Filmreview: „Autumn Blood – Zeit der Rache“ (2013)

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AUTUMN BLOOD – ZEIT DER RACHE

Story

 
 
 
Ein 16-jähriges Mädchen (SOPHIA LOWE) lebt mit der Mutter und dem kleinen Bruder zurückgezogen auf einem kleinen Hof in den Tiroler Bergen. Als die Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, durchleben die Kinder die Hölle. Erst wird die Tochter mehrfach vom Sohn des Bürgermeisters vergewaltigt; als eine Sozialarbeiterin nach dem Rechten sehen will und die Misshandlungen aufzufliegen drohen, sollen die verstörten Kids sterben damit sie nichts ausplaudern können. Es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Geschwister, die keinen anderen Ausweg wissen und in die gefährliche Bergwelt der Tiroler Alpen flüchten …
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Kritik

 
 
 
Nachbarland Österreich mischt nun ganz souverän mit auf dem internationalen Filmmarkt und scheint erkannt zu haben, dass deutschsprachige Horrorfilme auch gern im Ausland gesehen werden. Zuletzt hat MARVIN KREN mit seinem kritischen Öko-Schocker BLUTGLETSCHER (2013) von der internationalen Presse viel Lob erhalten und MICHAEL HANEKE schaffte es mit der kontroversen Terror-Satire FUNNY GAMES (1997) sogar bis nach Hollywood, wo er zehn Jahre später seinen eigenen Spielfilm neu drehen und auf Hochglanz poliert in die Kinos bringen durfte. Beim nächsten Glücksgriff handelt es sich um den Tiroler Werbefilmer MARKUS BLUNDER. Der gebürtige Kufsteiner hat sich sein filmisches Handwerk in München und Los Angeles angeeignet und bisher zahlreiche Musikvideos und Werbefilme gedreht. Nun hat er seinen ersten Langfilm inszeniert und damit schon auf einschlägigen Filmfestivals Zuspruch erhalten. Dass der Regisseur mit seinem Debüt aber ganz unfreiwillig ins Horror-Genre geschlittert ist, dürfte der Österreicher vermutlich gar nicht so geplant haben. Der Filmneuling bezeichnet seinen Streifen nämlich selbst als „alpinen Western“. Die für dieses Genre typischen Cowboys, Saloons und taffen Sprüche sucht man hier jedoch vergebens, denn eigentlich ist sein AUTUMN BLOOD eine Mischung aus Heimatfilm, Überlebenstrip und Rape-and-Revenge-Thriller, bei der aber der Racheplot aus dem Drehbuch gestrichen wurde. Gedreht wurde im Ötztal und im Lechtal sowie in der Zugspitzregion, was dem Thriller eine ganz individuelle Note verleiht, weil man derart Filmstoff bisher noch nie vor solch beeindruckender Kulisse erleben durfte. Die Protagonisten hetzen durch bildgewaltige Landschaften, bewegen sich über schwindelerregende Schluchten und durchqueren märchenhaft anmutende Wälder. Die wunderbare Kameraarbeit tut da ihr Übriges und lässt des Öfteren die wenigen Protagonisten vergessen, die äußerst wortkarg durch die dünne Handlung stolpern. Gesprochen wird in AUTUMN BLOOD übrigens kaum, stattdessen glänzen die erfahrenen Schauspieler mit ausdrucksstarkem Schauspiel. Die Prämisse ist zwar anfänglich recht gewöhnungsbedürftig; hat man sich erst einmal an die ungewöhnliche Dialogarmut gewöhnt, fesselt AUTUMN BLOOD trotz hanebüchener Handlung durch anständigem Thrill und schweißtreibende Atmosphäre.
 
Regisseur MARKUS BLUNDER bringt die überwältigende Macht der Bilder zurück in die Kinos. In AUTUMN BLOOD fungiert nicht das magere Drehbuch als Geschichtenerzähler, sondern der stimmige Soundtrack in Kombination mit den geheimnisvollen Landschaften der Tiroler Bergwelt. Demzufolge sei dem Leser geraten, sich diesen Geheimtipp möglichst auf der großen Leinwand anzuschauen, denn nur hier dürfte der Streifen seine ganze Wirkung entfalten können. BLUNDER hat mit seinem Erstling einen einzigartigen Thriller gedreht, der Lust auf mehr von dem macht, was der talentierte Filmneuling in Zukunft auf Zelluloid bannen wird. Auch wenn sein HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE so seine Logikpatzer besitzt (seit wann kommuniziert man im ländlichen Tirol ausschließlich in Englisch) gehört der beklemmende Survivaltrip zweifelsohne zum Besten, was das europäisches Genrekino hervorgebracht hat. Auf Filme wie AUTUMN BLOOD können die Österreicher zu Recht stolz sein und es würde nicht wundern, wenn BLUNDER als nächster Österreicher demnächst in Hollywood außergewöhnliche Filme drehen darf. Für so wunderschön gefilmtes Grauen bekommt BLUNDERS Debüt vom FILMCHECKER-Team verständlicherweise eine seltene Bewertung von acht Filmklappen und das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
HEIDI meets BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE – Grausamer Überlebenstrip vor der traumhaften Bergkulisse Tirols. AUTUMN BLOOD entpuppt sich als schwindelerregende Hetzjagd durch malerische Landschaft, die statt Dialoge zu nutzen lieber Bilder sprechen lässt. Zwar ist die Geschichte vom Mädchen, das vergewaltigt wird und vor ihren Peinigern in die Wälder flüchtet nicht neu; die etwas gewöhnungsbedürftige Symbiose aus Heimatfilm, Terror- und Rape’n Revenge-Thiller funktioniert jedoch erstaunlich gut und dürfte sogar das Interesse von Expoitationfans auf den Plan rufen, die hier jedoch kein ultra-derbes Gewaltmachwerk erwarten sollten. AUTUMN BLOOD ist österreichische Thriller-Unterhaltung auf hohem Niveau, was vor allem an der bildgewaltigen Machart liegt, wie Regisseur MARKUS BLUNDER hier das Grauen auf Film bannt, denn bei so ansprechend gefilmter Bergkletterei wird dem Zuschauer allein schon beim Zusehen schwindelig. Wer die Chance hat diesen österreichischen I SPIT ON YOU GRAVE-Ableger (freilich ohne Rachepart) auf der großen Leinwand zu sehen, sollte sie nutzen. Denn nur hier dürfte die packende Bilderflut und der spannende Überlebenskampf erst richtig wirken.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Zensur

 
 
 
Für einen Rape’n Revenge-Thriller ist das Gezeigte ziemlich harmlos. Es gibt eine Vergewaltigung zu sehen, die aber im Off stattfindet. Ein paar Einschüsse haben die FSK dennoch dazu veranlasst, den Film hierzulande erst für Volljährige freizugeben. Dafür aber ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AUTUMN BLOOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Autumn Blood; Österreich, USA 2013

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 | @24 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deleted Scenes

Release-Termin: 19.06.2015

 

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AUTUMN BLOOD – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Mooring (2012)
 
Eden Lake (2008)
 
I SPIT ON YOU GRAVE 2 (2013)
 

Filmreview: „Solo“ (2013)

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SOLO

Story

 
 
 

Die angehende Feriencampmitarbeiterin Gillian soll auf einer verlassenen Insel ihr Können unter Beweis stellen, muss stattdessen jedoch um ihr (Über)Leben bangen …

 
 
 


 
 
 

SOLO – Kritik

 
 
 
Filmfreunde, die vor geraumer Zeit den höchst ansprechenden Trailer zum EVIL DEAD-Remake (2013) gesehen haben, dürften vermutlich die Trailermacher in Grund und Boden verflucht haben. Hier wurde zwar geschickt zusammengeschnitten, aber, wie so oft in den letzten Jahren, die besten Szenen des Splatterwerks vorweggenommen. Ähnlich verhält es sich bei der Vorschau zu SOLO, die im Grunde genommen den ganzen Film in knapp zwei Minuten zusammenfasst. Demzufolge sollte man sich den Trailer möglichst verkneifen, möchte man sich den Spaß am Filmeschauen nicht verderben lassen. Der Thriller SOLO ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass es für gute Filme keiner großen Geschichten bedarf. Außer fünf Protagonisten, einer kleinen Insel und Legenden die um die Idylle ranken, benötigt Regie-Neuling ISAAC CRAVIT nicht viel, um rund 90 Minuten zu unterhalten. SOLO lief bereits Oktober 2013 im Rahmen des TORONTO AFTER DARK FILM FESTIVALS, was Genrefans vermutlich hellhörig lassen dürfte, laufen dort meist ausgewählte Gruselstreifen, die nicht selten von hoher Qualität zeugen. Und in der Tat, SOLO ist besser, als das magere Produktionsbudget verspricht.
 
Wir begleiten die TV-erprobte ANNIE CLARK als zwar traumatisierte, aber sich wacker schlagende Gillian „Solo“ in ein kleines Feriencamp irgendwo im Wald. Sie hat in der Vergangenheit ganz schön viel Mist durchgemacht und versucht durch einen neuen Job als Campbetreuerin ihr gewohntes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Pillen helfen, den Tagesablauf sicher bestreiten und den tragischen Tod ihrer Schwester zu vergessen. Doch bevor Gillian ihre neue Stelle antreten darf, werden ihre Qualifikationen auf die Probe gestellt. Campleiter Fred (RICHARD CLARKIN) bringt sie zu einer kleinen Insel, auf der sie zwei Tage verweilen und Pfadfinderfähigkeiten unter Beweis stellen soll. Doof nur, dass ihr zuvor einige unheimliche Legenden über das vermeintlich idyllische Eiland zu Ohren gekommen sind und ihr bald bange Stunden bescheren werden. Zum Glück ist die geistig instabile Jugendliche immer via Funkgerät in Kontakt zum Festland, so dass ihr auch gleich ein älterer Herr namens Ray (DANIEL KASH) zur Hilfe eilt, der meint, einen hilfesuchenden Funkspruch Gillians erhalten zu haben. Die scheint zwar anfänglich über das Missverständnis verdutzt, ist aber froh darüber nicht ganz so allein auf der gruseligen Insel zu sein. Ganz so verlassen wie an anfänglich gedacht ist der Ort jedoch nicht, denn das verängstigte Mädchen findet bald ein verlassenes Zelt inmitten des Waldes, in dessen Inneren Gillian mysteriöse Farbfotos von Kindern eines Feriencamps entdeckt.
 
Sind wir hier im Camp Crystal Lake oder was? Die Thematik lässt zumindest schwer darauf schließen, denn wenn es um Feriencamps geht, dürfte sich der Zuschauer vermutlich schnell an die berüchtigte FREITAG DER 13.-Reihe zurückerinnert fühlen. Die Route führt dann aber doch in ein ganz anderes Genre und mit bekannten Slasher-Klischees oder gar dem Hockeymaske tragenden Kult-Meuchler JASON VOORHEES hat SOLO rein gar nix am Hut. Regisseur ISAAC CRAVIT hat die wichtigsten Vertreter des Horrorfilms genauestens studiert, so dass der Zuschauer in seinem ersten Langfilm (zumindest am Anfang) ganz schön dreist an der Nase herumgeführt wird. Die Ausgangslage hätte verworrener nicht sein können. Nicht nur, dass Gillian täglich reichlich Medikamente zu sich nehmen muss, um den Tag bestreiten zu können; auch unheimliche Spukgeschichten ranken sich um die verlassene Insel. CRAVIT hält sich viele Optionen offen, wobei (sofern man sich noch nicht den Trailer angeschaut hat) nicht gleich wirklich ersichtlich ist, was SOLO denn nun eigentlich sein soll? Handelt es sich hier um Spuk-Horror von der Stange oder um gar einen knüppelharten Psychothriller, der die erschütternde Vergangenheit der Protagonistin zum Mittelpunkt des Films macht? Ist die Bedrohung rein psychologisch oder tatsächlich greifbar? Antworten die CRAVIT geschickt bis zur Filmmitte zu verschleiern versteht. Umso ernüchternder, dass das raffinierte Rätselraten in der Halbzeit zugunsten der gängigen Horrorregeln an Kreativität missen lässt. Immerhin ist ANNIE CLARK ein wirklicher Pluspunkt dieses kleinen, handwerklich sehenswerten Films. Die hat nämlich nicht nur eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Teenie-Idol JENNIFER LAWRENCE (HOUSE AT THE END OF THE STREET), sondern überzeugt durch eine Natürlichkeit, die ihren Charakter recht sympathisch erscheinen lässt. Der smarten Schauspielerin gelingt es, den kurzen Wildnis-Schocker fast gänzlich allein zu tragen; ihr Agieren ist stets nachvollziehbar und logisch, was ja bei Teenagern im Horrorfilm selten gegeben ist. Trotz ausreichend Supsense bleibt auch Gillians Hintergrundgeschichte nicht unbeleuchtet. Ihr Schicksal und die Quelle ihrer Albträume werden bruchstückhaft im Verlauf der Geschichte gelüftet, wobei man jedoch auch bei SOLO bemängeln muss, dass die Entwicklung der Charaktere leider etwas oberflächlich abgehandelt wird. SOLO ist zeitgleich ANNIE CLARKS Spielfilmdebüt. Nach diversen TV-Serien fasst sie nun Fuß im Kinofilm und macht dabei gar keine üble Figur. Den Filmfan wird’s freuen, hält er mit SOLO ein ansprechendes und mysteriöses Stück kanadisches Suspensekino in den Händen, das sich auf jeden Fall zu den besseren Vertretern innerhalb des Horrorgenres zählen darf. Wer es kurz, schnörkellos und spannend mag, ist bei SOLO genau richtig. Da darf man gespannt sein, was Regie-Neuling ISAAC CRAVIT demnächst noch so alles an Projekten auf Film bannen wird – dieser Einstieg ins Filmbusiness ist schon einmal ein solider Anfang!
 
 
 


 
 
 

SOLO – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Klein aber oho. SOLO ist kanadisches Supsensekino vom Feinsten und ein gelungener Einstieg ins Filmbusiness für Regie-Newcomer ISAAC CRAVIT. Es muss nicht immer nur Horror mit dem Holzhammer sein. Manchmal sind die kleinen unscheinbaren Streifen die, die es ganz schön in sich haben.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Zensur

 
 
 
Bis auf eine kurze Splatterszene am Ende gibt es in SOLO nix, was dem Gewaltfan gefallen dürfte. Demnzufolge wird SOLO mit Sicherheit ungeschnitten ab 16 Jahren in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

SOLO – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Black Rock (2012)

The Mooring (2012)

Filmreview: „The Colony“ (2013)

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THE COLONY

Story

 
 
 
Die globale Erderwärmung hat eine neue Eiszeit verursacht. Die wenigen Überlebenden organisieren sich in Kolonien unter der Erde, wo sie nicht nur den Fortbestand von Flora und Fauna sicherstellen; sondern auch das eigene Überleben. Wer krank wird, muss die Gemeinschaft verlassen. Wer sich nicht an die klaren Regeln hält, ebenso. Als Kolonie 5 einen Notruf aussendet, wird der Hilferuf von den Mitgliedern der benachbarten Kolonie entgegengenommen. Unter der Leitung von Briggs (Laurence Fishburne) macht sich eine kleine Gruppe Freiwilliger auf den Weg, den Mitgliedern der Kolonie 5 aus ihrer Notlage zu helfen. Doch was sie dort erwartet, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren …
 
 
 


 
 
 

THE COLONY – Kritik

 
 
 
ACHTUNG: Trailer enthält SPOILER!
 
 
 
Post-apokalyptische Szenarien im Kino (I AM LEGEND, THE DAY AFTER TOMORROW) sind seit einigen Jahren mal wieder schwer im Trend. Was sich mitunter vor allem für große Filmstudios zu einer lukrativen Geldquelle entwickelt hat, hält auch unlängst im Horrorfilm Einzug – wenn auch nicht immer ganz so laut und effektüberladen wie zum Beispiel die Filme aus der (Un-)Kreativ-Schmiede eines ROLAND EMMERICH (INDEPENDENCE DAY; 2012). Im Horror sind es eher erdumspannende Seuchen, die friedliebende Bürger zu reißenden Bestien werden lassen (28 DAYS LATER, 28 WEEKS LATER), die dann jeden anknabbern müssen, der sich nicht vor ihnen in Sicherheit bringen kann. Der tot geglaubte Zombiefilm hat seither ein regelrechtes Revival erlebt und konnte mit dem Serien-Hit THE WALKING DEAD sogar beachtliche Erfolge im TV verbuchen. Der Suvival-Thriller THE COLONY ist zwar ebenso im gleichen Genre zu Hause, gierende Untote sucht der Filmfreund hier jedoch vergebens. Macher JEFF RENFROE (ONE POINT ZERO – DU BIST PROGRAMMIERT) ist im Katastrophenfilm kein Unbekannter. Vor THE COLONY konnte er sich als Drehbuchautor zum TV-Film DER SUPERSTURM – DIE WETTER-APOKALYPSE (2012) erproben. Die Arbeit schien im gänzlich Spaß gemacht zu haben, so dass er sich zu einem weiteren Weltuntergangs-Schocker überreden ließ und den nun vorliegenden THE COLONY inszenierte. Wo er sich Inspirationen für seinen aktuellen Überlebensflick geholt haben muss, dürfte schnell klar sein. Denn sein neuster Beitrag besitzt eine erschreckende Ähnlichkeit mit dem Carpenter’schen Körperschocker THE THING aus dem Jahre 1982. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Überlebenden hier mit einer gänzlich anderen Bedrohung konfrontiert sehen und nicht gegen eine außerirdische Lebensform kämpfen müssen.
 
Die Geschichte von THE COLONY ist schnell erzählt: Briggs (LAURENCE FISHBURNE) ist Anführer einer kleinen Kolonie, die sich vor der neuen Eiszeit in Sicherheit bringen konnte und tief im Erdinnern damit beschäftigt ist, irgendwie zu überleben. Das klappt recht gut, denn strickte Regeln klären den Umgang miteinander. Als die kleine Gruppe ein Notrufsignal der einzig bekannten Nachbarkolonie erhält, stellt Briggs einen Trupp von Freiwilligen zusammen, der sich auf den Weg machen soll, die seltsamen Vorfälle zu untersuchen. Nach einer beschwerten Reise durch schneebedeckte Täler und Pfade erreichen die Helfer ihr Ziel, doch von den Überlebenden der Kolonie 5 fehlt jegliche Spur. Als die Gruppe bei ihrem Erkundungstrip auf ein abgemagertes und reichlich verwirrtes Mitglied der Gemeinschaft stoßen, offenbart sich ihnen das ultimative Böse.
 
Mehr über THE COLONY zu verraten wäre fatal, denn dieser Film ist einer jener Filme, der seine optimale Wirkung nur dann erzielt, wenn man so wenig wie möglich über ihn weiß. Vor allem der faszinierend frostreichen aber erschreckend unheimlichen Kulisse ist es zu verdanken, dass THE COLONY spannend bis zur letzten Minute bleibt, wobei dem Zuschauer nicht verborgen bleiben dürfte, dass hier ziemlich oft mit CGI getrickst wurde. Die Effekte sind für eine „günstige“ 16 Millionen Dollar Produktion als durchweg zufriedenstellend zu bezeichnen. Dennoch bleibt dem Filmfreund der Einsatz der Bluescreen-Technik nicht erspart – anders hätte vermutlich der ausweglose und klaustrophobische Grundton der Produktion nicht in Bilder festgehalten werden können. Immerhin konnte Regisseur RENFROE für seinen Überlebenstrip einige namhafte und erfahrene Schauspieler gewinnen, die dem Film immens bereichern. So kämpft sich KEVIN ZEGERS (FROZEN-EISKALTER ABGRUND) an der Seite von LAURENCE FISHBURNE (MATRIX) durch Berge von Kunstschnee und BILL PAXTON (ALIENS – DIE RÜCKKEHR) brilliert als gar widerwärtiger Fiesling. Umso bedauerlicher, dass THE COLONY kaum Beachtung fand und in Deutschland sogar direkt auf den Heimkinomarkt geworfen wird. Der Film glänzt durchs Verursachen eines permanent unguten Gefühl und die allgegenwärtige unheimliche Stimmung sorgt für 90 Minuten wohlige Schauer. Da verzeiht man JEFF RENFROE gern, dass das Ende doch etwas zu übereilt daherkommt und das Finale etwas arg unausgegoren wirkt. Zwar wird selbiges dem Zuschauer mit Hang zum Groben gefallen, hilft aber nicht, dass man das Gefühl nicht loswerden möchte, RENFROE wurde aus Budgetgründen gezwungen, ein abruptes Ende zu finden. Was bleibt ist ein sehenswerter und vor allem packender Thriller, der bis kurz vor Ende unglaublich spannend bleibt, aber in den letzten 15 Minuten etwas plump und leider unfertig wirkt.
 
 
 


 
 
 

THE COLONY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einer der besten Überlebens-Horrorschocker in letzter Zeit. Wer Filme wie THE THING, I AM LEGEND oder 30 DAYS OF NIGHT mag, wird THE COLONY lieben!
 
 
 


 
 
 

THE COLONY – Zensur

 
 
 
THE COLONY erscheint im Oktober 2013 auch in Deutschland. Da der Film (bis auf einige Gewaltspitzen am Ende) keine Splatterorgie ist, kommt er mit FSK16 in den Handel und ist somit auch für Jugendliche geeignet.
 
 
 


 
 
 

THE COLONY – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

The Day after Tomorrow (2004)

30 Days of Night (2007)