Filmkritik: „Alena“ (2015)

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ALENA

Story

 
 
 

Kleine Teufel in Schuluniformen: Eine Außenseiterin (AMALIA HOLM) muss sich an einer neuen Mädchenschule gegen voreingenommene Mitschülerinnen behaupten. Leider führen heimtückische Mobbing-Attacken bald zur Katastrophe, denn auch unschuldig dreinschauenden Einzelgängerinnen platzt irgendwann mal der Kragen.

 
 
 


 
 
 

ALENA – Kritik

 
 
 
In Europa tut sich was, vor allem in Schweden. Dort scheint es seit Jahren zu brodeln, weil man unkonventionelle Filmrezepte erfindet, um sie dann nimmersatten Kinofans auftischen zu können. Damit fährt man scheinbar gut, wie die emsige Remakesucht der Traumfabrik an den Tag legt. Die ist vom typisch schwedischen Look offenbar so beeindruckt, dass man sich Rechte krallt, um dann schwedische Filme nach eigenen Vorstellungen zu kopieren. So ist das Land im Norden Europas mittlerweile auch in Übersee ein Begriff, wo Neuinterpretationen von schwedischer Exportware wie VERBLENDUNG oder SO FINSTER DIE NACHT große Summen an Kinokassen eingespielt haben. Mal sehen, was in Zukunft noch den Weg über den Teich finden wird. Ein weiterer Streifen im Kreise ambitionierter Filmprojekte aus Schweden ist das Psychodrama ALENA. Das basiert auf einem Comicbuch von KIM W. ANDERSSON, die für ihre Arbeit mit dem wichtigsten Comic-Preis Schwedens ausgezeichnet wurde. Nach der Lobpreisung sah man offenbar in der Geschichte Potenzial für einen Langfilm, weshalb man den Comic – ganz zeitgemäß – fürs Kino adaptierte. Auch in Schweden stehen Comic-Verfilmungen hoch im Kurs.
 
 
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Pubertät kann manchmal grausam sein – vor allem wenn man Außenseiter ist. Mit diesem Floskel macht auch die introvertierte Alena Erfahrung, die an einer Elite-Schule den ultimativen Horror erlebt. Die beste Freundin hat sich das Leben genommen. Nun versucht der Teenager an der neuen Schule Anschluss zu finden und scheitert kläglich. Grund dafür ist Filippa (MOLLY NUTLEY) – eine ehrgeizige Schülerin, die vor nichts und niemandem Respekt hat. Das muss auch Alena am eigenen Leib erfahren, die von der boshaften Klassenkameradin schikaniert und gedemütigt wird. Doch fiese Gehässigkeiten sind erst der Anfang. Als die Außenseiterin Teil des Lacrosse-Teams werden soll, gehen die Mobbing-Attacken erst richtig los. Die strebsame Filippa sieht ihre Sportkarriere in Gefahr und beginnt Nachforschungen über ihre Konkurrentin anzustellen. Ein fataler Fehler wie sich bald herausstellen wird, denn offenbar verbirgt Alena etwas in ihrer Vergangenheit, von dem niemand erfahren sollte. Was folgt kann man sich vermutlich ausmalen, denn im Horrorfilm sehen nicht selten schikanierte Opfer rot und dürsten nach Rache. So auch in ALENA, wo Mobbing ebenfalls eine Reihe von Umständen entfacht, die für ein Desaster sorgen werden.
 
 
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Von unterdrückten Schuldgefühlen, inneren Dämonen und der Suche nach der eigenen sexuellen Identität. ALENA als lupenreinen Horrorfilm zu bezeichnen, wäre falsch. Der schwedische Genre-Beitrag ist mehr Drama, statt Horror und erzählt die Geschichte einen mutigen Heranwachsenden, deren Vergangenheit sie am Weitergehen hindert. Regisseur DANIEL DI GABRO eifert im zweiten Spielfilm BRIAN DE PALMA nach. Der Altmeister hatte in den 1970ern mit CARRIE einen Roman des Horrorautors STEPHEN KING fürs Kino adaptiert, der auch heute noch Einfluss auf unzählige Filmemacher und Genrestreifen ausübt. Wo im besagten Kultroman aber noch mittels Telekinese Dinge durch die Luft sausten, verzichtet man in ALENA auf phantastische Elemente. Die Antiheldin dieses Streifens leidet unter einer Form der Schizophrenie. Diese hat sich nach einem Trauma manifestiert und macht der Pubertierenden allmählich das Teenagerleben zur Hölle. So brechen in Stresssituationen Dämonen aus, die sich als Geist der ehemals besten Freundin zeigen. Letztere hat sich Alena wegen von einer Brücke gestürzt und besucht die Seelenverwandte fortan, um bei Entscheidungen ins Gewissen zu reden. Das erschwert die Selbstfindung – vor allem wenn es darum geht, neue Freundschaften zu knüpfen oder über Emotionen zu sprechen.
 
 
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Das Gruseldrama ALENA macht seine Sache ganz gut. Regisseur DANIEL DI GABRO beweist Sensibilität und tritt damit in die gleichen Fußstapfen, wie Landskollege TOMAS ALFREDSON. Der landete im Jahr 2008 mit dem Vampirdrama SO FINSTER DIE NACHT einen Überraschungshit und schuf einen feinfühligen Film, der seinen schmerzhaften Stoff um jugendliche Isolation, Mobbing, Außenseitertum und erste Liebe durch Anleihen beim Horrorgenre umsetzte. Gleiches ist auch in ALENA Programm, der Rachegelüste nicht in Blut ersäuft, sondern eher die Sorgen und Probleme seiner Figuren analysiert. Das Resultat kann sich sehen lassen. ALENA ist ein weitestgehend unsentimental inszeniertes Psychogramm einer desorientierten Heranwachsenden, das vor allem durch schauspielerisches Können und typisch ’schwedischen Look‘ hervorsticht. Effekthascherei hat Sendepause. Stattdessen regieren leise Töne, die dennoch zu einem Finale führen, das ungemütlicher nicht sein könnte. Filmemacher DANIEL DI GABRO zeigt mehr als eindrucksvoll, dass die Schweden schon lange keine Genre-Eintagsfliegen mehr hervorbringen. Das Land hat mit ALENA einen weiteren Gruselvertreter produziert, der sich wacker und souverän gegen die Mainstream-Konkurrenz behaupten kann. Wer demzufolge eine Leidenschaft für Arthaus-Horror mit Tiefgang besitzt, sollte sich diese kleine und ruhig erzählte Genremixtur aus Liebesfilm, Coming-of-Age-Drama sowie Rachestreifen vormerken.
 
 
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ALENA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine zermürbend-traurige Geschichte über Liebe, Zugehörigkeit und Selbstfindung. ALENA ist die schwedische Version von Stephen Kings CARRIE, welche zwar zu keinem Zeitpunkt das Niveau des Klassikers mit SISSY SPACEK erreicht. Dennoch ist der schwedische ALENA um Längen besser, als das überflüssige und seelenlose CARRIE-Remake von 2013. Wie in der Buchvorlage des amerikanischen Horror-Autors führen auch in ALENA Mobbing-Attacken von Schülerinnen zu einer Katastrophe. Während aber King Grusel durch Horrorelemente entstehen lässt, hält man sich in dieser schwedischen Produktion damit weitestgehend zurück. Das ist auch die Quintessenz von ALENA, der gerade wegen zurückhaltendem Gebrauch von Horrorzutaten irgendwie realitätsnah und glaubhaft bleibt. Die sensible Charakterstudie fokussiert Probleme und Ängste von Teenagern, ohne dabei in Sentimentalitäten zu verfallen. Das macht dieses schwedische Außenseiterdrama – dem übrigens ein Comicbuch zugrunde lag – irgendwie einzigartig und interessant. Wer einen gewissen Anspruch vom Genre-Kino erwartet, ist mit ALENA auf jeden Fall gut beraten. Wir waren ganz angetan.
 
 
 


 
 
 

ALENA – Zensur

 
 
 
ALENA hat eigentlich kaum Schauwerte zu bieten. Es gibt eine blutige Nase zu sehen, ein Messer wird in einen Körper gerammt und ein Mädchen springt von einer Brücke. Sollte der Film hierzulande ausgewertet werden, gibt es für ALENA ohne Probleme eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

ALENA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Silvio Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Touch (2013)
 
#Horror (2015)
 
Carrie (2013)
 
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
 
Carrie 2 – Die Rache (1999)
 
Some Kind of Hate (2015)
 

Filmkritik: „Sensoria“ (2015)

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SENSORIA – JEDE WOHNUNG HAT IHRE VERGANGENHEIT

(SENSORIA)

Story

 
 
 

Den Neuanfang hätte sich Caroline Menard wohl einfacher vorgestellt. Frisch vom Partner getrennt und in eine eigene Wohnung gezogen, passieren plötzlich mysteriöse Dinge um sie herum, die sich die zerbrechliche Frau nicht erklären kann.

 
 
 


 
 
 

SENSORIA – Kritik

 
 
 
Wenn sich keine spendablen Geldgeber für mögliche Horrorstreifen finden lassen, müssen die Zuschauer eben selbst ran. Seit einigen Jahren blühen die Geschäfte auf Crowdfunding-Plattformen wie KICKSTARTER, STARTNEXT und Konsorten, wo ambitionierte Regisseure mit Filmfans in Verbindung treten, um sich von ihnen Filme finanzieren zu lassen. So konnte in der Vergangenheit einiges an Kinomaterial (grandios: STROMBERG – DER FILM) umgesetzt werden, das sonst hätte nie gedreht werden können. Auch in Schweden versucht man jetzt Horrorfilme auf die Beine zu stellen, indem man Cineasten zum Spenden animiert. Regisseur CHRISTIAN HALLMAN ist Produzent und gleichzeitig Mitarbeiter in der European Fantastic Film Festivals Federation (EFFFF) – eine Organisation, die ins Leben gerufen wurde, um europäischer Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme zu fördern. Der wollte mit dem selbst geschriebenen SENSORIA unbedingt einen Horror-Thriller nach seinem Geschmack inszenieren und bat auf dem Finanzierungsportal KICKSTARTER um Unterstützung. Die lies nicht lang auf sich warten. Dank überzeugender Artworks und immer neuer Informationen zum Filmprojekt kamen umgerechnet mehr als 13.000 Euro zusammen. So konnte mit der Produktion von SENSORIA begonnen werden, für die ein enger Produktionsplan von gerade einmal 13 Tagen eingehalten werden musste.
 
 
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Jede Wohnung hat eine Vergangenheit. Im SENSORIA wagt Caroline Menard (intensiv gespielt von LANNA OHLSSON) einen Neuanfang. Was Tragisches im Leben der Frau passiert ist, bleibt ungeklärt. Sie hat sich von ihrem Partner getrennt und eine kleine Wohnung in einem Hochhaus gemietet, in der sich bald einsam und verlassen fühlt. Doch das seelische Ungleichgewicht der neuen Mieterin entpuppt sich bald als kleineres Übel. Nicht nur, dass sich die Nachbarn seltsam verhalten; auch in den eigenen vier Wänden geht es nicht mit rechten Dingen zu. So öffnen sich Schränke wie von Geisterhand und der Wasserhahn im Bad tropft ohne ersichtlichen Grund. Da das Apartment die Nummer 237 besitzt (SHINING lässt grüßen), dürfte wohl klar sein, dass in dieser Wohnung einiges im Argen liegt. Vor vielen Jahren ist darin Furchtbares geschehen, dass der neuen Mieterin den Neuanfang vermasseln wird.
 
 
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Willkommen zum Spuk im Hochhaus. Nein, SENSORIA ist keiner dieser konventionell gestrickten Gruselfilme, in denen böse Geister viel Schabernack treiben, um den Lebenden die Freude am neuen Heim zu nehmen. Stattdessen richtet sich der Streifen mit seiner deprimierenden Atmosphäre und gemächlichen Machart an jene Zuschauer, denen bereits der schwedische Arthaus-Horror SO FINSTER DIE NACHT wohlige Schauer beschert hat. Auch wenn beide Filme in unterschiedlichen Subgenres beheimatet sind, bleiben Parallelen nicht unbemerkt. So nehmen sich beide Streifen nicht nur Zeit, um die Gefühlswelt ihrer traurigen Protagonisten zu erforschen. Auch brisante Themen wie Einsamkeit und Großstadtanonymität werden beleuchtet – gravierende Probleme, die immer mehr Menschen in der heutigen Zeit Sorgen bereiten. Umso eindringlicher die Warnung, dass SENSORIA kein Film fürs lebensfrohe Publikum ist. Steriler Plattenbau, erdige Töne und kaum Farben deuten nämlich darauf hin, dass es in diesem Schauerdrama nichts zu lachen gibt. Die trostlose Bildsprache ist hier Stilmittel, um den psychischen Abstieg einer Frau besser unterstreichen zu können, die in SENSORIA allmählich den Verstand verliert. So legt Macher CHRISTIAN HALLMAN zwar anfangs falsche Fährten, treibt aber seine Filmfigur mit Spuk in den Wahnsinn und konfrontiert mit Geistern der Vergangenheit. Der langsame Erzählstil bringt zwar die niederschmetternd Atmosphäre des Dramas gut zur Geltung; leider schlägt die bedrückende Stimmung aufs Gemüt. Umso makabrer das Ende. Statt die Heldin von Qualen zu erlösen, wird die ohnehin gebeutelte Hauptprotagonistin noch weiter in den Abgrund getrieben. Das lässt niemanden kalt.
 
 
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SENSORIA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weniger Horror, dafür mehr Drama. Erschütterndes Geisterdrama, das mit typisch skandinavischem Filmlook und starker Hauptdarstellerin überzeugen kann. Man kann nicht behaupten, dass SENSORIA trotz gemächlicher Inszenierung schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Der Film punktet durch deprimierende Gruselatmosphäre, die man schon lange nicht mehr so auf der Leinwand zu sehen bekommen hat. Hinter kahlen Wänden trostloser, schwedischer Plattenbauten und inmitten quälender Anonymität einer schnellebigen Großstadt erlebt eine Frau ihr ganz eigenes Martyrium. Das zehrt an den Kräften, denn die tragische Geschichte über Einsamkeit, Verlust und Trauer lässt niemanden kalt. Leider meint man es mit der zerbrechlichen Hauptfigur nicht sonderlich gut. Die schlittert in das wohl ungemütlichste Filmende der letzten Jahre, mit dem sich die meisten Zuschauer wohl nicht zufriedengeben wollen. Nichtsdestotrotz darf man Regisseur CHRISTIAN HALLMAN an dieser Stelle beglückwünschen. Der zeigt mit SENSORIA zweifelsohne, dass gelangweilte und unkreative Filmemacher aus Hollywood vom unkonventionell schwedischen Horrorkino noch einiges lernen können. Wer Arthaus mag, sollte daher unbedingt einen Blick riskieren. Mainstream-verwöhnte Filmfans dürften mit dem eher langsam erzählten SENSORIA nicht viel anfangen können.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Zensur

 
 
 
SENSORIA ist ein trauriges Gruseldrama. Im Mittelpunkt stehen Atmosphäre und Stimmung. Die Gewalt reduziert sich auf einen Badewannenmord. Hier wird eine Filmfigur in der Wanne ertränkt. Eine andere Protagonistin erhängt sich auf dem Dachboden. Mehr Gewalt gibt es nicht zu sehen. Die deutschen Veröffentlichung von SENSORIA ist ungeschnitten und FSK16.
 
 


 
 
 

SENSORIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sensoria; Schweden 2015

Genre: Thriller, Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 19.05.2017

 

Sensoria [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SENSORIA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Maritim Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Unbroken (2012)

The Babadook (2014)

The Sixth Sense (1999)

Filmkritik: „American Burger“ (2014)

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AMERICAN BURGER

Story

 
 
 
Für eine Gruppe amerikanische Schüler sollte es der beste Sommer ihres Lebens werden. Auf einem Kulturtrip durch Europa machen Sie Halt an einem wenig vertrauenerweckenden Schlachthof, in dem das Fleisch für amerikanische Hamburger hergestellt wird. Weil es in Europa natürlich nichts anderes zu entdecken gibt und Kids ausschließlich Nahrung aus dem eigenen Land bevorzugen, werden die naiven Touristen vom anderen Ende der Welt für ihren ungesunden Ernährungsstil kurzum vom Chefmetzger der Fabrik bestraft. Der ruft nach seinen uniformierten Handlangern, die die nichtsahnenden Kids überwältigen und zu Hackfleisch verarbeiten. Eine Gruppe Teenager kann dem Gemetzel entkommen und flüchtet in die angrenzenden Wälder, wo aber bereits fiese Bärenfallen auf die törichten Protagonisten warten.

 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Kritik

 
 
 
Reisende aus Übersee haben es in Europa nicht leicht, denn schenkt man so manchem Horrorfilm aus der Traumfabrik Glauben, lecken wir uns Europäer nach amerikanischem Menschenfleisch die Finger. Dass es vor allem in Osteuropa etwas „einfacher“ zugeht, hat bereits ELI ROTH in HOSTEL (2005) festgestellt, wo er im slowakischen Hinterland amerikanische Rucksacktouristen gegen Geld foltern lies. Aber auch GIDEON RAFF wusste ähnliches in TRAIN – NÄCHSTER HALT: HÖLLE (2008) zu berichten. Hier witterte man das schnelle Geld mit Innereien amerikanischer Sportler, die es im Zug nach Odessa mit den finsteren Machenschaften osteuropäischer Organhändler zu tun bekommen. Auch der schwedische Horrorfilm AMERICAN BURGER lässt kein gutes Haar an den Menschen aus dem östlichen Europa. In diesem Film werden abermals osteuropäische Landgenossen zu primitiven Zeitgenossen deklariert, die eher animalischen Instinkten folgen, statt sich gesittet und anständig zu benehmen. Diese verarbeiten in einer abgelegenen Schlachthalle das Fleisch amerikanischer Highschool-Kids zu wohlschmeckenden Hamburgern, die sich natürlich in der Umgebung gut verkaufen lassen. JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE haben sich diesen Horrorstoff ausgedacht und umgesetzt, waren aber nicht daran interessiert ausschließlich ernsten Tortur-Porn auf der Mattscheibe zu zeigen. Sie parodieren in ihrem gemeinsamen Film das Kannibalen-Genre und machen sich gleichzeitig über die geistige Beschränktheit amerikanischer Highschool-Teenager lustig, die in den meisten Horror-Produktionen nicht gerade als sonderlich helle abgestempelt werden.
 
Skurrilerweise haben sich die Regisseure JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE auf der Universität von Wales, Newport kennen und lieben gelernt. Kurze Zeit später folgte die Idee zu einem eigenen Film, dessen Budget die beiden fast gänzlich allein aufbringen mussten. Um den Film fertig stellen zu können, wurde eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, die im Internet Fans aufrief, das Projekt zu unterstützen. Natürlich folgten dem Hilferuf enthusiastische Horror-Freunde, die die leere Crowdfunding-Kasse füllten, so dass AMERICAN BURGER in den Genuss einer internationalen Heimkinoauswertung kommen konnte.
 
Man nehme diverse Teenager-Klischees, werfe sie zusammen mit reichlich Selbstironie in einen Topf und würze das Gebräu mit Sex- und Fäkalwitzen, um anspruchslosen Zuschauern einen albernen Fernsehabend zu garantieren. JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE scheinen die vielen Horror-Parodien der letzten Jahre ausführlich studiert zu haben. Seit SCARY MOVIE (2000) sind die vor allem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten äußerst beliebt, weil meist darin ausgiebig gealbert und unterhalb der Gürtellinie geblödelt werden kann. In AMERICAN BURGER ist das natürlich nicht anders. Die schwedischen Macher bedienen sich ganz unverfroren allerhand Geschmacklosigkeiten, die zugegebenermaßen oftmals so daneben sind, dass ein beschämendes Lachen nicht ausbleiben wird. Ob Witze auf Kosten von Minderheiten, Persiflage auf die Sexualisierung von Frauen oder Kotz- und Furz-Plattheiten, die die Schamesröte ins Gesicht treiben lassen – in AMERICAN BURGER wird all das abgehakt, was beim Parodieren von Horrorfilmen nun mal dazugehören muss. Hierbei muss man aber immerhin sagen, dass die inszenierte Schlachtplatte oftmals so übertrieben von Trivial-Humor Gebrauch macht, dass man AMERICAN BURGER zu keiner Zeit ernst nehmen kann. Dass macht Laune, Zumal die beiden Regisseure das Geschehen so unglaubhaft erscheinen lassen, dass das Gebotene der filmischen Real-Adaption eines Comics gleichkommt. Die teils namenlosen Protagonisten (warum Namen geben, wenn sie eh das Zeitliche segnen müssen) handeln nach dem fürs Horror-Genre bekannten Muster. Angst zu sterben hat hier keiner, was vor allem durch teils bewusst eingesetztem Overacting verstärkt wird. So sind attraktive Cheerleaderinnen mal wieder äußerst knapp bekleidet und kommen ihrem Ruf der Intelligenzbremse nach; einzelgängerische Nerds dagegen behalten einen kühlen Kopf und werden am Ende der brenzlichen Situation Herr.
 
Leider hat auch AMERICAN BURGER so seine Schwächen, denn dem teils gar nicht so unwitzigen Gagfeuerwerk gehen nach nicht einmal der Hälfte des Films die guten Lacher aus. Zudem wird das anfänglich straff vorgelegte Tempo im Verlauf der ohnehin kurzen Horrorkomödie erheblich gedrosselt, so dass man sich dann doch ab und an dabei erwischt, wie man auf den Timer des Abspielgerätes schauen muss, um sich nach der übrigen Laufzeit zu erkundigen. Trotzdem, auch wenn AMERICAN BURGER mit fadem Nachgeschmack zu kämpfen hat, sollten Fans von Horror-Parodien auf jeden Fall einen Blick riskieren. Besser als die beiden Rohrkrepierer GHOST MOVIE (2013) und dessen noch schlimmere Fortsetzung (2014) ist AMERICAN BURGER allemal.

 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die urkomische Antwort auf HOSTEL und TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Auch wenn hier keiner der Protagonisten amerikanisches Englisch spricht, aber im Film gebürtige Amerikaner verkörpern sollen ist die Horror-Parodie auf den Kannibalenfilm und die fürs Genre typischen (amerikanischen) Teenager-Klischees gar nicht so unbeholfen, wie anfänglich vermutet. Die Macher JOHAN BROMANDER und BONITA DRAKE machen zwar ziemlich oft Gebrauch von allerhand Plattheiten jenseits der Gürtellinie; hin und wieder findet aber dann ein ganz guter Schenkelklopfer seinen Weg in den Film, der für schwedische Verhältnisse übrigens ganz schön splattrig geworden ist. Dass man AMERICAN BURGER überhaupt nicht ernst nehmen kann, verrät ohnehin bereits der ansprechend geschnittene Trailer. Dass jedoch das Tempo unter dem Gagfeuerwerk erheblich zu leiden hat, verraten wir Euch von FILMCHECKER. AMERICAN BURGER ist zwar kein neuer SCARY MOVIE, lohnt aber gerade deswegen gesehen zu werden, weil seine schrägen und unglaublich furchtlosen Helden so stereotyp und unlogisch handeln, dass man meinen könnte, hier ein weitere abgedrehte Comicverfilmung zu sehen.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Zensur

 
 
 
Auch wenn AMERICAN BURGER eigentlich eine Komödie ist, geht es hier erstaunlich splattrig zugange. Zwar ist das Treiben aufgrund des humoristischen Untertons nicht sonderlich hart anzuschauen. Trotzdem wird vor allem zu Beginn ein regelrechtes (wenn auch selbstironisches) Massaker an amerikanischen Teenagern begangen, dass der Film hierzulande vermutlich mit dem roten 18er Stempel in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

AMERICAN BURGER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
100 Bloody Acres (2012)
 
Buck Wild (2013)
 
Ghost Team One (2013)
 
Tucker & Dale Vs. Evil (2010)
 
Scary Movie (2000)
 
Scary Movie 2 (2001)

Filmreview: „Mara – The Killer Inside“ (2013)

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MARA – THE KILLER INSIDE

Story

 
 
 
Jenny (Angelica Jansson) muss ihr Trauma aufarbeiten. Als Kind musste sie miterleben, wie die depressive Mutter den Vater ermordet hat. Damit sie sich ihren Ängsten stellen kann, reist sie mit einigen Freunden zum Ort des Geschehens. Dort passieren jedoch bald seltsame Dinge. Liegt es daran, dass die Mutter in jüngster Vergangenheit aus der Anstalt entlassen wurde und nun zurückgekehrt ist. Oder sind die Ursachen hierfür wo ganz anders zu suchen?
 
 
 


 
 
 

MARA – Kritik

 
 
 
Es passiert nicht selten, dass sich der Filmfreund nach dem „Warum“ fragt und unentwegt nach Antworten sucht, weshalb Filme wie MARA – THE KILLER INSIDE gedreht und sogar auf Blu-ray und DVD gepresst werden müssen. Der schwedische Low-Budget-Indie ist nämlich mal wieder so ein dreister Zeiträuber, der nix anderes zu bieten hat außer nervenzerfetzender Langeweile und viel Lärm um eigentlich nix. Man sollte sich nicht vom aufgebläht deutschen Titel irritieren lassen, denn der ist mal wieder so was von unglücklich gewählt, dass er dem Zuschauer schon einmal vorab vom überraschenden Filmtwist berichtet auf den MARA letztendlich hinauslaufen will. Okay, Butter bei die Fische. Man muss keine Horror-Leuchte sein, um bereits nach nur wenigen Minuten zu erahnen, wohin das Treiben im MARA führen wird. Die drei Macher AKE GUSTAFSSON, FREDRIK HEDBERG und JACOB KONDRUP haben hier einen rudimentären Grundplot zu Papier gebracht, der den Zuschauer irgendwie auf falsche Fährten locken soll. Leider scheitert es mal wieder an der vollkommen unspektakulären, lahmen und vor allem ideenlosen Machart, dass jedwede Überraschungsmomente im Keim erstickt werden. Da wird von einer psychisch labilen Mutter gefaselt, die den Gatten vor Ewigkeiten aus Eifersucht ermordet haben soll und anschließend Jahre in einer geschlossenen Anstalt verbringen musste. Seither leidet Tochter und Filmheldin Jenny (ANGELICA JANSSON) unter quälenden Angstzuständen und hat mit nahezu täglichen Albträumen zu kämpfen in denen sie allerhand blutiges Zeug erlebt. Um Erlebtes zu verarbeiten reist sie mit einigen Freunden zu genau jener Hütte in der sie als Kind dem grausamen Ereignis beiwohnen musste. Doof nur, dass plötzlich komische Dinge passieren und Jenny von der Entlassung der Mutter erfährt.
 
Wenn eine junge, hübsche Heldin Unmengen Pillen in sich hineinschaufelt weiß der geübte Horrorfilmseher, dass da meistens so einiges im Argen liegt. Und wenn die Protagonistin dann auch noch bei schummrigem Licht mit ihrem Psychologen plaudert, dürfte es wohl niemanden verwundern, wenn ein anfänglich hilfloses Opfer recht bald zum gemeingefährlichen Killer mutiert. Das schwedische Playboy-Model (ahja!) ANGELICA JANSSON spielt hier wenig glaubwürdig ein traumatisiertes Mädchen, das mit so einigen Erinnerungslücken zu kämpfen hat und den Zuschauer mit allerhand ungeschickten Flashbacks durch ein ereignisloses Filmchen quält. Vielleicht wäre es besser gewesen, die kühne Schönheit hätte sich auf das konzentriert, was sie auch wirklich gut kann – schauspielern gehört nämlich leider nicht dazu. Gleiches gilt ebenfalls für das Regie-Trio um AKE GUSTAFSSON, das MARA nicht nur gedreht und geschrieben, sondern auch gleich noch produziert hat. Trotz magerer Laufzeit von knapp über einer Stunde ist ihr Psycho-Ding immer noch viel zu lang geraten, was nicht gerade für die drei Macher spricht. Die Charaktere sind flach, die Geschichte holprig und die deutsche Synchronisation mal wieder ungnädig stumpfsinnig. Da fragt man sich glatt, was Rechteinhaber MARITIM PICTURES dazu bewegt haben muss, den überhaupt nicht gelungenen MARA – THE KILLER INSIDE in den Einkaufkorb zu legen. Wer sich nur die Perlen unter den Horror-Indies aussucht, sollte sich möglichst genau überlegen, ob er sich diese Horror-Gurke ins Regal stellen will. Denn trotz angepriesener Folterei auf dem Cover bleibt das erhoffte Tortur-Gematsche aus. Zumindest können sich die Macher des Blu-ray-Einlegers auf die Schulter klopfen. Denn wer mit derart irreführenden Marketing-Methoden Umsätze generiert und den Horrorfan zum Kauf animiert, kann nur Meister seines Faches sein.
 
 
 


 
 
 

MARA – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Langweiliger Indie-Horror aus Schweden, der mit permanenter Ereignislosigkeit und viel zu viel Leerlauf zu kämpfen hat. Wirklich interessant wird es nie, was vor allem daran liegen mag, dass dem Film eindeutig der gewisse Biss fehlt. Die Charaktere sind flach, die Geschichte unspektakulär und die auf dem Cover beworbene Folterei bleibt auch aus. Was lernen wir daraus? Vertraue nie einem werbegeilen Photoshop-Cover, sondern einzig der Horror-Kompetenz des FILMCHECKER-Team! 😉
 
 
 


 
 
 

MARA – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von MARA – THE KILLER INSIDE ist ungeschnitten und wurde ab 18 Jahren mit KJ-Einstufung freigegeben. Sonderlich blutig ist der Film nicht, so dass die Freigabe nicht verwundert.
 
 
 


 
 
 

MARA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mara; Schweden 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Schwedisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Casting, Interview, Trailer

Release-Termin: 28.01.2014

 
 
 
Die Veröffentlichung von Indie-Horrorfilmen scheint sich in letzter Zeit zu einer lukrativen Einnahmequelle hier in Deutschland entwickelt zu haben. Kleine Genrelabel wie MARITIUM PICTURES, SAVOY FILM oder EDEL GERMANY werfen jene ungeschliffenen Grusler fast schon täglich in den Handel, wobei der Horrorfilmfan nicht selten Abstriche in der Technik machen muss. Beim vorliegenden MARA – THE KILLER INSIDE ist das nicht anders. Man merkt, dass man hier einen Low-Budget-Grusler in den Händen hält. Das Bild geht zwar für einen Film dieser Sparte vollkommen in Ordnung, besitzt aber noch viel Luft nach oben. Beim Ton lauschen wir einmal mehr den ewig gleichen Stimmen, die man auch in jedem zweiten Horrorstreifen der obig genannten Anbieter zu hören bekommt. Scheinbar haben jene Sprecher Jahresverträge mit dem jeweiligen Synchronstudio abgeschlossen, denn anders lässt sich nicht erklären, warum in jedem Film aus dem Hause MARITIUM PICTURES die Hauptdarstellerin von der gleichen Laien-Sprecherin gesprochen wird. Überraschenderweise gibt es diesmal immerhin Bonus, das aber nicht deutsch untertitelt wurde. So kann sich der Zuschauer nach Sichtung des Hauptfilms an äußerst kurzen Interviews (3 Minuten, HD) mit der adretten Hauptdarstellerin erfreuen. Weiter geht es mit einem wirklich umfangreichen Produktionstagebuch, das mit rund 75 Minuten ziemlich ausführlich ausgefallen ist und das Team auf Schritt und Tritt bei den Dreharbeiten begleitet (HD). Außerdem hat es ein kleines Feature über das Casting auf die Blu-ray geschafft (rund 4 Minuten, HD) sowie der schwedische Originaltrailer zum Film (rund 2 Minuten, HD). Alle Extras sind auf Schwedisch – englische und dänische (!) Untertitel gibt es aber hier gratis dazu. MARA – THE KILLER INSIDE wurde in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht. Für die hiesigen Heimkinomedien hat MARITIM PICTURES übrigens ein Wechselcover ohne nervigen FSK-Sticker spendiert.
 
 
 

Mara – The Killer Inside [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZOn kaufen

 
 
 


 
 
 

MARA – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
High Tension (2003)
 
Psycho (1960)
 
The Ward (2011)
 
Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens (1983)