Filmkritik: „Even Lambs Have Teeth“ (2015)

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EVEN LAMBS HAVE TEETH

Story

 
 
 

Zwei Freundinnen – die eine zurückhaltend, die andere rebellisch (KIRSTEN PROUT & TIERA SKOVBYE) – wollen sich auf einem Bauernhof etwas dazuverdienen, geraten aber in die Fänge gewissenloser Kleinstädter, die mit den Mädchen andere Pläne haben.

 
 
 


 
 
 

EVEN LAMBS HAVE TEETH – Kritik

 
 
 
Darf’s denn was mit Rache sein? Seit Anbeginn des Kinos sind Filme nicht mehr von der Leinwand wegzudenken, in denen Frauen vergewaltigt oder gefoltert werden. Dass sie sich anschließend kalt an ihren Peinigern rächen, kam später hinzu. Rape-and-Revenge-Movies schimpft sich jenes Subgenre, das mit Ingmar Bergmans DIE JUNGFERNQUELLE quasi Geburt feierte und während der 1970er/1980er mit rohen Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE oder LAST HOUSE ON THE LEFT Hochkonjunktur erlebte. Seit einigen Jahren feiert diese Art des Schmuddelkinos eine kleine Renaissance. Im Gegensatz zu damals legen die Rachestreifen von Heute noch eine Schippe drauf. Mehr Brutalität und möglichst lang zelebrierte Szenen, in den Frauen vergewaltigt oder gedemütigt werden, sind mittlerweile Pflicht. Eine fragwürdige Entwicklung, die auch die Zensurbehörden nicht kalt lässt. Wie bereits zur Blütezeit der Exploitationfilme haben es auch heute viele dieser Streifen nicht leicht und werden in vielen Fällen nur in geschnittener Form veröffentlicht. Zuletzt geschehen mit I SPIT ON YOUR GRAVE 2. Die Fortsetzung der Neuverfilmung wurde hierzulande (nicht unbegründet) um 16 Minuten erleichtert. Doch Fans stört das offenbar nicht, denn die meisten dieser Film gibt’s komplett im deutschsprachigen Ausland – wenn auch zu nicht immer moderaten Preisen zu kaufen. Ein Hoch auf die österreichischen Nachbarn!
 
 
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Selbstjustiz als Mittel zum Selbstzweck ist auch in folgendem Rachestreifen Programm, bei dem bereits der doppeldeutige Titel Vermutungen aufkommen lässt, was dem Zuschauer in diesen Film geboten wird. EVEN LAMBS HAVE TEETH nennt sich der blutige Thriller aus der Feder von TERRY MILES, der es sich nicht nehmen lassen hat auch gleich noch auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Kopiert hat der fleißig, denn sein Rachefilm scheint nicht unwesentlich vom anfänglich erwähnten I SPIT ON YOU GRAVE 2 inspiriert – auch wenn dessen Härtegrad nicht annähernd erreicht werden kann. Dafür gibt’s reichlich schwarzen Humor, der mit fortschreitender Laufzeit immer präsenter wird und im Rachepart zu Höchstform auffährt. Doch kann die Kombination aus ernst und zynisch bei so kontroverser Thematik überhaupt richtig funktionieren? EVEN LAMBS HAVE TEETH rückt zwei beste Freundinnen in den Mittelpunkt, die sich zu einem Bio-Bauernhof aufmachen, um dort in vier Wochen etwas Geld zu verdienen, das sie dann bei einem Shopping-Trip in New York City ausgeben wollen. Doch der Onkel von Kathie ist skeptisch, hat der als FBI-Detektiv doch schon einige schlimme Dinge gesehen, die reisenden jungen Frauen widerfahren sind. Ganz unbegründet ist die Sorge leider nicht. Kaum aus dem Haus, geraten die Mädchen an zwei attraktive Jungs, die ihre Pläne haben. Sie entführen ihre ahnungslosen Opfer und sperren die High-School-Schönheiten in zwei Baucontainer, wo sich das halbe Dorf kostenpflichtig an ihnen vergehen darf. Doch bald reicht es den Opfern. Sie können entkommen, fahren zum nächsten Baumarkt und decken sich mit spitzem Werkzeug ein. Was folgt kann man sich ausmalen. Vergeltung steht auf dem Plan – und die geht nicht gerade zimperlich über die Bühne.
 
 
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Erst unerbittlich winseln, dann kreativ töten. Nichts Neues an der Rache-Front. Was sich hier liest wie Rape-and-Revenge in Reinform, ist unterm Strich mehr Revenge statt Rape. Löblicherweise blendet Regisseur TERRY MILES nämlich weg, wenn es den grünschnäbeligen Heldinnen an den Kragen geht, hält dafür aber umso detaillierter drauf, wenn die bösen Jungs für ihre Untaten zahlen müssen. EVEN LAMBS HAVE TEETH ist ein weiterer, nicht unbedingt besserer Vertreter seiner Gattung, der ernst beginnt und anschließend ins Rache-Absurdum getrieben wird. Spätestens hier unterscheidet sich der Film von den üblichen Verdächtigen, denn die Rachegelüste zwei gedemütigter High-School-Schülerinnen erhalten nahezu groteske Ausmaße. Da werden Heimwerkergegenstände und Gartengeräte zweckentfremdet und zum Mordwerkzeug umfunktioniert, die sich irgendwie und möglichst blutig in menschliche Körper bohren. Als wäre das nicht schon absurd genug, entwickeln die Gepeinigten im Verlauf ihres Martyriums sonderbaren Zynismus. So wird mit trockenen Sprüchen gemordet, die Meuchelmörder FREDDY KRUEGER Konkurrenz machen könnten. Ein comichafter Unterton lässt sich da nicht von der Hand weisen. Dennoch; auch wenn EVEN LAMBS HAVE TEETH an Sarkasmus nicht geizt, handelt es sich hier nicht unbedingt um den hellsten Film dieser Art. Was passiert orientiert sich am Horror-Standard und verrennt sich in Klischees. Somit wird Mitfiebern unterbunden, gerade auch deshalb, weil die Protagonisten unnahbar bleiben. Hier wäre es wohl besser gewesen, wenn sich TERRY MILES wohl mehr um das emotionale Ungleichgewicht seiner Heldinnen gekümmert hätte, anstatt die Geschehnisse im Blut zu ersäufen. Die Figuren bleiben nämlich blass, handeln nach den ihnen vordiktierten Regeln und verhalten sich alles andere als klug. Weil man von solchen Filmen mittlerweile so viele gesehen hat, dürfte man trotz zusätzlicher Humor-Zutat auch mit EVEN LAMBS HAVE TEETH keinen Blumentopf mehr gewinnen können. Man darf aber davon ausgehen, dass bald ein weiterer, ähnlich gestrickter Kandidat die Runde machen wird. Solange sich mit immer wieder gleichen Geschichten genug Zaster verdienen lässt, wird es wohl auch keine Neuerungen in einem Subgenre geben, das menschliche Abgründe zum Thema macht. Was für ein Teufelskreislauf.
 
 
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EVEN LAMBS HAVE TEETH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horrorversion von THELMA & LOUISE. Wenn Frauen sich rächen, freut’s den Zuschauer. EVEN LAMBS HAVE TEETH steht brutalen Rachefilmen wie I SPIT ON YOUR GRAVE (das Remake!) und BOUND TO VENGEANCE in nichts nacht. Auch hier wird recht grafisch das Auslöschen skrupelloser Männer zelebriert – Regisseur und Drehbuchautor TERRY MILES würzt diesmal jedoch mit schwarzhumoriger Note nach. Eine nette Dreingabe, die den Film nicht unbedingt besser macht. Das Problem: dem Film mangelt es an guten Ideen. Das einzig Kreative ist das abwechslungsreiche Töten der Bösewichte. Wem das an Neuerungen reicht, wird sicher gut unterhalten. Wer jedoch gern mal über den Tellerrand schaut und so ziemlich jeden Rape-and-Revenge-Schocker der letzten Jahrzehnte gesehen hat, wird sich reichlich unterfordert fühlen. Warum? EVEN LAMBS HAVE TEETH verläuft nach üblichem Schema und wagt nicht vom Weg abzukommen. Das macht ihn leider vollkommen austauschbar. Netter Zeitvertreib – mehr aber nicht.
 
 
 


 
 
 

EVEN LAMBS HAVE TEETH – Zensur

 
 
 
Eigentlich ist EVEN LAMBS HAVE TEETH einer dieser Filme bei denen die FSK üblicherweise die Freigabe in ungeschnittener Form verweigert. Obwohl der Film rabenschwarz ist geht es den männlichen Filmkollegen am Ende doch recht krude an den Kragen. So wird ein mit Stacheldraht umwickelter Baseball in den Anus einer der Protagonisten eingeführt und Tennisbälle mit Nägeln versehen, die dann den Bösewichten entgegengeworfen werden. Zudem bekommt ein Übeltäter eine Gesichtspolitur mit dem Rasentrimmer. Alles recht deftig anzusehen. Weil auch noch Selbstjustiz eine Rolle spielt, war eine ungeschnittene Freigabe anfangs undenkbar. Überraschenderweise hat die FSK den Film dann doch in der unzensierten Fassung durchgewunken. Der Film steht mit rotem FSK-Flatschen im Händlerregal.
 
 
 


 
 
 

EVEN LAMBS HAVE TEETH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (Mediabook mit Blu-ray & DVD auf 3000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Even Lambs Have Teeth; Frankreich | Kanada 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook auf 3000 Stück limitiert

Extras: Trailer, Kurzfilm | zusätzlich im Mediabook: Poster und umfangreiches 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 18.11.2016

 

Even Lambs Have Teeth [Limitiertes Mediabook mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Even Lambs Have Teeth [Blu-ray im Keepcase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

EVEN LAMBS HAVE TEETH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken, Packshot & Abbildungen: PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
I Spit on your Grave 2 (2013)
 
I Spit on your Grave 3 (2015)
 
Savaged (2013)
 
Evangeline (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)
 
Hidden in the Woods (2012)
 
Hidden in the Woods (2014)
 
Girls against Boys (2012)
 

Kritik: „Evangeline – Rache ist stärker als der Tod“ (2013)

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EVANGELINE – RACHE IST STÄRKER ALS DER TOD

Story

 
 
 
Die fromme Evangeline erlebt das erste Jahr am College. Leider verläuft das nicht wie erwartet, denn die Studentin gerät mit der Bestie Mensch in Kontakt und durchlebt eine unerwartete Metamorphose.
 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Kritik

 
 
 
Spätestens seit den auf Hochglanz getrimmten Rape-and-Revenge-Remakes zu in Deutschland beschlagnahmten Klassikern wie I SPIT ON YOUR GRAVE und LAST HOUSE ON THE LEFT hat verrohende Gewalt gegenüber unschuldigen Frauen im Mainstream-Kino Einzug gehalten. Beide Filme erhielten viel Lob und legten die Messlatte in puncto Sadismus weit nach oben. Dass sich im Zuge der aktuellen Rachewelle auch die Macher kleinerer Produktionen am finanziell lukrativen Trend orientieren würden war abzusehen. Mit harten Revenge-Streifen wie RUN! BITCH RUN!, CHAOS oder IF A TREE FALLS wurde die Reihe grausamer Quälfilme im Indie-Bereich fortgesetzt, schließlich lässt sich mit Exploitation nach wie vor immer noch genügend Zaster verdienen, um diese Filme rechtfertigen zu können. Ein weiterer im Bunde jener kontroversen Filmgattung ist EVANGELINE. Auch hier sieht eine Frau rot und fordert Vergeltung um jeden Preis. Der unabhängige Rache-Horror aus dem weit entfernten Kanada wurde bereits im Jahr 2013 von Filmfest zu Filmfest gereicht, kam aber erst zwei Jahre später in die Gunst einer internationalen Heimkinoauswertung. Meist sind verspätete Veröffentlichungen kein gutes Omen, deuten die nicht selten auf minderwertiges Filmvergnügen hin, das dem Publikum einfältig Zeit und Geld rauben möchten. Im Fall von EVANGELINE kann jedoch Entwarnung gegeben werden, denn trotz Low-Budet-Status gehört der Rachefilm zu den besseren Machwerken seiner Art – auch wenn in diesem Streifen der menschenverachtenden Zurschaustellung perverser Quälmethoden nur wenig Beachtung geschenkt wird.
 
 
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Der erste Tag am College. Für Evangeline (KAT DE LEIVA) ein neuer Lebensabschnitt an den sie sich erst einmal gewöhnen muss. Auf einer Verbindungsparty lernt sie den attraktiven Michael (RICHARD HARMON) kennen – eine schicksalhafte Begegnung wie sich bald herausstellen wird. Der Mädchenschwarm lädt die unerfahrene Studentin in das väterliche Jagdhaus ein, heuchelt Interesse vor und mixt der ahnungslosen Evangeline Drogen in den Begrüßungsdrink. Als sie wieder zu sich kommt, wird sie von ihrem Peiniger durch den Wald gehetzt und zu Tode geprügelt. Drei Obdachlose finden den leblosen Körper und bringen das Mädchen wieder zu Kräften. Doch auch hier ist die Traumatisierte nicht sicher. Als sie flüchtet und in die Hände eines Serienkillers läuft, gerät Evangeline außer Kontrolle.
 
 
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Regisseurin KAREN LAM macht in ihrem EVANGELINE die dunkle Seite des Menschen zu Thema, die sowohl in Täter wie Opfer schlummert. In drei verschiedenen Handlungssträngen kommt die fromme Titelheldin mit der Bestie Mensch in Berührung und wird nach allen Regeln des Exploitationkinos vergewaltigt, verprügelt und gedemütigt. Das passiert meist im Off, fühlt sich aber dennoch unbequem an, weil man einerseits um morbide Atmosphäre bemüht gewesen ist. Andererseits gehört die Figur der Evangeline – Dank der glaubhaften Schauspiels von KAT DE LEIVA – zu einer dieser fragilen Charaktere, denen man solche Erlebnisse als Letztes wünschen würde. Natürlich wirkt das Gezeigte reichlich konstruiert, schließlich kann es nicht als Zufall gewertet werden, dass die Hauptdarstellerin im Film gleich dreimal nacheinander dem Sensenmann begegnet. Vielmehr war Regisseurin KAREN LAM um einen möglichst schrecklichen Untergang ihrer Heldin bestrebt, die nach drei traumatisierenden Überfällen in einer Art innerlichem Fegefeuer gefangen ist und letztendlich als Rachegeist wiedergeboren wird – der ähnlich gestrickte SAVAGED aus gleichem Jahr lässt grüßen.
 
 
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In einem Interview erklärte die Filmmacherin, dass sie in ihren Filmen bevorzugt das Monster in uns erkundet und stets versucht Gewalt zwischen den Geschlechtern zu analysieren. Ihre Leidenschaft zum psychologischen Horror fand sie bereits in Kindstagen. Lams Vater war großer Kung-Fu-Fan und liebte die kontroversen Charles Bronson-Filmen, die in den 80ern so ihre Probleme mit deutschen Zensurbehörden bekamen, weil darin Selbstjustiz nicht immer zimperlich praktiziert wurde. Die Leidenschaft zum Rachefilm übertrug sich auch auf die Tochter, die in ihren Werken stets versucht weibliche Gewalt und ihre Indikatoren zu erforschen. Im Horrorfilm EVANGELINE wird die Psychoanalyse natürlich auf die Spitze getrieben, denn als großer Fan asiatischer Horrorfilme bereichert LAM ihren sehenswerten Indie um fernöstliche Geistermythologie und lässt ihre Titelheldin von den Toten auferstehen. So bezieht sie sich auf japanische Folklore die besagt, dass ein Verstorbener in der Welt der Lebenden als rachsüchtiger Geist fortbestehen muss, wenn ihm keine standesgemäße Beerdigung zuteil wurde.
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die weibliche Version von THE CROW. Ein ungemütlicher und erbarmungsloser Rache-Thriller mit Elementen fernöstlicher Folklore, der sich trotz der Zurschaustellung von Selbstjustiz auch mit der Psyche des Opfers beschäftigt. Wer mit Filmen wie I SPIT ON YOUR GRAVE 2 oder LAST HOUSE ON THE LEFT etwas anfangen kann, wird wohlmöglich auch von EVANGELINE nicht enttäuscht werden, auch wenn der Gewalt- und Härtegrad deutlich herabgedreht wurde, um auch zartbesaitete Horrorfans ansprechen zu können. Wie bereits im Rape-and-Revenge-Streifen SAVAGED geht es in dieser Indie-Produktion übernatürlich zu. Regisseurin KAREN LAM lässt ein Mädchen von den Toten auferstehen, das als Rachegeist zurückkommt, um sich an „bösen Jungs“ zu rächen. Das wird in EVANGELNE weitestgehend psychologisch gehandhabt, denn LAM ist kein Freund perverser Schlachthausfilme. Durch ungelöste Mordfälle an Frauen in British Columbia inspiriert, erforscht sie in ihrem übernatürlichen Rachestreifen das Monster im Menschen und die Gewalt zwischen den Geschlechtern. Überraschenderweise funktioniert das Experiment. EVANGELINE ist trotz Low-Budget-Status unangenehm bedrückend und als durchweg gelungen zu betiteln. Regisseurin KAREN LAM hat hier einen sehenswerten Film gedreht, der mal wieder aufzeigt, dass man nicht viel Geld benötigt, um das Horror-Publikum zu unterhalten. Wer daher eine Leidenschaft für Filme hat, in denen Frauen erst durch die Hölle gehen, um anschließend rot zu sehen, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Zensur

 
 
 
Auch wenn EVANGELINE ein Rachefilm ist, in dem eine Frau durch die Hölle geht, bleiben die harten Momente aus. Die meisten Grausamkeiten sind psychischer Natur und werden entweder angedeutet oder passieren im Off. Weil hier dennoch Selbstjustiz vollzogen wird und die deutsche FSK damit keinen Spaß versteht, wurde EVANGELINE hierzulande erst ab 18 Jahren freigegeben: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies / daredo (Soulfood Entertainment)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Evangeline; Kanada 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 13.11.2015

 

Evangeline – Rache ist stärker als der Tod (uncut Version) [Blu-ray]

 
 
 


 
 
 

EVANGELINE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Big Driver (2014)
 
Autumn Blood (2013)
 
Hidden in the Woods (2012)
 
Savaged (2013)
 
Black Rock (2012)
 
Girls against Boys (2012)
 
Die Fremde in Dir (2007)
 
Death Wish (1974)

Filmkritik: „Hidden in the Woods“ (2012)

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HIDDEN IN THE WOODS

(EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD)

Story

 
 
 
Nach dem Mord an ihrer Mutter gehen zwei Schwestern durch die Hölle. Die Hölle der Erniedrigung, Misshandlung, Vergewaltigung durch den eigenen Vater. Als das Familienoberhaupt schließlich im Gefängnis landet, nutzen die Mädchen die Gunst der Stunde und flüchten in die Freiheit …
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
„Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien“ … ein treffender Untertitel, der das Heimkino-Cover des vorliegenden Schmuddelfilms mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS sichtlich aufgewertet hätte. Auch in Chile ist man auf den Geschmack von grausamen Rape’n Revenge-Thrillern gekommen – jenes Sub-Genre, das es zumindest hier in Deutschland bei der FSK nicht gerade leicht hat. Betrachtet man die Entwicklung dieser Filmgattung in den letzten Jahren genauer, ist das aber auch kein Wunder. Mittlerweile ist es unter den Regisseuren dieser Streifen zum Sport geworden, sich in punkto Grausamkeit übertreffen zu wollen. Dabei kennt die Kreativität der Drehbuchautoren keine Grenzen, die sich immer kränkere Methoden einfallen lassen, um ihre meist weiblichen Heldinnen noch menschenverachtender zu quälen und zu demütigen. Der zweifelhafte Höhepunkt jener Art von Filmen wurde bereits im Jahr 2013 erreicht, als sich STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein Denkmal in Sachen Frauengewalt setzte und einen Rachestreifen inszenierte, der alle bis dato gedrehten Rape’n Revenge-Arbeiten in den Schatten stellte. Hierzulande verstand man mit der überflüssigen Gewaltorgie keinen Spaß – I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erlitt das gleiche Schicksal, wie manch ähnlicher Film zuvor: Er wurde eingezogen und auf den Index gesetzt. Der chilenische Filmemacher PATRICIO VALLADARES führt mit seinem HIDDEN IN THE WOODS die traurige Saga sinnloser Gewalt gegen wehrlose Frauen fort und tut es dem Spanier ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO gleich. Letzterer brachte Jahre vor seinem gelobten HERE COMES THE DEVIL einen ebenso schmuddeligen Gewalt-Mix in die Wohnzimmer, der es unter dem Titel I’LL NEVER DIE ALONE (wenn auch in zerschnippelter Form) sogar in deutsche Händlerregal brachte.
 
Von der Machart her ist HIDDEN IN THE WOODS besagtem I’LL NEVER DIE ALONE nicht unähnlich, denn auch in diesem trivialen Machwerk bekommt der Zuschauer alle Checkpunkte gängiger Exploitation-Kunst aufgetischt, ohne die Stoffe wie die berüchtigte I SPIT ON YOUR GRAVE-Reihe wohl niemals den Erfolg gehabt hätten, den sie heute unter Horror-Jüngern genießen. Unter der brennenden Sonne Südamerikas müssen hier abermals Frauen ums nackte Überleben kämpfen, die von ihren männlichen Filmkollegen auf Niederträchtigste durch die Filmhölle gejagt werden. Jahrzehnte der Emanzipation verlieren binnen weniger Minuten an Bedeutung, schließlich scheint die Nachfrage nach Filmen immer größer zu werden, in denen Frauen wie Vieh behandelt werden. Wie zu den Anfängen von Exploitation im Kino nutzt auch HIDDEN IN THE WOODS-Macher PATRICIO VALLADARES reißerische Themen, um sie dem Zuschauer in Kombination mit möglichst sadistischer Gewalt und kontroversen Sexszenen zu verkaufen. So finden neben grässlichen Vergewaltigungsszenen, eigentlich sensibel zu behandelnde Themen wie Kindesmissbrauch, Inzest und Kannibalismus Verwendung, die jedoch nur selten ernsthaft beleuchtet werden. Stattdessen bilden sie die Grundlage fragwürdigen Treibens, das ohnehin nur darauf hinausläuft, möglichst viel Leid und Lebenssaft auf der Mattscheibe zeigen zu können.
 
In HIDDEN IN THE WOODS begleitet der Zuschauer Ana und Anny – zwei traumatisierte Frauen, die allein mit ihrem Vater irgendwo in den Wäldern Chiles leben und unter dem täglichen Terror des Familienoberhauptes zu leiden haben. Der bunkert auf seinem Grundstück nämlich nicht nur Drogen des heimtückischen Drogenbarons „Onkel Costello“, sondern vergeht sich nach dem Mord an der eigenen Frau hin und wieder an seinen beiden Schützlingen. Als die älteste Tochter Ana nach jahrelanger Inzucht schwanger wird, sperrt der Vater den Säugling in eine dunkle Kammer und beginnt ihn mit rohem Fleisch zu füttern. Jahre später tauchen zwei Polizeibeamte auf, die durch Zufall auf das missgestaltete Kind Manuel stoßen. Bevor sie jedoch das gesetzeswidrige Treiben unterbinden können, greift der Vater zur Kettensäge und macht mit den Polizisten kurzen Prozess. Die kaltblütige Tat hat schwerwiegende Konsequenzen, denn wenig später wartet das Gefängnis auf das hinterlistige Familienmitglied. Für die Mädchen die einzige Möglichkeit endlich der Terrorherrschaft des Vaters entkommen zu können. Leider ist die Welt nicht von Gefahren gefreit. Bald schon nimmt Drogenboss „Onkel Costello“ die Witterung der flüchtenden Töchter auf, schließlich fordert der die versteckten Drogen von den Mädchen zurück, die jedoch keinen blassen Schimmer haben, wo sie der Vater versteckt hat.
 
Günstige 90000 Dollar hat die Schmuddel-Orgie gekostet, die dem Exploitation-Genre so alle Ehre macht. In HIDDEN IN THE WOODS wird geschlagen, geschossen, geschändet und sogar Menschenfleisch gefressen, damit die Sensationsgier des Zuschauers befriedigt werden kann. Die Kamera hält das konfuse und an den Haaren herbeigezogene Treiben in ungeschönt-dreckigen Bildern ein, um die Authentizität bewahren zu können. PATRICIO VALLADARES hat sich wie so oft im Horror-Bereich von Geschichten inspirieren lassen, die das Leben im südamerikanischen Hinterland nun mal so schreibt. Dementsprechend darf der Hinweis im Opening nicht fehlen, der dem Zuschauer vorheuchelt, dass das Gezeigte auf wahre Begebenheiten zurückzuführen sei. Ob dem wirklich so gewesen ist, dürfte einmal mehr stark bezweifelt werden, denn mittlerweile gehört der „Alles total wahr“-Slogan zum Horrorfilm, wie das Kruzifix in die Kirche, weil sich mit pseudo-realem Hintergrund eigentlich immer besser Kasse machen lässt. Bei so viel Liebe zur Exploitation stellt sich natürlich die Frage, ob es dem Film gelingt unter Hobby-Sadisten überhaupt Laune zu verbreiten. Im Gegensatz zum Heiligen Folter-Gral I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2013 ist das Geschehen trotz aller Liebe zur Frauenverachtung weit entfernt von den perversen Phantasien eines STEVEN R. MONROE. Das mag vor allem an der etwas hölzernen Darbietung von Opfer und Täter liegen, die teilweise so unglaubwürdig agieren, weil mal wieder unbekannte und maximal leidlich talentierte Jungdarsteller gecastet wurden, die dazu auch noch einem unausgereiften Drehbuch folgen. Zudem verliert der Streifen immer wieder an Tempo, weil VALLADARES auf Krampf darum bestrebt ist, den Protagonisten seiner hanebüchenen Geschichte eine gekünstelte Charakterentwicklung einräumen zu wollen. Immerhin zieht der Regisseur in Momenten der Langeweile die Reißleine. Immer wenn HIDDEN IN THE WOODS mit Längen zu kämpfen hat, greift VALLADARES auf Exploitation zurück und lässt sein Treiben in Gewalt und Blut ersaufen. Zur Freude des Horrorfans ist die Kamera immer nah am Geschehen, damit der für die langen Wartezeiten mit grafischen Grausamkeiten entschädigt werden kann.
 
Groteskerweise stieß die eher mittelmäßige Gewaltgurke bei den Amerikanern auf große Aufmerksamkeit. In solchen Fällen ist es meist unvermeidbar, dass dem Original eine glattgebügelte Neuverfilmung nachgeschoben wird. Schauspieler, Produzent und Regisseur MICHAEL BIEHN (THE VICTIM) zeichnet in diesem Fall verantwortlich und hat das Remake unter gleichem Namen produziert, für das PATRICIO VALLADARES gleich noch einmal auf dem Regiestuhl platz nehmen durfte. Ob er sich verbessern konnte bleibt abzuwarten. Der große Wurf ist ihm mit seinem Original HIDDEN IN THE WOODS leider nicht gelungen. Denn: Ein paar kontroverse Szenen und eine handvoll Matscheffekte machen aus einem unglaubwürdig zusammengewürfelten Plot noch lange keinen guten Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein grausamer Schocker, der stahlharte Nerven voraussetzt. Leider ist HIDDEN IN THE WOODS keine Sternstunde des schmuddeligen Exploitation-Kinos, das sich seit den 1960ern bis weit in die 80er hinein großer Beliebtheit erfreut hat und seit der Remake-Welle der letzten Jahren durch alles von RODRIGUEZ und TARANTINO bis hin zu Bodensatz wie I SPIT ON YOUR GRAVE wiederbelebt wurde. EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (so der Originaltitel) hat zwar alles zu bieten, was jene Art von Filmen so erfolgreich gemacht hat; Macher PATRICIO VALLADARES verliert aber zu oft die Geschichte und seine Heldinnen aus den Augen. Sie haben über weite Strecken schlichtweg nichts zu tun. Der Cocktail aus Inzuchtthematik, Kannibalismus, Gewalt und Sex ist teils arg wirr geraten und hat nicht selten mit ziemlichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, wenn sich VALLADARES auf nur ein Thema konzentriert hätte, statt seine Geschichte mit Kontroversem schlicht zu überfrachten. Immerhin findet er die Notbremse stets zur rechten Zeit. Immer dann, wenn es langweilig wird, gibt es Gewalt satt für alle Liebhaber frauenverachtender Filmware. Dass des Öfteren die Logik ausgeklammert wird, dürfte Fans jener Filme aber weniger stören. Die bekommen nämlich von der Vergewaltigung hin zu Motorsägen-Maniküre all das zu sehen, was in waschechtes Exploitation-Cinema nun einmal gehört: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Gerade weil HIDDEN IN THE WOODS den gängigen Exploitation-Regeln folgt und nicht zimperlich mit seinen Protagonisten zugange geht, hat der Streifen in Deutschland keine ungeschnittene Freigabe erhalten. Hier werden Frauen erniedrigt und misshandelt, Kannibalismus zelebriert und Körperteile vor der Kamera mittels Kettensäge abgetrennt. Demzufolge musste die Schere angesetzt werden, um die FSK besänftigen zu können. Die deutsche Fassung kann zwar erst von volljährigen Zuschauern erworben werden, ist aber geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; Chile 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes, Deleted Scenes

Release-Termin: 23.06.2015

 

Hidden in the Woods [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für diese Kritik verwendeten Grafiken liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on your Grave 2 (2013)

Savaged (2013)

Autumn Blood (2013)

The Mooring (2012)

If a Tree falls (2010)

Girls against Boys (2012)

Black Rock (2012)

Eden Lake (2008)

The Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

I’ll never die alone (2008)

Straw Dogs – Wer Gewalt sät (2011)