert, umso wirrer werden die Ereignisse. Kennt man demzufolge den privaten Background von Newcomerin MITZI PEIRONE nicht, könnte manch einem der Sinn dieses Regiedebüts verborgen bleiben. Ein wesentlicher Kritikpunkt in einem sonst engagierten und gleichzeitig interessanten Filmprojekt.
 
 
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BRAID – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bizarrer Rollentausch mit bitterbösem Ausgang. BRAID ist der erste Horrorfilm, der allein durch Kryptowährung finanziert wurde. Der psychologischer Thriller stiftet mit seiner teils abstrusen und nicht immer schlüssigen Handlung Verwirrung. Als würde das den Zuschauer nicht schon genug fordern, hält sich Drehbuchautorin und Regisseurin MITZI PEIRONE auch nicht mit plötzlichen Plotwendungen zurück, die das Folgen der verschachtelten Handlung unnötig erschweren. Trotzdem, einen solchen Horrorthriller wie BRAID hat man schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe gehabt. Der Film ist mit seinen kuriosen Antiheldinnen und der ungewöhnlichen Handlung so unkonventionell gestrickt, dass sich eine gewisse Abneigung der Filmemacherin gegenüber den kommerziellen und massentauglichen Strukturen Hollywoods nicht von der Hand weisen lässt Vielleicht ist BRAID auch gerade deswegen eine Sichtung wert.
 
 
 


 
 
 

BRAID – Zensur

 
 
 
RAID ist nicht sonderlich brutal. Es wird eine längere Szene gezeigt, in der ein Polizist lang mit Hiebwaffen zusammengeschlagen wird, sodass Blut spritzt. Ansonsten bekommt der Zuschauer zu sehen, wie sich eine Filmfigur erhangen hat, eine andere schneidet sich die Pulsadern auf. Zudem wird eine Filmfigur aus Strafe mit einem Messer bearbeitet, sodass ihr Gesicht nicht mehr ganz so frisch ausschaut. Hierzulande dürfte BRAID eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BRAID – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
68 Kill (2017)
 
Tragedy Girls (2017)
 

Filmkritik: „Rust Creek“ (2018)

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RUST CREEK

Story

 
 
 

Eine Studentin gerät an widerwärtige Hillbillies, die so gar keine Manieren kennen und der jungen Frau nach dem Leben trachten.

 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Kritik

 
 
 
Schöne Landschaft, aber skrupellose Leute: In manchen ländlichen Gegenden der USA herrscht ein rauer Ton – zumindest, wenn es nach so einigen Filmschaffenden geht. Dort leben gern mal jene, die sich von der Regierung vergessen fühlen und deshalb ihre eigenen Gesetzen schaffen. Das ist kassenträchtiger Stoff, den man gern für Horrorfilme nutzt. Darin wird der Zuschauer bevorzugt in ärmere Gegenden Amerikas entführt, wo deren sozial und finanziell schwachen Einwohner es nicht selten gut mit durchreisenden Städtern meinen. Letzteren schwant in dieser Art von Filmen Böses. Die geraten in die Fänge kompromissloser Hillbillies und müssen am Ende ums Überleben kämpfen, während der Rest der Gemeinde stillschweigend zusieht und nichts nach Außen dringen lässt.
 
 
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Terror hinter der Fassade idyllischer Provinz ist ein Thema, mit dem sich auch der Thriller RUST CREEK beschäftigt. Der Streifen ist zwar kein lupenreiner Horrorfilm, was aber nicht bedeuten soll, dass der Film nicht minder unangenehm ist. Darin muss eine College-Studentin eine Lektion in Sachen Überleben machen. Die hat ein wichtiges Vorstellungsgespräch und macht sich auf den Weg nach Washington D.C., um dort den nächsten Karrieresprung abzusichern. Doch die Straßen auf dem Highway sind nicht frei, weshalb Sawyer (HERMIONE CORFIELD) beschließt eine Abkürzung über die Dörfer Kentuckys zu nehmen. Keine gute Idee, denn bald hat sie das Interesse zweier Provinzler auf sich gelenkt, die der Durchreisenden ungefragt auf die Pelle rücken. Die kann sich verletzt in die Wälder flüchten und muss nun einen Weg zurück in die Zivilisation finden. Leider sind ihre Verfolger ziemlich hartnäckig. Die verfolgen die Flüchtige und entfachen dadurch einen Strudel von Umständen, der das Nervenkostüm des Publikums beanspruchen wird.
 
 
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Auf den Spuren von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE. RUST CREEK ist ein unabhängig produzierter Thriller, der wie ein weiterer Streifen der Marke Survival-Horror beginnt. In der Vergangenheit gab es da so einige unangenehme Vertreter im Heimkino zu sehen, in denen wehrlose Frauen von triebgesteuerten Alpha-Männern so lange missbraucht und erniedrigt wurden, bis ihnen die Sicherungen durchgebrannt sind. Ganz so krude geht Regisseurin JEN MCGOWAN mit seiner Filmheldin nicht ins Gericht. Die lenkt ihren Film dann doch ziemlich schnell in eine andere Richtung und macht es dabei Horror-Autor STEPHEN KING gleich. Letzterer ist dafür berüchtigt, dass er gern Geheimnisse verschlafener Kleinstädte ans Tageslicht bringt. Ein ähnliches Thema ist auch in RUST CREEK Programm. Statt explizite Gräueltaten vor der Kamera zu zelebrieren, will Filmemacherin JEN MCGOWAN dann lieber doch eher dunkle Machenschaften im amerikanischen Hinterland aufdecken. Die entfachen schnell eine Reihe von Umständen, welche am Ende den Bösewichten eine Lehre sein werden. Viel Backwood-Horror-Gematsche wird demnach nicht geboten. Wer’s deftig mag, wird mit diesem Film gar keinen Spaß haben.
 
 
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Starken Frauen, schwache Kerle. RUST CREEK wurde auf einschlägigen Festivals mit Preisen ausgezeichnet. Die sind nicht unberechtigt, denn der Thriller schafft es schnell den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die hervorragenden Darsteller. Für Indie-Verhältnisse agieren die beachtlich souverän vor der Kamera, wobei vor allem die widerlichen Fieslinge Erwähnung finden sollten, von denen eine Aura permanenter Bedrohlichkeit ausgeht. Filmemacherin JEN MCGOWAN hat mit RUST CREEK einen kleinen und zurückhaltenden Thriller inszeniert, der keine ausufernden Gewaltexzesse benötigt, um im Gespräch bleiben zu können. Stattdessen kleistern Plot-Wendungen, Schauspiel und natürlich eine clevere Story den Zuschauer mindestens genauso fest an die Glotze.
 
 
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RUST CREEK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kleiner Indie-Thriller, der mindestens genauso viel Puls verursacht, wie die großen Produktionen aus Hollywood. RUST CREEK ist einer dieser unscheinbaren Thriller, denen zu Unrecht kaum Beachtung geschenkt wird, weil mit keinem bekannten Namen geworben werden kann. Das ist schade, denn gerade deswegen gehen den meisten Cineasten viele Filmperlen durch die Lappen. Zu einer dieser Überraschungen gehört RUST CREEK, der ziemlich konventionell als Survival-Horror im Schlage eines I SPIT ON YOUR GRAVE beginnt, aber dann doch die Kurve bekommt und in eine andere Richtung gelenkt wird. Zwar herrschen in diesem Thriller eher die leisen Töne – dennoch umschweift den Thriller die ganze Zeit über eine Aura merklicher Bedrohung. Thriller-Fans wird’s gefallen – vor allem auch deshalb, weil sich das psychologische Grauen schleichend den Weg durch die Handlung frisst. Spannend, wendungsreich und gut besetzt. Da sollte man mal einen Blick drauf werfen.
 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt hat RUST CREEK nicht zu bieten. Ein spitzer Gegenstand wird in Bein und Bauch gestoßen, eine Nase wird gebrochen und ein Gewehr kommt auch zum Einsatz. Weiterhin gibt es Verbrennung am menschlichen Körper zu sehen. Hierzulande dürfte RUST CREEK dafür eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RUST CREEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS | IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Keeping Room (2014)
 
Autumn Blood (2012)
 

Filmkritik: „Elizabeth Harvest“ (2018)

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ELIZABETH HARVEST

Story

 
 
 
Die attraktive Elizabeth macht nach der Heirat eine furchtbare Entdeckung. Offenbar hält ihr Mann im Keller etwas verborgen, von dem sie nichts wissen darf.

 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Kritik

 
 
 
Es war einmal ein Mann, den nannten alle Blaubart. Der fand keine Frau, weil sein blauer Bart so hässlich war. Nach langer Suche erbarmte sich die jüngste Tochter der Nachbarin. Die heiratete den älteren Herren und zog in dessen Haus. Als Blaubart für sechs Wochen verreisen musste, übergab er seiner Gattin das Schlüsselbund für alle Türen. Die durfte sich bis auf das Kellerzimmer frei im Anwesen bewegen. Doch die Neugier der Frau war zu groß. Kaum war der Ehemann aus dem Haus, schlich sich das Weib in den Keller und öffnete den verbotenen Raum. Darin fand sie die toten Körper aller bisherigen Ehefrauen ihres Mannes. Letzterer kam früher nach Hause und wollte auch die neue Frau aus Wut mit dem Tode bestrafen. Doch deren Brüder eilten herbei und töteten Blaubart. Gut für die Witwe: die erbte alle Besitztümer, heiratete neu und hatte ein gutes Leben.
 
 
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Seit mehreren Jahrhunderten ist das Märchen vom Blaubart fester Bestandteil der Literatur. Die schaurige Erzählung um den frauenmordenden Blaubart wurde mittlerweile für zahlreiche Werke adaptiert und weiterverarbeitet. So hörten auch die Gebrüder Grimm von der mündlichen Überlieferung des Blaubarts und nahmen die düstere Geschichte mit in die Sammlung ihrer Kinder- und Hausmärchen auf. Offenbar Lektüre, die Regisseur SEBASTIAN GUTIERREZ in der Kindheit ziemlich oft gelesen haben muss. Der venezolanischer Filmemacher erklärte nämlich in Interviews, dass ihn die Geschichte des blaubärtigen Mannes seit Kindertagen nicht mehr loslässt. Wohl einer der Gründe, warum seine mittlerweile bereits neunte Regiearbeit mit dem Titel ELIZABETH HARVEST Ähnlichkeiten zum französischen Märchen Blaubart aus dem späten 17. Jahrhundert besitzt.
 
 
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Darin geht es um die attraktive Elizabeth (bisher eher als Model bekannt: ABBEY LEE), die frisch vermählt mit in die Villa des reichen Wissenschaftlers Henry (CIARÁN HINDS) zieht, um dort ihren Verpflichtungen als Ehefrau nachzugehen. Dort wird die junge Schönheit erst einmal vom Gatten aufgeklärt. Sie darf im Haus tun und lassen, was sie will, soll aber die Finger von einem Zimmer im Keller lassen. Doch die Neugier bringt die Frischvermählte in Teufels Küche. Kaum ist der Ehemann aus dem Haus, geht Elizabeth auf Erkundungstour und verschafft sich Zutritt in den verbotenen Raum. Der entpuppt sich als Forschungslabor in dem sie sich selbst als Klon wiederfindet. Eine folgenreiche Entdeckung, die weite Kreise nach sich zieht. Als Ehemann Henry nämlich nach Hause kommt und vom Vertrauensbruch seine Frau erfährt, ist der Ehefrieden vorbei.
 
 
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Mehr über die verstrickte Geschichte dieses ungewöhnlichen Science-Fiction-Horrors zu verraten, ist unfair dem Zuschauer gegenüber. Der Film ist nämlich voll mit unerwarteten Plotwendungen und komplexen Rückblenden, die die volle Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchen. Letzteres wird im Falle von ELIZABETH HARVEST ganz schön gefordert. Die nicht lineare Erzählweise versucht nämlich den Zuschauer zu täuschen und stiftet für reichlich Verwirrung. Ein zweischneidiges Schwert, wie sich bald herausstellen wird. Zwar kann so der Spannungsbogen konstant gehalten werden; dennoch macht die Handlung mit fortschreitender Handlung immer weniger Sinn und driftet beinahe ins Surreale ab. Für viele Zuschauer etwas zu kompliziert. Die dürften den schwer einzuordnenden ELIZABETH HARVEST als Blödsinn abstempeln – wohl auch, weil der nicht immer schlüssig deutbare Mysteryplot auf Konventionen pfeift. Das hebt ELIZABETH HARVEST deutlich von den üblichen Verdächtigen ab und macht ihn für anspruchsvolle Cineasten zum Geheimtipp.
 
 
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ELIZABETH HARVEST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein ungewöhnliches Filmerlebnis für das man wegen der fordernden Erzählweise ausgeschlafen sein sollte. ELIZABETH HARVEST beginnt konventionell und driftet aber so ziemlich schnell in eine unerwartete Richtung ab. Da wird das Publikum in zwei Lager gespalten. Wegen zu vieler Plotwendungen und übertriebener Geheimniskrämerei dürften die Einen schnell das Interesse am komplizierten Handlungsverlauf verlieren. Filmfans, die aber von Horrorfilmen einen gewissen Anspruch erwarten, werden umso mehr von ELIZABETH HARVEST begeistert sein. Das zu Recht. Regisseur SEBASTIAN GUTIERREZ liefert nämlich Genre-Ware ab, die sich in keine Schublade stecken lässt und sich so souverän vom Massenmarkt abheben kann. Hierbei trägt auch die hervorragende Kameraarbeit von CALE FINOT bei. Nahezu jede Kameraeinstellung und Kamerafahrt ist genau bedacht. Das beschert dem Film eine visuelle Eleganz und lässt den ästhetischen ELIZABETH HARVEST mindestens genauso makellos erscheinen, wie Hauptdarstellerin ABBEY LEE.
 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Zensur

 
 
 
ELIZABETH HARVEST ist kein sonderlich brutaler Film. Das sah auch die FSK so. Diese hat den Film bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Die erhältliche deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

ELIZABETH HARVEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Elizabeth Harvest; USA 2018

Genre: Drama, Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook | Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Making-of | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: 25.01.2019

 

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ELIZABETH HARVEST – Mediabook

 
 
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ELIZABETH HARVEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rebecca (1940)
 
Ex Machina (2015)
 
Happy Deathday (2017)