Filmkritik: „Exists“ (2014)

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EXISTS

DIE BIGFOOT-LEGENDE LEBT!

Story

 
 
 
Fünf Freunde reisen zu einer Hütte in die Wälder, um sich eine Auszeit zu gönnen. Doch von Entspannung keine Spur, haust doch hier draußen ein Bigfoot, der auf Fremde gar nicht gut zu sprechen ist …

 
 
 


 
 
 

EXISTS – Kritik

 
 
 
Wenn Regisseure mit Erstlingswerken Erfolge feiern konnten und es ihnen später partout nicht gelingen will daran anzuknüpfen, ist es keine Seltenheit, dass jene Filmemacher noch einmal gleiche Erfolgszutaten hervorkramen, die das Debüt zum Kassenmagneten gemacht haben. EDUARDO SÁNCHEZ war mal ganz groß im Geschäft. Mit BLAIR WITCH PROJECT gelang es ihm nicht nur das mittlerweile unzumutbare Found-Footage-Genre salonfähig zu machen; zusammen mit Regie-Kollege DANIEL MYRICK drehte er zudem den rentabelsten Low-Budget-Horrorschocker aller Zeiten und bot unzähligen Filmschaffenden kreativen Input, die die Filmwelt mit ähnlichen Streifen verseuchen mussten. Leider gelang es dem gebürtigen Kubaner mit Folgewerken wie ALTERED (2006) und LOVELY MOLLY (2011) nicht, gleiche Aufmerksamkeit zu erhaschen, die ihm sein gefeiertes Debüt-Stück eingebracht hat, so dass er nun noch einmal die Wackelkamera hervorholen muss, um dem Zuschauer damit auf den Zünder zu gehen. Leider hat der Filmemacher aber vermutlich noch nicht verstanden, dass sich Found-Footage im Laufe der letzten Jahre zu einer regelrechten Plage entwickelt hat, mit der man sich unter Horrorfans keine Freunde macht. Trotzdem bleibt SÁNCHEZ dem altbewährten Schema treu und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise voller Gefahren, auf der vor allem eines nicht fehlen darf: viel Kameragewackel.
 
EXISTS ist typisches Schüttel-Futter für all jene, die sich an der Shaky-Cam-Methodik nicht sattsehen können. In diesem Film wird das Geschehen erneut aus der Sicht von Helm, Handy- und Handkameras mit Infrarotfunktion protokolliert, wobei man aber immerhin sagen muss, dass SÁNCHEZ in Sachen Found-Footage ein sicheres Händchen beweist und sein Wackel-Debakel recht kurzweilig inszeniert hat. Ein neuer Horror-Hit ist ihm mit EXISTS dennoch nicht gelungen, dazu ist die Wackel-Expedition zu beliebig und bedient sich zu verkrampft jenen Rezepturen, die das Found-Footage-Genre in den letzten zehn Jahren zu dem gemacht hat, was es heute ist: eine nervende Abfolge der immer wieder gleichen Schreckmomente und Storyverläufe.
 
Wie schon im bekannten BLAIR WITCH PROJECT treibt es abermals fünf Freunde in die Wälder, die dort jedoch nicht nach der Hexe von Blair suchen, sondern ein entspanntes Wochenende in einer abgelegenen Hütte irgendwo im Südosten von Texas verbringen wollen. Auf dem Weg zur Wochenendsause wird das Auto von einem Tier gestreift, so dass die Gruppe einen Fußmarsch einplanen muss, um die morsche Unterkunft erreichen zu können. Selbstverständlich ist den Mittzwanzigern das Böse auf den Fersen, das sich in EXISTS als wütender Bigfoot entpuppt, der über den unangemeldeten Besuch rein gar nicht erfreut ist. Der aggressive Sasquatch beginnt die Freunde zu terrorisieren, zerstört das Auto und macht der Bande die kommenden Stunden zur Hölle. Leider sind Telefone – wie so oft im Horrorfilm – kaum von Nutzen, weil schlechter Empfang den Notruf unmöglich macht. So holt Matt seine Videokamera aus der Tasche und bannt jene Kreatur auf Film von der man glaubte, sie würde ausschließlich urbaner Legenden entspringen.
 
Kennste einen, dann kennste alle. Es sind immer wieder die gleichen Geschichten, die sich nach ähnlichem Schema mit nur anderen Bedrohungen abspielen. EXISTS macht da keine Ausnahme und folgt den allseits bekannten Regeln, mit denen gefühlt tausende ähnlicher Produktionen schnell Kasse machen wollten. Schreien, rennen und trotzdem permanent die Kamera aufrecht halten, damit jede Einzelheit des Überlebenskampfes von verängstigten Protagonisten auf Film festgehalten werden kann. Seit jeher sollte man bei Found-Footage-Streifen die Logik ausklammern, denn meist ist hier der Wille sensationsgeile Bilder von Geistern, Monstern und Aliens auf Film zu bannen stärker, als sich selbst in Sicherheit zu bringen. Was EXISTS dennoch ertragbar gestaltet ist das flotte Tempo mit der die minimalistische Geschichte an den Horrorfan gebracht wird. Die bietet zwar kaum Überraschungen und macht von wirklich jedem Found-Footage-Klischee Gebrauch; hat aber mit einem äußerst schlecht gelaunten Bigfoot ein ansprechendes Filmmonster in petto, das sich sogar ziemlich oft vor der Kamera zeigt.
 
EXISTS ist ziemlich ruppiger Bigfoot-Terror, in dem nicht lang gefackelt wird. Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ kommt recht schnell zum Punkt und lässt seine jungen Protagonisten nacheinander durch die Hand der launischen Kreatur über die Klinge springen. Die geht nicht zimperlich mit ihren Opfern um und wütet sich unerbittlich durch die überschaubare Filmhandlung bis auch der Letzte der Freunde den Tod gefunden hat. Lobenswerterweise wurde viel Herzblut in das Design des Monsters investiert, dessen Auftritte durch lautes Gebrüll und Gegrunze reichlich bedrohlich und furchterregend über den Bildschirm flimmern. Zwar steckt auch hier ein Mann im Monsterkostüm; die gebotenen Effekte können dennoch überzeugen, weil durch hektische Schwenks und bewusst eingesetzte Unschärfe manch Manko im Design der Kreatur im Verborgenen bleibt. Hinzukommt, dass EXISTS von permanenter Hektik vorangetrieben wird, so dass dem Zuschauer kaum Zeit bleibt, sich über Fehler im Film den Kopf zu zerbrechen.
 
EXISTS ist kein anspruchsvolles Horror-Kino, was womöglich auch niemand erwartet hat. Trotzdem bleibt auch das neuste Schaffen aus der Mache von Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ weit hinter den Erwartungen zurück, weil der Streifen einfach nichts Neues zu bieten hat, was man nicht schon in den letzten 15 Jahren Found-Footage-Grauen entweder im Kino oder auf dem heimischen Fernsehapparat gesehen hat.
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Bigfoot-Terror par excellence. EXISTS ist ein reichlich ruppiger und gnadenloser Monster-Heuler, der sich der mittlerweile nicht mehr ganz so beliebten Found-Footage-Machart bedient. Hier läuft ein äußerst schlechtgelaunter Sasquatch unter lautem Gebrüll Amok und gibt erst Ruhe, nachdem auch der letzte menschliche Eindringling im Revier das Zeitliche gesegnet hat. Regisseur EDUARDO SÁNCHEZ ist nach dem gefeierten BLAIR WITCH PROJECT geübt im Umgang mit der Wackelkamera, vergisst aber seinem Schüttel-Ausflug um neue Ideen zu bereichern. Was in EXISTS gezeigt wird, hat man schon dutzende Male gesehen. Trotzdem überzeugt der Überlebenstrip, weil SÁNCHEZ mehrfach den Hektik- und Panikhebel in entscheidenden Momenten umlegt. Der hilft dem Streifen über manch Längen hinweg und machen EXISTS zu einer kurzweiligen Monster-Hatz, die zudem um einige ansprechend platzierten Gewaltspitzen bereichert wurde. Wer nichts mit Found-Footage anfangen kann, wird auch hier dankend abwinken. Zuschauer, die stattdessen nicht genug von jener zwiespältigen Filmware haben können, werden SÁNCHEZ für seinen temporeichen Schüttel-Streifen in den Himmel loben. Trottdem: Kann man sehen – muss man aber nicht!
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Zensur

 
 
 
EXISTS geht in die Richtung Terrorfilm nur mit dem Unterschied, dass statt Einbrecher oder Hobby-Sadisten diesmal ein wütender Bigfoot das Morden beginnt. Wirklich explizites Gemeuchel gibt es zwar nicht zu sehen, was aber nicht bedeutet, dass EXISTS nicht hart anzusehen ist. Zwar geschehen die meisten Gewaltakte im Off und schnelle Schnitte lassen nur erahnen was in puncto Gewalt auf der Mattscheibe passiert; trotzdem hat das alles für eine ungeschnittene FSK16 gereicht – ungeschnitten!
 
 
 


 
 
 

EXISTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WVG Medien GmbH / Entertainment One

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Exists; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 27.03.2015

 

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EXISTS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Jungle (2013)
 
Wer – Das Biest in Dir (2013)
 
Willow Creek (2013)
 
The Dyatlov Pass Incident (2013)
 

Filmreview: „The Quiet Ones“ (2014)

The-Quiet-Ones-2014
 
 
 

THE QUIET ONES

Story

 
 
 
Psychologie-Professor Joseph Coupland (Jared Harris) führt zusammen mit drei Studenten an einer Art erwachsener Wednesday Adams (Olivia Cooke) Experimente durch, die scheinbar vom Geist eines Kindes besessen ist. Mit verschiedenen Tests wollen sie beweisen, dass das Leiden der Patientin auf ein psychischen Traumata zurückzuführen ist und das Geisterwesen allein ihrer Phantasie entspringt …
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Kritik

 
 
 
Irgendwie erzielt die Wiederbelebung der glorreichen HAMMER STUDIOS nicht den Erfolg, den die Produktionsschmiede während ihrer Blütezeit in den 50er- und 60er Jahren verzeichnen konnte. Bis in die späten 70er hinein wurden dort nämlich Horrorfilme am laufenden Band produziert und verhalfen Legenden wie CHRISTOPHER LEE und PETER CUSHING zu Weltruhm. 1979 lief das letzte hauseigene Schaffen über die Leinwand – danach war Schluss. Dreißig Jahre nach Werkstattschließung wurden die Pforten der HAMMER STUDIOS dank Produzent JOHN DE MOL (ja, der BIG BROTHER-Schöpfer ist gemeint) erneut geöffnet und eine Reihe Gruselstreifen gedreht, die aber bisher nicht den Profit brachten, den man sich vielleicht erhofft hatte.
 
Während WAKE WOOD (2008), THE RESIDENT (2009) und das unnötige Remake LET ME IN (2010) hierzulande direkt auf dem Heimkinomarkt verramscht wurden, konnte zumindest THE WOMAN IN BLACK (2011) reichlich Zaster in die Kinokassen schwemmen, was aber vermutlich hauptsächlich an Darsteller DANIEL „POTTER“ REDCLIEF gelegen haben dürfte, der mit seiner Rolle im britischen Gothic-Grusler das ihm auferlegte Image des Zauberlehrlings loswerden wollte. Nun geht HAMMER FILMS in eine weitere Runde. Weil Geister und Wackelkamera seit PARANORMAL ACTIVITY und THE CONJURING immer noch genügend Leute in die Kinos locken können, dürfte es wohl keinen Horrorfan überraschen, dass auch die Macher von HAMMER FILMS auf den Geister, Exorzismus und Found-Footage-Zug springen, um den lukrativen Horror-Trend mitmachen zu können. Leider hat Regisseur JOHN POGUE so ziemlich alles vermasselt, was man bei einem solchen Film falsch machen kann. Für den hiesigen Rechteinhaber ASCOT ELITE daher Grund genug, dass vergeigte Machwerk ohne den Umweg ins Kino direkt in die Händlerregal zu stellen, damit sich Horrorfans das teure Eintrittsticket für THE QUIET ONES sparen können.
 
Übeltäter JOHN POGUE, der bisher nur das leidlich unterhaltsame Video-Sequel QUARANTÄNE 2 – TERMINAL (2011) fabriziert hat, verlagert die Handlung seines aktuellen Machwerks in die 70er und erzählt die Geschichte von Oxford-Professor Joseph Coupland (JARED HARRIES), der fest davon überzeugt ist, dass Geisterwesen nur Manifestation der Psyche sind. Drei seiner Stundenten sind von der radikalen Theorie derart fasziniert, dass sie den Lehrer bei seinen unorthodoxen Experimenten unterstützen. Auf einem Anwesen außerhalb von London soll die These an Patientin Jane Harper (OLIVIA COOKE) bewiesen werden. Die scheint Anzeichen von Besessenheit zu besitzen, quasselt permanent von einer imaginären Freundin namens Eve und start Löcher in die Luft. Während die Arbeiten akribisch mit der Kamera dokumentiert werden, ist es Student Brian McNeil (SAM CLAFLIN), der die zahlreichen Test bald zu hinterfragen beginnt. So ganz Unrecht hat er mit seiner Feststellung nämlich nicht, denn Professor Jared Harris verliert schon bald das Wohl seiner Probandin aus den Augen und hat nur noch ein Ziel: Seine Theorie zu beweisen.
 
Dunkle Flure, nostalgisches Filmmaterial und typisch britisches Gruselflair; eigentlich hätte alles so schön werden können. Wäre da nicht Regisseur JOHN POGUE gewesen, der die eigentlich guten Voraussetzungen für einen Grusler wie diesem im Keim ersticken lässt. THE QUIET ONES ist eine jener modernen Interpretationen altmodischer Geistergeschichten, die einfach keine Angst einjagen wollen, was wohl daran liegen dürfte, dass POGUE immer dann Szenen abrupt enden lässt, wenn es gerade unheimlich und spannend werden will. Für einen Horrorfilm ist derart Vorangehensweise fatal; vor allem dann, wenn es sich ausgerechnet auch noch um Spuk- und Geisterhorror handelt. An beinahe jeder Gruselszene lässt sich die Unfähigkeit seines Machers erkennen. So werden plumpe Spuk-Klischees wie so oft wenig überraschend abgeklappert und plötzlich endende Szenenabläufe oder minderwertige CGI-Effekte verderben beinahe jeden Gruselmoment. Immerhin gefällt der eigentlich unbeliebte Found-Footage-Gimmick, der ja im Horrorfilm zum unverzichtbaren Übel geworden ist und nahezu in jedem zweiten Gruselfilm Verwendung findet. Im Falle von THE QUIET ONES bewirkt der aber ausnahmsweise Atmosphäre, die sich ohnehin recht mager durch die halbherzig geschriebene Geschichte zieht. Zwischen seltsamen Tests und immer wieder gleichen Szenenabläufen, die vermutlich ins Drehbuch geschrieben wurden, damit man auf Spielfilmlänge kommt, gesellt sich schick aufbereitetes 16mm Bildmaterial, das quasi aus Brains Kamera stammt, der die Experimente auf Film festhält. JOHN POGUE schafft das, was bisher nur wenigen Wackelcam-Machern gelungen ist. Er verknüpft das normal gefilmte Geschehen mit krisseligen 16mm-Schnipseln, ohne dass das Found-Footage-Gebräu zu sehr auf den Zünder geht. Dass auf authentisch getrimmte Doku-Material hat Charme, vor allem dann, wenn Professor Joseph Coupland seinen Schülern ältere s/w-Aufnahmen seiner Patienten im Hörsaal vorführt und sich geisterhafte Dinge auf den alten Filmausschnitten ereignen.
 
Leider ist Found-Footage auch das einzige, was POGUE gut beherrscht, denn trotz visuellen Schmankerl und vernünftig agierenden Schauspielern ist THE QUIET ONES eine absolute Enttäuschung und wird dem Namen HAMMER FILMS nicht einmal ansatzweise gerecht. Das ist deshalb recht schade, weil dem Macher JOHN POGUE eine spannende Vorlage zur Verfügung gestanden hat. THE QUIET ONES ist nämlich eine von ach so vielen Horror-Gurken, die zu Beginn damit werben, dass die Schreiberlinge des Films von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Den Horrorstoff für diesen überraschungsarmen Exorzismus-Hochglanz-Spuk lieferte das PHILIP EXPERIMENT, welches von Professor DR.GEORGE OWEN 1972 im kanadischen Toronto tatsächlich durchgeführt wurde und aus einem parapsychologischen Forscherteam bestand, das allein mit Gedankenkraft den Geist des fiktiven Charakters PHILIP AYLESFORD entstehen lies. So interessant die Grundlage, so unausgegoren die Umsetzung. Statt auf amateurhaftes Pixelgewitter und unerfahren Regisseure zu setzen, wäre es für Produktionshaus HAMMER FILMS von Interesse nach wirklich guten Regisseuren zu suchen, die zur Abwechslung auch mal Ahnung haben, wie man gute Horrorfilme macht. Denn im Vergleich zu den klassischen Hammer-Streifen sind die bisher neu entstandenen Filme unter dem Banner HAMMER FILMS sehr liebloser und vor allem austauschbarer Kommerzmüll.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Was waren das für Zeiten, als HAMMER FILMS noch gute Filme hervorbrachte. Die Reanimation des Produktionshauses durch JOHN DE MOL hat dem Studio nicht gut getan, denn seit der Wiedereröffnung der legendären Horror-Schmiede gehen keine wirklich guten Filme mehr in Produktion, die an die einstigen Erfolge anknüpfen können. THE QUIET ONES verspricht im Trailer viel, hält aber wenig. QUARATNÄNE 2-Verbrecher JOHN POGUE bedient sich wie vieler seiner Kollegen der Found-Footage-Rezeptur und köchelt Geister- und Besessenheits-Thematik auf kleiner Flamme. Bescheidene Computereffekte, magerer Gruselgehalt und klischeehafte Spukeffekte sind das Ergebnis mit dem vermutlich nicht mal Fans paranormaler Geschichten zufrieden sein dürften. Immerhin hat Regisseur JOHN POGUE den Wackelcam-Gimmick gut im Griff. Damit dürfte er für die Zukunft gut gerüstet sein, schließlich dürfte Found-Footage auch in den kommenden Jahren die Filmlandschaft verpesten und mit wackeligen Bildern Kopfschmerzen bereiten.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Zensur

 
 
 
THE QUIET ONES ist ein stilvoll gedrehter Horrorfilm der alten Schule, bei dem das Augenmerk eher auf Atmosphäre und Gruselfeeling liegt und der keine Zeit mit unnötigen Blut-Albereien vergeudet. Demnach ist das Gezeigte eher subtiler Natur und nicht sonderlich grausam anzusehen. Es gibt Verbrennungen an der Hand und eingeätzte Wundmale zu sehen. In den letzten Minuten sterben einige der Protagonisten im hektisch geschnittenen Bilderhagel, wobei der Höhepunkt eine ziemlich schlecht animierte CGI-Verbrennungs-Sequenz sein dürfte. Hierzulande hat das für FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
The-Quiet-Ones-Bluray

(c) Ascot Elite

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Quiet Ones; USA/UK 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Featurette, Film Clip, B-Roll, Soundbites: Jared Harris, Sam Claflin, Erin Richards, Rory Fleck-Byrne, Olivia Cooke, John Pogue, Ben Holden, and Simon Oakes., UK Trailer, 2 US Trailer, TV Spots, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 12.08.2014

 
 
 

The Quiet Ones [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE QUIET ONES – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Der letzte Exorzismus 2 (2013)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)

Filmreview: „SX_CAM“ (2013)

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SX_CAM

(SXTAPE)

Story

 
 
 
Ein sexhungriges Paar dreht einen privaten Porno in einem verlassenen Krankenhaus und zieht die Missgunst eines zornigen Geistes auf sich, der zu Lebzeiten in der Klinik vergewaltigt wurde …
 
 
 


 
 
 

SX_CAM – Kritik

 
 
 
Der in London geborene und nun in LA lebende Regisseur BERNARD ROSE macht mal wieder einen Abstecher ins Horror-Genre und meldet sich mit einem Gruselfilm zurück, der sich einem aktuellen Horror-Trend unterwirft: Found-Footage. ROSE hat vor vielen Jahren mit CANDYMAN (1992) eine Kultfigur des modernen Schauerkino geschaffen, die neben Schlitzer-Kollegen wie CHUCKY, MICHAEL MEYERS und FREDDY KRUEGER aus der Horrorfilmwelt nicht mehr wegzudenken ist und die zu einer der wenigen Horror-Figuren gehört, die noch nicht durch die Recyclingpresse gejagt wurde, um ein Hochglanz-Remake in die Lichtspielhäuser bringen zu können. SX_CAM (im Original: SXTAPE) heißt das vorliegende Wackelkamera-Ding und wurde, was für ein Zufall, von STEVE SCHNEIDER produziert, der ja momentan Experte in Sachen Found-Footage zu sein scheint. Der finanziert ein verwackelte Filmchen nach dem nächsten und hat dafür gesorgt, dass Streifen wie der Werwolf-Schocker WER, die Öko-Katastrophe THE BAY, der Grusler HAUNT und sogar die PARANORMAL ACTIVITY-Reihe das Licht der Filmwelt erblicken durften. Leider macht sich mit der stetig steigenden Anzahl der von ihm produzierten Horrorfilme auch die Qualität in dessen Machwerken rar, denn einige der zuletzt von ihm finanzierten Streifen sind nun nicht gerade das Gelbe vom Ei. Umso verwunderlicher, dass sich Regisseur BERNARD ROSE für die Umsetzung von SX_CAM überreden lies, der hier vermutlich einen seiner bisher miesesten Film gedreht hat und eigentlich eher für grandios psychologische Thriller wie PAPERHOUSE – ALBTRÄUME WERDEN WAHR (1988) bekannt ist. Vielmehr erinnert SX_CAM an diese günstig erstellten Indie-Gurken, die von ambitionierten Neulingen gedreht werden, um erstmals Filmluft schnuppern zu dürfen.
 
 
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Es geht um die verwirrte Künstlerin Jill (CAITLYN FOLLEY), die gleich zu Beginn in einer Zelle verhört und mit dem Tod ihres Freundes Adam (IAN DUNCAN) konfrontiert wird. Sie scheint die einzige Überlebende eine mysteriösen Mordserie zu sein, die sich in einem leerstehenden Krankenhaus in Los Angeles ereignet haben soll. Leider kann sich die Gute an nichts erinnern, was der Polizei jedoch wenig förderlich ist. Was genau passiert ist, erlebt der Zuschauer in den folgenden 90 Minuten, denn Freund Adam hat die Geschehnisse mit dem Camcorder gefilmt und das Grauen auf Film festgehalten. Das gefunden Material dient Found-Footage typisch als Beweis für die Existenz paranormaler Aktivitäten und soll natürlich auch dem Zuschauer das Fürchten lehren, der jedoch nach der endlos langen Reihe an Filmen im Stile eines PARANORMAL ACTIVITY derart Schreckware so gar nicht mehr gruselig finden dürfte. Demnach ist das, was sich auf dem Speicher der Kamera befindet nach all den GRAVE ENCOUNTERS-Plagiaten wenig überraschend und allgemein bekannt. Jill und Adam sind ein junges Paar und immer auf der Suche nach dem besonderen Kick. Sex spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle, so dass die schnelle Nummer an möglichst reizvollen Plätzen mit Adams Kamera gefilmt werden muss. Ein verlassenes Krankenhaus soll der neue Schauplatz für das private Sexvideo werden, so dass man sich heimlich Zutritt zum Gebäude verschafft und erstmal ein kleines Schäferstündchen vor der Linse der Kamera hält. Was die beiden jedoch nicht wissen aber der Zuschauer ahnt: Hier spukt es. Eine rachsüchtige Geisterfrau wandelt durch die Flure und ergreift Besitz von der adretten Hauptdarstellerin. Die klagt plötzlich über Nasenbluten und Unwohlsein, erholt sich jedoch schnell wieder und fuchtelt wie wild mit einer Pistole vor den Gesichtern zweier Freunde umher, die wenig später auch noch in die Handlung stolpern, um die leerstehende Abtreibungs-Klinik zu erkunden. Am Ende werden alle Beteiligten durch die besessene Jill in den Filmhimmel transferiert und der Zuschauer erfährt, dass der wütende Geist auf sexhungrige Endzwanziger gar nicht gut zu sprechen ist, schließlich wurden die narkotisierten Patientinnen dieser Klinik vom Chefarzt persönlich auf dem Operationstisch vergewaltigt.
 
 
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Kennste einen, kennste alle. Wer schon einmal einen Geiserfilm in Wackelcam-Optik gesehen hat, dürfte so langsam die Fährte gewittert haben, an welchen Regeln sich die Macher solcher Werke orientieren. Man nehme einige kamerageile Protagonisten, verfrachte sie an einen düsteren Ort mit schlimmer Vergangenheit und schüttle die Kamera eifrig, damit der Zuschauer nicht erkennen kann, was da auf der Mattscheibe passiert. Zeigen sich dann nach Minuten der Langeweile endlich mal die zornigen Geister, wird deren Erscheinen von nervenaufreibenden Störeffekten begleitet, die selbstverständlich nur dann auftreten, wenn da mal ein schlecht geschminktes Gespenst durchs Bild saust. SX_CAM bedient sich den bekannten Klischees jener Filmgattung und versucht nicht einmal ansatzweise dem ausgelutschtem Found-Footage durch frische Ideen neue Impulse zu verleihen. Die Frage, die sich uns leider immer wieder stellt: Wer will die immer wieder gleichen, billig geschusterten Wackelcam-Filme sehen und wann endet endlich dieses förmliche Flut an immer wieder neuen Streifen dieser Art, die im Grunde genommen alle gleich sind und sich nur durch den Titel voneinander unterscheiden? Große Überraschungen darf der Zuschauer nicht erwarten, denn SX_CAM ist eines dieser halbherzigen Schreckensszenarien, die vermutlich nur allein des Geldes wegen gemacht wurden. Die Geschichte ist vorhersehbar und platt und die Handlung strotzt vor unzähligen Logiklücken. So bleibt unklar, warum in einer verlassenen Klinik noch gut funktionierende Überwachungsmonitore zu finden sind und weshalb das Gebäude 20 Jahre nach der Schließung noch immer mit Strom versorgt wird. Nach ersten Erkundungsstreifzügen klagt Jill (übrigens eine ganz nervtötende Kombo aus PARIS HILTON und BRITNEY SPEARS) über immenses Nasenbluten und eine bösartige Präsenz ist dem Paar dicht auf den Fersen. Mit Müh und Not findet die beiden den Ausgang und können sich in letzter Minute in Sicherheit bringen. In der nächsten Szene kehren Jill und Adam zurück in das verlassene Gebäude und erkunden es gemeinsam mit zwei Freunden – klingt logisch! Die Beweggründe ihres wirren Handelns scheint vermutlich nur Drehbuchschreiber ERIC REESE (sein Debüt) erklären zu können, der mit SX_CAM einen Film zu Papier gebracht hat, dessen Geschichte nicht im Geringsten interessant ist und von Regisseur BERNARD ROSE nur leidlich spannend in Szene gesetzt wurde.
 
 
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SX_CAM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
SX_CAM (Originaltitel: SXTAPE) lässt Gruselfans die Nackenhaare zu Berge stehen, was jedoch hauptsächlich an der unheimlichen Sound-Kulisse liegen mag, als an der leidlich spannenden Geistergeschichte. CANDYMANN-Regisseur BERNARD ROSE konnte scheinbar mit dem Mikro-Budget von knapp einer halben Million Dollar nicht viel anfangen und hat mit SX_CAM nur einen typischen Vertreter des Found-Footage-Genres gedreht, der sich lieber bei anderen Werken bedient, statt eigene Idee zu liefern. Der Streifen ist eine überraschungsarme Kombination aus GRAVE ENCOUNTERS und PARANORMAL ACTIVITY, die dazu noch mit einer der nervigsten Hauptdarstellerin aufwartet, die man bis dato in einem solchen Machwerk zu Gesicht bekommen hat. Am Ende gibt’s immerhin einen gut getricksten Splatter-Effekt zu sehen. Ob der Zuschauer den überhaupt zu sehen bekommt bleibt fraglich, denn aufgrund der quälenden Vorhersehbarkeit, dürften die meisten Filmfans ohnehin vorzeitig abgeschalten haben.
 
 
 


 
 
 

SX_CAM – Zensur

 
 
 
SX_CAM hat nur einen wirklich deftigen, grafischen Effekt zu bieten und der wird ziemlich am Ende gezeigt. Da wird einem Protagonisten durch die Hand in den Kopf geschossen. Die Einschusswunde schaut ziemlich echt aus. In einer anderen Szene werden zwei weitere Charaktere ebenfalls mit einer Pistole erschossen. Hier sieht der Zuschauer die Morde aber nur aus der Sicht der Überwachungskamera. Das hat für eine FSK16 gereicht – ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

SX_CAM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) 3L Vertriebs GmbH & Co. KG (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: SX_Tape; USA 2013

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making of, Trailer

Release-Termin: 22.09.2017

 

Sx Cam [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SX_CAM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
House of Dust (2013)
 
Psych:9 (2010)
 

Filmreview: „The Den“ (2013)

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THE DEN

Story

 
 
 
THEDEN.com ist eine neue Social-Media-Plattform, wo User per Webcam miteinander kommunizieren können. Für Studentin Elizabeth Benton (Melanie Papalia) ein interessantes Forschungsprojekt, das sogar von der Universität finanziert wird. Leider tummeln sich im World Wide Web nicht nur friedlich gesinnte User. Die ambitionierte Hochschülerin gerät an ein äußerst penetrantes Community-Mitglied, das der Studentin schon bald das Leben zu Hölle macht …
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Kritik

 
 
 
Achtung: Kritik enthält Spoiler!
 
 
 
Kein anderes Filmgenre ist so facettenreich wie der Horrorfilm. Die Filmgattung erfindet sich immer wieder neu und hat es mittlerweile zu einer stattlichen Anzahl verschiedenster Subgenres gebracht. In den letzten Jahren ist es vor allem der Found-Footage-Film, der es nahezu regelmäßig auf Leinwand und Mattscheibe schafft und dem Zuschauer mit wackeligen Bildern und meist amateurhafter Inszenierung den Nerv rauben will. Zu verdanken ist die Flut solcher Werke dem Engländer PETER WATKINS. Der brachte bereits 1971 einen der ersten Wackelkamerafilme in die Lichtspielhäuser. Sein PUNISHMENT PARK sorgte für reichlich Zündstoff und wurde nach Erscheinen äußerst kontrovers diskutiert. Richtig populär wurde die Filmmethode jedoch erst zehn Jahre später, als der italienische Schmuddelfilm-König RUGGERO DEODATO seinen CANNIBAL HOLOCAUST in die Kinos brachte und ganz nebenbei einen der erfolgreichsten Kannibalenschocker drehte, der sich in Deutschland selbst heute noch auf der Liste der jugendgefährdenden Medien befindet. Im Jahr 1999 griffen DANIEL MYRICK und EDUARDO SÁNCHEZ die Shaky-Cam-Methodik erneut auf und landeten mit THE BLAIR WITCH PROJECT einen Kassenhit. Die Raffinesse vom Aufnahmematerial, welches von verstorbenen oder vermissten Personen gedreht wurde und erst im Nachhinein gefunden wird zog nach BLAIR WITCH PROJECT weite Kreise. In regelmäßigen Abständen folgten mehr oder weniger brauchbare Wackelcam-Vertreter, die teils mit ewig gleicher Filmrezeptur schnell die Missgunst der Filmfans auf den Plan riefen. Immerhin schien mit der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe der Höhepunkt erreicht. Für einige Filmemacher dennoch kein Grund nicht weiterhin fleißig Found-Footage-Müll zu produzieren, schließlich sind derart Machwerke kostengünstig in ihrer Umsetzung.
 
Angespornt vom Erfolg der letzten Found-Footage-Streifen (V/H/S und V/H/S 2) versucht nun Nachwuchs-Angstmacher ZACHARY DONOHUE ebenfalls sein Glück auf dem B-Movie-Markt und nimmt sich die unbeliebte Filmgattung vor, um daraus was Brauchbares zu zimmern. Bevor jedoch einen Stöhnen die Runde macht: THE DEN ist wirklich gut, was vor allem daran liegen mag, dass DONOHUE dem Ganzen einen eigenen Stempel aufdrückt und dem Wackelkamerafilm neuen Impulse durch frische Ideen verleiht. Diesmal findet das Treiben auf Elizabeths (MELANIE PAPALIA) Laptop statt. Die Studentin hat von der Universität finanzielle Unterstützung erhalten, um ihre Studienarbeit über Sozialen Medien und zeitgenössische Kommunikation voranbringen zu können. Ihr Ziel: Soviel Zeit wie möglich auf der Chat-Plattform THE DEN zu verbringen, wo sie sich mit nur wenigen Mausklicks durch die Webcams der Community-Nutzer klicken und sich mit ihnen live am Bildschirm unterhalten kann. Schnell macht sie Bekanntschaft mit einem gar penetranten Chatpartner, der ihr schon bald eine Heidenangst einjagt. Der hackt sich nicht nur in das Betriebssystem ihres Rechners ein und bombardiert die Freunde mit merkwürdigen Emails; die unwissende Studentin wird zu einer ganz besonderen Videoübertragung eingeladen und Zeuge eines Live-Mords via Webcam. Leider will so wirklich niemand Elisabeths Aufregung verstehen und das, obwohl sie doch die Tat aufgezeichnet hat. Die Polizei glaubt an einen Scherz und die Freunde der Studentin raten zu mehr Vorsicht. Doch für neunmalkluge Ratschläge scheint es ohnehin zu spät, denn der irre Chat-Stalker hat sich bereits in das Leben der eifrigen Hochschülerin geschlichen. Bald schon verschwinden nahestehende Personen auf unerklärliche Weise. Wenig später soll die verängstigte Elisabeth den schlimmen Misshandlungen an ihren Freunden per Webcam beiwohnen.
 
Was unterscheidet THE DEN von den bisherigen Vertretern innerhalb des Found-Footage-Genres? Es ist die Machart mit welcher ZACHARY DONOHUE schnell die ganz üblen Vertreter vergessen lässt. Die Geschichte spielt sich fast gänzlich auf dem Laptop der Besitzerin ab, die sich in einem Chatkarussell von einem Cam-Partner zum nächsten bewegt und dabei die eigenartigsten Persönlichkeiten innerhalb des Internets kennenlernt. Regisseur ZACHARY DONOHUE verwendet hierbei unterschiedliche Kameratechniken. So sind die Community-Teilnehmer entweder per Handykamera online oder sitzen vor der implementierten Kamera ihrer Rechner. Im späteren Verlauf hackt sich der ausgefuchste Internet-Psycho in Elisabeths Computer und verbindet das Gerät mit Überwachungs-, Helm- und Handkameras, so dass eine anhaltende Dynamik entsteht, die durch den Einsatz von Message-Boxen, Email-Nachrichten und Chat-Fenstern bis zum Ende konstant gehalten werden kann. Neu im Wackelcam-Sektor scheint Gesellschaftskritik zu sein. Macher DONOHUE nimmt die rasante Entwicklung neuer Kommunikationswege genauer unter die Lupe und stellt rasch fest, dass das Internet nicht nur Vorteile bietet. Das World Wide Web ist nicht frei von Gefahren und zwielichtigen Gestalten, die hier ganz anonym ihren perversen Phantasien und abartigen Neigungen nachgehen können. Protagonistin Elisabeth bekommt das in THE DEN am eigenen Leib zu spüren. Hinter dem mysteriösen Chatprofil versteckt sich eine gerissene Untergrundorganisation, die auf Social-Media-Plattformen nach möglichen Opfern für ihre skrupellose Geldmacherei sucht. Die Auserwählten werden vor der Kamera qualvoll getötet, der Mord auf Video festgehalten und die Snuff-Clips möglichen Interessenten auf einer eigenen Seite gegen Bares zum Download angeboten. In THE DEN ist das zwar alles rein fiktiv; angesichts der Möglichkeiten, die das Internet bietet würde es nicht wundern, wenn ähnliche Praktiken in irgendeinem Hinterhofschuppen auf gleiche Weise veranstaltet werden.
 
Sei bedacht mit dem, was Du im Netz über dich preisgibst und vor allem wem du welche Informationen anvertraust. Die Botschaft ist in THE DEN unüberhörbar und wird zudem von Techniker Max (ADAM SHAPIRO) immer wieder aufs Neue wiederholt, der die gutgläubige Elisabeth vor einer leichtfertigen Nutzung des Internets warnt. Aber weil es sich bei THE DEN nun mal um einen Horrorfilm handelt dürfte klar sein, dass derart Warnungen grundsätzlich nicht ernst genommen werden. Es kommt zu einem Aufeinandertreffen in bester THE STRANGERS-Manier. Die mit Jutesäcken maskierten Killer verschleppen das unwissende Opfer in ihren Bau und terrorisieren die verstörte Elisabeth bis zum letzten Atemzug. In THE DEN geht es freilich nicht zimperlich zu, was vor allem dem Found-Footage-Stilmittel zuzuschreiben ist, das das ruppige Treiben recht authentisch bebildert. Gerade dann, wenn hier wehrlose Menschen bestialisch vor der Kamera ermordet werden, geht das ziemlich an die Nieren und dürfte demnach nicht jedermanns Sache sein. Auch wenn nach kurzen 70 Minuten so jedes Wackelcam-Klischee abgehakt wurde bleibt die überraschende Erkenntnis, dass man aus dem verhassten Found-Footage-Genre doch noch halbwegs interessante Filmstoffe herauskitzeln kann, wenn man sich nur die Mühe macht nach cleveren Plots zu grübeln.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Warum Kontakte im wahren Leben knüpfen, wenn man Chat-Plattformen wie THE DEN nutzen kann? Neuling ZACHARY DONOHUE hat mit THE DEN einen erschreckenden Warnschuss gedreht, der die Möglichkeiten des Internets in einem ganz anderen Licht betrachtet. Sieht man einmal vom obligatorischen Horrorgemetzel ab, wird auf sehr unangenehme Weise verdeutlicht was passieren kann, wenn man sich zu leichtfertig durch das Internet bewegt und wie einfach es ist soziale Medien für Zwecke zu missbrauchen, für die sie eigentlich gar nicht gedacht sind. THE DEN ist einer der besten Found-Footage-Schocker, die man in letzter Zeit gesehen hat, was vor allem an der innovativen Machart liegt, wie man den Zuschauer versucht das gewöhnungsbedürftige Wackelcam-Genre erneut schmackhaft zu machen. Am Ende bleiben rund 70 Angstschweiß verursachende Horrorminuten, die den Appetit nach jener Filmmethodik steigert von der man eigentlich annahm, dass sie keiner mehr sehen will. Darum: Hoch lebe der Found-Footage-Film!
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Zensur

 
 
 
Trotz Wackelkamera-Methode ist THE DEN nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven. Die diversen Snuff-Morde haben es in sich und werden ziemlich kaltblütig dargestellt. Demnach wird THE DEN hierzulande ungeschnitten mit KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

THE DEN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evidence (2013)
 
The Helpers (2012)
 
V/H/S 2 (2013)