Filmkritik: „Winchester“ (2018)

winchester-haus-der-verdammten-poster
 
 
 

WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN

(WINCHESTER: THE HOUSE THAT GHOSTS BUILT)

Story

 
 
 

Eines der größten und verwinkelsten Häuser Amerikas ist gleichzeitig auch das verfluchteste. WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN geht dem Mythos einer Spukbehausung auf den Grund, die jedem Kind in Amerika unter dem Namen „Das Winchester-Haus“ ein Begriff ist.

 
 
 


 
 
 

WINCHESTER – Kritik

 
 
 
Nichts ist gruseliger als die Realität. Wohl ein Grund, warum gerade jene Spukfilme besonders erfolgreich sind, deren Geschichten auf tatsächlichen Vorfällen beruhen. Dabei haben sich vor allem Filme über Horror-Häuser zu regelrechten Publikumsmagneten entwickelt, in denen es auch heute noch angeblich spuken soll. Ganz weit vorn: das von JAMES WAN entwickelte Conjuring-Universum. Mit mittlerweile über eine Milliarde US-Dollar Umsatz gehört diese auf wahren Begebenheiten beruhende Spukfilm-Reihe zu den umsatzstärksten ihrer Art und ruft natürlich Nachahmer auf den Plan, die mit ebensolchem Cocktail aus Wahrheitsgehalt, Grusel und Schrecken lukrative Erfolge feiern wollen. Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt, wie das folgende Schauererlebnis beweist. WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN macht zwar von genannter Gruseltaktik Gebrauch, kam aber trotz Starbesetzung nicht gut beim Publikum an. Mit einem Einspielergebnis von gerade einmal 25 Millionen US-Dollar im Entstehungsland Amerika blieb das Spukmärchen über das bekannteste Gruselhaus der Vereinigten Staaten weit hinter den Erwartungen zurück. Doch woran mag das Desinteresse gelegen haben? Wir haben den Streifen mal genauer unter die Lupe genommen.
 
 
winchester-haus-der-verdammten-bild-4
 
 
Jedes Land hat seine Spukhäuser. So auch die Vereinigten Staaten. Neben der legendären Hütte im verschlafenen Amityville, gilt auch die Winchester-Villa im kalifornischen San Jose zu jenen Behausungen, die auch heute noch Angst und Schrecken verbreiten. Mit Letzterer setzt sich der Streifen WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN auseinander, der die wahre Geschichte von Sarah Winchester (HELEN MIRREN) erzählt, die als Witwe des Gewehrfabrikanten William Winchester ein schweres Erbe antreten muss. Nicht nur, dass sie die Geschäfte weiterführen muss. Auch eine ununterbrochene Bautätigkeit treibt die Hauseigentümerin voran, die offenbar kein Ziel finden will. Dass bei über kaum noch zählbaren Zimmern, falscher Türen und im Nirgendwo endenden Treppen bald der Geisteszustand der Eigentümerin angezweifelt wird, liegt umso näher. Den soll der bekannte Psychologe Dr. Eric Price (JASON CLARKE) untersuchen. Erste Gespräche mit der Erbin bestätigen den Verdacht der Unzurechnungsfähigkeit, denn die Hauseigentümerin gibt zu verstehen, dass sie versucht ein Gefängnis für rastlose Seelen zu bauen, die durch Winchester-Waffen zu Tode kamen und sich nun rächen wollen. Alles nur Einbildung? Dr. Eric Price zumindest kann bald über die Geschichten seiner Patientin gar nicht mehr lachen. Als der nämlich allein seine Runden durch die verwinkelte Villa dreht, muss er feststellen, dass es hier tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugeht.
 
 
winchester-haus-der-verdammten-bild-2
 
 
Zwar ein einzigartiges architektonisches Kuriosum, aber kein nennenswerter Gruselfilm. WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN hat ein großes Problem und das nennt sich Ideenarmut. Der Streifen bietet – trotz interessantem Background – nicht sonderlich viel Neues. So bekommt der Zuschauer das zu sehen, was nun mal Gruselfilme über verfluchte Spukhäuser ausmachen: schauderhafte Geister-Fratzen, mysteriöses Flüstern, unerwartete Schockmomente, knarrende Türen und schlecht ausgeleuchtete Flure. Alles schon mal dagewesen und nicht mehr ganz so furchteinflößend, wie vielleicht noch vor 30 Jahren. Alteingesessene Horrorkenner lockt man damit nicht mehr vorm Ofen hervor, zumal der Streifen mit seinen stattlichen 100 Minuten auch ziemlich lang geraten ist und viel Sitzfleisch voraussetzt. Was man WINCHESTER aber gutheißen muss, sind die düsteren Bilder, die vor allem durch die beinahe schon theatresken Kulisse des Hauses einen Großteil der unheimlichen Atmosphäre ausmachen. Hier fahren die deutschstämmigen Spierig-Brüder groß auf und heben sich damit von den vielen austauschbaren Low-Budget-Produktionen ab, in denen es so ziemlich langweilig spukt und herumgeistert. Leider reichen atmosphärische Kamerafahrten und schaurige eingefangene Gruselbilder aber allein schon lange nicht mehr aus, um auf dem übersättigten Geister-Filmmarkt Eindruck hinterlassen zu können. Es dürstet nach innovativen Handlungen, die man so nicht kommen sieht und die deshalb beunruhigen. Die fehlt natürlich auch in WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN. Wohl kein unwesentlicher Fakt, warum der Streifen bei Kritikern und Horrorfilmfans durchwachsene Stimmen erhielt. Sieht man nämlich von der opulenten Bilderflut ab, bleibt gähnende Leere. Beinahe möge man meinen, dass die Macher ihre dünne Handlung um die atmosphärischen Bilder geschrieben und diese stetig erweitert haben. Damit wäre man zumindest auf gleicher Ebene, wie die einst tatsächlich gelebte Hauseigentümerin der Winchester-Villa. Die hat ihr Heim über Jahre auch stetig um Zimmer, Flure und Türen erweitert. Nur hat ihr Lebenswerk die Zeit überdauert. An WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN wird man sich hingegen in einigen Jahren nicht mehr erinnern können.
 
 
winchester-haus-der-verdammten-bild-1
 
 


 
 
 

WINCHESTER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Optisch opulent in Szene gesetzter Gruselfilm, der aber nicht sonderlich originell ist. Das ist auch schon das eigentliche Problem von WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN. Zwar besitzt die Produktion mit HELEN MIRREN eine bekannte und vor allem mit Preisen ausgezeichnete Schauspielerin. Handlungstechnisch wird hier 100 Minuten lang auf Sparflamme geköchelt. Anfangs scheint alles noch äußerst mysteriös zu sein. Doch schnell ist die Katze aus dem Sack und der Streifen hangelt sich von Schockmoment zu Schockmoment, um jenem Subgenre gerecht zu werden, in dem er beheimatet ist. Trotz lautem Gepolter und vielen Jump Scares will weder Spannung noch Angstgefühl entstehen. Für einen Gruselfilm fatal, der eigentlich darauf aus ist, den Zuschauer um den Schlaf zu bringen. Nach dem kommerziell erfolgreichen JIGSAW scheinen die im niedersächsischen Buchholz geborenen Spierig-Brüder kein Glück in Hollywood gehabt zu haben. Ihr Gruselmärchen spielte nicht einmal annähernd so viele Dollars ein, wie gehofft. Aufgrund der Vorlage eine Enttäuschung. Das tatsächliche Winchester-Haus bietet generell viele interessante Kuriositäten, die sogar Stephen King für das Drehbuch zu STEPHEN KINGS HAUS DER VERDAMMNIS inspiriert haben sollen. Potenzial, das die Regisseure PETER und MICHAEL SPIERIG für konventionelles und lahmes Mainstreamkino außer Acht gelassen haben. Die wollten viel, waren dann aber offenbar überfordert. Man merkt’s dem Grusel-Flickwerk an. Mittelmäßige Gruselunterhaltung. Bedauerlich!
 
 
 


 
 
 

WINCHESTER – Zensur

 
 
 
WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN ist ein typischer Vetreter der Gattung Geister-Horror. Hier wird nicht gemordert, sondern gespukt. Schocks sind daher an der Tagesordnung. In Deutschland hat der Film eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WINCHESTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
winchester-haus-der-verdammten-bluray

(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

winchester-haus-der-verdammten-bluray-special-edition

(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im limitierten Digipack)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Winchester: The House That Ghosts Built; Australien | USA 2018

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Digipack

Extras: Making Of, Interviews, Trailer, Trailershow | zusätzlich im Digipack: 5 Cover-Motive, Deko-Schlüssel zum Film

Release-Termin: 31.08.2018

 

Winchester [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Winchester [Blu-ray im limitierten Digipack] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

WINCHESTER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Geisterschloss (1999)
 
Haunting of Winchester House (2009)
 
Haunted Hill (1999)
 

Filmkritik: „These Final Hours“ (2013)

these-final-hours-2013
 
 
 

THESE FINAL HOURS

Story

 
 
 
Das Ende der Welt steht kurz bevor, bzw. es ist in vollem Gange. Nach einem verheerenden Meteoriteneinschlag bahnen sich die desaströsen Auswirkungen langsam aber sicher über den gesamten Erdball. In zwölf Stunden wird auch das australische Festland von diesen Auswirkungen erfasst. Genug Zeit für den selbstsüchtigen Lebemann James noch einmal die Sau raus zu lassen, sich zu besaufen und auf einer riesigen Weltuntergangsparty im Vollrausch ab zu treten. Auf dem Weg zu dieser besagten Party bemerkt er, wie zwei perverse Kinderschänder ein kleines Mädchen verschleppen. James befreit das Mädchen, und nimmt es unter seine Fittiche. Auf dem Weg zur Party lernt er die kleine Rose näher kennen. Sie wurde von ihrem Vater getrennt und bittet nun James darum sie zu ihm zurück zu bringen…

 
 
 


 
 
 

THESE FINAL HOURS – Kritik

 
 
 
Weltuntergangsszenarien werden im Kino meist als bombastische Effekt-Orgien in simples Unterhaltungskino verwandelt. Doch ein kleiner, australischer Film mit dem Titel „These Final Hours“ geht erfreulich andere Wege und konzentriert sich auf das menschliche Drama, die Tragödie die hinter diesem Szenario steckt und verpackt diese in einen zutiefst berührenden Road-Trip, der trotz aller Dramatik und Bitterkeit einen kleinen Funken Hoffnung, ja sogar eine zutiefst positive Botschaft für den Zuschauer parat hält.
 
 
these-final-hours-bild-1
 
 
„These Final Hours“ gelingt das Kunststück in wenigen Filmminuten eine unglaubliche Intensität auf zu bauen. Schon das minimalistische Intro, das mit einer kurzen Camcorder-Einstellung den riesigen Feuerball am Himmel zeigt, begleitet von Mitschnitten diverser panisch geführter Telefonate lässt eine beklemmende Atmosphäre entstehen. Auch die Bildsprache trägt durch ihre erdige, orangefarbene Optik, die im weiteren Verlauf des Films immer kräftiger und dunkler wird zur Weltuntergangsstimmung bei. Kommentiert wird dieses Szenario in regelmäßigen Abständen von Funkradio-Einspielern, die vom drohenden Unheil berichten und sich wie ein Countdown über den Film verteilen. Beklemmend ist auch die Drastik mit der dieses apokalyptische Szenario hier bebildert wird. Aufgrund des nahenden Endes spielen Gesetze und Regeln sowie etwaige Gesellschaftsformen kaum eine Rolle mehr. So begibt sich der Protagonist James auf eine eindringliche Odyssee durch eine australische Kleinstadt, die nunmehr zum Schauplatz gewalttätiger Verbrechen, sinnloser Zerstörung, Selbstmorden oder religiös motivierter Massenhysterie wird. Und inmitten dieser chaotischen Rahmenbedingungen trifft er auf die kleine Rose. Die aufkeimende Beziehung der beiden ist zentraler Motor des übrigen Filmes und wird in unaufgeregte, nichtsdestotrotz enorm wirksame Bilder verpackt, die dem Zuschauer tief unter die Haut gehen. Wenn James seine Verwandtschaft per Selbstmord aus dem Leben geschieden vorfindet, im Garten drei kleine Kreuze entdeckt und die Kamera dann auf ein Foto mit drei kleinen Kindern zoomt, lässt das niemanden kalt.
 
 
these-final-hours-bild-3
 
 
Die kleine Rose entwickelt sich mehr und mehr zum emotionalen Zentrum des Protagonisten. Aufgrund der Tatsache, dass das Drehbuch das kleine Mädchen erstaunlich normal agieren lässt und sie zu keiner Zeit in ein kreischendes Nervenbündel verwandelt, kann der Zuschauer die aufkeimenden Sympathien voll und ganz nachvollziehen. Und man ist als Zuschauer wahrlich über jeden Funken von Positivem in diesem Szenario dankbar. Die emotionale Reise die die beiden Protagonisten hier durchmachen überträgt sich nahtlos auf den Zuschauer. Man hat stellenweise sogar das Gefühl, dass der Film einem etwas zu nah auf die Pelle rückt und einem die unangenehme Frage aufdrängt „Was würdest DU in so einer Situation tun?“. Doch auch wenn der Film über weite Strecken äußerst bedrückend wirkt, es gibt immer wieder kleine Momente die zum Schmunzeln einladen und etwas durchblicken lassen das Hoffnung weckt. So ist es die kleine Rose, die mit unbeschwerten, kindlichen Kommentaren versucht, ihrem Begleiter emotionale Zusammenhänge auf simple Art zu erklären und die Tatsache, dass James in den letzten Stunden seines Lebens doch noch etwas richtig machen will. THESE FINAL HOURS ist tiefgründiges Weltuntergangskino und daher sehenswert!
 
 
these-final-hours-bild-2
 
 
 


 
 
 

THESE FINAL HOURS – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
„These Final Hours“ ist ein mitreißendes Drama, dass den Zuschauer emotional herausfordert und ihn auf eine eindringliche, zutiefst bewegende Achterbahnfahrt der Gefühle mitnimmt, die trotz der bitteren Konsequenz mit der die Geschichte zu Ende erzählt wird eine positive, zutiefst humanistische Botschaft vermittelt: Es ist nie zu spät ein besserer Mensch zu werden !
 
 
 


 
 
 

THESE FINAL HOURS – Zensur

 
 
 
Der Film hat in Deutschland eine FSK 16 erhalten. Die ist dem Film angemessen, denn der THESE FINAL HOURS ist keine Gewaltorgie sondern dramenlastiges Endzeitkino.
 
 


 
 
 

THESE FINAL HOURS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
these-final-hours-bluray

(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: These Final Hours; Australien 2013

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p – @23,976 Hz)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 19.02.2015

 

These Final Hours [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THESE FINAL HOURS – Trailer

 
 


 
 
 

Sebastian

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei Weltkino

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Road (2009)
 
The Stand (1994)
 
A Boy and his Dog (1975)
 

Filmkritik: „Jessabelle – Die Vorhersehung“ (2014)

jessabelle-2014
 
 
 

JESSABELLE – DIE VORHERSEHUNG

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Autounfall verschlägt es Jessabelle in das Haus des ihr entfremdeten Vaters, wo es nicht mit rechten Dingen zugeht ….

 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Kritik

 
 
 
Mysteriös und ungewöhnlich handzahm geht es im neuen Film von KEVIN GREUTERT zu, der nach SAW 6 (2009) und SAW 3D – VOLLENDUNG (2010) eher ruhige Töne anschlägt. Der Regisseur probiert sich mal in subtiler Gruselei aus und scheint damit im Trend zu liegen, denn das aktuelle Filmjahr dürfte wohl als das Jahr in die Geschichte des Horrorfilms eingehen, in dem es überraschend oft durch Lichtspielhaus und Heimkino gespukt hat. Glücklicherweise gehört JESSABELLE aber immer noch zu den besseren Geisterfilmen, die man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat, schließlich ist in Zeiten billigster Found-Footage-Ware vor allem der Geister-Horror zum Massenprodukt verkommen. Die Qualität lässt da oftmals zu wünschen übrig, so dass manch Horror-Fan zu stöhnen beginnt, wenn er von der Veröffentlichung neuer Spuk-Streifen erfährt.
 
JESSABELLE ist ein nicht uninteressanter Grusel-Thriller mit umfangreichem Mystery- und Rätselanteil, denn wie im Haunted-House-Genre typisch, rührt Spuk nicht von ungefähr. Die junge Jessabelle (SARAH SKNOOK) muss das am eigenen Leib erfahren, denn nach einem tragischen Autounfall ist sie an den Rollstuhl gebunden und muss sich im Haus des ihr entfremdeten Vaters auskurieren. Der gewährt vorübergehend Unterschlupf und bietet ihr an das Zimmer der verstorbenen Mutter zu beziehen, die vor vielen Jahren an Krebs gestorben ist und der Tochter ein kleines Vermächtnis in Form von Videobändern hinterlassen hat. Darauf warnt die Verstorbene vor drohendem Unheil, das sie in Tarotkarten gesehen hat, die sie in einem kleinen Kästchen vor dem Ehegatten versteckt hält. Natürlich hat die tote Mutter mit ihren Weissagungen nicht ganz Unrecht, denn mit Jessabelles Ankunft geschehen plötzlich seltsame Dinge im Haus der Eltern, die der ohnehin schon traumatisierten Frau Sorgen bereiten. Eine finstere Kreatur schleicht des Nachts durch die staubigen Zimmer und folgt Jessabelle bis in ihre Träume, wo sie der Heimgesuchten zu verstehen gibt, dass sie im Haus nicht willkommen ist. Als auch der Vater unter mysteriösen Umständen sein Leben lassen muss und die böse Präsenz von stärkeren Geschützen Gebrauch macht, ist es an der Zeit dem Geheimnis des Hauses sowie den unheimlichen Träume auf dem Grund zu gehen. Im ehemaligen Schulfreund Preston (MARK WEBBER aus 13 SINS) findet Jessabelle einen Verbündeten.
 
Regisseur KEVIN GREUTERT überrascht mit Wandlungsfähigkeit, denn irgendwie hat er es nach eher durchwachsenem Tortur-Porn geschafft, einen durchweg gruseligen Mystery-Streifen zu inszenieren, fernab von Quälerei und Gewaltpornografie. Statt Mord und Totschlag verirrt sich GREUTERT im atmosphärischen Gruselkino und findet sichtlich Gefallen daran Spannung langsam aufzubauen, um das Herz des Zuschauers durch möglichst fiese Schreckmomente in die Hose rutschen zu lassen. Protagonistin JESSABELLE wird im gleichnamigen Film von einem wütenden Geistergör heimgesucht, das sich ähnlich wie in den vielen asiatischen RINGU-Plagiaten auf dem Boden krabbelnd durch den Film bewegt. Sprechen mag die jämmerliche Kreatur nicht, was der geplagten Filmheldin vermutlich eine Menge Zeit und Ärger erspart hätte. Stattdessen bahnt sich der Geist fauchend seinen Weg durch das Drehbuch und scheut nicht davor seinem ahnungslosen Opfer schlammigen Mageninhalt ins Gesicht zu kotzen.
 
Geschichten über wütende Geisterwesen und spukende Herrenhäuser scheinen irgendwie nie aus der Mode kommen. Obwohl stets die immer wieder gleichen Gruselregeln zum Einsatz kommen, strömen dennoch Scharen mutiger Zuschauer in Kinosäle, um sich dort in eine Welt des Schreckens entführen zu lassen. JESSABELLE revolutioniert das Spuk-Genre keineswegs. Vielmehr folgt GREUTERT den gängigen Konventionen, die den Geisterfilm zu beliebt gemacht haben. So darf die rastlos spukende Kreatur ebenso wenig fehlen, wie das Geheimnis ihres Ablebens, das es zu ergründen gilt. Auch wenn im Grunde genommen alles so bleibt, wie gehabt versteht es Macher KEVIN GREUTERT gekonnt, das Auflösung seines Filmes möglichst lang hinauszuzögern. Ähnlich wie im Schauermär DER VERBOTENE SCHLÜSSEL (2005) verschlägt es Filmheldin JESSABELLE bei Ihrer Suche nach Antworten in sumpfige Teichlandschaften, wo sie inmitten schwüler Hitze mit Voodoo konfrontiert wird und am Ende einer erschütternden Familientragödie auf die Schliche kommt. Auch wenn JESSABELLE zu jenen Gänsehautwerken gehört, für die man jeglichen Hang zur Logik ausknipsen sollte, weil normal denkende Zuschauer beim Zählen der Filmungereimtheiten den Überblick verlieren dürften, hat Folterexperte KEVIN GREUTERT dennoch einen schwer unterhaltsamen Film gemacht, der sein schlichtes Konzept gut zu verkaufen versteht. Dank wendungsreicher Detektivgeschichte, düstere Gruselstimmung und hervorragend platzierten Schockmomenten ist die filmische Umsetzung von JESSABELLE weitaus ansprechender geworden, als die dünne Geschichte vermuten lassen würde. Deshalb sei all jenen die Reise in die Welt der Toten geraten, die dringend mal wieder einen deftigen Gänsehaut-Kick benötigen.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärisches Gruselspektakel, fernab ausufernder Splatter-Exzesse. Nach SAW 6 und dem ziemlich desaströsen SAW 3D – VOLLENDUNG hätte vermutlich niemand damit gerechnet, dass Regisseur KEVIN GREUTERT doch noch in der Lage sein würde, halbwegs brauchbare Horrorstreifen zu drehen. Für JESSABELLE legte er kurzum die Folterinstrumente nieder und widmete sich dem eher subtilen Horror – mit Gänsehaut, knarrenden Türen und geheimnisvollen Voodoo-Ritualen. Entstanden ist ein ziemlich packendes Gruselmär, das den Zuschauer in die Welt der Geister entführt, die – wie sollte es auch anders sein – mal wieder ziemlich schlecht gelaunt sind und nichts Gutes im Schilde führen. Wie bereits im Mystery-Thriller DER VERBOTENE SCHLÜSSEL (2005) macht auch GREUTERT Gebrauch von schwülem Südstaaten-Flair, wo inmitten von Plantagen und Sümpfen geheimnisvolle Magie betrieben wird, die als Voodoo oder Hoodoo jedem halbwegs interessierten Horrorfan von Begriff sein dürfte. Auch wenn JESSABELLE mit allerhand Logiklücken zu kämpfen hat und Geschichten von wütenden Geistergören seit RING nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzen, erntet der gut aufgebaute Rätselanteil Beifall. Der Zuschauer folgt einer mysteriösen Schnitzeljagd, die nur zaghaft verrät, welch dunkles Familiengeheimnis über Jahre im Verborgenen gehalten wurde. Somit sei JESSABELLE all jenen Horrorfans empfohlen, die eine Leidenschaft für mysteriöse Schauergeschichten pflegen und gern mal heftig erschreckt werden wollen. Für Gorebauern gilt hier: Sendepause.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Zensur

 
 
 
Gewalt hat hier keinen Stellenwert. Immer wenn es unangenehm wird, blendet die Kamera weg und springt über zur nächsten Szene. Verwunderlich ist der zurückhaltende Gewaltgrad nicht, denn bereits in Amerika lief JESSABELLE bereits mit PG-13 in den Kinos. Hierzulande dürfte der Film aufgrund der teils gruseligen Spukmomente nicht so einfach mit Kinderfreigabe in die Heimkinos kommen. KOCH MEDIA hat sich die Rechte am Film gesichert. Dieser hat eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
jessabelle-bluray

(c) KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jessabelle; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englischh DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar, Entfallene Szenen (ca. 8 Min.), Interviews (ca. 9 Min.), Outtakes (ca. 3 Min.), Verlängertes Ende (ca. 1 Min.), Kinotrailer

Release-Termin: 26.11.2015

 

Jessabelle – Die Vorhersehung [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

JESSABELLE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
At the Devil’s Door (2014)
 
The Visitant (2012)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Der verbotene Schlüssel (2005)