Filmkritik: „The Dare“ (2019)

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THE DARE

Story

 
 
 

Vier eingesperrte Menschen müssen um ihr Leben bangen. Ein maskierter Psychopath hält sie gefangen und hat offenbar Spaß am Foltern seiner Opfer.

 
 
 


 
 
 

THE DARE – Kritik

 
 
 
Wenn man im Horror-Genre Aufmerksamkeit erhalten will, muss man sich was einfallen lassen. Da genügen schon lange nicht mehr nur laute Schockeffekte und überraschende Wendungen, um die Gunst des Publikums gewinnen zu können. Der Wind ist rauer geworden und wenn man kaum Einfälle besitzt, um eine frische Geschichte zu erzählen, garniert man sein Machwerk mit kontroverser Gewalt. Je perverser, desto besser. Zuletzt ist das dem chilenischen Horrorthriller TRAUMA gelungen. Genannter Schocker bot reichlich Stoff zum Anecken und war damit ganz erfolgreich. Eine Erfolgsformel, die nun auch GILDES ALDERSON nutzt, um Geld zu verdienen. Der vermischt Themen bei denen Zensurwächter nicht unbegründet Alarm schlagen: Folter, Quälerei und Kinder. Normalerweise sind wir davon keine Freunde. Dennoch macht THE DARE so einiges richtig beim Schockieren. Die Kritik verrät Euch mehr.
 
 
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Eigentlich ist Jay ein glücklicher Vater. Der ist zwar oft nicht zu Hause, liebt aber seine Kinder umso mehr. Da bricht eines Tages ein Mann ins Heim ein und überfällt die Familie. Leider kann das besorgte Oberhaupt nicht eingreifen. Noch bevor Jay helfen kann, wird er zu Boden gebracht und bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich mit drei anderen Menschen in einem verschlossenen Raum wider. Die werden dort gefangen gehalten und regelmäßig von einem maskierten Fremden gefoltert. Einen der Anwesenden hat es dabei besonders hart getroffen. Dem wurde der Mund zugenäht. Als wäre das nicht bereits schlimm genug, schneidet der Peiniger ihm hin und wieder Fleisch von den Knochen. Kein gutes Omen, zumal Hunger der ständige Begleiter ist und keiner der Opfer eine Ahnung davon hat, wohin das Schicksal die Eingesperrten führen wird. Zartbesaiteten sei versichert: THE DARE ist kein leicht verdauliches Gruselfilmchen.
 
 
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Zwei Handlungssträngen führen zum Ziel. THE DARE erzählt zwei Geschichten. Während die eine von vier Gefangenen berichtet, die ein scheinbar endloses Martyrium in einem Kellerloch durchleben, entführt die andere den Zuschauer in das Leben des kleinen Dominic. Letztgenannter unterzieht sich einer Mutprobe und bricht in das Haus eines Unbekannten ein. Der erwischt den Eindringling und hält ihn über Jahre gefangen. Was hat das alles miteinander zu tun? Erst einmal gar nichts. Regisseur GILDES ALDERSON spannt den Zuschauer sprichwörtlich auf die Folter und hat sichtlich Spaß daran. Da wird reichlich Schmuddelkram auf der Mattscheibe zelebriert, um Gewaltfans bei der Stange zu halten. Vier Menschen gilt es zu quälen. Denen werden Nägel durch die Hände geschlagen oder Rasierklingen in die Speiseröhre geschoben. Reißerischen Inhalt gibt es genug, um den kranken Voyeurismus der Sadisten-Fraktion befriedigen zu können. Weil Folter auf Dauer recht eintönig wird, wechselt die Handlung immer mal wieder zum kleinen Dominic. Dem geht es nicht minder bescheiden. Der muss sich in Gefangenschaft den Regeln eines grausamen Mannes unterwerfen, welcher alles daran tut, damit der Junge von der Außenwelt abgekapselt wird. Kranker Shit, der oft ein unangenehmes Bauchgefühl verursacht. Das liegt vor allem daran, weil der unbekannte Kindesentführer weiß, wie er sein minderjähriges Opfer quälen und bestrafen muss, damit es gefügig wird.
 
 
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THE DARE lässt den Atem stocken. Wo andere getrost wegblenden, hält Macher GILDES ALDERSON schonungslos drauf. Der verschleiert durch die Dauerbeschallung von Gewalt so einige Logiklücken. Je mehr sich nämlich der Film seiner Ziellinie nähert, umso haarsträubender wird der Plot. Der mündet in ein Finale, das zwar beide Handlungslinien zusammenführt, aber nicht immer plausibel erscheint. Feingeister werden da zurecht mit dem Kopf schütteln. Trotzdem muss man Filmemacher GILDES ALDERSON zugestehen, dass der weiß wie man Spannung macht. Immer wenn man meint, dass einer der Handlungsstränge zu lang auf der Stelle verharrt, wechselt er kurz in den anderen und bringt damit Tempo ins Geschehen. Dieses Vorgehen macht THE DARE zu einem der besseren Vertreter des Folter-Genres. Letzteres hatte in den 2000ern mit so deftiger Kost wie HOSTEL oder SAW seine Hochzeiten. Mittlerweile sind die aber schon längst Schnee von gestern.
 
 
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THE DARE – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Kontroverser Shit, der dem Genre der Exploitationfilme alle Ehre macht. THE DARE versucht einzig, die niederen Instinkte des Zuschauers zu stimulieren. Es wird gefoltert, gequält und bestraft. Teilweise ist das ganz schön krank. Trotzdem muss man Regisseur GILDES ALDERSON anerkennen, das er einfachste Rezepturen ansprechend verpackt. Der erzählt mit diesem Folter-Filmdrama eine irrsinnige Geschichte, die bei so Filmen wie CHAINED, CARRIE und SAW klaut. Drei vollkommen verschiedene Streifen. Dennoch funktioniert die ungewöhnliche Symbiose ganz gut. THE DARE ist nämlich recht spannend geraten – auch wenn die Auflösung der Geschehnisse unterm Strich so ziemlicher Blödsinn ist. Fans des groben Handwerks wird das aber weniger stören. Für die ist es die Hauptsache, dass Grenzen überschritten werden. Das tut THE DARE zweifelsohne. Die hiesige FSK wirds freuen.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Zensur

 
 
 
THE DARE ist problematisch. Der Film behandelt zwei Themen, mit denen die FSK so gar keinen Spaß versteht. So erleben wir psychische und physische Gewalt an Minderjährigen durch Erwachsene. Andererseits sehen wir grausame Folterszenen als Mittel zum Selbstzweck. Zwei Gründe, warum es THE DARE hierzulande mit einer ungeschnittenen Freigabe schwer haben wird. Wir gehen davon aus, dass es keine ungeschnittene Fassung in Deutschland geben wird.
 
 
 


 
 
 

THE DARE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 
Chained (2012)
 
Saw (2004)
 

Filmkritik: „Feedback: Sende oder stirb!“ (2019)

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FEEDBACK: SENDE ODER STIRB!

(FEEDBACK)

Story

 
 
 

Radioshow des Grauens: Einige maskierte Einbrecher legen eine Radiostation lahm und übernehmen das Zepter. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die einen kalt und unvorbereitet treffen. Da schiebt man ahnungslos einen Film in den Player und erwartet eigentlich nicht viel. Umso erfreulicher, wenn es einen dann doch packt und nicht mehr loslassen will. Der spanische FEEDBACK ist eine dieser beschriebenen Produktionen. Der wurde ausschließlich in englischer Sprache gedreht und international besetzt. So lässt sich ein europäischer Film besser international verkaufen. Das Ergebnis ist Qualitätsarbeit aus Spanien bei der nicht wundern würde, wenn einen Herrn Jason Blumhouse der Teufel packt und FEEDBACK noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt neu interpretieren würde. FEEDBACK erinnert in seiner Machart an FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder den erst kürzlich hier besprochenen DAS GEHEIMNIS DER ROSE. In letzterem wurde eine Familie von einem Fremden terrorisiert, der noch ein Hühnchen mit der Bande zu rupfen hatte. Während dort der Horror in erster Linie psychischer Natur war, hält Regisseur PEDRO C. ALONSO von Kopfkino allein nicht sonderlich viel. Der lässt in seinem Regiedebüt FEEDBACK gleich mal den Hammer schwingen und sorgt für ein Blutbad. Hier wird Schockwirkung mit dem Riesenhammer erzielt. Zartbesaitete halten besser Abstand, denn FEEDBACK wirkt wegen der schonungslosen Skrupellosig- und Unberechenbarkeit von Bestie Mensch nach.
 
 
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Der Moderator einer erfolgreichen Radiosendung erlebt die Hölle auf Erden. Der wird eines Abends während einer Live-Übertragung von Einbrechern in seinem Moderationsraum festhalten. Jarvis Dolan soll die Sendung wie üblich weiter führen aber den Anweisungen der maskierten Fremden Folge leisten. Die haben keine besonderen Musikwünsche, sondern wollen den Moderator vor Live-Publikum zur Rede stellen. Eine Angelegenheit, die die Karriere des bekannten Rundfunksprechers beenden könnte. Das weiß Jarvis Dolan natürlich, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das perfide Spiel mitzuspielen. Die Kriminellen haben nämlich Geiseln in der Hand und sind zu allem bereit. Ist der Moderator nicht kooperativ, sterben nahestehende Menschen. Eine Tatsache, die diese Live-Sendung zur längsten im bisherigen Leben des Jarvis Dolan macht.
 
 
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Überschaubare Kulisse und Hochspannung pur. Die ganze Handlung von FEEDBACK spielt sich – ähnlich wie in so Filmen wie PANIC ROOM oder ELEVATOR – auf begrenztem Raum ab. Das bedeutet, dass sich die Geschehnisse in nur einem einzigen Zimmer zutragen, was zusätzlich für Anspannung sorgt. Panik, Klaustrophobie, Angst – extreme Herausforderungen, die den Film tragen und zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Regisseur PEDRO C. ALONSO lässt kaum Verschnaufpausen zu. Er beweist einen bewundernswerten Umgang mit Spannung, fordert seine Opfer und ebenso den Zuschauer. Was wollen die Einbrecher, wer versteckt sich hinter den Masken und zu was sind die Fremden fähig? Antworten auf Fragen, die natürlich so lang wie möglich verschleiert werden. Dazwischen: explizite Gewalt, psychologischer Terror und unerwartete Wendungen. Ja, FEEDBACK ist kein einfach zu verdauendes Filmchen – vor allem auch deshalb, weil der Film Kompromisse scheut und den Zuschauer wie auch seine Opfer durch die Filmhölle gehen lässt. Dabei bleibt grundsätzlich unklar, wer denn nun hier eigentlich gut und wer böse ist. Da verschwimmen Grenzen. Filmemacher PEDRO C. ALONSO macht aus Menschen Monster, die selbst in Extremsituationen über Leichen gehen und sich kontinuierlich in der moralischen Zweideutigkeit bewegen. Eine Tatsache, die verstört, zumal der Newcomer auch noch mit einem hinterlistigen Ende dort trifft, wo es am meisten wehtut. Das ist zwar nichts für Zuschauer mit schwachem Kreislauf. Trotzdem bleibt man aber mit so brachial schonungslosen Filmen im Gedächtnis. Eine Tatsache, die schon so manchem Filmschaffenden den Weg nach Hollywood geebnet hat. Kollegen wie ALEXANDRE AJA können ein Lied davon singen.
 
 
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FEEDBACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine kontroverse Geiselnahme, die schon bald aus dem Ruder läuft. FEEDBACK ist kein Kinderfasching. Der Film entpuppt sich als klaustrophobisches Kammerspiel, das vor allem durch eines im Gedächtnis bleibt: Schockwirkung. Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Das betrifft Figuren, wie auch Handlungsverläufe. Dazwischen: brachiale Gewaltausbrüche, die so unvorbereitet und heftig kommen, dass der Puls rast. Regisseur PEDRO C. ALONSO entpuppt sich als wahrhaftiger Spannungsmeister. Kaum Action, viele Dialoge. Dennoch vergehen die knapp 90 Minuten wie im Flug. Danach erhebt man sich schweißgebadet aus dem Filmsessel und braucht erstmal eine kalte Dusche. Krasses Debütwerk.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Zensur

 
 
 
FEEDBACK hat einige doch sehr harte Szenen zu bieten. Da wird mit einem riesigen Hammer eine Hand zertrümmert, auf einen Schädel mehrmals eingeschlagen und einen Kehlenschnitt gibt es auch zu sehen. FEEDBACK – SENDE ODER STIRB (so der deutsche Titel) hat eine Erwachsenenfreigabe erhalten. Die Filmfassung mit dem roten FSK-Sticker ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Blu-ray

 
 
 
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(c) PANDASTORM PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PANDASTORM PICTURES (limitiertes Mediabook mit DVD + Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Feedback; USA | Spanien 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2,35.1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Trailer, einige kurze Features: „Making of“, „Die Charaktere“, „Das Set“, „Make-up und Spezialeffekte“. | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: Mediabook: 06.12.2019 | KeepCase: 29.11.2019

 

Feedback – Sende oder stirb [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Feedback – Sende oder stirb [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pandastorm Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Das Geheimnis der Rose (2017)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „31 – A Rob Zombie Film“ (2016)

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31 – A ROB ZOMBIE FILM

Story

 
 
 
Eine Gruppe Schausteller (darunter einige Darsteller aus früheren Filmen von ROB ZOMBIE) wird von Fremden überfallen und in eine unterirdische Arena verschleppt. Dort müssen sie ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

31 – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte Zottelbart und Musiker ROB ZOMBIE nach THE LORDS OF SALEM dem Filmemachen den Rücken kehren. Der surreale Okkult-Grusler erntete mehr negative Kritiken – vor allem auch deswegen, weil Fanboys hier nicht die für Zombie bekannten Gewaltorgien zu sehen bekamen. Stattdessen kehrte der kontroverse Regisseur derben Schlachtplatten den Rücken und probierte sich im Subtilen aus. Leider war das Publikum vom optisch immerhin beeindruckenden Richtungswandel nicht sonderlich begeistert. Demzufolge erhielt ROB ZOMBIE für seinen schleichenden und teils ziellosen Schauerausflug nicht die Anerkennung, die er erhofft hatte und war beleidigt. Die Quintessenz: Erstmal Schluss mit Filmedrehen – zurück zu Comics und Musik. Offenbar war’s ihm so ohne Regieklappe in der Hand auf Dauer zu langweilig. Deshalb machten kurze Zeit nach THE LORDS OF SALEM Informationen im Internet die Runde, dass der Filmemacher an einem weiteren Horrorfilm tüfteln würde, der zu Zombies Regie-Wurzeln zurückkehren sollte. Mehr Härte und Hoffnung auf ein NC-17 (die höchste Freigabe, die Filme in den USA erhalten können) sollten Erwartungshaltungen schüren. Doch verspricht 31 auch das, was der Musiker, Comicautor und Regisseur seinen Anhängern im Vorfeld versprochen hat?
 
 
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Halloween des Jahres 1979. Eine Gruppe Schausteller reist mit einem Bus durch das Hinterland der Vereinigten Staaten. Viel scheinen die nicht im Hirn zu haben, denn gute Manieren oder eloquenter Ausdruck scheinen den Zeitgenossen fremd. Da kommt es dem Zuschauer geradezu gelegen, dass der gammeligen Sitte endlich mal der Marsch geblasen wird. Bei der Reise durchs ländliche Amerika stoßen die Freunde auf seltsame Vogelscheuchen, die jemand kurz zuvor auf der Fahrbahn platziert haben muss. Wenig später ist Land unter. Vermummte Gestalten überfallen den Bus, töten die Bande und verschleppen fünf der Kumpels in eine unterirdische Arena. Hier werden Todesspiele gespielt und Wetten abgegeben. Gut für die Initiatoren der Veranstaltung, schlecht für die unfreiwilligen Teilnehmer der Menschenhatz. Die müssen sich vor einer Horde Killer-Clowns in Sicherheit bringen, die mit unterschiedlichem Mordwerkzeug den menschlichen Zielscheiben an den Kragen wollen. Immerhin gibt es ein Ziel. Wer zwölf Stunden im Spiel 31 überlebt, kann auf Gnade hoffen. Doch ob es überhaupt einem der fünf Freunden gelingt, die Nacht heil zu überstehen? Man kann es nur hoffen.
 
 
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Einmal mehr setzt ROB ZOMBIE auf das, was seine Filme nun mal ausmachen. Das bedeutet: Verrohende Sprache, gammelige Typen und brutale Gewaltmomente. Somit orientiert sich 31 in seiner Machart an die Erstlingswerke des Schock-Rockers, der mit DAS HAUS DER 1000 Leichen und der Fortsetzung THE DEVIL’S REJECTS vor allem beim horrorerprobten Zuschauer Eindruck hinterlassen konnte. Leider dürfte die Rückkehr zum Altbewährten diesmal zwar durchaus Fans der härteren Filmart zufriedenstellen; der große Coup ist mit 31 leider nicht gelungen. Horror definiert sich nicht nur durch eine lose Aneinanderreihung von möglichst heftigen Gewaltexzessen. In Zombies 31 bleiben Figuren allesamt gesichtslos, was das Treiben relativ unnahbar gestaltet, denn Sympathieträger fehlen gänzlich. Demzufolge dürfte der Zuschauer weitestgehend unberührt vom Schicksal der Helden und Bösewichte bleiben, denen es in 31 nicht gerade zimperlich an den Kragen geht.
 
 
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Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Das macht 31 aus, denn der Survival-Horrorfilm besitzt außer dem möglichst zeigefreudigen Ausradieren seiner Figuren nicht viel, was Erwähnung finden könnte. Leider verpufft die teils schockierende Wirkung der meisten Gewaltakte gänzlich, denn Macher ROB ZOMBIE lässt viel mit der Kamera wackeln, anstatt mal richtig draufzuhalten. So kommen zwar Nagelkeulen und Motorsägen zum Einsatz – außer viel Geschrei und Hektik bleiben jedoch die wenigsten der groß angekündigten Brutalo-Szenen in Erinnerung. Das spricht nicht gerade für den Film, der ohnehin ein großes Problem mit seiner rudimentären Handlung hat. Die wurde offensichtlich um diverse Gewalteinlagen geschrieben, schafft aber kaum Klarheit. So bleibt unbeantwortet, warum hier Menschen weggefangen und für Todesspiele missbraucht werden. Aber auch das Mysterium um die Drahtzieher der skrupellosen Organisation wird nicht gelüftet. Vermutlich will sich Zombie da wohl Stoff für mögliche Fortsetzungen offen lassen – sollte der Film sein Publikum finden.
 
 
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Letztendlich ist auch 31 einer dieser Film aus der Mache des ROB ZOMBIE, den man entweder mag oder auch nicht. Der schonungslose Überlebenskampf bewegt sich irgendwo zwischen Filmen wie RUNNING MAN und DIE INSEL DER VERDAMMTEN, überzeugt mit dreckigem 70er-Look und punktet definitiv in Sachen Atmosphäre. Hier muss man Zombie durchaus Talent aussprechen, denn 31 dürfte der wohl düsterste Streifen sein, den der zottelige Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat. Leider hat auch 31 – wie die übrigen Filme des ROB ZOMBIE – ein großes Problem mit der Wortgewandtheit seiner Figuren. Vulgäres Miteinander steht hier an der Tagesordnung, was den Streifen nicht unbedingt besser macht. Das unterstreicht zwar den exploitationhaften Charakter des Horrortrips, geht aber irgendwann so ziemlich auf den Wecker. Wer darüber wegsehen kann und kein Problem mit Filmen hat, die kaum Handlung besitzen und sich von einem Gewaltmoment zum nächsten hangeln, könnte kurzweilig unterhalten werden. Große Horrorfilmkunst ist 31 definitiv nicht. Da hat man schon besseres von Herrn Zombie gesehen.
 
 
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31 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Exploitation á la carte – Ein ROB ZOMBIE-Schocker wie er im Buche steht. Mit 31 kehrt der kontroverse Macher deftiger Filmalbträume wieder zu seinen Wurzeln zurück. Der durch Crowdfunding finanzierte Schocker hat vor allem eines zu bieten: Gewalt – und davon nicht wenig. Leider dürften die Schlachtorgien nicht jedermanns Sache sein. Das liegt nicht in erster Linie an der Grausamkeit der zelebrierten Morde, sondern eher an der unruhigen Kameraführung, die Schwindelgefühle auslöst. Zombie siebter Ausflug ins Regiefach glänzt durch düstere Optik, die beunruhigt – aber auch durch nahezu kaum vorhandene Handlung. Im Mittelpunkt steht ausschließlich der Gedanke, wie man Opfer möglichst reißerisch bebildert um die Ecke bringen kann. Das kann 31 ganz gut. Zu mehr taugt der Film leider nicht, dazu ist der Streifen einzig darauf aus, die niederen Instinkte des Zuschauers zu befriedigen.
 
 
 


 
 
 

31 – Zensur

 
 
 
31 hatte es nicht leicht mit der US-Freigabebehörde MPAA. Die wollte dem Streifen in der Urfassung das kommerziell tödliche NC-17 aufdrücken. Demzufolge musste der Streifen vom Regisseur geschnitten werden (angeblich nur 4 Sekunen), um ein R-Rating erhalten zu können. Auf dieser Version beruht nun auch die deutsche DVD und Blu-ray. Diese beinhaltet demzufolge die amerikanische Kinofassung. Immerhin ist die aber komplett. Angesichts der ruppigen Vorgehensweisen im Film ist die ungeschnittene Freigabe schon sehr verwunderlich.
 
 
 


 
 
 

31 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit DVD & Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 31; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.03.2017 (BD KeepCase)

 

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31 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Running Man (1987)
 
Insel der Verdammten (1982)
 
Carnage Park (2016)
 
Hostel (2005)