Filmkritik: „Tusk“ (2014)

tusk-2014
 
 
 

TUSK

Story

 
 
 
Auf der Suche nach interessanten Menschen stößt der verrückte Podcaster Wallace Bryton auf den betagten Howard Howe, der den taffen Moderator auch gleich in seinem Anwesen festhält, um seinen abartigen Neigungen nachgehen zu können …

 
 
 


 
 
 

TUSK – Kritik

 
 
 
Seit seiner letzten Regiearbeit, dem Sektenthriller RED STATE (2011) ist es verdächtig still um KEVIN SMITH geworden. In letzter Zeit vorwiegend als Produzent in Erscheinung getreten hat er in der Vergangenheit manch abgedrehte Kinofilme abgeliefert, wobei CLERKS und DOGMA (1999) zu den wohl bekanntesten Amüsier-Spulen gehören dürften, die der amerikanische Indie-Filmer bisher fabriziert hat. Nach knapp dreijähriger Regieabstinenz meldet sich SMITH mit der bizarren Horrorkomödie TUSK zurück, für die er wieder einige bekannte Schauspielgrößen versammeln konnte. Der einstige Kinderstar HALEY JOEL OSMENT (THE SIXTH SENSE) agiert zusammen mit Hollywood-Star JOHNNY DEPP vor der Kamera. Letzterer hat es sich nicht nehmen lassen die Rolle eines chaotischen Eigenbrötlers zu übernehmen, für die eigentlich QUENTIN TARANTINO vorgesehen war. Weil der kein Interesse am Mitwirken hatte, rückte DEPP nach und macht mal wieder das, was er am Besten kann: sonderbare Charaktere verkörpern, die ihm in schöner Regelmäßigkeit auf den Leib geschneidert werden.
 
Die Idee zu TUSK ist auf einen gemeinsamen Audio-Podcast namens „SModcast“ zurückzuführen, in dem sich Multitalent KEVIN SMITH und Produzent SCOTT MOSIER über eine Wohnungsanzeige lustig machten, in der ein Mann eine kostenlose Wohngelegenheit anbot und als Gegenleistung forderte, dass der neue Mitbewohner sich als Walross verkleiden möge. Weil SMITH das Wohnungsgesuch so absurd fand und auch Potenzial für eine mögliche Verfilmung sah, machte er daraus eine witzige Aktion und rief die Zuhörer der Folge 259 dazu auf, mit Hilfe des Hashtags „#WalrusYes“ ihr Interesse über eine Verfilmung zu bekunden. Vermutlich war das Feedback überragend, so dass aus der Idee schnell Ernst wurde und wenige Zeit später in San Diego auf der ComicCon ein erster Trailer zu TUSK gezeigt werden konnte. Doch dazu noch mehr: Glaubt man den diversen Interviews des Regisseurs, soll TUSK nur der Auftakt einer ganzen Film-Reihe werden. Eine True-North-Trilogie ist geplant, die um die ebenfalls in Kanada spielenden Filme YOGA HOSERS und JAWS ergänzt werden soll und alle Beteiligten zurückkehren lässt, die bereits im ersten Streifen zu sehen waren. So auch die Töchter von JOHNNY DEPP und KEVIN SMITH, die es ihren Vätern gleichtun und sich als Schauspielerinnen behaupten wollen.
 
TUSK erzählt die Geschichte von Podcaster Wallace Bryton (JUSTIN LONG), der für seine schwarzhumorige Internetsendung immer auf der Suche nach durchgeknallten Persönlichkeiten ist, die ihm abgefahrene Anekdoten aus ihrem Leben erzählen. Auf seinen Rundreisen entdeckt er in einer Bar den Brief des abenteuerlustigen Howard Howe (MICHAEL PARKS, aus RED STATE), der viel in seinem bisherigen Leben erlebt und zu erzählen hat. Nach einem kurzen Telefonat wird auch schon das erste Treffen vereinbart und Bryton reist nach Kanada, um den betagten Abenteurer zu besuchen. Leider erfährt das erhoffte Interview eine unerwartete Wendung, denn Howe hat mit seinem naiven Gesprächspartner Anderes im Sinn. Er überwältigt den ahnungslosen Podcaster, beraubt ihm seiner Beine und wandelt ihn Schritt für Schritt zum Walross um.
 
THE HUMAN CENTIPEDE lässt grüßen, denn irgendwie will man nach Sichtung von TUSK das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe sich SMITH Ideen-Input beim Ekel-Horrormurks aus der Feder von TOM SIX geholt. Der hatte mit seiner kontroversen Frankenstein-Version im Jahr 2009 einen der skurrilsten Filme der letzten Jahre gedreht, der jedoch aufgrund der ungewöhnlichen Idee und der drastischen Darstellung von aneinandergenähten Menschen hier in Deutschland so schnell keinen Verleih fand. Anders sah es da jedoch international aus, wo der Film bis heute eine riesige Fangemeinde besitzt und sogar unzählige Parodien nach sich zog. TUSK könnte gleiche Richtung einschlagen, denn SMITH hat mal wieder Kino inszeniert, das ähnliches Kult-Potenzial besitzt, schließlich wird dem Zuschauer hier ein Sammelsurium schräger Charakter geboten, das allein schon das Sehen von TUSK rechtfertigt. Trotz weniger unappetitlicher Szenen kommt der Humor nicht zu kurz. SMITH lässt auch in seiner neusten Produktion das für seine Werke typische Sprüche-Feuerwerk auf den Zuschauer los, das man entweder mag oder nicht. Da wird zynisch über das kanadisch-amerikanische Verhältnis gewitzelt und kein gutes Haar an der amerikanischen Waffenpolitik gelassen. In TUSK wird nicht mit Gesellschaftskritik gespart, wenngleich diese auf eher erheiternde Weise geliefert wird, damit dem Zuschauer die mahnenden Seitenhiebe nicht auch noch auf den Magen schlagen.
 
Leider hat TUSK auch mit einigen Mankos zu kämpfen, denn inmitten schräger Geschwätzigkeit aber auch punktgenauer Wortpointen, verliert SMITH des Öfteren seine Geschichte aus den Augen. Weil TUSK aber nie erahnen lässt, wohin die Geschehnisse führen werden und neugierig auf das macht, was noch kommen wird, sind die wenigen Längen im Drehbuch zu verschmerzen. Demnach empfehlen wir diesen Höllenspaß all jenen Fans der düsteren Unterhaltung, die meinen, alles gesehen zu haben. TUSK gehört zu jenen Filmen, die so abgefahren sind, dass man es gesehen haben muss, um es überhaupt glauben zu können. Deshalb: Schaurig-komischer Geheimtipp fernab der Kommerzunterhaltung.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einzigartiger Absurditäten-Overkill, der seinesgleichen sucht. TUSK ist abgedrehter Filmnonsens, fast schon im Grad eines HUMAN CENTIPEDE. Wer in TUSK jedoch blutige Abartigkeiten erwartet, wird enttäuscht werden, denn Macher und Drehbuchschreiber KEVIN SMITH benutzt bevorzugt skurrilen Humor, statt die haarsträubende Geschichte im Blut zu ersäufen. TUSK glänzt nicht nur mit bizarren Ideen, sondern gefällt durch seine grotesken Charaktere, die allein schon die Sichtung rechtfertigen. Allen voran JOHNNY DEPP, der sich hier mal wieder selbst übertroffen hat und überspitzt einen Detektiv verkörpert, der das tut, was er am Besten kann: reden. Ansonsten bekommt der Zuschauer die wohl seltsamste Metamorphose der Filmgeschichte zu sehen, wenn ein Mann zum Walross umoperiert wird. Wer unkommerzielle Horror-Flicks abseits des Mainstreams bevorzugt, ist mit TUSK gut beraten, schließlich bekommt man nicht alle Tage solch sonderbare Horror-Ware auf den Bildschirm, die dazu noch schwer unterhaltsam ist.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Zensur

 
 
 
THE TASK ist in Sachen Gewalt natürlich absolut nicht mit HUMAN CENTIPEDE 2 zu vergleichen, denn explizites Gemetzel gibt es hier nicht zu sehen. Meist bekommt der Zuschauer nur das Resultat schlimmer Szenen vor die Linse, die aber aufgrund der ironischen Inszenierung kaum hart wirken. Demzufolge ist TUSK ist Deutschland ab FSK 12 zu haben.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler (2009)
 
The Human Centipede II – Full Sequence (2011)

Filmreview „The Human Centipede II (Full Sequence)“ (2011)

 

Das wortkarge Muttersöhnchen „Martin“ ist besessen von dem Film „The Human Centipede“.

Völlig in seine kranke Phantasiewelt geflüchtet, hat er nur ein Ziel: die Szenen aus dem Film nachzustellen und einen noch größeren menschlichen Tausendfüssler zu kreieren.

Als Nachtwächter einer Tiefgarage gelingt es ihm daher recht schnell, 12 ahnungslose Passanten niederzuschlagen und in eine abgelegene Lagerhalle zu schleppen.

Sein Experiment kann beginnen!

 

 

Da ist er nun, der wohl meist diskutierte Genrefilm des Jahres: „The Human Centipede 2“.

Im Vorfeld wurde viel geschrieben, sogar von Verboten in England und Amerika war die Rede.

2 Szenen haben angeblich dort bei den örtlichen Zensurbehörden für derart Unwohlsein gesorgt (Masturbationsszene mit Schleifpapier und eine Vergewaltigung mit einem mit Stacheldraht umwickelten Penis), dass beide Zensureinrichtungen dem Film in seiner ungeschnittenen Form die Freigabe verweigert haben sollen.

Ob das nun ein munterer PR-Gag ist, oder ob dem Geschriebenen ein Fünkchen Wahrheit zu teil werden darf, weiß wohlmöglich allein nur das Produktions-Studio.

Ich zumindest habe, in der mir vorliegenden Fassung, weder Sandpapier noch Stacheldraht entdecken können. Vielleicht auch besser so, denn in „The Human Centipede 2“ gibt es trotzdem Gore und Splatter satt für alle.

Dabei muss ich sagen, dass mir die Fortsetzung, des selbsternannten Kultfilmes sogar besser gemundet hat, als der recht groteske, aber völlig sinnfreie Erstling.

Natürlich darf man in Teil 2 ebenfalls nach keinem wirklich tiefgründigeren Sinn suchen, denn den gibt es auch definitiv hier nicht.

Trotzdem aufgrund des schamhaft ins Extrem ausgereizten Ideenreichtum der Drehbuchschreiber, macht „The Human Centipede 2“ einfach doppelt so viel Spaß.

Natürlich ist dieser Film einzig dafür geschaffen wurden, um das gierige Nischenfilm-Publikum zufrieden zu stellen. Otto-Normal-Filmschauer dürfte an dem herrlich überzogenen Splatter-Schinken absolut null Gefallen finden und den aktuellen Teil für völlig krank betiteln und vermutlich angewidert nach der „STOP“ Taste auf dem heimischen DVD-Player suchen.

Der Genrefreund jedoch dürfte genau das erhalten, was er erwartet:

Exploitationhafte, extreme Gewalt und diverse Abartigkeiten in Kombination mit einer Menge Spaß und einer Story, die sich selbst nicht wirklich ernst nimmt. Definitiv sollte man Gezeigtes mit einem kräftigen Augenzwinkern genießen, denn wenn sich die zusammengetackerten, zu einem menschlichen Tausendfüssler umfunktionierten, Opfer gegenseitig in den Mund stuhlen und der Kot freudig gen Kamera spritzt, dürfte trotz Kloß im Hals ein herzliches Lachen nicht fehlen.

Großes Lob an den wirklich fabelhaft besetzten Hauptdarsteller Laurence R. Harvey, der das wirklich kranke Soziopathen-Schwein und Muttisöhnchen grandios wortkarg mimt. Seine völlig anormale,  perverse und zynische Vorgehensweise ist derart comiclastig und überdreht dargestellt worden, dass sich „Martin“ gern in die Liga namenhafter Filmlegenden, wie Michael Meyers, Pinhead, Jason und Co. einreihen darf. Um eine Fortsetzung wird daher dringend gebeten!

Der Filmfan dürfte des weiteren diverse Zitate aus bekannten Horrorfilmen erkennen dürfen.

Daher wirklich makaber, aber nicht minder grandios die Szene, in der das Muttersöhnchen Martin der eigenen Mutter den Kopf zertrümmert, und anschließend die bösartig zugerichtete Leiche , zurück an den Küchentisch karrt und weiter zu Abend speist, als wäre nie etwas vorgefallen. Minimale Parallelen zum Hitchcock-Klassiker  „Psycho“ sind unübersehbar.

Was die Altersfreigabe in Deutschland betrifft, so gehe ich stark davon aus, dass eine Freigabe durch die FSK hierzulande zweifelhaft, wenn nicht sogar ausgeschlossen werden dürfte. Da der fast völlig gorefreie 1. Teil der Serie , sicher aufgrund der zweifelhaften Thematik, bisher nicht in Deutschland erschienen ist, dürfte eine Veröffentlichung über Österreich wahrscheinlicher sein.

 

 

Fazit 7/10 Punkte

 

Eine würdige, abartige und völlig abgedrehte Splatter- Fortsetzung,  mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor, der seinesgleichen suchen dürfte. Zuschauer, mit empfindlichen Reizmagen sei diese Fortsetzung definitiv nicht zu empfehlen.

FSK-Prognose: Freigabeverweigerung

Hellraiser80