Filmkritik: „Stephen Kings Schlafwandler“ (1992)

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STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER

(SLEEPWALKERS)

Story

 
 
 
Mutter Mary und Sohn Charles Brady haben ein, nein eigentlich zwei finstere Geheimnisse. Des Nächtens verwandeln sich die beiden in menschengroße Raubkatzen auf zwei Beinen. Werkatzen? Jedenfalls sind sie mit Vampirismus geplagt und inzestuös miteinander im Gange. Echte Katzen können auch hinter der tagsüber aufrechterhaltenen Menschengestalt der Monster sehen, was Sache ist und sind in der Lage, den Feinden im Kampf schwere Wunden zuzufügen. Nach dem Umzug in den Mittleren Westen der USA macht sich Charles an die hübsche Tanya ran, deren Lebenssaft für ihn und seine Frau Mutter benötigt wird.

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER – Kritik

 
 
SCHLAFWANDLER, ein irgendwie in den letzten Jahren ein wenig vergessener Horrorfilm der Video-Ära, ist Stephen Kings deutlich als solche zu erkennende Hommage an Jacques Tourneurs romantischen Gruselklassiker KATZENMENSCHEN aus den Vierzigern. Da Regisseur und Autor Paul Schrader bereits 1982 ein Remake in die Kinos bringt, will King in der Folge nicht einfallslos wirken und sieht sogar von der Veröffentlichung des Romans ab. 1992 dann schreibt er selbst das Drehbuch und findet als Regisseur Mick Garris, mit dem er in den nächsten Jahren immer wieder zusammenarbeiten wird. Die für damalige Verhältnisse aufwendige TV-Serienproduktion THE STAND: DAS LETZTE GEFECHT stammt zum Beispiel von Garris. Diese Debüt-Kooperation der beiden Horror-Helden sticht bereits heraus. Sie ist unterhaltsam, schnell, spannend, irgendwie auch pervertiert sexy und nicht zuletzt erstaunlich brutal. Monster-Make-Up und Splatter-Effekt-Arbeit sind ideal. Eben genau so, wie man sie in den Achtzigern und Neunzigern – eben der Zeit vor der feindlichen Übernahme des Computereffektwesens von einem Film wie SCHLAFWANDLER erwarten darf. Schön, jetzt eine Uncut-Scheibe in Händen zu halten.
 
 
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Kritikpunkte muss es geben: Man merkt dem vom Meister verfassten Drehbuch eine gewisse Unsicherheit an. Fast, als habe King, aus Vorsicht, nicht zu nahe an die CAT PEOPLE heranzuschreiben, Unklarheiten in der Erzählung gelassen. Hier weiß man nicht, man kann es sich allerdings denken, ob jene Unklarheiten so bereits in seinem nicht veröffentlichten Manuskript bestanden haben. Vermutlich nicht. So wäre schon interessant zu erfahren und auch der Geschichte zuträglich, woher die Rivalität mit und Verwundbarkeit gegenüber eher harmlosem Getier wie Hauskatzen herkommt. Die mag man solch eindrucksvoll geschaffenen Alptraumgestalten wie Mary und Charles gar nicht zugemutet wissen.
 
 
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Das ansehnliche Hauptdarstellergespann bilden Brian Krause, der jung in der RÜCKKEHR ZUR BLAUEN LAGUNE leidet und später bei CHARMED: ZAUBERHAFTE HEXEN Fernsehprominenz erringt und Mädchen Amick, deren Vornamen der damals die Bravo lesende Rezensent nicht verstehen kann. Die obsessive Monstermutter spielt überzeugend Alice Krige. In kleinen Rollen sehen wir den zu früh abgetretenen Glenn Shadix und Ron Perlman, der ja – das wissen auch nicht mehr viele – eine Katzenmenschen-Vergangenheit auf den Fernsehschirmen sein Eigen nennen darf. Eine wahre Cameo-Show bieten die Auftritte von Luke Skywalker persönlich, Mark Hamill also, sowie der Horrormacher-Kollegen Clive Barker, Joe Dante, John Landis und Tobe Hooper. Stephen King selbst ist natürlich auch an Bord.
 
 
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STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Untergegangener aber durchaus lobenswerter Teil des fast unendlich umfangreichen Stephen-King-Filmuniversums, der eine Wieder- oder Neunentdeckung lohnt. SCHLAFWANDLER ist eine irgendwo zwischen Werwolf- und Monsterfilm einzusortierende Verbeugung vor einem Horrorfilm der Schwarzweißzeit. Eventuelle Holprigkeiten in der Story werden durch herrlich zeitgemäße Masken und Gore-Effekte mehr als ausgeglichen.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER – Zensur

 
 
 
SCHLAFWANDLER erlitt das gleiche Schicksal wie die meisten Horrorfilme in den 1980ern und 1990ern. Der Film wurde 1993 indiziert. Es folgten einige geschnittene, aber auch ungeschnittene VHS-Releases. Auf DVD war der Horrorfilm aber ungeschnitten. Erst im Mai 2018 wurde die Indizierung aufgehoben. Im Juli 2019 feierte SCHLAFWANDLER seine deutsche Blu-ray-Premiere im Mediabook. Das war ungeschnitten und ungeprüft. Erst 2020 lies Rechteinhaber SONY das Filmchen neu bei der FSK prüfen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine FSK16. Die nun erhältliche Kaufhausfassung im KeepCase ist trotz blauem FSK-Flatschen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment – KeepCase

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(c) Nameless Media – Mediabooks

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(c) Nameless Media – Büste & Mediabook

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sleepwalkers; USA 1992

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Booklet und Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 26.07.2019 | KeepCase: 12.03.2020

 

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STEPHEN KINGS SCHLAFWANDLER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT | NAMELESS MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Katzenmenschen (1982)
 
Katzenmenschen (1942)
 
Wolfman (2010)
 

Filmkritik: „Romeo Is Bleeding“ (1993)

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ROMEO IS BLEEDING

Story

 
 
 

Verzwickte Sache. ROMEO IS BLEEDING ist ein klassischer Fall von Film, dessen allzu ausführliche Inhaltsangabe dem neuen Zuschauer den Spaß komplett verderben würde. Also dann in knapp: Gary Oldman spielt den in alle Richtungen korrupten Polizisten Jack Grimaldi, der sich mit der falschen Mafia-Killerin einlässt. Diese tödliche Dame ist nicht nur im Umgang mit Schusswaffen gefährlich, sondern versteht sich auch im Verwenden von Informationen, mit denen sie dem moralisch wackelig dastehenden Gesetzeshüter das Leben völlig zerstören kann.

 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Kritik

 
 
 
Seinerzeit kann ROMEO IS BLEEDING so gut wie gar nicht einsortiert werden. In der Konsequenz sind die Zuschauerzahlen in den Kinos fürchterlich niedrig – erst in der nachfolgenden Videotheken-Verwertung sieht die Sache besser aus. Wohlwollend gestimmte Kritiker zumindest sehen in Peter Medaks Film einen Wegweiser in Richtung verschiedener ultra-brutaler und sich der vorausgegangenen Filmgeschichte bewusster Thriller, wie sie kurz darauf, in der Nachfolge von PULP FICTION zum Rückgrat der Filmindustrie werden sollten. Genauestens beobachtete, am Film Noir geschulte Handlungsfäden, die sehenden Auges in die Vernichtung der Charaktere führen, münden in exzessiven Gewaltausbrüchen. Eine graphisch präsentierte Brutalität, die das Publikum 1993 schlicht so kalt erwischt, dass der nach einem Song des unbesiegbaren und damals noch nicht unbedingt gehypten Tom Waits benannte Film regelrecht unter negativer Mundpropaganda zu leiden hat. Es ist eine Schande, findet hier doch bereits die Verbindung zwischen wasserdicht gescripteten Noir-Strukturen und sadistischen Austickern statt, die 1995 mit dem Fifties-Remake KISS OF DEATH zu Aufmerksamkeit und 1997 mit L.A. CONFIDENTIAL gar zu Oscar-Ehren kommen wird. Vom Elefanten im Raum, Quentin Tarantinos PULP FICTION nämlich, ganz zu schweigen.
 
 
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Gary Oldman, heute natürlich anerkannt als einer der größten lebenden Charakterdarsteller des Kinobetriebs, stellt sich in jenen Tagen, erste Hälfte der Neunziger, ein Portfolio von Rollen zusammen, auf denen sich sein späterer Ruhm begründen wird. Da wäre unstrittig seine Interpretation des Grafen DRACULA – in allen Mutationen, die er in Coppolas Film durchläuft, der grausam-psychotische Dreadlock-Zuhälter Drexel in TRUE ROMANCE oder der noch irrere Junkie-Bulle in LEON – DER PROFI. Sein Officer Grimaldi hier weist in seiner Hilflosigkeit und schließlich fatalen Zerrissenheit schon auf seine ruhiger angelegten Rollen der Zukunft hin und demonstriert die schauspielerische Tiefe und Vielseitigkeit des Iren.
Peter Medak, der in Ungarn geborene Regisseur am Werke, ist eigentlich in so gut wie jedem Genre zuhause. Ein echter Routinier kann man sagen. Sein größter Treffer im Horror-Genre ist 1980 THE CHANGELING, ein bei uns als DAS GRAUEN vermarkteter Geisterfilm mit dem großen George C. Scott, der nicht zu Unrecht als einer der gruseligsten seiner Zunft gilt.
 
 
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ROMEO IS BLEEDING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Peter Medaks schweinisch harter Versuch, den Film Noir in die 90er zu übertragen, sieht nach fast dreißig Jahren besser aus denn je. Damals stellt er sein Publikum vor ein Rätsel. Heute – dreihundert echte und gefälschte Tarantino-Filme später – dürfte die historische Rolle des Thrillers unbestreitbar sein: So gut wie jeder moderne Gangster- oder Polizeifilm, der sich drastischer Gewaltsequenzen bedient, trägt Spuren von ROMEO IS BLEEDING in seiner DNS.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Zensur

 
 
 
ROMEO IS BLEEDING erhielt für eine Kinoaufführung im Jahre 1994 eine Erwachsenenfreigabe (FSK18). Diese war ungeschnitten. Später folgte eine ebenso ungeschnittene Fassung auf VHS. Neben dieser lies man auch eine um fünf Minuten gekürzte Version anfertigen, für welche man eine FSK16 erhielt. Diese fand man ziemlich oft in den Videoregalen der Kaufhäuser. Eine noch stärker geschnittene TV-Fassung lief sogar im Fernsehen. Bei dieser fehlten geschlagene zehn Minuten an Filmmaterial. Mit dem Siegeszug der DVD erschien ROMEO IS BLEEDING im Jahr 2000 über EUROVIDEO wahlweise in einer gekürzten FSK16- oder eine ungeschnittenen FSK18-Version auf DVD. Nun hat es der Thriller auch ins HD-Zeitalter geschafft. Erst brachte NSM RECORDS den Streifen ungeprüft im Jahr 2019 im Blu-ray/DVD-Mediabook. Danach ließ das Label den Film neu prüfen und bekam von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in ungeschnittener Form. Diese Filmfassung befindet sich im praktischen Blu-ray-Steelbook, das man nun im deutschen Handel kaufen kann.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray Steelbook)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Romeo Is Bleeding; Großbritannien | USA 1993

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 110 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Steelbook | Mediabook

Extras: Deutscher Trailer, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16 seitiges Booklet mit Text von Daniel Wagner und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabooks: 30.04.2019 | Steelbook: 31.01.2020

 
 
NSM hat vier limitierte und von der FSK ungeprüfte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht. Seit Januar 2020 kann man ROMEO IS BLEEDING auch in Deutschland als Blu-ray im Steelbook im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten und ist frei ab 16 Jahren.
 
 

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ROMEO IS BLEEDING – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Kiss of Death (1995)
 
L.A. Confidential (1997)
 

Filmkritik: „Poker Night“ (2014)

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POKER NIGHT

Story

 
 
 
Polizist Jeter (Beau Mirchoff) erlebt im Keller eines Hauses das pure Grauen. Er wurde von einem Psychopathen entführt und muss nun allerhand Grausamkeiten über sich ergehen lassen. Wenige Stunden zuvor saß er noch zusammen mit einigen Arbeitskollegen an einem Kartentisch, die dem Neuling in geselliger Runde von den spektakulären Fällen ihrer Karriere erzählten.

 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Kritik

 
 
 
Jahre nach dem Boom der sogenannten Torture-Porn-Welle finden immer wieder überflüssige Nachzügler ihren Weg in die Heimkinos, die dem unbewanderten Filmfan da draußen zeigen wollen, dass es im Kino auch mal eine Zeit gab in der es im Film etwas härter zugange ging. Der Trend scheint nach dutzenden Found-Footage-Gähnern und Geister-Schnachern in Vergessenheit geraten zu sein, was aber eifrige Regisseure nicht davon abhält in bescheidener Regelmäßigkeit stets etwas Folterei auf die Mattscheibe zu bringen – wenn auch ausschließlich für den Videomarkt produziert.
 
POKER NIGHT ist so ein reichlich verspäteter Ableger der einst kassenträchtigen Folter-Welle und folgt dem noch grünschnäbeligen Polizisten Jeter (BEAU MIRCHOFF), der gerade seinen ersten größeren Auftrag erfolgreich abgeschlossen hat. Ihm gelang die Festnahme eines gesuchten Psychopathen, was ihm nicht nur die Anerkennung seiner Kollegen einbrachte, sondern auch die Teilnahme zu einem dieser Pokerabende, an denen sich erfahrene Polizisten versammeln, um mit spektakulären Geschichten aus ihrem Berufsleben prahlen zu können. Leider hat das erste Poker-Duell für Jeter ein unerwartetes Ende zur Folge. Auf dem Heimweg wird er von einem Fremden überwältigt und in einen Keller verschleppt. Dort muss der Jungpolizist zusammen mit seiner Freundin schlimmste Quälerei erdulden und erinnert sich in Gefangenschaft an jene Weisheiten und Erzählungen zurück, von denen seine Cop-Kollegen noch wenige Stunden zuvor am Pokertisch berichtet hatten.
 
Nach Arbeiten an dutzenden TV-Produktionen tischt Drehbuchautor und Regisseur GREG FRANCIS mit POKER NIGHT sein Spielfilmdebüt auf und orientiert sich mit dem ansprechenden Filmlook seines Erstlings an die finstere Bildsprache eines JAMES WAN, der vor knapp zehn Jahren mit der beliebten Folter-Schnitzeljagd SAW (2004) internationale Erfolge verbuchen konnte. Der Zuschauer wird Zeuge dreckiger Bildkompositionen, die der Regisseur vermehrt in Grün- und Rottöne taucht und gar an Tortur-Heuler wie besagtem SAW und THE COLLECTOR (2009) erinnern. Neben reichlich Gewalt, Schussgefechten und makabren Folterideen (so wird Filmheld Jeter mit Hilfe von Spezialkleber an die Wand gekleistert) scheint zuletzt erwähnter Horror-Thriller vor allem beim Masken-Design Eindruck hinterlassen zu haben. Der Fiesling in POKER NIGHT trägt ähnliche Maskierung wie einst der legendäre Sammler im perfiden Katz-und-Maus-Spiel, dem man 2012 mit THE COLLECTION sogar eine Fortsetzung folgen lies.
 
Von den Qualitäten der genannten Splatter-Granaten ist POKER NIGHT jedoch um Längen entfernt. Viel zu oft wird der Zuschauer ungeschickt aus der Haupthandlung gerissen und gleichzeitig durch unnötige Rückblenden verwirrt, die zurück an den Kartentisch führen, wo der Spannungsbogen immer wieder durch schlecht platzierte Erzählungen anwesender Polizisten unterbrochen wird. Die blicken auf ihre Karriere zurück, brüsten sich mit den spektakulären Einsätzen ihrer bisherigen Polizistenlaufbahn und quasseln von hinterlistigen Serienmördern, die von einer krankhaften Sucht des Tötens getrieben werden. Für eine Anthologie durchaus interessanter Kurzgeschichtenstoff, weil POKER NIGHT Material für mindesten fünf weitere Filme bereithält. Im Falle von POKER NIGHT ein nerviges Übel, das dem Filmfreund schnell die Lust am Filmeschauen vermasselt, weil das Folgen der eigentlichen Handlung durch unzählige Flashbacks und Storyabzweigungen nahezu unmöglich gemacht wird.
 
Eigentlich hätte alles so schön werden können, denn POKER NIGHT macht in Sachen Folter alles richtig. Macher GREG FRANCIS zeigt nicht viel, aber auch nicht zu wenig, lässt Opfer flüchten, um sie in darauffolgender Szene vom Killer erneut einfangen zu lassen. POKER NIGHT wächst vor allem während der Quälmomente zu eigentlicher Größe heran, weil es dem Film trotz trivialer Gewaltszenen und allerhand Vorhersehbarkeiten gelingt, immer noch genügend Nervenkitzel zu verursachen, so dass der Zuschauer gebannt in seinem Filmsessel verharrt. Viel Spaß an den wenigen Folterakten bleibt jedoch nicht, denn FRANCIS widmet sich ausgerechnet dann seinen unzähligen Nebenhandlungen, wenn es zur Sache geht und für Gewaltfans interessant wird. Dass der Überraschungstwist am Ende nicht fehlen darf, ist mal wieder so eine nervende Horror-Zutat, die seit einigen Jahren sichtlich in Mode gekommen ist. Hier werden die Ambitionen des Killers gelüftet, die reichlich Phantasie voraussetzen, um sie überhaupt nachvollziehen zu können. Letztendlich bleibt zu erwähnen, dass GREG FRANCIS viel Potenzial verschenkt hat und etwas zu eifrig und unbeholfen namhaften Filmschaffenden wie DARREN LYNN BOUSMAN oder MARCUS DUNSTAN hinterhereifert, so dass er ganz nebenbei seine eigene Geschichte aus den Augen verliert. Die ist mit unnötigen Informationen überladen, undurchsichtig, reichlich sprunghaft und absolut unglaubwürdig, was POKER NIGHT zu einem zwar handwerklich soliden, aber nicht sonderlich sehenswerten Filmerlebnis macht.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Durchgestylter Folter-Thriller, der sich vor der legendären SAW-Serie verbeugt. Auch wenn auf dem Filmposter zum Thriller POKER NIGHT ein Angst einflößender Killer grinst, dessen Maske etwas zu offensichtlich an THE COLLECTOR erinnert, hat der Film natürlich nichts mit dem harten Horror-Kracher aus dem Jahre 2009 am Hut. Vielmehr scheint Macher GREG FRANCIS von harter Mainstream-Folterei der letzten Jahre derart fasziniert gewesen sein, dass er kurzum an seinem eigenen Tortur-Flick gewerkelt hat. Der kann sich in punkto Optik durchaus sehen lassen; inhaltlich ist das Machwerk jedoch derart unsinnig, dass dem Zuschauer die Freunde schnell vergehen wird. POKER NIGHT ist überladen, wirr, undurchsichtig und dazu auch noch vollkommen unglaubwürdig. Der Grund hierfür dürfte in der stattlichen Anzahl an verschiedenen Nebenplots zu suchen sein, die es dem Zuschauer ziemlich schwer machen, der eigentlichen Handlung folgen zu können. Zudem entpuppt sich Regisseur GREG FRANCIS als Spaßbremse. Immer wenn der Filmbösewicht zum Folterutensil greift und POKER NIGHT an Fahrt gewinnt, wird zu einer der unzähligen Nebenhandlungen übergewechselt. So macht man sich unter Fans härterer Filmware keine Freunde. Was im Übrigen HELLBOY-Star RON PERLMAN dazu getrieben hat, in einem so unausgereiften Horror-Thriller mitzuwirken, dürfte mal wieder eines dieser vielen Hollywood-Mysterien sein, deren Antwort wir nie erfahren werden.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Zensur

 
 
 
Ziemlich viel geschossen wird in POKER NIGHT, weil nicht lang gefakelt wird. Ein wenig Folterei gibt es ebenso zu sehen, obwohl sich der Streifen hinsichtlich der obligatorischen Grausamkeiten in Genrefilmen überraschend zurückhält. Daher kann man davon ausgehen, dass POKER NIGHT hierzulande mit rotem „keine Jugendfreigabe“-Sticker erscheinen wird. Natürlich vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Collector (2009)
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Love of my Life (2013)
 
Pig (2010)
 
Hate Crime (2013)
 
Saaw (2004)
 
Saw II (2005)
 
Saw III (2006)
 
Saw IV (2007)
 
Saw V (2008)
 
Saw VI (2009)
 
Saw 3D – Vollendung (2010)
 

Filmreview: „13 Sins – Spiel des Todes“ (2014)

13-Sins-2014
 
 
 

13 SINS – SPIEL DES TODES

Story

 
 
 
Elliot wird Teilnehmer einer makabren Spielshow am Telefon. Um einen Batzen Geld gewinnen zu können, soll er 13 Aufgaben erfüllen. Leider ahnt der Kandidat schnell, dass er hier in keiner gewöhnlichen Gewinnshow gelandet ist. Bald soll Elliot nämlich über Leichen gehen, um das Preisgeld einstreichen zu können …
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Kritik

 
 
 
In Amerika hat man es wieder getan und die Recycling-Maschine angeworfen, um bereits Dagewesenes aus dem Ausland wiederverwerten zu können. Diesmal hat es den thailändischen 13 BELOVED (auch bekannt als 13: GAME OF DEATH) erwischt, der eigentlich vor knapp sieben Jahren vom damaligen Rechteinhaber E-M-S auf Heimkinomedium veröffentlicht werden sollte. Weil das Dortmunder Label aber rote Zahlen schrieb und Insolvenz anmelden musste, wurde die Veröffentlichung des asiatischen Horror-Hits kurzfristig gestrichen. Seitdem warten Filmfans in Deutschland immer noch sehnsüchtig auf eine deutsche Auswertung des thailändischen Geheimtipps, der bereits nach Erscheinen im Jahr 2006 bei Horror-Fans auf der ganzen Welt für feuchte Höschen gesorgt hat. Immerhin dürfte die hiesige Veröffentlichung des Remakes weniger lang auf sich warten lassen, wie die des Originals. Regisseur DANIEL STAMM hat nämlich saubere Arbeit abgeliefert und an einen Neuaufguss getüftelt, wie man ihn nun schon seit Beginn der Horror-Remake-Welle vor über zehn Jahren serviert bekommt: Glattpoliert, durchgestylt und überdreht blutig. Den verwöhnten Mainstream-Zuschauer dürfte das mit Sicherheit freuen, schließlich ist 13 SINS (so der Titel der Neuverfilmung) rasantes Horror-Popcornkino in Reinform, für das man den Grips ausschalten darf, um sich an überzogener Splatter-Pampe erfreuen zu können.
 
DER LETZTE EXORZISMUS-Macher DANIEL STAMM hält sich mit seinem 13 SINS (übersetzt: 13 Sünden) weitestgehend an die morbide Vorlage aus Thailand und erzählt die Geschichte vom hoch verschuldeten Verkäufer Elliot, der eines Tages seinen Job und den Mut verliert, die schwangere Freundin zu heiraten. Da klingelt unverhofft das Telefon und die Geldsorgen scheinen ein Ende zu haben. Eine unbekannte Stimme will ein Spiel spielen, macht den Verlierer zum Gewinner und verspricht ihm sechs Millionen Dollar, wenn er nur 13 Herausforderungen bewältigt. Die ersten Aufgaben sind schnell abgehakt. So muss eine Fliege erschlagen und verspeist werden, um das leere Bankkonto klingeln zu lassen. Später soll er Feuer legen und ein Kind zum Weinen bringen. Leider werden die Aufgaben des perversen Showmasters mit jedem Anruf schwieriger und bringen den dollargierigen Helden in Teufels Küche. Der überschreitet aus Liebe zum Geld und aus Angst vor sozialem Abstieg bald Moral und Gesetz und wird zur ferngesteuerten Marionette eines perfiden Spiels. Auch wenn Elliot schon bald über Leichen geht und die Gesetzeshüter dicht auf den Fersen sind, so hat die Teilnahme an der Show einen kleinen Haken: Das Spiel muss zu Ende gespielt werden, um das gewonnene Geld behalten zu können.
 
Seit SAW im Jahr 2004 die Kinolandschaft heimgesucht hat, weht im Horrorfilm ein rauer Wind. Der deutsche DANIEL STAMM hat die diversen Tortur-Streifen der letzten Jahre studiert und in 13 SINS ziemlich viel Splatter untergebracht. Im Unterschied zum Original hält die Kamera nämlich drauf, wenn Arme abgesägt oder Köpfe abgetrennt werden. Bei soviel kommerzieller Gewalt verliert STAMM manchmal die gesellschaftskritische Botschaft des Films aus den Augen. Denn im Strudel selbstzweckhaftem Blutgemansche verliert die eigentlich diskussionswürdige Thematik des Streifens an Gewichtung. Charakter Elliot durchlebt im Film eine Verwandlung. Aus dem unscheinbaren Verlierer wird rasch ein gewissenloser Gesetzesbrecher, der getrieben von der Gier des Geldes mit moralischen Entscheidungen konfrontiert und allein aufgrund seiner sozialen Situation gezwungen wird am Spiel teilnehmen zu müssen. Aus Angst vor dem sozialen Abstieg hinterfragt Elliot schon bald nicht mehr die Handlungsanweisung des Telefon-Moderators und beginnt allmählich den Bezug zur Realität zu verlieren.
 
Statt sich ernsthaft mit den Folgen der rechtswidrigen Taten seines Protagonisten auseinanderzusetzen ersäuft Macher DANIEL STAMM sein Horror-Flick im Blut und das zugegeben erheiternd schwarzhumorig. Neben den teils abwechslungsreichen und äußerst makabren Aufgaben wird das erstaunlich temporeich inszenierte Filmchen im Gegensatz zum Original um reichlich Zynismus bereichert. So wird Antiheld Elliot zum Kaffeeplausch mit einer modrigen Leiche aufgefordert und in einer anderen Szene ganz unfreiwillig zum tollpatschigen Feuerteufel. Seltsamerweise hat es jene kontroverse Szene aus der thailändischen Vorlage nicht in die Neuverfilmung geschafft, in der dem Hauptprotagonisten ein Teller Exkremente serviert wird, die verspeist werden sollen. Ein etwas seltsam anmutender Entschluss des Regisseurs die Szene aus dem Remake zu streichen, sind die Amis doch sonst so gierig darin, reißerische Momente für ihre glattgebügelten Hochglanzfilmchen wiederverwenden zu können. Auch wenn 13 SINS eigentlich ein unnötiger Aufguss eines bereits sehenswerten Filmes ist und die Frage nach dem Sinn der Wiederverwurstung weitestgehend unschlüssig bleibt, unterhält STAMM mit seinem Reboot ungemein. Trotz oberflächlich thematisierter Gesellschaftskritik und deftigem Blutzoll entpuppt sich die SAW-Light-Version als packende Action-Achterbahn, die ihren Reiz aus den abwechslungsreichen Handlungsanweisungen des ominösen Spielmoderators zieht. Bei so schnörkelloser Umsetzung mag man eigentlich gar nicht so recht glauben wollen, dass 13 SINS eigentlich ein waschechter Indie sein soll, der mit gerade einmal fünf Millionen Dollar Produktionskosten auskommen musste. DANIEL STAMM kitzelt das Maximum aus dem mageren Budget heraus und hat einen schwer unterhaltsamen Horror-Thriller auf die Beine gestellt, der trotz Indie-Status mehr dem Mainstream munden dürfte, als Fans unkommerzieller Filme.
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets THE MOST DANGEROUS GAME. STAMMS Neuverfilmung des thailändischen 13: GAME OF DEATH ist eine durchgestylte Splatter-Achterbahn mit einer erheiternden Priese schwarzem Humor. Auch wenn es sich beim Remake mit dem Titel 13 SINS um waschechten Indie-Horror handelt, so lässt hier kaum noch etwas darauf schließen, dass nur wenig Geld zu Verfügung gestanden hat. Der Streifen befindet sich auf einem technisch hohen Standard und die souveräne Inszenierung des Regisseurs lässt kaum Zeit zum Verschnaufen. Anders wie in der asiatischen Vorlage fließt reichlich Blut, um gierige Gorehounds zufriedenstellen zu können. Das euphorische Splatter-Gemetzel ist hier das Salz in der Suppe, wird doch die Schlachterplatte mit allerlei makabren Beilagen aufgetischt. Unterm Strich bleibt eine schwer unterhaltsame Horror-Hatz nach dem großen Geld, die ohne Längen auskommt und spannend bis zum Schluss bleibt – auch wenn mal wieder der überraschende Storytwist nicht fehlen darf. Zwar war uns der Sinn dieser Neuverfilmung nicht einleuchtend; dennoch muss das FILMCHECKER-Team gestehen, dass wir uns während der Sichtung des überraschend kurzweiligen 13 SINS gut unterhalten gefühlt haben. Wer nicht auf die tägliche Dosis Gewalt verzichten kann, ist daher mit dem zynischen 13 SINS optimal beraten. Ein sehenswerter Horrorfilm!
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Zensur

 
 
 
Zimperlich geht es in 13 SINS nicht gerade zu. Im späteren Verlauf des Streifens werden Köpfe mit einer Drahtschnur abgetrennt, die über eine Strasse verlegt wurde. Außerdem muss Antiheld Elliot einem anderen Filmprotagonisten einen Arm absägen. Blut fließt reichlich und Gewalt wird ziemlich oft eingesetzt. In Deutschland hat 13 SINS – SPIEL DES TODES trotzdem überraschenderweise eine FSK 16 erhalten – warum auch immer.
 
 
 


 
 
 

13 SINS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 13 Sins; USA 2014

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080P Full HD)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern, Making of, Alternatives Ende, Entfallene Szene, Anatomy of a Meltdown

Release-Termin: 09.10.2014

 
 
 

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13 SINS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Saw (2004)
 
Saw II (2005)
 
Saw III (2006)
 
Saw IV (2007)
 
Saw V (2008)
 
Saw VI (2009)
 
Saw 3D – Vollendung (2010)