Filmkritik: „Leatherface – The Source of Evil“ (2017)

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LEATHERFACE – THE SOURCE OF EVIL

(LEATHERFACE)

Story

 
 
 

Der hier besprochene LEATHERFACE hat nichts mit den neueren Chainsaw-Teilen aus dem MICHAEL-BAY-Universum am Hut. Hier wird die Vorgeschichte zum kultigen Originalfilm von TOBE HOOPER erzählt, der im Jahr 1974 den ersten Streifen der legendären Reihe inszeniert hat. Darin wird dem Zuschauer erklärt, wie sich der kleine Jed Sawyer in das bestialische Monster Leatherface verwandelt.

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Kritik

 
 
 
Und wieder wird eine Ikone des modernen Horrorfilms entmystifiziert. Was bereits mit dem unaufhaltsamen Monstrum MICHAEL MEYERS aus HALLOWEEN und der heimtückischen Kreatur aus ALIEN wenig eindrucksvoll fürs Kino aufbereitet wurde, muss nun auch Filmkiller LEATHERFACE aus dem berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE über sich ergehen lassen. Dessen Jugendjahre werden nun ausführlich von den französischen Regisseuren JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO unter die Lupe genommen, die sich seit dem kontroversen Terrorhit INSIDE mit deftigem Gewalthorror gut auskennen. Leider zeigt sich im Falle von LEATHERFACE mal wieder, dass die Qualität von Horrorfilmen durch möglichst lang und häufig zelebrierte Gewalt nicht unbedingt gesteigert wird. LEATHERFACE hat davon zwar reichlich; blickt man aber tiefer bekommt man das kalte Grausen. Da fragt man sich doch glatt, was die beiden Filmemacher für ein Drehbuch gelesen haben. Schenkt man nämlich Interviews Glauben, war das französische Regie-Duo so angetan von der Vorgeschichte, dass sie es kaum erwarten konnten den Film zu drehen. Offenbar hat man da wohl ein anderes Drehbuch in den Händen gehabt. Was man nämlich mit LEATHERFACE auf Zelluloid gebannt hat, ist weit weg von gut. Ob da wohl das Produktionsstudio Einfluss gehabt und die Visionen der Filmemacher zunichte gemacht hat? Angesichts der verspäteten Veröffentlichung und einem gestrichenen Kino-Release kann man davon ausgehen, dass man vom fertigen Produkt nicht sonderlich überzeugt gewesen ist.
 
 
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LEATHERFACE entführt den Zuschauer nach Texas. Im Jahr 1955 feiert dort der kleine Jed Sawyer seinen Geburtstag und wird von der Familie zum ersten Mord mit einer Kettensäge angestiftet. Weil der Junge noch unbeholfen agiert, muss Opa nachhelfen. Doch es kommt noch schlimmer. Wochen später kommt es in einer Scheune zu einem folgenschweren Vorfall. Die Tochter von Texas Ranger Hal Hartman (STEPHEN DORFF) wird dort vom gewissenlosen Nachwuchs der Kannibalenfamilie bestialisch ermordet, so dass der Vater des Opfers Rache schwört. Was folgt, ist für die heranwachsenden Jed Sawyer kein Zuckerschlecken. Weil Mutter Verna in ihrer Erziehung versagt hat, wird ihr der Sohn weggenommen und in ein Sanatorium für Problemkinder gesteckt. Zehn Jahre später ist Jed Sawyer zu einem attraktiven Mann herangewachsen. Nun fordert Mutter Verna mit Hilfe eines Anwalts Besuchsrecht ein. Dies wird ihr verständlicherweise verwehrt, was das Familienoberhaupt aber nicht davon abhält den Sohn auf eigene Faust in der Anlage zu suchen. Kein guter Tag für die Angestellten der Einrichtung. Weil die Mutter des berüchtigten Sawyer-Clans bei Ihrer Suche nach dem Sohnemann gegen jegliche Sicherheitsauflagen verstößt, bricht in der Klinik das Chaos aus. Es kommt zu einer Revolte der inhaftierten Jugendlichen, die letztendlich fliehen können. Darunter auch: Jed Sawyer.
 
 
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Wer LEATHERFACE folgen möchte, muss zwingend den Verstand ausschalten. Was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD nämlich hier zu Papier gebracht hat, ist jenseits von Gut und Böse. Entweder hat der gute Mann nicht legale Substanzen geraucht oder sich den Verstand mit Alkohol benebelt. Anders lässt sich der intelligenzhemmende Blödsinn nicht erklären, der dem Zuschauer nun mit LEATHERFACE zugemutet wird. Hier wird auf Biegen und Brechen nach Erklärungen gesucht, die erläutern sollen wie es dazu kam, dass der mit Menschenhaut maskierte Killer aus dem von TOBE HOOPER geschaffenen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Universum zur unberechenbaren Bestie wurde. Das Resultat ist haarsträubend. Wohl auch deshalb, weil es reichlich konstruiert und unglaubwürdig ist – Logiklöcher und Plotungereimtheiten gibt es inklusive. Statt das Hauptaugenmerk auf den Filmhelden und dessen Verwandlung zu richten, stehen Nebenfiguren im Mittelpunkt. Die sind dafür da, um die Geschehnisse im Blut zu ersäufen. Generell ist Gewalt hier – wer hätte auch etwas anderes erwartet – der eigentliche Star des Films. Bereits in der Neuverfilmung zum Terrorklassiker von 2003 wurden dazu erste Weichen gestellt. So bekam das Kettensägen-Franchise durch Regisseur MARCUS NISPEL nicht nur einen neuen, düsteren Anstrich, auch hinsichtlich Gewalt wurde groß aufgefahren, was Zensurwächter schlaflose Nächte bereitete. Die hatten auch mit dem neusten Ableger der Reihe so gar keinen Spaß. In Deutschland musste daher zur Schere gegriffen werden und das nicht ohne Grund, denn LEATHERFACE strotzt nur vor zwanghaft eingestreuter Gewaltausbrüche, die generell den Anschein machen, als müsste man der nach Blut lechzenden Fangemeinde irgendwie gerecht werden. So bietet jede noch so banale Situation kontroversen Zündstoff. Da fliehen gewaltbereite Jugendliche aus einer psychiatrischen Anstalt und verstecken sich in einem leerstehenden Wohnwagen. Dort finden sie die verweste Überreste des Besitzers jener Unterkunft. Weil das allein nicht ausreicht, um zu schockieren, musste nachgeholfen werden. Deshalb müssen zwei der Teenager die modernden Knochen der Leiche in ihre Sexspiele mit einbeziehen. Ein Sinn dahinter bleibt verborgen. Freunde fragwürdiger Exploitation und Gewaltfans wird’s dennoch freuen.
 
 
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Unterm Strich ist LEATHERFACE nichts, das Nachdruck verleiht. Der Film ist grob und hart. Darüber hinaus bleibt aber nichts im Gedächtnis hängen, das sich von ähnlichen Streifen dieser Art abheben könnte. Weil der eigentliche Antiheld des Films im Zuge dummer Gewaltausbrüche verblasst ist dieser Brutalo-Blödsinn eine herbe Enttäuschung für jene, die mit den mehr oder weniger gelungenen Fortsetzungen des TEXAS CHAINSAW MASSACRE aufgewachsen sind. Dennoch wird das vermutlich kein Grund sein, weitere Ableger folgen zu lassen. Die werden mit Sicherheit kommen – ob man es will oder nicht.
 
 
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LEATHERFACE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Haarsträubendes Blut-Chaos wirr erzählt. Mit LEATHERACE bekleckern sich die Franzosen JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO nicht gerade mit Ruhm. Der Film beginnt als Psychiatriethriller, verwandelt sich anschließend zum blutigen Roadmovie und findet erst in den letzten Minuten zu eigentlicher Stärke zurück, durch die das TEXAS CHAINSAW MASSACRE bekannt geworden ist. Die Verwandlung von LEATHERFACE zum unberechenbaren Monster ist unglaubhaft und auch nicht gerade ausführlich. Der Grund: hier stehen andere Figuren im Mittelpunkt und der eigentliche Filmheld kommt zu kurz. Statt sich von bekannten Pfaden zu distanzieren und wirklich mal die Jugendjahre des Serienkillers und dessen moralischen Abstieg zu beleuchten, setzt der Film erst mit der Volljährigkeit des Kettensägenmörders ein und überschlägt sich mit sinnloser Gewalt. Was bleibt ist ein unnötiges Sequel, das eigentlich niemand braucht und Fans der Reihe vor den Kopf stößt. Letztere werden gerade wegen unglaubhafter Erklärungsversuche so ziemlich enttäuscht über das sein, was Drehbuchautor SETH M. SHERWOOD mit der geliebten „Lederfresse“ angestellt hat. Manchmal ist es eben besser, wenn man das Analysieren von Filmmonster unterlässt damit ihnen nicht der Schrecken geraubt wird.
 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Zensur

 
 
 
Die Bildsprache in LEATHERFACE ist hart. Das sahen auch die Prüfer der FSK so. LEATHERFACE musste vom Rechteinhaber EUROVIDEO MEDIEN um 1,5 Minuten geschnitten werden. Die erhältliche deutsche Kaufhausfassung ist demnach geschnitten. Aber Liebhaber filmischer Grausamkeiten dürfen sich freuen. TURBINE MEDIEN vertreibt die ungeschnittene Fassung und das sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Diese findet man in speziellen Online Shops und in einigen Elektrofachmärkten auf Anfrage.
 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Deutsche Blu-rays

 
 
 

(c) Turbine Medien (Mediabook A – Ungeschnittene Fassung – auf 1000 Stück limitiert)

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(c) Turbine Medien (Mediabook B – Ungeschnittene Fassung – auf 1000 Stück limitiert)

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(c) Turbine Medien (Mediabook C – Ungeschnittene Fassung – auf 2000 Stück limitiert)

(c) Eurovideo Medien (KeepCase – Geschnittene Fassung)

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(c) Turbine Medien (KeepCase – Ungeschnittene Fassung)

(c) Turbine Medien (Digipack – Ungeschnittene Fassung – auf 1000 Stück limitiert)

(c) Turbine Medien (Steelbook – Ungeschnittene Fassung – auf 5000 Stück limitiert)

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(c) Turbine Medien (Exklusives Müller Digibook – Ungeschnittene Fassung – auf 1000 Stück limitiert)

 
 


 
 

Alle technischen Daten beziehen sich auf die ungeschnittenen Turbine-Veröffentlichungen!

 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Leatherface; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 7.1), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min. (ungeschnittene Fassung)

FSK: SPIO/JK: keine schwere Jugendgefährdung (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover, Mediabook, Digibook, Steelbook

Extras: Making of „Leatherface“ (13:21 Min.), Promo-Featurette (05:10 Min.), Hinter den Kulissen (12:42 Min.), Entfernte + alternative Szenen (21:04 Min.), Interviews (96:53 Min.), diverse Trailer zum Film, 36-seitige Booklet „Leatherface Legacy“ von Tobias Hohmann. Bis auf die Trailer besitzen alle Extras deutsche Untertitel.

Release-Termin: Mediabooks, Steelbook, Digibook: 19.01.2018 | ungeschnittenes KeepCase: 02.02.2018

 

Leatherface [ungeschnittene Blu-ray im Steelbook] auf AMAZON bestellen

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[ungeschnittene Blu-ray im Mediabook C] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

LEATHERFACE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)
 
Texas Chainsaw 3D (2013)
 
Drifter (2016)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 

Filmreview: „Butcher Boys“ (2012)

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BUTCHER BOYS

Story

 
 
 
Sissy und ihre wirklich dummen Freunde ziehen nach einem Unfall die Aufmerksamkeit der Butcher Boys auf sich, die nicht lange zögern und Jagd auf die Kids veranstalten. Als einzige Überlebende wird Sissy anschließend in deren Bau verschleppt und erlebt ihren ganz persönlichen Albtraum …
 
 
 


 
 
 

BUTCHER BOYS – Kritik

 
 
 
Was ist denn nur mit KIM HENKEL los? Der Drehbuchautor hatte zusammen mit TOBE HOOPER in den 70ern am legendären Drehbuch zu THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) mitgetüftelt und scheint später im Horrorfilmbereich hängengeblieben zu sein. Nicht nur, dass er mit an den Drehbüchern aller weiteren TEXAS CHAINSAW-Teile mitgewirkt hat; 1994 nahm er sogar auf dem Regiestuhl Platz und drehte das wohl bisher dato unbeliebtestes Sequel der ganzen Kettensägen-Saga: TEXAS CHAINSAW MASSACRE: DIE RÜCKKEHR. Eifrig im Schreiben ist er bis heute geblieben und haut mit seinem neuesten Drehbuch zu BUTCHER BOYS ganz schön auf die Kacke. Vielleicht wäre etwas weniger des Guten für BUTCHER BOYS besser gewesen, denn irgendwie ist bei seinem neusten Mindfuck ganz schön komischer Quatsch rausgekommen. Wie eh und je hat sich HENKEL auch bei diesem Wurf im Kannibalen-Sektor festgefahren, denn auch in BUTCHER BOYS geht es um Menschenfleisch fressende Knilche.
 
Diesmal haben wir es mit einer Horde LOST BOYS zu tun, die nicht nur einer ebenso großen Leidenschaft für menschlichen Lebenssaft frönen wie KIEFER SUTHERLAND und Konsorten im kultigen Vampir-Horror aus dem Jahre 1987. Menschenblut allein ist ihnen nicht genug, so dass sie hin und wieder auch einmal am Fleisch ihrer Opfer nagen. Für die vier Jugendlichen rund um Sissy (ALI FAULKNER) eine folgenschwere Begegnung, ziehen sie doch durch einen Unfall die Aufmerksamkeit der düsteren Zeitgenossen auf sich und winseln wenig später ums nackte Überleben. Während Sissys Freunde nicht gerade von Intelligenz gesegnet wurden und ausradiert werden, schlägt sie sich wacker und wird wenig später sogar in den Unterschlupf der neumodischen Kannibalen verschleppt. Was sie jedoch dort erwartet, dürfte sie wohl ihr Lebtag nicht wieder vergessen werden. Die BUTCHER BOYS gehören zu einem ganzen Trupp seltsamer Gestalten, die vorwiegend weibliches Schlachtgut von der Straße fangen und der gutbürgerlichen Gesellschaft der Stadt in einem der angesagtesten Clubs filetiert und in kleinen Portionen auftischen. Klar, dass Sissy alles mögliche anstellen muss, um aus dieser verzwickten Situation entkommen zu können.
 
Wirklich ernstzunehmen ist BUTCHER BOYS mit Sicherheit zu keiner Minute. Während sich die Geschehnisse zu Beginn noch als typisches Slasher-Futter entpuppen und noch eine nötige Ernsthaftigkeit aufweisen, driften die Gegebenheiten spätestens ab der Filmmitte ins Groteske ab und verlieren sich in allerhand überzogenen Albernheiten. Da springt plötzlich ein halbnackter, mit Butter oder Schmalz eingeriebener aufgescheuchter Greis mit Schrotgewehr umher und will den Köpfen der ominösen Bande den Garaus machen. Die scheinen jedoch keinen und niemanden wirklich für voll nehmen zu wollen und dürften ein wenig zu viel weißen Zauberschnee geschnüffelt haben. Mit überdrehtem, derbem und schwarzem Humor wird in der zweiten Filmhälfte nicht gegeizt und der Zuschauer bekommt ein ganzes Ensemble vollkommen abgefahrener Typen zu Gesicht, die zwar in ihrer psychopathischen Boshaftigkeit durchaus zu gefallen wissen, aber aufgrund der viel zu kurzen Screentime vollkommen flach bleiben. Wir sehen, wie ein LEATHERFACE-ähnlicher Riese an einer Wand angekettet ist und sich hasserfüllt durch den halben Film schreit. Ein anderer Bösewicht hegt eine unbeschreibliche Leidenschaft für adrette Damenkleider und hetzt mit allerhand Mordwerkzeug als Transe durch die düstere Szenarie. Das ist zwar alles exzentrisch, vollkommen bescheuert und erinnert nicht selten in seiner grotesken und comicartig überzogenen Darstellung an den Klassiker TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986); eh sich BUTCHER BOYS diesbezüglich jedoch richtig warmgefahren hat, ist der Film aber auch schon wieder zu Ende und lässt den Zuschauer mit vielen unbeantworteten Fragen zurück. Ganz so ähnlich dürfte es vermutlich auch Scream-Queen ALI FAULKNER ergehen. Die schreit sich authentisch durch den Schocker und wird von einem Schauplatz zum nächsten getrieben, immer auf der Flucht vor ihren scheinbar geistig verwirrten Widersachern. Langweilig wird es in BUTCHER BOYS tatsächlich zu keiner Zeit, wobei die Absurdität der Geschichte am Ende auf die Spitze getrieben wird und in einem lautstarken Finale mündet. Dort rast einer der Schurken mit einem Raketenwerfer der flüchtenden Sissy hinterher, die der fleischgewordenen Geisterbahn entkommen konnte und sich vor dem irren Amokläufer in Sicherheit bringen muss. Dem scheint jeder Realismus abhanden gekommen und daddelt sich mit seiner Schusswaffe durch Massen von Passanten.
 
BUTCHER BOYS entpuppt sich als waschechtes Kettensägen-Abenteuer und könnte auch ebenso als weiterer TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Aufguss durchgehen. KIM HENKEL hat mal wieder das getan, was er wohl am Besten kann: Drehbücher über Irre zu schreiben, die Kids von der Straße wegfangen und zu Mett verarbeiten. Im Gegensatz zu HOOPERS bekannten Kultwerk haben wir es in BUTCHER BOYS mit keinen zurückgebliebenen Inzucht-Hinterwäldlern zu tun. Diesmal wurde die Geschichte vom Land in die Stadt verlagert und entpuppt sich als ein schräger Mix aus besagtem TEXAS CHAINSAW MASSACRE und 80er Jahre Flicks wie THE LOST BOYS (1987) oder THE OUTSIDERS (1983). Innovativ ist das freilich nicht, Spaß macht’s aber trotzdem, zumal wir sogar einige Akteure der früheren TCM-Filmen in kurzen Cameos zu Gesicht bekommen. So geben sich BILL WISE (TEXAS CHAINSAW MASSACRE: DIE RÜCKKEHR) und BILL JOHNSON (TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2) die Klinke in die Hand und dürfen zur Freude des Horrorfans mal kurz in die Kamera winken. Übrigens: wer in BUTCHER BOYS die ultra-schroffe Gewaltschiene der MICHAEL BAY-Neuauflage erwartet ist in diesem Terrorstreifen vollkommen falsch. Wie bereits im Original-Kettensägenmassaker setzt man in BUTCHER BOYS vorrangig auf Terror durch psychische Gewalt. Es wird geschrien, gehetzt und gejammert – wirklich blutig wird’s jedoch nicht, sieht man einmal von einer kurzen Fressszene und diversen Kanoneneinschüssen ab. Das dürfte sich zwar für einige Genrefans anfühlen, wie Horror aus einer anderen Ära, unterhält aber aufgrund der temporeichen Inszenierung durchweg solide. Zum neuen Kulttrip hat es jedoch nicht gereicht, dazu ist BUTCHER BOYS einfach nicht nachhaltig genug! Für gierige Horrornerds, die ihre tägliche Ration Abscheulichkeiten benötigen, um über die Runden zu kommen ist BUTCHER BOYS dennoch die perfekte Wahl.
 
 
 


 
 
 

BUTCHER BOYS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
TEXAS CHAINSAW MASSACRE meets THE LOST BOYS. BUTCHER BOYS ist exzentrisch, abgefahren und vollkommen irre. Ein abartiger Horrortrip für Zuschauer, die nach unzähligen Kettensägenmassakern immer noch nicht genug vom Kettensägenterror haben können.
 
 
 


 
 
 

BUTCHER BOYS – Zensur

 
 
 
Überraschenderweise ist BUTCHER BOYS kein Splatter- und Goreschmaus geworden und das obwohl der Autor der TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Reihe auch hier als Drehbuchschreiberling fungiert hat. Es gibt eine kurze Kannibalen-Szenen. Der Rest geht eher in die Psychoterror-Schiene. Daher wurde der Film hierzulande ungeschnitten mit KJ-Freigabe in den Handel gebracht.
 
 
 


 
 
 

BUTCHER BOYS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Butcher Boys; USA 2012

Genre: Action, Horror, Komödien, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: keine

Bild: 1,78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover (ohne FSK-Flatschen)

Extras: Trailershow

Release-Termin: 18.04.2014

 
 
 

Butcher Boys [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 
 


 
 
 

BUTCHER BOYS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Texas Chainsaw Massacre (1974)

Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr (1994)

The Lost Boys (1987)

The Outsiders (1983)

Filmreview: „Coffin Baby“ (2013)

Coffin Baby (2013)
 
 
 

Coffin Baby

Story

 
 
 
Ein Killer geht um in Hollywood. Als eine Frau brutal ermordet in ihrem Apartment vorgefunden wird, beginnt ihre Schwester Samantha (Chauntal Lewis) bei den zuständigen Ermittlungen zu helfen. Dumm nur, dass sie alsbald selbst ins Visier des Killers gerät, kurz darauf entführt und in die Behausung des Psychopathen verschleppt wird. In eine Zelle eingepfercht, muss sie fortan dem unbarmherzigen Treiben der vermummten Gestalt beiwohnen, die darin Erfüllung findet, ahnungslose Bürger in das kuschelige Heim zu entführen, wo diese dann vor den Augen der verängstigten Frau kaltblütig gefoltert, zersägt und gekocht werden …
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Kritik

 
 
 
Wir erinnern uns: als Hollywood vor über einem Jahrzehnt verhäuft damit begann, einschlägige Horror-Klassiker gewinnträchtig zu recyceln, spendierte Kult-Regisseur TOBE HOOPER (TEXAS CHAINSAW MASSACRE) auch dem Slasher-Klassiker THE TOOLBOX MURDERS eine vielversprechende Frischzellenkur. Nach Jahren vornehmlich erfolgloser Low-Budget-Produktionen erntete HOOPER mit seiner Neuauflage endlich wieder die Aufmerksamkeit, die ihm bereits in den 70/80ern zuteil wurde. Mit seinem souverän abgedrehten TOOLBOX MURDERS Remake gelang es ihm spielend, die Gunst der Genre-Fans wiederzugewinnen und mit seinem Reboot des 70er-Jahre Horrorschockers endlich wieder an die frühen Erfolge seiner Karriere anzuknüpfen.
 
Zehn Jahre sind seither ins Land gegangen; Zeit, den maskierten Killer ein weiteres Mal zur Tat schreiten zu lassen. Etwas mysteriös scheint die Realisierung des Projektes vorangegangen zu sein. Anfänglich noch TOOLBOX MURDERS 2 betitelt, trägt der Film nun den weniger bedeutsamen Titel COFFIN BABY. Als Filmfreund ahnt man bei derart rigoroser Umbenennung nichts wirklich Gutes und in der Tat, das Sequel entpuppt sich als absolute Vollkatastrophe, die es tatsächlich nicht einmal ansatzweise verdient, einen derart bekannten Titel tragen zu dürfen. Autor und Regisseur DEAN JONES hat mit der Quasi-Fortsetzung einen vollkommen wirren Film geschaffen, der zwar nach wie vor den bekannten Killer zum Thema, aber mit der eigentlichen Vorlage rein gar nichts mehr gemein hat.
 
JONES, bekannt geworden durch seine Make-up und Spezialeffekt-Künste in einschlägigen Genre-Produktionen (ebenso im Remake zu THE TOOLBOX MURDERS), präsentiert nun mit COFFIN BABY sein eigentliches Regie-Debüt, wobei die schwierige Entstehungsgeschichte des Werks leider zu offensichtlich ins Gewicht fällt und den Film dadurch einfach nur noch verworren erscheinen lässt. Viel zu oft kann sich der Zuschauer des Gefühls nicht erwehren, mehrere Autoren hätten abwechselnd versucht, des Drehbuchs Herr zu werden. Die Geschichte um den sagenumwobenen Hollywood-Killer wirkt unlogisch, unausgegoren und unstrukturiert. Die vielen Ideen der Drehbuchautoren durchzieht kein roter Faden, so dass JONES verzweifelt darum bemüht ist, die ohnehin nicht vorhandene Geschichte in einer losen Aneinanderreihung möglichst ekelhafter Goreszenarien zu ersäufen. Hierbei fließen derart viele Elemente aktuell so beliebter Horrorware in den Plot von COFFIN BABY, dass man nicht leugnen kann, bereits nach nur wenigen Minuten die Übersicht über die Geschehnisse verloren zu haben. Ob Slasher-, Folter oder Kannibalismus-Szenen; der moralisch fragwürdige Kontext des gesamten Szenarios dürfte auch hierzulande Grund genug sein, dem Film keine Freigabe zu erteilen.
 
Immerhin, und das muss man dem Film dennoch positiv anrechnen, schafft er es mit Leichtigkeit, die Gorehounds unter den Filmfreunden zufriedenzustellen. Hier werden menschliche Körper wie am Fließband zersägt, zerhackt und filetiert und ein wahrliche bluttriefendes Spezialeffekt-Feuerwerk abgebrannt, wie man es vermutlich schon lange nicht mehr in einem Horrorfilm erleben durfte. Sinn ergibt das natürlich alles rein gar nicht, wobei im Falle COFFIN BABY auch nicht wirklich ersichtlich ist, ob es sich denn hier nun um einen ernsthaften Horrorfilm oder eher eine rabenschwarze Komödie handeln soll. Gerade Opfer SAMANTHA durchlebt im Verlauf der Handlung nicht nur ihr ganz persönliches Martyrium; sie versucht auch ihren wirren Geisteszustand mit den dämlichsten Interaktionen zu unterstreichen. So wohnt sie nicht nur dem widerwärtigen Treiben des Killers mit Tüten von Popcorn bei; sie beginnt auch die unmöglichsten Dinge mit den Bergen von Leichenteilen in ihrer Zelle zu veranstalten. Manche dieser Szenen wirken derart überspitzt, das man meinen könnte, mit COFFIN BABY eine vollkommen überzogene Persiflage bekannter Folter-Schocker serviert zu bekommen. Trotzdem, bis auf die Unmengen an Ekelszenen besitzt COFFIN BABY keinen erkennbaren Mehrwert. Die Handlung bietet nichts, was man nicht schon unzählige Male in anderen Folterstreifen zu Genüge gesehen hätte. Das Motiv des Killers ist kaum zu erkennen, ganz geschweige das es plausibel nachwirken will. Die Entwicklung einer Art Stockholm-Syndrom beim Opfer wirkt lächerlich und der unbeholfene Geister-Subplot vollkommen fehl am Platz. Da kann man nur hoffen, dass Regieneuling DEAN JONES demnächst zu alter Größe zurückfindet und sich lieber wieder als kreativer Spezial-Effekte-Macher verdingt, statt auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen.
 
 
 
Bei COFFIN BABY handelt es sich um ein ganz schön übles Stück Zelluloid, das da demnächst deutsche Zuschauer beglücken möchte. In welcher Form dieser Film dabei über die heimischen Mattscheiben flimmern wird, dürfte vermutlich gänzlich außer Frage stehen. COFFIN BABY ist eines dieser Werke, das in ungeschnittener Form nie und nimmer seinen Weg nach Deutschland finden wird, wobei an dieser Stelle noch einmal die „harte“ Arbeit der hiesige FSK erwähnt werden sollte, die den Fan regelmäßig vor allzu zeigefreudiger Splatterkunst bewahrt und wahrlich dummen Filmen wie COFFIN BABY die Freigabe verweigert. Lobenswert, denn im Falle von COFFIN BABY könnte die Arbeit der deutschen Zensurbehörde nach all der langen Zeit endlich einmal Sinn ergeben. Dieser Film ist eine wahrhafte Lachnummer und ergeht sich augenscheinlich nur im Abhandeln möglichst widerwärtiger Ekelexzesse und unmenschlicher Grausamkeiten, ohne dabei überhaupt eine gehaltvolle Geschichte zu erzählen. Immerhin dürfte COFFIN BABY als ansprechendes Bewerbungsvideo eines ambitionierten F/X-Künstler dienen, der mit Hilfe offensichtlich realistisch wirkender Gräueltaten versucht, die Karriereleiter ein klein wenig nach oben zu klettern. Dieser Versuch ist leider trotzdem gescheitert, da die Fortsetzung des TOOLBOX MURDERS Remakes leider vollkommen ungenießbar ist. Hier gilt einmal mehr die Devise: literweise Blut und Ekeleffekte machen noch lange keinen guten Horrorfilm. Außer dem möglichst graphischen Abschlachten hilfloser Menschen besitzt der Film leider keinen prägnanten Inhalt. Schade, dass ein so kultiges Franchise, wie das des TOOLBOX MURDERS, mit so einer unterbelichteten Fortsetzung derart in den Schmutz gezogen wird.
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
COFFIN BABY überzeugt mit einem Body Count, der selbst im Genre seinesgleichen suchen dürfte. Das war’s dann leider aber auch schon! Ganz miese Fortsetzung!
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Zensur

 
 
 
Der Film zelebriert regelrecht alle denkbar möglichen Gewaltexzesse. Da wird einem Opfer bei lebendigen Leib Fleischfetzen vom Körper gerissen und genüßlich verspeisst, es werden Augäpfel zerschlitzt und Menschen gefoltert. Derart zeigefreudig, dass COFFIN BABY in Deutschland nur stark zensiert erschienen ist. Der Film musste für eine FSK-Freigabe einige Minuten Federn lassen.
 
 
 


 
 
 

Coffin Baby – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Coffin Baby; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 16:9, 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer bei Disc-Start: The Tortured, War of the Dead, Trailer, Bildergalerie,

 
 
 
Dass COFFIN BABY dem hiesigen Label KSM nicht so wirklich wichtig erschien, macht sich vor allem bei der Blu-ray-Umsetzung bemerkbar. Nicht nur, dass der Film ausschließlich geschnitten in den Handel kommt; dass Label scheint auch kein großes Interesse daran gehabt zu haben, deutschen Zuschauern mit ungeschnittenem Filmmaterial zu beschenken. Neben einer zerschnippelten FSK-Fassung hat KSM nicht einmal den Versuch gewagt für diesen Film eine SPIO-Kennzeichnung zu erkämpfen. Auch die Aufbereitung der Blu-ray ist durchweg lieblos. Ein wirklich hässlich animiertes Hauptmenü in Epilepsie-verursachenden Rottönen bietet die Wahl zwischen Hauptfilm, dem Trailer und einer Bildergalerie. Das war es dann aber auch schon. Die dürftigen Produktionsbedingungen von COFFIN BABY scheinen auch die Ursache dafür gewesen zu sein, dass der Filmfreund hier keine technischen Referenzen zu erwarten hat. Das Bild ist solide, bietet hin und wieder scharfe Momente, könnte jedoch besser sein. Ton reißt auch nicht vom Hocker, reicht aber für einen derart Film wie COFFIN BABY vollkommen aus. Den Abschluss machen fünf Trailer weiterer Film von KSM und das Wendecover, das es dem Käufer ermöglicht, sich die Scheibe ohne FSK-Logo in den Schrank zu stellen. Wer die ungeschnittene Fassung sein Eigen nennen möchte, schaut vorerst dumm aus der Wäsche – vermutlich wird da früher oder später etwas über das deutschsprachige Ausland kommen.
 
 

Coffin Baby – The Toolbox Killer is Back [Blu-ray] geschnitten bei AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

Coffin Baby – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Chromeskull – Laid to Rest 2 (2011)

„Texas Chainsaw Massacre“ nach 26 Jahren Index endlich frei in Deutschland verfügbar

Nach  26 Jahren Index ist nun auch das Original „Texas Chainsaw Massacre“ aus dem Jahre 1974 in seiner ungekürzten Filmfassung auch für deutsche „erwachsene“  Filmfans frei verfügbar.

Nutzungsrechte-Inhaber „Turbine Medien“ hat nach der letzten Folgebeschlagnahmung im Jahre 2010 Beschwerde eingelegt und den Rechtsstreit nun endlich gewonnen.

Es ist nun nicht mehr strafbar den Film „Texas Chainsaw Massacre“ in seiner ungekürzten Form in Deutschland zu verbreiten.

Unglaublich – bedenkt man, dass der Film weder „Gore“ noch „Splatter“ oder expliziete Tötungsarten- und bilder zeigt.

Dennoch sehr löblich von „Turbine Medien“ sich für Belange der Deutschen Nischen-Filmfans einzusetzen.

Da sieht man mal wieder, dass da wirklich viel Herz- und Filmfanblut drin steckt. Filmveröffentlichungen von Filmfans – für Filmfans.  Gut gemacht.

Hoffentlich folgen noch weitere Streichungen von Index-Filme in naher Zukunft.

 

Hellraiser80