Filmkritik: „The Midnight Man“ (2016)

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THE MIDNIGHT MAN

Story

 
 
 
Ist da eine Erwachsenenversion des Kultfilms JUMANJI? Eine junge Frau öffnet die Büchse der Pandora. Auf dem Dachboden der Oma findet sich beim Stöbern ein altes Spiel. Kaum zu spielen begonnen, öffnet sich das Tor zu Hölle. Bevor falsche Erwartungen geweckt werden: Nein, das hier ist kein weiterer Abstecher in das beliebte HELLRAISER-Universum.

 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT MAN – Kritik

 
 
 
Wenn im Horrorfilm Spiele gespielt werden, denkt man vermutlich an die Horror-Serie SAW. Dort wurden bitterböse Spiele gespielt bei denen Teilnehmer nur dann gewinnen konnten, wenn sie dazu bereit waren an körperliche Grenzen zu gehen. Unterm Strich eine blutrote Sache, denn die meisten der dort zelebrierten Spielereien endeten für die unfreiwilligen Überlebenskämpfer mit dem Tod. Ganz anders geht es da im folgenden Horrorfilm weiter. Statt die Splatter-Keule zu schwingen, will man in THE MIDNIGHT MAN den Horror auf klassische Weise heraufbeschwören. Das bedeutet: Weniger Gewalt – dafür zurück zum alten Handwerk. Löbliche Ziele also, die Regisseur TRAVIS ZARIWNY verfolgt. Der Filmemacher hatte vor einigen Jahren bereits von sich hören lassen. Mit dem Remake zu CABIN FEVER bot er Zündstoff und lieferte Horror ab, der sich nicht gerade durch Kreativität auszeichnete. Das Resultat war enttäuschend. Seine Neuinterpretation über einen Menschenfleisch fressenden Virus fiel bei Fans und Kritikern durch und verschwand schnell in der Versenkung. Nicht unbegründet, sah zwar die Neuauflage zu CABIN FEVER verdammt gut aus. Dennoch klammert sich die Neuverfilmung zu sehr am bekannten Stoff und machte das Remake überflüssig. THE MIDNIGHT MAN ist da aus ähnlichem Holz geschnitzt. Auch hier bringt es folgende Floskel auf den Punkt: Außen hui – innen pfui. Manche Filmemacher haben eben kein glückliches Händchen bei der Auftragsauswahl oder einfach nur ein falsches Verständnis für Horror, der das Blut in en Adern gefrieren lassen soll.
 
 
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Bevor man Spiele spielt, sollte man auch deren Anleitung studieren. Leider kommt der Ratschlag für die attraktive Alex zu spät. Die macht sich Sorgen um die an Alzheimer erkrankte Großmutter und zieht daher in das Haus der alten Dame, um sich um das verwirrte Familienmitglied zu kümmern. Doch in der schlecht beleuchteten Hütte geht bald der Horror los. Die Enkelin findet nämlich auf dem Dachboden eine Kiste und darin ein seltsames Spiel. Natürlich ist da die Neugierde groß. Und so kommt was kommen muss. Let’s play a Game: Alex ruft beim ersten Spielzug den boshaften MIDNIGHT MAN herbei, der ebenfalls Lust auf eine Runde Monopoly hat. Doch die Gestalt ist nicht an fairen Spielrunden interessiert. Stattdessen ist ihr Ziel der Tod aller Mitspieler – und sei es mit Lug und Betrug. Weil es Alex bald mit der Angst zu tun bekommt, weiht sie den Liebsten und eine Freundin ein. Ein fataler Fehler, denn somit stehen auch die auf der Todesliste des MIDNIGHT MAN. Was folgt, hätte man besser machen können. Die verängstigten Spielteilnehmer müssen es mit einem nichtmenschlichen Gegner aufnehmen, der alles daran tut, um seine Opfer mit deren Ängsten zu konfrontieren. Leider verhält sich der „Mitternachtsmann“ nicht annähernd so fies, wie anfangs gedacht. Etwas mehr Raffinesse beim Schummeln hätte man schon von einer Gestalt aus der Welt des Übernatürlichen erwartet. Der Drehbuchautor war eben nicht der Ausgeschlafenste
 
 
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Immer wieder kommen uns Filme auf die Mattscheibe, die zwar atmosphärisch inszeniert wurden und Dank ansprechender Optik Eindruck hinterlassen. Blickt man aber hinter die „schöne“ Fassade, bekommen erfahrene Horrorkenner gern mal das kalte Grausen. THE MIDNIGHT MAN ist so ein Kandidat. Hier hat man sich fürs Visuelle so richtig ins Zeug gelegt. Zu sehen gibt es stimmungsvolle Kamerafahrten und eine unheimliche Bilderflut, die gerade wegen minimalistischer Beleuchtung angenehme Schaueratmosphäre bewirkt. Leider hat man sich am gruseligen Bilder-Mix schnell stattgesehen. Deshalb muss Plan B her. Dumm nur, dass auf den verzichtet wurde. THE MIDNIGHT MAN hat außer Optik nur wenig zu bieten. Die Substanz fehlt, denn bei genauerer Betrachtung spult der Streifen eine Geschichte ab, die auf einen Bierdeckel passt und zu oft von Drehbuchschreibern zu Papier gebracht wurde, das sie schnell langweilt. Was woanders im Zuge einer Anthologie Verwendung gefunden hätte oder als Kurzfilm auf Festivals aufgeführt worden wäre, hat man im Falle genannten Gruselstreifens auf Spielfilmlänge geblasen, damit das Resultat auf Blu-ray gepresst werden kann. Ein Schelm, wer da Geldgier vermutet. Dabei ist Gebotenes weit weg von originell. THE MIDNIGHT MAN erinnert nämlich in seiner Machart an so Gruselfilme wie THE BYE BYE MAN oder DER FLUCH DER HEXE. Das sind Filme in denen das Böse versehentlich gerufen wurde und danach einen möglichst heimtückischen Tod für jenen fordert, der es aus dem Schönheitsschlaf gerissen hat. Weil es mittlerweile zu viele dieser Streifen gibt, sind Abläufe relativ vorhersehbar. Die Opfer müssen Wege finden, um der herbeigerufenen Gefahr entkommen zu können. Leider müssen einige von ihnen das Zeitliche segnen, denn ohne Todesopfer verkaufen sich Horrorfilme nur schleppend. Gleiches Erfolgsrezept verfolgt auch THE MIDNIGHT MAN, der mit leichtem Inhalt sein kommerzverwöhntes Publikum nicht überfordern möchte. Der gradlinige Film spult belanglos ab, was ohnehin jeder kennt. Demzufolge bleiben Überraschungen aus. Der einfache Weg ist eben nicht immer der beste.
 
 
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THE MIDNIGHT MAN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärische Geisterbahn mit erschreckend dünner Story. Mehr als düstere Bilder voller Unbehagen besitzt THE MIDNIGHT MAN leider nicht. Da macht sich schnell Langeweile breit, zumal sich der Streifen auch noch ziemlich viel Zeit nimmt seine ohnehin schon überschaubare Geschichte zu erzählen. Statt originell und überraschungsreich setzt man auf Altbewährtes. Das bedeutet, dass man eher den konventionellen Weg einschlägt und Horror aus der Klischee-Kiste serviert. Da fragt man sich doch glatt, wie sich zwei Horrorikonen im Film verlaufen haben. Keine Geringeren als ROBERT ENGLUND und LIN SHAYE sind zu sehen. Letztere ist im Horrorgenre Dauergast und tritt in gefühlt jeder zweiten Horror-Produktion auf. Offenbar gab’s im Falle von THE MIDNIGHT MAN anständige Gage. Anders lassen sich die Cameos genannter Horror-Altstars nicht erklären. Besser wird der Film trotz Kurzauftritte leider nicht. Dazu fehlt es THE MIDNIGHT MAN eindeutig an Ideen und Neuerungen. Standard-Gruselware ohne Überraschungen. Irgendwie überflüssig!
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT MAN – Zensur

 
 
 
Der Hauptfokus in THE MIDNIGHT MAN liegt auf subtilen Horror. Viel Gewalt wird nicht gezeigt. Zu Beginn werden einige Kinder von einer unsichtbaren Macht getötet. Danach ist hinsichtlich Gewalt Funkstille. Erst im Finale gibt’s noch kurze Schauwerte zu sehen. Das hat THE MIDNIGHT MAN eine FSK16 eingebracht.
 
 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT MAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Midnight Man; USA 2016

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow, Featurette: Behind the Scenes

Release-Termin: 09.03.2018

 

The Midnight Man [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

THE MIDNIGHT MAN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Bye Bye Man (2017)
 
The Midnight Game (2013)
 
Candyman’s Fluch (1992)
 
Boogeyman 3 (2008)
 

Filmkritik: „Dark was the Night“ (2014)

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DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN

Story

 
 
 
Etwas Böses terrorisiert die keine Stadt Maiden Woods. Zerfetzte Körper werden gefunden und seltsame Dinge geschehen. Sheriff Paul Shields (KEVIN DURAND) will den Bewohnern die Angst nehmen und geht den mysteriösen Ereignissen auf den Grund.
 
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Kritik

 
 
 
Monsterfilme sind auch nicht mehr das, was sie mal waren – und das ist auch gut so. Seit einiger Zeit sind ambitionierte Filmemacher daher bestrebt, dummen Monsterstreifen so etwas wie Anspruch einzuhauchen. Entstanden sind so herausragende Horrordramen wie SPRING oder LATE PHASES, die auf eindrucksvolle Weise zeigten, dass sich Kreaturen-Horror nicht zwangsläufig in eine Schublade packen lässt. Auch BAD MILO– und STATIC-Produzent JACK HELLER versucht mit seinem DARK WAS THE NIGHT Tiefe in die Materie der Monsterheuler zu bringen. Statt Augenmerk auf Böses zu richten, sind ihm seine Figuren wichtig. Die haben in erster Linie mit Schicksalsschlägen und inneren Dämonen zu kämpfen – gefräßige Monster haben zu warten.
 
 
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KEVIN DURAND spielt den sensiblen Sheriff Paul Shields, der entgegen dem stereotypen Bild des Helden auch einmal weinen darf und sogar Angst kennt. Er hat kein einfaches Los gezogen und befindet sich nach dem tragischen Unfalltod des Sohnemanns in einer Lebenskrise. Das Familieleben leidet darunter, denn der Zweitgeborene hat erkannt, dass sich die Eltern nach dem Ableben des Bruders voneinander entfernt haben. Als plötzlich Dinge im Ort geschehen, muss der Sheriff aus seiner Lethargie erwachen. Er soll dem Mysterium auf den Grund gehen, denn die Bewohner seiner Stadt Maiden Woods vermuten, dass etwas Böses aus den Wäldern gekommen ist und nichts Gutes im Schilde führt. Für den rational denkenden Gesetzeshüter eine Herausforderung. Der muss sich nämlich bald eingestehen, dass es auf der Welt Dinge gibt, die sich nicht so einfach erklären lassen.
 
 
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Deprimierende Familientragödie mit Monstern: eigentlich macht Regisseur JACK HELLER fast alles richtig. DARK WAS THE NIGHT besitzt Tiefgang, authentische Protagonisten, unwohlige Atmosphäre und einen ständig wachsenden Spannungsbogen. Auch räumt man Publikum und Figuren genügend Zeit ein, damit sich Charaktere entwickeln und Zuschauer mit den Geschehnissen vertraut machen können. Was trotzdem übel aufstößt ist die Tatsache, dass das Monster nicht vor die Linse darf. Das tritt den blutigen Rachefeldzug gegen die Menschheit bereits im Prolog an – in voller Pracht wird es nur für wenige Sekunden im Finale gezeigt. Filmemacher JACK HELLER übertreibt das Spiel mit der Andeutung. Das Monster scheint allgegenwärtig zu sein und dennoch bekommt der Zuschauer nur dunkle Schatten zu sehen oder vernimmt unheilverkündendes Stampfen. Warum das so ist, wird im Endkampf klar. Ein rigoroser Sparkurs zwang die Produktion in die Knie. Um wirtschaften zu können, musste der Filmbösewicht am Rechner geboren werden – leider mehr schlecht als recht. Die Animationen wirken unglaubhaft und das Wesen derart künstlich, das es nicht in die Szenerie passen will. Dass da das Gänsehautgefühl in den Keller saust und aufgebaute Illusionen zu Staub verpuffen, ist nur die logische Konsequenz. Da kann auch der rabenschwarze Schlussgag nichts reißen, der die Tür für eine mögliche Fortsetzung offen hält. DARK WAS THE NIGHT ist eine Enttäuschung und das trotz Tiefgang. Wer demzufolge in Monsterstreifen fressgierige Bestien sehen will, sollte sich fern halten – dieser Film macht’s eher subtil.
 
 
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DARK WAS THE NIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Monster-Grusler alter Schule. Bei diesem Indiestück handelt es sich in erster Linie um ein deprimierendes Drama, das sich als Monsterfilm tarnt. Statt blutige Fressorgien oder hektische Hetzjagden zu zelebrieren, geht es Regisseur JACK HELLER ruhiger an und beschäftigt sich in erster Linie mit seinen Protagonisten, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben. Dennoch; was hätte DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN für ein großartiger Film werden können – wenn mehr Geld zur Verfügung gestanden hätte! In diesem Monsterfilm steckt zwar Hirn; weil Budget knapp war musste man wohl improvisieren und auf subtile Weise Gänsehaut heraufbeschwören. DARK WAS THE NIGHT ist ein Monsterfilm ohne Monster. Nicht, dass es nicht da wäre. Ganz im Gegenteil, die Filmkreatur ist allgegenwärtig. Dennoch wird sie erst am Ende für wenige Sekunden gezeigt wohl, weil man keine Dollars für ausuferndes Creature-Design übrig hatte. Mit den miserablen CGI-Effekten verpuffen auch die Illusionen, die Regisseur JACK HELLER zuvor mit viel Liebe für Oldschool-Horror aufgebaut hat. Übrigens: dieser Film ist nichts für die Liebhaber hektisch geschnittener Hochglanzfilme aus der Mache eines Michael Bay. DARK WAS THE NIGHT ist langsam erzählte Gruselware, die den Anspruch bewahrt. Zuschauer, die nichts mit Horror der alten Schule anfangen können, dürften gelangweilt abschalten.
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Sonderlich zeigefreudig ist DARK WAS THE NIGHT – DIE WURZELN DES BÖSEN nicht. Die meisten Gewaltmomente passieren im Off. Zudem setzt der Streifen vordergründig auf subtilen Horror. Hierzulande hat es dafür eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark was the Night; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 07.04.2016

 

Dark was the Night [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DARK WAS THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshots liegen bei: Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Indigenous (2014)
 
Feed the Gods (2014)
 
Exists (2014)
 
Leprechaun: Origins (2014)
 

Filmreview: „Barricade“ (2012)

Barricade 2012 Filmposter
 
 
 

Barricade

Story

 
 
 
Nach dem tragischen Tod seiner geliebten Frau versucht der treusorgende Familienvater Terrance Shade wieder etwas Normalität in das kränkelnde Familien-Idyll zu bringen. Zusammen mit seinen beiden Kindern möchte er die Weihnachtsfeiertage fernab von jeglichen Erinnerungen weit draußen im Wald verbringen. Ein einsam gelegenes Waldhaus kommt ihm dabei gerade recht um Geschehenes zu verarbeiten. Kaum angekommen erfreuen sich die Kinder der malerischen Winterlandschaft – doch der Familienfrieden scheint schnell getrübt, als eine unbekannte Präsenz um das Haus schleicht und damit beginnt die kleine Familie zu terrorisieren.
 
 
 


 
 
 

Barricade – Kritik

 
 
 
Trostlose Einöde, düstere Waldpfade, eine schneebedeckte Winterlandschaft und unangenehm eisige Kälte – Zutaten, die bereits Kubricks „The Shining“ zu einem unverkennbaren Klassiker des Genres gemacht haben. Auch der Horror-Thriller „Barricade“ lebt von diesen teilweise märchenhaft-verträumten Bildkompositionen und zaubert aus diesem kleinen, wahrlich unscheinbaren Filmchen ganz großes atmosphärisches Kino. Regisseur „Andrew Currie“, der sich zuletzt mit Zombie-Komödie „Fido“ in der Horror-Szene einen Namen gemacht hat, schlägt mit seinem aktuellen Werk gänzlich unlustigere Töne ein. In „Barricade“ regiert die Angst und das Unbehagen, welches an den Nerven der drei ahnungslosen Protagonisten zerrt und die kleine Familie bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs drängt. Von erlösender Heiterkeit ist in den rund 80 Minuten Filmlaufzeit nicht zu spüren, denn „Barricade“ versucht dem Zuschauer Angst einzujagen, höllische Angst.
 
Überraschenderweise gelingt es dem Film merklich einfach nach nur wenigen Filmminuten eine spürbar unangenehme Atmosphäre zu entwickeln, die eine unangenehme Bedrohung vorausahnen lässt. Der Zuschauer ist nie von Vorteil, weiß oftmals weniger als die Leidtragenden selbst und durchlebt Schritt für Schritt das ultimative Martyrium zusammen mit der kleinen Familie. Dabei überzeugt Regisseur „Andrew Currie“ mit einer recht unkonventionellen Erzählweise, die es auf unerklärliche Weise schafft, den Zuschauer reichlich zu manipulieren. Was anfänglich noch geradlinig und plausibel erklärt und erzählt wird, verliert spätestens ab der Hälfte des Filmes an Logik und Sinn. Das Szenario trägt sich reichlich surreal und lässt den „ungeübten“ Filmfreund des öfteren rat- und ahnungslos Zusammenzucken, wenn einer der höchst effektiv eingesetzten Schockeffekte aus den heimischen Surround-Lautsprechern donnert. Natürlich ergeben sich die Gegebenheiten nicht von ungefähr. Eine logisch zusammengezimmerte Erklärung (fernab des Phantastischen) erfährt der Zuschauer am Ende des Filmes. Diese äußert sich zwar simple, aber dennoch nicht an den Haaren herbeigezogen, und dürfte trotz ihrer logischen Banalität für reichlich offene Münder sorgen.
 
Manchmal ist weniger mehr, denn oftmals reicht einfach nur eine gute Idee und ein markerschütterndes Setting, um eine ganz schön gruselige Geschichte zu erzählen. Genre-Regisseur „Andrew Currie“ ist mit seinem „Barricade“ ein recht effektives und gemeines Filmchen gelungen, dass sogar gänzlich ohne Blutvergießen auskommt, was man ihm in Zeiten derben Folter- und Meuchel-Krams hoch anrechnen sollte. Das Rätselraten um die Geschehnisse bleibt bis zum Schluss gut verschleiert, sodass der findige Filmfreund erst gar nicht versuchen sollte, die Gegebenheiten vorzeitig zu analysieren. Vielmehr sollte der Genre-Liebhaber die wirklich sehr perfide Atmosphäre genießen, die „Barricade“ so einzigartig macht. Jede Szene ist stimmig und wunderbar grausig, sodass man permanent das Gefühl hat, als würde gleich irgendetwas um die Ecke huschen wollen. Wer eine Faible für dichte und subtile Horrorgeschichten besitzt sollte sich „Barricade“ ganz oben auf seiner „muss-ich-sehen-Liste“ notieren. Der blutgierige Rest setzt diesmal aus und wartet auf den nächsten „Holzhammer-Horror-Schocker“, denn für Gorehounds und Splatter-Fans gibt es in „Barricade“ leider nichts dergleichen zu sehen.
 
 
 


 
 
 

Barricade – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Licht aus, Heimkino auf Endstufe und in die Couch-Decke gekuschelt. Ein ganz schön unheimliches und gruseliges Filmvergnügen für winterlich-verschneite Sonntag-Abende!
 
 
 


 
 
 

Barricade – Zensur

 
 
Eine ungeschnittene, zukünftige deutsche Fassung dürfte das FSK16-Siegel tragen, da es im Film keine selbstszweckhaften Mordszenen gibt.
 
 
 


 
 
 

Barricade – Trailer

 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
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Filmreview: „The Awakening“ (2011)

the awakening (2011)
 
 
 

The Awakening

Story

 
 
 
England, nach dem ersten Weltkrieg, eine Zeit in der die Menschen noch dem Aberglauben verfallen waren und der Mythos von einem Leben nach dem Tod in den Köpfen der Menschen umherspukte. Der jungen Romanautorin Florence scheinen diese Märchen ein Dorn im Auge, fühlt sie sich nunmehr dafür verantwortlich, die Menschen darüber aufzuklären, dass die Existenz von Geister und Gespenster allein nur der Phantasie der Menschen entspringt. So zieht sie durch die Länder, um unerklärliche Phänomene zu untersuchen. Dabei entlarvt sie nicht selten die dunklen Machenschaften dreister Trickbetrüger, die unter dem Deckmantel selbsternannter Geister-Medien, am Leid der Menschen das schnelle Geld verdienen wollen. Es dauert jedoch nicht lang bis sie auf einen weiteren interessanten Fall stößt. Im Norden Englands wird sie zu einem Knabeninternat gerufen, in dem angeblich der Geist eines kleinen Jungen umherspuken soll und der bereits für den Tod einen Mitschülers verantwortlich gemacht wird. Die ehrgeizige Autorin glaubt an einen weiteren Trickbetrug und beginn mit der Arbeit. Doch je mehr Indizien sie zu sammeln beginnt, umso mehr muss sie sich eingestehen, dass dieser Auftrag ihr rationales Denkvermögen auf eine harte Probe stellen wird. …
 
 
 


 
 
 

The Awakening – Kritik

 
 
 
Nachdem ich vor einigen Wochen bereits den genialen und abwechslungsreichen Genrebeitrag THE THEATRE BIZARRE gesehen hatte, der in seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit seinesgleichen suchen dürfte, war ich umso verblüffter als ich vor einigen Tagen den kleinen und recht subtilen Gruselfilm THE AWAKENING zu Gesicht bekam, der zwar ein vollkommen anderes Genrepublikum anspricht, aber mich dennoch ebenso zu begeistern wußte. Das von der BBC produzierte Geister-Drama ist eines dieser unheimlich bebilderten Horrorfilmchen, die mit typisch britischer Gruselstimmung überzeugen können und sich auf subtiles Bibbern fernab bluttriefender Splatter-Exzesse konzentrieren. Hier zählt britisch anmutender Gothic-Charme, der bereits unzählige Werke der Hammer-Studios berüchtigt und beliebt gemacht hat und der jüngst durch Filme wie DIE FRAU IN SCHWARZ ein regelrechtes Revival erlebt.

Ähnlich wie zuletzt im bereits genannten Kino-Hit THE WOMAN IN BLACK, setzt THE AWAKENING-Regisseur NICK MURHY vordergründig auf unglaublich intensives Gänsehautfeeling, dass er gekonnte durch einfachste Mittel erzeugt. Dichte Nebel, dunkle Schatten und überraschend farblose Bilder unterstreichen trefflich den Grundtenor der Produktion und verschleiern gekonnt, dass es sich eigentlich bei THE AWAKENING um ein erschütterndes Drama handelt und nicht um einen schockintensiven Gruselfilm, den man vermutlich nach den ersten 15 Minuten Filmlaufzeit erwarten würde. Demnach wird nach der ersten Internatsbesichtigung durch Hauptprotagonistin FLORENCE der Gruselfaktor, aufgrund von Charakterentwicklung und deren Konflikte untereinander reduziert. Auch der effektiv eingesetzte Farbfilter verliert nach und nach an Bedeutung, sodass der Zuschauer sich vollends auf das Schauspiel der handvoll Protagonisten konzentrieren kann. Ich finde diesen konsequenten Cut sehr gut, hat doch die Idee hinter THE AWAKENING eindeutig mehr zu bieten als stimmig gesetzte Gruselmomente allein.

Neben einem konsequenten Spannungsaufbau überzeugt das erschütternde Drama mit einer spannenden und zugleich tragischen Geschichte, die in einem zutiefst traurigen Finale gipfelt. Auch wenn Regisseur NICK MURPHY stets darum bemüht ist, von den Schicksalen der hier anwesenden Protagonisten zu erzählen, muss der gruselerprobten Filmfans dennoch nicht auf unheimliche Atmosphäre verzichten. Zwar sind im Verlauf der Handlung die obligatorischen Schreckmomente rar gesät, sorgen aber gerade gegen Ende ab und an für ausreichend Gänsehaut. Mit THE AWAKENING bekommt der erwachsene Horrorfilmfan einen durchweg atmosphärisch dichten und vor allem sehr ruhig erzählten Mysteriefilm serviert, der sich weniger allein auf das Abhandeln reißerischer Schockeffekte konzentriert, sondern mit kleinen leisen Tönen überzeugen möchte. MURPHY ist die filmische Umsetzung definitiv eindrucksvoll gelungen. Wunderschöne, aber zutiefst traurig-melancholische Bilder, ein toller Soundtrack und liebevoll charakterisierte Protagonisten runden das Gesamtbild dieses lohnenswerten Beitrags ab. Nach THE WOMAN IN BLACK legt nun ein weiterer, aktueller Genrefilm Wert auf stimmige und vorwiegend optisch-virtuose Raffinessen. Anstatt auf Trivialhorror mit dem Holzhammer zu setzen, zählen hier allein die melancholische Bilder, das glaubhafte Schauspiel sowie das Schicksal der anwesenden Figuren. Optisch opulente Gruselfilme, deren Augenmerk einzig und allein auf subtilem Horror liegt, scheinen nach wie vor DER neue Trend im Jahre 2012 zu sein. Der Filmfreund mit einem Faible für das Übernatürliche in Form von subtilen Geisterfilmchen, dürfte sich mit der Sichtung von THE AWAKENING ersichtlich gut unterhalten fühlen.
 
 
 


 
 
 

The Awakening – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Ein kleines Gruseldrama, mit wunderschöner Optik und vorwiegend leisen Tönen. Arthausfreunde und Liebhaber altmodischer Gruselfilme kommen hier garantiert auf ihre Kosten. Absolut sehenswert!
 
 
 


 
 
 

The Awakening – Zensur

 
 
 
Wirklich blutig wird es zu keiner Zeit. Deshalb ist die deutschen Heimkinoauswertung auch ungeschnitten ab FSK 12 freigegeben und demnach auch für Jugendliche geeignet. Die hiesige Blu-ray/DVD besitzt aufgrund des Bonusmaterials dennoch den FSK 16-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

The Awakening – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Awakening; Großbritanien 2011

Genre: Horror, Thriller, Mysterie

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 107 Min.

FSK: FSK 12 (eigentlicher Film) / FSK 16 (Bonusmaterial der Blu-ray)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Interviews mit Cast & Crew, B-Roll, Trailershow

 
 
 
Die Blu-ray aus dem Hause UNIVERSUM kommt zwar technisch hochwertig daher, der Bonusbereich wurde wie zuletzt bei Filmen aus dem Bereich Horror etwas sehr stiefmütterlich behandelt. Zwar ist das animierte Menü schlicht und stimmig gehalten; viel auszuwählen gibt es von hier aus jedoch nicht. Neben den Trailer in deutscher Sprache, haben es noch ca. 32 Minuten an Interviews mit den Schauspielern des Films auf die Scheibe geschafft; ein wirkliches Making of oder interessante Features über die Entstehung von THE AWAKENING sucht man hier jedoch vergebens. Immerhin lässt sich noch ein kurzes B-Roll-Feature (ca. 10 Minuten) mit Aufnahmen vom Set finden. Eine BD-Live-Funktion führt zu weiteren Extras – ein Internetzugang wird jedoch hierbei vorausgesetzt. Lobenswert sei an dieser Stelle zu erwähnen, dass UNIVERSUM FILM allen Extras, sowie dem Hauptfilm deutsche Untertitel spendiert hat. Trotz ausufernder HD-Technik ist dieser Mindeststandart vielen Labels aktuell nach wie vor fremd. Eine Trailershow mit sechs weiteren Filmen aus dem Programm von UNIVERSUM FILM runden den Bonussektor ab. Technisch braucht man hier nicht meckern. Wie bei Veröffentlichungen des Labels üblich, kommt auch THE AWAKENING mit Top Bild und gutem Ton daher. Wer gern gruselige Filme mag, darf gern zugreifen. Bleibt zu erwähnen, dass die Blu-ray ein Wechselcover besitzt.
 
 

The Awakening [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

The Awakening – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
Ähnliche Filme:

The Woman in Black (2012)

The Devils Backbone (2001)

Filmreview: „Hidden 3D“ (2010)

 

 

Wer sich tiefgründiger und leidenschaftlicher mit den unzähligen aktuellen und bevorstehenden Veröffentlichungen phantastischer Filme beschäftigt, dem dürfte schnell klar werden, dass die vielen DVD/Blu-ray Vertriebslabels, gerade zu verkaufsträchtigen Hochzeiten wie Weihnachten, ihr gehortetes Filmmaterial an die willige Käuferschaft bringen möchten. Demnach wird man gerade jetzt (der Weihnachtscountdown läuft) regelrecht mit unzähligen schlechten und weniger sehenswerten Genrefilmen bombardiert.

Ein Vertreter unter den unzähligen schlechten Veröffentlichungen ist zweifelsohne die italienisch-kanadische Co-Produktion „Hidden 3D“, die ebenso auf den aktuell so beliebten 3D-Gimmik setzt.

 

Dr. Karter, eine strebsame Wissenschaftlerin experimentiert mit dem Gift seltener Insekten, welche sie in die Gehirne menschlicher Probanten spritzt.

Nach ihrem plötzlichen Tod, erbt ihr Sohn eine riesige Klosteranlage, in deren Keller die Mutter zu Lebzeiten ihren Forschungen nachgegangen ist.

Nichtsahnend und zusammen mit Freunden (die einzig dafür in das Geschehen integriert wurden, um mit deren sinnfreien Ableben, den Zuschauer vorm Einschlafen zu bewahren) erkunden sie das riesige Anwesen und bemerken zu spät, dass noch einige der damaligen Versuchsprobanten in den unteren Gängen des Klosters umherwandeln.

 

Die Inhaltsangabe ist so eine Sache. Flink dürfte der gierige Horrorfilmfan eine Verfilmung im Stile eines „House on Haunted Hill“ wittern. Doch zu aller Enttäuschung ist leider weit und breit nichts von Geistern, Dämonen und anderen paranormalen Erscheinungen zu sehen.

Stattdessen sieht der Zuschauer in regelmäßigen Abständen Kinder durch die Gänge huschen, die mit ihren weit aufgerissenen Augen und Mündern wohl lieber mal zum Arzt gehen sollten, anstatt irgendwelche gedankenlose und geistig umnebelte Erwachsene zu erschrecken.

Schaut man sich das fertige Endprodukt an, dann hätte aus „Hidden 3D“ durchaus etwas Brauchbares werden können. Die Stimmung passt, das Setting ist recht „scary“ und die CGI-Spezialeffekte ganz akzeptabel. Aber irgendwie will „Hidden 3D“ nicht so wirklich zünden. Das mag vordergründig daran liegen, dass der Film vollkommen belanglos vor sich herplätschert und die handvoll Charaktere so unglaublich dämlich agieren, dass die Messlatte für Blödheit neu kategorisiert werden sollte. So ist nicht nachvollziehbar, warum zwei Protagonisten in einer derart beängstigen Atmosphäre, wie sie dem Film zu Grund liegt, an nichts anderes denken können, als ans Einwerfen von Ecstasy-Pillen? Oder wie kann ein panisch-flüchtendes Opfer vor lauter Angst ein nicht einmal 1m² großes Loch im Boden verfehlen und hineinrutschen.

Normaldenkende“ Menschen wäre wohlmöglich einfach drübergesprungen.

Der Endplot, sowie die Endauflösung sind fast genauso trivial umgesetzt, wie der Rest des Films, was wirklich enorm bedauerlich ist, da die wirklich sehr hübsche düstere Optik und einige atmosphärischen Kamerafahrten in dem wirren Mix aus unfreiwilliger Komik, und dem planlosen durch-die-Gänge-irren der Charaktere völlig untergehen und sicherlich ausreichend Potenzial für richtig schön subtiles Gruselfeeling gehabt hätten. Die vollkommen sinnfreie Interaktion der Protagonisten und die an den Haaren herbeigezerrte spannungsarme Handlung hinterlassen einen mehr als deprimierenden und zweifelsohne erbärmlichen Beigeschmack.

 

 

Fazit 4,5/10

 

House on Haunted Hill“ meets „The Grudge“ und ein wenig 3D – Schuster bleib bei deinen Leisten!

Hidden 3D“ ist cineastischer Dünnschiss. Selten so unfreiwillig lachen müssen, und das, obwohl der Film sich bierernst nimmt. Kein gutes Omen!

 

Hellraiser80