Filmkritik: „Alena“ (2015)

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ALENA

Story

 
 
 

Kleine Teufel in Schuluniformen: Eine Außenseiterin (AMALIA HOLM) muss sich an einer neuen Mädchenschule gegen voreingenommene Mitschülerinnen behaupten. Leider führen heimtückische Mobbing-Attacken bald zur Katastrophe, denn auch unschuldig dreinschauenden Einzelgängerinnen platzt irgendwann mal der Kragen.

 
 
 


 
 
 

ALENA – Kritik

 
 
 
In Europa tut sich was, vor allem in Schweden. Dort scheint es seit Jahren zu brodeln, weil man unkonventionelle Filmrezepte erfindet, um sie dann nimmersatten Kinofans auftischen zu können. Damit fährt man scheinbar gut, wie die emsige Remakesucht der Traumfabrik an den Tag legt. Die ist vom typisch schwedischen Look offenbar so beeindruckt, dass man sich Rechte krallt, um dann schwedische Filme nach eigenen Vorstellungen zu kopieren. So ist das Land im Norden Europas mittlerweile auch in Übersee ein Begriff, wo Neuinterpretationen von schwedischer Exportware wie VERBLENDUNG oder SO FINSTER DIE NACHT große Summen an Kinokassen eingespielt haben. Mal sehen, was in Zukunft noch den Weg über den Teich finden wird. Ein weiterer Streifen im Kreise ambitionierter Filmprojekte aus Schweden ist das Psychodrama ALENA. Das basiert auf einem Comicbuch von KIM W. ANDERSSON, die für ihre Arbeit mit dem wichtigsten Comic-Preis Schwedens ausgezeichnet wurde. Nach der Lobpreisung sah man offenbar in der Geschichte Potenzial für einen Langfilm, weshalb man den Comic – ganz zeitgemäß – fürs Kino adaptierte. Auch in Schweden stehen Comic-Verfilmungen hoch im Kurs.
 
 
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Pubertät kann manchmal grausam sein – vor allem wenn man Außenseiter ist. Mit diesem Floskel macht auch die introvertierte Alena Erfahrung, die an einer Elite-Schule den ultimativen Horror erlebt. Die beste Freundin hat sich das Leben genommen. Nun versucht der Teenager an der neuen Schule Anschluss zu finden und scheitert kläglich. Grund dafür ist Filippa (MOLLY NUTLEY) – eine ehrgeizige Schülerin, die vor nichts und niemandem Respekt hat. Das muss auch Alena am eigenen Leib erfahren, die von der boshaften Klassenkameradin schikaniert und gedemütigt wird. Doch fiese Gehässigkeiten sind erst der Anfang. Als die Außenseiterin Teil des Lacrosse-Teams werden soll, gehen die Mobbing-Attacken erst richtig los. Die strebsame Filippa sieht ihre Sportkarriere in Gefahr und beginnt Nachforschungen über ihre Konkurrentin anzustellen. Ein fataler Fehler wie sich bald herausstellen wird, denn offenbar verbirgt Alena etwas in ihrer Vergangenheit, von dem niemand erfahren sollte. Was folgt kann man sich vermutlich ausmalen, denn im Horrorfilm sehen nicht selten schikanierte Opfer rot und dürsten nach Rache. So auch in ALENA, wo Mobbing ebenfalls eine Reihe von Umständen entfacht, die für ein Desaster sorgen werden.
 
 
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Von unterdrückten Schuldgefühlen, inneren Dämonen und der Suche nach der eigenen sexuellen Identität. ALENA als lupenreinen Horrorfilm zu bezeichnen, wäre falsch. Der schwedische Genre-Beitrag ist mehr Drama, statt Horror und erzählt die Geschichte einen mutigen Heranwachsenden, deren Vergangenheit sie am Weitergehen hindert. Regisseur DANIEL DI GABRO eifert im zweiten Spielfilm BRIAN DE PALMA nach. Der Altmeister hatte in den 1970ern mit CARRIE einen Roman des Horrorautors STEPHEN KING fürs Kino adaptiert, der auch heute noch Einfluss auf unzählige Filmemacher und Genrestreifen ausübt. Wo im besagten Kultroman aber noch mittels Telekinese Dinge durch die Luft sausten, verzichtet man in ALENA auf phantastische Elemente. Die Antiheldin dieses Streifens leidet unter einer Form der Schizophrenie. Diese hat sich nach einem Trauma manifestiert und macht der Pubertierenden allmählich das Teenagerleben zur Hölle. So brechen in Stresssituationen Dämonen aus, die sich als Geist der ehemals besten Freundin zeigen. Letztere hat sich Alena wegen von einer Brücke gestürzt und besucht die Seelenverwandte fortan, um bei Entscheidungen ins Gewissen zu reden. Das erschwert die Selbstfindung – vor allem wenn es darum geht, neue Freundschaften zu knüpfen oder über Emotionen zu sprechen.
 
 
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Das Gruseldrama ALENA macht seine Sache ganz gut. Regisseur DANIEL DI GABRO beweist Sensibilität und tritt damit in die gleichen Fußstapfen, wie Landskollege TOMAS ALFREDSON. Der landete im Jahr 2008 mit dem Vampirdrama SO FINSTER DIE NACHT einen Überraschungshit und schuf einen feinfühligen Film, der seinen schmerzhaften Stoff um jugendliche Isolation, Mobbing, Außenseitertum und erste Liebe durch Anleihen beim Horrorgenre umsetzte. Gleiches ist auch in ALENA Programm, der Rachegelüste nicht in Blut ersäuft, sondern eher die Sorgen und Probleme seiner Figuren analysiert. Das Resultat kann sich sehen lassen. ALENA ist ein weitestgehend unsentimental inszeniertes Psychogramm einer desorientierten Heranwachsenden, das vor allem durch schauspielerisches Können und typisch ’schwedischen Look‘ hervorsticht. Effekthascherei hat Sendepause. Stattdessen regieren leise Töne, die dennoch zu einem Finale führen, das ungemütlicher nicht sein könnte. Filmemacher DANIEL DI GABRO zeigt mehr als eindrucksvoll, dass die Schweden schon lange keine Genre-Eintagsfliegen mehr hervorbringen. Das Land hat mit ALENA einen weiteren Gruselvertreter produziert, der sich wacker und souverän gegen die Mainstream-Konkurrenz behaupten kann. Wer demzufolge eine Leidenschaft für Arthaus-Horror mit Tiefgang besitzt, sollte sich diese kleine und ruhig erzählte Genremixtur aus Liebesfilm, Coming-of-Age-Drama sowie Rachestreifen vormerken.
 
 
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ALENA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine zermürbend-traurige Geschichte über Liebe, Zugehörigkeit und Selbstfindung. ALENA ist die schwedische Version von Stephen Kings CARRIE, welche zwar zu keinem Zeitpunkt das Niveau des Klassikers mit SISSY SPACEK erreicht. Dennoch ist der schwedische ALENA um Längen besser, als das überflüssige und seelenlose CARRIE-Remake von 2013. Wie in der Buchvorlage des amerikanischen Horror-Autors führen auch in ALENA Mobbing-Attacken von Schülerinnen zu einer Katastrophe. Während aber King Grusel durch Horrorelemente entstehen lässt, hält man sich in dieser schwedischen Produktion damit weitestgehend zurück. Das ist auch die Quintessenz von ALENA, der gerade wegen zurückhaltendem Gebrauch von Horrorzutaten irgendwie realitätsnah und glaubhaft bleibt. Die sensible Charakterstudie fokussiert Probleme und Ängste von Teenagern, ohne dabei in Sentimentalitäten zu verfallen. Das macht dieses schwedische Außenseiterdrama – dem übrigens ein Comicbuch zugrunde lag – irgendwie einzigartig und interessant. Wer einen gewissen Anspruch vom Genre-Kino erwartet, ist mit ALENA auf jeden Fall gut beraten. Wir waren ganz angetan.
 
 
 


 
 
 

ALENA – Zensur

 
 
 
ALENA hat eigentlich kaum Schauwerte zu bieten. Es gibt eine blutige Nase zu sehen, ein Messer wird in einen Körper gerammt und ein Mädchen springt von einer Brücke. Sollte der Film hierzulande ausgewertet werden, gibt es für ALENA ohne Probleme eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

ALENA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Silvio Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Touch (2013)
 
#Horror (2015)
 
Carrie (2013)
 
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
 
Carrie 2 – Die Rache (1999)
 
Some Kind of Hate (2015)
 

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Filmkritik: „Sensoria“ (2015)

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SENSORIA – JEDE WOHNUNG HAT IHRE VERGANGENHEIT

(SENSORIA)

Story

 
 
 

Den Neuanfang hätte sich Caroline Menard wohl einfacher vorgestellt. Frisch vom Partner getrennt und in eine eigene Wohnung gezogen, passieren plötzlich mysteriöse Dinge um sie herum, die sich die zerbrechliche Frau nicht erklären kann.

 
 
 


 
 
 

SENSORIA – Kritik

 
 
 
Wenn sich keine spendablen Geldgeber für mögliche Horrorstreifen finden lassen, müssen die Zuschauer eben selbst ran. Seit einigen Jahren blühen die Geschäfte auf Crowdfunding-Plattformen wie KICKSTARTER, STARTNEXT und Konsorten, wo ambitionierte Regisseure mit Filmfans in Verbindung treten, um sich von ihnen Filme finanzieren zu lassen. So konnte in der Vergangenheit einiges an Kinomaterial (grandios: STROMBERG – DER FILM) umgesetzt werden, das sonst hätte nie gedreht werden können. Auch in Schweden versucht man jetzt Horrorfilme auf die Beine zu stellen, indem man Cineasten zum Spenden animiert. Regisseur CHRISTIAN HALLMAN ist Produzent und gleichzeitig Mitarbeiter in der European Fantastic Film Festivals Federation (EFFFF) – eine Organisation, die ins Leben gerufen wurde, um europäischer Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme zu fördern. Der wollte mit dem selbst geschriebenen SENSORIA unbedingt einen Horror-Thriller nach seinem Geschmack inszenieren und bat auf dem Finanzierungsportal KICKSTARTER um Unterstützung. Die lies nicht lang auf sich warten. Dank überzeugender Artworks und immer neuer Informationen zum Filmprojekt kamen umgerechnet mehr als 13.000 Euro zusammen. So konnte mit der Produktion von SENSORIA begonnen werden, für die ein enger Produktionsplan von gerade einmal 13 Tagen eingehalten werden musste.
 
 
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Jede Wohnung hat eine Vergangenheit. Im SENSORIA wagt Caroline Menard (intensiv gespielt von LANNA OHLSSON) einen Neuanfang. Was Tragisches im Leben der Frau passiert ist, bleibt ungeklärt. Sie hat sich von ihrem Partner getrennt und eine kleine Wohnung in einem Hochhaus gemietet, in der sich bald einsam und verlassen fühlt. Doch das seelische Ungleichgewicht der neuen Mieterin entpuppt sich bald als kleineres Übel. Nicht nur, dass sich die Nachbarn seltsam verhalten; auch in den eigenen vier Wänden geht es nicht mit rechten Dingen zu. So öffnen sich Schränke wie von Geisterhand und der Wasserhahn im Bad tropft ohne ersichtlichen Grund. Da das Apartment die Nummer 237 besitzt (SHINING lässt grüßen), dürfte wohl klar sein, dass in dieser Wohnung einiges im Argen liegt. Vor vielen Jahren ist darin Furchtbares geschehen, dass der neuen Mieterin den Neuanfang vermasseln wird.
 
 
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Willkommen zum Spuk im Hochhaus. Nein, SENSORIA ist keiner dieser konventionell gestrickten Gruselfilme, in denen böse Geister viel Schabernack treiben, um den Lebenden die Freude am neuen Heim zu nehmen. Stattdessen richtet sich der Streifen mit seiner deprimierenden Atmosphäre und gemächlichen Machart an jene Zuschauer, denen bereits der schwedische Arthaus-Horror SO FINSTER DIE NACHT wohlige Schauer beschert hat. Auch wenn beide Filme in unterschiedlichen Subgenres beheimatet sind, bleiben Parallelen nicht unbemerkt. So nehmen sich beide Streifen nicht nur Zeit, um die Gefühlswelt ihrer traurigen Protagonisten zu erforschen. Auch brisante Themen wie Einsamkeit und Großstadtanonymität werden beleuchtet – gravierende Probleme, die immer mehr Menschen in der heutigen Zeit Sorgen bereiten. Umso eindringlicher die Warnung, dass SENSORIA kein Film fürs lebensfrohe Publikum ist. Steriler Plattenbau, erdige Töne und kaum Farben deuten nämlich darauf hin, dass es in diesem Schauerdrama nichts zu lachen gibt. Die trostlose Bildsprache ist hier Stilmittel, um den psychischen Abstieg einer Frau besser unterstreichen zu können, die in SENSORIA allmählich den Verstand verliert. So legt Macher CHRISTIAN HALLMAN zwar anfangs falsche Fährten, treibt aber seine Filmfigur mit Spuk in den Wahnsinn und konfrontiert mit Geistern der Vergangenheit. Der langsame Erzählstil bringt zwar die niederschmetternd Atmosphäre des Dramas gut zur Geltung; leider schlägt die bedrückende Stimmung aufs Gemüt. Umso makabrer das Ende. Statt die Heldin von Qualen zu erlösen, wird die ohnehin gebeutelte Hauptprotagonistin noch weiter in den Abgrund getrieben. Das lässt niemanden kalt.
 
 
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SENSORIA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weniger Horror, dafür mehr Drama. Erschütterndes Geisterdrama, das mit typisch skandinavischem Filmlook und starker Hauptdarstellerin überzeugen kann. Man kann nicht behaupten, dass SENSORIA trotz gemächlicher Inszenierung schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Der Film punktet durch deprimierende Gruselatmosphäre, die man schon lange nicht mehr so auf der Leinwand zu sehen bekommen hat. Hinter kahlen Wänden trostloser, schwedischer Plattenbauten und inmitten quälender Anonymität einer schnellebigen Großstadt erlebt eine Frau ihr ganz eigenes Martyrium. Das zehrt an den Kräften, denn die tragische Geschichte über Einsamkeit, Verlust und Trauer lässt niemanden kalt. Leider meint man es mit der zerbrechlichen Hauptfigur nicht sonderlich gut. Die schlittert in das wohl ungemütlichste Filmende der letzten Jahre, mit dem sich die meisten Zuschauer wohl nicht zufriedengeben wollen. Nichtsdestotrotz darf man Regisseur CHRISTIAN HALLMAN an dieser Stelle beglückwünschen. Der zeigt mit SENSORIA zweifelsohne, dass gelangweilte und unkreative Filmemacher aus Hollywood vom unkonventionell schwedischen Horrorkino noch einiges lernen können. Wer Arthaus mag, sollte daher unbedingt einen Blick riskieren. Mainstream-verwöhnte Filmfans dürften mit dem eher langsam erzählten SENSORIA nicht viel anfangen können.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Zensur

 
 
 
SENSORIA ist ein trauriges Gruseldrama. Im Mittelpunkt stehen Atmosphäre und Stimmung. Die Gewalt reduziert sich auf einen Badewannenmord. Hier wird eine Filmfigur in der Wanne ertränkt. Eine andere Protagonistin erhängt sich auf dem Dachboden. Mehr Gewalt gibt es nicht zu sehen. Die deutschen Veröffentlichung von SENSORIA ist ungeschnitten und FSK16.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sensoria; Schweden 2015

Genre: Thriller, Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 19.05.2017

 

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SENSORIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Maritim Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Unbroken (2012)

The Babadook (2014)

The Sixth Sense (1999)