Filmkritik: „The Owners“ (2020)

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THE OWNERS

Story

 
 
 

Vier abgefuckte, britische Leute ohne Perspektiven brechen in das Haus eines älteren Ehepaares ein, das sich jedoch zu wehren weiß.


 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die nicht auf Anhieb verraten, wohin die Reise gehen wird. In einer Zeit in der Horrorware am Fließband gedreht wird und quasi stets die gleichen Geschichten nur mit anderen Gesichtern abgespult werden, tun frische Ideen Not, die den Zuschauer trotz ewig gleicher Rezepturen an die Glotze fesseln können. Der Horrorthriller THE OWNERS ist so ein Fall. Der beginnt zwar damit eine bekannte Geschichte zu erzählen, die man so ähnlich schon unzählige Male gesehen hat. Was danach folgt, ist aber mutig und neu. Schluss mit bekannten Klischees und vorhersehbarem Ablauf. Der französische Regisseur JULIUS BERG spickt sein Langfilm-Regiedebüt mit unvorhersehbaren Wendungen und viel frischem Wind. Da schaut man doch gern genauer hin.
 
 
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Wenn die Verlockung vom leichten Geld zur Todesfalle wird. THE OWNERS erzählt die Geschichte von britischen Landeiern, die fette Beute wittern. Vier junge Leute – welche an Charaktere des Kultfilms TRAINSPOTTING erinnern – erhoffen im Haus eines älteren Arztehepaares ein stattliches Vermögen. Die brechen in das Anwesen ein und staunen nicht schlecht, als man im Keller einen riesigen Safe vorfindet. Leider hat die Sache einen Haken. Die Ganoven haben nicht das notwendige Equipment dabei, um den Tresor knacken zu können. Da kommt einer der Amateureinbrecher auf eine Idee. Man wartet einfach die Rückkehr der Eigentümer ab und setzt diese unter Druck mit dem Ziel, dass die freiwillig die Kombination des Schlosses herausrücken. Gesagt getan. Kaum kommen die Herrschaften nach Hause, geht es drunter unter drüber. Doch der Plan geht nicht auf. Die Hausbesitzer sind zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch ganz fit im Kopf. Damit sind sie den perspektivlosen Einbrechern einen Schritt voraus. Sie manipulieren die Ganoven und sperren sie im morschen Gebäude ein. Was folgt ist ein perfides Katz- und Mausspiel, das aus Opfern Täter und Täter zu Opfern macht. Klingt berechtigterweise nach DON’T BREATHE von 2016 und ist bei genauerer Betrachtung tatsächlich eine weitere Variante des erwähnten Home-Invasion-Thrillers.
 
 
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Dennoch ist THE OWNERS keine plumpe Kopie. Der Film basiert auf dem Comicroman UNE NUIT DE PLEINE LUNE, welcher bereits 2011 veröffentlicht wurde, und ist vollgestopft mit feinstem englischen Humor, welchen wohl nicht jedermann so lustig finden wird. Für diesen Ausflug in Horrorgenre benötigt man ein dickes Fell, denn der bitterböse Humor dieses Films dürfte bei empfindsamen Zuschauern dafür sorgen, dass denen das Lachen im Halse stecken bleibt. Doch damit nicht genug. THE OWNERS zeichnet sich durch zynische Einfälle, perfide Abläufe und unvorbereitete Gewaltausbrüche aus. Dazwischen ein ungleicher Kampf zwischen Jungen und Alten, der hier auf die Spitze getrieben wird und stets spannend bleibt. Damit hebt sich die britische Produktion von den üblichen Verdächtigen der Gattung Home-Invasion-Horror ab und macht THE OWNERS zum Fest für Horrorfilmfans. Mehr über die Handlung zu verraten verdirbt den Spaß, denn THE OWNERS lebt von der Prämisse, dass nie ersichtlich ist, was als Nächstes passieren wird. So erleben Zuschauer und Protagonisten eine Nacht des Schreckens an deren Ende nichts mehr so ist, wie es den Abend zuvor gewesen war.
 
 
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JULIUS BERG – der sich als großer Fan von Genreware wie SUSPIRIA, DER WEISSE HAI und ALIEN bezeichnet – hat zuvor einiges fürs Fernsehen gemacht und war auch für die Mini-Serie DER WALD als Regisseur für Netflix tätig. In Interviews mit der Presse erklärte er, dass er für die Verfilmung der Graphic Novel viel Freiheit von der Autoren des Comics erhielt und so ein neues, überraschendes und grimmigeres Ende kreieren durfte. Auch inszenatorisch beweist Macher JULIUS BERG Einfallsreichtum und kramt in der Filmtrickkiste. Dem Zuschauer sollte – wie den Protagonisten – das Gefühl vermittelt werden, selbst gefangen zu sein. Im Film wird das ganz clever gelöst. So wird einfach der Bildausschnitt immer kleiner, bis man das Treiben im Finale nur noch durch ein quadratisches Fenster sieht. Solltet Ihr Euch daher wundern, warum plötzlich aus 16:9 ein 4:3 wird, liegt das nicht daran, dass Eurer TV-Gerät einen Defekt hat. Hierbei handelt es sich um ein Stilelement des Regisseurs, der mit den beschnittenen Bildinformationen das klaustrophobische Gefühl der eingesperrten Antihelden unterstreichen möchte, die vergeblich nach einem Weg suchen den Ausgang des Herrenhauses zu finden, um aus den Krallen der schrulligen Herrschaften zu entkommen.
 
 
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THE OWNERS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Schräge Protagonisten, böser Humor und mörderisch gute Schocks. THE OWNERS ist ein Mix aus DON’T BREATHE und YOU’RE NEXT, der sich an jene richtet, die das Horrorgenre nicht immer so ernst nehmen. Genau das tut nämlich auch diese britische Produktion nicht. Für ungeübte Zuschauer mag das hier zelebrierte Treiben kranker Shit sein. Erfahrene Zuschauer ertappen sich öfters beim Schmunzeln, denn schwarzer, britischer Humor durchzieht den ganzen Film. Damit macht es THE OWNERS Filmen wie DALE & TUCKER VS EVIL gleich. Letzterer persiflierte das Genre der Backwood-Slasher-Filme. THE OWNERS nimmt sich die Gattung Home-Invasion-Schocker vor und wirft seine Helden in ein skurriles und schräges Szenario, das man in dieser Art und Weise vermutlich noch nicht auf der Mattscheibe hatte. THE OWNERS ist definitiv ein Geheimtipp für Horrorfilm-Fans und wird seine Fans finden, weil er die bekannte Home-Invasion-Formel verdreht und somit mit der Erwartung des Publikums spielt. Ansehen lohnt daher unbedingt!
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Zensur

 
 
 
THE OWNERS ist eher ein Thriller, der Gewalt reduziert einsetzt. Kommt die aber dann mal zum Einsatz ist sie umso heftiger. Wir denken jedoch, dass THE OWNERS eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 
Mum & Dad (2008)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 

Filmkritik: „Villains“ (2019)

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VILLAINS

Story

 
 
 

Die Horror-Version von Bonnie- und Clyde. Zwei Ganoven kommen auf ihrer Reise nach Florida hinter das Geheimnis eines gestörten Ehepaares.

 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Kritik

 
 
 
Wenn zwei Schauspieler gemeinsam in einem Genre-Werk zu sehen sind, die zuletzt durch gefeierte Horrorfilme aufgefallen sind, macht das neugierig. Zeichnen dann auch noch Leute auf dem Regiestuhl für genau dieses filmische Schaffen verantwortlich, die sich mit dem Schreiben, Produzieren und Regieführen von Horrorfilmen einen Namen machen konnten, werden Horrorfilmkenner nicht unbegründet hellhörig. DAN BERK und ROBERT OLSEN sind Freunde und haben schon einiges an Grauen auf die Leinwand gebracht. Die beiden Filmemacher hegen eine große Leidenschaft für ungemütliche Unterhaltung und inszenierten Horrorfilme wie BODY oder VAMPIRE NATION – BADLANDS, die sich mit menschlichen Abgründen beschäftigt haben. Regie-Arbeit Nummer drei macht da keine Ausnahme. VILLAINS (übersetzt: Schurken) nennt sich der Spaß und durchforstet einmal mehr das Böse im Menschen. Dafür konnte man zwei gefragte Darsteller engagieren: MAIKA MONROE (aus IT FOLLOWS) und BILL SKARSGÅRD. Letzterer erhielt viel Lob als Pennywise im Remake des Stephen-King-Klassikers ES und wechselt für VILLAINS die Fronten. Statt auf der dunklen Seite zu kämpfen, probiert er es nun als Held. Kein leichtes Unterfangen, assoziiert man den schwedischen Schauspieler immer wieder mit dem grausamen Spaßmacher aus der Neuverfilmung des King-Romans.
 
 
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Ein zynischer Mix aus DON’T BREATHE und ARIZONA JUNIOR, der virtuos mit der Frage spielt, wer in diesem Film denn nun eigentlich der Bösewicht ist. Jules (MAIKA MONROE) und Mickey (BILL SKARSGÅRD) sind ineinander bis über beiden Ohren verliebt und mit dem Gesetz auf Kriegsfuß. Die pfeifen auf Recht und Ordnung und ziehen plündernd durchs Land. An einer Tankstelle hofft man auf fette Beute. Die überfällt man kurzerhand, nur um anschließend feststellen zu müssen, dass man statt Geld hätte besser Benzin stibitzen sollen. Da strandet man nun irgendwo in der Einöde mit dem Auto und guter Rat ist teuer. Doch ein abgelegenes Haus lässt auf Hilfe hoffen. Leider sind die Eigentümer nicht Zuhause, was die Kleinkriminellen dazu veranlasst im Anwesen nach Benzin zu suchen. Doch man wird nicht fündig. Stattdessen entdeckt man im Keller etwas, das den Verliebten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein kleines Mädchen sitzt angekettet auf dem Boden und scheint verwirrt zu sein. Dazu hat es auch allen Grund. Das Heim gehört einem seltsamen Pärchen, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Eine Einsicht, zu der unsere Einbrecher bald selbst kommen. Kaum vom Schock erholt, treffen die Hauseigentümer Zuhause ein. Da sitzen Jules und Mickey in der Falle.
 
 
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Irgendwie mangelt es diesem vierköpfigen Kammerstück an Boshaftigkeit. Ja, die eigensinnigen Bewohner dieser morschen Hütte ticken nicht richtig. Doch das hat man zuvor schon einige Male gesehen. Filme wie DAS HAUS DER VERGESSENEN oder DARK PARADISE haben gezeigt, dass sich hinter der Fassade vermeintlich anständiger Menschen nicht selten das personifizierte Böse verbirgt. Leider ist aber die Idee von gestörten Familien, die in den eigenen vier Wänden eigenartige Dinge veranstalten, nicht mehr ganz so frisch. Eine Tatsache, die auch im Falle von VILLAINS bitter aufstößt. Die schwarze Horrorkomödie hat zwar gute Schauspieler zu bieten, zeigt aber nichts, was man nicht schon dutzende Male in dieser Art von Filmen zu sehen bekommen hat. So spielt das Böse auch in diesem Streifen mit seinen Opfern. Letztere müssen einen Weg aus ihrem Gefängnis finden und decken gleichzeitig ein dunkles Geheimnis auf, das das kranke Duo im Film nicht unberechtigt vor der Außenwelt versteckt hält. Ein vertrauter Ablauf also, der von permanenter Unentschlossenheit begleitet wird.
 
 
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VILLAINS kann sich nicht so recht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Die in Brooklyn lebenden Regisseure und Drehbuchautoren DAN BERK und ROBERT OLSEN wollen ihren Film in keine Schublade stecken. Ständig pendelt die Handlung zwischen unbequemer Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor, was zwangsläufig die Frage in den Raum wirft, was das denn hier alles soll. VILLAINS wirkt wie die filmische Adaption eines düsteren Cartoons. Dennoch: Für eine Komödie ist Gezeigtes zu ernst, für Horror zu lustig. Das irritiert, zumal sich der Streifen auch zu geschwätzig gibt und richtige Höhepunkte missen lässt. So kommt es zu Fluchtversuchen, die scheitern und Wendungen, die einzig den Nutzen haben das Geheimnis zu verschleiern, das die bösen Hauseigentümer umgibt. Selbst das ist nicht sonderlich spektakulär. Eine enttäuschende Angelegenheit – vor allem auch deshalb, weil VILLAINS den Mut scheut, mal so richtig böse zu sein. Der Film versucht erst gar nicht, aus seinem seichten Gefängnis auszubrechen. Keine fiesen Kills, keine heimtückischen Schocks. Eine Folge der RTL-Vorabendserie UNTER UNS ist nervenaufreibender.
 
 
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In Interviews erklärten die Macher hinter VILLAINS, wie es zum Film kam. Die hatten 2015 mit gerade einmal 50.000 US-Dollar einen kleinen, aber feinen Thriller namens BODY gedreht, der auf Festivals gut ankam. Umso inniger der Wunsch, einen größeren Film ähnlicher Art zu inszenieren, der das doppelte an Budget verschlingen sollte. So entstand das Drehbuch zu VILLAINS für das man aber von Produzenten den Rat erhielt, besser mit der filmischen Umsetzung zu warten, da der Genre-Mix mehr Kapital und talentierte Schauspieler benötigen würde. Ein Ratschlag, den die Regisseure DAN BERK und ROBERT OLSEN beherzigten. Die drehten daher erst einmal den bierernsten Vampir-Survival-Horror VAMPIRE NATION – BADLANDS und lernten während der Arbeit, wie es ist ein umfangreiches Projekt mit großem Budget zu steuern. Genau diese Erfahrung kommt nun VILLAINS zugute. Zumindest hier erweckt nichts den Eindruck, dass es sich immer noch um Indie-Kino handelt.
 
 
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VILLAINS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn das Psycho-Paar aus TRUE ROMANCE auf das Killer-Duo aus NATURAL BORN KILLERS stößt. Wir sind Horrorfilmfans und mögen es ab und an etwas leichter. Da kann auch gern einmal der Kopf ausgeschaltet und sinnlose Gewalt auf der Mattscheibe zelebriert werden. Etwas, für das VILLAINS prädestiniert gewesen wäre. Ein krankes Ehepaar pfeift auf Moral und veranstaltet weit krankere Dinge hinter verschlossenen Türen. Quasi so etwas wie Familie Firefly aus DAS HAUS DER 1000 LEICHEN oder die Familiensippe aus dem legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Was VILLAINS zelebriert, ist aber weit weg von all dem. Beinahe schon brav, wird hier das Geheimnis zweier durchgeknallter Psychos ergründet. Die haben im Keller ihres Hauses ein kleines Mädchen angekettet und veranstalten auch sonst komische Dinge in den eigenen vier Wänden. Mit schwarzem Galgenhumor, bissigen Dialogen und beinahe schon comicgleichen Unterton versucht man das Interesse des Publikums zu gewinnen. Uns war’s leider zu seicht. Wir sind uns aber sicher, dass dieser kurvenreiche, düstere und scharfkantige Comic-Thriller trotzdem seine Fans finden wird.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Zensur

 
 
 
VILLAINS ist in Sachen Gewalt eher harmlos. Erst am Ende wird einer der Protagonisten in den Filmhimmel geschickt. Wegen der doch etwas bedrohlichen Atmosphäre dürfte VILLAINS hierzulande aber dennoch erst für sechzehnjährige Zuschauer geeignet sein.
 
 
 


 
 
 

VILLAINS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Ones Below – Das Böse unter uns (2015)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Mum & Dad (2008)
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 

Filmkritik: „Harpoon“ (2019)

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HARPOON

Story

 
 
 

Drei Freunde stranden mit dem Boot auf offenem Meer und gehen sich gegenseitig an die Gurgel.

 
 
 


 
 
 

HARPOON – Kritik

 
 
 
Der Mensch ist schon ein unberechenbares Individuum. Eigentlich ist er ganz umgänglich und benimmt sich zivilisiert. Setzt man ihn aber Extremsituationen aus, kommen Züge zum Vorschein, die das Tier im Menschen entfachen. Ein gefundenes Fressen für Macher von Horrorfilmen. Die nutzen den menschlichen Überlebenswillen, um daraus ungemütliche Schocker zu machen. Da wird eine Gruppe von Leuten ganz unvorbereitet mit psychologischen Stress konfrontiert und soll über das eigene Schicksal entscheiden. Leben oder Sterben? Die Folgen sind nicht immer leicht zu verdauen. So werden plötzlich aus gesitteten Bürgern blutrünstige Bestien, die über Leichen gehen und nur ein Ziel kennen: der fatalen Situation entkommen, sich selbst in Sicherheit bringen und irgendwie überleben. Entstanden sind so Filme, die den Zuschauer den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Darunter Werke wie CUBE, OPEN WATER oder DAS EXPERIMENT. Auch Regisseur ROB GRANT mag offenbar Extreme. Der verfrachtet drei junge Leute auf ein Boot, bringt seinen Figuren in Seenot und schaut zu, was passiert. Entstanden ist ein hundsgemeiner Überlebenstripp mit bitterbösem Verlauf, der trotz begrenztem Schauplatz einige unerwartete Überraschungen zu bieten hat.
 
 
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Wie gut kennst Du eigentlich Deine Freunde? Eine Frage, die sich auch die drei Protagonisten in HARPOON stellen müssen. Darin lädt der cholerisch veranlagte Richard Freundin Sasha und den besten Freund Jonah zu einem Segelturn auf der Privatjacht des Vaters ein. Doch die Stimmung ist angespannt. Richard ist wütend. Der glaubt nämlich, dass seine Angebete was mit dem besten Kumpel am Laufen hat. Kaum das Boot gestartet, eskaliert die Situation. Es kommt zum Streit und die Freunde gehen sich an die Gurkel. Ein paar Keilereien später sind alle Gegenstände über Bord, die irgendwie dafür verwendet werden könnten, sich gegenseitig wehzutun. Nun kann Tacheles geredet werden. Dumm nur, dass plötzlich der Motor der Yacht streikt und eine Weiterfahrt unmöglich ist. Da treibt man nun auf dem offenen Meer umher und hofft auf Hilfe. Leider hat man im Streit das Funkgerät zerschlagen und Vorräte sind Mangelware. Dass da die Stimmung im Keller ist, dürfte nachvollziehbar sein.
 
 
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Hallo Wahnsinn! HARPOON wurde als schwarze Komödie konzipiert. Doch das Lachen bleibt schnell im Halse stecken. Drei Unsympathen kämpfen hier ums Überleben und gegen Agressionen. Dabei sind sie dem zynischen Gedankengut von Drehbuchautor und Regisseur ROB GRANT ausgeliefert, der alles daran tut seine Antihelden möglichst hinterlistig zu quälen. Was eigentlich als enspannter Ausflug unter Freunden geplant war, wird schnell zum Albtraum. Eh man sich versieht werden Freunde zu Feinden. Dabei lässt HARPOON bereits in den ersten Filmminuten erahnen, dass diese Seefahrt alles andere als idyllisch werden wird. So schlagen sich die Freunde gleich zu Beginn wegen Nichtigkeiten die Nasen blutig. Wieder zu Sinnen gekommen, muss man feststellen, dass alles nur ein Mißverständnis war. Eine sonderbare Art von Freundschaft – aber immerhin gute Vorraussetzungen, um Spannungen zu schaffen.
 
 
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Die tragen auch bald Früchte. Regisseur ROB GRANT fakelt nicht lang. Nach knapp zehn Minuten ist man schon auf See und die Ereignisse nehmen ihren Lauf. Permanentes Mißtrauen, allgegenwärtige Aggressivität. Schon bald fliegen die Fetzen und es eskaliert – mal wieder. Doch was kommt danach? HARPOON lässt sich nicht durchschauen. Der Film thematisiert menschliche Abgründe und hält den Zuschauer mit immer wieder neuen Wendungen in Schach. Das macht diese kanadische Produktion interessant, die sich immer wieder neue makabere Ideen einfällen lässt, um das Interesse des Publikums für sich beanspruchen zu können und die Figuren an ihre Grenzen zu bringen. Weil letztere alles andere als zugänglich sind, fehlen Identifikationsmöglichkeiten. Was in anderen Filmen ein großes Problem darstellt, kommt HARPOON zugute. Wegen mangelnder Sympathien kann der Zuschauer das Treiben nämlich mit Distanz beobachten. Der bekommt zu sehen wie sich naive und hormongesteuerte Menschen wegen Belanglosigkeiten gegenseitig das Leben schwermachen. Eine gewissen Schadenfreude lässt sich da nicht vermeiden.
 
 
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HARPOON – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Zynisches Thriller-Stück mit tiefschwarzem Humor, das nicht viel braucht, um eine Bootsfahrt zum ultimativen Terrortrip umzufunktionieren. In diesem Film wird ein Boot für drei junge Menschen zum Gefängnis. Die treiben auf hoher See und kommen nicht mehr zum Festland zurück. Da ist klaustrophobische Stimmung vorprogrammiert, die zusätzlich noch durch zwischenmenschliche Spannungen verstärkt wird. HARPOON besitzt viele unvorbereitete Überraschungen, um die Spannung voranzutreiben. Neben plötzlichen Wendungen gibt es aber auch reichlich Lebenssaft zu sehen, um ebenfalls Horrorfilmfans zufriedenstellen zu können. Das hat man aufgrund der überschaubaren Handlung nicht unbedingt kommen gesehen. Ordentlicher, kleiner Thriller!
 
 
 


 
 
 

HARPOON – Zensur

 
 
 
Ein paar Schauwerte hat HARPOON schon. Ein Gegenstand bohrt sich durch eine Hand, man trinkt Blut von toten Vögeln und ein Protagonist holt sich eine Blutvergiftung. Die Folgen sind eklig anzuschauen. HARPOON hat dennoch eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form erhalten. Auf der deutschen Veröffentlichung ist ein roter FSK-Sticker zu finden.
 
 
 


 
 
 

HARPOON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

 
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(c) Koch Films (Mediabook – Cover A)

 
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(c) Koch Films (Mediabook – Cover A)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Harpoon; Kanada 2019

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deleted Opening,
Deleted Scenes, Behind the Scenes, B-Roll, Psychedelic Directors Commentary, Crew Commentary, Trailer, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD + Booklet

Release-Termin: Mediabook + KeepCase: 24.09.2020

 

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HARPOON – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Epic Pictures Group | Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Open Water (2003)
 
Open Water 2 (2006)
 
Hunger (2009)
 

Filmkritik: „Zoo“ (2018)

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ZOO

Story

 
 
 

Das letzte Paar auf der Erde: Zwei Menschen am Ende ihrer Beziehung finden während einer Zombie-Apokalypse plötzlich wieder zusammen.

 
 
 


 
 
 

ZOO – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Film über einen Zombie-Virus, der unbescholtene Bürger in aggressive Furien verwandelt. Och nee, nicht schon wieder – das gab es doch in den letzten Jahren zu Genüge in Kino und Fernsehen. Das zumindest dürften sich Stammleser von FILMCHECKER denken. Seit Gründung dieser Seite im Jahr 2011 haben wir so ziemlich viele dieser Kandidaten besprochen. Einige derer sind einfallsreich, kreativ und manchmal sogar kritisch mit der abgenutzten Zombie-Thematik umgegangen. Andere wiederum haben einfach nur des schnellen Geldes wegen bekannte Zombie-Klischees aneinandergereiht und sind damit kläglich gescheitert. Irgendwo dazwischen bewegt sich der folgende Indie-Horror. ZOO ist eine europäische Genre-Produktion, die den Mut wagt, den Zombie-Ausbruch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Weniger Zombies, dafür mehr Figurenentwicklung und Drama. Ob sowas bei eingefleischten Fans von Zombiefilmen positiv ankommt?
 
 
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Wenn eine Zombie-Apokalypse eine Ehe kittet: Genau im ungünstigsten Moment stellen Karen und John fest, dass die Beziehung so gar keinen Sinn ergibt. Beide haben sich voneinander entfernt und stehen kurz vor ihrer Scheidung. Da wird plötzlich der Ausnahmezustand ausgerufen. Eine ominöse Seuche breitet sich in London aus und macht auch nicht im Haus der verzweifelten Streithähne Halt. Was tun? Am besten gar nichts. So zumindest entscheiden die Helden der Genre-Komödie ZOO. Sie verbarrikadieren sich in den eigenen vier Wänden und hoffen auf Hilfe. Bis dahin plündert man die Wohnungen der übrigen Mietparteien, um nicht auf den täglichen Wohlstand verzichten zu müssen. Eine gute Sache, die sich auch positiv auf die Beziehung von Karen und John auswirkt. Die lernen sich neu kennen und sind sich auf einmal vertrauter denn je. Ob die Ehe doch noch gerettet werden kann? Eine Frage mit der ZOO viel Zeit verbringt.
 
 
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ZOO ist kein konventioneller Horror-Spaß, was vermutlich auch darauf begründet ist, weil hinter dem Streifen jemand steckt, der bisher eher eine Schwäche für Geschichten jenseits des Massengeschmacks hegt. ANTONIO TUBLÉN nennt sich der schwedische Filmemacher, der bereits auf Festivals wegen seiner eigensinnigen Regiearbeiten wie dem Science-Fiction-Drama LFO oder der Komödie ORIGINAL viel Lob erhielt. Die individuelle Handschrift des Filmemachers und dessen Liebe fürs Unkonventionelle ist auch im dritten Spielfilm unverkennbar. Dabei irritiert vor allem die Richtung in welche ZOO tendiert. Viel mit Zombie-Horror hat der Streifen nichts am Hut. ZOO nutzt eine Zombie-Seuche als Alibi-Funktion aus, um den Fokus auf eine der wohl sonderbarsten Beziehungskonstellationen zu richten, die man im Horror-Genre zu sehen bekommen hat. Unsere beiden Filmhelden finden nämlich im Film bisher ungeahnte Dinge über sich heraus, die wohl im Verlauf der Beziehung unentdeckt blieben.
 
 
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Während sich Karen plötzlich als Expertin für Betäubungsmittel entpuppt und in der Wohnung ein ganzes Arsenal an harten Drogen vor ihrem Mann versteckt hält, gewährt Gatte John endlich Zutritt in seine emotionale Festung und ermöglicht seiner Partnerin so tiefe Einblicke in dessen emotionales Seelenchaos. Mit neu gewonnenen Erkenntnissen schmiedet man perfide Pläne und geht damit sogar über Leichen. Nein, ZOO ist nicht der Liebesfilm, den man sich wohl in erster Linie vorstellt, wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest. Regisseur ANTONIO TUBLÉN schmückt seine etwas andere Liebesschmonzette mit allerhand schwarzem Humor aus, der seine Bahnen unterschwellig durch die Handlung zieht. Da bekommt man plötzlich Besuch von den Nachbarn, deren Wohnungen man zuvor noch geplündert hat. Als die nach etwas Proviant fragen und um Hilfe bitten, denkt man lieber über Mord nach, statt die Nachbarn höflichst darum bitten, nach einer Stärkung doch wieder die Wohnung zu verlassen. Mit Zynismus geizt ZOO keineswegs. Wer diese Art des Humors schätzt, dürfte sich an so einigen bitterbösen Wendungen erfreuen.
 
 
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Leider kann ZOO aber nicht die ganze Laufzeit überzeugen. Während sich die erste Filmhälfte alle Türen offenhält und durch schwarzhumorige Späße nicht immer bierernst nimmt, wendet sich in der letzten halbe Stunde das Blatt. Da verliert ZOO plötzlich seinen Humor und verläuft sich in überschwänglicher Sentimentalität und bedeutungsschwangeren Gesprächen – Tränen inklusive. Aus Spaß wird Ernst, was irgendwie so gar nicht zum Rest des übrigen Films passen will. So nimmt eine aufgesetzte Beziehungstragödie ihren Lauf, die die beiden Protagonisten plötzlich über den Sinn der Liebe fachsimpeln lässt. Da werden viele Zugeständnisse gemacht, die man innerhalb der Beziehung nie eingehen wollte und plötzlich ist man sich näher, als man sich zuvor nie war. Alles gut und schön, nur warum belästigt man damit den Zuschauer? Der plötzliche Wandel und die gekommene Einsicht machen aus zuvor coolen und überzeichneten Antihelden, teils langweilige und dazu auch noch gewöhnliche Menschen. Eine etwas unglückliche Entscheidung.
 
 
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ZOO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein etwas anderer Beitrag zum Subgenre des Zombiefilms. Viele Zombies und die für diese Art des Films obligatorischen Fress- und Knabber-Szenen gibt es nicht zu sehen. Vielmehr nutzt man den Hintergrund einer Zombie-Apokalypse aus, um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zu erzählen. ZOO spielt sich fast die gesamte Laufzeit über in den Räumen einer Wohnung ab. Dabei passieren allerhand schräge Dinge, die vor allem durch eines glänzen: schwarzer Humor. Leider ist ZOO aber kein nennenswerter Film. Irgendwie kann sich der Streifen nicht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Regisseur ANTONIO TUBLÉN will seinen dritten Spielfilm offenbar nicht krampfhaft in eine Schublade stecken. Er bedient sich Elementen aus apokalyptischen Zombie-Szenarien, kramt aber auch Zutaten klaustrophobischer Kammerspiele hervor, wo sich Handlungen auf nur begrenzte Schauplätze fokussieren. Als wäre das nicht schon eine Menge, schmückt der Filmemacher die Handlung dazu noch mit viel Dramatik, schwarzem Humor und überschwänglicher Sentimentalität aus. Ein ganz schön kalorienlastiger Cocktail, der wohl nicht jedem Zuschauer schmecken wird.
 
 
 


 
 
 

ZOO – Zensur

 
 
 
ZOO hat wenige Gewaltszenen zu bieten. Zwei Protagonisten werden vergiftet und einer Filmfigur wird in den Hals gestochen, sodass diese verblutet. Weiterhin gibt es Zombies zu sehen und Wunden, die die Kreaturen ahnungslosen Protagonisten zugefügt haben. Außerdem kommen Schusswaffen zum Einsatz. Hierzulande hat ZOO ohne Probleme eine FSK16 erhalten. Sonderlich blutig ist der Film nicht. Weil aber auf der Blu-ray diverse Trailer anderer Film des Anbieters zu finden sind, besitzt die Blu-ray einen roten FSK-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

ZOO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Zoo; Dänemark | Schweden 2018

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonusmaterial ist Blu-ray FSK18

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Original Kinotrailer, weitere Trailer

Release-Termin: 29.11.2019

 

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ZOO – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PingPongFilm | I-ON NEW MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)