Filmkritik: „Der Fluch von Downers Grove“ (2015)

The-Curse-of-Downers-Grove-2015(1)
 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE

(THE CURSE OF DOWNERS GROVE)

Story

 
 
 
Ein tödlicher Fluch sorgt im Ort Downers Grove für Schrecken. Teenager Chrissie (Bella Heathcote) glaubt, dass sie die Nächste auf der Liste des Sensenmannes sein wird. Da wird sie in einen Strudel bedrohlicher Ereignisse gezogen.
 
 
 


 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE – Kritik

 
 
 
Kult-Schriftsteller BRET EASTON ELLIS meldet sich zurück. Vielen Lesern dürfte der amerikanische Romancier vor allem durch seinen Skandalschmöker AMERICAN PSYCHO in Erinnerung geblieben sein, der im Jahr 2000 mit Batman CHRISTIAN BALE in der Hauptrolle verfilmt wurde. Dass der erfolgreiche Bestellerautor nicht nur Romane schreibt, sondern auch Drehbücher verfasst, ist hingegen weniger bekannt. So steuerte er das Drehbuch für den Thriller THE CANYONS (mit Skandalnudel LINDSAY LOHAN in der Hauptrolle) bei und kümmerte sich auch um das Skript für den vorliegenden Psycho-Horror DER FLUCH VON DOWNERS GROVE (im Original: THE CURSE OF DOWNERS GROVE). Letzterer basiert auf der Novelle DOWNERS GROVE, die von MICHAEL HORNBURG veröffentlicht und 1999 in die Bücherregale gebracht wurde. Ob AMERICAN PSYCHO, DIE REGELN DES SPIELS oder THE INFORMERS; Autor BRET EASTON ELLIS weiß wie er Leser in den Bann ziehen und damit schockieren muss. So ist es der Verfall der Werte oder Themen wie Drogen und Sex mit denen er in seinen Werken stets versucht zu polarisieren. Die Verkaufszahlen seiner Romane sprechen für sich und beweisen, dass er damit genau den Nerv seiner Leserschaft trifft. Nur lässt sich die Erfolgsformel auch auf die von ihm geschriebenen Drehbücher übertragen?
 
 
the-curse-of-downers-grove-bild-4
 
 
Ein Fluch hält die Bewohner des Städtchens Downers Grove in Aufruhr. Der Sensenmann persönlich fordert jedes Jahr pünktlich am letzten Schultag nach den Abschlussprüfungen das Leben eines Schülers, der die High School verlassen wird. Doch wer wird es in diesem Jahr sein? Schülerin Chrissie Swanson (BELLA HEATHCOTE) befürchtet Schlimmes. Die glaubt zwar anfangs an rationale Erklärungen; als sie aber an den unberechenbaren Chuck (KEVIN ZEGERS aus THE COLONY und ENTITLED) gerät und beinahe von ihm vergewaltigt wird, revidiert sie ihre Vermutung. Der Sohn eines einst bedeutsamen Polizisten entwickelt fortan eine krankhafte Obsession für das schüchterne Mädchen, die jedoch bald in Hass umschlägt, weil Zuneigungen nicht erwidert werden. So ist sich Chrissie ihres Lebens nicht mehr sicher und schmiedet einen schrecklichen Plan, um ihrem kranken Verehrer einen Denkzettel zu verpassen. Im smarten Bobby (LUCAS TILL aus WOLVES und KRISTY) findet sie einen Verbündeten.
 
 
the-curse-of-downers-grove-bild-1
 
 
Keine Frage, der für Ellis Bücher berüchtigte unbequeme Schreibstil kommt auch im Drehbuch zu DER FLUCH VON DOWNERS GROVE zum Tragen. Abermals macht der Autor von seinen Lieblingsthemen Gebrach und vermischt bildlich dargestellte Gewalt mit der moralischen Verkommenheit seiner jugendlichen Charaktere. Die prügeln und vergewaltigen zum Spaß, wähnen sich in Sicherheit, weil die Eltern in wichtigen Ämtern der Stadt tätig sind. Regisseur DERICK MARTINI versteht es in radikalen Bildern die brutalen und abgründigen Phantasien seines Drehbuchautors auf Film zu bannen. Dennoch; trotz ausgestochenem Auge, gebrochenen Handgelenken und zerfetzten Köpfen bleibt die Glaubwürdigkeit auf der Strecke. Die meisten Figuren in DER FLUCH VON DOWNERS GROVE verhalten sich sonderbar und handeln wie von Sinnen. Da wird gemordet, geprügelt und gerächt – selbstverständlich ohne Konsequenzen. Feingeister und Logikfanatiker werden da wohl schnell die Nase rümpfen, schließlich passiert es nicht alle Tage, dass Polizeisöhne zu Stalkern mutieren und Mauerblümchen mit Schrotgewehren hantieren.
 
 
the-curse-of-downers-grove-bild-2
 
 
Im Örtchen Downers Grove ist nichts wie es auf den ersten Blick scheint, denn Regisseur DERICK MARTINI gelingt es mit Leichtigkeit das Publikum zu manipulieren. Das erwartet eigentlich rätselhaften Mystery. Doch statt einem geheimnisvollen Fluch auf die Schliche zu kommen, wendet sich DER FLUCH VON DOWNERS GROVE dann doch eher dem Stalker-Genre zu. Der überraschende Wechsel kommt unverhofft und stellt vor allem die Horrorfans zufrieden – vor allem gerade deshalb, weil DER FLUCH VON DOWNERS GROVE mit seinen stereotypen Figuren, haarsträubenden Ungereimtheiten und den grafischen Gewaltmomenten dann doch eher auf Horrorpfaden wandelt, als sich ernsthaft mit seinen Helden und deren Ängsten zu beschäftigen. Wer blutigen Nervenkitzel sucht, ist hier genau richtig – auch wenn man von Skandalautor BRET EASTON ELLIS dann doch etwas weitaus Geistreicheres erwartet hätte. Immerhin: auch mit DER FLUCH VON DOWNERS GROVE dürfte es Dank seiner Hilfe gelingen zu polarisieren, auch wenn der Film wohl eher unter Horrorfans Beachtung finden wird.
 
 
the-curse-of-downers-grove-bild-3
 
 


 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wendungsreicher Mysterystreifen, der eigentlich gar kein Mysteryfilm ist. Vielmehr verbirgt sich hinter dem doppeldeutigen DER FLUCH VON DOWNERS GROVE (OT: THE CURSE OF DOWNERS GROVE) ein ruppiger und nicht unblutiger Stalker-Thriller, der sich mit Themen beschäftigt, die typisch für die Bücher des Beststellerautors BRET EASTON ELLIS sind. Der hat diesmal kein Roman geschrieben, sondern ein Drehbuch verfasst und erzählt darin von gewissenlosen und verrohten Jugendlichen, denen Gesetze oder menschliche Befindlichkeiten fremd sind. Wer Geld hat und von besserem Stand ist, kann sich im Leben alles erlauben – auch wider das Gesetz zu handeln. Die kritische Botschaft bleibt nicht unerhört. Trotzdem kommt sie nicht an, weil DER FLUCH VON DOWNERS GROVE dann doch mehr auf Horrorpfaden wandelt und so seine Probleme mit der Glaubwürdigkeit besitzt. Als Teen-Horrorthriller ganz passabel. Um der Gesellschaft mit dieser Kritik den Spiegel vorzuzeigen zu können, mangelt es dem Streifen jedoch an Ernsthaftigkeit.
 
 


 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE – Zensur

 
 
 
Man hätte wohl nach dem eher jugendkonformen Trailer auch jugendkonforme Unterhaltung erwartet. Erstaunlicherweise geht es alles andere als zurückhaltend zur Sache. Gerade weil in DER FLUCH VON DOWNERS GROVE einige recht böse Gewaltmomente in Verbindung mit Selbstjustiz gezeigt werden, hätte man von der FSK eigentlich erwartet, dass der Film für Erwachsene freigegeben wird. Dem ist aber nicht der Fall. Die Zensurbehörde war der Meinung, dass DER FLUCH VON DOWNERS GROVE bereits für 16jährige geeignet ist.
 
 
 


 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
der-fluch-von-downers-grove-bluray

(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Curse of Downers Grove; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Veröffentlichung: 04.01.2016

 
 
 

Der Fluch von Downers Grove [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DER FLUCH VON DOWNERS GROVE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Girls against Boys (2012)
 
Bound to Vengeance (2015)
 

Filmkritik: „Dark Summer“ (2015)

dark-summer-2015
 
 
 

DARK SUMMER

Story

 
 
 
Ein finsterer Sommer für Daniel (Keir Gilchrist). Er hat nämlich Hausarrest bekommen und darf sich in den eigenen vier Wänden mit den lästigen Annäherungsversuchen eines Geistes auseinandersetzen.

 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Kritik

 
 
 
Fünf Jahre hat es gedauert bis sich Regisseur PAUL SOLET dazu durchringen konnte, an einem weiteren Streifen zu tüfteln. Nach dem durchaus passablen Horror-Drama GRACE (2009), das auf internationalen Filmfestivals diverse Nominierungen und Preise abstauben konnte, kehrt SOLET erneut ins Horrorfach zurück und widmet sich jener Gattung Film, die seit THE RING, CONJURING und PARANORMAL ACTIVITY im Kino immer wieder gern gesehen wird: Geister-Horror. Leider scheint sich das Spuk- und Gespenster-Genre in letzter Zeit einem atmosphärischen Wandel unterzogen zu haben, denn gruselig sind nur noch die wenigsten dieser Filme. Stattdessen sind die ewig gleichen Geschichten zu sehen, in denen die ständig gleichen Dinge passieren. SOLET handhabt das nicht anders. Sein DARK SUMMER orientiert sich am Einmaleins für Geisterfilme und klappert verhältnismäßig lustlos all jene Klischees und Schreckmomente ab, die man in nahezu jedem Gruselfilm zu sehen bekommt. Ob plötzlich hinter dem Rücken auftauchendes Geisterwesen oder Seancen, die zu nichts Gutem führen; viele der hier implementierten Schauerzutaten sind vorhersehbar und strotzen nicht sonderlich vor Einfallsreichtum.
 
 
dark-summer-2015-bild2
 
 
KEIR GILCHRIST spielt im Horrorfilm DARK SUMMER einen Schüler, der ähnlich wie im Psycho-Thriller DISTURBIA unter Hausarrest gesetzt wird. Er hat unerlaubt die Social-Media-Daten seiner Mitschülerin Mona Wilson gehackt und wurde – was für ein Zufall – beim Ausspionieren und Cyber-Stalking erwischt. Um aus Fehlern eine Lehre zu ziehen, bekommt Daniel einen Alarmsender ums Fußgelenk gebunden und darf sich fortan nur noch im Haus der Mutter aufhalten – freilich ohne Skype, Twitter und Internet. Für den computerinteressierten Teenager eine harte Strafe. Doch die besten Freunde Abby (STELLA MAEVE) and Kevin (MAESTRO HARRELL) finden eine Lösung. Sie legen eine geheime Internetleitung zum Rechner des 17-jährigen, damit der sich auch weiterhin bedenkenlos durchs Netz bewegen und der heimlichen Flamme Mona nachspionieren kann. Doch leider ist die anfänglich Freunde über Kontakt mit der „Außenwelt“ nicht von langer Dauer. Er erhält von Mona eine geheimnisvolle E-Mail in deren Anhang sich das Video ihres Selbstmords befindet. Doch mit dem schockierenden Filmdokument fangen die Probleme erst an. Bald schon fühlt Daniel die Anwesenheit einer mysteriösen Präsenz. Die verfolgt ihn bis in die Träume und führt nichts Gutes im Schilde.
 
 
dark-summer-2015-bild1
 
 
Kennst du den Trailer, kennst du den Film. Nicht das erste Mal warnen wir von FILMCHECKER davor, sich den Kinospot zum Grusel-Indie anzuschauen, denn die dort zusammengeschnippelten Szenen zeigen den ohnehin schon knappen Mystery-Thriller als Kurzfilmvariante. Regisseur PAUL SOLET lässt das Geschehen seines Zweitwerks nur schleppend vorankommen. Vermutlich wäre der Film bei regulärem Erzähltempo bereits nach 30 Minuten zu Ende gewesen wäre, so dass die Geschwindigkeit künstlich gedrosselt werden musste. In DARK SUMMER flimmert alles etwas langsamer über den Bildschirm als in Filmen ähnlichen Kalibers. Im Unterschied zu anderen Geister-Gruslern passiert jedoch über weite Strecken nichts, was nicht nur Sitzfleisch sondern auch Geduld voraussetzt. Hier ein paar Schatten, da unheimliche Stimmen – SOLET macht es subtil und zögert hinaus, obwohl ohnehin offensichtlich sein dürfte, wohin die Reise führen wird.
 
 
dark-summer-2015-bild3
 
 
Wenn Geister zu Stalker werden und verwirrende Liebeskonstellationen das Hirn vernebeln. DARK SUMMER wirft die Frage auf, wer hier eigentlich von wem besessen ist, denn natürlich passieren die mysteriösen Vorfälle im Film nicht ohne Grund. Leider kommt SOLET mit seinen Spukerei reichlich spät auf den Punkt, denn DARK SUMMER vergeudet zu viel Zeit mit dem Abhandeln vorhersehbarer Gruselszenen, dass die Dynamik der Geschichte aus den Augen verloren wird. Die Geschehnisse kriechen förmlich von Höhepunkt zu Höhepunkt und es wird auf Zwang versucht das zu vertuschen, was jeder längst ahnt: Geist Mona liebt Daniel und Teenager Daniel liebt Mona. Dass beide die Annäherungsversuche des jeweils Anderen falsch interpretieren, gehört zu den wenigen makaberen Gedankenblitzen, die den zähen DARK SUMMER am Ende dann doch vor dem Untergang retten können – auch wenn unschlüssig bleibt, was uns der Macher mit seinem Horrorwerk eigentlich mitteilen möchte. Will DARK SUMMER vor den Gefahren und Möglichkeiten des Internets warnen oder handelt es sich hier schlichtweg um eine Liebesgeschichte voller Missverständnisse, die dem Zuschauer mit abgedroschenen Schreckmomenten Lebenszeit rauben möchte. Wer DARK SUMMER gesehen hat, wird verstehen, was gemeint ist.
 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
DISTURBIA meets THE RING. Subtiler Gruselstreifen mit makaberem Schlussgag und für Indie-Verhältnisse versierter Machart. DARK SUMMER schaut in Anbetracht des Budget ganz vernünftig aus und hat glaubhafte Schauspieler am Start. Leider hat GRACE-Regisseur PAUL SOLET einen derart langsamen Film gebastelt, dass man vor der Sichtung ausgeschlafen sein sollte, um der nicht sonderlich spektakulären Geistergeschichte folgen zu können. Zu sehen gibt es mittlerweile gängiges Spukeinmaleins, das zudem um Okkultismus ergänzt wurde. Innovativ ist das nicht und gute Gedankenblitze sucht man vergebens. Wer nur ab und an Geisterfilme schaut, dürfte sich gut unterhalten fühlen. Alte Horrorhasen dagegen drücken nach 10 Minuten bereits die Vorspultaste, schließlich hat man das hier Gezeigte schon unzählige Male gesehen. Bei solch ereignislosem und behäbigem Spuk stellt sich die Frage: Schaust Du noch oder schläfst Du schon?
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Zensur

 
 
 
DARK SUMMER ist subtiler Geister-Horror ohne großes Blutvergießen. Ein Gegenstand wird in eine Hand getrieben und ein paar selsame Male verzieren die Haut des Protagonisten. Zudem gibt es ein abgesägtes Bein zu sehen. Für FSK16 genügt das.
 
 
 


 
 
 

DARK SUMMER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sadako 3D – Ring Originals (2012)
 
The Caller – Anrufe aus der Vergangenheit (2011)