Filmkritik: „The Terror of Hallow’s Eve“ (2017)

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THE TERROR OF HALLOW’S EVE

Story

 
 
 
Für den 15-jährigen Timmy wird Halloween dieses Jahr wirklich zum Albtraum, denn er begegnet einem Trickster und ist nicht vorsichtig genug, was er sich wünscht.

 
 
 


 
 
 

THE TERROR OF HALLOW’S EVE – Kritik

 
 
Billige Halloween-Schocker gibt es wie Sand am Meer und schwer zu produzieren, sind sie nun wirklich nicht. Man nehme das Halloween-Fest, eine übernatürliche Gestalt und veröffentlicht das Ganze am besten um die Halloween-Zeit – Fertig ist sicheres Geld. Den Zweck des schnellen Geldes erfüllt sicherlich auch „The Terror of Hallow’s Eve“, wobei er eigentlich gar nicht so schlecht wäre, wäre er nicht so wahnsinnig ereignislos.
 
 
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Das Leben des Teenagers Timmy hat sich deutlich verschlechtert, seitdem sich seine Mutter von seinem Vater getrennt hat. Timmy liebt Horrorfilme und zieht sich gerne in seine düstere Welt zurück, weshalb er von anderen gemieden wird und allgemein als Nerd gilt. Als Timmy an Halloween verprügelt wird und daraufhin einen Kürbis findet, soll der Horror seinen Lauf nehmen. Ein Trickster meldet sich und Timmy wünscht sich, dass sich seine Peiniger zu Tode erschrecken würden, ohne zu wissen, dass die Erfüllung des Wunsches wörtlich zu nehmen sein wird. Die Story ist ziemlich langweilig und bietet keinerlei Zutaten, die man nicht schon deutlich besser gesehen hat. In der ersten halben Stunde gibt es erst mal ein kaum glaubwürdiges Drama zu sehen. Warum es Timmy so schlecht gehen soll, wird jedenfalls nicht ersichtlich und von Mobbing kann hier auch keine Rede sein. Seine Figur ist von Anfang an wenig glaubwürdig und die ganzen Klischees wie Scheidung etc. sind einfach zu beliebig. Scheinbar kommt es zudem nicht aus der Mode, Filmen den Stempel „Nach wahren Begebenheiten“ aufzudrücken. Das ist hier aber ebenfalls so beliebig, wie alles an dem Werk und wird wohl keinen Horrorfan hinterm Ofen hervorlocken.
 
 
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Nach der recht langen, ereignislosen, aber doch ganz gut konsumierbaren ersten Hälfte gesellt sich dann der Horror zum Geschehen und hier geht es leider sehr einfallslos zur Sache. Ein Wunsch geht in Erfüllung, ein paar innere Dämonen werden Wirklichkeit, es gibt ein paar Leichen und schon ist wieder Schluss mit dem Spuk. Man kann bei „The Terror of Hallow’s Eve“ zwar weder von Dilettantismus noch von extrem billig sprechen, aber dass es kostengünstig bleiben sollte, sieht man trotzdem an jeder Ecke. Den Kulissen fehlt es besonders im Horror-Anteil einfach an Schauwert. Dabei sind die Effekte gar nicht mal so übel. Es gibt zwar nicht viele zu sehen, aber die vorhandenen sind sogar von Hand gemacht und ein paar minimale Splatter-Einlagen sind ebenfalls vorhanden. Dies führt jedoch nicht zu viel, denn nach einer halben Stunde ist der Horror auch schon wieder vorbei. Es baut sich keine Spannung auf, weil die Charaktere dem Zuschauer sowieso ziemlich egal sind. Leider folgt nach einer guten Stunde Hauptfilm dann auch noch ein unnötig langer Epilog, der das Treiben wohl nur noch zehn Minuten länger machen sollte.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich dabei nicht mal beschweren. Caleb Thomas passt zwar nicht wirklich zu dem Charakter, den er verkörpern soll, spielt das aber nicht unangenehm. Sowieso fällt hier niemand positiv, noch negativ auf und sogar die deutsche Synchronisation lässt sich dabei gut anhören. Die etwas prominenteren Namen, die „The Terror of Hallow’s Eve“ aufzuweisen hat, stellen sich allerdings als Mogelpackung heraus. So schaut Eric Roberts vielleicht eine Minute vorbei, Christian Kane ist auch nicht lange zu sehen und lediglich Doug Jones bekommt als Trickster noch etwas mehr Aufmerksamkeit spendiert. Der Trickster sieht übrigens auch ganz nett aus und ist ein wenig markant geraten. Nebenbei wird mit simplen Mitteln auch noch ein wenig Halloween-Atmosphäre erschaffen, was letztendlich keinen Mehrwert erzeugt, aber trotzdem zu gefallen weiß.
 
 
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THE TERROR OF HALLOW’S EVE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„The Terror of Hallow’s Eve“ ist ein günstiger, aber nicht wirklich schlecht gemachter Horrorfilm, der keinerlei Spannung bietet, zudem eigentlich kaum Horror besitzt und trotzdem über weite Strecken belanglos-nett unterhalten kann. Wer also nichts gegen den kleinen, plumpen Horror für gemütliche, regnerische Tage hat, kann sich das ruhig ansehen, wer hingegen auf der Suche nach dem nächsten Halloween-Hit ist, lässt lieber die Finger davon. Dafür ist das Geschehen hier zu harmlos und nichtssagend. Da helfen auch passable Darsteller und ein paar nette Effekte nicht. Für eine Empfehlung reicht es also nicht aus, für einen Totalverriss ebenfalls nicht!
 
 
 


 
 
 

THE TERROR OF HALLOW’S EVE – Zensur

 
 
 
„The Terror of Hallow’s Eve“ ist kein brutaler Horrorfilme oder gar ein Streifen, der mit vielen Schauwerten aufwartet. Deshalb hat der Gruselfilm hierzulande eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Dass „The Terror of Hallow’s Eve“ auch noch ungeschnitten erschienen ist, dürfte Fans des Horror-Genres freuen.
 
 
 


 
 
 

THE TERROR OF HALLOW’S EVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Terror of Hallow’s Eve; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 04.10.2019

 

The Terror of Hallow’s Eve [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

THE TERROR OF HALLOW’S EVE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole – Wovor hast Du Angst? (2009)
 
Brainscan (1994)
 
Gänsehaut (2015)
 
Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween (2018)
 

Filmkritik: „Draculas Rückkehr“ (1968)

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DRACULA RÜCKKEHR

(DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE)

Story

 
 
 

Er ist nicht totzukriegen, der Generalfeldmarschall unter den Filmvampiren. Ein weiteres Mal sucht Graf Dracula (Christopher Lee) das ländliche Alt-Europa heim. In diesem Durchgang zwickt den baumlangen Bösewicht der untote Docht im Untergewand mehr als möglich und er steigt der scharfen Tochter eines Priesters hinterher, der gerade in den Ort gekommen ist. Dieser Monsignore ist es auch, der den Vampir, zusammen mit dem verzweifelten Freund der Tochter, schließlich Mores lehren will.

 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Kritik

 
 
 
Von der berichterstattenden Presse gibt’s fast einstimmig auf die Schnauze. Primitiv, kitschig, brutal, inhaltslos – so der Tenor in Print und Funk. Das für Unterhaltung und Kino-Schocks zahlende Publikum rund um den Globus sieht die Sache natürlich anders und beschert Hammer Einnahmen, die sich sehen lassen konnten. Manche Dinge ändern sich eben nie. Ein interessanter Kritikpunkt allerdings findet sich in der von verschiedenen Schreiberlingen getätigten Feststellung DRACULAS RÜCKKEHR sei „style over substance“, würde also die Optik und den Schauwert über Handlungsinhalte stellen. Wollen wir ehrlich sein, stimmt diese Beobachtung natürlich. Aber das macht – Fans werden uns hier bestätigen – einen der Haupt-Reize des Hammer’schen Gruselfilm-Universums aus.
 
 
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Ort der Handlung ist ein pittoreskes Stückchen Fantasie-Süddeutschland mit dem bizarren Namen „Keinenberg“. Man muss wissen: In der sehr angelsächsisch zurechtgestrickter Germanenwelt von Hammer Films regiert über die Städtchen und Gemeinden am Fuße gotischer Horrorschlösser der sogenannte „Burgomeester“. Passt also. In DRACULAS RÜCKKEHR schreiben wir das Jahr 1906. In Cowboyfilmen mit ernsterer Agenda redet man da gern vom Ende des alten Westens. Graf Dracula ist der Übergang in die Moderne (noch) Wurscht, dreht sich für ihn weiterhin alles um die Frage des gepflegten Nackenbisses. In der Gegenwart führen ihn erst spätere Einträge seiner Filmographie.
 
 
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Auch in Sird Lord Mayor Grand Imperial Dingdong Christopher Lees drittem Auftritt in seiner bekanntesten Rolle gibt der Mime wieder alles. Selbstverständlich. Diesmal führt er seine Darstellung interessanterweise weg vom fauchenden Monster aus dem Vorgängerfilm BLUT FÜR DRACULA (1966) und zurück zum aristokratischen Ekelpaket mit Sex- und Allmachtsfantasien, wie es sich Bram Stoker und die Historie des Genrekinos angewöhnt hatten. Er hetzt den hübschen Maiden hinterher, dass es eine fast schon parodistische Freude ist. Mit Michael Ripper steht ihm ein bekanntes Studio-Gesicht gegenüber. Veronica Carlson gibt das ikonische, hochgeschnürte Hammer-Babe de jour. Ein optisch schöner Pop-Art-Einfluss findet sich in der Kameraarbeit. Knallige Farbfilter umrahmen das Bild in jeder Szene auf dem Schloss des Vampirs. Technicolor-Kunstblut, grell und beinahe schon psychedelisch: Einer dieser großen Momente, in denen dem langjährigen Jünger auffällt, was diese bescheuerten britischen Horror-Reißer einfach so besonders macht.
 
 
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DRACULA RÜCKKEHR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wie gehabt. Mit den Über-Klassikern aus der britischen Horrorfilm-Fabrik Hammer verfahren wir hier nicht nach gewohntem Bewertungsmaß. Wenn man auch nur eine Urne voll Zuneigung für die atmosphärischen, manchmal seltsamen, derben aber immer sofort wiedererkennbaren Dracula- Frankenstein-, usw. Filme dieser Zeit oder für die Geschichte unseres Lieblingsgenres übrig hat, deckt man sich bitte kritiklos mit allen BluRay-Upgrades ein und klebt sich für einen Hammer-Allnighter vor den Televisor !
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Zensur

 
 
 
DRACULAS RÜCKKEHR lief ungeschnitten im Jahr 1969 in den deutschen Kinos. Dort erhielt der Film eine Freigabe ab 16 Jahren. Auch die späteren VHS- und DVD-Veröffentlichungen waren ungeschnitten und ab 16 Jahren geeignet. Demzufolge verwundert es nicht, dass dies nun auch bei den HD-Auswertungen der Fall ist. Auch hier: uncut und FSK16.
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula Has Risen from the Grave; Großbritannien 1968

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Draculas Rückkehr [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
DRACULA RÜCKKEHR erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im Oktober 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas jagt Mini-Mädchen (1972)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (1972)

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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN

(DRACULA A.D. ’72)

Story

 
 
 

1872 liegen Graf Dracula (Christopher Lee) und van Helsing (diesmal als „Lawrence“ im Familienunternehmen der Untoten-Jagd unterwegs – Peter Cushing) im Clinch und es sieht aus, als wäre dieser verletzungs- und entbehrungsreiche Kampf der letzte zwischen den beiden Erzrivalen. Nach einer Hetzjagd auf Kutschen lassen der Vampir und sein Verfolger beide ihr Leben. Hundert Jahre später taucht der Fürst der Finsternis wieder mitten in der Hauptstadt Großbritanniens auf. Eine gelangweilte Okkultisten-Gang unter der Führung des brennenden Fürsten-Verehrers Johnny Alucard (na, schnackelts ́s?) hat den Meister der Vampire in einer Schwarzen Messe zurück in die Welt des Fleischlichen geholt. Unter ihnen auch Lorrimer und Jessica van Helsing (Stephanie Beacham). Der junge Herr Alucard bekommt das Versprechen der Vampir-Verwandlung und versorgt den Großen dafür mit frischen Mädchenhälsen. Die Polizei kommt nicht weiter im Fall der leergesaugten Leichen und ruft einen Profi zur Hilfe. Lorrimer van Helsing, trotz seiner am Filmanfang gezeigten Begeisterung für Parawissenschaft immer noch direkter Nachfahr des berühmtesten aller Weihwasser-Versprüher und auch von Peter Cushing gegeben, erklärt sich bereit, endlich zu Ende zu bringen, was ihm in den Genen liegt.

 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Kritik

 
 
 
Auch heute sorgt der herrliche deutsche Titel noch für amüsiertes Stirnrunzeln und Verwunderung in den Gesichtern derer, die ihn erstmals serviert bekommen. Unter dem seltsamen Begriff der Mini-Mädchen firmierten für die knochigen Übersetzer damals junge Swinging-London-Schnecken. Also keine Mädchen in Taschenventilator-Größe, die sich Christopher Lee in eine Tasche seines seit Jahrhunderten leidgeprüften Beerdigungsanzuges stecken könnte.
 
 
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Man will ́s nicht meinen aber wahrhaftig hatten Christopher Lee und sein ewiger knoblauchschwingender Counterpart Peter Cushing seit dem ersten „Dracula“-Film aus der Hammer-Schmiede, 1958, nicht mehr als Graf und sein besessener Jäger miteinander gerungen. 1970 kommt der recht farblose „Dracula – Nächte des Entsetzens“ überhaupt nicht gut bei seinem Publikum an. Da muss Hammer sich schon etwas Besseres einfallen lassen als das nächste, im schlimmsten Fall uninspirierte Aufwärmen der Hatz durch erfundene südostdeutsche Städtchen während des Viktorianischen Zeitalters. Mit eimerweise grellem Zeitkolorit versehen, packt man also die eigenen Strickmuster des Vampirfilms, die man in den Jahren seit der faktischen Übernahme des Horror-Marktes zur Perfektion getrieben hat und verpflanzt sie in die englische Metropole zu Zeiten der ausgehenden Hippie-Epoche. Das so friedliebende „Zeitalter des Wassermanns“ muss sich wohl oder übel mit dem gegelten Höllenfürsten aus Rumänien befassen – und der hat ́s – oh Wunder – so gar nicht mit Peace & Love. Die Produzenten des Films umso mehr. Sogar ein Auftritt der obskuren, langhaarigen Kiffer-Rockband Stoneground findet bis in die Endfassung des Films. CD gibt es auch.
 
 
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Jugendliche Stinkmolche, die ihre Bürgerkinder-Langeweile und auch gleich ihre Eltern auf dem Wege des Spiels mit dem gefährlichen Übersinnlichen bekämpften, sind Anfang der Siebziger ein dankbares Thema. Mit der Vätergeneration am Hebel von Buch und Regie meint man es in den Studios nicht gerade gut mit den aufmüpfigen Blumenkindern und ihren Nachfolgern. Ja, es lässt sich sogar die ironische Behauptung „Die müssen doch mit dem Leibhaftigen im Bunde sein!“ herauslesen aus Filmen wie den „Mini-Mädchen“ hier oder trashigen Manson-Verarbeitungen wie „I Drink Your Blood“ aus den USA. Okkultismus-Rabauken-Meisterwerk des britischen Grusels ist der bei uns so geil mit dem Titel „Der Frosch“ geschlagene Satanisten-Biker-Knaller „Psychomania“ von Don Sharp. Unbedingte Empfehlung.
 
 
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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hammers Sprung in die Moderne tut Film und Genre gut. Viele Fans der Firma stehen sogar mehr auf die Horror-Abenteuer ohne Historienfilm-Anstrich. Wir mögen beide Seiten und freuen uns über die angenehme Schrägheit der Mini-Mädchen und ihres scharfen Jägers.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Zensur

 
 
 
Der sechste Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios mit Christopher Lee lief im Kino angeschnitten. Auch die TV-Ausstrahlungen waren bisher ungeschnitten. Nicht ganz komplett dagegen war die Auswertung auf VHS durch Anbieter WARNER. Dort vermisste man Material, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die deutsche VHS-Fassung das Master der alten britischen Videofassung als Vorlage hatte. Dort fehlte Filmmaterial. Immerhin änderte sich das mit der DVD-Veröffentlichung. Die DVD-Fassung sowie alle Blu-ray-Auswertungen von DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN sind komplett, ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A.D. 1972; Großbritannien 1972

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 04.10.2019

 

Dracula jagt Mini-Mädchen [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im September 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ (1970)

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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?

(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)

Story

 
 
 

Das immer kurz vorm A-Star-Durchbruch stehende Gewohnheits-Ekel Ralph Bates spielt Courtley, einen jungen englischen Lord, der sich seine von den Untertanen gestohlene Zeit mit okkulten Ritualen und Teufelsbeschwörungen vertreibt. Sein Ruf als wegen Sauereien enterbter Dekadenz-Veranstalter hat auch drei weitere, aber deutlich ältere Widerlinge aus der britischen Gesellschafts-Elite erreicht, deren amoralische Suche nach neuen Reizen sich kaum noch befriedigen lässt. Zumindest nicht auf im weitesten Sinne natürliche Weise – die Puffs der Landeshauptstadt kennen sie zu Genüge. Jetzt ist der kleine Lord ein nachgerückter Jünger des Grafen Dracula, der die drei Gesellen zu einem schwarzmagischen Wiedererweckungs-Ritual überreden kann, in dessen Verlauf ihnen die dämonische Sache dann doch zu heiß wird und sie den Burschen wahnhaft-wütend totschlagen. Dem trotz dieses Widernisses auferstandenen Vampir schmeckt das gar nicht (noch weniger als das Blut von Dracula vermutlich. Entschuldigung…) und er beschließt, aus Rache für das Ableben Courtleys, die Kinder seiner Mörder in seinen Bann zu ziehen. Das ist doch mal eine Verbundenheit der Chefetage zum Personal, die sich sehen lassen kann! Im viktorianischen England auch noch. Ach ja, gefügig, auf dass sie ihre Väter um die Ecke bringen. Übrigens weiß niemand, dass die drei alten Freunde original britisch-konservativen Holzes in ihrer Freizeit Volldampf-Perverse sind. Auch Paul, einer der Söhne, nicht. Er wird aber zumindest gewarnt und wirft sich mit dem Mut der Verzweiflung dem Herrn der Finsternis entgegen.

 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Kritik

 
 
 
Wie schmeckt es denn nun? Die Frage beantwortet Hammer in seinem vierten Film über den König der Blutsauger nur unzureichend. Zu Videotheken-Zeiten, anno 1985 genauer, ist das dann offenbar auch schnuppe und die Kassette wartet als „Das Blut von Dracula“ in den Regalen der deutschen Verleihbuden auf ihre Opfer. Eigentlich will der Film ja gar kein „Dracula“ mehr sein. Studio-Hoffnung Ralph Bates soll als Nachfolger des vom teuren Christopher Lee verkörperten Vampirs eingeführt werden.
 
 
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Hammers US-amerikanische Vertriebspartner laufen angesichts dieser Ankündigung aus London allerdings beinahe Amok. Keine Chance für einen sauberen Schnitt also. Jetzt müssen die Firmenchefs Hinds und Carreras die Zähne zusammenbeißen, nochmal eines der versteckten eigenen Sparschweine zerschlagen und den notorisch von sich eingenommenen Verhandlungspartner Christopher Lee an den Produzententisch bitten. Dass unter diesen schwierigen Bedingungen noch einer der besten Filme der Reihe entstehen kann, spricht für alle Beteiligten. Tragisch aber und zu bei aller unterhaltsamen Qualität nicht zu leugnen: Hammers Glanzzeiten neigen sich anno 1970 langsam aber sicher ihrem Ende zu. Gothic Horror mit bösen Cape-Trägern auf gruseligen Schlössern rücken langsam aus dem Fokus der zahlenden Zuschauerschaft. Gleich zu Anfang verwursten die Produzenten Lees letzte Sterbeszene aus „Draculas Rückkehr“ ein zweites Mal. Drückt die Produktionskosten schon ein wenig. Dann kommen neue Aufnahmen.
 
 
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Sie bemerken an der Installation des jugendlichen Helden im Kampf gegen den Grafen: Auch dieses Mal kann Hammer Peter Cushing nicht für die Rolle des Vampirjägers Professor van Helsing begeistern. Das Logikverständnis des Schauspielers ist nicht elastisch genug, dem per se unsterblichen (und auch immer wieder ins Leben zurückgeholten) Transsylvanier als okkultistischer Wissenschaftler gegenüberzustehen, der irgendwann auch plötzlich mehrere hundert Jahre alt sein müsste. Der Plan, gar Vincent Price als Anführer der drei Herren zu besetzen scheitert im Vorfeld am Budget. In der Rolle von Pauls Freundin sehen wir Linda Hayden, für Freunde britischen Horrorkinos im Folgejahr unsterblich geworden durch die Hauptrolle der besessenen Angel in Piers Haggards wundervollem „In den Krallen des Hexenjägers“. Den haben wir hier auch mal gefeiert.
 
 
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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was als Übergabe des Staffelholzes für Hammer beginnen sollte, gerät zur routinierten Fingerübung mit allem, was der Fan an diesen Filmen schätzt. Innen und außen also wenig neues. Opulenz, wo angebracht, Budget-Ersparnis wo nötig. Man fühlt sich wie zuhause.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Zensur

 
 
 
Der vierte Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios setzt nahtlos an den Vorgänger DRACULAS RÜCKKEHR an. Bei seiner deutschen Kinoauswertung im Juli 1970 durfte WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA bereits von Sechzehnjährigen besucht werden und war ungeschnitten. Das änderte sich mit der deutschen VHS-Veröffentlichung. Für die setzte man die Schere an und schnitt neben einigen harten Szenen auch einige Szenen aus dem Film, die man damals für anrüchig empfand. Erst in DVD-Zeitalter konnten Filmliebhaber auf die ungeschnittene Fassung zugreifen. WARNER brachte 2004 die erste deutsche DVD von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA auf den Markt. Diese war umgeschnitten frei ab 16 Jahren. Das hat sich mittlerweile auch nicht geändert. Alle erhältlichen HD-Fassungen auf Blu-ray besitzen eine FSK16-Freigabe und sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Taste the Blood of Dracula; Großbritannien 1970

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Wie schmeckt das Blut von Dracula [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im August 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Filmkritik: „Dracula“ (1958)

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DRACULA

Story

 
 
 

Die Geschichte ist, da sind wir uns sicher, bekannt. Trotzdem hier gern noch einmal: Jonathan Harker, ein junger, unbedarfter Jurist und Immobilien-Mensch, wird von seiner Londoner Firma auf eine umständliche Geschäftsreise in einen der hintersten Winkel der Karpaten geschickt. Hier erwartet ihm, auf seinem Schloss, das die Einwohner der benachbarten Dörfer meiden wie die Pest, Graf Dracula, Der zurückgezogene Spross eines uralten Adelsgeschlechts will sich ein repräsentatives Anwesen auf der Insel zulegen und entdeckt auf einem Bild Mina, die Gattin des Engländers. Sie erinnert den Rumänen an seine große Liebe und er reist, nach der Vampirisierung seines Besuchers, auf dem Seeweg nach England und hat die Pest an Bord. Angekommen bringt Graf Dracula die höheren Töchter der Hauptstadt in Nöte und später um ihr Blut. Vampir-Forscher Professor van Helsing, die Bekannten des Maklers und seiner Familie sind dem spitzzahnigen Schrecken auf den Fersen.

 
 
 


 
 
 

DRACULA – Kritik

 
 
 
Der in London lebende Ire Bram Stoker setzt der Ende des 19. Jahrhunderts zur Staatsräson erhobenen Lust-Unterdrückung im England von Königin Victoria ein gar schauriges Literaturdenkmal, ja vermutlich die erste Horror-Story für die Ewigkeit. Dutzende Verfilmungen hat seine Düster-Fabel vom das britische Mutterland überfallenden Fledermaus-Herrscher aus dem wilden Osten seit der Stummfilm-Zeit hervorgebracht. Mit der Übernahme Christopher Lees verändert sich die Figur des Grafen unumkehrbar.
 
 
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Nach Murnaus unsterblichem „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), der Stokers Charaktere urheberrechtsbedingt nicht nutzen durfte, geht die erste Darstellung des Grafen an Bela Lugosi. Mit dem von dem Ungarn gespielten Nachzehrer in Tod Brownings „Dracula“ (1931) hat dieser Titel-Bösewicht aus dem Hause Hammer nun aber so gar nichts mehr gemein. Hier ist der mit Abstand berühmteste Literatur-Vampir mit adligem Stammbaum auf einmal kein merkwürdiger, osteuropäischer Spukschloss-Charmeur mit dem exotischen Gestus eines gut abgehangenen Bühnenschauspielers mehr. Sir Christopher Lees wild-interessante Züge mit ihrer jederzeit ins Wölfische, überhaupt Raubtierhafte umschaltbaren Durchsetzungskraft bringen zwar noch immer ein gewisses Quäntchen Exotik mit, nur macht sich der Schauspieler diese Färbung seines Charakters Eigenschaft zu Nutze, um die eindeutig sexuell zu verstehende Praktik der Verführung zum Eindringen seiner Fangzähne in zarte Damenhälse eben als aggressive Form von Sexualität dastehen zu lassen. Sein Graf Dracula ist ein strenger, schwarzhaariger Sex-Tyrann von nahezu zwei Metern Größe, dessen Biss seine – bevorzugt natürlich weiblichen – Opfer in devoter Hörigkeit zitternd und auf der Matratze kauernd zurücklässt. Da hat mancher von sich selbst überraschte Kulturwissenschaftler schon Sadomasochismus reinprojiziert, dass die Wände gewackelt haben. Lees Performance wird immer mit dem Grafen verbunden sein, Interpretationen durch andere Schauspieler nur noch dann zulassen, wenn sie sich – wie bei beim dandyhaften Gary Oldman 1992 etwa – ihre eigene Form von Überzeichnung erlaubten.
 
 
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Abraham van Helsing, ewiger und gerne von Peter Cushing gegebener Fachmann im Umgang mit Knoblauch, Kruzifix und Holzpflock, muss Jahrzehnte auf seinen Auftritt als Star des eigenen Films warten. Das Kinoverbrechen, das man sich 2004 getraut und auf dem man bei Universal gerne ein komplettes Universum – so wie ́s Marvel/Disney gegenwärtig ausreizt – der Monsterfilme aufgebaut hätte, ist ein kolossaler Schuss in den Ofen. Hugh Jackman trägt den viel cooleren (?) Vornamen Gabriel und reist als Steampunk-Quasi-Superheld durch einen blassgrünen Alptraum aus PlayStation 2-Effekten und Hirnfurz-Handlung, der manchen Zuschauer schreiend aus dem Saal zu jagen vermag. Super-Bad-Guy Dracula gründet hier mit anderen Monstern einen Club der Bösewichter. Ein ganz schreckliches Zeitdokument. Das halbgare „The Mummy“-Filmchen mit Tom Cruise beweist vor ein paar Jahren die eindeutige Lern-Resistenz auf Seiten des Studios.
 
 
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DRACULA – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Volle Punktzahl, allein schon aus historischen Gründen. „Dracula“ ist eine der Säulen, auf denen der Ruhm von Hammer Films und der gute Ruf britischen/europäischen Horrorkinos allgemein fußt. Gehört ohne Frage in jede respektable Filmsammlung und sieht in seiner restaurierten Fassung auch noch so knackig frisch aus wie seit seiner Leinwandzeit nicht mehr.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Zensur

 
 
 
DRACULA von 1958 wurde vom britischen Filmprüfungskomitee BBFC fürs Kino geschnitten, lief in deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 16 Jahren und erhielt auf VHS eine Freigabe ab 12. Jahrzehntelang galten diese von der BBFC herausgeschnittenen Szenen als verschollen. Doch im September 2011 wurden die letzten Filmrollen mit genau diesen Szenen in Japan gefunden. Demzufolge entstand eine Langfassung mit diesen Szenen. Beide Filmfassungen – also die ursprüngliche Fassung mit den herausgeschnittenen Szenen und die mit den gefundenen Szenen – sind nun auch in Deutschland auf Blu-ray und DVD zu haben. Beide Filmfassungen sind von der FSK neu geprüft worden. Sie sind für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula; Großbritannien 1958

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Enthält zwei restaurierte Fassungen: 1. Fassung von Warner Bros., 2. Fassung von Hammer Film (2012), Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – Uwe Sommerlad & Volker Kronz, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Dracula – Restaurierte Fassung (2. Neuauflage) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA von 1985 hat in Deutschland schon so einige Blu-ray-Veröffentlichungen spendiert bekommen. Zuerst erschien er als Blu-ray im Mediabook und im KeepCase von STUDIO HAMBURG ohne Bonusmaterial. Anschließend brachte ANOLIS mehrere Sondereditionen auf den Markt für die sie jede Menge Bonus sammelten und sogar extra produzieren ließen. Nun wirft STUDIO HAMBURG noch einmal eine Blu-ray-Fassung (2. Neuauflage) auf den Markt. Diesmal mit besserer Bildqualität, zwei verschiedenen Filmfassungen und etwas Bonusmaterial. Letzteres entspricht zum Teil dem, was bereits auf den Scheiben vom Anbieter ANOLIS enthalten war. Wer aber das komplette Bonus-Paket sein Eigen nennen möchte, muss zwangsweise doch zu den teureren Veröffentlichungen aus dem Hause ANOLIS greifen. Nur dort sind umfangreiche Zusatzmaterialien vorhanden.
 
 


 
 
 

DRACULA – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Filmkritik: „Lords of Chaos“ (2018)

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LORDS OF CHAOS

Story

 
 
 

„Lords Of Chaos“ beschreibt ein Zeitfenster der achtziger Jahre, in dem in Skandinavien die Keimzelle des über-extremen „Black Metal“ entsteht. Im Zentrum der Geschichte stehen die blonden, bald schwarzgefärbten und weiß getünchten Bübchen der Band „Mayhem“. Die suhlen sich in betont satanischer (hier begriffen als menschenfeindlicher) Haltung, ritzen und quälen sich selbst, bluten aufs Publikum und werfen auch mal Teile von Tierkadavern in die Menge. Ein perverser Band-Wettkampf, wer wohl am besten singe, nein, wer wohl am finstersten brüte, bricht los und endet in einer Spirale aus Brandstiftung, Gewalt und Tod.

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Kritik

 
 
 
Aus dem unbeachteten Augenwinkel und eher der Rubrik „völlig unerwartet“ zuzuordnen steht da ein Monolith des Irrsinns im Raume, der „Lords Of Chaos“ heißt. Nicht nur unerwartet. Eigentlich noch extremer: Man würde sich diese Stories selbst nicht glauben. Selbst dann nicht, wenn man an geheimnisvollen Pilzen genuckelt hätte und sie sich auf einer Party selber erzählen würde. Das gilt für die Geschichte im Film genauso wie für dessen Entstehung und Hintergrund.
 
 
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Norwegen, Schweden, Finnland: Gelangweilte Mittelklasse-Rotzlöffel versuchen, sich in den Rubriken Menschenhass, Satans-Faschismus und allgemeiner spätpubertärer Kernigkeit zu überbieten. So weit, so normal. Hierfür gründen sie Bands und spielen eine nur noch aufs Extreme angelegte und mit derben Punk-Genres wie Grindcore verwandte Krachmucke und nennen sie Black Metal. Da der musikalischen Theorie auch praktische Taten folgen sollen, führt der Irrsinn zügig zu Mord, Totschlag und brennenden Kirchen. War aber nicht alles schlecht: Die Neurose, potentielle Plattenladen-Kunden erst einen fachlich anspruchsvollen Fragebogen ausfüllen zu lassen, bevor Eintritt gewährt wird, sollte wenigstens Schule machen. Bewundernswerte Konsequenz drückt sich eben nicht nur in Mord und Suizid aus.
 
 
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Michael Moynihan gelingt 1998 mit dem akribisch recherchierten und wahnsinnig unterhaltsamen Musik-Sachbuch gleichen Namens ein Erfolg, der sich – untypisch – eben nicht nur auf die Reihen der Metal- oder gar Black-Metal-Heads beschränkt. Nein, man konnte „Lords Of Chaos“ seinerzeit lesen, ohne sich für diese elendig unterproduzierten Lärmwände aus Röchelgesang, nach Küchengeräten klingenden Gitarren und albernen Stakkato-Drums zu erwärmen, die da eben Black Metal genannt werden. Obendrein wahrt der Amerikaner aus Boston eine politische Neutralität beim Berichten über die nach und nach immer faschistoider werdende Szene; und das obwohl er seine eigene, langjährige Musikkarriere mit Überzeugung im deutlich angebräunten Genre des sogenannten „Neofolk“ zelebriert. Für die Verfilmung des Sachbuch-Stoffs als Spielfilm ließ sich nach einigem Hin und her der Schwede Jonas Akerlund gewinnen. Der ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Regisseur von Werbespots und Dutzenden weltberühmter Musikvideos, sondern auch noch in jungen Jahren als Schlagzeuger der Ur-Black-Metal-Schrubbkapelle „Bathory“ in Erscheinung getreten. So war’s natürlich ein echter Coup, den auch heute noch als bleichen Finsterling auftretenden skandinavischen Selbstvermarkter auf den Regiestuhl der „Lords Of Chaos“ packen zu können.
 
 
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Akerlund gelingt, ein eng miteinander verschweißtes Ensemble junger Schauspieler, unter anderen Abkömmlingen der infernalischen Showbusiness-Clans Culkin und Ochsenknecht, durch einen Alptraum von Tristesse und roher Gewalt zu dirigieren. „Lords Of Chaos“ ist gleichzeitig fesselnd und abstoßend, die Figuren, genau wie die realen Vorbilder eben, sind Arschlöcher sondersgleichen und die Ausbrüche in filmische Grausamkeit matschigster Splatter. Es bleibt einem glatt die Spucke weg und man möchte nie in einer Gegend verweilen, deren Grau-in-Grau die Gehirne der Beteiligten dermaßen in Haferflocken verwandeln konnte.
 
 
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Schwedischer Hipsterismus ist eine faszinierende Sache. Von dort kommen gerne mal Co-Autoren entsetzlicher Pop-Hits, angesagte Musiker mit beinahe „Blob“-artiger Anpassungsfähigkeit oder auch gesellschaftliche Trends, die sich nur Menschen mit viel Zeit, wenig Beschäftigung und staatlich gesicherten Einkommen ausdenken können. In diesem Geist wird uns das gleiche dünnbesiedelte Land demnächst mit der angeblich gleichzeitig emotionsunfähigen, weil aspergerkranken und trotzdem ständig ängstlich-aufgeladenen Greta Thunberg eine hanebüchene Friedensnobelpreis-Wahl bescheren. So bei it.
 
 
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Black Metal verkauft sich, Internet und Metal-Hype sei Dank, heute besser denn je und hat es inzwischen zu grotesken (wenn auch – siehe, im Knast zum Vollnazi mutiert, Varg Vikernes – nur folgerichtigen) Unterkategorien wie „NSBM“, das heißt tatsächlich „National Socialist Black Metal“, gebracht. Nazi-Satans-Metal ist genauso scheiße wie Du, geneigter Leser, Dir das hoffentlich gerade vorstellst.
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wahre Geschichte, Motherfuckers! Das ist tatsächlich das Grellste an „Lords Of Chaos“. Die Moral von der Geschicht‘ scheint anzudeuten, dass Langeweile in nordeuropäischen Gefilden zu furchtbaren Szenarien führen kann. Oder doch eine Warnung vor der destruktiven Kraft schlechter Musik? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist Alt-Hipster Jonas Akerlunds Biopic-Gore-Reißer ein Meisterstück der Verfilmung wahrer Ereignisse als Unterhaltungsfilm. Herausragend.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Zensur

 
 
 
„Lords of Chaos“ ist nicht nur verstörend – der Film ist auch sehr brutal. Da werden in diversen Szenen Morde derart lang zelebriert, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Umso überraschender, dass die FSK diesen Film ungeschnitten freigeben hat. Bis vor einigen Jahren wäre ein Film wie „Lords of Chaos“ wegen seiner zeigefreudigen Brutalität auf dem Index gelandet. Sammler und „Mayhem“-Fans können daher bedenkenlos zugreifen. Der Film ist mit seiner Erwachsenenfreigabe vollkommen komplett.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

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(c) Studio Hamburg (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lords of Chaos; Großbritannien | Schweden 2018

Genre: Drama, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 117 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 05.04.2019

 

Lords of Chaos [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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LORDS OF CHAOS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen stammen von Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Metalhead (2013)
 
This Is Spinal Tap (1984)
 
Almost Famous – Fast berühmt (2000)
 
Deathgasm (2015)
 
Until the Light Takes Us (2008)
 

Filmkritik: „Dark Crimes“ (2016)

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DARK CRIMES

(TRUE CRIMES)

Story

 
 
 

Ein Ermittler kurz vor der Pensionierung nimmt sich einen Mordfall in der SM-Szene vor und gerät in einen Strudel aus Gewalt und Perversion, bei dem ein ominöser Autor seine Finger mit im Spiel hat.

 
 
 


 
 
 

DARK CRIMES – Kritik

 
 
 
Wenn ein Film gute zwei Jahre lang im Giftschrank verweilt, bis er dann doch hervorgekramt wird, ist das selten ein gutes Zeichen. „Dark Crimes“ entstand schon 2016, wurde jedoch jetzt erst veröffentlicht und vor allen Dingen kann man hier natürlich mit einem Jim Carrey in einer ernsten Rolle werben. Bringen tut das allerdings alles nichts, denn man hat es mit einem sehr uninspirierten Werk zu tun.
 
 
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Der Ermittler Tadek muss im Archiv arbeiten, weil er in der Vergangenheit einen Fall ruiniert hat. Bald steht die Pensionierung an, doch Tadek will erhobenen Hauptes gehen und sichert sich einen neuen Fall, bei dem es um einen ermordeten Geschäftsmann geht, der sich in der SM-Szene bewegte. Seltsamerweise gibt es da den Autoren Kozlow, der in einem Buch den scheinbar identischen Mord beschrieben hat. Also ist sich Tadek sicher, dass Kozlow der Täter sein muss, doch so einfach ist die Sache dann natürlich nicht. Inspiriert wurde das Drehbuch wohl von wahren Begebenheiten, aber das ist nur eine Randnotiz und überhaupt nicht weiter wichtig. Die Story verlässt sich auf die Seh-Gewohnheiten des Krimizuschauers, bietet ein paar falsche Fährten und am Ende ist dann sowieso alles anders, als gedacht. So weit, so gut, nur dummerweise ist diese Geschichte völlig langweilig. Die Auflösung mag noch halbwegs schlüssig sein, wird jedoch keine „Aha“ und „Wow“ Stürme auslösen können. Schlimmer wiegt da schon die Tatsache, dass der Weg zur Auflösung sehr uninteressant gestaltet wurde und es wirklich keine Zutaten gibt, die es nicht schon wesentlich besser gegeben hat.
 
 
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Jim Carrey ist zwar als Grimassenschneider bekannt, aber er hat einige Male bewiesen, dass er auch die ernsten Rollen gut beherrscht. In „Dark Crimes“ kann er allerdings nicht überzeugen. Fast ohne sämtliche Mimik spielt er sich durch das langweilige Drehbuch und wirkt dabei ebenfalls gelangweilt. Wenn man den einstigen Spaßvogel hier so beobachtet, kann man schon den Eindruck gewinnen, dass er die Freude an der Schauspielerei verloren hat. Marton Csokas ist als Gegenspieler aber keineswegs besser. Seine arrogante Rolle lässt keinerlei Sympathien zu und Csokas vermittelt das mit seinem stets ekeligen Grinsen zwar eigentlich passend, jedoch genauso lustlos. Das Talent einer Charlotte Gainsbourg wird in einer Nebenrolle zusätzlich ziemlich verschenkt. Passend zu den bestenfalls passablen Darstellerleistungen gesellt sich eine Figurenzeichnung, die keinerlei eigene Identität besitzt. Die Charaktere langweilen, besitzen kaum Profil und sind einfach nur so da, ohne den Zuschauer jemals irgendwie berühren zu können.
 
 
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„Dark Crimes“ hat den Emotionen aber scheinbar sowieso abgeschworen. Man bekommt es mit einem gänzlich unterkühlten Film zu tun, der keinerlei Gefühl besitzt. Problematisch wird das gerade deshalb, weil man hier auch etwas Drama bieten will und das funktioniert so einfach nicht. Wenn es da diese farblosen Bilder zu sehen gibt, die von einem düsteren, sphärischen Score unterlegt werden, dann kommt eine Finsternis auf, die der Inszenierung leider gar nicht gewachsen ist. Regisseur Alexandros Avranas fällt nämlich überhaupt nichts ein, wie er die Zutaten packend servieren könnte. Oftmals wird einfach nur auf die Gesichter der gelangweilten Schauspieler gezoomt. Daraus kann nichts werden. Zudem mangelt es an Schauwerten, die Kulissen sind ebenfalls langweilig und man wird den Eindruck nie los, dass „Dark Crimes“ ganz schön billig ist. Ein bisschen nackte Haut, reißerisch verpackt, macht das auch nicht gerade unterhaltsamer. Mit einer Laufzeit von rund 90 Minuten ist das eigentlich nicht zu lang ausgefallen und dennoch macht sich schon bald Langeweile breit, die bis zum Schluss einfach nicht verschwinden will.
 
 
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DARK CRIMES – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
„Dark Crimes“ will viel, kann im Endeffekt aber kaum etwas bieten. Die Story besitzt ein paar solide Einfälle, ist aber so schrecklich uninteressant geschrieben, dass hier niemals Spannung aufkommen kann. Hinzu gesellen sich Darsteller, die zwar an sich nicht schlecht sind, aber trotzdem nie überzeugen können. Und Jim Carrey kann es auf jeden Fall viel besser. Abgerundet wird der schlechte Eindruck von einer langweiligen Inszenierung und einer Atmosphäre, die so wahnsinnig gerne abgrundtief düster wäre, es aber nie hinbekommt, dem Zuschauer dies zu vermitteln. Das Resultat ist am Ende schlichtweg langweilig!
 
 
 


 
 
 

DARK CRIMES – Zensur

 
 
 
„Dark Crimes“ – der übrigens im Original „True Crimes“ heißt – hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Hinzukommt, dass der Film in Deutschland ungeschnitten zu haben ist.
 
 
 


 
 
 

DARK CRIMES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: True Crimes; Großbritannien | USA | Polen 2016

Genre: Thriller, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.77:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 14.06.2019

 

Dark Crimes [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DARK CRIMES – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zodiac – Die Spur des Killers (2007)
 
Hangman – The Killing Game (2017)
 
Schneemann (2017)
 

Filmkritik: „The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung“ (2018)

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THE DARK – ANGST IST DEINE EINZIGE HOFFNUNG

(THE DARK)

Story

 
 
 

In der Gegend, die von den Einheimischen als Teufelsgrube bezeichnet wird, geht der Horror um. Hier verschwinden Menschen spurlos und niemand weiß warum. Legenden erzählen, dass dort eine gefräßige Bestie ahnungslose Wanderer reißt. Schaurige Geschichten, die nicht weit hergeholt sind. An diesen Ort hat sich Teenagerin Mina zurückgezogen, die gern mal Eindringlinge verspeist, wenn sie ihr zu nahe kommen.

 
 
 


 
 
 

THE DARK – Kritik

 
 
 
Ungewöhnliche Freundschaften sind im Horrorfilm nichts Neues. Im Genre findet gern mal zusammen, was nicht zusammengehört. Da knüpfen Menschen unvoreingenommen Bande mit Vampiren, Geistern, Monstern oder Zombies und wundern sich dann, wenn die anfängliche Harmonie plötzlich in Chaos oder Terror umschlägt. Erfahrene Horrorfilm-Kenner haben da vermutlich Klassiker wie GREMLINS, KING KONG oder FRANKENSTEIN vor Augen. Aber ein Blick über den Tellerrand verrät: da gibt es weitaus mehr. Einer dieser Filme ist der Folgende. Auch THE DARK führt zwei Außenseiter zusammen, die so einiges gemeinsam haben, aber am Ende wegen ihrer Ungleichheit vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen stehen. Leider ist der Findungstrip nicht sonderlich herausragend. Zwar wird atmosphärisch groß aufgefahren und auch die Hauptdarsteller meistern ihre Sache ganz gut. Der düstere Coming-of-Age-Grusler hat aber wenig Interesse an seinen Figuren und will lieber mit reißerischen Horrorszenen schocken. Das ist leider etwas platt.
 
 
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Teenagerin Mina (NADIA ALEXANDER) hat in ihrem jungen Leben viel Leid ertragen müssen. Die wurde als Kind missbraucht, erschlagen und anschließend im Wald vom Peiniger verscharrt. Doch das Mädchen hat überlebt – wenn auch schwer verletzt. Seither haust sie in einem leerstehenden Holzhaus inmitten einer Gegend, in der schon viele Menschen auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Da parkt plötzlich ein Auto vor der Hütte. Sind das etwa Einbrecher? Mitnichten! Ein blinder Junge (TOBY NICHOLS) hat sich im Fahrzeug versteckt, der mit Mina das gleiche Schicksal teilt. Auch er hat Schreckliches erlebt und scheint von den Erlebnissen traumatisiert zu sein. Man nähert sich an und fühlt sich einander verbunden. Was folgt, ist eine Freundschaft, die gegenseitig Trost spendet und zusammenschweißt.
 
 
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THE DARK fällt mit ungewöhnlicher Prämisse auf. So sehen wir gleich zu Beginn Schauspieler KARL MARKOVICS durch Wälder streifen, den man sonst eher aus deutschsprachigen Filmen und Vorabendserien kennt. Handelt es sich hier etwas um eine Produktion „made in Germany“? Nicht ganz. THE DARK ist eine österreichische Produktion, die wohl aus Kostengründen in den kanadischen Wäldern gedreht wurde. Damit man den Streifen besser international vermarkten kann, wurde auch gleich in englischer Sprache gedreht. So lässt sich THE DARK auch in jene Länder verkaufen, wo das Synchronisieren von Filmen nicht unbedingt die Regel ist.
 
 
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Zwei Regisseure zeichnen verantwortlich. Die Österreicher JUSTIN P. LANGE und KLEMENS HUFNAGL treten mit ihrem Horror-Drama in die Fussstapfen von so Filmen wie THE WILDLING oder SO FINSTER DIE NACHT. Letzterer thematisierte auf sensible Weise eine ebenso ungewöhnliche Freundschaft zwischen Menschen, die sich einander fremd aber dennoch vertraut sind. Von der Feinfühligkeit und Sensibilität jenes schwedischen Ausnahmefilmes ist THE DARK aber weit entfernt. Der Film versucht zwar die Seelenwelt seiner beiden emotional gebeutelten Hauptdarsteller zu ergründen, verirrt sich aber leider viel zu oft in der dunklen Welt des Horrorfilms. Statt Charaktere gründliche zu analysieren, will man lieber dem gerecht werden, was Fans eben von Horrorfilmen erwartet. Das sind nun mal nicht tiefgründige Charakterstudien und Anspruch, sondern Schockmomente, Gewalt und ungemütliche Bilder.
 
 
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Genau diese Tatsache macht den THE DARK trivial und beliebig. Der Coming-of-Age-Horror beschäftigt sich zu oft mit totgefilmten Klischees des Horror-Genres. Die kommen immer dann zum Einsatz, wenn ausgerechnet das emotionale Seelenwohl der beiden Hauptdarsteller beleuchtet werden soll und sich die Figuren versuchen einander anzunähern. Da wird in einem Moment in Rückblenden davon berichtet, wie Antiheldin Mina als Kind vom Freund der Mutter sexuell missbraucht wird. In der nächsten Szene befinden wir uns wieder in der Gegenwart und wir bekommen zu sehen, wie die leidgeplagte Teenagerin zwei Männer kaltblütig ermordet. Die Holzhammertaktik ist nicht sonderlich feinfühlig und erschwert es dem Zuschauer unnötig, sich mit den beiden Opfern in irgendeiner Weise zu identifizieren.
 
 
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Offenbar war der störende Gewaltrausch nötig, um etwas Drive in die Handlung zu bringen. THE DARK verfügt nämlich über ein sehr gemächliches Erzähltempo, das vor allem Zuschauern Probleme bereiten dürfte, die sich sonst eher von stylischen Horror-Schockern aus der BLUMHOUSE-Schmiede (GET OUT, THE PURGE, WIR) berieseln lassen. Die werden vermutlich auch gerade deshalb mit dem zäh und behäbig inszenierten THE DARK nicht sonderlich warmwerden. Da machen ein paar Splatter-Szenen die Kuh auch nicht mehr fett. So tut es dann doch schon in der Seele weh zu sehen, wie hier zwei talentierte Jungdarsteller verheizt werden. NADIA ALEXANDER und TOBY NICHOLS verkörpern zwei traumatisierte Einzelgänger und erweisen sich als Glücksgriff. Leider wird von ihnen nicht viel abverlangt. Deshalb kann man für die beiden nur hoffen, dass die in Zukunft mehr Glück bei der Auswahl ihrer Rollen haben, die die bemerkenswerten Talente fördern und fordern.
 
 


 
 
 

THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Im Gegensatz zu Deutschland wird in Österreich das Drehen von Horrorfilmen vorangetrieben und von staatlicher Seite gefördert. Die Liste von Horrorstreifen aus dem Nachbarland liest sich daher lang. So entstanden dort Filme wie BLUTGLETSCHER, ICH SEH ICH SEH oder auch IN 3 TAGEN BIST DU TOT. Einige der vielen Produktionen aus dem Nachbarland fanden sogar auch international Erwähnung. Letzteres trifft auch auf THE DARK zu, der sich am Ende als doch zähes und nicht immer feinfühliges Horror-Coming-Of-Age-Drama entpuppt, das seine zwei Helden nicht unbedingt ernst nehmen möchte. Die haben Schlimmes erlebt und sind schwer traumatisiert. Trotzdem jagt man beiden Figuren durch den Horror-Klischee-Sumpf und reißt sie auch noch durch ein blutiges Szenario, das vor allem auch mit der Glaubwürdigkeit so seine Probleme hat. Da kommt es immer mal wieder zu eigensinnigen und vor allem makabren Zufällen, die erfahrene Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen. Beispiel gefällig? Ein junger Mann flüchtet vor der entstellten Hauptdarstellerin Mina und hetzt orientierungslos durch die Wälder. Letztere ist außer Kontrolle und will den Flüchtenden in Stücke reißen. Als der eine verlassene und kaum befahrene Straße sieht und selbige überqueren möchte, kommt just in diesem Augenblick ein Fahrzeug auf ihn zu und überfährt das bemitleidenswerte Opfer. So konstruiert wirkende Verläufe gibt es in THE DARK ziemlich oft. Leider passt dieser ganze Splatter-Quatsch irgendwie nicht zum sonst kontroversen Thema dieses eher als Coming-of-Age-Drama konzipierten Films.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Zensur

 
 
 
THE DARK hat einige Gewaltszenen zu sehen. Diese sind aber sehr kurz – dennoch schnell geschnitten. Oft kommt eine Axt zum Einsatz. In einer Szene wird aber auch ein junger Mann von einem Auto überfahren. Die Heimkinoauswertung von THE DARK hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE DARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark; Österreich 2018

Genre: Drama, Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 27.09.2019

 

The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung [Blu-ray ungeschnitten auf AMAZON kaufen]

 
 
 


 
 
 

THE DARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FILMLADEN FILMVERLEIH | STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 

Filmkritik: „Apartment 212“ (2017)

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APARTMENT 212

(GNAW)

Story

 
 
 

Eine traumatisierte Mieterin erlebt in der neuen Wohnung den ultimativen Horror.

 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Kritik

 
 
 
Man stelle sich vor, man bezieht eine neue Wohnung und plötzlich geht es darin nicht mit rechten Dingen zu. Eigentlich ein Grund wieder auszuziehen. So nicht in den meisten Horrorfilmen. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ergeben sich Protagonisten ihrem Schicksal und versuchen lieber das Böse zu bekämpfen, statt nach einer neuen Bleibe zu suchen. Im Horrorthriller APARTMENT 212 ist das nicht anderes. Auch hier passieren in einer Wohnung seltsame Ereignisse, aber niemand nimmt die Situation ernst. Was des einen Leid, ist des Zuschauers Freud. Der bekommt hier kurzweiligen Horror-Spaß geboten, der vor allem durch seine skurrile Auflösung im Gedächtnis bleibt. Die drängt APARTMENT 212 ein wenig in die Trash-Ecke, macht ihn aber vor allem gerade deswegen irgendwie sympathisch. Für Regisseur HAYLAR GARCIA ein Glücksgriff. Von dem hatte man eigentlich nichts Gescheites mehr erwartet. Zuletzt langweilte dieser mit seinem kruden Gewalt-Quatsch AN AMERICAN TERROR, wo er noch kurz auf den langsam abfahrenden Folter-Zug aufsprang und beliebigen Videoblödsinn fabrizierte, der zu Recht in der Versenkung verschwand. Umso mehr überrascht das Zweitwerk. Beinahe möge man meinen hier zwei Filme von unterschiedlichen Filmemachern zu sehen. Aber in der Tat wurden die von ein und demselben Regisseur inszeniert. Da sage noch einer, untalentierte Filmemacher sind unbelehrbar. Manchmal geschehen doch noch Wunder.
 
 
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Wenn das neue Leben zum Albtraum wird. Eigentlich wollte sich die attraktive Jennifer Conrad (PENELOPE MITCHELL aus DER FLUCH VON DOWNERS GROVE) nur aus den Ketten ihrer quälenden Beziehung befreien. Deren Ex-Freund regelte nämlich Probleme innerhalb der Beziehung gern mal mit Prügel. Grund genug zu flüchten, ein eigenes Apartment zu mieten und auf das Beste zu hoffen. Doch die Hoffnung auf Besserung schlägt bald in Horror um, denn Jennifer kommt nicht mehr zum Schlafen, weil die Nachbarin ganze Nächte durchweint. Leider weiß niemand Rat. Bis sich die verzweifelte Mieterin den Kopf wegschießt und die übrigen Bewohner mit Fragen zurücklässt. Was hat zu dieser Katastrophe geführt? Genau das will auch unsere Filmheldin wissen, die bald mit seltsamen Wundmalen zu kämpfen hat, die ihr das Leben zur Hölle machen. Schnell sind Schlüsse zur Nachbarin gezogen, die offenbar mit ähnlichem Leiden zu kämpfen hatte. Hat hier etwa Ungeziefer in den Wahnsinn getrieben? Erste Theorien führen ins Leere, denn weder Kammerjäger noch Hausarzt können Insektenbefall bestätigen. Nun ist guter Rat teuer, denn der Gesundheitszustand der von Wundmalen übersäten Jennifer verschlechtert sich beinahe täglich. Ein Grund mehr dem Übel auf die Spur zu gehen. Was man aber entdeckt, lässt das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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Kennst Du noch die TV-Horror-Serie TALES FROM THE CRYPT? Die lief von 1989 bis 1996 im amerikanischen TV und zeichnete sich durch makabre Kurzgeschichten aus, die es mit bitterbösem Abschluss oft nicht gut mit Ihren Helden meinte. Nimmt man APARTMENT 212 genauer unter die Lupe, hätte dieser Low-Budget-Horror auch genauso innerhalb dieser Kult-Reihe laufen können. APARTMENT 212 fühlt sich nämlich an, wie die Spielfilmversion einer dieser Episoden genannter Fernsehserie. Hier wird eine kleine Geschichte ins Absurdum getrieben, die ganz harmlos beginnt und am Ende vollkommen aus dem Ruder gerät. Dabei ist natürlich die Auflösung mysteriöser Wundmale des Pudels Kern, die der einfältig geschnittene Filmtrailer ganz unverfroren verrät. Dort nimmt man es mit Geheimniskrämerei nicht ganz so genau. Statt den Zuschauer neugierig zu machen, fällt man gleich mit der Tür ins Haus und nimmt dem charmant trashig wirkenden APARTMENT 212 die Spannung. Wer sich daher den Spaß nicht verderben lassen möchte, sollte möglichst wenig wie möglich über den Film lesen. Der glänzt mit charmanten Figuren, simplen Spezialeffekten und erinnert in seiner beinahe schon naiven Machart an die vielen für den Videomarkt produzierten B-Movies der 1980er und 1990er, wo Handgemachtes bevorzugt Verwendung fand, um Budget einsparen zu können. Wer demnach Fan frecher Low-Budget-Horrorfilme ohne Schnörkel ist, sollte unbedingt einen Blick wagen. APARTMENT 212 macht nämlich zweifelsohne Spaß und Lust auf mehr Horrorfilme, deren Macher noch die Kunst des Geschichtenerzählens fernab einfältiger Computereffekte, plakativer Schocks und hektischer Schnitte beherrschen.
 
 
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APARTMENT 212 – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Willkommen zu einer Zeit in der man den Zuschauer noch mit einfachen Ideen und trashigen Effekten Freudentränen bescheren konnte. Nein, wir meinen damit nicht die Schundfilme aus dem zweifelhaften THE ASYLUM-Studio, das seit Jahren mit so pseudowitzigem Müll wie SHARKNADO um Zuschauer buhlt. APARTMENT 212 – der anfangs übrigens noch als GNAW betitelt wurde – ist zwar auch irgendwie trashig, aber intellektuell weit weg von dem, was genannte Abfallproduktionsstätte regelmäßig fabriziert. Der Film erinnert an das, was man oft von so Produzenten wie CHARLES BAND in den 80ern und 90ern serviert bekommen hat. Das bedeutet: netter Zeitvertreib, trashige Ideen, handgemachte Effekte inklusive. Im Falle von APARTMENT 212 können zur Abwechslung auch noch die Schauspieler was. Die Besetzung ist für Low-Budget-Horror geradezu als professionell zu betiteln und lassen den Streifen nach mehr aussehen, als er wohl letztendlich gekostet hat. Zudem gibt es ein actiongeladenes Finale und ein im wahrsten Sinnes des Wortes bissigen Schlussgag. Wer demnach gern in den guten alten Videozeiten schwelgen möchte, sollte APARTMENT 212 nicht verpassen. Dieser Film ist ein Indie-Geheimtipp für Horror-Fans, die die Videoära noch miterlebt haben! Witzig und einfallsreich.
 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Zensur

 
 
 
APARTMENT 212 – der zu Beginn noch GNAW hieß – hat grundsätzlich keine Gewaltszenen zu bieten. Es gibt nur eine Szene, in der eine Nachbarin aus einem Fenster fällt, weil sie sich selbst erschossen hat. Das wars. Ansonsten bekommt man noch einige Wunden auf dem Körper der Heldin zu sehen. Hierzulande hat das alles für eine FSK16 gereicht.
 
 
 


 
 
 

APARTMENT 212 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) STUDIO HAMBURG

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gnaw; Spanien | USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1z

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 13.09.2019

 

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APARTMENT 212 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deep Dark (2015)
 
Curtain (2015)
 
Bats – Fliegende Teufel (1999)
 

Filmkritik: „Mayhem“ (2017)

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MAYHEM

Story

 
 
 

Ein von einem Virus infizierter Angestellter wird plötzlich zur rasenden Killerbestie und will den Geschäftsführer zu Rede stellen, weil er gekündigt wurde.

 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Kritik

 
 
 
In jeder Firma gibt es sie: hinterhältige Angestellte, die für die eigene Karriere über Leichen gehen. Da werden für eigene Interessen gern mal die Kollegen in die Pfanne gehauen, die sich dann für Dinge rechtfertigen müssen, von denen sie gar nichts wissen. Leider ist es im wahren Leben schon lange nicht mehr so, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. In einer Ellenbogengesellschaft, in der nur Leistung zählt, muss man schon ein Schwein sein, um erfolgreich bestehen zu können. Genau jene These vertritt auch der Action-Splatter MAYHEM, der schwarzhumorig vermittelt, wie sich die derzeitige Unternehmenskultur entwickelt hat. Hier wird gehörig gegen Unternehmensführer gewettert, in deren Händen das Schicksal des kleinen Mannes liegt. Damit spricht man natürlich all jenen aus der Seele, die im Job nichts zu lachen haben und sich unterwerfen müssen. Für genau diese Menschen gibt es Filme wie MAYHEM, die vermitteln wollen, dass auch boshafte Angestellte und Unternehmensbosse irgendwann mal an ihren Meister geraten.
 
 
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Gute Kollegen, schlechte Kollegen. Von den Letzteren gibt es im rabenschwarzen Splatterfilm MAYHEM offenbar zu viele. Die sind nämlich dafür verantwortlich, dass Derek seinen Job verliert. Der arbeitet für eine erfolgreiche Anwaltskanzlei, wo hinter verschlossenen Türen gern mal Bürointrigen gesponnen werden. Eine derer fällt nun auch Derek zum Opfer. Prompt folgt die Kündigung. Doch mit der Entscheidung der Geschäftsleitung ist der Entlassende so gar nicht einverstanden. Der pocht auf sein Recht, stößt aber auf taube Ohren. Da nehmen die Geschehnisse eine eigenartige Wendung. Der Bürokomplex wird unter Quarantäne gestellt. Der Grund dafür ist ein mysteriöser Virus, der Menschen in gewaltbereite Kreaturen verwandelt. Mit dem haben sich fast alle Angestellten angesteckt und gehen sich nun gegenseitig an den Kragen. Eine gute Chance für Derek der Geschäftsleitung für ihre skrupellosen Praktiken den Marsch zu blasen. Der bewaffnet sich bis auf die Zähne und arbeitet sich bis hoch in die letzte Etage, wo sich die Büros der Chefriege befinden. Bis er dort jedoch angekommen ist, fließt viel Blut. Splatterfans wird es freuen.
 
 
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Einige FILMCHECKER-Leser haben jetzt vermutlich ein Déjà-vu. Wir können aber versichern, dass MAYHEM keine Fortsetzung und kein Remake zum vor einiger Zeit hier besprochenen Das BELKO EXPERIMENT ist. Die Vermutung ist nicht unbegründet. Beide Filme sind nämlich thematisch ähnlich und zeigen streitsüchtige Angestellte, die plötzlich zu aggressiven Killermaschinen mutieren und dabei weder Freund noch Feind kennen. Interessanterweise nimmt sich MAYHEM trotz brutaler Gangart gern mal selbst auf die Schippe. Die Inszenierung gleicht nicht selten einer Film-gewordenen Comicverfilmung, wo sich Protagonisten Prügel aussetzen und danach aufstehen, als wäre nichts gewesen. Doch damit nicht genug. MAYHEM strotzt nur so vor Zynismus und schwarzen Späßen. Obwohl sich viele Figuren im Film ihrem Schicksal bewusst sind, haben sie stets trockene Sprüche auf den Lippen. Das mildert den Härtegrad der vielen Gewalteskapaden, die mit fortlaufender Spielzeit von Regisseur JOE LYNCH genüsslich zelebriert werden. Mit Splatter, Action und boshaften Späßen hat der Filmemacher übrigens Erfahrung. Der feierte seinen Regiedebüt mit der günstig produzierten Fortsetzung zum Backwood-Slasher WRONG TURN und übernahm danach die Inszenierung eines Segments der zitatreichen Horror-Anthologie CHILLERAMA. Seither sind viele Jahre vergangen und Lynch scheint recht sicher auf seinem Regie-Posten zu sitzen. Vorbei sind die Zeiten schlechter Spezialeffekte und mäßiger Low-Budget-Produktionen. MAYHEM ist bis zum Ende durchgestylt und macht einen professionellen Eindruck. Hinzukommt, dass der Regisseur gern mal die Speed-Taste drückt und euphorische Zerstörungslust auslebt. Da kommen auch Actionfreunde auf Ihre Kosten, die gern Filme sehen in denen sich Menschen gegenseitig vermöbeln.
 
 
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Unterm Strich entpuppt sich MAYHEM als unterhaltsamer Party-Splatter, der hemmungslos mit miesen Menschen aufräumt. MAYHEM besitz einen beißend kritischen Unterton, der nicht nur mit skrupellosen Praktiken profitgeiler Unternehmensbosse aufräumt. Der Film spricht gern auch jedem Arbeitnehmer aus dem Herzen, der für seinen Job alles tut, aber dennoch ersetzbar ist, wenn es darauf ankommt. Da ist es am Ende fast schon eine Genugtuung, wenn den Bösewichten der Garaus gemacht wird und sie für ihre selbstsüchtigen Missetaten bestraft werden. Leider ist MAYHEM nur ein Film. Im echten Leben kommen diese Menschen meist ungeschoren davon – leider!
 
 


 
 
 

MAYHEM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der perfekte Partyfilm für hungrige Splatterfans. MAYHEM ist eine unsinnige Gewaltorgie, die man aber nicht ernstnehmen sollte. Das tut der Film nämlich selbst zu keiner Minute und zeigt wie sich ein gekündigter Arbeitnehmer in einem Hochhaus – ähnliche wie im Remake zu DREDD oder THE RAID – von unten nach oben durchmetzelt. Ziel ist die oberste Etage, wo der Geschäftsführer darüber entscheidet, wer aus dem Unternehmen fliegt und wer nicht. Bis er jedoch sein Ziel erreicht, muss er vielen kleinen Zwischengegnern die Rübe einschlagen, die ihm daran hindern den Oberbösewicht zur Rede zu stellen. MAYHEM gleicht in seiner brachialen Zerstörungs- und Wutorgie einem actiongeladenen Computerspiel. Die Figuren bestehen aus Stereotypen und viel Substanz ist auch nicht vorhanden. Aber intellektuell will MAYHEM überhaupt nicht sein. Regisseur JOE LYNCH will kurzweilig unterhalten. Das gelingt ihm ganz gut. In null Komma nichts befindet sich der Zuschauer im Geschehen und folgt einem gefrusteten Angestellten, der sich zynisch durch Büros metzelt. Wer eine Leidenschaft für Filme besitzt, die kaum Handlung, dafür viel Gewalt zu bieten haben, ist mit MAYHEM gut bedient. Angesichts überschaubarer Zutaten würde ein solcher Film auf FILMCHECKER normalerweise gnadenlos durchfallen. Weil MAYHEM sich selbst gern mal aufs Korn nimmt und einfach nur unterhalten will, drücken wir mal ein Auge zu. Zugegeben: wir haben uns zu keiner Minute gelangweilt.
 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Zensur

 
 
 
In MAYHEM geht es nicht zimperlich zu. Hier kommen elektrische Sägen und Nagelpistolen zum Einsatz, um Arbeitskollegen das Lebenslicht auslöschen zu können. Gesplattert und geprügelt wird reichlich. Demzufolge ist der Film hierzulande erst für Volljährige geeignet. Die Grausamkeiten werden aber so überspitzt zelebriert, dass der Streifen eine ungeschnittene Fassung erhalten hat. Da ist das in der Kritik erwähnte BELKO EXPERIMENT brutaler.
 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mayhem; USA 2017

Genre: Horror, Thriller, Action

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 29.03.2018

 

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MAYHEM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Belko Experiment (2016)
 
Bloodsucking Bastards (2015)
 
Z-Office (2017)
 
Stalled (2013)
 
Botched (2007)