Filmkritik: „Amityville: The Awakening“ (2017)

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AMITYVILLE: THE AWAKENING

(AMITYVILLE: THE LOST TAPES)

Story

 
 
 

Vierzig Jahre nach dem grausamen Massaker an einer Familie im berüchtigten Amityville-Spukhaus zieht dort eine neue Familie ein und bekommt es bald mit dunklen Mächten zu tun.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Kritik

 
 
 
Es gibt wohl keinen anderen Horrorfilm, der mittlerweile so viele Fortsetzungen spendiert bekommen hat, dass wohl die meisten Gruselfans so langsam den Überblick verloren haben dürften. Mit 19 Verfilmungen gehört die Geschichte um das Spukhaus im amerikanischen Amityville zu einem der meistverfilmtesten Horrorfilmthemen aller Zeiten und das, obwohl sich die Filmserie bisher nicht sonderlich weiterentwickelt hat. Auch Verfilmung Nummer 19 macht da keine Ausnahme. Die schimpft sich AMITYVILLE: THE AWAKENING und schaut nach vielen Billigproduktionen der Horrorhaus-Reihe immerhin mal wieder nach etwas aus. Der Grund: Hollywoodproduzent JASON BLUM und die BRÜDER WEINSTEIN haben Geld lockergemacht. Leider schien man mit dem fertigen Ergebnis nicht sonderlich zufrieden gewesen zu sein. AMITYVILLE: THE AWAKENING hat nämlich eine beinahe schon lächerliche Veröffentlichungsodyssee hinter sich und wurde mehrfach verschoben, so dass kaum noch jemand an eine Veröffentlichung glaubte hat.
 
 
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So wurde der Spuk-Horror bereits 2014 fertiggestellt und sollte im darauf folgenden Jahr in die Kinos kommen. Daraus wurde aber nichts. Offenbar hatte man wenig bis überhaupt kein Vertrauen in die Qualitäten der genannten Fortsetzung. Deshalb ordnete man Nachdrehs an, überarbeitete den kompletten Film und schnitt ihn auf eine jugendkonforme PG13-Fassung herunter, um so möglichst viel Umsatz generieren zu können. Nach etlichen Verschiebungen kam er dann drei Jahre nach Fertigstellung endlich in die amerikanischen Kinos – wenn auch nur in limitierter Form. Das Resultat ist angesichts des großen Trubels um den Film nicht der Rede wert. AMITYVILLE: THE AWAKENING ist ein beliebiger Spukhausfilm von der Stange, der kaum Originalität besitzt. Da fragt man sich doch glatt, was die Produzenten an der ersten Filmversion zu bemängeln hatten. Angesichts der Umstände wäre interessant zu erfahren, wie die ursprüngliche Fassung zusammengeschnippelt wurde. Vielleicht wird diese irgendwann kommen. Es wäre nämlich nicht das erste Mal, wenn Regisseure Jahre nach der Kinofassung den obligatorischen Director’s Cut nachschieben. In den meisten Fallen war der besser, als die von Studio oder Produzenten geforderte Filmversion. Man darf doch wohl noch träumen dürfen.
 
 
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AMITYVILLE: THE AWAKENING oder AMITYVILLE: THE LOST TAPES – so wie der Film eigentlich heißen sollte – war wegen der Erfolge von PARANORMAL ACTIVITY anfangs als Found-Footage-Grusler angedacht. Weil ab 2011 langsam keiner mehr Wackelcam-Filme sehen wollte, wurde das Drehbuch kurzerhand umgeschrieben und die Found-Footage-Zutat gestrichen. Nun erzählt der 19. Ableger der Gruselhaus-Serie von einer vom Schicksal gebeutelten Familie, die einen Neustart wagt. Sie zieht in die berüchtigte Horrorbude ein, in der vor vierzig Jahren ein 23-jähriger die gesamte Familie ermordete, weil es ihm dämonische Stimmen befohlen haben. Der Grund: nach einem Sturz aus dem Fenster liegt der Teenager James im Koma. Damit Mutter Joan mehr Geld übrig hat für die Pflege des Jungen hat man sich für den Umzug in das Gruselgemäuer entschieden, weil es günstig zu haben war. Natürlich passieren bald seltsame Dinge. Der Patient wacht aus seinem Koma auf und erfreut sich bald bester Gesundheit. Horrorfilmkenner wissen, dass dieser Zustand nicht von Ungefähr kommt. Das Haus und seine dämonischen Bewohner stecken dahinter und wollen für Unheil sorgen. Gott sei Dank ist die heranwachsende Belle nicht auf den Kopf gefallen. Die riecht den Braten und versucht schlimmstes zu verhindern. Klingt konventionell und ist es natürlich auch.
 
 
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Visuell macht es AMITYVILLE: THE AWAKENING der Neuverfilmung von THE AMITYVILLE HORROR aus dem Jahre 2005 gleich. Die Filme sind von der Optik her aus einem Guss und überzeugen durch finstere Bilder und jede Menge plakative Schreckmomente. Interessant ist aber, dass der hier vorgestellte Film alle bisherigen Verfilmungen über das Amityville-Horrorhaus leugnet. Regisseur FRANCH KHALFOUN knüpft mit AMITYVILLE: THE AWAKENING vierzig Jahre nach den wahren Begebenheiten im amerikanischen Amityville an und ließ sich den Spaß nicht nehmen, den Originalfilm von 1979 zu erwähnen. Den schauen sich die Protagonisten im Film an und ziehen danach Parallelen zu Vorfällen, die ihnen nun so ähnlich im Haus widerfahren. So wird der komatöse James aus unerklärlichen Gründen wieder gesund, um anschließend von Dämonen getrieben die eigene Familie auszulöschen. Dessen Mordversuch ist auch schon die eigentliche Quintessenz genannten Horrorstreifens. Während die erste Filmhälfte mit viel Leerlauf und konventionellem Einheitsbrei zu kämpfen hat, wird in den letzten dreißig Minuten an der Spannungsschraube gedreht. Offenbar dürfte es sich hier noch um fast unangetastete Fragmente der ersten Filmversion handeln, denn das schaurige Finale tritt weit weniger holprig in Erscheinung, als der traurige Rest von AMITYVILLE: THE AWAKENING. Leider sieht man dem Streifen nachträgliche Gewaltkürzungen an, um ein PG-13 erreichen zu können. Gerade im Schlusskampf wird krampfhaft weggeblendet, wenn der besessene James mit dem Schrotgewehr durchs Haus saust, um die Liebsten zu töten. Das stößt bei jenen bitter auf, die schon seit über drei Jahren vergebens auf die Veröffentlichung des Gruselfilms gewartet haben. Zwar ist AMITYVILLE: THE AWAKENING immer noch besser, als all die minderwertigen Low-Budget-Ableger der letzten Jahre. Angesichts der Tatsache, was machbar gewesen wäre, ist der 19. Film der Reihe dann doch eine Enttäuschung. Der wenig geübte Mainstram-Zuschauer kommt auf seine Kosten. Wer schon ein paar Horrorfilme über Spukhäuser gesehen hat, winkt dankend ab. Zu Recht!
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Visuell ansprechender Gruselfilm mit spannendem Finale und einigen gut sitzenden Schockmomenten. Dennoch: Was 2011 als unheimliche Erforschung des Amityville-Mythos angedacht war, ist weit konventioneller als erwartet. AMITYVILLE: THE AWAKENING ist ziemlich holprig, was wohl auf die desaströse Entstehungsgeschichte des Films zurückzuführen sein dürfte. Ansonsten ist der mittlerweile schon 19. Film der Amityville-Reihe kaum der Rede wert. Er spult im Grunde genommen das ab, was man schon so ähnlich im Originalfilm und dem Remake von 2005 gesehen hat. Höhepunkt ist dabei das düstere Finale in dem endlich auch einmal Horror zelebriert wird. Davor gibt es nur zähen Budenzauber und viele unnötige Szenen zu sehen, die dem Horrorfan schon im Trailer gezeigt wurden. Regisseur FRANCH KHALFOUN dürfte genauso enttäuscht über das Resultat gewesen sein, wie der Zuschauer. Der Filmemacher hat nämlich ein talentiertes Händchen fürs Angstmachen und schon deftiges Zeug fürs Kino gemacht. Darunter das gelungene Remake zum Kulthorror MANIAC und den Parkhaus-Thriller P2 – SCHREIE IM PARKHAUS. Weil JASON BLUM und DIMENSION FILM nicht mit dem fertigen Amityville-Film zufrieden waren, musste der Regisseur seine Visionen verwerfen und nach den Wünschen der Auftraggeber neudrehen und umschneiden. Das Resultat entspricht demzufolge nicht mehr dem, was FRANCH KHALFOUN eigentlich verfilmt hat. Der Albtraum eines jeden Filmemachers.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Zensur

 
 
 
In AMITYVILLE: THE AWAKENING werden zwei Protagonisten am Ende erschossen. Leider passiert das im Off – vermutlich auch deshalb, weil man in Amerika bereits geschnitten hat, um eine jugendkonforme Fassung fürs Kino zu erhalten. Blut sucht man – mal abgesehen von einer Kopfwunde – demnach vergebens. Das dürfte auch hierzulande eine FSK16 sicher machen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Dimension Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 
The Remains (2016)
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 

Filmreview: „The Nesting“ (1981)

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THE NESTING – HAUS DES GRAUENS

Story

 
 
 
Schriftstellerin Lauren (Robin Groves) ist Agoraphobikerin, fürchtet sich also vor der Atmosphäre öffentlicher Plätze. Ihr Freund meint’s nur gut und entführt sie in den Urlaub aufs Land, raus aus dem Trubel der Metropole. Gut gemeint ist meistens das Gegenteil von gut gemacht und so hat das arme Mädchen bald mit den gruseligen Visionen zu tun, die medial begabte Horrorfilmprotagonisten im Kontakt mir ekelhaften, verlassenen Landhäusern immer frei Haus (schlechtes Wortspiel, weiß ich) geliefert bekommen. Ob gewollt oder nicht. Hier sind das nervösmachende Geräusche vom Dachboden oder eine Party mit Gästen, die Robin nicht wirklich zuordnen kann. Werfen wir noch unfreundliche Mitglieder der Umlandbevölkerung oder übergeschnappte Nachbarn in die Rezeptur und fertig ist der Horrorreißer, der seine Artgenossen auf die Plätze verweisen kann. Oder wenigstens will …
 
 
 


 
 
 

THE NESTING – Kritik

 
 
 
Wenn wir ehrlich sein wollen, ist THE NESTING mal wieder ein Genrefilm, dessen Begleitumstände im Hintergrund interessanter sind als die doch relativ altbackene Handlung per se, in diesem Fall ein spukiges Spukhaus und so weiter. Regisseur Armand Weston kam von der anderen Seite des Grindhouse-Zaunes, der Pronographie nämlich. Hier verdingte er sich als beliebter Lieferant eher ruppiger Knatterfilme, den so genannten Roughies. Zu seinen bekannteren Flutschwerken zählt etwa der überharte Schändungsschocker DEFIANCE, in dem Fred J. Lincoln (kürzlich verstorben und bekannt als David Hess’ nicht minder perverser Kompagnon Weasel Podowski in LAST HOUSE ON THE LEFT) einen sektenguruartigen Verführer junger und nackiger Dinger gibt. Hinter THE NESTING steht der Wunsch einer Produktionsgesellschaft, auf den Ende der Siebziger sehr populären Zug von Haunted-House-Filmen nach dem Muster von THE AMITYVILLE HORROR aufzuspringen. Ein Unterfangen, was hier aber leider mit mangelnden production values und genereller Uninspiriertheit zu kämpfen hat. Die Schauspieler geben ihr bestes, sollten aber nicht als Kinolegenden im Lichtspiel-Pantheon enden. Erfreulich wenig Berührungsängste mit Hollywoods schmierigerer Seite zeigen zwei Stars goldener Zeiten: Gloria Grahame, in ihrer letzten Rolle sogar, und der wie immer völlig schmerzfreie Rekordschauspieler John Carradine. Beide tun, wofür’s Gage gibt: Sie spielen die Rollen von Schauspielern in einem Film.
 
 
 


 
 
 

THE NESTING – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Bahnhofskinoschmutz aus dem ungut müffelnden Zelluloidzwielicht der 42. Straße New Yorks. Hätte auch in Double Features von Horrorschocker plus rauem Pornofilm eine gute Figur gemacht. Außerdem: Was zu VHS-Zeiten auf dem fies-üblen Label Mike Hunter erschienen ist, hat immer Schmuddelbonus.
 
 
 


 
 
 

THE NESTING – Zensur

 
 
 
Alle bisherigen deutschen Veröffentlichungen auf DVD, Laserdisc und VHS waren nicht komplett. Das Label MOTION PICTURE ändert das und wagt nun den ersten kompletten Release in Deutschland. Um einer kostenspieligen FSK-Prüfung aus dem Weg gehen zu können, wurde die erste deutsche HD-Veröffentlichung ungeprüft im schicken Mediabook auf den Markt geworfen. Das kann wie immer bei „heißer“ Ware nur bei einschlägigen Onlinehändlern, Privathändlern oder auf Filmbörsen gekauft werden.
 
 
 


 
 
 

THE NESTING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mediabook Motion Picture

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Nesting; USA 1981

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 1.0 Mono), Deutsch – Kinomix (Dolby Digital 1.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 1.0 Mono)

Untertitel: Deutsch (an einigen Stellen im Film Originalsprache mit Untertitel)

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 103 Min.

FSK: nicht von der FSK geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook mit 16-teiligem Buchteil auf 1000 Stück limitiert – keine Limitierung auf dem Buchteil ersichtlich

Extras: entfernte & erweiterte Szenen (12:02), Fotogalerie (14:30), Englischer Trailer (1:55), Deutscher Trailer (2:02), Spanischer Trailer (1:55), 3 TV Spots am Stück (1:36), zusätzliche DVD mit dem Hauptfilm, Buchteil

Release-Termin: 16.05.2014

 
 
 
Rechteinhaber MOTION PICTURE veröffentlicht THE NESTING in einer dieser edlen Sammler-Veröffentlichungen, die unter Fans düsterer Horrorware immer mehr Liebhaber findet: Das Mediabook. Ob die Buch-Variante für diesen eher unbedeutenden Streifen hätte wirklich sein müssen, sei mal dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass MOTION PICTURE dem Film eine optisch durchaus ansprechende Veröffentlichung spendiert hat, die Mediabooks aus dem Hause NSM, XT & Co. in nichts nachsteht. Die optische Präsentation macht im Gegensatz zu genannten Nischenlabels sogar einen weitaus professionelleren Eindruck, gefällt der Buchteil gerade aufgrund seiner Schlichtheit. Sieben Seiten Text wollen gelesen werden – der Rest dieser Veröffentlichung wurde mit Aushangbildern gefüllt. Natürlich darf in einem Mediabook neben der HD-Fassung des Streifens nicht die DVD fehlen, die hier als notdürftiges Übel mit beiliegt, so dass auch Filmsammler zugreifen können, die noch nicht im Full-HD-Zeitalter angekommen sind. Leider hat meist auch das schönste Release einen Haken. Im Falle der ersten HD-Veröffentlichung von THE NESTING in Deutschland fehlen Extras. Die waren jedoch auch auf den bisherigen deutschen Heimkino-Medien nicht enthalten. Trotzdem wären ein Audiokommentar und ein kleines Feature mit Interviews aller Beteiligten schön gewesen. So haben es gerade einmal Trailer und erweiterte/gelöschte Szenen auf den Silberling geschafft. Ärgerlich! Bleibt zu erwähnen, dass das schicke Mediabook nicht im regulären Handel erhältlich ist. Weil das Mediabook nicht FSK-geprüft veröffentlicht wurde, muss der Filmfan Umwege beim Besorgen des Sammlerstücks in kauf nehmen. Die bekannten Onlineshops aus dem deutschsprachigen Ausland vertreiben das auf 1000 Stück limitierte Mediabook. Aber auch die OFDB oder Privathändler bei AMAZON führen das gute Stück im Sortiment.
 
 

The Nesting – Haus des Grauens – Mediabook [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE NESTING – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig / Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Grauen (1980)
 
Tanz der Totenköpfe (1973)
 

Filmreview: „Dead Souls“ (2012)

dead souls 2012
 
 
 

DEAD SOULS

Story

 
 
 
Johnny Pietrie (Jesse James) erbt an seinem Achtzehnten ein mysteriöses Anwesen, in dem sich kurz nach seiner Geburt Schlimmes zugetragen hat: Vater Benjamin Conroy tötete im Wahn die gesamte Familie. Nur Johnny konnte vor dem Massaker geschützt werden und wuchs bei Pflegeeltern auf. Jetzt begibt er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit und stößt dabei auf ein finsteres Familiengeheimnis, das sich für den unwissenden Johnny bald zur tödlichen Bedrohung entwickelt…
 
 
 


 
 
 

DEAD SOULS – Kritik

 
 
 
COLIN THEYS ist ein im Horror-Genre geradezu festgefahren Filmemacher. Nach seinem Creature-Trash BANSHEE – DER SCHREI DER BESTIE (2008) und dem Zombie-Thriller REMAINS OF THE WALKING DEAD (2011), widmet er sich mit DEAD SOULS erneut der Sparte und scheint dabei in die Fußstapfen bekannter Horror-Regisseure treten zu wollen, die eine Vorliebe für Phantastisches besitzen und ausschließlich solcherlei Filme drehen wollen. Trotz gerade einmal 28 Lenzen hat der Amerikaner schon allerhand Filmluft schnuppern und sich u.a. durch Arbeiten als Visual-Effects-Künstler, Regisseur, Produzent und Schauspieler ein umfangreiches Fachwissen aneignen können. Auch wenn er bisher nur Horrorfilme realisieren konnte und eigentlich eine Leidenschaft für Science-Fiction hegt, erfüllte er sich 2010 einen Traum und drehte im bevorzugten Genre den B-Movie-Spaß ALIEN OPPONENT, der aber in hiesigen Gefilden vergebens auf eine Auswertung wartet. Erstaunlicherweise hat sich THEYS bisher technisch durchaus weiterentwickeln dürfen, denn bereits REMAINS und DEAD SOULS zeugen, trotz mageren Budgets, von beachtlicher Fingerfertigkeit und schauen erstaunlich hochwertig aus – was man gerade von Filmen, die direkt für den Heimkinomarkt produziert werden nur selten behaupten kann. Nach Aliens, geifernden Monstern und sabbernden Zombies rückt jetzt der Spukfilm ins Interesse des Regisseurs. Sichtlich von der THE AMITYVILLE HORROR-Filmreihe inspiriert, hat er sich mit DEAD SOULS für die filmische Adaption eines Romans von MICHAEL LAIMO entschieden und versucht nun als subtiler Grusel-Maestro die Fan-Gunst zu gewinnen. Interessanterweise handelt es sich bei DEAD SOULS um die zweite Auftragsarbeit des amerikanischen CHILLER-TV-Senders, quasi das Äquivalent zum SCI-FI-CHANNEL, der das Programm vornehmlich mit Horrorfilmen und Thrillern befüllt und nun sogar selbst Filme produziert. Während der erwähnte SCI-FI-CHANNEL vornehmlich durch schlechten aber gleichzeitig immer besser beworbenen TV-Trash von sich hören macht, versucht der CHILLER immerhin mit ernstzunehmenden Produktionen zu punkten.
 
So ambitioniert die Idee, so ideenlos die Umsetzung dieses aktuellen Werks von CHILLER FILMS. Gut, DEAD SOULS sieht für einen B-Movie-TV-Heuler beachtlich düster aus und auch die Score braucht sich vor ähnlichen Mainstreamproduktionen nicht zu verstecken. Dennoch; es will einfach nichts Packendes passieren und das, obwohl der Film mit seinem tobenden Prolog vielversprechend beginnt. Wir erleben Vater Benjamin Conroy, der im rituellen Wahn die gesamte Familie ausradiert. Einzig Baby Johnny kann in Sicherheit gebracht werden und wächst fortan bei Adoptiveltern auf. Achtzehn Jahre später beginnt die eigentliche Geschichte und Johnny (JESSE JAMES) erhält einen Brief, in welchem er erfährt, dass er sein Erbe antreten soll: ein altes Anwesen tief im Wald, in dem zu seiner Zeit das schreckliche Verbrechen begangen wurde. Adoptivmutter Mary Petrie (GERALDINE HUGHES) findet das natürlich rein gar nicht lustig und erleidet nach Info über das Erbe kurzum einen Schwächeanfall, worauf sie für einige Tage in das naheliegende Krankenhaus gebracht wird. Johnny scheint nicht wirklich berührt, ist doch Stiefmutter Mary ein Hypochonder, wie er im Buche steht. Neugierig, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, reist er zu jener alten Hütte aus seiner Kindheit und stößt dort nicht nur auf die fremde Emma (MAGDA APANOWICZ), die sich seit einigen Tagen als Hausbesetzerin in der vermeintlich leerstehenden Behausung versteckt hält, sondern auch auf eine Scharr aufgebrachter Bürger der Gegend, die keinen Nachfolger der Conroy-Sippschaft in ihrem friedlichen Örtchen dulden wollen. Damit das Kischee-Handbuch für routinierte Geisterjäger auch mit allerhand bekanntem vollgestopft werden kann, gesellen sich zu besessenen Hunden und ominösen Visionen auch schnell allerhand paranormale Ereignisse und Unmengen von Krähen, die stets als Vorbote des bevorstehenden Unheils durch das Bild flattern und Johnny dazu bewegen, das unheimliche Familienrätsel lösen zu wollen.
 
Spektakulär sieht anders aus und wirklich spannend wollen die Ereignisse rund um das alte Gemäuer nicht werden. Vielmehr will der Zuschauer das Gefühl nicht loswerden, man hätte für DEAD SOULS etwas zu ehrgeizig auf das bekannte AMITYVILLE-Spukhaus-Franchise geschielt. Eigenständige Ideen sucht man vergebens. Stattdessen wird ein regelrechtes Best Of gängiger Gruselzutaten auf Film gebannt, was nicht selten erheblich ermüdend und vorhersehbar wirkt. Schade eigentlich, denn den Szenenbildner allein ist es zu verdanken, dass DEAD SOULS zumindest optisch ein Hochgenuss bleibt. Die haben durchaus Liebe zum Detail bewiesen und begeistern mit wirklich schauderhaften Kulissen, die mit Einfallsreichtum und Kreativität eine beachtlich morbide Atmosphäre erzeugen. Das beginnt mit herrlich vergilbten Tapeten und endet in steriler Krankenhaus-Kulisse, durch deren Gänge eine krächzende Krähe stiefelt. Auch wenn Regisseur COLIN THEYS mit DEAD SOULS auf technischer Seite beweist, dass günstig produzierte Filme nicht zwangsläufig minderwertig aussehen müssen, so ist doch bedauerlich, dass sein neuster Beitrag uninspirierte Durchschnittsware ist, die nicht lange im Gedächtnis haften bleiben wird. Ganz nach der Devise „Außen hui – Innen pfui“, erleben wir mit DARK SOULS einen zwar technisch versierten und solide umgesetzten Geisterfilm der wahrlich schick wirkt; inhaltlich ist hier aber „tote Hose“, so dass dieser Budenzauber kaum einen Filmfreund vom Hocker reißen wird.
 
 
 


 
 
 

DEAD SOULS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
EVIL DEAD meets THE AMITYVILLE HORROR. Solider Spukfilm, der zwar erstaunlich schick und unheimlich ausschaut, aber der keine eigenständigen Ideen liefert. Hier werden die besten Szenen bekannter Geisterfilme zusammengetragen und formschön aufbereitet – neu und sehenswert ist das nicht wirklich, gruselig erst recht nicht!
 
 
 


 
 
 

DEAD SOULS – Zensur

 
 
 
DEAD SOULS ist relativ blutleer. Hier handelt es sich um einen subtilen Geisterfilm, in dem kaum Blut fließt. Von daher wurde DEAD SOULS ungeschnitten und frei ab 16 Jahren in Deutschland veröffentlicht. Dennoch ACHTUNG: Die Heimkinofassung trägt trotz 16er-Freigabe den rote KJ-Flatschen. Grund hierfür: Das Bonusmaterial der Scheibe.
 
 
 


 
 
 

DEAD SOULS – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Justbridge Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dead Souls; USA (2012)

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung) – Film ist jedoch FSK16

Verpackung: Amaray

Extras: Trailer

Release-Termin: 12.09.2014

 
 
 

Dead Souls [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DEAD SOULS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Amityville Horror (1979)

The Amityville Horror (2005)

Amityville 2 – Der Besessene (1982)

Filmreview: „The Amityville Haunting“ (2011)

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THE AMITYVILLE HAUNTING

Story

 
 
 
Trotz grausamer Vorgeschichte bezieht Familie Benson das unheimliche Amityville –Spukhaus, indem Jahrzehnte zuvor ein blutiges Familienmassaker stattfand. Nach anfänglich unerklärbaren Phänomenen freundet sich die 6-jährige Tochter Melanie mit einem imaginären Freund namens „John“ an, der ihr erzählt, dass er seit sehr langer Zeit in dem alten unheimlichen Haus leben würde. Doch niemand will dem kleinen Mädchen so recht Glauben schenken. Als der Vater nach diversen seltsamen Vorfällen besorgt um das Wohl seiner Kinder ist, lässt er überall im Haus Überwachungskameras installieren und muss erschreckend feststellen, dass die Familie scheinbar doch nicht ganz so allein im Haus ist, wie anfänglich vermutet …
 
 
 


 
 
 

THE AMITYVILLE HAUNTING – Kritik

 
 
 
Nachdem das Found-Footage-Genre mit dem Kassenschlager PARANORMAL ACTIVITY weltweit richtig bekannt wurde und bei Filmfans auf dem gesamten Globus für reichlich Nervenkitzel gesorgt hat, scheinen sich nun auch Ableger bekannte Horrorklassiker der recht lukrativen Filmmethode zu bedienen. Der wohl bekannteste unter den Spukhausfilmen THE AMITYVILLE HORROR (1979) zog bisher unzählige Fortsetzungen nach sich. Doch vermutlich wurde die Kuh noch nicht gänzlich leer gemolken. Im Zuge erfolgreicher Wackelcam-Hits wie V/H/S 2 und erfolgreichem Geisterkino, dürfte es niemanden überraschen, dass auch jenes Horror-Franchise noch einmal für eine Vermarktung herhalten musste, um maximale Gewinne auf die Konten raffgieriger Produzenten fließen zu lassen.
 
THE AMITYVILLE HAUNTING schaut handwerklich durchaus solide aus, insofern man schwindelfrei genug ist, dass planlose Umhergewackel der Digitalkamera ertragen zu können. Denn wie in unzähligen anderen derartigen Werken zuvor, sieht man das Geschehen vorwiegend aus der Sicht von Haus- und Überwachungskameras. Regisseur GEOFF MEED scheint seine Hausarbeiten gründlich erledigt zu haben, denn die Erfolgszutaten eines PARANORMAL ACTIVITY werden auch in THE AMITYVILLE HAUNTING verwendet. So finden sich auch hier bekannte Schockelemente und Kameraperspektiven wieder, die man bereits im besagten Found-Footage-Kassenschlager zu sehen bekam. Oftmals wurde so dreist kopiert, dass man sogar meinen könnte einem weiteren Sequel aus dem PARANORMAL ACTIVITY-Universum beizuwohnen. Von Türen, die sich wie von Zauberhand schließen bis hin zu Kindern, die mit imaginären Freunden quasseln werden alle erdenklich bekannten Spukhausklischees abgehakt und bis zum Erbrechen wiederholt. Gerade weil THE AMITYVILLE HAUNTING nichts Eigenständiges und Neues zu sagen hat und sich die Geschehnisse im Gruselhaus arg hölzern und unspektakulär gestalten, macht sich schnell Langeweile beim Zuschauen breit. Die technische Komponente des Kamerabild-Totalausfalls beim bevorstehenden Erscheinen der bösartigen Präsenz mit der Tochter Melanie gern die Freizeit verbringt, ist zwar anfangs durchaus effektiv, beginnt jedoch nach der zehnten Wiederholung gehörig auf die Nerven zu gehen. Scheinbar war Regisseur GEOFF MEED darum bestrebt, die nicht vorhandene Spannung und die ungruselige Spukatmosphäre mit jener Zutat steigern zu wollen, bewirkt aber den gänzlich gegenteiligen Effekt. Leider hat THE AMITYVILLE HAUNTING nicht nur mit wilder Wackelei zu kämpfen. Auch mit der Logik hapert es im neusten AMITYVILLE-Teil – von wirklicher Gruselstimmung ganz zu schweigen. Die Handlungsbeweggründe der Protagonisten sind selten nachvollziehbar. So leuchtet nicht ein, die Familie überhaupt noch in ihrem gruseligen Heim hält, wenn bereits die Vorgeschichte ihres neuen Heims bekannt ist und innerhalb weniger Tage nach Einzug schon drei Menschen im Haus ums Leben bekommen sind.
 
Sohnemann und Kameramann (er filmt die Ereignisse mit seiner Kamera) Tyler ist dabei von unglaublich dummer Sorte. Nicht nur, dass seine Rolle mit einem Statisten besetzt wurde; sein Hang zum logischen Denken scheint mit dem Bezug seines neuen Zimmers auch abhanden gekommen zu sein. So bleibt wenig einleuchtend, warum sich der Sohnemann nach all den mysteriösen Ereignissen im Haus nicht die Mühe macht und sich das von ihm gefilmte Kameramaterial anschaut. Denn hätte er frühzeitig sein Filmmaterial nach Merkwürdigkeiten durchforstet, wären dem Zuschauer und den Protagonisten manch Dummheit erspart geblieben, THE AMITYVILLE HAUNTING ist Fastfood-Horror für Zwischendurch. Während Spukhausfreunde und Fans des polarisierenden Found-Footage-Genres mit Sicherheit gut unterhalten werden, dürften alte Horrorfilm-Hasen an diesem austauschbaren Einheitsbrei nur wenig Gefallen finden. Für Letztere sei empfohlen den Original-AMITIYVILLE aus dem DVD-Regal zu kramen und in den Player zu legen. Auch wenn der Klassiker nicht mehr der Frischeste ist und im Gegensatz zu effekthascherischen Mainstream-Erfolgen wie THE CONJURING reichlich bieder daherkommt, ist der von STUART ROSENBERG inszenierte Erstling immer noch um Welten besser, als das was GEOFF MEED mit seinem THE AMITYVILLE HAUNTING serviert.
 
 
 


 
 
 

THE AMITYVILLE HAUNTING – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Was sich da wie ein weiterer Teil der beliebten AMITYVILLE-Reihe aufzuzwängen versucht, ist eigentlich weniger AMITYVILLE HORROR als vielmehr PARANORMAL ACTIVITY. Der bekannte Spukhaus-Klassiker wurde hier mit derzeit beliebten Found-Footage-Elementen kombiniert und ist eine Schlaftablette vor dem Herrn. Gerade weil wackelige Kameras seit Jahren in fast jedem zweiten Horrorfilme auf den Zünder gehen, verursacht THE AMITYVILLE HAUNTING mehr Frust statt Unterhaltung. Die altbekannte Geschichte des Horrorhauses besitzt kaum Neuerungen und der Gruselfaktor wird auf Sparflamme geköchelt, schließlich gruseln Schockeffekte nicht, die man so ähnlich schon zig Mal auf dem Bildschirm hatte. Eine öde Rückkehr in das vermutlich bekannteste Spukhaus der Welt.
 
 
 


 
 
 

THE AMITYVILLE HAUNTING – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von THE AMITYVILLE HAUNTING ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Wegen dem Bonus der hiesigen Heimkinofassung wurden Selbige jedoch erst ab 18 Jahren freigegeben. Demnach ziert die deutsche Fassung der KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE AMITYVILLE HAUNTING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Star Movie / Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: THE AMITYVILLE HAUNTING; USA 2011

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film eigentlich FSK16, wegem dem Bonusmaterial jedoch: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Interviews mit Augenzeugen

Release-Termin: 06.12.2012 (Erstauflage) – 18.07.2014 (Zweitauflage)

 
THE AMITYVILLE HAUNTING erschien bereits Ende 2012 von GREAT MOVIE auf Heimkinomedium. Nun, zwei Jahre später kommt der Streifen in einer Neuauflage in die Händlerregale. STAR MOVIE / EDEL GERMANY werten die gleiche Scheibe mit leicht verändertem Rückcover erneut auf DVD und Blaustrahl aus. Der Inhalt bleibt gleich.
 
 
 

The Amityville Haunting [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE AMITYVILLE HAUNTING – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

 
 
 
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The Amityville Horror (1979)