Filmkritik: „The White Monster“ (1988)

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THE WHITE MONSTER

(THE UNNAMABLE)

Story

 
 
 
Studenten der Miskatonic University verbringen eine Nacht im verwunschenen Winthrop- Haus, in dem eine mörderische, tragische Kreatur angeblich ihr Unwesen treiben soll…

 
 
 


 
 
 

THE WHITE MONSTER – Kritik

 
 
In der Riege endloser, meist missglückter Lovecraft-Adaptionen mit der Eigenart, nicht nur Elemente aus seinen Geschichten zu adaptieren, sondern gar den Titel mit einer der Originalerzählungen zu teilen, ist mir zuletzt „The Dunwich Horror“ (1970) untergekommen, der einiges richtig gemacht hat, aber schlussendlich nicht überzeugen konnte. 18 Jahre später hat sich nun Jean-Paul Oullette, dessen einzige Regiearbeiten auch dieser Film, sein Sequel, sowie ein recht unbekannter B-Actioner namens „Chinatown Connection“ darstellen, der zwei Seiten knappen Kurzgeschichte „The Unnamable“ angenommen, in der die Protagonisten, auf einem Friedhof sitzend, über die Begrifflichkeiten furchterregender Erfahrungen sinnieren. Kaum genug also, für 87 Minuten Film – was wird hier also erzählt, eine spielfilmlange Debatte gar? Oder hat der Titel mal wieder so gar nichts mit diesem Studentenhorror zu tun? Finden wir es heraus.
 
 
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Den Beginn macht das legendäre Schloss im Unwetter, dazu ein kehliges Krächzen, Point of View- Aufnahmen und ein älterer Herr, der die Kreatur zu besänftigen versucht, was – spätestens in Kombination mit dem Cover – sehr an „Castle Freak“ erinnert, obgleich dieser natürlich eine Dekade später entstanden ist. Stark überraschen tut nun ein deftig getrickster, in Nahaufnahme gezeigter Kill an besagtem Herren, in dem blutig das pochende Herz rausgerissen wird. Sechs Minuten, dann ist der Opening Kill geschehen und die Kirche beerdigt die Leiche, versiegelt das Haus und der Synthesizer/Geigen/Chor-Soundtrack schlägt die üblichen 80s-Töne an, klingt theatralisch und ein wenig verträumt. Schnitt in eine andere Zeit und im hier und jetzt sitzen tatsächlich Studenten auf dem Friedhof und erzählen sich Gruselgeschichten, diese sind nicht nur in sich sichtlich inspiriert von Lovecraft, sondern auch die Situation selbst, die als durchaus sympathischer und charmanter Meta-Verweis zu sehen ist und die Kurzgeschichte 1:1 widerspiegelt. Mark Kinsey Stephenson als Randolph Carter, im Film nur Carter genannt, stiehlt dem oftmals blassen Nebencast dabei fast durchgängig die Show, da er zwischen Pseudo-Detektiv und reinem Goofball overacted, witzig sein soll, möglichst unsympathische und pseudointellektuelle Kommentare vom Stapel lässt, als hätte er die Welt verstanden. Als Horrorautor, dessen Gesicht aufkommt wenn man „smug“ nachschlägt, dominiert er so das Dreiergespann um ihn, den gegen ihn debattierenden Science Major Howard und dem dritten Freund, Joe, der größtenteils passiv bleibt.
 
 
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Das Gespräch darüber, ob die erzählte Geschichte nun wahr sei oder nicht, gipfelt sehr schnell in einem ersten Besuch bei dem gruseligen, alten Haus aus dem Intro, in dem die furchterregende Story stattgefunden haben soll – und das natürlich wenige Meter um die Ecke steht. Die 80s-Klischees hören nicht auf und man hat alles davon schon tausendmal gesehen, doch weil Joe bereits nach 17 Minuten das Haus betritt und das Gespräch so schön schlecht gespielt ist, macht es zu dem Zeitpunkt noch richtig Spaß – schnell zum Punkt kommend und kurzweilig. In einer wunderschönen Einstellung rennt der Geek Howard der hübschen Studentin Wendy auf einem argentoesk großen und stockfinsteren Platz hinterher und wird abgewiesen, im Haus hingegen ist jedes Möbelstück überzeugend mit Staub bedeckt und jeder Raum bunt beleuchtet, mit ansprechend gesetztem Licht und einzig der Soundtrack lenkt bisweilen etwas ab. Doch sobald sich diese, erste Szene des „Rumlaufens im Haus“ nach rund 24 Minuten dann nach etwas Rumgeschreie und einer netten Idee, die aber auch nicht neu ist, in einem Offscreen-Kill entlädt, beginnt leider Gottes die Talfahrt. Denn was spritzig, witzig und überraschend garstig beginnt, entwickelt sich alsbald zum höchst langweiligen und oft gesehenen Standard- Studentenlangweiler, in dessen nächsten 20 Minuten nichts nennenswertes passiert, bis auf einen Grund zu finden, mit mehreren potentiellen Opfern Nachts das Haus zu betreten.
 
 
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Die opulente Universitätsbibliothek macht optisch was her, doch bis auf vereinzelte POV- Aufnahmen oder vage Andeutungen gibt es bis zur Halbzeit dieses Unterfangens leider keinen Unterhaltungwert mehr zu holen. Doch wer glaubt, dass die zweite Hälfte dafür zufriedenstellend in die Vollen geht, oder sich allgemein an dem drastischen und effektiven Kill der ersten Minuten orientiert, der hat sich leider geschnitten. In einer Sequenz wird oben ohne rumgemacht und bemüht kitschig emotionale Musik setzt ein, bevor eine immerhin witzig brutale Entdeckung folgt, auch ist die Eskalation nach knapp einer Stunde, inklusive blutigen Kills #2, sehr panisch und unterhaltsam, ein letztes Aufatmen des Films. Doch wäre ich nach 50 Minuten vielleicht noch bei 5/10 Punkten wenn man Laufzeit im Verhältnis zur Effektivität des Films sieht, so bleiben bei diesem Gummimonster mit Hufen in der letzten halben Stunde leider nur noch unfreiwillige Trash-Lacher und angestrengtes Laufzeit-Kontrollieren üblich, da weder weitere Flashbacks, noch die erzwungene Einbindung des Necronomicons hier viel retten können.
 
 
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Mehr noch, kurz vor dem angedachten Spannungshöhepunkt und Finale des Films leistet sich Carter nochmal Kindergarten-Comedy mit peinlichem Slapstick, der null zum Gore, noch weniger zu der gewollt mysteriösen, oder gar lovecraftesken Atmosphäre passt. Ein einziger, nennenswert stark handgetrickster und blutiger Kill noch, ein lächerlich schriller Schrei und eine Prügelei mit Kneipenschläger-Choreographie, dann hat man 85 Minuten über sich ergehen lassen, die absolut benennbar sind: Und zwar als unausgegoren, tonal daneben, stark getrickst, aber ultimativ langweilig. Kein Totalausfall dank Gore, anfänglicher Kurzweil und ein paar witzigen Momenten filmischen Unvermögens, auch kann die Bruno Nicolai-Score szenenweise ihre Muskeln spielen lassen, doch der Geamteindruck ist weit weg von einem guten Film.
 
 


 
 
 

THE WHITE MONSTER – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Von Lovecraft inspirierter, nie aber konsequent in seinem Stil gehaltener 80s-Studentenhorror mit trashiger Kreatur, spaßigem Intro und ein paar drastischen Splattereffekten, die aber nicht über die generelle Langeweile und Leere abseits davon hinwegtäuschen können.

 
 


 
 
 

THE WHITE MONSTER – Zensur

 
 
 
„The White Monster“ wurde in Deutschland auf VHS nur geschnitten veröffentlicht. In dieser Fassung fehlten knapp 25 Sekunden Filmmaterial. Im Jahr 1989 wurde die gekürzte VHS-Veröffentlichung indiziert und erst 2014 wieder vom Index gestrichen. Eine DVD-Premiere der unzensierten Originalversion erfolgte im Jahr 2009. 2018 brachte das Label CMV Laservision die erste ungeschnittene HD-Fassung von „The White Monster“ im limitierten Mediabook auf den deutschen Markt. Diese Fassung war juristisch geprüft und komplett. Nun, im Jahr 2021 erscheint auch die ungekürzte Kaufhausfassung mit rotem FSK18-Flatschen im KeepCase. Fans des 80er-Jahre-Horrors können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE WHITE MONSTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV LASERVSION (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Unnamable; USA 1988

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase

Extras: Original Trailer, Umfangreiche Bildergalerie, Programmtrailer

Release-Termin: KeepCase: 16.07.2021

 

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THE WHITE MONSTER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVSION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blood Bags – Er will Dein Blut (2018)
 
Castle Freak (1995)
 
Goodnight – Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam (1980)