Filmreview: „Alexandre Aja´s Maniac“ (2012)

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ALEXANDRE AJA´s MANIAC

Story

 
 
 
Frank Zito (Elijah Wood) arbeitet in einer Werkstatt für alte Schaufensterpuppen, die sich seit Generationen in Familienbesitz befindet. Bereits seit seiner Kindheit ist sein Verhältnis zu Frauen gestört und so streift nun schüchtern wirkender durch die Straßen von Los Angeles, immer auf der Suche nach ahnungslosen Zufallsbekanntschaften, die er brutal umbringen und skalpieren kann. Die Trophäen drapiert er auf den Häuptern seiner Schaufensterpuppen, mit denen er auch kommuniziert. Als er die französische Fotografin Anna (Nora Arnezeder) kennenlernt, gerät sein Leben gänzlich aus den Fugen. Nicht nur, dass er sich in die junge Frau verliebt; auch sein geheimes Doppelleben droht aufgedeckt zu werden …
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Kritik

 
 
 
Der französische Regisseur & Produzent ALEXANDRE AJA sollte mittlerweile jedem Genrefan ein Begriff sein, war er doch verantwortlich für HIGH TENSION, jene Comeback europäischen Extremhorrors, das Remake des Wes Craven-Klassikers THE HILLS HAVE EYES und für die Neuverfilmung des koreanischen Mystery-Thrillers MIRRORS. Aufgrund der lukrativen Recycling-Maschinerie Hollywoods war es nur eine Frage der Zeit bis auch WILLIAMS LUSTIGS Kultfilm MANIAC in den Genuss einer Frischzellenkur kommt. Als glattgebügelter Reboot findet nun die Neuverfilmung unter dem kassenträchtigen Banner ALEXANDRE AJAs MANIAC ihren Weg in die heimischen DVD- und Blu-ray-Player, wobei die internationale Titelschmiede den Filmfreund einmal mehr versucht, dreist hinter das Licht zu führen. Zwar wird auf dem Kinoplakat mit dem international anerkannten Namen AJAs geworben; MANIAC umgesetzt hat dennoch ein ganz anderer. Ein raffinierter Schachzug, wird durch diesen dreisten Etikettenschwindel versucht, den weltweiten Verkauf von Bildträgern des Film anzukurbeln. Ganz so weit hergeholt ist die Involvierung AJAs in das Projekt dann doch wieder nicht. Der kreative Franzose nahm zwar hier nicht auf dem Regiestuhl platz, fungierte jedoch als erfahrener Produzent und Autor und übergab die Regie für das Projekt an seinen langjährigen Freund FRANCK KHALFOUN, den er am Set zu HIGH TENSION kennengelernt hatte. KHALFOUN, kein unbekannter im Genre, bewies bereits mit der Umsetzung des von AJA produzierten P2-SCHREIE IM PARKHAUS, dass er ein geschicktes Händchen für markerschütterndes Thriller-Kino besitzt und versucht nun mit seiner Version des berüchtigten MANIAC, den unlängst in die Jahre gekommenen Kultklassiker einem neuen Publikum zugänglich zu machen.
 
Seit seinem deutschen Kinostart am 14. November 1980 hatte es das Original bisher nicht leicht in Deutschland. Kurz nach seiner Uraufführung wurde der Film bundesweit beschlagnahmt und steht auch heute noch, weit über 30 Jahre nach seiner Entstehung, in der ungeschnittenen Fassung auf dem Index für jugendgefährdende Medien. Eine etwas groteske Anmutung, wenn man bedenkt, dass sich die Neuauflage durchaus sadistischer und zeigefreudiger in ihren Gewaltdarstellungen gibt und die Effekte bei weitem realistischer und expliziter in Erscheinung treten. Dennoch hatte auch die Neuauflage bei der hiesigen Zensurbehörde ihre Problemchen. Zwar lief die Originalfassung in den deutschen Lichtspielhäusern noch in der ungeschnittenen Urversion frei ab 18 Jahren; das Label ASCOT ELITE stieß aber mit einer weiteren Prüfung für die kommende Heimkinoauswertung auf wenig Gegenliebe seitens der FSK. Diese verweigerte dem Film die Freigabe in seiner ungeschnittenen Form, so dass ALEXANDRE AJAs MANIAC nun in zwei Schnittvarianten erhältlich ist: gekürzt, als FSK-geprüfte Version für den regulären Handel sowie ungeschnitten mit SPIO/JK-Kennzeichnung für die deutschen Videotheken.
 
Nach all den mal mehr, mal weniger brauchbaren Neuverfilmungen der letzten Jahre, stellt sich bei Fans des Originals natürlich direkt die Frage, ob der aktuelle Aufguss eigentlich überhaupt hätte von Nöten sein müssen. Viele der grandiosen Horrorfilmperlen wurden in vergangener Zeit ungnädig durch die Politur gejagt, wobei nur wenige von ihnen überhaupt den Qualitätsgehalt der Vorlage erreichen konnten. Freunde des aus den 80er Jahren stammenden Originals wird freuen, dass mit ALEXANDRE AJAs MANIAC eine sehenswerte Neuauflage geschaffen wurde, die es hervorragend versteht, sich vom Einheitsbrei dummer Mainstreamware kreativ abzuheben und es dabei sogar noch schafft, durch Stimmigkeit zu überzeugen. Regisseur KHALFOUN kopiert das Grundkonzept der Lustig´schen Geschichte nicht eins zu eins, sondern versucht der Handlung vom mordgierigen Irren eine eigene Note zu verleihen. Das macht sich vor allem bei der Auswahl des Hauptdarstellers bemerkbar. Mimte der robuste JOE SPINELL im Original noch den Antipathen mit zerzaustem Haar und irrem Blick, so erstaunt, dass im Reboot ausgerechnet der unscheinbare und fragil wirkende ELIJAH WOOD die Rolle des psychotischen FRANK ZITO übernahm. Der Amerikaner bewies bereits durch sein Schauspiel in Werken wie SIN CITY und HOOLIGANS, dass er durchaus wandelbar ist und sich nicht zwangsläufig in eine Schublade stecken lassen möchte. Auch wenn er als MANIAC bei weitem weniger impulsiv und widerlich zur Tat schreitet wie SPINELL 32 Jahre zuvor, schafft es WOODS dennoch seine Rolle mit einer geheimnisvollen und unnahbaren Aura zu umgeben, was aber nicht heißen soll, dass sein FRANK ZITO dadurch nicht weniger krank und perfide in Erscheinung tritt. Der neue Frank schreitet unauffälliger, zerbrechlicher und bedachter zur Tat, wobei diese Prämisse nicht bedeuten soll, dass der neue MANIAC weniger schockiert und bewegt. Aufgrund der radikalen Kameraführung, welche die Geschehnisse aus der Egoperspektive zeigt, wirkt das Remake bei weitem härter und kompromissloser als sein betagter Vorgänger. Der Zuschauer wird gezwungen, in die Position des Killers zu schlüpfen und die Taten mit seinen Augen zu sehen. Diese Sichtweise grenzt sich nicht nur erfrischend vom Original ab sondern wirkt in seiner Kompromisslosigkeit gelegentlich gar nah am Experimentalfilm, was ALEXANDRE AJAs MANIAC weniger massentauglich macht und ihn in fast schon für die Geschmäcker kontroverserer Arthouse-Filmfans interessant macht.
 
Auch wenn FRANCK KHALFOUN stets darum bemüht ist, seinen MANIAC in ein andersartiges, zeitgemäßes Gewand zu verpacken, ist seine Interpretation nicht von Makeln gefreit. So wird die Psychologie des Täters nur schemenhaft umrissen, sein Vorgehen stattdessen reißerisch, plakativ und krude bebildert. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung steht das Remake zwar immerhin gänzlich auf Höhe der Zeit und diesbezüglich anderen radikalen Horrorschockern der letzten Jahre in nichts nach. In diesen Momenten der Nachlässigkeit zeigt die Neuverfilmung, gerade durch die minutiös zelebrierten Skalpierungsszenen, ihre andere Seite. Die des waschechten, schmuddeligen Exploitation-Kinos, was für den Otto-Normalzuschauer ebenfalls schwer verdaulich sein dürfte. Trotzdem, auch wenn sich die Spannung hin und wieder in Grenzen hält und der Film mit kleinen Längen zu kämpfen hat, schafft es der unangenehme Bilderrausch einen merklich melancholischen Grundton zu entwickeln, der in Kombination mit dem hervorragenden Retro-Soundtrack gerade jenen Zuschauern gefallen dürfte, die eine Vorliebe für 80er Jahre Slasher-Movies hegen. ALEXANDRE AJAs MANIAC ist mit Sicherheit eines der gelungensten Reboots der letzten Jahre und dürfte Regisseur FRANCK KHALFOUN ein Stück höher in der Liga der außergewöhnlich kreativen Genre-Regisseure Hollywoods katapultieren.
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Eine gelungene Neuverfilmungen, eines berüchtigten Klassikers. Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Zensur

 
 
 
Die deutsche FSK-Fassung mit dem KEINE JUGENDFREIGABE-Aufdruck ist geschnitten. Im deutschsprachigen Ausland sowie in den bundesweiten Videotheken kann die ungeschnittene Fassung mit der SPIO/JK-Kennzeichung erworben werden.
 
 
 


 
 
 

ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Alexandre-Ajas-Maniac-Blu-ray-Cover
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Maniac; Frankreich/USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: KJ (geschnittene Fassung) / SPIO JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Edle, schwarze Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer beim Start der Disc: Maniac (Original) (2:59 Min.), A little bit Zombie (2:17 Min.), Passion (1:00 Min.), Making of (9:47 Min.), Interviews: Elijah Wood (9:36 Min.), Nora Arnezeder (2:18 Min.), Franck Khalfoun (4:10 Min.), Alexandre Aja (4:03 Min.), Kinotrailer (0:49 Min.), Deutscher Trailer (2:02 Min.), Originaltrailer (2:07 Min.), Trailershow: When the Lights Went Out (2:27 Min.), A Lonely Place to Die (1:53 Min.), One Way Trip (1:24 Min.), 11-11-11 – Das Tor zur Hölle (1:42 Min.), Der Kreuzmörder (2:10 Min.), Söldner – Gesetzlos und gefürchtet (1:21 Min.), Eden (2:30 Min.), Einführung von Bill Lustig (00:18 Min.)

 
 
 
Den Beginn, auf der uns vorliegenden Heimkinofassung zu ALEXANDRE AJA´S MANIAC, macht der Trailer zum Original aus dem Jahre 1980. Dieser wird natürlich zeitgleich mit dem Reboot des Filmes auf DVD und Blu-ray veröffentlicht, wobei der interessierte Filmfreund hier jedoch direkt den Umweg ins deutschsprachige Ausland wählen sollte. Denn auch die kommende HD-Auswertung des Ur-MANIAC ist in Deutschland nur gekürzt erhältlich, da der Film hierzulande immer noch in seiner ungeschnittenen Fassung beschlagnahmt ist. Nach zwei weiteren Clips kommender Filme aus dem Hause ASCOT ELITE geht es direkt ins animierte Hauptmenü, wo es neben dem Hauptfilm allerlei Sehenswertes zu erkunden gibt. Neben einem ausführlichen Making of (ca. 10 Minuten, in deutscher Sprache), gesellen sich diverse Interviews aller Beteiligten (insgesamt ca. 20 Minuten). Zudem gibt es verschiedene Trailer zum Film, sowie eine umfangreiche Trailershow weiterer sieben Beiträge aus dem Katalog des Labels zu entdecken. Alle Extras besitzen deutscher Untertitel und liegen in hochauflösender Qualität vor. Technisch hat sich ASCOT ELITE keineswegs lumpen lassen. Das Bild überzeugt durch einen sehr adäquaten Schärfegrad, der vor allem bei den Nahaufnahmen trefflich zur Geltung kommt. Bei einigen Weitwinkelszenen treten hin und wieder kleine Unschärfen auf, die vor allem beim Einsatz diverser Stilmittel zum Einsatz kommen; wiegen jedoch nur selten ins Gewicht. Ansonsten tritt das Bild überwiegend klar und sauber in Erscheinung. Neben dem hervorragenden Bild gesellt sich ein brachialer Ton, der sich durch eine wunderbare Räumlichkeit auszeichnet und es stets perfekt versteht, den tollen Soundtrack optimal zur Geltung zu bringen. Filmfans erhalten mit ALEXANDRE AJA´S MANIAC nicht nur einen sehenswerten Film; auch die hochwertige Technik kann sich durchaus hören und sehen lassen. Bleibt zu erwähnen, dass ASCOT ELITE sogar an ein Wechselcover gedacht hat und die Blu-ray in einer edlen, schwarzen Amaray ausliefert.

Im Übrigen: wer den Film ungeschnitten sehen möchte, sollte auf das SPIO/JK-Zeichen achten. Die deutsche Kaufhausfassung mit dem FSK18-Aufdruck ist geschnitten
 
 

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ALEXANDRE AJA´s MANIAC – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Dominik S.

 
 
Ähnliche Filme:

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Carl (2012)

The Orphan Killer (2011)

Maniac (1980)

Filmreview: „Piranha 3DD“ (2012)

 

 

Ein Jahr nach dem Massaker des ersten Teils sind die aggressiven Killer-Fische wieder da.

Diesmal nistet sich die fleisch- und blutgierige Monsterbrut in den Gewässern eines Erlebnisbades ein, dass kurz vor seiner Veröffentlichung steht. Im Vorfeld sieht sich die taffe „Daniel“ mit den hungrigen Biestern konfrontiert, kann aber zusammen mit ihren Freunden nicht verhindern, dass ihr kommerz-gieriger Stiefvater von der Eröffnung des Freizeitbades absieht. Nachdem die ersten Badegäste eingetroffen sind, fressen sich die „Piranhas“ durch die Abwasserrohre hinein in das Erlebnisbad. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt für alle Beteiligten.

 

 

Nachdem in den letzten Jahren so ziemlich jeder berühmte Horror-Stuff der letzten vier Jahrzehnten durch die amerikanische Remake-Recycle-Presse gejagt wurde, erschien 2010 auch eine Neuauflage des 78er Joe Dante Tierhorror-Thrillers „Piranha“, für den kein geringerer als der französische Newcomer „Alexandré Aja“ auf dem Regiestuhl Platz nahm. Aja, der bereits einige Jahre zuvor mit seinem kompromisslosen Terrorfilm „Haute Tension“ ein glückliches Händchen bewies und mit selbigen die Ära des modernen europäischen Extremhorrorfilms einläutete, fand mit seiner kreativ blutrünstigen Bilderflut schnell Zuspruch in Hollywood, und wurde sogleich von amerikanischen Major-Produktionsstudios damit beauftragt, drei Horrorwerke glatt-poliert in die Kinosäle zu bringen.

Seine Neuinterpretationen der Horrorfilme „Mirrors“, „Piranha“ und „The Hills have Eyes“ waren nicht nur Garanten für spannende und ideenreiche Kinounterhaltung, sie sorgten auch für beachtliche Kinoerfolge.

Aufgrund der erfrischenden Umsetzung seines „Piranha 3D“-Remakes und der erstaunlich erfolgreichen Kinoauswertung (25 Millionen Dollar Produktions-Budget und weltweiten Einnahmen von 85 Millionen Dollar) war es für das Produktionshaus „Dimension“ nur eine Frage der Zeit an einer Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Jahre 2010 zu basteln.

Doch das Schicksal meinte es bisher weniger glänzend mit der direkten Fortsetzung der blutgierigen Terror-Fische. Bereits im Vorfeld wurde der amerikanische Release im vergangenen Herbst gecancelt, zuletzt die Kinoauswertung der 20 Millionen teuren Produktion gänzlich gestrichen und die Veröffentlichung im Heimkinosektor immer wieder aufs Neue verschoben.

Dass derart Vorgehensweisen oftmals kein gutes Omen für herausragende filmische Qualitäten dieser Produktionen bedeuten, dürfte interessierten und erfahrenen Horrorfilmfreunden bereits bewusst sein.

Nach eine regelrechten Veröffentlichungs-Odysee (ähnlich wie zuletzt in „The Cabin in the Woods“) startet das Sequel „Piranha 3DD“ teilweise nun doch noch in den weltweiten Kinosälen, sowie direkt auf DVD und Blu-ray.

Und richtig, „Piranha 3DD“ (mit dem Alexandré Aja natürlich nichts mehr am Hut hat)  ist meilenweit von der erfrischend-innovativen Umsetzung seines Vorgängers entfernt. Die Geschichte ist platt, die Effekte sind dürftig und das Niveau wirklich gänzlich im Keller. Statt bluttriefenden Horror setzt man hier ausgiebig auf platt inszenierten Teenie-Ulk, der derart geschmacklos und billig daherkommt, dass man sich fragt, welch unterbelichteter pubertärer 13jähriger wohl an diesem haarsträubenden Drehbuch gewerkelt haben muss.

American Pie“ meets „Der weiße Hai“ ist wohl die treffliche Umschreibung für „Piranha 3DD“ – Pralle weibliche Hupen satt und Witze gänzlich unter der Gürtellinie wechseln sich mit fast schon peinlich schlechter Dramaturgie und penetranten Overacting der Protagonisten ab. Die 20 Millionen Produktionsbudget sieht man der Fortsetzung an keiner Stelle im Film an und als Fan des unterschlagenen Genre-Films dürfte man nun einmal mehr die desaströse Veröffentlichungspraktiken der Studios verstehen, denn „Piranha 3DD“ ist wirklich absolut penetrant-dummer Mist, der wahrlich nichts im Kino zu suchen hat. Trotzdem, auch wenn sich das hier alles verdammt mies liest, das Sequel rockt trotzdem und dürfte dennoch zu Gefallen wissen.

Piranha 3DD“ kommt so derart trashig und minderbemittelt daher, dass er schon wieder gut ist. Dem Film kommt es gänzlich zugute, dass er sich zu keiner Minute ernst nimmt, und man als Filmfreund das Gefühl nicht loswerden möchte, eine Parodie zum Aja-Vorgänger zu sichten.

Die Darstellung der Gegebenheiten wirkt so lächerlich und an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fast schon dafür schämen muss, zugeben zu müssen „Piranha 3DD“ gesehen zu haben. Aber ich muss gestehen, bei all dem dreist dämlichen Bullshit, dem einem hier untergejubelt wird, sorgen die diversen Gags, trotz ihrer moralisch-geschmacklosen Darstellung, für gehörig lauthalses Lachen. Allen voran die Szene, in der der Filmbösewicht von einer bunten „Wimpel-Absperrung“ geköpft wird und der abgetrennte Kopf in das Dekolleté eine prall-busigen Film-Chikka landet. Das wirkt vermutlich so bescheuert, aber dennoch gleichzeitig vollends genial.

Leider ist der total abgedrehte und niveaulose Trash-Spaß nach knappen 70 Minuten vorbei. Das finale Massaker im Schwimmbad wirkt unfertig, bedeutungslos und viel zu kurz. Trotz einem regelrechten Gag-Feuerwerk sowie einigen recht makaberen und frischen Ideen in der ersten Filmhälfte (u.a. nistet sich ein Baby-Piranha beim Nachtbaden in das Geschlechtsteil einer weiblichen Protagonistin ein) geht gerade zum Ende hin „Piranha 3DD“ gehörig die Puste aus. Das Sequel kränkelt am Mangel eine wirklichen Schluß-Fights um letztendlich durch die Bank weg als gelungenes, selbstironisches Trash-Werk überzeugen zu können.

Da kann auch das Wiedersehen mit der 80er Jahre Serienlegende „David Hasselhoff“, der sein Ego selbst spielt und sich spöttisch selbst auf die Schippe nimmt und den unwissenden jüngeren Protagonisten verklickern möchte, dass er in der Vergangenheit ein großer Filmstar gewesen sei, nichts mehr reißen. Schade!

 

 

Piranha 3DD“ ist Edel-Trash wie er im Buche steht. Dümmer und dreist-platter geht es nun wirklich nicht. Pubertäre Fäkal-Witze geben sich mit desaströsen Story-Elementen die Waage. Aja´s direktes Sequel zum Überraschungshit aus dem Jahre 2010 wirkt derart peinlich, dass dem Filmfreund bereits nach nur wenigen Filmminuten die Schamesröte zu Gesicht stehen dürfte. Trotzdem, mal abgesehen vom wirklich deplatzierten und unfertigen Ende, macht „Piranha 3DD“ wirklich Laune und ist trotz der hohlen Inszenierung weit besser, als der Großteil aktueller Genreproduktionen (und vor allem 100 mal besser als der Mist aus der Trash-Schmiede „Asylum) .

Freunde fernab des guten Geschmacks kommen hier absolut auf ihre Kosten. Aber auch Film-Begeisterte, die sich einmal nach einem anstrengenden Arbeitstag von ungehaltvoller Genre-Unterhaltung berieseln lassen möchten, dürften Gefallen an „Piranha 3DD“ finden.

Ein politisch inkorrekter und geschmacklich vollkommen indiskutabler Party-Film, der mit einem Six-Pack Bier gleich doppelt soviel Spaß macht und der mit Alexandre Aja´s „Piranha“ , mal abgesehen von den Killer-Fischen im Filmtitel und der 3D-Umsetzung, nur noch wenig gemein hat.

 

 

 

Fazit: 6,0/10 Punkte

 

Edel-Trash-Gurke mit ordentlich selbstironischer Fäkal-Humor-Power. Politisch vollkommen inkorrekt und als direkt Fortsetzung eigentlich ein Witz, macht er gerade deswegen enorm viel Spaß!

FSK-Prognose: ungeschnitten mit „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung. Eine Veröffentlichung erfolgt im Spätsommer durch Sunfilm.

 

 

Hellraiser80

Filmreview: „Jack the Reaper – Jahrmarkt des Grauens“ (2011)

 

Ein Schulausflug der etwas anderen Art:

Um sich die nötige Mindestanzahl an Punkten zu verdienen, nehmen einige Schüler, an einem außerschulischen Exkurs in ein Eisenbahnmuseum teil.

Auf dem Rückweg verunglückt der Schulbus unglücklich mitten in der Pampa und die Schüler realisieren nach dem ersten Schock, dass sie scheinbar allein gelassen wurden.

Weit und breit ist weder der begleitende Lehrer noch der Busfahrer zu sehen und fernab des Busses entdecken die Jugendlichen einen vermeintlich belebten Jahrmarkt.

Nach anfänglicher Skepsis verlassen einige Schüler den Bus und erhoffen die rettende Hilfe auf dem Jahrmarkt.

Trotz bunter Lichterflut findet die missmutige Truppe weder Gäste noch Jahrmarktangestellte vor. Doch leider scheinen sie nicht so allein, wie anfänglich vermutet. Denn irgendetwas scheint die Schüler aus dem Dunkel der Nacht heraus zu beobachten.

 

 

Und da ist er wieder „Candyman“- Darsteller Tony Todd, der sich scheinbar den Posten des cineastischen Vermittlers zwischen Leben und Tod gesichert und vermutlich darin die Rolle seines Lebens gefunden hat.

Ebenso wie in diversen „Final Destination“ – Teilen warnt er auch in „Jack the Reaper“, getarnt als Museumsführer, vor dem bevorstehenden unschönen Ableben der ahnungslosen Protagonisten.

Natürlich scheinen, die extrem oberflächlich skizzierten Charaktere, nicht so wirklich den Sinn seiner weisen Worte zu verstehen, denn hätten sie neben „The Hills have Eyes“ (die „Scream“-reske Anspielung auf aktuelle Horrorfilme im Film ist unverkennbar) auch die „Final Destination“- Filmreihe gesichtet, würden sie wahrscheinlich bereits zu Beginn erahnen können, was ihnen im Laufe ihres Filmes bevorstehen wird.

Der geübte Filmfreund zumindest, dürfte schon nach 10 Minuten Filmlaufzeit wissen, was den skurril agierenden Pappnasen blühen dürfte.

Denn von der wahrlich vernünftigen Sorte, scheint keiner der zig Charaktere zu sein, denn ihr Handeln gestaltet sich, wie hätte es auch anders sein können, als ordentlich dumm und unvernünftig.

Demnach wird natürlich das gesamter Register genreüblicher Klischees abgehandelt und wohl bekömmlich, einfach verständlich, sowie splatter- und blutfrei auf TV-Soap-Niveau geblasen.

Vom fetten Widerling, der partout aufgrund seiner Körperproportionen gemobbt wird, über den arroganten Football-Schönling, der alles und jeden flachlegt bis hin zum Quotenschwarzen, der ab und an sinnfreies Pseudomoral-Gefasel zum Besten trällert, dürften dem Film vermutlich jedes stereotype Klischee, der letzten 30 Jahre Horrorfilmgeschichte, zu Grunde liegen.

Dabei entpuppt sich das recht dürftig und oberflächlich ausgearbeitete Drehbuch als absolute Spaßbremse.

Denn sieht man einmal von der 10minütigen Filmeinleitung ab, die jeden Charakter oberflächlich skizziert und diverse Konflikte zwischen den Charakteren untereinander grob beschreibt, bleibt letztendlich eigentlich nur noch das kurze 10minütige Finale über, dass überhaupt wesentlich wichtig ist für Geschichte.

Dazwischen geschlagene 60 Minuten nervig sinnfreies Gequassel und Gepose der unzähligen Holzköpfe, die sich gehörig Zeit damit lassen, die diversen Attraktionen des Jahrmarktes zu erkunden. Ist zwar schön und gut, aber für den Filmfan unbrauchbar und quälend langweilig, zumal das munteres Treiben aufgrund chronischer Bluarmut nicht einmal auf dieser Ebene überzeugen kann.

Natürlich sei auch an dieser Stelle zu erwähnen, dass man die Logik des Handelns, der diversen Exkursteilnehmer nicht hinterfragen sollte. Anstatt in einer seltsamen Situation, wie sie dem Film zu Grunde liegt, misstrauisch beäugend alles zu hinterfragen, lassen die Jugendlichen erst einmal ordentlich die Sau heraus.

Gut nur, dass im Verlauf der Handlung titelgebender „Jack the Reaper“ zur außergerichtlichen Verurteilung lospilgert um den Schülern gehörig die Leviten zu lesen, denn derart nervige Kinder, wie in diesem Horrorfilm, müssen einfach bestraft werden.

Dabei dürfte der Killer „Jack“ der einzig nennenswerte Grund sein, warum man sich diesen unzureichend unterhaltsamen Film überhaupt anschauen sollte.

Jacks“ Make-up Design gestaltet sich, mit seinen nichtvorhandenen Augäpfeln und dem diabolischen Grinsen, als recht sehenswert und „really creepy“.

Leider darf der Killer nur unzureichend in Erscheinung treten und seine „Bestrafen“ kommt bedauerlicherweise recht züchtig und vor allem nervend jugendfrei daher.

Etwaige Hintergründe über seine Person bleiben ungeklärt, wohlmöglich um zumindest noch halbwegs goutierbaren Horrorstoff für eine mögliche Fortsetzung zu besitzen.

 

 

 

Fazit 5/10

 

Durchschnittlicher Horrorfilm auf TV-Niveau, der zwar einen recht freakigen Filmkiller parat hält, aber aufgrund der absolut dummen Inszenierung und vor allem des enttäuschend geringen Blutzolls dem geübten Horrorfan, trotz „Tony Todd“ – Kurzauftritt,  kaum zufriedenstellende Unterhaltung bieten dürfte.

 

FSK-Fassung ist mit FSK 16 ungeschnitten.

Es gibt noch eine DVD/Blu-ray, die eine „Keine Jugendfreigabe“ – Kennzeichnung besitzt. Dort bezieht sich die Freigabe vorwiegend auf das Bonusmaterial der Scheibe, nicht aber auf den Hauptfilm, denn der ist uncut frei FSK16.

 

 

Hellraiser80