Filmkritik: „Ginger Snaps Trilogie“ (2000 – 2004)

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UM WAS GEHT ES IN DEN GINGER SNAPS FILMEN?

Storys

 
 
GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR: Ginger und Brigitte sind kanadische Provinz-Teeniemädchen mit einer morbiden Freude am Tod und allem, was dazugehört. Sogar ein Sterbe-Abkommen wird geschlossen. Früher hätte man Gruftie gesagt, heutzutage Goth. Die Pubertät scheint bei den Schwestern noch nicht angekommen zu sein, was durchaus ungewöhnlich ist. Gleichzeitig mit Gingers erster Periode wird das arme Ding von einem Werwolf angefallen und fängt sich – so ist das bekanntermaßen – den Fluch des Wolfsmenschenseins ein. Ein furchtbares Spiel um Blut, verschworene Verbundenheit und neue Identitäten beherrscht das Leben der Mädchen.

GINGER SNAPS – ENTFESSELT: In der Fortsetzung des Horrordramas vegetiert Brigitte in einer Hochsicherheitszelle dahin und wird mit dem Folklore-Medikament des Eisenhuts in Zaum gehalten. Das Horrornerd-Mädchen Ghost findet Gefallen an ihr und ein männliches Wolfsmensch-Exemplar hat Paarungszwang…

GINGER SNAPS – DER ANFANG ist, man kann es sich denken, ein Prequel, in dem wir die Schwestern in ihren früheren Inkarnationen, genauer 1815 auf einem Handelsposten an der kanadischen Zivilisationsgrenze kennenlernen. Hier gehen sie den schicksalshaften Pakt miteinander ein, hier liegen die Wurzeln ihres Lycanthropie-Alptraums.

 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Kritik

 
 
Zu den wirklichen Erkenntnisgewinn bringenden Begleiterscheinungen der Kritikschreiberei gehört die Chance, bei ihrem Erscheinen gesehene Filme noch einmal losgelöst von den damaligen Hintergrundgeräuschen betrachten und bewerten zu dürfen. Im Falle von GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR bestehen diese Hintergrundgeräusche aus den Lobeshymnen junger Damen der Journaille, die sich über den Feminismus im Genrefilm gar nicht mehr einkriegen können. Man vermutet gar ein komplettes Umkrempeln der Horrorwelt in den Nachwehen der kanadischen Werwölfinnen. Ganz so gravierend ist’s dann doch nicht geworden. Immerhin aber folgen dem Vorbild doch bis heute Filme, denen man den Einfluss anmerken kann. Die alles in allem doch recht dröge UNDERWORLD-Saga und auch die insgesamt das Genre eher zum Rahmen seiner Pre-Teen-Liebesgeschichten nutzende TWILIGHT-Universum bedienen sich der Werwölfe und der unterm Fell steckenden Menschlein.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Die drei GINGER-SNAPS-Filme kommen Anfang der 2000er hervorragend beim Publikum an – dem ganzen Publikum, nicht nur der Horror-Fangemeinde, die seinerzeit noch zum größten Teil männlichen Geschlechts ist. Würstchenparty eben. GINGER SNAPS trifft 2000 den Nerv eines Zuschauersegments junger Mädchen und Frauen, die im Schicksal der Protagonistinnen vielleicht ihren persönlicher Horror in den schwierigen Jahren der Adoleszenz wiedererkennen können. Alle der drei Teile des Franchise, wie man heute sagt, sind von Frauen geschrieben worden, somit schwingt in den Geschichten um die Wolfsmädchen eine Authentizität mit, die vom neuen Publikum auch positiv zur Kenntnis genommen wird. GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR tritt eine Welle neuer Wahrnehmung weiblicher Hauptfiguren in Horrorfilmen los. Von MAY – DIE SCHNEIDERIN DES TODES (2002) bis AMERICAN MARY oder EXCISION, beide 2012 erschienen – zwischen Zerbrechlichkeit und Psychose oszillierende Protagonistinnen, deren Schöpfer ohne GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR womöglich nicht den Mut gefunden hätten, ihre Bücher zur Verfilmung freizugeben.
 
 
Ginger Snaps II - Entfesselt

(c) Ginger Snaps 2 (NSM RECORDS)

 
 
Auf den Erfolg des 2000er Independent-Horror-Hits reagieren dessen Rechteinhaber mit der Fertigung gleich zweier Sequels, die stilgerecht (man denke an die MATRIX-Filme oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) Back-To-Back gedreht werden und 2004 erscheinen. GINGER SNAPS – ENTFESSELT, bedient sich verschiedener Grundideen des Originals und führt ein neues Mädel in die Handlung ein, das sich Brigittes Zwitterwesen zum Objekt der Erforschung und späteren Rache nimmt. Der Ball wird praktisch einer neuen Generation zugespielt. Interessanterweise ist die Fortsetzung zahmer, was den Splatterfaktor angeht und lenkt den Fokus mehr auf die Charakterentwicklung. Weder Teil 2, noch Teil 3: GINGER SNAPS – DER ANFANG lösen die Begeisterungsstürme aus, die das Original erfährt. Nummer drei wird sogar nur Direct-To-Video ausgewertet und kommt nicht mkehr in die Kinos.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Seit Bram Stokers Dracula-Roman, einer der ersten literarisch festgehaltenen Motiv- und Regelsammlungen der Vampir-Fiktion, wird der Biss des Nachzehrers auch als Code für einen Sexualakt gedeutet. Die nach außen stets makellos, züchtig und selbstverständlich unschuldig präsentierten Maiden des Viktorianischen Englands, die, vom Übergriff des Blutsaugers quasi, zu Frauen gemacht werden. Eine direkte Schilderung oder auch nur Erwähnung von Themen wie Sex, Pubertät oder Menstruation ist unter den Moralvorstellungen dieser Jahre nicht möglich. Diese Interpretation realer menschlicher Befindlichkeiten unter der Maskerade im Ursprung folkloristischer Grusel-Märchen durchwehrt das Horrorkino seit Jahr und Tag. Bei GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR findet die Infektion der Werwolfskrankheit zeitgleich mit dem Einsatz von Gingers erster Regelblutung statt. Das Mädchen erfährt als geschlechtsreife Frau und/oder Wolfsmensch eine Wandlung vom Gothic-Mauerblümchen zum Sex- und Gewalt-Ungetüm. Plump gesprochen: Man weiß nicht, was das Mädchen mehr durchdrehen lässt, Pubertät oder Lycanthropie.
 
 
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(c) Ginger Snaps 3 (NSM RECORDS)

 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Anno 2000 in aller Munde und heute kaum noch im Fan-Gedächtnis, lohnt die Trilogie um die kanadischen Werwolf-Mädchen Eure Wiederentdeckung. Die weibliche Sicht auf den Horrorfilm und die Protagonistinnen ist damals stilbildend und färbt zum Beispiel auf die UNDERWORLD-Reihe ab. GINGER SNAPS ist ein faszinierender Blick auf die Ideen von Drehbuchschreiberinnen für ein Genre, das in der SCREAM-Ironiesoße erstickt und den Energiestoß der SAW-Filme noch nicht erfahren hat.
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Zensur

 
 
 
GINGER SNAPS hatte es nicht schwer in Deutschland. Während der erste Teil direkt auf DVD erschien und frei ab 18 Jahren war, waren die Teile zwei und drei mit einer FSK16 bereits bei ihrer DVD-Auswertung für Jugendliche geeignete. Etwas hat sich aber im HD-Zeitalter geändert. Die Teile zwei und drei besitzen weiterhin eine Jugendfreigabe und sind frei ab 16 Jahren. Der erste Teil wurde neu geprüft und ist ab sofort auch schon für ein jugendliches Publikum geeignet. Alle deutschen Veröffentlichungen der Filme sind somit ungeschnitten und ab sofort auch FSK16.
 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im limitierten Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im KeepCase)

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(c) NSM Records (Lederbuch-Schuber mit allen 3 Filmen im Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Ginger Snaps | Ginger Snaps: Unleashed | Ginger Snaps Back: The Beginning; Kanada 2000 – 2004

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: insgesamt 297 Minuten

FSK: Mediabook | Leatherbook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | Leatherbook | KeepCase

Extras: Making of, Filmographies, Deleted scenes, Behind the scenes, Booklet, Documentations, Trailer, Audio commentary, Photo gallery, Storyboards

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | Leather-Book: 29.03.2019 | KeepCase: 25.09.2020

 
 

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GINGER SNAPS TRILOGIE – Trailer

 
 




 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Bad Moon (1996)
 
Verflucht (2004)
 
Die Zeit der Wölfe (1984)
 
Raw (2016)
 
Late Phases (2014)
 

Kritik: „Entitled – Ein fast perfektes Opfer“ (2011)

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ENTITLED – EIN FAST PERFEKTES OPFER

Story

 
 
 
Paul (Kevin Zegers) hat die Schnauze voll. Zwei Jahre sind seit seinem Abschluss ins Land gezogen und noch immer wohnt er mangels Einkommen bei seinen Eltern. Als ob die Schmach für den jungen Mann nicht genug wäre, reicht das Gehalt des Vaters langsam nicht mehr für die Medikamente seiner kranken Mutter. Am Ende der Vernunft fasst Paul den Entschluss, die Sprösslinge von drei gut betuchten Geschäftsmännern auf einen unfreiwilligen Urlaub einzuladen und sich diesen von den drei Vätern bezahlen zu lassen. Mit unter der Decke stecken die beiden Komplizen Jenna (Tatiana Maslany) und Dean (Devon Bostick) die ihrerseits ein Hähnchen mit den verwöhnten Klassenfeinden zu rupfen haben. Es beginnt ein Entführungs-Thriller, der seinem Publikum neben gelegentlichen Wendungen auch den einen oder anderen moralischen Denkansatz liefert.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Kritik

 
 
 
Über die Jahre betraten viele kriminelle Protagonisten die Filmbühne, die meisten davon mit ihrer eigenen Rechtfertigung für ihre Taten. Im Fall von Paul Dynan und seines Masterplans ist die Rechtfertigung eine, die zur Zeit in vielen Köpfen der westlichen Welt ihre Runden dreht. Frisch und voller Energie hat der intelligente und fleißige junge Mann die Uni verlassen, nur um festzustellen, dass die Wirtschaft keinen Platz für ihn bietet, der seinen Ambitionen gerecht wird. Während er ein Vorstellungsgespräch nach dem anderen führt, rackert sein Vater sich in Spätschichten den Allerwertesten ab, doch all das reicht nicht einmal, um die medizinische Versorgung eines kranken Familienmitglieds zu sichern, geschweige denn ein Leben zu führen, das den Arbeitsaufwand entschädigt. Also verschiebt der ehrgeizige Paul seinen Fokus und seinen Intellekt auf eine nicht ganz legale Alternative, um an das so wichtige Cash zu kommen.
 
 
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Die soziale und wirtschaftliche Kulisse, vor der sich „Entitled“ abspielt, ist also nicht nur brandaktuell, sondern auch glaubwürdig. Ebenso glaubwürdig ist die Entwicklung der meisten Konflikte im Film, die sich nicht nur zwischen Geisel und Entführer, sondern gelegentlich auch innerhalb der kriminellen Bande und sogar zwischen den drei Vätern abspielen. Die Twists des Films sowie eine Handvoll Überraschungen zum Ende halten derweil souverän die Spannung aufrecht. Die größte Überraschung des Films bleibt jedoch die Verankerung seiner Story in einem glaubhaften, realitätsnahen Hintergrund. Aber wie der Protagonist, der im Lauf des Films oft Sympathie-Punkte gewinnen und wieder verlieren wird, predigt, muss man die Regeln brechen, wenn das Befolgen nicht mehr genügt. Oder?
 
 
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ENTITLED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Der Titel des Films fasst seinen Kern treffend zusammen. Was steht wem zu? Wer verdient Gutes, wer verdient Schlechtes? Der Film lässt mehrere Charaktere mit verschiedenen Philosophien und Ansichten aufeinandertreffen und zieht nebenher einen spannenden, soliden und kurzweiligen Thriller auf, über den man sich sogar nach Ablauf des Abspanns noch unterhalten kann.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Zensur

 
 
 
Von der FSK hat „Entitled“ in seiner unzensierten Fassung das blaue Qualitätssiegel und damit eine Freigabe ab 16 erhalten. Der Film ist zwar nicht überaus brutal oder blutrünstig, die wenigen Gewalteinlagen schlagen jedoch auf Grund ihrer Rohheit und des Verhaltens mancher Charaktere stark ein. Die höhere Einstufung ist auf einige Trailer zurückzuführen, die aus Werbezwecken ebenso auf der Heimkinoveröffentlichung zu finden sind.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Entitled; Kanada 2011

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray aufgrund einiger Trailer: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes, alternatives Ende

Release-Termin: 19.05.2015

 

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ENTITLED – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Maritim Pictures

 
 
 
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