Filmkritik: „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (2019)

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BIG DADDY – MAKE AMERICA STONED AGAIN

(HIGH ON THE HOG)

Story

 
 
 
Schweine- und Marihuana-Farmer „Big Daddy“ lebt mit seiner Sippe friedlich dealend im idyllischen Council Hill, bis ein alternder Agent auf seine Spur kommt….

 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Kritik

 
 
Fuck Mann. Was zum Teufel war das gerade nur, was in Gottes Namen habe ich hier gerade erdulden müssen? Entschuldigt den Einstieg aber es ist Sonntag, 16 Uhr, ich bin seit etwa 6 Stunden wach und einfach nur weil ich bereits knapp 100 Minuten davon mit „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (Originaltitel: „High on the Hog“) gefüllt habe, kann ich mich jetzt schon zurücklehnen und sagen „Wow, was ein Tag doch.“. Nur leider nicht im positiven, gemütlichen Sinne, als hätte man gerade erfolgreich den Garten umgegraben oder seinen Roman beendet, nein, viel eher als hätte man gerade 2,5 Stunden „The Turin Horse“ gesehen, nur ohne die Ästhetik oder den atmosphärischen Mehrwert. Was ich abgesehen von der geöffneten Energydrinkdose gerade vor mir liegen habe, das sind jedenfalls 8 Din A4-Seiten Notizen denn ja, das hier könnte lang werden, gar einer meiner ausführlichsten Texte überhaupt. Erlebt habe ich so etwas nämlich noch nicht und auch wenn ich vor dem Genuss des Films tunlichst warnen werde, so möchte ich doch eben deswegen einen kleinen Einblick geben – also kommt mit mir auf eine Reise in den mit unerträglichsten Wahnsinn, der je auf Blu-ray gepresst wurde.
 
 
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Der vor 40 Jahren in Illinois geborene Tony Wash besuchte erst die legendäre Special F/X-School von Horror-Urgestein Tom Savini in Pennsylvania, bevor er 2007 mit „It’s my Party and I’ll die If I want to“ einen durchaus in Festivalkreisen gefeierten Indiefilm auf die Welt losgelassen hat, dessen positive Resonanz wohl genügte, um einen Fuß zu fassen, einige Kurzfilme zu kreieren und schlußendlich noch die mir bisher unbekannten Werke „Chop Shop“ und „The Rake“ zu drehen. Bevor dann, letztes Jahr, „High on the Hog“ verbrochen wurde, hierzulande wenig sinnvoll in „Big Daddy – Make America stoned again“ umbenannt – was einfach nur der Name von Sid Haigs Charakter zusammen mit einer Tagline ist, die weder inhaltlich noch wörtlich je vorkommt.
 
 
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Sid Haig selber war so überzeugt von Wash und seiner Arbeit als Regisseur, dass er den Film direkt mitproduziert hat – und dass Haig seine simple und nie fordernde Rolle mochte, in der er kiffend zwischen 50 Jahre jüngeren Frauen auf seiner Farm chillt und kaum was tun muss, kann ich mir auch vorstellen. Aber wie sich dieses sehr lose „Konzept“ als Film präsentiert, das ist noch einmal eine ganz, ganz andere Frage. „For Bobby Z“ lautet die Widmung im Intro dieses Werks, da der im März 2015 bereits verstorbene Charakterdarsteller Robert Zdarsky, mir schon aus den Otto & Caesar-Filmen, anderen Lesern vielleicht eher aus „Tango & Cash“ bekannt war, hier als Mayor seine wohl vorletzte Rolle innehat – danke, Robert, dass du den Streifen mit deiner Präsenz veredelt hast, gerade da deine Szenen das wohl beste Acting dieses Trauerspiels beinhalten. „So it begins“ erzählt Sid Haig zu Drohnenfahrten über sonnige nordamerikanische Farmgebäude & Felder, und direkt fällt das körnige Bild auf, direkt die bemühten 70s-Farben, direkt das in „Grindhouse“ von Rodriguez und Tarantino deutlich zurückhaltender, deutlich pointierter benutzte Filtern von eigentlich ganz netten Aufnahmen, die möglichst gritty werden sollen. Wieso, fragt ihr euch? Bietet sich eine Story über einen Marihuana-Farmer, in dem echtes Material von aktuellen Ausgabestellen bzw. deren Razzias reingeschnitten werden, unbedingt für ein Throwback-Retro-Grindhouse-Erlebnis an? Nein? Nun, dann habt ihr jetzt wohl schon mehr über das Konzept nachgedacht, als der Regisseur.
 
 
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Ich will wirklich nicht die ganze Zeit austeilen, ich würd mich freuen über einen gelungenen Hybrid aus exploitativem Trash á la „Pervert!“ und entspanntem Kifferfilm, aber nichts von beidem braucht einen Fake-Bezug zu den Siebzigern, erst Recht nicht mit FSK 16 und ohne mit diesem Edi– egal, bleiben wir chronologisch. „Ain’t nobody gonna take our family farm away!“ slangt sich Haig durch das Voiceover, dann direkt zeigt der Editor sein hässliches Gesicht und in einem epileptischen Tobsuchtanfall von Opening Credits fährt ein schmissiges Muscle Car durch die Gegend, während generischer Hard Rock läuft und Splitscreen an Splitscreen an Splitscreen gereiht wird. Mal sehen wir das Auto gleichzeitig von der Seite und von oben, mal nur die Reifen ganz nah, dann wieder teilt sich das Bild in drei um simultan die mehrfach eingeblendete, amerikanische Flagge, die immer wieder identische Aufnahme einer Marihuanapflanze und das rumrasende Vehikel festzuhalten. Das ist noch deutlich anstrengender als es sich liest und würde selbst als Musikvideo nicht durchgehen, aber hey, im Intro toben sich überengagierte Editoren ja gerne mal aus und der Film hat schließlich noch nicht einmal richtig begonnen – denkste. Das Muscle Car fährt zum Stripclub, Stahlkappen auf den Lederboots des Fahrers, im Club direkt ein paar nackte Damen und ein schmieriger, schwitzender Typ, der einen geblasen bekommt. Das Schauspiel der gesamten Szene ist direkt auffallend grauenhaft, wenngleich auch nicht viel Dialog ausgetauscht wird, der Sound ist unverständlich und schlecht abgemischt, die Musik und Geräusche der Umgebungsatmosphäre wirken absolut nicht, als kämen sie aus dem Nebenraum.
 
 
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Kaum hat man das Intro halbwegs verdaut und kratzt sich fragend am Kopf, kommt der unfassbarste, anstrengendste, belastendste Part des gesamten Films, der Grund für mein Trauma: Es fängt damit an, dass völlig unvermittelt und ohne jede Vorstellung von irgendwem eine Frau panisch schreiend zu lauter Metalmusik und mit tausend Schnitten eine nächtliche Straße entlang rennt, und sich dabei bis auf die Unterwäsche entkleidet. Wer das ist oder warum wissen wir nicht, nur wie unfassbar es auch für den Zuschauer schmerzt, immer wieder festgefrorene Aufnahmen. Zu. Haben. Und. Dann. Wiedergehtesganzschnellweitermittausendschnitten. Und. Dann. Wieder. Einzelne. Frames. Unddannsiehtmanwiederwiesierenntundschreitundrennt. Unkonsumierbar, unzusammenhängend, unverständlich. Nächste Szene des gleichen Szenenblocks, ein Typ hat ne Schere im Kopf stecken, er und drei weitere junge Leute stehen scheinbar unter Schock am Krankenwagen, Polizei ist auch da. „How did this happen?“, Schreierei, mehr laute „Wuusch!“-Geräusche, überlagernde Tonspuren, Freeze Frames, Jumpcuts, der ganze Wahnsinn. Jetzt, nach der Frage also, FLASHBACK, denn diese uns völlig unbekannte Gruppe, die auch nichts mit der Farm oder dem Stripclub zu tun haben scheint, scheint zu diesem Zeitpunkt der eigentliche Fokus der Geschichte zu sein, als Aufhänger für den ganzen Film zu dienen – schließlich haben wir sonst noch nichts bekommen bis auf ein Voiceover von Sid Haig und einen ominösen Auftrag im Stripclub, richtig? Denkste.
 
 
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2 Stunden vorher, so informiert uns der hässliche Schriftzug, in diesem von hässlichen Einblendungen und Effekten und flackernden Einstellungen nicht gerade verschont gebliebenem Film, wollte die Gruppe „shit from some new guy“ holen. Durchschnittliche, generische Musik läuft zu laut im Vordergrund, dann geht der Film nach stolzen 8 Minuten Laufzeit auch direkt in die Vollen: War die bisherige, durchschnittliche Einstellungslänge bereits bei etwa 1-2 Sekunden, so wird jetzt in der Gruppe schlecht und unauthentisch wie sonst was gekifft und wenn dieser Film, mit diesem geisteskrankem Editor, der bereits da schon das mit Anstrengendste geliefert hat, das ich je gesehen habe, einen „bad trip“ inszenieren will, eine geistige Überforderung von drogeninduzierten Sinneseindrücken also, ja heilige Scheiße, verzeiht die Wortwahl, aber dann kann das Intro von „Enter the Void“ echt einpacken. Mit Verdopplungen und Zeitraffer und Zeitlupe und tausend Winkeln und hyperschnellem schwindelig machendem Editing und viel zu vielen Sounds und Eindrücken versehen wird sich hier durch eine Claymation-Splattersequenz gefiebert und genau diese Mischung aus hektischen Breakbeats und Panik und Desorientierung und Angst und Schweiß und Psychose verursachendem Editing ist es, die ich als „filmischen Bad Trip“ bezeichnen würde. Absolut unaushaltbar unangenehm, sehr immersiv und keine Ahnung was diese Szene, die wirklich nichts erzählt bis auf dass es gepanschtes Gras gibt, in diesem furchtbaren Film macht, aber so mitgenommen und unerwartet abgefuckt so völlig aus dem Nichts und ohne Warnung war ich lange nicht mehr. Alles wird viel zu schnell abgespielt, die unglückliche Kifferin rastet aus und sticht den Typen mit der Schere ab, den wir vor wenigen Minuten gesehen haben, ihr ist heiß, sie rennt weg und zieht sich aus, dann kommt ein Auto und überfährt sie – Cut, zurück zu der Stelle von vorher. Wofür das alles? Wieso diese Erzählstruktur? Wie zum Teufel hat dieser kurze Vorgang 2 Stunden gedauert? Ich weiß es nicht und es verwirrt nur noch mehr, darüber nachzudenken, aber einzigartig war dieser Höllentrip definitiv. Zu diesem Zeitpunkt, etwa 10 Minuten in „Big Daddy – Make America Stoned Again“ also, wünschte ich mir bereits einfach nur dass Entschleunigung stattfindet, dass auch nur eine Einstellung mal länger laufen darf als ein paar Sekunden, dass wir keine Shakycam auf engsten Raum haben mit tausend Überblenden und Filtern, sondern Tarkovsky-mäßige, ruhige, langsame Einstellungen zum Reinsetzen und Genießen. Doch selbst wenn Sid Haig als „Big Daddy“ einfach nur auf der Terasse sitzt und einen Joint raucht schafft der Editor es, das ganze sehr sehr kräftezehrend zu gestalten. B-Movie Legende Joe Estevez darf den eindimensionalen und wenig spannenden oder witzigen „Agent Dick“ spielen, der Big Daddy auf die Spur kommt und einen Durchsuchungsbefehl für die Farm möchte, bis auf Alkoholismus und eine leichte Verwirrung, die vermutlich eher von Estevez selber kommt, hat auch dieser Charakter aber leider keine weiteren Eigenschaften bekommen. In einer hässlichen, rot-blau-grün beleuchteten Wohnung steht Estevez nun im peinlichen Kostüm vor ein paar Dealern und erzählt zu weiterhin irritierendem Editing genau die Szene des Unfalls nach, die wir gerade gesehen haben. Drei bewaffnete „bad ass bitches“ dealen wohl das giftige Gras im Stripclub, so werden wir informiert. Der „Scene missing“-Gag wird zum zweiten Mal wiederholt, der Dealer schlecht getrickst verkloppt, Estevez nuschelt sich irgendwas in seinen Bart. Szene Ende. 14 Minuten im Film, 83 also noch, wie soll ich das nur aushalten?
 
 
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Die Bildfehler nerven, Sid Haig kriegt von seiner 50 Jahre jüngeren Frau/Freundin einen Blowjob, zu dieser wenig appetitlichen Vorstellung gesellt sich noch sein erzwungener Catchphrase „Pack it tight!“. Weil sinnloses Gelaber über das Joint drehen aber noch nicht genug sinnloses Gelaber für einen Film ist, wird zum Zeit füllen und zur Tortur des Zuschauers noch regelmäßig eine Radiomoderatorin eingeblendet, die, natürlich sinnloserweise oben ohne und notwendigerweise die ganze Zeit kiffend, „Queen Kush“ (!!!) heißt und ihren Sender auch wirklich einfach nur „Kush“ genannt hat, ohne jeden Witz dahinter oder auch nur den Versuch eines cleveren Wortspieles. Die mit ästhetischsten Aufnahmen, mit Rauchschwaden im pinken Licht, stammen dabei zwar von eben dieser Location, aber weil alles was sie labert leider nur unbrauchbarer Müll der unwitzigsten Sorte ist, kann ich selbst diese Inserts nichts als Pluspunkt verbuchen. Die restlichen Frauen auf Big Daddys Hof werden vorgestellt, sind aber unerwarteterweise weder sonderlich prägnant geschrieben, noch dargestellt, noch gecastet, noch halbnackt, einzig das Schauspiel fällt wie erwartet unterdurchschnittlich aus. Der Soundtrack begnügt sich derweil damit, uninspirierten Stock-Rock zu spielen, der so auch in 2000er-Rennspielen im Menü laufen könnte. 22 Minuten im Streifen, ich will sterben. Nach diesem überlang aufgebauten und verwirrenden Intro und einer weiteren unnötigen Szene, in der Dick einen Dealer beschattet oder so, kickt dann auch langsam mal die Hauptstory ein, da ein junger, weiblicher Cop sich zu außerordentlich grässlicher Musik auf der Toilette entscheidet, undercover als Prostituierte in den Stripclub zu gehen, um von den „bad bitches“ auf die Farm gebracht zu werden und den Fall endlich zu knacken. Immer die gleichen Bildfehler, flackernden Lichter und Überblenden erschweren das Sehvergnügen, fast als sei der gerade gelieferte Ansatz einer Story aber schon wieder zu viel für den Film, lehnt er sich jetzt narrativ im Stripclub erneut einmal komplett zurück und lässt einfach nur die Bilder und das gelungen groovige Rockcover sprechen, das im Hintergrund läuft. So verkommt die Seherfahrung also minutenlang endgültig zur unmotivierten und unerotischen Fleischbeschau ohne Dialog, ohne Handlung, ohne Substanz – und der schickste Shot ist ironischerweise der von Estevez, der draußen im Auto wartet.
 
 
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Nach 29 Minuten ging mir ein Herz auf, da es hier tatsächlich einen etwa 10-sekündigen Take gibt, in dem nicht geschnitten wurde – eine Insel der Ruhe in diesem endlosen Chaos. Die Polizistin wird wie geplant undercover weggefahren und zieht zum Verbrennen ihrer Kleider im Wald blank – doch so archaisch dem Exploitationfilm zugehörig dieses Szenenkonzept sich liest, der Zuschauer darf hieran nicht teilhaben. Lucy, unser Cop, wacht auf der Farm nackt im Bett auf und wird von Sid Haig begrüßt, der ohne Fragen ein Outfit bereit hat und sie hier arbeiten und leben lassen will. Warum eine dieser belanglosen Einstellungen plötzlich schwarz/weiß ist, weiß wohl auch nur der Regisseur selber, auch hab ich Sid Haig noch nie SO dermaßen schlecht spielen sehen, wie in dieser kleinen Szene, in der er seine anderen Frauen angiftet. Lucys Backstory steht als nächstes auf dem Menü, natürlich shit childhood, wird wortwörtlich so gesagt im Film, Frau #2 hatte auch ne schwierige Vergangenheit versteht sich, prinzipiell würd ich die Szene loben weil es endlich mal relativ ruhig ist und das Editing nicht ganz so verrückt rumspringt, aber dann kommen wieder laute Schreie und unfreiwillig komische Einblendungen zu eigentlich so ernsten Themen und der Film hat mich wieder völlig verloren. Es wird einfach erzählt, wie in einer Comedy – wenn erzählt werden soll, dass Zeit vergeht, sehen wir wirklich eine große Uhr, die schnell abläuft. Wenn es um Misshandlung in der Vergangenheit geht, hören wir ein Schlaggeräusch wie bei „Ups! Die Pannenshow“, wenn in der Vergangenheit jemand ermordet wurde, gibt’s nen Stock-Schrei von freesound und ne Blutspur auf dem Bildschirm. Nach dieser tiefschürfenden Szene wird erneut nur rumgesessen und, well, absolut gar nichts getan, bis auf dass Lucy mit Sid und den Mädels einen raucht, obwohl sie wenige Minuten vorher noch entschieden abgelehnt hat. Dick ist sich derweil alleine im Büro am wegsaufen, weil der Film natürlich vermitteln will Gras = Gut und Alkohol = Böse, auch wird die Tatsache dass es Alkohol ist ganz dezent mit einem Neonschild kommentiert, wie quirky doch. Fast so quirky, wie wenn in der folgenden Sexszene zwischen Daddy und einem seiner Girls ein filmfremdes stock-Pärchen reingeschnitten wird, das Sex hat, oder wenn eine Gurke eingeblendet wird für einen kurzen Moment, weil ein Mann nackt durch das Haus läuft. Haha, pickle rick!
 
 
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Magischwerweise sind wir, obwohl kaum etwas passiert ist, bereits bei 45 Minuten Editingunfall und alles was im hier und jetzt geschieht, ist, dass Lucy von einer der Frauen angemacht wird. Zudem offenbart sich langsam ein weiteres Problem des Editings, denn abgesehen vom Tempo und davon, dass es augenkrebsverursachend anstrengend und nervig ist, fehlen auch einfach jegliche Markierungen, Zäsuren oder Hinweise für den Zuschauer, wie viel Zeit vergangen ist, was gerade echt oder ein Traum oder ein Flashback ist, wo welche Stelle beginnt oder aufhört. Wenn man alles betont, wie bei Transformers z.B. auch, dann wird gar nichts mehr betont – wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig. Und wenn fast jede Szene ähnlich hektisch und flirrend und verwirrend geschnitten ist, dann geht alles in einem reinen Schnipselmatsch unter, aus dem man sich kaum noch zu helfen weiß. Und warum ständig „Scene missing“, soll das wirklich witzig sein? Warum regelmäßig Stellen in schwarz/weiß, ohne dass es konsistent oder clever genutzt wäre? Die One-Liner von Queen Kush gehen weiterhin auf den Senkel, während zu wie gewohnt schlechter und austauschbarer, zu lauter Musik auf n paar Glasflaschen geballert wird – wie in einem meiner Lieblingsfilme, Donnie Darko. Da schießt unser Protagonist zusammen mit seinen Freunden auch auf ein paar Glasflaschen und wie kommt es nur, dass ich bei Donnie Darko sofort erinnere, wie die Jungs einen legendären Dialog über die Schlümpfe und deren Sexualität führen, ich bei „Big Daddy“ aber nicht nur nicht den Inhalt erinnere, sondern mir gar keine Notizen zu der Szene gemacht habe, bis auf „null Charisma“? Ich lasse das Rätsel mal so stehen. Eine Collage von Gras-induzierten Unfällen bzw. Vergiftungen wird gezeigt und treibt irgendwo am Rand also auch diesen „Plot“ an, danach kommt als kurioser Szenenübergang, der witzig wäre wenn nicht der ganze Film so random und dumm wäre, ein zweisekündiger Einspieler von einer schweinemasketragenden Frau, die oben ohne zwei Pistolen auf den Zuschauer richtet und abdrückt. Ja, bitte, erlöse mich. 50 Minuten im Film, schlappe 47 also nur noch, haha, da scheinen sich die Dinge eeeeeendlich zuzuspitzen: In einer erträglichen, fast schon normal editierten und nett beleuchteten Barszene wird etwas diskutiert und schlecht gespielt, („So I’ll uuuhh…get you your icecream now.“) bevor Lucy wenig versteckt Dick anruft, von der Farm erzählt und dabei von Blondie entdeckt wird.
 
 
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Sie gibt direkt zu dass sie undercover ist und wird vermöbelt und siehe da, Sid Haig, von unten gefilmt, hühnenhaft in der dunklen Scheune, eine bestrafte Frau vor ihm auf dem Boden, das hätte prinzipiell wirklich Exploitation-Charakter und wirkt für ein paar Sekunden so sehr als Genrehommage und gelungenes Fanprojekt, wie es vermutlich wirken sollte – nur draus gemacht wird leider überhaupt nichts, erst Recht nicht mit dem Wissen dass wir unsere Protagonistin scheinbar nicht nackt sehen sollen und der Film eine FSK 16 bekommen hat. Eine Stunde im Werk, wieso muss es jetzt nur noch 37 Minuten gehen, statt 10? Während ich noch darüber nachgedacht habe, ob ich Queen Kushs Spruch „We put the oui in Weed“ oder doch lieber „We put the joy in Joint“ witziger fand, macht sich Big Daddy bereit, die ausspionierte Farm zu verlassen und mit den Mädels nen Neustart an einem anderen Grundstück zu versuchen, das er zum Glück noch besitzt. Im Intro und allgemein immer wieder wurde uns ellenlang erzählt, wie wichtig dieses spezifische Stück Farmland hier ist, das seit Generationen im Familienbesitz ist, aber sei’s drum. Einen unverständlichen „Semper Fi Motherfucker!“-Ausruf und erzwungen pseudocoole Dialoge später folgt dann, nach 64 Minuten die erste tatsächlich ganz okay bis gut gespielte Szene zwischen Zdarsky als parteiischen Mayor und Estevez als wütenden Dick, der endgültig die Schnauze voll hat. Großes Kino ist anders, für B-Moviefans aber definitiv eine spaßige kleine Konfrontation und vermutlich auch das traurige Highlight des Films. Echte Aufnahmen werden reingeschnitten um extrem tumbe Pro-Weed-Propaganda am Zuschauer auszulassen, mit der Subtilität von „Cool Cat saves the kids!“ und ohne, dass es je in die Story oder Szene passen würde. Das Niveau wird mit Big Daddy’s Maxime „Better pissed off than pissed on“ immerhin konsequent gehalten, mit unfassbar lautem Dröhnen und Schreien darf Daddy dann auch noch einen Alptraum erleben, einzig um Zeit zu strecken. Wieso muss dieser Film noch gleich 97 Minuten lang sein?
 
 
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Oh nein, der anstrengende, speedziehende, dadurch das Editing natürlich wieder sehr belastend machende, Dealer vom Anfang ist wieder da mit viel zu lauter Musik doch tut nichts wirklich Wichtiges, viel eher ist aber traurig wie dieser Film nun, nach 75 Minuten, 22 Minuten vor dem Ende der Chose, noch versucht für Sid „Big Daddy“ Haig eine Backstory zu erzählen, die natürlich lange nicht mehr interessiert. So prinzipiell nett diese Szene, mit ruhiger Erzählung und einer sympathischen Gitarrenmusik mit Geige und Ambient-Note im Hintergrund auch sein mag, so verschenkt ist die Möglichkeit. Weniger als eine Sekunde lang darf man dabei tatsächlich einen ziemlich brutalen und rabiaten Splattereffekt bewundern, aber wenn dann eine Szene später Agent Dick IMMER NOCH versucht den Durchsuchungsbefehl zu kriegen, frage ich mich echt womit zum Teufel ich die letzten 80 Minuten verbracht habe, da absolut nichts passiert ist. Die gorigste Szene des Films ist dann überraschenderweise echt, da die Jungs von Big Daddys Farm jetzt wohl für die ganze Stadt ein BBQ hosten und es sich nicht genommen wurde, echte Szenen des Ausweidens und Häuten und Schneidens des Schweins in den Film zu packen. Gehört zu der Vorbereitung und sieht auch recht horrorlastig, gut saftig, aus, aber wie so oft muss ich hinterfragen, was zum Fick damit bezweckt werden sollte. Der Mayor kommt auch dazu, 15 Minuten Film noch halleluja gleich geschafft, und auch einen Haufen Statisten hat man sogar gefunden für die überzeugende Kleinfeier auf dem Land, nur musst ich leider spätestens dann an den marginal besseren, aber immer noch sehr schlechten „Daddy’s Girl“ denken, als Sid Haig, also Daddy, „Welcome to Hell, Assholes“ sagt. 12 Minuten vor Ende, nachdem man sich durch dieses Schnittmassaker von einem fiebrigen Alptraum bar jedes Plots gekämpft hat, startet dann endlich auch mal eine Konfrontation und wie erwartet ist diese unlogisch, sinnlos, unrealistisch und mit (falschen) Stock-Sounds versehen. Eine Schrotflintenhülse fällt auf den Boden zum Sound einer 9mm-Hülse, Einschüsse sind nicht existent oder offscreen, sowohl auf Seiten der Farmbewohner, aber gerade auf Seite der Polizei, verhalten sich alle haltlos dämlich und gegen jede Vorschrift.
 
 
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Quer über die flüchtende Menschenmasse wird geballert, ohne jegliche Deckung auf kurze Distanz am Feind vorbei gerannt, Inkompetenz wo man hinsieht. Es gibt einen überraschenden und überraschend blutigen, erbarmungslosen Kill und der Versuch einen schlechten Catchphrase zu etablieren ist so absurd, dass ich wirklich lachen musste, aber dann sagt Sid Haig auch schon wortwörtlich „Well that’s a shitty ass way for it all to end“ und ich kann nur zustimmend nicken, Amen. Was bleibt zu diesem einmaligen Verbrechen zu sagen? „Big Daddy – Make America Stoned Again“ ist definitiv DER eine, herausstechende Film mit dem anstrengendsten, schlimmsten Editing, das ich je gesehen habe. Es ist ein Film, der es gleichzeitig schafft an den Problemen eines hochbudgetierten, seelenlosen Studio-Schrotts wie „Suicide Squad“ zu scheitern, da er sich anfühlt wie ein ewiges, auf Speed von Grundschülern editiertes Musikvideo, als auch an den schauspielerischen Unzugänglichkeiten und Budget-Makeln, die überambitionierte oder schlichtweg misslungene Indieproduktionen oftmals plagen. Song an Song, mal ok bis gut mal ganz fürchterlich wird aneinandergereiht, aber ebenso vergessenswert und kräftezehrend wie das Editing, das keine scheiß Einstellung mal zu Ende wirken lassen kann, werden auch die Lieder stets nur angespielt und dürfen kaum mal durchlaufen – und wenn doch, dann aber ohne, dass gleichzeitig etwas erzählt wird, oder passiert. Dass ich 100 Minuten mit einem Haufen Charaktere verbringe, die alle nicht durch ihre Taten oder Optik glänzen sollen, da es eben kein Exploitationfilm ist, und trotzdem niemanden davon näher kennenlerne, ist schon fast bemerkenswert.
 
 
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Da der Schnitt so desaströs ist, kommt allerdings die Frage auf wie dieser Celluloidhaufen ohne einen arrhythmisch auf der Tastatur breakdancenden Editor aussähe und die Antwort lautet, dass man auch dann noch mit relativ großen Namen und ziemlich viel Aufwand einen merkwürdig genrelosen und leeren Film geschaffen hat, der nun nicht mehr nervt, aber dafür einfach nur langweilt. Wirklich gemütlich, so dass wir einfach mit den Charakteren Zeit verbringen wollen, wird es nie, narrativ tut sich aber leider auch nichts. Script und Dialoge sind leider Müll ohne ausgleichende Faktoren, das Schauspiel hapert meistens an den sinnlosen Lines, ob es optisch ansprechende Szenen gab kann man wirklich kaum sagen, da durch die penetranten Bildeffekte kein Shot goutiert werden kann. Irgendwo zwischen peinlich stumpf politische Propaganda betreibendem Kifferfilm, Grindhouse-Abgesang und Stroboskoplichtclubbesuch nach der zehnten Nase mit Rattengift gestreckten Dingern hat „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es sich gemütlich gemacht, als Film möglichst ungemütlich für jeden Zuschauer zu sein. Egal ob als Sid Haig-Fan oder Kiffer, egal ob auf der Suche nach einer Comedy oder einer reinen Stilhommage, egal was man sucht bis auf einen „How not to edit“-Kurs, man wird es hier wirklich nicht finden. Wenn man denkt, dass es das endlich war, folgen immerhin noch zwei durchaus gelungene Schmankerl: Einereits kifft „Queen Kush“ nämlich natürlich noch etwas, nur um auf die bereits bekannte, wenn auch abgeschwächte Bad-Trip-Art zu krepieren, inklusive erneut sehr starker Claymation-Effekte und effektiv abfuckendem Editings. Und dann folgt der beste Part des Films, mit Abstand: Die Credits am Ende. Hier nämlich tanzen die drei Darstellerinnen des Films alle oben ohne zu einem Lied, am Rand neben den Namen, das wars. Keine Schnitte, keine Überblenden, keine lauten Geräusche, keine schrecklichen Dialoge und ein Lied, das am Stück durchläuft. Es sind immer die gleichen drei Frauen in den immer gleichen Outfits, herausstechend bezaubernd finde ich persönlich niemanden davon und das Lied ist auch kein Kracher – aber im Vergleich zu allem vorher, muss ich die Ending Credits doch definitiv positiv betonen.
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Handwerklich prinzipiell deutlich über Tauberts Werken angesiedelt, schafft „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es, durch das unangenehmste Editing, das ich je miterleben musste, einen Platz im Olymp der nervigsten und ungenießbarsten Filme aller Zeiten zu sichern. Als alptraumhafter Bad Trip, und das beweist der Film ganz eindeutig, funktioniert das bestens – als Langfilm aber eine reine Tortur im negativen Sinne.

 
 


 
 
 

BIG DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Big Daddy – Make America Stoned Again“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: High on the Hog; USA 2019

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 15.05.2020

 

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BIG DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nixon and Hogan Smoke Christmas (2010)
 
Domino (2005)
 
96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Filmkritik: „Death House“ (2017)

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DEATH HOUSE – GEFANGEN IN DER HÖLLE

(DEATH HOUSE)

Story

 
 
 

Enttäuschender Low-Budget-Horror: In einem Hochsicherheitsgefängnis bricht das Chaos los, als plötzlich der Strom ausfällt und sich alle Gefangenen aus ihren Zellen befreien können.

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Kritik

 
 
 
Was wäre GUNNAR HANSEN glücklich gewesen, wenn er erfahren hätte, das man sein einziges Drehbuch verfilmt. Der Leatherface-Darsteller aus dem allerersten TEXAS CHAINSAW MASSACRE von 1974 hatte nämlich ein Skript verfasst in dem er alle Schauspiellegenden des modernen Horrorkinos vereinen wollte. Leider machte ihm der Tod einen Strich durch die Rechnung. Im Jahre 2015 verstarb der gebürtige Isländer ganz plötzlich und hinterließ eine Idee, die das Blut vieler Horrorfilmfans in Wallung brachte. Um dem verstorbenen Freund die letzte Ehre zu erweisen, griff Regisseur B. HARRISON SMITH das Projekt neu auf. Der ordnete die Idee über eine Horror-Version von THE EXPANDABLES, schliff am Drehbuch seines Vorgängers und inszenierte das Zusammentreffen der Horror-Ikonen unter dem Titel DEATH HOUSE. Das Resultat ist beachtlich – vor allem vor dem Hintergrund, wer sich da alles die Türklinke in die Hand gibt. Nahezu jeder Horror-Star erhielt eine Nebenrolle im Film. Da stellt sich berechtigterweise die Frage, ob so viele Gastauftritte überhaupt gut für eine Filmhandlung sein können. Im Falle von DEATH HOUSE ist das Ergebnis dann doch mehr schlecht, als recht. Da werden Enttäuschungen vorprogrammiert sein, denn dieses Wiedersehen bekannter Horror-Ikonen entpuppt sich als cineastischer Schnellschuss.
 
 
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Irgendwo in der Wüste Nevadas steht ein geheimes Hochsicherheitsgefängnis, das die Regierung als „Death House“ bezeichnet. Der Grund für die grausige Bezeichnung kommt nicht von ungefähr. Wer hier einsitzt, hat es geschafft und wird sein Lebtag kein Tageslicht mehr sehen. In diesem Knast lungern die gefährlichsten Verbrecher Amerikas, an denen Wissenschaftler obskure Experimente mit neuen Technologien durchführen. Von denen sollen sich zwei Bundesbeamten Toria Boon (CORTNEY PALM) und Jae Novak (CODY LONGO) ein Bild machen. Die erhalten eine exklusive Führung durch die Hallen der schaurigen Gefängnisanlage über die bald die Hölle hereinbrichen wird. Da fällt plötzlich der Strom aus, Knastzellen öffnen sich und die Angestellten werden zu Freiwild. Eine dumme Situation, die auch unsere beiden Besucher an Grenzen bringt. Die müssen sich durch das Gebäude kämpfen und sehen sich mit unzähligen Irren konfrontiert, die nur ein Ziel kennen: töten, töten, töten.
 
 
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Horror-Ikonen sind kein Garant für sehenswerte Horrorware. Zu dieser Einsicht muss man zwangsläufig kommen, wenn man DEATH HOUSE gesehen hat. Hier tummeln sich zwar bekannte Gesichter aus Horrorfilmen vor die Linse, sonderlich sehenswert ist das große Wiedersehen aber nicht. DEATH HOUSE entpuppt sich als günstig gedrehter Horror-Murks, der ohne Genre-Größen wie TONY TOOD, KANE HOODER oder BILL MOSELEY wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten hätte. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. DEATH HOUSE ist vollkommen spannungsfrei und wirr. Die Handlung wirkt an den Haaren herbeigezogen und besitzt keinen roten Faden. Oftmals will man das Gefühl nicht loswerden, als habe man hier wahllos Gedanken zusammengewürfelt und in eine Handlung gepresst, die zu keiner Minute Sinn ergibt. Nun gut, mag man meinen – im Horrorfilm macht selten etwas Sinn. Was aber im Falle von DEATH HOUSE zugemutet wird, ist jenseits von Gut und Böse. Der Film hangelt sich von Gastauftritt zu Gastauftritt. Dazwischen herrscht gähnende Langeweile. Nicht einmal die kurzen und nicht immer professionell in Szene gesetzten Gewaltspitzen können das filmische Desaster vor dem Untergang bewahren. Da will man nicht wissen, was Leatherface-Darsteller GUNNAR HANSEN zuvor geraucht haben muss, als er diesen unschlüssigen Rohrkrepierer zu Papier brachte. Offenbar müssen es Drogen von einem fernen Planeten gewesen sein. Anders lässt sich dieser filmische Totalausfall nicht erklären.
 
 
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DEATH HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Boah, gar nicht mal so gut. Der Trash-Heuler DEATH HOUSE hätte ein Fest für Horror-Fans werden können. Leider hat man all das vermasselt, was man nur vermasseln kann. Das Drehbuch ist eine Zumutung, der abstrusen Handlung lässt sich nur schwer folgen und auf ein ausuferndes Splatterfest wartet man vergebens. Hinzukommt, dass die Ausleuchtung dunkler Flure und Gänge in der zweiten Filmhälfte derart schlecht ist, dass sich kaum erkennen lässt, was sich da auf der Mattscheibe abspielt. Da hat man nach zähen 45 Minuten Einleitung doch mehr erwartet, zumal auch die Gore-Effekte nicht unbedingt die besten sind. Immerhin bekommt man ein paar Gesichter aus bekannten Horrorfilmen zu sehen, die im Genre Rang und Namen haben. Ob die aber vor den Dreharbeiten geahnt haben, auf was für ein Desaster sie sich hier einlassen, steht auf einem anderen Blatt. Offenbar war für viele der hier Beteiligten Ebbe in der Geldbörse. Um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, hat man wohl einfach unterschrieben. So hat man sich ein Klassentreffen der Horror-Ikonen nicht unbedingt vorgestellt.
 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von DEATH HOUSE ist ungeschnitten und erst für Erwachsene freigegeben. Im Film gibt es diverse Gewalszenen, die aber für eine FSK18-Freigabe in Ordnung gehen, um dafür im stationären Handel ungeschnitten ausgelegt werden zu können. Sonderlich brutal – wie anfangs gedacht und vom Label KSM beworben – ist DEATH HOUSE nicht. Auch wenn ab und an Menschen das Zeitliche segnen, ist dieser Horror-Trash keine Sternstunde des Gewalt- und Splatterkinos.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NewKSM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Death House; USA 2017

Genre: Horror, Action, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 2 Blu-rays im Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow, Behind The Scenes, Interviews, Bildergalerie

Release-Termin: 28.03.2019

 

Death House [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei NewKSM )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Incident (2011)
 
Aftershock – Die Hölle nach dem Beben (2012)
 
Prison – Rückkehr aus der Hölle (1987)
 

Filmkritik: „Bone Tomahawk“ (2015)

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BONE TOMAHAWK

Story

 
 
 
Irgendwo im Nirgendwo stoßen vier Cowboys auf einen hungrigen Indianerstamm aus Kannibalen und müssen um ihr Leben fürchten.

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Kritik

 
 
 
Der Western lässt sich einfach nicht unterkriegen. Seit einigen Jahren erlebt das immer wieder totgesagten Genres unregelmäßige Revivals und das, obwohl die Hochzeiten des Spät- und Italo-Western schon längst Dekaden zurückliegen. Dass man mit dieser Art von Filmen auch heute noch genug Asche verdienen und auch Oscars gewinnen kann, bewies 2012 Kultregisseur QUENTIN TARANTINO. Der lies mit dem Neo-Western DJANGO UNCHAINED nicht nur Kinokassen klingeln; ihm gelang sogar das Kunststück den staubigen Western einer neuen, jungen Generation schmackhaft zu machen, die bisher nur in Gesprächen mit den Eltern von der Existenz jener Filme erfahren hat. Im Fahrtwasser des aktuellen Cowboy-Hypes will nun auch Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben. Der eifert mit BONE TOMAHAWK nicht nur genannten Tarantino nach, sondern holte sich beim obligatorischen Filmtwist kreativen Ideeninput bei FROM DUSK TILL DAWN (übrigens auch von Tarantino geschrieben) – jenem Roadmovie, das sich nach der Halbzeit unerwartet zum irrwitzigen Splatter-Trip verwandelt, in dem Vampire die Leinwand heimsuchen.
 
 
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Ebenso blutig, aber weniger spaßig geht es in BONE TOMAHAWK zu. Der erzählt von seltsamen Ereignissen in der kleinen Stadt Bright Hope, wo plötzlich Menschen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Wilde Tiere sollen für schlimm zugerichteten Leichen verantwortlich gemacht werden. Doch einer der Einheimischen weiß Genaueres. So sollen Kannibalen – sogenannte Troglodyten – in den Bergen ihr Unwesen treiben und sich vom Fleisch der Menschen ernähren. Als der Höhlenbewohner erneut in die Stadt einkehren, einen farbigen Stallburschen abschlachten, Pferde stehlen und Stadtbewohner in ihre Höhlen verschleppen, beschließt Sheriff Franklin Hunt (gespielt von Altstar KURT RUSSELL) dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Er trommelt eine Gruppe Freiwilliger zusammen und folgt den Entführern in die Berge. Leider sind die stärker als erwartet, denn bewaffnet mit Pfeil und Bogen trotzen sie den Gewehren ihrer Verfolger. Leider haben unsere tapferen Helden nicht mit der Zähheit ihrer Gegner gerechnet. Die befinden sich bald selbst auf dem Speiseplan der Kannibalen und müssen ums Überleben bangen.
 
 
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Laut diversen Interviews schlug das Herz des amerikanischen Regie-Neulings schon immer für das Western-Genre. So wirkte er bereits als Kameramann und Drehbuchautor (darunter der Anstalts-Horror THE INCIDENT) an diversen Filmprojekten mit, nahm sich aber auch die Freiheit selbst Romane und Drehbücher über den Wilden Westen zu schreiben. Mit BONE TOMAHAWK konnte sich Macher S. CRAIG ZAHLER einen langjährigen Traum verwirklichen und eines seiner eigenen Western-Skripte auf die Leinwand bringen. Angelehnt an die schmuddligen Spaghetti-Western der späten 1960, überrascht Zahler mit unüblicher Kreuzung von Filmgenres. BONE TOMAHAWK ist kein lupenreiner Western in dem Postkutschen ausgeraubt oder Revolverduelle zelebriert werden. Vielmehr entpuppt sich der Streifen als Western-Spektakel der Extreme, das von deftigen Horrorelementen Gebrauch macht und das nicht gerade wenig.
 
 
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Regisseur S. CRAIG ZAHLER verlangt einiges vom Zuschauer ab. Er setzt Sitzfleisch und Geduld voraus, belohnt dafür mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und überraschend brutalem Ende. So ist der erste Langfilm mit knapp 130 Minuten äußerst lang geraten, weil er sich zu viel Zeit lässt, um den beschwerlichen Fußmarsch seiner vier Helden auf Film zu bannen. Die erzählen viel und erreichen erst kurz vor der Zielgerade das Land der Kannibalen. Spätestens dann erwacht BONE TOMAHAWK aus seiner Lethargie. Dank drastischem Richtungswechsel hinterlässt der Film Eindruck, denn im Finale wird der anfängliche Neo-Western zum harten Überlebens-Horror, in dem die wohl deftigsten Gewaltmomente vor die Linse kommen, die man bisher im Cowboy-Genre gesehen hat. Statt lustigem Fun-Splatter zu zelebrieren, bleibt BONE TOMAHAWK todernst, sorgt aber immerhin für einige Schmunzler, weil die Helden trotz ernster Lage, coole Sprüche auf den Lippen haben. Trotzdem ist BONE TOMAHAWK ein zweischneidiges Schwert. Fans staubiger Wildwestfilme dürfte die schwerfällige Inszenierung und das zu grausame Ende abschrecken. Horrorfans werden sich dagegen mit der ersten Hälfte schwertun, die im Grunde kaum Schauwerte bietet und nur wenig zu erzählen hat. Dennoch sollte man S. CRAIG ZAHLER für den Mut zum Unkonventionellen beglückwünschen. Der hat trotz zähem Erzählstil einen Western geschaffen von dem man zweifelsohne behaupten kann, so etwas noch nie gesehen zu haben.
 
 
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BONE TOMAHAWK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein seltsamer Mix zwei Filmgenres, die unterschiedlicher nicht sein könnten. BONE TOMAHAWK ist ein außergewöhnlicher Film der Extreme. So ist der Streifen mit knapp 130 Minuten nicht nur ziemlich lang; er hat auch 90 Minuten kaum Erwähnenswertes zu erzählen. So wohnt der Zuschauer vier Helden bei, die unermüdlich durch staubige Landschaften stiefeln und dabei über Gott und die Welt plaudern. Immerhin hat Regie-Newcomer S. CRAIG ZAHLER ein Ass im Ärmel. Der Neo-Western wird kurz vor der Zielgeraden zum harten Überlebens-Horror in dem Menschen wie Vieh vor der Kamera zerlegt werden. Leider dürfte die ungewöhnliche Machart nicht bei jedem Zuschauer gut ankommen, denn die teils ereignislose Machart, die lange Laufzeit und das behäbige Tempo machen die Augen des Publikums schwer.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Zensur

 
 
 
BONE TOMAHAWK hat wegen der kompromisslosen Splattereinlagen von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn am Ende gibt es einige harte Hinrichtungen zu sehen. Löblicherweise ist der Film hierzulande ungeschnitten erschienen.
 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Bone-Tomahawk-bluray

(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bone Tomahawk; USA 2015

Genre: Horror, Western

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 132 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 21.01.2016

 

Bone Tomahawk [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BONE TOMAHAWK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gallowwalkers (2012)

John Carpenters Vampire (1988)

Ravenous – Friss oder stirb (1999)
 

Review: „The Penny Dreadful Picture Show“ (2013)

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW 2013
 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW

Story

 
 
 
Penny Dreadful (Eliza Swenson) sucht die große Liebe. Sie lädt sich einige Auserwählte in ihr Heim und zeigt ihnen gruselige Filme, in der Hoffnung deren Herz für sich gewinnen zu können …
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Kritik

 
 
 
Wirft man den Namen ELVIRA in die Horror-Runde, dürfte vor allem das ältere Semester einiges zu erzählen haben. Schauspielerin CASSANDRA PETERSON hat nämlich Anfang der 80er eine beliebte Figur im amerikanischen TV verkörpert, die unter dem Namen ELVIRA zur Kultikone des modernen Horrorfilms avancierte. In schwarze Kleidung gehüllt und mit praller Oberweite, dunklem Make-up und schwarzer Perücke ausgestattet, präsentierte sie in der TV-Show MOVIE MACABRE (1981 – 1993) schmuddelig gedrehte B-Movies fernab vom glattgebügelten Mainstream. Auf ähnlicher Schiene fährt auch folgende Kurzgeschichtensammlung, die unter dem Titel THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW um die Gunst der Anthologie-Freunde buhlt. Filmmacher NICK EVERHART, LEIGH SCOTT und ELIZA SWENSON haben mit Titelheldin PENNY DREADFUL ihre ganz eigene Version der schwarzhumorigen Filmansagerin ELVIRA geschaffen, die mit fast schon kindlicher Naivität günstig gedrehte Horror-Shorts anmoderiert und auch mal zum Mordinstrument greift, wenn einer ihrer Verehrer sie beim Schauen jener Streifen stört, die da gerade über die Kinoleinwand flimmern. Leider wurmt es in PENNYS erstem Leinwandauftritt gewaltig, denn die drei kleinen von ihr ausgewählten Episoden sind von eher bescheidener Natur. Das dürfte vermutlich auch der Grund gewesen sein, warum der Film erst jetzt zu einer Veröffentlichung gekommen ist. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW wurde nämlich bereits vor über einem Jahr fertiggestellt und wartete seither vergebens auf einen regulären Release. Im Zuge des US-Serienstarts der Horror-TV-Reihe PENNY DREADFUL (die natürlich nichts mit der vorliegenden Anthologie am Hut hat) war es nur taktisch klug den Release voranzutreiben, schließlich lässt sich bei fast identisch klingender Titelkreation so manch nicht bewanderter Horrorfan hinters Licht führen.
 
PENNY DREADFUL (halb Frankensteins Monster, halb Puppe) lebt in ihrer eigenen Welt. Zusammen mit ihren Freunden Ned und Wolfboy haust sie in einem heruntergekommenen Kino und schaut sie bevorzugt grausige Filme auf der großen Leinwand an. Auf der Suche nach der wahren Liebe erster Kuss lädt sich die kitsch-liebende Frankensteinbraut zwei nette Burschen ins Heim und führt ihnen ihre Lieblingsfilme vor:
 
 
SLASH IN THE BOX
 
Ein Pärchen macht in knappen drei Minuten recht unangenehme Erfahrungen mit einer scheinbar harmlosen Spieluhr. Wir sehen schlechte CGI-Effekte, etwas Blut und eine Geschichte, die im Grunde genommen gar keine ist. Welche Botschaft NICK EVERHART (Regie für eine der Segmente in CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR) mit seiner dreiminütigen Episode an den Zuschauer bringen wollte, wird vermutlich nur er selbst wissen.
 
 
MORNING AFTER
 
Hier handelt es sich um eine Hommage an die berüchtigten Vampirfilme der 60er und 70er Jahre, die sich dank der legendären Hammer Studios auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen. In dieser Geschichte verfällt eine junge Dame den Reizen eines lesbischen Vampirs und wird gebissen. Die Handlung des von ELIZA SWENSON (eigentlich Schauspielerin und jetzt Regieneuling) inszenierten Beitrags läuft nach Schema F ab und besitzt nicht einmal annähernd den „Biss“, den eigentlich jene Streifen besitzen sollten, die sich mit der Vampir-Problematik auseinandersetzen.
 
 
THE SLAUGHTER HOUSE
 
Wurde von LEIGH SCOTT (Macher von viel Trash-Mist) inszeniert und verbeugt sich vor einem der wichtigsten Horrorfilme der 70er: TEXAS CHAINSAW MASSACRE. In dieser Episode wird einfach mal der Spieß umgedreht und drogengeile Stadtkids terrorisieren eine zurückgebliebene Hinterwäldlerfamilie. Die Kurzgeschichte hat gute Ansätze, einen schaurig-dreckigen Look und leider unglaublich miserable Gewalteffekte, die aus dem Computer kommen. Zudem will man irgendwie nicht verstehen, was JEFFREY COMBS dazu geritten haben muss, sich knapp dreißig Minuten aufzuführen als habe er einen an der Klatsche.
 
 
THE SCOUT
 
Die Gechichte wurde von NICK EVERHART gedreht, hat es leider nicht in den fertigen Film geschafft. Dennoch schwirrt die Episode aber seit geraumer Zeit im Netz umher und wurde auch auf den bisherigen Heimkinoveröffentlichungen als Bonus beigefügt. Das vollständige Segment kann hier gesehen werden.
 
 
Episoden-Horror ist seit dem Erfolg von THE ABC’S OF DEATH (2013) und natürlich der V/H/S-Teile gern gedrehter Stoff, um die Aufmerksamkeit der Horrorfans gewinnen zu können. Leider gibt’s da immer wieder sehr durchwachsenes Zeug zu sehen, das eher langweilt als unterhält. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW zählt hierbei leider zu den weniger gelungenen Streifen innerhalb des Horror-Genres, denn in diesem Fall lenkt die nette Verpackung mal wieder vom eher trögen Inhalt ab. Die titelgebende PENNY präsentiert hier in eigensinnig schwarzhumoriger Weise drei unwichtige Horrorepisoden, die sich in ihrer Machart an der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie orientieren. Der Horrorfan darf sich auf durchaus makabre Pointen freuen, die aber aufgrund geistloser Höhepunkte irgendwie rein gar nicht zünden wollen. Hier haben die Macher an der falschen Stelle gespart, denn was nützt eine Horror-Anthologie, wenn es den knappen Geschichten an Kreativität, Raffinesse und Spannung mangelt. In THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist die Gastgeberin der heimliche Star des Films, denn die hätte Potenzial gehabt in Serie zu geben. Dort wäre das schrullige Filmmonster vermutlich auch besser aufgehoben gewesen, entpuppt sich doch PENNYS Horroreinstand als zwanghaft zusammengekleistertes Horrorwerk, dem es eindeutig an Herzblut fehlt. Die Idee der PENNY DREADFUL mag auf Papier gestanden haben, konnte aber vermutlich allein nicht einen kompletten Spielfilm tragen. Drum wurden hastig drei uninspirierte Kurzgeschichten dazugekritzelt, damit man das holprige Machwerk als abendfüllenden Horrorfilm in den Handel bringen konnte. Immerhin gibt’s trotz schlechtem „Füllstoff“ auch einige Lichtblicke zu verzeichnen. Bei der Ausstattung des Filmsets hat sich das Regie-Trio um ELIZA SWENSON (die übrigens die PENNY spielt) beim Regie-Maestro TIM BURTON bedient. Der ist ja bekannt dafür optisch opulente Meisterwerke zu kreieren, die sich durch einen unverkennbaren Look auszeichnen. Ein ähnlich eigensinniges Bühnenbild besitzt auch die Rahmenhandlung in der PENNY DREADFUL PICTURE SHOW, das mit dezentem Gothic-Look glänzt und an Streifen aus der BURTON-Kreativschmiede erinnert. Weiterhin erfreut ein Wiedersehen mit SID HEIGH (HAUS DER 1000 LEICHEN) und Horror-Ikone JEFFREY COMB (WOULD YOU RATHER). Letzterer spielt hier die Rolle seines Lebens: Einen behinderten und stark kurzsichtigen Rollstuhlfahrer, der während der gesamten letzten Episode damit beschäftigt ist auf Krampf unrechnungsfähig zu sein und eine Puppe zu schütteln. Trotz einiger Starauftritte ist THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW nicht der Kracher, den man bei derart Cameos vermutlich erwartet hätte. Es ist bedauerlich, dass man hier nicht mehr Liebe zum Detail betrieben und sich etwas mehr Zeit für das Schreiben der einzelnen Kurzgeschichten genommen hat. Die gehören zum einfallslosestem, was das Genre zuletzt hervorgebracht hat und hinterlassen im Falle von THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW einen mehr als enttäuschenden Nachgeschmack. Vielleicht wird ja bei einer möglichen Fortsetzung alles anders und es steht mehr Kapital zur Verfügung. Denn fehlende Kohle ist hier mal wieder der Grund für mangelnde Qualität.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Und es hätte alles so schön werden können: THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW hat wirklich gute Ansätze und einen charmanten Titelcharakter. Leider sind die Episoden in dieser Anthologie trotz Staraufgebot sehr durchwachsen. Sieht man einmal von der sehr gelungenen Rahmenhandlung ab, zeichnen sich die einzelnen Geschichten durch Ideenlosigkeit und unverschämt miserable Gore-Effekte aus, die unverständlicherweise mal wieder aus dem Computer kommen müssen. Immerhin macht das Zählen der Zitate Laune. In letzter Zeit scheint es im Horrorfilm nämlich zum guten Ton zu gehören, sich vor den ganz Großen des Genres zu verbeugen. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW macht da keine Ausnahme, auch wenn der Streifen qualitativ Welten von jenen Filmen entfernt ist, die er zaghaft und unbeholfen zitiert. Auch wenn die drei Macher der Sammlung ganz viel Potenzial verschenkt haben; hier kommen Fans der kultigen GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe auf ihre Kosten. Episoden-Moderatorin PENNY DREADFUL ist zwar nicht einmal annähernd so bissig wie der zynische Cryptkeeper aus der TV-Serie, macht aber optisch einiges her und hat manch flotten Spruch auf den Lippen. So sollte man die Erwartungen vor Sichtung herunterschrauben. Denn wer hier einen Film in der Machart von V/H/S oder THE ABC’S OF DEATH erwartet wird ganz schnell enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Zensur

 
 
 
THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist nicht sonderlich hart. Die Effekte kommen aus dem Computer und wurden teilweise schon sehr schlecht und billig in Szene gesetzt. Es gibt einen Kopfschuss in Zeitlupe, Kehlenschnitte und Durchpfählungen zu sehen. Das wirkt aufgrund der miesen Umsetzung nicht sonderlich grausam, dürfte aber für eine ungeschnittene KJ-Freigabe reichen.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Scary or Die (2012)
 
The Theatre Bizarre (2011)
 
Chillerama (2011)
 
V/H/S (2012)
 
V/H/S 2 (2013)
 
Geschichten aus der Gruft (Serie)
 
Creepshow (1982)

Filmreview: „The Lords of Salem“ (2012)

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THE LORDS OF SALEM

Story

 
 
 
Heidi LaRoc ist Radiomoderatorin von Salems beliebter Musikshow Salem Rocks. Zusammen mit ihrem Hund Troy bewohnt sie ein Apartment in der kleinen Stadt und versucht ihr Leben nach ihrer Drogenabhängigkeit wieder auf die Reihe zu bekommen. Eines Tages erhält sie in der Radiostation eine mysteriöse hölzerne Kiste, speziell an sie adressiert, mit Absender von den „Lords“. In dieser Kiste enthalten ist eine alte Schallplatte welche eine seltsame Melodie spielt, von welcher es Heidi zunehmend schlechter ergeht. Als sie sich entscheidet die Platte in ihrer Radiosendung zu spielen, entfesselt sie damit Salems düstere Vergangenheit. Halluzinationen und die merkwürdigen Ereignisse im Nachbarapartment nehmen sie psychisch immer schwerer in ihre Gewalt. Versinkt Heide in Wahnsinn oder sind die Lords of Salem tatsächlich zurück, um blutige Rache zu nehmen?
 
 
 


 
 
 

THE LORDS OF SALEM – Kritik

 
 
 
Rob Zombie ist einer der schwerbeschäftigsten Männer unserer Zeit. Neben seiner Musikkarriere, die seit Anfang der 90er Jahre steil bergauf geht und zuletzt Zombies neustes Album VENOMOUS RAT REGENERATION VENDOR (seit dem 19. April 2013 im Handel) hervorbrachte, ist er auch ein sehr erfolgreicher Regisseur mit einer treuen Fanbase geworden. Sein neuester Streifen THE LORDS OF SALEM läuft momentan mit einem limitierten Kinostart in den USA und ist seit Ende April in England auf DVD erhältlich. Zusätzlich veröffentlichte Rob Zombie zusammen mit B.K. Evenson eine Romanadaption von THE LORDS OF SALEM, welche auf Zombies originalem Drehbuchentwurf basiert und weitaus umfangreicher als der Film sein soll. Diese soll in deutscher Übersetzung am 9. Dezember 2013 hierzulande erscheinen. Allerdings steht eine hiesige Veröffentlichung des Filmes selbst noch aus.
 
 
 

„On a rare occasion, a special child appears.“


 
 
 
THE LORDS OF SALEM ist das erste Werk seit THE DEVIL’S REJECTS, in welchem Rob Zombie wieder eine komplett eigene Geschichte umsetzt. Verbrachte er die letzten vier Jahre in den Klauen der Weinstein Brüder, um dem HALLOWEEN-Franchise eine Frischzellenkur zu verpassen, welche in der Öffentlichkeit sowohl großen Zuspruch fand als auch Missmut unter den Fans der alten Filme um Michael Myers auslöste. Die Story von THE LORDS OF SALEM ist recht simpel und ganz nach Zombies Geschmack an die 70er Jahre angelehnt. Einer Zeit in der manche Rock-Alben Rückwärtsbotschaften enthielten und der Jugend auch sonstige satanische Gedanken einflößen sollten, wenn man den meisten christlichen Verbänden von damals Glauben schenken mag.
 
 
 

„Don’t you wanna ride it? Educated Horses“


 
 
 
Die Idee zum THE LORDS OF SALEM kam Rob Zombie schon vor vielen Jahren, als er zu Gast auf einer Hochzeit in Salem, Massachusetts war und ihn das Geschehen dort ziemlich langweilte. Aufgewachsen in Massachusetts erinnerte er sich an die geschichtlichen Hintergründe der kleinen Stadt. Genauer gesagt, an die Hexenprozesse von Salem (1692), in Folge derer 20 unschuldige Menschen der Hexerei bezichtigt und hingerichtet wurden. Doch was wäre, wenn nicht alle unschuldig waren? Was wäre, wenn einige der hingerichteten Menschen tatsächliche Hexen waren und diese einen Fluch auf das Städtchen Salem legten? Zombie begann mit dem Drehbuch welches er aber zu diesem Zeitpunkt nicht umsetzten konnte, da kein Studio sonderlich großes Interesse zeigte. Also wurden aus dem Drehbuch zunächst zwei Songs. „American Witch“ und „The Lords of Salem“ welche beide auf Rob Zombies 2006 erschienenen Album EDUCATED HORSES zu finden sind, sich aber mehr auf die eigentlichen Ereignisse von 1692 beziehen. Jahre später kamen die Produzenten von INSIDIOUS und PARANORMAL ACTIVITY auf Rob Zombie zu und fragten nach dem Anliegen, ob er nicht einen übernatürlichen Low-Budget Film für deren Studio schreiben und drehen wollte. Zombie willigte ein und bekam sogar vertraglich das Recht auf den Final Cut zugesichert.
Für seine Geschichte wandelte er die eigentlichen Ereignisse von 1692 etwas ab und orientiert sich eher an die Methoden europäischer Hexenprozesse, in welchen als Hexen und Hexer Beschuldigte verbrannt wurden oder auch in die „Eiserne Jungfrau“ mussten. Bei den Hexenprozessen von Salem griff man lediglich darauf zurück die Angeklagten zu hängen.
 
 
 
 
„Ich wollte einfach nur einen atmosphärischen Film machen. Oft scheint dabei der Plot sekundär zu sein. Die Filme die ich mag, eine Menge davon sind europäische, haben diesen besonderen Vibe. Wenn ich mir einige Werke von Dario Argento oder Lucio Fulci ansehe sage ich irgendwann zu mir selbst: „Moment mal, ich habe keine Ahnung was gerade los ist!“ Aber man ist gefangen in dieser Atmosphäre und dem Gefühl welche diese Filme einem vermitteln. Und genau das wollte ich für meinen Film. Eine sehr traumartige Atmosphäre. Auch wenn der Film eine Story hat der man folgt ging es mir in aller erster Linie darum dem Zuschauer das Gefühl eines surrealen Alptraums zu vermitteln.“

( ROB ZOMBIE IM INTERVIEW MIT JOBLOMOVIE NETWORK )


 
 
 
Mit THE LORDS OF SALEM beschreitet Rob Zombie völlig neue Wege und liefert einen der unkonventionellsten Horrorfilme der letzten Jahre ab. Vor allem kommt es Zombie auf die Atmosphäre und die Wirkung des Filmes an und das seine Charaktere im Vordergrund stehen. Dabei wirkt THE LORDS OF SALEM eher wie ein sehr düsteres und extremes Drama, was auch die Intention des Regisseurs war, der sein Werk nicht wie einen typischen Horrorfilm des Jahres 2013 drehen und aussehen lassen wollte und sich eher am Stil von Roman Polanski, Stanley Kubrick oder Ken Russell orientierte. Im Gegensatz zu seinen vorangegangenen Streifen, wie zum Beispiel THE DEVIL’S REJECTS oder HALLLOWEEN II gibt es in THE LORDS OF SALEM keine Hand-held Kamera Einlagen oder unruhige Szenen, wo Zombie die Kamera auch mal für kurze Momente unscharf werden ließ, um den Filmen einen raueren und spontaneren Touch zu geben. In THE LORDS OF SALEM ist die Kameraführung sehr ruhig. Alles ist klar strukturiert, komponiert und wirkt durch das Cinemascope 2,35:1 Format gigantisch. Und tatsächlich: THE LORDS OF SALEM hat die leichte Atmosphäre von ROSEMARIES BABY, mit der bildgewaltigen Ruhe eines Stanley Kubrick Filmes und den obskuren Ausbrüchen eines Ken Russell Streifens, wie zum Beispiel DIE TEUFEL. Dabei kopiert Zombie aber nicht einfach Motive aus diesen Klassikern, sondern bleibt gleichzeitig seiner alten Linie treu und schafft seine eigenen alptraumhaften Bilder. Man spürt deutlich, dass man einen Rob Zombie Film sieht. Gerade das psychedelische Ende von THE LORDS OF SALEM erinnert leicht an den Showdown von HAUS DER 1000 LEICHEN und macht den Eindruck eines 70er-Jahre-artigen halluzinogenen Musikvideos.
 
 
 
 
„Ich denke das Horror-Genre hat sich in eine Richtung hin entwickelt die nach dem Plan verläuft: ‚Gib mit dein iPhone und wir drehen den Film‘. […] Ich wollte das genaue Gegenteil von dem machen. Ich wollte dem Film den Look einer großen Produktion verpassen wo Cinematografie und all diese Dinge noch Wert haben.“

( ROB ZOMBIE IM INTERVIEW MIT DEM WALL STREET JOURNAL )


 
 
 
Nicht nur was den Look des Films und das echte Feeling eines 70er Jahre Okkult-Horrors anbelangt, so setzt Zombie auch in Sachen Schocks auf die altmodische Art und Weise den Zuschauer durch Bilder, Atmosphäre und unheimlichen Sounddesings innerlich zusammenfahren zu lassen, statt, wie man es heute viel zu oft sieht, einfach nur ein lautes Geräusch unter einen billigen Jumpscare zu legen. Oftmals passieren Dinge nur sehr langsam, leise oder sehen so bizarr aus, dass einem für einen kurzen Moment das Herz stehen bleibt. Zum Vergleich kann man THE LORDS OF SALEM in einem Atemzug mit Filmen wie DER EXORZIST, AMITYVILLE HORROR, DAS GRAUEN, SHINING oder SUSPIRIA nennen, welche ebenfalls auf ruhige unheimliche Schockmomente und unheimliche Bilder setzten.
 
 
 

„We’ve been waiting, Heidi… We’ve always been waiting.“


 
 
 
Die Riege an Schauspielern, die sich Rob Zombie für seinen neusten Streich ausgesucht hat, ist ebenfalls beachtlicht und dürfte für Fans des Horror-Genres einige Schauwerte bereithalten. So spielen Judy Geeson (DER ADLER IST GELANDET), Patricia Quinn (THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW) und Dee Wallace (THE HOWLING, CUJO, CRITTERS) die drei Schwestern, die im unteren Teil des Apartments wohnen. Ken Foree (DAWN OF THE DEAD, THE DEVIL’S REJECTS) und Maria Conchita Alonso (RUNNING MAN, PREDATOR 2) spielen in Nebenrollen und sogar Sid Haig (THE DEVIL’S REJECTS) und Michael Berryman (HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN) dürfen mal ganz kurz vorbeischauen. Doch zwei Leute sind die absoluten Showstealer in THE LORDS OF SALEM. Diese sind zum einen Rob Zombies Ehefrau Sheri Moon Zombie, welche hier die Hauptrolle der Figur Heidi übernimmt und bereits in allen vorangegangenen Filmen von Rob Zombie mitspielte. In THE LORDS OF SALEM spielt sie so gut wie noch nie und verleiht der anspruchsvollen Rolle Tiefe und Sympathie. Für ihr schauspielerisches Können spricht vor allem die Tatsache, dass der Zuschauer auch dann noch mit ihrer Figur mitfiebert, wenn diese zum Ende hin kaum noch Text hat und Sheri Moon Zombie nur noch über Mimik und Körpersprache, die Gefühle ihrer Rolle transportiert. Außerdem haben wir Meg Foster, die man aus Kultklassikern wie DER SMARAGDWALD (1985), MASTERS OF THE UNIVERSE oder SIE LEBEN! kennen dürfte. Foster spielt in THE LORDS OF SALEM die Anführerin des Hexenzirkels Margaret Morgan und nimmt diese Rolle voll und ganz ein. Man findet nichts Gütiges in dieser Figur. Die Bewegungen, ihre Aura, ihre Stimme und ihr Lachen wirken von Grund auf böse. Am Hexenzirkel wird darüber hinaus wieder Zombies Begeisterung für Charles Manson deutlich. Für seinen Film stellte er sich die Hexen wie ausgeflippte Manson-Hippies, bzw. Manson-Girls vor. Ein für Rob Zombies typisches Erkennungsmerkmal ist dabei ein Symbol auf der Stirn. Man erinnert sich an die Anhänger von Charles Manson, die sich damals während der Gerichtsverhandlung ein X in ihre Stirn ritzten. Dies schlug sich sowohl in Zombies Musik nieder (dem White Zombie Song „Real Solution #9“, als auch dem Cover von HELLBILLY DELUXE im Jahre 1998), sondern auch in seinen Filmen wie HAUS DER 1000 LEICHEN, HALLOWEEN II, oder nun eben auch THE LORDS OF SALEM, wo die Hexen das Zeichen ihres Zirkels ebenfalls auf der Stirn tragen.
 
 
 
 
„Ich würde eine Akustikgitarre nehmen und einen Violinenbogen benutzen um sie so zu stimmen das sie klingt wie eine Violine oder eine Viola. Ich benutzte viele recht unorthodoxe Methoden um den Soundtrack besonders und cool klingen zu lassen.“

( JOHN 5 IM INTERVIEW MIT NOISECREEP )


 
 
 
Für den Soundtrack zu THE LORDS OF SALEM holte sich Rob Zombie John 5, den Gitarristen seiner eigenen Band an Board, welcher damit ebenfalls Neuland betrat. Einen kompletten Film musikalisch einzuspielen war für ihn eine Herausforderung, bei der er jedoch sein Bestes gab. Neben einigen recht emotionalen Stücken finden sich auf dem Soundtrack auch recht hypnotisierende und sehr atmosphärische düstere Stücke wie zum Beispiel der Track „The Curse of Margaret Morgan“ oder allen voran das Stück „The Lords Theme“, welches einen hohen Wiedererkennungswert hat und sehr oft im Film zu hören ist. Ebenfalls auf dem Soundtrack vorzufinden sind wieder jede Menge alter Rock Songs, wie „Blinded by the Light“ von Manfred Mann’s Earth Band, „The Spirit of the Radio“ von Rush oder „All Tomorrow’s Parties“ von The Velvet Underground. Letzterem schrieb Rob Zombie eine besondere Bedeutung für den Film zu. So habe er zum Beispiel von Anfang an gewusst, dass dieser Song perfekt für THE LORDS OF SALEM sei. Ähnlich ging es Zombie bei der Auswahl des Songs „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd für THE DEVIL’S REJECTS oder „Nights in White Satin“ von The Moody Blues für HALLOWEEN II.
 
 
THE LORDS OF SALEM ist ein Film, der sehr einfach zu hassen ist. Gerade in unserer heutigen Zeit, wo sich die Sehgewohnheiten des Publikums sehr stark verändert haben, wird der Film mit seiner sehr altmodischen Erzählweise und seinem eigenwilligen Stil das Publikum spalten. Für Freunde des makaberen und düsteren Kinos wird THE LORDS OF SALEM jedoch ein Fest werden. Rob Zombie huldigt mit seinem neusten Werk sowohl Regielegenden wie Roman Polanski oder Ken Russell, als auch den 70er Jahre Okkult-Horror Film. THE LORDS OF SALEM ist atmosphärisch und spannend erzählt und einer der individuellsten und interessantesten (Horror-)Filme der letzten Jahre!
 
 
 


 
 
 

THE LORDS OF SALEM – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
THE LORDS OF SALEM ist ein bizarrer satanischer Fiebertraum wie ihn sich nur Rob Zombie erdenken konnte. Der Film kommt dabei weitestgehend ohne Splattereinlagen aus und versucht den Zuschauer durch seine starke Optik und düstere Atmosphäre in seinen Bann zu ziehen.
 
 
 


 
 
 

THE LORDS OF SALEM – Zensur

 
 
 
Der neue ROB ZOMBIE kommt erstaunlich züchtig daher, so dass THE LORDS OF SALEM hierzulande ungeschnitten mit FSK16 erscheinen in den Handel gekommen ist.
 
 
 


 
 
 

THE LORDS OF SALEM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Lords of Salem; USA/Kanada 2012

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p), 24Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailershow

 
 
 
Nachdem THE LORDS OF SALEM auf dem 2013er Fantasy Filmfest gelaufen ist, bringt Label UNIVERSAL nun auch die Blu-ray und die DVD in den Handel, wobei die Veröffentlichung für Fans vermutlich ein zweischneidiges Schwer darstellen dürfte. Der Bildtransfer ist als unglaublich hochwertig zu betiteln. Trotz teils extremen Filmkorns gibt es eine wunderbare Schärfe zu bestaunen. Das Bild kommt in (für Werke Zombies typischen) drüber und dreckiger Optik daher; erdige Farbtöne dominieren das Filmgeschehen. Der Schwarzwert ist hervorragend gewählt und verschluckt keine Details. Auch tonal ist der Streifen über jeden Zweifel erhaben, wobei der Soundtrack stets kraftvoll aus den Boxen wummert. Kein Wunder, haben wir doch mit Regisseur und Musiker ROB ZOMBIE einen erfahren Fachmann auf dem Gebiet der musikalischen Untermalung am Start. Der Surroundklang wurde perfekt abgemischt und kleine dezent platzierte Schockeffekte lassen hin und wieder den Subwoofer arbeiten. Die Ortung der Effekte ist gelungen und die Dialoge klar verständlich aus den vorderen Boxen zu verstehen. Bei der deutschen Übersetzung hat sich UNIVERSAL mächtig ins Zeug gelegt. Trotz der direkten Veröffentlichung auf dem hiesigen Heimkinomarkt hat der Rechteinhaber keine Kosten und Mühen gescheut und dem Streifen eine adäquate Synchronisation spendiert, so dass sich Zombie-Fans getrost zurücklehnen und genießen können. Leider hat auch dieses Release einen Wermutstropfen. Extras haben es nicht auf die Scheibe geschafft. Aus dem, für UNIVERSAL untypisch animierten Hauptmenü lassen sich keine Zusatzinformationen auswählen. Außer eine Trailershow wird dem Horrorfan nichts an Bonus serviert, was aufgrund der Aktualität des Streifens und der Beliebtheit des Regisseurs etwas unverständlich anmutet. Nicht einmal ein Audiokommentar oder ein kurzes Feature haben es auf die Blu-ray geschafft. Das ist schon etwas enttäuschend. Immerhin kann sich der Sammler über ein Wendecover freuen. Wer den Filmemacher mag wird ohnehin zugreifen. Allen anderen sei geraten abzuwarten, bis die Scheibe im Preis fällt.
 
 
 

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THE LORDS OF SALEM – Trailer

 
 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Rosemaries Baby (1968)

Die Teufel (1971)

Der Exorzist III (1990)

Filmreview: „Mimesis“ (2011)

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Mimesis

Story

 
 
 
Auf einer Horror-Convention treffen die beiden Film-Nerds Russell (TAYLOR PIEDMONTE) und Duane (ALLEN MALDONADO) auf die geheimnisvolle Judith (LAUREN MAE SHAFER), die die beiden kurzum zu einer geheimen Aftershow-Party fernab der Großstadt lädt. Kaum dort angekommen fließt der Alkohol reichlich. Die Anwesenden geben sich derart trinkfreudig, dass sie nicht bemerken, dass irgendjemand die Getränke mit Drogen angereichert haben muss, sodass die Gäste wenig später bewusstlos werden und am nächsten Morgen seltsam uniformiert aus dem Tiefschlaf erwachen. Schnell stellen sie fest, dass sie scheinbar die Rollen aus dem berüchtigten Zombiefilms NIGHT OF THE LIVING DEAD angenommen haben und sich nun gegen eine Horde blutgieriger Zombies zur Wehr setzen müssen …
 
 
 


 
 
 

Mimesis – Kritik

 
 
 
Wenn im Vorspann eines Horrorfilms, das Logo des in Genre-Kreisen geschätzten Publishers ANCHOR BAY eingeblendet wird, dann wissen Freunde der etwas härteren Filmgattung, dass es sich bei den nun folgenden Beitrag zwangsläufig um ein Filmchen handeln muss, dass sich positiv von der breiten Masse an gängiger Filmkost abheben muss. Der weltweite Genre-Experte ANCHOR BAY, bekannt geworden durch Glanz-Veröffentlichungen bekannter Horrorwerke und Serien auf DVD/Blu-ray, mischt seit geraumer Zeit jedoch auch den internationalen Kino- und Filmmarkt gehörig auf und spendiert unter dem Banner ANCHOR BAY FILM vor allem vielversprechenden, unabhängigen Werken einen erfolgsversprechenden Kino-Release.
 
Auch der Indie-Horrorfilm MIMESIS ist einer jener Kandidaten, der Dank des amerikanischen Filmverleihers in die Gunst eines US-Kinorelease kommen konnte und beweist, dass man auch mit wenig Budget einen ziemlich erfrischenden Grusel-Beitrag zaubern kann, insofern man sich die Arbeit macht und versucht, allseits bekannte Gruselzutaten mit allerhand innovativen Ideen zu würzen. Gerade einmal 500 000 US-Dollar soll das Ding gekostet haben; ein erschreckend geringes Budget, wenn man bedenkt, dass manch herzlose Mainstream-Produktion bei weitem mehr gekostet hat und nicht einmal annähernd die Raffinesse und Frische eines MIMESIS erreicht. Zwar hat MIMESIS erstaunlich wenig gekostet, dem Film sieht man die minimalen Produktionskosten jedoch zu keiner Minute an. Der Film schaut hochwertig und ambitioniert aus, äußert sich spannend und ist durchweg unterhaltsam. Zwar ist die Handlung nicht von Stereotypen und Klischees befreit, die wenigen Protagonisten und deren Interaktionen wirken jedoch nur selten nervend und aufdringlich.
 
DOUGLAS SCHULZE´s Zombie-Flick-Flack ist derbes Horrorkino der Spitzenklasse. Ein Film, den man gesehen hat und der aufgrund seiner Andersartigkeit in Erinnerung haften bleiben dürfte. Hier werden verschiedene Sub-Genres intelligent miteinander verknüpft, sodass sich MIMESIS mit alle seinen Wendungen und Twists wohlwollend von der breiten Masse an dummer Horrorkost abzuheben versteht. SCHULZE versteht es virtuos mit der Erwartungshaltung des Zuschauers zu jonglieren. Anfänglich lässt sich die Szenen-Abfolge noch erahnen. Spätestens ab Filmmitte ist jedoch nichts mehr so wie es scheint. Was sich zu Beginn noch wie eine schlechte Kopie des legendären NIGHT OF THE LIVING DEAD äußert, verwandelt sich im Verlauf der Geschichte zu einer ziemlich beachtlichen Killer-Hatz, die mit allerhand gemeinen Krösel-Effekten aufwartet, sodass hier auch das Splatter-Herz vollends zufriedengestellt wird. Es wäre vermutlich jedem Zuschauer unfair zugegen, mehr Details über die erstaunlich clevere Handlung zu offenbaren, zumal MIMESIS (im übrigen zu Deutsch: „Nachahmung“) gerade aufgrund der interessanten Wendung zu gefallen weiß. SCHULZE, scheinbar darauf spezialisiert an günstiger Horrorkost zu werkeln, schafft es trotz finanziellen Barrieren einen erstaunlich temporeichen Horrorfilm zu kreieren, der in seiner Gesamtheit so stimmig funktioniert, dass man als Zuschauer regelrecht erstaunt ist, wie kurzweilig der Gruseltrip doch funktioniert und wie abrupt der Abspann über den Fernsehbildschirm flimmert. Die bedrohliche und durchaus düstere Atmosphäre unterstreicht den bitterbösen Unterton des Filmes und bietet den optimalen Vergleich, wie man sich als Filmfreund gern die erste RESIDENT EVIL Real-Verfilmung gewünscht hätte. Besonderes Augenmerk gilt den stilistischen Mitteln, die SCHULZE hin und wieder erstaunlich selbstsicher in die Geschichte streut. Diese wirken zwar durchaus gewöhnungsbedürftig, fügen sich aber hervorragend in die Handlung ein. Hierbei sei die kurzerhand beschleunigte und abrupt verlangsamte Bildabfolge genannt, die ihren eigenen, gänzlich unverbrauchten Charme versprüht und den Film aufzuwerten versteht. Zudem glänzt das alptraumhafte Rollenspiel mit einigen skurril platzierten Kameraschwenks- und fahrten, die hin und wieder einen comiclastigen Unterton vermitteln und die vermeintlich ernste Thematik aufzulockern versuchen.
 
Der Kultfilm NIGHT OF THE LIVING DEAD ist vermutlich eines jener einflussreichen Werke der Filmgeschichte, das es auch 45 Jahre nach seiner Entstehung schafft, für viele Nachwuchsregisseure als Inspirationsgrundlage zu dienen. Auch Regisseur DOUGLAS SCHULZE konnte es sich mit seinem MIMESIS nicht verkneifen, jenen Klassiker mit diversen Zitaten zu huldigen und sich vor Großmeister GEORGE A. ROMERO ehrfürchtig zu verbeugen. Zwar wirkt MEMISIS anfänglich wie eine etwas seltsam anmutende Neuverfilmung des ROMERO´schen Klassiker; MEMESIS geht aber ab Filmmitte gänzlich eigene Wege und entlädt sich in einem überraschenden Storytwist, der mit einigen wirklich bösen Gemeinheiten zu fesseln vermag. Auch wenn beide Film eigentlich am Ende vollkommen unterschiedlich scheinen, etwas haben sie gemeinsam: beide Filme versuchen sozialkritisch zu sein. Während ROMERO in seinem Frühwerk seine Unzufriedenheit über die Diskriminierung der Schwarzen in den Südstaaten kundtut, ist es SCHULZE, der einmal mehr Kritik an der Gesellschaft ausübt und einmal mehr versucht zu klären, dass das aggressive Verhalten von gewalttätigen Menschen nicht durch den Konsum von Horrorfilmen und Ballerspielen zu rechtfertigen ist!
 
 
 


 
 
 

Mimesis – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Clever, böse und erfrischend anders – MIMESIS ist ein absoluter Horror-Geheimtipp für Fans des düsteren Genres. Teil 2 ist übrigens in Arbeit!
 
 
 


 
 
 

Mimesis – Zensur

 
 
 
Zwar gibt es hier keine Hardcore-Ekelszenen zu bewundern, der Blutzoll ist dennoch erstaunlich ausreichend (und handmade!), so dass der Film in Deutschland in seiner ungeschnittenen Form eine „Keine Jugendfreigabe„-Kennzeichung erhalten hat!
 
 
 


 
 
 

MIMESIS – Deutsche Heimkinoveröffentlichung

 
 
 
mimesis-bluray

(c) MIG Filmgroup / EuroVideo

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mimesis; USA 2011

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1, (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Audiokommentar

Release-Termin: 07.11.2013

 

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Weitere Heimkinoveröffentlichungen

 
 
 
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(c) SchröderMedia Handels GmbH

 
 
 
Neben der herkömmlichen Blu-ray erschien der Film auch als Teil eines umfangreichen Splatter-Pakets mit sechs Filmen auf DVD. Auf diesem Heimkinomedium, das als BLOODY SPLATTER 6 MOVIE PACK in den Handel gebracht wurde, ist der Streifen ebenso ungeschnitten enthalten, wie auf der bereits erhältlichen Einzel-Blu-ray.
 

Bloody Splatter Collection [ 6 Filme in einer Box ] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
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(c) True Grit Pictures / daredo (Soulfood)

 
 
 
Nachdem der Streifen als MIMESIS: NIGHT OF THE LIVING DEAD auf den Heimkinomarkt gebracht wurde, folgte eine weitere Veröffentlichung unter anderem Namen. Diese schimpft sich ZOMBIE DEAD GROUND und beinhaltet zudem die gleichen Extras wie die Erstauflage unter dem Originaltitel. Lediglich das Cover wurde verändert.
 

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(c) Cosmopolitan Pictures / Alive AG

 
 
 
Als ob die bisherigen Auswertungen des Streifens nicht bereits ausreichen würden, erhielt der Indie-Horror eine weitere Veröffentlichung. Als Teil der DEAD INVASION ULTIMATE COLLECTION wurde MIMESIS mit drei anderen Zombiefilmen in eine Box gesteckt. Die Box ist sowohl als DVD wie BD-Variante im Handel zu haben.
 

Dead Invasion – Ultimate Collection [2 DVDs]

 
 
 
zombie-madness-collection-dvd

(c) Savoy Film / Schröder media

 
 
 
Und noch eine Veröffentlichung: Diesmal als Resteverwertung in der ZOMBIE MADNESS COLLECTION. In dieser DVD-Zusammenstellung ist der Streifen unter seiner Titelneukreation ZOMBIE DEAD GROUND in einer Box mit fünf thematisch ähnlichen Horrorfilmen zu finden. Selbstverständlich ist er hier ebenso ungeschnitten, wie alle anderen Veröffentlichungen des dennoch sehenswerten Horrorfilms.
 

Zombie Madness Collection [2 DVDs]

 
 
 


 
 
 

Mimesis – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Night of the Living Dead (1968)

Die Rückkehr der Untoten (1990)

Scream – Schrei!(1996)