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Filmkritik: „The Good Neighbor“ (2016)

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THE GOOD NEIGHBOR

(THE WAITING)

Story

 
 
 
Zwei Teenager (darunter KEIR GILCHRIST aus IT FOLLOWS und DARK SUMMER) haben ein perfides Experiment vor, das sie berühmt machen soll. Sie wollen den seltsamen Rentner von nebenan glauben lassen, dass es in seinem Haus spukt und filmen seine Reaktionen. Leider nimmt der makabre Streich bald erschreckende Ausmaße an.

 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Kritik

 
 
 
Kaum eine Filmgattung hat in den letzten Jahren so polarisiert, wie das Found-Footage-Genre. Durch THE BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY erst richtig populär geworden, hat man seither mit dieser Art des filmischen Erzählens reichlich Schindluder getrieben. Gefühlt jede zweite Horrorproduktion der letzten zehn Jahre kam in Found-Footage-Aufmachung und pseudo-verwackelten Filmaufnahmen daher. Das hatte zur Folge, dass bald keiner mehr diese Streifen sehen wollte. Trotz Vorbehalte sollte man aber dem folgenden Film eine Chance geben. Der macht zwar indirekt auch vom Found-Footage-Stil Gebrauch, ist aber zur Abwechslung sehenswert, weil er die Zutaten genannter Filmrichtung zu seinem Vorteil versteht einzusetzen. THE GOOD NEIGHBOR nennt sich der Thriller von Regieneuling KASRA FARAHINI, der es endlich wieder schafft, dass verwackelte Handyaufnahmen und triste Überwachungskameras flaues Bauchgefühl verursachen. So hat das Regiedebüt ein raffiniertes Drehbuch zu bieten, das den Zuschauer auf falsche Fährten führt und am Ende mit kompromissloser Härte vor den Kopf stößt. Da läuft es einem definitiv eiskalt den Rücken herunter – versprochen!
 
 
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Im Film mit dem doppeldeutigen Titel haben zwei Schüler etwas Perfides vor, um in den sozialen Netzwerken berühmt zu werden. Sie brechen beim mürrischen Nachbar ein und bespicken die Wohnung mit Überwachungskameras. Warum sie das machen, erklären sie dem Zuschauer selbst. Sie wollen einen Film drehen und darin ein ahnungsloses Opfer solange Spuk vorgaukeln, bis es fest davon überzeugt ist, dass es in den eigenen vier Wänden spukt. Leider haben sich die Teenager ein äußerst zähes Opfer ausgesucht, das sich von den inszenierten Spukaktivitäten nur wenig beeindruckt zeigt. So äußert Mr. Grainey weder Unbehagen, noch bittet er Polizei und Angehörige um Hilfe. Das macht die dreisten Beobachter stutzig, zumal der Rentner von den falschen paranormalen Ereignissen derart genervt zu sein scheint, dass er auch schon mal die Axt aus der Garage holt und Türen einschlägt. Doch der unechte Spuk wird bald zur Nebensache. Der eigenbrötlerische Alte verbringt nachts viel Zeit im Keller. Das macht die beiden Freunde neugierig. Leider haben sie dort keine Überwachungskamera angebracht und können daher nur spekulieren, was das Testobjekt darin treibt. Ob der alleinstehende Nachbar unterm Haus etwas Verborgen hält, von dem niemand etwas erfahren darf? Die Antwort darauf gibt’s kurz vorm Abspann.
 
 
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Man muss schon seinen Hut ziehen vor dem, was KASRA FARAHINI mit dem Filmdebüt THE GOOD NEIGHBOR da auf die Leinwand gebracht hat. Das ist kein Film den man mal so nebenbei schaut. Dieser Film schockiert und das vor allem wegen seinem unerwarteten Ausgang. So wird dem Zuschauer gleich zu Beginn klargemacht, dass die Ereignisse hier tragisch ausgehen werden. THE GOOD NEIGHBOR beginnt mit einer Gerichtverhandlung, in der Zeugen befragt werden. Was vorgefallen ist, bleibt vorerst ungeklärt. Das steigert die Spannung und macht neugierig, zumal der noch unerfahrene Regisseur ein talentiertes Händchen für extravagante Erzählweise an den Tag legt. Der Film wechselt nämlich im späteren Verlauf zwischen Gerichtsverhandlung und gefundenem Filmmaterial. Letzteres wurde von der Spurensicherung ausgewertet und rekonstruiert die Taten der noch jungen Filmhelden. Die halten während ihres Experiments nicht nur den Tagesablauf ihres Opfers digital fest, sondern filmen sich bei ihren makabren Streichen selbst. Das hat man zwar schon in vielen Found-Footage-Streifen auf ähnliche Weise ertragen müssen, stört aber in THE GOOD NEIGHBOR keineswegs. Trotz Found-Footage ist dieser fiese Film eine runde Sache. Das liegt einerseits an den lobenswerten Leistungen der Darsteller. Hier wäre vor allem JAMES CAAN (das Opfer von KATHY BATES in MISERY) zu nennen, der als unnahbarer Rentner eine beachtliche Performance abliefert und am Ende sogar als zermürbte Kreatur an seine Grenzen geht. Andererseits überzeugt der Handlungsaufbau und die Art, wie Macher KASRA FARAHINI für schnellen Herzschlag sorgt. Er verrät nämlich nie zuviel, versorgt den Zuschauer immer nur mit Häppchen und schlägt am Ende mit gnadenloser Härte zu. Das irritiert nicht nur die naiven Streichspieler, sondern auch den Zuschauer. Schade nur, dass man so gut durchdachte Found-Footage-Geschichten leider viel zu selten zu sehen bekommt.
 
 
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THE GOOD NEIGHBOR – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spannend, unkonventionell, verstörend und schockierend. Wenn ein Dummejungenstreich zur Katastrophe führt, weil die Gier nach medialer Aufmerksamkeit jugendliche Sinne vernebelt. THE GOOD NEIGHBOR (der anfangs eigentlich THE WAITING heißen sollte) hat es ganz schön in sich. Der Film beginnt harmlos, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Wer jetzt aber glaubt, dass der Streifen trotz schockierendem Ausgang irgendwo im Horrorgenre beheimatet ist, der irrt. THE GOOD NEIGHBOR ist alles andere als das. Trotz Thriller-Elemente verbirgt sich hinter dem Debütstück eher ein deprimierendes Drama über Verlust und seine Folgen, das trotz Schockwirkung niemanden kalt lässt. Wem es demnach nach clever erzähltem Indie-Kino dürstet, sollte sich diesen Mix aus Gerichtssaal-Drama und Mysterythriller keineswegs entgegen lassen. Von uns gibt es für diesen undurchsichtigen Found-Footage-Beitrag eine selten gute Bewertung – vor allem auch deshalb, weil der Streifen nach dem Abspann auch mal die Gehirnzellen rotieren lässt und zum Nachdenken anregt. In Zeiten, in denen offenbar nur noch hirnfreier Zelluloid-Schrott fürs Kino produziert wird, soll das schon etwas heißen.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Zensur

 
 
 
THE GOOD NEIGHBOR hat nur eine harte Szene zu bieten. Hierbei handelt es sich um einen Kopfschuss. Mehr grausames Material hat der Streifen nicht zu bieten. Demzufolge gibt es von der FSK auch problemlos den blauen Freigabe-Flatschen: FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
House at the End of the Street (2012)
 
The Harvest (2013)


Filmkritik: „Happy Birthday“ (2016)

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HAPPY BIRTHDAY

Story

 
 
 
Eine Geburtstagsfeier wird zum Albtraum: Die besten Freunde Tommy (RILEY LITMAN) und Brady (MATT BUSH aus dem Splatter-Trash PIRANHA 3DD) machen sich auf zum Feiern nach Mexiko. Was sie aber dort erwartet, werden sie so schnell nicht wieder vergessen.

 
 
 


 
 
 

HAPPY BIRTHDAY – Kritik

 
 
 
Stell dir vor, du hast Geburtstag und alles läuft schief. Das ist eigentlich Stoff für leichte Filme mit Schenkelklopf-Garantie. Doch es geht auch anders. Im Horrorthriller von CASEY TEBO zum Beispiel avanciert die Geburtstagsfete zum Albtraum und verirrt sich fast ohne Lacher irgendwo dorthin, wo ELI ROTH in den 2000ern den Begriff Torture Porn salonfähig gemacht hat. HANGOVER meets HOSTEL – so ähnlich lässt sich in knappen Worten umschreiben, was dem Zuschauer in HAPPY BIRTDAY vorgesetzt wird. Das klingt durchaus vielversprechend, wenn man denn gern mal im Kino den Kopf ausschalten möchte. Leider dürfte einem der Film schnell einen Dämpfer verpassen, denn während die erste Hälfte von HAPPY BIRTHDAY durchaus Laune verbreitet, schwächelt der Film auf der Zielgeraden wegen eines zu früh gelüfteten Plottwists. So etwas betitelt man üblicherweise als Anfängerfehler. Und in der Tat: Regisseur CASEY TEBO hat nach diversen Musik-Specials fürs Fernsehen und als langjähriger Konzertfilmer von AEROSMITH mit HAPPY BIRTHDAY seinen ersten richtigen Spielfilm gemacht. Der besitzt durchaus Unterhaltungswert und überrascht mit fiesen Einfällen. Da will man auch nicht zu hart mit seiner bitterbösen Geburtstagssause ins Gericht gehen. Man hat da schon Schlechteres auf der Leinwand gehabt.
 
 
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Im Film zieht es zwei beste Kumpel (MATT BUSH und RILEY LITMAN) nach Mexiko, die dort die Sau raus lassen wollen. Brad soll auf anderen Gedanken kommen, dann ausgerechnet am Jahrestag wurde der Mittzwanziger von seiner Freundin betrogen. Wenige Meter von der amerikanischen Grenze entfernt, sucht man in einem kleinen mexikanischen Kaff Spaß. Den bekommt man anfangs auch. So lassen trinkreiche Drogenorgien, illegale Hahnenkämpfe und leicht bekleidete Mädchen echte Sorgen vergessen. Doch die Party gerät bald aus den Fugen – hier in Mexiko ticken die Uhren etwas anders. Schnell geraten die Freunde ins Visier des Kleinganoven El Gato. Der weiß wie man aus wohlhabenden jungen US-Amerikanern schnelles Geld erpressen kann und hat mit den Kumpels so seine Pläne. Die finden sich bald gefesselt in Betten wieder und werden von zwei Schönheiten alles andere als zimperlich behandelt. Wetten, dass zuvor kleinlaute Männer wie verängstigte Kinder winseln können, wenn das letzte Stündlein geschlagen hat?
 
 
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Man muss kein Filmexperte sein, um zu erkennen, vor wem sich Macher CASEY TEBO hier ehrfürchtig verbeugt. Mit coolen Sprüchen und durchgestylter Optik erinnert HAPPY BIRTHDAY ganz gern mal an die Filme von Regielegende QUENTIN TARANTINO. Leider erreicht der Streifen zu keinem Zeitpunkt die stilistische Extravaganz und wortgewandte Coolness, die das Oeuvre des gefeierten Filmemachers ausmachen. HAPPY BIRTHDAY mangelt es im platten Nacheifern nicht nur an Originalität. Dem Horrorthriller fehlt es zudem an Konsequenz und Orientierung, denn irgendwo zwischen HOSTEL und HANGOVER bleibt unschlüssig, in welche Schublade man denn nun HAPPY BIRTHDAY hineinstecken soll. Für einen Folterfilm werden zu wenige Schauwerte geboten. Von amerikanischem Sex- und Fäkalhumor ist ebenfalls kaum etwas zu verzeichnen. Stattdessen sucht HAPPY BIRTHDAY – trotz Oberflächlichkeiten und glattgebügelter Bilder – krampfhaft nach Sinn, der mal wieder im unverzichtbaren Plottwist zu finden ist. Der kommt zugegebenermaßen überraschend und lässt die Kinnladen herunterklappen. Leider macht Regisseur und Drehbuchschreiber CASEY TEBO einen Fehler: Er wiederholt den gleichen Twist wenige Minuten später noch einmal. Das wirkt aufgezwungen und vorhersehbar. Offensichtlich hat der Spielfilm-Newcomer nicht mit der Intelligenz des Zuschauers gerechnet. Der lässt sich leider kein zweites Mal auf ähnliche Weise hinters Licht führen lässt und wird den missglückten Doppeltwist als überflüssig abstempeln. Letztendlich ist HAPPY BIRTHDAY weder Fisch noch Fleisch. Die Figuren sind unsympathisch und ab der Halbzeit tut sich der Film schwer mit dem Fortgang der Handlung. Dafür entschädigt ein Wiedersehen mit AEROSMITH-Frontmann STEVEN TYLER. Dem hat Regisseur CASEY TEBO seine Karriere als Musikfilmer zu verdanken. Klar, dass da ein amüsanter Cameo-Auftritt im ersten Spielfilm nicht fehlen durfte.
 
 
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HAPPY BIRTHDAY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein mexikanischer Geburtstagstrip der besonders makabren Sorte. HAPPY BIRTHDAY beginnt stark und baut danach ab. Der Grund ist die fehlende Richtung, denn irgendwie konnte sich Regisseur CASEY TEBO mit seinem Tarantino-Light-Trasher nicht so recht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Ein paar angedeutete Folterversuche hier, etwas oberflächlicher Ami-Klamauk da – der obendrein nicht mal sonderlich lustig ist. Irgendwo dazwischen skurrile Typen, die einem aber ziemlich schnell auf den Zünder gehen. Da kann man nur hoffen, dass Macher CASEY TEBO irgendwann mal auf jenen Meister trifft, von dem er sich hat offensichtlich inspirieren lassen. Vermutlich könnte QUENTIN TARANTINO dem amerikanischen Newcomer so einige Kniffe beibringen, damit der irgendwann auch mal ähnliche Qualität auf die Leinwand bringen kann, wie man sie vom Vorbild gewohnt ist.
 
 
 


 
 
 

HAPPY BIRTHDAY – Zensur

 
 
 
Der auf dem FANTASY FILMFEST 2016 gezeigte Horrorthriller hat nicht viel zu bieten. Auch wenn HAPPY BIRTHDAY in die Richtung HOSTEL geht, ist der Film keinesfalls in Sachen Brutalität mit dem Folterstreifen gleichzusetzen. Auf zwei Charaktere wird eingeschossen. Der Rest wird nur angedeutet. Eine FSK16 ist durchaus annehmbar, denn Schauwerte gibt es nahezu keine.
 
 
 


 
 
 

HAPPY BIRTHDAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Darko Entertainment | Arclight Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hostel (2005)
 
The Prank – Der Streich (2013)
 
Scare Campaign (2016)
 
Girls against Boys (2012)


Kritik: „The Ones Below – Das Böse unter uns“ (2015)

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THE ONES BELOW – DAS BÖSE UNTER UNS

Story

 
 
 
Die Geburt des neuen Sohnes wird für Kate und Jack (CLÉMENCE POÉSY und STEPHEN CAMPBELL MOORE) zum Albtraum, als in der Wohnung im Erdgeschoss neue Nachbarn (LAURA BIRN und DAVID MORRISSEY) einziehen, die sich äußerst merkwürdig verhalten.

 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Kritik

 
 
 
Von werdenden Eltern und bösen Nachbarn. In THE ONES BELOW erwarten Kate und Jack ihr erstes Kind. Umso erfreulicher für das junge Paar, dass in der Wohnung unter ihnen ebenso glückliche Leute einziehen, die ebenfalls auf Nachwuchs warten. Schnell sind die Gesprächthemen gefunden und man freundet sich an. Doch die frisch geschlossene Freundschaft steht unter keinem guten Stern. Die neuen Nachbarn haben nämlich einige Marotten, die nicht sonderlich gut ankommen. Erst ist es der penetrante Zwang nach Ordnung, der bei Kate und Jack für Verwirrung sorgt. Später verursacht die überfreundliche Art der neuen Hausbewohner Gänsehaut, wirkt die doch trotz aller Bemühungen nicht sonderlich vertrauenserweckend. Doch das alles ist nichts im Gegensatz zu dem, was noch kommen wird. Während eines gemeinsamen Abendessens kommt es zu einem folgenschweren Vorfall, der die wahren Intentionen der neuen Nachbarn ans Tageslicht bringt. ALFRED HITCHCOCK und ROMAN POLANSKI lassen grüßen.
 
 
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MIT THE ONES BELOW gibt’s Nachschub für all jene, die eine Abreibung fürs Nervenkostüm brauchen. Morbider Psycho-Horror wird geboten, der sich einmal mehr einer Thematik widmet, die sich im Genre neuerdings wieder großer Beliebtheit erfreut. Albtraum Schwangerschaft – das ist Stoff, der bereits in den 1960ern durch ROMAN POLANSKI furchteinflößend für die Leinwand aufbereitet wurde. Viele Jahrzehnte später lässt sich aus bekannter Formel immer noch makabrer Horrorstoff drehen, der vor allem werdenden Mütter an die Substanz gehen dürfte. Hinter dem kleinen Indie-Thriller steckt kein Mann vom Fach. Trotzdem weiß Nachwuchsregisseur DAVID FARR ziemlich genau, wie er Spannungsschrauben fester drehen muss, damit es dem Zuschauer unbequem wird. Der britische Newcomer bewegt sich in seinem Filmdebüt weg vom Holzhammer-Horror und geht über zum Daumenschrauben-Kino, in dem sich die Spannung bis zum makabren Finale steigert, damit am Ende die Katze aus dem Sack gelassen werden kann. Das gelingt ganz ohne Blut- und Schockmomente – verursacht aber gerade deswegen ein unangenehmes Bauchgefühl, weil Macher DAVID FARR das Grauen auf subtile Weise heraufbeschwört und den Horror im Kopf des Zuschauers entstehen lässt. So etwas nennt man Horror mit Hirn, der mittlerweile im Genre ziemlich selten geworden ist, weil Horror vor allem beim jungen Publikum in erster Linie mit Mord und Totschlag in Verbindung gebracht wird. Brachiale Kills und ausufernde Gewalt sucht man hier aber vergebens. THE ONES BELOW setzt auf Charakteraufbau und Dialoge – klappt scheinbar auch heute immer noch so gut wie vor 30 Jahren.
 
 
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In THE ONES BELOW bahnt sich das Grauen langsam seinen Weg durch den Film. Immer wieder geraten die Sympathieträger in verzwickte Situationen, die den Zuschauer mit flauem Magengefühl vor der Flimmerkiste zurücklassen. Man ahnt schnell, dass mit den neuen Nachbarn nicht gut Kirschen essen ist. So lauert hinter der Fassade gesitteter Bürger mal wieder das Böse. Eine Erkenntnis mit welcher der Film in die Fußstapfen vieler Genrefilme der 1980er und 1990er tritt, die unter so berüchtigten Titeln wie THE STEPFATHER, DAS KINDERMÄDCHEN oder FEAR – WENN LIEBE ANGST MACHT bei Fans des Genres ein Begriff sein dürften. THE ONE BELOW ist nach dem gleichen Muster gestrickt und strapaziert mit knisternder Spannung die Nerven des Publikums. Demzufolge sollte man diesen kleinen Psychothriller eine Chance geben – insofern man was mit langsam erzählten Psycho-Kicks anfangen kann, die sich viel Zeit für das Wesentliche im sogenannten Angstkino lassen.
 
 
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THE ONES BELOW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hätte ALFRED HITCHCOCK den Okkult-Schocker ROSEMARIES BABY verfilmt, wäre vermutlich so etwas wie THE ONES BELOW dabei herausgekommen. Der auf dem Fantasy Filmfest ausgestrahlte und vielgelobte Psychothriller ist nichts für Fans hektisch geschnittener Gewaltepen. Das minimalistische Psychodrama hat was von einem Kammerspiel und konzentriert sich auf Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Statt die Augen des Horrorfans mit Blut und Gewalt zu blenden, kümmert sich Regieneuling DAVID FARR um die Hirne seines Publikums und vernebelt die mit astreinem Psycho-Terror. Dafür musste mal wieder das Thema Schwangerschaft herhalten mit dem (Found-Footage) Filmemacher in letzter Zeit reichlich Schabernack getrieben haben. Mit THE ONES BELOW wird aber wieder alles besser, denn DAVID FARR lässt das Böse nicht im Bauch der Mutter heranwachsen, sondern funktioniert freundliche Nachbarn zu ultimativen Psychopathen um. Für knisternde Spannung und unangenehmes Bauchgefühl ist somit gesorgt, denn der britische Regisseur scheint viele Altmeister des Thrillerfachs genau studiert zu haben. Er beherrscht die subtile Angstmacherei erstaunlich gut, was THE ONES BELOW zu einem echten Indie-Psycho-Geheimtipp macht.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Zensur

 
 
 
Wer Gewalt sucht, ist hier falsch. Davon gibt es im Film nichts zu sehen. Eigentlich könnte man THE ONES BELOW bereits ab 12 Jahren freigeben. Wegen dem kompromisslosen Ende, einiger Schimpfwörter und bedrohlicher Stimmung dürfte es aber eine FSK16 werden.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Roommate (2011)
 
The Harvest (2013)
 
One Hour Photo (2002)


Filmkritik: „Tank 432“ (2015)

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TANK 432

(BELLY OF THE BULLDOG)

Story

 
 
 

In einem verlassenden Panzer treffen flüchtende Soldaten auf unsichtbare Feinde. Die nennen sich Stress und Paranoia und machen aus Verbündeten Feinde.

 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Kritik

 
 
 
Krieg hinterlässt Spuren – nicht nur bei Zivilisten. Auch Soldaten und Friedenskämpfer bleiben vom hässlichen Gesicht des Krieges nicht unverschont und sind während ihrer Einsätze psychischem Stress ausgesetzt, der erst nach dem Krieg zum eigentlichen Problem wird. Studien belegen, dass immer mehr Soldaten schwer traumatisiert von der Front heimkehren und sich später in psychologische Behandlung begeben müssen, damit sie Erlebtes verarbeiten können. Leider gelingt vielen die Rückkehr ins normale Leben nicht, denn mittlerweile sterben immer mehr Veteranen durch Selbstmord, als bei Einsätzen in Kriegsgebieten. Was Krieg mit Soldaten macht, versucht auch Regisseur NICK GILLESPIE auf die Leinwand zu bringen. Der britische Filmemacher hat sich bisher eher als Fachmann hinter der Kamera einen Namen gemacht und versuchte sich als Regisseur von Kurzfilmen. TANK 432 gehört nun zu einem der ersten Langfilme bei denen der ambitionierte Brite die Regie übernommen hat. Als Produzent stand Kumpel BEN WHEATLEY (SIGHTSEERS und KILL LIST) zur Seite für den NICK GILLESPIE bisher immer mal wieder als Kameramann zur Verfügung stand. Was der Regie-Newcomer aber hier unter dem Banner Spielfilm fabriziert hat, wird in Filmkreisen oft als Rohrkrepierer bezeichnet. Der günstig produzierte BELLY OF THE BULLDOG (so der Alternativtitel) ist nämlich trotz brisanter Thematik reichlich konfus und zäh. Etwas, mit dem man bei Horrorfans gewöhnlicherweise keinen Eindruck hinterlässt.
 
 
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Das selbst geschriebene Drehbuch erzählt die Geschichte von einer Gruppe britischer Soldaten, die sich auf eine geheime Mission begeben. Mit zwei Gefangenen im Schlepptau sollen Kriegsgebiete erkundet werden, damit die Umgebung wieder sicher gemacht werden kann. So entdeckt man bei Streifzügen durch das Land auf einem verlassenen Bauernhof einen Container. Darin haust eine verwirrte Frau, die erst einmal mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend mitgenommen wird. Leider kommt die Gruppe nicht weit. Auf der Flucht vor vermeintlichen Feinden verschanzt man sich in einem Bulldog-Panzer und wähnt sich in Sicherheit. Doch die Unterschlupf entpuppt sich als fiese Falle, denn die Tür nach draußen lässt sich nicht mehr öffnen. So verharrt man bangend im Panzer und hofft auf Rettung. Was die Soldaten aber unterschätzen ist der psychische Stress. Mit steigendem Druck und auf engstem Raum wächst die Paranoia jedes Teammitglieds. Was folgt ist kein Kindergarten, denn aus vermeintlich Verbündeten werden plötzlich unerbittliche Feinde. Fragt sich nur wer in einer solchen verzwickten Situation einen kühlen Kopf bewahren kann.
 
 
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DOG SOLDIERS trifft auf JACOB’S LADDER. Das Konzept hinter TANK 432 ist eigentlich gar nicht mal so dumm. So haben schon viele Regisseure menschliches Verhalten in Extremsituationen studiert und damit für unangenehme Filmminuten gesorgt. Leider ist die von Regisseur NICK GILLESPIE auf Zelluloid gebannte psychologische Studie von Menschen unter Druck keine nennenswerte Angelegenheit, denn zwischen Paranoia und Klaustrophobie entsteht hier leider nur eines: Grenzenlose Langeweile. Dass NICK GILLESPIE durchaus Geschick im Umgang mit der Kamera besitzt will man dem ambitionierten Filmemacher sicher nicht streitig machen. Talent für Spannungsbogen und Erzählaufbau besitzt er leider nicht, denn TANK 432 ist so wirr, langatmig und nervig inszeniert, des dem Zuschauer spätestens bei den Szenen im Panzer die Lust am Weiterverfolgen der Handlung vergeht. Die Figuren sind unnahbar und unsympathisch. Ihre Streitereien rauben den letzten Nerv. Zudem wirkt ein Überraschungstwist aufgesetzt und erzwungen. Gut, dass der Horrorfan die Macht über die Fernbedienung besitzt. Die ermöglicht das Abschalten – wann immer man es will. Wir raten so früh wie möglich abzuschalten, denn man verpasst nichts, wenn man TANK 432 nicht gesehen hat. Das vermeidet nicht nur Enttäuschungen, sondern spart auch Zeit, Geld und Nerven.
 
 
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TANK 432 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Wer TANK 432 gesehen hat, wird im wahrsten Sinne des Wortes paranoid vor Wut, denn dieser Film gehört zur jener Gattung Kinoschund, für den man am liebsten sein Geld zurück haben möchte. Die psychologische Studie über Stress und seine Folgen ist nicht nur langweilig; sie schafft es nicht einmal in den Bann zu ziehen und irgendwie emotional zu bewegen. Schuld sind die unsympathischen Figuren, deren Leid nicht einmal die Bohne interessiert. Angesichts der kontroversen Thematik über Folgen von Kriegseinsätzen ist die Anteilslosigkeit des Zuschauers schon irgendwie als grotesk zu betiteln. Vielleicht wäre es demnach in Zukunft für Regisseur NICK GILLESPIE besser, wenn er sich wieder auf das konzentriert, was er auch wirklich kann. Drehbücher schreiben und Regie führen scheint nicht sein Ding zu sein – hinter der Kamera stehen schon eher.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Zensur

 
 
 
TANK 432 ist eher psychologischer Natur und hält sich mit Schauwerten zurück. Einige kurze Gewaltmomente gibt es dennoch zu sehen. So wird ein Protagonist von einem Panzer überrollt, andere erschossen oder mit spitzen Gegenständen verwundet. Hierzulande dürfe der Paranoia-Horror eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

TANK 432 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Belstone Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beneath (2013)
 
POD (2015)
 
Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits (1990)
 
The Noonday Witch (2016)
 


Filmkritik: „I Am Not a Serial Killer“ (2016)

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I AM NOT A SERIAL KILLER

Story

 
 
 

Der Teenager John Cleaver bezeichnet sich selbst als Soziapath und versucht alles daran zu tun, dass er nicht selbst zum Killer mutiert. Doch als im Städtchen Clayton der Tod die Runde macht, kann er die Bestie in sich nicht mehr im Zaum halten.

 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Kritik

 
 
 
Facettenreich sein und mal was anderes ausprobieren. Schauspieler CHRISTOPHER LLOYD ist eigentlich dafür berüchtigt in familientauglichen Filmen für Spaß zu sorgen. So hat er sich als verrückter Professor in der ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT-Trilogie selbst ein Denkmal gesetzt und scheint nun am Höhepunkt seiner Karriere mal die Fronten wechseln zu wollen. Im Film I AM NOT A SERIAL KILLER überrascht er mit ungewohnt ernster Miene und ist zur Abwechslung keiner von den Guten – sondern blutgeil und böse. Hinter dem ungewöhnlichen Horror-Krimi steckt Regisseur BILLY O’BRIAN, der mit THE HYBRID und ISOLATION schon einige Ausflüge ins Horrorfach gewagt hat. Mit I AM NOT A SERIAL KILLER versucht er sich nun auch als ernstzunehmender Filmemacher zu behaupten, was durchaus fruchten könnte, denn hinter dem Titel steckt weit mehr als trivialer Fast-Food-Horror fürs Heimkino.
 
 
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Weil er der Mutter immer beim Präparieren von Leichen hilft und sich für das Treiben von Serienmörder interessiert, ist John (MAX RECORDS – der kleine Junge aus WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN) ein Außenseiter und wird an der Schule gehänselt. Doch sein Interesse an der dunklen Seite von Menschen kommt nicht von ungefähr. Der Fünfzehnjährige ist nämlich fest davon überzeugt ein Soziopath zu sein und dass es sein Schicksal ist, selbst ein Serienkiller zu werden. Deswegen hat er eine Reihe von Regeln aufgestellt, die ihn daran hintern sollen ein Mörder zu werden. Doch der gute Vorsatz gerät ins Wanken, als im Heimatort obskure Dinge geschehen. Übel zugerichtete Leichen werden gefunden und ominöse Ölspuren an den Tatorten werfen Fragen auf. Leider ist die Polizei ratlos und tappt bei den Ermittlungen im Dunkeln. Als der Teenager mal wieder desorientiert durch die Straßen der Kleinstadt schlendert, kommt John dem geheimen Doppelleben des alten Mr. Crowley (CHRISTOPHER LLOYD) auf die Schliche. Der wohnt im Haus gegenüber und ist dem Schüler eigentlich als freundlichen Nachbar bekannt. Doch der Rentner kann auch anders. Als er dem betagten Herrn mit dem Fahrrad folgt, macht er im Wald eine schreckliche Entdeckung. Mr. Crowley scheint nämlich etwas zu verbergen von dem niemand erfahren soll. Doch das schreckt den Jungen nicht ab. Der entwickelt eine Faszination für die Taten des alten Mannes und wird so in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt.
 
 
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Der Horrorthriller I AM NOT A SERIAL KILLER basiert auf dem gleichnamigen Roman von DAN WELLS, der hierzulande unter dem Titel ICH BIN KEIN SERIENKILLER in die Buchläden gebracht wurde und der erste Teil einer Thriller-Serie ist. Zu der gehören auch die Folgeromane MR. MONSTER, I DON’T WANT TO KILL YOU, THE DEVIL’S ONLY FRIEND und OVER YOUR DEAD BODY, die die Geschehnisse um den jungen John Cleaver weiterspinnen. Wie schon das Buch, bleibt auch die Verfilmung des ersten Bandes Antworten schuldig. So bekommt es der Filmheld hier mit einem dämonischen Serienkiller zu tun, der offenbar wahllos Menschen tötet und sie ihrer Organe beraubt. Welches Ziel er damit verfolgt und wie er so lange im Geheimen morden konnte bleibt ungeklärt, denn Regisseur BILLY O’BRIAN hält sich weitestgehend an der packenden Buchvorlage, die sich vor einigen Jahren unter Horrorlesern zum Geheimtipp mauserte. Mit stimmiger 1980er Atmosphäre (der Film spielt aber in der Gegenwart) und ungeschliffene Indie-Optik wird schauriger Kleinstadt-Horror bewirkt, der vielerorts an die vielen Geschichten des jungen STEPHEN KING erinnert. So bahnt sich das Grauen langsam seinen Weg durch den Film und zeigt sich während eines nervenaufreibenden Showdown in ganzer Pracht auf der Mattscheibe. Trotz Horror- und Mystery bleiben aber nicht die Figuren auf der Strecke. Denen wird eine detaillierte Entwicklung eingeräumt. Allen voran Held John, der zwar unnahbar bleibt aber schnell wegen seiner eigensinnigen Art zum Sympathieträger avanciert. Der eigenbrötlerische Schüler begibt sich auf eine mysteriöse Serienkillerjagd und entfacht dabei just genau das Böse in sich, das er eigentlich nicht ausbrechen lassen wollte. Eine obskure Metamorphose, die den eher ruhig erzählten Film über weite Strecken spannend macht, weil lang ungewiss bleibt, wohin die Reise gehen wird. Dafür muss man Macher BILLY O’BRIAN an dieser Stelle Lob aussprechen. Der hat mit seinem Coming-of-Age-Schauer einen ungewöhnlichen Horrorthriller gedreht, der gerade wegen seinen ungewöhnlichen Charakteren und der bizarren Atmosphäre viele Horrorfilme neueren Datums in den Schatten stellt. Wer das nicht glaubt, sollte sich eines Besseren belehren lassen, denn I AM NOT A SERIAL KILLER klärt mal wieder auf, dass unkonventionelle Horrorfilme aus dem Indie-Bereich nun mal die besseren Horrorfilme sind.
 
 
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I AM NOT A SERIAL KILLER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Sehenswerter Horror-Geheimtipp irgendwo zwischen DONNY DARKO und NAKED LUNCH. I AM NOT A SERIAL KILLER ist Indie-Horror wie er im Buche steht. Zwischen ungeschliffener Griesel-Optik und eigensinnigem Retro-Sound verbirgt sich ein unkonventionelles Coming-of-Age-Drama, das King’schem Kleinstadt-Horror ein neues Gesicht gibt. Wenn sich hinter der Fassade des liebenswerten Nachbarn das ultimative Böse verbirgt. Das sind eigentlich Geschichten mit denen der Horrorautor STEPHEN KING bekannt geworden ist. I AM NOT A SERIAL KILLER ist aber keine weitere Verfilmung aus der Mache des beliebten Gruselschriftstellers. Hinter dem Streifen verbirgt sich zwar auch eine Romanadaption; die kommt aber aus der Feder von DAN WELLS, der vor einigen Jahren mit den Geschichten um Antiheld John Cleaver bei Horrorlesern auf Zustimmung stieß. Die Filmumsetzung hält sich nah an der Vorlage und überzeugt gerade wegen seiner glanzlosen Machart und den guten Darstellern auf ganzer Linie. So gibt es ein Wiedersehen mit CHRISTOPHER LLOYD, der hier abermals mit Vielseitigkeit begeistert. Statt Späßen ist diesmal Schluss mit lustig, denn der in die Jahre gekommene Schauspieler verkörpert diesmal einen von den Bösen. Eine Rolle, die dem betagten Altstar erstaunlich gut steht. Umso mehr sei dieser sehenswerte Genrefilm jedem ans Herz gelegt, der eine Schwäche für ungewöhnliche Geschichten und eigensinnige Charaktere besitzt. Da kann man nur hoffen, dass die Leinwandumsetzung zu I AM NOT A SERIAL KILLER gut beim Publikum ankommt. Wäre da das Fall wäre es begrüßenswert, wenn Regisseur BILLY O’BRIAN auch die Folgeromane auf haargenau gleiche Weise fortführt.
 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Zensur

 
 
 
Die Morde in I AM NOT A SERIAL KILLER passieren entweder in weiter Ferne oder im Off. Sonderlich blutig ist der Film demnach nicht. Immerhin gibt es einige übel zugerichtete Leichen auf dem Untersuchungstisch der örtlichen Leichenschauhauses zu sehen. Hierzulande gibt es dafür mit Sicherheit eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
House at the End of the Street (2012)
 
One Hour Photo (2002)
 


Filmkritik: „In the Deep“ (2016)

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IN THE DEEP

(47 METERS DOWN)

Story

 
 
 

Zwei Schwestern steigen in einen speziellen Käfig und lassen sich in die Tiefe des Meeres hinabgleiten, um dort Haie beobachten zu können. Leider kommt es zu einem folgenschweren Unfall.

 
 
 


 
 
 

IN THE DEEP – Kritik

 
 
 
Endlich dürfen Haie im Horrorfilm wieder böse sein. Zuletzt meinte man es nicht sonderlich gut mit den gefräßigen Raubfischen, denen dank gnadenlosen Kleinstudios wie SYFY oder THE ASYLUM der Schrecken genommen und gegen käsige Comichaftigkeit getauscht wurde. Ob fliegende Riesenhaie oder mutierter Dreiköpfer – keine Absurdität war den Bossen genannter Studios zu schade, um ebenso sensationslüstern wie bescheuert mit der Angst vor den maritimen Killern Kasse zu machen. Nur, äh, gut, dass es Hollywood gibt. Dort wird zwar ebenso regelmäßig schrottreifer Filmnonsens verbrochen; ab und an verbirgt sich dahinter aber auch mal eine Überraschung. Das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Zu diesen nennenswerten Fabrikaten made in Traumfabrik gehört IN THE DEEP – definitiv unbequemer Hai-Horror. Der will Herzklopfen bescheren und zur Abwechslung ganz ohne Trash-Willen, Selbstironie oder miese Effekte auf sich aufmerksam machen. Offensichtlich findet eine Rückbesinnung zu Altbewährtem statt. So wandelte man bereits mit dem erst kürzlich erschienen THE SHALLOWS auf den Pfaden, die anno 1975 Steven Spielbergs DER WEISSE HAI vorgegeben hatte. Das bedeutet weniger Quatsch – stattdessen tödlicher Ernst. Horrorfans, die Probleme mit kompromisslosen Filmszenarien haben, sind an dieser Stelle gewarnt. IN THE DEEP setzt gute Nerven voraus und ist nichts für Zuschauer mit Angststörungen. Behauptet nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt.
 
 
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In der Tiefe hört dich niemand schreien. Diese Erfahrung müssen auch zwei Schwestern durchleben, die sich auf ein ganz besonderes Abenteuer einlassen. Bekannte laden die beiden zum Käfigtauchen ein. Haie können auf diese Art in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet und studiert werden. Ein Angebot, dass die Geschwister Kate (CLAIRE HOLT) und Lisa (MANDY MOORE) nicht ausschlagen wollen. Doch die Freude erhält bald einen Dämpfer. Kaum im Kutter Platz genommen und aufs Meer gefahren, kommen beim Anblick des klapprigen Käfigs erste Zweifel auf. Stabil sieht anders aus und auch die Sicherheitsvorkehrungen haben schon bessere Tage gesehen. Doch die attraktive Begleitung überzeugt durch Charme und lässt alle Ängste vergessen. So steigen die Schwestern in ihre Tauchausrüstung und lassen sich samt Käfig in die Tiefe abseilen. Keine gute Entscheidung, denn die anfänglichen Zweifel werden bald bittere Realität. Die Seilwinde bereitet erste Probleme und der Käfig stürzt ins Dunkel des Meeres. Doch der Unfall wird schnell zum kleineren Übel. Hier unten lauern Haie und auch die Luft in den Gasflaschen wird knapp. Leider ist der Funkkontakt unterbrochen und Panik macht sich breit. Da stellt sich glatt die Frage, ob man noch rechtzeitig auf Hilfe hoffen kann.
 
 
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Du leidest unter Klaustrophobie, hast Angst vor spitzen Tierzähnen und wirst von schwerer Atemnot geplagt? Dann solltest Du IN THE DEEP möglichst meiden. Ein Film, der gezielt mit menschlichen Urängsten spielt und üble Bauchschmerzen hinterlässt. Wieder einmal begeben sich Menschen in Extremsituationen und müssen sich aus verzwickten Szenarien befreien, die man nicht alle Tage erlebt. IN THE DEEP macht genau von dem Konzept Gebrauch, das sich bereits mit besagtem THE SHALLOWS und den Überlebensthrillern OPEN WATER sowie dessen Fortsetzung in die Erinnerung der Zuschauer gebrannt hat. Einmal mehr unterschätzt der Mensch die Unberechenbarkeit der Natur. Die Belehrung folgt auf dem Fuß – Unachtsamkeit muss mit Überlebenskampf bestraft werden. Der flimmert hier äußerst schonungslos über die Leinwand und belastet knapp 90 Minuten das Nervenkostüm des Zuschauers. Mit einfachen Mitteln wird andauernde Panik heraufbeschworen. Erst ist es allgegenwärtige Dunkelheit und Klaustrophobie, weil der schützende Käfig zum Gefängnis wird. Später kommen Luftknappheit und hungrige Haie dazu, die nur darauf warten, dass die Heldinnen Fehler begehen. Die Rettung lässt vergebens auf sich warten. Wer die Schwestern retten möchte, wird radikal zu Fischfutter verarbeitet. Angesichts der vielen Hürden bleibt fraglich, ob ein Entkommen überhaupt noch möglich ist. Dennoch wird gekämpft, schließlich fördert der Überlebenswillen manche Raffinesse zutage, die natürlich am Ende mit der Freiheit belohnt wird.
 
 
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Dass IN THE DEEP kein Schnellschuss ist, wird deutlich, wenn man schaut, wer für den Film verantwortlich zeichnet. Regisseur JOHANNES ROBERTS kennt sich mit Horror aus. Er wagte erste Ausflüge in Angstfach mit dem TV-Trasher ROADKILL und dem Horrorthriller F-LONDON HIGHSCHOOL MASSAKER, perfektionierte seine Gruselfähigkeit aber mit dem THE OTHER SIDE OF THE DOOR, der es sogar in die Kinos schaffte. Einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad dürften aber die Produzenten in Horrorkreisen besitzen. Die ehemaligen Chefs des Studios Miramax, BOB und HARVEY WEINSTEIN und der Franzose ALEXANDRE AJA werden im Vorspann als Geldgeber genannt. Letzterer hat ein goldenes Händchen für Horror-Hits und brachte mit Neuverfilmungen zu THE HILLS HAVE EYES oder PIRANHA frischen Wind ins kommerzielle Genrekino. Auch wenn es IN THE DEEP vermutlich nicht zum Hit bringen wird, muss das nicht zwangsläufig Schlechtes bedeuten. Der anfänglich eigentlich als 47 METERS DOWN betitelte Überlebensthriller tut es anderen sehenswerten Hai-Schockern gleich. Der Film ködert mit Schocks, Action und Adrenalin. Die Rechnung geht auf. Die packend inszenierte Taucherei zieht einen von der ersten Minute an in den Bann. Dennoch sollte man wissen worauf man sich einlässt. IN THE DEEP ist nichts für Anfänger. Weil viele Flucht- und Erkundungstouren gerade wegen schlecht ausgeleuchteter Szenen durch den dunklen Meereskorridor ausweglos und unerträglich wirken, könnte das den einen oder anderen Horrorfan verstören. Spätestens hier hat Macher JOHANNES ROBERTS das eigentliche Ziel eines jeden Horrorfilmen erreicht: Angst bereiten.
 
 


 
 
 

IN THE DEEP – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unerträglich aber ultraspannend – klaustrophobischer Überlebenskampf in den Tiefen der Meere, der einen garantiert mitnimmt und nicht kalt lässt. Statt auf dem Wasser muss nun tief unter der Wasseroberfläche ums Überleben gekämpft werden. IN THE DEEP (der anfangs eigentlich 47 METERS DOWN heißen sollte) ist Haifisch-Horror, wie man ihn sich wünscht. Die Situation scheint ausweglos, denn Luftknappheit, Klaustrophobie und Haie machen den beiden Hauptdarstellerinnen zu schaffen. Die bekommen es in der Tiefe des Meeres mit der Angst zu tun, finden aber nicht ohne Weiteres an die Oberfläche zurück. Panik und Puls heißt der effektive Film-Mix, der in diesem Hai-Horror dafür sorgen wird, dass sich zartbesaitete Zuschauer des Öfteren die Hände vor die Augen halten. Das ist auch berechtigt, denn Regisseur JOHANNES ROBERTS fordert seinen Heldinnen und dem Publikum einiges ab. Letzteres dürfte sich immerhin sicher im trockenen Filmsessel wähnen, während die beiden Hauptprotagonistinnen vergebens nach einem Ausweg aus dem feuchten Gefängnis suchen. Trotzdem kommt auch der Zuschauer nicht so einfach davon. Auch dem tut nach dem Film eine erfrischende Dusche gut. Die ist nämlich angesichts des von Panik durchschwitzen T-Shirts auch dringend von Nöten. IN THE DEEP ist packend inszenierter Überlebens-Horror, der Kompromisse gnadenlos scheut. Sehenswert und nur mit geübten Nerven zu ertragen.
 
 
 


 
 
 

IN THE DEEP – Zensur

 
 
 
In INTO THE DEEP gibt es kaum reißerische Fressmomente zu sehen. Die wenigen Attacken passieren so schnell, dass Liebhaber fürs Grobe kaum auf ihre Kosten kommen werden. Im Finale wird immerhin einer Protagonistin sehr unsanft ins Bein gebissen. Vermutlich wird Gezeigtes mit FSK12 ins Heimkino kommen. Klingt nach einem Kinderfilm. Wir können aber bruhigen: INTO THE DEEP ist alles andere – nur nicht das!
 
 
 


 
 
 

IN THE DEEP – Trailer

 
 
Trailer folgt in Kürze!
 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deep Blue Sea (1999)
 
Open Water (2003)
 
Open Water 2 (2006)
 
The Reef – Schwimm um dein Leben (2010)
 


Filmkritik: „Tschiller: Off Duty“ (2016)

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TSCHILLER: OFF DUTY

Story

 
 
 

Nick Tschiller (Til Schweiger) kernigster Bulle Hamburgs, trommelt der Puls. Seine 17jährige Tochter Lennie (Luna Schweiger) ist heimlich und mit gefälschten Dokumenten nach Istanbul gereist. Dort will sie den Gangster erschießen, der im letzten Tschiller-TATORT ihre Mutter im Auto in die Luft gesprengt hat. Natürlich sind die bärtigen Bösewichter der Kleinen ein paar Schritte voraus und Lennie landet mit einer Dosis Heroin im Blut inmitten einer Lieferung mit illegalen Prostituierten – Zielort Moskau. Jetzt ist es am vom Dienst beurlaubten Nick, mit dem Gangsterpack zwischen Bosporus und Russland aufzuräumen. Eine Mission, die ihn mehr als einmal in höchste Gefahr bringt und bei der am Ende nur eine Seite überleben kann.

 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Kritik

 
 
 
Filmstar Til Schweiger ist schon ein Phänomen. Seine Trefferquote beim Kinopublikum ist beachtlich und gibt dem Multitalent besonders dann Recht, wenn die feindselige Presselandschaft mal wieder kein gutes Haar an ihm lassen mag. Deshalb hat der immer wieder auch in Hollywood arbeitende Deutsche eine Haut, so dick wie die eines Elefantenbullen entwickelt. Die andauernde, nicht selten böswillige Kritik an seinem cool-nuscheligen Schauspiel, seinen mindestens zum Teil selbstverfassten Drehbüchern oder ganz allgemein seiner nicht gerade konfliktscheuen Persönlichkeit prallen am Wahl-Hamburger einfach ab.
 
 
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Und so muss man auch das erste Kinoabenteuer seines TATORT-Kommissars Nick Tschiller als Film des spannenden Genres „Schweiger gegen den Rest der Welt“ sehen. Schon seine beiden ersten TATORT-Folgen im Fernsehen waren so und daran gibt es nichts auszusetzen. Christian Alvart, Regisseur mit einem Verständnis für Genrefilme und den Star Til Schweiger, dreht Filme, wie er sie selbst sehen möchte. Hart, schnell, hollywoodtauglich. Wäre man päpstlicher als der Papst, müsste man Schweigers Schießereien-Ballett vorhalten, sich gelegentlich zu nah an Szenen aus bekannten US-Kino-Vorbildern zu orientieren. Viel lieber sagen wir an dieser Stelle: Besser gut kopiert als schlecht selbst geschrieben.
 
 
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Dabei sind andere Punkte doch viel wichtiger: Die Action in TSCHILLER: OFF-DUTY ist von durchgängig höchster Qualität. Reden wir ruhig von internationalem Niveau. Knochenharte Schlägereien, wilde, aus nächster Nähe gefilmte Shoot-Outs und wahnwitzige Stunts mit Autos und sogar einem alten Mähdrescher (!) können sich sehen lassen. Nimmt man dann noch eine gute Portion schrägen Humors und die funktionierende Chemie unter den Schauspielern dazu, wird dem Zuschauer ein Feuerwerk des Aktionsreichtums geboten. All das macht den Film eher zu einem modernen James-Bond-Film mit deutscher Kante als zu einem Beitrag aus der schläfrigen TATORT-Reihe. Genau in dieser – für unser einheimisches Fernsehen so untypischen – Machart finden die Kritiker Til Schweigers natürlich eines ihrer dickborstigsten Suppenhaare. Der gute alte TATORT. Der musste früher vor allem bedächtig und spießig sein und ist heute eher ein Spielplatz für selbstverliebte Filmhochschüler. Die fabrizieren Woche für Woche überladene und verkrampft atmosphärische Deutsch-Krimis, die am allerwichtigsten Punkt prächtig scheitern: Der Unterhaltung ihres Publikums.
 
 
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TSCHILLER: OFF-DUTY steht viel eher in der Tradition des TATORT mit dem gerade verstorbenen Götz George als Kommissar Schimanski. Der grobe Ermittler war für Duisburg und das Ruhrgebiet das, was Nick Tschiller jetzt für die Hansestadt Hamburg ist. Ein für die große Leinwand tauglicher Actionheld nämlich, der auf bestehende Regeln von Polizeiarbeit und Fernsehfilmkunst nicht viel gibt. So waren ZAHN UM ZAHN und ZABOU, zwei aufwändiger gedrehte Fälle Schimanskis, in den achtziger Jahren auch der letzte Versuch der ARD, ihre berühmte Krimireihe vom Sonntagabend ins Kino zu bringen. Bis jetzt, bis TSCHILLER: OFF DUTY. Behält das Team Schweiger/Alvart für den nächsten Teil der TSCHILLER-Reihe die vorgelegte Kinotauglichkeit, das Tempo und auch die für einen Fernsehfilm unerhörte Splatter-Effekt-Härte bei, wird man sich beim Sender zweimal überlegen, ob man den im TV zeigen möchte.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Das hat man auch nicht oft! Ein Actionfilm aus deutschen Landen, der sich hinter so mancher Großproduktion aus den USA nicht verstecken muss. Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller mischt Schwerstkriminelle auf zwei Kontinenten auf. Da fliegen die Fetzen und die Knochen knacken. Bitte mehr davon.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Zensur

 
 
 
Die Action in TSCHILLER: OFF DUTY hat dafür gesorgt, dass der Film in Deutschland mit FSK16 ins Kino kam. Das wurde auch so für die Heimkinoveröffentlichung beibehalten. Die ist ebenso ungeschnitten freigegeben für 16jährige.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WARNER HOME VIDEO

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Tschiller: Off Duty; Deutschland 2016

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DD 2.0

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 140 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Making of, Die Stunts, Die Drehorte, Zur Story, Premierenclip, Trailer

Veröffentlichung: 28.07.2016

 
 
 

Tschiller: Off Duty [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WARNER HOME VIDEO)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zahn um Zahn (1985)

Zabou (1987)


Filmkritik: „Sacrifice“ (2016)

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SACRIFICE

Story

 
 
 

Eine Frauenärztin verschlägt es samt ihres Gatten in die Provinz, wo sie einem mysteriösen Kult auf die Schliche kommt.

 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Kritik

 
 
 
Totgeglaubte leben länger! Filmemacher PETER A. DOWLING war vor vielen Jahren mal kurzzeitig ziemlich gefragt. 2008 zeichnete der für die Regie des Horrorfilms STAGE NIGHT verantwortlich und steuerte einige Zeit zuvor sogar das Drehbuch zum Thriller FLIGHTPLAN mit JODIE FOSTER bei. Danach war plötzlich Funkstille. Lange war es still um den Regisseur – jetzt ist er wieder da und zwar mit einem Beispiel für derzeit so beliebten Okkult-Horror. Wer jetzt aber glaubt, dass mit SACRIFICE beunruhigende Dämonenaustreibungen oder blutige Rituale über den Fernseher sausen, der irrt. Viel mit Horror hat der Streifen nämlich nicht am Hut. SACRIFICE ist eher im Thriller-Genre beheimatet und richtet sich mit Puzzle- und Rätseltaktik an ein eher knobelerprobtes Krimi-Publikum, das mehr an Detektivarbeit interessiert ist und weniger blutiges Einerlei auf der Mattscheibe sehen will. Demzufolge steht ein okkultes Ratespiel über mysteriöse Ritualmorde im Mittelpunkt, das es zu lüften gilt. Kinogänger mit Vorliebe fürs Grobe dürfte so etwas natürlich langweilen.
 
 
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Wieder mal verirrt sich Schauspielerin RADHA MITCHELL in einen Film fernab von Liebe und Herzschmerz. Sie scheint Gefallen an Kinostreifen gefunden zu haben, wo es gerne mal deftig und düster zur Sache geht. Zuletzt war das mit dem Mystery-Film THE DARKNESS der Fall. Aber auch in der Videospielverfilmung SILENT HILL und dem Found-Footage-Schocker EVIDENCE schlug sie sich wacker als Heldin durch ungemütliche Albtraumszenarien. Auch im mysteriösen Sekten-Thriller SACRIFICE hat sie die Heldenrolle ergattert und verkörpert Tora, eine Frau mittleren Alters, die zwar als Frauenärztin Schwangere berät, aber selbst keine Kinder bekommen kann. Nach einer weiteren Fehlgeburt, entscheidet Gatte Duncan (RUPERT GRAVES), dass das Leben auf dem Land weitergeht. Fernab der Großstadthektik soll auf den schottischen Shetland-Inseln ein Gang heruntergefahren werden. Das Leben scheint hier stillzustehen und auch der angeschlagenen Tora geht es langsam wieder besser. Leider schreibt das Leben manchmal die sonderbarsten Geschichten. Als Tora hinter dem Haus im Boden den Körper einer übel zugerichteten Frau entdeckt, ist Schluss mit Erholung. Der Leichenfund wirft Fragen auf. Nicht nur, dass auf der Haut der Toten rätselhafte Symbole eingeritzt wurden; auch das Herz der Frau wurde offenbar bei lebendigem Leibe entfernt. Leider werden die Akten bald geschlossen, denn Wissenschaftler sind sich einig, dass diese Moorleiche bereits seit Jahrhunderten ihr Dasein unter der Erde fristet. Doch Frauenärztin Tora ist da anderer Meinung. Die vermutete einen frischen Mord, stellt eigene Ermittlungen an und wittert das Werk eines ominösen Kultes, der seit Jahrhunderten auf den Inseln sein Unwesen treibt.
 
 
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Spannende Sonntagabendunterhaltung – simpel gestrickt, aber immerhin kurzweilig. Leider hat SACRIFICE ein großes Problem. Der Film ist leicht zu durchschauen und wirkt an vielen Stellen vorhersehbar. Wieder einmal ist es eine Kleinstadt, die zusammenhält. Hier kennt jeder jeden und Traditionen sind dazu da, um sie aufrechtzuerhalten. Demzufolge weiß natürlich niemand von nichts – obwohl von Anfang an klar ist, dass auf dieser Insel der Teufel zu Hause ist. SACRIFICE orientiert sich an den typischen Vertreter der Gattung Kleinstadt-Okkult-Horror, wie er Anfang der Siebziger in Robin Hardys legendärem THE WICKER MAN seine Vorlage für die Ewigkeit fand. Wer zu viele Fragen stellt wird ausradiert – ebenso die, die beim Auflösen behilflich sind. Doch die Heldin ist hartnäckig und zeigt, was eine Harke ist. Sie kommt beim Recherchieren zwar nur schleppend voran, enttarnt aber am Ende die hinterlistige Saubande. Mit Originalität hat das nichts im Entferntesten zu tun. So geht es gradlinig voran und Anhaltspunkte werden schlüssig kombiniert. Leider wirkt das Detektivspiel teils sehr konstruiert, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man unterhalten wird. SACRIFICE erinnert an die vielen skandinavischen Thriller, die in den letzten Jahren vor allem des kühl-trostlosen Filmlooks wegen auffallen und öfters auf den Öffentlich Rechtlichen TV-Sendern gezeigte werden. Wenn man also schön gefilmten, aber anspruchslosen Stoff fürs Abendprogramm benötigt, ist man hier gut aufgehoben. Richtige Nervennahrung oder gar Suspense-Horror sieht aber anders aus!
 
 
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SACRIFICE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SACRIFICE basiert auf dem erfolgreichen Roman von Autorin SHARON J. BOLTON, ist aber nichts Großes. Hinter dem geradlinig erzählter Sekten-Thriller ohne Überraschungen steckt einfach gut verdauliche Detektivarbeit, bei der man irgendwie nicht das Gefühl loswerden möchte, als wollte man hier anfänglich was fürs Fernsehen drehen. Demzufolge ist Gezeigtes nicht sonderlich anspruchsvoll, glänzt aber immerhin mit typisch schottischer Kulisse. Leider hat SACRIFICE nur wenig mit Horror am Hut. Vielmehr verbirgt sich hinter dem vielversprechenden Filmtitel ein kurzweiliger Okkult-Krimi mit Thriller-Elementen, den man sich anschauen kann, wenn mal gerade nichts in der Glotze kommt. Man macht aber auch nichts falsch, wenn man SACRIFICE einfach mal auslässt. Von missraten kann hier zwar nicht die Rede sein. Trotzdem kommt – wenn man das so sieht – mal wieder die Erkenntnis in den Kopf, dass manche Bücher nicht zwingend verfilmt werden müssen. SACRIFICE gehört ins Buchregal, aber nicht auf die Mattscheibe.
 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Zensur

 
 
 
Wer jetzt glaubt, dass hier Gewalt zelebriert wird, der irrt. SACRIFICE ist relativ harmlos. Es gibt nahezu kaum etwas zu sehen. Am Ende bekommt ein Bösewicht einen Dolch in den Körper gejagt. Wegen der düsteren Thematik über Morde und Rituale dürfte es aber bei einer FSK16 bleiben.
 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Wicker Man (1973)
 
The Wicker Man (2006)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „ClownTown“ (2016)

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CLOWNTOWN

Story

 
 
 

Einige wortlos agierende Psychopathen haben sich als Clowns verkleidet und terrorisieren Ortsfremde, die sich in einer anscheinend menschenleeren Geisterstadt verirrt haben.

 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Kritik

 
 
 
Nicht erst seit der Fernsehfilm-Adaption des Stephen-King-Romans ES scheinen Clowns in Horrorfilmen unweigerlich Albträume beim Publikum hervorzurufen. Die geschminkten Spaßmacher sind zwar bereits seit Jahrhunderten zum Wohle der Lachmuskeln im Einsatz, verursachen aber nicht bei Jedermann Freude. So hat eine Studie der englischen University of Sheffield offen gelegt, dass Kinder zwischen 4 und 16 Jahren über die Grimassen jener lustigen Gesellen überhaupt nicht lachen können. Denen bereiten die Kreaturen mit ihrer unwirklichen Gestik und übertriebenen Mimik in erster Linie Angst – etwas, was sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen kann und in Fachkreisen auch als Coulrophobie betitelt wird. Die Furcht vor dem Unbekannten hinter der Maskerade findet auch im folgenden Horrorfilm Verwendung. CLOWNTOWN nennt sich der günstig gedrehte Horrorfilm aus der Mache von TOM NAGEL, der bisher eher als Schauspieler in B-Movies zu sehen war und nun auch mal einen eigenen Low-Budget-Film machen wollte. Sein Debüt erinnert in seiner billigen Machart an die vielen günstig verbrochenen Streifen aus längst vergessenen Videothekenzeiten, wo nahezu regelmäßig mies synchronisierter und bis zum Erbrechen zensierter Horror-Trash ins Regal gestellt wurde, um möglichst viel Leihgebühren vom Filmfan einkassieren zu können. Eigentlich kaum der Rede wert, würde da im Vorspann nicht kurz der Name ROBERT KURTZMAN auftauchen und das Interesse alteingesessener Horrorfans wecken.
 
 
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Kurtzman fungierte in CLOWNTOWN als Co-Producer und dürfte Horror-Kennern noch als talentierter Make-up und Effekt-Künstler in Erinnerung geblieben sein. Auf die Kappe des Mitbegründers der KNB EFX GROUP gehen Splatter-Orgien in Filmen wie FROM DUSK TILL DAWN oder WISHMASTER, für die er Masken- und Ekeleffekte beigesteuert hat. Aber auch in Produktionen neueren Datums hatte Kurtzman oft die Hände im Spiel. So ließ es sich der Effekte-Macher nicht nehmen, seine Matschereien auch in aktuellen Genrestreifen wie TUSK, THE FUNHOUSE MASSACRE oder ALL CHEERLEADERS DIE für die Ewigkeit sichtbar zu machen. Gute Voraussetzungen für CLOWNTOWN also, der mit Kurtzman als beteiligtem Produzenten eigentlich nur gewinnen kann. Doch wie es meist immer ist, kommt die Ernüchterung früh, denn von ausgeklügelten Kills und kreativen Matschmomenten ist weit und breit kaum etwas zu verzeichnen. Dafür flimmert immerhin etwas Terror über die Mattscheibe – Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE lässt grüßen.
 
 
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CLOWNTOWN erzählt mal wieder die ewig gleiche Leier von jungen naiven Menschen, die sich mit menschlichen Abgründen konfrontiert sehen. Diesmal sind es psychisch gestörte Persönlichkeiten, die sich wie Clowns geschminkt haben und eine amerikanische Kleinstadt terrorisieren. Die Menschen haben Angst und trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Demzufolge bekommen die Bewohner kaum noch davon mit, was vor der eigenen Haustüre passiert. Dumm gelaufen für einige Durchreisende, die auf ihrer Fahrt durchs amerikanische Hinterland eine Autopanne erleiden und auf Hilfe angewiesen sind. Weil die Telefone keinen Empfang haben, macht man sich zu Fuß auf in die nächste Stadt, wo man ein verlorenes Telefon abholen möchte. Doch der vermeintliche Finder lockt die Gruppe in eine Falle. Am verabredeten Ort ist keine Menschenseele anzutreffen. Stattdessen bekommen es die Freunde mit einer Horde Psychopathen zu tun, die ihnen ans Leder wollen. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt, der natürlich einige Leichen zu verzeichnen hat.
 
 
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Viel Substanz besitzt das Drehbuch von CLOWNTOWN leider nicht. Das ist auch kein Wunder, denn Drehbuchautor JEFF MILLER war bereits vor CLOWNTOWN nicht sonderlich darum bemüht, den Zuschauer mit frischen Geschichten zu verwöhnen. So verraten die ebenfalls von ihm zu Papier gebrachten Filme AXE GIANT oder HELLBLOCK 13 ganz passend, was dem Horrorfan mit CLOWNTOWN blüht. Billiger Fast-Food-Horror wird geboten, der sich am gängigen Horrorstandard orientiert. Auf dass der Zuschauer nicht zu sehr überfordert wird! Das Morden und Überleben steht im Fokus. Opfer werden gejagt und nacheinander ausradiert. Den Innovationspreis gewinnt man damit freilich nicht – vor allem auch deshalb, weil sich die Figuren zu keiner Minute nachvollziehbar oder logisch verhalten. Weil nahezu jeder Terror- und Slasher-Film der letzten 20 Jahre nach gleichem Schema abgelaufen ist und sich Regisseur TOM NAGEL schwer mit dem Spannungsaufbau tut, wird CLOWNTOWN selbst für Liebhaber solcher Streifen zu Bewährungsprobe. Hinzu kommt, dass sich die Schauspieler teils äußerst hölzern und unerfahren vor der Kamera bewegen, was CLOWNTOWN mit Sicherheit einen baldigen Platz auf den Wühltischen hiesiger Fachhändler bescheren dürfte. Letztendlich verspricht das Plakat mal wieder mehr, als der Film bieten kann. CLOWNTOWN ist kein großer Wurf und dürfte bald wieder vergessen sein. Blutige Momente bilden die Ausnahme und die immerhin gelungenen Clownsmasken verlieren aufgrund der beliebigen Machart und der austauschbaren Handlung ziemlich rasch an Reiz. Horrorstimmung will da nur selten aufkommen. Schade ums Zelluloid – oder den digitalen Träger.
 
 
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CLOWNTOWN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Pennywise‘ kleinen Geschwister. Diese Clowns sind gar nicht lustig, diese Clowns wollen töten – und langweilen. Nicht überall wo bekannte Namen draufstehen, wartet sehenswerte Horrorunterhaltung aufs hungrige Publikum. CLOWNTOWN ist schnell heruntergekurbeltes Videomaterial, dass zwar ab und an so etwas wie Light-Terror versprüht, aber die meiste Zeit langweilt, weil die Handlungsverläufe nicht neu sind. Demzufolge gibt es die ewig gleiche Leier von dummen Opfern und vermeintlich überschlauen Mördern zu sehen, die vom rechten Weg abgekommen sind und schlachten müssen. Auch wenn Effektmaestro ROBERT KURTZMAN als Produzent beteiligt gewesen ist, gehört CLOWNTOWN nicht in die Genre-Königsklasse. Überraschenderweise sind die Morde nämlich recht unblutig und unspektakulär ausgefallen – und das, obwohl mit Kurtzman ein Meister seines Fachs als Geldgeber fungierte. Unterm Strich ist CLOWNTOWN kein Horror-Hit. Der Film ist ein Mix aus Slasher und Terrorfilm, bei dem es an allem mangelt. Das Schauspiel ist mager, die Inszenierung klischeeüberladen und atmosphärische Momente bilden die Ausnahme. Da kann man nur hoffen, dass man nicht über eine Fortsetzung nachdenkt. Die braucht niemand. Besser andere Clown-Schocker in den Player legen, denn da gab es in der Vergangenheit besseres. Neben PLAY – TÖDLICHES SPIEL, STITCHES und CLOWN wäre da natürlich noch die Mutter aller Clown-Horrorstreifen: STEPHEN KINGS ES.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Zensur

 
 
 
Trotz Mitwirken von Effektmeister ROBERT KURTZMAN ist CLOWNTOWN hinsichtlich der gezeigten Grausamkeiten eine Enttäuschung. Die Morde sind sehr kurz und werden oftmals nur angedeutet. Zudem wurden die Kills auch nicht sonderlich raffiniert umgesetzt und schauen teils sehr billig aus. Im Vergleich zu anderen Slasher- und Terrorfilmen ist der Härtegrad sehr niedrig angesetzt, was CLOWNTOWN hierzulande „nur“ eine rote FSK-Plakette einbringen dürfte: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

CLOWNTOWN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Steel House Productions | ITN Distribution)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Clownhouse (1989)
 
Killjoy (2000)
 
Camp Blood (1999)
 


Filmkritik: „Satanic“ (2016)

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SATANIC

Story

 
 
 

Vier Freunde sind am Thema Satanismus interessiert und öffnen durch Neugierde und Unachtsamkeit einer höheren Macht die Pforte zur Welt der Lebenden.

 
 
 


 
 
 

SATANIC – Kritik

 
 
 
Wenn das Drehen von Serien allein irgendwann keine Erfüllung mehr mit sich bringt, macht man eben Horrorfilme – und sind die Drehbücher dahinter auch noch so mies. Ganz ähnlich dürfte sich das Regisseur JEFFREY G. HUNT gedacht haben. Der fabriziert seit 2006 Serienfolgen am Fliessband und hat so Episoden zu TV-Hits wie CSI: NY, HAWAII FIVE-0 oder FRINGE beigesteuert. Offensichtlich hat’s ihn mit der Zeit gelangweilt, weshalb er nun seinen ersten Film gemacht hat. Jetzt kann er auch dem Publikum zeigen, über welche Untiefen der Ozean der Langeweile doch verfügt. Mit SATANIC hat sich der serienerprobte Hunt leider keinen Gefallen getan. Das verfilmte Drehbuch aus der Feder von ANTHONY JASWINSKI muss Ausschuss gewesen zu sein. Hier stimmt leider gar nichts und das von der ersten Minute an. Bei einer so desaströsen Grundlage wundert es schon sehr gewaltig, dass der Drehbuchautor ebenso für die Skripts zu THE SHALLOWS und KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN verantwortlich zeichnet. Zieht man die genannten Horrorempfehlungen zum Vergleich heran, will man irgendwie nicht so recht glauben, dass die gleiche Person auch den äußerst beliebigen SATANIC verbrochen haben soll. Vermutlich litt ANTHONY JASWINSKI aber wohl einfach nur unter einen Schreibblockade und musste unter Zeitdruck abliefern. Nur so lässt sich der Schlamassel erklären, der dem Zuschauer mit SATANIC zugemutet wird.
 
 
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Vier Mittzwanziger wollen ein paar okkulte Orte und Sehenswürdigkeiten Amerikas abklappern und bleiben in Los Angeles hängen, wo sie in den Hollywood Hills auch auf den Pfaden der brutalen Manson Morde wandeln. In einem okkultistischen Laden wittern die vier den Höhepunkt ihrer Reise. Der Ladenbetreiber macht einen verdächtigen Eindruck, weshalb die Freunde auf den Ladenschluss warten und ihm folgen. Er führt die Gruppe unwissend zu einem geheimnisvollen Ort, wo Satanisten ein mysteriöses Ritual durchführen, bei dem die attraktive Alice geopfert werden soll. Doch dazu kommt es nicht. Die Freunde unterbrechen versehentlich die Zeremonie und machen die Sektenmitglieder zornig. Was bleibt ist die Flucht, die immerhin heil im Hotelzimmer und mit verlorenem Telefon endet. Am nächsten Tag meldet sich ein ehrlicher Finder zurück. Es ist das vermeintliche Opfer Alice, die viel zu erzählen hat. Prompt werden im Hotelzimmer Beschwörungsrituale gehalten und ein Hexenbrett kommt zum Einsatz. Wenig später öffnet sich das Tor zu Hölle und die gute ist Alice tot. Was folgt braucht hier wohl nicht weiter erläutert werden, denn der Ausgang von SATANIC ist austauschbar. Die neunmalklugen Protagonisten haben durch Neugierde und Unachtsamkeit etwas Böses befreit, dass nun Jagd auf Menschen macht. Wetten, dass keiner der Freunde überleben wird?
 
 
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Mit Sicherheit hat jeder Filmfan schon einmal folgende Streifen im Player gehabt. Filme, die so furchtbar langweilig sind, dass einem deshalb die Augen schwer werden und die einen gegen Ende aus dem Schlaf reißen, weil Tontechniker dreist an den Lautstärkereglern gedreht haben. SATANIC reiht sich in die Reihe jener fiesen Muntermacher ein, die wohl einzig deshalb gemacht wurden, um den Zuschauer zu ärgern. Regisseur JEFFREY G. HUNT macht alles falsch, was man beim Drehen von Horrorfilmen falsch machen kann. Er war wohl um Neuerungen bemüht, verzettelt sich aber ziemlich früh mit seinem Plan, wie er den Zuschauer Unbehagen bescheren möchte. Konfus und unüberlegt geht es nämlich in SATANIC zugange, der nicht nur elendig langweilig ist, sondern ebenso gemein blendet, weil er falsche Erwartungen schürt. So streift der Film früh das Okkult-Fach und lässt das Publikum im Glauben, dass sich hier vier Freunde bei einem skrupellosen Satanismus-Kult unbeliebt machen. Doch während man Satanisten zu Beginn heimlich beim Opferritual über die Schulter schaut, haben die Macher dann doch andere Pläne. SATANIC hat wenig mit Sekten oder Ritualen am Hut. Vielmehr verliert sich der Streifen im Dämonen- und Geistergenre, lässt Protagonisten unbedacht mit Hexenbrettern spielen, damit finstere Mächte den Weg in die Menschenwelt finden. Bekanntes Terrain also, wie es in letzter Zeit erschreckend oft über die Bildschirme geflimmert ist. Leider lässt sich der Film zu lange damit Zeit, um endlich mal in die Gänge zu kommen. Erst nach einer knappen Stunde Laufzeit beginnt das große Sterben und den neugierigen Freunden geht’s an den Kragen. Bis es jedoch soweit ist, wird viel Sitzfleisch und Geduld vorausgesetzt. Für einen Horrorfilm sind das keine guten Voraussetzungen – vor allem dann nicht, wenn langes Warten müde macht. Demzufolge sollte man ausgeschlafen sein und Erwartungen herunterschrauben, denn so satanistisch wie es der Filmtitel suggeriert, ist SATANIC keineswegs. Möge Regisseur JEFFREY G. HUNT für diesen Zeiträuber in der Hölle schmoren und sich beim Satan höchstpersönlich für diesen Schnellschuss entschuldigen.
 
 
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SATANIC – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Hier sparste Dir die Schlaftablette. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Regisseur JEFFREY G. HUNT einen harten Sektenthriller über einen satanischen Kult auf Film gebannt hätte, wie sie derzeit wieder in Mode kommen. Dann wären alle glücklich gewesen. Doch statt Satanisten beim Opfern zu begleiten und die Geschehnisse im Blut zu ersäufen, wird es mal wieder 08/15. Böse Mächte aus einer anderen Welt wollen vier unschuldigen Mittzwanzigern an den Kragen. Ein Hexenbrett hier, ein paar paranormale Momente dort – fertig ist SATANIC, ein Schnarcher vor dem Herrn. Der Spannungsbogen fehlt gänzlich – Schockmomente ebenso. Die hat man versucht irgendwie in den letzten zehn Minuten abzuhaken. Leider verfehlen die ihre Wirkung, denn offensichtlich geraten Drehbuch und Geschehnisse am Ende vollkommen außer Kontrolle, so dass ein Folgen nahezu unmöglich gemacht wird. Auch wenn SATANIC in visueller Hinsicht vielen billigen Videoproduktionen um Längen voraus ist, kann dieser Film leider gar nichts. Ein treffender Beweis dafür, dass immer noch gute Geschichten und Ideen mehr wert sind, als glattgebügelte Optik und nett getrickste Spezialeffekte.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass in SATANIC die Post abgeht, irrt sich gewaltig. Die wohl grausamsten Szenen beschränken sich auf einen Kehlenschnitt sowie einer gebrochenen Nase. Am Ende sieht man in einer Szenen kurz, wie eine Frau mit einer Zimmerdecke verschmolzen ist. Ebenso wurden einer Protagonistin die Arme abgetrennt und der Mund zugenäht. Klingt zwar alles ziemlich reißerisch, ist aber Kinderfasching. SATANIC dürfte in Deutschland eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Magnolia Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Demonic (2015)
 
The Ouija Experiment (2011)
 
The Midnight Game (2013)