Kritik: „Dementia – Gefährliche Erinnerung“ (2015)

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DEMENTIA – GEFÄRLICHE ERINNERUNG

(DEMENTIA)

Story

 
 
 

Ein dementer Kriegsveteran erlebt nach einem Schlaganfall das pure Grauen in den eigenen vier Wänden.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Kritik

 
 
 
Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass kein Mord ungesühnt bleibt. So bekommen die meisten Bösewichte am Ende das, was sie verdient haben und müssen nicht selten mit blutiger Rache rechnen – dem Zuschauer zuliebe. Der wird in vielen Fällen mit Schauerwerten verwöhnt, die nicht ohne sind, verkaufen sich Horrorfilme schließlich besonders gut, wenn sie deftige Bestrafungsmethoden zeigen. Rein gar nichts für Gorebauern ist der folgende DEMENTIA. Der schlägt – trotz Vergeltungsakt – in erster Linie leise Töne an und versucht Nervenkitzel durch Psychospiele zu verursachen. In diesem Indie-Thriller wird einmal mehr aufgezeigt, dass auch gutbürgerliche Nachbarn manch schreckliches Geheimnis hüten, das Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert hat und irgendwann ans Tageslicht kommt.
 
 
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THE SACRAMENT-Prediger GENE JONES hat an „bösen“ Rolle Gefallen gefunden und verkörpert erneut einen Schurken, der diesmal etwas zu verbergen hat. Als wenig sympathischer Eigenbrödler George Lockhart kommt er nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus und leidet fortan an einer speziellen Form der Demenz, weil das Gehirn kurzzeitig nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnte. Der entfremdete Sohn Jerry (PETER CILELLA aus CONTRACTED: PHASE 2) und Enkelin Shelby (HASSIE HARRISON) nehmen es gelassen, bringen den Vietnamveteran nach Hause und staunen nicht schlecht, als am nächsten Tage eine Krankenschwester unangemeldet nach dem Patienten sehen möchte. Die kommt gelegen, denn der Sohnemann hat Arbeit im Kopf. Pflegerin Michelle (KRISTINA KLEBE aus BELA KISS: PROLOGUE) soll sich um den gebrochenen Kriegsveteran kümmern, der trotz harter Schale von Kriegserlebnissen gezeichnet ist. Leider passieren bald seltsame Dinge, was die Angehörigen auf des geistigen Zerfall des Familienmitglieds zurückführen. Doch die Ursache ist eine andere. Schwester Michelle ist zwar mitfühlend und zuvorkommend, versteckt aber hinter der Fassade des hilfsbereiten Engels ein furchtbares Geheimnis.
 
 
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Vom Kameramann zum Regisseur. Für DEMENTIA zeichnet MIKE TESTIN verantwortlich. Der stand in der Vergangenheit für Horrorstreifen, wie CONTRACTED oder CHILLING VISIONS als erfahrener Profi hinter der Kamera und nahm nach diversen Kurzfilmen für den ersten Langfilm auf dem Regiestuhl platz. Solide Leistung liefert er mit dem ersten, eigenen Spielfilm ab, der Dank der herausragenden Leistung von GENE JONES weit besser geworden ist, als man es vom etwas sehr überraschungsarmen Drehbuch erwartet hätte. Jones spielt hier einen unnahbaren Rentner, der für niemanden und nichts Mitgefühl entwickeln möchte. Trotzdem schafft der erfahrene Schauspieler das Kunststück, dass Mitleid für einen Mann entsteht, der in der Vergangenheit Grausames getan hat, aber nie bestraft wurde. Der Antiheld fühlt sich bald selbst als Opfer und muss sich für ein Verbrechen verantworten, das viele Jahre zurückliegt. So wird KRISTINA KLEBE im Film zu ISABELLE FUHRMAN (das Kind aus ORPHAN), die anfangs noch freundlich bald wahre Intensionen zeigt. Sie hat jahrelang Rache geplant und nutzt nun das Handicap ihres Gegenübers aus, um Kontrolle und Macht zu demonstrieren. Leider verblasst die Schauspielerin hinter der Leistung ihres Kollegen, denn trotz bitterbösem Katz-und-Maus-Spiel will man ihr die Rolle des psychopathischen Racheengels nicht so recht abnehmen. Aber auch die Handlung lässt Glaubwürdigkeit vermissen. Spätestens ab Filmmitte führt das Drehbuch ins Absurde. Hinzukommt, dass Ereignisse vorhersehbar sind und nach Schema F abgehandelt werden, so dass DEMENTIA dann doch etwas zu sehr ins klischeebehaftete Genrekino abdriftet. Förderlich für die Spannung ist das nicht gerade.
 
 
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Wenn der Pfleger zum Killer wird. Regisseur MIKE TESTIN spielt verkehrte Welt, denn in DEMENTIA werden Rollen vertauscht. Aus Tätern werden Opfer und umgedreht. So wird ein gewissenloser Kriegsveteran zum Gefangenen im eigenen Haus und muss mit körperlichen Gebrechen ums Überleben kämpfen. Ähnlich gestricktes Psychokino gab es übrigens schon vor 30 Jahren. Der spanische IM GLASKÄFIG fasst ähnliches Thema auf und erzählt von einem gelähmten, pädophilen Nazi, der von einem ehemaligen Opfer gefoltert wird. Was aber seinerzeit Kontroverse verursacht hat, weil Tabus gebrochen wurden, flimmert in DEMENTIA weitaus unspektakulärer und nicht gerade einfallsreich über die Leinwand. Gezeigtes ist simpel gestrickt, einfacher zu verdauen und orientiert sich in der Machart am Psycho-Mainstream, wie er bereits mit STEPHFATHER (das Remake!), CRUSH oder THE ROOMMATE dem Zuschauer vorgesetzt wurde. Dennoch ist DEMTIA deswegen nicht unbedingt schlecht. Das Grauen wird hier langsam aufgebaut, so dass sich der Horror schleichend seinen Weg durch eine Handlung bahnen kann, die mit halsbrecherischem Finale abgerundet werden muss. Über Letzteres lässt sich streiten. Schraubt man Erwartungen herunter, sorgt DEMETIA gerade wegen seiner eher zurückhaltenden Inszenierung und den guten Schauspielern zumindest ab und an für etwas Suspense. Für einen verregneten Nachmittag reicht’s.
 
 
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DEMENTIA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Als Familiendrama getarnter Psychothriller. DEMENTIA ist nicht gerade das, was man sich unter packend umgesetztem Psycho-Horror vorstellt. Der Film handelt von vermeintlich vertrauenswürdigen Menschen, die sich in das Leben gutbürgerlicher Familien einschleichen, um dort für Chaos zu stiften. Was in DEMENTIA passieren wird, ist schnell ergründet und nicht gerade neu. Geübte Horrorzuschauer werden schnell die Fährte wittern, denn die im Titel erwähnte Demenz fungiert nur als Alibifunktion, damit ein perfides Katz-und-Maus-Spiel gespielt werden kann. Was den einfach gestrickten Plot jedoch halbwegs interessant macht, sind die guten Darsteller, die vergessen lassen, dass DEMENTIA eigentlich ein Thriller von der Stange ist. Der hat vor allem mit einigen Logikproblemen und Unglaubwürdigkeiten zu kämpfen. Dennoch: Solide Unterhaltung für Zwischendurch. Mehr aber auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es kaum zu sehen. Neben einer toten Katze wird ein älterer Mann erschossen. Zudem kommt im Finale noch einmal die Flinte ins Spiel. Außerdem wird der Hauptdarsteller von verstörenden Kriegserinnerungen gequält in denen der Kamerad blutig durchs Bild taumelt. DEMENTIA hat in Deutschland problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dementia; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Exklusiver Audiokommentar mit Hauptdarstellerin Kristina Klebe

Veröffentlichung: 07.09.2016

 
 
 

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DEMENTIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
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Filmreview: „Piggy“ (2012)

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PIGGY

Story

 
 
 
Einzelgänger Joe (Martin Compston) ist gefangen in einem Albtraum. Als sein Bruder von einer Bande gewaltbereiter Burschen niedergestochen wird und kurz darauf seinen Verletzungen erliegt, bricht für den perspektivlosen Jungen eine Welt zusammen. Er begegnet Piggy (Paul Anderson), einem ehemaligen Jugendfreund des Bruders, der ihm anbietet den Mord zu rächen. Joe willigt ein und beide beginnen mit der Arbeit, die Übeltäter für ihre Taten zu Rechenschaft zu ziehen …
 
 
 


 
 
 

PIGGY – Kritik

 
 
 
Bei PIGGY handelt es sich um keinen Horrorfilm, was das Filmplakat vermuten lässt. Vielmehr ist es der Versuch des britischen Nachwuchsregisseurs KIERON HAWKES dem Zuschauer zu vermitteln, welche Folgen aus Gewalt resultieren können und ob Rache oder Vergeltung überhaupt die Genugtuung bringen, die man sich anfänglich erhofft hat.
 
Joe (MARTIN COMPSTON) ist menschenscheu, ängstlich und verschlossen. Er hangelt sich monoton von Tag zu Tag und findet im Alkohol und Joints Ausgleich zu seinem sonst so langweiligen Leben als Postkurier. Joe meidet jegliche menschliche Interaktion und geht Konfrontation aus dem Weg. Bezugspunkt und Sinn seines ernüchternden Dasein bilden sein Bruder John und dessen Freundin Claire. Doch sein langweiliges und strukturiertes Leben gerät aus den Bahnen, als Bruder John von einer Bande aggressiver Typen niedergestochen wird. In Joe bricht eine Welt zusammen, seine Trauer wird fortan mit einem unverständlichen „Warum?“ begleitet. Als dem verstörten Einzelgänger wenige Tage später ein Jugendfreund des Bruders begegnet, der sich selbst PIGGY nennt und dem Trauernden Hilfe anbieten will um den Mord zu rächen, wird Joe kurzum aus seiner Lethargie gerissen und sieht sich bald in einem Strudel aus Gewalt, Hass und Rache wieder. Auf der Suche nach den Verbrechern wird der Zuschauer nicht nur Zeuge, wie ein Täter nach dem nächsten das Zeitliche segnet, sondern auch wie Joe eine psychische Verwandlung durchlebt und sich schnell in einer gewalttätigen Welt wiederfindet, die er so sein ganzes Leben gefürchtet hat. Die Begegnung der beiden Männer setzt eine Reihe von eskalierenden Ereignissen in Bewegung. Während PIGGY mit einer Schweinenase aus Pappe maskiert die physische Vergeltung ausübt und die Mitgliedern der Bande meuchelt, steht ihm Joe als stiller Beobachter zur Seite, der jedoch schnell erkennt, dass ihm das Ableben der Bösewichte kein befriedigendes Gefühl der Genugtuung spendiert. Stattdessen fühlt er innerlich die gleiche Leere, die er auch vor den Gewalttaten verspürt hatte. Während PIGGY die Rache-Morde geradezu genüsslich zelebriert, empfindet Joe nur noch Abscheu für das immer brutalere Vorgehen seines Gehilfen, wohnt aber teilnamslos dem menschenunwürdigen Treiben bei. Schnell begreift er, dass PIGGY nicht die erhoffte, innere Befriedigung erzielt, die sich Joe eigentlich gewünscht hätte. Stattdessen verwandelt sich der schüchternen Bursche selbst zu einer erbarmungslosen und höchst reizbaren Killermaschine, die kein Erbarmen kennt.
 
PIGGY ist ein Glücksfall für Drehbuchautor und Regisseur KIERON HAWKES. Seine Studie über Gewalt und welche Folgen sie bei allen Beteiligten bewirken kann, ist hartes Kino das unter die Haut geht. In düsteren und teils schon farblosen Bildern erleben wir den moralischen Verfall eines vermeintlich perspektivlosen Protagonisten, der sich durch Gewalt getrieben am Ende vom Opfer zum Täter entwickelt. Die Veränderung vollzieht sich hierbei stets nachvollziehbar, ungezwungen und glaubhaft, was auch Schauspieler MARTIN COMPSTON (DOOMSDAY – TAG DER RACHE) gutzuschreiben ist, der seine Rolle mit unglaublicher Präzision meistert und dem die Rolle des traumatisierten, aber dennoch sanftmütigen Postkuriers wie auf den Leib geschneidert scheint. Ihm zur Seite wird PAUL ANDERSON (A LONELY PLACE TO DIE) gestellt, der den wahnsinnigen und unberechenbaren PIGGY mimt und der den Wechsel zwischen Kumpel und Psycho mit derart überzeugender Leichtigkeit spielt, dass selbst der Zuschauer diesem mysteriösen Zeitgenossen nicht im Dunkeln begegnen möchte. PIGGY ist ein verstörendes und schwermütig erzähltes Stück Zelluloid, dass den Filmfreund die Abgründe der menschlichen Seele zeigt und sich mit der Frage an den Zuschauer wendet, wie er sich in ähnlicher Situation selbst verhalten hätte. Lindert Rache das eigene Seelenleid? Vergilt man Mord mit Mord? Auch wenn die Idee hinter PIGGY durchaus interessant ist und der Film mit Sicherheit auch nach dem Abspann durchaus nachwirkt, sollte der Filmfreund genügend Sitzfleisch mitbringen. Das Thema wird zwar mit der nötigen Ernsthaftigkeit betrachtet und unterscheidet sich grundlegend von üblichen Rachefilmchen aus der Welt des Horrorfilms; dennoch lässt sich nicht leugnen, dass PIGGY mit seinen knapp zwei Stunden ein wenig arg lang geraten ist und trotz regelmäßiger Folterszenen mit einigen Längen zu kämpfen hat. Zudem sind die bebilderten Gewalttaten Marke besonders perfide: obwohl nur selten gezeigt wird, was PIGGY mit den Übeltätern auf der Mattscheibe veranstaltet, lassen die Schreie der Opfer dem Zuschauer rasch die Nackenhaare zu Berge stehen, so dass PIGGY von empfindsamen Gemütern mit Vorsicht genossen werden sollte.
 
 
 


 
 
 

PIGGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
PIGGY ist einer der härtesten psychologischen Thriller der letzten Zeit, der dem Zuschauer die tiefen Abgründe der menschlichen Seele vor Augen führt. Ein kontroverses Rachedrama, mit erschütternder Einsicht. Ein Film der mit Sicherheit noch lange nachwirken wird.
 
 
 


 
 
 

PIGGY – Zensur

 
 
 
PIGGY wird in Deutschland vermutlich ungeschnitten ab 18 Jahren erscheinen. Zwar wird hier bis auf einen derben Kehlenschnitt nichts wirklich Blutiges gezeigt; die im Off zelebrierten Handlungen wirken aber aufgrund ihrer verzweifelten Schreie nicht weniger unangenehm. Demnach ist die mögliche KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung vollkommen gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

PIGGY – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
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Filmreview: „Girls against Boys“ (2012)

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Girls against Boys

Story

 
 
 

Manche Frauen haben einfach nur Pech im Leben, so auch die junge Shea (Danielle Panabaker), die sich scheinbar immer in die falschen Männer verliebt. Nachdem sie von ihrem Partner verlassen wurde, weil dieser verheißungsvolle Zukunftspläne zusammen mit seiner Frau schmiedet, ist Shea am Boden zerstört und vertraut sich ihrer Arbeitskollegin Lu (Nicole LaLiberte) an. Kurzum flüchten die beiden auf eine angesagte Party, um sich den Frust von der Seele zu tanzen. Doch der nächste Morgen offenbart Tragisches, denn auf ihrem Heimweg wird Shea von einer flüchtigen Party-Bekanntschaft skrupellos vergewaltigt. Vollkommen verstört schleppt sich das junge Mädchen zusammen mit ihrer neuen besten Freundin Lu in eine der nächsten Polizeistationen, wo das missbrauchte Opfer jedoch auf wenig tröstende Worte stößt, als vielmehr Spott und Hohn erntet. Da beschließen die beiden Frauen, dass Gesetz selbst in die Hände zu nehmen und den Peiniger auf grausame Art und Weise zu bestrafen …
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Kritik

 
 
 
Um Gottes willen, was war denn das? Horror, Satire, Thriller oder gar gesellschaftskritisches Selbstfindungs-Drama? So wirklich einordnen lässt sich „Girls against Boys“ nämlich nicht wirklich, auch wenn der notdürftig zusammengeschusterte Plot einmal mehr expolitationhaftes Revenge-Kino der Extra-Klasse suggeriert. Zwar werden hier diverse Filmzutaten aus unterschiedlichen Genres katastrophal wirr miteinander verknüpft, dennoch kann man trotzdem nicht behaupten, dass das vorliegende Rache-Filmchen dadurch schlechter ist, als manch klassischer Rape-and-Revenge-Thriller, der sich vordergründig mit zeigefreudigem Rache-Gekröse beschäftigt. Der Film wird hierbei aus der Sicht der leidenden und durchaus naiv handelnden Shea geschildert, die erkennen muss, dass man in einer egoistischen und selbstsüchtigen Welt wie der Unseren, doch besser einen dicken Schutzwall um das eigene Seelenheil zimmert, damit man nicht derart schnell verletzt und enttäuscht werden kann, wie der Film zu Beginn erschreckend dokumentiert. Durch prägende Schicksalsschläge, welche sie im Verlauf des Filmes über sich ergehen lassen muss, wächst sie letztendlich über sich selbst hinaus und wird zur skrupellosen Rächerin, die sich von Nichts und Niemanden aufhalten lässt. Dabei dient ihr die geheimnisvolle Lu als erfahrene Lehrerin, die bereits schon früh gelernt haben muss, jedem Mann mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüberzutreten. Ihr Charakter wird durch unnahbare, unterkühlte und emotionslose Gestiken bebildert, welche vermuten lassen, dass Lu ebenso einschneidende Erfahrungen mit Männern erlebt und nun einen unstillbaren Hass gegenüber dem starken Geschlecht geschürt haben muss. Dennoch bleibt ihr Schicksal gänzlich ungeklärt, was ihre Rolle durchaus einige interessante Facetten verleiht, dennoch gleichzeitig diverse Fragen in den Raum wirft. Woher ihr Zorn und ihre Verachtung rührt, hinterfragt „Girls against Boys“ leider nicht, sodass man als Zuschauer meinen könnte, dass Lu aus reinem Genuss am Foltern, Männer skrupellos über den Jordan meuchelt.
 
Trotz eigentlich kontroverser Botschaft, reduziert sich die dramenlastige Inszenierung und das Martyrium Sheas leider nur auf den Beginn der Geschichte. Wie so oft in klassischen Rape-and-Revenge-Filmen, werden die Gegebenheiten einmal mehr auf die Spitze getrieben. Auch „Girls against Boys“ macht da keine Ausnahme. Das Opfer Shea wird schön sadistisch durch die emotionale Hölle gejagt, sodass die Frau jegliche Selbstachtung vor ihrer eignen Person verliert, damit letztendlich der Racheakt eingeleitet werden kann und die „(Folter)Spiele“ beginnen dürfen. Der gierige Horrorfilmfreund dürfte sich hierbei natürlich gierig die Hände reiben, zumal „Girls against Boys“ hier durchaus Zündstoff bietet, ein angemessenes Gorefest zu zelebrieren. Wer jedoch hier auf zeigegeiles Foltergekröse hofft, dürfte gänzlich enttäuscht werden, denn Regisseur hält sich bei der blutigen Zurschaustellung obligatorischer Gemeinheiten dezent zurück, was in diesem Falle natürlich nicht negativ gewertet werden soll. Die Kamera ist zwar auch in den „bösen“ Szenen immer aktiv am Geschehen beteiligt, hält die Linse aber hierbei immer auf die Gesichter der beiden Rächenden, die mit Sägen und Macheten schonungslos zur Tat schreiten und ihren Peinigern Löcher durch Genitalien jagen oder die Gliedmaßen von den Körpern ihrer Opfer trennen. Zwar wirken diese Szenen schonungslos hart, dennoch weiß ein unbeschwerter Sarkasmus die ansprechenden Folterszenen zu begleiten, sodass einige Gewaltakte dadurch bereits wieder weniger hart wirken. Überhaupt durchzieht die gesamte Szenarie ein merklich befremdlicher Unterton. Da laufen Popsongs im Hintergrund, die von der Schönheit des Verliebtseins berichten und davon erzählen, wie stark die Liebe von Mann zu Frau sein kann – das alles natürlich in einem Kontext, der das ganze Gegenteil symbolisiert. Auch die grotesken Wortgefechte zwischen den beiden Mädchen wirken während ihren sadistischen Racheakten durchaus erheiternd, was den Film durchaus aufzuwerten weiß und ein wenig abhebt von üblicher Revenge-Kost.
 
Dennoch, auch wenn „Girls against Boys“ am Ende doch etwas anders sein will, als die üblichen Konsorten seines Sub-Genres, so schafft es Regisseur „Austin Chick“ letztendlich dennoch nicht, seinen recht fiesen und vor allem überraschend wortkargen Schocker vor groben Schnitzern zu bewahren. Die stereotype Betrachtungsweise von Mann und Frau wirkt hier mitunter sehr eindimensional. Der Mann wird, wie so oft, als triebgesteuerter Primat skizziert, der wie so oft die Frau allein nur als Begattungsmaschine betrachtet. Die Frau wiederum wird natürlich einmal mehr als primitives Dummchen beschrieben, die zwar mit ihren Reizen zu provozieren weiß, dennoch am Ende immer das Nachsehen trägt, egal in welcher Hinsicht. Eine wirklich ernstzunehmende Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen findet hier natürlich keineswegs statt, zumal die Sicht einzig aus der Perspektive der Frau geschildert wird. Auch verliert der eigentlich kontroverse Charakter des Films spätestens mit der Einleitung des Racheakts jegliche Glaubwürdigkeit. Shea und Lu hinterfragen ihre Schandtaten natürlich zu keiner Minute und werden natürlich weder von Polizei verfolgt, noch von sonst irgendjemanden in die Schranken gewiesen. Zudem fragt man sich als Zuschauer ohnehin, warum die missbrauchte Shea auch Tage nach ihrem körperlichen Mißbrauch immer noch mit Highheels und Minirock durch die dunklen Gassen der Großstadt stolziert.
 
Austin Chick“ ist mit seinem „Girls against Boys“ ein recht passabler Thriller geglückt, der schon irgendwie ein wenig abgefahren wirkt. Leider scheint der ziemlich erschütternde und bierernste Beginn nicht so wirklich zum vollkommen durchgeknallten und zynisch-dialogisierten zweiten Teil der Geschichte zu passen. Teilweise mag man als Zuschauer das Gefühl nicht loswerden wollen, als hätte Regisseur „Austin Chick“ zu Beginn selbst nicht wirklich gewusst, in welche Richtung denn nun sein „Geschlechterkampf“ abzielen sollte. Trotz der wenigen psychologisch ansprechenden Ansätze wirkt sein Film irgendwie substanzlos und eine wirklich plausible Aussage mag der Film auch nicht so recht treffen wollen. Trotzdem, auch wenn es das rabenschwarze „Thelma und Louise“-Plagiat nur selten schafft, sich auf ernsthafter Basis mit gesellschaftskritischen Themen auseinanderzusetzen, kann man Chick nicht vorwerfen einen miesen und überflüssigen Film gedreht zu haben. „Girls against Boys“ wird seine Liebhaber finden, da sind wir uns sicher, immerhin wissen die wenigen Racheakte mit einer ziemlich kompromiss- und schonungslosen Darbietung zu überzeugen. Somit dürfte „Girls against Boys“ gerade für all die Horrorfilmfans interessant sein, die bisher noch immer nicht genug von missbrauchten Frauen haben, die sich schön selbstzweckhaft und grafisch ansprechend an ihren Peinigern zu rächen wissen!
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Man sollte nie die Rache einer Frau unterschätzen – Bitterböser Geschlechterkampf mit einigen ziemlich markerschütternden Szenen.
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung dürfte ungeschnitten eine „Keine Jugendfreigabe“-Einstufung erhalten.
 
 
 


 
 
 

Girls against Boys – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
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Sushi Girl

Story

 
 
 
Sechs Jahre nach ihrem schiefgelaufenen Diamanten-Coup stoßen 5 Kriminelle erneut aufeinander, um über den Verbleib der Beute zu diskutieren. Fish, der damals die gesamte Schuld auf sich nahm und eine Haftstrafe abbüßen musste, wird zusammen mit den übrigen Komplizen in ein baufälliges asiatisches Restaurant geladen, wo er die übrigen Mittäter bei einem ausufernden Sushi-Festschmaus über den Verbleib der Diamanten unterrichten soll. Doch leider scheint Fish nicht wirklich zu wissen, wo sich die kostbare Beute befindet. Ganz zum Leidwesen der restlichen Anwesenden, denn die scheinen über Fish´s (gespielte?) Unwissenheit so rein gar nicht erfreut zu sein. Kurzum fesseln sie den ahnungslosen Burschen auf einen Stuhl und beginnen ihn aufs Ungnädigste zu foltern, in der Hoffnung doch noch irgendwelche verwertbaren Informationen über den Aufenhaltsort der kostbaren Steine ergattern zu können…
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Kritik

 
 
 
Oftmals kann es von Vorteil sein, die eigene Erwartungshaltung an einen Film gänzlich herabzustufen, um letztendlich nur bedingt enttäuscht zu werden. Hin und wieder kann es jedoch auch passieren, dass man als Zuschauer schier überrascht ist, wie gut ein Film unterhalten kann, von dem man zuvor nichts wirklich Produktives erwartet hat. Auch der vorliegende „Sushi Girl“ macht da keine Ausnahme und dürfte dem bewanderten Filmfreund vor der eigentlichen Sichtung ein nur müdes Lächeln entlocken können. Das mag vor allem daran liegen, dass die zugrunde liegende Rachestory einmal mehr fachgerecht recycelt wurde und eine unweigerliche Ähnlichkeit zu dem 1992 entstandenen „Reservoir Dogs“ besitzt. Der enthusiastische Tarantino-Fan dürfte hierbei vermutlich wütend auf die Barrikaden klettern und zu Recht einmal mehr bekräftigen, wie ideen- und respektlos heutige Filmemacher geworden sind, dass sie bereits unbedeutende Plagiate hochgelobter Kultstreifen für den Heimkinomarkt produzieren müssen. So wirklich unbegründet scheint die Anklage letztendlich nicht, denn „Sushi Girl“ liest sich nicht nur wie ein „Reservoir Dogs„, sondern schaut zudem auch noch haargenau wie einer aus. Das beginnt bei der fast haargenauen Thematik die dem Film zugrunde liegt, geht in eine ebenso überaus schräge Charakterskizzierung über und endet mit den gleichen ultra-coolen Wortspielereien, die seit jeher das Schaffen Tarantinos prägen. Dennoch sollte man vermutlich nicht so hart mit „Sushi Girl“ ins Gericht gehen, letztendlich handelt es sich bei diesem Genre-Beitrag um den Einstieg eines noch unbekannten Nachwuchsfilmerlings in das internationale Filmgeschäft.
 
Auch wenn die Tatsache so ziemlich groteske Züge erhält und sich Regie-Neuling „Kern Saxton“ für sein Debüt-Werk etwas zu unverfroren am kultigen Erstlingswerk Tarantinos vergangen hat, so lässt sich dennoch nicht leugnen, dass „Sushi Girl“ durchaus seine Momente besitzt und eigentlich gar nicht so übel ist, wie anfänglich vermutet. Vor allem der grotesk zynische Unterton, der die Gegebenheiten begleitet, sowie die wenigen Protagonisten, die an Skurrilität kaum zu übertreffen sind, heben „Sushi Girl“ deutlich über den Durchschnitt und bereichern den Film ungemein.
 
Dabei dürfte es vor allem Fans der Horror-Legende „Tony Todd“ einmal mehr erfreuen, dass es der ehemalige „Candyman„-Darsteller auch Jahre nach seinem kultigen Auftritt als messerschwingender Killerdämon immer wieder schafft, die von ihm gespielten Filmrollen mit seinem ganz individuellen Feinschliff zu bereichern. Egal in welchem Film „Todd“ bisher aufgetreten ist, seine geheimnisvolle und unheimliche Aura bleibt im Gedächtnis haften, sodass es eine Wonne ist, dem Schauspieler auch bei seinem superben Agieren im vorliegenden „Sushi Girl“ beiwohnen zu dürfen. Doch nicht nur „Todd“ scheint der eigentliche Glanzpunkt dieses Filmes zu sein, auch der Rest der geladenen Gäste ist wahrlich nicht Ohne, wobei hierbei die Leistungen von „Mark Hamill“ und „Andy Mackenzie“ nicht unbeachtet bleiben sollten. Ihr widerliches Handeln als „dynamisches Folterduo“ scheint sich des öfteren bezahlt zu machen und verhindert, dass „Sushi Girl“ nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Da sich das Kammerspiel teilweise in zu langatmigen Wort-Duellen verliert, lenken einige Folter-Spielchen die Aufmerksamkeit des Zuschauers zurück auf die Gegebenheiten des Films. Hierbei wird das grafische Foltern des Mitkomplizen „Fish“ (Noah Hathaway) mit einigen merklich unangenehmen FX aufbereitet, sodass zumindest Gorehound ihre helle Freude mit diesem gewalttätigen und stylisch durchfotografierter Gangsterthriller haben dürften. Als Filmfreund fragt man sich aufgrund derart Zeigefreudigkeit, wie es „Sushi Girl“ letztendlich eigentlich geschafft hat, ungeschnitten die FSK passieren zu dürfen, denn wirklich zimperlich geht es hier nicht gerade vonstatten. Da werden Zähne gezogen und Nägel in Kniescheiben geschlagen, nur um am Ende die Erkenntnis zu erlangen, dass die selbstzweckhaften Gewaltexzesse gegenüber dem leidenden „Fish“ vollkommen überflüssig gewesen sind, da sich die übrigen Fieslinge mit einer gänzlich andere Bedrohung konfrontiert sehen. Immerhin wartet der Film mit einem überraschenden Storytwist auf, der die Gegebenheiten in vollkommen absurde Sphären verfrachtet. Auch wenn das überraschende Ende ein wenig sehr kontruiert wirkt, so macht es den Film dadurch keineswegs schlechter. Zudem wird der Zuschauer in den letzen Filmminuten über den zugrundeliegenden Titel aufgeklärt, der bis kurz vor Abschluss scheinbar keinen wirklichen Sinn machen will.
 
Sushi Girl“ ist weder Fleisch noch Fisch, aber dennoch kein wirklich schlechter Vertreter seine Gattung. Zwar sind hier unverkennbare Parallelen zu Tarantinos Erstwerk „Reservoir Dogs“ (1992) zu erkennen, dennoch gilt auch hier die Devise: lieber gut geklaut, als schlecht selbst erdacht. Das größte Manko des Films ist jedoch, dass er augenscheinlich etwas zu „cool“ sein möchte, was sich durch die teilweise etwas unbeholfenen Wortspielereien bemerkbar macht. Hier eifert Regisseur und Autor „Kern Saxton“ etwas zu versteift seinem großen Vorbild hinterher, sodass sich sein Erstlingswerk in arg langatmigen und unwichtigen Dialoggefechten verfängt. Dennoch wissen einige grafisch ansprechende Folterszenen dieses Manko wieder wett zu machen und die Handlung voran zu treiben. Das eigentliche Opfer „Fish“ wird hierbei mit allerhand „Werkzeug“ genüsslich über den Jordan gemeuchelt, was „Sushi Girl“ durchaus für Splatter-Horrorfans interessant machen dürfte. Leider schafft es „Saxton“ hier dennoch nicht ein Mitfiebern zu bewirken, denn der eigentliche Sympathieträger bietet kaum Identifikationsmöglichkeiten. Sein leidliches Schicksal wird zwar zu Beginn grob durchleuchtet, verliert aber im Verlauf der Geschichte an Interesse, sodass vermutlich die Rolle des „Fish“ allein nur deshalb in die Handlung gestreut wurde, um die Gore-Fraktion unter den Filmfans befriedigen zu können, zumal die sinnfreien Gewalteskapaden letztendlich ins Nichts verlaufen und ziemlich selbstzweckhaft wirken. Auch wenn der vorliegende Thriller wahrlich nicht perfekt ist, will man mal als interessierter und offener Cineast nicht meckern. Die Geschichte wird (wie bereits seine kongeniale „Vorlage“) in geschickten Rückblenden erzählt, die am Ende, trotz des etwas aufdringlich wirkenden Überraschungs-Plots, durchaus Sinn ergeben. Einige witzige Miniauftritte bekannter B-Akteuren lockern „Sushi Girl“ zudem erheblich auf und dürften vor allem alteingesessene Filmfreunde einmal mehr verschwitzt grinsen lassen. Insofern man die eigenen Erwartungshaltung herabsenkt, erlebt man als Zuschauer knapp 98 Minuten kurzweilige und glatt-polierte Indie-Unterhaltung, die sich wohlwollend von der Masse an aktueller Horror- und Thriller-Ware abzuheben weiß.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gewerkelt – Kleines, äußerst brutales Kammerspiel mit ziemlich skurrilen Charakteren, das ein wenig arg an Werke „Quentin Tarantinos“ erinnert.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist mit der „Keine Jugendfreigabe„-Kennzeichnung vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Sushi Girl Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sushi Girl; USA 2012

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 2.35:1

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Leider nur der Trailer zum Film und zu kommenden Highlight aus dem Hause „Ascote Elite“

 
 
 
Rein qualitativ kann man auch bei der vorliegenden deutschen Blu-ray nicht meckern, insofern man einzig auf die Qualität des Hauptfilms Wert legt. Denn dieser kommt mit ziemlich ansprechenden Bild und anständigen Ton daher. Wirkliche Mängel sind hier nicht zu erkennen. Die Schärfe und der HD-Effekt ist stets präsent und die hier abgelieferte Qualität beweist einmal mehr, dass auch ein kleiner Indie-Film mit überraschend gutem Bild punkten kann. Tontechnisch sollte man keine Glanzleistungen erwarten. Da der Film vorwiegend von seinen Gewalteskapaden und Wortfloskeln lebt und demnach sehr dialoglastig daherkommt, haben die hinteren Boxen nur bedingt zu werkeln. Leider haben es, bis auf den deutschen sowie den internationalen Trailer, keine weiteren Bonusmaterialien auf die Disc geschafft, was wirklich bedauerlich ist, zumal es sich bei „Sushi Girl“ um einen interessanten Titel handelt, der mit einigen Cameos beliebter B-Moviehelden aufwarten kann. Diese hätten vermutlich so einiges zu berichten gehabt. Selbst einen Audiokommentar des Regisseurs sucht man hier vergebens! Schade! Das Filmpaket wird, wie üblich, mit einigen hauseigenen Heimkino-Trailern bereichert – das war´s dann leider auch schon.
 
 

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Sushi Girl – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
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HOBO WITH A SHOTGUN

Story

 
 
 
Nachdem ein Obdachloser (gespielt von RUDGER HAUER) mit einem Güterzug in die Stadt Hopetown einkehrt um dort als Landschaftsgestalter ein neues Leben zu beginnen, ahnt er noch nicht, welch menschlicher Abschaum hier die Gegend beherrscht. Der widerwärtige Gangsterboss Drake und dessen missratene Söhnen Ivan und Slick sind einzig damit beschäftigt, im Ort Angst und Schrecken zu verbreiten und die Kriminalität zu legalisieren. Grausame Gewalt, Korruption und das Gesetz der Straße gehören in Hopetown zur Tagesordnung und so wird der unbekannte Landstreicher Zeuge, wie die junge Prostituierte Abby von den beiden skrupellosen Brüdern bedrängt wird. Ohne über dessen Folgen bewusst, schreitet der namenlose Fremde dazwischen und rette die verängstigte Frau aus den Fängen ihrer Peiniger. Doch Drake und seine Bande lassen nicht locker und fordern blutige Rache an jenem Obdachlosen, der die Autorität des gemeinen Dreiergespanns missachtet. Für den Hobo (was übersetzt Obdachloser heißt) Grund genug sich eine Schrotflinte zu besorgen und dem kriminellen Pack die Leviten zu lesen …
 
 
 


 
 
 

HOBO WITH A SHOTGUN – Kritik

 
 
 
Als im Jahre 2007 das Horror-Thriller Double-Feature GRINDHOUSE in den amerikanischen Kino anlief, haben die beiden Kult-Regisseure ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO nicht einmal ansatzweise vermutet, welche weitgreifende Erfolge sie mit dem trashigen Movie-Flick-Flack verbuchen würden. Das ambitionierte und durchaus innovative Film-Projekt vereinte dabei die beiden Filme PLANET TERROR und DEATH PROOF zu einem einzigen Kino-Beitrag und bestückte die Übergänge zwischen den Filmen mit ansprechenden Fake-Werbetrailern, angeblich demnächst anlaufender Action- und Horrorwerke. Das experimentelle GRINDHOUSE-Projekt, welche als liebevolle Hommage an das schmuddelige US-Erwachsenenkino der 70er und 80er Jahre erinnern sollte, hinterließ bei Fans des Genres derart prägenden Eindruck, dass Filmfreunde weltweit eine Realisierung der Fake-Trailer forderten. Dem Ruf der Fanbase wurde Gehör geschenkt und so war es nur eine Frage der Zeit bis mit MACHETE die erste Umsetzung eines Fake-Spots aus dem Trash-Double-Feature GRINDHOUSE folgte. Der weitestgehend exploitationlastige Grundton von MACHETE stand dem der beiden Filme PLANET TERROR und DEATH PROOF in nichts nach und so wurde auch die erste Umsetzung eines GRINDHOUSE-Fake-Trailers zu einem regelrechten Kassenschlager. Aufgrund des überraschenden Erfolges und aufgrund der Unersättlichkeit findiger Horrorfilmfans erreichte 2011 auch der Trailer zu HOBO WITH A SHOTGUN (übrigens der einzige Fake-Werbeclip, der aus einem Trailer-Wettbewerb hervorging) Spielfilmlänge, wurde jedoch (zumindest hierzulande) ohne Kinoauswertung direkt auf Blu-ray und DVD veröffentlicht.
 
Im direkten Vergleich zum Beitrag MACHETE stellt sich nun Fans auf Anhieb die Frage, ob HOBO WITH A SHOTGUN auf gleichem Niveau schwebt, wie die bisherigen Beiträge des Tarantino/Rodriguez’schen GRINDHOUSE-Universums. Die Frage ist mit einem schlichten „auf-jeden-Fall“ zu beantworten, denn JASON EISENER kehrt die bewusst trashig inszenierten Elemente seiner Vorgänger kreativ zusammen und formt daraus einen ebenso bösen, wie vollkommen grotesk-übertrieben Horror-Spaß. Fast schon mögen einige enthusiastische Genre-Freunde meinen, dass HOBO weitaus stimmiger und besser sei, als der zuvor abgedrehte MACHETE. Ob dem wirklich so sei, sollte jeder Filmfreund selbst beurteilen.
 
Fakt ist dennoch, dass HOBO WITH A SHOTGUN ebenso kongenial unterhält wie seine Vorgänger, aber dennoch vollkommen anders ist. Das mag vordergründig auch daran liegen, dass es sich hierbei um die erste Umsetzung eines Fake-Trailers handelt, dem kein großes Produktions-Budget zugrunde lag. Geschadet hat es dem Film in keinster Weise, überzeugt gerade die chaotische und weniger glattpolierte Optik und erinnert der Film doch in seiner Naivität und Absurdität an längst vergessenes Troma-Trash-Kino der 80er Jahre. Dass HOBO WITH A SHOTGUNjeglichen Mainstream-Sehgewohnheiten strotzt wird bereits zu Beginn des Filmes deutlich. Denn nach verheißungsvoll-trällernden Einleitungs-Credits geht gehörig die Post ab.
 
Hier werden Menschen geköpft, Kinder verbrannt und Arme gebrochen – alles vollkommen politisch inkorrekt und dennoch wunderbar unterhaltsam. Die übertriebenen Gewaltexzesse sind derart befremdlich und überzogen, dass sich HOBO WITH A SHOTGUN teilweise anfühlt, als würde man der filmische Erwachsenen-Version eines Looney-Toons-Comics beiwohnen. Der groteske und Comic-ähnliche Unterton wird zudem mit verfremdeten und übertönten Farben erreicht, deren Intensität das längst vergessene Technicolor-Kino der 70er Jahre erneut aufleben lässt. Argento-Fans dürften vermutlich bei derart befremdlicher Farben-Flut direkt an Argentos SUSPIRIA (1977) erinnert werden, dessen Film im groben ebenso von derart innovativen und drastischen Farb-Nuancen zehrt.
 
 
Nach MACHETE (2010) folgt nun mit HOBO WITH A SHOTGUN, die bereits zweite Umsetzung eines Fake-Trailers des GRINDHOUSE-Projektes aus dem Jahre 2007. Auch der Beitrag des Newcomers JASON EISENER hält sich streng an die Regeln des gewalttätigen Bahnhof-Kinos der wilden 70er Jahre. Anstatt sich mit einer dramaturgisch plausiblen Geschichte zu beschäftigen, konzentriert sich das Rache-Drama auf reichlich Gore, Fäkalsprache und Gewalt. Hier wird Selbstjustiz der Gewalt wegen zelebriert und scheint einziges Mittel zum Zweck Konflikte lösen zu können. Schöngeistige Filmkritiker und Otto-Normal-Filmfreunde werden vermutlich kaum irgendeinen hochphilosophischen Sinn hinter alle dem Nonsens entdecken können. Trotzdem, dass Konzept ist zwar simpel, aber dennoch genial.
 
Der comiclastige Unterton überspielt die Geschehnisse des Films grandios und schafft es einmal mehr, dass sinnfreie Exploitation-Kino der 70er Jahre auf die heimische Mattscheibe zu transferieren. Selten war Filmvergnügen erfrischender und kreativer. Teilweise fühlt man sich als Zuschauer an die experimentelle Spaß- und Trash-Ära der TROMA-Studios zurückerinnert. Denn auch hier gilt es nachwievor, einfach den Kopf auszuschalten um dem superben Treiben genüsslich beiwohnen zu können. Dass dem bewusst schlecht-inszenierten und reanimierten Grindhouse-Kino noch lange nicht die Puste ausgegangen ist, beweist die demnächst anlaufende Fortsetzung von MACHETE. Auch Nachwuchsregisseur JASON EISENER und RUDHER HAUER haben beteuert, an eine Fortsetzung von HOBO WITH A SHOTGUN interessiert zu sein. Man darf gespannt sein!
 
 
 


 
 
 

HOBO WITH A SHOTGUN – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein Grindhouse-Knaller wie er im Buche steht – derb, sinnfrei und absolut politisch inkorrekt.
Muss man gesehen haben!
 
 
 


 
 
 

HOBO WITH A SHOTGUN – Deutsche Veröffentlichung

 
 
 
hobo with a shotgun blu-ray universum
 

Deutsche Blu-ray und DVD ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
Wir bedanken uns bei dem Label UNIVERSUM FILM, das uns freundlicherweise für diese Film-Besprechung eine Ansichtsfassung zur Verfügung gestellt hat. Die Blu-ray besticht durch tadelloses, knackig-farbenfrohes Bild und punktet mit einer handvoll nennenswerter Extras. Die ungeschnittene Filmfassung ist aktuell beim Händler Eures Vertrauens (einschlägige Onlineshops, wie CYBER-PIRATES.ORG/ MEDIA-DEALER.DE) zu bekommen. Da der Film hierzulande mit einer SPIO-Kennzeichnung (keine schwere Jugendgefährdung) in den Handel kam, wurde er aufgrund des kontroversen und gewalttätigen Inhalts nachträglichen indiziert und darf somit nicht mehr in stationären Fachmärkten verkauft werden. Übrigens gibt es neben der regulären Blu-ray-Fassung auch eine limitierte Mediabook-Ausgabe, die neben einem ansprechenden Buchteil auch die DVD mit an Bord hat. Die schicke Aufmachung kann ebenfalls wie die normale Variante im Keep Case in den oben genannten Shops gekauft werden.

 
 
 


 
 
 

HOBO WITH A SHOTGUN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Blu-ray mit SPIO/JK-Kennzeichnung ist ungeschnitten! Aufgrund der Indizierung bekommt man HOBO WITH A SHOTGUN nicht im regulären Handel. Hier sollte man Shops (bevorzugt im deutschsprachigen Ausland) aufsuchen, die derart Produkte im Sortiment führen.
 
 
 


 
 
 

HOBO WITH A SHOTGUN – Trailer

 
 


 
 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
If a Tree falls (2010)

Chillerama (2011)

Filmreview: „Alyce – Außer Kontrolle“ (2011)

Alyce-2011-Filmplakat
 
 
 

Alyce -Außer Kontrolle

Story

 
 
 
Drogentrip mit Folgen: Die beiden Freundinnen Carroll und Alyce durchzechen mal wieder ausgiebig die Clubs der Stadt – immer im Gepäck, die guten Freunde „Alkohol“ und „Ecstasy“! Doch die kommende Nacht wird die Bindung der beiden feierfreudigen Damen auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Als Carroll erfährt, dass sie von ihrem Partner nach Strich und Faden betrogen wird, ersäufen die beiden Freundinnen ihren Kummer abermals im Suff. Vollkommen vernebelt im Drogenrausch scheint die fragile Alyce nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne zu sein und stößt ihre besten Freundin vom Dach eines Hochhauses. Vollkommen verunsichert über die Konsequenzen ihrer Tat, zieht sich die zarte Mädchen aus ihrem bisherigen Leben zurück und versinkt immer tiefer im ausweglosen Dschungel aus Drogen und Alkohol. Nach unendlich vielen quälenden Schuldgefühlen und verwirrenden Visionen sieht Alyce nur eine „wahnsinnige“ Lösung: sie muss mit ihrem bisherigen Leben abschließen und es von den Geistern der Vergangenheit säubern …
 
 
 


 
 
 

Alyce -Außer Kontrolle – Kritik

 
 
 
Regisseur Jay Lee, der zuletzt mit seinem „Zombie Strippers“ für kurzweilig-trashige Unterhaltung gesorgt hat, ist wieder zurück und präsentiert uns mit seinem aktuellen Film „Alyce“ recht halbgare Horrorkost, die der Umschreibung „Horror“ eigentlich gar nicht so wirklich gerecht werden möchte. Auch wenn das deutsche (!) Filmplakat erstaunlicherweise gewisse Parallelen zur 3D-Folterkomödie „Julia X“ aufweist und auf derben Kröselspaß der Extraklasse hoffen lässt, so hat der vorliegende „Alyce“ kaum noch etwas mit Horror im eigentlichen Sinne am Hut. Jay Lee verläuft sich in zu vielen Genres gleichzeitig und weiß wohl möglich letztendlich selbst kaum noch, was er mit seinem neuen Film überhaupt bezwecken wollte.
 
Düster-deprimierende Drogenstudie, trifft auf ekligen Extrem-Splatter, der angehenden Hobbypsychopathen eine vortrefflich detailgenaue Anleitung bietet, wie man eine Leiche am besten in mundgerechte Stücke zerhackt und von zu Hause aus beseitigt. So wirklich homogen und passend wirkt dieser seltsame Zutaten-Cocktail irgendwie nicht, zumal das Vermischen derart unterschiedlicher (teilweise ernsthafter) Thematik in seiner schonungslos-grotesken Umsetzung eigentlich eher geschmacklos wirkt, als zu unterhalten weiß. Auch wenn der, durch Drogen verursachte, geistige Verfall der labilen Alyce recht eindrucksvoll und gekonnt in Szene gesetzt wurde, so hat der Film ein derb-großes Manko: er ist einfach nur nervig und langweilig.
 
Fast über eine Stunde darf der Zuschauer dem Hin-und-Her der Alyce beiwohnen. Sie beschafft Drogen, sitzt planlos auf der Arbeit, sieht seltsame („Ring“-ähnliche) Visionen und ertränkt ihren Kummer in Alkohol. Erst in den letzten wenigen Minuten schreitet sie unverhofft zur Tat und meuchelt all das hinüber, was letztendlich für den Tod der besten Freundin und ihren wirren Geisterzustand verantwortlich gewesen ist. Ein merklich zynischer Unterton wertet zumindest das auf, was dem Filmzuschauer jetzt in den letzten 10 Minuten untergejubelt wird, denn die Darstellung der Vorgehensweise der fragilen Alyce ist schon arg grenzwertig. Hier werden Körper mittels Mixer beseitigt und zuvor mit Hilfe eines Baseballschlägers zu Brei püriert. Zimperlich gibt sich Jay Lee´s Werk definitiv nicht und die FX-Spezialisten stellen einmal mehr ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch, das blutige Ende kann aber leider auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Alyce“ ganz schön unbrauchbarer Quark ist, der einfach viel zu lange benötigt, um endlich mal aus den Puschen zu kommen. Erstaunlicherweise macht das recht krude Ende in der deutschen Fassung einen merklich vollständigen Eindruck, wobei man sich als Zuschauer fragt, wie es derart primitiv-reißerischer Quark geschafft hat, in dieser Form ungeschnitten die FSK zu passieren.
 
Mit „Alyce“ erhält der Zuschauer einen wirren Cocktail mit diversen Zutaten aus den Bereichen Selbstjustiz-Thriller, Splatterfilm, Drogendrama und schwarze Komödie. Viel zu viele Baustellen, deren Kombination kaum einen Horrorfilmfreund zufriedenstellen dürfte. Die Darsteller sind zwar ideal gewählt und auch der, gegen Filmende vorangetriebene, merklich zynische Unterton der Hauptdarstellerin weiß zu gefallen.Trotzdem, der recht zähe und unübersichtliche Genre-Mix hat ein prägnantes Problem: er ist einfach nur quälend nervig, öde und langweilig. Die wenigen Highlights im Film lassen sich an einer Hand abzählen, und reduzieren sich eigentlich nur auf den Abschluss von „Alyce“, der in einer wahrlich überraschend zeigefreudigen Splatter-Achterbahn daherkommt und mit allerlei kruden FX aufwartet, die sogar in der deutsche Fassung einen erstaunlicherweise ungeschnittenen Eindruck hinterlassen.
 
 
 


 
 
 

Alyce -Außer Kontrolle – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Haarsträubender Nonsens, der bis auf das krude Ende einfach nichts zu bieten hat, was den Horrorfilmfreund bei Stange halten könnte.
 
 
 


 
 
 

Alyce -Außer Kontrolle – Zensur

 
 
 
Die, im September 2012 durch Sunfilm, erhältliche Heimkinoauswertung ist mit der „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung ungeschnitten!
 
 
 


 
 
 

Alyce -Außer Kontrolle – Trailer

 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
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Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)