Filmkritik: „Hard Powder“ (2019)

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HARD POWDER

(COLD PURSUIT)

Story

 
 
 

Der Sohn eines Schneepflugfahrers wird ermordet, woraufhin sich dieser an den Mördern rächen will und einen Kleinkrieg unter zwei konkurrierenden Drogenbossen anrichtet.

 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Kritik

 
 
 
Dass Hollywood sich gerne ausländische Hits schnappt und diesen ziemlich schnell ein Remake spendiert, ist ja längst keine Neuigkeit mehr. „Einer nach dem anderen“ hat gerade mal fünf Jahre auf dem Buckel und muss sich nun auch einer mainstreamigeren Variante hergeben. Hans Petter Moland durfte sogar selbst bei dem Remake erneut Regie führen und es war davon auszugehen, dass man es hier mit einer glattgebügelten Version zu tun bekommt. Dem ist erstaunlicherweise gar nicht unbedingt so, aber trotzdem kann „Hard Powder“ niemals aus dem Schatten des Originals heraustreten, denn dafür ist er einfach viel zu sehr kopiert.
 
 
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Nels Coxman ist Schneepflugfahrer in einem Skigebiet in Colorado. Eines Tages wird sein Sohn tot aufgefunden und die Todesursache ist eine Überdosis Drogen. Nels weiß, dass sein Sohn kein Junkie war und es dauert auch nicht lange, da bekommt er schon heraus, wer für den Tod verantwortlich ist. Nun bleibt Nels nur noch Rache und er arbeitet sich Stück für Stück nach oben, bis nur noch der Drogenboss Viking auf seiner Liste steht. Der glaubt allerdings, dass seine Konkurrenten für die Leichen verantwortlich sind und so entsteht nebenbei noch ein kleiner Drogenkrieg. Statt Serben gibt es nun Indianer und der Schauplatz wurde auch verändert – Das sind dann auch schon die größten Änderungen, die „Hard Powder“ zu bieten hat, denn ansonsten funktioniert die Story nach demselben Prinzip. Die Abänderungen sind wirklich marginal und sowieso eher unwichtig. Das Grundgerüst der Geschichte ist noch immer ziemlich gut, doch leider sind ein paar Dinge dann leicht schwächer ausgefallen. So funktioniert das Spiel mit dem Rassismus hier weniger und die kleinen gesellschaftskritischen Einschübe findet man leider ebenfalls nicht mehr. Dafür wurde fast der gesamte Rest 1:1 übernommen.
 
 
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Wenn man als Regisseur sein Original noch mal drehen darf, ist das bestimmt eine tolle Chance Fehler von damals zu korrigieren oder den Fokus ein wenig zu verändern, doch Hans Petter Moland macht einfach alles nahezu identisch. Da gibt es teilweise sogar exakt dieselben Kameraeinstellungen und die Dialoge klingen oftmals ebenfalls sehr kopiert. Das ist schade, denn wenn dem Zuschauer das Original bekannt ist, bekommt er hier kaum etwas Neues geboten. Lediglich die verschneiten Rocky Mountains sorgen tatsächlich für noch imposantere Bilder. Aus handwerklicher Sicht ist das wirklich ordentlich ausgefallen, nur hätten ein paar neue Ideen nicht geschadet. So wirkt selbst das Einblenden der Namen der gerade Verstorbenen in „Hard Powder“ kaum noch originell. Selbst viele Gags wurden komplett aus dem Film von 2014 übernommen. Neue Witze bekommt man nur äußerst selten serviert. Erfreulich ist daran am ehesten, dass diese Hollywood-Variante also gar nicht wirklich weichgespülter ist, als das Original, aber wie könnte sie das auch sein, wenn man es doch fast mit demselben Film zu tun hat? Selbst die Gewalt wurde fast identisch belassen.
 
 
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Natürlich sind die größten Unterschiede bei den Darstellern zu finden. Liam Neeson ersetzt nun Stellan Skarsgård und diese Rolle bietet sich für ihn perfekt an. Den Neeson auf Rachefeldzug durfte man in den letzten Jahren ja ungemein oft beobachten. Neeson macht seine Sache solide und ist schön grimmig unterwegs. Tom Bateman ist als Ersatz für Pål Sverre Valheim Hagen in der Rolle des Bösewichts mit Sicherheit nicht schlecht, erreicht jedoch niemals sein Charisma und das ist ein weiteres Problem von „Hard Powder“: Die Figurenzeichnung erzeugt weniger Atmosphäre. Auch hier bekommen wir es mit recht verschrobenen Typen zu tun, die allerdings niemals so markant wirken und eine gewisse Menschlichkeit vermissen lassen. Das ist schade, doch hier bemerkt man dann eben doch, dass man es nicht mit europäischem, sondern mit amerikanischem Mainstream-Kino zu tun hat. Letztendlich sind leider auch Score und Soundtrack relativ austauschbar und erfüllen lediglich ihren Zweck.
 
 
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HARD POWDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Hard Powder“ ist ein sehenswerter Film, der nur keinerlei künstlerischen Mehrwert besitzt, weil er nach lediglich fünf Jahren das Original fast komplett kopiert. Die anderen Darsteller zu sehen, ist reizvoll und die Inszenierung ist definitiv gelungen, doch ansonsten gibt es keine Gründe, weshalb der Zuschauer das Original nicht vorziehen sollte. Kennt man dieses nicht, bekommt man einen weiterhin recht ruhigen, recht schwarzhumorigen Film geboten, der nur wenig Action, dafür aber ein paar starke Ideen bietet. Allerdings ist die Atmosphäre phasenweise zu schwach, weder dramatisch noch amüsant genug und deshalb bleibt eine kleine Enttäuschung auch nicht aus!
 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Zensur

 
 
 
„Hard Powder“ – der übrigens im Original „Cold Pursuit“ heißt – hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Das war bereits bei der Kinoauswertung so und hat sich natürlich auch auf Blu-ray, DVD und UHD nicht geändert. Die Freigabe ist gerechtfertigt. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cold Pursuit; Großbritannien | Kanada | Norwegen | USA 2019

Genre: Action Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Französisch Dolby Atmos

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 119 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Featurette, Interviews mit Liam Neeson und Hans Petter Moland, Geschnittene Szenen, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Hard Powder [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Unknown Identity (2011)
 
96 Hours (2008)
 
96 Hours – Taken 2 (2012)
 
96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Kritik: „Dementia – Gefährliche Erinnerung“ (2015)

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DEMENTIA – GEFÄRLICHE ERINNERUNG

(DEMENTIA)

Story

 
 
 

Ein dementer Kriegsveteran erlebt nach einem Schlaganfall das pure Grauen in den eigenen vier Wänden.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Kritik

 
 
 
Wer regelmäßig Horrorfilme schaut, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass kein Mord ungesühnt bleibt. So bekommen die meisten Bösewichte am Ende das, was sie verdient haben und müssen nicht selten mit blutiger Rache rechnen – dem Zuschauer zuliebe. Der wird in vielen Fällen mit Schauerwerten verwöhnt, die nicht ohne sind, verkaufen sich Horrorfilme schließlich besonders gut, wenn sie deftige Bestrafungsmethoden zeigen. Rein gar nichts für Gorebauern ist der folgende DEMENTIA. Der schlägt – trotz Vergeltungsakt – in erster Linie leise Töne an und versucht Nervenkitzel durch Psychospiele zu verursachen. In diesem Indie-Thriller wird einmal mehr aufgezeigt, dass auch gutbürgerliche Nachbarn manch schreckliches Geheimnis hüten, das Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert hat und irgendwann ans Tageslicht kommt.
 
 
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THE SACRAMENT-Prediger GENE JONES hat an „bösen“ Rolle Gefallen gefunden und verkörpert erneut einen Schurken, der diesmal etwas zu verbergen hat. Als wenig sympathischer Eigenbrödler George Lockhart kommt er nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus und leidet fortan an einer speziellen Form der Demenz, weil das Gehirn kurzzeitig nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnte. Der entfremdete Sohn Jerry (PETER CILELLA aus CONTRACTED: PHASE 2) und Enkelin Shelby (HASSIE HARRISON) nehmen es gelassen, bringen den Vietnamveteran nach Hause und staunen nicht schlecht, als am nächsten Tage eine Krankenschwester unangemeldet nach dem Patienten sehen möchte. Die kommt gelegen, denn der Sohnemann hat Arbeit im Kopf. Pflegerin Michelle (KRISTINA KLEBE aus BELA KISS: PROLOGUE) soll sich um den gebrochenen Kriegsveteran kümmern, der trotz harter Schale von Kriegserlebnissen gezeichnet ist. Leider passieren bald seltsame Dinge, was die Angehörigen auf des geistigen Zerfall des Familienmitglieds zurückführen. Doch die Ursache ist eine andere. Schwester Michelle ist zwar mitfühlend und zuvorkommend, versteckt aber hinter der Fassade des hilfsbereiten Engels ein furchtbares Geheimnis.
 
 
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Vom Kameramann zum Regisseur. Für DEMENTIA zeichnet MIKE TESTIN verantwortlich. Der stand in der Vergangenheit für Horrorstreifen, wie CONTRACTED oder CHILLING VISIONS als erfahrener Profi hinter der Kamera und nahm nach diversen Kurzfilmen für den ersten Langfilm auf dem Regiestuhl platz. Solide Leistung liefert er mit dem ersten, eigenen Spielfilm ab, der Dank der herausragenden Leistung von GENE JONES weit besser geworden ist, als man es vom etwas sehr überraschungsarmen Drehbuch erwartet hätte. Jones spielt hier einen unnahbaren Rentner, der für niemanden und nichts Mitgefühl entwickeln möchte. Trotzdem schafft der erfahrene Schauspieler das Kunststück, dass Mitleid für einen Mann entsteht, der in der Vergangenheit Grausames getan hat, aber nie bestraft wurde. Der Antiheld fühlt sich bald selbst als Opfer und muss sich für ein Verbrechen verantworten, das viele Jahre zurückliegt. So wird KRISTINA KLEBE im Film zu ISABELLE FUHRMAN (das Kind aus ORPHAN), die anfangs noch freundlich bald wahre Intensionen zeigt. Sie hat jahrelang Rache geplant und nutzt nun das Handicap ihres Gegenübers aus, um Kontrolle und Macht zu demonstrieren. Leider verblasst die Schauspielerin hinter der Leistung ihres Kollegen, denn trotz bitterbösem Katz-und-Maus-Spiel will man ihr die Rolle des psychopathischen Racheengels nicht so recht abnehmen. Aber auch die Handlung lässt Glaubwürdigkeit vermissen. Spätestens ab Filmmitte führt das Drehbuch ins Absurde. Hinzukommt, dass Ereignisse vorhersehbar sind und nach Schema F abgehandelt werden, so dass DEMENTIA dann doch etwas zu sehr ins klischeebehaftete Genrekino abdriftet. Förderlich für die Spannung ist das nicht gerade.
 
 
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Wenn der Pfleger zum Killer wird. Regisseur MIKE TESTIN spielt verkehrte Welt, denn in DEMENTIA werden Rollen vertauscht. Aus Tätern werden Opfer und umgedreht. So wird ein gewissenloser Kriegsveteran zum Gefangenen im eigenen Haus und muss mit körperlichen Gebrechen ums Überleben kämpfen. Ähnlich gestricktes Psychokino gab es übrigens schon vor 30 Jahren. Der spanische IM GLASKÄFIG fasst ähnliches Thema auf und erzählt von einem gelähmten, pädophilen Nazi, der von einem ehemaligen Opfer gefoltert wird. Was aber seinerzeit Kontroverse verursacht hat, weil Tabus gebrochen wurden, flimmert in DEMENTIA weitaus unspektakulärer und nicht gerade einfallsreich über die Leinwand. Gezeigtes ist simpel gestrickt, einfacher zu verdauen und orientiert sich in der Machart am Psycho-Mainstream, wie er bereits mit STEPHFATHER (das Remake!), CRUSH oder THE ROOMMATE dem Zuschauer vorgesetzt wurde. Dennoch ist DEMTIA deswegen nicht unbedingt schlecht. Das Grauen wird hier langsam aufgebaut, so dass sich der Horror schleichend seinen Weg durch eine Handlung bahnen kann, die mit halsbrecherischem Finale abgerundet werden muss. Über Letzteres lässt sich streiten. Schraubt man Erwartungen herunter, sorgt DEMETIA gerade wegen seiner eher zurückhaltenden Inszenierung und den guten Schauspielern zumindest ab und an für etwas Suspense. Für einen verregneten Nachmittag reicht’s.
 
 
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DEMENTIA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Als Familiendrama getarnter Psychothriller. DEMENTIA ist nicht gerade das, was man sich unter packend umgesetztem Psycho-Horror vorstellt. Der Film handelt von vermeintlich vertrauenswürdigen Menschen, die sich in das Leben gutbürgerlicher Familien einschleichen, um dort für Chaos zu stiften. Was in DEMENTIA passieren wird, ist schnell ergründet und nicht gerade neu. Geübte Horrorzuschauer werden schnell die Fährte wittern, denn die im Titel erwähnte Demenz fungiert nur als Alibifunktion, damit ein perfides Katz-und-Maus-Spiel gespielt werden kann. Was den einfach gestrickten Plot jedoch halbwegs interessant macht, sind die guten Darsteller, die vergessen lassen, dass DEMENTIA eigentlich ein Thriller von der Stange ist. Der hat vor allem mit einigen Logikproblemen und Unglaubwürdigkeiten zu kämpfen. Dennoch: Solide Unterhaltung für Zwischendurch. Mehr aber auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es kaum zu sehen. Neben einer toten Katze wird ein älterer Mann erschossen. Zudem kommt im Finale noch einmal die Flinte ins Spiel. Außerdem wird der Hauptdarsteller von verstörenden Kriegserinnerungen gequält in denen der Kamerad blutig durchs Bild taumelt. DEMENTIA hat in Deutschland problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dementia; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Exklusiver Audiokommentar mit Hauptdarstellerin Kristina Klebe

Veröffentlichung: 07.09.2016

 
 
 

Dementia – Gefährliche Erinnerung [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)

Orphan – Das Waisenkind (2009)

Misery (1990)

One Hour Foto (2002)

Swimfan (2002)

Obsessed (2009)

The Roommate (2011)

Captivity (2007)

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (2007)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987)

Filmkritik: „I Spit on Your Grave 3“ (2015)

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I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE

(I SPIT ON YOU GRAVE 3)

Story

 
 
 
Jennifer Hills (SARAH BUTLER) – das Vergewaltigungsopfer aus dem I SPIT ON YOUR GRAVE-Remake – rächt sich an den Peinigern vergewaltigter Frauen einer Selbsthilfegruppe.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Kritik

 
 
 
Wer öfter Kritiken auf FILMCHECKER liest, dürfte vermutlich mitbekommen haben, dass wir keine Freunde brutaler Gewaltfilme sind, in denen aus reiner Sensations- und Geldgeilheit Menschen gequält, gedemütigt und gerichtet werden. So hatten in der Vergangenheit vor allem Rape-and-Revenge-Streifen das Nachsehen, die wegen ihrer sadistischen Zurschaustellung frauenverachtender Quälerei keine lobenden Worte erhalten haben. Einer, dem besonderes Augenmerk geschenkt wurde, war I SPIT ON YOUR GRAVE 2. Hier wurde die Messlatte in punkto Sadismus besonders nach oben geschoben, was den Streifen vor allem bei jenen interessant machen konnte, die die Qualität eines Horrorfilms allein vom Gewaltpegel abhängig machen. Für Macher STEVEN R. MONROE ein ganz großer Coup. Dem gelang mit der kontroversen Neuauflage eines in Deutschland immer noch beschlagnahmten Racheklassikers und deren ultrabrutaler Fortsetzung der Sprung in die Liga der gefragtesten Horror-Regisseure. Trotz zweifelhaftem Ruhm gelang ihm immerhin das Kunststück, die schmuddeligen Revenge-Streifen von einst wieder ins Kino zu bringen. So war das Subgenre des groben Rachefilms in den siebziger und achtziger Jahren eine sichere Bank in Hollywood und bediente gnadenlos das niedere Auge-um-Auge-Bedürfnis des kleinbürgerlichen Zusehers. Meir Zarchis I SPIT ON YOUR GRAVE war seinerzeits nur die B-Movie-Überspitzung zahlreicher konservativen Reißer, die vor allem CHARLES BRONSON und Kollegen über Nacht zu gefragten Schauspielern machten.
 
 
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Dass aufgrund des finanziellen Erfolgs der neuen I SPIT-Streifen ein weiterer Ableger gedreht werden musste, war logische Konsequenz. Der ist nun unter dem Titel I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE erschienen und wirbt reißerisch im Namen mit vielversprechender „Rache“. Die zweite Fortsetzung knüpft direkt an die Geschehnisse des Remakes aus dem Jahr 2010 an und rückt Hauptdarstellerin Jennifer Hills (SARAH BUTLER aus TERROR Z) erneut in den Fokus. Die nennt sich jetzt Angela und versucht nach einer grausamen Vergewaltigung zu ihrem alten Leben zurückzufinden. Hilfe verspricht sie sich in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten lernen will. Doch die zermürbte Protagonistin wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Als sie in der Gruppe die selbstbewusste Marla (JENNIFER LANDON) kennenlernt, scheint das Leben endlich wieder einen Sinn zu ergeben. Die Frauen schließen Freundschaft und verbringen viel Zeit miteinander, in der die taffe Marla Unterricht im schlagfertigen Umgang mit allzu aufdringlichen Männern erteilt. Doch die Ereignisse nehmen eine unerwartete Wendung. Die rebellische neue Freundin wird tot aufgefunden. Zurück bleibt eine desorientierte Angela, der der Boden erneut unter den Füßen weggezogen wird. Die versucht den Täter zur Verantwortung zu ziehen, scheitert aber an einem maroden Justizsystem. Umso einleuchtender die Entscheidung das Gesetz ein weiteres Mal selbst in die Hand zu nehmen. Weil die Polizei kein ernsthaftes Interesse besitzt, gemeldeten Vergewaltigungen nachzugehen, übernimmt Angela kurzum deren Arbeit in Eigenregie. Im Namen aller missbrauchten Frauen mutiert sie zur Super-Rächerin, um Vergeltung für all jene einzufordern, die ebenso vergewaltigt und von der Justiz im Stich gelassen wurden.
 
 
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Das Thema Vergewaltigung ist brisant. Immer mehr Frauen gehen an die Öffentlichkeit, um zu berichten, was aus Angst oder Scham lang geheim gehalten wurde. So brachen amerikanische Studentinnen 2014 ihr Schweigen und entfachten damit eine Debatte über sexuelle Übergriffe an Universitäten. Die wurde zusätzlich durch einen Report des Pentagons verschärft, in dem von acht Prozent mehr gemeldeten Vergewaltigungen unter Militäranghörigen berichtet wurde. Trotz heißer Diskussionen und schärferer Gesetze werden die meisten Täter nie vor Gericht gebracht. Der Anteil verurteilter Sexualstraftäter ist im Verhältnis zu den Anzeigen der Opfer gesunken, was vor allem daraus resultiert, weil nicht immer an einer ernsthaften Verfolgung und Aufklärung der Taten gearbeitet wird. Immer noch scheinen sexuelle Übergriffe auf Frauen verharmlost, nicht ernst genommen zu werden, was dazu führt, dass Sexualverbrechen nicht genauer untersucht oder Akten mangels Beweise ganz geschlossen werden. Für die Opfer ein Albtraum, die mit den tragischen Erlebnissen allein fertig werden müssen. Der Staat unterstützt nur die wenigsten bei der Trauma-Verarbeitung. Ein Grund mehr, warum vielen nur der Weg zum Psychologen oder die Flucht in Selbsthilfegruppen bleibt, um sich dort die Last irgendwie von der Seele reden zu können.
 
 
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I SPIT ON YOUR GRAVE 3 beteiligt sich an der kontroversen Debatte und greift genau jene Hilflosigkeit vieler Frauen auf, die sich von Justiz und Behörden im Stich gelassen fühlen. Filmheldin Angela sitzt in ähnlicher Zwickmühle und nimmt das Gesetz selbst in die Hand, weil ihr die Tatenlosigkeit des Rechtssystems ein Dorn im Auge ist. Was folgt, ist für die Gewaltfraktion interessant. Die fehlgeleitete Protagonistin bestraft all jene mit dem Tod, die Frauen quälen oder missbrauchen und dafür nicht verurteilt werden. Interessanterweise schlägt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Richtungswechsel ein. Statt möglichst viel perverses Material auf Film zu bannen und sich ausschließlich auf das exploitative Zelebrieren von Gewaltmomenten zu beschränken, hat dieser Ableger auch etwas zu erzählen. Die Weiterentwicklung war bitter nötig, stieß bereits I SPIT ON YOUR GRAVE 2 an seine Grenzen. Er hatte eigentlich die gleiche Geschichte zu erzählen, wie der Vorgängerfilm. Somit dürften sich vor allem jene vor den Kopf gestoßen fühlen, die sich vom neusten Ableger ein ähnlich gestricktes Gewaltepos versprochen haben, in dem ausschließlich gefoltert, gedemütigt und vergewaltigt wird.
 
 
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Der frische Wind ist dem Newcomer R.D. BROWNSTEIN zu verdanken, der für I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE verantwortlich zeichnet. Der macht aus schonungslosem Rape-and-Revenge gesellschaftskritische Thriller-Ware, die deutlich gehaltvoller ist, als man es von einem Film dieses Subgenres erwartet hätte. Statt dummer Gewalt dominiert im Film das Drama um Angela, die mit inneren Dämonen ringen muss und am Ende den Kampf gegen den Hass verliert. Was folgt ist das Resultat eines mangelhaft funktionierenden Justizsystems. Die verwirrte Filmheldin verwandelt sich zur Killermaschine, die im Racherausch nicht mehr zwischen guten und bösen Jungs unterscheiden kann. Doch damit nicht genug. BROWNSTEIN treibt seine Figur weiter in den Abgrund, bis die letztendlich selbst zur boshaften Kreatur mutiert, die weder Skrupel noch Moral kennt. Letztendlich vermittelt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 eine wichtige Botschaft. So hebt BROWNSTEIN am Ende den Zeigefinger und mahnt vor unermüdlichen Streben nach Rache und Vergeltung, schließlich bringt grenzenloser Hass niemals gewünschte Genugtuung, sondern immer nur weiteres Chaos.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WENIGER I SPIT ON YOUR GRAVE – dafür mehr DEATH WISH und DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE ist der beste Teil der gesamten Filmreihe, insofern man die Qualität von Horrorfilmen nicht unbedingt am Härtegrad festmacht. Zuschauer, die die Vorgänger gerade wegen der Gewalt in den Himmel gelobt haben, werden vom neuesten Ableger reichlich enttäuscht werden. Bis auf zwei kurze (aber heftige) Gewaltmomente hält sich Teil drei zurück mit der Zuschaustellung reißerischer Exploitation-Momente. Stattdessen wurde diesmal ein Drehbuch mit richtigen Dialogen verfilmt, das sogar gesellschaftskritische aber auch moralische Ansätze besitzt. So setzt sich der Streifen mit dem Thema Rache auseinander, klärt aber auf, dass Genugtuung nie zu Gerechtigkeit führt, welche man sich von Vergeltung erhofft. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Filmheldin wird durch rastloses Rächen nur noch weiter in den Abgrund gerissen. Hier erinnert der Film an Abel Ferraras in Exploitationfan-Kreisen geschätzten, unterkühlt-brutalen DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. Newcomer R.D. BROWNSTEIN macht mit dem Richtungswechsel alles richtig und hat mit I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Film gedreht, dem es zur Abwechslung gelingt wirklich zu polarisieren. Der Streifen ist mehr Drama als Horror und regt mit brisanter Thematik zum Nachdenken an. Das ist bisher noch keinem Streifen der Reihe gelungen. Somit wird der Film vermutlich all jene ansprechen, die bisher so rein gar nichts mit der Filmserie anfangen konnten. Auch wenn sich der aktuelle Ableger deutlich von seinen Vorgängern abhebt, kann man nur hoffen, dass man die Grab-Serie damit ruhen lässt. Jeder weiterer Rache-Quatsch wäre überflüssig und unnötig.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Zensur

 
 
 
Auch wenn I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE in Sachen Gewalt nicht die Härte der Vorgängerfilme erreicht, gibt es 2-3 kurze Szenen, die es in sich haben. So wird ein männliches Geschlechtsteil bearbeitet und die Analpenetration mit einem Rohr geht durch Mark und Bein. Auch wenn Gewalteinsätze überschaubar sind, hat I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE hierzulande ebenso Probleme mit der FSK bekommen. Der Film ist in Deutschland geschnitten erschienen. Das ist kein Wunder, weil die Prüfbehörde so ihre Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt. Natürlich gibt es für Horrorfans eine Alternative. Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. hat I SPIT ON YOUR GRAVE 3 – wie bereits die Teile zuvor – ungeschnitten im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Österreichische Blu-ray

 
 
 
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(c) ILLUSIONS UNLTD. (KeepCase im Schuber – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton:Deutsch DTS HD 5.1, Englisch DTS HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min. (ungeschnittene Fassung)

FSK: AT-Import – ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: AT-Import – KeepCase im Schuber (nur Erstauflage)

Extras: „Back to the Cabin“ – Interview mit Sarah Butler zu Teil 1 (2010), Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Release-Termin: ungeschnittener AT-Import: 28.01.2016

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray / DVD] ungeschnitten auf BEYOND MEDIA bestellen

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
Der auf ungeschnittene Horrorware spezialisierte Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. aus Österreich sorgt für zufriedene Gesichter. Das ist auch kein Wunder, denn das Label veröffentlicht den dritten Teil ebenso wie die Vorgänger in ungeschnittener Filmfassung und deutscher Sprache. Damit die Optik im Sammlerregal einheitlich bleibt, wurde auch die Blu-ray zu I SPIT ON YOU GRAVE 3 in einen stabilen Schuber gesteckt, der selbstverständlich nur bei der Erstauflage mit an Bord ist. Sammler sollten sich demnach beeilen, denn lange wird es diese Auflage aufgrund der hohen Nachfrage dieser Filmreihe nicht geben. Bleibt noch zu erwähnen, dass Bild und Ton tadellos sind. Leider mangelt es der Veröffentlichung an Bonusmaterial. Bis auf einige Interviews sucht man nach Extras vergebens. Schade. Dennoch dürfte das Fans der Reihe nicht stören. Denen dürfte es weitaus wichtiger sein, den Film ungeschnitten ihr Eigen zu nennen.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray – geschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Veröffentlichung: 07.03.2016

 
 
 

I Spit On Your Grave 3 – Mein ist die Rache [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Savaged (2013)

Bait (2014)

Bound to Vengeance (2015)

Evangeline (2013)

Girls against Boys (2012)

Big Driver (2014)

Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)

I Spit on your Grave 2(2013)

Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

Extremities (1986)

Straw Dogs (2011)

Eden Lake (2008)

Filmreview: „Sushi Girl“ (2012)

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Sushi Girl

Story

 
 
 
Sechs Jahre nach ihrem schiefgelaufenen Diamanten-Coup stoßen 5 Kriminelle erneut aufeinander, um über den Verbleib der Beute zu diskutieren. Fish, der damals die gesamte Schuld auf sich nahm und eine Haftstrafe abbüßen musste, wird zusammen mit den übrigen Komplizen in ein baufälliges asiatisches Restaurant geladen, wo er die übrigen Mittäter bei einem ausufernden Sushi-Festschmaus über den Verbleib der Diamanten unterrichten soll. Doch leider scheint Fish nicht wirklich zu wissen, wo sich die kostbare Beute befindet. Ganz zum Leidwesen der restlichen Anwesenden, denn die scheinen über Fish´s (gespielte?) Unwissenheit so rein gar nicht erfreut zu sein. Kurzum fesseln sie den ahnungslosen Burschen auf einen Stuhl und beginnen ihn aufs Ungnädigste zu foltern, in der Hoffnung doch noch irgendwelche verwertbaren Informationen über den Aufenhaltsort der kostbaren Steine ergattern zu können…
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Kritik

 
 
 
Oftmals kann es von Vorteil sein, die eigene Erwartungshaltung an einen Film gänzlich herabzustufen, um letztendlich nur bedingt enttäuscht zu werden. Hin und wieder kann es jedoch auch passieren, dass man als Zuschauer schier überrascht ist, wie gut ein Film unterhalten kann, von dem man zuvor nichts wirklich Produktives erwartet hat. Auch der vorliegende „Sushi Girl“ macht da keine Ausnahme und dürfte dem bewanderten Filmfreund vor der eigentlichen Sichtung ein nur müdes Lächeln entlocken können. Das mag vor allem daran liegen, dass die zugrunde liegende Rachestory einmal mehr fachgerecht recycelt wurde und eine unweigerliche Ähnlichkeit zu dem 1992 entstandenen „Reservoir Dogs“ besitzt. Der enthusiastische Tarantino-Fan dürfte hierbei vermutlich wütend auf die Barrikaden klettern und zu Recht einmal mehr bekräftigen, wie ideen- und respektlos heutige Filmemacher geworden sind, dass sie bereits unbedeutende Plagiate hochgelobter Kultstreifen für den Heimkinomarkt produzieren müssen. So wirklich unbegründet scheint die Anklage letztendlich nicht, denn „Sushi Girl“ liest sich nicht nur wie ein „Reservoir Dogs„, sondern schaut zudem auch noch haargenau wie einer aus. Das beginnt bei der fast haargenauen Thematik die dem Film zugrunde liegt, geht in eine ebenso überaus schräge Charakterskizzierung über und endet mit den gleichen ultra-coolen Wortspielereien, die seit jeher das Schaffen Tarantinos prägen. Dennoch sollte man vermutlich nicht so hart mit „Sushi Girl“ ins Gericht gehen, letztendlich handelt es sich bei diesem Genre-Beitrag um den Einstieg eines noch unbekannten Nachwuchsfilmerlings in das internationale Filmgeschäft.
 
Auch wenn die Tatsache so ziemlich groteske Züge erhält und sich Regie-Neuling „Kern Saxton“ für sein Debüt-Werk etwas zu unverfroren am kultigen Erstlingswerk Tarantinos vergangen hat, so lässt sich dennoch nicht leugnen, dass „Sushi Girl“ durchaus seine Momente besitzt und eigentlich gar nicht so übel ist, wie anfänglich vermutet. Vor allem der grotesk zynische Unterton, der die Gegebenheiten begleitet, sowie die wenigen Protagonisten, die an Skurrilität kaum zu übertreffen sind, heben „Sushi Girl“ deutlich über den Durchschnitt und bereichern den Film ungemein.
 
Dabei dürfte es vor allem Fans der Horror-Legende „Tony Todd“ einmal mehr erfreuen, dass es der ehemalige „Candyman„-Darsteller auch Jahre nach seinem kultigen Auftritt als messerschwingender Killerdämon immer wieder schafft, die von ihm gespielten Filmrollen mit seinem ganz individuellen Feinschliff zu bereichern. Egal in welchem Film „Todd“ bisher aufgetreten ist, seine geheimnisvolle und unheimliche Aura bleibt im Gedächtnis haften, sodass es eine Wonne ist, dem Schauspieler auch bei seinem superben Agieren im vorliegenden „Sushi Girl“ beiwohnen zu dürfen. Doch nicht nur „Todd“ scheint der eigentliche Glanzpunkt dieses Filmes zu sein, auch der Rest der geladenen Gäste ist wahrlich nicht Ohne, wobei hierbei die Leistungen von „Mark Hamill“ und „Andy Mackenzie“ nicht unbeachtet bleiben sollten. Ihr widerliches Handeln als „dynamisches Folterduo“ scheint sich des öfteren bezahlt zu machen und verhindert, dass „Sushi Girl“ nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Da sich das Kammerspiel teilweise in zu langatmigen Wort-Duellen verliert, lenken einige Folter-Spielchen die Aufmerksamkeit des Zuschauers zurück auf die Gegebenheiten des Films. Hierbei wird das grafische Foltern des Mitkomplizen „Fish“ (Noah Hathaway) mit einigen merklich unangenehmen FX aufbereitet, sodass zumindest Gorehound ihre helle Freude mit diesem gewalttätigen und stylisch durchfotografierter Gangsterthriller haben dürften. Als Filmfreund fragt man sich aufgrund derart Zeigefreudigkeit, wie es „Sushi Girl“ letztendlich eigentlich geschafft hat, ungeschnitten die FSK passieren zu dürfen, denn wirklich zimperlich geht es hier nicht gerade vonstatten. Da werden Zähne gezogen und Nägel in Kniescheiben geschlagen, nur um am Ende die Erkenntnis zu erlangen, dass die selbstzweckhaften Gewaltexzesse gegenüber dem leidenden „Fish“ vollkommen überflüssig gewesen sind, da sich die übrigen Fieslinge mit einer gänzlich andere Bedrohung konfrontiert sehen. Immerhin wartet der Film mit einem überraschenden Storytwist auf, der die Gegebenheiten in vollkommen absurde Sphären verfrachtet. Auch wenn das überraschende Ende ein wenig sehr kontruiert wirkt, so macht es den Film dadurch keineswegs schlechter. Zudem wird der Zuschauer in den letzen Filmminuten über den zugrundeliegenden Titel aufgeklärt, der bis kurz vor Abschluss scheinbar keinen wirklichen Sinn machen will.
 
Sushi Girl“ ist weder Fleisch noch Fisch, aber dennoch kein wirklich schlechter Vertreter seine Gattung. Zwar sind hier unverkennbare Parallelen zu Tarantinos Erstwerk „Reservoir Dogs“ (1992) zu erkennen, dennoch gilt auch hier die Devise: lieber gut geklaut, als schlecht selbst erdacht. Das größte Manko des Films ist jedoch, dass er augenscheinlich etwas zu „cool“ sein möchte, was sich durch die teilweise etwas unbeholfenen Wortspielereien bemerkbar macht. Hier eifert Regisseur und Autor „Kern Saxton“ etwas zu versteift seinem großen Vorbild hinterher, sodass sich sein Erstlingswerk in arg langatmigen und unwichtigen Dialoggefechten verfängt. Dennoch wissen einige grafisch ansprechende Folterszenen dieses Manko wieder wett zu machen und die Handlung voran zu treiben. Das eigentliche Opfer „Fish“ wird hierbei mit allerhand „Werkzeug“ genüsslich über den Jordan gemeuchelt, was „Sushi Girl“ durchaus für Splatter-Horrorfans interessant machen dürfte. Leider schafft es „Saxton“ hier dennoch nicht ein Mitfiebern zu bewirken, denn der eigentliche Sympathieträger bietet kaum Identifikationsmöglichkeiten. Sein leidliches Schicksal wird zwar zu Beginn grob durchleuchtet, verliert aber im Verlauf der Geschichte an Interesse, sodass vermutlich die Rolle des „Fish“ allein nur deshalb in die Handlung gestreut wurde, um die Gore-Fraktion unter den Filmfans befriedigen zu können, zumal die sinnfreien Gewalteskapaden letztendlich ins Nichts verlaufen und ziemlich selbstzweckhaft wirken. Auch wenn der vorliegende Thriller wahrlich nicht perfekt ist, will man mal als interessierter und offener Cineast nicht meckern. Die Geschichte wird (wie bereits seine kongeniale „Vorlage“) in geschickten Rückblenden erzählt, die am Ende, trotz des etwas aufdringlich wirkenden Überraschungs-Plots, durchaus Sinn ergeben. Einige witzige Miniauftritte bekannter B-Akteuren lockern „Sushi Girl“ zudem erheblich auf und dürften vor allem alteingesessene Filmfreunde einmal mehr verschwitzt grinsen lassen. Insofern man die eigenen Erwartungshaltung herabsenkt, erlebt man als Zuschauer knapp 98 Minuten kurzweilige und glatt-polierte Indie-Unterhaltung, die sich wohlwollend von der Masse an aktueller Horror- und Thriller-Ware abzuheben weiß.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gewerkelt – Kleines, äußerst brutales Kammerspiel mit ziemlich skurrilen Charakteren, das ein wenig arg an Werke „Quentin Tarantinos“ erinnert.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist mit der „Keine Jugendfreigabe„-Kennzeichnung vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Sushi Girl Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sushi Girl; USA 2012

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 2.35:1

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Leider nur der Trailer zum Film und zu kommenden Highlight aus dem Hause „Ascote Elite“

 
 
 
Rein qualitativ kann man auch bei der vorliegenden deutschen Blu-ray nicht meckern, insofern man einzig auf die Qualität des Hauptfilms Wert legt. Denn dieser kommt mit ziemlich ansprechenden Bild und anständigen Ton daher. Wirkliche Mängel sind hier nicht zu erkennen. Die Schärfe und der HD-Effekt ist stets präsent und die hier abgelieferte Qualität beweist einmal mehr, dass auch ein kleiner Indie-Film mit überraschend gutem Bild punkten kann. Tontechnisch sollte man keine Glanzleistungen erwarten. Da der Film vorwiegend von seinen Gewalteskapaden und Wortfloskeln lebt und demnach sehr dialoglastig daherkommt, haben die hinteren Boxen nur bedingt zu werkeln. Leider haben es, bis auf den deutschen sowie den internationalen Trailer, keine weiteren Bonusmaterialien auf die Disc geschafft, was wirklich bedauerlich ist, zumal es sich bei „Sushi Girl“ um einen interessanten Titel handelt, der mit einigen Cameos beliebter B-Moviehelden aufwarten kann. Diese hätten vermutlich so einiges zu berichten gehabt. Selbst einen Audiokommentar des Regisseurs sucht man hier vergebens! Schade! Das Filmpaket wird, wie üblich, mit einigen hauseigenen Heimkino-Trailern bereichert – das war´s dann leider auch schon.
 
 

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Sushi Girl – Trailer

 
 
 


 
 

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