FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Uncork’d Entertainment

Filmkritik: „Bornless Ones“ (2016)

bornless-ones-2016-poster
 
 
 

BORNLESS ONES

Story

 
 
 

Nix mit Ruhe und Natur-Idylle. In einer Waldhütte sind die Teufel los. Fünf junge Menschen müssen es darin mit bösen Dämonen aufnehmen.

 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Kritik

 
 
 
Wenn sich ein kleines Studio am wohl kontroversesten Horror-Remake der letzten Jahre vergeht, dürfte das wohl nicht unbegründet für Aufsehen sorgen. So gibt es wohl kaum eine Neuverfilmung, die die Horrorfilmszene so stark polarisiert hat, wie das 2013 von FEDE ALVAREZ inszenierte Remake zum Kultklassiker EVIL DEAD. Dieses wurde von vielen Fans des Originals verteufelt, aber von ebenso vielen wohlwollend angenommen. Weil trotz Kassenerfolg aber bisher keine Fortsetzung nachgeschoben wurde, versucht nun das weniger bekannte Produktionsstudio BLACK DRONE MEDIA die Wartezeit bis zum möglichen Sequel zu verkürzen. Mit BORNLESS ONES hat man nämlich dort einen kleinen Schocker gedreht, den man auch gut und gern als weiteren Ableger der EVIL DEAD-Reihe bezeichnen könnte. Hier spult man alles noch einmal vor der Kamera ab, was die Neuinterpretation von 2013 ausgezeichnet hat. Das bedeutet: Gleiche Story, ähnlich visueller Stil und einige fiese Ekelmomente. Wer jetzt aber meint, dass beim dreisten Kopieren nur Blödsinn entstehen kann, wird schnell eines Besseren belehrt. Der aufgewärmte Horror-Cocktail funktioniert nämlich erstaunlich gut und dürfte Fans des Remakes schnell in seinen Bann ziehen. Da soll einer noch einmal behaupten mit wenig Budget lassen sich keine guten Horrorfilme inszenieren. BORNLESS ONES kann trotz wenig eigener Ideen bedeutend mehr, als der meiste unkreative B-Movie-Abschaum jüngeren Datums. Dafür sollte man Regisseur ALEXANDER BABAEV an dieser Stelle mal lobend die Hand schütteln. Mit Low-Budget-Horrorfilmen unterhalten kann scheinbar nicht jeder.
 
 
bornless-ones-2016-bild-2
 
BORNLESS ONES erzählt die bekannte Geschichte von einer Holzhütte und Dämonen. Das gemütliche Häuschen hat sich diesmal Emily (MARGARET JUDSON) für kleines Geld geangelt, die dort mit Bruder Zach (MICHAEL JOHNSTON) einzieht, um ihm ein besseres Leben bereiten zu können. Der sitzt seit einem furchtbaren Unfall im Rollstuhl, leidet an schwerer Zerebralparese und ist auf Pflege angewiesen. Doch die beiden sind nicht allein. Ehemann Jesse (DEVIN GOODSELL) zieht mit ein, um die beiden so gut es geht zu unterstützen. Um das Waldhaus auf Vordermann bringen zu können, packen auch Freunde mit an, die aber bald über den Kauf gar nicht mehr so erfreut sind, als man an Wänden religiöse Symbole entdeckt. Doch es kommt noch dicker. Der pflegebedürftige Zach scheint über Nacht geheilt und kann plötzlich wieder laufen und sprechen. Was anfänglich erfreut, hat aber einen Haken: die sieben Dämonen der Hölle sind in den Körper des jungen Mannes geschlüpft und wollen Schaden anrichten. Wie es weitergehen wird, dürften EVIL DEAD-Kenner wohl bereits erahnen. Nach und nach werden die Freunde zu willenlosen Marionetten dämonischer Kräfte. Die bemächtigen sich deren Körper und richten ein Blutbad an, weil sich die besessenen Kumpels selbst an die Gurgel gehen.
 
 
bornless-ones-2016-bild-1
 
 
Ein EVIL DEAD-Plagiat stimmungsvoll inszeniert. Man mag kaum glauben, dass Regisseur ALEXANDER BABAEV mit BORNLESS ONES den ersten Langfilm gedreht hat. Der bietet im Debüt stimmungsvolle Kameraeinstellungen, gespenstige Atmosphäre und handfeste Schocks, die man in solcher Form nicht einmal in Streifen alteingesessener Filmemachern zu sehen bekommt. Offenbar hat der Nachwuchsregisseur das EVIL DEAD-Remake akribisch studiert. Anders lassen sich die vielen Verweise nicht erklären, die hier mit viele Liebe zum Detail über die Mattscheibe flimmern. Selbst verfremdete Dämonenstimmen oder die grotesken Kontaktlinsen besessener Opfer wurden von der glattgebügelten TANZ DER TEUFEL-Neuauflage übernommen, so dass man ohne Zweifel behaupten kann, dass da wohl ein Fan des Streifens am Werk gewesen sein muss. Trotz technisch beeindruckender Hommage: Wer harten Splatter und ausufernde Gore-Exzesse erwartet, dürfte enttäuscht werden. BORNLESS ONES zieht einen Großteil seines Schreckens aus der schaurigen Stimmung, die durch schlecht ausgeleuchtete Kulissen entsteht. Dennoch gibt es etwas an Gewalt zu sehen, wobei das meiste aber wohl kaum der Rede sein dürfte. Die Kamera schwenkt oft schnell weg, Gewalttaten werden nur angedeutet oder Gemetzel im Off zelebriert. Das tut der Gruselstimmung aber keinen Abbruch, denn Kopfkino kann manchmal mehr Gänsehaut bereiten, als eimerweise Kunstblut.
 
 
bornless-ones-2016-bild-3
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärisch beeindruckend in Szene gesetzter Dämonentanz. Was hier nach weiterem Splatter-Gewitter aus der Mache von FEDE ALVAREZ / SAM RAIMI anmutet, ist kein neuer EVIL DEAD-Teil, sondern eher ein Fanfilm mit anderem Titel. BORNLESS ONES klaut rigoros bei genanntem Kultklassiker – und das viel, dreist und häufig. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, denn trotz unverschämten Ideenklaus überzeugt BORNLESS ONES durch talentierte Kameraarbeit sowie Gespür für Gänsehaut und Gruselstimmung. Wer sich bisher nicht an der von FEDE ALVAREZ inszenierten EVIL DEAD-Neuverfilmung sattsehen konnte, wird diesen Film lieben. BORNLESS ONES schaut visuell haargenau so aus wie der makellose Horror-Reboot von 2013 und hat zudem auch noch eine ähnliche Geschichte zu bieten. Morbide Horrorunterhaltung ist garantiert – und das sogar ohne CGI und Splatter-Reigen. Trotz Low-Budget-Produktion empfehlenswert. Das kann man nicht von jedem B-Movie behaupten.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Zensur

 
 
 
Natürlich gibt es auch in BORNLESS ONES grafische Gemeinheiten zu sehen. Ein spitzer Gegenstand wird in ein Auge gestochen, eine schwangere Protagonistin schneidet sich den Bauch auf und der Kiefer einer der Helden wird ausgekugelt und anschließend mit Bohrer und Schrauber wieder einsatzbereit gemacht. Das ist aber noch nicht alles – natürlich gibt es noch mehr Gewalt zu sehen. Weil im Film bewusst unheimliche Atmosphäre mit schlechter Ausleuchtung bewirkt wird, sieht man viele der Spezialeffekte aber nicht sonderlich detailliert. Hierzulande gibt es wohl dennoch eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene mit rotem FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Drone Media | Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Cabin of the Dead (2012)
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Tanz der Teufel 2 (1987)
 
Night of the Demons (1988)


Filmkritik: „Thirst“ (2015)

thirst-2015-poster
 
 
 

THIRST

Story

 
 
 

Gar ungehorsame Teenager geraten in einem Boot Camp an ein hungriges Monstrum aus dem All. Langweilig!

 
 
 


 
 
 

THIRST – Kritik

 
 
 
Na? Kennt Ihr noch ALIEN und dessen Fortsetzungen? Na klar! Das Original von RIDLEY SCOTT ist bis heute unerreicht und wurde während der letzten Jahrzehnte oft und gern kopiert. Leider konnte keine dieser mehr oder weniger direkten Kopien die Klasse des wohl besten Alien-Schockers auf unserem Film-Planeten erreichen. Das ist auch kein Wunder, hat es ALIEN doch geschafft, ein ganzes Genre zu revolutionieren und nachhaltig zu prägen. Dafür muss man Regisseur RIDLEY SCOTT an dieser Stelle zu Recht Dank aussprechen. Leider hat der Science-Fiction-Klassiker auch viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Einer derer ist GREG KIEFER. Der macht sich erst gar keine Gedanken darüber, dass das plumpe Kopieren von Scotts Weltraum-Grusler in Fankreisen nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen dürfte und geht auf Risiko. Entstanden ist genau das, was man sich vorstellt, wenn jemand versucht ALIEN nachzueifern: Trash, Trash und nochmals Trash. Viel Action aber günstig lautet die Devise in dieser für den Videomarkt schnell gedrehten Alien-Hetzjagd in der mal wieder Menschen vor Aliens fliehen müssen und Aliens Menschen fressen. Gott, ist das einfallsreich.
 
 
thirst-2015-bild-1
 
 
In THIRST geht es dummen Teenagern an den Kragen. Die wurden von den Eltern in ein Boot Camp gesteckt, wo sie endlich wieder auf den Pfad der Tugend gebracht werden sollen. Schluss mit Drogen, Alkohol und Ungehorsam. In staubiger Wildnis sollen die Kids Erleuchtung finden. Dazu werden aber erst einmal die Handys einkassiert. Keine gute Idee, hätten die doch manche Tragödie verhindern können. Was in THIRST niemand weiß: Inmitten der kargen Landschaft treibt ein außerirdisches Monster sein Unwesen. Das ist einige Nächte zuvor auf der Erde gelandet und scheint von der langen Reise durstig zu sein. Gut, dass die Beute im neuen Revier reich ist. So macht sich die Kreatur auf zu jagen und saugt den neunmalklugen Teenagern die Lebensenergie aus. Leider befindet sich innerhalb der Gruppe ein besonders zähes Exemplar. Das nimmt den Kampf auf und erlöst das Alien am Ende mit einem Gnadenschuss. Hat man alles schon etliche Male gesehen. Innovativ ist anders.
 
 
thirst-2015-bild-2
 
 
THIRST verspricht auf dem Filmplakat viel, doch hält herzlich wenig. Die Mischung aus ALIEN und dem Action-Hit PREDATOR ist so einfallsreich, wie die komponierten Songs des Hit-Giganten DIETER BOHLEN. Hier läuft alles nach Schema F ab – Überraschungen: Fehlanzeige. Ein passabel animiertes Alien, das eher Ähnlichkeit mit einem Roboter besitzt, flitzt in THIRST durch die Kulissen und tötet alles und jeden. Bei einer so rudimentären Handlung kommt nur selten Spannung auf. Das hätte man durchaus verschmerzen können, wenn der Zuschauer wenigstens mit abwechslungsreichen Todesarten entschädigt worden wäre. Leider reduzieren sich die Schauwerte auf Explosionen und das Creature-Design. Auf Dauer etwas wenig, um Sci-Fi-Horror interessant zu machen. So ist THIRST auch nur denen zu empfehlen, die entweder Fans trashiger Filmstudios wie THE ASYLUM und SYFY sind oder nicht unbedingt den Kopf einschalten wollen, wenn sie sich Horrorfilme ansehen. Den benötigt man für THIRST in der Tat nicht. Ob das wiederum einen guten Film aus THIRST macht, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
thirst-2015-bild-3
 
 


 
 
 

THIRST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Rasantes Horror-B-Movie für Trashfilm-Fans. Nur die dürften sich unterhalten fühlen. Das Filmplakat suggeriert atmosphärischen und düsteren Alien-Schauer mit grotesken Monstern und ekligen Momenten. Wer das nun von THIRST erwartet, wird dumm aus der Wäsche schauen. Offenbar scheint das ein Poster zu einem anderen Film zu sein, denn atmosphärisch ist hier vielleicht höchstens die weiße Schrift vor dunklen Hintergrund im Abspann. Günstig gedrehter Trash wird mit THIRST geboten, der eher an Filme der Produktionsstudios THE ASYLUM oder SYFY erinnert. Einzig der hohe Actionanteil dürfte vorm Einschlafen abhalten, weil nahezu ständig ein Roboter-ähnliches Alien zu sehen ist, das geifernd durchs Bild läuft. Demzufolge sollte man besser die Lautstärke herabdrehen – dann klappt’s auch mit dem Einschlafen. THIRST ist so arm an Ideen, dass man nicht viel verpasst, wenn man zwischendurch mal einnickt und kurz vorm Ende aufwacht. Das ist vielleicht auch besser, denn die Handlung ist derart zusammenstibitzt, dass Alien-Regisseur RIDLEY SCOTT wohl das kalte Grausen bekommen dürfte, wenn er erfahren würde, welche Kreise das von ihm geschaffene Alien-Franchise mittlerweile zieht.
 
 
 


 
 
 

THIRST – Zensur

 
 
 
THIRST ist 08/15-Alienhatz in dem Protagonisten nacheinander von einem Außerirdischen ausgesaugt werden oder als Snack für dessen Nachwuchs dienen. Einige Aussaug-Szenen sind ganz passabel umgesetzt. So sieht man, wie die Opfer merklich an Masse verlieren. Ansonsten ist der Gewalt- oder Härtegrad gering. Hier steht in erster Linie Action im Mittelpunkt. THIRST dürfte in Deutschland mit einer 16er-Freigabe die FSK passieren.
 
 
 


 
 
 

THIRST – Trailer

 
 

Um den Trailer zu sehen auf „Watch on VIMEO“ klicken

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Aliens – Die Rückkehr (1986)
 
Pitch Black – Planet der Finsternis (2000)
 
Predators (2010)
 
Astaron – Brut des Schreckens (1982)
 
Xtro II – Die zweite Begegnung (1990)
 
X-Tro 3 (1995)
 


Filmkritik: „Decay“ (2015)

decay-2015-poster
 
 
 

DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
decay-2015-bild-1
 
 
Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
decay-2015-bild-2
 
 
Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
decay-2015-bild-3
 
 
 


 
 
 

DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 


Filmkritik: „Deep Dark“ (2015)

Deep-Dark-2015
 
 
 

DEEP DARK

Story

 
 
 
Zwischen einem Loch in der Wand und einem talentlosen Künstler (Sean McGrath) entwickelt sich eine etwas andere Liebesbeziehung.

 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, welch mutige Horrorfilme fernab des Massenfilmmarkts gedreht werden. Wo große Filmstudios mit ausreichend Budget die immer gleichen Geschichten nach bekanntem Verlauf herstellen lassen und damit die Hirne nicht sonderlich anspruchsvoller Zuschauer vernebeln, erfreut es umso mehr die alteingesessenen Horrorfans, dass es auch anders geht. Indie-Horror hat 2015 mit originellen Ideen Kritiker überzeugt und Kassen klingeln lassen. So haben Filme wie ICH SEH ICH SEH, WE ARE STILL HERE und SPRING dem allmählich immer geistfreier werdenden Hollywood gezeigt, das es auch dem Publikum von Horrorfilmen nach Neuem dürstet. Originalität ist auch in DEEP DARK Programm. Regie-Newcomer MICHAEL MEDAGLIA kommt dem Wunsch vieler Genre-Fans nach und hat mit seinem Langfilmdebüt eine erfrischende und zugleich surreale Liebesgeschichte in unbequeme Bilder eingefangen, die auf Festivals genug Preise einheimsen konnte, weshalb sie daher auch auf Filmchecker Erwähnung finden soll.
 
 
Deep-Dark-bild-3
 
 
Der talentlose Künstler Hermann Haig (SEAN MCGRATH) hat kein einfaches Leben. Nicht nur, dass ihm kreative Gedankenblitze fehlen, um Kunst zu Geld machen zu können. Auch nötige Anerkennung für sein Tun bleibt aus, weshalb er den erfolgreichen Onkel kontaktiert und ihn um Hilfe bittet. Dieser schlägt vor weg vom Nest der Mutter in eines seiner Apartments zu ziehen, damit sich der selbsternannte Kunstexperte dort ungestört seiner Arbeit widmen kann. Leider entpuppt sich die teure Wohnung als heruntergekommene Absteige. Doch Hermann lässt sich nicht entmutigen. Fleißig baut er an Mobiles, um die Inhaberin einer Kunstagentur beeindrucken zu können. Die ist von den Arbeiten des Kunstschaffenden gar nicht begeistert und lässt den Künstler bald an sich selbst zweifeln. Da passiert Sonderbares: aus einem Loch in der Wand seines Apartments rankt ein Faden, an dem sich seltsame Zettelbotschaften befinden. Doch die seltsamen Notizen sind erst der Anfang. Bald dringt eine weibliche Stimme aus der Öffnung, die dem entmutigten Mieter der Wohnung einen Vorschlag unterbreitet. Sie verspricht Talent, Kreativität und Ruhm, wenn Hermann als Gegenleistung mit dem Loch Zeit verbringt. Der willigt ein und entwickelt schnell eine Gier nach Anerkennung. Als die Stimme des Lochs Gefühle für den Künstler entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und eine skurrile Dreiecksbeziehung führt zum Desaster.
 
 
Deep-Dark-bild-2
 
 
In einem Interview verriet Macher MICHAEL MEDAGLIA, dass der Grundstein zum Film bereits vor mehreren Jahren gelegt wurde. Zu jener Zeit hatte er Schwierigkeiten eine Balance zwischen beruflicher Karriere und Liebesleben zu finden. So erläuterte Medaglia in Gesprächen mit der Fachpresse, dass jene Szene des späteren Films eine der ersten Ideen des Regisseurs war, in der Filmfigur Herman an Fäden festgeknotete Botschaften aus einem Loch in der Wand zog. Nach einigen Kurzfilmen griff er jene Gedanken erneut auf, schrieb darum eine doppeldeutige Geschichte und entwickelte ein komplettes Drehbuch, das Medaglia dank spendabler Produzenten sogar selbst verfilmen durfte. Entstanden ist dabei nicht nur ein gesellschaftskritisches Filmdebüt über Erfolgssucht und Habgier. Die makabre und metaphernreiche Satire über das zwanghafte und eigennützige Streben nach Ruhm und Anerkennung erntete auf diversen Filmfesten vorwiegend positive Resonanz und dürfte MICHAEL MEDAGLIA manche Tür ins stark umkämpfte Filmgeschäft geöffnet haben. Der lies sich für DEEP DARK übrigens nicht nur von ROMAN POLANSKIES Psycho-Horror DER MIETER begeistern. Auch viele alte Universal-Monsterfilme der 1930er und 1940er lieferten nach Aussage des Regisseurs für das Loch in der Wand Inspiration. Wenn das kein Grund ist, dem ungewöhnlichen und doch sehenswerten DEEP DARK eine Chance zu geben. Der entpuppt sich neben IT FOLLOW und dem zu Unrecht von vielen Horrorfans in der Luft zerrissenem THE BABADOOK als einer der besten Indie-Horrorperlen, die das Jahr 2015 hervorgebracht hat. Nach ideenlosem Fortsetzungs-Horror kommerziell erfolgreicher Gruselfilme, sind solch sonderbare Horrorgeschichten wie DEEP DARK sie erzählt gefragter denn je. Schließlich bleiben die länger im Kopf, als überflüssige Pre- und Sequels von so Horrorstreifen, wie CONJURING, INSIDIOUS und Co.
 
 
Deep-Dark-bild-1
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DEEP DARK ist bizarres Indie-Horrorkino, das man so garantiert noch nicht gesehen hat, schließlich kommt es nicht alle Tage vor – pornografische Filme ausgeschlossen – dass ein Mann mit einem Loch in der Wand eine Beziehung eingeht. Die auf Festivals ausgezeichnete Horrorsatire ist mal wieder auf dem Mist eines Regie-Newcomers gewachsen, der mit seiner ungewöhnlichen und zugleich makabren Geschichte an viele der schwarzhumorigen TALES FROM THE CRYPT-Episoden erinnert. Mit erhobenem Zeigefinger prangert er die Erfolgssucht der heutigen Gesellschaft an, die für Ruhm und Anerkennung sogar über Leichen geht. Dank guter Schauspieler, unerwarteter Wendung und bitterbösem Humor ist so eine etwas andere Liebesgeschichte entstanden, die auf jeden Fall am Ende die Interpretationsgabe des Zuschauers entfacht. DEEP DARK bleibt garantiert länger im Kopf, als manch ausgelutschter Horrorschinken aus Hollywood. Demzufolge meinen wir: Kompliment Herr Medaglia für diese ungewöhnliche Leistung und bitte drehen Sie mehr davon!
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Zensur

 
 
 
DEEP DARK ist nicht sonderlich brutal. Einem Protagonisten wird der Darm aus dem Körper gezogen. Einem andere Charakter werden die Finger an beiden Händen abgetrennt. Hierzulande wird DEEP DARK demzufolge eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Elmer (1988)