Filmkritik: „Gate II – Das Tor zur Hölle“ (1990)

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GATE 2 – DAS TÖR ZUR HÖLLE

(GATE II: THE TRESPASSERS)

Story

 
 
 
Einige Jahre sind vergangen seit den horriblen Abenteuern, in die der Schüler Glen und sein Kumpel Terry verwickelt waren. Jetzt kreisen die Gedanken des Letztgenannten wieder zunahmend um das teuflische Portal in Glens Garten. Bloß ist der inzwischen weggezogen und kann so Terry auch nicht davon abhalten, seinen seit damals gewachsenen okkultistischen Interessen folgen zu wollen. Terrys Leben ist ein Saures. Sein Vater säuft und lässt die Familie an die Wand fahren. Da bietet sich ja quasi an, einen Dämonen zu beschwören, der die Sache in richtige Bahnen lenkt. Wenn diese Faust’schen Geschäfte nur nicht immer so schlecht enden würden…

 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Kritik

 
 
Tibor Takaczs schlägt wieder zu. Drei Jahre nach seinem Debüt, dem überraschenden Achtungserfolg GATE – DIE UNTERIRDISCHEN, lässt der ungarisch-kanadische Regisseur mit der Punker-Vergangenheit seine satanischen Minimonster ein zweites Mal auf die gierige Fantasy- und Horror-Zuschauerschaft los. Bei GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE ist das Gebotene nicht mehr ganz so originell wie beim ersten Teil – aber immer noch bunt und wild genug, um das Videothekenpublikum von einst und jetzt auch uns ein weiteres Mal zu unterhalten.
 
 
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Koboldsmonster im Taschenformat sind 1990 noch ordentlich im Trend. Das zeigen die Fortsetzungen beliebter Filmreihen ähnlichen Zuschnitts wie CRITTERS oder GHOULIES und auch GREMLINS 2 und Charles Bands zahlreiche Puppenhorror-Projekte stehen in den Startlöchern. Ja, ganz besonders dessen produktionsstarke Full Moon Studios würden sich ab 1993 geradezu über schwarzhumorigen Horror mit Miniatur-Ungetümern definieren. Das ist bis in die Gegenwart der Fall. Die Effekte sind erwartungsgemäß kostengünstig und vom alten Schlag, also zwischen Stop-Motion, Hintergrundprojektionen und Belichtungstricks angesiedelt. Als so etwas wie eine CGI-Werkbank muss in jenen Tagen höchstens eine robuste elektronische Rechenmaschine wie der Commodore Amiga 500 rödeln.
 
 
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Stephen Dorff, Hauptdarsteller des ersten Teils, war seinerzeit zum saisonalen Anschmacht-Star fürs weibliche Publikum und somit zu teuer für ein Independent-Studio geworden und man musste das Drehbuch um seinen Freund Terry (Louis Tripp) herum schreiben. Auch ok – lebt ein Film wie GATE II – DAS TÖR ZUR HÖLLE ja nun nicht unbedingt vom besonders feinzeslierten und auf die exakte Besetzung zugeschnittenen Charakterstudium. Nein, der Plot ist ein Faust’sches Moralspiel mit modernisierenden Tupfern und an den richtigen Stellen auch mal ironischem Unterton. Dem Produktionsdesign und den FX sieht man ihre Entstehungszeit an. Das gibt natürlich Instant-Sonderpunkte im für Genreprogramme von einst so wichtigen Nostalgiebereich.
 
 
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GATE 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Auch GATE II – DAS TOR ZUR HÖLLE zählt mal wieder zu jener Art von Fantastischem Film, dessen Rezeptur im Sande der Zeit verlaufen zu sein scheint. Minimonster, Angst vorm wahren Horror des echten Lebens, grell gezeichneter Okkultismus. Alles Ingredenzien, von denen die Filmemacher Post-SCREAM und verhaftet im ästhetischen Kino- und Streaming-Einheitsbrei der Generation Netflix mehr Angst haben als der Deibel vorm Weihwasser. Deliziöser Film. Ja, ist so.
 
 


 
 
 

GATE 2 – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von GATE 2 – DAS TOR ZUR HÖLLE erschien hierzulande auf VHS ungekürzt mit FSK 18-Freigabe, aber auch als knapp dreiminütige zensierte 16er-Fassung – ebenfalls auf VHS. Auf dem Index stand der Streifen aber nicht. Trotzdem war nach der Video-Veröffentlichung viele Jahre Funkstille. Auch eine legale DVD-Auflage folgte nicht. Das Label WICKED VISION änderte das aber. Im Juni 2018 veröffentlichte das ambitionierte Indie-Label die Fortsetzung zum ersten Mal auf Blu-ray in deutscher Sprache. Die darauf enthaltene Fassung ist ungeschnitten und nach einer Neuprüfung sogar ab 12 (!) Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

GATE 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover A – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover B – auf 222 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (Mediabook – Cover C – auf 333 Exemplare limitiert)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover A)

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(c) Wicked-Vision (VHS-Retro-Edition inklusive Teil 1 – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gate II: The Trespassers; Kanada | USA 1990

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook, VHS-Retro-Edition

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Stuart Taylor Corman, (Deutsch/Englisch), 2K Scan vom Interpositive, Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), „Return to the Nightmare“: Ein Rückblick auf „Gate II“ inklusive Interviews mit Regisseur Tibor Takacs, Drehbuchautor Michael Nankin und Special Visual Effects Creator Randall William Cook, „From The Depths“: Interview mit Special Make-up Effects Creator Craig Reardon, Videotheken-Promo, Video-Promo, Deutscher, Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, Deutscher Trailer: „Gate – Das Tor zur Hölle“, zusätzliche DVD mit allen Inhalten wie auf der Blu-ray

Release-Termin: Mediabook: 15.06.2018 | VHS-Retro-Edition: 30.10.2019

 

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GATE 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gate – Die Unterirdischen (1987)
 
Ghoulis (1985)
 
The Hole – Wovor hast Du Angst? (2009)
 

Filmkritik: „Children Shouldn’t Play with Dead Things“ (1972)

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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS

Story

 
 
 

Alan, ein verwirrter Theatermacher, der sich eher als Sektenguru versteht, schippert mit seiner Truppe auf eine Insel in Florida. Dort erzählt er seinen Schäfchen, die er als seine Kinder bezeichnet, Horror-Stories über die früheren Bewohner des Eilands. Als die Schauspieler danach doch noch hinbekommen, irgendwann ein Auge zuzumachen, beschwört der Verrückte mit einem Zauberbuch die Toten auf dem Friedhof. Das lässt sich nicht gut an und schon müssen sich die Anwesenden mit dem auferstandenen Ergebnis der schwarzmagischen Experimente ihres Vorsitzenden herumschlagen.

 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Kritik

 
 
 
Nach dem quasi verschollenen Transvestiten-Exploiter SHE-MAN, anno 1967 war das, beginnt mit CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS im Jahr 1972 die eigentliche Karriere des Bob Clark. Wir sind uns beinahe sicher, in unserem Blog schon einmal das Hohelied auf diesen erstaunlichen amerikanischen Regisseur angestimmt zu haben. Macht aber nichts. Kann man gar nicht oft genug tun. Es ist fast nicht zu glauben, dass der gleiche Mensch für Filme wie die Sexklamotte PORKY’S, das Original von BLACK CHRISTMAS, die perfekte Komödie FRÖHLICHE WEIHNACHTEN („Du wirst Dir ein Auge ausschießen!“) und nebenbei mit VERSCHWÖRUNG IM NEBEL den vielleicht besten Film über Sherlock Holmes und obendrein auch noch Jack The Ripper verantwortlich zeichnet. Unter anderen.
 
 
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In späteren Jahren lässt die Qualität nach und Clark arbeitet vermehrt fürs Fernsehen. 2007 wird der arme Kerl von einem besoffenen Raser totgefahren.
CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS ist eine im höchsten Maß kostengünstig und schnell gedrehte Seltsamkeit von Horror- und Zombiefilm, die vor und hinter der Kamera den Geist der ausgehenden Hippiezeit versprüht. Eine Zeitkapsel, wie wir an dieser Stelle so gerne schreiben. Zwei Wochen Drehzeit und 50.000 Schleifen Budget reichen aus. Faszinierend, was in jenen Jahren an Kreativität möglich ist. In der Hauptrolle des irren Theaterchefs knallchargiert Alan Ormsby, der gemeinsam mit Bob Clark auch das minimalistische Drehbuch schreibt und noch oft mit ihm arbeiten wird. Seine bescheuert schillernd Figur pendelt zwischen dem unvermeidlichen Charles Manson und einem sehr von sich überzeugten Provinz-Intendanten. Der Film nimmt sich trotz der schaurigen Prämisse nicht unbedingt ernst. Das fällt äußerst positiv ins Gewicht. Man kann sogar sagen, hier handelt es sich um einen der direkten Vorfahren von rüden Horrorkomödien wie RETURN OF THE LIVING DEAD (wenigstens noch lustig) und viele Jahre später auch der Unzahl überflüssiger „ZomComs“, die wie Unkraut aus den Regalen sprießen.
 
 
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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine Horde haariger Filmkünstler improvisiert sich durch die Nacht. Ebenso ein Dokument über die Siebziger-Jahre-Glanzzeit unabhängigen Genrefilm-Machens wie ein Beweis für das schon damals überschäumende Talent des Bob Clark, gehört CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS in das Archiv eines jeden Horror Hounds, der etwas auf sich hält.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Zensur

 
 
 
CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS wurde kurioserweise erst 2005 erstmalig durch den Anbieter CFA Copernikus Film Distribution in Deutschland veröffentlicht. Bisher waren alle DVD-Veröffentlichungen des Film ungeschnitten und ungeprüft. Nach der ersten Blu-ray-Veröffentlichung im Mediabook hat das Label NSM RECORDS genannten Klassiker erstmalig der FSK vorgelegt. Diese attestierte dem Film in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren. Nun kann CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS ohne Probleme in Deutschland verkauft werden ohne eine Indizierung oder Beschlagnahme fürchten zu müssen.
 
 
 


 
 
 

CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover E – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover F – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Children Shouldn’t Play with Dead Things; USA 1972

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Originaltrailer, Bildergalerie, Radiospot | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Mike Blankenburg und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 30.04.2019 | KeepCase: 31.07.2020

 
 
NSM hat 2019 sechs limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Juli 2020 kann man CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten.
 
 

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Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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Children Shouldn’t Play with Dead Things [Mediabook – Cover E] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Toll treiben es die wilden Zombies (1988)
 
Verdammt, die Zombies kommen (1985)
 
Dance of the Dead (2008)
 

Filmkritik: „Baby Blood“ (1990)

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BABY BLOOD

(THE EVIL WITHIN)

Story

 
 
 
Akrobatin Yanka wird beim Baden im Meer von einem wurmartigen Parasiten befallen. Das kleine Monstrum schlüpft ihr quasi hinters Höschen und führt eine Schwangerschaft herbei. Nun will das in Yanka heranwachsende Alptraumwesen mit frischem menschlichen Blut ernährt werden und die junge Frau muss eine Mordserie vom Zaun brechen, auf dass die fremde Frucht ihres Leibes, die ihr zum Schluss noch eröffnet, der zukünftig herrschenden Spezies auf Erden anzugehören, nicht verhungert.

 
 
 


 
 
 

BABY BLOOD – Kritik

 
 
Jüngere oder auch nur eher dem Mainstream zugeneigte Horrorfreunde nennen, spricht man sie auf das französische Schreckenskino an, direkt eine Welle düsterer und niederschmetternder Brutal-Werke aus den Nullerjahren. Jene Filme, etwa HIGH TENSION (2003) oder, fünf Jahre später, der berüchtigte MARTYRS, lenken nicht nur das Augenmerk der internationalen Zuschauerschaft auf unsere Nachbarn im Westen, sondern müssen sich auch – teils zurecht – gefallen lassen, als „torture porn“ bezeichnet zu werden. Tatsächlich, bei aller zur Aufführung gebrachten Tiefsinnigkeit bleiben, gerade bei MARTYRS doch die nicht enden wollenden voyeuristischen Szenen entsetzlicher Grausamkeiten gegen die betont attraktiven Protagonistinnen im Gedächtnis. Der 2007 entstandene INSIDE sei an dieser Stelle noch separat genannt, bedient er doch auch die menschliche Grundangst um den eigenen Nachwuchs, wenn auch ernster und grausiger als BABY BLOOD.
 
 
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Dabei verfügt das gallische Genrekino seit jeher über seine Glanzlichter. Von schwarzweißen Grusel-Klassikern wie AUGEN OHNE GESICHT (1960), über das Gesamtwerk einzigartiger Vampir-Erotikfilme eines Jean Rollin und die zahlreichen dort entstandenen Jess-Franco-Kracher unterschiedlicher Qualitäten, bis in den Halbamateur-Splatter der 1980er – Frankreich bietet eine althergebrachte Geschichte des „Cinefantastique“. Letztgenannte Home-made-Gore-Paraden, OGROFF – THE MAD MUTILATOR (1983) und besonders der vollends behämmerte DEVIL STORY von 1986 sind gewissermaßen die einheimischen Väter von BABY BLOOD. Zwar humpelt in Alan Robaks Film nicht, wie in DEVIL STORY ein Zombie in Nazi-Uniform durch französische Vorgärten und mordet willkürlich, doch auch BABY BLOOD ist sich über seine Funktion als Horror-Unterhaltungsfilm im Klaren. Fast lässt sich eine Hommage an Herschell Gordon Lewis und seinen legendärer Splatterfilm-Urahnen BLOOD FEAST (1964) erkennen, wurde doch dort auch bereits an der Ernährung finsterer Übersinnlichkeiten gearbeitet.
 
 
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Viel mehr gekostet haben dürfte die Low-Budget-Geschichte hier auch nicht. Die Effekte sind krude, die Schauspieler leidenschaftlich in ihrer Mühe und die Optik strahlt aus, wie es nur in diesen Jahren möglich war. Seit der Erstveröffentlichung des Films und seiner Aufführung auf den wenigen Festivals seiner Zeit, scheint ein Jahrhundert vergangen zu sein. Das digitale Filmen überschwemmt den Markt und eben auch die Festivals mit Horrorware jeglicher Couleur und Stimmung und trotzdem hat es BABY BLOOD geschafft, noch heute seine Bewunderer zu haben.
 
 
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BABY BLOOD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Interessanter Exotik-Horror-Favorit aus VHS-Zeiten. Alan Robaks Baby-Parasiten-Reißer überzeugt den Fan, entstammt er doch der Hand eines Regisseurs, der mit den richtigen Lieblingsfilmen aufgewachsen ist. Man sieht BABY BLOOD sein Budget und seine Entstehungszeit an – und das ist ganz und gar großartig. Blöde Trivia: Die Stimme des Monsters im französischen Original ist die des Regisseurs, der unter dem geschmackssicheren Pseudonym Roger Placenta spricht. Höhö.
 
 
 


 
 
 

BABY BLOOD – Zensur

 
 
 
BABY BLOOD erschien Anfang der 1990er in Deutschland auf VHS. Diese Fassung war um 36 Sekunden geschnitten. 1991 wurde genau diese Fassung indiziert. Die erste komplette deutschsprachige Veröffentlichung erschien durch den Anbieter Dragon über das deutschsprachige Ausland auf DVD. Im Jahr 2016 wurde die Indizierung nach 25 Jahren aufgehoben. Erst im August 2019 erfolgte eine Neuprüfung des Splatterklassikers durch den Anbieter BILDSTÖRUNG und erhielt von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 18 Jahren (keine Jugendfreigabe).
 
 
 


 
 
 

BABY BLOOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Bildstörung (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Baby Blood; Frankreich 1990

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch PCM 2.0 (Mono), Englisch PCM 2.0 (Mono), Französisch PCM 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und Schuber

Extras: Booklet, Kurzfilme Korridor (1989, ca. 7 Min.) und Sado und Maso fahren Boot (ca. 1994, 15 Min.) von Alain Robak, Audiokommentar u. a. mit Regisseur Alain Robak, Diverse Interviews, Trailer

Release-Termin: 29.11.2019

 

Baby Blood [Blu-ray inklusive Bonus-DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

BABY BLOOD – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Bildstörung)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Elmer (1988)
 
Basket Case – Der unheimliche Zwilling (1982)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 

Filmkritik: „Herrscherin des Bösen“ (1974)

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HERRSCHERIN DES BÖSEN

(SEIZURE)

Story

 
 
 
Ein exzentrischer Horror-Autor genießt den unheimlichen Ruf, regelmäßig die mit Abstand realistischsten Bösewichter-Charaktere in seinen Büchern lebendig werden zu lassen. Als er einen Empfang in seinem Haus gibt, werden allerdings tatsächlich ein paar seiner Monstren lebendig, also lebendig lebendig, und beginnen, die angekommenen Gäste einen nach dem anderen zu dezimieren.
 
 
 


 
 
 

HERRSCHERIN DES BÖSEN – Kritik

 
 
 
Figuren der Schauerliteratur und vom schreibenden Menschen erschaffene Welten erwachen zum Leben und begehen Bluttaten in der Realität. Eine originäre Idee der Phantastik, die es schon zu fast vergessenen Weimarer Stummfilmzeiten gab und die später, aus verschiedenen Richtungen betrachtet, in Filmen von Granden wie HG Lewis oder John Carpenter aufgegriffen werden sollte. Zutiefst Freudianische Sache, das. Im Falle von DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN bedient man sich obendrein des Schnittmusters des Slasher-Films. Mit aller seinem Hang zur Nummernrevue. Nicht, dass das nicht unterhaltsam wäre. Ganz im Gegentum! Spätestens wenn Satansgnom Herve Villechaize als „Spider, der Zwerg“ anrückt und meuchelt, brechen die Dämme der geistigen Unversehrtheit.
 
 
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Eine gewisse, leider mit erstickender Ironie versehene Bekanntheit erlangt der Film, einige Jahre nach seiner Erscheinung wegen eines nicht unbedeutenden Details. Das ansonsten mehr an eine Folge von Gruselserien oder ein Anthologien-Segment erinnernde Filmchen darf sich rühmen, das Spielfilmdebüt des großen Oliver Stone zu sein. Sicher, die kanadische Auftragsarbeit ist nichts Persönliches und trägt somit auch nicht die Handschrift des New Yorkers, der bis heute der wohl politischste Filmemacher seiner Gewichtsklasse ist. Dazu noch als überzeugter Linker. DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN vereint die eigentümlich hübsche Hammer-Films-Darstellerin Martine Beswick (in der Titelrolle) mit Trash-Kultfiguren wie der großen Mary Woronov oder eben dem überliefertermaßen sexsüchtigen Wicht Herve Villechaize. Man könnte also eine Connection von klassischen Horrorfilmen der Alten Welt mit der Kunst-Traumwelt von Andy Warhols Factory herstellen. Diese Art der Überinterpretation überlassen wir bei FILMCHECKER aber lieber wichtigeren Leuten oder grässlichen Audiokommentar-Onanisten und erfreuen uns lieber an einem interessanten, unabhängig vom etablierten Studiosystem entstandenen Relikt aus unschuldigeren Horrorfilm-Zeiten.
 
 
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HERRSCHERIN DES BÖSEN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unterhaltsamer Old-School-Grusler, der zu Unrecht nur als obskure Fußnote bekannt ist, da es sich um das Debüt Oliver Stones handelt. Tatsächlich muss man DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN aber 0als Verwandten der Sechziger/Siebziger-Horrorfilme Roger Cormans sehen, deren Regisseure ja auch gerne mal zukünftige Größen in Hollywood wurden.
 
 


 
 
 

HERRSCHERIN DES BÖSEN – Zensur

 
 
 
Auf der erhältlichen deutschen Blu-ray sind zwei Filmfassungen enthalten. Bei der Hauptfassung in HD handelt es sich um die restaurierte US-Fassung (PG Rating). Diese ist an Gewaltszenen – im Gegensatz zur deutschen VHS – ungekürzt. Ebenfalls auf der Blu-ray enthalten ist eine rekonstruierte Langfassung. Diese basiert auf der restaurierten US-Fassung und wurde zusätzlich mit fehlenden und alternativen Szenen der deutschen VHS ergänzt. Die damalige deutsche VHS war in zwei Gewaltszenen gekürzt, enthielt aber viele alternative Szenen, die in der US-Fassung nicht enthalten waren.
 
 
 


 
 
 

HERRSCHERIN DES BÖSEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Schröder Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Seizure; Kanada | USA 1974

Genre: Horror, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover und im Schuber

Extras: Rekonstruierte Langfassung (SD, ca. 98 Min.), Bildergalerie, Trailer

Release-Termin: 06.07.2017

 

Herrscherin des Bösen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

HERRSCHERIN DES BÖSEN – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Reise zurück in die Zeit (1988)
 
Waxwork II: Lost in Time (1992)