Filmkritik: „Everest“ (2015)

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EVEREST

Story

 
 
 
Zwei Gruppen Bergsteiger machen sich im Mai 1996 an die Besteigung des Mount Everest. Durch Leichtsinnigkeit, schlechtes Timing und einen plötzlichen Wetterumschwung kehren einige von ihnen nicht mehr lebend zurück. „Everest“ ist die zweite Verfilmung des hier geschilderten Unglücks, die erste erschien 1997 nach dem Bestseller von Jon Krakauer und hieß (wie sein Buch) „In eisigen Höhen“.
 
 
 


 
 
 

EVEREST – Kritik

 
 
 
Katastrophen, die auf wahren Ereignissen beruhen, sind ja ein gern aufgegriffenes Thema für filmisch umgesetzte Dramen. Und wenn es gerade nichts wirklich Spektakuläres gibt, was irgendjemandem mal irgendwann passiert ist, greift man eben auf die weniger spektakulären Vorfälle zurück. Es gibt immer wieder Todesfälle am Mount Everest, warum sich Regisseur Baltasar Kormákur („Contraband“) aus den bisherigen 243 Todesfällen nun ausgerechnet das Leben und Sterben der beiden Bergführer Rob Hall und Scott Fischer herausgesucht hat, bleibt rätselhaft. Noch rätselhafter ist, warum es dem Regisseur nicht gelungen ist, sein Drama auch nur mit dem Hauch von Emotionalität zu versehen. Die Schicksale sämtlicher Menschen, die an diesem 10. bzw. 11. Mai 1996 den Tod fanden, bleiben einem völlig egal, da die Charaktere so oberflächlich gezeichnet sind, dass man leider überhaupt keinen Zugang zu ihnen findet.
Rob Hall bietet seit 1992 kommerzielle Expeditionen zum Gipfel des Mount Everest an. Der Neuseeländer und Höhenbergsteiger will so auch Amateuren ermöglichen – dank seiner guten Vorbereitung und Führung – diese äußerst anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Der amerikanische Bergsteiger Scott Fischer zieht mit seinen „Mountain Madness“ Touren nach, darüber hinaus gibt es weitere Anbieter, die es nahezu jedem Laien für viel Geld ermöglichen, den 8.848 Meter hohen Berg zu besteigen. Während Rob zu den umsichtigen und gewissenhaften Bergführern gehört, vermittelt Scott Fischer eher sorglose Unbekümmertheit. Trotz unterschiedlicher Einstellung und Vorgehensweise ereilt beide schlussendlich dasselbe Schicksal.
Zu Halls Gruppe gehören unter anderem der reiche Texaner Beck Weathers und der Schriftsteller und Bergsteiger Jon Krakauer, der im Jahr des Unglücks sein Buch „Into the Wild“ (2007 verfilmt von Sean Penn mit Emile Hirsch) veröffentlicht hatte und ein Jahr später, 1997, „In eisigen Höhen“ herausbrachte, welches das Drama am Mount Everest aus seiner Sicht schildert. Rob Halls Witwe hat Krakauer daraufhin als Abschaum bezeichnet, da Krakauer das letzte über Telefon und Funkgerät geführte Gespräch zwischen ihr und ihrem sterbenden Mann in seinem Buch abgedruckt hat.
 
 
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Zu jener Zeit war das Basislager des Everest nahezu überlaufen, weil viele, die über die ausreichenden finanziellen Mittel verfügten, unbedingt einmal auf den Everest wollten. Die daraus resultierenden Probleme begründen eine Teilschuld des Dramas, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen. Der Berg war völlig überlaufen, es kam zu Staus und langen Wartezeiten an verschiedenen Knotenpunkten, so dass die Bergführer den Berg nicht in der vorher berechneten Zeit hinauf- und wieder hinabsteigen konnten. Kombiniert mit den unvorhersehbaren Wetterumschwüngen und dem Wunsch, den Kunden unbedingt zufriedenzustellen und weiterhin viel Geld mit den Touren verdienen zu können, konnte das hier erzählte Unglück vor 20 Jahren überhaupt erst passieren. Leider gelingt es Kormákur nicht, aus den Ereignissen die nötige Spannung zu extrahieren und filmisch umzusetzen. Somit ist die Laufzeit von 121 Minuten weder inhaltlich noch inszenatorisch gerechtfertigt. Man ist als Zuschauer kaum bereit, dem Handlungsverlauf bereitwillig zu folgen und Anteil am Schicksal derer zu nehmen, die den Mount Everest nicht mehr lebend verlassen werden. Abgesehen von ein paar wirklich hübschen Aufnahmen vom Berg und dem Drumherum bietet „Everest“ leider nur eins: gepflegte Langeweile und nahezu fahrlässige Oberflächlichkeiten.
 
 
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Die erste Stunde des Films widmet sich ausschließlich den Vorbereitungen auf die Gipfelerklimmung, die bereits Wochen vor dem eigentlichen Aufstieg beginnen. Dafür lässt Rob seine Gruppe auf verschiedene Höhenebenen und wieder zurück zum Basislager klettern, damit sie mit den immer schwierigeren körperlichen Anforderungen umgehen lernen. Ist die ganze Hin- und Herkraxelei dann endlich soweit gediehen, dass es an die Gipfelstürmung gehen kann, wird diese äußerst unspektakulär inszeniert. Menschen in verschiedenfarbigen Schneeanzügen, bis zur Unkenntlichkeit vermummt, so dass man nicht erkennen kann, wer wer ist, balancieren am Everest herum und kommen irgendwann auch oben an. Dann wird einmal kurz „Juchuu“ geschrien, irgendein Stofffetzen als Beweis der erfolgreichen Besteigung irgendwo befestigt und dann geht es auch schon zurück. Erst dann kommt kurzzeitig ein Hauch Spannung auf. Dank eines plötzlichen Wetterumschwungs und der nicht ausreichenden Anzahl an Sauerstoffflaschen sind schon bald die ersten Opfer zu beklagen. Diese fallen im wahrsten Wortsinn einfach aus dem Bild. Eben noch da, im nächsten Moment lautlos in verschneiten Tiefen verschwunden. Da man darüber hinaus meistens sowieso nicht erkennen kann, wer da gerade in den sicheren Tod gestürzt ist, bleibt man nahezu völlig unberührt von den dramatischen Ereignissen. Weitere Opfer waren durch mangelnde Rettungsmöglichkeiten, Entkräftung und Erfrieren zu beklagen. Beck Weathers, der den Aufstieg aufgrund von Sehstörungen abbrechen musste und auf die nicht zurückkehrenden Rückkehrer warten sollte, damit diese ihn wieder sicher mit nach unten nehmen, galt schon als tot, als er einen Tag später mit schweren Erfrierungen doch noch in einem der Camps auftauchte. Weathers verlor bei dem Unglück seine beiden Hände und seine Nase.
 
 
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Die zweite Filmstunde vergeht also erschreckend emotionslos mit dem Abfilmen der verschiedenen Schicksale, die die Protagonisten ereilen. Der eine fällt in die Tiefe, der nächste erfriert, der übernächste kriegt keine Luft mehr. Da man so gut wie nichts über die Menschen weiß, die hier den Tod finden (was ist ihre Motivaton für die Bergbesteigung, was denken sie, welche Charaktereigenschaften haben sie?), sind sie leider austauschbare Opfer der Naturgewalten und unzureichender Planung der Expedition. Selbst die Gespräche des einsam am Berg sterbenden Rob mit seiner hochschwangeren Frau in Neuseeland lassen einen seltsamerweise kalt. Das einzige Mal, wo man so etwas wie Interesse und Mitgefühl entwickelt, ist im knapp siebenminütigen Extra der Blu Ray „Das Streben nach Echtheit“, in dem Beck Weathers und Rob Halls Witwe neben einigen anderen überlebenden Expeditionsteilnehmern zu Wort kommen. An den Schauspielern liegt es wenigstens nicht, dass aus „Everest“ so ein sträflich unterkühlter Film geworden ist. Im Gegenteil, exzellente Schauspieler wie Jake Gyllenhaal (Fischer) und Josh Brolin (Weathers) können ihr Potenzial nicht mal im Ansatz ausschöpfen, weil es dem Regisseur hier auch an Schauspielführung und dem Talent, das Beste aus seinen Darstellern herauszuholen, mangelt. Emily Watson, Keira Knightley und Sam Worthington sind in ihren Mini-Rollen ebenfalls verschwendet. Auch die Wahl des Darstellers von Rob Hall, der zentralen Figur des Films, bleibt unverständlich. Denn ausgerechnet hier setzt Kormákur auf den blassen Australier Jason Clarke, der zwar in vielen bekannten Filmen mitgespielt hat (Zero Dark Thirty, Der große Gatsby, White House Down), aber den meisten Zuschauern dennoch kaum bekannt sein dürfte. Hier hätte man sich dann doch einen charismatischeren und auch bekannteren Darsteller gewünscht.
 
 
 


 
 
 

EVEREST – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Fünf Menschen verloren am 10. und 11. Mai 1996 am Mount Everest ihr Leben. So wie viele andere vor und nach ihnen. Das Drama um die Bergführer Hall und Scott zeichnet sich durch keinerlei Besonderheiten aus. Es war eine fatale Mischung aus unvorhersehbarem Wetterumschwung, schlechtem Timing, Pech und plötzlich auftretenden gesundheitlichen Problemen, die Rob Hall, Scott Fischer, Andy Harris, Doug Hansen und Yasuko Namba das Leben kosteten. Selbst die durchaus angebrachte Kritik an der Kommerzialisierung dieser immer noch extrem gefährlichen Gipfelbesteigungen verhallt nahezu ungehört, weil Regisseur Kormákur unerklärlicherweise jegliches Gespür fehlt, Emotionen zu generieren und Spannung zu erzeugen. Somit hat der Film außer guten Darstellerleistungen und schönen Bergaufnahmen kaum etwas zu bieten. Die hier geschilderte Tragödie hätte jedem jederzeit passieren können und zeichnet sich bedauerlicherweise durch keine markanten Eckpunkte aus, die eine Verfilmung gerechtfertigt hätten. Deshalb leider nur drei von zehn Schneewehen, die ereignis- und lautlos an einem vorüberziehen.
 
 
 


 
 
 

EVEREST – Zensur

 
 
 
„Everest“ wurde von der FSK ab 12 Jahren freigegeben. Die erhältliche Heimkinofassung ist ungeschnitten. Fans von Überlebensfilmen können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

EVEREST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Everest; Großbritannien | USA

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS 5.1, Französisch DTS 5.1, Hindi DTS 5.1, Italienisch DTS 5.1, Japanisch DTS 5.1, Polnisch DTS 5.1, Portugiesisch DTS 5.1, Russisch DTS 5.1, Spanisch DTS 5.1, Lateinamerikanisches Spanisch DTS 5.1, Thailändisch DTS 5.1, Tschechisch DTS 5.1, Türkisch DTS 5.1, Ungarisch DTS 5.1

Untertitel: Arabisch, Deutsch, Dänisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Hindi, Isländisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 2,40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 121 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Gipfelrennen: Das Making Of von Everest, Klettern lernen, Ein Berg an Arbeit, Das Streben nach Echtheit: Die wahre
Geschichte, Filmkommentar mir Regisseut Baltasar Kormákur

Veröffentlichung: 28.02.2016

 
 
 

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EVEREST – Trailer

 
 


 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

Die Rechte aller Grafiken liegen bei Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 
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Filmreview: „Frost“ (2012)

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FROST

Story

 
 
 
Tief im Eis lauert das Böse. Ein Forscher-Team kehrt von den Arbeiten an einem Gletscher nicht zurück. Wissenschaftlerin Agla (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) macht sich Sorgen und beginnt mit Freund Gunnar (Björn Thors) nach den vermissten Kameraden zu suchen. Was die beiden jedoch finden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren …
 
 
 


 
 
 

FROST – Kritik

 
 
 
Jawohl, es ist wieder soweit. Willkommen zu einer weiteren Ausgabe unserer beliebten Rubrik: Found-Footage-Filme, die eigentlich keiner mehr sehen will und kann. Kaum ein Sub-Genre hat in der Vergangenheit so stark polarisiert, wie jene Filmgattung, die sich mit meist fiesem Kameragewackel ins Gedächtnis der Zuschauer gebrannt hat. Immerhin ist der bereits mehrfach totgesagte Trend nun auch in Island angekommen, wo sich die Produzenten von REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE (2009) dem unbeliebten Filmthema angenommen und den vorliegenden FROST finanziert haben. Der wurde vom bisher komödienerprobten REYNIR LYNGDAL gedreht und hat eigentlich kaum Neuerungen zu bieten, schließlich ist das Kopieren bereits dagewesener Erfolgsrezepturen einfacher, als den eigenen Kopf anzustrengen. Das Resultat ist ein x-beliebiger Found-Footage-Streifen, der eigentlich den gleichen Regeln folgt, wie man sie schon in ganz vielen Werken dieser Art zu sehen bekommen hat, nur mit dem Unterschied, dass in FROST zur Abwechslung nicht in Englisch sondern Isländisch geschrieen und gewinselt wird.
 
FROST handelt von Filmemacher Gunnar (BJÖRN THORS), der einen Dokumentarfilm über eine Gletscher-Forschungseinrichtung als Vorwand nutzt, um Freundin Agla (ANNA GUNNDIS) zu besuchen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet sie in einem abgelegenen Teil des Polarkreises in einer Art Camp, wo sie zusammen mit einem Team aus Physio- und Geologen Proben aus Gletschern entnimmt, um diese zu untersuchen. Neustes Forschungsprojekt ist eine geheimnisvolle Gletscherspalte, aus der immer wieder seltsame Lichter und Geräusche dringen. Dass derart rätselhafte Vorkommnisse in Horrorfilmen meist nichts Gutes verheißen erlebt das Paar am eigenen Leib, denn als die übrigen Wissenschaftliche von ihren Untersuchungen nicht heimkehren wollen, machen sich Agla und Gunnar auf die Suche nach den verschollenen Forschern. Fündig werden sie schnell. Die scheinbar leblosen Körper hat der Schnee unweit der Spalte begraben. Weitere Wissenschaftler entdeckt Gunnar regungslos auf dem Grund der Gletscherspalte liegen. Leider lauert dort auch die Ursache des Unheils: Etwas Böses wurde aus seinem Schlaf gerissen und hat sich den Körpern der Wissenschaftler bemächtigt.
 
FROST zieht seinen Reiz aus der schneebedeckten Kulisse, die schon dem Horrorklassiker THE THING zum Erfolg verholfen haben. Wenn immer sich die Kamera durch tobende Schneestürme kämpft und die Protagonisten orientierungslos durch frostige Landschaften irren, erlebt FROST seine besten Momente. Isoliert von der Außenwelt und ohne Hoffnung auf schnelle Hilfe entwickelt sich die scheinbar malerische Schneekulisse rasch zur Hölle auf Erden, aus der irgendwie kein Weg nach draußen führen will. Lobenswerterweise kommt der dichte Schneereigen nicht aus dem Computer. Die Dreharbeiten fanden unter harten Bedingungen statt, denn REYNIR LYNGDAL wollte seinen Antarktis-Grusler so authentisch wie möglich inszenieren. Demnach wurde während echten Schneestürmen gedreht, was den Schauspielern und der Rest der Crew einiges abverlangte. So ambitioniert das Projekt auch verwirklicht wurde, so enttäuschend die Tatsache, dass FROST ziemlich langweilig ist. LYNGDAL ist zwar um einen stetig steigenden Spannungsboden bestrebt, bis aber endlich überhaupt etwas passiert vergehen fast 40 Minuten. Demnach wird der Zuschauer bis zur Halbzeit unfreiwilliger Zeuge von belanglosen Beziehungsstreitigkeiten, die Protagonist Gunnar selbstverständlich mit der Kamera filmen muss. Der hält nämlich vehement alles auf Band fest, was vor die Linse kommt und sei es noch so unwichtig. Dass der Charakter laut Drehbuch eigentlich ein professioneller Kameramann sein soll, will man beim permanenten Gerüttel seines Arbeitsgerätes nicht so recht glauben, denn wie man es von Found-Footage-Werken nun mal gewöhnt ist, wird hier gewackelt als gäbe es keinen Morgen mehr.
 
Langsames Erzählen muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Macher REYNIR LYNGDAL nimmt jene Filmweisheit leider etwas zu genau und quält den Filmfan durch eine Handlung, die sich zieht wie Kaugummi. Dreiste Taschenspielertricks lässt der Regisseur außer Acht, denn wenn kurz vor Ende seltsame Geräusche, Lichter und Beben auf mutierte Kreaturen aus einer fremden Welt schließen, setzt er lieber auf subtile Mehrdeutigkeiten und lässt das Grauen im Kopf des Zuschauers entstehen. Der dürfte leider mit einer Menge Fragen vor der Glotze zurückbleiben und sich ein wenig veräppelt fühlen, hat er doch 70 Minuten lang auf fiese Monster gewartet, die für das Verschwinden der vermissten Wissenschaftler verantwortlich gemacht werden. Trotz interessanter und teils beklemmender Kulisse ist FROST kein Highlight. Dem Grusler fehlen nicht nur die Monster, sondern auch die Phantasie eines TROLLHUNTER (2010) und der Nervenkitzel eines [REC] (2007). Stattdessen wird kopiert ohne Rücksicht auf Verluste, schließlich soll der erste isländische Wackelcam-Film den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstehen. Leider hat man das hier Gezeigte woanders schon bedeutend besser gesehen. Die Liste der Found-Footage-Klischees wird nahezu zwanghaft abgearbeitet. So stört lästiges Pixelgewitter gerade dann das Bild der Kamera, wenn die Ereignisse interessant werden und natürlich sucht man auch in FROST vergebens nach dem Sinn, weshalb Protagonisten in Momenten der Angst immer noch Kraft besitzen, die Kamera halten zu können. Wer eine Vorliebe für Schnee-Horror besitzt, sollte lieber Zeit in bessere Horrorfilme investieren. An BLUTGLETSCHER (2013) und DEVIL’S PASS (2013) dürften jene Filmfans vermutlich bedeutend mehr Spaß haben, denn FROST setzt sein interessantes Potenzial sprichwörtlich in den Sand.
 
 
 


 
 
 

FROST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FROST ist die isländische Antwort auf THE THING. Der erste isländische Found-Footage-Film glänzt mit beklemmender Schneekulisse und subtiler Gruselstimmung. Im Vergleich zum derzeitigen Wackelcam-Standard reicht das in FROST Gezeigte jedoch nicht aus, um das Interesse der hungrigen Horrorgemeinde für sich gewinnen zu können. Streifen wie V/H/S 2 und AFFLICTED haben die Messlatte für Found-Footage-Ware deutlich nach oben getrieben, an der sich alle künftigen Horrorfilme dieses Sub-Genres messen müssen. Leider erreicht FOST nicht einmal annähernd die Qualitäten seiner amerikanischen Vorbilder, denn Regisseur REYNIR LYNGDAL hält sich mit zu vielen Unwichtigkeiten auf und langweilt den Zuschauer schnell. Hinzukommt, dass hier wenig Energie in das Finden eigener Ideen investiert wurde. Stattdessen wird dreist kopiert und die Liste der Found-Footage-Klischees abgehakt. Auch wenn am Ende das Kopfkino des Filmfreundes angekurbelt werden soll, enttäuscht die fade Auflösung, weil sie statt Antworten zu liefern nur noch mehr Fragen aufwirft. Von daher sei FOST nur absoluten Fans jener Filmgattung empfohlen, die sich selbst am zigsten Wackelfilm erfreuen können. Wer seit jeher keinen Draht zu Found-Footage findet, wird auch mit FROST nur wenig anzufangen wissen.
 
 
 


 
 
 

FROST – Zensur

 
 
 
In FROST passiert so wenig, dass selbst die FSK froh sein dürfte, wenn der Abspann über die Filmleinwand flimmert. Bis auf einige plötzlich blutende Nasen gibt es hier keine Gewalt zu sehen. Demnach könnte es gut sein, dass FROST hierzulande bereits für Zwölfjährige freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

FROST – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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