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Filmkritik: „Night of the Virgin“ (2016)

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NIGHT OF THE VIRGIN

(LA NOCHE DEL VIRGEN)

Story

 
 
 
Ein Film dessen Handlung auch ein pubertierender Teenager mit Dauererektion zu Papier hätte bringen können. Darin gerät eine männliche Jungfrau in die Fänge einer älteren Dame, die den jungen Mann nicht seiner Unschuld berauben will, sondern … ach, Ihr werdet schon sehen.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Kritik

 
 
 
Die Spanier trauen sich was. Nach umjubelten Gruselfilmen und hektischen Zombie-Krachern wird diesmal die Ekelkeule geschwungen. Das hat man nicht kommen sehen, zeichnet sich doch das spanische Genrekino dadurch aus, stets einen gewissen Anspruch zu bewahren, um auch Feingeister ansprechen zu können. Mit folgendem Streifen werden Erwartungen gebrochen. Die Horrorkomödie NIGHT OF THE VIRGIN ist nämlich aus einem anderen Holz geschnitzt und dürfte damit jedem Fan spanischen Horrorkinos vor den Kopf stoßen. Adé die Zeiten subtilen Grauens – dieser Film setzt auf niedere Instinkte und war bisher damit erfolgreich. Die groteske Horror-Produktion aus Spanien räumte auf Festivals Preise ab und ließ selbst Regisseur ELI ROTH erstaunen. Der urteilte streng und attestierte Mut. In Interviews erklärte der amerikanische Filmemacher, dass der Regisseur hinter NIGHT OF THE VIRGIN weitaus mehr zeigt, als sich Roth selbst trauen würde. Gemeint hat er damit ROBERTO SAN SEBASTIÁN. Der hat mit seinem blutigen Kammerspiel den ersten Spielfilm gedreht und damit auch gleich ins Schwarze getroffen. Bevor jedoch Jubelstimmung aufkommt sei gesagt: NIGHT OF THE VIRGIN ist blutig – keine Frage. Trotzdem ist das Machwerk weit weg von gut. Da hat Spanien schon bessere Tage gehabt.
 
 
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Was predigt Mutti bereits den ganzen Kleinen: Geht nicht mit fremden Leuten mit. Der 20-jährige Nico (JAVIER BÓDALO aus THE DEVIL’S BACKBONE) ist im besten Alter. Während Gleichaltrige Erfahrungen sammeln und junge Frauen daten, ist der unbeholfene Spanier immer noch Jungfrau. Doch das soll sich jetzt ändern. In der Silvesternacht beschließt der junge Mann seine Unschuld zu verlieren, nimmt all seinen Mut zusammen und tanzt auf einer Party attraktive Damen an. Die fühlen sich aber von den Annäherungsversuchen des eher schmächtigen Nicos belästigt und suchen das Weite. Für den Helden unserer kleinen Geschichte eine herbe Enttäuschung. Der steht nämlich unter Druck, weil er seinen Freunden Beweise für den Verlust seiner Unschuld liefern will. Da macht er Bekanntschaft mit der reifen Medea (MIRIAM MARTÍN). Die ist zwar deutlich älter als das Objekt ihrer Begierde, nimmt den unerfahrenen Nico aber mit zu sich nach Hause. Dort ist es zwar nicht sonderlich rein und Statuen einer nackten Gottheit erwecken alles andere als Vertrauen. Dennoch begibt sich die männliche Jungfrau in die Hände der erfahrenen Gastgeberin und erlebt dabei die Hölle auf Erden. Was folgt ist ein ekliger Albtraum aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim in dem sich der Held dieser kleinen Geschichte suhlen wird. Mehr über die absurde Handlung zu verraten, wäre gemein.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN als neuen Kultstreifen zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Der Film ist nämlich weder Fisch noch Fleisch und hat ein großes Problem mit dem Tempo. Viel Sitzfleisch wird vorausgesetzt, denn in den knapp zwei Stunden Laufzeit passiert nicht sonderlich viel. Das ist dahingehend enttäuschend, weil NIGHT OF THE VIRGIN im Vorfeld für Furore gesorgt hat. So fand die Horrorkomödie vor allem wegen Ekelmomente auf einschlägigen Filmfestivals Anklang. Dort wurden sogar – ähnlich wie bei Kinovorstellungen des Horrordramas RAW – Kotztüten im Publikum verteilt wurden, um die Vorfreude Ekel-erprobter Zuschauer steigern zu können. Leider ist NIGHT OF THE VIRGIN einer jener Filme, der wohl nur im Kino unter grölenden Gleichgesinnten Freude bereiten wird. Vor der heimischen Glotze verliert der Streifen einen Großteil seines Spaßcharakters und wird stattdessen zum Geduldsspiel. Regisseur ROBERTO SAN SEBASTIÁN nimmt sich zu viel Zeit mit dem Erzählen seiner skurrilen Geschichte. Das dürfte die meisten Horrorfans abschrecken. Die bekommen zwar hin und wieder provokante Szenen mit Körperflüssigkeiten zu sehen, müssen sich aber anschließend durch unwichtige Dialoge kämpfen bis sich der Streifen nach einer gefühlten Ewigkeit in weiteren Geschmacklosigkeiten suhlt. Da werden die Augen schnell schwer, zumal kein Spannungsbogen vorhanden ist und sich auch nicht erschließen will, welcher Sinn sich hinter NIGHT OF THE VIRGIN eigentlich verbergen soll. Filmemacher ROBERTO SAN SEBASTIÁN hat mit seinem ersten Spielfilm einen provokanten und absonderlichen Tabubrecher inszeniert, der durchaus seine Zuschauer finden wird. Letztere benötigen hier nicht nur einen gesunden Magen. Auch der vulgäre Humor ist nicht jedermanns Sache und dürfte den meisten Zuschauer mit seiner beinahe pubertären Primitivität vor den Kopf stoßen. Angesichts mancher Szenen im Film nicht verwunderlich. So wird von Menstruationsblut gekostet oder auf Babyfotos ejakuliert. Nun ja, wer sich bei so Ekelquatsch wie THE GREASY STRANGLER oder KUSO kringelig gelacht hat, wird vermutlich auch NIGHT OF THE VIRGIN als hohe Filmkunst bezeichnen. Wir zumindest haben uns bei NIGHT OF THE VIRGIN über weite Strecken einfach nur gelangweilt.
 
 
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NIGHT OF THE VIRGIN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Da hat sich wohl jemand von den tabufreien Anfangswerken des PETER JACKSON und den Anarcho-Exzessen des Spaniers ÀLEX DE LA IGLESIA inspirieren lassen. NIGHT OF THE VIRGIN ist ein Highlight des schlechten Geschmacks und versucht sämtliche Tabus zu brechen. Der Zuschauer bekommt hier zu sehen, was sich so alles aus Körperflüssigkeiten und Lebenssaft machen lässt. Das Resultat ist ein polarisierender Rausch aus Erbrochenem, Urin, Ejakulation, Blut und sonstigem Körperschleim. Trotz tabubrechenden Absichten klingt das alles zu schön um wahr zu sein. LA NOCHE DEL VIRGIN – so wie der spanische NIGHT OF THE VIRGIN im Original heißt – ist leider kein Hit. Der ambitionierte Filmexport hat unter seinem schleppenden Erzählstil zu leiden und wiederholt zu oft die gleichen Handlungsverläufe. Das dürfte die meisten Zuschauer zum frühzeitigen Abschalten bewegen. Weil viele der Ekelmomente erst ab Filmmitte zelebriert werden, könnte es gut sein, dass viele Horrorfans einen Großteil der unappetitlichen Szenen erst gar nicht zu sehen bekommen. Manchmal ist es eben besser, wenn man Filme mit Trompeten und Paukenschlägen einführt, um die Aufmerksamkeit des Publikums für sich beanspruchen zu können. Neuling ROBERTO SAN SEBASTIÁN geht es anders an. Der bombardiert den Zuschauer erst einmal mit unwichtigen Dialogen, bevor überhaupt erst einmal der Titelschriftzug auf der Mattscheibe angezeigt wird. So ähnlich geht es dann auch weiter. Eklige Szenen, die provozieren wollen sind eben nicht alles. In inflationären Horrorzeiten, wie der heutigen muss man sich schon mehr ausdenken, um das Interesse von Genrefans gewinnen zu können.
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Zensur

 
 
 
NIGHT OF THE VIRGIN wurde von der FSK erst für ein volljähriges Publikum freigegeben. Angesichts der nicht jugendfreien Szenen im Film berechtigt. Auf dem Cover der Heimkinofassung klebt das rote FSK-Zeichen: keine Jugendfreigabe. Hierzulande wurde die Horrorkomödie ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (Mediabook mit Blu-ray & DVD auf 5000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: La noche del virgen; Spanien 2016

Genre: Komödie, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 118 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnitten Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook auf 3666 Stück limitiert

Extras: Absurd Stuff, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Poster, Kotztüte und umfangreiches Booklet. Außerdem ist im Mediabook eine Bonus DVD enthalten. Darauf befindet sich: Making-of, B-Roll, Lost Footage, Kurzfilm „YAYOS“ + einiges mehr!

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 17.11.2017

 

Night of the Virgin – Mediabook [DVD + Blu-ray + Bonus DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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NIGHT OF THE VIRGIN – Mediabook

 
 
 
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Anbieter PIERROT LE FOU veröffentlicht NIGHT OF THE VIRGIN zeitgleich zur herkömmlichen Veröffentlichung im KeepCase auch in einem limitierten Mediabook. Dieses ist auf 3666 Stück limitiert und beinhaltet zusätzlich einen Buchteil sowie ein Poster zum Film und eine Kotztüte als exklusiven Gimmick. Ebenso ist NIGHT OF THE VIRGIN im Buch als DVD und Blu-ray enthalten. Der Inhalt der beiden Scheiben ist identisch mit dem Inhalt der Einzelveröffentlichung. Zusätzlich im Mediabook ist aber noch eine Bonus-DVD enthalten. Diese beinhaltet noch weiteres filmbezogenes Bonusmaterial.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE VIRGIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of Something Strange (2016)
 
Meet the Feebles (1989)
 
Bite (2015)
 
Septic Man (2013)
 
Crazy Murder (2014)
 
The Greasy Strangler (2016)
 
Crazy Murder (2014)
 

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Filmkritik: „Compulsión“ (2017)

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COMPULSIÓN

Story

 
 
 

Eine Ehefrau findet heraus, dass der eigene Gatte ein brutales Doppelleben führt.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Kritik

 
 
 
ÁLEX DE LA IGLESIA, JAUME BALAGUERÓ und PACO PLAZA – alles namhafte Größen im spanischen Horror-Genre, die wegen herausragendem Gruselfutter auch außerhalb der Landesgrenzen Fans gefunden haben und auch gern mal Filme drehen, die sich nicht zwingend an Konventionen modernen Horrorkinos orientieren. Zu jener Gruppe einflussreicher Filmemacher gesellt sich nun ein weiterer ambitionierter Regisseur dessen Karriere man unbedingt im Auge behalten sollte. Der Grund hierfür: COMPULSIÓN. Mit seinem nicht zimperlichen Spielfilmdebüt hat ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ gleich mal ins Schwarze getroffen und einen Geheimtipp gedreht, der auf den wenigen Festivals gut ankam, auf denen er bisher gezeigt wurde. So lobten Publikum wie Kritiker den wortkargen Inszenierungsstil und die dadurch resultierende Hochspannung mit der es der spanischen Indie-Produktion gelingt den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Das können wir von FILMCHECKER bestätigen. Viel gesprochen wird in COMPULSIÓN freilich nicht. Der Thriller lebt von seinen ungemütlichen Bildern und von der Ungewissheit seiner Hauptdarstellerin. Die bleibt – übrigens wie der Zuschauer – lang im Ungewissen darüber, was in COMPULSIÓN wirklich im Argen liegt. ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ dreht an der Spannungsschraube und steuert auf ein ungemütliches Finale zu, in dem mal wieder der Geschlechterkampf zum Thema gemacht wird. Der kürzlich hier besprochene HOUNDS OF LOVE lässt grüßen.
 
 
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Die Filmheldin (MARINA ESTEVE) von COMPULSIÓN hat schon seit längerer Zeit Albträume. Die sind nicht unbegründet, quält schon seit Tagen ein Verdacht, der die Beziehung der Eheleute ins Wanken bringt. Gatte Robert (PACO MANZANEDO) ist nämlich verdächtig viel unterwegs, kommt meist spät von der Arbeit und führt des Öfteren geheimnisvolle Telefonate, die Misstrauen schüren. Ist hier etwa ein Ehebrecher am Werk? Um das herauszufinden wird die Liebste zur Privatdetektivin und stellt dem Mann nach. Recherchen führen zu einem abgelegenen Haus, in dem schlimme Dinge passieren. Offenbar frönt Robert perversen Neigungen von denen niemand wissen darf. Kein guter Tag für die besorgte Ehefrau. Die erlebt einen der schlimmsten Tage ihres Lebens und zweifelt bald daran ihren Gatten je gekannt zu haben.
 
 
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Das hier soll Low-Budget sein? Der gerade einmal in zehn Tagen gedrehte COMPULSIÓN schaut für Indie-Verhältnisse bemerkenswert professionell aus und wurde von der Produktionsfirma SCHOCK FILMS produziert, die Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ zusammen mit JOSÉ PASTOR gegründet hat. Der erste Spielfilm aus genannter Produktionsschmiede hält sich nicht lang mit Nebensächlichkeiten oder gar Hintergründe auf. Stattdessen wird der Zuschauer gleich ins Geschehen geworfen und direkt mit dem Holzhammer konfrontiert. Lang gefackelt wird nicht. Ungemütliche Stimmung und Schockwirkung wird über ungeschönte Bilder transportiert, die wegen Dialogarmut gern mal an alte Stummfilme erinnern und den Zuschauer schnell da treffen, wo es besonders wehtut. Doch der raue visuelle Einschlag kommt nicht von ungefähr. Schenkt man Informationen im Internet Glauben, zählen koreanische Thriller und klassische Terrorfilme zu den Haupteinflüssen der Arbeit des spanischen Regie-Newcomers. Letztere haben definitiv Spuren hinterlassen, erinnert COMPULSIÓN doch gern mal an das harte Exploitation-Kino der 1970er, in dem es weder Tabus noch Grenzen gab. Filmemacher ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ hat scheinbar viele Vertreter genannten Subgenres studiert. Mit einfachen Mitteln bewirkt er schnell eine Atmosphäre schonungslosen Unbehagens und zeigt mit fiesen Gewaltakten, dass er die raue Sprache genannter Filmgattung tadellos beherrscht. COMPULSIÓN fordert nicht nur Figuren im Film psychisch. Auch dem Zuschauer gehen bald die Geschehnisse durch Mark und Bein. Das ist aufgrund des überschaubaren Budgets eine Glanzleistung vor der man seinen Hut ziehen sollte. Deshalb darf man gespannt darauf sein, was der Spanier in Zukunft fabrizieren wird. Im Horrorgenre zumindest fühlt sich ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ offensichtlich wohl. Weitere Horrorstreifen sind nämlich schon in Planung. Ob die dann auch das Nervenkostüm des Zuschauers überstrapazieren werden? Man kann es nur hoffen.
 
 
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COMPULSIÓN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn der Gatte ein blutiges Doppelleben führt, wird es ultraspannend, kompromisslos und hart. COMPULSIÓN ist ein kleines Horror-Juwel aus Spanien, der aus wenig viel macht. Mit überschaubaren Mitteln hat hier Regisseur ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ eine ungemütliche Geschichte verfilmt, die an schonungslose Exploitation-Kracher der 1970er erinnert. Trotz Spielfilmdebüt beweist der spanische Newcomer ein talentiertes Händchen für Spannungsbau und Schockwirkung. Grundvoraussetzung für Horror, der im Gedächtnis bleibt. COMPULSIÓN ist ein Survival-Thriller, der vermutlich auch wegen seiner kurzen Laufzeit kaum Längen besitzt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der spanische Genre-Beitrag ist packend, hart und gut gespielt. Ob da jemand in die gleichen Fußstapfen treten wird, wie mach bekannter Filmemacher aus Frankreich? Einige derer haben in den 2000ern harte Terrorfilme gemacht und drehen seither erfolgreich Schocker für den amerikanischen Filmmarkt. Auch ÁNGEL GONZÁLEZ MARTÍNEZ besitzt gute Voraussetzungen, um bald mit mehr Geld krude Horrorfilme drehen zu können. Der nicht minder kontroverse COMPULSIÓN ist zumindest schon mal ein überzeugender Anfang.
 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Zensur

 
 
 
Die Gewaltmomente in COMPULSIÓN sind verstörend. Dennoch wird häufig weggeblendet und man bekommt in späteren Einstellungen das Resultat der Gewaltausbrüche zu sehen. Höhepunkt ist zweifelsohne eine Szene in der ein Schwangerschaftstest in ein Auge gestochen wird. Hierzulande reicht der gebotene Gewaltrausch für eine FSK16 – insofern man COMPULSIÓN hierzulande veröffentlichen wird.

 
 
 


 
 
 

COMPULSIÓN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Schock Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hounds of Love (2016)
 
A Good Marriage (2014)
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Stepfather 2 (1989)
 


Filmkritik: „Veronica – Spiel mit dem Teufel“ (2017)

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VERONICA – SPIEL MIT DEM TEUFEL

VERÓNICA

Story

 
 
 
Eine Heranwachsende nimmt Kontakt mit dem Jenseits auf und ruft damit das Interesse böser Mächte auf den Plan.

 
 
 


 
 
 

VERONICA – Kritik

 
 
 
Wenn gekaufte Horrorfilme aus Spanien stammen, kann man mittlerweile davon ausgehen, dass man Qualitätsarbeit in den Händen hält. Seit Jahren ist das Land im Westen Europas in Sachen Angstmacherei das bessere Hollywood, denn hier geht man auf Wünsche schauererprobter Zuschauer ein, die von Gruselfilmen auch erwarten, dass man sich vor Angst in die Hose macht. Auch im Falle von VERONICA geht einmal mehr die Rechnung auf. Der Streifen hat nämlich das, was man in vielen Genre-Streifen neueren Datums mit der Lupe suchen muss. Hier wird Gänsehaut bereitet und das nicht gerade wenig. Ein nicht unwesentlicher Grund, weshalb der spanische Horrorfilm auf einschlägigen Festivals mit Lob überschüttet wurde und von vielen Filmseiten Bestnoten erhielt. Da können sich Gruselfans freuen.
 
 
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VERONICA wurde von einem wahren Fall inspiriert. Der Film handelt von einem verantwortungsbewussten Teenager, der sich um die jüngeren Geschwister kümmern und deshalb zurückstecken muss. Der Vater ist früh verstorben. Deshalb muss die Mutter das Geld allein heranschaffen, um über die Runden zu kommen. Für die heranwachsende Verónica ein großes Problem. Die flüchtet sich in die Welt des Okkulten und will mit zwei Freundinnen während einer Séance Kontakt mit dem verstorbenen Familienoberhaupt aufnehmen. Selbstverständlich geht einiges schief. Zwar meldet sich jemand von der anderen Seite. Aber es ist nicht wie erhofft der Vater des Mädchens. Es ist eine bösartige Kreatur, die offenbar die Gelegenheit nutzt, um in der Welt der Menschen Schrecken zu verbreiten. Sie heftet sich an den ahnungslosen Teenager und beginnt die Schülerin und deren Geschwister zu terrorisieren. Nun ist guter Rat teuer, denn so leicht lässt sich der ungebetene Besucher nicht wieder abwimmeln. Mit Hilfe einer blinden Nonne versucht Verónica dem Spuk ein Ende zu bereiten. Leider kommt bald alles anders.
 
 
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Was sich liest wie ein weiterer Geisterthriller von der Stange ist alles andere als das. Natürlich folgt auch VERONICA den gängigen Konventionen besagten Subgenres, macht aber alles richtig, denn der düster inszenierte Horrorstreifen ist verdammt unheimlich und gruselig. Regisseur PACO PLAZA baut langsam ungemütliche Stimmung auf, die sich konsequent steigert und im Finale für Chaos sorgt. Dort fährt man alle Register moderner Spukware auf und zelebriert lauten Geisterradau, wie man ihn eigentlich eher aus amerikanischen Hochglanz-Gruslern wie CONJURING, ANNABELLE und Konsorten kennt. Trotz effektreichem und lautem Höhepunkt ist VERONICA aber herrlich Old School. Das macht den spanischen Geisterstreifen charmant, wobei aber auch die sympathischen Jungdarsteller einen großen Teil dessen beitragen dürften. Die wachsen schnell ans Herz und ernten Sympathiepunkte. Deshalb bleibt deren Schicksal nicht egal – auch wenn am Ende dann doch nicht alles so rosig ausgeht, wie man es sich wohl gewünscht hätte. Dass VERONICA kein Schnellschuss werden würde, war abzusehen. Der spanische Filmemacher PACO PLAZA kennt sich nämlich im Horrorgenre aus und hat zuletzt einige Teile der erfolgreichen [Rec]-Reihe inszeniert, die sogar bei der Traumfabrik Eindruck hinterlassen haben. Weil Hollywood seit Jahren keine eigenen Ideen besitzt, musste kopiert werden. Das Ergebnis: Eine Neuverfilmung des ersten [Rec] unter dem Titel QUARANTÄNE. Angesichts der Remake-Sucht in Übersee kann man nur hoffen, dass der spanische VERONICA unangetastet bleibt. Wundern würde es aber nicht, wenn im Zuge des erfolgreichen CONJURING-Universums auch dieser spanische Grusel-Horror noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt auf Zelluloid gebannt ins Kino kommen würde.
 
 
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VERONICA – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Gruseldrama mit effektreichem Finale. Wer es Old School mag, dürfte sich ganz besonders über den spanischen VERONICA – SPIEL MIT DEM TEUFEL freuen. Fast alle Effekte sind handgemacht und auch sonst wird hier – bis auf das Finale – Gruselhandwerk der alten Schule zelebriert. VERONICA glänzt durch düstere Stimmung, 90er Retro-Charme und sympathischen Jungdarstellern bei denen man das Gefühl nicht loswerden möchte, als würde man sie schon jahrelang kennen. Auch wenn die Geschichte von einem Geist, der eine kleine Familie terrorisiert nicht neu ist, sei VERONICA an dieser Stelle all jenen ans Herz gelegt, die sich gern den Schlaf verderben lassen möchten. Der von PACO PLAZA inszenierte Horrorstreifen ist nämlich – trotz vertrautem Ablauf – wirklich gruselig geraten, so dass sich Hobbygeisterjäger hier mit Sicherheit gut aufgehoben fühlen werden. Angesichts des überrannten Videomarkts, der mittlerweile fast nur noch aus B-Horror besteht, ist VERONICA eine Wohltat. Hier wird noch auf Qualität geachtet – etwas, das den meisten Horrorfilmen neueren Datums fehlt.
 
 
 


 
 
 

VERONICA – Zensur

 
 
 
VERONICA – SPIEL MIT DEM TEUFEL ist kein Gewaltfilm. Der Streifen baut eher subtiles Grauen auf und hat eigentlich keine Gewaltmomente zu bieten. Wer eine Vorliebe für Gänsehautfilme besitzt, ist hier genau richtig. Demzufolge fällt auch die FSK-Freigabe nicht überraschend aus. Der Film ist bereits für Jugendliche ab 16 Jahre geeignet. Die deutsche Fassung ist dazu noch ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

VERÓNICA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Verónica; Spanien 2017

Genre: Horror, Grusel, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making Of, Trailer

Release-Termin: 26.10.2017

 

Veronica – Spiel mit dem Teufel [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

VERONICA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen in dieser Kritik liegen bei Koch Media Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Entity (1982)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Midnight Game (2013)
 
The Ouija Experiment (2011)
 
Witchboard – Die Hexenfalle (1986)
 


Filmkritik: „Panzer Chocolate“ (2013)

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PANZER CHOCOLATE

Story

 
 
 

Eine Gruppe neugieriger Archäologen wittert in den Pyrenäen einen verschollen geglaubten Nazi-Schatz. Was man aber dort entdeckt, wird den Freunden das Leben kosten.

 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Kritik

 
 
 
Deutschland und die Nazis – ein finsteres Kapitel, das wohl nie abgeschlossen werden wird, vor allem nicht im Horrorfilm. Dort tauchen die meist untoten Zeitgenossen immer mal wieder gern auf, um aus ihren Gräbern zu steigen und nach der Weltherrschaft zu streben – wenn oft auch ohne die Hilfe des Führers. Der macht sich auch im spanischen PANZER CHOCOLATE rar, wo abermals gerissene Nazis im Verborgenen Pläne schmieden, damit ein neues Weltreich unter der Führung von Nationalsozialisten entstehen kann. Interessanterweise handelt es sich bei diesem Indie-Horror um ein ambitioniertes Filmprojekt, wie man es wohl bisher noch nicht zu sehen bekommen hat. Statt den Zuschauer in dreidimensionale Welten zu entführen und ihn dort zu Tode zu erschrecken, gehen die Macher mit der Zeit. Interaktivität lautet die Masche mit der Regisseur ROBERT FIGUERAS das Interesse der Kinogänger für sich beanspruchen will. Der Newcomer versucht hier Kino und Smartphone zu vereinen und hat passend zum Horrorstreifen eine App entwickeln lassen, die das Publikum mit interaktiven Inhalten versorgt. Das bedeutet, dass sich der interessierte Zuschauer vor dem Kinobesuch eine kostenlose Smartphone-App herunterladen kann, die während der gesamten Laufzeit weitere Hintergrundinformationen und alternative Szenen abspielt. Eine nette Dreingabe, die zwar etwas unausgereift wirkt, aber immerhin von der teils behäbigen Inszenierung des eigentlichen Films ablenkt. PANZER CHOCOLATE hat nämlich ein Problem und das nennt sich: langes Warten.
 
 
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In dieser spanischen Horror-Produktion bringt sich eine Gruppe junger Archäologen selbst in Gefahr. Die begeben sich auf die Suche nach seltenen Kunstwerken, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis gestohlen und versteckt wurden. Was sich anfangs als Nadel im Heuhaufen entpuppt, trägt bald Früchte. Aus scheinbar unlösbaren Puzzlestücken entsteht eine erste Spur. Die führt in die Pyrenäen, wo man in einem Waldstück einen geheimen Bunker entdeckt, in dem der große Schatz vermutet wird. Doch statt Nazi-Reliquien und verschollen geglaubte Kunst, findet man Kisten mit sogenannter Panzerschokolade vor, die zu Kriegszeiten an Soldaten verteilt wurde, um deren Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. Leider sorgen die mit Metamphetamin gefüllten Drogenfunde für Probleme. Kaum entdeckt und im Kofferraum verstaut, heftet sich eine bösartige Kreatur an die Fersen der unwissende Wissenschaftler. Die will die Schätze zurück und einen blutigen Denkzettel verpassen. Natürlich wird der Kampf gegen das Böse aufgenommen. Was die Freunde aber nicht wissen: Der Hüter des Bunkers ist noch das kleinere Übel.
 
 
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Willst man Geld verdienen, macht man am Besten alles in Englisch. PANZER CHOCOLATE ist Horror aus Spanien, der in erster Linie für den Weltmarkt gedreht wurde. Weil vor allem Horrorfans aus Übersee keine Untertitel lesen wollen, hat sich Regisseur und Produzent ROBERT FIGUERAS dazu entschlossen, den gesamten Film in englischer Sprache zu drehen. So lässt sich der Nazi-Grusler auch schneller ins Ausland verkaufen. Produktionstechnisch kann man nicht meckern. Die Schauspieler tun ihre Sache gut, unheilvolle Atmosphäre ist allgegenwärtig und auch einige äußerst blutige Spezialeffekte verfehlen ihre Wirkung nur selten. Was Sorgen bereitet ist der langatmige Inszenierungsstil. Macher ROBERT FIGUERAS lässt sich viel Zeit mit dem Horror. Demzufolge dauert es lang bis PANZER CHOCOLATE in die Puschen kommt, denn die meiste Zeit wird in Detektivarbeit investiert. Bis der geheimnisvolle Nazischatz gefunden wird, vergeht knapp eine Stunde. Dann wächst PANZER CHOCOLATE immerhin zu eigentlicher Größe heran. Aus behäbiger Detektivarbeit wird ein deftiger Slasher, der wegen grober Darstellung von Gewalt und dem ansprechend geschminkten Filmmonster einige WRONG TURN-Momente in Erinnerung ruft. Leider ist der Ausflug ins Backwood-Slasher-Genre nur von kurzer Dauer, denn so unerwartet wie das Schlachtfest begonnen hat, ist es auch schon wieder vorüber. Macht auch nichts, denn wegen der weitaus spannenderen Handy-App zum Film, werden die meisten Zuschauer ohnehin kaum mitbekommen, wenn der Abspann das Ende zum Nazi-Slasher einläutet.
 
 
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PANZER CHOCOLATE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein deftig-blutiger Nazi-Slasher aus dem eher für subtile Gruselfilme bekannten Spanien. Der Indie-Horror PANZER CHOCOLATE besitzt ein interessantes Konzept. Hierbei handelt es sich um einen interaktiven Horrorfilm in dem das Kino mit dem Smartphone verschmilzt. Im Vorspann zum Film wird nämlich erklärt, dass Zuschauer die Möglichkeit erhalten, während des Films mit dem Handy interaktiv zu agieren. Leider ist das aber auch weitaus spannender als der Film selbst, denn PANZER CHOCOLATE besitzt enorm viel Leerlauf, was die Angelegenheit relativ langweilig macht. Immerhin trösten einige heftige Schauwerte über die Tatsache hinweg, dass hier enorm viel Potenzial verschwendet wurde. Hätte sich Regisseur ROBERT FIGUERAS weitaus früher ins Slasher-Genre verirrt, wäre aus PANZER CHOCOLATE vermutlich das geworden, was ALEXANDRE AJA in den 2000ern gelungen ist: Harte Terror-Unterhaltung made in Europe.
 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Zensur

 
 
 
Nach einer Stunde Laufzeit gibt es einige Gemeinheiten zu sehen. Neben einer Ausweitung wird einer Protagonistin der Schädel eingetreten. Außerdem bohrt sich eine Wurfkette durch Köpfe und Messer werden in Körper gerammt. Hierzulande dürfte das aber problemlos die FSK passieren. Eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene ist denkbar. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

PANZER CHOCOLATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei filmutea.com)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Frankenstein´s Army (2013)
 
Dead Snow (2009)
 
Dead Snow 2: Red vs. Dead (2014)
 
Bunker of the Dead (2015)
 
Outpost – Zum Kämpfen geboren (2007)
 
Outpost – Black Sun (2012)


Filmkritik: „Summer Camp“ (2015)

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SUMMER CAMP

Story

 
 
 

Der Titel lässt einen Slasher-FIlm vermuten, doch SUMMER CAMP ist im Zombiegenre beheimatet: Vier Mittzwanziger wollen ein Sommercamp auf Fordermann bringen. Leider kommt es zu einem Zwischenfall und die Freunde verwandeln sich in reissende Bestien.

 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Kritik

 
 
 
Spanien ist immer eine Filmreise wert. Das Land des guten Essens und der feurigen Tänze hat sich über die letzten Jahre zum Eldorado für Grusel – und Horrorfans entwickelt. Was hier entsteht, kann sich mittlerweile mit dem messen, was in Hollywood fabriziert wird. Das hat man wohl auch in der Traumfabrik erkannt und sich die Rechte an diversen spanischen Kinohits gesichert. Der Zweck: Wenig glanzvolle Neuinterpretationen für den amerikanischen Markt produzieren. So auch geschehen mit dem Zombiestreifen [REC]. Weil der auch über die Landesgrenzen hinaus zum Kassenschlager wurde, musste die glattgebügelte Neuauflage her. Mit dem Found-Footage-Schocker QUARANTÄNE bastelte sich Hollywood seine eigene Version der genannten Zombie-Hatz und spielte damit sogar weltweit mehr Scheine ein, als die spanische Vorlage. Damit sich das Filmstudio das Remake sparen und die amerikanischen Zuschauer keine lästigen Untertitel lesen müssen, hat man den SUMMER CAMP direkt in englischer Sprache gedreht. Der bleibt auch gleich beim Thema Zombies – offensichtlich, weil man damit beim Publikum nach wie vor gut landen kann. Anders als bei den üblichen Verdächtigen gibt es in dieser spanischen-amerikanischen Produktion überraschenderweise Neuerungen zu sehen. In SUMMER CAMP verwandeln sich infizierte Menschen nach der Verwandlung zurück in Menschen. Frischer Wind also, der für Abwechslung sorgen soll. Doch, ob das nach gefühlt mehreren Tausend Filmen dieser Art überhaupt noch möglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
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In SUMMER CAMP treffen drei Amerikaner und ein Einheimischer erste Vorbereitungen, um ein spanisches Ferienlager auf Fordermann zu bringen – bevor die Schüler anreisen. Doch die Ferienzeit steht unter keinem guten Stern. Sorge bereitet ein vermeintlich tollwütiger Hund, der im hauseigenen Streichelzoo andere Tiere verletzt und auch sonst ein aggressives Verhalten an den Tag legt. Aber der mutige Will (DIEGO BONETA) kennt sich aus. Er ist mit Tieren aufgewachsen und traut sich in den Käfig des erkrankten Tieres. Keine gute Idee; der Hund beißt zu. Doch der verletzte Arm ist nichts im Vergleich zu dem, was folgen wird. Die Freunde verwandeln sich nacheinander in unaufhaltsame Bestien und wollen den Übrigen an den Kragen. Seltsamerweise ist die Verwandlung nur von kurzer Dauer. Kaum wie eine Furie kreischend durchs Camp geflitzt, findet man sich wenig später verstört und orientierungslos auf dem Grundstück wieder. Lange bleibt die Ursache des Zombiewerdens ungeklärt. Bis man auf einer Wiese vor dem Ferienlager einen verlassenen Wohnwagen entdeckt.
 
 
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DAWN OF THE DEAD trifft auf 28 DAYS LATER. Am besten aber lässt sich der spanische Horrorbeitrag mit dem Epidemie-Streifen THE CRAZIES vergleichen, der vom Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO persönlich gedreht und bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat. Dort verseucht ein biochemischer Kampfstoff das Grundwasser einer amerikanischen Kleinstadt und macht aus Bewohner aggressive Killer. Ganz ähnlich handhabt das auch ALBERTO MARINI. Der gibt zwar mit SUMMER CAMP sein Regiedebüt, ist aber in spanischen Filmkreisen kein Unbekannter, weil er schon an mancher Horror-Produkion Spaniens beteiligt gewesen ist. So produzierte er nicht nur die erfolgreiche [REC]-Serie, den sehenswerten Thriller SLEEP TIGHT und den Weltuntergangsfilm LAST DAYS mit. Auch in Filmen wie EXTINCTION, DARKNESS und BEYOND RE-ANIMATOR hatte er seine Finger mit im Spiel. Gut unterhalten wird man mit SUMMER CAMP. Filmemacher ALBERTO MARINI (übrigens gebürtiger Italiener) schafft es tatsächlich ein mittlerweile zu Tode gefilmtes Filmthema so zu inszenieren, dass man gebannt vor der Glotze verharrt. Warum das so ist, lässt sich einfach erklären. Der Regisseur jagt den Zuschauer unermüdlich durch ein hektisch zusammengeschnippeltes Szenario und gibt ihm kaum Gelegenheiten für Verschnaufpausen. Schock folgt auf Schock und gefackelt wird nicht lang. Das erhöht den Herzschlag und drischt auf das Nervenkostüm ein. Da muss man einfach wissen wie es ausgeht!
 
 
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Apropos ausgehen: Makaber, bitterböse und zynisch wird SUMMER CAMP abgeschlossen. Der Auslöser der Verwandlung zieht weite Kreise und lässt das Publikum mit einem mulmigen Bauchgefühl zurück. Auch deshalb, weil Macher Marini Kompromisse scheut. Er meint es alles andere als gut mit seinen Figuren und lässt sie nacheinander gnadenlos über die Klinge springen. Dabei spielt er ganz unverfroren mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. So gibt es im Film immer mal wieder genretypische Momente zu sehen, die dann doch andere Wege einschlagen, als man vermuten würde und gewohnt ist. Spätestens hier wird klar, dass es sie trotzdem noch gibt: gute und sehenswerte Zombiefilme, die fesseln. Leider werden die immer rarer.
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schnörkelloser Zombiefilm – adrenalinlastig und packend inszeniert. Wenn sich Helden in aggressive Mörderbestien verwandeln und sich mit ohrenbetäubendem Lärm durch schlecht ausgeleuchtete Szenarien bewegen, kommt nicht nur Gruselstimmung auf. In seinem besten Momenten erinnert SUMMER CAMP atmosphärisch sogar hin und wieder an das Remake zu EVIL DEAD in dem vom Prinzip ähnliche Handlungsverläufe zu sehen waren und sich Freunde vor sich selbst in Acht nehmen mussten. Die amerikanisch-spanische Produktion SUMMER CAMP glänzt durch markerschütternde Hetzjagden, die kaum Zeit zum Verschnaufen geben. Ist erst einmal einer der Protagonisten infiziert, geht es Schlag auf Schlag. Weil sich Regisseur ALBERTO MARINI aufs Wesentliche reduziert und Nebensächlichkeiten außer Acht lässt, bleibt der Überlebenskampf über weite Strecken wirklich spannend. Das soll schon was heißen, in einem Subgenre, das seit Jahren die immer wieder gleichen Geschichten abspult. SUMMER CAMP kann als die spanische Antwort zum Zombiethriller THE CRAZIES gewertet werden. Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO hätte da vermutlich nichts einzuwenden. Auf den FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2016 zumindest konnte der Streifen manches Horrorfanherz begeistern. Das ist auch kein Wunder, denn SUMMER CAMP ist ein kleiner, dreckiger Zombietrip mit ordentlich Tempo und einer fiesen Schlusspointe obendrein.
 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Zensur

 
 
 
Für einen Zombiefilm hält sich SUMMER CAMP ziemlich zurück mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten. In den meisten Fällen blendet die Kamera weg. Einiges gibt es aber zu sehen. Ein Ast bohrt sich durch die Brust, ein Mann wird mit gepfählt und ein Hund beißt sich in einem Arm fest. Hierzulande wird SUMMER CAMP eine Freigabe ab 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SUMMER CAMP – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Filmax International)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hive (2015)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 


Filmkritik: „Perfide“ (2014)

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PERFIDE

Story

 
 
 
15 Jahre ist es her, dass Laura und Rubén sich im Wald außerhalb von Santiago de Chile räkelten. Als Erwachsene treffen sie sich jetzt wieder und beginnen erneut eine Beziehung. Leider bringen Beide eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Laura (Catherine Mazoyer) hat einen Mann und zwei Kinder. Rubéns (Inigo Urrutia) Altlasten reichen weiter in die Vergangenheit und werden sich während des Wochenendes voller romantischer Zweisamkeit offenbaren.
 
 
 


 
 
 

PERFIDE – Kritik

 
 
 
Ein Paar und eine einsame Hütte im Wald. Fertig ist der atmosphärische, spannende Gruselfilm. Leider ist es schlussendlich doch nicht ganz so einfach, wie es sich der chilenische Regisseur Lucio A. Rojas offenbar gedacht hat. Sein „Perfide“ (im Original „Perfidia“) krankt an einer ganzen Reihe von Inkompetenzen, die den Film nicht nur als Thriller, sondern auch als Drama untragbar machen.
 
 
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Angefangen mit der überaus dilettantischen Musik- und Tonuntermalung des Films. Die wenigen, holprigen Jumpscares des Films versucht Rojas mit dem plötzlichen Einsetzen eines lauten, knirschenden Geräusches zu erzielen. Das erweist sich nicht nur als ineffektiv, sondern mit der Zeit auch als extrem nervig. Bei den zahlreichen Ausflügen in den Wald ertönen permanent Schritte in den Lautsprechern. Was als bedrohendes Hintergrundgeräusch beabsichtigt wurde, rutscht in den Vordergrund und tut den nächtlichen Waldszenen eher schlecht.
 
 
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Auch auf einer visuellen Ebene wirkt „Perfide“ durchgehend unbeholfen. Schlecht ausgeleuchtete und noch schlechter komponierte Bilder reißen den Film weiter rein und lassen nicht einmal den Hauch einer beklemmenden Atmosphäre aufkommen. Müde Verweise auf Horrorklassiker wie „Evil Dead“ haben eher den Anschein einer Beleidigung als den einer Hommage. Zu guter Letzt bleibt die Geschichte selbst, die ähnlich amateurhaft daherkommt, wie ihre technische Umsetzung. Weder Laura noch Rubén sind interessante Figuren, ihre Hintergründe bleiben bis zum Ende des Films ungeklärt, genau wie die eigentlichen Geschehnisse, die sie umzingeln.
 
 
 


 
 
 

PERFIDE – Fazit

 
 
 
1 Punkt
 
 
„Perfide“ verkauft sich als Horrorthriller, ist es aber nicht. Es ist ein ausgesprochen langweiliger und uninteressanter Film, der in keinem Bereich Pluspunkte sammeln kann. Einziger Vorteil ist die extrem kurze Laufzeit von knapp 70 Minuten.
 
 
 


 
 
 

PERFIDE – Zensur

 
 
 
Eine Recherche auf der Seite der FSK hat ergeben, dass „Perfide“ eigentlich mit einer Freigabe ab 16 bedacht wurde. Selbst diese Freigabe wäre anhand des vollends blutleeren und harmlosen Films sehr rätselhaft. Noch rätselhafter ist die Tatsache, dass auf dem Cover des Films das rote FSK-18-Siegel zu finden ist.
 
 
 


 
 
 

PERFIDE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Perfidia; Chile 2014

Genre: Drama, Fantasy, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.66:1

Laufzeit: ca. 78 Min.

FSK: Film: FSK 16 | Blu-ray: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.05.2015

 

Perfide [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PERFIDE – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Eden Lake (2008)
 
Evil Dead (2013)
 
Honeymoon (2014)
 


Filmkritik: „Shrew’s Nest“ (2014)

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SHREW’S NEST

(Musarañas)

Story

 
 
 
Als sich der attraktive Carlos bei einem Treppensturz das Bein bricht und von einem benachbarten Geschwisterpaar gepflegt wird, bringt er ein schockierendes Familiengeheimnis zutage, was lange Zeit im Verborgenen gehalten wurde.
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Kritik

 
 
 
Egal was ALEX DE IGLESIAS anfasst, es wird zu Gold. Seit der spanische Regisseur mit der Science-Fiction-Komödie AKTION MUTANTE seinen ersten Langfilm inszenierte, wird der Meister des schwarzhumorigen, spanischen Horrorkinos für sein unkonventionelles Schaffen auf einschlägigen Filmfestivals gelobt und ausgezeichnet. Mittlerweile dreht der Spanier aber nicht mehr nur ausschließlich schräge Filme, sondern produziert Vielversprechendes für die große Leinwand. SHREW’S NEST ist eine dieser Arbeiten, die von DE IGLESIAS finanziell unterstützt wurde und dem jungen Regieduo ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS den Weg ins internationale Filmgeschäft ebnen dürfte.
 
 
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In MUSARANAS – so der Originaltitel – geht es absolut spaßfrei zu, denn nach dem speziellen Humor mit welchem ALEX DE IGLESIAS bekannt geworden ist, sucht man in diesem tiefgründigen und deprimierenden Stück Zelluloid vergebens. Statt einem absurd-humoristischen Bilderrausch zu zelebrieren, wenden sich die beiden Jungregisseure dem psychologischen Horror zu und bringen mit Hilfe beklemmender Bildsprache eine erschütternde Familientragödie zutage, die sich aufgrund herausragender schauspielerischer Leistungen positiv vom üblichen Horrorquatsch abhebt. Das tut Not, denn in einer Zeit in der sich der Horrorfilm hauptsächlich durch einfältige Grausamkeiten definiert und damit Zuspruch erntet, sind es gerade jene psychologischen Geschichten die verinnerlichen, dass man auch mit etwas Anspruch und Hirn Furcht bescheren kann.
 
 
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Madrid in den 1950ern: die fromme Schneiderin Montse (MACARENA GOMEZ) leidet an Agoraphobie und schafft es nicht ihre Wohnung zu verlassen. Seit Mutter und Vater gestorben sind, kümmert sie sich um die jüngere Schwester und ist ihr Ersatz für die verschiedenen Eltern. Als Nachbar Carlos aus dem oberen Stockwerk die Treppe herunterfällt und sich beim Sturz das Bein bricht, wird eine Kette von Umständen in Gang gesetzt, die die Geschwister vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Montse nimmt den Verletzten heimlich bei sich auf und beginnt ihn zu pflegen. Von der streng autoritären Erziehung des sadistischen Vaters zerfressen, entwickelt die hilfsbereite Hausbewohnerin eine sonderbare Obsession zu ihrem Nachbarn und tut alles daran, dass der die Wohnung nicht mehr verlassen kann. Als die jüngere La Niña (NADIA DE SANTIAGO) erkennt, dass die große Schwester abnormales Verhalten an den Tag legt und nach Wegen sucht, um den eingesperrten Carlos aus seinem Gefängnis zu befreien, wird eine Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt, die nur im Chaos enden kann.
 
 
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SHREW’S NEST ist eine außergewöhnliche aber auch schockierende Psychoanalyse einer fehlgeleiteten Frau, die in der Kindheit Furchtbares erdulden musste. Die beiden Regisseure decken in ihrem sorgfältig gespielten Kammerspiel auf, was lang verborgen gehalten wurde. Zwei Schwestern, wie sich nicht unterschiedlicher sein könnten, durchleben in diesem beunruhigenden Melodrama eine Gradwanderung der Gefühle und entdecken zwischen Hass und Liebe, dass sie sich einander näher sind, als immer gedacht. MACARENA GOMEZ spielt hier mit viel Facettenreichtum eine bemitleidenswerte, psychisch gestörte Frau mit einem sonderbaren Verhältnis zur Liebe und lässt so selbst Oscar-Preisträgerin KATHY BATES aus der gelungenen King-Verfilmung MISERY weit hinter sich. Beide Filme sind thematisch ähnlich; SHREW’S NEST erforscht jedoch detaillierter die Umstände des Handelns und schockiert am Ende mit tragischen Familienkonstellationen, die den Zuschauer mit flauen Magen vor den heimischen TV-Apparaten zurücklassen.
 
 
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Visuell ist SHREW’S NEST für ein Debütstück ganz ordentlich. Die Macher ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS ernteten mit ihrem vierminütigen Kurzfilm „036“ bereits auf Youtube und Filmfestivals viel Lob und bleiben für SHREW’S NEST dem typisch spanischen Horrorlook treu. Das bedeutet bildgewaltiges Unbehagen in modern gotischer Gruselästhetik, die bereits inländischen Schauerproduktionen wie DAS WAISENHAUS, PARA ELISA oder JULIAS EYES zum Erfolg an den Kinokassen verholfen haben. Das Gänsehautkonzept geht auch diesmal auf. Dank einem außerordentlichen Gespür fürs Visuelle, guten Darstellern und einem gründlichen Drehbuch, in dem sich ganz langsam zermürbender Terror seinen Weg durch die klaustrophobische Geschichte bahnt, gehört SHREW’S NEST zur Königsklasse des spanischen Horrorkinos. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht auf den Trichter kommt, diesen Film neu interpretieren zu müssen. Sollte das irgendwann doch mal der Fall sein, kann man davon ausgehen, dass man die Neuverfilmung zu recht gnadenlos in der Luft zerreißen wird.
 
 
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SHREW’S NEST – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spanien übertrumpft sich mal wieder selbst in Sachen Horror! SHREW’S NEST ist spanisches Horror-Kino par excellence und die weitaus bessere, spanische Antwort auf eine der wenigen, gelungenen King-Verfilmungen: MISERY. Dass sich der neue Genre-Beitrag aus dem Land der Stierkämpfe sehen lassen kann ist auch kein Wunder. Kein geringerer als Urgestein ALEX DE IGLESIAS zeichnet als Produzent verantwortlich und beweist mal wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl interessanter Filmstoffe. Sein abgedrehter Humor und die schwarzhumorigen Gewaltausbrüche haben diesmal Sendepause. Stattdessen bewegen sich die beiden Regieneulinge ESTEBAN ROEL und JUANFER ADRÉS im Psycho-Sektor und machen alles richtig. SHREW’S NEST ist ein ungemütliches, klaustrophobisches Horror-Drama, das sich einmal mehr jener gotischen Gruselatmosphäre bedient, die viele spanische Horror-Produktionen seit einigen Jahren auszeichnet. Der kränkelnd-depressive Look des Streifens untermauert aber nur die morbide Stimmung des Films, der am Ende mehr Drama ist als Horror. Wer hier viele böse Szenen erwartet liegt falsch. Auch wenn gegen Ende etwas Rot über die Mattscheibe fließt, beunruhigt SHREW’S NEST vornehmlich auf psychologischer Ebene. Das zeichnet den Film aus und macht ihn zum Geheimtipp – vor allem wegen den außergewöhnlichen Darstellern, von denen manch Schauspieler in Hollywood noch etwas lernen kann. SHREW’S NEST gehört zur Königsklasse des spanischen Horrorkinos. Absolut empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Zensur

 
 
 
Auch wenn SHREW’S NEST im Psycho-Genre beheimatet ist, gibt es etwas Gewalt zu sehen. Eine Protagonistin wird geköpft, der Körper zersägt und der Torso als Kleiderständer verwendet. Andere Figuren werden mit einer Stricknadel in die ewigen Jagdgründe befördert. Zudem wird ein Bein ans Bett genäht und Köpfe auf Boden und Wände geschlagen. Aufgrund der kurzen Gewaltmomente und der verstörenden Auflösung am Ende des Films hat Rechteinhaber OFDB Filmworks für SHREW’S NEST einen blauen FSK-Flatschen erhalten: FSK16.
 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: Shrew’s Nest; Spanien 2014

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Spanisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making of, Deleted Scenes, Alternatives Ende, Trailer

Release-Termin: 08.01.2016

 

Shrew’s Nest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SHREW’S NEST – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller Grafiken liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery (1990)
 
House at the End of the Street (2012)
 
One Hour Photo (2002)
 
Sleep Tight (2011)


Filmkritik: „Darker Than Night“ (2014)

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DARKER THAN NIGHT

(MÁS NEGRO QUE LA NOCHE)

Story

 
 
 
Die junge Greta wird mit dem plötzlichen Tod ihrer Tante Ofelia konfrontiert und erbt ein Haus, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Kritik

 
 
Wer glaubt, dass nur die Amerikaner beliebte Kult-Grusler neu verfilmen, irrt. Auch in Mexiko hat man den Recyclingmarkt längst für sich entdeckt und daran Gefallen gefunden, bereits Dagewesenes für ein junges Kinopublikum vermeintlich zeitgemäß aufzubereiten. DARKER THAN NIGHT heißt die zumindest visuell ansprechend gefilmte Gruselmär, die vor fast 40 Jahren schon einmal über lokale Leinwände geisterte und als einer der wichtigsten Horrorexporte aus Mexiko gehandelt wird. Weil sich jedoch Horrorfans von heute mit alten Klassikern schwer tun, war die Konsequenz nur logisch: Eine modernisierte Neuverfilmung muss her. Im Falle von DARKER THAN NIGHT stellt sich jedoch einmal mehr die Frage, ob ein Remake unbedingt hätte sein müssen, denn der Originalstreifen mit dem Titel MÁS NEGRO QUE LA NOCHE (1975) gehört zu jenen Horrorwerken, die ohnehin nur den wenigsten Gruselfans ein Begriff sein dürften. Für Regisseur HENRY BEDWELL kein überzeugender Grund, nicht doch recycelten Filmmüll zu schreiben, den er dann auch gleich selbst gedreht hat. Der Mexikaner zeichnet verantwortlich und lies es sich dazu
auch nicht nehmen, von einem lukrativen Gimmick Gebrauch zu machen, um die Neuinterpretation als 3D-Schauerstück auf die Kinozuschauer loslassen zu können. So weit, so gut. Dennoch bleibt ungeklärt, was das zeitgemäße 3D hätte bringen sollen. DARKER THAN NIGHT ist nämlich ein ziemlicher mieser Film und ein schlechtes Remake noch dazu, das vermutlich nur deshalb als 3D-Variante in die Multiplexe gebracht wurde, um überhaupt jemanden zum Kauf eines Tickets bewegen zu können.
 
 
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Wie ein Sechser im Lotto: nach dem tragischen Tod der Tante hat Greta deren Anwesen geerbt, in dem es viel zu entdecken gilt. Doch das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft. Die Erbin muss dafür Sorge tragen, dass es Katze „Becker“ gut geht, die Frauchen allein zurückgelassen hat. Leider nimmt Greta die Auflagen nicht ernst. Statt sich um das Wohl des Stubentigers zu kümmern, geht sie mit den aufgescheuchten Freundinnen auf Erkundungstour und entdeckt in den langen Fluren ihres neuen Heims manch mysteriöses Geheimnis. Als der Kater ertrunken aus dem Pool gefischt wird, ist leider Schluss mit lustig. Plötzlich mehren sich unheimliche Geschehnisse und Greta wird von schrecklichen Visionen und Albträumen geplagt. Alles deutet darauf hin, dass Tantchen Ofelia in die Welt der Lebenden zurückgekehrt ist und sie scheint über den plötzlichen Verlust ihres geliebten Haustieres nicht erfreut zu sein.
 
 
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Mit DARKER THAN NIGHT folgt Nachschub für all jene, die im Jahr 2014 noch nicht genug von Geister-Horror bekommen konnten. Schließlich war 2014 das wohl produktivste Jahr dieser Filme und machte das Heimkino zur Geisterbahn. Leider gab es nur selten Neues zu sehen, was viele Veröffentlichungen in völliger Bedeutungslosigkeit verschwinden ließ. Auch DARKER THAN NIGHT dürfte da keine Ausnahme bilden und gesellt sich zu jenen Kandidaten, über die morgen vermutlich kaum noch jemand sprechen wird. In dieser Grusel-Mogelpackung wird all das verbraten, was man in jedem austauschbaren Spuk- oder Gespensterfilm vor die Linse bekommt. Ob unheimliches Anwesen mit schlecht ausgeleuchteten Gängen, ein vorbeiziehender Sturm samt Blitz und Donner oder grausiges Stöhnen, flackerndes Licht und verwirrende Visionen – DARKER THAN NIGHT revolutioniert das Genre keineswegs. Ganz im Gegenteil. Regisseur HENRY BEDWELL holt sich Inspiration bei Genre-Größe GUILLERMO DEL TORO, (CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE), macht jedoch falsch was nur falsch zu machen geht und langweilt schnell, weil er knapp zwei Stunden für das benötigt, was andere in 20 Minuten zu erzählen haben. Den Zuschauer mit Langsamkeit quälen und Protagonisten orientierungslos durch ein riesiges Gemäuer treiben. Irgendwie scheinen die Macher nicht ganz verstanden zu haben, auf was es bei subtilen Horrorfilmen im Jahr 2015 ankommt. Mit endlos langen Kamerafahrten, bedeutungslosen Dialogen und schockarmen Streifzügen durch altmodisch eingerichtete Zimmer macht man sich keine Freunde, schließlich geht man davon aus, dass man in Geisterfilmen nicht nur erschreckt sondern auch mit Gänsehaut verwöhnt wird. Beides ist in DARKER THAN NIGHT Mangelware und ausreichend Beweis dafür, dass sich Regisseure von TV-Filmen besser mit der Umsetzung von Fernsehware beschäftigen sollten, statt sich in der Mache von Kinofilmen auszuprobieren.
 
 
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Normalerweise braucht ein Horrorfilm keine Stars, denn im Grunde genommen ist das auf Zelluloid gebannte Grauen die eigentliche Quintessenz eines jeden Horror-Schockers. Was jedoch tun, wenn die Schauspieler unbeholfen agieren und unheimliche Momente nur die Ausnahme bilden? Drehbuchschreiber und Regisseur HENRY BEDWELL nutzt Set-Design und Klangkulisse, um Schaueratmosphäre entstehen zu lassen. Die Ausgangslage könnte günstiger nicht sein, denn visuell ist DARKER THAN NIGHT über jeden Zweifel erhaben. Dennoch gelingt es BEDWELL trotz altmodischem Gruselambiente, kaum Gänsehautgefühl zu bewirken. Für einen Geisterstreifen ein fatales Unterfangen, das mal wieder auf den Schultern des Filmfreundes ausgetragen wird. Der wird nach nicht ganz zwei Stunden Filmlänge erneut feststellen müssen, dass er viel zu viel Zeit für einen überflüssigen Film vergeudet hat, der nicht das hält, was der Trailer verspricht. Auch wenn DARKER THAN NIGHT nach typisch mexikanischem Genre-Kino ausschaut und sich mit mehreren Zitaten im Film vor dem 75er Original verbeugt; qualitativ ist er mit ähnlich gelagerten Perlen wie HERE COMES THE DEVIL, JULIAS EYES oder WIR SIND WAS WIR SIND (Das Original!) nicht einmal ansatzweise vergleichbar. Prädikat: Schlaftablette mit Einschlafgarantie und hinterlistiger Zeiträuber!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein visuell beeindruckender Gruseltrip der alten Schule. DARKER THAN NIGHT (hier ist übrigens das Fell des Katers im Film gemeint) ist technisch gesehen Top, aber inhaltlich ein absoluter Flop. Die Ausstattung und das Set-Design sind ein Fest für die (Horror)Sinne und erinnern nicht nur einmal an die mexikanischen Gruselperlen aus der Werkstatt eines GUILLERMO DEL TORO. Blickt man jedoch hinter die Fassade, bröckelt der Putz und es offenbart sich das filmische Grauen. Der mexikanische Regisseur HENRY BEDWELL hat hier eines der unsinnigsten Remakes fabriziert, das die Filmwelt bis dato gesehen hat. Seine subtile Geister-Mär überrascht zwar mit finsteren Bildern – Gruselstimmung will aber kaum aufkommen, weil DARKER THAN NIGHT im Schneckentempo über die Mattscheibe kriecht und derart langweilig, ideenfrei, überraschungsarm und unbeholfen zusammengekleistert wurde, dass sich dem Zuschauer sprichwörtlich die Nackenhaare vor Ärger sträuben. Verschwendete Zeit, Finger weg!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Zensur

 
 
 
Die Gewalt in DARKER THAN NIGHT befindet sich auf FSK16-Niveau. Es werden Gegenstände in Augäpfel gedrückt, eine Protagonistin fällt von der Treppenbrüstung und der männliche Filmheld wird von einer Katze angefallen. Schaut alles nicht sonderlich grausam aus, was auch nicht beabsichtigt war, schließlich konzentriert sich DARKER THAN NIGHT auf subtilen Horror.
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Alle Grafiken in dieser Review stammen von der Facebookseite des Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 
KM 31: Kilómetro 31 (2006)
 


Review: „Bloody April Fools – Los inocentes“ (2013)

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BLOODY APRIL FOOLS – LOS INOCENTES

Story

 
 
 
Einige neunmalkluge Jugendliche quartieren sich in eine verlassene Herberge ein, in der 15 Jahre zuvor ein tragisches Ereignis stattgefunden hat. Nun ist der Ort verflucht und ein schlitzfreudiger Killer zieht dort seine Runden …
 
 
 


 
 
 

LOS INOCENTES – Kritik

 
 
 
Spaniens Horror-Szene ist immer für eine Überraschung gut, denn seit einigen Jahren kommen da viele sehenswerte Horrorperlen in die Lichtspielhäuser, die es manchmal sogar auch in den deutschen Handel schaffen. Leider lies die Qualität der letzten Produktionen sehr zu wünschen übrig, denn bereits im von uns besprochenen PARA ELISA vermisste man die fürs spanische Horrorkino so herausragende Originalität und atmosphärisch Dichte, die im besagten Film kurzum durch Blutzoll ersetzt wurde. Der Schocker LOS INOCENTES macht da keine Ausnahme und glotzt lieber über den großen Teich, um sich dort Inspirationen zu holen, statt den Zuschauer etwas Neues zu erzählen. Zwölf Regisseure haben an der Umsetzung getüftelt, was angesichts der mageren Laufzeit von knapp einer Stunde etwas sehr grotesk anmutet, zumal LOS INOCENTES kein Anthologie-Grusler ist, wie man es bei der stattlichen Anzahl von Machern vermuten würde. Stattdessen haben hier einige Studenten der renommierten Filmhochschule ESCAC in Barcelona einen knüppelharten Slasher nach amerikanischem Vorbild gedreht, für den Kult-Klassiker FREITAG DER 13. Ideenlieferant gewesen ist. Das Resultat ist jedoch weniger kultig als die Vorlage, denn die vielen Köche haben etwas arg lieblos am Brei geköchelt, dem es im Fall von LOS INOCENTES eindeutig an Würze mangelt.
 
Diesmal wird sich durch eine verlassene Herberge geschlitzt, in der sich neun ahnungslose Jugendliche einquartieren, um die Sau rauslassen zu können. Die wollen während der Weihnachtsferien eigentlich die Berge unsicher machen, stellen aber rasch fest, dass dort der nötige Schnee fehlt, um Skifahren zu können. Auf dem Weg zurück nach Barcelona macht man Halt an einer Tankstelle, schließlich lässt es sich ohne Alkohol nur halb so gut feiern. Die Einheimischen warnen vor der Gefahr, die in der dunklen Bleibe lauert, denn vor 15 Jahren soll sich dort Grausiges ereignet haben: Ein Mitschüler wurde Opfer eines hinterlistigen Streiches seiner Klassenkameraden und starb auf qualvolle Weise. Seitdem geht es in dem leerstehenden Gemäuer nicht mit rechten Dingen zu. Für die Jugendlichen aber kein Grund, die Herberge nicht doch zu erkunden. Ein fataler Fehler, denn ein kaltblütiger Killer treibt dort sein Unwesen, der jedes Jahr am 28. Dezember dem tragischen Ereignis gedenkt.
 
LOS INOCENTES (der für den internationalen Markt kurzum in BLOODY APRIL FOOLS umbenannt wurde) ist ein Slasher, wie er im Buche steht. Man nehme einige dumme Kids, werfe sie in eine rudimentäre Handlung und gebe ein paar fiese Gewaltmomente dazu. Fertig ist 08/15-Meuchelware von der Stange, bei der immerhin nicht lange gefackelt wird und die ersten Opfer bereits nach nurä,u7 wenigen Minuten dahingeschlitzt werden. Der Zuschauer wird ziemlich rasant von Mord zu Mord gehetzt, welche immerhin recht abwechslungsreich umgesetzt wurden. Da rutscht eine Protagonistin auf einem Stück Seife aus und fällt auf den Hinterkopf. In der nächsten Szene ertastet sie die offene Kopfwunde und erlebt einen Multi-Orgasmus, weil sie durch das Loch im Schädel mit ihren Fingern die hintere Hirnregion stimuliert. An teils makabren Humor wird nicht gespart, so dass die Vorhersehbarkeit der Ereignisse und der Mangel an Originalität nicht so sehr ins Gewicht fallen. Auch wenn in LOS INOCENTES Gebrauch von Found-Footage gemacht wird und die Spezial- und Make-up-Effekte nicht von schlechten Eltern sind, gehört dieser enttäuschende Horrorfilme zum wohl Überflüssigstem was das junge, spanische Genre-Kino bisher hervor gebracht hat. Zwar erinnert das überflüssige Machwerk mit all seinen austauschbaren Stereotypen und dummen Horror-Klischees an all die vielen amerikanischen Slasher der letzten Jahre; sonderlich gut hat das Kopieren von ausgelutschten Rezepturen diesem Horrorstreifen nicht getan. Was bleibt ist ein souverän abgedrehter Meucheltrip, der technisch mehr an amerikanisches Hochglanzkino erinnert und inhaltlich nicht das bietet, was man eigentlich von spanischen Horror-Vertretern gewohnt ist. Slasher-Fans dürfte das vermutlich weniger stören, denn wer ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST und SCREAM mochte, wird auch diese Schocker rasch in sein Herz schließen.
 
 
 


 
 
 

LOS INOCENTES – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
LOS INOCENTES (oder auch BLOODY APRIL FOOLS) ist eine blutige Verbeugung vor den Kult-Slashern der 80er Jahre. Der Horrorklassiker FREITAG DER 13. hat hier Pate gestanden; dennoch erreicht der spanische Horrorschnellschuss (abgesehen vom Blutgehalt) nicht einmal ansatzweise die Qualität der Vorlage. In diesem Schlitzer-Film wurde jedes erdenklich dumme Klischee untergebracht. Sei es das nicht anspringende Auto, sich von Geisterhand verschließende Türen oder die einzige Bärenfalle im gesamten Waldgebiet, in die ausgerechnet eine unachtsame Protagonistin hineintritt; Originalität ist hier Mangelware. Immerhin stimmt der Blutpegel. Die Morde sind abwechslungsreich und zur Freude der Gorehounds recht splattrig. Fans harter Slasher-Streifen kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Trotzdem ist LOS INOCENTES nichts weiter als ein weiterer Meuchelfilm mit austauschbaren Figuren und hanebüchener Handlung, den man nicht unbedingt gesehen haben muss.
 
 
 


 
 
 

LOS INOCENTES – Zensur

 
 
 
LOS INOCENTES lebt nur von den grafisch gut umgesetzten Effekten. Es werden Verbrennungen gezeigt, ein Fuß abgetrennt und eine Protagonistin wird von einem heraunfahrendem Auto zermatscht. Das dürfte in Deutschland für eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene reichen und könnte mit KJ-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

LOS INOCENTES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bloody Homecoming (2013)
 
You’re Next (2011)
 
Alpha Girls (2013)
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
Silent Night (2012)
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Scream (1996)
 
Freitag der 13. (1980)
 


Filmreview: „Para Elisa“ (2013)

Para-Elisa-2013
 
 
 

PARA ELISA – FOR ELISA

Story

 
 
 
Das etwas andere Jobangebot: Ana bewirbt sich auf eine Stelle als Babysitterin und landet bei einem etwas ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Gespann, das eine unbeschreibliche Freude an menschlichen Puppen besitzt …
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Kritik

 
 
 
Die Spanier beweisen in letzter Zeit, dass sie ein ziemlich talentiertes Händchen für schaurige Horrorfilme besitzen. Da werden nahezu regelmäßig Gruselstreifen am Fließband produziert, in denen lobenswerterweise fast immer Geschichten erzählt werden, die der Zuschauer so noch nicht auf der Leinwand gesehen hat. In Spanien scheint man bestrebt zu sein, der amerikanischen Filmindustrie Konkurrenz zu machen, denn in Hollywood kopiert man lieber erfolgreiche Filmhits aus dem Ausland, als sich die Mühe zu machen eigene Ideen zu Papier zu bringen. Mit PARA ELISA wird nun die Reihe spanischer Horrorhits fortgesetzt. JUANRA FERNÁNDEZ hat hier eine ganz eigene Vision des Schreckens auf Film gebannt, die sich aber qualitativ von den bisherigen Horrorbeiträgen aus dem Land des Flamencos absetzt. Nach eher grusellastigem Schauerkino versucht man es jetzt nämlich mit Terror, was im Falle des spanischen KIDNAPPED im Jahr 2010 schon einmal funktioniert hat. Leider ist der Ausflug ins Terror-Genre diesmal gehörig missglückt, was man der bis dato noch unerfahrenen JUANRA FERNÁNDEZ jedoch nicht übel nehmen sollte, schließlich ist PARA ELISA (der international auch als ELISA und FOR ELISA vermarktet wird) immer noch besser als das, was da zuletzt aus Übersee gekommen ist.
 
Ähnlich wie die Hauptdarstellerin in Ti Wests THE HOUSE OF THE DEVIL (2009) ist Ana (ONA CASAMIQUELA) auf der Suche nach einen Studentenjob. Sie braucht dringend 1000 Euro für einen Kurzurlaub, den sie sich nach Abschluss des Kunststudiums zusammen mit ihren Freunden gönnen möchte. Weil die Mutter nichts locker machen will und Ana auch bei Drogendealer-Freund Alex (JESÚS CABA) an der falschen Adresse ist bleibt ihr nichts anderes übrig fürs Vergnügen selbst arbeiten zu gehen. Sie bewirbt sich auf eine Stelle als Babysitterin bei einer älteren Dame, die Ana natürlich sofort kennenlernen will. Leider verbirgt sich hinter der freundlichen Fassade das skrupellose Böse, denn die vermeintlich gastfreundliche Diamantina (LUISE GAVASA) sucht für ihre zurückgebliebenen Tochter Elisa (ANA TURPIN) ein neues menschliches Püppchen. Schnell wird Ana mit Drogen gefügig gemacht und findet sich wenig später gefesselt im Kinderzimmer als lebendiges Spielzeug wieder. Leider ist es auch in PARA ELISA so, dass hier die Eltern für ihren Nachwuchs haften. Die ungezogene Tochter besitzt ein äußerst ungezügeltes Temperament und schubst die geliebte Mutter nach einer überraschenden Panikattacke ganz unfreiwillig in den Tod. Für die gefangene Ana eigentlich Grund zur Freude – wäre da nicht die behinderte Widersacherin, die nach dem Ableben des Vormunds in Rage gerät und mit einem Hammer alles niederschlägt, was nicht artig auf seinem Stuhl sitzen bleiben möchte.
 
Im Vergleich zu dem, was man sonst aus Spanien vorgesetzt bekommt ist der vorliegende PARA ELISA schon eine kleine Enttäuschung, was vor allem daran liegen mag, dass ein ziemlich laues Lüftchen durch die finsteren Räume des Schauplatzes weht. Die Bezeichnung Spielfilm trifft hier nur bedingt zu, denn im Grunde genommen hätte dieses Debüt besser als Kurzfilm funktioniert. In knapp 70 Minuten passiert nicht viel. Regisseurin JUANRA FERNÁNDEZ versucht fast schon zwanghaft die dünne Geschichte mit möglichen Wendungen zu füllen, damit der Zuschauer nicht bereits vor dem Abspann das Weite sucht, weil ihm das Gebotene einfach nicht unterhalten will. Von Terror ist hier nur selten etwas zu verzeichnen, Glaubwürdigkeit sucht man ebenfalls vergebens. Filmheldin Ana scheint trotz Studium nicht gerade die Hellste zu sein. Ständig purzelt sie über die eigenen Beine oder verhält sich vollkommen sinnbefreit, so dass ihr nahendes Schicksal wenig überraschend über den Bildschirm flimmert. Zudem passieren in PARA ELISA allerhand unerklärliche Dinge, deren Logik JUANRA FERNÁNDEZ beim Schreiben ihres Drehbuchs ganz unauffällig unter den Teppich gekehrt haben muss. So wird die egozentrische Alte in einer Affekthandlung von ihrer hysterischen Tochter zu Boden geworfen und verendet ganz unbemerkt auf dem Kinderzimmerteppich. Elisa, die sich auf dem geistigen Niveau einer Siebenjährigen befindet, schleift die tote Mutter nun in die Wohnstube, nimmt sich ein Beil und hackt ihr den Arm ab. Später versucht sie mit dem abgetrennten Körperteil Beethovens „Für Elise“ auf dem Klavierflügel zu spielen, weil’s die Mutter zuvor auch immer getan hat. Dumme Momente gibt es in PARA ELISA jede Menge. So verwandelt sich das verwirte Gör in Nullkommanichts zur Folter- und Schlachtexpertin, als hätte es sein Lebtag nicht anderes gemacht. Ein Beil soll nötigen Respekt einjagen; beim Hammer hat sich JUANRA FERNÁNDEZ von MISERY (1990) inspirieren lassen. Immerhin stimmt die Technik. Das auf Old-School getrimmte Treiben hat viele stimmige Momente. So hinterlässt das beengende Heim mit all den Porzellanpuppen, altmodischen Tapeten und antiken Möbeln bereits beim ersten Betreten ziemlich gespenstiges Unbehagen. Aber auch die eher erdig gehaltene Farbtöne und bewusst schlecht ausgeleuchteten Flure der abgeriegelten Behausung lassen zeitweise den Gothic-Horror ins (Heim)Kino zurückkehren. Leider will im Falle von PARA ELISA die Kombination aus dünner Handlung und atmosphärischer Optik nicht so recht funktionieren. Da kann auch der makabre Schlussgag am Ende nichts mehr reißen. Absolut ärgerlich.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Der vermutlich erste Gothic-Terrorfilm seiner Art. Leider bleibt das spanische Filmchen weit hinter den Erwartungen zurück, weil sich mit der hier gebotenen Geschichte kein Blumentopf gewinnen lässt. Was hat Regisseurin JUANRA FERNÁNDEZ nur geritten, als sie am Drehbuch zu PARA ELISA gepinselt hat? Die dünne Geschichte strotzt nur so vor Ungereimtheiten, Logiklücken und Vorhersehbarkeiten. Hinzukommt, dass beinahe jede Interaktionen an Glaubwürdigkeit missen lässt, weil normal denkende Menschen einfach partout nicht so handeln würden, wie das bei den Protagonisten in PARA ELISA der Fall ist. Was bleibt ist eine wirklich bedrückende Atmosphäre, die sich fast durch den ganzen Film zieht. Trotz anständiger Optik bleiben Spannung und Angstmacherei dennoch aus. Für einen Horrorfilm ist das fatal.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Zensur

 
 
 
PARA ELISA oder FOR ELISA ist einer dieser Streifen, bei denen der Trailer mehr vorgaukelt, als im Film überhaupt gezeigt wird. Sonderlich brutal ist PARA ELISA nämlich nicht. Ein Arm wird abgehakt und Beine werden mit einem Hammer wie in MISERY zertrümmert. Das wird aber nur im Off gezeigt. Ansonsten hält sich der Film mit der Zurschaustellung von Gemeinheiten zurück. Wir gehen aber dennoch von einer KJ-Freigabe aus. Demnach dürfte PARA ELISA nur mit rotem FSK-Sticker in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

PARA ELISA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Misery (1990)
 
Mum & Dad (2008)
 
Haus der Vergessenen (1991)