Kritik: „Cassadaga – Hier lebt der Teufel“ (2011)

cassadaga
 
 
 

Cassadaga – Hier lebt der Teufel

Story

 
 
 
Nachdem die gehörlose Grundschullehrerin Lily Morel ihre geliebte kleine Schwester bei einem Autounfall verliert bricht für die junge Frau eine Welt zusammen. Um die Geschehnisse zu verarbeiten und um den Kopf wieder frei zu bekommen beschließt sie sich nach „Cassadaga“ zurückzuziehen, wo sie sich auch gleich dem Vater einer ihrer Kunst-Schülerinnen anvertraut und sich in selbigen verliebt. Doch der Friede ist nicht von langer Dauer. Nach einem missglückten Séance und dem Versuch mit der toten Schwester in Verbindung zu treten wird Lily fortan vom Geist einer Frau verfolgt, der die junge Lehrerin dazu drängt die mysteriösen Umstände ihres tragischen Todes aufzuklären. Währenddessen zieht ein brutaler, von Puppen besessener, Killer in dem kleinen idyllischen Örtchen durch die Parkanlagen, um sich der Körper attraktiver Frauen zu bemächtigen, deren Glieder er in seinem Keller auf groteske Art und Weise zu Marionetten zusammenflickt.
 
 
 


 
 
 

Cassadaga – Kritik

 
 
 
Anthony DiBlasi, der zuletzt mit der Clive Barker Verfilmung „Dread“ für Aufsehen in der Horrorfilmszene gesorgt hat, gibt seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm zum Besten. Anders als in seinem letzten Beitrag, in dem er sich recht gekonnt auf das psychologische Ergründen menschlicher Urängste konzentrierte, serviert uns Regisseur Anthony DiBlasi mit „Cassadaga“ einen recht konventionell gestrickten Horrorfilm, der sich nur recht oberflächlich der psychologischen Schiene bedient und selbige im Film kaum Beachtung findet. Schade eigentlich, denn bereits die Einführung in die Geschehnisse von „Cassadaga“ lies derartiges Hoffen. Ein kleiner freudiger Knabe, wird von der Mutter beim Puppenspiel mit einigen Marionetten ertappt und für seine „Neigung“ konsequent bestraft. Einige Jahrzehnte später hat dem, nun erwachsenen Mann, die dominante Erziehung der Mutter derart psychisch geprägt, dass er fortan durch die Gärten zieht, um unschuldige Frauen zu überwältigen und in den eigenen Hobbykeller zu verschleppen. Dort „funktioniert“ er seine weiblichen Opfer zu grotesken Marionetten um, um sich daraufhin an dem Leiden der wehrlosen Wesen sexuell zu ergötzen. Wer hier dennoch glaubt, dass DiBlasi die Psyche eines Serienkillers erforscht, der irrt. Vielmehr sind die wenigen grotesk bebilderten Szenen aus dem Hobbyheimwerker-Keller einzig dafür in die Szenerie gestreut, um „Cassadaga“ auch unter Horrorfans interessanter zu machen und den Film etwas düsterer und reißerischer zu gestalten, denn eigentlich hat der Film diesen überflüssigen Parallel-Plot gar nicht nötig und mag irgendwie nicht zum Grundton der eigentlichen Geschehnisse passen. Denn die Haupthandlung folgt der tauben Hauptprotagonistin Lily, die sich in eine recht abstruse Geistergeschichte verirrt, deren Rätsel sich Schritt für Schritt versucht zu lösen. Dass dem geübten Zuschauer die Verbindung zwischen dem recht aggressiv in Erscheinung tretenden Geist und der parallel erzählten Serienkiller-Story auf Anhieb logisch erscheint ist leider eines der großen Mankos von „Cassadaga“, denn dieses ist leider viel zu schnell ersichtlich und nicht wirklich neu. Die Story vom wütenden Geist, der die Auflösung seines tragischen Todes fordert, hat die Genre-Welt leider zu oft thematisiert („What Lies Beneath“ oder „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“) und birgt, trotz einiger formgerecht eingestreuter Folter-Tortur-Schnipsel, keine gänzlich neuen Facetten. Trotzdem, „Cassadaga“ überrascht dennoch mit einigen sehr ansprechenden Momenten, wobei dem Zuschauer das Rätselraten um die Identität des perversen Irren die gesamte Filmlaufzeit über gehörig auf Trapp hält. Dass im permanenten hin und her switchen zwischen Geister- und Killer-Genre so einige unschöne Logikschnitzer auffallen und seltsam aufdringliche Zufälle und überflüssige Handlungsstränge ins Gewicht fallen, mag man DiBlasi nicht verübeln, zumal sein erneuter Ausflug ins phantastische Genre kaum störende Längen aufweist und fast zwei Stunden kurzweilig zu unterhalten weiß.
 
Die zweite Regiearbeit „Cassadaga“ des Amerikaners Anthony DiBlasi ist ein recht sehenswerter Mix aus diversen Sub-Genres, der trotz recht konventioneller Inszenierung recht kurzweilig erscheint und packend zu unterhalten weiß. Das große Plus in seinem Thriller ist hierbei die recht sympathische Hauptdarstellerin Lily, gespielt von Kelen Coleman, die den recht düsteren und kühlen Gegebenheiten eine gewisse Emotionalität verleiht und dem Zuschauer einmal mehr zum frivolen Mitfiebern einlädt. Einige seltsame Umstände fallen dennoch ins Gewicht. So fragt sich der Zuschauer den gesamten Film über, welchen dramaturgischen Sinn, die zu Beginn penibel eingeführte Gehörlosigkeit der Protagonistin besitzt, wenn ihr Manko doch kaum irgendeine Relevanz für den Fortlauf der Geschichte besitzt. Auch erschließt sich nicht so recht das Motiv der Taten des Killers „Geppetto“, dass nur oberflächlich zu Beginn des Films beleuchtet wird und kaum Zeit findet im Film weiter ausgebaut und erklärt zu werden. Trotzdem, die Symbiose zwischen Geister- und Folterfilm sowie dem Serienkiller-Thema funktioniert, trotz ersichtlicher Disharmonie, überraschenderweise erstaunlich solide. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass „Cassadaga“ die Killer- und Folterschiene nicht nötig gehabt hätte und sich oftmals das Gefühl aufdrängt, als könnte sich „Cassadaga“ nicht entscheiden, was er denn nun eigentlich sein möchte, weiß der Film fast 100 Minuten durchweg zu unterhalten. Dennoch, dieser kleine sauber abgedrehte ambitionierte Indipendent-Film wird, trotz vieler inhaltlicher Mängel, mit Sicherheit seine Liebhaber finden. Verdient hätte er es allemal!
 
Im übrigen: wer bis nach dem Abspann wartet, dürfte eine kleine Überraschung erleben.
 
 
 


 
 
 

Cassadaga – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Einige verstörende Folterszenen hier, ein paar Geister-Schockszenen da und fertig ist der Genre-Mix Marke „Cassadaga“. Zwar nicht sehr innovativ und nicht wirklich perfekt, aber trotzdem recht unterhaltsam und spannend! Darf man sich gerne ansehen!
 
 
 


 
 
 

Cassadaga – Zensur

 
 
 
Trotz der recht problematischen Thematik ertrinkt „Cassadaga“ nicht in Tonnen von Gedärm und Lebenssaft. Freunde, die hier extremes Folter-Gekröse erwarten dürften ersichtlich schnell enttäuscht werden, da hier kaum etwas von dessen explizit gezeigt wird und vorwiegend im Off stattfindet. Demnach dürften Filmfreunde den Film mit etwas Glück in einer ungeschnittenen FSK16er Freigabe erwarten, wobei ich aber davon ausgehe, dass Anthony DiBlasi´s zweite Filmauswertung in hiesigen Gefilden mit einer ungeschnittenen „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichung abgestraft werden wird.
 
 

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Cassadaga – Trailer

 
 
 


 
 
 

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Filmreview: „Asylum Blackout / The Incident“ (2011)

 

 

Das Genre des Horrorfilm hat es oftmals nicht leicht. In keinem anderen Genre ist die Rate zugenannter Nachwuchsregisseure so stätig am steigen, wie in diesem.

Was man da regelmäßig als Filmfreund serviert bekommt ist oftmals jenseits von Gut und Böse und hat die Bezeichnung „unterhaltsamer Filmbeitrag“ leider meist gar nicht verdient.

Wer regelmäßig den „Filmcheck„-Filmblog verfolgt dürfte vermutlich rasch verstehen, was damit gemeint ist, denn in keinem Filmjahr wie diesem wurde man als Fan des unterschlagenen Filmes so merklich überschüttet von unprofessionell abgefilmten Erstlings-Genre-Filmen, wie 2011/2012.

Umso überraschter war ich, als ich das Debütwerk „Asylum Blackout“ des Nachwuchsregisseurs „Alexandre Courtès sichten durfte, denn das ist wirklich überaus sehenwert und vor allem richtig spannend.

 

 

Eine handvoll angehender Rockstars und Freunde wollen hoch hinaus. Tagsüber arbeiten sie als Köche in der Küche einer Psychatrischen Anstalt für aggressive Gewaltverbrecher, des Abends werkeln sie an ihrer Karriere im Musikbusiness.

Doch das Schicksal meint es leider nicht so gut mit den Freunden, denn eines Abends, kurz vor Feierabend zieht ein merklich seltsames Gewitter auf und verursacht einen Stromausfall in der Anstalt. Grund genug für eine Horde Psychopathen, welche soeben in der anstalteigenen Mensa zu Abend speisen, einen munteren Streifzug durch die Gemäuer zu unternehmen. Schnell sind die Sicherheitsbeamten überwältigt und der Weg frei durch die Flure der Anstalt. In der Küche kämpfen derweil die Freunde um das nackte Überleben, denn die blutgieren Freaks wollen nur eins: töten, töten, töten.

 

 

Sicherlich ist das Thema „Revolte“ oder „Aufstand“ inmitten einer Hochsicherheitskomplexes nicht neu. Ob nun in Gefängnis oder Anstalt sei dahingestellt, es gibt bereits genügend mehr oder weniger sehenswerte Thriller oder Horrorfilme dieser Art.

Was „Asylum Blackout“ dennoch sehenswert macht, ist die wirklich arg zermürbende und vor allem überaus klaustrophobische Grundstimmung der Geschehnisse. Man möge sich vorstellen, man ist mit 30 extrem gewaltbereiten Irren in einem Gebaudekomplex gefangen und kann nicht flüchten, da die Tore in die Freiheit, aufgrund hoher Sicherheitsauflagen verschloßen sind und man vergeblich auf Hilfe hofft. Ebenso ergeht es den Helden des Films, die sich den Weg in die Freiheit mit allerlei Schlaggeräten und Stichwaffen erkämpfen müssen. Dass es hierbei nicht minder gewalttätig zur Sache geht dürfte merklich auf der Hand liegen. Trotzdem, trotz einiger wirklich erschütternd-selbstzweckhaften Kröselszenen, schockiert hier weniger der Goregehalt, als vielmehr die kaltschnäutzige Kompromisslosigkeit, mit welcher die geistesgestörten Irren zu Sache gehen.

Allen voran Hauptbösewicht „Harry„, der eine arg unangenehme Präsenz ausstrahlt, extrem sadistisch zur Sache geht und den man vermutlich nicht im Dunklen begegnen möchte.

Wirklich erstaunlich ist, was hier mit mageren 500 000 Dollar Produktionskosten auf die Beine gestellt wurde. Der Film schaut verdammt hochwertig aus und an keiner Stelle in „Asylum Blackout“ verrät der Film seine gering budgetierte Herkunft.

Sterile, extrem düstere und farblose Bilder sorgen für merklich Unbehagen und unterstreichen den recht depressiven und grausamen Unterton der Geschehnisse. Auch diverse wirklich subtile Kamerafahrten wissen zu gefallen und heben den Beitrag immens ab von der Masse an ähnlich gestrickten Horrorproduktionen. Dass Alexandre Courtésein wissbegieriger Anhänger diverse „Carpenter„-Klassiker sein muss, fällt direkt ins Ohr, wenn man sich auf den geschickt getricksten Soundtrack konzentriert – Parallelen zu „Assault„, oder „The Thing“ sind hier unüberhörbar.

Mit „Asylum Blackout“ erhält der Filmfreund eine wirklich heavy Horrorfilmbeitrag, den man als Fan von düsteren Genrebeiträgen unbedingt sichten sollte. Da sich der Film gehörig Zeit lässt, seine Helden zu skizzieren, verursacht letztendlich ihr sadistisches Ableben für arg unangenehme Magenkrämpfe beim Zuschauer. Der Kampf zwischen Gut und Böse fördert gehörig den Puls und ist in seiner ungeschönten Kompromisslosigkeit definitiv ein kleiner Genre-Geheimtipp.

Dass die Geschehnisse ab und an ein wenig an Glaubwürdigkeit verlieren, kehren wir mal schnellst möglich unter den Teppich, denn wir Horrorfilmfreunde wissen doch schon längst: „It´s only a „Horror“-Movie„!

Interessierte Horrorfilmfreunde müssen sich leider noch ein Weilchen Gedulden, den „Asylum Blackout“ erscheint aller Voraussicht erst im Spätsommer 2012 in unseren Gefilden.

Einige Szenen im Film dürften der FSK bitter aufstoßen, sodass der Film in seiner ungekürten Form arge Probleme bekommen könnte.

 

 

 

Fazit: 7/10 Punkte

 

Kleiner, böser, ungeschönter Anstalts-Thriller, der einige richtig fiese Momente vorweisen kann.

Suspense und Spannung endlich mal wieder inklusive!

Ein wahrer Genre-Geheimtip!

 

FSK-Prognose: vermutlich nur geschnitten mit „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung

 

 

Hellraiser80

 

Filmreview: „Inside the Darkness – Ruhe in Frieden“ (2011)

 

 

Mit „Inside the Darkness“ hält der Filmfreund einen Film in den Händen, der sich vordergründig an ein jüngeres Kinopublikum richtet, und bei dem erfahrene Filmzuschauer wohl möglich das kalten Grausen packen dürfte. Denn mal abgesehen von der wirklich hochwertigen Inszenierung (der Film schaut optisch edel aus) verursacht hier nicht der unheimliche Score, oder das markerschütternde Setting für Gänsehaut, sondern die Handlungsbeweggründe und Interaktionen der handvoll Charaktere, die sich so dermaßen dumm verhalten, dass man als Mitt-30er eigentlich nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln kann und sich fragt, ob denn das Drehbuch abschließend auch so etwas wie eine Endkontrolle widerfährt, oder nicht. So wirklich ernst nehmen lässt sich Martin Guigui´s aktueller Filmbeitrag nicht gerade, denn neben pubertärem Shakespeare-Gequassel und aufdringlich aufgepeppter MTV-Ästhetik wird hier statt spannungsgeladenen Suspense der Extraklasse vordergründig Light-Thrill serviert, der merklich ohne Höhepunkte vor sich her plätschert.

 

Eine handvoll typisch amerikanischer Vorstadtkids rund um „Abby“, scheinen in ihrem kläglich tristen Eintagsleben wenig zu erleben, sodass sie bereits allein beim Schmöckern der Shakespeares Tragödie „Macbeth“ gehörig „geflasht“ sind, als die Lehrerin das Werk zusammen mit den Schülern im Unterricht bespricht. Grund dafür einen Abstecher zum Haus des Bestatters „Ely Vaughn“ zu unternehmen, über welches man munkelt, dass es darin wohl spuken soll.

Natürlich sehen die vier Freunde sogleich das was sie sehen möchten: am Schlafzimmerfenster erblicken sie den Schatten des Hauseigentümers „Ely Vaughn“, der zusammen mit einem weiblichen Wesen im Arm, ein paar Pirouetten durch das Schlafgemach dreht. Dass Herr Vaughn auch ab und an „Bedürfnisse“ besitzen könnte, darauf schließt keiner der Jugendlichen, denn dass was er da im Arm hält, kann letztendlich eigentlich nur ein Geist sein. (äh klar, ja was auch sonst!!!)

Um ihre Erkenntnisse zu unterstreichen, brechen sie in der Haus des Bestatters ein und entdecken ein, von ihm gut behütetes und makaberes Geheimnis. Dass mit dem stadtbekannten Bestatter scheinbar irgendetwas nicht zu stimmen scheint, erfahren die Nachwuchseinbrecher am eigenen Leibe, als sie plötzlich vom Hauseigentümer himself, bei ihren ausgiebigen Erkundungstouren im Hause, überrascht werden und einer der Freunde auf bösartige Weise den Tod findet.

Die minderbemittelte Provinz-Polizei glaubt zuerst der Bande kein Wort, handelt es sich doch bei „Ely Vaughn“ um einen ehemals überaus erfolgreichen und beliebten Footballspieler (ein wirklich handfestes Argument!!!), sodass „Abby“ und ihre Freunde letztendlich das Gesetz allein in die Hand nehmen, um den Psychopathen zu entlarven.

 

Die kurze Inhaltsangabe beschreibt nur einen minimalen Teil der inhaltlich groben Drehbuch-Logikpatzer.

Demnach sollte man als Filmfreund von vornherein jeglichen Hang zu Logik und Verstand unterbinden. Einziger Lichtblick in diesem etwas ungaren Einheitsbrei aus Teenhorror und „Dawson´s Creek„-Verschnitt ist Dennis Quaid, der der Rolle des arg garstigen Psychopathen „Ely Vaughn“ zumindest ein/zwei interessante Facetten verleiht. Im Verlauf seines recht effektiv skizzierten Amoklaufes schafft er es ein merklich unwohles und bedrohliches Gefühl zu vermitteln, und mit seinen merklich zynischen und arg strengen Kommentaren gelingt es ihm, die übrigen Grünschnäbel vollends gegen die Wand zu spielen.

Dennoch, auch er kann letztendlich den Film nicht davor bewahren, dass dieser in seiner unkreativen Belanglosigkeit, zusammen im Fahrtwasser ähnlich gestrickter Horror-Light-Produktionen bedingungslos untergehen wird.

 

 

Inside the Darkness“ ist Diät-Filmkost, wie so oft.

Seichte Horrorunterhaltung ohne Tiefgang. Einzig die recht straffe Inszenierung, die zudem auch noch edel ausschaut, weiß zu überzeugen. „Inside the Darkness“ bietet trotz besprochener Schnitzer recht kurzweilige Unterhaltung und kommt überraschend schnell auf den Punkt. Leider Gottes ist die Story so ziemlich das Dümmste, was ich in letzter Zeit gesehen habe und die wenigen Jungschauspieler so dermaßen unbrauchbar, dass man als Filmfreund in jeder zweiten Filmszene gern zur Fernbedienung greifen und diese den Pappnasen gen Kopf schleudern würde. Anhänger bluttriefenden Gekrösels sei vorab an dieser Stelle vorgewarnt, denn dieser Film bietet nichts dergleichen. Da es sich bei „Inside the Darkness“ vordergründig um einen Film für ein eher jugendliches Publikum handelt, hält sich der Gewaltpegel auch im überschaubaren Rahmen dezent zurück. Bis auf eine Schussverletzung, einem Skelett und einen Tritt auf den Kopf wird hier nichts geboten, was Freunde der etwas blutigeren Unterhaltung zufriedenstellen könnte.

 

 

Fazit: 5/10 Punkte

 

Ein belangloser Film unter unzählig Vielen. Horror-Light meets „Dawson´s Creek„.

Erwachsenen Horrorfilmfreunden dürfte dieser Quark vermutlich bitter aufstoßen, dafür immerhin pubertären Filmfans gehörig munden.

 

Deutsche Fassung: ungeschnitten mit einer FSK16-Freigabe

 

Hellraiser80

 

 

 

Filmreview: „Babycall“ (2011)

 

 

Nachdem uns die Schweden zuletzt mit ihrem kongenialen Vampir-Drama „So finster die Nacht“ eindrucksvoll bewiesen haben, dass auch nordeuropäisches Gruselkino in der Lage sein kann, für gehörig Gänsehaut zu sorgen, erscheint demnächst ein weiterer Vertreter aus dem fernen Norden auch in unseren Gefilden.

Der norwegische Mysterythriller „Babycall“ scheint auf den ersten Blick gewisse Parallelen zum obig genannten schwedischen Meisterwerks zu besitzen, handelt „Babycall“ doch auch von trostloser Einsamkeit, von der Suche nach Geborgenheit und Verständnis und von Menschen, die eigentlich anders sind, als deren Umfeld.

Mutter „Anna“ und ihr wortkarger 8-jähriger Sohn sind derart bemitleidenswerte Kreaturen.

 

 

Nachdem Sohn „Anders“ jahrelang vom eigenen Vater misshandelt wurde, ziehen Mutter und Sohn in die anonyme Großstadt um in einer kleinen Sozialwohnung ein neues Leben zu beginnen.

Doch der erhoffte Neubeginn birgt Unmengen an Problemen und Herausforderungen.

Fast panisch überwacht und kontrolliert „Anna“ ihren kleinen Schützling, immer die Angst im Nacken, dass der Kindsvater herausfinden könnte, wo sich die kleine Familie momentan aufhält.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an den Elektronikfachverkäufer „Helge“, der ihr ein Babyphone verkauft, mit welchen „Anna“ auch des Nachts unbekümmert jeden Schritt des Sohnes verfolgen kann.

Es dauert nicht lang, bis die besorgte Mutter, seltsame Schreie und Geräusche aus dem neu erstandenen Utensil wahrnimmt, deren Herkunft sie nicht erklären kann …

 

 

Vorab, der Film(trailer) sorgt freilich für überaus Verwirrung, denn mit „Babycall“ hat Regisseur Pål Sletaune einen zwar soliden Film geschaffen, der aber mehr Sozialdrama ist und nur minimale Mystery-Elemente vorweisen kann.

Wobei diese Genre-Unschlüssigkeit das größte Problem dieses Thrillers ist, denn die Mystery-Elemente passen einfach nicht zum Grundgedanken des Filmes und wirken, gerade zum Ende hin, zunehmend konstruiert und vor allem vollkommen deplatziert.

Dabei hätte die zutiefst traurige Geschichte derart Schiene gar nicht nötig gehabt, lebt sie doch allein von den 3(!) Hauptprotagonisten, die sich fast 90 Minuten ohne Worte zu verständigen wissen und der wahrhaftig genialen Bildkomposition, die es ohne großartiges virtuoses Tam-Tam mit minimalen Mitteln schafft, ein unglaublich depressives und hilfloses Gefühl beim Zuschauer zu entwickeln.

Farbenfrohe Szenen sucht man hier vergebens, eine begleitenden akustische Untermalung ebenso, denn die tritt nur in wenigen ruhigen Minuten in Erscheinung, sodass sich der Zuschauer gänzlich auf das absolut vortreffliche Schauspiel der wenigen Protagonisten konzentrieren kann.

Noomi Rapace , in der Rolle als hilflose Übermutter „Anna“ ist vortrefflich gewählt, unterstreicht ihr psychisch labiles Schauspiel den vollkommen zermürbenden Grundton des Filmes.

Auch Kristoffer Joner als Elektro-Fachverkäufer „Helge“, der sich in die hilflose „Anna“ verliebt, sie aber emotional nicht erreicht, ist in seiner Darstellung zwar überaus zurückhaltend fügt sich dennoch perfekt in die trostlose Handlung ein.

Leider passen die vollkommen aufdringlichen Gruseleffekte nach Annas Kauf des Babyphones nicht wirklich in die Handlung und zerstören den wesentlichen Teil, der arg verstörenden Atmosphäre des Films. Das ist recht schade, denn diese Genre-Unschlüssigkeit schraubt die Filmqualität enorm gen Keller. Hier wollte Regisseur Pål Sletaune vermutlich den ganz großen Coup beweisen und mit einem trefflich überraschenden Storytwist im Stile eines M. Night Shyamalan punkten. Gebracht hat das leider wenig, denn seine unbrauchbare Auflösung fühlt sich an, wie kalter ungenießbarer Kaffee, den man in derart Form in fast schon jedem zweiten Mysterythriller der letzten Jahre gesehen hat.

Babycall“ ist leider eine kleine Enttäuschung geworden. Es gibt wahrlich viele gute Ansätze, die den Film hätten über den Durchschnitt heben können. Ein fast schon unerträglich trauriger und depressiver Grundton unterstreicht den gesamten Film. Die schauspielerischen Qualitäten sind vortrefflich, wäre da nicht der erzwungene Mystery-Abklatsch ab Filmmitte, der den Film vollkommen unbrauchbar macht.

Hätte sich Regisseur Pål Sletaune gänzlich auf die Drama-Komponente konzentriert wäre ihm ein einzigartiger Film gelungen, der mit seinem kontroversen Filmstoff mit Sicherheit den ein oder anderen Zuschauer zum Nachdenken hätte anregen können.

Das Endresultat ist recht ernüchternd und bietet leider nur noch durchwachsene Filmkost, deren Logiklücken gen Ende hin unweigerlich schwer ins Gewicht fallen – überaus Schade!

 

 

 

Fazit 5,5 / 5 Punkten

 

Ein durchschnittlicher Film, der sich leider vollkommen in seinem überflüssigen Genre-Wirrwar verirrt.

Eigentlich schade, zumal die bedrückende Sozialdrama-Komponente zu gefallen weiß.

Deutschlandfilmstart: Juni 2012

FSK-Prognose: ungeschnitten mit FSK16

 

 

Hellraiser80

Filmreview: „ATM“ (2011)

 

 

Der letzte Arbeitstag vor den Weihnachtsfeiertagen: die beiden besten Freunde und Arbeitskollegen Corey und David beschließen den Feierabend bei der betriebseigenen Weihnachtsfeier ausklingen zu lassen.

Kaum dort angekommen trifft der schüchterne David auf die hübsche Emily, die zwar in der gleichen Abteilung arbeitet wie er, aber bisher kaum ein Wort mit dem zurückhaltenden Chaoten gewechselt hat. Die anfänglichen Gesprächsblockaden sind schnell überwunden und die beiden erkennen schnell, dass sie sich einander hingezogen fühlen.

Nachdem die Feierlichkeit ein frühes Ende findet und sich die drei zusammen mit dem Auto auf dem Heimweg machen, ahnen sie noch nicht, dass ihr Zwischenstop an einem Bankautomaten, einen schicksalhaften Ausgang finden wird.

 

 

Mit „ATM“ hat erneut ein unbekannter Nachwuchsregisseur voll ins Schwarze getroffen.

Regisseur David Brooks, der sein Können zuvor mit kleinen Kurzfilmen unter Beweis stellen durfte, hat mit „ATM“ einen wahrlich kleinen fiesen und recht spannenden Thriller geschaffen, der relativ geradlinig und schnell zum Punkt kommt und auch ohne kassenträchtiges Blutvergießen für schweißtreibende Unterhaltung sorgen dürfte.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein ATM-Container, sprich einer der Geldausgabeautomaten, der unabhängig der Öffnungszeit einer Bankfiliale, 24 Stunden am Tag das Geldabheben ermöglicht, wobei das Kunststück des Films darin liegt, das knapp 80minütige Filmgeschehen allein auf den räumlich begrenzten Container und die drei Hauptfiguren zu konzentrieren.

Nachdem die drei Kollegen, die Geldausgabefiliale erreicht haben und das Gebäude betreten, werden sie von einer unbekannten Gestalt in einem dunklen Parka terrorisiert.

Jeder Versuch aus dem Container zu flüchten wird von dem unbekannten Fremden unterbunden und scheitert, jeder Hilfeversuch von Außen wird für den „Helfenden“ mit dem Tode bestraft. Wer der dunkle Kerl im schwarzen Wintermantel ist, sei an dieser Stelle nicht verraten, Fakt jedoch ist, dass sich vor allem die arg kurze Laufzeit und die straffe Inszenierung des Films positiv auf den Erzählfluss auswirken.

Der Film wirkt trotz beschränktem Handlungsspielraum (das gesamte Geschehen konzentriert sich auf das Innere des kleinen Bankcontainers) nie konstruiert, zäh und langweilig, dass Verhalten der drei Protagonisten ist kaum klischeebeladen, stehts nachvollziehbar und logisch.

Ein Kunststück, bedenkt man, dass die drei Schauspieler allein mit ihren Interaktionen und Emotionsausbrüchen versuchen müssen, den Film zu tragen. Regisseur David Brooks weiß zumindest wie er das Horrorpublikum zufrieden stellen muss. Das arg düstere und auswegslose Geschehen wird von einem überaus schroffen und markerschütternden Soundtrack unterstrichen, der in dieser Form seines Gleichen suchen dürfte. Immer dann, wenn die drei Freunde versuchen dem Unbekannten zu entkommen, ertönt ein lauter und hektischer Elektronsound, der vor allem Besitzern von Heimkinoanlagen die Nackenhaare zu Berge stehen lassen dürfte.

Lobenswert, denn diese akustische Spielerei ist bei weitem effektiver und gruseliger als so mancher Schreck- oder Ekeleffekt und dürfte interessierten Filmfans gehörig den Puls in die Höhe schießen lassen..

Soviel Lob, soviel Tadel – denn gerade zum Ende hin, wenn sich die Ereignisse überschlagen und „ATM“ zum lautstarken Finale aufbläst, kann der Thriller mit seiner etwas hanebüchenen Auflösung nicht überzeugen. Die Erklärungs-Ansätze scheinen logisch, die Handlungsbeweggründe des scheinbar unbekannten Psychopathen wirken aber auf den Zuschauer überaus unbefriedigend und vor allem deplaziert.

Das ist recht schade und enttäuschend, da der Film durch die Bank zu fesseln und zu überzeugen weiß, dass Ende jedoch ein enttäuschenden und faden Nachgeschmack hinterlässt, da man als Filmfan dann doch irgendwie eine doch etwas aussagekräftigere und vor allem kreativere Erklärung der Geschehnisse erwartet hätte.

Nichtsdestotrotz, mit „ATM“ hat der Nachwuchsregisseur David Brooks einen packenden, kleinen und fiesen Thriller geschaffen, der durch seine klaustrophobische und auswegslose Grundstimmung zu überzeugen weiß.

Statt blutrünstiges Gemetzel, versucht der Film mit Suspense und Hochspannung zu überzeugen, scheitert aber leider an der etwas zu unbefriedigend erklärten Auflösung.

Sei es drum, für ein Debütwerk außerordentlich sehenswert, da sieht man gern über ein paar klischeelastige Schnitzer in der Handlung und das etwas unfertige Ende ab. Man darf gespannt sein, was Regieneuling David Brooks als nächstes hervorzaubern wird, den Namen zumindest sollte man sich schon einmal gut einprägen!

 

 

 

Fazit 6,5/10 Punkte

 

Kleiner fieser Schocker, denen sich thrill-hungrige Filmfans unbedingt vormerken sollten

FSK-Prognose: ungeschnitten mit FSK16

 

 

Hellraiser80