Filmkritik: „Bloody Hell – One Hell of a Fairy Tale“ (2020)

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BLOODY HELL – ONE HELL OF A FAIRY TALE

(BLOODY HELL)

Story

 
 
 
Ein Ex-Knacki im Urlaub gerät in die Hände einer äußerst unangenehmen Familie mit mysteriösen Beweggründen

 
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Kritik

 
 
Der australische Drehbuchautor und Regisseur Alister Grierson zeichnet sich bereits für diverse Werke wie „Sanctum“ oder „Kokoda“ verantwortlich, doch weder eine Comedy, noch einen allzu brutalen oder gar splatterigen Film hat er bisher inszeniert – umso erfreulicher also, dass „Bloody Hell“ nach langer Zeit mal wieder als Punktlandung im Bereich des reinen Unterhaltungsfilms zu sehen ist, da hier ohne Kompromisse, unnütze Dramaturgie oder totgeguckte Klischees ein höchst charismatischer und spannender Protagonist präsentiert wird, dessen innerer Monolog am laufenden Band Spaß macht, so aussichtslos die Situation auch wirkt. Aber der Reihe nach:
 
 

„In some versions you’re The Dark Knight, in others you’re The Joker!“

 
 
Nach einem atmosphärischen und gut fotografierten Opener im finnländischen Wald geht es zu gezupfter Countrygitarre nach Idaho, wo ein junger, gutaussehender Mann in der Bank ansteht, um „Maddy“, die hübsche Bankangestellte, zu sprechen. Die Rede ist von Rex, unserem von Ben O’Toole verkörperten Protagonisten, vermutlich in der bisherigen Rolle seines Lebens. Zackig geschnitten, professionell inszeniert und kurzweilig wird nun erzählt wie bewaffnete Bankräuber das Gebäude stürmen, Ben in Selbstjustiz alle davon fertigmacht, dafür als Held gefeiert wird, aber auch 8 Jahre ins Gefängnis kommt. Seines zweifelhaften Ruhms überdrüssig entscheidet er kurzerhand nach Finnland zu ziehen, um dort neu anzufangen.
 
 

„Fee Fi Fo Fum – I smell the blood of an American. May he alive, or may he dead, I grind his bones to make my bread.“

 
 
Direkt am Flughafen trifft Rex auf mehrere, ältere Finnen die irgend etwas unverständliches nuscheln, ihn merkwürdig beäugen und seine Paranoia auslösen, doch ein beruhigendes Selbstgespräch auf der Toilette später hat sich unser vermutlich nur überreagierender, PTSD- geplagter Protagonist genug beruhigt, um in den Flieger zu steigen. Jedes dieser Selbstgespräche zwischen Rex und seinem inneren Ich wird dabei durch technisch einwandfreie Szenen inszeniert, in denen O’Toole zweimal zu sehen ist und flüssig auf sich selbst reagiert, mit sich selbst diskutiert. Und so, durch einen Betäubungsgasangriff, ohne auch nur die kleinste Verschnaufpause, gelangen wir also nach weniger als 20 Minuten bereits nach Finland, wo Rex in einem dreckigen, schick beleuchteten Keller von der Decke baumelt und seinen rechten Unterschenkel vermisst…
 
 
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Wie so oft bei guten, überraschenden Filmen soll auch an dieser Stelle gar nicht weiter erzählt werden, denn auch wenn weder die Antagonisten, noch das Setting an sich allzu originell oder neu sind, so ist es hier einerseits das „Wie“, andererseits das „Warum“, das in einigen Flashbacks amüsant erzählt wird oder durch bissiges, witziges Writing immer wieder überzeugen kann. Die Selbstgespräche sind super realistisch und schwarzhumorig, die Kamerafahrten durch die Böden, Etagen und Decken des alten Hauses beeindruckend und flüssig, hauptsächlich aber reicht schon O’Toole in dieser sehr ungünstigen Situation beim Hadern mit sich selber, um zu unterhalten.
 
 
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Denn auch wenn mir eine Offenbarung sowie Ausführung jener etwas zu trashig und häufig gesehen ist, wir wenig über die Entführerfamilie erfahren und der Film sich im zweiten Akt mit zu viel Hintergrundgeschichte trotzdem noch etwas ausbremst, so überwiegt in erster Linie die Freude darüber, mal wieder einen charakterbasierten Film zu sehen, der um die Stärke seines Schauspielers und Drehbuchs weiß und darum nicht großartig versucht, mit Gore, Sadismus oder unnötig aneckenden Witzen auf sich aufmerksam zu machen.
 
 
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Was jedoch nicht heißen soll, dass „Bloody Hell“ harmlos wäre, ganz im Gegenteil: So amüsant und schwarzhumorig dieser Film auch sein mag, im der dramatische Kern ist tragisch, glaubhaft und funktioniert, wird gut erzählt und sorgt für mehr als nur die oberflächlichste Unterhaltung. Der Charakterwandel ist interessant nachzuvollziehen und wirkt nie zu aufgesetzt und auch wenn der Film es nie nötig hat, unbekannte Nebencharaktere für Gore-Einlagen zu töten, so ist der Gore, der dann später aufkommt, absolut schonungslos, wunderbar handgetrickst und geradezu kathartisch zu nennen. Man liest es schon raus, ich war höchst amüsiert von und zufrieden mit „Bloody Hell“: Trotz wenigen Settings und „kleiner“, simpler Story wurde hier ein großartig galliges, von vorne bis hinten frisches und spaßiges Script auf höchst brutale, clevere, sympathische Weise konsequent umgesetzt. Mit einem fantatischen Hauptdarsteller in einer auf ihn zugeschnittenen Rolle, spitzen Dialogen, höchst witzigen Galgenhumor-Einlagen, nicht zu unterschätzenden, brutalen Mini- Massakern und fast perfektem Pacing. Wäre ein Charakter ausgetauscht, eine Szene etwas umgeschrieben, ich wäre bei ganzen 8/10 Punkten, so aber schrappt der Film ganz knapp daran vorbei.
 
 
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BLOODY HELL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Bitterböse, witzige, sarkastische, höchst kurzweilige Comedy mit deftigen Gewalteinlagen, tragischer Backstory und fantastischer Performance von Ben O’Toole.
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bloody Hell – One Hell of a Fairy Tale“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BLOODY HELL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Splendid Film (2 Blu-rays im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bloody Hell; Australien | USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Komödie

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Making-of, Original-Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film „We Summon the Darkness“ auf Blu-ray, 20-seitiges Booklet

Release-Termin: Mediabook | KeepCase: 24.09.2021

 

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BLOODY HELL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Very Bad Things (1998)
 

Filmkritik: „Dark Stories to Survive the Night“ (2019)

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DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT

(DARK STORIES)

Story

 
 
 
Der Anthologien-Horror geht in die nächste Runde. In „Dark Stories to Survive the Night“ werden fünf gruselige Geschichten erzählt, um die Nacht zu überleben.

 
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Kritik

 
 
Horror-Anthologien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Manchmal mit originellen Grundprämissen, manchmal auch einfach nur so. „Dark Stories to Survive the Night“ macht einen ziemlich unspektakulären Eindruck und glänzt nicht unbedingt mit großer Vielfalt, macht aus den doch sehr simplen Geschichten aber stets etwas Eigenständiges und kommt sympathisch daher.
 
 
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Wie sich das gehört, gibt es eine Rahmenhandlung. In dieser geht es um Christine, die eines Tages ein Paket mit einer unheimlichen Puppe erhält. Diese führt ein beängstigendes Eigenleben und bedroht sofort das Leben von Christine. Um die Puppe hinzuhalten, erzählt Christine ihr fünf Gruselgeschichten, aber am Ende kommt alles ganz anders, als gedacht. Der finale Twist lässt sich dabei zwar schon etwas vorhersehen, wirkt aber dennoch nicht schlecht. Allgemein ist die Rahmenhandlung zwar konstruiert, erfüllt jedoch ihren Zweck. Man hätte dem zwischendurch ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen, denn lediglich zu Beginn und am Ende geschieht hier etwas, doch alles in einem ist die Rahmenhandlung in Ordnung und kommt zum Schluss mit einem kleinen Augenzwinkern daher. Mit Kristanna Loken gibt es hier auch eine etwas bekanntere Darstellerin zu sehen und wie man die Puppe dargestellt hat, weiß ebenfalls zu gefallen. Zwar hat man es sich hier relativ leicht gemacht, aber im Endeffekt ist das doch besser, als billige CGI-Effekte zu servieren.
 
 
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Ansonsten lebt „Dark Stories to Survive the Night“ natürlich von seinen fünf Geschichten. Der Anfang führt den Zuschauer in ein Museum, in dem die Gemälde ein erschreckendes Eigenleben führen. Schuld daran sind Ghouls und obwohl an diesen Geschöpfen mittlerweile nichts mehr originell erscheint, wirkt die Geschichte halbwegs kreativ. Man hat das schon recht verspielt umgesetzt, dient mit etwas albernem Humor und die Stimmung ist harmlos-gruselig, so dass man sich schon fast wie in einer Episode von „Gänsehaut“ vorkommt. Handwerklich ist das solide gemacht, die Effekte können sich sogar sehen lassen, die Schauplätze wirken authentisch und über die Darsteller kann man sich nicht beklagen. Außerdem wird mit einer netten Pointe gedient, so dass man für diese Episode gerne sechs Punkte springen lassen kann!
 
 
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Weiter geht es mit einer Geschichte, die in einem Park spielt. Hier geht es um Geister. Die Stimmung wird deutlich düsterer, aber die Episode ist gleichzeitig etwas langweiliger. Selbst wenn die Laufzeit (wie im Durchschnitt alle Folgen) nur 15 Minuten beträgt, lässt man sich insgesamt etwas zu viel Zeit. Dafür geht es etwas surrealer zur Sache und vom Handwerk her ist auch hier alles im grünen Bereich. Die Pointe ist ebenfalls passabel. Fünf Punkte dafür!
 
 
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Wenn es in der nächsten Episode dann um einen Zombie geht, darf man zurecht befürchten, dass man nun langweiligen Einheitsbrei serviert bekommt. Doch dies umgeht man gekonnt, weil man das Geschehen mit reichlich verschrobenem Humor angereichert hat. So fühlt man sich schon eher wie in einer Horrorkomödie. Dabei darf es mal etwas blutiger werden und die Effekte können sich echt sehen lassen. Das wird gut gespielt, ist relativ kreativ gestaltet und sogar etwas actionreicher, so dass man hier von einem kleinen Highlight sprechen kann, welches sich sieben Punkte verdient hat.
 
 
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In der vierten Geschichte geht es um einen Dämon, um genauer zu sein, um einen Djinn. Auch dies macht überhaupt keinen originellen Eindruck und die Story ist viel zu simpel, um sie als gut zu bezeichnen. Dies wird jedoch mit einer guten Atmosphäre ausgeglichen und der Horror spielt hier eine deutlich größere Rolle, als noch in der vorherigen Episode. So kommt ein angenehmer Schauer auf. Die Darsteller spielen gut, die Charaktere wirken recht sympathisch und das Ende ist dann schön böse, so dass immerhin sechs Punkte drin sind.
 
 
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In der finalen Episode geht es dann um Aliens, was sicherlich nicht sofort begeisternd klingt. Die Herangehensweise ist allerdings selbst in dieser Geschichte etwas anders. Von allen Stories ist diese wohl am dialoglastigsten und es dauert ziemlich lange, bis mal etwas geschieht. Das Ende haut einen nicht unbedingt vom Hocker, aber die Schauplätze machen etwas her und das Schauspiel lässt sich erneut als durchaus solide bezeichnen. Außerdem darf man hier auch mal erwähnen, dass die deutsche Synchronisation gut gelungen ist. Zwar ist der Abschluss etwas schwach, aber er langweilt kaum und bringt es so noch mal auf gut gemeinte fünf Punkte!
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Dark Stories to Survive the Night“ erfindet das Rad nicht neu, bedient den Anthologien-Horror aber auf angenehme Art und Weise. Die Grundprämissen der Geschichten sind überhaupt nicht originell, jedoch hat man stets etwas recht Eigenständiges daraus gezaubert und zum Glück hat man nicht vergessen, dass böse Pointen bei Kurzgeschichten gut wirken können. Aus rein handwerklicher Sicht ist dieses französische Exemplar absolut sauber gemacht und dass hier nicht das große Budget hinter steckt, bemerkt man als Zuschauer selten, denn alle Schauplätze und Effekte sehen völlig brauchbar aus. Viel Gewalt braucht man zwar nicht zu erwarten, aber langweilig wird es deshalb trotzdem so gut wie nie. Selbst die Rahmenhandlung ist nicht schlecht geraten und unterdurchschnittlich wird es mit keiner Episode. Das Niveau reißt nie ganz nach oben aus, pendelt sich jedoch in einem passablen Rahmen ein. Die Darsteller sind brauchbar, der Score hört sich solide an und die rund 100 Minuten Laufzeit sind ziemlich flott vergangen. Sicher nicht der nächste, große Wurf in Kurzfilmsammlungen, aber für Fans von solchen absolut zu gebrauchen und atmosphärisch irgendwie echt sympathisch!
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Dark Stories to Survive the Night“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark Stories; Frankreich 2019

Genre: Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Polnisch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 102 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

Dark Stories to Survive the Night [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DARK STORIES TO SURVIVE THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Geschichten aus der Gruft (1989–1996)
 
The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte (2019)
 
Stephen King’s Katzenauge (1985)
 

Filmkritik: „Willy’s Wonderland“ (2021)

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WILLY’S WONDERLAND

Story

 
 
 

Nach einer untypischen Autopanne sieht sich ein namenloser Badass gezwungen, eine Nacht in einerm ehemaligen Kindervergnügungsrestaurant zu verbringen, das nicht so unbewohnt und unschuldig ist, wie es scheint.

 
 
 


 
 
 

WILLY’S WONDERLAND – Kritik

 
 
 
Das 2014 als Reaktion zu harscher Kritik an seinem Bieberspiel, kein Witz, von Scott Cawthon entwickelte Horrorspiel „Five Night’s at Freddy’s“ ist anno 2021 nicht nur lange zum kulturellen Phänomen und eigenem Universum inklusive zahlreicher Spiele, mehrerer Bücher und Spin-Offs geworden, nein, auch ein Spielfilm über die besessenen, animatronischen Terrorfiguren unter der Regie von „Home Alone“ und „Harry Potter“-Regisseur Chris Columbus ist geplant. Während sich dieser aber noch in der Vorproduktion befindet und mit einer Lore zu beschäftigen hat, die von Fans seit Jahren entschlüsselt und interpretiert wird, ist der vorliegende „Willy’s Wonderland“, ebenfalls mit sehr ähnlicher Prämisse angereichert und mehr als offensichtlich von dem Franchise inspiriert und ohne jeglichen Anspruch auf Originaltreue oder patentierte Namen, bereits erschienen – und hält genau das, was er verspricht.
 
 
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Zugegeben, die PC-Spiele sind jumpscarelastiger Horror ohne wirkliche Kämpfe und mit viel Suspense und Ruhe zwischen den Attacken; und Gruseln, oder auch nur erschrecken, wird sich bei „Willy’s Wonderland“ wirklich niemand – aber wer Nicolas Cage dabei zusehen will, wie er angenehm amüsant bis leicht unheimlich inszenierte, animatronische Viecher zerkloppt, der ist hier richtig. Manchmal kann Unterhaltung ja so simpel sein. Ein lahmer Classic Rock-Song trübt den soliden Ersteindruck des hübschen Blu-ray Menüs, danach folgt ein reichlich unmotivierter und zu schnell geschnittener Opening-Kill, in dem der Täter zwar nicht zu sehen ist, dafür aber auf einem Röhrenfernseher im Fake 80s-Stil bereits die glücklich singenden Maskottchen vorgestellt werden, bis der Bildschirm mit Blut bespritzt wird. In den Opening Credits begleiten wir dann Nicolas Cage in seiner stummen Rolle als coole Sau, die natürlich mit Sonnenbrille und Dosenbier im Sportwagen durch die Felder heizen darf, wobei aber leider erneut das unnötig hektische Editing, der generische, charakterlose, instrumentelle Rock- Soundtrack und das übertriebene Colourgrading nerven, durch welches alles orange aussieht.
 
 
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Cage fährt über ein Nagelbrett und brauch demnach eine Reparatur für den Wagen, der lokale Abzocker will natürlich $1000 dafür haben und nimmt nur Cash, oder aber eine Nacht im titelgebenden Kinderparadies, das seit Jahren verlassen ist und dank des schnellen Pacings bereits nach 13 Minuten Film betreten wird. Empfangen wird unser Hausmeister dabei von „Tex“, einem weißen Cowboyanzug tragenden, sehr spielfreudig und unterhaltsam von Ric Reitz gespielten fella, der hinter seinem allzu breiten Grinsen etwas zu verstecken scheint. Auch die Tatsache, dass an der Außenseite des Gebäudes Graffitis wie „KID KILLER BURN IN HELL“ prangen, oder kurz vorher noch eine junge Dame festgenommen wurde, die am helllichten Tag versucht hat, das Etablissement abzufackeln, sollte ggf. zu denken geben.
 
 
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Was die folgenden ~75 Minuten lang geschieht, ist inhaltlich zwar absolut vohersehbar und derart nach Schema F geschrieben, dass man vermutlich nicht groß überrascht wird – aber das WIE ist hier darum eine Erwähnung wert, weil es so wunderbar untypisch ist: Denn Nic Cage als Hausmeister redet nicht nur keinen einzigen Satz, sondern ist auch jederzeit überlegen und nie ernsthaft in Gefahr, verletzt zu werden oder umzukommen – das sorgt also für das Ausbleiben jeglichen Mitfieberns oder jeglicher Spannung, stattdessen gilt es aber einfach grinsend das Design, die Neonfarben, die Location, die überraschend brutalen Kills am Teeniefutter, oder sehr straßenkampfmäßigen Choreographien mit den Animatronics zu genießen.
Durch regelmäßige Montagen, Pausen, eine repetitive Struktur und die gleichförmige Gewalt stellt sich nun sowohl beim Protagonisten als auch beim Zuschauer eine Routine ein, die ggf. langweilen kann, mir aber sehr vergnügliche 70 Minuten bereitet hat – denn gut genug aussehen tut der Film und die Tierchen sind zahlreich und abwechselnd goofy oder unironisch gruselig designt – allen voran Sarah the Siren, die in einigen rot beleuchteten Shots an einen ernsteren Horrorfilm erinnert.
 
 
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Logik, Abwechslung und Spannung werden also klein geschrieben, Cage darf nur nonverbal ausrasten und ein originalgetreuer Fan-Film, für den viele es hielten, ist dieses Werk auch nicht denn der muss erst noch gedreht werden – aber so saudämlich das Script den Zuschauer in seiner übererklärten, entmystifizierenden Flashback-Szene mit tausendmal gesehener Hintergrundgeschichte auch ist, ganz nebenbei wird innerhalb dieser Sequenz eine blutige Verletzung an einem Kind (!) gezeigt und beweist, wie egal diesem Film doch übliche Ansprüche oder Konventionen sind.
 

„This is where those kidkillers offed themselves!“

 
Ein heruntergekommenes, dämonisches, fehlgeschlagenes Kindergeburtstagsparadies/Themenrestaurant als Setting kann für sich schon punkten, im „Super Happy Fun Room“ etwa den brutalsten Kill zu inszenieren, aufgrund der Überdrehtheit des Konzepts aber nicht in unangenehme Folter oder Gewalteskapaden auszuarten, ist ein gelingender Balanceakt. Ein erfrischend geradliniger und simpler Film, der genau weiß was er ist, was er sein will und der keine großen Ambitionen hat, bis auf kurzweilige Unterhaltung mit Situationskomik, etwas Splatter, ein paar Kämpfen und sehr spaßigen Creature Designs. Da gilt es die lahmeren Parts des Soundtracks und die dümmeren Entscheidungen der Teenager dann doch zu entschuldigen, wenn Nic Cage dafür besoffen, pinballspielend, ölverschmiert Gorillas durch Toilettenwände rammt. Manchmal tut es einfach gut, etwas kurzes, kathartisch dummes zu sehen, in dem eine Frau durch einen engen Lüftungsschacht robbt, im nächsten Moment aber eins dieser riesigen Tiere reinpasst und sie herrlich unbegabt umher jagt.
 
 
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WILLY’S WONDERLAND – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Dämliche Nebencharaktere, schmerzend uninspirierte Rockmusik und eine lahme Hintergrundgeschichte können auch nicht verhindern dass Nicolas Cage als dauerhaft die Kontrolle habender, stoischer, Robokreaturen zu Muß prügelnder Krieger einfach Laune macht – einige hübsche Einstellungen, passende Synthiesongs und blutige Kills tun ihr Übriges.
 
 
 


 
 
 

WILLY’S WONDERLAND – Zensur

 
 
 
„Willy’s Wonderland“ geht nicht zimperlich mit seinen Figuren um. Dennoch hat der Streifen überraschenderweise von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. In den 1980ern wäre ein Film wie „Willy’s Wonderland“ leider nicht unbeschadet durch das Prüfgremium gekommen. Umso erfreulicher ist, dass der trashige Slasher ungeschnitten im Handel steht.
 
 
 


 
 
 

WILLY’S WONDERLAND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase mit 10 Sammelkarten)

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(c) Splendid Film (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Willy’s Wonderland; USA 2021

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow, Colorful Darkness (1:43 Minuten), Inside the Fun (7:37 Minuten) | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 21.05.2021

 
 

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WILLY’S WONDERLAND – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Abbildungen stammen von Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Meet the Feebles (1989)
 
Demonic Toys (1992)
 
Teddy Bears Are For Lovers (2016)
 

Filmkritik: „Knuckledust“ (2020)

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KNUCKLEDUST

Story

 
 
 
Als ein geheimer Underground-Fight-Club von der Polizei hochgenommen wird, findet diese dort haufenweise Leichen vor. Nur ein Mann hat das Gemetzel überlebt, aber ist er der Täter oder ein Opfer?
 
 
 


 
 
 

KNUCKLEDUST – Kritik

 
 
Genauso wie Quentin Tarantino, hat auch Guy Ritchie einen eigenen Stil entwickelt, der gerne kopiert wird. Das bemerkt man z.B. sehr an einem Werk wie „Knuckledust“. Hier schreit einfach alles nach den ersten Filmen von Ritchie. Originalitätspreise lassen sich damit sicher nicht gewinnen, aber wenn man seine Erwartungen etwas herunterschraubt, bekommt man doch einen ganz unterhaltsamen Film zu sehen.
 
 
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Nachdem die Polizei einen Notruf erhalten hat, stürmt sie den geheimen Fight-Club namens Knuckledust. Selbst wenn es normal ist, dass es dort blutig zur Sache geht, ist es doch seltsam, dass nur Leichen vorgefunden werden. Lediglich ein namenloser Mann hat das Gemetzel überlebt und wird nun verhört. Dabei erzählt er nach und nach von einer unglaublichen Geschichte. Die Erzählweise ist nicht neu: Am Anfang bekommt der Zuschauer zu sehen, wie das schrille Szenario endet – Doch wie es soweit kommen konnte, wird erst durch Rückblenden klar. „Knuckledust“ benutzt dieses Konzept, setzt es aber relativ eigenständig um, weil man am Anfang doch schon sehr viel gezeigt bekommt und fast schon komplett im Bilde ist. Um die Story dann weiterhin interessant zu halten, hat man sich einige Wendungen einfallen lassen, die okay sind, aber nicht gerade durch Glaubwürdigkeit oder Realismus punkten. Besonders am Ende übertreibt man es doch etwas zu sehr. Insgesamt kann man mit der Geschichte aber leben, weil es ein paar gute Ideen gibt und das Ganze doch einigermaßen ambitioniert erzählt wird.
 
 
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Regisseur James Kermack, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigte, ist eher als Schauspieler tätig (in einer kleinen Rolle ist er hier ebenfalls zu sehen). „Knuckledust“ ist erst sein dritter Langfilm und dass das Budget eher geringer gewesen sein dürfte, kann man gut erkennen. So sind die Schauplätze eher weniger interessant und auch der Underground-Club macht optisch nicht so viel her. Leider wirkt das teilweise alles etwas billig, aber mit der gut gemeinten Inszenierung kann Kermack das teilweise wett machen. Charaktere mit Namen einzublenden, ist zwar kein neues Stilmittel, Zeichentrick-Elemente einzubauen ebenfalls nicht und allgemein kopiert Kermack eher seine Vorbilder, aber er macht das mit einem gewissen Stil und teilweise kann er damit schon punkten.
 
 
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Ähnlich ergeht es der Atmosphäre. Hier spürt man am ehesten das große Vorbild Guy Ritchie, denn immer wieder bringen die Figuren lustige Sprüche. Das ist manchmal arg doof und wirkt viel zu gewollt, bringt aber eine lockere Note mit ins Geschehen und teilweise macht das dann tatsächlich etwas Spaß. Der Coolness-Faktor ist kaum gelungen, weil er es sehr stark darauf anlegt besonders toll zu sein, aber immerhin kommt es so zu ein paar bizarren Szenen, die am ehesten den Trash-Fan befriedigen werden. An der Actionfront gibt es leider nicht so viel zu berichten. „Knuckledust“ besitzt seine Fights, die jetzt nicht wunderschön choreographiert wurden, jedoch ihren Zweck erfüllen. Es sind allerdings nicht sonderlich viele und wenn man sich teilweise die Handlung durchliest, könnte man hier deutlich mehr erwarten. Es geht dem Werk fast mehr um die Comedy-Anteile und zum Ende hin widmet man sich immer mehr der unglaubwürdigen Geschichte. Über eine gewisse Laufzeit hinweg, kann das doch recht gut unterhalten, selbst wenn keinerlei Spannung aufkommt. Mit seinen rund 100 Minuten Laufzeit offenbart „Knuckledust“ jedoch ein paar Längen und etwas kürzer hätte man das ruhig gestalten können. Dafür ist der Soundtrack ganz cool.
 
 
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Bleiben noch die Darsteller, die ihre Sache doch einigermaßen gut machen, was erfreulich ist. Moe Dunford kann die Hauptrolle ganz gut stemmen und kommt mit einem gewissen Charisma daher. Kate Dickie ist ebenfalls nicht schlecht. Dann gibt es eine Reihe von etwas bekannteren Gast-Auftritten. Darsteller wie Phil Davis und Guillaume Delaunay sind leider viel zu kurz zu sehen, können aber immerhin für kurze Zeit einen Eindruck hinterlassen. Camille Rowe agiert ganz passend und vom eindrucksvollen Olivier Richters hätte man gerne auch noch mehr gesehen. Die Figurenzeichnung versucht markant zu sein und mit den karikativen Charakteren gelingt das teilweise auch, aber wirklich lange wird hier niemand in Erinnerung bleiben. Dafür ist das dann doch zu sehr gewollt und nicht ikonisch genug.
 
 


 
 
 

KNUCKLEDUST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Knuckledust“ besitzt eine recht verspielte Inszenierung, die zwar am ehesten von ihren Vorbildern zehrt, sich aber doch stilsicher gibt. Aus handwerklicher Sicht ist das alles etwas billiger, aber nicht unbedingt schlecht gemacht. Die Story wirkt anfangs simpel, bekommt hinterher unnötig viele Wendungen spendiert, die nicht gerade glaubwürdig erscheinen, das Treiben aber immerhin nie zu eintönig werden lassen. Über die Darsteller kann man sich nicht beklagen und die Figurenzeichnung ist teilweise ebenfalls nicht so schlecht. Was den Coolness-Faktor betrifft, so darf man sich jedoch streiten, denn das wirkt schon alles sehr hart gewollt und funktioniert deshalb nicht wirklich. Obwohl die Atmosphäre relativ amüsant ist, erfüllt sie ihren Zweck nur bedingt. Mehr Action wäre auch nicht verkehrt gewesen, obwohl die vorhandene okay aussieht. Mit großer Brutalität sollte man allerdings nicht rechnen und ein paar Längen haben sich ebenfalls eingeschlichen. Alles in einem knapp über dem Durchschnitt und sicher kein schlechter Versuch, aber deutlich ausbaufähig!
 
 


 
 
 

KNUCKLEDUST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Knuckledust“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

KNUCKLEDUST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Knuckledust; Frankreich | Großbritannien 2020

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 30.04.2021

 

Knuckledust [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

KNUCKLEDUST – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Tournament (2009)
 
Snatch – Schweine und Diamanten (2000)
 
Rock N Rolla (2008)
 

Filmkritik: „Fatman“ (2020)

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FATMAN

Story

 
 
 
Als hätte der für die Regierung arbeitende Santa Clause nicht schon mit finanziellen Problemen und einer verrohenden Jugend genug Probleme, hetzt ein reicher Junge ihm nun noch einen Auftragskiller auf den Hals, der mit Mister Cringle eine ganz eigene Rechnung zu begleichen hat.
 
 
 


 
 
 

FATMAN – Kritik

 
 
Die mittlerweile über eine Dekade in der Filmbranche tätigen Brüder Eshom und Ian Nelms wagen sich nach ihrem 2004 entstandenen Langfilmdebüt „Squirrel Trap“, mehreren Kurzfilmen, dem Drama „Lost on Purpose“ und dem Mysterythriller „Small Town Crime“ erstmalig an eine genrelastigere, größere Produktion mit bekannten Namen und 20 Millionen Budget – doch größer heißt nicht immer besser und ein Starcast verspricht nicht immer einen guten Film – hat sich der Sprung zum Mainstream also gelohnt?
 

„Bring home the blue, Billy!“

 
Inmitten eines Schneesturms begrüßt Mel Gibson als Santa Clause den Zuschauer direkt im festlich anmutenden Menü, dessen Soundtrack gekonnt den Spagat zwischen Country/Western-Klängen und frohlockender Weihnachtsstimmung wagt. Das „Naughty or Nice“-Buch in seiner Hand weist direkt auf die Geschichte hin, der Film selber beginnt in einem schneebedeckten, kaminroten Haus, in dem der junge, reiche, verwöhnte Billy Wenan (Chance Hurstfield, den man aus „Good Boys“ kennen könnte) einen Brief an Santa schreibt und im schleifenübersäten Anzug von seiner Oma an die Preisausschreibung in der Schule erinnert wird.
 

„All I have is a loathing for a world that has forgotten.“

 
Schnitt und wir begegnen Santa Clause, der in diesem Film wunderbar bodenständig und „realistisch“ dargestellt wird, einen Deal mit der Regierung hat und sich während seiner Schießübungen mit seiner Frau (Marianne Jean-Baptiste) über die fehlende Finanzierung und aussichtslose Lage unterhält – mehr und mehr Kinder und Jugendliche werden nämlich straffällig und verdienen zu Weihnachten nicht mehr als ein Stück Kohle. Der letzte wichtige Charakter im Bunde ist nun der von Walton Goggins verkörperte Auftragskiller „Skinny Man“, der scheinbar regelmäßig Aufträge von Billy annimmt, so entführt er z.B. auch die diesjährige Gewinnerin des Schulwettbewerbs, damit Billy ihr in einer überraschend garstigen Szene mit Starkstromfolter per Autobatterie drohen kann – womit die Tonalität des Films auch nach etwa 20 Minuten bereits anschaulich vorgestellt wurde.
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Denn auch wenn die deutsche Blu-ray ein bleihaltiges Finale verspricht und damit auch nicht lügt, so ist „Fatman“ in erster Linie ein schwarzhumoriger Quasi-Weihnachtsfilm der von markanten Charakteren und leicht grotesken Situationen lebt, und kein Actionfilm. Die letzten 20 Minuten bestehen dabei zwar in der Tat aus ansprechend inszenierten Schießereien mit außergewöhnlichem Setting und befriedigenden Konfrontationen, doch bis dahin folgen wir tatsächlich „nur“ den beiden hauptsächlichen, sehr leicht nacherzählten Plotpoints: Santa, seine Frau und Elfen haben finanzielle Probleme und gehen darum einen Deal mit dem Militär ein, Billy ist unzufrieden mit seinem Weihnachtsgeschenk und hetzt darum den Skinny Man auf Santa.
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Das klingt vielleicht ermüdend simplistisch für rund 80 Minuten Unterhaltung vor der eigentlichen Auseinandersetzung der beiden, doch tatsächlich sind Writing und Schauspiel hier unterhaltsam bis kurios genug, damit sich nie Langeweile einstellt – Mel Gibson mimt einen überzeugenden, verbitterten aber trotzdem nicht wortkargen oder anstrengenden Santa Clause und Walton Goggins, bei Gott, dieser Mann versteht es einfach aufs Beste einvernehmlich einzigartige Charaktere zu verkörpern, die amoralisch und prinzipiell unsympathisch sind, aber durch sein Charisma, die Wortwahl – und auch Mode – doch ans Herz wachsen. Zynische, unschuldige Leute auf seinen Weg umbringende Auftragskiller hat man dabei sicherlich schon öfter gesehen, doch selten mit langer Schneejacke, Weihnachtstick und minderjährigen Auftraggebern.
 

„Captain, we’ve discovered the most efficient and productive way to eat is simple carbs and sugars, six times a day.“

 
Ohne den weiteren Verlauf, die amüsanten Szenen und Verknüpfungen zwischen Militär, Chris Cringle, den Elfen und dem Skinny Man also spoilern zu wollen, bleibt nur noch das stets gewitzte und passende Editing zu loben, so wie der Mal groovige und zur Autofahrt-Montage passende, dann wieder mit Geigen und Trommeln Spannung erzeugende Soundtrack. Und wer ob des Weihnachtsfaktors abgeschreckt oder zugeneigt ist, dem sei so oder so eine Entwarnung gegeben: Der Film hält perfekt die Waage und schafft es trotz Blutvergiessens „wholesome“ und sympathisch zu sein; spielt in etwa von November bis Januar des nächsten Jahres, benutzt liebevoll „Carol of the bells“ und andere klassische Weihnachtsstücke, spielt das saisonale Setting aber nie als übertriebenes Gimmick aus. Etwas mehr Straffung und ein oder zwei Zwischenszenen weniger hätte „Fatman“ definitiv gebrauchen können, auch bleibt der Plot von einem gewissen Zeitpunkt an recht überraschungsarm und das Finale kann in seiner Unentschlossenheit bzw. vorgegaukelten Härte ebenfalls den Gesamteindruck trüben – doch als frecher, relativ origineller, post(?)moderner Weihnachtsfilm mit einer verdammt spaßigen Performance von Goggins sowie einer handvoll selten so kombinierter Ideen taugen diese 100 Minuten allemal.
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FATMAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Unterhaltsamer, witziger, blutiger Killer vs. Santa-Film mit ungeahnten Plotpoints und spielfreudigem Walton Goggins. 7/10 und 3.5/5 Zuckerstangen*
 
(*Die Zuckerstangenskala gilt zur Anzeige der Weihnachtlichkeit des Films in Sachen Sets, Handlung, Dialog, Mode, Thematik, Musik, Dekoration und Stimmung)
 
 


 
 
 

FATMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Fatman“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

FATMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Fatman; Großbritannien | Kanada | USA 2020

Genre: Thriller, Action, Fantasy, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, B-roll, Featurettes, Interview mit Mel Gibson

Release-Termin: KeepCase: 26.02.2021

 

Fatman [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FATMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Better Watch Out (2016)
 
Becky (2019)
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
A Christmas Horror Story (2015)
 
Bad Santa (2003)
 

Filmkritik: „Peninsula“ (2020)

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PENINSULA

(TRAIN TO BUSAN 2)

Story

 
 
 
Der Nachfolger zum mega erfolgreichen „Train to Busan“ erzählt, wie es mit der Zombieapokalypse in Südkorea weiter geht. .
 
 
 


 
 
 

PENINSULA – Kritik

 
 
Ein großer Erfolg wird meist fortgesetzt – Diese Regel gilt nicht nur für Hollywood. Bei seinen enorm hohen Einspielergebnissen, ist es kein Wunder, dass „Train to Busan“ 2020 eine Fortsetzung spendiert bekam. Eine weitere Regel besagt zudem, dass solche zweiten Teile meist noch mehr bieten müssen. Bei „Peninsula“ wird nun genau dies zum Problem, denn der Reiz des Kritikerlieblings von 2016 bestand eben darin, dass sich das Zombie-Szenario auf engem Raum abspielte. Yeon Sang-ho wiederholt sich zwar zum Glück nicht, setzt jedoch zu sehr auf seelenlose Blockbuster-Action, die mit einem Zombiefilm kaum noch etwas gemeinsam hat.
 
 
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Der Soldat Jung-seok konnte der Zombie-Invasion auf der südkoreanischen Halbinsel gerade noch entkommen, hat dabei jedoch schwere Verluste erlitten. Vier Jahre später lebt er ein bescheidenes Leben in Hongkong, doch plötzlich melden sich ein paar Amerikaner mit einem Auftrag. Auf der Halbinsel sollen sich viele Millionen Dollar befinden und Jung-seok soll sie gemeinsam mit einem Team beschaffen. Die Hälfte der Beute soll die Belohnung sein. Doch natürlich geht alles schief und in dem Gebiet wimmelt es nur so vor Zombies. Allerdings gibt es eine weitere Bedrohung: Eine ominöse Gruppierung namens Unit 631 geht mit Menschenleben nicht gerade schonend um.
 
 
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Eine Fortsetzung von „Train to Busan“ stellt sich als schwierige Aufgabe heraus, denn einfach das Zug-Szenario zu wiederholen, wäre langweilig gewesen. Also erweitert man nun den Schauplatz auf die gesamte Halbinsel, womit man aber eben die kreative Idee des Erstlings vernichtet. Und schon hat man einen ziemlich austauschbaren Blockbuster vor sich, der vom Drehbuch her noch weniger überzeugen kann, als der ohnehin schon simple Vorgänger. Die Story erinnert nun deutlich mehr an „Mad Max 2“ und hat nicht viel zu erzählen. Ein paar Einfälle wie Kolosseumskämpfe sind zwar ganz nett, aber viel mehr hat „Peninsula“ nicht zu bieten.
 
 
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Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die Zombies gar nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Der neue Feind ist eher die Unit 631, die allerdings nicht so besonders interessant wirkt. Die Zombies dienen eigentlich nur noch für die Ausgangssituation und um ab und zu etwas Splatter einzubauen. Damit beraubt man dem Werk die Atmosphäre, denn bedrohlich wirkt hier fast gar nichts mehr. Noch mehr, als im bereits actiongeladenen Vorgänger, hat man es hier mit einem Actionfilm zu tun, der mit Horror wenig gemeinsam hat. Das muss nicht schlecht sein und über die Inszenierung kann man sich sicher kaum beklagen. Yeon Sang-ho hat seine Arbeit als Regisseur nämlich wieder ordentlich erledigt. Die Schauplätze sehen gut aus und lassen eine postapokalyptische Stimmung entstehen und die Action wurde rasant inszeniert. Wer sich allerdings an sehr sichtbaren CGI-Effekten stört, wird einen mächtigen Dämpfer serviert bekommen, denn immer wenn es etwas aufwendiger wird, sieht das viel zu künstlich aus. Hier wäre es sehr schön gewesen, wenn man auf handgemachte Effekte gesetzt hätte. Blut wird nebenbei natürlich reichlich vergossen, aber Gorehounds kommen eher weniger auf ihre Kosten, weil die Zombies eben nur noch eine Randnotiz sind.
 
 
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Ein weiterer Nachteil besteht aus der Figurenzeichnung. Auch hier konnte „Train to Busan“ mehr punkten, weil seine Charaktere ausgearbeitet wirkten, nicht zu künstlich waren und eine Entwicklung erfuhren. Wie das meistens bei einem Blockbuster so ist, sind die Figuren in „Peninsula“ nun recht stumpf. Es gibt zwar hier und da ein paar Sympathien, aber es bleibt austauschbar und auch der Held wird nicht lange in Erinnerung bleiben. Eine Ausnahme stellen die beiden Mädels Lee Re und Lee Ye-won dar. Dass zwei Mädchen den Kampf mit Horden von Zombies aufnehmen, ist eine coole Idee und das wurde sogar ordentlich umgesetzt. Die Hintergrundgeschichte um eine damalige Schuld wirkt hingegen aufgesetzt. Die Darsteller erfüllen ihre Aufgabe allerdings allesamt zufriedenstellend. Wären die Charaktere nicht so belanglos, wäre hier durchaus mehr möglich gewesen. So schaut man sich durch erneut knapp zwei Stunden Laufzeit, bekommt viel Action, aber keine Spannung serviert. Das langweilt nicht zu sehr, bietet aber eben nur Fast-Food-Unterhaltung.
 
 


 
 
 

PENINSULA – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Von der Grundidee aus „Train to Busan“ ist in „Peninsula“ nichts mehr übrig geblieben. Der Film erweitert seinen Schauplatz erheblich, setzt auf reichlich Action und wirkt fast eher wie eine südkoreanische Variante von „Mad Max 2“. Die Zombies spielen eine untergeordnete Rolle. Diese andere Herangehensweise hätte nicht verkehrt sein müssen, nur leider hat der Film nicht viel zu erzählen, bietet fast nur austauschbare Charaktere und zudem überflüssig künstliche Effekte. Inszenierung und Darsteller sind gut und der Film besitzt durchaus seine unterhaltsamen Momente, aber nachhaltig ist das nicht und es hätte diese Fortsetzung einfach nicht gebraucht. Das Ergebnis ist reiner Durchschnitt, wie es leider oftmals bei zweiten Teilen der Fall ist. Wer auf stumpfe Blockbuster-Action aus ist, kann sich „Peninsula“ gut anschauen, wer eine ähnliche Qualität, wie im ersten Teil erwartet, sollte seine Erwartungen herunterschrauben!
 
 


 
 
 

PENINSULA – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Peninusla – Train to Busan 2“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

PENINSULA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
peninsula-2020-bluray

(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray + 4K UHD im KeepCase)

peninsula-2020-mediabook

(c) SPLENDID FILM (2 Blu-rays im Mediabook)

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(c) SPLENDID FILM (4K UHD + Blu-ray + 2 Bonus Blu-rays im Digipack)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Train to Busan 2; Südkorea | China 2020

Genre: Thriller, Action, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Koreanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 116 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook | Digipack

Extras KeepCase-Blu-ray: Film „Peninsula“ auf Blu-ray, Original-Teaser, Original-Trailer, Making-of, Featurettes

Extras KeepCase-Blu-ray + 4K UHD: Film „Peninsula“ auf Blu-ray, Film „Peninsula“ auf 4K UHD, Original-Teaser, Original-Trailer, Making-of, Featurettes

Extras Mediabook: FSK-Umleger, 24-seitiges Booklet, Film „Peninsula“ auf Blu-ray, Film „Haunters“ auf Blu-ray, Original-Teaser, Original-Trailer, Making-of, Featurettes

Extras Digipack: Digipack im Sammelschuber, Schachtel samt FSK-Umleger, Aufnäher, 6 Kunstdrucke, Film „Peninsula“ auf Blu-ray, Film „Peninsula“ auf 4K-UHD, Original-Teaser, Original-Trailer, Making-of, Featurettes, Film „Seoul Station“ auf Blu-ray, Film „Train to Busan“ auf Blu-ray, B-Roll, Press Screening Q&A, Original Trailer, Teaser #1, Teaser #2

Release-Termin: Mediabook | Digipack | KeepCase: 26.02.2021

 

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PENINSULA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Train To Busan (2016)
 
World War Z (2013)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985)
 
Mad Max: Fury Road (2015)
 

Filmkritik: „Train to Busan“ (2016)

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TRAIN TO BUSAN

(BUSANHAENG)

Story

 
 
 
Der erfolgreichste, südkoreanische Film des Jahres 2016 zeigt, was geschieht, wenn in einem Hochgeschwindigkeitszug eine Zombie-Seuche ausbricht.

 
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Kritik

 
 
Horrorszenarien auf engerem Raum stattfinden zu lassen, ist eine beliebte Methode. So durften z.B. Zombies oder Schlangen schon ein Flugzeug unsicher machen. „Train to Busan“ besitzt ebenfalls eine solche Grundidee und überträgt eine drohende Zombie-Apokalypse auf den Schauplatz Zug. Da das Ganze mit reichlich Tempo und Action umgesetzt wurde, kann man sich hier ordentlich unterhalten lassen, wobei Mainstream-Werke wie „World War Z“ doch etwas mehr Substanz boten.
 
 
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Der Geschäftsmann Seok-woo hat sich von seiner Frau scheiden lassen und seine Tochter Su-an lebt bei ihm. An ihrem Geburtstag würde sie gerne ihre Mutter sehen, die in Busan lebt und es gelingt Su-an ihren Vater zu einer Zugreise dorthin zu überreden. Man hat sich nur leider den falschen Zeitpunkt für die Reise ausgesucht, denn in ganz Südkorea bricht gerade eine Zombie-Apokalypse aus. An sich wäre der Zug ein sicherer Ort, wenn sich dort nicht ebenfalls jemand infiziert hätte und weitere Reisende sich zu Zombies verwandeln. Die Story basiert eigentlich wirklich nur auf der Idee, dass man Zombies in einen Zug steckt. Mehr gibt die Handlung kaum her. Man hatte ein paar Ideen, die für etwas Dynamik sorgen (z.B. greifen die Zombies ihre Opfer im Dunkeln nicht an), doch im Großen und Ganzen ist das dennoch etwas zu wenig. Schade ist zudem, dass das Drehbuch keinerlei Gesellschaftskritik bietet und das Szenario reichlich simpel schildert. Hier wäre bestimmt mehr möglich gewesen, aber dafür überzeugt die handwerkliche Arbeit umso mehr.
 
 
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Regisseur Yeon Sang-ho drehte zuvor nur Animationsfilme (u.a. den Vorgänger zu „Train to Busan“ „Seoul Station) und inszenierte hiermit seinen ersten Realfilm. Dabei versteht er es sehr gut den begrenzten Schauplatz zu nutzen und obwohl der Zug die größte Kulisse darstellt, wird hier genügend Abwechslung geboten. Sang-ho dreht mächtig an der Spannungsschraube und so wird das Geschehen mit zunehmender Laufzeit immer packender, bis es zu einem wirklich starken Finale kommt. Die Laufzeit von fast zwei Stunden hätte man zwar etwas straffen können, doch im Endeffekt wird man von „Train to Busan“ prima unterhalten. So gibt es anfangs eine etwas ruhigere Einleitung, doch nach 20 Minuten tritt Sang-ho aufs Gas und geht von diesem dann auch nicht mehr oft herunter. Da hat man schon einige sehr spannende Momente kreiert und wenig Zombies kommen dabei nicht zum Einsatz. Diese können übrigens (wie das mittlerweile Trend ist) rennen und haben nichts mit den altmodischen Viechern zu tun. Ob man das mag oder nicht, ist reine Geschmackssache. Auf jeden Fall wird für ausreichend Blutvergießen gesorgt, wobei die Freigabe ab 16 Jahren dennoch gerechtfertigt ist, denn es gibt schon deutlich deftigere Zombie-Filme. Im Finale kommt der Gorehound trotzdem auf seine Kosten und die Effekte sehen allesamt gelungen aus.
 
 
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Was „Train to Busan“ definitiv noch etwas hochwertiger macht, ist seine Figurenzeichnung. Nicht selten verkommen die Charaktere in solchen Streifen zu plumpem und doofem Kanonenfutter, doch hier ist dem nicht so. Man hat zwar wenig Gelegenheit, den Figuren große Substanz zu verleihen, aber sie verändern sich mit dem gefährlichen Szenario und das wirkt insgesamt doch ziemlich authentisch. So ist Seok-woo anfangs eher ein eingebildeter, selbstsüchtiger Geschäftsmann, der hinterher bereit ist sich aufzuopfern. Diese Zeichnungen sorgen für Sympathien und so kann der Zuschauer viel besser mit den Charakteren mitfiebern. Das Schauspiel ist nebenbei ebenfalls ordentlich. Gong Yoo wirkt am Anfang etwas nichtssagend, wird dann hinterher aber deutlich besser und Kim Su-an geht als Kinderdarstellerin ebenfalls vollkommen klar. Alle anderen Darsteller erledigen ihre Aufgabe mindestens solide.
 
 
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TRAIN TO BUSAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Train to Busan“ ist nicht der perfekte Zombie-Film geworden, für Fans solcher Werke aber dennoch völlig sehenswert. Die Handlung hätte ruhig etwas mehr Substanz haben dürfen, etwas bissiger verpackt werden dürfen und ein paar mehr Hintergründe wären ebenfalls nicht verkehrt gewesen. Außerdem ist die Laufzeit etwas zu hoch, was anfangs und zwischendurch für kleinere Längen sorgt. Immer wenn die Zombies zum Einsatz kommen, ist „Train to Busan“ allerdings reichlich spannend, was auch mit an der gelungenen Inszenierung liegt. Die Atmosphäre erfüllt ihren Zweck, die Darsteller sind gut und die Figurenzeichnung erscheint erfreulich menschlich. Das Finale ist ein echtes Highlight und ausreichend Splatter gibt es ebenfalls zu sehen. Sicher nicht frei von Schwächen, aber eine souveräne, actionreiche Erweiterung in der schier unendlichen Veröffentlichungsflut an Zombie-Streifen!
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Train to Busan“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase mit Bonusfilm Seoul Station)

train-to-busan-mediabook

(c) Splendid Film (Blu-ray im Mediabook mit Bonusfilm Seoul Station – auf 2000 Stück limitiert)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im Steelbook mit Bonusfilm Seoul Station – auf 2000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Busanhaeng; Südkorea 2016

Genre: Horror, Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Koreanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: B-Roll (12:59 Min.), Press Screening Q&A (41:44 Min.), Original Trailer (1:38 Min.), Teaser #1 (0:37 Min.), Teaser #2 (0:32 Min.), Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Blu-ray mit dem Film Seoul Station, 24-seitiges Booklet | zusätzlich im Steelbook: Blu-ray mit dem Film Seoul Station

Release-Termin: KeepCases: 24.02.2017 | Mediabook: 03.02.2017 | Steelbook: 30.06.2017

 

Train To Busan [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Train To Busan [Blu-ray im KeepCase inklusive Bonusfilm: Seoul Station] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Train To Busan [Blu-ray im Mediabook mit Bonusfilm Seoul Station] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Train To Busan [Blu-ray im Steelbook mit Bonusfilm Seoul Station] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Peninsula (2020)
 
28 Weeks Later (2007)
 
World War Z (2013)
 

Filmkritik: „Becky“ (2019)

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BECKY

Story

 
 
 
Die rebellische Becky und ihr verstrittener Vater geraten in das Visier einer Gruppe geflüchteter Häftlinge, als sie eigentlich am idyllischen Seehaus die Wogen der Verhangenheit glätten wollten.

 
 
 


 
 
 

BECKY – Kritik

 
 
Weniger als eine halbe Sekunde ertönt ein lautes, verzerrtes Geräusch, Schnitt und die Teenagerin Becky erzählt der Psychologin und dem Polizisten im lichtüberfluteten Raum, sichtlich verstört, was passiert ist – Flashbacks einer hektischen Flucht durch den Wald, schrille Synthesizer-Sirenen und die Einblendung „Zwei Wochen vorher“ später werden sowohl im Gefängnishof, Dominicks (Kevin James) Revier, einem Neonazi mit dickem Hakenkreuz auf dem Schädel, als auch in der Schule, Beckys Revier, einzelne Leute von einer Gruppe verprügelt. Foreshadowing auf heftigste Gewalteinlagen, die jedoch noch einige Rückblenden zur krebskranken Mutter und überzeugend geschriebene Dialoge zwischen Vater und pubertierender Tochter lange auf sich warten lassen müssen…
 
 
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Einerseits habe ich nie mehr als ein paar synchronisierte Schnipsel „King of Queens“ im Fernsehen gesehen, die mir aber nie sonderlich gefallen haben, weshalb ich keine Angst hatte, Kevin James hier nach jahrelanger Prägung nicht mehr in einer anderen Rolle sehen zu können, andererseits aber hat genau diese fehlende Vorerfahrung mit seinem Werk auch dazu geführt, dass ich ihn voll und ganz negativ mit ideenlosen, selbstverliebten Non-Comedies wie Pixels oder Kindsköpfe 2 assoziiert habe. Was genau von seiner Performance als humorloser Neonazi in „Becky“ zu erwarten sein würde, war mir also ein Mysterium und auch wenn James hier nie mit der Wucht eines Patrick Stewarts aus „Green Room“ z.B. agiert, so bin ich froh berichten zu können, dass dieser deutlich weniger ernste Film das – ganz im Gegensatz zum teils grässlich realistischen Nazi vs. Punker-Highlight – auch gar nicht nötig hat.
 
 
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Denn „Becky“ ist seine gesamten, schlanken 86 Minuten lang nur auf eines aus und das ist, möglichst gut zu Unterhalten: Der stringente Drei-Akt-Aufbau unterfüttert die Charaktere zu Beginn zwar noch mit wenig genutztem Konfliktpotential und scheint interessiert am Familiendrama, doch innerhalb von Sekunden wird durch gekonnte Match Cuts eine aufeinander zu laufende Montagesequenz gestartet, die sich alsbald mit einem an der Tür klopfendem Neonazi und seinen Mitflüchtlingen entlädt. Gerade die höfliche Fassade beherrscht James hier bestens, doch auch der restliche Cast macht seine Sache überzeugend genug, allen voran die 15-Jährige Hauptdarstellerin Lulu Wilson, deren energische Anti-Haltung ich schnell abkaufen konnte. Es wird unüblich realistisch und geerdet mit ihren Plänen, Ideen und Angriffen umgegangen, die Bösartigkeit oder Erbarmungslosigkeit eines „Agression Scales“ wird dabei nie erreicht, dafür ist dieser stets gut beleuchtete, auf Hochglanz polierte Film aber deutlich expliziter, wenn es dann mal drastisch wird. Die comichafte Überzeichnung des gnadenlos tötenden Teens fokussiert sich dabei bewusst auf die Splatstick-Einlagen selber, so dass der Film an sich nicht zur reinen Farce verkommt. Die hausbesetzenden Gangster gehen zwar auch kaltschnäuzig vor, zu zynische oder ausgewälzte Foltereinlagen sind aber zum Glück nicht zu befürchten.
 
 
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Dem rasanten sowie blutigen, dauerhaft kurzweiligen Geschehen streckenweise die Show stehlen tut nun noch der hochmotivierte, treibende, teils experimentell wirkende Electro-Tribal-Soundtrack, der zwischen gezupften Synthesizern und schnaufend-kriegerischen Sounds tänzelt und den Film gelungen nach vorne leitet. Wirklich neu oder allzu kreativ ist nichts davon, viele der Szenen hat man so oder so ähnlich bereits x-mal gesehen und auch Logik oder Charakterverhalten sollte man nicht immer hinterfragen – doch bei einer solch selbstbewussten tongue-in-cheek-Inszenierung können derlei Mängel gerne verziehen werden. Der schwarzhumorigere, wenn auch harmlosere Weihnachtstipp „Better Watch Out“ ist spontan eine Spur besser gespielt und origineller geschrieben, im Vergleich zum sehr ähnlich gelagerten „The Aggression Scale – Der Killer in dir“ hingegen, hat dieser Streifen der „Coonies“-Macher die Nase ein wenig vorne.
 
 
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Wer also gerne brachiale, und dadurch aber eben so witzige und kaum ernst zu nehmende, trotzdem schmerzende Gore-Einlagen in seinen Geiselthrillern mag, wer auf kurzweilige und trotzdem spannende Filme steht oder wer einfach mal Kevin James in einer relativ ernsten Rolle sehen will, der sollte bei „Becky“ definitiv die Anlage aufdrehen, das Hirn auf Durchzug stellen und sich an cleveren Katz- und Maus-Spielen erfreuen, bevor aus rhetorischer Kriegsführung blutige Kämpfe mit improvisierten Stichwaffen und realistisch bedrohlichen Hunden werden.
 
 


 
 
 

BECKY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Kein irrsinnig hübscher, grandios geschriebener oder oscarreif gespielter Film, auch keiner mit sonderlich viel Raffinesse – doch wenn ich bei jedem Kill schnauben, aufheulen oder lachen muss und sich in knapp 90 Minuten trotz oft gesehener Prämisse keine Länge auftut, hat ein Film sehr viel sehr richtig gemacht.
 
 


 
 
 

BECKY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Becky“ ist mit dem roten FSK-Flatschen vollkommen ungeschnitten. Das verwundert, da „Becky“ doch schon recht zeigefreudig in Sachen Gewalt ist.
 
 
 


 
 
 

BECKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becky; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Interviews, Behind the Scenes

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2020

 

Becky [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BECKY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Hostage – Entführt (2005)
 
Better Watch Out (2016)
 
Deadly Home (2015)
 
Deadly Games (1989)
 

Filmkritik: „Come to Daddy“ (2019)

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COME TO DADDY

Story

 
 
 
30 Jahre nachdem sein Vater die Familie verlassen hat, erhält Norval die Karte zu einem entlegenen Haus per Post und entdeckt beim Hausbesuch deutlich mehr, als einen entfremdeten Erzeuger…

 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Kritik

 
 
Ex-Teeniestar Elijah Wood, der seine Karriere schon beinahe unbemerkt, als Kind in „Zurück in die Zukunft 2“ etwa, begann, als „Frodo“ oder auch nur „bekannt aus der Herr der Ringe-Trilogie“ vorzustellen, war im Kritikertum jahrelang Usus, war eben jene Rolle doch auch nicht nur die größte und erste international wirklich erfolgreiche des mittlerweile 39-Jährigen, sondern auch seine Ikonischste. Doch anno 2020 und somit 19 Jahre nach dem ersten Teil Peter Jacksons legendärer Mittelerde-Trilogie darf es schon als ignorant oder veraltet gelten, diesen versatilen, begabten Darsteller auf seine Leinwandpräsenz mit haarigen Füßen zu reduzieren, hat er sich in den Folgejahren doch immer wieder durch Genreproduktionen profiliert, die oftmals fernab vom Mainstream verlaufen und durch Rollenwahlen, die gerne mal auf Sympathie oder klassische Synchronisierung mit dem Zuschauer verzichten.
 
 
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Und egal ob Wood als frauenschlachtender oder kannibalistischer Psychopath in „Sin City“ oder „Maniac“ Furcht einflösst, in „Hooligans“ den Imagewechsel mit der Brechstange erzwingt und dabei trotzdem noch eine nuancierte Performance bietet, sich in unterschiedlichsten Produktionen als Synchronsprecher bewährt – u.a. für Adult Swim oder „#9“ – oder in Indie-Produktionen wie „The Oxford Murders“, „Grand Piano“ oder „Cooties“ Genrefans erfreut – misslungener oder unpassender als die früheren Rollen ist das keinesfalls, im Gegenteil, ich würde sogar von einem Schauspieler sprechen, der sich gefunden hat und mit großer Freude Nischen ausfüllt, statt dem großen Geld hinterher zu jagen. Spätestens mit seiner eigenen Produktionsfirma, „SpectreVision“, die er zusammen mit den Regisseuren Daniel Noah und Josh C. Waller gestartet hat, unterstützt er seit Jahren tatkräftig den abseitigen, unabhängigen Genremarkt mit Produktionen wie dem absolut einzigartigen „The Greasy Strangler“ oder zuletzt auch dem polarisierenden „Daniel Isn’t Real“.
 
 
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Bestens in diese Kette aus nicht am generellen Mainstream interessierten Produktionen reiht sich nun auch der vorliegende Film „Come to Daddy“ des Neuseeländers Ant Timpson ein, der bis auf seinen Kurzfilm „Crab Boy“ auch in erster Linie als Produzent oder Schreiberling bekannt sein dürfte, so basiert „The ABCs of Death“ z.B. auf seinem Alptraum. Die 96 Minuten dieser mysteriösen, schwarzhumorigen Thrillererfahrung fangen dabei mit zwei Zitaten über Väter an, die in dieser Juxtaposition bereits ziemlich gut auf das Werk einstimmen: Erst Shakespeare, dann Beyoncé. Ein percussionlastiger Soundtrack generiert schnell einen Retro-Agenten/Spionage-Vibe und sorgt für Anspannung und freudige Erwartungshaltung beim Zuschauer, dazu reist unser Schnauzbart und Hipsterfrisur tragender Elijah Wood als junger, alternativer DJ durch eine bergige Waldlandschaft und einzelne Drohnen/Kranfahrten sehen so künstlerisch aus, dass meine Assoziation glatt „Tree of Life“ war.
 
 
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Die Designer-Wohnung am Berghang ist schick beleuchtet und mit liebevollen Details versehen, eine gruselige Eule hier, ein interessant platzierter Sessel dort, und kurz nach Ankunft des Sprösslings werden dann auch direkt auf logische, nachvollziehbare und realistische Weise gut gespielte Brocken an Backstory und Erklärung geliefert, wieso Sohnemann überhaupt auftauchen soll. Sowohl Comedy, als auch Rätsel- und Verlaufsspannung, leicht mysteriöse Andeutungen und eine aufkochende Diskussion werden nachfolgend bedient, wobei Elijah Wood und sein Gegenüber sich hier bestens die Bälle zuwerfen, ausweichen, nachgeben und nachtreten.
 
 
„Just you know, if you wanna impress me, I like fight stories.“
 
 
Ein Wohnzimmermassaker mit viel Eskalation und Konfrontation wie zuletzt bei „Why don’t you just die?!“ sollte man indes nicht erwarten, da „Come to Daddy“ mehr am Dialogwitz, mehr am sich peu à peu natürlich entfaltendem Plot, mehr am Subtext und der Auflösung einer prinzipiell verwirrenden Situation interessiert ist, denn an Drastik oder Actioneinlagen. Nach den hübschen Panoramas und Landschaftsaufnahmen zu Beginn nehmen sich sowohl Editing als auch Soundtrack nun etwas zurück und schnell kommt Spannung auf, da bei Nacht ein stranges Gespräch belauscht wird – geht es hier etwa nicht mit rechten Dingen zu? „Come to Daddy“ verlangt es mir nach längerer Zeit mal wieder ab, an dieser Stelle bereits mit der Paraphrase bzw. Nacherzählung aufzuhören – denn auch, wenn ich auch in meinen sonstigen Reviews versuche Spoiler zu meiden und nicht zu viel/weit zu erzählen, so beginnt „Come to Daddy“ derart früh und unvermittelt mit höchst amüsant und durchaus realistisch geschriebenen, deswegen aber nicht weniger absurden Überraschungen, dass jede weitere Zeile zur Story den Spaß nur versauen würde.
 
 
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Es gibt einen wunderbar verwirrenden offbeat-Charakter der gefühlt aus einem Tim & Eric-Sketch in den Film gemorpht wurde, vage Ideen eines romantischen Nebenplots, die absolut hollywood-untypisch verlaufen und trotzdem nie zu gimmicky werden, großartige Comedy-Einlagen die man nicht kommen sieht, dann aber nicht mehr missen möchte, kreativ-überzeichnete Nebencharaktere, von einem Starcast gespielt und punktuell comichaft, ziemlich brutale Konfrontationen, die eine FSK 18 absolut rechtfertigen und mittendrin einen spielfreudigen Elijah Wood, der durch seine Handlungen und Aussagen nicht einmal unbedingt die Sympathie des Zuschauers auf seiner Seite hat, aber trotzdem nie aus der Rolle fällt und darum ein Spaß zu beobachten ist. Lange stand es keinem Film mehr so gut, so lange mit verdeckten Karten zu spielen. Und als wäre all das noch nicht genug, als wäre dieser Film mit Herz am rechten Fleck und einzig einem etwas ungelenkt ausgeführten, pacingtechnisch wenig sinnvollen Finale, noch nicht innerhalb seiner Ansprüche völlig gelungen, so spielt er später dann tatsächlich noch eine sehr bekannte, bittersüße Melodie von einem meiner Lieblingskünstler, die perfekt geklappt und mich im Kontext hat unerwartet emotional werden lassen. Chapeau!
 
 
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COME TO DADDY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Come to Daddy“ hat für absurde Diskussionsthemen in der Runde gesorgt, hat mich selten wirklich lachen, oft aber hämisch breit grinsen lassen und lohnt sich für Fans schwarzer Komödien, interessant aufgebauter Thriller sowie schlicht und ergreifend kurzweiliger Filme mit etwas Blut und Comedy ohne Wenn und Aber.
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Come to Daddy“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

COME TO DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Come to Daddy; Irland | Kanada | Neuseeland | USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Horror DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 29.05.2020

 

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COME TO DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
Very Bad Things (1998)
 
Stuck (2007)
 
The Cottage (2008)
 

Filmkritik: „We Summon the Darkness“ (2019)

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WE SUMMON THE DARKNESS

Story

 
 
 

Nach einem Heavy Metal Konzert kommen sechs junge Leute sprichwörtlich in Teufels Küche.

 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Kritik

 
 
 
Wenn Schauspieler Teenager verkörpern, die schon jenseits der 30 sind und laute Gitarrenmusik aus den Lautsprecher dröhnt, die manch Feingeist die Haare zu Berge stehen lässt, wissen Horrorfilmfans: die 1980er sind zurück. Mittlerweile dürfte jeder Genre-Fan erkannt haben, dass kein Jahrzehnt das Genre so geprägt hat, wie die Ära der Videotheken, der „Neuen Deutschen Welle“ und des Commodore 64. Da waren nicht nur Zombies, Kannibalen und Horrorfilm-Fortsetzungen en vogue. Auch schrille Rockgesänge und düsterer Heavy Metal wurden nicht selten dazu verwendet, um die Gruseltrips jener Zeit akustisch zu unterstreichen. Horror und Gitarrenmusik – eine Kombination, die ganz willkürlich miteinander verknüpft wurde, weil man laute Rockmusik gern mal mit dem Gesang des Teufels gleichsetzte, der die Jugend verderben wollte, was natürlich auch für den Horrorfilm galt. Eine Tatsache, die die Grundlage für den folgenden WE SUMMON THE DARKNESS bildet. Der geht auf das Konto von Regisseur MARC MEYERS, welcher schon mit MY FRIEND DAHMER Aufmerksamkeit erhielt, in welchem er die Jugendtage von Serienkiller JEFFREY DAHMER analysierte. Dessen Filmadaption einer Graphic Novel von JOHN BACKDERF erhielt auf Festivals viel Zuspruch. Daher interessant zu erfahren, ob der zweite Ausflug ins Genre von gleichbleibender Qualität ist.
 
 
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Amerika im Jahr 1988. Drei Freundinnen machen sich auf dem Weg zu einem Heavy Metal Konzert und nehmen Warnungen nicht ernst, die aus dem Radio schallen. Darin wird von Morden berichtet, die auf das Konto einer satanistischen Sekte gehen, welche in der Gegend ihr Unwesen treibt. Für die drei jungen Frauen halb so wild. Die sind mit ihren Gedanken ganz woanders und lernen auf dem Musikevent drei Halbstarke im gleichen Alter kennen, die sie zu einer privaten After-Show-Party zu sich nach Hause einladen. Doch die Sause nimmt sonderbare Wendungen. Da verläuft plötzlich alles ganz anders, als erwartet und die jungen Leute waten im Blut. Sind hier etwa satanistische Mächte im Spiel, die den Musikfans nach dem Leben trachten wollen? Wir verraten an dieser Stelle nichts.
 
 
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Das ist auch besser so, denn WE SUMMON THE DARKNESS lebt vom Überraschungseffekt. Der Thriller nimmt das Wort „Twist“ besonders ernst. Davon gibt es im Film jede Menge. So ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Regisseur MARC MEYERS scheint Gefallen daran zu finden, den Zuschauer auf falsche Fährten zu schicken. Immer, wenn man meint den richtigen Weg gefunden zu haben, mischt der Regisseur die Karten neu und treibt die Handlung damit ins Absurdem. So wird Spannung mit fiesen Wendungen bewirkt, die im Zehn-Minuten-Takt über die Mattscheibe flimmern und sich beinahe versuchen selbst zu übertreffen. Eine raffinierte Taktik, um den Zuschauer vor der Glotze halten. Letzterer will wissen, wohin die Geschehnisse des bissigen Thrillers führen werden und dürfte sichtlich Spaß daran haben, wie WE SUMMON THE DARKNESS mit reichlich Zynismus versucht, das konservative Amerika auf die Schippe zu nehmen.
 
 
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So galt Heavy Metal während der 1980er in vielen ländlichen Teilen der Vereinigten Staaten als Teufelsmusik. Um die Jugend zu schützen, machten sich viele selbst ernannte Moralapostel und konservative Geistliche auf, um mit teils absurden Protesten gegen diese Musikrichtung zu wettern. Für Regisseur MARC MEYERS Grund genug, sich die von Vorurteilen geprägten ländliche Areale Amerikas vorzuknöpfen, wo im Namen Gottes selbst heute noch die krudesten Verschwörungstheorien gerechtfertigt werden. Aus der brisanten Thematik ist ein rabenschwarzer Horrorthriller geworden, der sich als solider Genre-Mix entpuppt. Was hier anfängt, wie jeder beliebige Teenager-Horror bedient sich bald Home-Invasion-Rezepturen genauso, wie Slasher-Regeln und Okkult-Horror-Klischees. Unterhaltsam ist der wilde Ritt ganz ordentlich, was vor allem an der undurchsichtigen Geschichte liegt, deren Ausgang man nicht kommen sieht. Dass WE SUMMON THE DARKNESS auch noch von guten Schauspielern getragen wird, ist für diesen Horrorspaß ein Glücksgriff. Hier sticht vor allem ALEXANDRA DADDARIO hervor, die schon in Genre-Werken wie WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE, BEREAVEMENT und TEXAS CHAINSAW 3D beweisen konnte, dass sie sich gut durchs Horrorfilmgeschäft schreien kann. Die durchlebt im Film eine unerwartete Metamorphose und verhilft WE SUMMON THE DARKNESS so über den Durchschnitt. Für Genre-Fans ist dieser Horrorfilm daher ganz brauchbar – zumal es in einer Nebenrolle sogar noch ein Wiedersehen mit Jackass-Star JOHNNY KNOXVILLE gibt.
 
 
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WE SUMMON THE DARKNESS – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Horror-Reminiszenz an die schrillen 1980er. WE SUMMON THE DARKNESS ist ein wilder Ritt vollgepackt mit rabenschwarzen Wendungen. Hier ist nichts, wie es zu Beginn scheint, was für diesen Horrorthriller von Vorteil ist. Wo andere Filmemacher auf eine sichere Bank setzen und einfach Geschehnisse abspielen, wie man sie schon in unzähligen Horrorfilmen gesehen hat, versucht MARC MEYERS Erwartungshaltungen des Zuschauers erst gar nicht zu erfüllen. Man braucht im Falle von WE SUMMON THE DARKNESS auf keine vertrauten Abläufe hoffen. Hier kommt alles anders. Dass sich der Streifen zu keiner Minuten bierernst nimmt und sich mit zynischen Dialogen und bösen Späßen die Zeit vertreibt, dürfte vor allem bei Liebhabern sarkastischer Horrorware gut ankommen.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Zensur

 
 
 
WE SUMMON THE DARKNESS hat einige kurze Gewaltszenen zu bieten, die aber teils derart zynisch über die Mattscheibe flimmern, dass sich ein humoristischer Unterton nicht von der Hand weisen lässt. Hierzulande steht die FSK-Prüfung noch aus. Man darf aber von eienr FSK16 ausgehen. Der Film wird im August 2020 durch SPLENDID FILM nach Deutschland gebracht.
 
 
 


 
 
 

WE SUMMON THE DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von SPLENDID FILM)

 
 
 
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Satanic Panic (2019)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der letzte Exorzismus (2010)