Filmkritik: „Killing Ground“ (2016)

killing-ground-2016-poster
 
 
 

KILLING GROUND

Story

 
 
 

Von Soziopathen und Campern. In der australischen Wildnis lauert das Böse in Menschengestalt und meint es nicht gut mit jenen, die in friedlicher Natur nach Entspannung suchen.

 
 
 


 
 
 

KILLING GROUND – Kritik

 
 
 
Im australischen Outback weht ein rauer Wind. Die Erkenntnis ist nicht sonderlich neu. Vor allem Horrorfilmkenner wissen von den Gemeinheiten, die in abgeschieden Teilen Australiens auf ausländische Reisende lauern. Down Under überrascht neuerdings positiv ins Sachen Genrekino, wie Leser vermutlich mitbekommen haben, die regelmäßig Filmvorstellungen auf unserer Webseite lesen. Nahezu jeder Horrorschocker vom fünften Kontinent, den wir in den letzten Wochen hier vorgestellt haben, hat prägenden Eindruck hinterlassen und Bestnoten erhalten. Da macht auch der folgende Thriller keine Ausnahme, der mit Hochspannung fesselt und beweist, dass Kopfkino bei weitem fieser ist, als bluttriefende Gewaltexzesse mit der Schlachtkeule. KILLING GROUND schimpft sich der Geheimtipp aus Australien, der des Zuschauers Nerven strapazieren möchte. Der zeigt schonungslos offen, wie hinterlistig, respektlos und gemeingefährlich die Spezies Mensch mit den eigenen Artgenossen umgehend kann. Die scheint zu jeder Schandtat bereit und sei sie auch noch so bestialisch. Das macht KILLING GROUND so unberechenbar, der harmlos beginnt und sich bis zum Finale zu einem der anstrengendsten Überlebenstrips entwickelt, die man seit langem im Kino zu sehen bekommen hat. Wer diesen Thriller gesehen hat, wird wissen was wir damit meinen. Sogar der Begriff „Die Zigarette danach“ erhält nach Sichtung eine gänzlich neue Bedeutung.
 
 
killing-ground-2016-bild-3
 
 
Trügerische Naturidylle: Im Horrorfilm können sich schnell traumhafte Landschaften in bluttriefende Albträume verwandeln. Ebensolche Erkenntnis durchleben auch der erfolgreiche Arzt Ian Smith (IAN MEADOWS aus SCARE CAMPAIGN) und dessen Verlobte Samantha Shaw (HARRIET DYER). Die wollten im Australischen Outback eigentlich campen und in abgeschiedener Wildnis das neue Jahr begrüßen. Doch wie immer hat der Drehbuchschreiber andere Pläne mit seinen ahnungslosen Protagonisten. Das verliebte Paar stößt nämlich auf ein verlassenes Zelt und entwickelt ein mulmiges Gefühl. Doch leerstehende Camperbehausungen sind noch das kleinere Übel. Wenige Meter entfernt findet man ein hilfloses Kleinkind, das orientierungslos durch den Wald irrt. Seltsamerweise ist von dessen Eltern weit und breit keine Spur. Leider hat der eigene Wagen eine Panne, weshalb man nicht zurück in die Stadt fahren kann, um Hilfe anzufordern. Da ertönen Motorgeräusche und ein Einheimischer (AARON GLENANE) macht Halt. Der scheint offenbar zu wissen, was hier im Argen liegt und entpuppt sich als abgebrühter Menschenjäger, der zusammen mit seinem nicht minder kaltschnäuzigen Kumpanen (beängstigend: AARON PEDERSEN) Spaß am Töten von Campern besitzt. Kein guter Tag für die Liebenden. Die müssen im Outback den Kampf gegen böse Männer aufnehmen, die vor nichts und niemand Gnade kennen. Ein mörderisches Katz- und Mausspiel beginnt, das am Ende nur einen Sieger kennt.
 
 
killing-ground-2016-bild-2
 
 
Die australische Horrorfilmindustrie hat den Bogen raus. KILLING GROUND reiht sich siegessicher in die Reihe von derbem Überlebens-Horror wie WOLF CREEK oder zuletzt BLOOD HUNT ein. Die wurden ebenso im Land der Kängurus gedreht, um Freunde der blutigen Bildsprache Adrenalinkicks zu bescheren. Letztere bleiben auch in KILLING GROUND nicht aus, der ungemütlichen Überlebenskampf in menschenleerer Wildnis zeigt und vom Publikum einiges abverlangt. Überraschenderweise bleibt bluttriefendes Gewaltspektakel aus. Regisseur und Newcomer DAMIEN POWER zeigt wenig und deutet nur an. Das mag sich harmlos anhören – ist es aber keineswegs. Die Bösewichte im Film spielen mit ihren wehrlosen Opfern und strapazieren so das Nervenkostüm des Zuschauers. Das verstört und lässt schnell ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen, das bald in blanken Psycho-Horror umschlägt. Damit macht es KILLING GROUND dem Horrorthriller EDEN LAKE von 2008 gleich. Im direkten Vergleich spulen nämlich beide Filme die gleiche Geschichte ab und scheuen weder Kompromisse noch Auswege. So werden Opfer bis zur Erschöpfung terrorisiert bis ihnen am Ende die Lebenslichter ausgehen. Übrigens bedient sich Filmemacher DAMIEN POWER unkonventioneller Erzählmethoden. KILLING GROUND beginnt mit zwei unterschiedlichen Handlungssträngen, die in der Halbzeit ineinander laufen. Während der eine die romantische Silvesterfeier besagten Pärchens dokumentiert, welches später ums Überleben kämpfen muss, handelt der andere von einer Familie, die Stunden zuvor bereits von den skrupellosen Soziopathen um die Ecke gebracht wurde. Das stiftet anfangs für Verwirrung, tut der kaum auszuhaltenden Spannung aber keinen Abbruch. Trotz Kopf-Kino kein Film für Weicheier und Zartbesaitete. KILLING GROUND ist für Fans von Überlebensschockern Pflichtprogramm, da hier Spannungsschrauben minütlich fester gezogen werden und kaum Zeit zum Verschnaufen geboten wird. Angesichts der Tatsache, dass hier Debütware aufgetischt wird, eine bemerkenswert runde Sache, die unbedingt Erwähnung finden sollte.
 
 
killing-ground-2016-bild-1
 
 


 
 
 

KILLING GROUND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Intensiv, kompromisslos und unerbittlich. Grausamer Campingausflug für Nervenstarke. Harter Survival-Schocker aus Australien, der eher auf psychischem Wege Horror entstehen lässt. Hier werden ahnungslose Camper von Menschenjägern durch Wälder gehetzt, die alles tun, um irgendwie zu überleben. KILLING GROUND baut schnell eine unbequeme Atmosphäre auf und setzt am Ende auf Tempo, das das Herz des Zuschauers schneller schlagen lässt. Wieder einmal hat sich ein Neuling in Sachen Regie ausprobiert und gleich einen Volltreffer gelandet. Tiefgründigkeit ist Nebensache. Dafür wird mal wieder die Bestie Mensch in all ihren Facetten in den Mittelpunkt gerückt. Regisseur DAMIEN POWER setzt da an, wo Filmemacher wie JOHN BOORMAN mit BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder zuletzt MICKEY KEATING mit CARNAGE PARK vorgelegt haben. In Sachen Kaltschnäuzigkeit ist KILLING GROUND genannten Werken ebenbürtig, denn an unmenschlicher Grausamkeit wird nicht gespart – auch wenn man sich mit Schauwerten stark zurückhält. Das ist im Falle von KILLING GROUND nicht weiter tragisch. Gebotenes ist dennoch hart anzusehen. Wer demnach eine Vorliebe für Survival-Horror hegt, ist hier an der richtigen Adresse. Da überlegt man sich doch glatt beim nächsten Urlaub in Australien ein Hotel in der Großstadt zu mieten. Naturausflüge sind dort offenbar nicht sicher.
 
 
 


 
 
 

KILLING GROUND – Zensur

 
 
 
Die Gewaltszenen in KILLING GROUND halten sich in Grenzen. Es wird in Köpfe und Körper geschossen. Zudem wird ein Kleinkind unsanft auf den Boden geworfen. Meist blendet die Kamera weg, wenn es zu heftig wird. Trotzdem oder vielleicht auch deswegen geht Gezeigtes durch Mark und Bein. Die FSK hat eine Freigabe für Erwachsene vergeben: Keine Jugendfreigabe in der ungeschnittenen Fassung.
 
 
 


 
 
 

KILLING GROUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
killing-ground-blu-ray

(c) BUSCH MEDIA GROUP (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Killing Ground; Australien 2016

Genre: Horror, Thriller Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keien Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 10.11.2017

 

Killing Ground [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

KILLING GROUND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei BUSCH MEDIA GROUP)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Eden Lake (2008)
 
Carnage Park (2016)
 
The Mooring (2012)
 
Quarries (2016)
 
Timber Falls (2007)
 
Storm Warning (2007)
 
Manhunt – Backwood Massacre (2008)
 
King of the Hill (2007)
 
Preservation (2014)

Filmkritik: „Wrong Cops“ (2013)

wrong-cops-2013
 
 
 

WRONG COPS

Story

 
 
 
Officer Duke (Mark Burnham) hat keinen besonders guten Tag. Seine nebenberuflichen Geschäfte laufen schleppend, er trifft auf einen Teenager mit einem ganz grausamen Musikgeschmack und zu allem Überfluss platziert er eine der Kugeln seiner Dienstwaffe versehentlich in einem Nachbarn. Die überschüssige Leiche muss natürlich diskret beseitigt werden, also fordert Duke die Hilfe seiner Kollegen, darunter Officer Rough (Eric Judor) und Officer Sunshine (Steve Little) ein. Die wirklichen Probleme beginnen erst, als sich die vermeintliche Leiche als halbwegs lebendig herausstellt …
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Kritik

 
 
 
Ein Junge radelt über eine Straße und hält vor einem Polizisten an, der auf ihn wartet. Der Junge entschuldigt seine Verspätung dadurch, dass er noch Kampfsportunterricht hatte und nicht früher da sein konnte. Die Entschuldigung des Jungen ist dem Cop scheißegal, um das feinzüngige Drehbuch zu zitieren. Er greift in eine Tüte, holt eine tote Ratte heraus, die am Bauch mehrmals mit Klebeband umwickelt wurde, und drückt sie dem Jungen in die Hand. Natürlich befindet sich in der Ratte ein Bündel feinstes Gras. In der ersten Szene von WRONG COPS ist die Tatsache, dass ein Beamter und ein Minderjähriger eine dubiose Transaktion über die Bühne bringen, noch das Normalste. Willkommen im Kopf von Quentin Dupieux.
 
Wer bereits einen Film des französischen Kino-Terroristen überstanden hat, dürfte eine ungefähre Vorstellung haben, was ihn in WRONG COPS erwartet. Seine Filme sind genau so schräg und wirr wie die Musik, die er seit einigen Jahren unter dem Alias „Mr. Oizo“ veröffentlicht. Die ersten größeren Wellen in der Filmwelt schlug er mit RUBBER, der selbstverständlich um einen Reifen geht, der ein Bewusstsein entwickelt und auf eine mörderische Hetzjagd geht. In seinem darauf folgenden Stück stellte Dupieux zumindest einen Menschen in den Mittelpunkt und zeigte in WRONG die haarsträubende und rätselhafte Suche eines Mannes nach seinem entlaufenen Hund.
Alle, die mit dem Stil von Dupieux noch nicht vertraut sind, kann man nur schwer auf das vorbereiten, was auf sie zukommt. Ein schmutziger, ausgewaschener und absichtlich schlechter optischer Stil, Bilder die offensichtlich von sturzbetrunken Kameramännern eingefangen wurden, ein mit Zufallsgenerator erzeugter Schnitt und natürlich ein Drehbuch, das dem Ganzen die Krone aufsetzt. Trotzdem ergibt sich aus diesen chaotischen Zutaten ein stimmiger Film, der von einer dichten akustischen Decke aus Mr. Oizos Meisterwerken zugedeckt wird. Die fast immer präsente, pulsierende und eingängige Musik passt unglaublich gut zu Dupieux’ exzentrischem Stil. Und wenn man die Liste der Songs durchgeht und dabei auf Titel wie „Polocaust“, „Camel Fuck“, „Cut Dick“ oder Peehurts“ stößt, weiß man sowieso, wo der Hammer hängt.
 
Der größte Vorzug von WRONG COPS im Vergleich zu seinen Vorgängern ist seine Zugänglichkeit. Während das Gehirn sich bei RUBBER oder WRONG im ständigen Krampf befindet und nicht entscheiden kann, ob es in dem Dschungel aus Worten und Bildern nach einer Bedeutung suchen oder sich der Flut aus Absurdität ergeben soll, macht Dupieux es in WRONG COPS etwas einfacher. Sein neuer Film ist vor allem eins, urkomisch. Die Geschichten der verschiedenen Cops, zwischen denen Dupieux mit einer rastlosen Willkürlichkeit hin- und her springt, machen ihn um einiges dynamischer und unterhaltsamer als beispielsweise WRONG. Unterstrichen wird dies erwartungsgemäß von einem tiefschwarzen und skurrilen Humor.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
WRONG COPS ist die wohl schrägste und schwärzeste Komödie des Jahres. Natürlich ist WRONG COPS nichts für Jedermann. Quentin Dupieux sträubt sich erneut konsequent gegen alles Herkömmliche und dreht seinen Film genau so wie er es in seinem offensichtlich ungesunden Kopf für richtig hält. Das Ergebnis ist ein Werk, das sich genau wie seine Vorgänger fast an der Grenze zum Experimentalfilm befindet und bei vielen Zuschauern auf blankes Entsetzen und vehemente Ablehnung stoßen dürfte. Für alle, die der etwas „mutigeren“ Unterhaltung nicht abgeneigt sind, alle Geisteskranken und natürlich alle, die mit Mr. Oizos Wahnsinn etwas anfangen können, ist WRONG COPS ein unbedingt empfehlenswerter Film. Extrem schräg, extrem witzig, extrem Dupieux.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Zensur

 
 
 
Der Film hat zwar den gelegentlichen (und vor allem überraschenden) Exzess, aber der komplett außerirdische und lustige Stil des Films entschärft seine blutigeren Szenen deutlich. WRONG COPS wurde mit einer 16er-Freigabe durch die FSK gewunken.
 
 
 


 
 
 

WRONG COPS – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.com zu lesen

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rubber (2010)
 
Napoleon Dynamite (2004)
 
Wrong (2012)