Filmkritik: „Freaks – Sie sehen aus wie wir“ (2018)

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FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR

FREAKS

Story

 
 
 
Die siebenjährige Chloe muss die schmerzhafte Erfahrung machen, dass es außerhalb der eigenen vier Wänden alles andere als sicher ist.

 
 
 


 
 
 

FREAKS – Kritik

 
 
Wenn ein Film mit dem Titel FREAKS auf Blu-ray und DVD gepresst wird, stehen Filmfans nicht unbegründet die Haare zu Berge. Wurde hier etwa die Remake-Presse angeworfen? Im Fall dieser US-amerikanischen Produktion können wir aber Entwarnung geben. Hier halten wir keine Neuverfilmung des gleichnamigen Gruselklassikers von 1932 in den Händen. Stattdessen lockt man mit frischen Ideen und cleverer Erzählweise vom Ofen hervor. Das sah man auch auf einigen Filmfestivals so. FREAKS wurde als Überraschungshit in Toronto und Sitges gefeiert. Zu Recht, denn der Mix aus Science-Fiction, Horror und Drama ist nicht nur hoch spannend, sondern spielt auch noch virtuos mit der Unsicherheit des Publikums. Das klingt nach sehenswerter Gruselunterhaltung – und das ist sie auch.
 
 
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Sieben Jahre ist Chloe (LEXY KOLKER) jetzt alt und viel gesehen hat sie von der Welt noch nicht. Das hat auch seinen Grund, denn der Vater (EMILE HIRSCH aus THE AUTOPSY OF JANE DOE) hat sich zusammen mit dem Mädchen in einem heruntergekommenen Haus versteckt, wo er es vor der Außenwelt schützen will. Für Chloe unverständlich. Blickt die heimlich aus dem Fenster auf die Straße, kann sie keine Bedrohung entdecken. Doch das ändert sich schon bald. Als das Familienoberhaupt nach einem Einkauf verletzt nach Hause kommt, wächst der Widerstand zwischen den Familienmitgliedern und die Vater-Tochter-Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Chloe stellt Fragen und will endlich wissen, was draußen vor sich geht. Da nimmt sich der Vater ein Herz und klärt den Zögling auf. Mit erschreckenden Folgen.
 
 
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Schwer einen Film vorzustellen, der von seinem Twist lebt. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR (so der erweiterte deutsche Titel) beginnt wie jedes postapokalyptische Weltuntergangsszenario. Wir sehen die Geschehnisse ausschließlich durch die Augen der kleinen Chloe. Die soll auf eine nicht näher erläuterte Katastrophe vorbereitet werden, wird aber – wie der Zuschauer auch – über Hintergründe im Unklaren gelassen. So sind Antworten bewusst Mangelware, um die Spannung zu steigern. Erst nach und nach wird Licht ins Dunkel gebracht und das anfangs noch als Kammerspiel konzipierte Mysterydrama gerät aus den Fugen. Da werden erste Anhaltspunkte verstreut und die kleine hervorragend gewählte Jungdarstellerin kann aus ihrem scheinbar sicherem Gefängnis ausbrechen. Aus Mystery und Drama wird Action und Thrill. Was folgt, ist ein ungewöhnlicher Trip auf der Suche nach der eigenen Identität, der vollgestopft wurde mit interessanten Wendungen, die aus FREAKS eine überraschend kurzweilige Angelegenheit machen.
 
 
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Interessanterweise wurde der souverän verfilmte FREAKS nicht von routinierten Filmemachern inszeniert. Hinter FREAKS stecken die zwei Freunde ADAM B. STEIN und ZACH LIPOVSKY. Letzterer drehte bereits die beiden durchwachsenen Horrorfilme DEAD RISING – WATCHTOWER sowie LEPRECHAUN: ORIGINS und fungierte als Geldgeber für den Sci-Fi-Wackelfilm AFFLICTED. Die beiden Filmfans lernten sich bei Arbeiten an TV-Serien für die WALT DISNEY COMPANY kennen und stellten schnell fest, dass beide eine große Leidenschaft für Science-Fiction-Filme verbindet. Diese brachte man in einem gemeinsamen Drehbuch unter, das die Kumpels über mehrere Jahre schrieben und letztendlich mit kleinem Budget selbst verfilmten. Das Resultat ist für Newcomer-Verhältnisse mehr als solide. Was hier mit kleinem Budget über die Leinwand fegt, ist schon beachtlich. FREAKS schaut zu keiner Minute nach Low-Budget aus, was vor allem auch an den talentierten Schauspielern liegt. Nach diesem gelungenen Festivalhit kann man nur gespannt darauf sein, was das Duo als Nächstes auf die Leinwand bringen wird. Schenkt man dem Ende von FREAKS Glauben, wäre eine Fortsetzung möglich. Die würden vermutlich eingefleischte Horror- und Science-Fiction-Fans mehr als begrüßen.
 
 
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FREAKS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Superspannender Genre-Mix, der nach deutlich mehr ausschaut, als er wohl gekostet hat. Was emotional und klaustrophobisch beginnt, verwandelt sich spätestens nach der Halbzeit in einen packenden Thriller mit jeder Menge Wendungen. FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist kein Film, den man sofort durchschaut. Das intelligente Drehbuch lässt den Zuschauer auf glühenden Kohlen sitzen und versorgt das Publikum nur häppchenweise mit Informationen. Eine raffinierte Hinhaltetaktik, die FREAKS weit mehr als gewöhnlich macht. Die letztendliche Auflösung macht Lust auf mehr und hält sich so einige Hintertürchen für (eine) mögliche Fortsetzung(en) offen. Unbedingt sehenswert!
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Zensur

 
 
 
FREAKS – SIE SEHEN AUS WIE WIR ist keine Gewaltorgie. Erst in der zweiten Filmhälfte gibt es einige Tote zu sehen. Die Gewalt ist hierbei sehr reduziert. Meist blendet die Kamera weg. Hierzulande bekam der Streifen von der FSK eine Jugendfreigabe. Die deutsche Fassung besitzt einen blauen FSK16-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

FREAKS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Freaks; Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Behind the Scenes

Release-Termin: 31.01.2020

 

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FREAKS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brightburn – Son of Darkness (2019)
 
The Road (2009)
 
Chronicle – Wozu bist Du fähig? (2012)
 

Filmkritik: „Brightburn: Son of Darkness“ (2019)

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BRIGHTBURN: SON OF DARKNESS

(BRIGHTBURN)

Story

 
 
 
Wie hätte es wohl ausgesehen, wenn Superman böse gewesen wäre? Ein mögliches Szenario hierzu bietet der konsequent böse „Brightburn“!

 
 
 


 
 
 

BRIGHTBURN – Kritik

 
 
Das Superheldengenre boomt nach wie vor und dominiert das momentane Kino mehr als jemals zuvor. Dass dann irgendwann andere Genre nachziehen, ist ganz normal. So war es bei Zombies schließlich auch, die plötzlich immer öfter in Komödien auftreten durften. Mit „Brightburn“ wird nun ein Superheldenfilm mit Horror verbunden und daraus ist ein interessanter Mix entstanden, der sein Potenzial zwar nicht gänzlich ausschöpft, aber trotzdem einiges richtig macht.
 
 
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Das Ehepaar Tori und Kyle werden eines Abends Zeuge eines Meteoriteneinschlags auf ihrem Land. Doch was dort vom Himmel fiel, war eine Kapsel und daran befand sich ein Baby. Da das Paar selbst erfolglos versucht hat, ein Kind zu zeugen, nehmen sie dieses Baby als Geschenk an und ziehen Brandon so gut wie möglich auf. 12 Jahre ging das alles gut, doch nun verändert sich Brandon. Plötzlich hört er Stimmen in seinem Kopf und will sich nichts mehr gefallen lassen. Langsam aber sicher wird Brandon ein Bösewicht. Was daran am gefährlichsten ist, ist die Tatsache, dass Brandon übermenschliche Fähigkeiten besitzt und scheinbar unverwundbar ist. Ja, man fühlt sich bei der Story wirklich stark an „Superman“ erinnert, was mit Sicherheit Absicht war. Die Idee, einen bösen Superhelden zu erschaffen, der zusätzlich gerade mal in die Pubertät gekommen ist, mag sich vielleicht gar nicht mal so originell anhören, ist in dieser Umsetzung aber doch ziemlich kreativ und zum Glück hat man das Ganze auch konsequent durchgezogen. Nur bei der Figurenzeichnung schöpft man das Potenzial nicht unbedingt aus. Von jetzt auf gleich ist Brandon böse und er akzeptiert es sofort. Eine Ambivalenz findet nicht statt. Diese ist nur auf der Seite der Eltern vorhanden und daraus ergibt sich schon etwas Dramatik, doch wenn Brandon selbst ab und zu Zweifel gehabt hätte, hätte dies das Treiben spannender machen können. Im Endeffekt will „Brightburn“ dann aber am ehesten einen bösen Spaß bereiten und zumindest in diesem Punkt erfüllt er seinen Zweck voll und ganz.
 
 
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James Gunn, der von vielen ja mittlerweile als Gott des Superheldenstoffes gehalten wird, war als Produzent mit an Bord, Familienmitglieder von ihm Brian und Mark Gunn schrieben das Drehbuch und Neuling David Yarovesky durfte Regie führen. Das Budget war dabei sicherlich nicht zu hoch, weil „Brightburn“ mit keiner Selbstverständlichkeit erfolgreich sein konnte. Doch das sieht man dem Resultat kaum an. Besonders aufwendig ist das sicherlich nicht geraten, doch es reicht für einen Einleitungsfilm dieser Art vollkommen aus und die nicht zu dominierenden Effekte sind stets solide. Am Ende wird bereits ein möglicher zweiter Teil angeteasert, der hier durchaus Sinn ergeben würde, weil die Geschichte nicht zu Ende erzählt ist. Dass dies überhaupt möglich wäre, liegt daran, dass man hier konsequent geblieben ist und das Böse gewinnen darf. Alles andere wäre aber auch eine herbe Enttäuschung gewesen, denn wenn man schon so viel Spaß an der Boshaftigkeit erkennen lässt, muss man das auch geradlinig zu Ende führen. Immer mal wieder gibt es ein paar herrlich makabere Szenen und dass Brandon erst 12 Jahre alt ist, macht das Ganze nicht minder derb. Mit Splatter hält sich „Brightburn“ dabei zwar zurück, doch ein paar Szenen sind gewiss nicht ohne. Der Horror steht dabei stets im Vordergrund und die Superhelden-Fähigkeiten dienen nur der leichten Variation. Man fühlt sich phasenweise tatsächlich wie in einem Slasher der etwas anderen Art.
 
 
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Besonders am Anfang besitzt das einen großen Reiz, wenn Brandon noch nicht mordet und die Eltern erst so langsam begreifen, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Nachdem dann klar ist, dass Brandon der bösen Seite ohne Rückkehr verfallen ist, raubt das dem Werk etwas an Spannung, wobei das Finale dank der guten Inszenierung trotzdem alles andere als misslungen ist. Über die Darsteller kann man übrigens auch nicht meckern. Jackson A. Dunn wurde als Brandon definitiv gut gecastet, hat nicht unbedingt die schwerste Rolle zu meistern, beherrscht den bösen Blick aber souverän. Am meisten schauspielerische Klasse bringt Elizabeth Banks mit sich, die sich reichlich Mühe gibt, aber auch David Denman ist als ihr Film-Ehemann solide. Daneben gibt es ein paar kleinere Rollen, die alle zweckdienlich gespielt werden. Die größte Auswahl an markanten Charakteren besitzt „Brightburn“ indes nicht. Sie sind alle ganz sympathisch und die drei Hauptfiguren wurden gut getroffen, doch die Nebenfiguren interessieren eher weniger. Auch hier wäre noch etwas mehr drin gewesen und über Brandons Herkunft hätte man eigentlich ebenfalls gerne etwas mehr erfahren, aber es ist nicht so wichtig, als dass diese Kritik den Spaß am Film rauben würde.
 
 
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BRIGHTBURN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Brightburn“ kreiert einen Horrorfilm mit Slasher-Motiven und einem Bösewicht mit Superhelden-Fähigkeiten, der gerade erst entdeckt, dass es Spaß macht zu töten. So simpel die Idee auch ist, sie wirkt erfrischend und weil das so schön böse umgesetzt wurde, macht das Schauen tatsächlich viel Spaß. Auf jeglichen Tiefgrund verzichtet man dabei und obwohl hier Platz für Anspruch gewesen wäre, setzt man eher auf weniger nachhaltige Unterhaltung, denn für Hintergründe und Ambivalenz sieht das Drehbuch keinen Platz vor. Da das alles gut inszeniert wurde, ein paar schön fiese Szenen besitzt, zudem solide gespielt wurde und definitiv kurzweilig ist, verzeiht man das jedoch gerne. Auf jeden Fall ist dies mal ein etwas anderer Horrorfilm, den sich Fans durchaus anschauen können, wenn ihnen nach unbeschwerter Unterhaltung ist!
 
 
 


 
 
 

BRIGHTBURN – Zensur

 
 
 
„Brightburn“ hat einige recht fiese Spezialeffekte zu bieten. Die sind schon teilweise sehr hart anzusehen. Dennoch ist der Streifen ungeschnitten erhältlich. Die auf Heimkinomedium erhältliche Fassung ist frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

BRIGHTBURN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Brightburn; USA 2019

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Japanisch DTS-HD MA 5.1, Türkisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Japanisch, Türkisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Trailer, Kommentar des Filmemachers, Erfindung eines Neuen Super-Schurken, Helden-Horror! – Ein Ganz Neues Genre, Quick Burns – Vignette Social Serien

Release-Termin: 30.10.2019

 

Brightburn [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BRIGHTBURN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chronicle – Wozu bist Du fähig? (2012)
 
The Prodigy (2019)
 

Filmkritik: „Hellboy – Call of Darkness“ (2019)

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HELLBOY – CALL OF DARKNESS

(HELLBOY)

Story

 
 
 

Hellboy ist zurück und muss wieder gegen böse Gestalten antreten. Doch dabei wird er sich auch seinen eigenen Dämonen stellen müssen.

 
 
 


 
 
 

HELLBOY – CALL OF DARKNESS – Kritik

 
 
 
Die von Mike Mignola erschaffene Comic-Figur „Hellboy“ durfte 2004 zum ersten Mal das Licht der Kinoleinwände erblicken. Damals unter der Regie von Guillermo del Toro und eine Fortsetzung, sowie zwei Zeichentrick-Filme folgten dem Ganzen ebenfalls noch. Leider waren die Werke von del Toro einfach nicht profitabel genug. Ein dritter, abschließender Teil war seit 2012 immer mal wieder im Gespräch, doch letztendlich wollte nichts daraus werden. Nun gibt es mit „Hellboy – Call of Darkness“ also eine Neuausrichtung, welche die Filme von del Toro nicht beachtet. Die Kritiker zeigten sich nicht besonders begeistert und auch von Fans wurde der Film sehr zwiespältig aufgenommen. Obwohl man sich hier näher an den Comics orientieren wollte, wollten doch die meisten eine Fortsetzung von del Toro sehen. Der hatte dem Ganzen immerhin seinen visuellen Stempel aufgedrückt und daraus echtes Popcorn-Kino erschaffen. Mit Neil Marshall, der nach „The Descent“ nicht zu unrecht als Horror-Hoffnung galt, hat man allerdings guten Ersatz gefunden. Letztendlich ist „Call of Darkness“ ein spaßiger Film geworden, dem nur leider komplett der Mehrwert fehlt.
 
 
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Die Story entstand in enger Zusammenarbeit mit Schöpfer Mike Mignola. Obwohl man hier von einem Reboot sprechen kann, ist „Call of Darkness“ überraschenderweise kein typischer Origin-Film geworden. Der Zuschauer kennt die Figur wahrscheinlich sowieso und für alle, die zum ersten Mal mit Hellboy in Berührung kommen, gibt es eine kleine Rückblende, die als Erklärung ausreichend ist. Die Welt, in die man geworfen wird, wird nicht näher erläutert. Das muss man als Zuschauer einfach so hinnehmen. Die Herangehensweise ist schon recht erfrischend und nicht verkehrt, aber viel Handlung hat der Film leider trotzdem nicht zu erzählen. Da geht es eigentlich nur um eine böse Hexe, die nach Jahrhunderten in der Kiste endlich wieder frei kommt und nun Rache will. Dabei wird sie auf Hellboy aufmerksam, der sie eigentlich bekämpfen soll und sieht in ihm die Gelegenheit, die Apokalypse zu entfachen. Da man viele Charaktere hier noch nicht genau kennt und erst mal erfahren muss, wie sie agieren und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, fällt die arg simple Story nicht weiter negativ auf und dennoch hätte hier etwas mehr Substanz nicht geschadet. Das Drehbuch funktioniert also, wirkt niemals uninteressant und ist im Endeffekt trotzdem zu belanglos, um irgendwelche Jubelstürme ausbrechen lassen zu können.
 
 
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David Harbour ersetzt nun Ron Perlman als titelgebende Figur und das ist schon irgendwie schade, denn Perlman war einfach die Idealbesetzung. Tatsächlich kann man sich an Harbour als Hellboy aber schnell gewöhnen und seine Leistung ist am Ende kaum schlechter oder unpassender, als die von Perlman. Ian McShane ist als Vater gewiss auch nicht schlecht, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück. Am ehesten können von den Nebenfiguren sowieso Sasha Lane und Daniel Dae Kim überzeugen. Hier funktioniert auch die Figurenzeichnung relativ gut, denn ein bisschen Profil haucht man diesen Charakteren ein. Ganz im Gegenteil zur Bösewichtin, der Hexe Nimue. Die ist einfach nur böse und bekommt überhaupt keine Facetten. Da kann auch Milla Jovovich nicht sonderlich viel machen und die ideale Besetzung war sie für diese Rolle eher nicht. Hellboy an sich bleibt ein Sprücheklopfer, dem man niemals so richtig lange böse sein kann. Die Darstellung seiner Figur ist zwar etwas kerniger, als in den Filmen von del Toro, aber so groß ist der Unterschied kaum.
 
 
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Wenn es einen prägnanten Unterschied gibt, dann ist das der, dass sich „Call of Darkness“ eindeutig an ein eher älteres Publikum richtet. Hier wird nämlich teilweise schon ordentlich gesplattert und harmlos ist das Ganze absolut nicht. Der Erzählton verändert sich dadurch allerdings bemerkenswerterweise kaum. Obwohl man das Szenario etwas düsterer und durchaus brutaler gestaltet hat, bleibt die Atmosphäre doch durchgehend locker und echten Horror sucht man vergebens. Noch immer ist der Fantasy-Anteil enorm hoch und auf amüsante Sprüche im Minutentakt muss man nicht verzichten. Humor ist immer schwer zu bewerten und amüsant ist „Call of Darkness“ wirklich, aber manchmal stören die platten Gags auch eher. Es wäre jedenfalls nicht verkehrt gewesen, wenn man das Treiben noch finsterer gestaltet hätte. Nebenbei gibt es einen rockigen Soundtrack, der oftmals zu hören ist und so macht der Film am ehesten gute Laune. Auf Emotionen wird dabei kein großer Wert gelegt und so ist die Dramaturgie auch höchstens nebenbei zu bemerken.
 
 
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Neil Marshall hat lange Zeit Episoden für Serien gedreht und sein letzter Film liegt einige Zeit zurück. Alleine „Doomsday“ macht ihn schon geeignet als Regisseur für „Call of Darkness“, denn mit der Inszenierung der Apokalypse kennt er sich bestens aus. Tatsächlich sind die Schauwerte ordentlich hoch und optisch macht das Ganze etwas her. Dabei muss man allerdings auch einen Blick auf das Budget werfen, denn mit schätzungsweise 40 Millionen Dollar ist dieses gar nicht mal so hoch ausgefallen. Natürlich ist das noch immer viel Geld, doch gerade wenn viel CGI mit im Spiel ist, ist das verhältnismäßig wenig. Das sieht man natürlich manchmal und trotzdem sind die Effekte keineswegs schlecht. Manchmal kommt man sich leicht wie in einem etwas älteren Computerspiel vor, doch meistens überzeugen die Effekte und außerdem wurde das alles ziemlich kreativ gestaltet.
 
 
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HELLBOY – CALL OF DARKNESS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Natürlich hätten die meisten lieber einen dritten Teil von del Toro gesehen, aber „Hellboy – Call of Darkness“ macht sich als dritte Verfilmung ebenfalls nicht schlecht. Begrüßenswert ist, dass man nicht erneut die gesamte Vorgeschichte und Entwicklung zu sehen bekommt. Der Film steigt einfach mittendrin ein und bietet ein kurzweiliges Vergnügen. Die Story gibt leider kaum etwas her und auf den ständigen Humor hätte man ruhig auch verzichten können. Außerdem sehen die Effekte nicht immer perfekt aus. Dafür gibt es mit David Harbour einen souveränen, neuen Hellboy zu sehen, es geht deutlich blutiger zur Sache und visuell kann der Film überzeugen. Bleibt letztendlich noch eine maue Antagonistin zu bemängeln und so manch ein Klischee kann das Werk ebenfalls nicht vermeiden. Die Fans wird das spalten und an den Kinokassen war das Ergebnis mehr als ernüchternd. Vor und nach dem Abspann deutet man gleich mehrmals eine Fortsetzung an, doch ob es zu dieser kommen wird, ist mehr als fraglich. So schlimm ist das nicht, aber ein bisschen schade dennoch, denn wenn man einfach nur ein amüsantes, blutiges und kurzweiliges Fantasy-Spektakel sucht, ist „Hellboy – Call of Darkness“ durchaus gut geeignet!
 
 
 


 
 
 

HELLBOY – CALL OF DARKNESS – Zensur

 
 
 
„Hellboy – Call of Darkness“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese ist gerechtfertigt, denn einige düstere Szenen im Film sind garantiert nichts für Kinderaugen.
 
 
 


 
 
 

HELLBOY – CALL OF DARKNESS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hellboy; Bulgarien | Großbritannien | USA 2019

Genre: Abenteuer, Action, Comicverfilmung, Fantasy

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 130 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Tales of the wild hunt: Hellboy Reborn, Deleted Scenes, Previsualization, Featurettes, Trailer

Release-Termin: 23.08.2019

 

Hellboy – Call of Darkness [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HELLBOY – CALL OF DARKNESS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hellboy (2004)
 
Hellboy – Die goldene Armee (2008)
 
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (2017)
 
Blade (1998)
 
Ghost Rider (2007)