Filmkritik: „47 Meters Down: Uncaged“ (2019)

47-meters-down-uncaged-2019-poster
 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED

(47 METERS DOWN: THE NEXT CHAPTER)

Story

 
 
 

Gefräßige Killerhaie gehen auf ahnungslose Teenager los, die eigentlich nur etwas erleben wollen und zu einer versunkenen Mayastadt tauchen.

 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Kritik

 
 
 
Ein Film kommt selten allein. Wenn ein Streifen im Kino weit mehr einspielt, als er Kosten verursacht hat, kann man mittlerweile fest davon ausgehen, dass mit gleicher Rezeptur noch einmal schnelles Geld gemacht wird. Leider entpuppt sich fast jede Fortsetzung lukrativer Kinohits als waschechte Enttäuschung, weil große Studios lieber den Vorgänger recyceln, statt ihn konsequent weiterzuerzählen. Da werden keine Risikos eingegangen und die bekannte Geschichte des Erstlings noch einmal aufgewärmt. Alles auf null – die Grundzutaten bleiben die gleichen, nur die Helden sind neu. Filmkenner nennen das Remake. Ehrliche Fortsetzungen sehen anders aus.
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bild-2
 
 
Genau eine dieser dreisten Mogelpackungen nennt sich 47 METERS DOWN: UNCAGED und ist eine Pseudo-Fortsetzung des Überraschungshits von 2016. Letzterer hat knapp 5,3 Millionen US-Dollar gekostet und konnte über das Achtfache einspielen. Dass da eine Fortsetzung nicht ausbleibt, war abzusehen. Statt jedoch nahtlos an genannten Hai-Horror anzuknüpfen, folgte man der Fortsetzungsformel aus Hollywood. Das bedeutet: Einfach noch einmal von vorn anfangen und eine neue Geschichte erzählen, die dem Erstling ähnlich ist. Demzufolge steht das Sequel mit dem Titel 47 METERS DOWN: UNCAGED in keiner Verbindung zum erfolgreichen Vorgänger.
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bild-5
 
 
47 METERS DOWN: UNCAGED erzählt die Geschichte der beiden Stiefschwestern Mia (SOPHIE NÉLISSE aus WAIT TILL HELEN COMES) und Sasha (CORINNE FOXX), die einfach nicht richtig zueinanderfinden wollen. Darum plant Vater Grant (JOHN CORBETT) eine Bootsfahrt in Mexiko für die Schwestern, bei der man durch den Boden eines Glasbootes weiße Haie beobachten kann. Wie es im Horrorfilm aber üblich ist, kommt alles ganz anders. Man verzichtet auf den gut gemeinten Ausflug und macht zusammen mit zwei Freundinnen sein eigenes Ding. Gemeinsam schleichen sich die Damen zu einem kleinen See im Dschungel, wo man nicht nur herrlich baden, sondern mit der richtigen Tauchausrüstung eine überflutete antike Stadt erkunden kann. Ein aufregendes Erlebnis, das die risikofreudigen Teenager ihr Lebtag nicht wieder vergessen werden. Die finden Tauchzubehör, binden es um und begeben sich in ein verzweigtes Höhlensystem. Was die Freundinnen aber nicht wissen: In diesem verzweigten Labyrinth haben es sich auch Haie gemütlich gemacht. Die sind über den unangemeldeten Besuch nicht sonderlich erfreut und veranstalten eine Jagd auf die menschliche Beute.
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bild-5
 
 
Zwar erfolgreicher, aber nicht unbedingt besser. 47 METERS DOWN: UNCAGED war für alle Beteiligten lukrativ und schwemmt weit mehr Dollars in die Geldbörsen, als der erste Film. Das muss aber nicht zwangsläufig darauf hindeuten, dass das Sequel qualitativ in die gleichen Fußstapfen tritt, wie der Originalfilm von 2016. Zwar kamen keine der Darsteller aus dem Vorgänger zurück. Dafür aber Regisseur JOHANNES ROBERTS und Drehbuchautor ERNEST RIERA. Beide zeichneten erneut für Story und Regie verantwortlich. Was man aber dem Zuschauer mit der eigenständigen Fortsetzung zumutet, ist jenseits von Gut und Böse.
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bild-4
 
 
47 METERS DOWN: UNCAGED hat ein großes Problem und das nennt sich Einfältigkeit. Wir folgen einer hanebüchenen Geschichte, wie man sie eigentlich so nur in einem Horrorfilm erzählen kann. Glaubwürdigkeit ist nicht die größte Stärke dieser Hai-Fortsetzung. So sehen wir gleich zu Beginn, wie unsere nicht cleveren Heldinnen hochwertiges Tauchequipment mitten im Nirgendwo finden, das für jeden zugänglich ausliegt. Wer geht derart leichtfertig mit seiner Ausrüstung um? Antworten sind Mangelware. Doch bei diesem Plotloch soll es nicht bleiben. Während eines riskanten Tauchtrips stoßen unsere Heldinnen auf monströse Riesenhaie, deren Augen sich aufgrund permanenter Dunkelheit in den Höhlen rückentwickelt haben. Wie kann das passieren, lag doch das Höhlensystem zur Hochzeit der Maya-Kultur trocken? Das indigene Volk war in Mittelamerika bis vor über 1000 Jahren noch weit verbreitet. Innerhalb von nicht mal einem Jahrtausend soll sich also eine ganze Spezies weiterentwickelt haben? Hier muss es sich wohl um eine Meisterleistung der Evolution handeln. Besser man schaltet das Hirn aus und konzentriert sich auf das Sterben.
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bild-1
 
 
Wie es sich für jeden Hai-Schocker gehört müssen nacheinander alle ihr Leben lassen. Jene Formel folgt auch 47 METERS DOWN: UNCAGED, der viel miserables CGI und lautes Geschrei zeigt, aber es nicht so genau mit der Spannung nimmt. Enttäuschend – vor allem auch deshalb, weil der Streifen nicht viel aus seiner interessanten Grundidee macht. Statt die Protagonisten im klaustrophobischen Labyrinth gefangen zu halten, sie zu terrorisieren und so die Spannungsschraube allmählich bis ins Unerträgliche anzuziehen, verrennt sich 47 METERS DOWN: UNCAGED in nicht nachvollziehbaren Handlungen seiner dummen Figuren und quält mit allerhand totgefilmten Horrorklischees. Viel Trash, wenig Adrenalin. Eine würdige Fortsetzung sieht anderes aus.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Wenn aus klaustrophobischen Survival-Horror ein flacher Teenie-Slasher wird. Die Fortsetzung 47 METERS DOWN: UNCAGED ist der neue Tiefpunk im Haifisch-Genre, denn er hat all das zu bieten, was man in einem guten Horrorfilm eigentlich nicht sehen möchte. Aufgetischt werden austauschbare Jungdarsteller, miserables Storytelling, schlechte Computereffekte und jede Menge Filmfehler. Während STEVEN SPIELBERG in den 1970ern mit seinem DER WEISSE HAI allen Räubern der Meere ein furchterregendes Image bescherte, macht Regisseur JOHANNES ROBERTS aus dem gefährlichen Flossentier eine Lachnummer. Statt Adrenalin und echten Horror zu zeigen, wirkt 47 METERS DOWN: UNCAGED trashig und teils unfreiwillig komisch. Schuld daran sind seltsame Handlungsverläufe und die dummen Figuren. Letztere verhalten sich oft derart dämlich, dass man sich fragt, ob beim Schreiben des Drehbuchs einen Clown gefrühstückt wurde. Immerhin konnte man einige Kids namhafter Schauspieler für die Rollen besetzen. Wir sehen CORINNE FOXX und SISTINE ROSE STALLONE in den Hauptrollen. Hierbei handelt es sich um den Nachwuchs von JAMIE FOXX und SYLVESTER STALLONE. Ob allen Beschäftigten beim Unterzeichnen des Arbeitsvertrags bewusst gewesen ist, dass sie sich für die Arbeit an einem Horrorstreifen auf THE ASYLUM-Niveau entschieden haben. Wir möchten es bezweifeln.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Zensur

 
 
 
47 METERS DOWN: UNCAGED lief in zwei unterschiedlichen Fassungen im Kino: einmal in mit FSK16 in der Originalfassung. Einmal als gekürzte Filmfassung, die bereits für Zwölfjährige geeignet war. Auf der nun erhältlichen Heimkinofassung befindet sich natürlich die ungekürzte Fassung. Diese hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
47-meters-down-uncaged-2019-bluray

(c) CONCORDE HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 47 Meters Down: Uncaged; Dominikanische Republik | Großbritannien | USA 2019

Genre: Horror, Abenteuer, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Kinotrailer, Audiokommentar von Regisseur Johannes Roberts, Produzent James Harris und Autor Ernest Riera, Featurette Diving Deeper: Uncaging 47 Meters Down

Release-Termin: 20.02.2020

 

47 Meters Down – Uncaged [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

47 METERS DOWN: UNCAGED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
47 Meters Down (2016)
 
Bait 3D – Haie im Supermarkt (2012)
 
The Shallows – Gefahr aus der Tiefe (2016)
 
The Reef – Schwimm um dein Leben (2010)
 
Shark Night 3D (2011)
 

Filmkritik: „Kill Chain“ (2019)

kill-chain-2019-poster
 
 
 

KILL CHAIN

Story

 
 
 

Ein erfolgloser Hotelbesitzer trifft in einer Nacht voller Gewalt auf mehrere kriminelle Banden, die alle einem Koffer voller Geld, ihrer persönlichen Vendetta und einem mysteriösen Mittelsmann hinterherjagen.

 
 
 


 
 
 

KILL CHAIN – Kritik

 
 
 
Es stimmt leicht traurig, es sich nach Großerfolgen wie „The Rock“ oder dem fantastisch spielfreudigem „Face/Off“ eingestehen zu müssen, doch wie auch Bruce Willis hat Charakterdarsteller Cage es mit C-Movie-itis erwischt, da der mehrfache Villenbesitzer, Kunstsammler und einst groß gefeierte Filmstar in den letzten Jahren wohl gut daran tut, jeden Job anzunehmen, seine Schulden auszugleichen. Talent ist zweifelsohne da, was bei visionären Projekten wie „Mandy“ auch immer wieder herausgekitzelt wird, spielen KANN Cage, nur die Motivation, sich wirklich um den Film oder Charakter zu kümmern, ist leider immer seltener ersichtlich. Und somit wären wir also bei „Kill Chain“, einem neuen Gangsterthriller von Ken Sanzel, den aufmerksame Genrefans schon als Produzent, Schreiberling oder Regisseur anderer Crime-Filme der 2000er kennen könnten, dessen letztes Regiewerk hiervor „The Gunfighters: Blunt Force Trauma“ darstellt. Legt man die deutsche Blu-ray rein, wird man mit zwei Trailern begrüßt, bevor das simple, rot-bläulich gehaltene, aber zweckdienliche und recht schicke Menü einen mit einer gitarrenlastigen 70s-Eurocrime-Spion-Score begrüßt, die auch direkt von The Iron Horse stammen könnte. Kapitelnamen gibt’s keine, auch englische Untertitel leider nicht, then again dürften diese bei wenig philosophischen, knackigen 90 Minuten Genreunterhaltung auch nicht weiter nötig sein, oder?
 
 
kill-chain-2019-bild-3
 
 
Drohnenaufnahmen einer nächtlichen Großstadt leiten in den Film ein, begleitet von einem dumpfen Bass, dessen Verlauf zunehmend leicht an die 80s erinnert, zu dieser schicken Neon-Ästhetik gesellen sich alsbald Lederjacken tragende Gangster, die sich unruhig umschauen und vermehrt blinzeln, was unbedarftes Schauspiel, aber auch charakterisierenden Drogenkonsum signalisieren kann. Eine blutige, halbnackte Schönheit sowie ein leider allzu nuschelnder Nic Cage, der Wörter verschluckt als hätte er seinen Bart im Mund, bringen dann nach einigen Minuten Licht ins Dunkel, da man sich sowohl genretechnisch langsam zu orientieren weiß, – femme fatales, kaputte, alte Hotels, grimmige, bewaffnete Charaktere – als auch inhaltlich. Die beiden Typen, von denen der jüngere allzu peinlich spielt, sind Auftragskiller, und wollen Nic Cage umlegen – dieser erzählt aber noch eine letzte Story und somit dürfen nun todhässliche Opening Credits durchlebt werden, die mit einem Krankheits/“irgendwas krabbelt unter der Haut“-Filter à la Cabin Fever unterlegt sind, was inhaltlich so gar nicht passen will. Szenenbilder in bunten Farben, Gejauchze über country-mäßigen E-Gitarren, dann wirklich ein unpointiertes Fade-Out – völlige Abschreckung ist anders, die Opening Signals von „Kill Chain“ sind allerdings wirklich nicht allzu einladend.
 
 
kill-chain-2019-bild-1
 
 
Was sich in den nächsten ~85 Minuten entpuppen soll, und auch von Sanzel im Interview erklärt wird, ist nun jedenfalls die Tatsache, dass die ganze Grundidee von „Kill Chain“ eben auf dieser angerissenen Ausgangssituation im Hotel basiert und der Titel zudem nicht von ungefähr kommt, da man als Zuschauer nun in der Tat einer bisweilen minimal verwirrenden, prinzipiell aber simplen und sehr geradlinigen Kette von Ereignissen folgt, die eben zu besagtem Intro geführt haben. Das hat den Vorteil, dass man sich settingtechnisch austoben konnte, da die Episoden kaum miteinander verbunden sein müssen was den Handlungsort oder den Charakter belangt, dafür aber den Nachteil, dass die einzelnen Szenen, Episoden, Kurzfilmkonzepte und Ideen teils besser klappen, als das große Ganze – „Kill Chain“ ist weniger effektiv, als die Summe seiner Einzelteile. Diese sind dafür aber durchaus lobenswert, auch wenn der Anfang mich wenig packen konnte: So starten wir mit einem älteren Scharfschützen und seinen privaten Problemen/Gesprächen im Kontrast zu seinem Job, nur dass Enrico Colantoni die seit Pulp Fiction bereits x-mal durchgekaute Thematik nicht sonderlich spannend spielt und eher die recht interessanten Noir-Digitaloptik punkten kann. Es gibt in diesem Setting/Part des Films recht schnell etwas Spannung und Grund zum Mitfiebern, dazu Brüste und nette Bilder, doch das Verhalten des Protagonisten bleibt schlußendlich wenig nachvollziehbar, zumal fragt man sich zu dem Zeitpunkt schon, wo genau der Zusammenhang zum Rest nun sein soll. Memetauglich peinliches Schauspiel kommt häufig bei emotionalen Ausbrüchen hoch, so auch hier, dafür entschädigt dieses, mit rund 20 Minuten etwas zu lange, Intro mit gutem Editing und gequält anschwellenden E-Gitarren im richtigen Moment.
 
 
kill-chain-2019-bild-2
 
 
Ähnlich episodenhaft und ohne jeden Nicolas Cage-Faktor geht es dann auch weiter, denn nachdem die ganze Zeit in einem Raum verbracht wurde, geht es nun in das noch klaustrophobischere Setting eines Autos, in dem ein frisch gefangen genommener Killer versucht, seine korrupten Kidnapper gegeneinander auszuspielen. Erneut eine oft so oder so ähnlich gesehene Szene, dafür aber diesmal ziemlich knackig kurz, überraschend, exzellent getrickst, gut genug gespielt von allen Beteiligten und zudem mit einem geradezu lynchesquen Soundtrack versehen, der die nächtliche Hetzjagd ein gutes Stück atmosphärischer macht. Gerade Eddie Martinez weiß in diesem Segment zu glänzen und gibt eine manipulative, spielfreudige Performance ab. Setting 3 kann man dann mit „Bunte Fabrik mit Action“ beschrieben werden, wobei erstere hier leider eher an ein Musikvideo, denn an „Evil Dead Trap“ oder ähnlich Argento-inspirierte, expressionistische Werke erinnert, auch ist die eigentliche Schießerei oft Offscreen oder verwackelt – als komödiantisches Highlight gibt es dafür eine lächerliches „Verstecken im leeren Raum“ sowie flüchtende Untertitel, die den Gang entlangfliegen wie in einer 2000s-Moviemaker-Montage von Omas Urlaubsvideos. Loben muss man das mutige Pacing und nun hohe Tempo dennoch, zumal erstmalig, endlich wieder Charaktere aus dem Hotel-Setting auftreten, die für Verlaufsspannung sorgen. Der Stereotyp des oberkörperfreien, MG-tragenden Amis wird in Zeitlupe persifliert und zeigt wie verspielt und selbstbewusst überzeichnet der Film teilweise ist, nach einer sexy Autofahrt mit extrem seichtem Seufz-Soundtrack geht es nach etwa der Hälfte des Films auch endlich in das Anfangssetting und Cage darf zeigen, was er noch kann – oder will.
 
 
kill-chain-2019-bild-4
 
 
Die enttäuschende Antwort lautet erstmal nur „Gerade genug“, denn während Anabelle Acosta sich als sehr guter Cast erweist und eine lebhafte, sinnliche Performance abgibt, grummelt Cage stattdessen irgendwas in seinen Bart, den er auch zu häufig kratzt, wenn er nicht gerade mit seiner Brille spielt. Fingerpistolen und kurzes Rumschreien nach dem Shot mahnen an die Eigenarten, die Fans so sehr lieben, doch wirklich aus sich rauskommen tut Nicolas zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Trotz Klischee-Lines à la „Everyone has bad dreams“ oder Beobachtungen wie „You have the hands & face of a violent man.“ ist der Dialog hierbei aber recht reizvoll und solide geschrieben, natürlich folgt der obligatorische Beischlaf mit Herrn Cage, doch die stilsichere Inszenierung mit ruhiger Handkamera, elliptische Erzählung abseits von Sexszenen-Klischees und die entspannte Lounge-Musik lassen selbst diese Szenen nicht zur Geduldsprobe verkommen. Wenn nach etwa einer Stunde Film wie erwartet die Antagonisten wiederkommen, der dritte Akt eingeläutet wird, die letzte halbe Stunde beginnt und die erste Szene narrativ erreicht wurde, lädt sich dank eines treibenden Soundtracks noch einmal Spannung auf, die durch blutige, kaltschnäuzige Kills und eine recht clevere Szene, die erneut an einen Kurzfilm erinnert, befriedigend entfesselt wird. Zugegeben, der Dialog wird zunehmends unnatürlich/realistisch und erkennbar filmisch, auch wird eine eigentlich so ruhige Stelle zu nervig gefilmt/verschnitten und scheinbar wurde zu spät bemerkt, dass man noch notdürftig eine relativ lange Backstory einfügen muss – doch durch gelungene Rekontextualisierungen erzählter Infos, eine emotionaler, offener und besser werdende Performance von Nicolas Cage, kreative und schicke Winkel, sowie teils wuchtige Waffensounds ist für Kurzweil und Unterhaltung allemal gesorgt. Diesem 88-minütigen Gangsterfilm ein allzu gewollt emotionales Ende mit Klischeemusik und Subplottwists aufzudrücken war vielleicht nicht die beste Idee, erst recht nicht wenn reine Noir-Charakternamen wie „The woman in red“, „The mean assassin“ etc. in den Credits direkt anzeigen, wie wenig ernst man diesen Film doch eigentlich nehmen sollte, aber abseits davon wird man doch tatsächlich mit einem Lächeln aus seiner Filmerfahrung entlassen – was bleibt also noch zu sagen?
 
 
 


 
 
 

KILL CHAIN – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Kill Chain“ ist teilweise unterhaltsam grimmig, schick, modern, lebendig, kreativ gefilmt und wirkt wie eine minimalistischere, amerikanische Version des wirklich guten „Cat Run“s, gleicht mit mutig expliziten, super handgetricksten Effekten stellenweise einer brutalen tour de force und kann durch seine audiovisuelle Komponente immer wieder die Muskeln spielen lassen, gleichzeitig handelt es sich aber auch um einen sehr simplen, überschaubaren, belanglosen Film. Genrefans mit Lust auf eine relativ interessante Erzählstruktur, versierten Aufnahmen, punktuell spannende Konfrontationen und eine teils witzige, später unironisch gelungene Nic Cage-Performance können sich den Spaß auf jeden Fall genehmigen, explizit für seine Rolle oder mit Erwartungen an einen groß budgetierten Hollywood-Reißer sollte man aber nicht an den Film herantreten.
 
 
 


 
 
 

KILL CHAIN – Zensur

 
 
 
„Kill Chain“ hat von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Fassung ist ungeschnitten. Action- und Thrillerfans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

KILL CHAIN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
kill-chain-bluray-fsk18

(c) CONCORDE HOME ENTERTAINMENT

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kill Chain; USA 2019

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Kinotrailer

Release-Termin: 27.12.2019

 

Kill Chain [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

KILL CHAIN – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Abbildungen stammen von CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Baytown Outlaws (2012)
 
Cat Run (2011)
 
Motel Room 13 (2014)
 

Filmkritik: „Stay Out Stay Alive“ (2019)

stay-out-stay-alive-2019-poster
 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE

Story

 
 
 

Fünf Freunde erleben in einer alten Mine einen Goldrausch und müssen dort um ihr Leben bangen.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Kritik

 
 
 
Schilder auf denen ein „Betreten verboten“ vermerkt ist, sind im Horrorfilm immer so eine Sache. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Dekoration, werden die darauf vermerkten Hinweise in der Regel missachtet. Die Einsicht kommt meistens zu spät. Weil die Warnung nicht ernst genommen werden, wird mit dem Tod bestraft. Protagonisten in Genrefilmen lernen eben nicht dazu. Genau diese Erfahrung müssen auch unsere neunmalklugen Helden in STAY OUT STAY ALIVE machen, die sich mal wieder über jedwede Verbote hinwegsetzen und am Ende die Konsequenz dafür erhalten. Die amerikanische Indie-Produktion über Naivität, Moral und Habgier geht auf das Konto von DEAN YURKE. Der zeichnete bisher für unzählige visuelle Effekte in vielen bekannten Hollywood-Streifen verantwortlich. Darunter: THE AVENGERS, diverse STAR WARS- und auch HARRY POTTER-Filme. Als Regisseur betritt er nun Neuland und ist damit nicht allein. Im Horrorfilm-Geschäft ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Kreativlinge der Filmbranche auch in anderen Bereichen Erfahrungen sammeln.
 
 
stay-out-stay-alive-2019-bild-4
 
 
In diesem Film geht es um fünf junge Menschen, die sich zu einem Ausflug in einen amerikanischen Nationalpark begeben, um dort ein paar alte Minen zu erkunden. Die Gegend hat eine tragische Vergangenheit. Während der Zeit des Goldrausches in der Mitte des 19. Jahrhundert kam es hier zu Auseinandersetzungen zwischen amerikanischen Ureinwohnern und Minenarbeitern. Seither ist die Gegend verflucht. Doch das kümmert unsere Freunde nicht. Die setzen sich den Anweisungen von Park-Rangerin Susanna hinweg und erkunden trotz Warnungen das Naturschutzgebiet auf eigene Faust. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Einer der Freunde verunglückt in einer der Minen. Doch der Unfall hat auch etwas Gutes. In diesem verlassenen Schacht gibt es Gold in Hülle und Fülle. Das spornt die Kumpels an, doch etwas länger zu verweilen. Das Wohl des verletzten Freundes ist schnell Nebensache. Viel wichtiger ist das Gold und vor allem das, was man damit anfangen kann. Ein verhängnisvolles Unterfangen, das den jungen Leuten das Leben kosten wird.
 
 
stay-out-stay-alive-2019-bild-3
 
 
STAY OUT STAY ALIVE beruht – so erklärt man im Vorspann – auf wahren Begebenheiten. Der Streifen wurde vom Mariposa-Indianerkrieg und einem daraus resultierenden Fluch inspiriert. Das ist zwar alles weit hergeholt, lässt sich aber besser verkaufen. Weitaus weniger dick aufgetragen ist die Botschaft des Films. Die handelt einmal mehr von der Bestie Mensch, die – sobald mit Extremsituationen konfrontiert – ihr wahres Gesicht offenbart. Genau das passiert auch in STAY OUT STAY ALIVE. Rasch ist man vom schnellen Reichtum fasziniert, der die Protagonisten verändert. Da ist sich bald jeder selbst der Nächste. Freundschaften oder gar ein Menschenleben haben auf einmal kaum noch Gewichtung. Dass das im Chaos enden wird, dürfte abzusehen sein.
 
 
stay-out-stay-alive-2019-bild-2
 
 
STAY OUT STAY ALIVE ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne. Vielmehr verbirgt sich hinter dem reißerischen Titel ein Psychothriller, der den Zuschauer den Spiegel vor Augen halten will. Ein zynisches Lehrstück über menschliche Schwächen, das vor allem dank gut ausgewählten Jungdarstellern nachwirkt. Frische Gesichter, die dazu auch noch was können. Das ist normalerweise in Indie-Produktionen mit so einem kleinen Budget nicht die Regel. Die talentierten Akteure stemmen das kammerspielartig ausgelegte Survival-Stück allein auf ihren Schultern und bekommen kurz Unterstützung von Horrorikone BARBARA CRAMPTON. Die war in den 1980/90er in einige sehr bekannten Horrorfilmen zu sehen und scheint sich zu ihren Anfängen zurückzubegeben. Zuletzt sah man sie verstärkt in Genre-Produktionen. Darunter: dem gefeierten WE ARE STILL HERE – aber auch im hundsmiserablen Splatter-Trash DEATH HOUSE.
 
 
stay-out-stay-alive-2019-bild-1
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine ungemütliche Parabel über Habgier, Neid und Raffsucht. Wenn fünf junge Leute alte Minen erkunden, erwartet man eigentlich so Filme wie THE DESCENT in denen boshafte Kreaturen nach dem Leben der Helden trachten. Dass sich Horror aber auch ohne Monster in Höhlen entfalten kann, beweist STAY OUT STAY ALIVE. Darin springen sich Freunde wegen gefundenem Gold an die Gurgel, weil niemand was abgeben möchte. Der Film kommt fast ohne Spezialeffekte aus und geht es weitaus psychologischer an. Regisseur DEAN YURKE streift menschliche Urängste, thematisiert aber auch die dunkle Seite des Menschen, welche in jedem von uns schlummert. Entstanden ist ein kleiner Indie-Beitrag, der vor allem von der Tatsache zerrt, wie und ob das hier alles gut enden wird. Der Film entfaltet eine bemerkenswerte Dynamik. Schnell kippt die Stimmung, es werden Konflikte geschnürt und es kommt zum unausweichlichen Showdown. Angesichts der Tatsache, dass das alles nur für etwas Gold passiert, schockiert – ist aber nicht weit hergeholt. STAY OUT STAY ALIVE ist eine zynische Geschichte, wie sie tagtäglich so ähnlich überall auf der Welt passiert. Da kommt mal wieder zum Vorschein, dass der Mensch für ein paar Taler mehr in der Tasche dem Teufel gern seine Seele verkauft.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Zensur

 
 
 
STAY OUT STAY ALIVE hat eigentlich keine Gewalt zu bieten. Eine Spitzhacke wird in einen Körper gehauen und ein Gewehrschuss wird ausgelöst – das war’s. Ansonsten klemmt sich eine Protagonistin das Bein ein. Der Rest ertrinkt. Hierzulande ist definitiv eine FSK16 möglich. Vielleicht sogar auch eine FSK12. Insofern es der Überlebensthriller überhaupt nach Deutschland schafft.
 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Motion Pictures LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole (2001)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)
 
Beneath – Abstieg in die Finsternis (2013)
 

Filmkritik: „Killerman“ (2019)

killerman-2019-poster
 
 
 

KILLERMAN

Story

 
 
 
Nachdem bei einem Drogengeschäft alles schief lief und Geldwäscher Moe sein Gedächtnis verliert, hat er plötzlich korrupte Cops am Hals.

 
 
 


 
 
 

KILLERMAN – Kritik

 
 
Man bekommt so viele Actionfilme angepriesen, die dann eigentlich gar keine sind. Zu der langen Liste darf sich nun auch „Killerman“ gesellen, der zwar mit einem reißerischen Titel dienen kann, aber ansonsten kaum etwas von der versprochenen Action bietet. Das muss natürlich längst nicht bedeuten, dass man es mit einem schlechten Film zu tun hat. Tatsächlich entwickelt „Killerman“ im Laufe der Zeit seine Qualitäten, aber das ist zu wenig, um nachhaltig beeindrucken zu können.
 
 
killerman-2019-bild-4
 
 
Moe ist ein Geldwäscher und er will durch den Onkel seines Kumpels Skunk ins noch dickere Geschäft einsteigen. Doch als plötzlich alle Deals abgesagt werden, will Skunk seine eigene Chance nutzen. Die Geschichte endet in einem Fiasko, bei dem Moe sein Gedächtnis verliert. Plötzlich befindet er sich in einer Welt voll mit Kriminellen, bei der er nicht weiß, ob er dazu gehört. Doch die echte Gefahr liegt in ein paar korrupten Cops, die gerne ihre Drogen zurückhaben würden und dafür auch über Leichen gehen.
Die Story braucht etwas, um an Fahrt aufzunehmen, ist im Prinzip aber gar nicht mal wenig reizvoll. Die Sache mit der Amnesie hätte man auf jeden Fall interessant nutzen können, doch leider geht man nicht wirklich in die Tiefe und lässt alles nur nebenbei stattfinden, so dass das Szenario selten richtig glaubwürdig wirken kann. Hinterher gibt es dann noch einen großen Twist, den man als Zuschauer nicht unbedingt vorhersehen kann. Auch dieser ist von der Idee her nicht schlecht, wird jedoch so dargeboten, dass es am Ende kaum einen Unterschied macht, ob es ihn gab oder nicht. Auch hier wurde leider das vorhandene Potenzial zu wenig genutzt.
 
 
killerman-2019-bild-3
 
 
Am ehesten wird „Killerman“ mit Liam Hemsworth, dem jüngsten der Hemsworth-Brüder-Schauspieler, beworben. Er macht seine Sache sicherlich nicht schlecht, mogelt sich aber nahezu mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch den gesamten Film. Mit seiner Figur steht und fällt dann eigentlich auch der ganze Film. Dieser Moe wird dem Zuschauer überhaupt nicht näher gebracht. Man kennt ihn nicht, weiß nichts über ihn und deshalb lässt es einen auch ziemlich kalt, was ihm da so widerfährt. Bis zu einem gewissen Grad musste man das sicherlich so gestalten, aber trotzdem ist die Figurenzeichnung hier zu kalt geraten, denn ein Mitfiebern ergibt sich so schlichtweg nicht. Da liegt einem Emory Cohen als Skunk tatsächlich noch eher am Herzen, was sicherlich mit daran liegt, dass Cohen seine Sache doch ziemlich überzeugend macht. Ansonsten gibt’s noch einen bösen Boss dort und ein paar korrupte Cops da. Alles wird zweckdienlich und solide gespielt und trotzdem will keine Leistung in Erinnerung bleiben, weil die Charaktere dafür auch einfach viel zu eindimensional gestaltet wurden.
 
 
killerman-2019-bild-2
 
 
Regisseur Malik Bader, der sich selbst auch für das Drehbuch verantwortlich zeigte, macht seine Sache dabei doch ganz passabel. „Killerman“ wirkt nicht billig, wurde gut gefilmt und besitzt seine handwerklichen Qualitäten. Es geht meistens relativ ruhig zur Sache und die Szenen wurden gut eingefangen, über fehlende Abwechslung an Schauplätzen kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Insgesamt lässt sich Bader aber doch etwas zu viel Zeit. Alleine die Einleitung dauert ungefähr eine halbe Stunde und danach gibt es weiterhin Szenen, die nicht von größter Interesse sind. „Killerman“ ist ein Film, der von Minute zu Minute besser wird, aber um richtig gut zu werden, fehlt ihm dann die Laufzeit. Diese ist mit knapp zwei Stunden jedoch keineswegs kurz ausgefallen. Man lässt sich nur zu viel Zeit, um konsequenter zu werden, weil man wohl nicht wusste, wie man die Minuten zuvor sonst füllen soll.
 
 
killerman-2019-bild-1
 
 
Der Atmosphäre ergeht es ganz ähnlich. Anfangs ist diese erst mal ziemlich nichtssagend, weil nicht viel passiert, was den Zuschauer in irgendeine Stimmung versetzen könnte. Das wirkt zunächst wie ein kleiner, belangloser Drogen-Krimi, wird dann aber im Verlauf doch noch deutlich düsterer und teilweise auch recht rabiat. Die Freigabe ab 18 Jahren ist zwar übertrieben und fast sämtliche Gewalt spielt sich im Off ab, aber immerhin hat es „Killerman“ nicht so sehr mit der Moral und wirkt in ein paar Szenen äußerst kalt. Nur mit Action sollte man absolut nicht rechnen, denn bis auf eine kleine Verfolgungsjagd und ein paar Schüsse, gibt es hier nichts, was an Action denken ließe. Das ist ein reiner Thriller, der sich auch lediglich darauf konzentriert. Keine Drama-Einschübe, kein Humor – Eine recht trockene Angelegenheit, der es am Ende schlichtweg an Intensität fehlt. Der Score ist allerdings ordentlich geworden und begleitet das Treiben sehr passend.
 
 


 
 
 

KILLERMAN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„Killerman“ macht es auf keinen Fall falsch, aber leider auch nicht wirklich richtig. Das Drehbuch besitzt eine interessante Grundidee, der Twist hätte reizvoll sein können, aber alles wird zu oberflächlich dargeboten, um jemals das Potenzial auszureizen. Die Darsteller sind vollkommen in Ordnung, nur die Figurenzeichnung nimmt sich zu sehr ein Vorbild an der Story und bleibt nicht lange im Gedächtnis. Dabei kann man sich aus handwerklicher Sicht absolut nicht beklagen und die Atmosphäre ist in ihrer Kälte auch nicht schlecht gelungen. Leider ist das alles zu selten richtig unterhaltsam, es mangelt komplett an Action und Spannung sucht man überwiegend auch vergebens. Zwar wird das mit zunehmender Laufzeit immer besser, aber wenn der Film dann zu Ende ist, ist man nicht böse darum. Schade, denn hier wäre durchaus mehr drin gewesen!
 
 
 


 
 
 

KILLERMAN – Zensur

 
 
 
„Killerman“ hat von der FSK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Die Fassung ist ungeschnitten, darf aber nur von Volljährigen gekauft oder gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

KILLERMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
killerman-2019-bluray

(c) Capelight Pictures (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Killerman; USA 2019

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 112 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 13.12.2019

 

Killerman [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

KILLERMAN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
John Wick (2014)
 
John Wick 2 (2017)
 
John Wick 3 (2019)
 
Crank (2006)
 
Crank 2: High Voltage (2009)
 

Filmkritik: „The Silence“ (2019)

the-silence-2019-poster
 
 
 

THE SILENCE

Story

 
 
 
In „The Silence“ wird die Menschheit von einer unbekannten Parasitenart überfallen, die ein enorm gutes Gehör besitzt. Es gilt also: Nur, wer sich absolut still verhalten kann, hat auch Chancen zu überleben.

 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Kritik

 
 
Die Story von „The Silence“ mag denen, die „A Quiet Place“ gesehen haben ziemlich bekannt vorkommen. Da dieser 2018 einer der größten Überraschungs-Hits war, liegt der Verdacht nahe, dass man es hier mit einer Kopie zu tun hat, weil andere auch etwas vom Kuchen abhaben wollten. Das wäre jedoch unfair, weil die Dreharbeiten zu „The Silence“ bereits 2017 begannen, außerdem basiert das Ganze auch noch auf einem Roman. Trotzdem sind Vergleiche natürlich nicht zu verhindern, da sich die Szenarien sehr ähneln. Man hat aus der Geschichte jedoch eine sehr eigenständige Variante gemacht, die äußerst kurzweilig daherkommt.
 
 
the-silence-2019-bild-1
 
 
In einem Höhlensystem wird eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt, die sich rasch verbreitet und schon bald ganz oben in der Nahrungskette steht. Diese Spezies, welches „Wespe“ genannt wird, ist blind, kann aber äußerst gut hören. Deshalb muss sich jeder enorm still verhalten, wenn er überleben möchte. Nun bekommt der Zuschauer den Überlebenskampf vom Familie Andrews zu sehen, die schon bald nach der Nachricht, was in der Welt vor sich geht, aufbricht, um irgendwie irgendwo bestehen zu können. Wie auch bei „A Quiet Place“ ist ein taubes Familienmitglied vorhanden, Gebärdensprache kommt vor, dominiert das Geschehen jedoch nicht so stark und geflüstert wird ebenfalls reichlich. Viele Elemente sind gleich, doch kopiert wirkt das dennoch niemals, denn dafür sind die Herangehensweisen zu unterschiedlich. Die Parasiten, welche die Prämisse erst möglich machen, sind nicht gerade ein kreativer Höhepunkt, dienen aber sowieso nur als Mittel zum Zweck. Im letzten Drittel schlägt man nämlich überraschend einen doch noch ganz anderen Weg ein. Gerade hier distanziert man sich sehr von „A Quiet Place“. Genügend Eigenständigkeit ist also vorhanden und somit weiß das Drehbuch zu überzeugen.
 
 
the-silence-2019-bild-2
 
 
Anfangs gibt es noch ganz normale Dialoge zu hören, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Es dauert nicht lange, bis die Wesen angreifen und mit fortschreitender Laufzeit wird immer weniger gesprochen. Hinterher wird oftmals geflüstert oder man verständigt sich über Gebärdensprache. Man muss als Zuschauer also schon mal desöfteren Untertitel lesen, doch allgemein sind die Dialoge, ob nun gesprochen oder in Textform, gar nicht so interessant. Viel packender ist es immer dann, wenn absolute Stille das Treiben beherrscht und man versuchen muss, diese aufrecht zu erhalten. Hieraus schöpft „The Silence“ ein paar spannende Momente, die zwar leider meistens recht flott wieder gelöst werden, aber dennoch für Kurzweil sorgen. Die 90 Minuten Laufzeit sind wirklich zügig vorbei und besitzen keinerlei Längen. Das offene Ende ist fast etwas zu happy geraten, doch allgemein ist die Atmosphäre schön düster und ein wenig postapokalyptisches Feeling kommt mit simplen Mitteln ebenfalls zustande. Das wurde handwerklich schon souverän gestaltet. Die Schauplätze wechseln einige Male und das Tempo ist sehr hoch. Zeitgleich werden viele Szenen aber von dieser Ruhe beherrscht – Ein schöner Gegensatz, der das Geschehen nur noch unterhaltsamer macht. Über die Effekte kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Zwar sieht man, dass die Parasiten aus dem Computer stammen und ihr Aussehen ist nicht höchst originell, aber solide ist das durchaus. Zudem gibt es ein paar recht brutale Szenen, die schon weh tun können.
 
 
the-silence-2019-bild-3
 
 
Die Darsteller wissen zu überzeugen. Allen voran ist Stanley Tucci absolut souverän in seiner Rolle. Er strahlt eine tolle Ruhe aus, aber auch Kiernan Shipka ist als seine taube Filmtochter gut und die Beiden geben auf jeden Fall die eindringlichsten Leistungen von sich. Vom Rest wird weniger verlangt, doch enttäuscht wird man hier ebenfalls nicht. So viele Darsteller gibt es übrigens gar nicht zu sehen, was im Falle von „The Silence“ gut so ist. Die Figurenzeichnung ist ziemlich normal und zweckdienlich. Viel erfährt man über die Charaktere nicht und wirklich viel erzählen, dürfen sie ja auch gar nicht. Trotzdem sind genügend Sympathien vorhanden, um mit Familie Andrews mitfiebern zu können. Schön ist nebenbei, dass das Verhalten der Protagonisten recht logisch ist und nebenbei bekommt man noch einen unaufdringlichen Score zu hören, der die Atmosphäre gut unterstützt.
 
 
the-silence-2019-bild-4
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mit „The Silence“ bekommt der Sinnes-Horror einen weiteren, gelungenen Beitrag spendiert. Der Film erinnert zwar schon sehr an „A Quiet Place“, stellt jedoch keine reine Kopie dar und macht einige Dinge sogar besser. Auf jeden Fall ist er dynamischer und kurzweiliger. Aus der simplen Grundprämisse hat man mit guten Ideen eine ganze Menge gemacht und selbst wenn die Logik manchmal minimal schwächelt, ist das Szenario authentisch umgesetzt. Außerdem gibt es gute Darsteller zu sehen, die handwerkliche Arbeit überzeugt und manche Szenen besitzen eine ordentliche Portion Spannung. Leider kommt das Ende ziemlich abrupt und manche Momente hätten noch deutlich mehr Potenzial gehabt, aber Fans von „A Quiet Place“ sollten sich diese Variante keineswegs entgehen lassen. Unterhaltsam!
 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Zensur

 
 
 
„The Silence“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-silence-2019-bluray

(c) Constantin Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Silence; Deutschland | USA 2019

Genre: Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 07.11.2019

 

The Silence [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE SILENCE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Quiet Place (2018)
 
Bird Box – Schließe deine Augen (2018)
 

Filmkritik: „Mary“ (2019)

mary-2019-poster
 
 
 

MARY

Story

 
 
 

Ein Familienvater bringt eine alte Yacht wieder auf Vordermann und fühlt sich von deren Galleonsfigur plötzlich magisch angezogen. Ein Schelm, wer da Böses vermutet.


 
 
 


 
 
 

MARY – Kritik

 
 
 
Auf einer kleinen Segelyacht auf offenem Meer festzusitzen dürfte Horrorvorstellung genug sein. So gab es schon einige Filmemacher, die daraus brauchbares Psychomaterial fabriziert und damit Zuschauer wie Protagonisten an ihre Grenzen getrieben haben. Zuletzt gelang das ROB GRANT mit HARPOON ganz gut. Darin sorgte ein Motorschaden dafür, dass sich drei Freunde auf hoher See an die Gurgel gingen. Doch auch anderer Filme nutzten das begrenzte Set eines Bootes dafür, um klaustrophobische Stimmung heraufzubeschwören und mit psychologischen Horror Herzrasen zu verursachen. Darunter TODESSTILLE oder TRIANGLE – um nur einige sehenswerte Thriller zu nennen. Irgendwo zwischen genannten Produktionen befindet sich auch MARY. Der macht sich ebenfalls die Tatsache zu Eigen, dass aus einem Kutter schnell ein verzwicktes Gefängnis werden kann, wenn man weit draußen auf dem Meer umhertreibt, wo Hilfe lang auf sich warten lässt. Was den Streifen aber von all den oben erwähnten Produktionen unterscheidet, ist der paranormale Einschlag, den sich Drehbuchautor ANTHONY JASWINSKI ausgedacht hat. Letzterer hatte vor einiger Zeit zwei gute Drehbücher abgeliefert und bescherte mit THE SHALLOWS sowie KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN kurzweiligen Adrenalinkick. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen? Denkste! Offenbar verließen Jaswinski beim Drehbuch zu MARY die Geister. Kaum Spannung und alles schon unzählige Male gesehen. Auch Autoren haben mal nen schlechten Tag.
 
 
mary-2019-bild-2
 
 
Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt bringt den Tod. In MARY dreht sich alles um Vater David (GARY OLDMAN), der ein runtergekommenes Segelschiff bei einer Auktion ersteigert und es wieder fahrtüchtig machen will. Gattin Sarah ist zwar nicht sonderlich begeistert, aber gibt letztendlich klein bei. Einige Wochen später erstrahlt das Boot in neuem Glanz und soll auch gleich ihr erstes Ziel ansteuern. Ausgerechnet zum Bermudadreieck zieht es den Besitzer. Der pfeift auf Warnungen und steuert samt Familie sowie Bekannten der Gefahr entgegen. Doch das Teufelsdreieck im Atlantik soll das kleinere Übel bleiben. Auf der restaurierten Yacht geht es bald nicht mit rechten Dingen zu. Der Freund der älteren Tochter scheint von unsichtbaren Mächten besessen und auch Nesthäkchen Mary verhält sich auf einmal alles andere – nur nicht normal. Da bekommt es das Familienoberhaupt verständlicherweise mit der Angst zu tun. Alles nur Einbildung oder waschechter Spuk? MARY nimmt zwar das Finale vorweg, rekonstruiert anschließend die Ereignisse in Rückblenden.
 
 
mary-2019-bild-4
 
 
Etwas Originalität wäre schön gewesen. MARY ist vorhersehbare Gruselware von der Stange, die kein Geheimnis um ihren dünnen Plot macht. Viel zu früh lüftet Regisseur MICHAEL GIO des Pudels Kern und tut sich damit keinen Gefallen. Ja, das Boot ist von einem boshaften Geist besessen, der nur ein Ziel kennt: die Besitzer ins Unglück stürzen. Das passiert Schritt für Schritt ohne dass jemand etwas davon bemerkt. Erst sind es grauenvolle Visionen und Albträume, die Mutter Sarah den Verstand rauben. Später malt der jüngste Spross schaurigen Bilder, auf denen eine dunkle Gestalt zu sehen ist, die schreckliche Dinge anstellt. Viele Zufälle – aber niemand wird stutzig. Willkommen zu einem weiteren dummen Horrorfilm des Jahres 2019.
 
 
mary-2019-bild-1
 
 
MARY ist eine Aneinanderreihung von Horrorfilm-Klischees, die man in beinahe jedem Geisterfilm zu sehen bekommt. Visionen, Spuk, Besessenheit und 10-kleine-Jägermeister-Prinzip. Am Ende sind fast alle tot. Neue Ideen? Fehlanzeige! Stattdessen läuft alles so ab, wie man es eben aus den vielen Gruselfilmen kennt, die seit den Erfolgen von RING, THE CONJURING oder auch PARANORMAL ACTIVITY viel zu oft über die Mattscheibe geflimmert sind. Das ist ermüdend, zumal sich Drehbuchschreiber ANTHONY JASWINSKI nicht einmal um eine kreative Auflösung bemüht hat. Viele Fragen, kaum Antworten. Stattdessen ein offenes Ende, das im Horrorfilme neuerdings zum guten Ton gehört. Da fragt man sich zu Recht, was Oscar-Gewinner GARY OLDMAN in diesem drittklassigen Horrorfilm zu suchen hat. Der hat im Jahr 2018 eine Oscar-Auszeichnung für seine Hauptrolle in DIE DUNKELSTE STUNDE erhalten und schreit sich nun – mehr schlecht, als recht – durch einen beliebigen Geisterfilm, denn man Stunden später schon wieder vergessen hat. Na hoffentlich hat er sich da nicht unter Wert verkauft.
 
 
mary-2019-bild-3
 
 


 
 
 

MARY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Plumpes Drehbuch mit null Ideen. MARY ist ein erschreckend vorhersehbarer Film, der nicht ansatzweise seine Schauspieler fordert – ganz geschweige sein Publikum. Das Drehbuch liest sich, als habe sich jemand in einer Nacht- und Nebelaktion dazu entschlossen eine Geistergeschichte zu Papier zu bringen, damit daraus ein Gruselstreifen gedreht werden kann. Klingt nach einer weiteren NETFLIX-Produktion – ist aber keine. So hat man in Gedanken erfolgreiche Gruselfilme abgespult und all jene Gruselzutaten zusammengekritzelt, an die man sich erinnern konnte. Etwas AMITYVILLE hier, etwas RING dort – fertig ist Geister-Horror nach Schema F. Damit sich der geistlose Geister-Unsinn von der Masse abhebt, entschied man sich den Ort des Geschehens auszutauschen. So spukt es diesmal nicht in einer Irrenanstalt oder in einem abgelegenen Landhaus – der schnarchende Tod geht diesmal auf einem Kutter umher. Liest sich, wie eine weitere Version des Horrorklassikers DEATH SHIP von 1980. Der war auch keine Sternstunde des Horrorkinos, schlägt MARY aber um Längen. Muss man nicht gesehen haben – auch wenn Schauspieler GARY OLDMAN dabei ist, der sich am Set verirrt haben muss und eine millionenschwere Hollywood-Produktion mit einem Low-Budget-Schnarcher verwechselt hat.
 
 
 


 
 
 

MARY – Zensur

 
 
 
MARY ist ein subtiler Gruselfilm und hat kaum Gewalt zu bieten. Letztere spielt sich im FSK16-Bereich ab. Man darf genau mit dieser Freigabe rechnen.
 
 
 


 
 
 

MARY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Ghost Ship (2002)
 
Dead Water (2019)
 
Deadwater (2008)
 
Death Ship (1980)
 

Filmkritik: „Extracurricular“ (2018)

extracurricular-2018-poster
 
 
 

EXTRACURRICULAR

Story

 
 
 

Ungewöhnlicher Abbau von Schulstress: Vier Teenager haben für sich das Morden als Hobby entdeckt. Leider geht während einer ihrer blutigen Streifzüge alles schief.


 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Kritik

 
 
 
Vor über zehn Jahren erschien mit THE STRANGERS einer der ungemütlichsten Home-Invasion-Streifen, die je gedreht wurden. Darin wurde ein Pärchen von drei maskierten Fremden ohne erkennbaren Grund in den eigenen Wänden terrorisiert und am Ende ermordet. Leider verzichtete Regisseur und Drehbuchautor BRYAN BERTINO auf eine Auflösung und gab weder Antworten zu Beweggründen der Mörder, noch äußerte er sich zu den Identitäten der Bösewichte. Doch was könnte die Killer genannten Horrorthrillers zu einer solch schrecklichen Tat getrieben haben? Ist es die Sucht am Quälen ahnungsloser Menschen gewesen oder einfach nur Hass? Eine Frage, die der folgende EXTRACURRICULAR beantworten könnte.
 
 
extracurricular-2018-bild-2
 
 
Der zeigt ein derartiges Verbrechen aus einer anderen Sicht. Während man im Horrorfilm immer nur die Perspektive der ahnungslosen Opfer einnimmt und ihnen beim Schreien, Flüchten und Sterben beiwohnt, folgte man in EXTRACURRICULAR den Tätern. Denen schaut man hier beim Morden über die Schulter. Es sind Miriam, Derek, Ian und Jenny, die Vorzeigeschüler einer Highschool sind. In ihrer Freizeit frönen sie aber zweifelhaften Hobbys. Sie töten gern Menschen. Doch bevor sie die Gier nach Blut befriedigen können, bedarf es akribische Vorbereitungen. So benötigt man Zeit, bis das richtige Opfer gefunden wurde. Ist es in die Falle gegangen, werden genaue Pläne geschmiedet, wie die Tat ablaufen soll. Nur so kann man den Verdacht von sich lenken und rückt nicht in den Fokus polizeilicher Ermittlungen. Doch das ändert sich schon bald. Die neuen Opfer bereiten Probleme. Ein älteres Ehepaar lässt sich nicht in die Schranken weisen und gibt Konter. Ein großes Problem, das unsere vier Freunde nicht einkalkuliert haben. Die Folge: Alles läuft aus dem Ruder. Da werden aus Tätern plötzlich selbst Opfer.
 
 
extracurricular-2018-bild-3
 
 
Interessante Sichtweise mit Startschwierigkeiten. EXTRACURRICULAR ist ein solider Schocker und erzählt Home-Invasion-Horror zur Abwechslung aus der Sicht der Mörder. Wäre da nicht der zähe Einstieg, der etwas zu viel Zeit in Charakterisierung und Verbrechensplanung investiert. Wir sehen wie vier nicht sympathische Abiturienten aus gutem Hause mörderische Fantasien in die Realität umsetzen wollen. Deren Alltag in der Schule wurde langweilig, weshalb ein Pakt geschlossen wurde, um eine Reihe perfekter Morde aufzuführen, bevor man aufs College geht. Die Suche nach dem nächsten Kick treibt die Jugendlichen dazu durch abgelegene Gegenden zu schleichen, um potenzielle Opfer für den ultimativen Kill ausfindig machen zu können. Sind die gefunden, werden die Taten im Schutze der Dunkelheit geplant. Grotesk, zumal zwischen all der bizarren Planungsarbeit auch noch Zeit für Liebelei, Identitätsfindung und etwas Coming of Age bleibt. Viel Halbstarken-Gepose und Schulhoftratsch. Das soll Horror sein? Ja das ist es, denn nach der Halbzeit wendet sich überraschend das Blatt. Schluss mit absurden Teenager-Ideen – jetzt wird es ernst. Da mutieren plötzlich hochintelligente Schüler zu gewissenlosen Psychopathen, die aus Mordgier nicht einmal mehr Respekt voreinander kennen. Sie spielen mit ihren Opfern und terrorisieren mit erschreckender Routine. Spätestens jetzt zieht EXTRACURRICULAR alle Register deftiger Horrorware.
 
 
extracurricular-2018-bild-5
 
 
Regisseur RAY XUE ist im Filmgeschäft noch grün hinter den Ohren. Mit EXTRACURRICULAR hat er gerade mal den zweiten Langfilm inszeniert und man merkt dem Filmemacher auch die Unerfahrenheit an. So fällt es ihm in der ersten Filmhälfte sichtlich schwer, das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Die Ereignisse plätschern unaufgeregt dahin und es will partout nichts passieren. Hinzukommt, dass den Zuschauer niemand abholen möchte und Figuren unnahbar wirken. Letzteres ist ein beliebter Fehler, den gern Filmemacher im Genrekino begehen. Ein jeder Horrorfilm fällt und steigt mit seinen Helden. Kann sich das Publikum mit ihnen nicht identifizieren, ist der Streifen zum Scheitern verurteilt. So ähnlich ergeht es auch EXTRACURRICULAR, dessen Antihelden kühl, blass und uninteressant bleiben.
 
 
extracurricular-2018-bild-1
 
 
Was den kanadischen EXTRACURRICULAR aber vor dem Untergang rettet, ist der zweite Teil der Handlung. Da wird es hart, zumal Regisseur RAY XUE den Gewaltpart mit einem souveränen Tempo durchzieht, dass man meinen könnte, er habe zuvor mindestens zehn Filme der Gattung Home-Invasion abgedreht. Die Teenager quälen ihr Opfer und bekommen dafür einen blutigen Denkzettel verpasst. An Kunstblut wird nicht gespart. Aber das ist nicht alles. Unangenehme Spezialeffekte und eine bitterböse Pointe bilden den Höhepunkt dieser Indie-Produktion. Horrorfilmfans mit einer Leidenschaft für die härtere Gangart wird das mit Sicherheit gefallen.
 
 
extracurricular-2018-bild-4
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horror-Version von THE BREAKFAST CLUB, welche einmal mehr vor Augen führt, wie schwer es doch ist, ein Teenager zu sein. Ständiger Notendruck, unkontrollierbare Hormone und die sich abzeichnende Verantwortung des Erwachsenenalters, die aufzeigt, wie schrecklich die Welt wirklich ist. EXTRACURRICULAR erzählt die Geschichte von vier Teenagern, die einen ungewöhnlichen Weg finden, um all diese Teenager-Ängste abzubauen. Es ist die Lust am Töten – ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Skrupel und Moral. Entstanden ist ein durchwachsener Horrorthriller, der erst in der zweiten Filmhälfte interessant wird. Wirklich warm will man aber mit EXTRACURRICULAR nicht werden, was vor allem am unausgegorenen Drehbuch liegt, das irgendwie zu lang benötigt, um den richtigen Weg zu finden. Hinzukommt, dass sich das Skript weniger um die Figuren als viel mehr um deren Taten kümmert. Letztere haben es dafür aber in sich.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von EXTRACURRICULAR ist ganz schön deftig. Da wird die Gewaltkeule geschwungen und ein paar blutige Morde werden auf der Mattscheibe gezeigt. Hier dürfte unklar sein, wie sich die FSK entscheiden wird. Für eine FSK16 zu deftig, für eine FSK18 zu wenig. Man darf gespannt sein. Wir denken aber, dass sich die Prüfbehörde für eine Erwachsenenfreigabe entscheiden wird, da hier die Morde von Minderjährigen ausgeführt werden, die aus Langeweile töten.
 
 
 


 
 
 

EXTRACURRICULAR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Signature Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
F – London Highschool-Massaker (2010)
 
Tormented (2009)
 
Don’t Hang Up (2016)
 
The Final – Nächste Stunde: Rache! (2010)
 

Filmkritik: „A Score to Settle“ (2019)

a-score-to-settle-2019-poster
 
 
 

A SCORE TO SETTLE

Story

 
 
 
Nachdem Frank 19 Jahre unschuldig hinter Gittern verbracht hat, kommt er aufgrund einer unheilbaren Krankheit früher aus dem Knast und nun steht Rache auf seinem Programm.

 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Kritik

 
 
Über Nicolas Cage und seine nicht besonders tolle Rollenwahl im letzten Jahrzehnt, braucht man wohl nicht mehr viele Worte zu verlieren. In letzter Zeit durfte jedoch wieder Hoffnung entstehen, was auch am tollen „Mandy“ lag und selbst wenn viele Filme mit Cage schlecht waren: Er gab sich eigentlich immer Mühe. Dies trifft auch auf „A Score to Settle“ zu, der am ehesten durch Cage sehenswert wird, letztendlich aber an einem zu schwachen Drehbuch scheitert.
 
 
a-score-to-settle-2019-bild-1
 
 
19 Jahre befand sich Frank in Haft für einen Mord, den er nicht begangen hat. Doch seine kriminellen Umkreise gaben ihm Geld dafür, dass er die Schuld auf sich nimmt. Dummerweise ging Frank viel länger in den Knast, als erwartet und nur weil bei ihm eine unheilbare, tödliche Krankheit festgestellt wird, kommt er früher raus. Alles, was er nun will, ist die Beziehung zu seinem mittlerweile erwachsenen Sohn erneut aufbauen, doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los und Frank will Rache an den Schuldigen von damals nehmen. Was nach einer typischen Rachegeschichte klingt, setzt den Fokus allerdings stark auf ein Schuld-und-Sühne-Drama. Die gesamte Aufmachung lässt den Zuschauer einen Rache-Thriller erwarten und letztendlich gibt es davon viel zu wenig. Wenn dieser Aspekt plötzlich doch noch etwas mehr Raum spendiert bekommt, wirkt es meistens unpassend. Mit Erwartungshaltungen sollte man also schon mal vorsichtig sein, doch selbst wenn man sich auf dieses Drama einstellt, wird man nicht gerade mit einem guten Drehbuch belohnt. Dafür macht es sich „A Score to Settle“ an vielen Stellen deutlich zu leicht. Wenn es dann im letzten Drittel zu gleich zwei großen Wendungen kommt, dann kann man sich sogar etwas ärgern, weil die Twists vom Prinzip her gar nicht mal so schlecht sind, nur absolut nicht gut vorbereitet wurden und so im Endeffekt viel zu unglaubwürdig erscheinen.
 
 
a-score-to-settle-2019-bild-2
 
 
Mangelnde Glaubwürdigkeit dominiert auch die Figurenzeichnung, was dem Film auch am ehesten ein Bein stellt. Als Beispiel sei hier die gesamte Vater-Sohn-Beziehung genannt, die „A Score to Settle“ lange behandelt. Anfangs ist das ja noch solide und etwas nachvollziehbar, doch dann verhalten sich sowohl Vater, wie auch Sohn dermaßen unglaubwürdig, dass der Kitsch aus allen Poren trieft. Obendrauf gibt es dann noch einen kleinen Nebenstrang mit einer Prostituierten, wo man sich für die Herangehensweise ebenfalls schämen möchte. Psychologisch ist das alles absolut nicht wertvoll gestaltet und gerade deshalb fällt es auch so schwer mit diesen Charakteren mitzufühlen. Das ist auch deshalb ziemlich schade, weil die Darsteller gut sind. Nicolas Cage glänzt hier mal nicht mit seinem gewohnten Overacting, sondern gibt sich, seiner Rolle entsprechend, eher ruhig und verleiht diesem Frank somit immerhin noch etwas Menschlichkeit, welche die Figurenzeichnung eher verhindert. Noah Le Gros ist ebenfalls nicht schlecht und Benjamin Pratt ist in seinen wenigen Momenten auch gut anschaubar. Es liegt also überhaupt nicht an den Darstellern, dass der Film nicht funktioniert.
 
 
a-score-to-settle-2019-bild-3
 
 
Ebenfalls kann man der Regie dafür nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Regisseur Shawn Ku hatte mit seinem Debüt „Beautiful Boy“ vor einigen Jahren mal sehr positive Aufmerksamkeit erregen können, versank dann aber irgendwo in der Bedeutungslosigkeit und meldet sich erst mit „A Score to Settle“ zurück. Inszenieren kann der Mann, was man deutlich sehen kann. Besonders die ruhigen Momente sind schön eingefangen und hinterlassen eine gewisse Melancholie. Sowieso ist die Stimmung gar nicht übel, denn wenn man sich auf dieses Drama einlassen kann, bekommt man meistens eine dichte Atmosphäre, die keine gute Laune aufkommen lässt, was hier jedoch positiv gemeint ist. Wären da nicht immer wieder die unangenehm kitschig-naiven Szenen, dann wäre das Drama gelungen und rein handwerklich wurde das alles souverän umgesetzt. Der Rache-Anteil gerät da schon deutlich plumper und überzeugt kaum. Allerdings wiegt das im Endeffekt nicht so schwer, weil es sowieso kaum Rache und somit auch nahezu keine Action zu sehen gibt. Die Freigabe ab 18 Jahren täuscht zudem auch noch, weil der eigentliche Film bereits ab 16 Jahren freigegeben wurde. Man braucht sich also auf keine große Gewalt einzustellen. Wäre die Mischung ausgewogener gewesen, hätten die gut 100 Minuten Laufzeit auch bestimmt mehr Kurzweil gehabt, aber so kommt es schon mal zu gewissen Längen.
 
 
a-score-to-settle-2019-bild-4
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„A Score to Settle“ bietet einen gut aufgelegten Nicolas Cage, der seine Sache ernst nimmt und das dementsprechend spielt. Auch die handwerkliche Arbeit ist alles andere als verkehrt. Nur leider gibt es da das Drehbuch, welches eine höhere Wertung einfach verhindert. Zunächst ist die Figurenzeichnung viel zu plump, um funktionieren zu können und dann gibt es da auch noch zwei große Twists, die ihre Wirkung nicht entfalten können, eben weil sie so naiv dargeboten werden. Außerdem wird schon alleine die Aufmachung als Rache-Thriller für viele enttäuschte Zuschauer sorgen, weil man es bei „A Score to Settle“ viel mehr mit einem ruhigen Drama zu tun hat und es deshalb so gut wie keine Action gibt. Das besitzt genügend solide Momente, um nicht durchgehend zu langweilen, wird im Endeffekt aber nicht lange in Erinnerung verweilen und stellt somit einen durchgehend durchschnittlichen Film dar!
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Zensur

 
 
 
Der rote FSK-Flatschen auf dem Cover ist ein Blender. „A Score to Settle“ wurde von der FSK in ungeschnittener Form bereits ab 16 Jahren freigegeben. Die Freigabe der Blu-ray wurde angehoben wegen dem Bonusmaterial auf der Scheibe. Darauf enthalten: Trailer zu weiteren Titeln von Splendid Film.
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
a-score-to-settle-2019-bluray

(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Score to Settle; Kanada | USA 2019

Genre: Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)| Blu-ray wegen Bonus: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.10.2019

 

A Score to Settle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)
 
A History of Violence (2005)
 

Filmkritik: „Escape Plan 3: The Extractors“ (2019)

escape-plan-3-the-extractors-2019-poster
 
 
 

ESCAPE PLAN 3: THE EXTRACTORS

Story

 
 
 
Ray Breslin ist zurück mit seinem Team und dieses Mal wird ein Auftrag für ihn persönlicher, als es ihm lieb sein kann.

 
 
 


 
 
 

ESCAPE PLAN 3 – Kritik

 
 
Während „Escape Plan“ davon lebte, dass die zwei Actionikonen Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone zum ersten Mal Hauptrollen im selben Film übernahmen, brachte die ziemlich billige Fortsetzung auch schon gleich wieder Ernüchterung mit sich. Schwarzenegger war nicht mehr vorhanden, selbst Stallone übernahm nur eine Nebenrolle. Er gab selbst zu, dass er sich mit diesem Film nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat und versprach für den dritten Teil „The Extractors“ Besserung. Wirklich einhalten, konnte er dieses Versprechen jedoch kaum. Auch „Escape Plan 3: The Extractors“ besitzt nur den simplen Zweck schnelles Geld einzuspielen und Qualität wird dem Actionfan weiterhin kaum geboten.
 
 
escape-plan-3-the-extractors-2019-bild-1
 
 
Gleich am Anfang gibt es eine Entführung einer chinesischen Tochter eines reichen Industriellen zu sehen. Ziemlich schnell wird Ray Breslin mit seiner Firma auf den Fall aufmerksam, doch es kommt noch viel schlimmer. Seine Freundin Abigail wird vom selben Entführer gekidnappt und es gibt persönliche Motive dafür. Ray war nämlich einst verantwortlich dafür, dass der Vater von Lester Clark Jr. verstarb und dafür sinnt ihm nach Rache. Das Drehbuch versucht gleich mehr aus der Sache zu machen, als eigentlich daran ist. Dies gelingt mit zwei Handlungssträngen, die bald zusammengeführt werden, sogar noch einigermaßen gut. Ebenfalls positiv ist, dass es eine gewisse Kontinuität innerhalb der Reihe gibt und es schon von Vorteil ist, wenn man die vorherigen Teile gesehen hat. Viel mehr Positives gibt es über die Story jedoch nicht zu berichten. Um der Reihe treu zu bleiben und den Titel überhaupt zu rechtfertigen, muss natürlich wieder eine Art Knast mit an Bord sein, doch das wirkt gänzlich beliebig und besitzt keinerlei Reiz mehr. Einfach alles an dieser Geschichte wirkt absolut konstruiert und das will niemals so richtig funktionieren. Als Beispiel sei hier gleich mal die Beziehung zwischen Ray und Abigail genannt, die der Zuschauer einfach zu keinem Zeitpunkt spüren kann. So lässt ihn die Rache im Endeffekt genauso kalt, wie sie vorgetragen wird. Wenn man mit starker Action entschädigt werden würde, wäre diese Story jedoch völlig zweckdienlich, nur leider wird man eben nicht mit solcher belohnt.
 
 
escape-plan-3-the-extractors-2019-bild-2
 
 
Sylvester Stallone bleibt der alte Actionstar und scheint sich seinen Ruhestand noch mehr absichern zu wollen. Dass er mittlerweile nicht mehr von Thomas Danneberg synchronisiert wird, sollte kein Geheimnis mehr sein und es ist echt schade, weil Danneberg einfach „die“ Stimme für ihn war. Doch selbst die beste Stimme der Welt hätte Stallones Leistung hier nicht viel engagierter erscheinen lassen. Er tut, was nötig ist, aber auch niemals mehr. Dabei ist seine Rolle zwar größer ausgefallen, als im zweiten Teil und er ist allgemein mehr mit in die Handlung involviert, trotzdem fühlt sich sein Auftreten stets wie eine Nebenrolle an. Dafür darf Dave Bautista, mit dem ja schon im zweiten Teil fleißig geworben wurde, nun etwas mehr heran. Ganz im Hintergrund sind auch 50 Cent und Jaime King wieder mit an Bord, ohne dabei jemals besonders aufzufallen. Ein Neuzugang wird von Jin Zhang bekleidet, der seine Sache ganz solide macht, aber nicht ansatzweise sein körperliches Können präsentieren darf. Am ehesten gefällt von den ganzen Darstellern noch Devon Sawa als durchaus fieser Bösewicht. Er besitzt den Elan, welchen die anderen ruhig auch hätten zeigen dürfen.
 
 
escape-plan-3-the-extractors-2019-bild-4
 
 
Doch Stallone hat erneut kein Geheimnis darum gemacht, dass „Escape Plan 3: The Extractors“ unter Zeitdruck entstand, was den Eindruck nur noch verstärkt, dass hier eben schnell ein wenig Geld umgesetzt werden soll. Mit John Herzfeld konnte ein erfahrener Regisseur gewonnen werden, der aber auch nicht viel aus dem Szenario herausholen kann. Den futuristischen Knast hat man nun weg gelassen, dafür gibt es aber keinen guten Ersatz. Allgemein wirken die Schauplätze langweilig und lustlos. Dabei ist die handwerkliche Arbeit durchaus in Ordnung und es gibt auch ein bisschen knallende Action, die gut konsumierbar ist. Zwar ist das Blut manchmal zu künstlich, aber hart ist der Film schon und die recht überschaubaren Choreographien sind solide, selbst wenn sie niemanden vom Hocker hauen werden. Nur ist das für die Laufzeit von rund 90 Minuten einfach zu wenig. In der ersten Hälfte wird alles vorbereitet und trotz eines einigermaßen hohen Tempos kommt es bereits hier zu Längen. Hinterher läuft alles nur noch auf das Finale hinaus, welches dann auch schnell beendet wurde. Das ist nie komplett langweilig, aber eben auch nie besonders unterhaltsam und so ist man als Zuschauer nicht böse darum, wenn der Abspann erscheint.
 
 
escape-plan-3-the-extractors-2019-bild-3
 
 


 
 
 

ESCAPE PLAN 3 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„Escape Plan 3: The Extractors“ stellt genauso einen Schnellschuss dar, wie schon der zweite Teil. Beide Teile hatten ihre kleinen Vorteile. Hier sind es am ehesten Devon Sawa und Jin Zhang, die ihre Sache gut machen. Stallone selbst ist zwar wieder etwas mehr zu sehen, gibt sich jedoch keine besonders große Mühe. Das Resultat ist ein routiniert gemachter Actionfilm mit einigen netten Gewaltspitzen und einem teilweise annehmbaren Unterhaltungswert, aber leider komplett ohne Spannung und ohne jegliche Highlights. Die Story interessiert schon bald nicht mehr, die Charaktere wirken lustlos ausgedacht und Schauwerte bekommt man ebenfalls kaum welche geboten. Das Versprechen wurde also nicht eingehalten und jetzt darf mit dieser Reihe dann auch gerne Schluss sein!
 
 
 


 
 
 

ESCAPE PLAN 3 – Zensur

 
 
 
„Escape Plan 3: The Extractors“ hat von der FSK wegen einiger blutigen Szenen eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Filmfassung ist ungeschnitten und wurde auch auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. In der FSK-Datenbank wurde aber auch eine gekürzte Filmversion hinterlegt. Diese erhielt eine Freigabe ab 16 Jahren und ist um knapp 3 Minuten geschnitten. Ob diese auch noch auf den Heimkinomarkt gebracht wird, ist noch unklar.
 
 
 


 
 
 

ESCAPE PLAN 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
escape-plan-3-the-extractors-2019-bluray

(c) NewKSM Cinema (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Escape Plan: The Extractors; USA 2019

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Making of Escape Plan: The Extractors, Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: 07.11.2019

 

Escape Plan – The Extractors [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

ESCAPE PLAN 3 – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei NewKSM Cinema)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Escape Plan (2013)
 
Escape Plan 2: Hades (2017)
 

Filmkritik: „Harpoon“ (2019)

harpoon-2019-poster
 
 
 

HARPOON

Story

 
 
 

Drei Freunde stranden mit dem Boot auf offenem Meer und gehen sich gegenseitig an die Gurgel.

 
 
 


 
 
 

HARPOON – Kritik

 
 
 
Der Mensch ist schon ein unberechenbares Individuum. Eigentlich ist er ganz umgänglich und benimmt sich zivilisiert. Setzt man ihn aber Extremsituationen aus, kommen Züge zum Vorschein, die das Tier im Menschen entfachen. Ein gefundenes Fressen für Macher von Horrorfilmen. Die nutzen den menschlichen Überlebenswillen, um daraus ungemütliche Schocker zu machen. Da wird eine Gruppe von Leuten ganz unvorbereitet mit psychologischen Stress konfrontiert und soll über das eigene Schicksal entscheiden. Leben oder Sterben? Die Folgen sind nicht immer leicht zu verdauen. So werden plötzlich aus gesitteten Bürgern blutrünstige Bestien, die über Leichen gehen und nur ein Ziel kennen: der fatalen Situation entkommen, sich selbst in Sicherheit bringen und irgendwie überleben. Entstanden sind so Filme, die den Zuschauer den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Darunter Werke wie CUBE, OPEN WATER oder DAS EXPERIMENT. Auch Regisseur ROB GRANT mag offenbar Extreme. Der verfrachtet drei junge Leute auf ein Boot, bringt seinen Figuren in Seenot und schaut zu, was passiert. Entstanden ist ein hundsgemeiner Überlebenstripp mit bitterbösem Verlauf, der trotz begrenztem Schauplatz einige unerwartete Überraschungen zu bieten hat.
 
 
harpoon-2019-bild-1
 
 
Wie gut kennst Du eigentlich Deine Freunde? Eine Frage, die sich auch die drei Protagonisten in HARPOON stellen müssen. Darin lädt der cholerisch veranlagte Richard Freundin Sasha und den besten Freund Jonah zu einem Segelturn auf der Privatjacht des Vaters ein. Doch die Stimmung ist angespannt. Richard ist wütend. Der glaubt nämlich, dass seine Angebete was mit dem besten Kumpel am Laufen hat. Kaum das Boot gestartet, eskaliert die Situation. Es kommt zum Streit und die Freunde gehen sich an die Gurkel. Ein paar Keilereien später sind alle Gegenstände über Bord, die irgendwie dafür verwendet werden könnten, sich gegenseitig wehzutun. Nun kann Tacheles geredet werden. Dumm nur, dass plötzlich der Motor der Yacht streikt und eine Weiterfahrt unmöglich ist. Da treibt man nun auf dem offenen Meer umher und hofft auf Hilfe. Leider hat man im Streit das Funkgerät zerschlagen und Vorräte sind Mangelware. Dass da die Stimmung im Keller ist, dürfte nachvollziehbar sein.
 
 
harpoon-2019-bild-3
 
 
Hallo Wahnsinn! HARPOON wurde als schwarze Komödie konzipiert. Doch das Lachen bleibt schnell im Halse stecken. Drei Unsympathen kämpfen hier ums Überleben und gegen Agressionen. Dabei sind sie dem zynischen Gedankengut von Drehbuchautor und Regisseur ROB GRANT ausgeliefert, der alles daran tut seine Antihelden möglichst hinterlistig zu quälen. Was eigentlich als enspannter Ausflug unter Freunden geplant war, wird schnell zum Albtraum. Eh man sich versieht werden Freunde zu Feinden. Dabei lässt HARPOON bereits in den ersten Filmminuten erahnen, dass diese Seefahrt alles andere als idyllisch werden wird. So schlagen sich die Freunde gleich zu Beginn wegen Nichtigkeiten die Nasen blutig. Wieder zu Sinnen gekommen, muss man feststellen, dass alles nur ein Mißverständnis war. Eine sonderbare Art von Freundschaft – aber immerhin gute Vorraussetzungen, um Spannungen zu schaffen.
 
 
harpoon-2019-bild-2
 
 
Die tragen auch bald Früchte. Regisseur ROB GRANT fakelt nicht lang. Nach knapp zehn Minuten ist man schon auf See und die Ereignisse nehmen ihren Lauf. Permanentes Mißtrauen, allgegenwärtige Aggressivität. Schon bald fliegen die Fetzen und es eskaliert – mal wieder. Doch was kommt danach? HARPOON lässt sich nicht durchschauen. Der Film thematisiert menschliche Abgründe und hält den Zuschauer mit immer wieder neuen Wendungen in Schach. Das macht diese kanadische Produktion interessant, die sich immer wieder neue makabere Ideen einfällen lässt, um das Interesse des Publikums für sich beanspruchen zu können und die Figuren an ihre Grenzen zu bringen. Weil letztere alles andere als zugänglich sind, fehlen Identifikationsmöglichkeiten. Was in anderen Filmen ein großes Problem darstellt, kommt HARPOON zugute. Wegen mangelnder Sympathien kann der Zuschauer das Treiben nämlich mit Distanz beobachten. Der bekommt zu sehen wie sich naive und hormongesteuerte Menschen wegen Belanglosigkeiten gegenseitig das Leben schwermachen. Eine gewissen Schadenfreude lässt sich da nicht vermeiden.
 
 
harpoon-2019-bild-4
 
 


 
 
 

HARPOON – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Zynisches Thriller-Stück mit tiefschwarzem Humor, das nicht viel braucht, um eine Bootsfahrt zum ultimativen Terrortrip umzufunktionieren. In diesem Film wird ein Boot für drei junge Menschen zum Gefängnis. Die treiben auf hoher See und kommen nicht mehr zum Festland zurück. Da ist klaustrophobische Stimmung vorprogrammiert, die zusätzlich noch durch zwischenmenschliche Spannungen verstärkt wird. HARPOON besitzt viele unvorbereitete Überraschungen, um die Spannung voranzutreiben. Neben plötzlichen Wendungen gibt es aber auch reichlich Lebenssaft zu sehen, um ebenfalls Horrorfilmfans zufriedenstellen zu können. Das hat man aufgrund der überschaubaren Handlung nicht unbedingt kommen gesehen. Ordentlicher, kleiner Thriller!
 
 
 


 
 
 

HARPOON – Zensur

 
 
 
Ein paar Schauwerte hat HARPOON schon. Ein Gegenstand bohrt sich durch eine Hand, man trinkt Blut von toten Vögeln und ein Protagonist holt sich eine Blutvergiftung. Die Folgen sind eklig anzuschauen. HARPOON dürfte vermutlich eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HARPOON – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Epic Pictures Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Open Water (2003)
 
Open Water 2 (2006)
 
Hunger (2009)