Filmkritik: „I Remember You“ (2017)

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I REMEMBER YOU

(Ég man þig)

Story

 
 
 
Im ländlichen Island geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das Verschwinden eines kleinen Jungen bringt einen mysteriösen Mordfall ins Rollen, der selbstverständlich gelöst werden muss.

 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Kritik

 
 
 
Jedes Jahr um die Sommerzeit zieht ein Fest durch Deutschland, das Genre-Fans hellhörig werden lässt. Dort nämlich werden aktuelle Filme aus den Bereichen Horror, Thriller und Fantasy auf die Leinwand gebracht, die es nach der Aufführung gern mal auf DVD und Blu-ray schaffen. Die Rede ist vom FANTASY FILMFEST, das sich mittlerweile zur ersten Adresse bei Fans des phantastischen Kinos entwickelt hat, weil die Veranstalter Spreu vom Weizen trennen. Statt üblen Low-Budget-Unfug und austauschbare Billigware zu zeigen, versuchen die Macher Filme aufzuführen, die auch einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Wohl auch ein Grund für die Beliebtheit der Veranstaltung, weil das Fest vor Augen führt, dass unabhängiges Genrekino weit mehr kann, als das was uns Hollywood versucht vorzugaukeln.
 
 
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Weg vom bekannten Gruseleinerlei hin zu unkonventioneller Angstmacherei. Mit genau jenem Konzept konnte auch das isländische Mysterydrama I REMEMBER YOU glänzen, das sich auf genannter Veranstaltung als Publikumsliebling entpuppte. Während das FANTASY FILMFEST nämlich in verschiedenen Städten eine Reihe von Genrestreifen im Kino zeigt, darf das Publikum die Besten der Besten küren. Dabei mauserte sich genannter Island-Export schnell zum Geheimtipp und kletterte mit seiner etwas anderen Machart an die Spitze der beliebtesten Gruselfilme des FANTASY FILMFEST 2017. Ganz unbegründet ist die Entscheidung der Zuschauer nicht. I REMEMBER YOU ist nämlich wirklich gut, aber zweifelsohne nichts fürs Kommerzpublikum. Allein dessen ist dieser isländische Genre-Beitrag aber schon mal eine Sichtung wert.
 
 
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I REMEMBER YOU beansprucht die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. So wollen drei junge Leute auf einer isländischen Insel ein Haus auf Vordermann bringen, um es zahlenden Touristen als Bed-and-Breakfast-Hotel zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten sind mühselig, hat seit über 60 Jahren kein Mensch mehr hier gewohnt. Doch die Renovierungsarbeiten stehen unter keinem guten Stern. In der Hütte scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch zwischen den Anwesenden beginnt es bald zu brodeln, weil private Konflikte ans Tageslicht kommen. Währenddessen wird Kilometer weiter ein seltsamer Selbstmord untersucht. Dort hat sich eine alte Dame das Leben genommen auf deren Körper man sonderbare Verletzungen findet. Der ermittelnde und selbst von Sorgen zerfressende Psychologe Freyr beginnt zu forschen und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das ihm bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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Auf Island kommt man langsam in die Gänge. Nach dem unheimlichen Abschiedsdrama RIFT folgt nun ein weiterer Gruselfilm, der gekonnt die Kulisse isländische Abgeschiedenheit nutzt, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Offenbar nimmt man sich Schweden als Vorbild, wo selbst die Traumfabrik vor der unkonventionellen Machart den Hut zog und sich Rechte für Genre-Ware krallte, um daraus neu interpretiertes Kinomaterial im amerikanische Stile zu produzieren. Gleiches könnte auch mit I REMEMBER YOU passieren, denn der Film besitzt eine verschachtelte Geschichte, die gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms ist. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn I REMEMBER YOU ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur ÓSKAR THÓR AXELSSON besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht I REMEMBER YOU auch auf emotionaler Ebene brauchbar und glaubhaft, was vor allem Schauspieler JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Mit ihm fühlt man mit, weil der unter dem kuriosen Verschwinden seines Kindes leidet. Der begegnet dem Sohnemann plötzlich an den undenkbarsten Orten und folgt ihm auf eine Spur, die am Ende des Rätsels Lösung ist. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.
 
 
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Der langsam und bedacht inszenierte I REMEMBER YOU beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reißerischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Letzterer dürfte Besitzer von Heimkinoanlagen das Fürchten lehren, weil der Subwoofer just in jenen Momenten besonders aktiv wird, wenn drohendes Unheil naht. Effektive Gruselzutaten, um einen sehenswerten Genrefilm zu inszenieren. Das ist I REMEMBER YOU mit Sicherheit.
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Die isländische Version des gefeierten Geisterklassikers WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Den Plot zum Film hat sich nämlich die vielfach ausgezeichnete Kriminalautorin YRSA SIGURÐARDÓTTIR ausgedacht, die mit dem zugehörigen Roman „Ég man þig“ einen isländischen Krimi verfasst hat, der angeblich bei Erscheinen im Jahr 2010 so viele isländische Leser nächtelang wach gehalten hat, wie wenige Bücher zuvor. Ganz unbegründet ist die Hype nicht. Auch die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. I REMEMBER YOU besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Da sag noch einer, die Isländer würden von der übrigen Welt nichts mitbekommen. In Sachen Genrefilm hat man auf der Insel im Norden offenbar einiges dazugelernt. I REMEMBER YOU zumindest ist eine Glanzleistung in Sachen Mysterykino. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Zensur

 
 
 
I REMEMBER YOU hat eigentlich kaum Gewalt zu bieten. Zwei Protagonisten werden von herabfallenden Steinen erschlagen und verenden an ihren Verletzungen. Zudem gibt es eine mumifizierte Kinderleiche und tote Körper mit seltsamen Wundmalen zu sehen. Hierzulande hat der isländische Horrorfilm eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ég man þig; Island 2017

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 18.01.2018

 

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I REMEMBER YOU – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Go On (2016)
 
Devil in the Dark (2017)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 

Filmkritik: „Metalhead“ (2013)

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METALHEAD

Story

 
 
 
Mitten im Idyll der isländischen Landschaft schlägt eine Tragödie zu. Bei der Arbeit auf dem Bauernhof seiner Eltern erleidet der junge Baldur einen tödlichen Unfall. Seine Familie ist schockiert und ratlos, allen voran seine Schwester Hera, die noch viel zu jung ist, um den Verlust richtig zu verarbeiten. Ein Mindestmaß an Trost findet sie immerhin in den CDs und Platten, die Baldur ihr hinterlassen hat. Das junge Mädchen verschwindet in die aggressiven, melancholischen und rohen Texte und Töne des Heavy Metal und nimmt sogar selber die Gitarre in die Hand. Einige Jahre später ist Hera zu einer jungen Frau herangewachsen und kommt mit ihrem Leben nicht klar. Früher oder später muss sich die zurückgezogene Metal-Expertin den Konsequenzen ihres unverarbeiteten Traumas stellen und akzeptieren, dass kein Mensch als Insel überleben kann.

 
 
 


 
 
 

METALHEAD – Kritik

 
 
 
Um es direkt vorweg zu nehmen, ein Film wie Metalhead ist seit vielen Jahren überfällig. Im Bereich der Musik ist der aggressivere Teil des Spektrums nach wie vor eine der am wenigsten verstandenen Richtungen überhaupt. Jeder, der sich für die knallharten, dezimierenden Riffs von Slayer, Metallica, Cannibal Corpse, Converge und Konsorten begeistern kann, wird mit dem Problem bestens bekannt sein. Nach außen hin wirkt das Geschrammel und Gebrüll bestenfalls wie ein Störfaktor und wird von den meisten Ohren kategorisch abgelehnt. Für Liebhaber des Metals ist es natürlich das genaue Gegenteil, Wut und Zorn werden von der rauen Musik nicht erzeugt, sondern ausgetrieben.
 
Genau diese Einstellung wird in „Metalhead“ thematisiert. Dabei bleibt der Inhalt des Films nicht nur beim bloßen Wie und Warum der Stressbewältigung durch Musik, sondern geht einige Schritte weiter. Anhand seiner traumatisierten und verschlossenen Protagonistin untersucht er ebenfalls tiefgründige emotionale Zustände wie Trauer, Bewältigung, Einsamkeit, Isolation und Introversion. Der Metal wird dabei weder als ultimative Lösung noch als Wurzel von Problemen dargestellt, sondern wahrheitsgemäß als eine von vielen Möglichkeiten präsentiert, um Frust und Ärger über Gott und die Welt zu entladen.
 
Das hochsensible Drehbuch zusammen mit der großartigen Leistung der Hauptdarstellerin ist der alleinige Beweis dafür, dass es sich bei aggressiver Musik nicht um seelenlose Orgien aus Gewalt und Geräusch handelt, sondern um das genaue Gegenteil. Mit Hera zeigt er kein abgestumpftes Monster, sondern eine sensible, distanzierte und traurige junge Frau, die letzten Endes das selbe sucht, wie wir alle. Die drastischen Töne der eingespielten Musikstücke verweben sich mit dem kühlen, melancholischen Ton des Films perfekt und wirken wie dafür gemacht. Regisseur und Drehbuchautor Ragnar Bragason versteht sowohl seine gequälte Hauptfigur als auch den Geist des Metal klar und deutlich und baut für Beide ein astreines Drama und Charakterstück, das obendrein ein poetisches, wundervolles und geradezu perfektes Ende findet.
 
 
 


 
 
 

METALHEAD – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Sowohl für die Schwermetaller, die mit dem Titel mehr als deutlich angesprochen werden, als auch für die „normalen“ Menschen ist „Metalhead“ unbedingt zu empfehlen. Trotz (oder wegen?) der herben Musik ist es ein Drama, wie es menschlicher nicht sein könnte. Hera ist ein facettenreicher und komplexer Charakter, der die vielen Licht- und Schattenseiten des Metals in sich vereint und erstmals glaubhaft und authentisch auf der Leinwand verkörpert. Metal-Fan oder nicht, der isländische Export zählt nicht nur zu den besten Dramen, sondern zu den besten Filmen des Jahres.
 
 
 


 
 
 

METALHEAD – Zensur

 
 
 
Im Fall von „Metalhead“ ist das Thema Zensur nicht wirklich relevant. Im Film wird keine Gewalt gezeigt und thematisiert wird sie ebenfalls kaum. Die Geschichte mag für die jüngeren Semester nicht unbedingt geeignet sein, trotzdem wurde der Film mit einer FSK 16 veröffentlicht – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

METALHEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film – Standardauflage im Amaray

 
 
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(c) Meteor Film – 3 Disc Limited Edition im Mediabook

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Málmhaus; Island 2013

Genre: Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1, (1080p)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover – Erstauflage mit Schuber und mit Booklet. Zusätzlich zur Standardversion wurde ein Mediabook veröffentlicht, das auf 1000 Stück limitiert ist.

Extras: Videoclip Svarthamar, Trailer, Trailershow, Booklet. Das limitierte Mediabook beinhaltet zusätzlich eine Soundtrack CD und ein 20-seitiges Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film. Außerdem ist in der Mediabook-Variante der Film nicht nur auf Blu-ray, sondern auch zusätzlich auf DVD enthalten

Release-Termin: 28.11.2014

 

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METALHEAD – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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Hesher (2010)
 
Metallica: Some Kind of Monster (2004)
 
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