Filmreview: „The Suffering“ (2016)

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THE SUFFERING

Story

 
 
 

Auf dem Grundstück eines älteren Herrn geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das muss auch Nachlassbewerter Henry Dawles erfahren, der Dinge sieht, die ihm offenbar den Verstand rauben wollen.

 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Kritik

 
 
 
Wenn regelmäßig schlechte Billigfilme über die Mattscheibe flimmern, wird selbst der geduldigste Filmkritiker allmählich müde, diese immer wieder nach Schema F gedrehten Low-Budget-Gurken zu rezensieren. Das hat zur Folge, dass man mit der Zeit jede mit kleinem Geld gedrehte Produktion über einen Kamm schert, was leider all den Filmemachern gegenüber unfair ist, die mit viel Herzblut bei der Sache sind. Ganz ähnlich erging es uns mit THE SUFFERING. Nach Sichtung des Trailers vermuteten wir anspruchsloses Videofutter, das sich nur unwesentlich von den meisten semiprofessionellen Produktionen dieser Art zu unterscheiden schien. Deshalb blieb THE SUFFERING lange Zeit unbeachtet. Letztendlich ist der Film dann doch im Player gelandet und hat uns sogleich eines Besseren belehrt. Hinter diesem Genrefilm steckt nämlich weit mehr als nur herzlose Dutzendware. Schnell zieht einen der Streifen mit seiner mysteriösen Machart in den Bann und lässt so schnell nicht wieder los. Ein Geheimnis soll entschlüsselt werden und das entfacht schnell die Neugier des Zuschauers. Auf einer Farm geht es nicht mit rechten Dingen zu, was Regisseur ROBERT HAMILTON in viele unheimliche Bilder verpackt. Der Mann lässt bewusst lang Fragen offen und sorgt für ausreichend Verwirrung. Das zögert die Spannung hinaus und kommt dem Film zugute.
 
 
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Der Mix aus Gruseldrama, Psychothriller und Mysteryfilm berichtet vom Leidensweg des Henry Dawles (NICK APOSTOLIDES). Der wird vom betagten Mr. Remiel beauftragt dessen Nachlass zu bewerten, was sich aufgrund der Größe des Grundstücks bald als unterschätzte Herausforderung entpuppt. Weitaus herausfordernder als die antiken Gegenstände des älteren Herren zu bewerten, sind die seltsamen Vorkommnisse im Haus, die sich mit der Ankunft des attraktiven Mittdreißigers ereignen. Erst entdeckt Henry auf dem Dachboden des Gästehauses eine verweste Leiche. Später macht er schmerzhafte Bekanntschaft mit einer abgemagerten Kreatur, die ihn erst zu Boden schlägt und anschließend das Weite sucht. Leider schenkt der Hausherr dem Gast keinen Glauben und macht sich stattdessen Sorgen über dessen doch besorgniserregenden Geisteszustand. So Unrecht hat er mit seiner Feststellung nicht, denn Henry beginnt schon bald grausige Stimmen zu hören und scheint dem Wahnsinn nahe. Alles Einbildung oder doch Realität? Die Antwort darauf wird erst in den letzten Minuten gelüftet.
 
 
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Und das ist auch gut so. THE SUFFERING lebt von der Prämisse, dass der Zuschauer möglichst lang im Unklaren gelassen wird. Da ein paar Visionen, dort seltsame Kreaturen, die den Leidgeplagten durch ein Maisfeld jagen. Offensichtlich wollen die Ereignisse in THE SUFFERING keinen Sinn ergeben. Das ist so gewollt, denn Regisseur ROBERT HAMILTON zielt auf einen Überraschungstwist ab. Die Auflösung scheint absurd, aber genial zugleich, denn THE SUFFERING greift gegen Ende sogar auf religiöse Metapher zurück und macht den Streifen so zur runden Angelegenheit. Die Spannung wird konstant gehalten, denn in diesem Mysterythriller ist immer etwas los. Der Held wird mit allerhand seltsamen Ereignissen konfrontiert, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Weil man die Zusammenhänge verstehen will, fesselt der Streifen gerade deshalb vor den Fernsehapparat und belohnt mit schaurigen Kameraeinstellungen und düsterer Bildsprache. Daher werden Fans reißerisch gefilmter und hektisch geschnittener Kommerzware an dieser Stelle gewarnt. THE SUFFERING bringt langsam erzähltes und subtil inszeniertes Gruseln in die Heimkinos. Das bedeutet, dass sich Macher ROBERT HAMILTON mehr auf Aufbau von Unbehagen konzentriert, statt seine Geschichte mit oberflächlichen Schocks zu überfrachten oder gar im Blut zu ersäufen. Wer mit dieser Vorkenntnis an den Film herangeht, wird mit einer gut durchdachten Horrorgeschichte belohnt, die so einige Überraschung parat hält.
 
 
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THE SUFFERING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Überraschend sehenswerter Horror-Indie mit unerwarteter Auflösung, die zur Abwechslung mal wirklich das Prädikat „originell“ tragen darf. Nein, THE SUFFERING ist keine weitere überflüssige Horrorverfilmung eines erfolgreichen Videospiels. Regie-Newcomer ROBERT HAMILTON macht was ganz Eigenes und hat nach ein paar Kurzfilmen den ersten Langfilm inszeniert, mit dem er genau ins Schwarze trifft. Er vermischt in THE SUFFERING psychologischen Schauer mit rätselhaftem Mystery und verfeinert den Gänsehaut-Cocktail mit verstörenden Horror-Elementen, die es in sich haben. Entstanden ist ein außergewöhnlicher Gruselstreifen, der vor allem wegen der zermürbenden Atmosphäre und dem gut durchdachten Handlungsaufbau in Erinnerung bleibt. Das Sahnehäubchen bildet ein Plottwist mit Aha-Moment von dem der SIXTH SENSE und THE VILLAGE-Macher M. NIGHT SHYAMALAN noch etwas lernen kann. Der ist ebenso für seine unerwarteten Überraschungs-Twiste berüchtigt. Leider wirken die mittlerweile derart konstruiert, dass er mit seinen haarsträubenden Filmenden schon länger keinen mehr hinterm Ofen hervorlocken kann. Wer was auf Horrorfilme hält, sollte sich demnach Macher ROBERT HAMILTON auf die Beobachtungsliste setzten. Hat man den cleveren THE SUFFERING gesehen, kann man es gar nicht mehr abwarten zu erfahren, was der Neuling als nächstes fabrizieren wird. Ist das von ähnlicher Qualität wie das Debüt, stehen uns vielversprechende Horrorfilmzeiten ins Haus. Die hat das immer müder werdende Horror-Genre auch dringend nötig.
 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt im Film keine sonderlich große Rolle. THE SUFFERING ist eher subtiler Natur und lebt von unheimlichen Bildern und schauriger Stimmung. Dennoch gibt es einige kurze Schauwerte zu bestaunen. Eine verweste Leiche wird gefunden, Menschen mit entfernten Augen gibt es zu sehen und am Ende schießt sich eine Figur mit einem Schrotgewehr den Kopf weg. Hierzulande reicht das alles für eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE SUFFERING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Last Will and Testament of Rosalind Leigh (2012)
 
The Awakening (2011)
 
The Abandoned (2015)

Filmkritik: „The Abandoned“ (2015)

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THE ABANDONED

(THE CONFINES)

Story

 
 
 
Eine junge Mutter erlebt den Horror ihres Lebens. Im neuen Job geht es nämlich nicht mit rechten Dingen zu. Als Wachfrau entdeckt sie im Keller eines unbewohnten Luxus-Gebäudes Unheimliches von dem der Arbeitgeber nichts erzählt hat.

 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Kritik

 
 
 
Wer heutzutage mit einem Horrorfilm Erfolg verbuchen möchte, braucht nicht viel. So sind neben Blut und Gewalt vor allem Schreckmomente das Salz in der Suppe, von denen der Film THE ABANDONED jede Menge zu bieten hat. Ein Sammelsurium unerwarteter Schocks bildet hier das Fundament für 90 Minuten Unbehagen, die schreckhaften Gemütern einiges abverlangen. Die sollten Vorsicht walten lassen, denn laute Jump-Scares sorgen für schnellen Herzschlag – Besitzer von Heimkinoanlagen wird’s freuen. Regienewcomer EYTAN ROCKAWAY probiert sich im Angstmachen aus und versucht es auf dem subtilen Wege. Statt Mord- und Totschlag steht Spuk im Mittelpunkt, der sich in einem verlassenen Luxus-Apartment-Gebäude abspielt und durch die Unachtsamkeit von Filmfigur Streak (gespielt von LOUISA KRAUSE) ausgelöst wird.
 
 
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Die hat psychische Probleme und bekommt Schwierigkeiten mit dem Staat, weil der ihr das Sorgerecht für die kleine Tochter wegnehmen möchte. Um zu zeigen, dass in der von Sorgen geplagten Frau eine verantwortungsvolle Mutter steckt, nimmt sie eine letzte Chance wahr und sucht sich einen Job. Der ist schnell gefunden und führt zu einem 30-stöckigen Gebäudeblock, der seit Jahren leersteht. Dort soll sie als Wachfrau für Ordnung sorgen, damit sich Landstreicher, Junkies und Möchtegern-Hausbesetzer nicht ungefragt Zutritt verschaffen. Doch die einfache Arbeit wird zur Herausforderung, denn irgendwas Unheimliches geht im Keller des Hauses vor. Während ihrer regelmäßigen Kontrollgänge klopft es plötzlich hinter jahrelang verschlossenen Türen. Kollege und Griesgram Cooper (JASON PATRIC) beobachtet mittels Überwachungskameras, kann aber nichts Mysteriöses finden. Leider entbrennt in Filmfigur Streak die Neugier. Sie öffnet die verrostete Tür in den Katakomben des Gebäudes und befreit unwissend Geschöpfe, die jahrelang dahinter ihr Dasein fristen mussten.
 
 
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Gruselige Flure, endlose Korridore und dunkle Gänge – THE ABANDONED macht es auf klassischem Wege und beschert Gruselatmosphäre durch versiertes Zusammenspiel von Licht, Schatten und beunruhigenden Geräuschen. Statt plakative Gewalt zu zeigen, will der Streifen Angst durch altmodisches Handwerk bescheren und lässt Heldin Streak geduldig schlecht ausgeleuchtete Räume und finstere Katakomben erkunden, in denen der Zuschauer Schauriges vermutet. Leider gelingt es Regisseur-Neuling EYTAN ROCKAWAY nicht lang, des Pudels Kern geheim zu halten, denn das Mysterium jenen Gemäuers wird zu früh in Form deformierter Kindergeister auf die Leinwand gebracht, die nur eins wollen: spielen. Immerhin befindet sich der Gruselfaktor auf konstant hohem Niveau, denn der Macher beweist ein talentiertes Händchen für unwohlige Stimmung, perfektes Schock-Timing und klaustrophobische Atmosphäre. Wie wichtig Letztere für einen Horrorfilm ist, bewies bereits der kürzlich besprochene LAST SHIFT, in dem – ähnlich wie in THE ABANDONED – die Filmheldin durch ein menschenleeres Gebäude gejagt und mit bösen Mächten konfrontiert wird. Zwar ist die Auflösung in THE ABANDONED thematisch ein ganz anderer Schuh; trotzdem unterscheiden sich die beiden Filmen von der Machart nicht unwesentlich voneinander – außer vielleicht beim Blutgehalt.
 
 
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Regisseur EYTAN ROCKAWAY hält sich an Regeln gängigen Geisterkinos und macht das ganz gut. So wird munter erschreckt, damit die Spannung gehalten und des Zuschauers Nerven gekitzelt werden können. Seltsame Ereignisse werden mittels Überwachungskameras (etwas Found-Footage muss in Geisterfilmen immer sein!) zutage gebracht, die im gesamten Gebäude platziert wurden und Paranormales aufzeichnen. Dem geht die Filmheldin auf den Grund und lüftet ein Geheimnis, das – wie könnte es auch anders sein – durch klischeehaftes Finale inklusive Überraschungstwist an das Publikum gebracht werden muss. Leider wirkt die Auflösung des Spuks aufgesetzt, weil THE ABANDONED aufgrund zu weit hergeholter Erklärungsversuche auf Zwang in eine andere Schublade gepresst werden soll. So wird aus dem mysteriösen Geister-Thriller plötzlich ein metapherreiches Drama mit deprimierendem Ausgang, das all die zuvor protokollierten Geschehnisse in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Eine verwirrende Angelegenheit für den Zuschauer und ein missratener Abschluss dazu. Trotzdem gehört THE ABANDONED (der übrigens anfangs THE CONFINES heißen sollte) zu den besseren Beiträgen innerhalb des Geister- und Spukgenres und sollte von Fans dieses Subgenres nicht ungesehen bleiben.
 
 
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THE ABANDONED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliche Gruselware für schreckerprobte Gruselfans mit vielen, gelungenen Gruselmomenten. Regienewcomer EYTAN ROCKAWAY macht Horror der altmodischen Art und schwört Unheil mit klassischer Methodik herauf. Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, erzählt er eine gemächliche Schauergeschichte, die sich Zeit für Atmosphäre und Figuren lässt. Als Salz in der Suppe erweisen sich deftige (Er)Schreckmomente, die selbst alteingesessene Kenner des Genres zusammenzucken lassen. Leider lässt der Macher den Zuschauer bereits nach 30 Minuten wissen, was hier für Ärger sorgt. Es sind deformierte und geistig behinderte Kinder, die einen grausamen Tod erlitten haben und nun rastlos durch Gänge geistern. Trotzdem; auch wenn das Mysterium im Film zu früh verraten wird, gruselt’s sich gut mit THE ABANDONED, weil Filmemacher EYTAN ROCKAWAY offensichtlich viele der alten Schauerklassiker genau studiert hat. So fällt talentiertes Spiel mit menschlichen Urängsten sowie souveräner Gebrauch von Licht, Schatten und unheilverkündenden Geräuschen positiv auf, mit dem die Spannung bis zum bitteren Ende gehalten werden kann und Gänsehautatmosphäre heraufbeschworen wird. Deutlich weniger gelungen ist dagegen das Finale. Das trägt mal wieder das Etikett „besonders kreativ“, weil es mit einem Überraschungstwist aufwartet (M.NIGHT SHYAMALAN lässt grüßen). Die Auflösung wirkt leider so deplatziert, überflüssig und erzwungen, dass der positive Gesamteindruck von THE ABANDONED Federn lassen muss. Daher am besten nach der Unterwasserszene kurz vorm Abspann abschalten, sonst ärgert man sich nur.
 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch wird auf Sparflamme geköchelt. Ein Obdachloser wird in einem schmierigen Bad von den Geistergören im Off etwas zu rabiat behandelt. Mehr böse Szenen gibt es nicht zu sehen. THE ABANDONED ist ein Geisterfilm mit Augenmerk auf subtile Angstmacherei. Demzufolge gibt es dafür hierzulande von der Prüfbehörden eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE ABANDONED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Fear Lives Here (2012)

Out of the Dark (2014)

The Awakening (2011)