Filmkritik: „Book of Monsters“ (2018)

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BOOK OF MONSTERS

Story

 
 
 

Auf der Geburtstagsparty einer Außenseiterin geht es plötzlich blutig zu, weil böse Kreaturen aus einem Buch befreit werden.

 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Kritik

 
 
 
Böse Bücher gehören im Horrorfilm mindestens genauso zum Standard wie teuflische Kinder, maskierte Psychopathen oder verfluchte Häuser. In den meisten Fällen schlummert auch in diesen Schriftstücken das abgrundtief Böse, das nur ein Ziel kennt: das Ende der Menschheit. Voraussetzung hierfür ist, dass die richtigen Passagen aus genau diesen Büchern gelesen werden. Wurden die ausgesprochen, öffnet man die Tore für Dämonen, Geister und andere Höllen-Kreaturen. Mit denen ist alles andere, als zu spaßen, wie auch die folgende Splatterkomödie beweist. Hier ist bereits der Titel Programm. BOOK OF MONSTERS lässt die Monster frei und geizt zweifelsohne nicht mit Schauwerten. Für die ist STEWART SPARKE verantwortlich, der offenbar ein großer Verfechter von Horror-Autor H.P. LOVECRAFT ist. Von dessen Cthulhu-Mythos hat sich der Regisseur für seinen Film inspirieren lassen. Das aber nicht zum ersten Mal. Bereits im Erstlingswerk THE DARK BELOW waren die Einflüsse des Schriftstellers nicht zu übersehen. Darin machte eine Meeresbiologin Bekanntschaft mit einem seltsamen Wesen aus der Tiefe, das alles andere als friedlich gesinnt war. Gleiches trifft natürlich auch auf die Kreaturen im zweiten Streich des ambitionierten Filmemachers zu. Die treiben es bunt auf der Mattscheibe und zetteln auch noch eine Splatterorgie an. Sowas hört man als Horrorfilmfan gern.
 
 
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Wenn fantasiebegabte Kinder nicht ernst genommen werden. Genauso ergeht es der kleinen Sophie. Die musste mit ansehen, wie die eigene Mutter von Kreaturen aus ihrem Märchenbuch in Stücke gerissen wurde. Doch leider wollte ihr niemand Glauben schenken. Viele Jahre später feiert Sophie ihren 18. Geburtstag und staunt nicht schlecht, als ihr genau jene Geschichten-Fibel vom Vater in die Hände gedrückt wird. Da werden Erinnerung an das furchtbare Ereignis von damals wach. Doch der Teenager hat anderes im Sinn. Die will lieber eine Geburtstagsfeier veranstalten und lädt hierzu Freunde und Klassenkameraden ein. Leider verläuft die Party schnell in ungeahnte Bahnen. Monster fallen über die Gäste her und richten an Blutbad an. Da ist guter Rat teuer. Doch Sophie kennt sich aus. Die erlebt ein Déjà-vu und weiß die Höllenwesen kommen. Es ist das vom Vater geschenkte Buch, welches die Tore für Monster öffnet. Ein Kampf gegen das Böse wird demzufolge unausweichlich. Kein Problem für die wackere Sophie. In der Schule Außenseiterin verwandelt sie sich in BOOK OF MONSTERS zur tapferen Kampfamazone. Nicht schlecht!
 
 
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Hurra, die 1980er sind zurück. Nun ja, nicht ganz. BOOK OF MONSTERS ist mal wieder einer dieser Horrorfilme, der auf Retro macht und versucht die Atmosphäre jener Ära auf Zelluloid zu bannen. Das haben in den letzten Jahren viele Filmemacher auf ähnliche Weise versucht, sind damit aber kläglich gescheitert. Da verwundert es dann doch schon sehr, dass es ausgerechnet einem No-Budget-Streifen gelingt genau jenes Gefühl auf Film festzuhalten, welches vor allem in Video-Produktionen genannten Jahrzehnts transportiert wurde. BOOK OF MONSTERS tritt in Fußstapfen von so Horror-Ware wie NIGHT OF THE DEMONS, SPOOKIES – DIE KILLERMONSTER, BAD TASTE oder Troma-Quatsch wie ATOMIC HERO. Die zeichneten sich vor allem durch eines aus: handgemachte Spezialeffekte, Splatter-Irsinn und jede Menge Spaß. Genau diese Zutaten verhelfen BOOK OF MONSTERS zum Ziel. Hier wurde mit minimalem Budget maximaler Aufwand betrieben. Im Minutentakt werden Körper ausgeweidet, Köpfe abgetrennt und literweise Kunstblut vor der Kamera verschüttet. Die Spezialeffekte sind einfach, dafür aber kreativ. So sehen wir dämonische Gartenzwerge, die an Hälsen knabbern, riesige Monster unter deren Kostümen wahrscheinlich mehrere Schauspieler gesteckt haben und natürlich: Blut, Blut, Blut. Da wird es garantiert nicht langweilig, zumal sich BOOK OF MONSTERS zu keiner Minute ernst nimmt und eine so unschuldige Naivität versprüht, dass man den Streifen nur gernhaben muss.
 
 
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Dabei ist BOOK OF MONSTERS eigentlich nichts Großes. Der Streifen wurde zum großen Teil mittels KICKSTARTER gestemmt – einer Webseite auf der sich seit Jahren Filmemacher tummeln, um sich dort das Geld für ihre Horrorstreifen von spendablen Genre-Fans zu holen. Ein Geben und Nehmen also, was sich im Falle von BOOK OF MONSTERS als gelungen und erfolgreich herausgestellt hat. Horrorkenner bekommen hier das, was sie von Horrorfilmen erwarten und Regisseur STEWART SPARKE konnte sich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten richtig kreativ austoben. Das Resultat ist schwer unterhaltsam, zumal keine Minute vergeht in der nicht irgendetwas passiert. Da vergehen die knapp 80 Minuten wie im Fluge und der Zuschauer ist zufrieden. BOOK OF MONSTERS ist klein – keine Frage. Was aber mit wenigem Budget auf die Beine gestellt wurde, ist mehr als beachtlich. Da merkt man mal wieder, dass Hervorragendes inszeniert werden kann, wenn Fanboys auf dem Regiestuhl sitzen. Dass Regisseur STEWART SPARKE einer derer ist, lässt sich nicht bestreiten. Der weiß, was Genre-Liebhaber wollen und gibt ihnen das auch. Das freut den Horrorfilmfan.
 
 
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BOOK OF MONSTERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Klein aber oho. BOOK OF MONSTERS ist liebenswerter Old-School-Horror, der nicht nur reichlich Blut, sondern auch jede Menge Spaß versprüht. Knapp 150.000 £ hat die britische Splatterkomödie gekostet – davon kamen knapp 45.000 £ durch Crowdfunding in die Kasse. Das knappe Budget kann die Produktion zwar nicht verbergen. Dennoch hat man sich nicht unterjochen lassen. Das Ergebnis schaut nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat, was vermutlich auch daran liegt, dass Regisseur STEWART SPARKE keinen Leerlauf zulässt. Der feiert sein Fun-Splatter-Feuerwerk in einem beachtlichen Tempo ab, dass erst gar nicht auffällt, dass einige Spezialeffekte (Stichwort: dämonische Gartenzwerge) etwas sehr improvisiert anmuten. BOOK OF MONSTERS verbeugt sich vor dem Schaffen des Schriftstellers H.P. LOVECRAFT, ist aber auch gleichzeitig Hommage an das Monster-Horror-Kino der 1980er, wo man noch kreativ mit Kleister, Gips und Elektronik Spezialeffekten Leben einhauchte. Wer handgemachte Manschereien bevorzugt und ein Faible für taffe Frauen hat, die sich gegen Dämonen zur Wehr setzen, ist mit dem charmanten BOOK OF MONSTERS gut beraten.
 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Zensur

 
 
 
Wegen diverser Splatter-Szenen in denen Körper zerissen und geteilt werden, dürfte BOOK OF MONSTERS hierzulande wohl eine Freigabe mit rotem FSK-Sticker erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BOOK OF MONSTERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dark Rift Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Night of Something Strange (2016)
 
The Demon’s Rook (2013)
 
Night of the Demons (2009)
 
Night of the Demons (1988)
 

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Filmkritik: „Death House“ (2017)

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DEATH HOUSE – GEFANGEN IN DER HÖLLE

(DEATH HOUSE)

Story

 
 
 

Enttäuschender Low-Budget-Horror: In einem Hochsicherheitsgefängnis bricht das Chaos los, als plötzlich der Strom ausfällt und sich alle Gefangenen aus ihren Zellen befreien können.

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Kritik

 
 
 
Was wäre GUNNAR HANSEN glücklich gewesen, wenn er erfahren hätte, das man sein einziges Drehbuch verfilmt. Der Leatherface-Darsteller aus dem allerersten TEXAS CHAINSAW MASSACRE von 1974 hatte nämlich ein Skript verfasst in dem er alle Schauspiellegenden des modernen Horrorkinos vereinen wollte. Leider machte ihm der Tod einen Strich durch die Rechnung. Im Jahre 2015 verstarb der gebürtige Isländer ganz plötzlich und hinterließ eine Idee, die das Blut vieler Horrorfilmfans in Wallung brachte. Um dem verstorbenen Freund die letzte Ehre zu erweisen, griff Regisseur B. HARRISON SMITH das Projekt neu auf. Der ordnete die Idee über eine Horror-Version von THE EXPANDABLES, schliff am Drehbuch seines Vorgängers und inszenierte das Zusammentreffen der Horror-Ikonen unter dem Titel DEATH HOUSE. Das Resultat ist beachtlich – vor allem vor dem Hintergrund, wer sich da alles die Türklinke in die Hand gibt. Nahezu jeder Horror-Star erhielt eine Nebenrolle im Film. Da stellt sich berechtigterweise die Frage, ob so viele Gastauftritte überhaupt gut für eine Filmhandlung sein können. Im Falle von DEATH HOUSE ist das Ergebnis dann doch mehr schlecht, als recht. Da werden Enttäuschungen vorprogrammiert sein, denn dieses Wiedersehen bekannter Horror-Ikonen entpuppt sich als cineastischer Schnellschuss.
 
 
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Irgendwo in der Wüste Nevadas steht ein geheimes Hochsicherheitsgefängnis, das die Regierung als „Death House“ bezeichnet. Der Grund für die grausige Bezeichnung kommt nicht von ungefähr. Wer hier einsitzt, hat es geschafft und wird sein Lebtag kein Tageslicht mehr sehen. In diesem Knast lungern die gefährlichsten Verbrecher Amerikas, an denen Wissenschaftler obskure Experimente mit neuen Technologien durchführen. Von denen sollen sich zwei Bundesbeamten Toria Boon (CORTNEY PALM) und Jae Novak (CODY LONGO) ein Bild machen. Die erhalten eine exklusive Führung durch die Hallen der schaurigen Gefängnisanlage über die bald die Hölle hereinbrichen wird. Da fällt plötzlich der Strom aus, Knastzellen öffnen sich und die Angestellten werden zu Freiwild. Eine dumme Situation, die auch unsere beiden Besucher an Grenzen bringt. Die müssen sich durch das Gebäude kämpfen und sehen sich mit unzähligen Irren konfrontiert, die nur ein Ziel kennen: töten, töten, töten.
 
 
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Horror-Ikonen sind kein Garant für sehenswerte Horrorware. Zu dieser Einsicht muss man zwangsläufig kommen, wenn man DEATH HOUSE gesehen hat. Hier tummeln sich zwar bekannte Gesichter aus Horrorfilmen vor die Linse, sonderlich sehenswert ist das große Wiedersehen aber nicht. DEATH HOUSE entpuppt sich als günstig gedrehter Horror-Murks, der ohne Genre-Größen wie TONY TOOD, KANE HOODER oder BILL MOSELEY wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten hätte. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. DEATH HOUSE ist vollkommen spannungsfrei und wirr. Die Handlung wirkt an den Haaren herbeigezogen und besitzt keinen roten Faden. Oftmals will man das Gefühl nicht loswerden, als habe man hier wahllos Gedanken zusammengewürfelt und in eine Handlung gepresst, die zu keiner Minute Sinn ergibt. Nun gut, mag man meinen – im Horrorfilm macht selten etwas Sinn. Was aber im Falle von DEATH HOUSE zugemutet wird, ist jenseits von Gut und Böse. Der Film hangelt sich von Gastauftritt zu Gastauftritt. Dazwischen herrscht gähnende Langeweile. Nicht einmal die kurzen und nicht immer professionell in Szene gesetzten Gewaltspitzen können das filmische Desaster vor dem Untergang bewahren. Da will man nicht wissen, was Leatherface-Darsteller GUNNAR HANSEN zuvor geraucht haben muss, als er diesen unschlüssigen Rohrkrepierer zu Papier brachte. Offenbar müssen es Drogen von einem fernen Planeten gewesen sein. Anders lässt sich dieser filmische Totalausfall nicht erklären.
 
 
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DEATH HOUSE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Boah, gar nicht mal so gut. Der Trash-Heuler DEATH HOUSE hätte ein Fest für Horror-Fans werden können. Leider hat man all das vermasselt, was man nur vermasseln kann. Das Drehbuch ist eine Zumutung, der abstrusen Handlung lässt sich nur schwer folgen und auf ein ausuferndes Splatterfest wartet man vergebens. Hinzukommt, dass die Ausleuchtung dunkler Flure und Gänge in der zweiten Filmhälfte derart schlecht ist, dass sich kaum erkennen lässt, was sich da auf der Mattscheibe abspielt. Da hat man nach zähen 45 Minuten Einleitung doch mehr erwartet, zumal auch die Gore-Effekte nicht unbedingt die besten sind. Immerhin bekommt man ein paar Gesichter aus bekannten Horrorfilmen zu sehen, die im Genre Rang und Namen haben. Ob die aber vor den Dreharbeiten geahnt haben, auf was für ein Desaster sie sich hier einlassen, steht auf einem anderen Blatt. Offenbar war für viele der hier Beteiligten Ebbe in der Geldbörse. Um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, hat man wohl einfach unterschrieben. So hat man sich ein Klassentreffen der Horror-Ikonen nicht unbedingt vorgestellt.
 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von DEATH HOUSE ist ungeschnitten und erst für Erwachsene freigegeben. Im Film gibt es diverse Gewalszenen, die aber für eine FSK18-Freigabe in Ordnung gehen, um dafür im stationären Handel ungeschnitten ausgelegt werden zu können. Sonderlich brutal – wie anfangs gedacht und vom Label KSM beworben – ist DEATH HOUSE nicht. Auch wenn ab und an Menschen das Zeitliche segnen, ist dieser Horror-Trash keine Sternstunde des Gewalt- und Splatterkinos.
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NewKSM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Death House; USA 2017

Genre: Horror, Action, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 2 Blu-rays im Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow, Behind The Scenes, Interviews, Bildergalerie

Release-Termin: 28.03.2019

 

Death House [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEATH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei NewKSM )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Incident (2011)
 
Aftershock – Die Hölle nach dem Beben (2012)
 
Prison – Rückkehr aus der Hölle (1987)
 

Filmkritik: „Secret Santa“ (2017)

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SECRET SANTA

Story

 
 
 

Eine dysfunktionale Familie rechnet an Weihnachten miteinander ab.

 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Kritik

 
 
 
Weihnachten in Familie. Das ist für die einen der Höhepunkt des Jahres, für andere aber auch der Horror auf Erden. Nicht selten trifft man da auf nervige Verwandte, denen man nicht unbegründet den Rest des Jahres aus dem Weg gegangen ist. Da muss man an der Festtafel Geschichten lauschen, die man eigentlich gar nicht hören will oder Geschenke auspacken, die man besser gleich in der Mülltonne entsorgen möchte. Man kann sich die eigene Familie eben nicht immer aussuchen. Genau jene weisen Worte sind nun auch in der Horrorkomödie SECRET SANTA Programm, die übrigens nichts mit dem gleichnamigen Slasher zu tun hat, der bereits 2015 auf die Genre-Gemeinde losgelassen wurde. Statt maskiertem Killer ist es im folgenden Horror-Spaß das Weihnachtsfest selbst, dass einer dysfunktionalen Familie zum tödlichen Verhängnis wird. Regisseur ADAM MARCUS hat hier die Horror-Version der Weihnachtskomödie SCHÖNE BESCHERUNG inszeniert und sich selbst übertroffen. Selten hat man einen böseren Weihnachtsfilm als diesen hier gesehen. Freunde makabrer Späße und blutiger Raffinessen kommen da auf ihre Kosten.
 
 
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SECRET SANTA erzählt die Geschichte der Familie Pope, die sich einander alles andere als gern hat. Trotzdem findet man sich zum alljährlichen Weihnachtsschmaus zusammen, um das Fest miteinander zu feiern, weil es eben an Weihnachten dazugehört. Doch diesmal soll es nicht nur bei verbalen Anfeindungen bleiben. Dieser Heiligabend wird blutig und grausam. Die Familienmitglieder gehen sich nämlich plötzlich an die Gurgel und fallen übereinander her. Der Grund dafür ist ziemlich makaber: jemand hat Drogen in den Punsch gemischt. Diese bewirken nicht nur, dass der Konsument die Wahrheit sagt. Das gefährliche Getränkt sorgt zudem dafür, dass sich die Angehörigen in aggressive Furien verwandeln und sich gegenseitig abschlachten. Autsch, das wird ganz schön blutig.
 
 
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Das hat man nicht kommen sehen. SECRET SANTA hat es ganz schön in sich. Was sich hier auf der Mattscheibe abspielt, hat man definitiv nicht erwartet. Regisseur ADAM MARCUS will mit diesem Weihnachtshorror offensichtlich an alte Horrorfilm-Erfolge anknüpfen. Der übernahm vor einer Ewigkeit die Regie zum neunten Freitag-Film und verpasst mit JASON GOES TO HELL genannter Slasher-Reihe seinen ganz eigenen Stempel. Doch der Filmemacher war seither nicht untätig. Ihm sind die Drehbücher zu Filmen wie TEXAS CHAINSAW 3D und MOMENTUM zu verdanken, die er zusammen mit Gattin DEBRA SULLIVAN verfasst. Letztere hat es sich nicht nehmen lassen, auch als Drehbuchautorin bei SECRET SANTA wieder mit an Bord zu sein.
 
 
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Eine gute Entscheidung, wie sich im Falle von SECRET SANTA herausstellt. Der Film ist nämlich durchaus sehenswert, da er die teils in Hollywood-Filmen vorgelebte „Heile Welt“ an Weihnachten auf die Schippe nimmt und sie in sattes Blutrot taucht. Statt Herzenswärme, Besinnlichkeit und Nächstenliebe regieren in diesem Film Ignoranz, Hass und Oberflächlichkeit. Das alles entlädt sich in einem absurden Gewaltrausch, der vor allem Splatterfans Freude bereiten dürfte. Im Film geht es nämlich alles andere als zimperlich zu. Hier wird in abgeschnittene Köpfe penetriert, Weihnachtsbaumspitzen zweckentfremdet und Tafelbesteck zum Mordwerkzeug umfunktioniert. Dabei allgegenwärtig: rabenschwarzer Humor. Der besitzt teils derart zynischen Tenor, dass einem nicht nur einmal das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Regisseur ADAM MARCUS ist mit dem Low-Budget-Splatter SECRET SANTA ein Glücksgriff gelungen. Der Film entpuppt sich als etwas anderer Weihnachtsfilm, der sich ganz ungeniert von so leichten Familienkomödien wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS oder GREMLINS – KLEINE MONSTER abzuheben versucht. Ein hervorragendes Weihnachtskontrastprogramm, aber auch nicht unbedingt massentauglich. Für diesen Film benötigt man schon ein dickes Fell, denn der teils derbe Humor ist nicht für jedermann geeignet. SECRET SANTA ist alles andere als besinnlich und jugendkonform und wird definitiv nicht ungeschnitten an Heiligabend im TV laufen. Damit dürfte SECRET SANTA ein erwähnenswertes Alleinstellungsmerkmal besitzen.
 
 
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SECRET SANTA – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der wohl bitterböseste Weihnachtsfilm, der je gedreht wurde. Dieses Familienzusammentreffen an Heiligabend ist garantiert kein heiterer Kinderspaß. Ganz im Gegenteil. SECRET SANTA ist eine rabenschwarze Horrorkomödie nur für Erwachsene, bei der dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleiben wird. Die Quintessenz: Spaß und Blut. Die hervorragenden Darsteller wurden in ihren Rollen perfekt besetzt. Auch die bemerkenswert blutigen Spezialeffekte haben es in sich, die ab der zweiten Filmhälfte erstaunlich oft über die Mattscheibe flimmern und SECRET SANTA das Prädikat „ultimativer Weihnachtssplatterfilm“ aufdrücken. Dass SECRET SANTA ziemlich blutig werden würde, war abzusehen. Als Effektekünstler zeichnet kein anderer als ROBERT KURTZMAN verantwortlich. Der hat mit seinen Spezialeffekten schon vielen Horrorfilmen zu blutigem Erfolg verholfen. Darunter so Kultstreifen wie TANZ DER TEUFEL 2, SCREAM oder WISHMASTER.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Zensur

 
 
 
SECRET SANTA ist trotz Horrorkomödie sehr blutig. Hier gibt es ab Filmmitte abwechslungsreiche Tötungsarten zu sehen, die dem Streifen eine Erwachsenenfreigabe bescheren werden. Eine Szene könnte hierbei große Probleme bereiten. Darin penetriert ein tollwütiger Protagonist in einen abgetrennten Kopf und äußert dabei zynische Sprüche. Holt man den Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER zurück ins Gedächtnis, dürfte schnell klar werden, dass die hiesige FSK mit sowas gar keinen Spaß versteht.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Distilled Media | Skeleton Crew)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Krampus (2015)
 
Better Watch Out (2016)
 
Mercy Christmas (2016)
 

Filmkritik: „Leprechaun Returns“ (2018)

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LEPRECHAUN RETURNS

Story

 
 
 

Nach 25 Jahren wird ein boshafter Zwerg aus seinem Gefängnis befreit und beginnt eine Gruppe von Studenten zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

LEPRECHAUN RETURNS – Kritik

 
 
 
Manche Monster sind einfach nicht tot zu kriegen – vor allem, wenn man mit ihnen Geld verdienen kann. So hat es sich Hollywood seit den 2000ern zur Aufgabe gemacht jeder noch so kultverdächtigen Horror-Kreatur durch ein glattgebügeltes Remake neues Leben einzuverleiben. Viel zu oft scheiterte das Vorhaben – in wenigen Fällen war die Neuauflage dennoch besser als das Original. Da mittlerweile alle bekannten Genre-Bösewichte der 70er/80er durch eine Neuverfilmung den Weg ins neue Jahrtausend gefunden haben und es kaum noch etwas zu remaken gibt, setzt man eben fort, was bei Horror-Nerds von Begriff sein könnte. So gelang es einem irischen Kobold sich in den 1990ern Dank Video-Ära einen Namen zu machen. LEPRECHAUN hies der Horrorspaß, der zwar in den unteren Regalen der Videotheken sein Dasein fristete, es aber bis heute auf sechs mehr oder weniger brauchbare Filme und ein überflüssiges Reboot brachte. Offenbar waren die Rechte in Zeiten günstig, in denen sich kaum noch jemand an den Killergnom erinnern kann. Die letzte, richtige Fortsetzung liegt schon einige Jahre zurück. Grund für die eher für Trash-Filme bekannte Filmbude SYFY genannte Filmreihe 15 Jahre nach dem letzten Sequel fortzuführen. Unter dem Titel LEPRECHAUN RETURN geht es daher nun in Runde 7. Wer die bisherigen Produktionen von SYFY gesehen hat, dürfte mit Grausen erahnen können, was das bedeutet.
 
 
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LEPRECHAUN RETURNS ignoriert alle bisherigen Streifen und Ereignisse. Stattdessen knüpft der Film an das Original von 1993 an und erzählt die Geschichte von College-Studentin Lila (TAYLOR SPREITLER). Die ist die Tochter der Heldin aus dem Original-Leprechaun, welche dort von JENNIFER ANISTON verkörpert wurde. Mittlerweile ist die aber an Krebs verstorben. Dennoch verschlägt es Lila zurück an den Ort, an dem die Mutter einst gelebt hat. Dort will die junge Frau mit ihren Kommilitonen ein Haus auf Vordermann bringen, das als neues Verbindungsheim dienen soll. Leider befreit man bei den Renovierungsarbeiten genau jenen Leprechaun, den einst die Mutter vor 25 Jahren in die Knie gezwungen hat. Der macht genau dort weiter, wo er in den 1990ern aufgehört hat und begibt sich auf die Suche nach seinem Gold, das ihm vor 25 Jahren von seinen Gegenspielern weggenommen wurde. Das ist für die jungen Helden in LEPRECHAUN RETURNS nicht sonderlich erfreulich. Die wissen anfangs nicht, wie ihnen geschieht und was der Kobold will. Doch Heldin Lila bietet dem raffgierigen Gnom die Stirn.
 
 
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Ach nee, das hätte nun nicht wirklich sein müssen. Was aus den SYFY-Studios kommt, ist berechtigterweise für die Tonne. Gleiches kann man auch über LEPRECHAUN RETURNS sagen, der genau das widerspiegelt, für das Produktionen aus genannter Resterampe stehen. Die zeichnen sich durch mindere Qualität aus, mit der man möglichst viel Geld verdienen möchte. Demzufolge macht LEPRECHAUN RETURNS dem Namen SYFY alle Ehre und kurbelt eine überraschungsarme Geschichte ab, die nach den bekannten Formeln abgehandelt wird, welche sich das Studio SYFY seit Bestehen auf die Stirn geschrieben hat. Für all jene, die nicht wissen, was gemeint ist: LEPRECHAUN RETURNS ist seichte Horrorunterhaltung auf TV-Niveau, die schnell abgedreht wurde, kaum Substanz besitzt und auch sonst eher leichte Gemüter ansprechen möchte.
 
 
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Wie in den meisten SYFY-Gurken kämpfen auch in LEPRECHAUN RETURNS nicht sonderlich helle Jungdarsteller gegen ein Monster, das irgendwie in die Knie gezwungen werden muss. Diesmal sind es aber keine Zombies, CGI-Kreaturen oder Geister. Dieser SYFY-Film rückt einen Kobold in den Mittelpunkt, der zynische Sprüche von sich gibt, über die man mit fortschreitender Laufzeit gar nicht mehr lachen kann. Zwergen-Darsteller LINDEN PORCO tritt ein großes Erbe an. Dem wurde die ungnädige Ehre zuteil, in die Fußstapfen von WARWICK DAVIS zu treten, der in allen bisherigen LEPRECHAUN-Streifen den Kultkobold verkörpert hat. Ein Unterfangen, das bereits vor Drehbeginn zum Scheitern verurteilt war. Horrorfans sind so ziemlich eigen, wenn es um Horrorfilm-Ikonen geht, die das Genre maßgeblich mitgeprägt haben. Genau das wird auch in LEPRECHAUN RETURNS zum großen Problem. Zwar sieht der Kobold aus, wie der Leprechaun aus genannter Film-Reihe. Dennoch bleibt für eingefleischte Fans unübersehbar, dass die Rolle des goldgierigen Gnoms von einem anderen Darsteller verkörpert wird. Somit macht es LEPRECHAUN RETURNS dem Remake von A NIGHTMARE ON ELM STREET gleich. Auch dort tauschte man den beliebten Hauptdarsteller gegen einen neuen aus. Weil ROBERT ENGLUND nicht mehr als zynische FREDDY KRUEGER zu sehen war, erhielt die Neuverfilmung von Genre-Anhängern kaum Zuspruch.
 
 
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Gleiches Schicksal dürfte nun auch LEPRECHAUN RETURNS ereilen, der kaum der Rede wert ist und irgendwie überflüssig wirkt. Die Handlung wurde aufs Wesentliche beschränkt und besteht einzig darin eindimensionale Darsteller nacheinander in den Filmhimmel zu jagen. Immerhin versucht SYFY das beste aus dem rudimentären Filmkonzept zu machen. Der Film nimmt sich nicht immer bierernst und zieht die trashige Inszenierung bewusst ins Lächerliche. Das wird vor allem bei den diversen Morden deutlich. Die sind zwar blutig aber derart überzeichnet, dass ein comicgleicher Unterton nicht von der Hand zu weisen ist. Leider mangelt es dem Streifen an Neuerungen. LEPRECHAUN RETURNS spult die gleichen Verläufe ab, die bereits in den Filmen zuvor Programm gewesen waren. Man erfährt nichts Neues über den mordenden Kobold und auch sonst fehlen diesem Ableger frische Ideen. Das mag für all jene nicht schlimm sein, die bisher noch keinen Streifen dieser Reihe gesehen haben. Wer jedoch alle sechs LEPRECHAUN-Filme (das doofe Reboot mal ausgenommen) kennt, dürfte sich bei diesem Ausflug ins irische Kobold-Universum schnell gelangweilt fühlen.
 
 


 
 
 

LEPRECHAUN RETURNS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wo SYFY draufsteht, ist auch SYFY drin. LEPRECHAUN RETURNS ist dreiste Resteverwertung und fühlt sich an, als habe das Studio SYFY einen ihrer bisherigen Kreaturen-Filme genommen und einfach nur das Filmmonster gegen einen mordenden Kobold ausgetauscht. Das Filmkonzept ist rudimentär. Das bedeutet: eindimensionale Jungdarsteller werden nacheinander durch einen Killergnom ermordet – Spannungsfreiheit inklusive. Das ist ziemlich langweilig, auch wenn sich der Streifen nicht immer bierernst nimmt. Immerhin erwähnenswert: LEPRECHAUN RETURNS ist der bisher blutigste Teil der Reihe. Ob das einen guten Horrorfilm auszeichnet, möchten wir bezweifeln.
 
 
 


 
 
 

LEPRECHAUN RETURNS – Zensur

 
 
 
LEPRECHAUN RETURNS ist der blutigste Teil der Reihe und auch ziemlich zeigefreudig. Ein Auto fährt über einen Kopf, der Leprechaun wühlt sich durch Gedärm und ein Protagonist wird von einer herabfallenden Solaranlage in zwei Hälften geteilt. Aber das ist noch längst nicht alles. Für die Rückkehr des Killerkobolds hat man sich noch weitere zynische Morde einfallen lassen, was dafür sorgen dürfte, dass LEPRECHAUN RETURNS hierzulande wohl eher mit rotem FSK-Flatschen in den Handel kommen wird.
 
 
 


 
 
 

LEPRECHAUN RETURNS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Syfy)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Leprechaun’s Revenge (2012)
 
Leprechaun (1993)
 
Leprechaun 2 (1994)
 
Leprechaun – Tödliches Spiel in Vegas (1995)
 
Space Platoon (1997)
 
Leprechaun 5 – In the Hood (2000)
 
Leprechaun 6 – Back 2 tha Hood (2003)
 

Filmkritik: „Primal Rage“ (2018)

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PRIMAL RAGE

(PRIMAL RAGE: THE LEGEND OF OH-MAH)

Story

 
 
 

In PRIMAL RAGE muss sich ein Paar in den Wäldern mit einer mordlustigen Kreatur anlegen.

 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Kritik

 
 
 
Wenn mit einem riesigen Monstermaul auf dem Cover einer Heimkinoveröffentlichung geworben wird, dürften so einige Horrorfans nicht zu Unrecht skeptisch werden. Seit einigen Jahren werden nämlich solche plakativen und reißerischen Werbemaßnahmen für Trash-Horror aus dem Hause SYFY oder THE ASYLUM betrieben, wo gern mal CGI-Monster in schlecht produzierten Low-Budget-Gurken auf kreischende Teenager losgelassen werden. Da sollen verheißungsvolle Filmplakate von nicht vorhandenen Qualitäten ablenken und letztendlich zum Kauf animieren. Demzufolge ist die Vorsicht verständlich. In Zeiten des Horror-Überflusses, in denen man gute Horrorstreifen mittlerweile mit der Lupe suchen muss, ist es schwer geworden die Spreu vom Weizen zu trennen. Gut, dass es Filmseiten wie FILMCHECKER gibt, die das testen, was sonst keiner sehen will. Im Falle des hier folgenden PRIMAL RAGE können wir aber schon mal Entwarnung geben. Da geifert zwar auch ein Monster auf dem Cover; von unterirdischem Low-Budget-Schrott ist dieser Film aber weit entfernt. Da kann man als eingefleischter Genre-Liebhaber endlich mal aufatmen und sich auf einen unterhaltsamen Filmabend freuen. PRIMAL RAGE macht’s möglich.
 
 
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In PRIMAL RAGE geht es um ein sich entfremdetes Pärchen, das wieder zu sich finden muss. Mark war über ein Jahr lang im Knast. Zeit, in der sich viel verändert hat – vor allem bei Frau Ashley. Die ist sich ihrer Liebe nicht mehr ganz so sicher, lässt es sich aber nicht nehmen den Gatten aus dem Knast abzuholen. Viel zu sagen hat sich das Pärchen demzufolge nicht, als man durch die kalifornischen Wälder zurück in die Zivilisation düst. Bis es zu einem folgenschweren Unfall kommt. Ein nackter Mann kreuzt die Fahrbahn und wird von den jungen Leuten überfahren. Da sitzt der Schock tief, zumal Beifahrer Mark soeben aus dem Gefängnis entlassen wurde und man nun eine neue Haftstrafe fürchtet. Doch viel Zeit bleibt nicht sich über Konsequenzen den Kopf zu zerbrechen. Beide werden von einem Fremden attackiert und flüchten in die Wälder. Was sie dort erleben, ist kein Zuckerschlecken. Hier müssen sie sich gegen eine böse Kreatur zur Wehr setzen, die mit allen Wassern gewaschen ist.
 
 
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Oh nein, nicht schon wieder ein Film über Bigfoot. Zumindest mag man das meinen, wenn man sich den Trailer zu PRIMAL RAGE anschaut. Darin wird gleich zu Beginn von Legenden berichtet, die die sagenumwobene Kreatur in den Mittelpunkt rücken. Natürlich ist auch in diesem Streifen alles wie gehabt. Ein Schauspieler im Bigfoot-Kostüm hetzt ahnungslose Opfer durch Wälder, die von der Kreatur nacheinander in Stücke gerissen werden. Das hört sich nicht sonderlich einfallsreich an. Was PRIMAL RAGE aber dennoch hervorstechen lässt, ist der beinahe schon übertrieben zelebrierter Gewaltpegel, den man eigentlich sonst von dieser Art Filmen nicht unbedingt erwartet. Regisseur PATRICK MAGEE ist noch relativ unerfahren in Sachen Regieführung. Was der aber mit dem ersten Spielfilm auf die Beine gebracht hat, ist weit weg von schlecht. Mit einem erfahrenen Effekte-Team lässt der Gesichter zerreißen, Köpfe von Pfeilen durchbohren und Kehlen aufschlitzen. Die Kamera hält munter drauf, sodass man sich schon wundern muss, was die hiesige FSK dazu getrieben hat PRIMAL RAGE ungeschnitten freizugeben. Überhaupt sind die vielen recht harten und teils auch sehr lang ausgewalzten Splatter-Exzesse handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Das mutet für einen Low-Budget-Streifen ungewöhnlich an. Der Grund ist in der Vita von Newcomer PATRICK MAGEE zu suchen. Der begann seine Karriere als Effektspezialist und gründete schnell seine eigene Effekt-Firma: MAGEE FX. Mit der war er für Hollywood-Blockbuster wie ALIEN VS. PREDATOR, MEN IN BLACK 3 oder Raimis SPIDER-MAN tätig. Weil die Geschäfte gut liefen, konnte er sich endlich einen langen Traum erfüllen. So sah Magee in Kindestagen den Horrorklassiker AMERICAN WEREWOLF IN LONDON. Seit jeher wuchs in ihm der Wunsch irgendwann selbst mal einen Monsterfilm zu drehen. Nun ist die Zeit gekommen. Mit PRIMAL RAGE werden Visionen wahr. Zu aller Überraschung ist das Resultat auch noch unerwartet unterhaltsam. Freunde blutiger Horrorfilme wird das freuen.
 
 
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PRIMAL RAGE – Fazit

 
 
 

7 Punkte Final

 
 
 
Ist das etwa eine Videospielverfilmung des Spielklassikers PRIMAL RAGE? Die Frage ist berechtigt und dürfen wir mit „nein“ beantworten. Der hier vorgestellte PRIMAL RAGE ist ein blutiger Monster-Splatter aller erster Güte, der rein gar nichts mit der gleichnamigen Prügel-Reihe zu tun hat, die 1994 in den Arcade-Hallen und anschließend für Spielkonsolen veröffentlicht wurde. Regisseur PATRICK MAGEE vermischt in der ersten Regiearbeit Elemente aus der erfolgreichen PREDATOR-Reihe mit Bigfoot-Schauer und Hexen-Horror zu einem schwer unterhaltsamen Horrorstreifen, der obendrein auch noch ziemlich brutal ist. Trotz altbekannter Geschichte um ein Monster in den Wäldern ist PRIMAL RAGE ganz kurzweilig geraten – auch wenn die Filmkreatur dann doch etwas sehr früh in ganzer Pracht vor der Kamera gezeigt wird. Doch Mankos im Drehbuch werden mit hochwertigen Gore-Effekten wettgemacht. Die sind hier der eigentliche Star und dürften jeden Horrorfilmfan zum Schwärmen bringen. Weil der Film nach der Halbzeit auch noch einen plötzlichen Richtungswechsel wagt und mit einem Twist verblüfft, sprechen wir an dieser Stelle für PRIMAL RAGE eine Empfehlung aus. PRIMAL RAGE erfindet das Monster-Genre keineswegs neu. Dennoch gehört er Dank atmosphärischer Bilder, düsterer Stimmung und deftigen Gewaltmomenten zu den besseren Creature-Features, die man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat.
 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Zensur

 
 
 
Es ist schon eine kleine Überraschung, dass PRIMAL RAGE ungeschnitten durch die FSK gekommen ist. Der Gewaltpegel ist ordentlich und einige Spezialeffekte sehen so realistisch aus, dass man sich nicht grundlos fragt, ob dass hier wirklich noch handgemachte Spezialeffekte sind. Es werden Köpfe zertreten und Schädel auseinandergerissen. Dennoch blieb der Film trotz roten FSK-Flatschen unzensiert. Splatterfans könne daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Primal Rage; USA 2018

Genre: Horror, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Interviews, Audiokommentar, Fotogalerie

Release-Termin: 01.11.2018

 

Primal Rage [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PRIMAL RAGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Meteor Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Willow Creek (2013)
 

Filmkritik „Habit“ (2017)

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HABIT

Story

 
 
 

Der arbeitslose Michael kommt an einen ominösen Job, der so einige Überraschungen parat hält.

 
 
 


 
 
 

HABIT – Kritik

 
 
 
Familien in Horrorfilmen sind immer so ein Ding. Werden die zum Mittelpunkt eines Genre-Streifens gemacht, kann es gut und gerne sein, dass sich hinter der Fassade gut gesitteter Kreise Grausames abspielen wird. Da werden gern mal im Keller ahnungslose Opfer aus Spaß gefoltert und alle aus der Sippe machen mit. Wer regelmäßig Horror-Schocker schaut weiß mittlerweile, dass man engen Familienbanden in dieser Art von Filmen nicht über den Weg trauen kann. Dort hält man zusammen und bewahrt Geheimnisse gut. Nur so lässt sich perfides Treiben unbemerkt hinter verschlossenen Türen fortsetzen, ohne dass Gesetzeshüter Wind davon bekommen. Auch der dritte Langfilm von Regisseur SIMEON HALLIGAN rückt genannte Familien-Thematik in den Fokus. Wie könnte es anders sein, schweißt auch hier ein Geheimnis Menschen zusammen, die sich im Film als „Familie“ bezeichnen. Eigentlich vielversprechende Horror-Ware. Wäre da nicht der inflationäre Gebrauch von Horror-Klischees, der den interessant beginnenden HABIT am Ende doch etwas zu ausgelutscht wirken lässt.
 
 
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Familiendrama meets Underground-Horror: Wenn zwei sich finden und sich gleich miteinander verbunden fühlen. Genau jene positiven Erfahrungen muss auch Michael machen. Der hatte bisher so gar kein Glück im Leben. Seit die Mutter sich vor seinen Augen das Leben genommen hat, meint es das Schicksal gar nicht gut mit ihm. Job hat er keinen und Perspektiven sind Mangelware. Da tritt ein Schutzengel in sein Leben. Lee nennt sich die Gute und ermöglicht dem Mittzwanziger den Schritt in ein neues Leben. Weil der sich ihr zugegen erkenntlich zeigt, beschafft die attraktive Fremde dem perspektivlosen Michael einen Job bei ihrem Onkel. Die Sache hat nur einen Haken. Der neue Job ist lebensgefährlich, denn hinter den Mauern eines ominösen Nachtclubs frönt man blutigem Handwerk.
 
 
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Horror von jemandem, der sich in Horrorfilm-Kreisen auskennt. Regisseur SIMEON HALLIGAN weiß, was Horrorfans wollen. Der ist nicht nur Regisseur und dreht Filme. Seit zehn Jahren ist der Brite auch Festivalleiter des beliebten Grimmfest in Manchester, wo Zuschauern alljährlich das Fürchten gelehrt werden soll. Da mutet es schon etwas ironisch an, wenn man sieht, was Halligan nun mit HABIT selbst fabriziert hat. Wirklich dolle ist dieser Film nämlich nicht. Irgendwie kommt HABIT nämlich nur schleppend in Fahrt und fällt einzig durch seinen abrupten Richtungswechsel auf. Da wird aus einem Ausflug ins ruppige Rotlichtmilieu plötzlich bluttriefender Okkult- und Kannibalen-Horror, der sich dann doch etwas zu krampfhaft den bekannten Regeln des Horror-Kinos unterwirft. Da muss zwanghaft in Blut gewatet werden und die Kamera hält drauf. Zudem fehlt natürlich ebenso das klischeebehaftete Ende nicht, bei dem die Machenschaften entlarvt und dem Bösen blutig die Leviten gelesen werden. Vorhersehbarkeit ist hier Programm. Offenbar wollte Filmemacher SIMEON HALLIGAN den Erwartungen des Horror-Publikums gerecht werden. Das erwartet nicht zu fordernde Abläufe und eine gewisse Härte von Genre-Ware. Beides wird geboten, um einfache Gemüter glücklich machen zu können. Ein etwas unglücklicher Schachzug, da HABIT so leider nur ein Horrorfilm von vielen ist, den man schnell wieder vergessen hat. Angesichts der wirklich hervorragenden Schauspieler eine Verschwendung. Die machen die rudimentäre Handlung ertragbar, welche sich einzig dadurch auszeichnet Sex und Gewalt miteinander zu vermischen. So bleiben Schicksale auf der Strecke, deren Analyse weitaus interessanter gewesen wäre, als die inflationäre Horror-Schiene bedienen zu müssen. In kurzen Momenten nämlich versucht SIMEON HALLIGAN die dramatischen Erlebnisse seine Hauptdarsteller zu ergründen. Die haben viel Tragisches erlebt, was dazu beiträgt auf die dunkle Seite zu wechseln. Leider ist die Ergründung von Schicksalen nur Vorwand, um später Splatter-Szenen zelebrieren zu können. Alteingesessene Horrorfilm-Kenner werden da nicht unbegründet mit den Augen rollen. Irgendwie sind Genre-Filme neueren Datum so ziemlich durchschaubar geworden. Das hat man alles schon mal gesehen und sieht deshalb Verläufe schon früh kommen.
 
 
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In Interviews erklärte Regisseur SIMEON HALLIGAN, dass HABIT ein Heimspiel war. Der Streifen spielt in Manchester und hier lebt der Filmemacher auch. Leider gab es bei den Dreharbeiten große Probleme. So schied einer der Hauptdarsteller im Verlauf des Filmdrehs aus und musste ersetzt werden. Das war dahingehend problematisch, weil viele Szenen bereits im Kasten waren. Da stand man vor der Entscheidung: die Dreharbeiten abbrechen und finanzielle Verluste hinnehmen oder bereits gedrehte Szenen mit einem neuen Darsteller noch einmal drehen. Man entschied sich für letzteres. Entstanden ist modernes britisches Genre-Kino für das sich Filmemacher SIMEON HALLIGAN vom dänischen Regisseur NICOLAS WINDING REFN inspirieren ließ. Sein ONLY GOD FORGIVES hinterließ Eindruck und wird als Referenz genannt. Dennoch, von den Qualitäten des genannten französisch-dänischen Thrillers ist HABIT weit entfernt – auch wenn der eine deutliche Steigerung zu den bisherigen Werken darstellt, die SIMEON HALLIGAN bisher gedreht hat: SPLINTERED und WHITE SETTLERS.
 
 
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HABIT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein Mix der Werke des Marquis de Sade und den Alptraum-Fantasien eines Clive Barker. HABIT basiert auf den gleichnamigen Roman aus der Feder von STEPHEN MCGEAGH. In der filmischen Adaption taucht der Zuschauer ein in eine Welt des organisierten Verbrechens, unterirdischer Kulte und blutiger Splatter-Orgien. Handwerklich ist das solide gelöst und auch visuell ist HABIT ansprechend. Was nicht so dolle ist: irgendwie wollen die Ereignisse so gar nicht fesseln oder mitreisen. Nach einem abrupten Richtungswechsel verfällt HABIT in bekannte Horror-Klischees. Das wirkt teils flach und bekannt. Die Figuren verhalten sich, wie sie es eben in Horrorfilmen tun und im Finale triumphiert einmal mehr das Gute über das Böse. Warum muss man denn immer bekannte Formeln und Verläufe auf Zelluloid bannen? Als alteingesessener Horrorfilm-Liebhaber dürstet es dringend nach neuen Ideen. Die vermisst man im Falle von HABIT leider schmerzlich. Blut, Sex und dreckiger Look ist in im Genre-Kino von Heute längst nicht mehr alles.
 
 
 


 
 
 

HABIT – Zensur

 
 
 
HABIT hat ab Filmmitte einige blutige Schmankerl zu bieten. Da werden Menschen sprichwörtlich von Kannibalen „gefressen“ und sich in deren Blut geräkelt. Weiterhin wird ein Messer in einen Bauch gerammt, eine Kehle wird durchgeschnitten und einige Schussverletzungen gibt es auch zu sehen. Wegen der doch sehr zeigefreudigen Kannibalismusszenen dürfte es passieren, dass HABIT erst für Erwachsene freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

HABIT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Not a Number | Tin Hat Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ravenous – Friss oder stirb (2017)
 
Omnivoros – Das letzte Ma(h)l (2013)
 
Wir sind was wir sind (2010)
 

Filmkritik: „Blood Fest“ (2018)

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BLOOD FEST

Story

 
 
 

Auf einer Horror-Convention ist die Hölle los. Kreaturen aus Horrorfilmen werden lebendig und fallen über die Gäste her.

 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Kritik

 
 
 
Wenn es nach Horror-Fans geht, dürfte es wohl nichts Schöneres geben, als einmal im Leben die Stars zu treffen, die das Gruselfilmfach groß gemacht haben. Diese Träume werden seit einigen Jahren wahrgemacht. Auf sogenannten Conventions können sich Filmliebhaber treffen und die Liebe zum Genre miteinander teilen. Hin und wieder werden die sogar von Genre-Größen besucht. Eine der wenigen Möglichkeiten für Fans ein Foto mit dem Lieblingsschauspieler zu knipsen ohne dafür um die halbe Welt reisen zu müssen. Horror-Conventions haben sich längst zum Mekka fürs horrorbegeisterte Publikum gemausert. Hier werden Kontakte geknüpft, Autogramme besorgt und Horrorfilme uraufgeführt, die man vermutlich sonst nie wieder vor die Linse bekommt. Umso interessanter, wenn genau eine dieser Pilgerstätten zum Thema eines Horrorstreifens gemacht wird, der sich auch noch als unterhaltsamer Fun-Splatter entpuppt.
 
 
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Dax (ROBBIE KAY) ist ein großer Fan blutiger Horrorfilm. Ein Grund, warum er sich Karten für das BLOOD FEST besorgt hat. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Festival, dass sich ganz dem Genre verschrieben hat. Leider ist Vater Dr. Conway (TATE DONOVAN) gar nicht erfreut über die Teilnahme des Sohnemanns. Weil der mit Horrorfilmen auf Kriegsfuß steht, zerschneidet er die Eintrittskarte für die Convention und zerstört Träume binnen weniger Sekunden. Doch Dax lässt sich nicht unterkriegen. Der nutzt Vitamin B und erhält über Umwege Eintritt zur Horror-Fete. Vielleicht hätte er das lieber bleiben sollen, denn das Schicksal meint es nicht gut mit dem Genre-Liebhaber. Kaum die Veranstaltung betreten, passieren furchtbare Dinge. Nachdem Festivalorganisator Anthony Walsh (OWEN EGERTON) die Eröffnungsrede gehalten hat, erscheinen Killer auf der Bühne und arbeiten sich mit Kettensäge und Messern durchs Publikum. Da bricht Panik aus, denn das Eintrittstor ist plötzlich verschlossen und ein Entkommen ist unmöglich. Da bleibt nur noch die Konfrontation. Leider wird hier unfair gekämpft. Offenbar hat jemand Kreaturen der Horrorfilmwelt zum Leben erweckt, die nun über die Gäste der Convention herfallen. Da hilft nur Augen zu und durch. Waschechte Horrorfilmkenner wissen aber was zu tun ist. Gott sei Dank ist Dax einer derer. Der hat schon so viele Schocker gesehen, dass er Horrorfilmregeln beherrscht. In einer Situation wie dieser ist dieses Wissen pures Gold wert.
 
 
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Ein unterhaltsamer Mix aus HATCHET, CABIN IN THE WOODS und 2001 MANIACS. Passender lässt sich nicht beschreiben, was dem Zuschauer mit BLOOD FEST aufgetischt wird, bei dem vor allem eines im Vordergrund steht: Spaß. Mit letzterem machte sich die Produktionsfirma ROOSTER TEETH PRODUCTIONS einen Namen. Die Unternehmensgründer begannen vor über 15 Jahren damit mehr oder weniger gehaltvolle Videoclips zu drehen, die sie anschließend auf Youtube stellten. Offenbar kam der Quatsch gut an, den man regelmäßig für Nutzer der bekannten Videoplattform produzierte. Der gedrehte Irrsinn fand viele Zuschauer und spülte genug Geld in die Gründerkassen, um damit expandieren zu können. Diverse Web-Serien, Let’s Play-Videos, Podcasts und allerhand Youtube-Nonsens später, stieg man ins Spielfilmbusiness ein. Auch hier ging man nicht minder abgefahren zur Sache. Der Horror-Spaß BLOOD FEST zeigt’s eindrucksvoll.
 
 
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Viel Gehalt hat BLOOD FEST demnach nicht. Den erwartet man natürlich von einer Splatter-Komödie auch nicht. Dafür unterhält der Horror-Ulk. So schöpft man gleich zu Beginn aus den Vollen. Schweinemaskentragenden Killer packen ihre Kettensägen aus und sägen sich durch dutzende Horror-Fans, die plötzlich einen Kopf kürzer gemacht werden. Da werden Körper zerteilt und Hälse aufgeschlitzt. Endlich mal wieder Hausmannskost, die in gut dosierten Abständen eine Wiederholung findet. Regisseur und Drehbuchautor OWEN EGERTON hat mit BLOOD FEST einen waschechten Fan-Film gemacht. Der gibt gleich zu Beginn seines Fun-Splatters zu verstehen, was er von den Horrorfilmen neueren Datums hält. So erklärt Festivalorganisator Anthony Walsh während der Eröffnungsansprache im Film, dass Horrorfilme schon längst nicht mehr das sind, was sie mal waren. Gruselig oder furchteinflößend sind die schon lange nicht mehr. Da spricht er dem Zuschauer wohl aus der Seele. In Zeiten des inflationären Filmmarktes muss man Schocker mit der Lupe suchen, die den Schlaf rauben.
 
 
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Leider spuckt BLOOD FEST große Töne. Zwar wird das fehlende Schockpotenzial von Horrorfilmen kritisiert; BLOOD FEST selbst steigt aber in die gleichen Fußstapfen der Filme, die an den Pranger gestellt werden. Das bedeutet: Herzklopfen und Nervenkitzel haben Sendepause. Stattdessen wird viel gealbert und in der Klischee-Kiste für Horrorfilme gekramt. Nicht unbedingt die feine Art, zumal sich der Streifen oft durch zu lange Dialoge selbst ausbremst, aber Genre-Kenner immerhin versucht mit Anspielungen auf das Horror-Genre aus der Reserve zu locken. Zugegebenermaßen funktionieren einige Zitate auf bekannte Horrorfilme ganz gut. Mehr Gore und Schocks wäre den meisten Zuschauern aber wohl lieber gewesen. Kommen wir daher zurück zu den eigentlichen Stärken von BLOOD FEST. Die liegen nun mal im Unterhaltungswert. Der ist zweifelsohne vorhanden. Taffe Sprüche, nett getrickste Spezialeffekte und unverbrauchte Thematik sorgen für Kurzweil. Langweilig wird’s daher nicht, denn verschiedene Bösewichte bringen Abwechslung auf die Mattscheibe. So hat man vermutlich wegen fehlender Rechtslage – ähnlich wie in CABIN IN THE WOODS – kurzerhand eigene Filmmonster erschaffen, die regelmäßig vor der Linse ihr Unwesen treiben. Neben Seitenhiebe auf SAW und die unzähligen Slasher-Gurken, fehlen natürlich Zombies genauso wenig wie altbekannte Vampire. Dabei verirren sich unsere Filmhelden gern mal in verzwickte Situationen, vergessen aber trotz misslicher Lage ihren Humor nicht. Lustig wird’s allemal, auch wenn weder das Nervenkostüm noch die grauen Zellen gefördert werden. BLOOD FEST ist Fast-Food-Horror mit Spaß-Garantie und kleinen Schwächen. Für verregnete Herbsttage zweifelsohne eine Empfehlung.
 
 
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BLOOD FEST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unterhaltsamer Splatter-Spaß mit zynischen Seitenhieben auf das Horror-Genre. BLOOD FEST ist kurzweiliger Meta-Horror, der aus Versatzstücken des Horrorfilms besteht und die bekannten Klischees des Genres auf die Schippe nimmt. Das wird zwar nicht immer sonderlich clever umgesetzt und wirkt mancherorts etwas flach. Spaß macht der Streifen aber dennoch, weil er keinen Hehl daraus macht, dass er einfach nur unterhalten will. Zu flachen Humor und netten Zitaten gesellen sich Blut und Gewalt. Letztere hätte gern etwas intensiver zelebriert werden können. Dann hätte BLOOD FEST in einer Linie mit so Splatter-Komödien wie BAD TASTE, BRAINDEAD oder CABIN IN THE WOODS stehen können. Demzufolge einfach das Hirn abschalten und berieseln lassen.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Zensur

 
 
 
Zu Beginn wird mächtig gesplattert. Es werden Körper gespalten und Kehlen aufgeschlitzt. Da schlägt das Herz eines jeden Splatterfilmfans schneller. Leider hält sich BLOOD FEST nach dem fulminanten Auftakt mit Schauwerten zurück. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht vorhanden wären. Sie werden nur wohldosiert eingesetzt. Man darf von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Rooster Teeth Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin in the Woods (2011)
 
Night of the Demons 2 (1994)
 
Demon Night (1997)
 
2001 Maniacs 2 – Es ist angerichtet (2010)
 
2001 Maniacs (2005)
 
Shaun of the Dead (2004)
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
Scream – Schrei! (1996)
 

Kritik: „Downrange – Die Zielscheibe bist du!“ (2017)

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DOWNRANGE – DIE ZIELSCHEIBE BIST DU!

(DOWNRANGE)

Story

 
 
 

Dümmlicher Pseudo-Terror von der Stange. Eine Gruppe Freunde gerät im Hinterland an einen Sniper, der die Jugendlichen nacheinander mit seinem Gewehr in die ewigen Jagdgründe befördert.

 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Kritik

 
 
 
Dumme Teenager müssen im Horrorfilm sterben. Eine Formel, die vor allem im Slasher-Genre zum guten Ton gehört. Doch nicht immer müssen es unkaputtbare Killer sein, die sich scheinbar rastlos an die Fersen ihrer aufgescheuchten Opfer heften und sie so lange verfolgen, bis sie sich ihrem Schicksal ergeben. Es geht auch anders und das sogar ohne sich die Finger schmutzig zu machen oder gar Kalorien verbrennen müssen, wie der Splatterfilm DOWNRANGE beweist. Darin hat es sich ein Scharfschütze in einem Baum gemütlich gemacht und wartet in Seelenruhe auf seine Opfer. Die kommen schon bald. Eine Gruppe Freunde düst durch das Jagdgebiet des Fremden und muss bald ums Überleben bangen. So schießt der Killer in die Räder des Fahrzeugs und zwingt die Jugendlichen zum Stranden. Nun ist guter Rat teuer, denn weder der Wagen lässt sich fortbewegen noch haben die Handys Empfang. Da stellt sich die Frage, wie man dem Schicksal entkommen kann. Den Teenagern zumindest scheint’s egal zu sein. Die scheißen auf Pläne und laufen lieber unüberlegt durch die Szenerie. Dass sie dafür mit dem Tod bestraft werden müssen, ist so klar wie Kloßbrühe. Für den Spannungsaufbau ist ein so trivialer Ablauf leider nicht sonderlich förderlich.
 
 
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Was nur hat Filmemacher RYUHEI KITAMURA dazu getrieben, einen Film wie DOWNRANGE zu inszenieren? Der Regisseur ist fürs blutige Horrorfach bekannt und konnte sich in der Vergangenheit mit einigen sehr gelungenen Horrorstreifen einen Namen machen. So gehen auf dessen Konto der Asia-Splatter-Hit VERSUS, sowie die nicht minder deftige Schlachtplatten MIDNIGHT MEAT TRAIN und NO ONE LIVES. Das blutige Chaos wird auch im Sniper-Schocker DOWNRANGE beibehalten, der leider gar nicht mehr so unterhaltsam ist, wie die bisherigen Streifen des Filmemachers. Irgendwie steckt in diesem Film der Wurm, was in erster Linie daran liegt, dass die Charakterzeichnung unter aller Kanone ist. Nun gut, möchte man meinen, Charakterzeichnung ist im Horrorfach meist Nebensache. Wenn aber Protagonisten wie dumme Schafe vor dem Visier eines Schafschützen tanzen und dabei nicht einen klugen Gedanken fassen wollen, ist Schluss mit lustig. DOWNRANGE meint es nicht gut mit seinen Protagonisten, denn die handeln von Sinnen und befriedigen damit zumindest die Blutsucht des Zuschauers. Der bekommt in DOWNRANGE anständig gefilmte Morde zu sehen, die so zeigefreudig sind, dass der Streifen Probleme mit der FSK bekam. Der Sniper-Splatter erhielt nämlich anfangs von der Prüfbehörde keine Freigabe. Doch der Rechteinhaber ging gegen das Urteil in Berufung und hatte Erfolg. Ob dieser (finanzielle) Aufwand gerechtfertigt gewesen war, sollte an dieser Stelle jeder selbst entscheiden. DOWNRANGE ist nicht sonderlich helle und spult seine vorhersehbare und unspannende Geschichte nach Schema F ab. Das bedeutet: kreischen, winseln und sterben bis am Ende niemand mehr übrig ist. Die Charakterentwicklung ist oberflächlich, die Protagonisten sind unsympathisch und die zweckmäßigen Dialoge sind sogar noch dümmer, als die jeder gescripteten RTL2-Nachmittagssendung. Demzufolge raten wir, besser andere und gelungenere Sniper-Thriller in den Player schieben, denen es auch tatsächlich gelingt, den Puls des Publikums in die Höhe zu treiben. So schockierten zuletzt Filme wie KING OF THE HILL oder TOWER BLOCK. Zwei heftige Streifen, die das Nervenkostüm beanspruchen und dabei auch noch Kompromisse scheuen. Zartbesaitete Zuschauer sollten die aber besser meiden.
 
 
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DOWNRANGE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Intellektueller Total-Reinfall! Dafür aber professioneller Splatter im Überfluss. Den bekommt man im Falle von DOWNRANGE ziemlich oft vor die Linse und das auch noch in technisch tadelloser Umsetzung. Brutalität steht hier vor Plausibilität, denn bis auf den Filmbösewicht handelt nahezu jede Figur dieses deftigen Splatterstreifens dämlich und unüberlegt. Feingeister werden daher an dieser Stelle vorgewarnt. Die selten dummen Handlungen aller Protagonisten gehen an die Substanz und machen wütend. Wer demzufolge leicht cholerisch veranlagt ist, sollte DOWNRANGE besser meiden. Das ist besser fürs Herz.
 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Zensur

 
 
 
In DOWNRANGE – DIE ZIELSCHEIBE BIST DU (so der deutsche Titel) geht es nicht zimperlich zu. Köpfe werden überfahren, Augen ausgeschossen und Körper mit Kugeln durchsiebt. Die Gewaltexzesse sind so deftig, dass selbst die FSK keinen Spaß verstand und DOWNRANGE eigentlich ungeschnitten nicht freigeben wollte. Wer aber denkt, dass dieses Horrorthriller Federn lassen musste, wird überrascht sein. Offenbar hatte das Label SPLENDID FILM mehr Glück als gedacht. Nach einer Berufung, gabs von der FSK dann doch den Segen. DOWNRANGE steht ab sofort ungeschnitten mit rotem FSK-Sticker im Handel.
 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Downrange; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Holländisch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.05.2018

 

Downrange – Die Zielscheibe bist du! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DOWNRANGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
El rey de la montaña – Unsichtbare Gefahr (2007)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Happy Hunting (2017)
 
Carnage Park (2016)
 

Filmkritik: „Blood Feast“ (2016)

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BLOOD FEAST

(BLOOD FEAST – REMAKE)

Story

 
 
 

Ein Familienvater verfällt einer alten, ägyptischen Göttin, die ihn zu Mord und Kannibalismus anstiftet.

 
 
 


 
 
 

BLOOD FEAST – Kritik

 
 
 
Willkommen zu einer weiteren Folge: Remakes, die die Welt nicht braucht. Diesmal hat es einen Klassiker getroffen, der vor vielen Jahren wegen drastischer Gewaltszenen für Furore gesorgt hat und deswegen in vielen Ländern geschnitten werden musste. Die Rede ist vom Video Nasty BLOOD FEAST, der nun schon über 50 Jahre auf dem Buckel hat und seinerzeit etwas Neues zu bieten hatte. So gilt der Streifen als einer der ersten seiner Art, der drastische Splatter-Szenen auf die Leinwand brachte und damit seine Zuschauer schockieren wollte. Mit knapp 24.500 US-Dollar wurde in detaillierter Weise gezeigt, wie einem Menschen die Zunge herausgerissen, in Organen gewühlt oder eine Leiche zerstückelt wurde. Was heute ganz selbstverständlich in jedem Horrorfilm Verwendung findet, war im Jahr 1963 tabubrechend und machte nicht nur Regisseur und „Godfather of Gore“ HERSCHELL GORDON LEWIS über Nacht berühmt. Sein BLOOD FEAST stampfte ein neues Subgenre innerhalb des Horrorfilms aus dem Boden, das erst in den 1980ern so richtig an Fahrt gewinnen sollte und sich bis heute erfolgreich behaupten kann: der Splatter- und Gorefilm. Genau jenem wegweisenden Stück Zelluloid hat sich nun der deutsche Genre-Regisseur MARCEL WALZ angenommen. Der kennt sich mit Blut und Gewalt aus, hat der doch in der Vergangenheit viel Leid auf Blu-ray und DVD pressen lassen, das leider nur bei Fans unmenschlicher Grausamkeiten gut ankam. Umso mehr überrascht es, dass sich der Filmemacher nach so überflüssigem Bullshit wie SCHLARAFFENHAUS und LA PETITE MORT an einem wegweisenden Klassiker bedient. Ob das gut gehen kann?
 
 
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Wenn Papa seine Pillen nicht schluckt. Fuad Ramses ist mit Frau und Tochter von Frankreich nach Amerika gezogen. Doch so wirklich glücklich ist der Vater hier nicht. Er führt ein Restaurant, das aber nicht sonderlich gut läuft. Damit man über die Runden kommt, arbeitet das Familienoberhaupt in einem Museum für alte, ägyptische Kultur. Hier ist er als Nachtwächter tätig und kommt so mit der Statue der Göttin Ishtar in Berührung, die schnell in den Bann zieht und dessen Verstand vernebelt. Die Folge: Fuad Ramses handelt von Sinnen und beginnt Menschen zu ermorden, um für die ägyptische Hoheit ein rituelles Fest vorzubereiten, das zufriedenstellen soll. Dass der Familienvater seine tägliche Ration Pillen vergisst einzunehmen, kommt der Göttin geradezu Recht. So lässt sich das Opfer leichter manipulieren und für eigene Zwecke missbrauchen. Ein großes Festmahl ist somit garantiert. Guten Appetit.
 
 
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Erhält jetzt auch noch unterirdischer Trash eine Frischzellenkur? Zu aller Überraschung ist die Neuverfilmung – trotz des Regisseurs MARCEL WALZ – weitaus besser, als seine Vorlage. Erfahrene Horrorfilmkenner wundert das aber wenig. Zwar ist der Originalfilm aus filmhistorischer Sicht interessant, gilt aber dennoch als grottenschlechter Exploitationstreifen, der für heutige Verhältnisse dilettantisch und deshalb auch unfreiwillig komisch wirkt. Ganz anders die Neuverfilmung. Die wurde an die heutigen Sehgewohnheiten angepasst, besitzt hektische Schnitte, schwarzen Humor, dreckigen Look und professionell gemachte Spezialeffekte. Zudem erzählt der „neue“ BLOOD FEAST auch eine halbwegs gescheite Geschichte. Warum wir das erwähnen? Ganz einfach, weil der deutsche Indie-Regisseur MARCEL WALZ in der Vergangenheit mit eher billigem Unterground-Splatter und amateurhaften Folterunsinn von sich hören lassen hat, der es nur auf die niederen Instinkte abzielen wollte. Nun bot sich dem Regisseur die Gelegenheit endlich mal an einem richtigen Film zu arbeiten, der weitaus professioneller inszeniert werden sollte, als die bisherigen Werke des Filmemachers.
 
 
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Nun gut, der erhoffte Kracher ist das Remake leider nicht geworden. Der Film hat zweifelsohne seine Höhepunkte, die natürlich – als hätte man es geahnt – in der zelebrierten Gewalt zu suchen sind. Überraschenderweise wird diese wohldosiert eingesetzt und ist überschaubar. Das ist dahingehend verwunderlich, weil sich der deutsche MARCEL WALZ gerade deswegen in Fankreisen einen Namen machen konnte und nun den Blutfluss drosselt. Eingefleischten Anhängern des kontroversen Regisseurs dürfte das bitter aufstoßen. Der hat aber mit BLOOD FEAST den wohl rundesten Film gemacht hat, den man bisher von ihm zu sehen bekam. Das liegt einerseits an den professionellen Schauspielern, die zur Abwechslung mal was können. So konnte man für die Hauptrollen die aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 bekannte CAROLINE WILLIAMS gewinnen. Ihr zur Seite steht ROBERT RUSLER, der auch schon in einigen Horrorfilmen zu sehen war, die nicht unbekannt sind. Darunter NIGHTMARE 2 – DIE RACHE sowie die Stephen-King-Verfilmung MANCHMAL KOMMEN SIE WIEDER. Die Schauspielerfahrung der genannten Darsteller macht sich bezahlt. Dank deren Können, ist BLOOD FEAST weitaus ertragbarer, als die Vorlage. Dort wurden in erste Linie untalentierte Akteure engagiert, denen man ansah, dass sie ihre Texte ablasen. Den Amateurfilmstatus lässt die Neuverfilmung demnach hinter sich.
 
 
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Dennoch sollte man sich die Neuverfilmung nicht zu schön reden. Momentan leben wir in einer Zeit, in der man regelrecht von Horrorfilmen überschüttet wird. Das ermüdet, weil die meisten Produktionen stets nach gleichem Ablauf inszeniert werden, die Überraschungen missen lassen. BLOOD FEAST bildet keine Ausnahme und daddelt seine dünne Geschichte nach gewohnter Manier ab. So werden regelmäßig Jungakteure abgeschlachtet und am Ende gibt es ein deftiges Finale zu bestaunen. Wem die Einfachheit der Verläufe ausreicht, um unterhalten zu werden, dürfte – gerade wegen einiger Blutszenen – solide unterhalten werden. Alteingesessene Filmkenner, die im Horrorfilme schauen geübt sind, werden früh gelangweilt abschalten, weil die Neuverfilmung weder Neuerungen noch Risikos wagt. Somit ist BLOOD FEAST ein Remake unter vielen. Wegen rudimentärer Dialoge, Ideenarmut und vorhersehbaren Handlungssträngen wird sich an diese Neuinterpretation wohl schnell niemand mehr erinnern können. Macht das einen guten Horrorfilm aus? Wir meinen: Nein!


 
 
 

BLOOD FEAST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Düsteres Horror-Remake mit hervorragenden Splatter-Szenen. Die Neuverfilmung des Splatter-Klassikers ist ein zweischneidiges Schwert. Der Film dürfte wohl nicht einmal ansatzweise den Kultstatus erreichen, den das Original aus der Mache des HERSCHELL GORDON LEWIS mittlerweile genießt. Dazu fehlen der Neuauflage einfach Alleinstellungsmerkmale, um aus dem riesigen Pool an blutigen Filmen hervorstechen zu können. Wer BLOOD FEAST gesehen hat, dürfte verstehen, was gemeint ist. Das Remake ist beliebig und bleibt nicht einmal wegen seiner hervorragenden Spezialeffekte im Gedächtnis. Das mutet grotesk an, weil sich das Original vor über 50 Jahren gerade wegen seiner zelebrierten Schaufreudigkeit einen Namen machen konnte. Lobenswerterweise muss man aber sagen, dass Regisseur MARCEL WALZ eine positive Entwicklung an den Tag legt. Der bewegte sich mit seinen bisherigen Schmuddelfilmen eher auf gehobenem Amateurfilmstatus. Seine Interpretation zu BLOOD FEAST sieht zur Abwechslung mal aus, wie ein richtiger Spielfilm und besitzt endlich auch mal echte Schauspieler. Leider ist das Ergebnis nur ein solider Horrorfilm mit einigen Bluteinlagen. Erinnern wird sich an dieses Remake nach Sichtung niemand mehr. Dennoch Herr Walz, die Richtung stimmt schon mal. Mal schauen ob er’s in den nächsten Jahren auch noch in die Riege ernstzunehmender Horrorfilmemacher schaffen wird.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEAST – Zensur

 
 
 
Für einen Film aus der Mache von MARCEL WALZ ist die gezeigte Brutalität ungewöhnlich zurückhaltend. Es wird etwas Fleisch von Körperteilen geschnitten. Zudem gibt es einen Kehlenschnitt zu sehen. Am Ende wird genüsslich rohes Fleisch vom lebenden Menschen gefuttert. Mit etwas Glück gibt es für BLOOD FEAST eine ungeschnittene Freigabe ab 18 Jahren. Hierzulande liegen die Rechte bei TIBERIUS FILM. Das Label hat bereits eine Filmversion von der FSK prüfen lassen und dafür den roten FSK-Flatschen erhalten. Ob es sich hierbei um die Rated-R-Fassung handelt oder um die Unrated-Fassung, welche MARCEL WALZ nach dem US-Release der kürzeren Filmversion noch einmal in Amiland ins Kino gebracht hat, ist zum momentanen Zeitpunkt ungewiss. Eine deutsche Veröffentlichung ist voraussichtlich für Sommer 2018 angedacht.
 
 
 


 
 
 

BLOOD FEAST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei GUNDO ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blood Feast (1963)
 
Blood Diner (1987)
 
American Burger (2014)
 
Hostel (2005)

Filmkritik: „Dead Shack“ (2017)

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DEAD SHACK

Story

 
 
 

Mein Nachbar das unbekannte Wesen. Im Film DEAD SHACK entpuppt der sich als unberechenbare Killermaschine.

 
 
 


 
 
 

DEAD SHACK – Kritik

 
 
 
Wenn in Horrorfilmen Zombies ihr Unwesen treiben, dürften bei den meisten Horrorfilmfans die Alarmglocken läuten. Die Skepsis ist nicht grundlos. In den letzten Jahren haben nämlich die meisten Zombiefilme das immer wieder gleiche Szenario abgespult, in denen sich Überlebende durch eine postapokalyptische Welt kämpfen müssen, in der es nur so von Untoten wimmelt. Das hat müde gemacht, weshalb die Zuschauer mittlerweile dankend abwinken, wenn ein neuer Zombiestreifen das Licht der Kinowelt erblickt. Der kanadische Regisseur PETER RICQ will das ändern und spricht damit Fans aus der Seele. Ihm sind die dystopischen Zombieszenarien gehörig auf dem Magen geschlagen, weshalb er mit seinem ersten Langfilm versucht frischen Wind ins festgefahrene Zombie-Genre zu bringen. DEAD SHACK nennt sich sein mittels Crowdfunding teilfinanzierter Horror-Spaß, der müde Fun-Splatter-Fans muntermachen soll. Hier gibt es jede Menge blutige Raffinessen zu bestaunen, die mit einer Prise Ironie verfeinert wurden. Damit erfüllt sich der eingefleischte Horrorfan einen Traum und huldigt zeitgleich wegweisende Horror-Klassiker, die in dem Filmfan die Leidenschaft zum Genre geweckt haben. So prägten Horrorkomödien wie EVIL DEAD 2, FRIGHT NIGHT und AN AMERICAN WERWOLF IN LONDON nachhaltig, wie Filmemacher PETER RICQ in Interviews zu verstehen gab. Der Verfechter des 80er-Jahre-Horrors wollte einen Film in gleichem Schlage drehen, in dem sich Horror und Witz die Waage geben. Entstanden ist durchaus kurzweiliger Splatter-Nonsens. Handwerklich solide und nicht ungeschickt.
 
 
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Camping, gute Laune und Eltern. Für die Teenager in DEAD SHACK ein Albtraum. Die begeben sich mit den Eltern in die kanadischen Wälder, um dort übers Wochenende in einer Waldhütte zu nächtigen. Doch zum Schlafen und Relaxen kommt man erst gar nicht. Die grünschnäbeligen Heranwachsenden müssen nämlich ihre Nase in Dinge stecken, die sich nichts angehen. Da streunt man übers Grundstück der Wochenendbehausung und macht einen Abstecher zur Nachbarin, die gerade Männerbesuch empfängt. Für die Jugendlichen ein gefundenes Fressen, um zu spannen. Doch natürlich kommt alles anders. Die Dame betäubt ihre triebgesteuerten Gäste und verfüttert sie an entstellte Kreaturen. Für die jungen Helden unserer Geschichte ein Schock. Die stürmen aus ihrem Versteck und verhalten sich auf ihrer Flucht so unachtsam, dass sie das Interesse der Beobachteten wecken. Die will natürlich Zeugen ausradieren und beginnt eine gnadenlose Hetzjagd auf die Schüler. Neugierde muss eben bestraft werden.
 
 
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Die Horror-Version des 80er Kultfilms THE GOONIES. DEAD SHACK ist nicht sonderlich ausführlich. Als Entschädigung für rudimentäres Horror-Einerlei gibt es aber schwarzen Humor und handgemachte Splatter-Leckerbissen, die offenbar die 1980er zurück ins Wohnzimmer bringen sollen. Mal wieder macht man von eingespielten Retro-Sounds Gebrauch, die dafür sorgen sollen, dass man sich in jene Zeit zurückversetzt fühlt, vor der man sich verbeugen möchte. Hin und wieder gelingt das sogar – vor allem dann, wenn das Böse durch die Dunkelheit schleicht und aggressive Synthesizer-Klänge den Puls schneller schlagen lassen. Doch am Spannungsbau ist man nicht sonderlich interessiert. Der wird bald vernachlässigt. Originell, durchdacht oder tiefgründig will DEAD SHACK nämlich gar nicht sein. Der Film entpuppt sich als hirnfreier Party-Snack für Zwischendurch, der erst dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn man ihn zusammen mit Freunden bei möglichst hohem Alkoholpegel genießt. So sind schnell Wege zum eigentlichen Höhepunkt geebnet – und der nennt sich: Mord- und Totschlag. Eine Kannibalensippe kämpft gegen Camper und Camper kämpfen gegen Menschenfresser. Da fließt eine Menge Blut und Fans härterer Gangart kommen auf ihre Kosten. Leider schleicht sich aber partout das Gefühl ein, dass Gebotenes für die Laufzeit von knapp 80 Minuten zu wenig ist. Zwar hat man an überzeichnete Figuren und coole Sprüche gedacht, die die Horrorkomödie in einen blutigen Comic-Strip für Erwachsene verwandeln. Trotzdem erweckt DEAD SHACK den Anschein, als wäre das hier alles eigentlich als Kurzfilm angedacht gewesen, bei dem man sich aber kurzfristig dann doch dazu entschieden hat, was fürs Kino zu machen. So sollte man trotz Bluteinlagen Erwartungen herunterschrauben. Dann kann man nicht enttäuscht werden. Besser als das, was man sonst so im Horrorbereich mittlerweile geboten bekommt, ist der kanadische DEAD SHACK jedoch allemal.
 
 
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DEAD SHACK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der perfekte Horrorfilm für einen Abend mit Freunden und einer Kiste Bier. DEAD SHACK ist ein schwarzhumoriger Party-Horror-Slasher bei dem der Fokus auf handgemachtem Blutgemansche liegt. Der unabhängig produzierte Slasher-Kannibalen-Zombie-Mix kommt schnell zum Punkt und will das feiern, was Horrorfilmfans nun mal von modernen Horrorfilmen erwarten. Da werden Köpfe eingeschlagen, an Körpern geknabbert und mit Äxten hantiert. Der kanadische Horrorbeitrag geizt nicht mit Blut und Schauwerten. Dafür aber mit Köpfchen und Handlung. Viel dergleichen bekommt man nämlich nicht zu sehen. Die Protagonisten nerven in ihrer Einfältigkeit schnell und sind leider weit weg von sympathisch. Auch viele der Proleten-Sprüche im Film sind Gift für Feingeister. Dafür hat man aber aus wenig viel gemacht und lässt DEAD SHACK nach mehr aussehen, als er vermutlich gekostet hat. Wer daher simpel gestrickte Horrorfilme mit 80er-Retro-Charme bevorzugt in denen ausschließlich die Blutkeule geschwungen wird und so dem Film seine Daseinsberechtigung gibt, wird sich an DEAD SHACK einen Ast freuen.
 
 
 


 
 
 

DEAD SHACK – Zensur

 
 
 
Es gibt einige grafische Gemeinheiten im Film zu sehen. Munition eines Schrotgewehrs bohrt sich durch Körper und Köpfe, ein Kopf wird mit einem Vorschlaghammer zermatscht, eine Axt wird in eine Schulter geschlagen und Menschenfleisch wird auch noch gefressen. DEAD SHACK ist ein witziger Genre-Mix und dürfte hierzulande mit einem roten FSK-Sticker in den Handel kommen. Wir vermuten: Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten. Der Film feiert übrigens im April 2018 seine Deutschlandpremiere auf dem OBSCURA FILMFESTIVAL.
 
 
 


 
 
 

DEAD SHACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Raven Banner)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Eat Locals (2016)
 
Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse (2015)
 
Condemned (2015)
 
Peelers (2016)
 
Night of Something Strange (2016)