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Beiträge mit Schlagwort “Psychothriller

Filmkritik: „Caught“ (2017)

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CAUGHT

Story

 
 
 

England im Jahr 1972: Eine Familie bekommt es mit der Angst zu tun. Die erhält Besuch von zwei Fremden, die sich im Haus einnisten und offenbar nicht wieder gehen wollen. Was wollen die, warum sind sie gekommen und weshalb verschlechtert sich deren Gesundheitszustand beinahe minütlich? Sind das Außerirdische oder Kreaturen, die von einer höheren Macht gesteuert werden? CAUGHT ist voll mit Rätseln, die es zu ergründen gilt.

 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer die Horrorfilme mit ausufernden Effekten, reißerischen Todesszenen und hektischen Schnitten sein. Manchmal ist weniger mehr, wie der folgende Film beweist. CAUGHT nennt sich ein etwas anderer Home-Invasion-Thriller, der versucht andere Wege zu gehen und sich so von der grauen Masse an Filmen abheben will, in denen Hausbewohner von boshaften Einbrechern erniedrigt, misshandelt und getötet werden. Frischer Wind ist somit garantiert, denn der Brite JAMIE PATTERSON hat sich für die erste Regie-Arbeit eine kleine Geschichte ausgesucht, die ohne viel Tamtam Horror entstehen lässt und schnell eine Aura permanenter Bedrohung heraufbeschwört. Dabei macht er von alter Schule Gebrauch und konzentriert sich ausschließlich auf das Zusammenspiel seiner wenigen Figuren, die den Zuschauer zurück in eine Zeit schicken, in der Horror noch Kopfarbeit war und auch vornehmlich darin stattfand.
 
 
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Ein verheiratetes Journalisten-Paar bekommt Besuch der etwas anderen Art. Julie und Andrew leben in einem netten Häuschen irgendwo im britischen Hinterland. Hier ist es friedlich, hier lebt man gern. Doch die beiden Journalisten entdecken eines Tages seltsame militärische Aktionen in der Gegend und wittern darin die Story ihres Lebens. Leider kommt bald alles anders. Zwei Fremde stehen plötzlich vor der Tür und haben einen Fragenkatalog im Gepäck. Sind das etwa religiöse Missionare, die den Journalisten von ihrem Glauben berichten wollen? Natürlich nicht, denn die altbacken gekleideten Besucher zeigen bald ihres wahres Gesicht. Das scheint nicht von dieser Welt zu sein, denn die Fremden quasseln wirres Zeug und benehmen sich alles andere als normal. Hat man es hier etwa mit gehirngewaschenen Psychopathen zu tun, die den Hauseigentümern das Leben zu Hölle machen wollen? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn CAUGHT ist so rätselhaft, wie die allmählich selbst zerfallenden Bösewichte dieses doch sehr skurrilen Horrorerlebnisses.
 
 
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Seelenlose Roboter in Menschengestalt, Aliens oder Naturgeister? Die Idee dieses Home-Invasion-Horrors ist nicht übel. Zwei Fremde verschaffen sich zum Haus einer jungen Familie Zutritt und haben Forderungen. Diese gilt es zu ergründen, was im Falle von CAUGHT zu einem spannenden Gruseltrip avanciert, weil mit einfachen Mitteln versucht wird, Absichten zu verschleiern. Regisseur JAMIE PATTERSON – der sich laut Interviews für den ersten Spielfilm von Horrorfilmen der 1970er inspirieren ließ – webt nämlich ein Geheimnis um den mysteriösen Besuch der beiden Fremden, die in Rätseln faseln und keine Antworten geben wollen. Hinzukommt seltsames Verhalten, was die Frage aufwirft, ob die Besucher überhaupt menschlicher Natur sind oder doch nur fremdgesteuerte Marionetten einer höheren Macht. Leider nimmt man es mit fortschreitender Laufzeit zu genau mit der Geheimniskrämerei. Statt Geschehnisse am Ende aufzulösen, ist man eher darum bestrebt weiter des Zuschauers Kopfkino zu strapazieren. Offenbar will man die Interpretationsfähigkeit des Publikums herausfordern und hält sich auch nach dem Abspann mit Antworten bedeckt. Das verursacht ein unbefriedigendes Gefühl, weil man dann doch gern gewusst hätte, was die Fremden mit ihrem Besuch bezwecken wollten und woher sie tatsächlich stammen. Demzufolge ist dieses doch sehr rätselhaft Kammerspiel nur jenen zu empfehlen, die genügend Fantasie besitzen, um sich Antworten selbst zusammenzureimen. Wer diese auf dem Silbertablett serviert haben möchte, dürfte diesen doch beinahe schon surrealen Horrorfilm als Unsinn abstempeln. Wir von FILMCHECKER zumindest sind hin- und hergerissen, sprechen aber dennoch eine Empfehlung aus, denn so ungewöhnliche Filme wie CAUGHT hat man zweifelsohne nicht jeden Tag vor der Linse.
 
 
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CAUGHT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rätselhafter Gruseltrip mit den wohl unheimlichsten Besuchern, die man je in einem Horrorfilm zu sehen bekommen hat. CAUGHT ist nichts für Zuschauer, die alles plausibel erklärt haben wollen. Der Film ist nämlich ein einziges Rätsel und will offenbar die grauen Zellen seines Publikums aktivieren. Fragen über Fragen, aber kaum Antworten. Das ist so gewollt und ermöglicht viele Interpretationsansätze. Handwerklich ist CAUGHT über jeden Zweifel erhaben. Trotz minimalistischer Kulisse und wenigen Figuren entwickelt man schnell ein ungutes Bauchgefühl, was wohl daran liegt, dass der ungewöhnliche Besuch unberechenbar scheint und Verhalten an den Tag legt, welches alles andere als menschlich ist. Da ist schnell eine rätselhafte und zugleich beunruhigende Atmosphäre aufgebaut, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und erst mit Einblendung des Abspanns wieder loslässt. CAUGHT ist ein kleiner Indie-Geheimtipp und richtet sich mit seiner ungewöhnlichen Machart an Leute, denen es nach Neuerungen im Genre dürstet. Wer daher ein Herz für subtilen Schauer besitzt und eine Leidenschaft für Horrorfilme hegt, die aus der Reihe tanzen, sollte unbedingt einen Blick riskieren. CAUGHT macht nämlich Horror mit Hirn und nicht mit der Blutkeule. Das ist in Zeiten, in denen alles rasanter, hektischer und brutaler sein muss, mittlerweile eine Seltenheit geworden. Übrigens sollte man den Trailer nicht für bare Münze nehmen. Der weckt falsche Erwartungen und lässt einen Zombiestreifen vermuten. Mit Zombies hat CAUGHT aber – Gott sei Dank – nur wenig am Hut.
 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Zensur

 
 
 
CAUGHT hat kaum Gewalteffekte zu bieten. Einem Postmann wird mit einem Stein der Schädel eingeschlagen. Ansonsten spucken die unheimlichen Bewohner seltsamen Schleim, was vermutlich eine FSK16 rechtfertigen dürfte.
 
 
 


 
 
 

CAUGHT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1933)
 

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Filmkritik: „The Executioners“ (2017)

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THE EXECUTIONERS

Story

 
 
 

Männer gegen Frauen und umgekehrt. In diesem Mix aus Home-Invasion und Rape-and-Revenge-Thriller zeigen mutige Damen einmal mehr, dass mit ihnen nicht gut Kirschen essen ist, wenn man sie schlecht behandelt.

 
 
 


 
 
 

THE EXECUTIONERS – Kritik

 
 
 
Wenn vier Frauen allein das Wochenende in einem abgelegenen Häuschen verbringen möchten, weiß man mittlerweile, dass das nicht gutgehen wird. So auch in THE EXECUTIONERS, wo sich vier Freundinnen noch einmal zusammentun, um das letzte Mal gemeinsam Zeit verbringen zu können. Die jungen Frauen haben erst kürzlich die Uni abgeschlossen und werden demnächst eigene Wege gehen. Um das Ereignis gebührend zu feiern, zieht man sich in das Haus zurück, in dem man stets die Ferien gemeinsam verbracht hat. Doch das gemütliche Beisamensein, schlägt bald in Terror um. Drei Männer haben nämlich Spaß am Terrorisieren. Die tauchen ihre Köpfe in Farbe und überfallen die wehrlosen Damen. Doch Belle (JEMMA DALLENDER) kann entkommen. Während die Freundinnen Grausames über sich ergehen lassen müssen, wächst die attraktive Brünette über sich hinaus. Das wird ein blutiger Denkzettel.
 
 
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Willkommen zu Home-Invasion mit Quälerei. THE EXECUTIONERS ist Futter für jene, die sich daran ergötzen können, wenn sich Menschen gegenseitig quälen und anschließend ausradieren. Der Film will niedere Instinkte befriedigen und damit polarisieren. Das gelingt ohne Probleme, denn wieder mal wird sich der Kampf zwischen den Geschlechtern zunutze gemacht, um Gewalt rechtfertigen zu können. So darf natürlich der Missbrauch von wehrlosen Frauen nicht fehlen, mit denen hier möglichst perverses Zeug veranstaltet wird, damit Hobby-Sadisten feuchte Hosen bekommen. Doch denen platzt schnell der Kragen. Die starten einen Rachefeldzug gegen ihre Peiniger und verwandeln sich plötzlich von traumatisierten Opfern in kompromisslose Kampfamazonen. Dass es da kleinlaute Ganoven plötzlich mit der Angst zu tun bekommen, leuchtet ein. Erfahrene Filmkenner erleben vermutlich ein Déjà-vu.
 
 
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Das ist auch kein Wunder. Die Handlung von THE EXECUTIONERS ist nämlich nicht neu und wurde bereits in den 1970ern zu Genüge abgespult. So brachte es das Rape-and-Revenge-Genre mit Vertretern wie ICH SPUCK AUF DEIN GRAB, EINE FRAU SIEHT ROT oder DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM zu zweifelhaftem Ruhm – vor allem bei Sittenwächtern und Zensurbehörden. Letztere dürften auch mit THE EXECUTIONERS keinen Spaß verstehen, weil sich der Film weniger um Handlung schert und stattdessen das Foltern, Quälen und Rächen fokussiert. Ein ungutes Bauchgefühl ist da bei vielen Zuschauern vorprogrammiert, denn einige der Demütigungen im Film sind nicht ohne. Dennoch erreicht dieser Exploitation-Schocker zu keiner Zeit die Härte von nicht minder kontroversen Thrillern wie HATE CRIME oder I SPIT ON YOUR GRAVE 2. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Die Schauspieler in THE EXECUTIONERS verhalten sich oft unplausibel. Zudem happerts an der Glaubwürdigkeit, was vor allem an der hölzernen Darbietung der Darsteller liegt. Für einige derer dürfte es hier wohl der erste Ausflug ins Schauspielfach gewesen sein und das merkt man auch. Das mildert den Härtegrad und lässt enttäuschte Quälfans zurück. Letztere werden ohnehin verärgert über stümperhafte Schnitte sein. Offenbar wurde hier die Schere angesetzt, um Gewaltszenen abzumildern. Zumindest erwecken abrupte Szenenwechsel den Eindruck, als musste geschnippelt werden. Harte Schnitte setzen nämlich immer dann ein, wenn es gerade auf dem Bildschirm zur Sache geht.
 
 
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Ob gewollte Zensurschnitte oder unprofessionelles Handwerk ist letztendlich egal. THE EXECUTIONERS ist nämlich kein großer Wurf und wird auch Fans dieser Film-Gattung nicht begeistern können. Auch die werden sich langsam eingestehen müssen, dass es klassischen Rape-and-Revenge-Thrillern mit allseits bekannten Abläufen mittlerweile immer schwerer gelingt, Zuschauer vorm Ofen hervorzulocken. Das Subgenre hat nämlich das gleiche Problem, wie viele andere Subgenres auch. Es mangelt an Ideen und die stets gleichen Handlungsverläufe nutzen sich irgendwann ab. Da reicht es letztendlich nicht mehr aus, wenn man offensichtliche Ideenarmut mit möglichst menschenverachtender Gewalt verschleiert. Exploitation allein ist nicht alles.
 
 
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THE EXECUTIONERS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Professionell produziert, aber dennoch beliebig. Kompromissloser Quälfilm, der es nicht gut mit allen Beteiligten meint. Man nehme verschreckte Hühner, die von Alpha-Hähnen gedemütigt und gegen ihren Willen begattet werden und drehe den Spieß irgendwann um. Fertig ist Rape-and-Revenge-Dutzenware, die man vermutlich vor 30 Jahren als hartes Brett bezeichnet hätte. Heute schockt so ein austauschbarer Film wie THE EXECUTIONERS wohl kaum noch einen Liebhaber der härteren Gangart. Regisseur GIORGIO SERAFINI klammert sich zu engstirnig an den bekannten Abläufen des Rape-and-Revenge-Genres und fügt der vorhersehbaren Handlung kaum eigene Ideen hinzu. So bleibt am Ende nichts in Erinnerung. Das ist dahingehend für einen Filmschaffenden enttäuschend, der mit seinem Schaffen eigentlich polarisieren will, aber letztendlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. In Zeiten eines übersättigen Filmmarktes, muss man sich eben mehr Gedanken darüber machen, wie man mit Filmen im Gespräch bleiben kann. Im Falle von THE EXECUTIONERS bleibt die gewünschte Schockwirkung zumindest aus – trotz Gewalt und Geschrei.
 
 
 


 
 
 

THE EXECUTIONERS – Zensur

 
 
 
THE EXECUTIONERS ist schon ein sehr einfältiges Filmchen, das sich auf Quälen und Rächen konzentriert. Einige der menschenverachtenden Szenen sind sehr unschön anzusehen – vor allem dann, wenn weibliche Protagonisten erst gedemütigt und anschließend vergewaltigt werden. Aber natürlich bekommen auch die Herren im Film ihr Fett weg. Die werden mit einem Dildo vergewaltigt und nacheinander in den Filmhimmel befördert. Zwar ist THE EXECUTIONERS kein Film, der einkassiert werden müsste. Dennoch gehen wir davon aus, dass er mit rotem FSK-Sticker in den Handel kommen wird – insofern sich überhaupt ein Label die Auswertungsrechte für Deutschland sichert. Übrigens lag uns für die Besprechung die amerikanische Heimkinofassung vor. Aufgrund abrupter Schnitte gehen wir davon aus, dass die geschnitten war. Leider haben wir keine Info erhalten, ob wir mit unserer Vermutung richtig lagen.
 
 
 


 
 
 

THE EXECUTIONERS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lionsgate Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on Your Grave (2010)
 
I Spit on Your Grave 2 (2013)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 
Even Lambs have Teeth (2015)
 
Rache – Bound to Vengeance (2015)
 
Savaged (2013)
 
Black Rock (2012)
 
Pig (2010)
 


Filmkritik: „Still/Born“ (2017)

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STILL/BORN

Story

 
 
 

Eine frisch gebackene Mutter erlebt nach der Schwangerschaft den Horror auf Erden. Offenbar will ihr jemand den Nachwuchs stehlen. Doch die Verdächtigungen bringen Mary in Teufels Küche. Nicht jeder will ihr Glauben schenken, dass eine Kreatur aus der Welt des Okkulten das Kind nehmen möchte.

 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Kritik

 
 
 
Als junge Mutter hat man es nicht leicht. Nicht nur, dass man neun Monate mit Stimmungsschwankungen und unstillbaren Futterattacken zu kämpfen hat. Auch die Zeit nach der Geburt kann zur Tortur werden – vor allem, wenn das Kind unermüdlich schreit. Umso heimtückischer, wenn sich Filmemacher genau jene Thematik zunutze machen und daraus einen Horrorfilm drehen. So geschehen mit dem Schocker STILL/BORN, der von jemandem inszeniert wurde, der bisher nur wenig aufgefallen ist. Regisseur BRANDON CHRISTENSEN fungierte als Produzent des etwas anderen Zombiefilms IT STAINS THE SAND RED. Offenbar leckte der noch unerfahrene Filmemacher nach den Dreharbeiten Blut. Daher entstand die Idee zum Psychothriller STILL/BORN, die er mit Kollege COLIN MINIHAN zu Papier brachte, nur um danach selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen zu können. Entstanden ist ein Glückstreffer, wie wir meinen, denn Regisseur BRANDON CHRISTENSEN scheint trotz Unerfahrenheit ein gutes Gespür für Horror zu besitzen. STILL/BORN fesselt nämlich schnell und wird rasch zur schaurigen Achterbahn der Emotionen. Ein solches Talent ist nicht jedem Newcomer in die Wiege gelegt.
 
 
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Ein junges Paar steht vor der Prüfung ihres Lebens. Einerseits ist man glücklich über frischen Nachwuchs. Andererseits bringt ein schrecklicher Schicksalsschlag das Leben von Mary und Jack ins Wanken. Die beiden sind Eltern eines Zwillingspaares. Leider hat nur eines der beiden Kinder die stressige Geburt überlebt, weshalb man nach tränenreichen Tagen versucht das Beste aus der Sache zu machen. Das neue Leben zu dritt soll in einem Traumhaus in einer privilegierten Nachbarschaft beginnen. Doch die Freude schlägt bei Mutter Mary bald in Angst um. Die hört nämlich plötzlich mysteriöse Stimmen aus dem Babyphone und hat auch sonst kein gutes Gefühl mehr. Offenbar schleicht jemand durch die Zimmer und hat es auf Baby Adam abgesehen. Die ominösen Verdächtigungen kommen vor allem bei Vater Jack gar nicht gut an. Der ist nämlich fest davon überzeugt, dass seine Gattin mit einem Trauma zu kämpfen hat, das auf den plötzlichen Tod des Zwillingskindes zurückzuführen ist. Ob er damit Recht behält? Seiner Frau zumindest geht es von Tag zu Tag schlechter. Die ist fest der Überzeugung, dass hier ein Dämon durch das Haus wandelt, der den Nachwuchs fressen will. Da muss jemand her, der helfen kann. Psychologe oder Exorzist? Die Antwort darauf wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.
 
 
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Eine traumatisierte und offenbar überforderte Mutter – das ist Stoff aus dem sich effektiver Psychoterror inszenieren lässt, der nicht nur die Hauptdarstellerin von STILL/BORN an den Rand des Wahnsinns treiben lässt. Auch der Zuschauer wird hier gefordert und immer wieder mit heimtückischen Fährten um den Verstand gebracht. Was ist denn nun des Pudels Kern? Will der Familienvater bewusst seine Frau in die Psychiatrie einliefern lassen, um das alleinige Sorgerecht des einzigen Sohnes für sich beanspruchen zu können? Ist Mutter Mary so schwer traumatisiert, dass sie nicht mehr zwischen Realität und Einbildung unterscheiden kann? Oder sind in STILL/BORN tatsächlich paranormale Kräfte am Werk, die es nicht gut mit der jungen Familie meinen? Regisseur BRANDON CHRISTENSEN gelingt das Kunststück, die Antwort darauf bis zum Schluss zu bewahren. Erst wenige Sekunden vor Abspann, wird das Publikum mit der schlüssigen Auflösung konfrontiert, die – wie hätte man es anders erwartet – doch etwas sehr konventionell ausgefallen ist. Das tut der Gruselstimmung aber keinen Abbruch. STILL/BORN ist durchaus sehenswert, weil der Film permanent Verwirrung stiftet und mit seinem Geflecht aus Verdächtigungen und falschen Fährten kaum Leerlauf bietet. Schnell entwickelt sich eine ungemütliche Aura permanenter Hilflosigkeit. Mutter Mary weiß nämlich bald nicht mehr weiter und ist mir ihren Problemen vollkommen allein. Niemand will der überforderten Frau Glauben schenken, weshalb die nach und nach in einen Strudel von Umständen gerissen wird, der natürlich genrebedingt ins Desaster mündet. Dabei entwickelt sich der Streifen schnell zu einem unbequemen Höllentrip, der so einiges abverlangt und – das ist so ziemlich gemein – vor allem Kompromisse scheut. Manch Drehbuchautor scheint es nicht gut mit Figuren und Zuschauern zu meinen. So auch BRANDON CHRISTENSEN. Der spielt mit Publikum und Figuren und hat damit offenbar richtig viel Spaß. Dieser Sauhund!
 
 
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STILL/BORN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
ROSEMARIES BABY lässt grüßen: Dieser Thriller ist definitiv kein Film für werdende Mamas oder frisch gebackene Eltern. STILL/BORN nutzt das Thema „Stress nach der Schwangerschaft“ aus, um daraus irreführenden Horror zu machen. Die junge Hauptdarstellerin genannten Psychothrillers scheint mit ihrer neuen Rolle aus Mutter überfordert zu sein. Das wird als Aufhänger verwendet, um den Zuschauer mithilfe von falschen Fährten zu blenden. Das gemeine Verwirrspiel funktioniert tadellos, denn Macher BRANDON CHRISTENSEN macht es so Filmen wie ROSEMARIES BABY oder DARK CIRCLES gleich. Auch dort bekommen es jungen Eltern mit der Angst zu tun, weil mit der Geburt des Nachwuchses plötzlich seltsame Dinge geschehen. Stress, Depressionen, Einbildung oder doch übernatürliche Ereignisse? Das Spiel mit falschen Fährten gelingt im Falle von STILL/BORN tadellos – auch wenn das kontroverse Ende in seiner Schonungslosigkeit dann doch etwas sehr bitter ausgefallen ist. Low-Budget-Horror at his best. Kann man sich durchaus mal anschauen.
 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Zensur

 
 
 
STILL/BORN ist kein Gewaltfilm. Der Horror ist in diesem Streifen subtiler Natur und wird hauptsächlich durch unheimliche Geräusche und schaurige Visionen bewirkt. Erst am Ende gibt es eine kurze Gewaltszene. Sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden, dürfte es für STILL/BORN eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Circles (2013)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Little Devil (2014)
 


Filmkritik: „Inside“ (2016)

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INSIDE

(INSIDE – REMAKE)

Story

 
 
 
Ein spanisches Remake des französischen Horrorfilms INSIDE: So schnell steigt die hochschwangere Sarah Clarke (RACHEL NICHOLS) nicht wieder in ein Auto. Nach einem Autounfall verliert die nämlich nicht nur ihr Gehör. Auch der Gatte stirbt unter tragischen Umständen am Unfallort und lässt die Mutter allein mit dem ungeborenen Nachwuchs zurück. Keine leichte Situation für Sarah, die das gemeinsame Haus verkaufen und es sich trotz Kummer an Heiligabend allein Zuhause gemütlich machen möchte. Da klopft es plötzlich an der Tür. Eine Dame bittet um Einlass, weil sie eine Autopanne hat. Nun benötigt sie ein Telefon, um einen Anruf tätigen zu können. Doch die junge Mutter hat kein gutes Gefühl. Sie weist die Unbekannte ab und lenkt somit den Zorn der Hilfesuchenden auf sich. Natürlich wird schnell klar, dass der unerwartete Besuch andere Gründe hat. Die Frau will das ungeborene Kind der ahnungslosen Mutter und verschafft sich Zutritt zum Haus. Was folgt ist kein Kaffeekränzchen. Die beiden Damen liefern sich ein unerbittliches Kopf- an Kopfrennen, das nur einen Sieger kennt. Mutterglück geht eben über Grenzen hinaus. Ein hektischer Adrenalinkick! Trotz „Made in Spain“ diesmal Schrecken in englischer Sprache! Verkauft sich international besser.

 
 
 


 
 
 

INSIDE – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die darf man einfach nicht neu drehen, weil man sonst den Zorn von Horrorfans auf sich lenkt. So stehen bestimmte Horrorklassiker auf der Liste geschützter Lieblingsfilme, deren Neuinterpretationen bereits im Vorfeld verrissen werden noch bevor überhaupt ein Drehbuchschreiber am Schreibtisch gesessen hat. Doch nicht nur alter Kult-Horror wird von Anhängern verehrt und verteidigt. Auch viele neuere Produktionen stehen mittlerweile unter Schutz und Vergehen wird nicht selten mit Hetze bestraft. So geschehen mit der amerikanisierten Neuinterpretation des französischen Extrem-Schockers MARTYRS. Die Vorlage gilt als einer der größten Errungenschaften modernen Horrorkinos und hat mittlerweile eine riesige Fanbase aufgebaut, die sich über den gesamten Globus verteilt. Deren Empörung war natürlich groß, als im Internet die Nachricht von einem Remake die Runde machte. Letzteres wurde veröffentlicht und von Zuschauern und Kritikern nicht unbedingt mit Lob überhäuft. Demzufolge verschwand es so schnell wie es gekommen war wieder in der Versenkung. Berechtigt!
 
 
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Gleiches Schicksal dürfte auch dem hier besprochenen INSIDE ereilen. Auch bei diesem Horrorthriller handelt es sich um die Neuverfilmung eines Beitrags genannten Extremkinos aus Frankreich, welches in den 2000ern aufgrund fragwürdiger Gewaltausbrüche für Furore gesorgt hat. Leider dürfte die Kontroverse nicht wiederholt werden, denn das INSIDE-Remake sieht zwar makellos aus, besitzt aber nicht einmal annähernd den Zündstoff, den einst der von JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO inszenierte Home-Invasion-Stoff unter dem Titel À L’INTÉRIEUR geliefert hat. Das mutet seltsam an, hat doch diesmal auf dem Regiestuhl jemand Platz genommen, der sich eigentlich mit Terror in den eigenen vier Wänden auskennt. Der Spanier MIGUEL ÁNGEL VIVAS drehte vor einigen Jahren mit KIDNAPPED einen nicht minder reißerischen Vertreter der Gattung Home-Invasion-Horror. Auch dort wurden alle Register klassischer Exploitation gezogen, um den Zuschauer schockieren zu können. Da fragt man sich doch glatt, was im Falle von INSIDE schiefgelaufen ist. Das Remake ist trotz Horror-Fachmann eine Enttäuschung und dürfte die Vita des talentierten Filmemachers nicht unbedingt bereichern. Shit happens manchmal!
 
 
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Vermutlich wäre der spanische INSIDE ein passabler Vertreter des Genres geworden, wenn es da nicht schon die Vorlage gegeben hätte, die letztendlich bereits alles gesagt hat, was es zu sagen gibt. Viele Neuerungen gibt es im Remake nämlich nicht zu sehen, denn der Film erzählt gleichen Stoff wie das Original und weicht dabei nur wenig vom rechten Weg ab. Das macht die Neuauflage irgendwie überflüssig, die zudem auch hinsichtlich Gewalt einen Rückzieher macht mit der sich immerhin der französische INSIDE von 2007 in die Herzen von Horrorfans schlitzen konnte. Statt Blutkeule probiert sich der spanische Regisseur MIGUEL ÁNGEL VIVAS in Sachen Suspense und Thrill aus. Demzufolge ist das Katz- und Mausspiel weitaus hektischer geraten, als anfangs vermutet – scheitert aber an Ideenarmut und den katastrophalen Entscheidungen seiner Figuren. Was dem Zuschauer hier zugemutet wird, ist jenseits von Gut und Böse. Selten hat man einen Horrorfilm zu Gesicht bekommen, in dem die Dummheit seiner Protagonisten einen ganzen Film zerstört. Rationales Denken ist hier Fehl am Platz. Egal, ob Nachbar, Angehörige oder die Polizei – niemand denkt hier über Konsequenzen für unüberlegtes Handeln nach. So fliegen alle Figuren wie Motten ins Licht und geraten somit in die Fänge einer schwarzen Witwe, die mit den naiven Opfern kurzen Prozess macht. Die Auszeichnung für den im wahrsten Sinne des Wortes „dümmsten Film“ der letzten Jahre geht somit zweifelsohne an den englischsprachigen INSIDE. Spanien 12 Punkte – Herzlichen Glückwunsch!
 
 
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Unterm Strich steigt die Neuinterpretation des Splatter-Hits INSIDE in die gleichen Fußstapfen, wie die meisten Neuverfilmungen beliebter Horrorfilme. Der Streifen macht zwar handwerklich und atmosphärisch einiges her, bestätigt aber Zweifler darin, dass lieber neue Filminhalte fürs Lichtspielhaus inszeniert werden sollten, statt kalten Kaffee immer neu aufzuwärmen. Der spanische INSIDE verdeutlicht einmal mehr, dass Neuinterpretationen nur dann Sinn machen, wenn man sie auch wirklich neu und auf eigene Weise interpretiert. Das kann passieren, wenn Klassiker einfach nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten entsprechen und man angestaubte Botschaften in neue, moderne Zeiten transferieren möchte. Demzufolge bleibt fraglich, was Filmemacher MIGUEL ÁNGEL VIVAS denn mit seinem INSIDE bezwecken wollte? Letztendlich lag es wohl bestimmt wieder am amerikanischen Zuschauer. Bekanntermaßen bevorzugt der englischsprachige Produktionen, weil er bei internationalen Filmen zu bequem ist deren Untertitel zu lesen. Manchmal ist eben nur Original legal. Immerhin geht’s diesmal glücklich aus. Die Neuauflage von INSIDE verfügt nämlich über ein Happy End in dem sich die schwangere Filmheldin mit Hilfe einer Geburts-Metapher selbst ins Leben zurückkämpft. Das dürfte dem Mainstream-verwöhnten Allesschauer in Amerika gefallen. Wir Europäer hier brauchen die rosarote Brille nicht, denn uns genügt das grimmige, bitterböse und rohe Original aus Frankreich. Das Leben ist eben nicht immer nur Ponyhof.
 
 
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INSIDE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Versuch Schockwirkung auch ohne Blutkeile zu bewirken. Der englischsprachige INSIDE aus Spanien wäre vermutlich kein übles Remake geworden, wenn sich einerseits die Figuren gescheit verhalten hätten und sich Regisseur MIGUEL ÁNGEL VIVAS etwas weiter von der Vorlage entfernt hätte. Bis auf eine Verfolgungsjagd am Ende und dem guten Ausgang der Geschehnisse sind die Verläufe nahezu identisch zum französischen INSIDE von 2007. Nur bei der Gewalt wird ein Gang heruntergeschalten. Somit taugt der Film nur für jene, die sich bisher noch nicht an das französische Original herangetraut haben, weil es ihnen einfach zu brutal gewesen ist. Dennoch ist auch diese Neuverfilmung überflüssig, weil der Sinn dahinter nicht schlüssig ist. Aber in Zeiten schnell verdienten Geldes sind Gründe eher Nebensache. Vermutlich geht es ohnehin nur um Geldschneiderei. Das nächste (unnötige) Remake wartet wahrscheinlich bereits auf seine Veröffentlichung. Somit kann man den spanischen INSIDE sehen, abhaken und wieder vergessen. Wir meinen: Offensichtliche Budget- und für Horrorfans definitiv Zeitverschwendung.
 
 
 


 
 
 

INSIDE – Zensur

 
 
 
Das spanische Remake hält sich in Sachen Gewalt zurück. Einige kurze Gemeinheiten gibt es dennoch zu sehen. So kommt eine Spiegelscherbe zum Einsatz, die in einen Hals gestochen wird. Weiterhin greift man auf gutes altes Mordhandwerk zurück: dem Küchenmesser. Anders wie der Originalfilm aus Frankreich, dürfte es der spanische INSIDE bei der FSK einfacher haben. Man darf auf eine Freigabe ab 16 Jahren hoffen.
 
 
 


 
 
 

INSIDE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Nostromo Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
À l’intérieur (2007)
 
The Clinic (2010)
 
Das Wiegenlied vom Tod (2016)
 
Schlaraffenhaus (2011)
 


Filmkritik: „Dismissed“ (2017)

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DISMISSED

Story

 
 
 

Eine beunruhigende Unterrichtsstunde in Sachen Psychoterror: Ein Englischlehrer gerät an einen Schüler des Grauens. Der entpuppt sich als heimtückischer Psychopath und macht den Unterricht zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Kritik

 
 
 
Wenn uns das Horrorgenre ein was gelehrt hat, dann ist das die Vorsicht vor ungewöhnlich gut erzogenen Kindern und Jugendlichen. In der Regel stimmt da irgendwas nicht. Vieler derer sind nämlich gar nicht so wohlerzogen, wie man es von ihnen erwartet, denn oft schlummert hinter der Fassade vermeintlich höflicher Kids gern mal das abgrundtief Böse. Bereits Regisseur RICHARD DONNER hat das in den 1976ern erkannt. Der brachte mit DAS OMEN einen wegweisenden Kassenschlager in die Kinos und machte darin einen kleinen Jungen zum Handlanger des Teufels bei dem wegen des unschuldig dreinschauenden Gesichts niemand wahrhaben wollte, dass in ihm das Böse haust. Ähnliches Thema ist auch im folgenden DISMISSED Programm. Der mag zwar nicht im Okkult-Fach beheimatet sein, ist aber mindestens genauso beunruhigend. Auch hier will man nicht glauben, dass in einem vorbildlichen Schüler das Böse in Menschengestalt lebt. Für den unberechenbaren Psychotrip zeichnet ein Newcomer verantwortlich. Regisseur BENJAMIN ARFMANN feiert mit dem Thriller DISMISSED sein Langfilmdebüt. Zuvor arbeitete er ausschließlich an Kurzfilmen und einigen Folgen weniger bekannter Vorabendserien. Nun probiert er sich an etwas Größerem aus, das sich zweifelsohne sehen lassen kann. DISMISSED ist ein schnörkelloser Psychothriller mit starken Schauspielern und straffer Inszenierung. Wer demnach seine Nerven strapazieren lassen möchte, darf gern einen Blick wagen.
 
 
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Englischlehrer David Butler (KENT OSBORNE) zweifelt an seinem Lehrer-Dasein. Die Schüler arbeiten im Unterricht nicht mit und auch sonst will sich niemand in seinen Lehrstunden einbringen. Ist er etwa kein guter Lehrer? Da kommt plötzlich ein neuer Schüler an die Schule und belehrt eines Besseren. Lucas (eher bekannt aus Disney-Produktionen: DYLAN SPROUSE) heißt der Vorzeigeschüler, der sich zu benehmen weiß, hervorragend Schach spielt und Interesse am Unterricht zeigt. Das lässt nicht nur Mitschüler erstaunen. Auch Mr. Butler ist über den Unterrichtseinsatz und den Fähigkeiten des Neulings verblüfft. Er freundet sich mit seinem neuen Schüler an und verbringt auch sonst ungewöhnlich viel Zeit mit dem Teenager. Doch der ist nicht so fehlerfrei wie anfangs vermutet. Perfektionist Lucas hat nämlich auch noch ein zweites Gesicht und das ist alles andere als freundlich. Als der für eine Hausarbeit nicht die erhoffte gute Note erhält, ist Schluss mit nett. Er beginnt seinen Lehrer zu terrorisieren und macht ihm das Leben alles andere als einfach. Schüler sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Früh übt sich, wer ein Psychopath werden will. DISMISSED ist einer dieser Psychothriller, die das Grauen langsam heraufbeschwören und den Zuschauer schnell dort packen, wo es ihm am meisten wehtut. Lehrer David Butler wird hier in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Musterschüler Lucas besitzt nämlich die Gabe der Manipulation und will für eine schlechte Note dem Lehrer eine Lektion erteilen. Der hat schnell die halbe Schule auf seiner Seite. Die glaubt dem Jugendlichen bald mehr, als dessen Lehrkörper. Das wirkt zwar teilweise etwas sehr konstruiert und unglaubwürdig, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Spannungsschrauben werden in DISMISSED minütlich fester gezogen, weil sich Psychopath Lucas immer perfidere Methoden einfallen lässt, um das Leben seines Englischlehrers zu ruinieren. Der versucht einen Ausweg aus der Misere zu finden und recherchiert. Natürlich will ihm niemand Glauben schenken. Doch er findet Anhaltspunkte darüber, dass der neue Schüler bereits an der alten High School ähnliches Spiel mit einem anderen Lehrer gespielt hat.
 
 
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Die Geschichte von DISMISSED ist nicht neu und auch der Verlauf der Geschichte ist nach gleichem Muster gestrickt, wie die der vielen anderen Filme in denen sich scheinbar friedliebende Menschen als Psychopathen entpuppen. Dennoch ist DISMISSED deshalb nicht zwangsläufig schlecht. Regisseur BENJAMIN ARFMANN hat für seinen Film zwei hervorragende Schauspieler gefunden, die sich ein bitteres Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Hierbei glänzt vor allem Jungdarsteller DYLAN SPROUSE, der eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem jungen LEONARDO DICAPRIO besitzt und mit Engelsgesicht fasziniert, aber auch böse kann. Da werden Erinnerungen an Filme wie EMELIE, MIKEY, ORPHAN oder DAS ZWEITE GESICHT wach. Auch dort versteckte sich das Böse hinter Engelsaugen, das man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Gott sei Dank gab es in diesen Filmen für die unartigen Kinder am Ende eine Lektion. Ob eine Bestrafung auch auf den geistig verwirrten Bengel in DISMISSED wartet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist, dass der hier vorgestellte Psychothriller – trotz kleinem Budget – millionenschweren und starbesetzten Thrillern souverän die Stirn bietet. DISMISSED ist sehenswert. Da kann man nicht meckern. Hoch lebe das Indie-Horrorkino.
 
 


 
 
 

DISMISSED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Böse Taten für gute Noten: Spannender Psychothriller mit unberechenbarem Bösewicht, der eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Erpressen besitzt. DISMISSED ist ein kleiner Film mit wenig Budget. Das sieht man dem Psychothriller aber zu keiner Minute an. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Der Film wird von seinen hervorragenden Darstellern getragen, die mit gutem Schauspiel überzeugen können. Das macht schon was her, denn was nützen die klügsten Geschichten, wenn die Darsteller schlecht sind. Dank gutem Schauspiel vergisst man schnell die überschaubare Handlung, die nach gleicher Rezeptur für Psychothriller gemixt wurde, wie unzählige Streifen zuvor. Wieder mal wird ein vermeintlich liebenswerter Teenager als skrupelloser Psychopath entlarvt. Das erinnert an so Filme wie FEAR oder HOUSE AT THE END OF THE STREET. Überraschung gibt es wenige. Trotzdem funktioniert der Film hervorragend, weil Regisseur BENJAMIN ARFMANN kaum Längen zulässt. Wer demzufolge eine Schwäche für solche Filme besitzt, wird gut unterhalten werden. Trotz bekanntem Verlauf ist DISMISSED erstaunlich kurzweilig geraten. Unterhaltsame Filme sind eben alles. Kann man sich bedenkenlos auf seine Filmliste setzen.
 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Zensur

 
 
 
DISMISSED ist ein Psychothriller. Dementsprechend liegt der Fokus in erster Linie auf psychologischen Horror. Ein Mädchen stürzt vom Dach der Schule und im Schulunterricht wird ein Schüler durch eine Explosion im Chemieunterricht verletzt. Am Ende gibt es noch einen Mord zu sehen, der aber im Off zelebriert wird. Der Zuschauer bekommt dort nur das Ergebnis zu Gesicht. DISMISSED ist ein klarer FSK16-Kandidat.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei BoulderLight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
The Stepfather (1987)
 


Filmkritik: „Like.Share.Follow.“ (2017)

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LIKE.SHARE.FOLLOW.

Story

 
 
 

Eine Stalkerin macht einem YouTube-Star das Leben zur Hölle, weil der ihre Liebe nicht erwidern will. Dank dem Internet beschafft sie sich alle Informationen über das Objekt ihrer Begierde und richtet damit Chaos an.

 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Kritik

 
 
 
Jeder kennt es, jeder nutzt es – aber niemand scheint einsehen zu wollen, dass das Internet auch Schattenseiten besitzt. Im Zuge der Anonymität können nämlich hier Menschen Schindluder treiben, für das sie oft nicht mal belangt werden können. Dabei sind es vor allem die sozialen Netzwerke, die in den letzten Jahren zum Tummelplatz zwielichter Gestalten geworden sind. Hier wird beleidigt, gemobbt oder manipuliert, was sich oft für Opfer zu einem nichtendenden Albtraum entwickelt. Die können zwar die Leitung kappen, aber so dem Horror nicht immer entkommen. Nicht selten geht der Albtraum in der Offline-Welt weiter, weil das Internet mittlerweile so forangeschritten ist, dass es alle Bereiche des „richtigen“ Lebens beeinflusst. Demzufolge sollte man Vorsicht walten lassen, welche intimen Details man über sich im Internet verbreitet. Es gibt immer Menschen, die derart sensible Informationen missbrauchen, um sie für eigene Zwecke zu verwenden. Leider kommen die Warnungen für den Protagonisten des folgenden Spielfilms zu spät. Cybermobbing und seine Folgen sind in diesem Thriller Programm. Der nennt sich LIKE.SHARE.FOLLOW und zeigt erschreckend, was passieren kann, wenn die Möglichkeiten des Internets in die Hände psychisch labiler Menschen geraten.
 
 
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Dass Gefahren im Internet lauern, müssen auch erfolgreiche Youtuber einsehen. Garrett (KEIYNAN LONSDALE) macht sein Leben zum viralen Erlebnis und hat damit schon zwei Millionen Menschen erreicht, die ihm tagtäglich auf seinem YouTube-Kanal folgen. Der Erfolg spült zwar Geld in die Kasse, hat aber auch negative Seiten. Ein hartnäckiger Fan (EMA HORVATH) empfindet nämlich mehr für den Internetstar. Michelle heißt die Gute und hat offenbar nicht alle Latten am Zaun. Sie findet einen Weg ins Leben des YouTube-Junkies und macht ihm dort das Leben zu Hölle. Erst landet sie mit dem begehrten Junggesellen im Bett. Als der von ihren Stalker-Qualitäten Wind bekommt und logischerweise nichts mehr mit der jungen Dame zu tun haben möchte, zeigt Michelle jedoch ihr wahres Gesicht. Sie betreibt Cybermobbing, stellt dem Objekt ihrer Begierde nach und schreckt auch nicht davor zurück, Angehörige der YouTube-Berühmtheit in Gefahr zu bringen. Da stellt sich schnell die Frage, ob es nicht besser wäre, den Stecker zu ziehen und Offline zu gehen. Doch Internetabstinenz macht den gestörten Fan nur wütender. Der hat pikante Videos und Bilder seines Opfers und stellt diese ins Internet, um dessen Ruf zu zerstören. Was folgt ist eine Lektion in Sachen bewusster Umgang mit dem Internet, denn was man dort leichtfertig veröffentlicht, kann erschreckende Konsequenzen haben.
 
 
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Die Leute hinter BLUMHOUSE PRODUCTION wissen, wonach es dem Kommerzpublikum dürstet. Die Produktionschmiede ist dafür bekannt, simpel gestrickten und auf Hochglanz polierten Mainstream-Horror für die breite Masse in Arbeit zu geben, der nicht überfordert – aber unterhält. Auch bei LIKE.SHARE.FOLLOW hatte das Produktionsstudio seine Finger mit im Spiel, was zumindest auf kurzweilige Unterhaltung hoffen lässt. Die wird definitiv geboten, denn der hier vorgestellte Psychothriller reiht sich souverän in die Schlange ähnlich gestrickter Stalker-Streifen wie SWIMFAN, MISERY oder EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE ein und hebt dabei sogar noch mahnend den Zeigefinger. Regisseur und Drehbuchschreiber GLENN GERS versucht eindringlich vor der unüberlegten Nutzung des Internets zu warnen, wo nicht immer Gefahren eingeschätzt werden, die durch leichtsinnigen Gebrauch auf Social-Media-Plattformen entstehen. So macht Protagonist Garrett sein Leben transparent. Der gibt im Netz zu viel von sich preis und macht sich dadurch angreifbar. Das Resultat ist Cybermobbing in seiner ganzen Form gegen das selbst Gesetzeshüter im Film nichts unternehmen können, weil Grenzen zwischen Recht und Unrecht nicht eindeutig erkennbar sind. Demzufolge sind die Geschehnisse in LIKE.SHARE.FOLLOW nicht weit hergeholt – wenngleich der Film im Finale dann doch etwas zwanghaft in die Horrorschublade gepresst wird. Dort wird nach blutigen Lösungen gesucht, um den Stalker-Spuk ein Ende bereiten zu können. Etwas zu einfach, weil im Grunde genommen so die meisten Filme mit Stalker-Problematik beendet werden. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, wenn man den Film weniger konsequent abgeschlossen und nach unkonventionellen Lösungen gesucht hätte. Der nicht unspannend inszenierte LIKE.SHARE.FOLLOW wäre so vermutlich aus der Masse an Stalker-Thrillern hervorgestochen. Dennoch ist der Psychothriller weit weg von schlecht. Kann man sich durchaus mal ansehen.
 
 
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LIKE.SHARE.FOLLOW. – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sehenswerter Psychothriller, der sich einen bedachteren Umgang mit dem Internet wünscht. Schöne neue, aber auch gefährliche Welt. Wie bedrohlich das Internet tatsächlich ist, zeigt LIKE.SHARE.FOLLOW mehr als deutlich. Social-Media-Plattformen und egozentrische Nutzer werden hier an den Pranger gestellt. Von Letzteren gibt es immer mehr. Die verkaufen sprichwörtlich das eigene Leben, um mit Selbstinszenierung und Selbstbeweihräucherung möglichst viele Likes und ausreichend Anerkennung im Netz abstauben zu können. Virale Leichtfertigkeit ist jedoch nicht folgenfrei. So führt LIKE.SHARE.FOLLOW vor Augen, welche unerwartete Folgen grenzenlose Naivität, Unachtsamkeit und Geltungssucht haben können. Der Streifen beginnt harmlos. Doch der Ton ändert sich schon bald, denn schnell verwandelt sich das erheiternde Treiben in schonungslosen Psychoterror für den man gute Darsteller ausgewählt hat. Hier fällt vor allem Schauspielerin EMA HORVATH auf. Die macht zwar in ihrer Rolle den Anschein, als könne sie keiner Fliege etwas zu Leide tun, ist sie jedoch einmal in Fahrt, möchte man der von ihr gespielten Stalkerin Michelle besser nicht im Dunkeln begegnen. Da zeigt sich mal wieder, wie wichtig Schauspieler sind, die auch was können. Die beiden hervorragend gewählten Protagonisten tragen den Psychothriller beinahe allein und lassen die übrigen Darsteller verblassen. Wegen des guten Schauspiels schaut man doch gern über das klischeehafte Ende und einer unpassenden Pointe vorm Abspann hinweg. Letztere ist – trotz zynischem Unterton – vollkommen überflüssig.
 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Zensur

 
 
 
LIKE.SHARE.FOLLOW. hat kaum Gewalt zu bieten. Der Film ist eher im Psychofach beheimatet und schwört Horror auf psychologischem Wege herauf. Erst am Ende fließt etwas Blut. Ein Messer wird in einen Körper gestochen und ein Kaminhaken wird zweckentfremdet. Hierzulande dürfte der Film problemlos eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Filmclip

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Blumhouse Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Boy Next Door (2015)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Come Back to Me (2014)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
The Roommate (2011)
 
Misery (1990)
 
One Hour Foto (2002)
 


Filmkritik: „Compulsión“ (2017)

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COMPULSIÓN

Story

 
 
 

Eine Ehefrau findet heraus, dass der eigene Gatte ein brutales Doppelleben führt.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Kritik

 
 
 
ÁLEX DE LA IGLESIA, JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA – alles namhafte Größen im spanischen Horror-Genre, die wegen herausragendem Gruselfutter auch außerhalb der Landesgrenzen Fans gefunden haben und auch gern mal Filme drehen, die sich nicht zwingend an Konventionen modernen Horrorkinos orientieren. Zu jener Gruppe einflussreicher Filmemacher gesellt sich nun ein weiterer ambitionierter Regisseur dessen Karriere man unbedingt im Auge behalten sollte. Der Grund hierfür: COMPULSIÓN. Mit seinem nicht zimperlichen Spielfilmdebüt hat ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ gleich mal ins Schwarze getroffen und einen Geheimtipp gedreht, der auf den wenigen Festivals gut ankam, auf denen er bisher gezeigt wurde. So lobten Publikum wie Kritiker den wortkargen Inszenierungsstil und die dadurch resultierende Hochspannung mit der es der spanischen Indie-Produktion gelingt den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Das können wir von FILMCHECKER bestätigen. Viel gesprochen wird in COMPULSIÓN freilich nicht. Der Thriller lebt von seinen ungemütlichen Bildern und von der Ungewissheit seiner Hauptdarstellerin. Die bleibt – übrigens wie der Zuschauer – lang im Ungewissen darüber, was in COMPULSIÓN wirklich im Argen liegt. ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ dreht an der Spannungsschraube und steuert auf ein ungemütliches Finale zu, in dem mal wieder der Geschlechterkampf zum Thema gemacht wird. Der kürzlich hier besprochene HOUNDS OF LOVE lässt grüßen.
 
 
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Die Filmheldin (MARINA ESTEVE) von COMPULSIÓN hat schon seit längerer Zeit Albträume. Die sind nicht unbegründet, quält schon seit Tagen ein Verdacht, der die Beziehung der Eheleute ins Wanken bringt. Gatte Robert (PACO MANZANEDO) ist nämlich verdächtig viel unterwegs, kommt meist spät von der Arbeit und führt des Öfteren geheimnisvolle Telefonate, die Misstrauen schüren. Ist hier etwa ein Ehebrecher am Werk? Um das herauszufinden wird die Liebste zur Privatdetektivin und stellt dem Mann nach. Recherchen führen zu einem abgelegenen Haus, in dem schlimme Dinge passieren. Offenbar frönt Robert perversen Neigungen von denen niemand wissen darf. Kein guter Tag für die besorgte Ehefrau. Die erlebt einen der schlimmsten Tage ihres Lebens und zweifelt bald daran ihren Gatten je gekannt zu haben.
 
 
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Das hier soll Low-Budget sein? Der gerade einmal in zehn Tagen gedrehte COMPULSIÓN schaut für Indie-Verhältnisse bemerkenswert professionell aus und wurde von der Produktionsfirma SCHOCK FILMS produziert, die Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ zusammen mit JOSÉ PASTOR gegründet hat. Der erste Spielfilm aus genannter Produktionsschmiede hält sich nicht lang mit Nebensächlichkeiten oder gar Hintergründe auf. Stattdessen wird der Zuschauer gleich ins Geschehen geworfen und direkt mit dem Holzhammer konfrontiert. Lang gefackelt wird nicht. Ungemütliche Stimmung und Schockwirkung wird über ungeschönte Bilder transportiert, die wegen Dialogarmut gern mal an alte Stummfilme erinnern und den Zuschauer schnell da treffen, wo es besonders wehtut. Doch der raue visuelle Einschlag kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Informationen im Internet Glauben, zählen koreanische Thriller und klassische Terrorfilme zu den Haupteinflüssen der Arbeit des spanischen Regie-Newcomers. Letztere haben definitiv Spuren hinterlassen, erinnert COMPULSIÓN doch gern mal an das harte Exploitation-Kino der 1970er, in dem es weder Tabus noch Grenzen gab. Filmemacher ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ hat scheinbar viele Vertreter genannten Subgenres studiert. Mit einfachen Mitteln bewirkt er schnell eine Atmosphäre schonungslosen Unbehagens und zeigt mit fiesen Gewaltakten, dass er die raue Sprache genannter Filmgattung tadellos beherrscht. COMPULSIÓN fordert nicht nur Figuren im Film psychisch. Auch dem Zuschauer gehen bald die Geschehnisse durch Mark und Bein. Das ist aufgrund des überschaubaren Budgets eine Glanzleistung vor der man seinen Hut ziehen sollte. Deshalb darf man gespannt darauf sein, was der Spanier in Zukunft fabrizieren wird. Im Horrorgenre zumindest fühlt sich ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ offensichtlich wohl. Weitere Horrorstreifen sind nämlich schon in Planung. Ob die dann auch das Nervenkostüm des Zuschauers überstrapazieren werden? Man kann es nur hoffen.
 
 
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COMPULSIÓN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn der Gatte ein blutiges Doppelleben führt, wird es ultraspannend, kompromisslos und hart. COMPULSIÓN ist ein kleines Horror-Juwel aus Spanien, der aus wenig viel macht. Mit überschaubaren Mitteln hat hier Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ eine ungemütliche Geschichte verfilmt, die an schonungslose Exploitation-Kracher der 1970er erinnert. Trotz Spielfilmdebüt beweist der spanische Newcomer ein talentiertes Händchen für Spannungsbau und Schockwirkung. Grundvoraussetzung für Horror, der im Gedächtnis bleibt. COMPULSIÓN ist ein Survival-Thriller, der vermutlich auch wegen seiner kurzen Laufzeit kaum Längen besitzt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der spanische Genre-Beitrag ist packend, hart und gut gespielt. Ob da jemand in die gleichen Fußstapfen treten wird, wie mach bekannter Filmemacher aus Frankreich? Einige derer haben in den 2000ern harte Terrorfilme gemacht und drehen seither erfolgreich Schocker für den amerikanischen Filmmarkt. Auch ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ besitzt gute Voraussetzungen, um bald mit mehr Geld krude Horrorfilme drehen zu können. Der nicht minder kontroverse COMPULSIÓN ist zumindest schon mal ein überzeugender Anfang.
 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Zensur

 
 
 
Die Gewaltmomente in COMPULSIÓN sind verstörend. Dennoch wird häufig weggeblendet und man bekommt in späteren Einstellungen das Resultat der Gewaltausbrüche zu sehen. Höhepunkt ist zweifelsohne eine Szene in der ein Schwangerschaftstest in ein Auge gestochen wird. Hierzulande reicht der gebotene Gewaltrausch für eine FSK16 – insofern man COMPULSIÓN hierzulande veröffentlichen wird.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Schock Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hounds of Love (2016)
 
A Good Marriage (2014)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 


Filmkritik: „Better Watch Out“ (2016)

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BETTER WATCH OUT

(SAFE NEIGHBORHOOD)

Story

 
 
 

Eine Babysitterin (OLIVIA DEJONGE aus SCARE CAMPAIGN) erlebt ausgerechnet vor Weihnachten den Horror auf Erden.

 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Kritik

 
 
 
Auch im Horrorfilm passieren manchmal Dinge, die selbst eingefleischte Fans nicht kommen sehen. Da gibt es immer noch Filmemacher, die kreativ sein wollen und es anders machen wollen, als die anderen. Eine lobenswerte Geste, haben vor allem Horrorfans immer wieder das Nachsehen, weil ihnen die ständig gleichen Geschichten von gelangweilten Filmmenschen aufgetischt werden. Denen ist eigentlich nur wichtig, was sich damit verdienen lässt und wie sie mit geringem Aufwand den maximalen Reibach machen können. Überraschenderweise scheint das nicht unbedingt für die Horrorkomödie BETTER WATCH OUT zuzutreffen. Die kommt mal wieder aus Australien, wo neuerdings Grusel-Geheimtipps am Fließband produziert werden. Offenbar kennt man dort die Formel für innovativen Horror den Fans dieses Genre sehen wollen. Der kommt von dort seit Jahren abwechslungsreich, gruselig und vor allem kreativ ins Heimkino. Gott segne Australien.
 
 
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Dass BETTER WATCH OUT eigentlich nur gut werden konnte, war gewissermaßen abzusehen. Hinter der rabenschwarz-bissigen Horrorkomödie steckt nämlich jemand, der vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt hat. CHRIS PECKOVER startete seine Filmkarriere mit dem unerträglich harten und zu Recht kontroversen Thriller UNDOCUMENTED, der leider bis heute keinen Rechteinhaber in Deutschland gefunden hat. Angesichts der dort gezeigten Grausamkeiten verwundert das schon, entstand doch der Film zu einer Zeit in der es Mode war möglichst harten Gewaltnonsens auf Zelluloid zu bannen. In BETTER WATCH OUT wird aber ein Gang zurückgefahren. Gewalt gibt es hier zwar auch zu sehen. Diese wurde aber mit zynischer Note versehen, so dass auch ungeübte Zuschauer am etwas anderen Weihnachtsfest teilnehmen dürfen, ohne gleich vergrault zu werden. Dennoch offensichtlich: Hier muss ein Fanboy am Werk gewesen sein. BETTER WATCH OUT erinnert unschwer an die Filmstreiche von Satansbraten Kevin, der in den KEVIN ALLEIN ZU HAUS-Filmen bösen Menschen mit kindlicher Unbeschwertheit die Leviten liest. Scheinbar haben die Lausbubengeschichten so Eindruck hinterlassen, dass Regisseur CHRIS PECKOVER nacheifert. Das ist aber nichts, was man ankreiden müsste.
 
 
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Gleiches Konzept wie oben genannter Kultfilm aus den 1990ern verfolgt auch der zweite Spielfilm von Regisseur CHRIS PECKOVER, wenngleich das Treiben hier definitiv nicht für Kinder geeignet ist. In BETTER WATCH OUT – der sich im Original übrigens SAFE NEIGHBORHOOD schimpft – soll sich Babysitterin Ashley um den zwölfjährigen Schüler Luke kümmern. Es ist Weihnachtszeit und die Eltern des Jungen wollen sich einen schönen Abend machen. Eine gute Gelegenheit für die attraktive Ashley, um schnelles Geld zu verdienen. Doch die Gute ahnt nichts von den Plänen ihres Schützlings. Der will dem Kindermädchen seine Liebe gestehen, ist er doch schon seit Monaten in die junge Frau verliebt. Leider hat die Babysitterin keine Zeit für Kinderkram. Die hat Stress mit ihrem Freund und versucht die Wogen zu glätten. Das gefällt dem pubertierenden Verehrer gar nicht. Gemeinsam mit Kumpel Garrett versucht er das Herz der Angebeteten zu gewinnen. Doch da klopft es an der Tür und schemenhafte Schatten geistern ums Heim. Will da etwa jemand Spiele spielen? Den jungen Leuten im Haus zumindest wird angst und bange. Ob man sich zu wehren weiß? Filmfans müssen sich auf etwas gefasst machen, denn dieser Abend endet anders als erwartet.
 
 
Jene, die sich den Filmspaß nicht verderben lassen wollen, sollten zum Fazit springen. Was folgt sind nämlich Spoiler, die einen Teil der wendungsreichen Handlung verraten.
 
 
Der australische BETTER WATCH OUT lockt mit irreführendem Trailer. Was dort beinahe im Stile eines KEVIN ALLEIN ZU HAUS übertrieben schwarzhumorig zum Kauf animieren will, ist im fertigen Film dann doch mehr Ernst als Spaß. Regisseur CHRIS PECKOVER will sich abheben. Der Zuschauer bekommt hier nicht das zu sehen, was er erwartet. So ändert der Film nach knapp zwanzig Minuten seine Richtung. Statt dem Fan austauschbares Slasher-Futter aufzutischen in dem ein Babysitter von maskierten Irren terrorisiert wird, versteckt sich der Psychopath diesmal hinter engelsgleichen Augen. Das hat man nicht kommen sehen, denn Dank falscher Fährten bleibt lang verborgen, wohin die Reise wirklich gehen wird. Glanzstück dieses unvorhersehbaren Weihnachts-Horrors ist zweifelsohne Jungdarsteller LEVI MILLER. Der macht es dem ehemaligen Kinderstar MACAULY CULKIN gleich. Was nur die wenigsten wissen: Der damals noch umworbene Jungschauspieler versuchte in den 1990ern auch mal eine andere Seite zu zeigen. Im Psychothriller DAS ZWEITE GESICHT wagte er einen Versuch, das ihm auferlegte Kinderstar-Image abzulegen. Das Resultat war ein solider Horrorthriller bei dem Culkin bewies, dass er zur Abwechslung auch „böse“ kann.
 
 
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In dessen Fußstapfen tritt nun auch der erwähnte LEVI MILLER. Der zeigt in BETTER WATCH OUT locker-flockig, dass er eigentlich gar nicht nett ist, wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Die von ihm verkörperte Filmfigur Luke entpuppt sich im Verlauf dieses Horrorstreifens als das Böse in Menschengestalt. Der unschuldig dreinschauende Antiheld handelt manipulativ und skrupellos, wobei nachvollziehbare Beweggründe anfangs fern bleiben. Das ist auch schon eines der wenigen Mankos, des ansonsten tadellos inszenierten Psychothrillers. Sonderlich schlau wird man aus der Verwandlung vom Engel zum Teufel bis kurz vor Ende nicht. Luke radiert aus Liebe zu Babysitterin Ashley Konkurrenten aus und verschleiert am Ende Spuren, in dem er seine grauenvollen Taten anderen in die Schuhe schieben will. Doch er hat auch noch etwas anderes im Sinn. Er vermisst die Umarmungen der Mutter. Seit die ausbleiben, kann er nicht mehr in Ruhe schlafen. Demzufolge plant er ein Verbrechen, um die Herzlichkeiten der Mutter zurückerobern zu können. Wie er seinen Plan verfolgt ist dabei nicht immer logisch. Aber sind wir doch ehrlich: BETTER WATCH OUT ist eben auch nur ein Horrorfilm mit Hang zum Polarisieren und Schockieren.
 
 
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Letzteres gelingt ganz gut. Je näher man sich der Zielgerade nähert, umso öfters bleibt das Lachen im Halse stecken. Der anfangs eingeschlagene Humor verliert nämlich schnell seine Wirkung, je kompromissloser der Film voranschreitet. Der Minipsychopath schreckt bald nicht mehr vor Mord zurück und lässt sich perfide Tötungsarten einfallen. Die werden zwar schwarzhumorig zelebriert. Wirklich lustig wirkt das grausame Treiben aber irgendwann nicht mehr – vermutlich auch, weil es befremdlich ist zu sehen, dass es Kindern Spaß bereitet zu morden. Immerhin bekommt der Nachwuchskiller am Ende sein Fett weg. Eine Genugtuung für den Zuschauer, der dem Bengel für sein unverfrorenes Verhalten dann doch gern mal die Ohren langziehen möchte. Spätestens hier sieht man mal wieder, wie wichtig gutes Schauspiel für einen Film ist. Hauptdarsteller LEVI MILLER (im wahren Leben Model) schafft es trotz kontroverser Rolle Eindruck zu hinterlassen. Etwas, das selbst alteingesessenen Erwachsenendarstellern nicht immer gelingt. Vor so einer Glanzleistung kann man schon mal den Hut ziehen. Chapeau!
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Bitterböse Weihnachts-Horror bei dem das Lachen im Halse stecken bleibt je näher der Streifen seinem Ende entgegenfiebert. BETTER WATCH OUT hat zwei Asse im Ärmel. Das eine ist sein unschuldig dreinschauender Antiheld. Das andere ist die Geschichte selbst, die sogar erfahrene Allesseher mit unvorhersehbarer Wendung vor den Kopf stößt. Um sich den Überraschungsmoment nicht verderben zu lassen, wäre es angebracht so wenig über den Film zu lesen, wie möglich. Der geht nämlich vollkommen andere Wege, wie es der Trailer zum Film dem Zuschauer vorgaukeln will. Leider verdirbt jeder Spoiler den Spaß. Demzufolge halten wir uns diesmal mit Details im Fazit bedeckt und empfehlen die ausführliche Kritik erst nach dem Filmgenuss zu lesen. Fakt ist, dass BETTER WATCH OUT endlich mal wieder frischen Wind in das eingerostete Horrorgenre bringt. Der Film macht technisch alles richtig und schaut nach Kinoproduktion aus. Weil auch die Schauspieler ihre Sache gut machen, kann man sich nach den vielen schnell und günstig gedrehten Low-Budget-Gurken der letzten Monate endlich mal wieder zurücklehnen und genießen. Aber: Wer über derbe Späße nicht lachen kann, ist bei BETTER WATCH OUT an der falschen Adresse. Die Horrorkomödie besitzt einen sonderbaren Humor, der vermutlich nicht jedem Filmfan zusagen dürfte. Denn auch wenn der Trailer leichten Comic-Humor im Schlage eines KEVIN ALLEIN ZU HAUS vermuten lässt, hat es dieser Horrortipp faustdick hinter den Ohren. BETTER WATCH OUT ist zwar ein Weihnachtsfilm, aber definitiv nichts für Kinder.
 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Zensur

 
 
 
Es gibt einige Gewaltmomente zu sehen, bei den meisten wird aber nur angedeutet oder sie passieren im Off. Daher hat der Streifen hierzulande ohne Probleme eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Better Watch Out; Australien | USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making Of ‚Better Watch Out‘, Trailer

Release-Termin: 18.01.2018

 

Better Watch Out [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BETTER WATCH OUT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale (2012)
 
Mikey (1992)
 
Kevin – Allein zu Haus (1990)
 
Kevin – Allein in New York (1992)
 
Tötet Mrs. Tingle! (1998)
 


Filmkritik: „Happy Hunting“ (2017)

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HAPPY HUNTING

Story

 
 
 

Alkoholiker (MARTIN DINGLE WALL) verirrt sich bei seiner Reise nach Mexiko in das Jagdgebiet gewissenloser Landeier, die gern mal auf Menschenhatz gehen.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte der alkoholabhängige Warren nur nach Mexiko reisen, um dort einem ominösen Telefonanruf nachzugehen. Eine Mexikanerin hat kurz vor ihrem Tod erklärt, dass der Herumtreiber der Vater ihres Kindes sei. Deshalb will Waren die lange Reise aufnehmen, um seinen Sohn kennenzulernen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als Horrortrip. Der Alkoholiker verirrt sich in das kleine Städtchen Bedford Flats irgendwo in der Wüste an der mexikanischen Grenze, wo nach anderen Regeln gelebt wird. Hier wird alljährlich ein Fest der Superlative gefeiert bei dem unschuldige Menschen gejagt werden. Leider stolpert Warren genau während der Festvorbereitungen in den Ort und wird so zum unfreiwilligen Opfer einer Menschenjagd, die mit nichts und niemand Gnade kennt.
 
 
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HAPPY HANUTING ist kein einfach zu verdauender Horrorthriller, denn die kaltschnäuzigen Bilder sind nicht für jedermann bestimmt. Inmitten flirrender Wüstenhitze wird hier eine kompromisslose Menschenjagd veranstaltet. In ihrer derben Zurschaustellung erinnert die nicht selten an das harte Exploitationkino der 1970er, wo so Survival-Horror wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder der reißerische Mutanten-Schocker THE HILLS HAVE EYES für Furore gesorgt haben. Doch das Duell zwischen Mensch und Mensch ist nicht nur brutal und zeigefreudig. Im Unterschied zu vielen ähnlich gelagerten Streifen in denen Menschen gejagt, gefoltert und ermordet werden, mangelt es HAPPY HAUNTING nicht an gesellschaftspolitischer Kritik. So prangern die beiden Regisseure JOE DIETSCHS und LOUIE GIBSON nicht nur die lapidaren Waffengesetze in den Vereinigten Staaten an, wo das Recht Waffen zu besitzen, verfassungsrechtlich geschützt ist. Auch die politisch vergessenen Teile Amerikas werden kritisch beäugt, wo offenbar an eigenen Traditionen und Bräuchen festgehalten wird, weil man sich von der Politik im Stich gelassen fühlt.
 
 
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Unterm Strich also kein belangloses Gewaltspektakel, sondern Horror mit Hirn, der durchaus kurzweilig über die Leinwand flimmert und – der Titel lässt es erahnen – gern auch mal von schwarzhumorigen Untertönen Gebrauch macht. Übrigens ist LOUIE GIBSON kein Niemand. Hier handelt es sich um einen der Söhne von Schauspieler MEL GIBSION. Letzterer probiert sich seit einigen Jahren auch gern mal als Regisseur aus. Offenbar hat dessen Sohnemann auch Gefallen am Drehen von Filmen gefunden. Mit HAPPY HUNTING feiert der Nachwuchs nämlich sein Spielfilm-Regiedebüt. Angesichts der schnörkelfreien Inszenierung darf man gespannt auf das sein, was da noch kommen wird. Talent hat der Gibson-Spross definitiv.
 
 
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HAPPY HUNTING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslose Mischung aus Actionfilm, Survival-Thriller und Neo-Western, der an das harte Exploitationkino der 1970er erinnert. Der Film überzeugt mit versiertem Umgang der Kamera, atemberaubenden Bildern sowie spannender Erzählweise und beweist einmal mehr, dass visuell überzeugende Filme nicht immer nur aus Hollywood kommen müssen. Als i-Tüpfelchen gibt es neben viel Gewalt und zynischer Note auch noch jede Menge Bezüge und Seitenhiebe auf die aktuelle Politik des DONALD TRUMP. Dessen Vision einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wird in HAPPY HUNTING Wirklichkeit. Ganz zum Leidwesen von Filmheld Warren. Der muss vor einer Meute schießwütiger Amerikaner nach Mexiko flüchten, kommt aber nicht auf die andere Seite, weil eine Mauer an der Grenze gebaut wurde. Was für ein makabres Unterfangen. HAPPY HUNTING ist intelligent, brutal und sehenswert. Demzufolge ein Fest für anspruchsvolle Horrorfans.
 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Zensur

 
 
 
HAPPY HUNTING ist ziemlich hart und die Gewaltszenen sehr zeigefreudig. Vor allem unerwartete Einschüsse in menschliche Körper lassen zusammenzucken und sind nichts für empfindsame Gemüter. Sollte HAPPY HUNTING in Deutschland erscheinen, könnte es Probleme mit der FSK geben. Dennoch gehen wir von einer ungeschnittenen Erwachsenenfreigabe mit rotem Freigabesticker aus.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Selective Collective | Waterstone Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Reach – In der Schusslinie (2014)
 
Desierto – Tödliche Hetzjagd (2015)
 
King of the Hill (2007)
 


Filmkritik: „Freehold“ (2017)

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FREEHOLD

(TWO PIGEONS)

Story

 
 
 

Ein Fremder versteckt sich in einer Wohnung, die ihm nicht gehört und macht dem Mieter dieses Apartments das Leben zu Hölle.

 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Kritik

 
 
 
Für die meisten Leser von FILMCHECKER dürfte das eigene Zuhause wohl einer der Plätze sein, an dem Fremde unerwünscht sind. Umso erschreckender der Gedanke daran, dass tagtäglich skrupellose Menschen weltweit in genau jene Behausungen eindringen, um den friedlichen Rückzugsort zu verwüsten und so sichere Wände zum Horrorheim machen. Genau jene Thematik liegt dem makabren Thriller FREEHOLD zugrunde, der anfangs eigentlich mal TWO PIGEONS heißen sollte. Hier bricht ein knochiger Mann in eine Wohnung ein, die ihm nicht gehört. Der will dort aber nicht Schmuck und Geld stehlen, sondern hat andere Intensionen. Hinter dem etwas anderen Home-Invasion-Film steckt mal wieder ein Neuling, der bisher nur mal Folgen für eine TV-Serie gedreht hat. Nun will Regisseur DOMINIC BRIDGES ins Filmbusiness einsteigen und feiert mit dem bitterbösen FREEHOLD sein Regiedebüt. Feingeister sind hier fehl am Platz. Ob jene Tatsache Gutes verheißt?
 
 
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Manche Leute bekommen das, was sie verdient haben. In FREEHOLD geht es um zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der eine ein Leben mit all seinen Vorzügen genießt, hat es sich der andere zur Aufgabe gemacht dessen Leben zu zerstören. Orlan hat offenbar alles verloren, was ihm lieb und teuer war. Deshalb schwört er Rache. Er schleicht sich heimlich in die Wohnung des Womanizer Hussein ein, um ihm dort das Leben zur Hölle zu machen. Während das ahnungslose Opfer schläft, kriecht Orlan aus seinem Versteck und huscht nachts durch das fremde Apartment, um perfide Pläne auszuhecken. So füllt der ungebetene Gast Chemikalien ins Shampoo seines Opfers, versendet Bilder seines Gemächts an den Arbeitgeber des Gepeinigten und treibt das Leben des taffen Hussein so allmählich ins Chaos. Was folgt sind keine rosigen Aussichten für den eigentlichen Mieter. Der versteht bald die Welt nicht mehr, verliert Freundin und Job und zweifelt am eigenen Verstand. Ob der Denkzettel auch ankommt? Am Ende weiß der Zuschauer mehr.
 
 
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Kein Horrorfilm, sondern eher eine schwarze Komödie mit Ekelgarantie, die aber ein Problem hat. Der Streifen ist in Anbetracht der überschaubaren Grundidee ein klein wenig zu lang geraten und hat viel Leerlauf zu bieten. Die Geschichte vom ungebetenen Hausgast, der unter der Couch haust und sich wie ein Geist durch die Wohnung bewegt, passt auf einen Bierdeckel. Dennoch versucht Regisseur DOMINIC BRIDGES die Geschehnisse auf Spielfilmlänge zu blasen, damit FREEHOLD zumindest auf 80 Minuten Laufzeit kommt. So gehen schnell die Ideen aus, wie man Opfer Hussein und dessen Leben so manipulieren könnte, damit der an seinen Verstand zweifelt und die Beziehung zu seiner Freundin gegen die Wand fährt. Um dem Fan sonderbarer Späße dennoch Schauwerte bieten zu können, wird von der Ekelkeule Gebrauch gemacht. Der heimliche Untermieter Orlan putzt sich die Ohren mit der Zahnbürste seines Opfers, rotzt in dessen Mundwasser, uriniert auf Besteck und zieht sich die Unterhosen des Wohnungseigentümers an. Das ist teilweise schon arg grenzwertig und weit weg von gutem Geschmack – zumal die perfiden Einfälle des unsichtbaren Wohnungsbesetzers immer radikaler werden und Zuschauer mit empfindlichen Magen und hohem Reinheitsempfinden vor Herausforderungen stellt. Dass eine Konfrontation beider Seiten unausweichlich ist, dürfte auf der Hand liegen. FREEHOLD lässt die beiden Parteien am Ende aufeinandertreffen, hält sich bis dahin aber mit Antworten über Hintergründe zurück. Erst im Finale wird erklärt, warum sich der hagere Orlan zum erfinderischen Psychopathen entwickelt. Dessen Gründe wirken plausibel.
 
 
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Letztendlich ist FREEHOLD ganz nett. Der Gedanke, dass sich Fremde in Abwesenheit die eigene Wohnung zu eigen machen ist erschrecken und ungemütlich. Daraus zieht der makabre Psychospaß seinen Reiz, der laut Filmposter von namhaften amerikanischen Filmseiten und Zeitschriften großes Lob erhielt. In diesem Fall ist das aber reines Marketing. Auch wenn sich die Geschichte hinter FREEHOLD interessant anhört, eignet sich der Streifen gerade mal als kurzer Mitternachtssnack. Viel Tiefgang hat der Film nicht. Vermutlich dürfte er daher auch nur einmal im Player landen. Ein zweites Mal muss man FREEHOLD – trotz zynischem Ende – nicht unbedingt sehen.
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eklig, makaber und rabenschwarz. FREEHOLD ist der etwas andere Home-Invasion-Thriller, der vermutlich das Interesse aller Freunde des schlechten Geschmacks auf den Plan rufen dürfte. Die werden aber wohl auch die einzigen sein, die FREEHOLD ohne Würgereflex überstehen werden, denn was in diesem erstaunlich unblutigen Rachefilm gezeigt wird, befindet sich weit unter der Gürtellinie. Regisseur DOMINIC BRIDGES versucht im ersten Spielfilm mit Ekelmomenten zu schockieren. Diese gehen diesmal aber nicht in die Richtung Splatter und Gore. FREEHOLD polarisiert mit Körperflüssigkeiten und der Tatsache, welch abartige Gedanken in so manchem Drehbuchschreiber schlummern. Dennoch ist der erste Spielfilm von DOMINIC BRIDGES nicht unbedingt schlecht. Das Kammerspiel ist im Provozieren von Ekel richtig erfinderisch und hat mit Schauspieler JAVIER BOTET auch noch einen charismatischen Darsteller in petto, der hier den mysteriösen Untermieter verkörpert. Botet hat schon in vielen namhaften, spanischen Horrorstreifen mitgespielt. Darunter MAMA, diversen [REC]-Filmen und MAD CIRCUS. Zudem war er auch schon in amerikanischen Horror-Blockbustern zu sehen. So übernahm er in CONJURING 2 den Crooked Man, flüchtet in ALIEN: COVENANT vor Aliens und bekam das kalte Grausen im Gruselstreifen DON’T KNOCK TWICE. Offenbar ist der spanische Schauspieler Horrorfan mit Leib und Seele. Da hat er mit allen Lesern von FILMCHECKER wohl etwas gemeinsam.
 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Zensur

 
 
 
FREEHOLD oder TWO PIGEONS ist kein Horrorfilm und hat auch keine Gewalt zu bieten. In einer Szene schneidet sich einer der Protagonisten mit Absicht in den Finger und verteilt sein Blut über sein schlafendes Opfer. Weil die Situation im Film und die Ekelszenen definitiv nichts für Kinder sind, dürfte FREEHOLD wohl eine FSK16 erhalten – insofern man den Streifen überhaupt in Deutschland veröffentlichen wird.

 
 
 


 
 
 

FREEHOLD – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Mallinson Film Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Crazy Murder (2014)
 
Home Invasion – Dieses Haus gehört mir (2013)
 
Sleep Tight (2011)