Filmkritik: „Debug“ (2014)

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DEBUG

Story

 
 
 
Sechs verurteilte Computerhacker versuchen ihrer Strafe zu entgehen, in dem sie ein Projekt der Regierung mit ihren Fähigkeiten unterstützen. Sie sollen sich ins Weltall begeben, um dort alte Raumfrachter wieder auf Fordermann bringen zu können. Einer dieser verlassenen Frachter stellt das Team vor ungeahnte Herausforderungen, denn dessen Systemprogramm hat ein merkwürdiges Eigenleben entwickelt …

 
 
 


 
 
 

DEBUG – Kritik

 
 
 
Wenn es nach DAVID HEWLETT geht, scheint sich der Ruf vom nerdigen Hacker längst einem Wandel unterzogen zu haben. Während dessen stereotypes Bild immer noch vom bleichen Computerfreak geprägt ist, der die meiste Zeit seines Lebens abgeschottet von der Außenwelt vor PC-Monitoren hockt, macht HEWLETT aus Brillen tragenden Informatikstudenten makellose Laufstegschönheiten. DEBUG nennt sich der neue Science-Fiction-Thriller in dem technikbegeisterte Cyberkriminelle vom BRAVO-Fotoshooting direkt ins Weltall transferiert werden, um sich dort – wie im Horrorfilm gängig – um Kopf und Kragen schreien zu können. Ein verlassener Raumfrachter dient in diesem kanadischen Weltraum-Grusler als Schauplatz für einen unerbittlichen Kampf zwischen Mensch und Maschine, der am Ende selbstverständlich nur einen Sieger kennt. Ein Fehler im System ist dort die Ursache, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass die Verbindung zwischen Erde und Frachter zum Erliegen gekommen ist. Nun sollen sechs Spezialisten das Computersystem von Fehlern befreien und nach getaner Arbeit neu starten. Doch der Einsatz verläuft nicht ohne Komplikationen, denn das System hat sich verselbstständigt und wird fortan von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, die über das Vorhaben der Computerhacker rein gar nicht erfreut ist.
 
Man nehme EVENT HORIZON füge etwas Künstliche-Intelligenz-Quatsch aus der ersten RESIDENT EVIL-Verfilmung dazu und verfeinere das Ganze mit klaustrophobisch- beklemmender All-Atmosphäre ähnlich der aus dem jüngsten Weltraum-Hit GRAVITY. Fertig ist DEBUG – ein Film, der genannten Blockbustern natürlich zu Recht nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann, denn dazu mangelt es dem Streifen schlichtweg an Einzigartigkeit, die man im Horror-Kino heutzutage benötigt, um überhaupt hervorstechen zu können. Drehbuchautor und Regisseur DAVID HEWLETT ist im Horror-Bereich kein Unbekannter. Bevor er nämlich selbst Drehbücher kritzelte und es sich hinter der Kamera bequem machte, war er vornehmlich als Schauspieler in unzähligen Kinofilmen und TV-Serien zu sehen, wobei er mit Auftritten in HAUNTER (2013), SPLICE (2009), CUBE (1997) und SCANNERS 2 (1991) sogar schon Erfahrungen mit Horrorfilmen sammeln konnte. Mit DEBUG bleibt er dem Genre treu und zeigt, was man mit wenig Startkapital alles anstellen kann. Trotz Indie-Produktion schaut DEBUG nämlich ganz ordentlich aus, was den Streifen hochwertiger erscheinen lässt, als er im Endeffekt ist. Der Zuschauer bekommt steriles Set-Design vor die Linse in dem gesichtslose Jungdarsteller auf virtuellen Tastaturen klimpern und sich einem charismatischen Bösewicht stellen müssen, der hier als Computerbug in Menschengestalt in Erscheinung tritt. Letzter wird von JASON MOMOA verkörpert, ohne den DEBUG vermutlich vollkommen den Bach hinabgerauscht wäre, schließlich hat HEWLETTS Sci-Fi-Flick hat ein großes Problem: Langeweile. Bevor die Gruppe von Profi-Hackern erst einmal die Fährte gewittert und von der Bedrohung Wind bekommen haben, vergeht knapp die Hälfte der Spielzeit in der die Protagonisten vornehmlich durch Flure schlendern und Fachchinesisch quasseln. Das macht müde, zumal man des Öfteren reichlich Fantasie benötigt, um über die viele Logikbarrieren hinwegsehen zu können. Immerhin verflüchtigt sich das quälend langsame Tempo in den letzten Filmminuten. Dann nämlich bläst Schurke MOMOA zum blutigen Rachefeldzug und hindert einen Hacker nach dem nächsten daran, das System von Fehlern zu bereinigen. Deftige Gore-Effekte kommen da zum Einsatz, die sich durchaus sehen lassen können und kurzerhand über die unzureichende Charakterisierung hinwegtrösten, was zumindest jenen Filmfans gefallen dürfte, die von Horrorfilmen ein gewisses Maß an Gewalt erwarten. Da werden Körper zerteilt, unbekannte Flüssigkeiten in Venen gespritzt und so aus anfänglich friedliebenden Computerspezialisten unberechenbare Kampfmaschinen gemacht.
 
Trotzdem, man verpasst nicht viel, wenn man DEBUG nicht gesehen hat, denn sonderlich originell ist HEWLETTS Weltraum-Horror keineswegs. Vielmehr entpuppt sich dieser Indie-Film als unhomogener Versuch Horror, Science-Fiction, Splatter, Klaustrophobie- und Computer-Virus-Thematik unter einen Hut zu bringen. Geglückt ist der umfangreiche Zutatencocktail nur bedingt, denn wie immer macht mal wieder das Drehbuch Probleme, das von einem Laien auf dem Gebiet des Drehbücherschreibens verfasst wurde. Daher liebe Filmemacher- und Produzenten: lasst Drehbücher in Zukunft bitte von Leuten schreiben, die sich damit auch auskennen – alles andere kann nur in die Hose gehen. Das Weltraumabenteuer DEBUG ist das beste Beispiel für wirren Sci-Fi-Horror dem es an Spannung, Logik und Ideen fehlt, schließlich machen Bluteffekte allein – und wenn sie auch noch so gut in Szene gesetzt wurden – noch lange keinen guten Horrorfilm aus.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Weltall hört dich niemand schreien: Splatter-Szenario im Weltraum – DEBUG ist die weitaus düstere Version des Kassenhits GRAVITY. Dennoch gilt hier: außen hui, innen pfui. DEBUG (was in diesem Falle soviel bedeuten soll, wie: das Bereinigen von Systemfehlern) schaut für Indie-Verhältnisse ganz ordentlich aus. Arbeitet man sich aber zum Kern hervor wird man schnell feststellen, dass der Film erheblich unter dem schwachen Drehbuch zu leiden hat, das von Regisseur DAVID HEWLETT selbst geschrieben wurde. Mit Logik hat er es nicht, denn DEBUG wirkt holprig, unglaubwürdig und ist streckenweise auch noch langweilig. Tiefgründige Charakterentwicklung gibt es nicht, dafür gegen Ende Splatter-Effekte, die sich gewaschen haben. Ob ein paar Gewaltmomente aus DEBUG einen sehenswerten Film machen bleibt dennoch fraglich, denn der dreiste Ideenklau setzt sich vornehmlich aus bekannten Zutaten bereits erschienener Kassenhits zusammen. Bewanderte Filmfans dürfte sofort auffallen, dass sich Macher DAVID HEWLETT rigoros bei bekannter Sci-Fi-Ware wie EVENT HORIZON und 2001: A SPACE ODYSSEY bedient hat. Fragt sich nur, warum dann aus DEBUG eher mittelprächtige Horror-Ware geworden ist, wenn man doch Erfolgszutaten besagter Klassiker kopiert hat.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Zensur

 
 
 
In DEBUG werden Körper zerteilt, Glasscherben durch Handgelenke geschlagen, lösen sich Körper in Pixel auf oder werden unsanft ins Weltall geschleudert – die wenigen Gore-Effekte können sich durchaus sehen lassen und dürften Fans von Filmen härterer Gangart zusagen. Der Film wurde mit FSK16 freigegeben – selbstverständlich ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DEBUG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Debug; Kanada 2014

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Weiße Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 14.04.2015

 

Debug – Feindliches System [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DEBUG – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Last Days on Mars (2013)
 
2001: A Space Odyssey (1968)
 
Event Horizon – Am Rande des Universums (1997)
 

Filmkritik: „Extraterrestrial“ (2014)

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EXTRATERRESTRIAL

SIE KOMMEN NICHT IN FRIEDEN

Story

 
 
 
Im amerikanischen Hinterwäldler-Städtchen Echo Lake ist etwas gewaltig faul. Kleinstadtsheriff Murphy (Gil Bellows) muss sich zusätzlich zu seinem Tageswerk mit seltsamen Erscheinungen beschäftigen, darunter seltsam zerschnittene Kühe, panische Bürger und ein ganz besonderer Fall, bei dem eine Telefonzelle samt Insassin in den Himmel verschwand und wenig später in Einzelteilen wieder zu Boden krachte – allerdings ohne Insassin. Mit all seinen bizarren Vorfällen bildet Echo Lake das beste Setting für eine Gruppe von Jugendlichen, die einen Platz für ihren Sauftourismus suchen. Ihr Traumziel entdecken sie schließlich in einer verlassenen und ominösen Waldhütte. Das Wochenende nimmt seinen schicksalsträchtigen Lauf und wird schon bald von anderen Flüssigkeiten neben Alkohol durchtränkt.

 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Kritik

 
 
 
Das Autoren- und Regieduo Colin Minihan und Stuart Ortiz, besser bekannt als „The Vicious Brothers“ macht keinen großen Hehl aus der Ursache des grausigen Geschehens. Wie der bescheidene Titel bereits verrät, wird das klassische Waldhütten-Genre in „Extraterrestrial“ um den Auftritt einer nicht ganz friedfertigen außerirdischen Rasse bereichert. Die Fusion zweier Genres hört sich zunächst nach einer einigermaßen originellen Grundlage für einen spaßigen Horror-Reißer an. Auch der bisher einzige Film der Vicious Brothers mit dem Titel „Grave Encounters“ ist ein gutes Omen.
 
Leider krankt „Extraterrestrial“ an einigen Problemen, über die man nur schwer hinweg sehen kann. Als großer Störfaktor erweisen sich die ständigen Schwankungen in Ton und Struktur des Films. Anstatt sich auf die Eskapaden seiner jugendlichen Clique zu konzentrieren, etabliert er mit Sheriff Murphy und dem durchgeknallten Verschwörungstheoretiker Travis (Genre-Favorit Michael Ironside, bekannt aus „Total Recall“ und „Starship Troopers“) zwei Charaktere, die zunächst interessant wirken, aber schon recht bald in zweck- und ziellosen Nebenplots versanden. Die Wechsel zwischen Jugendlichen und Erwachsenen resultieren in einem Mischmasch aus Gruselthriller und Horrorkomödie, der zwar entfernt an einen „Tanz der Teufel 2“ erinnert, aber meilenweit von dessen Qualität entfernt ist. Eine viel größere Enttäuschung als das unfokussierte Drehbuch ist allerdings der Mangel an Schauwerten. Die Vicious Brothers schaffen es mit ihren sehr traditionell designten Aliens, eine bedrohliche Präsenz zu kreieren und als Horror-Fan man freut sich durchgehend auf eine Handvoll saftiger Kampfszenen, in denen irdische Projektilwaffen gegen hochentwickelte Laser antreten. Leider lassen die beiden Regisseure ihr Publikum vergeblich darauf warten und entscheiden sich stattdessen dafür, bei fast jeder Tötungsszene frühzeitig die Handbremse zu ziehen und sich mit einem Schnitt herauszumogeln. Mit dieser falschen Bescheidenheit betrügen sie leider die Erwartungen der Horrorgemeinde.
 
Der Grund für Letzteres scheint eine unglückliche Verteilung des Budgets zu sein. Erst in den letzten 20 Minuten von „Extraterrestrial“, auf die man viel zu lange warten muss, zeigt sich das Potential, das die Produktion hat. Wenn der Film schließlich beim versprochenen Konflikt ankommt, überzeugt er durch hochwertige Kulissen, gruselige Atmosphäre und sogar ein wenig Spannung. Leider ist der Weg dahin mit undurchdachten Plots und lieb- und konsequenzlosen Subplots gepflastert.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Die wohl gruseligste Begegnung der dritten Art. Fieser, kleiner Indie-Horror mit großartigen Effekten. „Extraterrestrial“ ist eine bunte Tüte, die zwar gute Ansätze bietet, aber viel Potential verspielt. Die Vicious Brothers schaffen es trotz kleinem Budget, einen gut aussehenden Film aus ihrer interessanten Prämisse herauszuholen. Leider scheinen sie sich nie wirklich sicher zu sein, ob sie einen legitimen Schocker oder einen spaßigen Horrorstreifen produzieren wollten, was beiden Aspekten des Films sichtlich schadet.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Zensur

 
 
 
Der Film kommt größtenteils sehr zahm daher. Wenn es dann endlich losgeht, liefert er matschige und schmutzige Szenen, die leider viel zu spärlich gesät sind. Der Film hat eine ungeschnittene Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

EXTRATERRESTRIAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Extraterrestrial; Kanada 2014

Genre: Horror, Science Fiction, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 – @24 Hz (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: exklusiver Audiokommentar mit den Regisseuren, Making of, Trailer

Release-Termin: 02.04.2015

 

Extraterrestrial – Sie kommen nicht in Frieden [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 


 

EXTRATERRESTRIAL – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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Ähnche Filme:
 
Grave Encounters (2011)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Attack the Block (2011)
 
Tanz der Teufel 2 (1987)
 

Filmkritik: „Honeymoon“ (2014)

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HONEYMOON

Story

 
 
 
Von der Stadt hinaus aufs Land: Das junge New Yorker Paar Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) verbringen die Flitterwochen in einer kleinen Hütte draußen am See. Doch die romantische Zweisamkeit schlägt in pures Grauen um, als Bea eines Nachts verschwindet und sich danach wie ausgewechselt verhält …
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Kritik

 
 
 
Wenn ein frisch vermähltes Paar fernab der Zivilisation die Flitterwochen verbringt, kann es im Horrorfilm schon einmal vorkommen, dass deformierte und geistig zurückgebliebene Hinterwäldler überraschend zum Kaffee erscheinen und sich ungefragt an der nichtsahnenden Ehegattin vergehen. In HONEYMOON laufen die Dinge diesmal jedoch anders. Ungewöhnlicherweise hat diesmal eine Frau auf dem Regiestuhl Platz genommen, was ja im Genre schon zu einer Seltenheit gehört, werden Horrorfilme doch meist eher von Männern inszeniert. LEIGH JANIAK traut sich was. Nicht nur, dass sie neben der Regie auch gleich für das Schreiben des Drehbuchs verantwortlich zeichnet; die Filmemacherin pfeift zudem auf gängiges Backwood, Slasher- und Terror-Geschrei, das in den letzten Jahren ziemlich oft Handel und Videotheken unsicher gemacht hat. Nach Arbeiten am Hollywood-Kitsch SPIEGLEIN, SPIEGLEIN (2012) mit der Roberts in der Hauptrolle sowie am Found-Footage-Ausflug EUROPA REPORT (2013) wollte sie wohl endlich mal etwas eigenes auf die Beine stellen. Mit HONEYMOON gibt JANIAK ihr Regiedebüt, das für ein Erstlingswerk auch noch beeindruckend souverän umgesetzt wurde, denn die Regisseurin schafft es mit ihrem ersten Langfilm ohne Weiteres, dem Zuschauer das Eheversprechen zu vermiesen.
 
HONEYMOON handelt von Bea (ROSE LESLIE) und Paul (HARRY TREADAWAY), die hier von zwei jungen und für Indie-Verhältnisse bemerkenswert talentierten Schauspielern verkörpert werden, deren Rollen nicht besser hätten besetzt werden können. Das Paar hat frisch geheiratet und will nun in einer Hütte im Wald die verdienten Flitterwochen verbringen. Bea hat hier im Ferienhaus der Eltern als Kind ziemlich viel Zeit verbracht und fühlt sich inmitten von Wäldern und Seen gleich wieder an die Kindheit zurückerinnert. Doch die trügerische Idylle führt bald zu einer Katastrophe. Als Bea eines Nachts unter mysteriösen Umständen verschwindet und vom Ehegatten Paul im Wald aufgelesen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf. Erst sind es lapidare Erinnerungen, mit denen die Ehegattin nichts mehr anzufangen weiß. Später muss sie sich Namen und Geburtsdaten in hier Notizbuch kritzeln, damit sie sie nicht wieder vergießt. Als ihr dann auch noch die Lust am Beischlaf vergeht und sich seltsame Bisswunden am Oberschenken abzeichnen, will Paul nur noch eins: weg aus der Einöde und zurück in die Stadt. Leider sind die Autoschlüssel verschwunden und Bea scheint irgendwas vor ihrem Partner verheimlichen zu wollen, was das Vertrauen der frischgebackenen Eheleute auf eine harte Probe stellt und vor allem Paul an die Grenze zum Wahnsinn treibt.
 
Erstaunlich blutleer geht’s in HONEYMOON zu, denn JANIAK hat was zu erzählen, was in Zeiten trivialen Fast-Food-Horrors besonders hervorzuheben gilt. Statt Mord- und Totschlag hat die Regisseurin an einer eigenen Geschichte gefeilt, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und den Zuschauer lang im Dunkeln tappen lässt. Dabei lässt sich die Filmemacherin viel Zeit für die Entwicklung ihrer Helden, deren Beziehung aufgrund der rätselhaften Umstände zu zerbrechen droht. Die warm vertraute Liebelei zwischen den beiden Protagonisten schlägt nämlich bald in befremdliches Grauen um, denn Paul erkennt, dass seine eigentlich ihm vertraute Gattin wie ausgetauscht handelt und nicht mehr die selbe scheint, die er eigentlich geheiratet hat. Beth wirkt abweisend, ja fast schon verstört und ihre subtile Wandlung lässt anfangs viele Vermutungen offen, was wohl passiert sein könnte. Lang bleibt ungewiss, wohin HONEYMOON den Zuschauer führen wird, denn die Ursachen der Umstände lassen sich so schnell nicht erahnen. JANIAK zögert die Auflösung des Spuks bewusst weit hinaus, was dem Spannungsbogen des Films durchaus förderlich ist. Dabei gelingt es der Regieanfängerin eine unangenehm-bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die sie mit viel Geschick um ihre mysteriöse Geschichte webt. Schnell schlägt zuckersüßes Liebesgeschwätz in subtilen Hütten-Horror um, an dem selbst Body-Horror-Mitbegründer DAVID CRONENBERG (DIE FLIEGE, RABID) seinen Freude haben dürfte, schließlich wird das intensiv gespielte Kammerspiel im Finale um unangenehme Spezialeffekte ergänzt. Die sind zwar durchweg eklig anzuschauen, werden aber bewusst dezent eingesetzt, um das Treiben nicht im plumpen Schockeffekte-Gewitter zu ertränken.
 
Auch wenn das Ende im direkten Vergleich zur clever aufgebauten Geschichte etwas sehr trivial und unspektakulär daherkommt, hat Macherin LEIGH JANIAK mit ihrem Erstwerk eindrucksvoll bewiesen, dass auch Frauen das Zeug haben, sehenswerte Gruselschocker zu stricken. HONEYMOON ist spannend, atmosphärisch und dazu noch gut gespielt. Für einen Horrorfilm unverzichtbare Attribute, die man in vielen Genrewerken jüngeren Datums mit der Lupe suchen muss. Wir meinen: Sehenswerter Erstling und uneingeschränkt empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Subtiler Body-Horror an dem selbst CRONENBERG seine Freude haben dürfte. HONEYMOON ist ein ungemütlicher Ekel-Albtraum, der frischen Wind ins Horror-Genre bringt. So simpel die Geschichte, so bemerkenswert souverän ist die Umsetzung. Regisseurin LEIGH JANIAK hat hier ihren ersten Spielfilm gemacht und gleich einen Grusel-Hit gelandet. Ihr subtiles Kammerspiel setzt nicht auf plumpe Schockeffekte und blutreichen Splatter-Reigen. Stattdessen geht die Newcomerin psychologischer und atmosphärischer zugange und bebildert mit erstaunlich dramaturgischem Geschick und durch unangenehm-bedrohlichen Bilder den langsamen Zerfall einer eigentlich innigen Liebelei. Daher: Mysteriöser Zu-Hause-Horror par excellence, der sich nicht so einfach durchschauen lässt. Großartig!
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Zensur

 
 
 
Außer etwas Blut, dass aus dem Geschlechtsteil von Protagonistin Beth tropft und einigen ekelhaften Schleimeffekten gibt es in HONEYMOON kaum nennenswerte Gewalt zu sehen. Der Fokus des Films liegt klar auf subtiles Grauen. Demnach hat HONEYMOON hierzulande die FSK unbeschadet mit FSK16 passiert.
 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
honeymoon

(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Honeymoon; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer und Trailershow

Release-Termin: 30.01.2015

 

Honeymoon [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HONEYMOON – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Thanatomorphose (2012)
 
Contracted (2013)
 
Alien Abduction (2014)
 
Die Fliege (1986)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)

Filmreview: „Almost Human“ (2013)

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ALMOST HUMAN

TERROR HAS COME HOME

Story

 
 
 
Mark (Josh Ethier) wird von Außerirdischen entführt. Als er nach zwei Jahren wieder auf der Erde „ausgesetzt“ wird, ist nichts mehr so wie es mal war. Er verspürt nicht nur einen permanenten Tötungsdrang; auch anatomisch scheint er nicht mehr ganz Mensch zu sein …
 
 
 


 
 
 

ALMOST HUMAN – Kritik

 
 
 
Ehrenverweise sind ja im Horrorfilm schon längst keine Seltenheit mehr. Viele der heutigen Nachwuchsregisseure verbeugen sich in ihren Streifen gern einmal vor jenen Filmen und Regisseuren, denen sie besondere Anerkennung zollen. Was aber meist als Hommage gerechtfertigt wird, entpuppt sich in letzter Zeit oftmals als hinterlistiger Ideenraub, denn neue und frische Geschichten sind vor allem im Horrorfilm Mangelware geworden. Da wird lieblos recycelt, als gäbe es kein Morgen mehr, weil es immer noch genügend Horrorfans gibt, die die ewig gleichen Mogelpackungen kaufen und sehen wollen.
 
JOE BEGOS ist neu im Filmgeschäft und macht das so ähnlich. Der ist aber immerhin wirklich Verfechter des Old School Horrors der 80er und hat eine besondere Schwäche für Slasher und die Science-Fiction-Meilensteine genannter Dekade. Mit seinem ALMOST HUMAN erfüllte er sich einen langjährigen Traum und drehte einen altmodischen Horrorfilm, in dem er die beiden Subgenres miteinander kombinieren konnte. Das Ziel war es, einen Streifen zu drehen, der anders sein sollte als die bisherigen Genre-Werke der letzten Jahre. Die waren ihm schlicht und einfach zu krank und unatmosphärisch und unterschieden sich hauptsächlich durch Gewaltpegel und Härtegrad. Drum reiste er zurück in seinen Heimatort, wo er in einer idyllischen Kleinstadt heranwuchs, wie sie häufig in Stephen King Roman beschrieben wird. Eine hervorragenden Voraussetzung, gerade wenn nur knappes Budget vorhanden ist.
 
Das Schaffen eines gewissen JOHN CARPENTER dürfte den Jungregisseur stark beeinflusst haben, denn in ALMOST HUMAN hagelt es Verweise und Zitate aus gleich mehreren Horrorfilmen des beliebten Altmeisters. Die nahezu identische Schriftart in den Einführungscredits lässt darauf schließen, dass Carpenters HALLOWEEN nachhaltig geprägt haben muss und eine immer wieder monoton eingespielte Synthesizer-Melodie lässt Erinnerungen an THE THING wach werden. Aber nicht nur Carpenter stand Pate. Der Klassiker DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978) musste ebenfalls für eine Wiederverwurstung herhalten, denn BEGOS scheut nicht davor auch hier einige gut funktionierende Elemente des Science-Fiction-Klassikers loszulösen, um sie anschließend an richtiger Stelle in ALMOST HUMAN einfügen zu können. Schlecht macht der Neuling das nicht, denn auch wenn hier am laufendem Band kopiert und eingesetzt wird muss man BEGOS dafür loben, dass er seinen Wunsch nach mehr atmosphärischer Eigenständigkeit ziemlich selbstsicher umzusetzen versteht. ALMOST HUMAN besitzt einen ganz individuellen Look. Der Schocker ist ziemlich finster, dreckig und vor allem sehr gewalttätig, was Filmfans fürs Grobe hellhörig machen dürfte, geht’s doch im vorliegenden Alien-Entführungs-Slasher nicht gerade zimperlich vonstatten.
 
Wir sehen wie Mark (JOSH ETHIER) von einem blauen Licht erfasst wird und unter nicht erklärbaren Umstanden verschwindet. Zwei Jahre später wird er nackt in einem Waldgebiet von zwei Jägern entdeckt, die zugleich von der scheinbar hilflosen Menschengestalt in die ewigen Jagdgründe befördert werden. Der bis dato Vermisste verhält sich verändert und wird von einem unbändigen Hass- und Tötungstrieb vorangetrieben. Wer sich ihm in den Weg stellt wird ermordet und als Wirtskörper missbraucht, schließlich besitzt Mark neuerdings die Fähigkeit Eier oder Embryonen in menschliche Körper zu legen. Da wächst eine Art Saugrüssel aus seinem Mund, der sich fest an das Geschlechtsorgan seiner Ex-Freundin haftet, um darin ein manipulierendes Etwas verpflanzen zu können. Doch Best Buddy Seth (GRAHAM SKIPPER) ist schon auf dem Weg. Der vermutet nämlich schon seit dem damaligen Verschwinden des besten Freundes, dass hinter all dem etwas Großes stecken muss. Ganz unrecht hat er da natürlich nicht, denn bald wird klar, dass Mark von Außerirdischen entführt und an ihm herumexperimentiert wurde.
 
Eier und Embryonen in Wirtskörper legen? Richtig, auch das kommt bekannt vor und wurde stibitzt. Der österreichische Surrealist H.R.GIGER hat nämlich in der Vergangenheit mit dem berüchtigten Facehugger eine Kreatur mit ähnlichem Fortpflanzungsmechanismus entwickelt, die Horrorfans aus der legendären ALIEN Saga ein Begriff sein dürfte. In ALMOST HUMAN brechen aber nicht gemeingefährliche Kreaturen aus den Brustkörben der Opfer heraus. Vielmehr haben die eingeflössten Fremdkörper eine Art Wesensveränderung des Wirts zur Folge. Aus begatteten Leichen werden gefühllos-aggressive Marionetten, die unter fremdartigem Geschrei nach möglichen Körpern suchen und dabei unkontrolliert durch Wald und Flur flitzen. Ganz wie vom selbsternannten Slasher-Fan und Regisseur gewünscht, kommen bei den Streifzügen allerhand spitze Hiebwaffen zum Einsatz. Es werden Köpfe mit Beilen eingehakt, Kehlen mit Messern aufgeschlitzt und Menschen dank Schrottgewehr enthauptet. Die gewollte Slasher-Rezepur macht es möglich, dass allerhand fieses Gemetzel gezeigt werden kann, wobei Regisseur, Drehbuchautor und Produzent JOE BEGOS großen Wert auf Handgemachtes legt – schließlich gab es in den 80ern auch kein Blut aus dem Computer zu sehen. Leider ist es auch in ALMOST HUMAN mal wieder das Fall, dass das Budget viele gute Ideen zunichte gemacht hat, denn immer wieder fällt auf, dass BEGOS in seiner eifrigen Umsetzungseuphorie eingeschränkt war. In einer Szene sehen wir, wie aus einem enthaupteten Körper ein nicht näher identifizierbares Etwas krabbelt. Vermutlich wollte man hier THE THING-ähnliche Metamorphosen darstellen, realisierte aber bald, dass keine Kohle für extravaganten Schabernack zur Verfügung stand.
 
Trotz kleinem Kapital überrasch dennoch wie solide und kurzweilig ALMOST HUMAN geworden ist. Knapp 70 Minuten hetzt der Science-Fiction-Slasher von Set zu Set, vergisst zwar den Protagonisten eine vernünftige Charakterentwicklung einzuräumen, versorgt aber den Horrorfan mit allerhand harten Gewaltspitzen, die es zudem ganz schön in sich haben. Leerlauf gibt es nicht und mögliche Erklärungen spart sich JOE BEGOS für die Fortsetzung auf. Laut Aussage des Filmemachers soll die definitiv kommen. Mit mehr Geld und besserer Ausstattung steht spätestens dann ein ganz großer Genre-Hit ins Haus. Trotz kleiner Mankos ist ALMOST HUMAN aber auch schon jetzt ein blutiger, kleiner Stern am Horrorhimmel.
 
 


 
 
 

ALMOST HUMAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die weitaus brutalere und kompromisslosere Antwort auf Carpenters THE THING und Kaufmans DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN. ALMOST HUMAN ist eine Reminiszenz an den 80er Jahre Old School Horror mit ziemlich derben Gewaltexzessen und einigen recht gut platzierten Zitaten bekannter Kultwerke jener Dekade. Leider hat sich Regisseur JOE BEGOS etwas zu versteift auf die Spezialeffekte und den Blutgehalt konzentriert, so dass seine Figuren etwas arg kurz kommen und der Zuschauer etwas unbeholfen nach Antworten für die Geschehnissen sucht. Die sind leider nahezu kaum vorhanden, sollen aber in der Fortsetzung nachgeschoben werden. Laut Macher soll die auf jeden Fall kommen. Bis es jedoch soweit ist gibt es mit ALMOST HUMAN selbstsicher und schnörkellos abgehandelten Alien-Horror, der fast immer nach mehr ausschaut, als das Budget eigentlich hergegeben hat. Trotz Low-Budget-Status ein ansprechender Science-Fiction-Slasher für Fans von Alienfilmen. Gut gemacht, Herr BEGOS!
 
 
 


 
 
 

ALMOST HUMAN – Zensur

 
 
 
ALMOST HUMAN ist in Sachen Gewalt ganz schön kaltschnäuzig und deftig. Die deutsche FSK schien aber einen guten Tag gehabt zu haben und hat dem Streifen in ungeschnittener Form KEINE JUGENDFREIGABE attestiert. Die Kauffassung kommt demnach mit rotem 18er Flatschen und ist komplett.
 
 
 


 
 
 

ALMOST HUMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Almost-Human-Blu-ray

(c) MAD DIMENSION

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Almost Human; Weißrussland 2013

Genre: Science Fiction, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 27.06.2014

 
 
 

Almost Human [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ALMOST HUMAN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Absence (2013)
 
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)