Filmkritik: „Holy Ghost People“ (2013)

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HOLY GHOST PEOPLE

Story

 
 
 
Charlotte sucht mithilfe ihrer Zufallsbekanntschaft Wayne, einem alkoholkranken und am posttraumatischen Belastungssyndrom leidenden Ex-Marine, nach ihrer Schwester, die vermutlich in einer Sekte gelandet ist. Doch den charismatischen Sektenführer Billy über ihre wahren Absichten im Unklaren zu lassen, ist nicht so einfach wie gedacht…
 
 
 


 
 
 

HOLY GHOST PEOPLE – Kritik

 
 
 
Die 19jährige Charlotte (Emma Greenwell) lernt durch Zufall den Säufer und Ex-Marine Wayne (Brendan McCarthy) kennen. Als dieser nach einer Schlägerei vor der Kneipe, in der sie arbeitet, sein Portemonnaie verliert, bringt sie ihm dieses zurück. Kurz darauf möchte Charlotte nun auch einen Freundschaftsdienst von Wayne einfordern: er soll nach Sugar Mountain fahren, weil sie dort ihre Schwester vermutet. Diese ist wahrscheinlich in der Church of One Accord gelandet, einer sektenähnlichen Gemeinde, die sich mittels Schlangen-um-den-Hals-Gelege göttliche Gnade erhofft.
 
 
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So weit, so blöd. Wofür genau hier 88 Filmminuten verschwendet wurden, weiß man auch nach dem Abspann noch nicht. Und was an „Holy Ghost People“ Horror sein soll (abgesehen von der dilettantischen Inszenierung), weiß ebenfalls keiner. Es handelt sich hier um einen spannungslosen, laienhaften, billigen und schlussendlich komplett überflüssigen Film, der auf keiner Ebene überzeugen kann. Regisseur Mitchell Altieri, ein Teil der nicht legendären Butcher Brothers („The Hamiltons“ und „Raised by Wolves„) hat zusammen mit Phil Flores (dem anderen Schlachter-Bruder) und zwei weiteren Drehbuchschreibern auch das Script zu diesem Anti-Horror-Schlangen-Murksfilm verfasst. Im Gegensatz zu Altieri und Flores haben die anderen zwei Schreiberlinge noch gar keine Schreib-Erfahrung und einer von ihnen, Joe Egender, versagt nicht nur als Co-Autor, sondern auch als Darsteller des Billy. Viele Köche verderben den Horror-Brei, leider trifft dies auch auf „Holy Ghost People“ zu.
 
 
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Die Butcher Brothers haben sich hier offensichtlich ein bisschen verhoben und mehr gewollt, als sie letztendlich können. Der Film ist sowohl thematisch überfrachtet als auch inhaltlich oberflächlich. Da wäre der traumatisierte Ex-Marine, der natürlich an PTBS leidet und säuft wie ein Loch, tief im Inneren aber noch so etwas wie Ehrgefühl besitzt. Dann die toughe Kellnerin, die eine traumatische Kindheit hinter sich hat und sich mit der entfremdeten Schwester aussöhnen will. Dazu kommt der ganze Sektenquatsch samt Schlangengefummel (dieses Detail allerdings beruht auf wahren Ereignissen. Ein Priester aus Kentucky hat tatsächlich Schlangen bei seinen „Gottesdiensten“ verwendet und starb dann bezeichnenderweise ausgerechnet durch einen Schlangenbiss). Und natürlich soll „Holy Ghost People“ auch noch unheimlicher Horrorfilm mit schockierendem Ende sein. Dieses Genre-Mischmasch geht leider komplett nach hinten los und kann auf keiner Ebene auch nur im Ansatz überzeugen. Garniert mit Charlottes überflüssigen Off-Kommentaren wird „Holy Ghost People“ somit schnell nervtötend anstatt für Nervenkitzel zu sorgen.
 
 
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Dabei liegt das nicht unbedingt an den Darstellern. Die machen ihre Sache mehr oder weniger souverän, auch wenn man Babyface und Giovanni-Ribisi-Lookalike Joe Egender den charismatischen Prediger in keiner Sekunde abnimmt. Dafür liefern Emma Greenwell und Brendan McCarthy halbwegs glaubwürdig ab, zumindest fallen sie nicht unangenehm auf. Vielmehr ist es die dünne Story, die fast ausnahmslose Anwendung von Klischees und eine so lahme Auflösung, dass man die vorangegangenen Filmminuten nur als Zeitverschwendung betrachten kann. Denn schlussendlich geht es vorrangig leider nur darum, dass Charlotte sich unbeholfen-undercovermäßig in die Sekte einzuschleichen versucht und Wayne dies durch sein unkooperatives Verhalten konterkariert.
 
 
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HOLY GHOST PEOPLE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Was soll man noch sagen zu so einem bedeutungslosen Film? So richtig schlecht ist er nicht. Gut natürlich auch nicht. Er bewegt sich irgendwo zwischen langweilig und unglaubwürdig. Glücklicherweise sind die Darsteller zumindest einigermaßen talentiert und auch in die Synchronisation wurden ein paar Euro investiert, so dass man sich hier wenigstens nicht mit monotonem Ablesen von Dialogzeilen rumärgern muss. Das ändert nur nichts an der leider schlecht erzählten, klischeebeladenen und schlussendlich vollkommen banalen Story, die keinem der angestrebten Genres gerecht wird. Die Butcher Brothers, die zumindest mit „The Hamiltons“ einen halbwegs gelungenen Film hingelegt haben, sollten sich in Zukunft nur auf einen Drehbuchschreiber festlegen und sich im Zweifel lieber bei bekannten Werken Gutes abgucken, als selbst solch halbgaren Low-Budget-Mumpf zu produzieren. In der Summe also nicht mehr als knappe vier von zehn Schlangen, die hier gerne etwas herzhafter hätten zubeißen dürfen.
 
 
 


 
 
 

HOLY GHOST PEOPLE – Zensur

 
 
 
„Holy Ghost People“ wurde von der FSK bereits für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben. Dennoch hat sich der Rechteinhaber dazu entschieden, den Streifen mit roter Freigabeplakette in den Handel zu bringen. Das macht die Veröffentlichung bei Horrorfans interessanter.
 
 
 


 
 
 

HOLY GHOST PEOPLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Holy Ghost People; USA 2013

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinofassung wegen Extras: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer

Veröffentlichung: 13.05.2014

 
 
 

Holy Ghost People [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZOn kaufen

 
 
 


 
 
 

HOLY GHOST PEOPLE – Weitere Veröffentlichungen

 
 
 
Vom-Teufel-besessen-The-ultimate-Devils-Collection

(c) Maritim Pictures GmbH im Vertrieb der KNM Home Entertainment GmbH

 
 
Neben der erhältlichen Film-DVD und Blu-ray wurde „Holy Ghost People“ auch zusammen mit drei weiteren Horrorfilmen in der „Vom Teufel besessen – The ultimate Devils Collection“ veröffentlicht. Auf zwei DVDs sind neben besagtem „Holy Ghost People“ auch folgende drei Streifen enthalten: „Way of the Wicked“, „The Presence“ und „The Cloth“. Alle Filme dieser Zusammenstellung sind selbstverständlich ungeschnitten.
 
 

Vom Teufel besessen – The ultimate Devils Collection (2DVDs) auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HOLY GHOST PEOPLE – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei Maritim Pictures

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Last Shift (2014)
 
The Devil’s Hand (2014)
 
The Sacrament (2013)
 
Children of Sorrow (2012)
 
Ritual (2013)

Filmkritik: „Stanley“ (1972)

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STANLEY

Story

 
 
 
Tim hat es wahrhaftig nicht einfach. Am amerikanischen Arsch der Welt, den gruseligen Sümpfen Floridas, lebt der Halbindianer sein einfaches Leben und will eigentlich nur seine kleine Schlangenfarm pflegen. Menschen kann er nicht leiden – beruht auf Gegenseitigkeit – und sein bester Freund ist daher die Klapperschlange Stanley. Eines Tages dringt eine Rotte Wilderer in das Areal des Knaben ein. Das gefällt ihm gar nicht, haben die degenerierten Backwoods-Lumpen doch schon seinen Vater auf dem Gewissen. Das Fass wird zum Überlaufen gebracht und Tim und seine Schlangengang machen sich auf, all denen den Zahn zu ziehen, die ihnen gegenüber sich nicht PETA-kompatibel verhalten haben.
 
 
 


 
 
 

STANLEY – Kritik

 
 
 
Wenn wir den einzelnen Jahrzehnten der Horrorfilm-Geschichte charakteristische Trends zuordnen möchten, müssten wir den Fünfzigern Science-Fiction-nahe Monsterfilme zuweisen oder den Achtzigern die Slasher-Welle im Fahrwasser charmanter Herren wie Freddy Krueger, Jason Vorhees und Michael Myers (aus Halloween, nicht der aus Austin Powers). Die Siebziger, mit denen wir uns durch STANLEY heute beschäftigen wollen, standen eine ganze Zeitlang unter dem Kommando des Tierhorrorfilms. Die Natur schlägt zurück. Immer wieder. Unaufmerksame Fans und Beobachter verleihen die Medaille für den Trendstarter der animalischen Randale gegen den bösen Menschen leichtfertig einem der ersten großen Blockbuster der Kinogeschichte. Steven Spielbergs DER WEISSE HAI (Jaws, 1975) war, neben seinem jegliche Konkurrenz zwischen den Kiefern zermalmenden Erfolg am Box Office, schließlich, zieht man die Inszenierung von Meisterhand einmal ab, ein Tierhorror-Reißer wie aus dem Lehrbuch. Aber: Er erschien eben erst 1975. Vereinzelte Beispiele für Kino mit sich rächenden Kreaturen nicht menschlicher Spezies gab es immer mal. Im Prinzip fällt schon der alte Affe KING KONG ins Raster – und der war immerhin schon 1931 zu Gange. 1971 sollte es aber Regisseur DANIEL MANN sein, der mit der Romanverfilmung WILLARD eine der noch heute gern verwursteten Plot-Blaupausen für das Subgenre Tierhorror schaffen würde. Die Story: Ein gesellschaftlicher Misfit, also ein Außenseiter sondersgleichen, muss allerlei Hänseleien über sich ergehen lassen. Graduell steigt die Wut. Zum Glück verfügt der Antiheld über eine psychische Verbindung zu einem oder mehreren Tieren, Diese Tiere können sich den Frust des menschlichen Dampfkessels irgendwann nicht mehr mit ansehen und reißen den zuständigen Übeltätern hernach die Hintern auf. Bei WILLARD ist´s eine ganze Armee von gemeinen Wanderratten die effektiv des Zuschauers Knopf der Angst vor dieser Art Vierbeiner drückt. Bei STANLEY bekommt es das schmierige Wilderergesindel mit der titelgebenden Klapperschlange und ihren bei der Menschenheit nicht minder gefürchteten schuppigen Kumpels zu tun.
 
 
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Diese WILLARD-Grundidee würde auch STANLEY-Regisseur WILLIAM GREFÉ noch mehrfach aufgreifen. Unter anderem anno 1976 in MAKO, DIE BESTIE (Mako, The Jaws Of Death) mit einem trainierten Hai. Die Flossenträger mochte der Amerikaner ohnehin gern: Sein mainstreamigster Credit ist die Regie der Haifischszenen im achten James-Bond-Film LEBEN UND STERBEN LASSEN (Live And Let Die, 1973) – passenderweise einem der sicherlich exploitationhaftesten Beiträge zur 007-Reihe. Da wuchs zusammen, was zusammengehört. Ansonsten verdingte sich der Filmemacher in unterschiedlichen Sparten des Nackedei-und/oder- Blut-Films. Meistens in den Sumpflandschaften der Everglades im Staate Florida. Dieser Südostzipfel der Vereinigten Staaten, hier wurde er vor fünfundachtzig Jahren auch geboren, hat es GREFÉ bis heute angetan. Verständlich. Besonders empfohlen seien an dieser Stelle der debile Medizinmannzombie-Horror DEATH CURSE OF TARTU und der Strandparty mit Quallenmutanten-Heuler STING OF DEATH. Hier wird getanzt, die Quallen sind Gefrierbeutel und verfügbar ist das ganze als DVD-Double-Feature auf dem essentiellen US-Label Something Weird Video. Da gab es auch STANLEY – in deutlich ruppigerer Qualität als die jetzt vorliegende Version aus deutschen Landen. Für den Ton in unserer schönen Sprache musste der geneigte Filmliebhaber bis dato auf eine der beiden unbotmäßig seltenen VHS-Auflagen zurückgreifen (wie etwa der Autor dieser Zeilen) und dafür tief in den Säckel langen. STANLEY ist – entgegen des Marketings auf dem Backcover – kein harter Horrorfilm. Er vereint die eben beschriebene Prämisse mit der Hauptfigur des von Rassisten geprügelten Indianers – ein Thema, das in den Siebzigern in der amerikanischen Drive-In-Welt ebenfalls nicht unbeliebt war. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Film eine saftige Scheibe regionalen Exploitationkinos made in USA, dessen Präsentation auf respektablem einheimischen Datenträger man sich nicht entgehen lassen möge.
 
 
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STANLEY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Alles dabei im Tierhorror-Goldstück STANLEY: Nature strikes back. Die Viecher sind Schlangen, seit biblischen Zeiten schon eher unbeliebt, der Held ein Indianer und die Böslinge Redneck-Wilderer. Flott gibt es in Seventies-Optik auf die Ohren und im Sumpf zirpen die Grillen. That´s Exploitation.
 
 


 
 
 

STANLEY – Zensur

 
 
 
Die endlich auf DVD erhältliche Fassung ist ungeschnitten und bereits frei ab 16 Jahren. Sammler und Liebhaber des Tier-Horrorfilms können demzufolge bedenkenlos zugreifen. Aber: viele Schauwerte bietet STANLEY für Fans derber Unterhaltung jedoch nicht.
 
 
 


 
 
 

STANLEY – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stanley; USA 1972

Genre: Klassiker, Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine

Release-Termin: 05.06.2015

 

Stanley (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

STANLEY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Edel Germany.

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Willard (1971)
 
Willard (2003)
 
Ben (1972)
 
Phenomena (1985)
 
Der Kuss der Tarantel (1972)
 

Filmkritik: „Horns“ (2013)

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HORNS

Story

 
 
 
Ig Perrish (Daniel Radcliffe) weiß nicht mehr weiter. Nicht nur, dass ihn die Bewohner seines Heimatstädtchen für den Tod seiner Schulliebe Merrin Williams (Juno Temple) verantwortlich machen; ihm wachsen auch noch plötzlich Teufelshörnchen aus dem Schädel, die dem Beschuldigten mit ungeahnten empathischen Fähigkeiten segnen. Plötzlich kann er die Sünden seiner Mitmenschen erkennen und nutzt die neue Gabe um den wahren Mörder seiner großen Liebe ausfindig zu machen …
 
 
 


 
 
 

HORNS – Kritik

 
 
 
ALEXANDRE AJA scheint der Gewalt in seinen Filmen abtrünnig geworden zu sein. Nach Extrem-Horror made in Frankreich (HIGH TENSION) und blutreichen Horror-Remakes (THE HILLS HAVE EYES), die er in der amerikanischen Traumfabrik verwirklichen konnte, hat er nun einen neuen Streifen gedreht und sieht fast gänzlich von der für seine Werke obligatorischen Brutalität ab. HORNS heißt der neue, reichlich schwarzhumorige Ausflug ins Thriller-Fach für den AJA einen der wohl gefragtesten Jungdarsteller unserer Zeit gewinnen konnte: DANIEL RADCLIFFE. Der Brite konnte sich durch die Verkörperung des „Harry Potter“ in acht Romanverfilmungen ein Denkmal setzen, hat aber Jahre nach dem letzten Leinwandauftritt als Hogwarts-Schüler vermutlich immer noch Probleme damit, dass ihn Zuschauer ausschließlich auf die Rolle des wohl bekanntesten Zauberlehrlings der Welt reduzieren. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum RADCLIFFE mit HORNS nun schon ein weiteres Mal auf Horror-Pfaden wandelt, konnte er in der HAMMER-Produktion DIE FRAU IN SCHWARZ (2012) doch schon einmal unter Beweis stellen, dass er auch ohne Zauberstab und Panto-Brille eine durchaus passable Figur als Schauspieler macht.
 
In HORNS darf RADCLIFFE endlich mal das tun, was ihm als Potter-Darsteller immer verwehrt geblieben ist, denn in seiner neue Rolle konnte er sich sprichwörtlich gleich mal die Hörner abgestoßen. Als Filmheld Iggie macht er Dinge, die halt Erwachsene tun; darf fluchen, an weiblichen Brüsten knabbern und sogar auch mal mit Zunge küssen. Leider durchlebt sein Filmcharakter ein Wechselbad der Gefühle, denn in seinem Heimatort ist man nicht gut auf ihn zu sprechen. Er wird des Mordes an seiner großen Liebe Merrin (JUNO TEMPLE) beschuldigt, deren lebloser Körper im Wald gefunden wurde. Doch mit den vagen Anschuldigungen fangen die Probleme erst an. Eines Morgens entdeckt Iggie zwei hornartige Verknöcherungen aus seinem Schädel sprießen, die nicht nur stündlich weiterwachsen, sondern auch zu ungeahnten Fähigkeiten führen. Iggie kann plötzlich die tiefsten Geheimnisse seiner Mitmenschen entlocken, die sich in seiner Gegenwart nicht nur schonungslos offen geben, sondern auch jede Menge Leichen im Keller versteckt halten. Was sich anfänglich als Fluch herausstellt entwickelt sich allmählich zum Segen, denn mit seiner neuen Gabe versucht er den bis dato noch unaufgeklärten Mordfall an seiner geliebten Merrin zu entschlüsseln.
 
TEUFELSZEUG (im Original HORNS) nennt sich die Romanvorlage zur Kinoadaption HORNS für die JOE HILL verantwortlich zeichnet. Der dürfte vermutlich niemanden ein Begriff sein, lässt aber aufhorchen insofern man weiß, dass sich hinter dem Pseudonym der Sohn des wohl bekanntesten Horror-Autoren der Neuzeit verbirgt: STEPHEN KING. Splatter-Maestro ALEXANDRE AJA sah Potenzial in der Geschichte und nahm sich die Freiheit gleich selbst Regie zu führen und zu produzieren. Ganz so klar schien ihm die angestrebte Richtung dann doch nicht gewesen zu sein, was vor allem Anhänger des französischen Horror-Machers vor den Kopf stoßen dürfte, die in AJAS neusten Kinofilm vergebens auf den nächsten Gewalt-Adrenalin-Kick warten. Stattdessen hat AJA eine Leidenschaft fürs Drama und Puzzeln entwickelt und konfrontiert seinen leidenden Filmhelden mit einer verzwickten Suche nach Antworten, die sich durch HORNS wie ein roter Faden zieht, damit am Ende das Rätsel des tragischen Tods der geliebten Merrin aufgeklärt werden kann. Mittels Rückblenden und Visionen wird Licht ins Dunkel gebracht. Immer dann wenn Held Iggie „Sünder“ berührt, erhält er Einblick in deren tiefsitzende Geheimnisse und rekonstruiert so, was wirklich mit Merrin passiert ist. Die Rolle des zu Unrecht Verdächtigten stellt RADCLIFFE vor große Herausforderungen, denn sein Charakter Iggie durchlebt in HORNS ein regelrechtes Chaos der Gefühle. Mal verliebt, dann auch launisch, später aggressiv und verzweifelt. Die Stimmungslagen des Filmhelden wechseln nahezu im Minutentakt, was dann doch oftmals mehr Drama als Fantasy ist und RADCLIFFE etwas unsicher agieren lässt, weil er mit der Rolle einfach an seine schauspielerischen Grenzen stößt. Einige der Gefühlsausbrüche werden von ihm derart überzogen verkörpert, dass ein Hang zum Overacting nicht von der Hand zu weisen ist. Aber auch Regisseur ALEXANDRE AJA scheint oftmals orientierungslos, weil er HORNS zwanghaft versucht nicht in die Horror-Schublade pressen zu wollen. Das gelingt ihm teils nur sehr unbeholfen, denn immer wieder lässt er dann doch durchblitzen, welche Art von Horror er bevorzugt. Die gehört selbstverständlich zur härteren Sorte und äußert sich im Falle von HORNS durch zwei unpassend platzierte Splatter-Momente, die irgendwie nicht zum Rest des Films passen wollen. Zudem bereichert er seinen Streifen um humoristische Momente, die jedoch nicht wirklich erheitern wollen, weil sie reichlich geschmacklos anmuten und einfach nicht lustig sind.
 
Unterm Strich ist HORNS ein solider Film, aus dessen interessanter Roman-Vorlage man hätte eindeutig mehr machen können. Die Produktion befindet sich auf einem beachtlichen Niveau und auch die diversen Spezial- und Make-up-Effekte können sich durchaus sehen lassen. Dennoch, trotz Staraufgebot hat der für Splatter-Filme berüchtigte ALEXANDRE AJA mit HORNS den wohl enttäuschendsten Film seines bisherigen Karriere gemacht, der irgendwie nicht so homogen wirkt, wie das was man bislang von AJA zu sehen bekommen hat. Somit sei AJA empfohlen, sich dann doch lieber mit Filmthemen zu beschäftigen, die er gut beherrscht: harte Horrorfilme mit reichlich Blut und Gewalt.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein wütender und diabolischer „Harry Potter“ auf verzwickter Mörderjagd: HORNS ist ein effektreiches Fantasy-Spektakel mit überraschenden Wendungen und grandiosen Spezialeffekten. Letztere wurden wieder einmal sehenswert vom Effekte-Titan KNB EFX in Szene gesetzt, der im Bereich „Spezialeffekte“ (u.a. THE WALKING DEAD) jedem Horrorfan mittlerweile ein Begriff sein dürfte. So gut die Effekte, so enttäuschend die Umsetzung des Machwerks, denn im Falle von HORNS trifft mal wieder die Tatsache zu, dass der Roman (übrigens vom Sohn der Autoren-Legende STEPHEN KING geschrieben) bei Weitem besser ist, als seine glattgebügelte Leinwandadaption. Einerseits ist die Rolle des aufgebrachten Filmhelden „Iggie Perish“ für Darsteller DANIEL RADCLIFF eine Nummer zu groß, andererseits wandelt Regisseur ALEXANDRE AJA für HORNS auf weitaus unblutigen Pfaden und konzentriert sich zu sehr auf die Gefühlsdusselei seiner Filmfigur, die in diesem Fantasy-Streifen eine Achterbahn der Gefühle durchlebt. Leider geht dem Streifen nach knapp 90 Minuten die Puste aus, so dass AJA noch einmal zur Effekte-Schlacht ausholen muss, um das reichlich erzwungen wirkende Finale beim Zuschauer interessant machen zu können. Eigentlich schade, hätte der Film doch auch ohne den überflüssigen Rattenschwanz funktioniert. HORNS ist somit ein zweischneidiges Schwert, denn weder AJA-Fans noch RADCLIFFE-Anhänger bekommen das zu sehen, was sie sich wohl von HORNS erwartet hätten. Demnach sollten Erwartungen herabgeschraubt werden, denn der Fantasy-Drama-Thriller leidet nicht nur unter chronischer Blutarmut, sondern ist mit seinen 120 Minuten auch eindeutig zu lang. Demnach: teils frech und flott erzählt, aber bei Weitem kein Überflieger.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Zuschauer wird Zeuge eines eingeschlagenen Schädels. Zudem wird eine Hande mittel Feuerwerkskörper zerfetzt. AJA-Fans werden enttäuscht sein. Wegen der wenigen Schauwerte hat der Film auch eine FSK 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HORNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Horns; Kanada | USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 120 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer, Hinter den Kulissen

Release-Termin: 17.12.2015

 

Horns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HORNS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAIMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ghost Rider (2007)
 
Ghost Rider: Spirit of Vengeance (2011)
 
Constantine (2005)
 
Heartless (2009)
 

Filmkritik: „King Cobra“ (1999)

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KING COBRA

Story

 
 
 
Als eine bei einem missglückten Experiment eine genmanipulierte Riesenschlange, halb Kobra, halb Klapperschlange, aus dem Versuchslabor entkommt, geschehen in einer ruhigen Kleinstadt bald grauenvolle Morde. Die Behörden dort stehen vor einem Rätsel. Es liegt an einer Polizistin, einem Arzt und zwei Schlangenexperten das Biest zu fangen und zu töten …
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Kritik

 
 
 
Mit KING COBRA, oder, wie er damals auf VHS auch genannt wurde, KILLER KOBRA, hat es ein weiterer fast in Vergessenheit geratener Tier-Horrorfilm auf DVD geschafft. Veröffentlicht wurde er im Jahre 1999, ganze zwei Jahre nach dem Luis Llosas ANACONDA (1997), in welchem unter anderem Jennifer Lopez und Ice Cube mitspielten, einen finanziellen Erfolg am Boxoffice verzeichnen konnte. Doch KING COBRA ist einer der wenigen Fälle, in denen die Macher ausnahmsweise Mal nicht von einem „größeren Bruder“ abgucken wollten. Genauer gesagt, arbeiteten die zwei Regisseure David und Scott Hillenbrand schon vor dem Release von ANACONDA an dem Konzept zu KILLER KOBRA. Da sich jedoch produktionstechnischen Schwierigkeiten ergaben, mussten die zwei Brüder ihr Projekt um einige Jahre verschieben.
 
Mit ein wenig Hintergrundwissen kann man dem Film vielleicht noch ein wenig mehr abgewinnen. Natürlich ist KING COBRA ein relativ unspektakulärer und klischeebehafteter Tier-Horrorfilm mit einer Schlange. Doch da hat es in jüngster Zeit weitaus schlechtere Beispiele gegeben. Man denke nur an Filme wie PIRANHACONDA (2012) oder ANACONDA 4: TRAIL OF BLOOD (2009). KING COBRA muss ein Projekt gewesen sein, dass David und Scott Hillenbrand aus Liebe zum Genre unbedingt umsetzten wollten. Weshalb hätten sie sonst Jahre lang an dem Film arbeiten sollen? Neben der Regie übernahmen die beiden auch noch die Arbeit der Drehbuchautoren und schrieben das Skript selbst. Sie co-produzierten das Projekt und David Hillenbrand komponierte den Soundtrack, wenn auch unter dem Pseudonym David Berrel. Außerdem gab sich Scott Hillenbrand die Ehre und hatte einen Cameoauftritt – wie sein Bruder, auch unter einem Pseudonym. Der Film selbst ist nicht allzu spannend und die Story bietet keinerlei Überraschungen. So lässt ein verrückter Wissenschaftler versehentlich eine Schlange entkommen, die wenig später Teenager in einem Wald verfolgt und tötet. Selbstverständlich dürfen die obligatorischen Helden nicht fehlen werden, von denen einer natürlich eine Polizistin und der andere ein Arzt ist. Auch das Stadtfest, welches der Bürgermeister selbstverständlich nicht absagen will gehört dazu – ganz so, wie man es eben von Tier-Horrorstreifen seit jeher gewohnt ist. KING COBRA ist ein so klassischer Tier-Horrorfilm, dass er innerhalb seines Genres sehr durch Klischees belastet wird. So können die Szenenverläufe bereits im Voraus erahnt werden – im Falle von KING COBRA ist das immerhin eine unterhaltsame Prämisse. Apropos unterhaltsam: Die unterhaltsamste Figur im ganzen Film dürfte wohl Pat Moritas Charakter Hashimoto sein. Morita, den die Meisten wohl als Miyagi aus KARATE KID (1984) kennen dürften, spielt hier einen Wissenschaftler, der Schlangen untersucht und sich regelmäßig das Gift der Kobra spritzt um immun gegen Bisse und das Schlangengift zu sein.
 
Doch um den Film nicht gänzlich schlechtreden zu wollen, sollten auch fairerweise die positiven Aspekte angesprochen werden, wobei einer ganz besonders hervorzuheben wäre: Der Film benutzt kein CGI! Wenngleich die 90er-Jahre das Jahrzehnt waren in denen Hollywood seinen Fetisch für CGI-Effekte entdeckte, war es gleichzeitig das Jahrzehnt, in denen Filmemacher noch wussten wie man damit umzugehen hat und das CGI nur ein Werkzeug ist, welches man gezielt einsetzen sollte. JURASSIC PARK (1993) hat es durch eine perfekte Symbiose von praktischen Effekten und CGI vorgemacht, ehe es George Lucas und Co. gegen die Wand fuhren. Doch auch in den 90ern gab es immer noch Leute die rein auf praktische Effekte setzten. Genau dies macht KING COBRA wieder zu einem sehenswerten Film, denn die große Riesenschlange ist zu 100% handgemacht. Verantwortlich dafür war ein weiteres Gespann von Brüdern: Die „Chiodo Brothers“, oder um genauer zu sein: Stephen, Charles und Edward Chiodo, die jedem Horrorfan ein Begriff sein sollten. Die drei waren unter anderem für die Creature-Effects in CRITTERS – SIE SIND DA! (1986) und CRITTERS 2 – SIE KEHREN ZURÜCK (1988) verantwortlich. Für letzteren wurden sie sogar für den Saturn Award 1990 nominiert. Ihr bekanntestes Werkt dürfte wohl der kultige und äußerst unterhaltsame KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (1988) sein, den sie selbst produzierten und für den sie sogar das Drehbuch schrieben. Außerdem führte Stephen Chiodo hier persönlich Regie. Die Schlange, die sie für KING COBRA gebaut haben sieht super aus und wirkt wesentlich eindrucksvoller als die meisten computeranimierten Monster von heute. Diesbezüglich unterstreicht der Film noch mal, wie wichtig doch praktische Effekte gegenüber CGI sind.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
KING COBRA ist ein eher durchschnittlicher aber dennoch solider Tier-Horrorfilm, der durch seine praktischen Effekte einige Schauwerte zu bieten hat.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland erhältlichen Fassungen sind ungekürzt. So auch die aktuelle DVD-Auswertung von EDEL GERMANY, die unter dem Originaltitel KING COBRA auf DVD ausgewertet wurde.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: King Cobra; USA 1999

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Französisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 
Am 22. Februar 2000 veröffentlichten BMG Video und UFA den Film auf VHS-Kassette unter dem Titel KILLER KOBRA. Seit dem 30. Mai 2014 ist der Streifen auch auf DVD erhältlich. EDEL GERMANY veröffentlichte den Film hierzulande unter seinem Originaltitel KING COBRA. Dadurch besteht nun Verwechslungsgefahr, da der 1981 veröffentlichte Tier-Horrorfilm JAWS OF SATAN von Bob Claver hierzulande auch den Titel KING KOBRA trägt – das „C“ in „Cobra“ macht den Unterschied.
 
 

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KING COBRA – Trailer

 
 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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