Filmkritik: „Romeo Is Bleeding“ (1993)

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ROMEO IS BLEEDING

Story

 
 
 

Verzwickte Sache. ROMEO IS BLEEDING ist ein klassischer Fall von Film, dessen allzu ausführliche Inhaltsangabe dem neuen Zuschauer den Spaß komplett verderben würde. Also dann in knapp: Gary Oldman spielt den in alle Richtungen korrupten Polizisten Jack Grimaldi, der sich mit der falschen Mafia-Killerin einlässt. Diese tödliche Dame ist nicht nur im Umgang mit Schusswaffen gefährlich, sondern versteht sich auch im Verwenden von Informationen, mit denen sie dem moralisch wackelig dastehenden Gesetzeshüter das Leben völlig zerstören kann.

 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Kritik

 
 
 
Seinerzeit kann ROMEO IS BLEEDING so gut wie gar nicht einsortiert werden. In der Konsequenz sind die Zuschauerzahlen in den Kinos fürchterlich niedrig – erst in der nachfolgenden Videotheken-Verwertung sieht die Sache besser aus. Wohlwollend gestimmte Kritiker zumindest sehen in Peter Medaks Film einen Wegweiser in Richtung verschiedener ultra-brutaler und sich der vorausgegangenen Filmgeschichte bewusster Thriller, wie sie kurz darauf, in der Nachfolge von PULP FICTION zum Rückgrat der Filmindustrie werden sollten. Genauestens beobachtete, am Film Noir geschulte Handlungsfäden, die sehenden Auges in die Vernichtung der Charaktere führen, münden in exzessiven Gewaltausbrüchen. Eine graphisch präsentierte Brutalität, die das Publikum 1993 schlicht so kalt erwischt, dass der nach einem Song des unbesiegbaren und damals noch nicht unbedingt gehypten Tom Waits benannte Film regelrecht unter negativer Mundpropaganda zu leiden hat. Es ist eine Schande, findet hier doch bereits die Verbindung zwischen wasserdicht gescripteten Noir-Strukturen und sadistischen Austickern statt, die 1995 mit dem Fifties-Remake KISS OF DEATH zu Aufmerksamkeit und 1997 mit L.A. CONFIDENTIAL gar zu Oscar-Ehren kommen wird. Vom Elefanten im Raum, Quentin Tarantinos PULP FICTION nämlich, ganz zu schweigen.
 
 
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Gary Oldman, heute natürlich anerkannt als einer der größten lebenden Charakterdarsteller des Kinobetriebs, stellt sich in jenen Tagen, erste Hälfte der Neunziger, ein Portfolio von Rollen zusammen, auf denen sich sein späterer Ruhm begründen wird. Da wäre unstrittig seine Interpretation des Grafen DRACULA – in allen Mutationen, die er in Coppolas Film durchläuft, der grausam-psychotische Dreadlock-Zuhälter Drexel in TRUE ROMANCE oder der noch irrere Junkie-Bulle in LEON – DER PROFI. Sein Officer Grimaldi hier weist in seiner Hilflosigkeit und schließlich fatalen Zerrissenheit schon auf seine ruhiger angelegten Rollen der Zukunft hin und demonstriert die schauspielerische Tiefe und Vielseitigkeit des Iren.
Peter Medak, der in Ungarn geborene Regisseur am Werke, ist eigentlich in so gut wie jedem Genre zuhause. Ein echter Routinier kann man sagen. Sein größter Treffer im Horror-Genre ist 1980 THE CHANGELING, ein bei uns als DAS GRAUEN vermarkteter Geisterfilm mit dem großen George C. Scott, der nicht zu Unrecht als einer der gruseligsten seiner Zunft gilt.
 
 
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ROMEO IS BLEEDING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Peter Medaks schweinisch harter Versuch, den Film Noir in die 90er zu übertragen, sieht nach fast dreißig Jahren besser aus denn je. Damals stellt er sein Publikum vor ein Rätsel. Heute – dreihundert echte und gefälschte Tarantino-Filme später – dürfte die historische Rolle des Thrillers unbestreitbar sein: So gut wie jeder moderne Gangster- oder Polizeifilm, der sich drastischer Gewaltsequenzen bedient, trägt Spuren von ROMEO IS BLEEDING in seiner DNS.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Zensur

 
 
 
ROMEO IS BLEEDING erhielt für eine Kinoaufführung im Jahre 1994 eine Erwachsenenfreigabe (FSK18). Diese war ungeschnitten. Später folgte eine ebenso ungeschnittene Fassung auf VHS. Neben dieser lies man auch eine um fünf Minuten gekürzte Version anfertigen, für welche man eine FSK16 erhielt. Diese fand man ziemlich oft in den Videoregalen der Kaufhäuser. Eine noch stärker geschnittene TV-Fassung lief sogar im Fernsehen. Bei dieser fehlten geschlagene zehn Minuten an Filmmaterial. Mit dem Siegeszug der DVD erschien ROMEO IS BLEEDING im Jahr 2000 über EUROVIDEO wahlweise in einer gekürzten FSK16- oder eine ungeschnittenen FSK18-Version auf DVD. Nun hat es der Thriller auch ins HD-Zeitalter geschafft. Erst brachte NSM RECORDS den Streifen ungeprüft im Jahr 2019 im Blu-ray/DVD-Mediabook. Danach ließ das Label den Film neu prüfen und bekam von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in ungeschnittener Form. Diese Filmfassung befindet sich im praktischen Blu-ray-Steelbook, das man nun im deutschen Handel kaufen kann.
 
 
 


 
 
 

ROMEO IS BLEEDING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray Steelbook)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Romeo Is Bleeding; Großbritannien | USA 1993

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 110 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Steelbook | Mediabook

Extras: Deutscher Trailer, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16 seitiges Booklet mit Text von Daniel Wagner und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabooks: 30.04.2019 | Steelbook: 31.01.2020

 
 
NSM hat vier limitierte und von der FSK ungeprüfte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht. Seit Januar 2020 kann man ROMEO IS BLEEDING auch in Deutschland als Blu-ray im Steelbook im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten und ist frei ab 16 Jahren.
 
 

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Romeo is Bleeding [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Romeo is Bleeding [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

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ROMEO IS BLEEDING – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Kiss of Death (1995)
 
L.A. Confidential (1997)
 

Filmkritik: „Tödliche Umarmung“ (1979)

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TÖDLICHE UMARMUNG

Story

 
 
 
Eben noch saß er mit seiner Frau Dorothy nichtsahnend in einem Restaurant, jetzt steht das Leben des Geheimagenten Harry Hannan (Roy Scheider) Kopf. Auf ihn und seine Gattin wird das Feuer eröffnet und die Attacke lässt Harry verletzt, traumatisiert und verwitwet zurück. Nach drei Monaten im Krankenhaus kehrt der konsternierte Agent in sein Leben zurück und muss feststellen, dass sich Einiges geändert hat. Nicht nur wird seine Wohnung von der Anthropologie-Studentin Ellie (Janet Margolin) und deren Katze bewohnt, auch sein ehemaliger Arbeitgeber empfängt ihn ohne den erwarteten Enthusiasmus. Kurz darauf häufen sich die merkwürdigen Ereignisse und als Harry schließlich eine in hebräisch verfasste Notiz entdeckt und den ersten Mordanschlägen ausweichen muss, macht der stillgelegte Agent sich auf die Suche nach Antworten.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Kritik

 
 
 
TÖDLICHE UMARMUNG (im Original LAST EMBRACE) markiert die erste Bemühung des damals frischen Regisseurs Jonathan Demme im Thriller-Genre. Zwölf Jahre später würde er für seine Arbeit am ikonischen DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER nicht nur weltweiten Ruhm, sondern auch einen Oscar für seine Regieleistung erhalten. Zum Ende der 70er, als TÖDLICHE UMARMUNG entstand, war dies noch Zukunftsmusik. Nichtsdestotrotz bietet der solide Agententhriller einen ersten Eindruck von dem Talent, zu dem Demme sich später entwickeln sollte. Mit einer flotten Geschwindigkeit jagt er seinen stets überfragten Protagonisten durch ein Universum von zwielichtigen Charakteren und uralten Fehden, in dem eine hebräische Morddrohung nur die Spitze des Eisbergs ist. Im Zentrum der mysteriösen Vorkommnisse steht die Studentin Ellie, deren Weg in Harrys Leben mit einer Reihe von fragwürdigen Zufällen gepflastert ist. Die sexuelle Chemie der beiden Hauptcharaktere, die im späteren Handlungsverlauf an Wichtigkeit zunimmt, wird von Roy Scheider und Janet Margolin ebenso knisternd wie merkwürdig auf die Leinwand gebracht. Dieser Tage ist ein Film wie TÖDLICHE UMARMUNG vor allem ein nostalgisches Erlebnis. In Zeiten der überladenen Hollywood-Blockbuster oder anderer, blut- und herzlos produzierter Massenware erinnert ein älteres Stück wie dieses an eine andere Ära des Kinos, in der es genügte, eine spannende Geschichte ohne viel Umwege oder Schnörkel zu erzählen.
 
 
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TÖDLICHE UMARMUNG – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Als einer der ersten Einsätze des amerikanischen Regie-Veteranen Jonathan Demme ist TÖDLICHE UMARMUNG auf jeden Fall einen Blick wert. Die zunächst simple Geschichte des traumatisierten Geheimagenten entfaltet sich nach und nach zu einem spannenden und unterhaltsamen Film, der älteren Semestern oder Freunden der Filmkost der späten 70er auch heute noch ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte und außerdem die eine oder andere Assoziation zum Werk eines Alfred Hitchcock schafft.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Zensur

 
 
 
Im letzten Jahr wurde der Film von der antiquierten 18er-Freigabe auf die immer noch recht strenge 16er-Freigabe heruntergestuft. Der Film bietet weder explizite Gewalt noch Sexualität. Höchstens Elemente der düsteren Hintergrundstory könnten die Freigabe ab 16 Jahren rechtfertigen.
 
 
 


 
 
 

TÖDLICHE UMARMUNG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Last Embrace; USA 1979

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase im Schuber und Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 17.02.2015

 

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TÖDLICHE UMARMUNG – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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(Die Rechte aller verwendeten Grafiken in dieser Review liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sabotage (1936, Hitchcock)
 
Der unsichtbare Dritte (1959, Hitchcock)
 
Die Spur des Falken (1941, Huston)