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Beiträge mit Schlagwort “Rachefilm 2016

Filmkritik: „Quarries“ (2016)

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QUARRIES

Story

 
 
 

Einige Frauen werden bei einem Wanderausflug von Hinterwäldlern attackiert, die ihnen nichts Gutes wollen.

 
 
 


 
 
 

QUARRIES – Kritik

 
 
 
Quäle nie eine Frau zum Scherz, denn die Rache des weiblichen Geschlechts kann gern auch mal tödlich sein. Dass Frauen in Horrorfilmen gern mal über sich hinauswachsen und sich nicht immer nur ihrem Schicksal ergeben wollen, ist auch im Genrefilm längst keine Seltenheit mehr. Auch Frauen lassen sich mittlerweile nicht mehr alles gefallen und bestrafen ebenso kaltblütig, wie ihre männlichen Filmkollegen – wenn es unbedingt sein muss. Zuletzt reißerisch und unnötig hart in der Neuauflage des Schmuddel-Klassikers I SPIT ON YOUR GRAVE zelebriert. Darin rechnete eine traumatisierte Autorin mit der Männerwelt ab und bewies dabei jede Menge Einfallsreichtum, damit jene Männer leiden mussten, die ihr nichts Gutes wollten. Wer meint, dass das aber schon alles gewesen ist, hat den folgenden Streifen noch nicht gesehen. Hier platzt nicht nur einer seelisch gequälten Frau der Geduldspfaden, sondern gleich einer ganzen Gruppe junger Damen. QUARRIES nennt sich der Rache-Horror in dem – ungewöhnlich taff – Frauenpower gezeigt wird, der von stumpfsinnigen Blondinen-Klischees, unnötigen Intrigenspielen und nervigen Zickereien Abstand hält. Eine lobende Alternative, die unbedingt Schule machen sollte. Nur ob das den hier besprochenen Film auch gleichzeitig besser macht?
 
 
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Eigentlich sollte sich das Leben für Kat (NICOLE MARIE JOHNSON – hat übrigens auch mit am Drehbuch geschrieben) nun zum Besseren wenden. Die hat sich erst kürzlich von den Ketten ihrer schrecklichen Beziehung befreit in der sie regelmäßig vom Ex-Partner misshandelt wurde. Eine Rucksack-Wandertour mit anderen Frauen durch tiefe Wälder soll die tapfere Frau wieder auf richtige Gedanken bringen. Leider muss wegen wütender Waldbrände eine andere Route genommen werden, die einigen Teilnehmerinnen das Leben kosten wird. Im Schutze der Wildnis treiben hier nämlich gewissenlose Hinterwäldler ein bitterböses Spiel. Die lauern ahnungslosen Wanderern auf und bringen diese kaltblütig um die Ecke. Doch der Spaß am Morden wird den Hobbykillern bald vergehen. Die haben nämlich nicht mit der Schlagfertigkeit jener Frauen gerechnet, an deren Fersen sie sich geheftet haben. Die sind über die stillen Verfolger alles andere als erfreut. Nachdem man erste Verluste beklagt, drehen die Frauen den Spieß einfach um. Was folgt ist nicht sonderlich neu – wurde aber solide inszeniert. Tapfere Frauen werden zu Kampfamazonen und verteidigen ihr Leben – koste es was es wolle. Die greifen zu spitzen Mordwerkzeugen und zahlen es der blutgeilen Bande heim. Männer gegen Frauen und umgekehrt. Wer wird den Überlebenskampf überstehen?
 
 
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Kennst Du noch BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder DELIVERANCE – so wie sich der Survival-Thriller im Original schimpft? Wenn ja, dann dürfte QUARRIES wohl ein alter Hut sein, denn im Grunde genommen spult Regisseur NILS TAYLOR hier mit dem zweiten Spielfilm gleichen Inhalt ab, den auch schon JOHN BOORMAN zuvor in den 1970ern schockierend auf der Kinoleinwand gebracht hat. Wilderer jagen ahnungslosen Menschen, die in der Natur Erholung vom stressigen Alltag suchen. Das hört sich grausam an und ist es auch, weil man auch in QUARRIES mit der Unwissenheit nichtsahnender Wanderer spielt, die plötzlich aus dem Nichts beschossen werden und sich vor einem offenbar unsichtbaren Gegner in Sicherheit bringen müssen. Auch wenn die Ausgangssituation reichlich perfide anmutet, verpufft ein Großteil der psychischen Härte wegen Vorhersehbarkeiten. Wer hier sterben und überleben wird, steht bereits in den ersten Minuten fest, denn auch QUARRIES macht sich zu sehr von den Regeln des Genres abhängig. So verwandelt sich die zu Beginn noch eher als zurückhaltend beschriebene Kat im Film zum weiblichen Rambo, die sich nicht minder kaltblütig gegen ihre Gegenspieler zu wehren weiß und Aggressionen freien Lauf lässt, die sich während ihrer gewalttätigen Beziehung angestaut haben. Bis im Film jedoch ausgiebig gerächt, geschrien und getötet wird, wird Geduld vorausgesetzt. QUARRIES braucht nämlich etwas bis er seine Richtung gefunden hat und an Tempo zulegt. So vergeudet Macher NILS TAYLOR unnötig Zeit mit der Charakterisierung und einer Geschichte, die lange braucht bis sie endlich zum Punkt kommt. In Anbetracht der Tatsache, dass QUARRIES letztendlich nur ein weiterer Film übers Töten ist vergeudeter Aufwand, der in Längen ausartet. Trotzdem will man gnädig sein. Nach vierzig Minuten geht der Überlebenskampf endlich los. Spätestens dann wird kurzweiliges Spannungskino geboten, dem es ab und an sogar gelingt am Nervenkostüm des Zuschauers zu zerren. Bemerkenswerte Suspense-Arbeit sieht aber definitiv anders aus. Dazu fehlt NILS TAYLOR noch nötige Fingerfertigkeit und das richtige Gespür für schnörkellosen Thrill.
 
 
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QUARRIES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
DELIVERANCE mit Frauen. In QUARRIES hat das weibliche Geschlecht zur Abwechslung mal die Hosen an, denn Frauen können im Horrorfilm auch anders. Statt sich wie in THE DESCENT mit aufbrausendem Zickenkrieg selbst in die ewigen Jagdgründe zu befördern oder sich ihrem Schicksal – wie so oft im Horror-Genre – tatenlos zu fügen, krempeln die Damen in QUARRIES die Ärmel hoch. Die geben nicht so schnell auf und kämpfen gegen Widersacher, die sich ihrer Sache zu sichern sind. QUARRIES ist ein weiterer Thriller übers Töten, der nicht sonderlich viel Substanz besitzt und einzig auf schnelle Schocks aus ist. Die Protagonisten verhalten sich nicht immer helle und auch mit der Vorhersehbarkeit hat dieser Überlebens-Horror so seine Probleme. Weil sich Regisseur NILS TAYLOR auch noch unnötig viel Zeit nimmt, bis die Überlebens-Achterbahn in die Gänge kommt, werden wohl viele Zuschauer schon frühzeitig den Ausschalter ihres Abspielgerätes drücken. Zu eigentlicher Größe wächst QUARRIES erst in den letzten dreißig Minuten heran. Dann zumindest geht es Schlag auf Schlag und die Figuren im Film sterben wie Fliegen. Wer Geduld besitzt wird entschädigt. Ein sonderlich herausragender Horrorthriller ist QUARRIES aber nicht.
 
 
 


 
 
 

QUARRIES – Zensur

 
 
 
Vergleicht man die Gewalt im Film mit ähnlichen Vertretern der Gattung Survival-Horror ist Gebotenes nicht sonderlich hart anzuschauen. Protagonisten werden angeschossen oder mit Messern bearbeitet. Oftmals blendet die Kamera weg oder Gewalttaten werden im Off zelebriert. Eigentlich wäre QUARRIES demnach ein sicherer FSK16-Kandidat, wäre da nicht die heikle Thematik. Hier wird das Töten als einziger Ausweg beschrieben, um das eigene Leben retten zu können. Statt leise durchs Gebüsch zu schleichen und so einen Weg hinaus aus dem Wald zu finden, wird Selbstjustiz ausgeübt. Mit sowas versteht die FSK keinen Spass. Es würde demnach nicht wundern, wenn QUARRIES mit rotem FSK-Flatschen ins Händlerregal kommt.
 
 
 


 
 
 

QUARRIES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Carnage Park (2016)
 
Downhill (2016)
 
King of the Hill (2007)
 
Outback – Tödliche Jagd (2011)
 
Tower Block (2012)
 
Preservation (2014)
 
Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)
 
The Mooring (2012)
 


Filmkritik: „Don’t Hang Up“ (2016)

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DON’T HANG UP

Story

 
 
 

Das Internet – schöne neue, aber unberechenbare Welt. Die zweifelhafte Freizeitbeschäftigung zweier Jugendlicher endet im Desaster. Die legen sich mit einem Psychopathen an, der mit den Heranwachsenden ein makaberes Spiel spielt.

 
 
 


 
 
 

DON’T HANG UP – Kritik

 
 
 
Jeder kennt es und jeder nutzt es. Seit das Internet auch von Privathaushalten genutzt werden kann (das war übrigens 1995) hat es sich in rasender Geschwindigkeit zu einem unverzichtbaren Informations- und Kommunikationsinstrument entwickelt, das beinahe alle Bereiche des täglichen Lebens beeinflusst. So ist das Internet heute fester Bestandteil des menschlichen Alltags geworden und bringt viele Vorteile mit sich. Man kann von der Couch aus Bankgeschäfte erledigen, einkaufen gehen oder sogar die große Liebe finden. Doch globale Kommunikationsmöglichkeiten und unbegrenzter Informationsaustausch haben auch Schattenseiten. Das Internet hat nicht nur Nutzen, es wird nämlich auch tagtäglich missbraucht. Ob Datenklau durch Virenprogramme oder digitales Mobbing in sozialen Netzwerken – wer sich aktiv durchs Internet bewegt, ist mittlerweile auch vielen Gefahren ausgesetzt und sollte stets wachsam sein.
 
 
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Genau jene Gefahren scheinen die beiden Freunde im folgenden Horrorthriller zu unterschätzen. Die leben sprichwörtlich ein Phänomen aus, das sich seit einigen Jahren zu einer regelrechten Plage im Internet entwickelt hat. Es ist der Drang nach Annerkennung und die Sucht nach Selbstinszenierung, die immer häufiger in sozialen Netzwerken ausgelebt wird. Beides wird den Teenagern Sam (GREGG SULKIN) und Brady (GARRETT CLAYTON) zum Verhängnis. Die haben nämlich einen Spaß daran ahnungslose Menschen mit Telefonstreichen hinters Licht zu führen. Als wäre diese Schandtat nicht schon makaber genug, laden sie die boshaften Scherze ins Internet und stellen damit ihre panischen Opfer öffentlich bloß. Doch einer der Leidtragenden findet das Hobby der zwei Scherzkekse gar nicht lustig. Er dreht den Spieß einfach um und erteilt den Teenagern eine Lektion. Der kennt aus unerklärbaren Gründen die Namen und Adressen der Anrufer und konfrontiert die Jungs mit pikanten Details aus dem Privatleben. Da ist verständlicherweise der Spaßofen aus, vor allem auch deshalb, weil sich plötzlich der Fernsehapparat anschaltet und Bradys Eltern gefesselt auf Stühlen zu sehen sind. Was folgt ist ein bitterböses Katz- und Mausspiel, das kaum Luft zum Verschnaufen bietet, denn der Schikanierte sinnt auf Rache – kompromisslos und blutig. Dank Internet übernimmt der das Steuer und versucht damit das Leben seiner Peiniger zu zerstören. Manchmal ist es eben besser, wenn man einfach mal die Internetleitung kappt, sich vor Hackerangriffen schützt und nicht zuviel in sozialen Netzwerken von sich Preis gibt.
 
 
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Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt in der Regel selbst hinein. Nach Filmen wie UNKNOWN USER oder THE DEN wird der Zuschauer in DON’T HANG UP einmal mehr mit den unterschätzten Gefahren des Internets konfrontiert. Was hier zu sehen ist scheint zwar etwas sehr übertrieben, dürfte aber Zartbesaiteten einmal mehr zum bedachteren Umgang mit genanntem Medium ermahnen. Was lustig beginnt, wird leider schnell zum bitteren Ernst. Und das ist auch die Quintessenz dieses fiesen Psychothrillers, der einige makabere Überraschungen und Twiste zu bieten hat. In DON’T HANG UP wird nicht nur der Zuschauer manipuliert, auch die grünschnäbeligen Protagonisten werden heimtückisch an der Nase herumgeführt und dadurch gegeneinander ausgespielt. So zwingt der unbekannte Anrufer die Freunde dazu sich gegenseitig umzubringen. Anderenfalls müssen geliebte Menschen sterben. Das führt zum rücksichtslosen Schlagabtausch, der Freunde zu Rivalen macht. Handwerklich kann man nicht meckern. DON’T HANG UP wurde sauber inszeniert und versteht es zu fesseln. Die Regisseure DAMIEN MACÉ und ALEXIS WAJSBROT spielen gekonnt mit dem Spannungsbogen und lüften erst am Ende das Mysterium über den nach Rache dürstenden Anrufer. Dessen wahre Ambitionen haben einen triftigen Grund und ergeben erst kurz vor dem Abspann einen Sinn, wobei sich das Regie-Duo (Genre-typisch!) eine Tür fürs obligatorische Sequel offen hält. Nervenkitzel ist garantiert, denn der psychopathische Anrufer spielt nicht nur mit den Nerven der Zuschauer. Die Stimmung wird nach 20 Minuten unbequemer und verwandelt DON’T HANG UP in einen unangenehmen Filmalbtraum, der sowohl von den Helden als auch dem Zuschauer einiges abverlangt. Fans morbider Horrorthriller sollten deshalb einen Blick riskieren, denn trotz Spielfilmdebüt spielt dieser Psychothriller hinsichtlich Suspense in der Königsliga.
 
 
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DON’T HANG UP – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Bitterböses Terror-Psycho-Kino, das den Atem stocken lässt. Wenn ahnungslose Menschen im Horrorfilm schikaniert werden, hat das nicht selten zur Folge, dass die sich fürs Demütigen rächen wollen. Genau das passiert in DON’T HANG UP auf psychischem Wege, der zwei unsympathische Frauenhelden für ihre Schandtaten durch die Hölle gehen lässt. Da werden zur Strafe tödliche Spiele gespielt und allerhand Geheimnisse gelüftet, was dann doch so ziemlich abgebrüht – aber auch clever konstruiert – über die Mattscheibe flimmert. Großes Lob gilt hierbei den Regisseuren DAMIEN MACÉ und ALEXIS WAJSBROT. Die zeichneten bisher für die visuelle Effekte in großen Hollywood-Produktionen verantwortlich und feiern mit DON’T HANG UP ihr Regiedebüt im ersten Langfilm. Dabei entstanden ist gleich ein Volltreffer, der sich mit seiner zynisch-makaberen Art wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abzuheben versteht. Geboten wird Psychokitzel par excellence. Vom FILMCHECKER-Team gibt für diesen spannenden aber gleichzeitig auch heimtückischen Denkzettel eine Empfehlung.
 
 
 


 
 
 

DON’T HANG UP – Zensur

 
 
 
Die Gewaltakte in DON’T HANG UP halten sich in Grenzen. Es werden Messer in Körper gerammt und Kehlen durchgeschnitten. Das meiste passiert aber im Off. Demzufolge hat es DON’T HANG UP in Deutschland nicht schwer gehabt und hierzulande in ungeschnittener Form eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DON’T HANG UP – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Don’t Hang Up; Großbritannien 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making Of, Trailer, Trailershowr

Release-Termin: 30.06.2017

 

Don’t Hang Up [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DON’T HANG UP – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Den (2013)
 
Unknown User (2014)
 
Ratter – Er weiß alles über dich (2015)
 
Girlhouse – Töte, was Du nicht kriegen kannst! (2014)
 
Gefällt mir (2014)
 
The Lesson (2016)


Filmkritik: „The Mind’s Eye“ (2015)

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THE MIND’S EYE

Story

 
 
 

Ein Arzt (JOHN SPEREDAOS aus THE INNKEEPERS und THE HOUSE OF THE DEVIL) ist besessen von Psychokinese. Er macht Jagd auf Menschen mit jener Fähigkeit und extrahiert aus ihren Körpern ein Sekret, das er sich selbst spritzt.

 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Kritik

 
 
 
Wenn Köpfe nur mit Kraft der Gedanken zum Explodieren gebracht werden können, ist DAVID CRONENBERG nicht weit. Der Experte für Body-Horror experimentierte bereits in den frühen 1980ern mit Psychokinese und Telepathie und erschuf mit SCANNERS einen der wohl kontroversesten Genrefilme seiner Zeit, der dem Schöpfer des Körper-Horrors den kommerziellen Durchbruch brachte. Nach zwei Fortsetzungen sowie den Spin-Offs SCANNER COP 1 & 2 wurde es merklich still um das Franchise. Erst in den letzten Jahren kam der Stoff wieder ins Gespräch. SAW-Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN hatte Pläne zu einem Remake, verwarf sie aber kurz Zeit später wieder, weil er den Film nicht ohne Cronenbergs Segen machen wollte. Dafür kann man dem lieben Gott nur danken, denn in einer Zeit in der Machern von Horrorfilmen nichts mehr einfällt, tun neue Filmideen Not. Kein weiterer SCANNERS, aber ein Streifen, der dem wegweisenden Sci-Fi-Horror nicht unähnlich ist: THE MIND’S EYE. Der könnte gut und gerne auch als weiteres Sequel der kultigen Filmreihe durchgehen, denn Regisseur JOE BEGOS zitiert hier Altmeister Cronenberg gut, häufig und unübersehbar. Wieder einmal werden Gedanken manipuliert, Köpfe per Gedankenkraft zermatscht oder von telekinetisch bewegten Gegenständen abgetrennt. Freunde nett getrickster Schweinereien wird’s freuen, denn in THE MIND’S EYE geht es alles andere als zimperlich zu.
 
 
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Psychokinetisch veranlagte Menschen haben es in diesem Film nicht leicht. So auch Zack Connors (GRAHAM SKIPPER aus DEMENTIA und WORRY DOLLS) und Rachel Meadows (LAUREN ASHLEY CARTER aus POD und DARLING), die sich auf der Flucht vor einem irren Arzt befinden. Doktor Michael Slovak hat einen Weg gefunden, die mysteriösen Kräfte psychokinetisch begabter Probanten zu extrahieren und Normalsterblichen zu spritzen, damit die über gleiche Fähigkeiten verfügen. Eine effektive Waffe, die man im Krieg einsetzen könnte. Leider fehlen potenzielle Opfer, die man melken kann. Nach langen Recherchen hat man einige ausfindig gemacht und beginnt sie zu jagen. Die werden verschleppt, tagtäglich ruhig gestellt und angezapft. Das gewonnene Sekret spritzt sich der Doktor selbst, der sich nicht nur körperlich verändert. Die Gier nach Einzigartigkeit und Forschung sorgt dafür, dass er allmählich den Verstand verliert. Doch die Opfer können fliehen. Kaum dem Gefängnis entkommen, haben auch schon Handlanger des Herrn Slovak die Witterung aufgenommen. Kein Versteck ist sich, weshalb Zack und Rachel beschließen sich dem Bösen zu stellen. Spätestens dann wird’s blutig.
 
 
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Low-Budget, aber wirklich gut. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, welche Dekade Regisseur JOE BEGOS am Herzen lag. Wie bereits im Vorgängerfilm ALMOST HUMAN sind es mal wieder die 1980er, die es dem Filmemacher angetan haben. THE MIND’S EYE verbeugt sich nicht nur vorm Cronbergschen SCANNERS, sondern schaut auch so aus wie ein Film, der in jener Zeit gedreht wurde. Zudem wird Retro-Feeling durch Stilmittel anderer Altmeister bewirkt. Akustische Anleihen an die Werke des legendären JOHN CARPENTER sind unüberhörbar. Aber auch die für frühere BRIAN DE PALMA-Streifen berüchtigten Kameraspielereien kommen nicht zu kurz. Das wirkt zwar oft etwas dick aufgetragen, hat aber Charme, zumal es Macher JOE BEGOS schafft wenig nach mehr aussehen zu lassen. Das macht sich vor allem bei den handgemachten Effekten bemerkbar. Die sind simpel gestickt, aber verfehlen ihre Wirkung nur selten. Da werden Schädel gespalten, Knochen gebrochen und Köpfe einmal um die eigene Achse gedreht. Der blutige Bilderrausch und die eher unkonventionelle Thematik bringen es auf den Punkt und zeigen mehr als deutlich, was Indie-Kino alles möglich macht. Hier dürfen sich Filmemacher austoben und zeigen was sie wirklich können. Das bedeutet mehr Eigenständigkeit und Erfindungsreichtum – etwas, das wegen diktierten Auflagen großer Studios in kommerziellen Filmen meist nicht möglich ist.
 
 
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In Gesprächen mit der Presse ließ Regisseur JOE BEGOS verlauten, dass ihm die Idee zum Film während der Festival-Tour zu seinem Debüt ALMOST HUMAN kam. Dort wurde er von Fans und Kritikern immer wieder gefragt, was als nächstes kommen wird. Sofort geisterten ihm Gedanken zu einem Rache-Thriller mit telekinetischen Elementen durch den Kopf – etwas, was seiner Meinung nach schon lange niemand mehr auf die Leinwand gebracht wurde. Nach dem Festival-Rummel begann er an einem Skript zu schreiben. Das ging anfangs noch eher in Richtung Home-Invasion-Horror. Doch Begos verwarf die Ideen und machte daraus Science-Fiction-Horror à la DAVID CRONENBERG. Eine gute Entscheidung, wie auch der Regisseur meint. Ihm waren die missratenen Scanners-Ableger ein Dorn im Auge, weshalb er seinen THE MIND’S EYE selbst als eine Art inoffizielle Fortsetzung zum Kulttitel beschreibt. Ganz Unrecht hat er da natürlich nicht. Vergleicht man die überflüssigen Ableger und Spin-offs der bekannten Filmreihe, ziehen die im Vergleich zu THE MIND’S EYE vor allem atmosphärisch definitiv den Kürzeren.
 
 
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THE MIND’S EYE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
EIN MANN SIEHT ROT meets SCANNERS. Splattriger Indie-Horror für Horrorfans von einem waschechten Fan gemacht. Wer THE MIND’S EYE gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. Regisseur JOE BEGOS verbeugt sich vor einer Zeit, in dem sich das Horrorkino enormer Beliebtheit erfreut hat. Nahezu jedes bekannte Horror-Franchise, das von Hollywood in den letzten Jahren neu interpretiert wurde, entspringt den wegweisenden 1980ern. Vor genauer jener Filmära verbeugt sich der Macher von THE MIND’S EYE, der offensichtlich eine Leidenschaft für das Vermischen von Subgenres hegt. Nach Alien-Film und Horrorschocker, kombiniert er nun Cronbergs Körper-Horror mit Rachethematik. THE MIND’S EYE fühlt sich an, wie eine Fortsetzung des Kultfilms SCANNERS. Das kommt nicht von ungefähr, denn Begos bekundete in Interviews, dass er die Sequels der Filmreihe schlecht fand. Dennoch; bei so viel Liebe zum Old School sollten man sich im Klaren sein, dass THE MIND’S EYE nichts fürs verwöhnte Mainstream-Publikum ist. Wer es schnell, hektisch und makellos mag, ist hier falsch. Der Film zitiert Klassiker wie SCANNERS oder TEUFELSKREIS ALPHA. Wer damit nichts anfangen kann, sollte ohnehin diesen Film meiden, denn THE MIND’S EYE richtet sich in erster Linie an alteingesessene Horrorfans, die des aktuellen Horrorfilmmarktes überdrüssig sind.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Zensur

 
 
 
Die Splatter-Gemeinde bekommt was geboten. Es werden Köpfe zum Explodieren gebracht, Schädel gespalten und in Köpfe geschossen. Zudem gibt es viel Kleinkram und nett getrickste Spezialeffekte zu sehen. Alles hausgemacht versteht sich. Hierzulande dürfte das THE MIND’S EYE eine Erwachsenenfreigabe bescheren. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scanners – Ihre Gedanken können töten (1981)
 
Scanners II (1991)
 
Scanners III (1991)
 
Scanner Cop (1994)
 
Scanner Cop II (1995)
 
Teufelskreis Alpha (1978)
 


Filmkritik: „Scherzo Diabolico“ (2015)

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SCHERZO DIABOLICO – BLUTIG UND BÖSE

Story

 
 
 
Einem fleißigen Rechtsanwalt platzt der Kragen. Weil er im Job nur ausgenutzt wird und auch zuhause mit der Familie keinen Frieden findet, schmiedet er einen diabolischen Plan. Mit unvorhersehbaren Folgen.

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Kritik

 
 
 
Die Sprache des Horrors ist in jedem Land gleich und kennt somit keine Grenzen. So auch in Mexiko, das sich seit einigen Jahren überraschend konstant darin übt, beunruhigende Geschichten in Kinos und Wohnzimmer in aller Welt zu bringen. Dass das Land von Tequila und Tortillas nicht nur Horror-Eintagsfliegen hervorbringt, hat man mit Filmen wie Guillermo Del Toros Debüt CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE oder WIR SIND WAS WIR SIND bewiesen. Letzterer überrumpelte selbst Hollywood, so dass ein amerikanisches Remake her musste, das aber in den heimischen Kinos nicht den erhofften Erfolg brachte. Wen wundert’s? Zuletzt hat Mexiko dank des Regisseurs ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO Horror-Aufsehen erregt. Der Mexikaner landete mit HERE COMES THE DEVIL gleich mal einen Indie-Horror-Hit, der bei anspruchsvollen Festivalbesuchern bleibenden Eindruck hinterließ. Ob das auch mit der bitterbösen Parabel SCHERZO DIABOLICO wiederholt werden kann, für die ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO ebenso verantwortlich zeichnet?
 
 
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Eigentlich ist Rechtsanwalt Aram ein Arbeitnehmer aus dem Bilderbuch. Stets pünktlich am Arbeitsplatz, schuftend wie kein anderer. Vom Chef erhält er keine Anerkennung. Noch nicht mal für Überstunden, die er fast tagtäglich abreißt. Auch zu Hause herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Arams Ehefrau ist von der Feigheit ihres Gatten alles andere als erfreut und bestraft den Liebsten mit Sexentzug – weil der nicht den Mut besitzt, eine Entlohnung für die Mehrarbeit einzufordern. Doch damit soll nun Schluss sein. Aram schmiedet einen hinterlistigen Plan. Er beschattet die Tochter des Kanzleiboss Granovsky und entführt das ahnungslose Mädchen in der Hoffnung, dass der Vorgesetzte die Arbeit vernachlässigt und entlassen wird. Tatsächlich trägt das fiese Vorhaben Früchte. Granovsky ist psychisch am Ende und muss die Firma verlassen. Seinen Platz nimmt Aram ein, der nun hofft, dass sich das Schicksal zum Besseren wenden wird. Leider kommt natürlich alles anders. Wie im Horrorbereich üblich, haben die Opfer das letzte Wort. Die lassen Arams Demütigungen nicht auf sich sitzen und dürsten nach Rache – am liebsten blutig und kompromisslos.
 
 
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Einmal Horror immer Horror. Ein schnell improvisiertes Sprichwort, dass sich aber immer wieder bewahrheitet. Nach HERE COMES THE DEVIL, THE ABCS OF DEATH und LATE PHASES bleibt der Mexikaner ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO dem Genre treu und unterhält nach gefräßigen Werwölfen, unartigen Kindern und perversen Serienkillern zur Abwechslung mit Rachegelüsten der makabren Sorte. Wie bereits der Titel SCHERZO DIABOLICO vermuten lässt, geht es im gleichnamigen Film selbst reichlich zynisch und schwarzhumorig zu. Im Verlauf der Handlung werden die Rollen neu verteilt und unerwartete Wendungen nehmen ihren Lauf. So brennen dem Filmhelden später die Sicherungen durch. Der anfangs rechtschaffene und sympathische aber bereits desorientierte Hauptcharakter wird zum Handlanger des Bösen. Um eigene Interessen durchsetzen zu können und endlich mal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, handelt er gegen das Gesetz. Leider ist und bleibt Protagonist Aram der geborene Pechvogel. Mit seinem Vorhaben setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die nur zu Chaos führen kann. Ihm ereilt eine bitterböse Strafe, weil er gewissenlos gehandelt hat. Eine gewisse Ironie lässt sich nicht von der Hand weisen – das gibt SCHERZO DIABOLICO in der letzten halben Stunde auch dem Zuschauer unverblümt zu verstehen.
 
 
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Trotz ambitionierter Machart und bitterböser Geschichte über selbstsüchtiges Streben nach Macht und Erfolg, ist SCHERZO DIABOLICO ein zweischneidiges Schwert. Nach den erwähnten Arbeiten von Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO, die auf vielen Filmfesten (darunter auch dem FANTASY FILMFEST) Lob einheimsen konnten, entpuppt sich SCHERZO DIABOLICO als kleine Enttäuschung. Grund: es dauert zu lange, bis es für Horrorfans endlich interessant wird. Zudem ist diese mexikanische Thriller-Produktion nur auf ein möglichst reißerisches Finale aus, in dem viel flüssiges Rot auf Boden und Wände klatscht. Im Gegensatz zu dem, was der Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat, fehlen SCHERZO DIABOLICO schlichtweg Einzigartigkeit und Raffinesse. Gewalt allein macht eben keinen Horrorfilm herausragend. So geht es im Finale drunter und drüber. Im dort zelebrierten Racheakt wird Exploitation pur gezeigt – quasi so, wie man sie in den deutschen Bahnhofskinos der 1970er und 80er zu sehen bekam. Köpfe werden zermatscht aber auch Waffen und Baseballschläger kommen zum Einsatz. Im Vergleich zur eher zurückhaltend und bedacht inszenierten ersten Filmhälfte ist das Gezeigte äußerst grenzwertig und nicht für jedermann geeignet. Horrorfans wird’s nicht stören. Immerhin: Weil’s übertrieben blutig wird, fällt gar nicht auf, dass Gründe und Auslöser für die im Film dargestellte Selbstjustiz dünn, fadenscheinig und unglaubhaft sind. Psychologen dürften da wohl das kalte Grausen bekommen. Egal – im Horrorfilm ist eben alles möglich und ist es auch noch so dämlich.
 
 
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SCHERZO DIABOLICO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Auch in Mexiko wird blutig gerächt: Bitterböses Rachefilmchen mit äußerst brutalem Finale, das Liebhabern reißerischer Exploitation-Schocker feuchte Höschen bescheren wird. Splatterfans kommen in SCHERZO DIABOLICO definitiv auf ihre Kosten. Hier wird ein schmuddeliger Mexiko-Look mit deftigen Gewalteskapaden vermengt, welche von klassischen Klavierstücken begleitet werden. Letztere bieten Symbolcharakter und sind Auslöser für eine Tat, die eher zartbesaitete Zuschauer verstört in den Kinosessel pressen wird. Leider tut sich der mexikanische Rachethriller schwer mit dem Erzählen seiner Geschichte. Die braucht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und lässt Horrorfans ungeduldig auf das warten, was sich Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO für sein Finale hat einfallen lassen. Eine Spirale der Gewalt wird in Gang gesetzt, die schwarzhumorig und grotesk zeigt, was rücksichtloses Gieren nach Macht bewirken kann. Das ist zwar reichlich unglaubwürdig, wird aber den meisten Zuschauern egal sein – schließlich spritzt Blut. Kann man gucken, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Zensur

 
 
 
Überraschend blutig geht es in SCHERZO DIABOLICO zu. Das hätte man gar nicht erwartet, weil der Film eher zurückhaltend und behäbig beginnt. Im letzten Akt geht es drunter und drüber. Ein gekidnapptes Opfer dreht vollkommen durch und töte alles, was in die Quere kommt. Da werden Köpfe zermatscht und die Kamera hält drauf. Da die FSK immer große Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt, gab es anfangs bedenken. Dennoch hat der Film in der ungeschnittenen Version eine Erwachsenenfreigabe erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scherzo Diabolico; Mexiko | USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Musikvideo

Release-Termin: 30.09.2016

 

Scherzo Diabolico – Blutig und böse [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 
Evangeline – Rache ist stärker als der Tod (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 


Filmkritik: „The Demolisher“ (2015)

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THE DEMOLISHER

Story

 
 
 
Für den Technikinstallateur Bruce (Ry Barrett) und seine Frau Samantha (Tianna Nori) ist der Traum geplatzt. Samantha, eine ehemalige Polizistin, wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Bruce kümmert sich um sie und zusammen versuchen die Beiden, die unerwarteten Hürden des Lebens zu meistern. Doch hinter jeder Ecke wartet ein neues Hindernis. Geplagt von irrationalen Schuldgefühlen und zügelloser Wut beginnt Bruce mit nächtlichen Streifzügen durch die Stadt. Dabei klopft er alles kurz und klein, was ihm in den Weg kommt und kriminell aussieht. Eine Krise bahnt sich an, als sein zerstörerischer Pfad den der jungen Marie (Jessica Vano) kreuzt.

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Kritik

 
 
 
Unter Fans von Actionfilmen, Horror und sonstiger Genrekost ist der Begriff „Arthouse“ nicht unbedingt populär. Verständlich, denn wo Genrefilme oft mit hoher Geschwindigkeit, Brutalität und ausgefallenen Ideen aufwarten, setzen sich Arthousefilme gerne mit anspruchsvollen Themen auseinander und beleuchten verschiedene Aspekte der (Zwischen)Menschlichkeit. Umso verblüffter dürfte der durchschnittliche Genre-Freund sein, wenn er mit den ersten Minuten von „The Demolisher“ konfrontiert wird. Es gibt lange, rätselhafte Einstellungen und Szenen, die zunächst ohne ersichtlichen Grund aneinandergeschnitten sind. Über weite Strecken erzählt der Film episodenhaft, springt zwischen Handlungssträngen und Zeitebenen und verzichtet gerne auf Dialoge. Allem Anschein nach handelt es sich bei „The Demolisher“ also um eine Kombination aus anspruchsvollem Arthouse-Kino und der brutalen Grobheit des Action- und Thrillerkinos. Oder zumindest um einen Versuch, dies zu tun.
 
 
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Sofort fallen zahlreiche Parallelen zu Nicolas Winding Refns „Drive“ auf. Ein Beispiel für eine ähnliche Kombination, die funktioniert hat und dafür mit jeder Menge Lob und Ruhm belohnt wurde. Im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild fällt jedoch schnell auf, warum das selbe Rezept bei „The Demolisher“ überhaupt nicht aufgeht. Der namenlose Fahrer in „Drive“ ist ein interessanter und tiefgehender Charakter, der den Zuschauer auf einer feinen Linie zwischen Sympathie und Antipathie spazieren lässt. Hinter Bruces Augen sieht man nichts außer einer gähnenden Leere und dem unterschwelligen Zorn eines dumpfen Grobians. Hinzu kommt die Motivation der verletzten Frau, die schwerlich erklärt, warum der Proleten-Protagonist fast wahllos Leute krankenhausreif schlägt.
 
 
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Trotzdem erkennt man stellenweise, was Regisseur und Autor Gabriel Carrer mit „The Demolisher“ erreichen wollte. Es ist eine Geschichte über blinde Wut, die daraus resultierende Gewalt und die Konsequenzen, wenn diese Gewalt zu weit geht. Umgesetzt wird diese Geschichte allerdings mit einem Stil, der kaum durchdacht ist und seine Vorbilder ausschließlich imitiert. Stilmittel – wie das episodische Erzählen oder eine viel zu oft eingesetzte Zeitlupe – ermüden schnell und behindern den Film eher, als dass sie ihn bereichern. Das hölzerne Schauspiel der Akteure, allen voran Ry Barrett, tut sein Übriges, um „The Demolisher“ zu einem inkompetenten Mix aus Stil und Inhalt werden zu lassen, bei dem nichts wirklich stimmt.
 
 
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THE DEMOLISHER – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„The Demolisher“ macht das Gleiche wie seinerzeit „Drive“. Allerdings um Einiges schlechter. Flache Charaktere, Schwache Schauspieler und unangebrachte Stilmittel machen den Film zu einer Herausforderung. Immerhin lässt sich sehr viel Gelächter aus der Tatsache ziehen, dass sich „The Demolisher“ aus unerklärlichen Gründen extrem ernst nimmt. Im Gegensatz zum Film kann sich die deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Meteor Film sehen lassen. In einem schicken Future-Pack, ausgestattet mit Extras wie Poster und Postkarten sowie lobenswert technischer Präsentation erhält „The Demolisher“ hierzulande eine weitaus bessere Veröffentlichung, als der Film letztendlich verdient hätte.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Zensur

 
 
 
Selbst die Gewaltspitzen, die „Drive“ gewürzt haben, kommen sehr kurz. Abgesehen von der umstrittenen Selbstjustiz-Thematik hat der Film nicht viel im Gewalt-Sektor zu bieten. In Deutschland erscheint er ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Wegen „bösem“ Bonusmaterials wurde die Heimkinoveröffentlichung aber erst für Erwachsene freigegeben. Die besitzt den roten KJ-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film

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(c) Meteor Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Demolisher; Kanada 2015

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Limitiertes 2-Disc Blu-ray FuturePack

Extras: CD mit Original-Score plus Bonus-Tracks (70:36 Min), A3-Retro-Miniposter mit 2 Wendemotiven, 3 Sammelkarten mit, Alternativ-Artworks, Q&A mit Cast + Crew, Behind the Scenes, Musikvideo LA GARCONNE – SUPER HERO, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Release-Termin: 26.02.2016

 

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THE DEMOLISHER – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

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(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drive (2011)

Death Sentence (2007)