Filmkritik: „Mr. Long“ (2017)

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MR. LONG

(RYU SAN)

Story

 
 
 

Nach einem fehlgeschlagenem Anschlag flüchtet sich ein schwer verwundeter Auftragskiller in die verlassenen Ruinen einer japanischen Kleinstadt.

 
 
 


 
 
 

MR. LONG – Kritik

 
 
 
Filme von SABU werden gesehen, so lautet seit Jahren meine simple Devise. Denn auch wenn mich bisher erst ein Film des kultigen, japanischen Regisseurs wirklich durchgängig überzeugen konnte, – sein entschlacktes Langfilmdebüt „Dangan Runner“ nämlich – so hat er doch stets derart interessant konzipierte, ungewöhnlich erzählte, nächtliche, atmosphärische, szenenweise brilliant surreal-entrückte, tief schwarzhumorige Filme über ironische Antihelden, gebrochene Kleinkriminelle und melancholische Anzugträger gemacht, die Opfer ihrer Gesellschaft, Umstände, Familie und Entscheidungen werden, dass mich jeder Titel wieder aufs Neue magisch anzieht, in der großen Hoffnung auf das eine Magnum Opus, vollends zu begeistern. „Unlucky Monkey“ handelte dabei von einem schief gelaufenem Banküberfall und hatte großartige erste 15 Minuten, dann aber zunehmend langsamere und wirrer wirkende Szenen. „Drive“ verdient auch mehr Aufmerksamkeit und ist verdammt, dank Refn kaum entdeckt zu werden, doch hat er eine ganz eigene Atmosphäre für sich, die man kaum in anderen Werken findet und gerade „Postman Blues“ unterstreicht zwischen all der Lakonie nochmal die komödiantische Note verwirrender Verwicklungen und tragischer Unfälle, die das einzigartige Oeuvre dieses Regiemeisters so sehr auszeichnet.
 
 
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Nach Jahren des Fandoms nun also endlich das neueste Werk in den Händen zu halten war eine beinahe spirituelle Erfahrung und meine Freude ist groß, die Kunde teilen zu dürfen – „Mr. Long“ ist einer der schönsten, entdeckens- und sehenswertesten Filme der letzten Jahre und auch wenn sich viele Zuschauer an vielen Szenen stoßen werden, so dürfte der Rest vielleicht auch einen neuen Namen am japanischen Filmhorizont für sich entdeckt haben. Mit 129, bzw. ohne Abspann 124 Minuten Laufzeit nicht deutlich über den anderen Werken angesiedelt, unterscheidet sich der Film dabei anfangs gar nicht so sehr vom Rest seiner Filme, da uns wunderschöne, verträumte Einstellungen der nächtlichen, asiatischen Großstadt einleiten und mit Details die Umgebungseindrücke für den Zuschauer greifbar werden, bevor eine dröhnende, elegische Score zusammen mit den Bildern schon fast an „Only god forgives“ erinnert. Mitten in seinem Element scheint SABU dann direkt zu agieren, wenn eine Gruppe Kleinkrimineller über ein schief gelaufenes Begräbnis labert und lacht und man sich gemütlich zurücklehnt, um der regen Diskussion beizuwohnen. Aus dem Nichts kommt dann extrem realistische, schmerzend drastische, unwitzige Gewalt ohne Musik oder ironischen Bruch und auf einmal befinden wir uns in „Pusher“-Gefilden, um bei den Refn-Vergleichen zu bleiben, da auf eine ästhetische, aber spröde und unkommentierte Weise drastische Gewalt als Alltagsroutine inszeniert wird, die unser schnell eingeführter Auftragskiller regungslos hinnimmt. Nur dass dies hier mit der Dolce Vita-Ästhetik eines „Bittersweet Life“ oder „The Raid 2“ vermischt wird, nicht mit dreckigen Hinterhöfen.
 
 
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Ein treibender Elektro-Soundtrack, der klingt als hätte Jon Hopkins Philip Glass getroffen, leitet uns nach Tokyo in ein nächtliches Clubsetting, das ansprechend geschmackvoll erotisch, realistisch und stilsicher farbenfroh eingefangen wurde, bevor jazzige Trompeten kurz darauf eine intensive und spannende Hetzjagd im Feld untermalen und ich endgültig weggeblasen war von der Kreativität, Inszenierung, Professionalität und dem allgemeinen Genre, mit dem SABU hier agiert. Etwa eine halbe Stunde lang bietet „Mr. Long“ die exzellent hohe, gewohnte Produktionsqualität, Brutalität und Narrative, die man vom meist koreanischen Rachekino gewöhnt ist, bevor dann der break kommt, und die eigentliche Hauptstory startet. Denn auch Mr. Long ist ein Krimineller sowie Opfer seiner Umstände und SABU wäre nicht SABU, wenn er nicht viel interessierter an der Nebengeschichte und dem Crash verschiedener sozialer Gefüge wäre, denn an dem Spektakel. Und somit folgen nun volle Entschleunigung, Minimalismus, keine Action, kaum Dialoge, wenig Soundtrack bis auf einzelne Klaviernoten und ein schwer verwundeter Hauptcharakter, der durchs Kochen auf sich aufmerksam macht. Ja, ihr habt richtig gelesen, durchs Kochen – denn was im Mittel- und Hauptteil des Films dominiert, ist eine Stimmung, die das Internet wohl als „wholesome“ bezeichnen würde, gemütlich, empathisch, gar entspannt und so wunderbar witzig, teils gar albern, wie man es aus dem Frühwerk kennen kann. Nur haben wir hier keine Shakycam mehr, keine Handkamera in vermüllten Großstadtgassen oder kleinen Büroräumen, sondern großartig geplante und beleuchtete, hoch ästhetische Kamerafahrten und Einstellungen mit Cadrage zum Niederknien, visuellem Storytelling und liebenswerten Charakteren. Hauptdarsteller Chen Chang charakterisiert nonverbal und mit extrem minimalistischem Spiel eine Rolle, die in bluttriefenden Kämpfen sowie als genervter Koch überzeugt und nie zum Abziehbild gerät, der Kinderdarsteller ist tatsächlich auch nuanciert genug, nicht zur Trope zu verkommen.
 
 
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Im leichtfüßigen, rasend schnellem Tempo gleitet man durch diesen fantastisch menschlichen, lakonischen, leisen, witzigen, ästhetischen und simpel erzählten Film, bevor der Fokus sich gar auf eine Romanze legt und sehr natürliche, süße Flirtereien und Sprachverwirrungen vorkommen, deren Synchronisation für japanisch-mandarine Gespräche ich mir nicht vorstellen möchte. Keine Gangster, kein Mr. Long, keine Gewalt und doch befindet man sich auf einmal eine Stunde im Film und fragt sich, worauf genau es jetzt hinauslaufen soll oder wird. Viele Zuschauer werden sich, gerade nach dem furiosen Intro, sicherlich an dem bewussten Tempo des Films stoßen, an der Vermeidung von Konflikt im Mittelteil – doch genau mit diesen Kontrasten und Genres spielt SABU federleicht, nur um anschließend dann die wohl persönlichsten, drastischsten und unangenehmsten Szenen zu servieren, die ich bisher in seinen Filmen gesehen habe. Denn „Mr. Long“ hält sich nun absolut nicht zurück und geht in Sozialdramagefilde, die man in einer solchen Drastik vielleicht nicht erwartet hätte. Zweifelsohne bleibt es nuanciert, abwechslungsreich, emotional und punktuell nach wie vor witzig oder spannend, doch die Leichtigkeit geht dem Film absolut verloren und stattdessen sinkt man wie ein Stein im Wasser, zurück auf den Boden der Tatsachen.
 
 
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Eine großartige Tischtennisszene, die Farben mehrerer Kostüme und Settings sowie wiederholende Szenen zum Darstellen von Fortschritt in die ein oder andere Richtung lassen dem Ästheten in mir ein Herz aufgehen und zeigen auf, was für ein Ryan Gosling-ähnlicher Charakter „Mr. Long“ doch tatsächlich ist, doch selbst mir wurde es rund 30 Minuten vor Ende des Films etwas zu langsam, meditativ, stillstehend. Das Finale könnte konsequenter, unkonventioneller und mutiger sein, auch lässt SABU eine lange Zeit fast alle Möglichkeiten offen, doch der Weg dahin ist schockierend und effektiv wie vorher kaum eine Szene, gerade durch den gelungenen Cast. Als letzte Szene dann eine derart kitschig-peinliche, überzogene Farce zu liefern kann man auf mehrere Weise deuten, ich bin mir aber sicher dass hier nicht blind oder aus Versehen agiert wurde.
 
 


 
 
 

MR. LONG – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Mr. Long“ ist ein Triumph in Sachen Framing und visuellem Storytelling, ein geradliniger Film mit perfektem Bildfluss, ein mitreißend melodramatisches Werk mit leiser Komik, den mit besten ersten 20 Minuten, die ich so gesehen habe und einem originellen, spannendem Konzept. Ein paar Minuten weniger und ein anderes Ende oder Finale, ich würde von einem meiner absoluten Lieblinge reden, da SABU hier einen seiner reifsten und formvollendetsten Filme geschaffen hat, der eine vielschichtige Tonalität an einer simplen Prämisse aufbaut. Herzerwärmend, spannend, brutal, entspannt, harmlos, menschlich, wunderschön und absolut sehenswert.
 
 
 


 
 
 

MR. LONG – Zensur

 
 
 
Auf dem Cover des Digipacks von „Mr. Long“ prankt ein FSK16-Logo. Die enthaltene Fassung ist ungeschnitten. Fans asiatischer Filmware können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

MR. LONG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ryu san; Hong Kong | Japan | Taiwan 2017

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Japanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 128 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack im Schuber

Extras: Berlinale Pressekonferenz, Kinotrailer

Release-Termin: 20.12.2019

 

Mr. Long [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

MR. LONG – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Abbildungen stammen von Rapid Eye Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Postman Blues (1997)
 
Bittersweet Life (2005)
 
Happiness (2016)
 
Drive (2011)
 

Filmkritik: „Hausu“ (1977)

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HAUSU

(HOUSE)

Story

 
 
 

Im verschrobenen Kultklassiker „Hausu“ sucht ein sechzehnjähriges Mädchen das Haus ihrer Tante auf, ohne zu wissen, dass dort Dämonen auf sie warten.

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Kritik

 
 
 
Das japanische Kino wartet schon mit so manch kuriosen Beiträgen auf. Gerade im Horrorbereich weichen die Sehgewohnheiten zu einem westlichen Publikum doch enorm ab. Wenn man es dann noch mit einem skurrilen Film aus dem Jahre 1977 zu tun bekommt, darf man schon gespannt sein. „Hausu“ ist nicht nur als Endprodukt seltsam, schon alleine die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Ursprünglich kam die Tōhō-Filmgesellschaft auf den Experimental-Filmer Nobuhiko Ōbayashi zu, um eine Art „Der weiße Hai“ zu drehen. Es entstand ein Drehbuch, bei welchem Ōbayashi Ängste seiner Tochter einfließen ließ. Am Ende war eine Geisterhorrorfilmstory entstanden, die nur scheinbar niemand verfilmen wollte. So vergingen zwei Jahre und letztendlich durfte Ōbayashi, der zuvor noch keinen Langfilm gedreht hatte, Regie führen. Dabei ist ein äußerst eigenwilliger, verspielter Film entstanden, der nicht ganz zu unrecht einen gewissen Kultstatus gewinnen konnte, denn was man hier sieht, ist schon echt ziemlich abgefahren.
 
 
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Die Story steht dabei völlig im Hintergrund. Die sechzehnjährige Oshare ist Jahre nach dem Tod ihrer Mutter absolut nicht begeistert davon, dass ihr Vater eine neue Frau gefunden hat. Also verzieht sie sich in den Sommerferien mit ein paar Schulfreundinnen zu ihrer Tante, die abgeschieden auf dem Land lebt. Erst mal dort angekommen, müssen die Mädels schon bald feststellen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Tante ist nicht das, was sie vorgibt und mit der Katze hängt das Ganze auch noch zusammen. Streng genommen, wird hier ganz normaler Spuk erzählt, der zwar zusätzlich minimal mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden wird, aber dadurch trotzdem kaum an Substanz dazu gewinnt. Diese Handlung bietet simplen Geisterhorror, der allerdings durch die Machart dermaßen konfus wirkt, dass man als Zuschauer schon mal leicht vergessen kann, worum es denn eigentlich geht.
 
 
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Tōhō ließ Ōbayashi letztendlich freie Hand. Die Mitarbeiter empfanden das, was da gedreht wurde, als schwachsinnig und scheinbar wollte das Studio genau so etwas haben. Mit einem Erfolg hatte niemand gerechnet und selbst wenn die Kritiken damals schlecht ausfielen, spielte „Hausu“ in Japan überraschend viel Geld an den Kinokassen ein. Ob das an dieser verspielten Machart gelegen hat, kann man nur mutmaßen, aber Fakt ist, dass „Hausu“ schon sehr speziell ist. Das große Geld wird hinter diesem Werk mit Sicherheit nicht gesteckt haben und trotzdem ist der Film selbst so manch billigem Teil von heute einiges voraus. Ōbayashi lässt auf jeden Fall die Sau heraus und inszeniert wild drauf los. Teilweise ist das alles bodenständig gefilmt und dann kommen wilde Schnitt-Techniken zustande. Hier und da werden Bilder in andere Hintergründe eingefügt, es kommt sogar mal zu kleinen Zeichentrick-Einlagen und im Endeffekt wurden manche Effekte auch mit Zeichentrick realisiert. Das ist alles ziemlich simpel gemacht, aber zeitgleich dermaßen experimentell, dass man als normaler Zuschauer nicht schlecht staunt. Nebenbei wurde das aber mit einer gewissen Stilsicherheit realisiert und wenn dann im Finale alles immer hektischer und wilder wird, kann man nicht anders, als irgendwie fasziniert zu sein.
 
 
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Der eigentlichen Handlung kann man dabei schon bald nicht mehr folgen, aber sie spielt auch eigentlich gar keine echte Rolle. Es gibt zwar eine kleine Schlusspointe, doch am ehesten ist das Drehbuch hier Mittel zum Zweck. Der Zweck besteht darin möglichst abgefahren zu agieren und dabei entsteht dann eine gewisse surreale Atmosphäre. Nichts daran kann der Zuschauer so richtig ernst nehmen und trotzdem stellt „Hausu“ nicht unbedingt eine Horrorkomödie dar. Gruselig oder unheimlich ist das allerdings auch überhaupt nicht. Brutal wird es ebenfalls nicht, doch das ist hier nicht wichtig. Die höchst schrullig gestalteten Effekte alleine sind eine Sichtung wert. Man kann diese nicht zwangsläufig als gut bezeichnen, doch sie sind so liebevoll von Hand gemacht, dass man sie gar nicht als schlecht beurteilen mag. Es entsteht auf jeden Fall eine sehr eigenwillige Stimmung, die fernab von Spannung besteht. Dazu gewinnt man gar nicht genug Draht zu den Charakteren. Diese sind alle einfach so da, bekommen so gut wie keinerlei Hintergrund, wirken weder sympathisch noch unsympathisch. In „Hausu“ spielen solche Dinge keine Rolle. Das Geschehen funktioniert auch so.
 
 
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Dementsprechend gibt es hier eigentlich auch keine Darstellerleistungen, die man ansprechen müsste/könnte. Die meisten Schauspieler kamen sowieso nicht aus der Filmbranche, doch selbst bei billigeren Werken können die Japaner meist mit soliden Leistungen dienen. Dem ist auch in „Hausu“ so. Alles zweckdienlich gespielt, niemals nervig, immer brauchbar, ohne in Erinnerung bleiben zu können. Die skurrile Machart ist hier der Star und teilweise fühlt man sich schon fast etwas mehr an einen Anime, als an einen Horrorfilm erinnert. Technisch ist das aber alles sauber umgesetzt worden und der Score ist zudem ebenfalls nicht schlecht. Nur schade, dass man ständig lesen muss, denn ohne Untertitel geht es für nicht Japanisch-Könner nicht. Scheinbar wurde „Hausu“ bis heute niemals ins Deutsche übersetzt.
 
 
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HAUSU – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Hausu“ lässt sich schon als abgefahren bezeichnen. Regisseur Ōbayashi liefert hier ein Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und skurrilen Effekten ab. Dass die Story dabei so gut wie keine Rolle spielt, die Charaktere gänzlich austauschbar bleiben und von den Darstellern nicht sonderlich viel verlangt wird, verzeiht man als Zuschauer gerne, denn die knapp 90 Minuten Laufzeit vergehen dank der vielen Einfälle echt kurzweilig und nebenbei wurde das Ganze doch recht hochwertig inszeniert. Die Atmosphäre ist zwar niemals richtig unheimlich, dafür aber relativ amüsant und in manchen Szenen kommt eine surreale, fast schon psychedelische Stimmung auf, die begeistern kann. Das fängt noch halbwegs bodenständig an, wird aber spätestens im Finale zu einem echten Trip. Von daher hat sich „Hausu“ seinen Kultstatus schon irgendwie verdient und wer es gerne experimentell, unkonventionell und speziell hat, sollte sich dieses eigenwillige Werk nicht entgehen lassen. Seltsam, aber gut!
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Zensur

 
 
 
Auf dem Cover des Digipacks von „Hausu“ prankt ein FSK16-Logo. Die enthaltene Fassung ist ungeschnitten. Fans asiatischer Genreware können bedenkenlos zugreifen. Aber Achtung: Auf der Scheibe befindet sich der Originalfilm mit deutschen Untertiteln. Eine deutsche Synchronisation wurde „Hausu“ vorenthalten.
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hausu; Japan 1977

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Japanisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.33:1

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack im Schuber

Extras: Interviews (ca. 18 Min.), Trailer

Release-Termin: 16.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Rapid Eye Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Schreckenshaus des Dr. Rasanoff (1960)
 
Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)
 
Der phantastische Planet (1973)
 

Filmreview: „Lesson of the Evil“ (2012)

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LESSON OF THE EVIL

Story

 
 
 
Seiji Hasumi (HIDEAKI ITÔ) ist beliebter Lehrer an einer japanischen Oberschule. Er setzt sich für das Wohl der Schüler ein und versucht, das organisierte Schummeln bei Klassenarbeiten zu unterbinden. Leider hat selbst der beste Lehrer so seine Geheimnisse, denn in Wahrheit ist Hasumi ein gemeingefährlicher Irrer, der in seiner Kindheit etwas zu oft Brechts Dreigroschenoper gelauscht hat …
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Kritik

 
 
 
Jawohl, Kult-Regisseur TAKASHI MIIKE hat es wieder getan: Er hat einen Horrorfilm gedreht. Der Mann ist ja bekannt dafür, fleißig einen Streifen nach dem nächsten aus dem Ärmel zu schütteln und schaffte sogar, sich international einen Namen zu machen. Auf sein Konto gehen Werke wie THE CALL (2003), ICHI THE KILLER (2001) und 13 ASSASSINS (2010), wobei er sich mit seiner IMPRINT-Episode für die beliebte MASTERS OF HORROR-Reihe auch im amerikanischen TV-Programm behaupten konnte. Nun folgt splattriger Nachschub für die Anhänger der etwas deftigeren Unterhaltung, denn immerhin versteht es MIIKE trefflich, Kinoleinwände rot zu färben. Sein neuster Ausflug ins Genre ist allerdings kaum der Rede wert, schließlich passiert es selbst dem besten Filmemacher, dass er hin und wieder Grütze fabriziert. LESSON OF THE EVIL heißt der aktuelle Fehltritt und wird vermutlich allein der kontroversen Thematik wegen zu fragwürdigen Ruhm kommen. Speziell in Deutschland dürften sich da schon einige Hinterhofunternehmen gierige die Hände reiben, schließlich kann man Filme, die es ohnehin nicht durch die FSK schaffen, rentabel im deutschsprachigen Ausland verscherbeln. Der Horrorfan greift zu und löhnt ordentlich, selbst wenn sich dahinter oft nur ein laues Lüftchen verbirgt.
 
Wie das Plakat zum Film bereits verrät besitzt Seiji Hasumi (HIDEAKI ITÔ) zwei Gesichter. Tagsüber ist er der nette Englischlehrer an einer Oberschule und bei allen Schülern beliebt. Privat jedoch schlummert hinter der friedliebenden Fassade das abgrundtief Böse. Der smarte Dozent hat bereits ein paar Menschenleben auf dem Gewissen und natürlich viele Leichen im Keller. Als ein paar Schüler und Kollegen in der Vergangenheit Hasumis stöbern, stoßen sie immer wieder auf ungeklärte Selbstmorde. So auch an einer Schule, in der der smarte Schönling zuletzt tätig gewesen ist. Doch Neugier schützt vor Strafe nicht und Hasumi beginnt all diejenigen auszuradieren, die zu eifrig damit beschäftigt sind, sein kleines Geheimnis auffliegen zu lassen.
 
Vielleicht hätte MIIKE diesmal nicht selbst am Drehbuch Hand anlegen sollen, denn seine Filmadaption eines Romans des Autors YÛSUKE KISHI hat weder Hand noch Fuß. Langweilig geht es hier zu und mit seiner stolzen Laufzeit von knapp zwei Stunden ist LESSON OF THE EVIL einfach viel zu lang geraten. MIIKE hält sich mit zu vielen Nebensächlichkeiten auf. Wir erleben, wie unwichtige Schüler wirres Zeug quasseln. Von denen gibt es im Film zuhauf und wie es nun mal in asiatischen Filmen der Fall ist, schauen die auch irgendwie alle gleich aus, so dass man schnell den Überblick verliert. Zudem nimmt man HIDEAKI ITÔ die Rolle des geheimnisvollen Psychopathen zu keiner Zeit ab. Zwar ist mal wieder die vermasselte Kindheit an allem schuld und ITÔ ist sichtlich darum bemüht, wirklich böse in seiner Rolle zu sein; glaubhaft oder nachhaltig ist das aber nicht im Geringsten, so dass man nicht glauben möchte, dass MIIKE vor Jahren mit ICHI THE KILLER einen der besten, modernen Splatter-Schinken aus Fernost gedreht hat. Immerhin knistert es im Streifen gewaltig. Lehrer Hasumi ist nämlich äußerst begehrt bei den Mädchen. Der nutzt die Gunst der Stunde und beginnt mit einer Schülerin eine Affäre. Überhaupt scheint man in dieser Schule kaum moralische Bedenken zu besitzen. Das Kollegium treibt es gern einmal mit naiven Schutzbefohlenen, was für Psychopath Hasumi Grund genug ist, gleich einmal einen seiner Lehrer-Kollegen zu erpressen, der eine homosexuelle Beziehung zu einem seiner Schüler hegt. Leider ist das ganze Bindungs- und Intrigengeflecht derart zäh, antriebslos und oberflächlich geschustert, dass viele der Zuschauer vermutlich nicht den fulminanten Höhepunkt erleben werden, auf den LESSON OF THE EVIL eigentlich hinauslaufen soll. Denn erst nach knapp 90 Minuten befremdlich asiatischer Inszenierungskunst, packt Hasumi seine Pumpgun aus und donnert alles über den Jordan, was ihm zu unüberlegt vor die Flinte saust. Da fliegen die Körper nichts ahnender Kinder in bester BATTLE ROYALE Manier durch die Luft und werden im Kugelhagel mit ausreichend Blei durchsiebt. Makabererweise geht das aufgescheuchte Geschrei selten nahe, schließlich hat MIIKE gänzlich darauf verzichtet, den grünschnäbligen Kiddis eine gescheite Charakterentwicklung einzuräumen. So versinkt das Treiben belanglos und überraschungsarm im tiefroten Lebenselixier, damit zumindest die Splatter-Fraktion etwas Sauerei zu sehen bekommt.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Gehören die Glanzzeiten des TAKASHI MIIKE der Vergangenheit an oder sind ihm für LESSON OF THE EVIL einfach mal wieder die Ideen ausgegangen? Sein neuester Ausflug ins Splatter-Genre gehört zweifelsohne zu den schwächsten Produktionen seines bisherigen Schaffens. Hier donnert sich ein psychopathischer Lehrer unter lautem Munitionsverschleiß durch eine japanische Oberschule, was angesichts mangelnder Gesellschaftskritik und nicht vorhandener Identifikationsmöglichkeiten schon etwas sehr geschmacklos anmutet. Die kontroverse Thematik ist in LESSON OF THE EVIL einzig Mittel zum Zweck, damit der Gorehound belustigt wird. Leider nimmt sich das Teil bis zum grotesken Amoklauf einfach zuviel Zeit für Nebensächlichkeiten, so dass die Geduld blutgeiler Horrorfans arg auf die Probe gestellt wird. Ob die dann nach knapp 90 Minuten Langeweile überhaupt noch Lust auf ein spannungsfreies Schlachtfest haben, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Zensur

 
 
 
Schon allein die Tatsache, dass in LESSON OF THE EVIL unschuldige Schüler grafisch vor der Kamera in den Filmhimmel transferiert werden wäre für die hiesige FSK Grund genug gewesen, MIIKES neustem Werk erst gar keine Freigabe zu erteilen. Am Ende läuft Lehrer Seiji Hasumi Amok und ballert alles über den Haufen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Dass die FSK den Streifen dennoch ungeschnitten mit nur KEINE JUGENDFREIGABE durchgewunken hat, dürfte mal wieder auf die Willkür der Prüfer zurückzuführen sein. Andere, bei weitem harmlosere Streifen hätten wohl an dieser Stelle keine Freigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Lesson-of-the-evil-bluray

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aku no kyôten; Japan 2012

Genre: Thriller, Horror, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 129 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover (ohne FSK-Flatschen)

Extras: Making of, Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 13.06.2014

 
 
 

Lesson of the Evil [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 
 


 
 
 

LESSON OF THE EVIL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amoklauf (1994)
 
Elephant (2003)
 
Rampage (2009)