FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Review

Filmkritik: „The Void“ (2016)

the-void-poster
 
 
 

THE VOID

Story

 
 
 

Ein nahezu stillgelegtes Krankenhaus mitten im Nirgendwo entpuppt sich für einen kleinen zusammengewürfelten Trupp zu einer Art Vorhölle …

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Kritik

 
 
 
Nach einem eher ereignislosen Tag stolpert Sheriff Carter mitten im nächtlichen Wald ein sich auf der Flucht befindlicher verletzter junger Mann vor die Füße, den er ins nächstgelegene Krankenhaus chauffiert. Dort verrichten die letzten Mitarbeiter ihren Dienst, der hauptsächlich darin besteht, für Notfälle zur Verfügung zu stehen. Soweit dies nach einschränkenden Brandfolgen möglich ist.
Kurz darauf treffen zudem zwei äußerst aggressiv wirkende, bewaffete Männer ein, die dem gerade Eingelieferten ans Leder wollen. Doch damit nicht genug. Während die erste Krankenschwester plötzlich beginnt durchzudrehen, versammeln sich vor den Türen bereits schweigend unheimlich wirkende Zeitgenossen, deren Art Ku-Klux-Klan-Gewänder nichts Gutes verheißen. Die Nacht des Grauens kann beginnen. THE VOID bedient von Beginn an die tief verankerten Bedürfnisse von Horrorfans mit einer stimmigen Prämisse. Eine kleine Gruppe, eingeschlossen an einem trostlos einsamen Ort an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wird mit dem Unvorstellbaren konfrontiert und kämpft verzweifelt einen aussichtslos wirkenden Kampf um ihr Leben. Wobei das Böse nach weitaus mehr trachtet.
 
 
the-void-bild-1
 
 
Nach zirka 13 Minuten beginnt die Gewaltschraube anzudrehen und gewährt erstmals einen Blick auf die recht heftigen, liebevoll handgemachten Effekte, die sich als Stärke des klassische Muster bedienenden Horror-Scifi-Zwitters erweisen werden. (Übrigens: Erstaunlich was hier inzwischen alles ab FSK16 durchgewunken wird.) Und hier gibt es tatsächlich nichts zu meckern. Seit THE THING wurde wohl nicht mehr so schön geschmaddert und tentakelt. An den deformierten Kreaturen kann sich das Herz eines jeden Creature-Feature-Fans einfach nur erfreuen. Für die Ausarbeitung der Charaktere und deren Dialoge gilt dies leider nicht. Es ist immer ungünstig, wenn man ausgerechnet mit den Bedrohten kaum mitfiebern kann, weil sie emotional nicht berühren oder phasenweise nerven. Problematisch bleibt ebenso der Umstand, dass sich die nicht wirklich innovativ aus einigen Klassikern zusammen rezitierte krude Story, vom Timing her etwas zu langatmig nur von Effekt zu Effekt hangelt. Die ernste Situation aller Protagonisten ist dabei drehbuchtechnisch durchaus erfreulich ohne Augenzwinkern frei von Komik und überflüssigen Albereien angelegt. Umso mehr stören nun jedoch naive holprige Textpassagen, die einen an den Kopf fassen lassen. So stellt ein Protagonist nachdem bereits draußen wie drinnen das Chaos wütet unvermittelt fest: „Wir sind hier nicht sicher!“ Ja, Recht hat er ja der Gute, nur war dies zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als offensichtlich.
 
 
the-void-bild-2
 
 
Nachteilig wirkt sich neben den eher hölzernen Figurenzeichnungen (Obwohl zum Beispiel Kenneth Welsh aus TWIN PEAKS und Art Hindle aus BLACK CHRISTMAS ihr Bestes geben) der fast fehlende melodische Score aus, an dem wohl gespart werden musste, um die Kosten zu stemmen, die durch Crowdfunding aufgetrieben wurden. Von einem auch nur annähernd so wundervoll einprägsamen Thema wie bei HALLOWEEN, A NIGHTMARE ON ELM STREET oder FREITAG DER 13. ist bei THE VOID kein Ton zu hören. Dafür wabert ein Klangteppich der die trostlose Grundstimmung unterstreicht und bei Gefahren bedrohlich anschwillt. Das klingt kritisch und doch gelingt dem Streifen, der die 80er nahezu atmet, etwas was nicht viele Filme schaffen. Während man sich mit voranschreitender Laufzeit oft von dem Gesehenen distanziert, beginnt THE VOID zunehmend zu bannen und mit einem „irgendwie“ stimmigen Finale ausgesprochen versöhnlich zu enden. Der Hinweis im Abspann, dass die irre Geschichte nicht der Wirklichkeit entspricht und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig wären, entlässt zudem mit einem kleinen Lächeln. Die fähigen Regisseure Gillespie und Kostanski haben die Hoffnungen der Förderer des Projekts, dass zudem in kurzer Zeit abgedreht wurde, sicher nicht enttäuscht
 
 
the-void-bild-3
 
 


 
 
 

THE VOID – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bei aller Kritik und dem Verneinen von Superlativen unterhält das nahezu philosophische THE VOID durchaus und erweckt Sympathie, wenn man sich die liebevoll mit Leidenschaft für´s Genre in Szene gesetzte Story bewusster vor Augen führt. Die teils bizarre Collage aus an HELLRAISER, ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT, BASKIN, THE THING u.v.a.(!) erinnernden Szenen liefert somit unterm Strich ambitioniert nostalgischen Spaß und hat bei allen Abzügen deutlich mehr zu bieten, als viele andere lieblos hingehunzte Genrevertreter. Und unter uns: Ist ein unvollkommenes, aber engagiert-ehrgeiziges B-Movie nicht deutlich charmanter als ein glatt polierter A-Blockbuster?

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Zensur

 
 
 
Heftig und kompromisslos geht es zu. Während gestochen, gehackt und verbrannt wird, spritzen Blut und Schleim so wie es sich gehört und auch Schwangere werden nicht verschont. Sehr lobenswert, dass THE VOID trotzdem eine ungeschnittene Freigabe erhalten hat. Eine Ursache dafür mag sein, dass die Gewalt an keiner Stelle selbstzweckhaft grenzaustestend zelebriert wird, sondern eher die phantasievollen Mutationen im Mittelpunkt stehen. Auf dem Cover der erhältlichen Heimkinofassung ist der FSK16-Flatschen zu sehen. Glücklicherweise besitzt die Veröffentlichung ein Wendecover. Horrorfans und Sammler können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 


 
 
 

THE VOID – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-void-bluray

(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Void; Kanada 2016

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 19.05.2017

 

The Void [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE VOID – Trailer

 
 

 
 
 

Andy78

(Rechte für Grafiken liegen bei ASCOT ELITE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Thing (2011)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
Black Mountain Side (2014)
 
Blutgletscher (2013)
 
Harbinger Down (2015)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 


Filmkritik: „Lake Alice“ (2017)

lake-alice-2017-poster
 
 
 

LAKE ALICE

(LAKE TOMAHAWK)

Story

 
 
 

Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt die Leiche: Eine Familie erlebt ein etwas anderes, tödliches Weihnachtsfest.

 
 
 


 
 
 

LAKE ALICE – Kritik

 
 
 
Schneebedeckte Berge, abgelegene Holzhütten, verschneite Wälder und melancholische Winterpracht. Horror muss sich nicht immer nur in dunklen Irrenanstalten, unheimliche Herrenhäusern oder auf alten Friedhöfen abspielen. Auch traumhafte Schneelandschaften sind seit der King-Verfilmung SHINING ein Garant für markerschütterndes Grauen und wohldosierte Gruselschauer, schließlich lassen sich Geister, Waldkreaturen und Serienkiller nicht von Frost, Eis oder Kälte abschrecken. Letztere haben das moderne Horrorkino berüchtigt gemacht und meucheln sich seither kreativ durch Fleisch und Knochen. Leider trifft das nicht für alle Bösewichte zu, denn offenbar gibt es mittlerweile Serienmörder im Horrorkino denen das Abschlachten gar keine Freude mehr bereiten möchte. So ähnlich geschehen im folgenden Heuler, der dem Begriff Slasher nicht mal ansatzweise Ehre machen möchte. Newcomer BEN MILLIKEN – der übrigens 10 Jahre Amateur-Boxer war – vermischt im Debüt SCREAM und THE STRANGERS erfolglos miteinander und würzt mit dem norwegischen COLD PREY nach. Leider hat er aber den für Slasher-Streifen beliebten Gewaltpegel vernachlässigt, der immerhin dafür sorgt, dass die ständig wiederholenden Handlungen halbwegs ertragbar bleiben. Als wäre das nicht schon fatal genug, wurde von ihm auch noch Spannung aus dem Drehbuch gestrichen. Damit gewinnt man als Regie-Neuling bei Horrorfans nicht mal einen Blumentopf. Anerkennung muss man sich erstmal erarbeiten.
 
 
lake-alice-2017-bild-2
 
 
Weihnachten in Familie. Mutter und Vater Thomas wollen zusammen mit der erwachsenden Tochter Sarah (CAROLINE TUDOR) die Festtage in einer Hütte im Wald verbringen. Letztere hat den Liebsten (BRAD SCHMIDT) mit im Schlepptau, der ihr auch gleich in verschneiter Naturidylle einen Heiratsantrag macht. Zwar sind die Eltern vorerst über die Verlobung alles andere als erfreut, nehmen aber den zukünftigen Schwiegersohn trotzdem herzlich auf. Leider kommen die angehenden Pläne der Liebenden nicht bei allen gut an. So klingeln bald ungebetene Gäste an der Haustür. Weil es mitten in der Nacht ist, sind die Eltern über den späten Besuch logischerweise nicht sonderlich erfreut. Doch das ist den maskierten Besuchern egal. Die frönen hauptberuflich dem Killerhandwerk und gehen auch gleich zur Tagesordnung über. Für die Opfer bedeutet das: Weg von der Festtafel hinein in den Überlebensmodus. Ein besinnliches Weihnachtsfest sieht definitiv anders aus.
 
 
lake-alice-2017-bild-1
 
 
Und täglich grüßt das Murmeltier. LAKE ALICE – der in England übrigens für den Videomarkt in LAKE TOMAHAWK umbenannt wurde – bekleckert sich in Sachen Originalität nicht gerade mit Ruhm. Der Film vermischt Slasher-Klischees mit Elementen bekannter Home-Invasion-Schocker und versucht mit überraschenden Wendungen auf falsche Fährten zu locken. Das hört sich erstmal vielversprechend an, ist aber unterm Strich kaum der Rede wert. Das Problem: LAKE ALICE kommt knapp 30 Jahre zu spät, denn was der Zuschauer hier zu sehen bekommt, wurde in nahezu jedem Slasher und Home-Invasion-Streifen der letzten drei Jahrzehnte mal mehr, mal weniger spannend abgehandelt. Dementsprechend langweilig ist LAKE ALICE dann auch. Die falschen Fährten sind vorhersehbar und die Handlung will erst gar nicht fesseln – wohl auch, weil sie keine Risiken eingeht und neue Wege scheut. Somit verläuft alles nach bekanntem Muster. Ein Killer terrorisiert eine kleine Familie, die wenig später versucht dem Tod zu entkommen und sich wenig klug zur Wehr zu setzen weiß. Leider werden die Familienmitglieder nach dem „Du-bist-der-Nächste“-Prinzip ins Jenseits befördert. Nur die fast schon zwanghaft auf sympathisch getrimmte Filmtochter wird überleben und findet heraus, dass nicht grundlos gemordet wird. Die Psychopathen wollen ein Hühnchen rupfen, werden aber in die Schranken gewiesen, weil ein plötzlich totgeglaubtes Opfer wieder von den Toten aufersteht und dem Trauerspiel ein Ende bereitet. Das ist sprichwörtlich Schnee von gestern, denn um zu fesseln oder gar Angst einzujagen, bedarf es weit mehr, als Slasher-Klassiker frech zu zitieren und Home-Invasion-Zutaten lustlos zu kopieren. Wegen des austauschbaren und wenig raffinierten Drehbuchs ist LAKE ALICE daher nur denen zu empfehlen, die entweder noch nie einen Horror-Slasher gesehen haben oder nicht genug von dieser Art von Filmen bekommen können – und sind sie auch noch so einfallslos. Nur dann kann man wohl etwas von diesem 08/15-Schocker abgewinnen.
 
 
lake-alice-2017-bild-3
 
 


 
 
 

LAKE ALICE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
SCREAM trifft auf THE STRANGERS. Was hier aufgetischt wird, ist ermüdend, altbacken und unblutig noch dazu. Eigentlich schade, denn LAKE ALICE hat im Grunde genommen alles, was ein Horrorfilm neueren Datums mitbringen sollte. Die schneebedeckte Kulisse erinnert an ähnlich gestrickte Slasher-Ware wie COLD PREY und dessen Fortsetzungen. Zudem lässt das skrupellose Killer-Duo im Film Streifen wie THE STRANGERS oder auch BASTARD Revue passieren. Was aber bitter aufstößt ist die wenig originelle Handlung. Die hat man in ihrem behäbigen Ablauf schon so oft gesehen, dass allein schon die Inhaltsangabe zum Film den Spaß verdirbt. Das ist dahingehend ärgerlich, weil der Film gute Schauspieler besitzt und auch handwerklich überzeugen kann. Leider besitzt LAKE ALICE kaum neue Einfälle und lässt sich auch noch viel Zeit, bis überhaupt endlich mal etwas passiert. Da macht sich schnell Müdigkeit breit und gestaltet diesen Horror-Beitrag so austauschbar, wie schmutzige Unterwäsche. Vor 30 Jahren wäre LAKE ALICE ein Hit geworden. Heute lockt man mit so ausgelutschtem Horrorstoff keinen Fan mehr vorm Ofen hervor. Um die Aufmerksamkeit des Publikums für Horrorfilme gewinnen zu können, muss man sich in Zeiten wie diesen und aufgrund der Menge an Genre-Futter schon mächtig ins Zeug legen. Offenbar hat das Regisseur BEN MILLIKEN nicht bedacht.
 
 
 


 
 
 

LAKE ALICE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt hat LAKE ALICE nicht zu bieten. Der Killer rammt sein Messer mehrmals in ein Opfer hinein, ein Autounfall ist zu sehen und ein Protagonist stirbt an den Folgen eines Pistolenschusses in den Hals. Das ist für Slasher-Verhältnisse enttäuschend und dürfte in Deutschland mit einer FSK16 belohnt werden.
 
 
 


 
 
 

LAKE ALICE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cold Prey – Eiskalter Tod (2006)
 
Cold Prey 2 Resurrection – Kälter als der Tod (2008)
 
Silent Night – Leise Rieselt das Blut (2012)
 
Blood Runs Cold (2011)
 
Hayride 2 (2015)
 
Berkshire County (2014)
 


Filmkritik: „Wolves at the Door“ (2016)

wolves-at-the-door-2016-poster
 
 
 

WOLVES AT THE DOOR

Story

 
 
 

Der „Sommer der Liebe“ von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Die wollten eigentlich nur etwas feiern, werden aber von unheimlichen Gestalten terrorisiert, die offenbar den Tod ihrer Opfer fordern. Leider ergeben sich diese ihrem Schicksal ohne Gegenwehr. Das macht das Auslöschen dieser unschuldigen Leute für die Täter leichter.

 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Kritik

 
 
 
Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Vor allem jene, denen brutale Morde zugrunde liegen und deshalb zu trauriger Berühmtheit kommen. Auf genau dieser Schiene fährt der Horrorthriller WOLVES AT THE DOOR, der mit reißerischer Handlung um die Gunst des Zuschauers buhlen will. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Es sind die schrecklichen Verbrechen der sogenannten Manson Familie, die im Jahre 1969 ganz Amerika in Schockstarre versetzten. Kein Geringerer als der Kriminelle CHARLES MANSON zeichnete damals verantwortlich. Der war in den 1960ern Anführer einer sektenähnlich strukturierten Hippie-Kommune in Südkalifornien und stiftete seine Anhänger zum Mord an. Die machten sich auf in die Hollywood Hills, um dort ein Massaker anzurichten. Sie töteten mehrere Menschen auf grausame Weise – darunter die hochschwangere Gattin von Kultregisseur ROMAN POLANSKI. Weil der spektakuläre Mordfall um die ganze Welt ging und knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru CHARLES MANSON bitter aufgestoßen haben.
 
 
wolves-at-the-door-2016-bild-2
 
 
Beliebiger Home-Invasion-Horror statt spannendem Tatsachenbericht im Dokumentarstil. WOLVES AT THE DOOR ist so überflüssig, wie eine Grippe im Sommer. Regisseur JOHN R. LEONETTI meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen, eigenen Einfälle aus besseren Horrorfilmen stibitzt wurden. Generell hat WOLVES AT THE DOOR ein großes Problem und das nennt sich THE STRANGERS. Der Überlebensthriller von 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund außer Acht, könnte WOLVES AT THE DOOR auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach ANNABELLE und THE BUTTERFLY EFFECT 2 hat Regisseur JOHN R. LEONETTI abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Der stand für so einige Horrorstreifen als Kameramann hinter der Kamera und wollte irgendwann auch mal selbst Regie führen. Was er da bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. Eventuell gibt es dann auch positive Resonanz.
 
 
wolves-at-the-door-2016-bild-1
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Missglücktes Katz- und Mausspiel, das sich einen historischen Kriminalfall zu Eigen macht. Dabei beginnt eigentlich alles ganz passabel. Regisseur JOHN R. LEONETTI schöpft aus den Erfahrungen als Kameramann und zeigt dunkle Silhouetten, bedrohliche Geräusche und atmosphärische Kamerafahrten. Leider reichen irgendwann versierte Kameraspielereien allein nicht mehr aus, um das Publikum mit einem künstlich aufgebauten Spannungsbogen bei Laune zu halten. WOLVES AT THE DOOR ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reißbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Zudem wird WOLVES AT THE DOOR spätestens ab Filmmitte zum fiktiv ersponnenen Überlebenskampf, bei dem es nur noch darum geht, dass Figuren reißerisch abgeschlachtet werden. Überraschenderweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon irgendwie komisch.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Zensur

 
 
 
Trotz Home-Invasion-Horror ist WOLVES AT THE DOOR hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Ein Kopf wird mit einem riesigen Hammer eingeschlagen. Außerdem sind Stick- und Schusswunden zu sehen. Der Film lief bereits ganz still und heimlich im März 2017 ungeschnitten in deutschen Kinos mit FSK16. Gleiche Freigabe dürfte auch die kommende Heimkinofassung erhalten.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Warner Bros. Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Helter Skelter – Nacht der langen Messer (1976)
 
Helter Skelter (2004)
 
The Manson Family (1997)
 
Manson Family Movies (1984)
 
The Manson Family (2003)
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 


Filmkritik: „Beacon Point“ (2016)

beacon-point-2016-poster
 
 
 

BEACON POINT

Story

 
 
 

Einige Wanderer kommen bei einem Zehntagemarsch in den Appalachen vom rechten Weg ab und bekommen es wegen mysteriöser Ereignisse mit der Angst zu tun.

 
 
 


 
 
 

BEACON POINT – Kritik

 
 
 
Offenbar geht ohne Crowdfunding seit einigen Jahren gar nichts mehr. In Zeiten in denen es immer schwieriger wird, für interessante Filmprojekte Geldgeber zu finden, muss der Zuschauer eben selbst ran. Fremdfinanzierung durch Filmfans heißt eine neue Art des Geldeintreibens, bei der das Publikum quasi zum Produzenten wird. So zahlt der Kinofan auf Internetplattformen wie KICKSTARTER oder INDIEGOGOP für spannende Projekte einen Betrag nach Wunsch, damit die dann von ambitionierten Filmemachern umgesetzt werden können. Eine gute Sache, die mittlerweile Schule macht und mutige (Heim)Kinoexperimente hervorbringt, die sonst hätten nie verwirklicht werden können. Auch der Science-Fiction-Horror BEACON POINT ist einer jener Kandidaten dessen Startkapital von Horrorfans aufgebracht wurde. Die haben hier knapp 24.000 US-Dollar in 45 Tagen auf KICKSTARTER gespendet, damit Regisseur ERIC BLUE seinen ersten Langfilm inszenieren köonnte. Schenkt man dem Newcomer Glauben, beruht der Film auf Erlebnissen, die er im Jahr 1994 gemacht haben soll. Zu genau jener Zeit war der Regisseur mit seiner Freundin auf einem Campingtrip in den Great Smoky Mountains unweit des Appalachen-Wegs. Des Nachts bemerkte er, wie er von etwas Unbekannten beobachtet wurde. Als dann auch noch Vögel ohne Grund aufgeregt zu zwitschern begannen, bekam es das Paar mit der Angst zu tun. Genau jene Erlebnisse bilden das Fundament zum Horrorthriller BEACON POINT.
 
 
beacon-point-2016-bild-1
 
 
Auf in die Natur. Das will auch Zoe (RAE OLIVIER), die mit anderen Teilnehmern an einem Wandertrip teilnimmt, um in den Appalachen den Kopf frei zu bekommen. Doch die Wanderung steht unter keinen guten Stern. Ausgerechnet der vorbestrafte Drake (JOHN BRIDDELL) übernimmt die Führung der Gruppe. Der wurde eigentlich vom Chef gekündigt, weil er in Stresssituationen gern mal die Fassung verliert. Doch das hält das Alphamännchen nicht davon ab, noch einmal in seinem alten Job aufzuleben. Leider passieren bald seltsame Dinge. Übel zugerichtete Menschenkörper und Tierkadaver verunsichern zwar, hält aber die Gruppe nicht davon ab, die Wälder genauer zu erkunden. Ein fataler Fehler – wie sich bald herausstellen wird. Erst verliert man die Orientierung und verläuft sich in den Appalachen. Später findet man ominöse Steine und fühlt sich verfolgt. Vor allem die taffe Zoe wird bald von Albträumen geplagt und ahnt, dass etwas Schlimmes passieren wird. So ganz Unrecht hat sie mit ihrer Vermutung nicht. Einer der Anwesenden klagt über merkwürdige Beschwerden und in der Nacht schleichen dunkle Schatten um die Zelte. Ob die ahnungslosen Wanderer wieder heil zurück finden werden? Man kann es nur hoffen.
 
 
beacon-point-2016-bild-3
 
 
BEACON POINT spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Was verfolgt die ahnungslosen Wanderer in den Wäldern? Sind es hungrige Tiere, fiese Waldwesen oder vielleicht doch höhere Mächte? Regisseur und Drehbuchautor ERIC BLUE macht nicht Nägel mit Köpfen, sondern zögert hinaus. Damit baut er Spannung auf und verursacht Unbehagen, das durch Isolation und Orientierungslosigkeit zusätzlich verstärkt wird. Nur kurze Flashbacks, die Filmheldin Zoe hin und wieder plagen, lassen Vermutungen aufstellen, dass hier offenbar höhere Mächte am Werk sein müssen. Trotzdem wird bis kurz vorm Finale nicht zu viel verraten, was BEACON POINT zu solider Genre-Unterhaltung macht, die für Low-Budget-Verhältnisse beachtlich temporeich abgehandelt wird. Handwerklich kann man nicht meckern. BEACON POINT glänzt durch stimmungsvolle Naturaufnahmen und guten Kamerafahrten. Nur bei den Figuren fehlt es am Feinschliff – etwas, dass im Horrorfilm ohnehin gang und gäbe ist. Die wenigen Protagonisten verhalten sich nicht immer klug und entsprechen den gängigen Stereotypen, die man in nahezu jedem Horrorstreifen zu sehen bekommt. Das ist aber nicht weiter tragisch, sind die Filmfiguren ohnehin nur dazu da, um im Verlauf der Handlung das Zeitliche zu segnen. Auch wenn von den immerhin gut gewählten Schauspielern nicht sonderlich viel abverlangt wird, kann sich BEACON POINT für ein Horror-Debüt durchaus sehen lassen. Der Streifen besitzt kaum Längen und macht aus harmlosem Waldcamping unterhaltsamen Überlebenskampf mit Ecken und Kanten. Angesichts der souveränen Inszenierung darf man gespannt sein, was Filmemacher ERIC BLUE als nächstes fabrizieren wird. Dessen erster Spielfilm ist trotz kleinem Budget kein Rohrkrepierer. In Anbetracht dessen, was andere Regie-Newcomer dem Zuschauer regelmäßig zumuten, sollte man das an dieser Stelle mal lobend erwähnen.
 
 
beacon-point-2016-bild-2
 
 


 
 
 

BEACON POINT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien. Handwerklich souverän inszenierter Science-Fiction-Horror mit Ecken und Kanten. Für ein Horror-Debüt kann sich BEACON POINT sehen lassen, das mit einfachen Mittel maximales Grauen heraufbeschwört. Hier werden einige Camper mit einer unheimlichen Bedrohung konfrontiert, die einen Wanderausflug zum Albtraum werden lässt. Was den ahnungslosen Wanderern auf der Lauer liegt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Auflösung ist nämlich die Quintessenz genannten B-Movies, das für schmales Budget Horror in die Wohnzimmer bringt, der spannend und kurzweilig unterhält. Regisseur ERIC BLUE spricht im Erstling Themen wie Paranoia, Isolation, Orientierungslosigkeit und Angst vor dem Unbekannten an. Damit beschwört er in Windeseile ein ungutes Gefühl herauf, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Eine beachtliche Leistung – vor allem auch deshalb, weil er das Böse nur andeutet und nie wirklich zeigt. Damit verursacht er Kopfkino, das bekanntermaßen furchterregender ist, als unerträgliche Gewalt und literweise Kunstblut. Das eigene Hirn spielt eben immer noch die unheimlichsten Filme ab.
 
 
 


 
 
 

BEACON POINT – Zensur

 
 
 
Es gibt im Film kaum nennenswerte Gewalt zu sehen. Man findet eine übel zugerichtete Leiche im Wald und ebenso Tiere, die in Stücke zerfetzt wurden. Weiterhin werden Protagonisten die Augen herausgerissen und ein Hirschgeweih bohrt sich durch einen Kopf. BEACON POINT ist ein sicherer FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

BEACON POINT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Blue Lantern Films | Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil in the Dark (2017)
 
It’s in the Blood (2012)
 
Arbor Demon (2016)
 
Feed the Gods (2013)
 
Willow Creek (2013)
 


Filmkritik: „Monolith“ (2016)

monolith-2016-poster
 
 
 

MONOLITH

(LOCKED IN | TRAPPED CHILD)

Story

 
 
 

Ein Kleinkind sperrt sich versehentlich in ein neumodisches Super-Auto ein. Mutter Sandra muss nun versuchen einen Weg hinein zu finden, doch die Fenster sind aus kugelsicherem Glas und die Karosserie aus unzerstörbarem Titan. Da ist guter Rat teuer.

 
 
 


 
 
 

MONOLITH – Kritik

 
 
 
Ach, was waren die Zeiten noch schön, als Pferdekutschen über Wege, Pfade und Straßen rollten. Da konnte man sich lauen Fahrtwind ins Gesicht wehen lassen und die vorbeiziehende Natur in vollen Zügen genießen. Seit der technische Fortschritt jedoch Einzug gehalten hat, ist Schluss mit Landluft und Schneckentempo. Aus den klapprigen Fortbewegungsmitteln von einst sind moderne Hochgeschwindigkeitsmaschinen geworden, die kaum noch Wünsche offen lassen und das Leben erleichtern. So können sich einige Fahrzeuge mittlerweile in speziell definierten Situationen und über kurze Zeitspannen selbst steuern. Zudem ermöglichen automatische Parkassistenten ein unfallfreies Einparken und über Internet oder GPS gesteuerte Navigationssysteme machen es dem Fahrer leicht gewünschte Ziele schneller zu erreichen. Dass aber neue Technologien und Mobilitätsfortschritt auch Tücken haben können, zeigt das Thriller-Drama MONOLITH. Hier wird das hypermoderne Traumauto zum Problem und der Mensch muss dabei tatenlos zusehen, wie die von ihm geschaffene Maschine zur gefährlichen Falle mutiert. Das Gefährt verschluckt hier quasi die Fahrgäste und lässt sie nicht mehr hinaus. Angesichts dieser Tatsache schwingt man sich doch gern wieder auf’s Fahrrad, denn das scheint – wenn man MONOLITH Glauben schenken darf – offenbar sicherer zu sein.
 
 
monolith-2016-bild-2
 
 
„Der Monolith ist das sicherste Auto, das jemals gebaut wurde und der wohl sicherste Ort für Sie und Ihre Familie“. So zumindest wird in MONOLITH ein fescher Flitzer beworben, der eine neue Ära des Autofahrens einläuten soll. Da wir aber auf FILMCHECKER in erster Linie Filme besprechen, die meist blutige, gruselige oder makabere Richtungen einschlagen, dürfte klar sein, dass in MONOLITH kein Kinderfasching gefeiert wird. In diesem Thriller-Drama wird das Bedürfnis nach Sicherheit fast schon auf die Spitze getrieben. Regisseur IVAN SILVESTRINI hat hier einen gemeinen Streifen inszeniert, dessen Ausgangssituation in seiner simplen Form derart bitterböse ist, dass manch besorgter Mutter bereits beim Lesen der Inhaltsangabe Angstschweiß von der Stirn tropfen dürfte. Der macht auch der jungen Sandra in MONOLITH zu schaffen, die in diesem fiesen Streifen die Hölle auf Erden erleben muss. Dank ihres Gatten darf sie in einem der sichersten Autos der Welt durch staubige Wüstenlandschaften düsen und nutzt die Gunst der Stunde, um mit Kleinkind David zum Haus der Großeltern zu fahren. Doch kaum angekommen, macht ihr die Eifersucht zu schaffen. Sie hat den Verdacht, dass der Liebste sie betrügt. Um Gewissheit zu erhalten, macht sie kehrt und will die bessere Hälfte zur Rede stellen. Doch soweit kommt es nicht. In ihrer Unachtsamkeit vergisst die verunsicherte Mutter, dass das Fahrzeug über neuste Technik verfügt. So kann es mittels Handy-App gesteuert und mit nur einem Fingerwisch verschlossen werden. Da gern wie der Sohnemann mit dem Telefon der Mutter spielt, kommt was kommen muss: Nach einem Wildunfall verriegelt der kleinen David versehentlich das Fahrzeug von innen mit dem Smartphone und die Mutter kommt nicht mehr hinein. Nun ist guter Rat teuer, zumal in der Wüste keine Menschenseele zu sehen ist und bald unerträgliche Temperaturen das Leben des Kindes in Gefahr bringen. Ob am Ende alles gut ausgehen wird? Wir werden sehen. MONOLITH zumindest ist der ultimative Albtraum für Eltern.
 
 
monolith-2016-bild-1
 
 
Man stelle sich vor, man wäre nur durch eine Autoscheibe vom eigenen Kind getrennt und kann trotzt aller Versuche dem Nachwuchs nicht zur Hilfe eilen. MONOLITH spielt mit der Angst besorgter Eltern und ist darin gar nicht mal so ungeschickt. Der Film entwickelt in Windeseile ein Gefühl permanenter Hilflosigkeit – vor allem gegenüber neuen Technologien – und baut damit Spannung auf, die vor der Glotze verharren lässt. Was tun, wenn das Kind in Lebensgefahr schwebt und an Hilfe nicht zu denken ist? Mit dieser essentiellen Frage beschäftigt sich MONOLITH, der eine verzweifelte Mutter in einer Art Wüstenkammerspiel an die körperlichen Grenzen gehen lässt. Dabei sind Isolation, Natur und Hitze die größten Feinde – machen aber erfinderisch. So wird nach Lösungen gesucht, die anfangs plausibel erscheinen, aber gegen Ende dann abstruse Ausmaße annehmen. Dennoch will man nicht meckern. MONOLITH macht seine Sache gut und spinnt aus einer kleinen Idee kurzweiliges Spannungskino zusammen, das Mitfiebern lässt. Einen großen Beitrag hierzu leistet die aus TUCKER AND DALE VS EVIL oder NURSE 3D bekannte Schauspielerin KATRINA BOWDEN. Die attraktive Blondine liefert souveränes Schauspiel ab und denkt zu keiner Zeit ans Aufgeben, obwohl jegliche Unternehmungen – angesichts der Umstände – bereits zum Scheitern verurteilt sind noch bevor man daran gedacht hat. Das lässt ihre Rolle sympathisch erscheinen und macht diesen atemlosen Überlebensthriller interessant. Letzterer wurde übrigens vom italienischen Ableger des Pay-TV-Anbieter und Streaming-Portals SKY mitfinanziert, der es wohl nun den Konkurrenten AMAZON und NETFLIX gleich machen will. Letztere produzieren mittlerweile ebenso Filme und Serien am Fließband, um damit zahlende Kunden das Abonnement schmackhaft zu machen. Auch wenn sich hinter MONOLITH nichts Großes verbirgt und das meiste Budget in das Design des Super-Flitzers geflossen sein dürfte, ist der Mix aus PANIC ROOM und OPEN WATER (freilich ohne Haie) ganz ordentlich. Mit einfachsten Mitteln wird hier maximales Unbehagen heraufbeschworen und das ohne ausufernde Gewaltmomente oder spektakuläre Spezialeffekte. Davor kann man schon mal seinen Hut ziehen.
 
 
monolith-2016-bild-3
 
 


 
 
 

MONOLITH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
KNIGHT RIDER trifft auf OPEN WATER. Wie aus einer simplen Ausgangssituation ultimativer Horror werden kann. MONOLITH (der anfangs übrigens TRAPPED CHILD heißen sollte und international auch als LOCKED IN vertrieben wird) beruht auf einer italienischen Comicroman und wurde vom größten Pay-TV-Anbieter Italiens SKY ITALIA mitfinanziert. Entstanden ist ein handwerklich tadelloser Thriller, der in Windeseile maximales Unbehagen – vor allem bei fürsorgenden Eltern – entstehen lässt. Hier wird ein Superauto zum Gefängnis für ein Kleinkind und lässt dessen Mutter über sich hinauswachsen, die in knappen 85 Minuten einen Weg finden muss, um ins Innere eines Titan-Panzers zu kommen. IVAN SILVESTRINI liefert eine spannende Wüstenodysee ab, die von einer einzigen Person getragen wird. Schauspielerin KATRINA BOWDEN schultert den gesamten Film im Alleingang und avanciert schnell zur Mutter der Herzen. Die irrt in der zweiten Filmhälfte verzweifelt durch staubige Wüstenlandschaften und verliert beinahe selbst den Kampf gehen Durst und Hitze. MONOLITH ist trotz fehlender Gewaltmomente oder Spezialeffekte – vor allem wegen der makabren Filmidee – schon harter Tobak. Wer deshalb eine Vorliebe für fiese Überlebensthriller besitzt, sollte mal einen Blick riskieren. Allzu besorgte Eltern sollten hingegen MONOLITH besser meiden. Denen könnte dieser Thriller schlaflose Nächte bereiten.
 
 
 


 
 
 

MONOLITH – Zensur

 
 
 
MONOLITH hat gar keine Gewalt zu bieten. Der Horror im Film ist psychologischer Natur. Einzig der Angriff eines Hundes erinnert an den Horrorfilm Cujo und sorgt für etws Gänsehaut. Demzufolge könnte der Streifen mit etwas Glück in Deutschland bereits für Zuschauer ab 12 Jahren freigegeben werden.
 
 
 


 
 
 

MONOLITH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei True Colours Glorious Films | Sky Cinema HD)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrecked – Ohne jede Erinnerung (2010)
 
Panic Room (2002)
 
Open Water (2003)
 
Open Water 2 (2006)
 
Buried – Lebend begraben (2010)
 
Detour – Gefährliche Umleitung (2013)


Filmkritik: „Get Out“ (2017)

get-out-2017-poster
 
 
 

GET OUT

Story

 
 
 
Albtraum Schwiegereltern: Im spannenden Horrorthriller GET OUT soll ein Farbiger die künftigen, weißen Schwiegereltern kennenlernen. Doch der Besuch verläuft anders als geplant und entwickelt sich rasch zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

GET OUT – Kritik

 
 
 
Kann es vielleicht sein, dass es auch dem Mainstream-Publikum dringend nach Neuerungen im Horror-Genre dürstet? Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum sich ausgerechnet ein eher unscheinbarer Thriller wie GET OUT in kürzester Zeit zum Publikums-Hit mausern konnte. Bereits wenige Wochen nach dem amerikanischen Kinostart befand sich der Streifen auf Rekordkurs und spielte soviel Geld ein, wie es schon lange zuvor keinem R-Rated-Horrorstreifen mehr gelungen ist. Dabei war GET OUT für das eher für konventionelles Horrorkino berüchtigte Filmstudio BLUMHOUSE PRODUCTIONS ein Schnäppchen. Der Streifen kostet gerade einmal fünf Millionen Dollar und spielte in den weltweiten Kinos sensationelle 193 Mio. Dollar (Stand April 2017) ein. Demzufolge gehört GET OUT schon jetzt zum kommerziell zweiterfolgreichsten R-Rated-Horrorfilm aller Zeiten. Ob es dem Mystery-Horror gelingen wird den Kultfilm DER EORZIST vom Thron zu stoßen? Der steht mit 204 Millionen Dollar Einspielergebnis auf dem Siegertreppchen und konnte – zumindest finanziell – bis dato von noch keinem R-Rated-Horror geschlagen werden.
 
 
get-out-2017-bild-3
 
 
Hollywood kann auch anders. Der Horrorfilm GET OUT erzählt diesmal eine überraschend unverbrauchte Geschichte und macht sogar vor Rassismus-Kritik nicht halt. Wo Afroamerikaner normalerweise für schräge Späße sorgen und danach möglichst schnell ableben sollen, übernimmt der farbige DANIEL KALUUYA die Hauptrolle und erlebt dabei die Hölle auf Erden. Er verkörpert den smarten Chris im Film, der nun schon einige Monate mit der attraktiven Rose (ALLISON WILLIAMS) zusammen ist. Da will man endlich den nächsten Schritt wagen. Chris soll die Eltern seiner Freundin kennenlernen und reist deshalb mit der Angebeteten ins ländliche Amerika, wo die Eltern schon sehnsüchtig auf den potenziellen Schwiegersohn warten. Zwar ist die Begrüßung herzlich, doch Chris entwickelt bald ein mulmiges Bauchgefühl. Nicht nur, dass zwei Afroamerikaner die Haus- und Gartenarbeit übernehmen müssen. Auch Mutter und Vater der neuen Freundin sorgen mit unnatürlichen Freundlichkeit und ihrer offenen Art gegenüber farbigen Mitmenschen für Skepsis. Offenbar ist die auch berechtigt, denn bei einer skurrilen Feier überschlagen sich Ereignisse und Chris bemerkt schnell, dass diese Familie etwas verborgen hält, von dem niemand wissen darf.
 
 
get-out-2017-bild-1
 
 
Komiker auf Abwegen. Weitaus interessanter als der unvorhersehbare Plot, ist die Tatsache, wer da hinter der Kamera steht. JORDAN PEELE zeichnet in diesem Falle verantwortlich. Der wollte offenbar etwas Neues ausprobieren und wechselte die Seiten. Statt als Comedy-Star (unter anderem in KEY & PEELE) vor der Kamera zu stehen, hat er es sich für GET OUT erstmals dahinter gemütlich gemacht und schlägt ungewöhnlich ernste Töne an. Damit erfüllte er sich einen langjährigen Traum. In Interviews lies er nämlich verlauten, dass er schon immer mal selbst einen Film drehen wollte. Mit GET OUT wurde ihm die Möglichkeit eröffnet für den er sich laut eigener Aussage vom Science-Fiction-Horror DIE FRAUEN VON STEPFORD inspirieren lies – einem Klassiker von 1975, in dem sonderbare Dinge in einer Vorortgemeinde New York Citys geschehen. So mysteriös wie die Vorlage, ist selbstverständlich auch GET OUT geworden. Der entwickelt sein ganzes Gruselpotenzial nur dann, wenn man so wenig wie möglich über die Handlung in Erfahrung bringt. Die geht nämlich erfrischend neue Wege und hebt sich damit vom üblichen Horror-Blödsinn ab, der mit den immer gleichen Geschichten dem Zuschauer das Geld aus der Brieftasche ziehen möchte. GET OUT hat zur Abwechslung keine Killer, Monster, Zombies der Geister in petto. Der Horror manifestiert sich auf anderem Wege und das ist auch gut so. Lang wird verschleiert, in welche Richtung GET OUT tendieren wird. Regisseur JORDAN PEELE gibt nur wenig Anhaltspunkte und hält damit die Spannung konstant. Erst kurz vor der Zielgeraden wird des Rätsels Lösung gelüftet und das Finale – zur Freude Liebhaber härterer Hausmannskost – im Blut ersäuft. Somit werden Mystery-, Grusel- und Splatterfans gleichermaßen zufriedengestellt. GET OUT ist eine Runde Sache und dürfte gelangweilte Horror-Zuschauer wieder wachrütteln. Daher die Bitte an Hollywood: Gern öfters mal was Neues ausprobieren und jenseits der üblichen Horror-Pfade wandeln. Dann machen auch Genre-Pfade endlich wieder Spaß.
 
 
get-out-2017-bild-2
 
 


 
 
 

GET OUT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Gute Schauspieler, eine unverbrauchte Story, reichlich Spannung und etwas Blut – GET OUT bringt all das mit, was man von guten Horrorfilmen erwartet. Da will man gar nicht so recht glauben, dass genau jene Genre-Schmiede GET OUT fabriziert hat, die sonst immer vorhersehbare und klischeebehaftete Gruselstreifen ohne Überraschungen dreht. Mystery-Horror at its Best wird geboten, denn Regisseur JORDAN PEELE schwört das Grauen langsam herauf und lässt dann unverhofft die Katze aus dem Sack. Damit bringt er frischen Wind in ein Film-Genre, das mit generischen Geschichten selbst eingefleischten Fans die Freude am Filmeschauen genommen hat. GET OUT ist ein satirisch angehauchter, beinahe selbstironischer Mystery-Psychothriller, dem es spielerisch gelingt eine beklemmende Stimmung heraufzubeschwören, die ein Gefühl der Paranoia (bei Zuschauer und Identifikationsfigur) entstehen lässt. Das presst in den Kinosessel – vor allem dann, wenn es für den Filmheld am Ende gilt dem Albtraum zu entkommen. Trotz unscheinbarem Filmtrailer und ebenso nichtssagendem Poster: GET OUT ist so etwas wie ein Hollywood-Geheimtipp. Hoffentlich vermasselt die Traumfabrik den positiven Gesamteindruck nicht und schiebt eine erzwungene Fortsetzung nach. Angesichts der rekordverdächtigen Einspielergebnisse dürfte das aber wohl nicht wundern.
 
 
 


 
 
 

GET OUT – Zensur

 
 
 
Erst im Finale geht es Schlag auf Schlag und etwas Gewalt gibt es zu sehen. Eine Schädeldecke wird aufgesägt, ein Körper wird von einem Hirschgeweih durchbohrt, Gewehrmunition kommt zum Einsatz und ein Schädel wird mit einem Gegenstand eingeschlagen. In Amerika gab es dafür ein Rated R – was hierzulande mit einer Erwachsenenfreigabe gleichzusetzen wäre. Doch in Deutschland ging die FSK dann doch nicht so weit. GET OUT läuft in deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

GET OUT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Birthday (2004)
 
Die Frauen von Stepford (1975)
 
Awaiting (2015)
 
The Harvest (2013)
 


Filmkritik: „Slasher.com“ (2017)

slashercom-2017-poster
 
 
 

SLASHER.COM

Story

 
 
 

Jetzt wird wieder gekreischt und gewimmert, denn zwei Mittzwanziger geraten während eines Kennenlernens in die Fänge einer Familie, die das Foltern zum Hobby gemacht hat.

 
 
 


 
 
 

SLASHER.COM – Kritik

 
 
 
Was erwartet man eigentlich von einem Film, der sich SLASHER.COM schimpft? Handelt es sich hier um einen Horrorstreifen über eine kontroverse Webseite auf der das Töten zum Sport deklariert wird. Oder steckt dahinter gar einen Schocker über eine ominöse Vereinigung, die mit Hilfe des Internets ahnungslosen Teenager das Fürchten lehren möchte. Jede Art von Spekulation ist im Falle von SLASHER.COM vertane Zeit, denn hier hat der Titel rein gar nichts mit dem eigentlichen Inhalt gemein, der in diesem B-Movies über den TV-Apparat flimmert. Statt kreischende Teenager und maskierte Killer gibt es eine kuriose Familie zu sehen, die unwissenden Touristen mit Folter das Leben schwer. Doch wie es im Horrorfilm nun mal so ist, geraten auch Bösewichte irgendwann mal an ihre Meister, die sie dann für Vergehen bestrafen. Was jedoch hartes Horrorfutter vermuten lässt, ist leider übler Tobak, der an Dilettantismus kaum zu überbieten ist. Der Grund: SLASHER.COM erweckt den Anschein, als hätte hier ein zwar ambitionierter aber auch unerfahrener Filmliebhaber einen Horrorstreifen mit Null Kapital gedreht. Das Resultat befindet sich auf Amateurniveau und quält mit unbeholfenen Kampfszenen, schlechten Schauspielern und unprofessionellen Gewaltszenen. Letztere dürften in ihrer trivialen Umsetzung Fans der härteren Gangart nicht mal ein Schmunzeln entlocken können. Das sind keine guten Vorraussetzungen, um das Interesse horrorhungriger Zuschauer wecken zu können. Obwohl mit R.A. MIHAILOFF (TEXAS CHAINSAW MASSACRE 3 oder HATCHET 2) und JEWEL SHEPARD ein paar bekannte Gesichter aus berüchtigten Horrorfilmen der 1990er am Start sind, sollte man angesichts der semiprofessionellen Machart besser einen Bogen um SLASHER.COM machen.
 
 
slashercom-2017-bild-1
 
 
Das grenzt an Naivität: Jack Roper (BEN KAPLAN) und Kristy Smith (MORGAN CARTER) versuchen sich auf anderem Wege zu daten. Man hat sich in einer Singlebörse im Internet kennengelernt und will sich nun bei einem Wochenende im Wald genauer beschnuppern. Dazu hat man eine Hütte gemietet, deren Eigentümer (zumindest beim Zuschauer) keinen vertrauenerweckenden Eindruck hinterlassen. Es sind drei Hinterwäldler, die Bungalows jungen Stadtmenschen anbieten, damit die hier in ländlicher Natur vom Großstadtleben abschalten wollen. Doch die Ferienwohnung ist nur Tarnung. „Momma“ und Anhang sind nämlich ausgefuchste Killer, die erst das Vertrauen ihrer Gäste gewinnen wollen, um sie dann foltern zu können bis ihnen das Lebenslicht ausgeht. Auch Jack und Kristy fallen auf ihre Gastgeber herein, obwohl sich „Momma“ bereits beim Unterzeichnen der Mietpapiere verhaltensauffällig benimmt. Sie lutscht lasziv an Löffeln und reibt sich an den Genitalien ihrer Gäste. Offenbar sind die neusten Opfer nicht die Hellsten, weshalb sie sich wenig später auch schon gefesselt auf Stühlen wiederfinden. Was folgt, kennt man wohl schon aus Filmen, wie HOSTEL und Konsorten. Es wird gequält, geschrieen, geflüchtet und gerächt. Bei einer so ausgelutschten Handlung hätte selbst mehr Budget aus SLASHER.COM keinen Horror-Hit gemacht. Langweilig!
 
 
slashercom-2017-bild-3
 
 
Ist SLASHER.COM eigentlich eine Horrorkomödie? Zumindest liegt der Verdacht nahe, denn einige Schauspieler im Film sind mit übertriebenem Eifer bei der Sache. Allen voran JEWEL SHEPARD. Die war schon in Horrorstreifen wie SCANNER COP 2 oder VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN zu sehen und spielt hier das Oberhaupt einer skrupellosen Familienbande, das den Zuschauer bereits nach wenigen Minuten mit penetrantem Overacting nervt. Ihr Schauspiel wirkt zu keinem Zeitpunkt glaubhaft und macht SLASHER.COM mehr zu Parodie – was vermutlich von den Regisseur CHIP GUBERA nicht beabsichtigt gewesen sein dürfte. Letzterer versucht mit SLASHER.COM auf Pfaden des berüchtigten Video-Nasty MUTTERTAG zu wandeln, erreicht aber zu keinem Zeitpunkt die Bissigkeit des (in Deutschland immer noch beschlagnahmten) Klassikers, der nicht unbegründet zu den wichtigsten Horrorfilmen der Videotheken-Ära gehört. Der kopiert fleißig, vergisst aber eigene Ideen. So läuft alles nach bekanntem Schema ab und mündet ins obligatorische Überraschungsende, das mittlerweile zum Horrorfilm gehört, wie das Amen in die Kirche. SLASHER.COM ist kein Film, auf den die Welt gewartet hat und hakt brav all das ab, was man seit Jahren in jeder Genre-Produktion zu sehen bekommt. Angesichts der unübersehbaren Ideenarmut macht das müde und dürfte – vor allem auch wegen technischer Defizite – bereits nach wenige Minuten zum Abschalten bewegen. Horrorfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.
 
 
slashercom-2017-bild-2
 
 


 
 
 

SLASHER.COM – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ist das Schund oder kann das weg? Man sollte sich nicht vom Filmplakat und dem reißerischen Titel blenden lassen. Titel und Poster passen nämlich gar nicht zum Inhalt von SLASHER.COM, der irgendwie an den Klassiker MUTTERTAG von 1980 erinnert und eher im Folter-Genre beheimatet ist. Leider wirkt hier alles unbeholfen. Die Handlung ist geklaut, die Schauspieler schlecht und Kampfchoreographien oder Gewalteffekte dürften selbst eingefleischten Amateur-Horror-Fans einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Immerhin wird die vorhersehbare Handlung zügig abgespult, so dass keine Längen entstehen. Besser macht das SLASHER.COM aber nicht gerade. Weil der Horrormarkt nahezu täglich mit Unfug überschüttet wird, dürfte so ein austauschbarer und vor allem miserabel umgesetzter Streifen wie SLASHER.COM kaum Eindruck hinterlassen können. Dazu besitzt er weder Alleinstellungsmerkmale noch gute Schauspieler – Grundvoraussetzungen, um überhaupt erst einmal das Interesse des Zuschauers zu wecken. Da reist auch ein Twist am Ende nichts mehr, der sich vehement darum bemüht einzigartig und originell zu sein. SLASHER.COM ist kaum der Rede wert. Mehr ins Detail zu gehen, wäre im Falle dieser Low-Budget-Produktion vergeudete Zeit.
 
 
 


 
 
 

SLASHER.COM – Zensur

 
 
 
Es gibt einige Gewaltmomente zu sehen. So wird ein Gegenstand in einen Oberschenkel getrieben, ein Kopf wird mit einem Stein „bearbeitet“, eine Machete bohrt sich durch einen Körper und ein spitzer Gegenstand wird in einen Unterkiefer geschoben. Wegen der unprofessionellen Machart wirkt die Zurschaustellung der Gewalt amateurhaft und nicht sonderlich hart. Sollte SLASHER.COM überhaupt in Deutschland erscheinen, gibt es vermutlich eine Freigabe mit rotem FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SLASHER.COM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Mucho Mucho Mucho Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mum & Dad (2008)
 
Darkroom – Das Folterzimmer (2013)
 
Muttertag (1980)
 
Mother’s Day – Mutter ist wieder da (2010)
 


Filmkritik: „We Go On“ (2016)

we-go-on-2016-poster
 
 
 

WE GO ON

Story

 
 
 

Miles Grissom hat Angst vorm Sterben und vor allem vor dem was danach kommt. Deshalb zahlt er viel Geld an denjenigen, der ihm zeigen kann, was auf der Schwelle zum Tod passieren wird. Gott sei Dank steht immer Mutter Charlotte (ANNETTE O’TOOLE aus SMALLVILLE) zur Seite, die ihren Sohnemann vor Betrügern und Unachtsamkeit beschützt. Der muss bald am eigenen Leibe erfahren, dass mit dem Tod gern auch mal Geschäfte gemacht werden.

 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Kritik

 
 
 
Was passiert eigentlich, wenn wir tot sind? Gibt es mit bereits verschiedenen Menschen ein Wiedersehen im Jenseits oder irren wir als verbitterte Geisterwesen rastlos auf Erden umher? Werden wir in einer anderen Lebensform wiedergeboren oder verharren wir bewegungslos in einer Holzkiste bis unsere Körper zu Staub zerfallen sind? Der Indie-Gruselstreifen WE GO ON geht diesem Thema auf den Grund und versucht Antworten auf eine Frage zu finden, die bereits seit Menschengedenken gestellt wird. Dabei hebt sich der Streifen mit seinem erfrischenden Konzept wohlwollend von der austauschbaren Geister- und Spukmassenware ab, die nahezu täglich in TV oder Kino zu sehen ist. Was hier gezeigt wird ist vom Ablauf ungewöhnlich unkonventionell und macht deshalb neugierig, weil WE GO ON nicht so schnell durchscheinen lässt, wohin die Reise führen wird. Das verwundert, vor allem deshalb, weil dieser tiefgründige Genre-Beitrag von Filmemachern inszeniert wurde, die vor einigen Jahren mit eher unbedachtem Horrorstoff von sich hören lassen haben. Mit dem Debütstück YELLOWBRICKROAD bekleckerten sich JESSE HOLAND und ANDY MITTON im Jahr 2010 nicht sonderlich mit Ruhm und lieferten langweiligen Mystery-Unsinn ab, der zu Recht von Kritikern verrissen wurde. Jetzt ist aber alles anders. Die beiden Newcomer scheinen nach einigen Regie-Arbeiten, wie CHILLING VISIONS – 5 SENSES OF FEAR dazugelernt zu haben. Entstanden ist sehenswertes Indie-Gruselkino, das den Zuschauer auf unbekannte Genre-Territorien lotst und dabei auch noch eine unverbrauchte Geschichte zu erzählen hat. Wem es daher dringend nach Neuerungen im Genre und gut durchdachten Handlungsaufbau dürstet, ist mit WE GO ON gut beraten.
 
 
we-go-on-2016-bild-2
 
 
Das Leben geht manchmal seltsame Wege. So auch für den attraktiven Miles (absolut glaubwürdig: CLARK FREEMAN), der nach einem schweren Autounfall plötzlich mit vielen Ängsten zu kämpfen hat. Vor allem das Sterben bereitet dem Leidgeplagten große Sorgen und das, was danach kommt oder auch nicht. Um sich die begründete Angst vor dem Tod nehmen zu lassen, gibt der Angsthase eine Anzeige in der Tageszeitung auf. Darin verspricht er demjenigen 30.000 Dollar, der ihm einen Beweis liefert, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Natürlich melden sich gleich dutzende Menschen, die meinen Geister oder Engel gesehen zu haben. Doch schnell wird klar, dass es sich bei den meisten derer um Spaßvögel und Betrüger handelt, die nur auf schnelles Geld aus sind. Immerhin können drei Kandidaten Interesse wecken. Darunter ein Wissenschaftler, ein Medium und der Inhaber eines geheimnisvollen Holzkästchens – HELLRAISER lässt grüßen. Leider erhält der Fragesteller auch dort nicht die Antworten, die er sich anfangs erhofft hat. Da klingelt unverhofft das Telefon und ein mysteriöser Anrufer will den skeptischen Miles eines Besseren belehren. So wandelt unser ängstlicher Held bald auf Spuren des Außerweltlichen und kommt der Totenwelt näher, als es ihm lieb sein dürfte. Manchmal ist es eben besser, bestimmte Türen nicht zu öffnen.
 
 
we-go-on-2016-bild-3
 
 
Die Geister, die er rief, wird er nicht wieder los. Hinter WE GO ON verbirgt sich ein origineller Mystery-Beitrag, der das Thema ‚Leben nach dem Tod‘ aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Statt schockiert, gegruselt und erschreckt, wird hier endlich mal wieder „erzählt“. Die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON fokussieren sich auf Protagonisten, deren Ängsten und Schicksale und setzen in ihrem clever gestrickten Mysterdrama eine Kette von Umständen in Gang, die Zuschauer und Filmhelden am Ende gewünschte Erleuchtung bringen wird. Dabei erweisen sich die zugänglichen und sympathischen Hauptfiguren als eigentliche Geheimzutat. Aus denen geht die gesamte Geschichte hervor und man wünscht ihnen nichts Böses. Weil die sich rational und menschlicher verhalten, wachsen sie schnell ans Herz. Etwas, was man in vielen schnell abgedrehten und austauschbaren Genre-Produktionen neueren Datums vermisst. WE GO ON ist kein Film fürs breite Publikum. Der günstige produzierte Mysterystreifen protokolliert in ruhigen und zurückhaltenden Bildern die berechtigte Angst vorm Tod, belehrt aber am Ende fast schon ermahnend, dass die Furcht vor dem Ableben unbegründet ist und man besser das Leben in vollen Zügen genießen soll. Der langsame Handlungsaufbau und der gemächliche Erzählstil sind jedoch Fluch und Segen zugleich. Weil sich WE GO ON leider viel Zeit für Geschichte und Figuren lässt und dabei auch kaum Horrorelemente zu bieten hat, dürfte sich manch Mainstream-verwöhnter Filmfan schnell gelangweilt fühlen. Angesichts der Flut an sich ständig wiederholender Grusel- und Horrorgeschichten ist das egal, schließlich steckt in WE GO ON das, was in vielen aktuellen Produktionen fehlt: Herzblut und Originalität.
 
 
we-go-on-2016-bild-1
 
 


 
 
 

WE GO ON – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine emotionale Suche nach Antworten. WE GO ON ist einer der emotionalsten und tiefgründigsten Gruselstreifen der letzten Jahre, der viele neuere Horror-Produktionen in den Schatten stellt. Das Szenario ist originell und die ungewöhnlichen Figuren wachsen schnell ans Herz. Trotz Geisterthematik ist WE GO ON aber kein Gruselfilm von der Stange. Schockmomente gibt es hier kaum zu sehen und auch sonst wird eher Unkonventionelles geboten. Überhaupt verbirgt sich hinter dem unaufgeregten Film mehr Drama über den Kampf gegen Ängste, das gerade wegen seiner hervorragend gewählten Schauspieler von aufgeschlossenen Genre-Fans vorgemerkt werden sollte. Statt eindimensionaler Massenware wird Grusel mit Hirn aufgetischt, der zum Miträtseln animiert und trotz ruhiger Inszenierung stets spannend bleibt. Die Wendungen, die WE GO ON im Verlauf der Handlung einschlägt, sieht man nicht kommen. Da kann sich der selbsternannte Mystery-Guru Hollywoods M. NIGHT SHYAMALAN (THE VILLAGE, SPLIT, THE VISIT) gern mal eine Scheibe von abschneiden. Der hat mit seinen haarsträubenden und überraschenden Filmauflösungen zuletzt eher für lautes Gelächter gesorgt, statt für verblüffte Gesichter. Wie’s richtig geht zeigen deshalb die Regisseure JESSE HOLAND und ANDY MITTON mit WE GO ON. Trotz mangelnder Effekthascherei – und vielleicht auch gerade deshalb – ist dieser Gruseltrip einer der unheimlichsten Filme, die wohl je gedreht wurden. Von uns gibt es daher das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Zensur

 
 
 
WE GO ON hat eigentlich kaum Gewalt oder Schauwerte zu bieten. Man sieht eine halb verweste Leiche und eine Schusswunde. Das war’s. Hierzulande reicht das für FSK16. Ob sich aber ein deutsches Label erbarmen und diesen originellen Gruselfilm hierzulande veröffentlichen wird, dürfte hingegen fraglich sein. Hier sollte man sich mal überraschen lassen.
 
 
 


 
 
 

WE GO ON – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sixth Sense (1999)
 
Wait Till Helen Comes (2016)
 
Jack Goes Home (2016)
 
The Suffering (2016)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 


Filmkritik: „Shut In“ (2016)

shut-in-2016-poster
 
 
 

SHUT IN

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Verkehrsunfall versucht Kinderpsychologin Mary den Tod ihres Mannes zu verarbeiten, während sie zudem die Pflege ihres in eine Art Wachkoma gefallenen Stiefsohnes übernimmt. An einem eingeschneiten Ort, bei dem das Wort Abgeschiedenheit noch untertrieben scheint, beginnt die Überforderte, nachdem sich unheimliche Ereignisse mehren, zunehmend an ihrem Verstand zu zweifeln …

 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Kritik

 
 
 
„Shut In“, was übersetzt soviel wie „ans Haus bzw. Bett gefesselt“ bedeutet, gehört zu den Filmen, die nur dann Spaß machen, wenn man wenig bis nichts über sie weiß. Diesem Umstand wird versucht beim Schreiben der Kritik zu entsprechen. Doch soviel sei verraten: Sechs Monate nach dem traumatischen Ereignis wird Mary noch immer von Gewissensbissen geplagt. Nachdem sie sich in der Vergangenheit weder als neue Mutter noch Therapeutin dem enthemmt pubertierenden Stiefsohn aus gewachsen fühlte, zehrt nun auch dessen tägliche Betreuung nach einer schweren Behinderung an den Nerven. Obendrein wird die psychotherapeutische Praxis weiter betrieben, in der sie ein junger Patient (dargestellt durch Jacob Tremblay, der bereits in „Before I Wake“ als Unheil ankündigendes aber knuffig ins Herz spielende Kind brilllierte) auch an ihre beruflichen Grenzen stoßen lässt. Als dessen Therapie beendet wird und der neunjährige Junge trotzdem in der Nacht unvermittelt vor ihrer Tür steht, beschließt sie ihm auch gegen übergeordnete Entscheidungen zu helfen. Doch dazu kommt es nicht, denn ebenso plötzlich ist er wieder verschwunden. Erneut psychisch erschüttert, da sie davon ausgehen muss, dass der kleine Kerl in der eisigen Einsamkeit erfroren ist, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihre Wahrnehmungen. Als optische und akustische Halluzinationen sie zu quälen beginnen, stellt sich unabwendbar die Frage, ob sie noch „Herrin ihrer Sinne“ ist.
 
 
shut-in-2016-bild-2
 
 
Die horrorerprobte Naomi Watts (Ring / Ring II / Kinder des Zorns IV) schlägt sich tapfer und erotisch ansprechend durch die bereits auf den ersten Blick hochwertig wirkende Produktion. Optik, Cast, Score usw. stimmen und auch wenn sich die Handlung langsam entwickelt, entsteht keine Langeweile. Dafür sorgen recht wirkungsvoll gesetzte kleine Schreckmomente, die eine ansprechend bedrohliche Stimmung untermalen. Doch reicht die Story, die wohl über mehrere Jahre auf der sogenannten Black List für „die besten unverfilmten Drehbücher“ stand, aus, um Horrorfans bei der Stange zu halten? „Shut In“ gelingt es lange Zeit, den Zuschauer ebenso wie seine gebeutelte Hauptprotagonistin in die Irre zu führen. Was ist Wahn? Was Wirklichkeit? Oder bekommt man es am Ende gar mit einem übernatürlichen Phänomen zu tun?
 
 
shut-in-2016-bild-1
 
 
Diese Unklarheit hat durchaus ihren Reiz und auch die Twistauflösung nach cirka der Hälfte der Laufzeit funktioniert durchaus erfreulich. Leider begibt sich der Streifen danach aber eher in arg konventionelle, das heißt schon wiederholt gesehene Gefilde, ohne neue Akzente zu setzen. Dass sich dabei unlogische Situationen häufen, sei verziehen, wenn man bedenkt in welchem Genre man sich befindet. In puncto Body Count, Tempo und bebildertem Schrecken hätte man die Handbremse allerdings durchaus mehr lockern können, wenn nicht müssen, um Begeisterungsstürme auszulösen. Das relativ unaufgeregte Ende hätte zudem eindeutig etwas mehr Innovation vertragen, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Zudem wirkt die Schlussszene unangenehm harmonisch und, nachdem was sich zuvor an Grauen ereignet hat, auch deplatziert unglaubwürdig.
 
 
shut-in-2016-bild-3
 
 


 
 
 

SHUT IN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Shut In“ ist für einen kuschlig stimmungsvollen Schmusegruselabend nahezu prädestiniert, während er als Partyhorror mit Kumpels wohl nicht die erste Wahl sein dürfte. In der ersten Hälfte begeistert die Geschichte mit einer cleveren Grundidee, welche sich bis zum Abschluss immer mehr in vorhersehbaren Entwicklungen verliert, was verdammt schade ist. Wer gepflegtem psychologischen Nervenkitzel ohne allzu laute Töne etwas abgewinnen kann, müsste an dem atmosphärischen Kammerspiel dennoch seine Freude haben.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Zensur

 
 
 
Neben dosierten Gewaltspitzen wie Messerattacken oder Schlägen an den Kopf bewegt sich das Gezeigte in einem Bereich, der die FSK friedlich gestimmt hat. Der Streifen lief in den Kinos bereits mit FSK16. Das hat sich auch bei der Heimkinoauswertung nicht geändert. „Shut In“ hat den blauen FSK16-Flatschen bekommen.
 
 
 


 
 
 

SHUT IN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
shut-in-bluray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shut In; USA | Kanada | Frankreich 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Interviews mit Cast & Crew

Release-Termin: 21.04.2017

 

Shut In [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHUT IN – Trailer

 
 

 
 
 

Andy78

(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Babycall (2011)
 


Filmkritik: „Sam Was Here“ (2016)

sam-was-here-2016-poster
 
 
 

SAM WAS HERE

(NEMESIS)

Story

 
 
 

In der kalifornischen Mojave-Wüste erlebt ein Handelsvertreter den blanken Horror. Erst leuchtet ein mysteriöses Licht am Himmel. Später machen Menschen Jagd auf ihn. Was liegt hier im Argen?

 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Kritik

 
 
 
Talentierte Schauspieler, ein cleveres Drehbuch und genug Spannung, um den Zuschauer bei Laune zu halten – es bedarf nicht viel um einen sehenswerten Horrorfilm zu drehen. Dennoch scheitern allein daran schon viele Regisseure, weil es den meisten Horrorfilmen neueren Datums an Ideen mangelt. Stattdessen werden die immer wieder gleichen Geschichten abgespult in der Hoffnung, mit der unersättlichen Nachfrage des horrorhungrigen Publikums irgendwie Geld verdienen zu können. Das macht müde und nimmt allmählich die Lust am Genrefilm. Immerhin gibt es Ausnahmen. Die sind zwar rar, aber dennoch vorhanden. Einer dieser Streifen mit Seltenheitswert nennt sich SAM WAS HERE, der mal wieder von einem Newcomer gedreht wurde, der auf Konventionen pfeift. Mit gerade einmal 70.000 Euro hat hier ein französischer Regisseur einen hitzigen Thriller gedreht, der wieder Lust auf mehr Horror macht. CHRISTOPHE DEROO nennt sich der ambitionierte Filmemacher, der mit seinem anarchistischen Filmdebüt und dem Mut zum Unkonventionellen Werke der französischen Terrorwelle ins Gedächtnis ruft. Die wütete in den 2000ern und brachte kontroverse Streifen wie MARTYRS oder HIGH TENSION hervor, welche sich sogar international einen Namen machen konnten. Auch dort kümmerte man sich weder um Grenzen noch Geschmäcker, hielt mit der Kamera drauf und polarisierte. Letzteres gelingt auch SAM WAS HERE ohne Probleme – wenngleich auf anderem Wege.
 
 
sam-was-here-2016-bild-1
 
 
NEMESIS – so wie SAM WAS HERE auch vermarktet wird – erzählt die rätselhafte Geschichte des Vertreters Sam (RUSTY JOINER), der von seinem Vorgesetzten ins amerikanische Hinterland geschickt wird, um mehr Kunden akquirieren zu können. Der fährt in schwüler Hitze durch die Mojave-Wüste von Kalifornien und klappert ein Haus nach dem anderen im kargen Ödland ab, um deren Bewohner zum Kauf seiner Produkte zu bewegen. Kurioserweise steht er aber immer vor verschlossenen Türen und auch sonst ist keine Menschenseele zu sehen. Nur ein lokaler Radiosender bietet Abwechslung zum monotonen Vertreteralltag. Auf dem wird pausenlos von den grausamen Verbrechen eines skrupellosen Kinderschänders berichtet, der in der Gegend für Angst und Schrecken sorgt. Leider nehmen die Ereignisse bald eine seltsame Wendung. Sam wird plötzlich von maskierten Menschen verfolgt, die ihm nichts Gutes wollen. Zudem werfen Briefe Fragen auf, in denen der ominöse Radiosender die Bewohner der Gegend zum Mord am Kindermörder anstiftet. Kein gutes Omen für den ahnungslosen Vertreter. Der muss bald einsehen, dass man ihn als den gesuchten Mörder verdächtigt. Aber warum? Für die Antwort darauf ist sollte man die grauen Zellen aktivieren.
 
 
sam-was-here-2016-bild-2
 
 
Es müssen nicht immer dunkle Gänge, gruselige Herrenhäuser oder verlassene Friedhöfe sein, um Gänsehaut bewirken zu können. Wie bereits zuletzt in DRIFTER oder CARNAGE PARK kann auch schwüle Wüstenatmosphäre dazu beitragen, um ausweglosen Horror zu transportieren. Die mysteriöse und spannend aufbereitet Geschichte ist hier die Quintessenz. SAM WAS HERE ist nämlich nicht so leicht zu durchschauen, denn Regisseur CHRISTOPHE DEROO verzichtet auf plausible Antworten und führt stattdessen seine mysteriöse Geschichte ins Absurdum. Ist der Filmheld ein kaltblütiger Kindermörder und kann sich daran nicht erinnern? Oder wird in diesem Film gar Kritik an den Medien geäußert, die durch gezielte Falschinformationen den Hass von Menschen schüren? SAM WAS HERE nimmt den Zorn der Zuschauer auf sich und verwirrt mit offenem Ende. Statt Antworten gibt es Fragen, auf deren Suche nach Antworten weitere Fragen aufgeworfen werden. Diese Richtung ist aber gewollt, denn Filmemacher CHRISTOPHE DEROO macht es seinem Vorbild DAVID LYNCH gleich. Auch der ist dafür berüchtigt einfache Geschichten zu erzählen, die viele Schubladen öffnen und so mehrere Interpretationen zulassen. Demzufolge sollte man das Köpfchen anstrengen und seine Phantasie spielen lassen. Wem das bewusst ist, erlebt mit SAM WAS HERE einen tadellosen Horrorbeitrag der sich ins Hirn brennen wird.
 
 
sam-was-here-2016-bild-3
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Achtung: Horror-Geheimtipp! Ultra-Spannender Überlebenshorror unter der drückenden Hitze Nord-West-Amerikas. Was hier mit 70.000 Euro in zwölf Tagen gedreht wurde ist erstaunlich. SAM WAS HERE (Alternativtitel: NEMESIS) ist auf technischer Ebene vielen Indie-Produktionen um Längen voraus. Zudem erweist sich Regisseur und Drehbuchautor CHRISTOPHE DEROO als wahrhaftiger Meister der Spannung. Sein Filmdebüt ist zwar mit knappen 70 Minuten nicht sonderlich lang, fesselt aber mit einer undurchsichtigen und ebenso unvorhersehbaren Geschichte ungemein. In Interviews erklärte der Newcomer, dass er neben DAVID LYNCH auch ein großer Liebhaber der Filme von Regisseur JOHN CARPENTER ist. Demzufolge gibt’s aggressiv pumpenden Synthesizer-Sound für die Ohren, der zweifelsohne die Frühwerke des Altmeisters Revue passieren lässt. Wie genanntes Vorbild versucht CHRISTOPHE DEROO mit wenigen Mitteln viel zu schaffen und zu sagen. Das kleine Budget sieht man dem Film zu keiner Minute an – eine Kunst für sich. Weil keine Antworten auf dem Silbertablett serviert werden, dürfte SAM WAS HERE aber manch Zuschauer vor den Kopf stoßen. Das ist gewollt, denn CHRISTOPHE DEROO gab in Interviews zu verstehen, dass Verständnis nicht zu seinen Prioritäten beim Filmemachen gehört. Daher sollte man einfach mal etwas tiefer forschen und die eigene Interpretationsfähigkeit walten lassen. Der Streifen lässt nämlich viele Erklärungsansätze zu. Das macht ihn so einzigartig. Trotzdem von uns ein kleiner Tipp: Im Film leuchtet des Öfteren ein rotes Licht am Himmel. Schenkt man der Aussage des Regisseurs Glauben, steht jenes Licht für wachsenden Hass. Je stärker es leuchtet, umso mehr Hass wird produziert. Wir wünschen genug Kreativität bei der Suche nach Antworten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Zensur

 
 
 
Eine Frau wird mit heißem Wasser verbrüht, ein Kopf wird eingeschlagen, eine Spritze in ein Gesicht gerammt, Gewehrmunition bohrt sich durch Körper und am Ende wird ein Protagonist mit Säure überschüttet. CHRISTOPHE DEROO ist laut Interview kein Freund zeigefreudiger Brutalitäten. Demzufolge wird oft nur angedeutet oder weggeblendet, wenn es zu deftig wird. SAM WAS HERE dürfte demnach problemlos die FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)
 
The Hitchhiker (2007)
 
Carnage Park (2016)